Protokoll des Arbeitskreises Krankenhäuser vom 07. September Vergiss mich nicht Patenschaftsprojekt für Kinder von suchtmittelabhängigen Eltern

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1 Landesstelle Berlin für Suchtfragen e.v. Gierkezeile Berlin Landesstelle Berlin für Suchtfragen e.v. Protokoll des Arbeitskreises Krankenhäuser vom 07. September 2011 Vergiss mich nicht Patenschaftsprojekt für Kinder von suchtmittelabhängigen Eltern Träger: Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.v. Gierkezeile Berlin Fon: Fax: Referenten: Albert Nägele und Ulrich Liedholz Das Patenschaftsprojekt ist ein Baustein des Diakonischen Werkes Berlin Stadtmitte und trägt den Titel Vergiss mich nicht. Die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche suchtmittelabhängiger Eltern zwischen 2 und 16 Jahren aus ganz Berlin. Das Projekt gibt es seit Ende 2008 und zur Zeit werden 18 Kinder betreut. Die Idee für das Patenschaftsprojekt entstand aus den Erfahrungen, die häufig von Kindern Suchtkranker berichtet werden. Suchtmittelabhängigkeit wird immer noch vor allem als Charakterschwäche, Versagen oder gar Schande angesehen. In der Familie wiederum führen Scham und Angst zu einer Tabuisierung des Themas Sucht, die Kinder spüren, dass über das Suchtproblem und seine Folgen nicht geredet werden darf. Das Familiengebot lautet: Niemand darf merken, was bei uns wirklich los ist! Dabei sprechen die Zahlen für sich: Und von diesen so genannten vergessenen Kindern gibt es viele in Deutschland insgesamt leben etwa 2,6 Mio. Kinder in Familien, in denen eines oder beide Elternteile suchtmittelabhängig sind. Und mehr als die Hälfte der heutigen Alkoholabhängigen stammt aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil suchtmittelabhängig war. Ihre eigenen Kinder wiederum haben nun in weit höherem Maße als ihre Altersgenossen die Disposition, selbst alkoholabhängig zu werden. Damit nicht genug. Sie haben auch ein weit höheres Risiko, Beziehungen mit Suchtmittelabhängigen einzugehen. Auch Kinder suchtkranker Eltern lieben ihre Eltern, sie schützen sie. Das verursacht häufig Ambivalenzen und Loyalitätskonflikte. Die am häufigsten genannten Erfahrungen waren Disharmonie im Familienleben, die Unberechenbarkeit und die Unzuverlässigkeit im Verhalten der Eltern. Geschäftsführender Bankverbindung: Steuernummer: Vorstand: Bank für 27/671/52197 Dr. Thomas Reuter Sozialwirtschaft Vereinsregister-Nr.: Michael Frommhold BLZ: Finanzamt Charlottenburg Silke Biester Kontonr.: VR 2591 B

2 Das Erleben der Kinder: - Einsamkeit - Verlassenheit - Armut - Gewalt - Missbrauch - extremer Wechsel der Gefühle - Lügen und Enttäuschungen - Überforderung und Hilflosigkeit - Scham und Schuldgefühle - Verantwortungsübernahme Grundsätzlich sind diese Kinder und Jugendliche vielen Belastungssituationen ausgesetzt, aber am schwierigsten ist für sie das Fehlen einer zuverlässigen erwachsenen Bezugsperson in ihrem Leben. Das Ziel der Patenschaft ist es deshalb, den Kindern langfristig einen verlässlichen erwachsenen Ansprechpartner an die Seite zu stellen, der ihnen Aufmerksamkeit schenkt sie sollen eine schöne Zeit verbringen und von der familiären Situation den Kopf frei haben. Pate und Patenkind sollen regelmäßig Zeit (einmal pro Woche) miteinander verbringen und eine nach den kindlichen Bedürfnissen und Interessen orientiere Freizeitaktivität gestalten. In dieser Zeit soll es nicht um die Suchtproblematik zu Hause gehen. Die gemeinsamen Unternehmungen sollen vielmehr als Entlastung von der schwierigen Situation zu Hause dienen und dem Kind die Möglichkeit geben, sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen. Die Paten sollen sich nur um das Kind kümmern und kein Elternersatz sein. Sie konzentrieren sich allein auf die Unterstützung der Kinder und fördern ihre Stärken. Die Kinder werden die Patenschaft schützen aber sie haben auch die Loyalität zu ihren Eltern. Für die Betreuung und Schulung der Paten braucht man professionelle Hilfe im Hintergrund. Sie stehen als verlässliche Ansprechpartner zur Verfügung. Der Pate sollte eine Person des Vertrauens für das Kind werden, ohne dadurch die Eltern zu ersetzen, sondern helfend agieren und damit die Eltern unterstützen. Nur so wird die Patenschaft von den Eltern akzeptiert. Die Paten müssen wissen, was es bedeutet in einer suchtbelasteten Familie zu agieren, um beispielsweise Loyalitätskonflikte für das Kind zu vermeiden. Darüber wurde lebhaft und kontrovers diskutiert, inwieweit Paten elterliche Aufgaben übernehmen sollten, wenn z. B. den Kindern der Jahreszeit entsprechende Kleidung fehlt. Wo hört die Patenschaft auf und wo beginnt der Verantwortungsbereich der Eltern. Dies muss von Fall zu Fall immer wieder neu entschieden werden. Eine klare Grenze wird dann überschritten, wenn es um Missbrauch und Kindeswohlgefährdung geht, dies möglichst früh zu erkennen, gehört zum Aufgabenbereich der Paten, hier muss auch zeitnah das Jugendamt eingeschaltet werden. Die Paten werden sorgfältig ausgewählt und müssen ein Führungszeugnis vorlegen. Sie werden durch intensive Gespräche auf die Patenschaft vorbereitet. Durch vielfältige Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit werden viele Paten erreicht, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Weiterhin versuchen die Projektmitarbeiter, die Öffentlichkeit über die Situation der vergessenen Kinder zu informieren und zu sensibilisieren (Postkarten, Flyer, Plakate). Die Arbeit des Projekts erfolgt bezirksübergreifend und ist mit der professionellen Hilfe vernetzt. Berlin, den gez. Ulrich Breckheimer I.O.G.T. Angepasst und ergänzt von Albert Nägele und Ulrich Liedholz ProtAkK_0911.docx Seite 2 von 2

3 Vergiss mich nicht Ein Patenschaftsprojekt für Kinder suchtmittelabhängiger Eltern Die vergessenen Kinder 1

4 In Deutschland sind 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von der Suchtmittelabhängigkeit eines oder beider Elternteile betroffen. Etwa ein Drittel dieser Kinder und Jugendlichen wird später selbst suchtmittelabhängig werden. Damit nicht genug: Sie haben auch ein höheres Risiko, später Beziehungen mit Suchtmittelabhängigen einzugehen. Jedes 6. Kind in einer Schulklasse ist ein vergessenes Kind 2

5 Festung Suchtfamilie Erleben der Kinder Einsamkeit und Verlassenheit Ständiger Streit und Stress Armut Gewalt Missbrauch Extremer Wechsel der Gefühle Lügen und Enttäuschungen Überforderung und Hilflosigkeit Scham- und Schuldgefühle Verantwortungsübernahme 3

6 Rede nicht Fühle nicht Vertraue nicht Was braucht so ein Kind Eine verlässliche erwachsene Bezugsperson Annahme der Wünsche und Gefühle Zeit kindlicher Unbeschwertheit 4

7 Die Paten konzentrieren sich allein auf die Unterstützung der Kinder verbringen über einen längeren Zeitraum regelmäßig Zeit mit den Kindern stehen den Kindern als verlässliche Ansprechpartner zur Verfügung fördern die Stärken der Kinder Unterstützung der Paten Wertschätzung Vertrauensbasis Information Erreichbarkeit Austauschtreffen der Paten Schulung 5

8 Nachhaltigkeit der Patenschaften Die Kinder werden in ihren Resilienzen gestärkt. Suchtprävention durch das Erleben der Paten und der Stärkung des Selbstwertes der Kinder. Schutz vor Kindeswohlgefährdung durch die enge Anbindung der Paten und Kinder an das Projekt. Positive Auswirkungen auf das Familiensystem. 6

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