Illegales Holz wird hoffähig

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1 Illegales Holz wird hoffähig Wie das deutsche Holzhandels-Sicherungs-Gesetz den Handel mit illegal geschlagenem Holz bagatellisiert Schätzungen zufolge stammen zwischen 16 und 19 Prozent der Holz- und Papierimporte in die Europäische Union aus illegalen Quellen. Der Handel mit illegalem Holz wird auf zwischen US$ 30 und US$ 100 Milliarden geschätzt 1. Gewinnmargen, wie man sie sonst nur aus dem Drogenhandel kennt. Die sozialen und ökologischen Folgen sind verheerend. Ein neues Gesetz soll die Einfuhr mit t illegal Abb.1: Tropenholz aus dem Kongo: ein lukratives Geschäft geschlagenem Holz sowie Holzprodukten aus nicht legalem Holzeinschlag nach Deutschland verhindern öffnet ihm stattdessen jedoch Tür und Tor. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über den politischen Prozess, Inhalt und Konsequenzen des neuen n Holzhandels-Sicherungs Sicherungs-Gesetzes (HolzSiG) und Informationen über das Ausmaß des Weltmarkts für Holz aus ungesetzlichem Einschlag. 1) Der Weg zum Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) Mit dem neuem Gesetz setzt die Bundesregierung die EU-Holzhandelsverordnung um. Diese ist Teil des sogenannten FLEGT-Aktionsplans, den die Europäische Union bereits 2003 aufgestellt hatte mit dem Ziel, dass zukünftig nur legal geschlagenes Holz und daraus produzierte Produkte importiert werden sollten. Der FLEGT-Aktions Aktionsplan der EU FLEGT ist die englische Abkürzung für Forest Law Enforcement, Governance and Trade, auf Deutsch: Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor. Der mehrteilige Aktionsplan hat das Ziel, dass nur legales Holz in der EU verkauft werden soll. Zentrale Aspekte des Plan von Mai 2003 ist die EU-Holzhandelsverordnung sowie der Abschluss verbindlicher Partnerschaftsverbeinbarungen zwischen der EU und den Exportländern (VPA). 1 UNEP/Interpol-Report Green Carbon, black trade. Illegal logging, tax fraud and laundering in the worlds tropical forests V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 1

2 EU-Partnerschaftsabkommen (VPA) Die Abkürzung VPA steht für Voluntary Partnership Agreements. 2 Diese Partnerschaftsabkommen (EU-Verordnung Nr. 2173/2005) sind ein langjähriger Prozess mit dem Ziel, in den holzproduzierenden Ländern Reformen zu unterstützen, die den illegalen Holzeinschlag vor Ort eindämmen und gleichzeitig zu gewähren, dass das Holz, welches in die EU importiert wird, legal ist. Dafür wird in den Partnerländern ein Genehmigungs- und Lizenzsystem eingerichtet, um so zu gewährleisten, dass nur legal geschlagenes Holz aus dem jeweiligen Land exportiert wird. Die Länder erhalten parallel Unterstützung bei der Verbesserung ihrer Kapazitäten in den Bereichen Waldbewirtschaftung und Rechtsdurchsetzung. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Ansatz sehr positiv sein kann 3, zeigen jedoch auch, dass die Qualität der Partnerschaftsabkommen unterschiedlich ausfällt. 4 Das erste VPA hat die EU 2009 mit Ghana unterzeichnet. Weitere Vereinbarungen wurden bislang mit der Demokratischen Republik Kongo (DRK), der Republik Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik sowie Indonesien und Liberia ausgehandelt. Noch ist jedoch kein Holz mit einer FLEGT-Lizenz in die EU importiert worden. Dies ist eine große Herausforderung, da die EU solche Partnerschaftsabkommen mit Staaten anstrebt, in denen zurzeit keine Rechtstaatlichkeit herrscht. Es scheint noch unklar wie die Behörden mit dieser Tatsache umgehen werden. Der Widerspruch: Für den Fall, dass FLEGTlizensiertes Holz (wie bei CITES-zertifiziertem Holz) in die EU Importiert wird und davon ausgegangen wird, dass es konform mit den Forderungen der EU-Holzhandelsverordnung ist und die Importeure automatisch ihre Sorgfaltsplicht erfüllt haben, sprich das Holz hat eine s.g. greenlane bekommen, könnte es bei nicht ausreichender Kontrolle als Schlupfloch für den Import illegaler Ware genutzt werden. Die EU-Holzhandelsverordnung Als eine Maßnahme des FLEGT-Aktionsplans (s.o.) wurde nach jahrelangen Diskussionen am 20. Oktober 2010 die EU-Holzhandels-Verordnung (Verordnung EU Nr. 995/2010) erlassen. 5 Sie trat am 3. März 2013 in Kraft und verbietet in der EU den Handel mit illegal geschlagenem Holz und Holzprodukten. Unter die Verordnung fallen z.b. Brennholz, Rohholz, Furnierblätter, Spanplatten, Faserplatten, verdichtetes Holz, Holzrahmen, bestimmte Zellstoffe und Papiere sowie Holzmöbel. Paradoxerweise sind jedoch Musikinstrumente, die oft aus Tropenholz hergestellt sind, sowie bedrucktes Papier nicht vom Gesetz betroffen. Die EU-Verordnung unterscheidet zwischen den Pflichten - für Marktteilnehmer, die Holz oder Holzerzeugnisse in Verkehr bringen, - für Händler, die bereits auf dem Binnenmarkt vorhandenes Holz oder Holzerzeugnisse ankaufen oder verkaufen. 2 Link zur EU-Verordnung Nr. 2173/2005 englisch-deutsch: &hwords=&checktexte=checkbox&visu=#texte Link zur EU-Verordnung Nr. 995/2010 englisch-deutsch: V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 2

3 Nach dem neuen Gesetz muss derjenige, der Holz oder Holzprodukte als Erster in der EU auf den Markt bringt (als sogenannter "Erstinverkehrbringer"), deren legale Herkunft nachweisen, durch ein sogenanntes Sorgfaltspflichtssystem. Die Marktteilnehmer wie z.b. Importeure sind am stärksten vom Gesetz betroffen. Sie müssen zunächst verschiedene Informationen sammeln und auf deren Grundlage eine Risikobewertung durchführen, um auszuschließen, dass Holz oder Holzerzeugnisse aus illegalem Holzeinschlag in Verkehr gebracht wurde. Kann ein illegaler Holzeinschlag nicht ausgeschlossen werden, muss der Unternehmer weitere Informationen einholen und prüfen, bevor er das Holz vertreiben darf. Im Gegensatz dazu müssen die Holzhändler lediglich benennen können, von wem sie das Holz erworben haben und an wen sie das Holz weiterverkauft haben. Das Holzhandels-Sicherungs Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) massive Schlupflöcher Das HolzSiG trat bereits am 15. Juli 2011 in Kraft 6, und setzte damals die Regelungen zur Einrichtung eines FLEGT-Genehmigungssystems für Holzimporte aus Partnerländern (VPA) in deutsches Recht um. Mit Inkrafttreten der neuen EU-Holzhandelsverordung musste auch das HolzSiG neu aufgelegt werden, damit es den deutschen Gegebenheiten angepasst werden kann. Die einzelnen EU-Länder müssen eine nationale Behörde ausweisen, die die Durchsetzung der Verordnung koordiniert. Sie müssen auch die Art und den Umfang der Strafen festlegen. Das HolzSiG regelt zudem die Kontrollbefugnisse der zuständigen Behörden und die Voraussetzungen für die Beschlagnahmung von Holz. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Ernährung (BLE) als zuständige Kontrollbehörde auch für einen Überwachungsplan der Marktteilnehmer zuständig. Für die Kontrolle der inländischen Waldbesitzer sind die jeweiligen nach Landesrecht zuständigen Behörden verantwortlich. Im Januar 2013 wurde der erste Entwurf der Gesetzesnovellierung von der Bundesregierung vorgelegt. Doch am 14. Februar, wenige Tage vor der Abstimmung im Bundestag, brachten CDU/CSU und FDP einen Änderungsantrag ein, der den alten Entwurf massiv aufweichte. Das Koalitionspapier setzte das vorgesehene Strafmaß für die Einfuhr illegalen Holzes herunter ein massives Schlupfloch. Denn: Würde nun in Deutschland illegal geschlagenes Holz in den Verkehr gebracht, so handelt es sich laut der vorgeschlagenen Änderung in den meisten Fällen nicht um eine Straftat, sondern nur noch um eine Ordnungswidrigkeit. Das ergibt eine Rechtsexpertise von Günther und Partner 7, die Greenpeace mit der Prüfung beauftragt hatte: Ergebnis des Gutachtens: 7 und 8 HolzSiG-BT bagatellisieren den illegalen Holzhandel. Vorsatztaten werden zu Ordnungswidrigkeiten herabgestuft. Der Versuch bleibt ungeahndet, mit Ausnahme von besonders ruchlosem Verhalten, das aber nur schwer nachzuweisen ist. Die Wälder werden so nicht geschützt. Der Bundestag entschied schließlich, dem umstrittenen Koalitionsantrag zu folgen und somit das Risiko den deutschen Markt weiter für illegales Holz offen zu halten. Lediglich die SPD stimmte dagegen. Das Gesetz hat jedoch in dieser Form den Bundesrat passiert. Es kann jedoch nach den Koalitionsverhandlungen im Herbst nochmal revidiert werden. 6 Link zum Gesetz gegen den Handel mit illegalem Holz: 7 Rechtsanwälte Günther, Rechtsexpertise Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) vom V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 3

4 Holzindustrie wirbt mit Lobbyerfolg Lobbyverbände wie der HDH (Hauptverband der Deutschen Holz und Kunststoffe verarbeitende Industrie und verwandter Industriezweige e.v) hatten sich während des politischen Prozesses gezielt für Schlupflöcher im Gesetz eingesetzt. So kann man im öffentlich zugänglichen HDH-Leitfaden nachlesen: Ebenso konnten bei der europäischen Holzhandelsverordnung dank der gezielten Einflussnahme des HDH auf nationaler und europäischer Ebene Hürden für die deutsche Holzindustrie und den Holzhandel aus dem Weg geräumt werden. ( ) Die hervorragende Verabandsarbeit der HDH hat einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die Sorgfaltspflichtregelungen der EU- Handelsverordnung entgegen der ursprünglichen Absicht nur auf Marktteilnehmner angewendet werden, die Holz und Holzerzeugnisse erstmals auf den Binnenmarkt in Verkehr bringen. 8 2) Handel mit illegalem Holz blüht Die Studie Green carbon, black trade schätzt, dass zwischen 15 und 30 Prozent des weltweit gehandelten Holzes aus illegalen Quellen stammen. 9 Illegaler Holzeinschlag ist besonders problematisch in Konflikt-Regionen mit hoher Korruption. Der Handel mit illegalem Holz destabilisiert Staaten und ist verantwortlich für Kriege und gewalttätige Konflikte. Abb.2: Übersicht über den illegalen Handel mit Holz. Die Pfeile zeigen die Hauptströme zu den größten Abnehmern (Quelle: INTERPOL/UNEP Green Carbon, Black Trade) Besonders betroffen ist der Handel mit Tropenholz. Zwischen 50 und 90 Prozent der Holzernte aus dem Amazonas und dem Kongo- Becken sowie aus Indonesien werden illegal geschlagen. Damit erwirtschaftet die Holzmafia einen Umsatz von 30 bis 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Insgesamt wird der internationale Holzhandel auf über 320 Milliarden Dollar geschätzt mit Gewinnmargen, wie man sie sonst nur aus dem Drogenhandel kennt 10. Straftäter tragen ein niedriges Risiko, doch der Profit sei laut UNEP/Interpol hoch deswegen sei das Geschäft für Investoren aus aller Welt interessant, auch 8 9 UNEP/Interpol-Report Green Carbon, black trade. Illegal logging, tax fraud and laundering in the worlds tropical forests 10 Der Spiegel 10/2013, S. 71 V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 4

5 aus Europa und Nordamerika. Beispiel: Europa als Importland Zwischen 16 % und 19 % der Holzimporte in die EU stammen nach Berechnungen einer Studie des WWF aus illegalem Holzeinschlag. Deutschland importiert die drittgrößte Menge an illegalem Holz in die EU: Zwischen 7 % und 9 % der Importe nach Deutschland stammen aus illegalen Quellen (Stand 2008). 11 Die bei weitem größte illegale Holzmenge, die nach Deutschland und in die EU gelangt, stammt aus Russland. Im internationalen Holzhandel hat China erheblich in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen für den eigenen Markt, aber auch als Transitland für fertige Holzprodukte sowohl nach Deutschland als auch in die gesamte EU. China ist laut einer Studie der in London ansässigen Environmental Investigation Agency (EIA), der größte Importeur von illegal geschlagenem Holz. 12 Untersuchungen ergaben, dass China jährlich illegales Holz im Wert von vier Milliarden US-Dollar importiert, um den gestiegenen Bedarf an Möbeln, Papier sowie an Holz für den Hausbau zu befriedigen, aber auch, um Produkte für den Export zu produzieren. Dies betrifft auch Produkte, die auf dem Europäischen Markt gehandelt werden. Insgesamt importiert das Land 40 bis 45 Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr. Mehr als die Hälfte stammt aus Ländern mit schwacher Regierungsführung und hoher Korruption, die der globalen Holzmafia kaum etwas entgegenzusetzen haben, beispielsweise Kambodscha, Laos und Madagaskar. 40 Prozent des Holzes aus der Demokratischen Republik Kongo gelangen nach China. Die vom statischen Bundesamt 13 erhältlichen Daten zu Importen tropischer Rohhölzer zeigen: Diese haben sich in den letzten Jahren stark nach unten entwickelt, weniger stark die von bearbeitetem Tropenholz (d.h. gesägt, gehobelt, geschliffen etc.), wohingegen Produkte aus tropischen Hölzern seit einigen Jahren stagnieren. Die Entwicklung der jeweils importierten Mengen für die Jahre ist in dem Diagramm unten dargestellt. 11 WWF-Report Illegaler Holzeinschlag und Deutschland, April 2008, 12 EIA-Report Appetite for Destruction: China s Trade in Illegal Timber, November 2012: 13 STATISTISCHES BUNDESAMT: Außenhandel Deutschland, Ware (6/8Steller), Länder [Abfragen für Warengruppen WA44034xxx Rohholz von tropischen Hölzern... sowie Warengruppen xxx aus tropischen Hölzern, Jahre , Einfuhr, nach Gewicht] {StatBA_tropHolz.zip, StatBA_tropHolz.ods} https://www-genesis.destatis.de/genesis/online 11 Peter ELSASSER, Gerald KOCH, Björn SEINTSCH (INSTITUT FÜR ÖKONOMIE DER FORST- & V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 5

6 Zur Aussagekraft der offiziellen Statistik sollte man jedoch Folgendes bedenken: Die Statistik spezifiziert knapp 60 % der tropischen Rohholz-Importe nicht näher nach Baumart, sodass eine genauere Einschätzung zur ökologischen Relevanz erschwert wird. Tropische Hölzer gelangen zunehmend in verarbeiteter Form, und nicht mehr als Rohholz (d.h. Rundholz, Stämme) zu uns. Die oben erwähnten weiterverarbeiteten Produkte enthalten zwar in ihrer Beschreibung einen Hinweis auf Tropenholz, möglicherwese ist dies jedoch in anderen Fällen nicht so, dann verschwinden Tropenhölzer in nicht aussagekräftigen Warenklassen. Werden Tropenhölzer in anderen EU-Ländern weiterverarbeitet und/oder von da nach Deutschland weitertransportiert ( Intra-EU-Trade ), dann tauchen sie möglicherweise nicht, nicht vollständig oder unter anderen Bezeichnungen in den deutschen Einfuhren auf. Da die Einfuhren von Tropenholz in Produktform gegenüber Rohholz (Stämmen) immer bedeutsamer werden, richtet sich das Augenmerk immer mehr auch auf ausgefallene Warengruppen, wie z.b. von Musikinstrumenten. Diese sind jedoch paradoxerweise von der EU Holzverordnung nicht betroffen. Beispiel: Demokratische Republik Kongo (DRK) als Exportland Seit 2002 verhindert ein Moratorium die Vergabe neuer Holzeinschlags-Konzessionen in der Demokratischen Republik Kongo. Dieses wird jedoch in großem Stile unterwandert: Sogenannte "artisanal logging permits", handwerkliche Einschlagsgenehmigungen, gehen unter der Hand an industrielle Holzfirmen. Der Greenpeace-Report Cut it out 14 von März 2013 dokumentiert die Spitze des Eisbergs durch mehrere Felduntersuchungen in der Bandundu-Waldprovinz als auch in den Holzumschlagshäfen. Die Arbeitsbedingungen bei diesem illegalen Holzeinschlag sind katastrophal; die Wälder werden geplündert und die lokalen Gemeinden haben keinen Nutzen davon. Diese Zustände führen auch zu einer enormen Steuerhinterziehung und 14 Greenpeace-Report Cut it out: Illegal Logging in the Democratic Republic of Congo (DRC), März 2013: Cut-It-Out-Abholzung-Kongo.pdf, deutsche Kurzzusammenfassung: V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 6

7 lassen Geld versickern, welches dringend für Bildung oder Gesundheit des kongolesischen Volkes benötigt würde. Auch die unabhängigen Beobachter der Organisation REM konnten aufzeigen, dass die größten Holzfirmen in der DRK in illegale Holzwirtschaft verwickelt sind. 15 Der Bericht liefert Beweise, dass die Unternehmen die ihnen zugewiesenen Abholzungsquoten überschreiten, Steuern hinterziehen, ohne Betriebsgenehmigungen arbeiten und ihre Buchführung fälschen. Es gibt deutliche Hinweise, dass die Regierung der Demokratischen Republik Kongo diesen eklatanten Rechtsverletzungen Einhalt gebieten will. Immerhin wurden kürzlich mehrere illegal erlangte Konzessionen in Bandundu und Equateur widerrufen. Die DRK-Regierung möchte eine Partnerschaftsvereinbarung (VPA) mit der EU unterzeichnen. Bisher liegt dieses Ziel jedoch in weiter Ferne, denn das Chaos in der Holzwirtschaft des Kongo ist kaum zu durchdringen. Für europäische Holzimporteure ist es durch die am 2013 in Kraft getretene EU-Holzverordnung (s.o.) fast unmöglich, Holz aus dem Kongo zu importieren, ohne gleichzeitig gegen die neue Verordnung zu verstoßen. Ureinwohner betroffen Abb.3: Kind aus dem Dorf Bamande (DRC) schleppt schwere Holzplanken. Jan-Joseph Stok / Greenpeace Leidtragende des illegalen Holzeinschlages sind meist die Ureinwohner in verschiedenen Teilen der Welt. Ihre traditionellen Lebensweisen beruhen auf ökologisch intakten Wäldern. Sie drohen, der Holzmafia zum Opfer zu fallen, die vor Gewaltverbrechen nicht zurückschreckt. 16 Immer wieder kommt es auch zu Konflikten zwischen den Gemeinden und den Holzfirmen. Besonders hilflos ist die Bevölkerung in Gebieten wie dem Kongobecken den Firmen ausgeliefert. Grund sind unter anderem Korruption, mangelnde Regierungsführung, undurchschaubare Strukturen und -überwachung sowie eine fehlende Planung für die Landnutzung. Sogar Firmen, die das Holzsiegel Forest Stewardship Council (FSC) anstreben, sind im Kongo ein Teil des Problems. Greenpeace hat in zwei Fällen aufgrund schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo Beschwerde wegen Verletzung der FSC-Richtlinien über die Zusammenarbeit, der sogenannte Policy for Association, eingereicht. Daraufhin hat der Forest Stewardship Council (FSC), sich im Mai 2013 von der Danzer Group distanziert 17. Diese Entscheidung erfolgt rund 18 Monate, nachdem Greenpeace beim FSC International eine Klage gegen die Danzer Group eingereicht hatte. Die Tochtergesellschaft Siforco hatte sich an Gewalttaten von Militär und Sicherheitskräften gegen Dorfbewohner der Waldgemeinde Yalisika im Norden der Hiemstra-van der Horst, G, 2011, We are scared to say no: facing foreign timber companies in Sierra Leones Community woodlands 17 Greenpece-Blog: V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 7

8 Demokratischen Republik Kongo beteiligt. Der Entscheid bedeutet, dass alle Waldbewirtschaftungs- und Chain-of-Custody -Zertifikate der Danzer Group weltweit für eine Mindestdauer von einem Jahr widerrufen werden müssen. Der Konzern kann die FSC- Lizenz und damit Zertifizierungen ihres Holzeinschlages und der Holzlieferkette nur unter strengen Auflagen zurückerhalten. Die Menschenrechtsorganisationen ECCHR und Global Witness haben gemeinsam Strafanzeige gegen leitenden Mitarbeiter der Danzer Group wegen Menschenrechtsverletzungen eingereicht. 18 Mehr zum FSC-Siegel gibt es in unserem Factsheet Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) 19 Fälschlicherweise wird oft dargestellt, dass die arme Landbevölkerung hauptsächlich für den illegalen Holzeinschlag verantwortlich ist. Greenpeace kritisiert dies als zu vereinfacht, denn in Ländern wie z.b der DRK (s.u.) gibt es immer noch kein Gesetz, welches den Gemeinden das Recht gibt, ihre Wälder selbst zu bewirtschaften im Rahmen einer sogenannte gemeinschaftlichen Waldbewirtschaftung (Community Forestry). Die Folge: Das Fällen eines Baumes ist für die Gemeinde automatisch illegal. Viel massiver ist jedoch das Vorgehen der Holzindustrie. Auch wenn die Forstwirtschaft ihr Vorgehen als selektiv bezeichnen, und angeblich schonend nur ein bis zwei besonders wertvolle Urwaldriesen per Hektar gefällt werden, geht die Rechnung nicht auf. Durch das Fällen, den Abtransport mit Bulldozern und den Bau von Zufahrtstrassen werden wesentlich größere Gebiete geschädigt, als der Begriff selektiver Holzeinschlag vorgibt. Erst hierdurch wird der Zugang zum vorher unversehrten Wald ermöglicht, und damit beginnt die weitere Zerstörung der einst intakten Urwaldgebieten. Holzfirmen holzen auch außerhalb ihrer Einschlaglizenzen, sogenannten Konzessionen, ab und unterschlagen zudem die Steuern. Die Interpol/UNEP-Studie (Fußnote oben) zeigt allein mehr als dreißig Wege auf, wie Kriminelle Gesetze umgehen können. Dabei hatte vor einigen Jahren die Hoffnung bestanden, der Handel mit illegalem Holz werde zurückgehen. Brasilien und Indonesien hatten damals die Kontrollen verschärft. So gab es in Brasilien im Jahr 2003 rund 400 Kontrolleure, die bis 2007 auf mehr als 3000 aufgestockt wurden. Doch 2011 reduzierte die Regierung Dilma Rousseff das Mandat der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA - ein Rückschlag im Kampf gegen das illegale Abholzen. 20 Mittlerweile ist klar, dass sich die Holzmafia von den neuen Regeln nicht abschrecken lässt, sondern neue Möglichkeiten ausfindig gemacht hat. Oft wird der Holzeinschlag verlagert beispielsweise kam es zu einem Rückgang in Teilen Indonesiens gleichzeitig nahm der illegale Einschlag in Ländern wie Papua Guinea, Myanmar und im Kongobecken zu (Luttrell, et al., 2011). 21 Zudem besteht nach wie vor die Gefahr, dass durch Gesetzesänderungen in den holzproduzierenden Ländern aus illegal kurzweg legal wird, wie z.b. bei der Novellierung des Waldgesetzes (Código Florestal) in Brasilien Greenpeace-Blog: 19 Greenpeace-Factsheet FSC: Siegel.pdf Luttrell, et al., 2011, Lessons for REDD+ from measures to control illegal logging in Indonesia, 22 Codigo_Flor estal 2011.pdf V.i.S.d.P. Andrea Cederquist, Greenpeace, Große Elbstr. 39, Hamburg. Stand: August 2013, S. 8

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