Wieviel Regulierung braucht der VoIP-Markt?

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1 Wieviel Regulierung braucht der VoIP-Markt? Robert Walser AIN-Consulting GbR Frankfurt

2 Agenda Das Neue an VoIP Spannungsfeld Regulierung Nummerierung / Adressierung Peering / Interconnection Marktdefinition VoIP Ain-Consulting

3 Das Neue an VoIP (I) Nutzung unabhängig von Anschluss / Standort möglich (z.b. nomadische Nutzung ) Stärkere Verteilung von Funktionen entlang OSI-Modell möglich (Access, Transport, Dienst) (Beispiel NGN) -> neue Anbieter Separierung Angebot Breitbandanschluss / Dienste möglich: Spezialisierungsmöglichkeit auf jeder Wertschöpfungsstufe (Beispiel: Betreiber: Call Server) Dienstefunktionalität nicht unbedingt zentralisiert im Providernetz / Intelligente Endgeräte / Nutzung von vorkonfigurierten Softphones Nutzkanalverbindung direkt zwischen Endgeräten (SIP; z.b. IP-Centrex) und folgt nicht dem Signalisierungsweg Ain-Consulting

4 Das Neue an VoIP (II) Variable Adressierungsmöglichkeiten für Endgeräte (E.164 Rufnummern, Mailadressen, ENUM, Kurzwahlziffern etc.) Unentgeltliche Verbindungen möglich: On-Net Telefonverbindungen + Verbindungen zwischen allen Internet-Teilnehmern bzw. VoIP-Inseln Telefonie ist nur eine von vielen Applikationen Status: - VoIP ist neu. Insbesondere hinsichtlich netzinterner Architekturen + möglicher Geschäftsmodelle - Aber: Ist VoIP so neu, dass es aus dem TKG-Rahmen fallen kann? - Ist VoIP aus Anwendersicht wirklich ein neuer Telefondienst oder POTS? Beispiel Peer-to-Peer VoIP: Ist der Betreiber einer öffentlichen Auskunftsdatenbank (VoIP) auch Anbieter eines öffentlichen Sprachtelefondienstes? Oder erst beim zusätzlichen Angebot von PSTN Inbound / Outbound? Ain-Consulting

5 Spannungsfeld Regulierung (I) Zu klären durch RegTP Vollständige Subsumption aller VoIP-Geschäftsmodelle unter alle TKG- Begriffe bzw. deren Rechte / Pflichten sinnvoll / möglich? (Matrix) Sind Erweiterungen / Änderungen des bestehenden TKG / TK- Verordnungen notwendig, wenn: - TKG-Begriffe nicht technikneutral formuliert sind (z.b. bei Abbildung PSTN-Struktur) oder einzelne Infrastrukturmodelle (z.b. Anschluss) bevorzugen? VoIP als erster Test auf Technologie-Neutralität des TKG - VoIP Dienste evtl. vollständig verhindert werden? z.b. Notruf: Nur Anschlussbetreiber hat Ortsinformation = VoIP-Dienste nur zulässig von Anschlussbetreibern? Soll Übertragung von Marktmacht durch in PSTN-Märkten marktbeherrschende Unternehmen auf VoIP - / Breitbandmärkte mittels TKG-Instrumenten (z.b. Marktdefinition, Entgeltgenehmigung) verhindert werden? Ain-Consulting

6 Spannungsfeld Regulierung (II) Potentiell veränderte Wettbewerbssituation durch VoIP - Möglicher Eintritt neuer Wettbewerber die ohne Verwendung von TAL / Line Sharing als Komplettanbieter (Daten + Sprache) auftreten können - Aufbau vollständiger Kundenbindung ohne Verwendung von TAL / Line Sharing - pot. Wegfall der doppelten Grundgebühr - Basis: Entbündelung von Telefon - / DSL Anschluss (DSL-Anschlüsse ohne Telefonanschluss als Vorleistungsprodukt) -> Einführung nackter DSL-Anschluss / Bitstream-Access Abwägung: Infrastrukturwettbewerb vs. Dienstewettbewerb + Entgeltkonsistenz zwischen den Wertschöpfungsstufen / Wettbewerbern Folge: Teilweise instrumentalisierte VoIP-Diskussion im Bereich öffentliche Telefonie Ain-Consulting

7 Beispiel für erfolgte Änderung TKG-Begriffe: Nummerierung / Adressierung (I) Nutzung der Ressource Ortsnetzrufnummern entscheidend für VoIP- Anbieter (Substituierung) Voraussetzung Zuteilungsregeln: vorhandener Ortsnetzbezug. Bisheriges Kriterium für Ortsnetzbezug: Lokation des Anschlusses (z.b. TNB auf TAL). Technikneutral? Anhörung RegTP: auch VoIP-Anbieter sollen ihren Kunden Ortsnetzrufnummern technologieneutral zuteilen können Vorläufig (geänderte Zuteilungsregeln stehen noch aus) geduldet als Kriterium: Wohn - / Firmensitz -> anschlussbezogene Definition aufgegeben Nutzung von Ortsnetzrufnummern auch für VoIP-Anbieter jeder Wertschöpfungsebene möglich (inkl. DSL-Resale; reine Call-Server Betreiber) Ain-Consulting

8 Beispiel für erfolgte Änderung TKG-Begriffe - Nummerierung / Adressierung (II) Weitere Kriterien Zuteilungsregeln: a) Teilnahme am Portierungsdatenaustauschverfahren (PSTN-Verfahren) b) Betreiben eines Telekommunikationsnetzes Geplante Anpassungen dieser Kriterien für Nicht-PSTN Wettbewerber: a) Teilnahme am Portierungsdatenaustausch (direkt + indirekt möglich) b) Anbieter direkt oder über einen Vertragspartner mit dem öffentlichen Netz zusammengeschaltet c) Vorläufige Tolerierung der Hilfskonstruktion einzelner VoIP-Anbieter: Abgeleitete Zuteilung über PSTN-Netzbetreiber -> Aber Hinweis auf Folgen: keine Portierungsmöglichkeit für Endnutzer Zusätzlich: Reduzierung Investitionskosten durch kleinere Losgröße (100er RNB) Einführung 032-Rufnummern: Vorgesehen für Dienste ohne geographischen Bezug Annahme: Zunehmend alternative Adressierungsformen (nicht E.164) + Voip- Peering-Vereinbarungen -> PSTN wird evtl. zum Subset des Internet Ain-Consulting

9 Offen: Peering / Interconnection (I) Ausgestaltungsvarianten von Zusammenschaltungen Modelle: Interconnection-Vereinbarungen vs. Peering-Vereinbarungen. Kein Calling-Party-Pay Prinzip: IP-Peering (Transit) gekennzeichnet durch abweichende Zahlungsströme / Abrechnungsformen Zusammenschaltungsverpflichtung auf Basis von Interconnection- Modellen, Peering oder Call-Server Abfragen (Öffnen der Kunden-DB) etc.? Festlegung der Zusammenschaltungs-Entgelte durch RegTP unter Berücksichtigung des Leistungsaustausches / Kostenzuordnung / Quersubventionierung bei Sprache: z.b. IP-Terminierung (TAL) / reziproke Entgelte (alternative TNB) Ain-Consulting

10 Offen: Peering / Interconnection (II) Doppelte Erreichbarkeit des Nutzers: Alternative Terminierung auch ohne Verwendung der PSTN-Struktur (Zwangspeering) ermöglicht ( offene Call-Server Abfrage)? Eigenständige Verwaltung des Adressierungsmerkmals E.164 durch Nutzer zugelassen? Variable Netzwahl Fehlende Preselection / CbC Verpflichtung des VoIP-Anbieters = Recht auf Sperrung von VoIP-Ports? Zu entscheiden: Offene Netze oder Mobilfunk? Mobilfunk: geschlossenes Netz trotz SIP (4G/5G) Routingprinzipien: Portierungs-Datenbanken vs. BGP Ain-Consulting

11 Marktdefinition VoIP (I) Regulierung in Deutschland abhängig von Märkten (TKG-Novelle) Laut RegTP sind VoIP-Angebote potenziell den Verbindungsmärkten (Märkten 1-6) zuzuordnen Aktueller RegTP-Marktanalyseentwurf berücksichtigt VoIP-Dienste jedoch nicht, da auf veraltete Zahlen aus zurückgegriffen wird VoIP-Dienste sollten aufgrund der Technologieneutralität der EU-RL in Marktanalyse aufgenommen werden (Substituierbarkeit mit PSTN) und dem Markt für Sprachtelefondienst zugeordnet werden: - Daraus folgt: Anzeigepflicht, Ex-Post-Regulierung und Synchronitätsgebot gem. 39 Abs. 4 TKG) d.h.: Untersagung von VoIP-Angeboten der DTAG, wenn erforderliche Vorleistungen nicht bereit gestellt werden (Bsp.: Bitstromzugang) Konkrete Entscheidung RegTP fehlt bislang Ain-Consulting

12 Marktdefinition VoIP (II) Beispiel Verbindungsleistung 032 (mündl. Verhandlung BK4): - Derzeit keine Genehmigungspflicht (laufendes Verfahren) - Kein Rückgriff auf früher bereits getroffene Marktabgrenzung (z.b. Zuordnung zu O. und Z. Leistungen / Zusammenschaltung mit Festnetzen) -> keine Anwendung 150 Abs.1 TKG - Keine vorläufige Auferlegung der Genehmigungspflicht nach 12 Abs.2 Nr.4. Märkte 8-10 ohne Bewertung von 032-Verbindungsleistungen Drohszenario: DTAG entzieht sich Regulierung durch Migration auf andere Technik - VoIP wird in Deutschland im wesentlichen über DSL realisiert - Wg. DSL- und Anschlussmonopol der DTAG ist VoIP-Bereich damit monopolisierungsgefährdet - Sollte DTAG neues VoIP-Angebot unreguliert in den Markt einführen können, droht Marktmachtübertragung wie im DSL-Markt - Dadurch würden der Fehler in der DSL-Regulierung nicht nur tradiert, sondern verfestigt Ain-Consulting

13 Kontakt Robert Walser Ain-Consulting GbR Ain-Consulting

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