Dokumentation Integrationsförderung durch Migrantenorganisationen Zur Vernetzung von Kompetenzen, Ressourcen und Potenzialen

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1 Dokumentation Integrationsförderung durch Migrantenorganisationen Zur Vernetzung von Kompetenzen, Ressourcen und Potenzialen Eine gemeinsame Fachtagung des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und der Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, 28. und 29. November 2009, Mainz

2 Förderer

3 Inhalt Vorwort Grußwort, Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz Ziele der Tagung eine Einführung Siglinde Naumann Vernetzung: Ein Beitrag zur Partizipation von Migrantenorganisationen? Hans H. Reich Zum Stand der Entwicklung neuer Förderkonzepte für Migrantenorganisationen im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms Romy Bartels Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis Thomas Röbke World Café Arbeitsgruppen 1-9 Talkrunde: Netzwerke in der Integrationsförderung als Zukunftsaufgabe? Arbeitsgruppe Migration/Integration des BBE

4 Impressum Herausgeber:: V.i.S.d.P: Redaktion: Bundesnetzwerk Bürgeschaftliches Engagement (BBE), Geschäftstelle in Trägerschaft des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge Michaelkirchstr. 17/ Berlin Internet: PD Dr. Ansgar Klein (BBE) Prof. Dr. Siglinde Naumann Layout & Satz: Regina Vierkant Fotos: Denise Hülpüsch Druck: Druckerei Greschow, Welzow Arbeitsgruppe Migration/Integration des BBE Sprecherin: Susanne Huth: Stv. Sprecherin: Prof. Dr. Siglinde Naumann: Stv. Sprecher: Sebastian Beck: ISBN BBE - Dokumentation

5 Vorwort Der nationale Integrationsplan und das bundesweite Integrationsprogramm haben die Bedeutung von Migrantenorganisationen für die Integrationsförderung hervorgehoben. Ihr bürgerschaftliches Engagement und ihre integrations- und partizipationsfördernden Potenziale lassen sich jedoch nicht voraussetzungslos erschließen; hier bedarf es gezielter Unterstützungsleistung. Erfahrungsberichte verdeutlichen auch vielfältige Schwierigkeiten für Migrantenorganisationen in der Praxis. So ist eine gleichberechtigte Teilhabe von Migrantenorganisationen an den Ressourcen der Projektförderung und Projektarbeit nach wie vor nicht selbstverständlich. Seit 2006 veranstaltet das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement jährlich bundesweite Fachtagungen für Migrantenorganisationen, die als Plattform für den Austausch von Erfahrungen und die Weiterentwicklung von Handlungskonzepten genutzt werden. Nachdem in den vergangenen Jahren Qualifizierungsbedarfe von Migrantenorganisationen, ihr Zugang zu öffentlichen Ressourcen und Förderungen sowie die Besonderheiten von Migrantenorganisationen in den neuen Ländern im Mittelpunkt standen, widmete sich die Veranstaltung am 28. und 29. November 2009 in Mainz dem Thema Netzwerkbildung. Wie auch in anderen Bereichen der Engagementförderung kommt auch für die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten der Netzwerkbildung zentrale Bedeutung zu. Vernetzung ist jedoch ein schillernder Begriff. Sie ist weder ein Zauberwort noch ein Allheilmittel. Und: Vernetzung ist nicht voraussetzungslos zu realisieren. Mit Vernetzung verbinden sich ganz unterschiedliche Perspektiven, Anforderungen und Herausforderungen. Es geht um die interkulturelle Öffnung von Migrantenorganisationen, die Stärkung ihrer öffentlichen Präsenz und Wahrnehmung sowie ihre politischen Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten. Hiermit verbinden sich Entwicklungsanforderungen sowohl an die deutsche Mehrheitsgesellschaft als auch an die Migrantenorganisationen selbst. Bei der Gestaltung unseres Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft gibt es eine zunehmende gegenseitige Angewiesenheit von deutschen Einrichtungen und Migrantenorganisationen. Exemplarisch lässt sich dies im Bereich des Bildungssystems, insbesondere der Schulen, nachvollziehen. Die Schule braucht, um ihrer Aufgabe der interkulturellen Bildung gerecht zu werden, die intensive Mitwirkung von Migrantenorganisationen, die bislang jedoch noch viel zu selten Realität im deutschen Schulalltag ist. Migrantenorganisationen ihrerseits sind auf Zugänge und Gestaltungsmöglichkeiten in Schulen angewiesen. Es braucht ein Aufeinanderzugehen und eine Öffnung auf beiden Seiten, um eine lebendige interkulturelle Bildung zu gewährleisten und Kooperation auf Augenhöhe zu praktizieren. Hier gibt es noch viel zu tun. Die Tagung verfolgte daher das Ziel, zur Entwicklung und Bereitstellung von bedarfsgerechten Vernetzungsmodellen und Strategien beizutragen, damit Migrantenorganisationen ihre Kompetenzen, Ressourcen und Gestaltungspotenziale verstärkt in die Zivilgesellschaft einbringen können. Dabei ging es nicht nur um eine differenzierte Analyse von Handlungsbedarfen, sondern auch um die gemeinsame Erarbeitung von konkreten Handlungsansätzen für produktive Netzwerkbildungen. Grundlage hierfür war die Vorstellung gelungener Netzwerkkonzepte, die Diskussion von Netzwerkerfahrungen und die Analyse von Netzwerkstrategien aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Mittelpunkt der Tagung standen Fragen danach, wie Vernetzung und Kooperation wirkungsvoll vorangebracht werden können, welcher Unterstützung, welcher Infrastrukturen und BBE - Dokumentation 3

6 Hartnuß/Klein - Vorwort Ressourcen und welcher Instrumente es bedarf, um gleichberechtigte Partizipation von Migrantenorganisationen dauerhaft sicherzustellen. Die Fachtagung richtete sich an Migrantenorganisationen aus Rheinland-Pfalz und dem gesamten Bundesgebiet, an Bildungsträger, Förderer sowie an Politik und Verwaltung. Über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus diesen Gebieten stellten sich zwei Tage lang diesen komplexen Fragen und berieten gemeinsam über neue und innovative Entwicklungsperspektiven. Veranstalter der Fachtagung waren das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und die Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Die Tagung wurde gefördert vom Bundesministerium des Innern und der Beauftragten der Landesregierung Rheinland-Pfalz für Migration und Integration. Besonderer Dank gilt der Arbeitsgruppe Migration/ Integration des BBE, die die Fachtagung konzeptionell vorbereitet hat, sowie Herrn Mehdi Jafari-Gorzini für seine engagierte Unterstützung bei der Durchführung und Moderation der Veranstaltung, Frau Lea Fenner für die umsichtige Tagungsorganisation und Frau Nuran Yiğit für die engagierte Moderation des World Cafés. PD Dr. Ansgar Klein, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) Birger Hartnuß, Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz 4 BBE - Dokumentation

7 Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz Grußwort Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich zur Fachtagung Integrationsförderung durch Migrantenorganisationen hier in Mainz. Ich freue mich außerordentlich darüber, dass diese Veranstaltung auf ein so großes Interesse gestoßen ist. Die Tatsache, dass so viele Vertreterinnen und Vertreter von Migrantenorganisationen aus Rheinland- Pfalz und dem gesamten Bundesgebiet heute zu uns gekommen sind, zeigt uns, dass wir mit unserem Anliegen, den Dialog mit und die politische Partizipation von Migrantenorganisationen zu stärken, auf dem richtigen Weg sind. Ich freue mich ebenso darüber, dass wir diese wichtige Veranstaltung gemeinsam mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement durchführen. Nicht nur in diesem Bereich können wir auf eine inzwischen langjährige und enge Kooperation zurückblicken. Rheinland-Pfalz ist Gründungsmitglied des BBE und engagiert sich seit 2002 gemeinsam mit den inzwischen über 200 Mitgliedern des Netzwerks für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements und die Weiterentwicklung einer aktiven Bürgergesellschaft. Rheinland-Pfalz ist ein sehr guter Standort für diese Tagung und den hier stattfindenden Dialog. Das Thema Integration von zugewanderten Menschen hat hohe Priorität im Land und für die Politik der Landesregierung. Seit mehreren Jahren bereits gehen wir hier neue Wege, um die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten sowie von Migrantenorganisationen zu stärken. Dabei spielen das bürgerschaftliche Engagement und Möglichkeiten der politischen Partizipation eine besondere Rolle. Rheinland-Pfalz ist ein durch Zuwanderung geprägtes Land. Genauso, wie in den vergangenen Jahrhunderten viele Menschen aus dem Gebiet des heutigen Rheinland- Pfalz nach Nord- und Südamerika ausgewandert sind, genauso ist Rheinland-Pfalz heute ein Land, in das viele Menschen aus allen Ländern der Welt gern einwandern. Diese Menschen sind uns willkommen. Sie bereichern unser Land und unsere Kultur. Und: Diese Menschen sind bereit, sich einzubringen, sich zu engagieren und unser Gemeinwesen mitzugestalten. Dies ist nicht nur eine Floskel, sondern zeigt sich auch in der Realität unseres Zusammenlebens. Die Ergebnisse des Freiwilligensurveys von 2004 zeigen, dass der Anteil der Engagierten unter Migrantinnen und Migranten in Rheinland-Pfalz sehr hoch ist. Er liegt mit 32% deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 23%. Mag man diese Zahlen auch nicht überbewerten, so ist dies doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass Migrantinnen und Migranten sehr wohl gesellschaftliche Verantwortung in unserem Land übernehmen und dass im bürgerschaftlichen Engagement gesellschaftliche Integration gelingen kann. Dass das Thema Integration ein wichtiges gesellschaftliches wie politisches Thema ist, sollen einige Daten und Fakten veranschaulichen: Im Jahr 2007 hatten Menschen in Rheinland-Pfalz einen Migrationshintergrund, das sind 18% der Gesamtbevölkerung. 57% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund waren deutsche Staatsangehörige; 43% hatten keinen deutschen Pass Menschen in Rheinland-Pfalz haben eine eigene Migrationsgeschichte. Sie sind selbst (nach 1949) in das Gebiet der heutigen Bundesrepublik eingewandert. Rund Menschen ohne eigene Migrationsgeschichte sind Nachkommen von Zugewanderten. Hierzu gehören rund Ausländerinnen und Ausländer, die in Deutschland geboren wurden. Allein diese Zahlen machen deutlich, dass Migrantinnen und Migranten nicht nur rein quantitativ einen erheblichen Anteil an unserer Bevölkerung BBE - Dokumentation 5

8 Ministerpräsident Beck - Grußwort haben, sondern dass sie damit auch von erheblicher Bedeutung für unseren wirtschaftlichen Erfolg und unser gesellschaftliches Zusammenleben sind. Wie wir dieses Zusammenleben gestalten, ob wir Migrantinnen und Migranten einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft geben, ob wir voneinander lernen und gemeinsam unser Gemeinwesen bereichern, ist daher nicht nur eine Frage des guten Willens. Es ist vielmehr eine politische Aufgabe. Die gleichberechtigte Teilhabe von Migrantinnen und Migranten am Leben und Arbeiten unserer Gesellschaft ist daher ein zentrales Anliegen der Politik der Landesregierung. Hierfür müssen und wollen wir den gesellschaftlichen Dialog zwischen allen Beteiligten intensivieren. Dabei geht es uns um die Stärkung von Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitwirkung, aber auch um die Stärkung politischer Partizipation von Migrantinnen und Migranten und ihrer Organisationen. Nur auf diese Weise können Migrantinnen und Migranten ihre Interessen, aber auch ihre Erfahrungen und Kenntnisse einbringen und das gesellschaftliche und politische Leben mitgestalten. Aus diesem Grunde ist die Förderung von Selbstorganisation und Selbsthilfe, von Verantwortungsbereitschaft und bürgerschaftlichem Engagement eines der zentralen integrationspolitischen Anliegen der Landesregierung. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung haben wir mit der Reform der bisherigen Ausländerbeiräte in Rheinland-Pfalz getan. Die neuen Beiräte für Migration und Integration sichern eine breite Partizipation der in Rheinland-Pfalz lebenden Menschen. Am 8. November 2009 wurden die neuen Beiräte erstmals gewählt. Mit der Reform wurde das aktive Wahlrecht auf Eingebürgerte und Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler ausgeweitet. In den neuen Beiräten sind nicht mehr nur Ausländerinnen und Ausländer, sondern alle Einwohnerinnen und Einwohner einer Kommune oder eines Kreises wählbar und vertreten. Die Beiräte verhandeln sämtliche Angelegenheiten der Integration und Migration. Sie sind zudem deutlich besser mit den politischen Gremien vernetzt. So nehmen Vertreter der Beiräte an den Sitzungen des Kreis- oder Gemeinderates und seiner Ausschüsse teil. Die neuen Beiräte für Migration und Integration allein können sicherlich gesellschaftliche Integration und ein harmonisches Zusammenleben nicht garantieren. Mit der Reform jedoch wurden die Voraussetzungen hierfür erheblich verbessert. Ich bin davon überzeugt, dass von ihrer Arbeit neue Impulse für eine gelingende Integration in den Kommunen ausgehen werden. Die Reform der Beiräte selbst war im Übrigen ein Ergebnis eines breit angelegten Beteiligungsprozesses in Rheinland-Pfalz. Bereits im Jahr 2005 wurden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Reihe von fünf Bürgerkongressen unter dem Titel Für unsere Zukunft, für uns alle aufgerufen, sich mit Ideen und Vorschlägen für die Gestaltung unserer Gesellschaft einzubringen. Die Ergebnisse wurden der Landesregierung in Form eines Zukunftsmanifestes übergeben. Einer der Vorschläge war die Umwandlung der bisherigen Ausländerbeiräte in Beiräte für Migration und Integration. Jenseits dieser wichtigen strukturellen Erneuerung können wir in Rheinland-Pfalz auf eine Reihe von Aktivitäten und Erfahrungen zurückblicken, die die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der gesellschaftlichen Partizipation von Migrantinnen und Migranten zum Ziel haben. Seit dem Jahr 2002 gibt es die in der Staatskanzlei angesiedelte Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt, deren wichtigstes Anliegen die Förderung und Unterstützung aktiver Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger bei der Gestaltung eines lebendigen Gemeinwesens ist. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen eine wichtige Aufgabe. So sind Vertreterinnen und Vertreter von Migrantenorganisationen bei dem im Aufbau befindlichen Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Rheinland-Pfalz von Anfang an beteiligt. Das Engagement von Migrantinnen und Migranten sowie die Stärkung ihrer Selbstorganisationen sind wichtige Arbeitsschwerpunkte des Netzwerkes. Seit 2008 vergebe ich als Ministerpräsident jährlich den Brückenpreis. Unter dem Motto Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken werden Projekte, Organisationen und Engagierte in Rheinland-Pfalz geehrt, die mit ihrem Engagement das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, die Begegnung und den Dialog von Jung und Alt, das Zusammenleben mit unseren europäischen Nachbarn sowie die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Hautfarbe fördern. Mit dem Preis ist es gelungen, bereits sehr viele gute und innovative Projekte im Bereich der Integration sichtbar zu machen und für eine Nachahmung dieser guten Ideen zu werben. Dies ist auch Anliegen des jährlich stattfindenden landesweiten Ehrenamtstages in Rheinland-Pfalz. Als zentraler Dankes- und Anerkennungstag des Landes stellt er die ehrenamtlich und bürgerschaftlich Engagierten in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Projekte und Organisationen von Migrantinnen und Migranten aus Rheinland-Pfalz sind regelmäßig auf 6 BBE - Dokumentation

9 Ministerpräsident Beck - Grußwort dem Ehrenamtstag vertreten und zeigen eindrucksvoll, dass sie, häufig gemeinsam mit deutschen Organisationen, durch ihr Engagement unser Gemeinwesen stärken. Viele weitere Beispiele ließen sich nennen. Festzuhalten bleibt, dass Migrantinnen und Migranten ebenso wie ihre deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürger gesellschaftlich engagiert sind und sich an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen wollen. Dies gilt auch für Formen der politischen Beteiligung und Mitbestimmung. Jenseits der bestehenden Möglichkeiten im Rahmen unserer repräsentativen Demokratie sind wir als Landesregierung bemüht, neue und innovative Formen der Bürgerbeteiligung auf kommunaler wie auf Landesebene zu stärken. So haben wir beispielsweise im Rahmen unserer aktuellen Kommunal- und Verwaltungsreform einen breit angelegten Prozess der Bürgerbeteiligung ins Leben gerufen. In Bürgerkongressen, Planungszellen, einer repräsentativen und einer Online-Befragung hatten die Bürgerinnen und Bürger die Chance, ihre Erfahrungen und Kritik, ihre Wünsche und Vorschläge für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Verwaltung einzubringen. Auch an diesem Prozess haben sich Migrantinnen und Migranten engagiert beteiligt. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung haben den Gesetzgebungsprozess nicht nur erheblich bereichert, sondern werden sich auch sichtbar in dem Reformwerk niederschlagen. Dass die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten ein wichtiges politisches Anliegen ist, davon zeugt in Rheinland-Pfalz auch die Einsetzung einer Enquete-Kommission Integration und Migration durch den Landtag. Zum Arbeitsauftrag der Kommission gehört es, die politische Teilhabe von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund sowie die vielfältigen Formen bürgerschaftlichen Engagements von Migrantinnen und Migranten sowie ihre Organisationen zu beleuchten. Ich freue mich sehr darüber, dass die Enquete-Kommission, vertreten durch ihren Vorsitzenden Herrn Dieter Klöckner, bei der Vorbereitung und Realisierung der heutigen Tagung eingebunden ist. Ich bin sicher, dass dies zur Bereicherung der Diskussion in unserem Landesparlament beitragen wird. Auch unsere Landesbeauftragte für Migration und Integration, Frau Maria Weber, unterstützt diese wichtige Veranstaltung. Mit ihrer Arbeit, die sie Ihnen noch genauer vorstellen wird, verbinden sich vielfältige Bemühungen der Integrationsförderung. Ich denke also, wir sind auf einem guten Weg, die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten eine politische Aufgabe, die viel zu lange vernachlässigt wurde mit Leben zu erfüllen. Eines ist dabei aus meiner Sicht ganz sicher unerlässlich: Für eine gelingende gesellschaftliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund braucht es Partizipationsmöglichkeiten, freiwilliges Engagement und eine starke Bürgergesellschaft. Es ist daher gut und konsequent, dass auch der von der Bundesregierung initiierte nationale Integrationsplan dem Faktor bürgerschaftliches Engagement und gleichberechtigte Teilhabe einen zentralen Stellenwert eingeräumt hat. Noch vor wenigen Jahren war dies alles andere als selbstverständlich. Wir unterstützen daher die Vorhaben und Schwerpunkte des nationalen Integrationsplans ausdrücklich. Gleichwohl bleibt hier sicherlich noch sehr viel zu tun. Ein wichtiges Signal hierbei wäre sicherlich die Einführung des kommunalen Wahlrechts für alle Menschen. Rheinland-Pfalz setzt sich seit langem für eine entsprechende Änderung ein. Bislang ist dies jedoch an den bestehenden Mehrheiten im Bundesrat gescheitert. Aber ich bleibe dabei: Es muss sobald wie möglich auf kommunaler Ebene ein Wahlrecht auch für nicht EU-Bürger geben. Ein weiterer Hemmschuh für eine gelingende Integration ist die sogenannte Optionspflicht, nach der junge Menschen, die kraft Geburt in Deutschland die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, sich nach Vollendung des 18. Lebensjahres für die deutsche oder eine andere Staatsangehörigkeit entscheiden müssen. Diese Regelung entspricht in keiner Weise den Lebensbedingungen dieser jungen Menschen. Rheinland-Pfalz setzt sich daher für den Wegfall der Optionspflicht ein. Unseren integrationspolitischen Bemühungen liegt eine einfache Überzeugung zu Grunde: Ohne die politische Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger, und damit auch die von Migrantinnen und Migranten und ihrer Organisationen, fehlt einer gelebten Demokratie die Basis. Dies gilt insbesondere für die kommunale Ebene, das unmittelbare, tägliche Lebensumfeld der Menschen. Die Stärkung von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung eröffnet neue Chancen für die Demokratie insgesamt. Meine Hoffnung ist, dass sich mittelfristig ein neuer Politikstil etablieren lässt, der bürgerschaftliche Kritik, Mitwirkung und Beteiligung als konstitutive Bestandteile unserer Demokratie begreift. Dabei sind wir auf das Engagement und die aktive Beteiligung von Migrantenorganisationen ebenso angewiesen wie diese unsere politische Unterstützung brauchen. Für die zweitägige Veranstaltung wünsche ich Ihnen gutes Gelingen, intensive und fruchtbare Diskussionen sowie nicht zuletzt eine angenehme Zeit hier in Mainz. BBE - Dokumentation 7

10 Prof. Dr. Siglinde Naumann, Fachhochschule Nordhausen Ziele der Tagung eine Einführung Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Sie im Namen unserer Arbeitsgruppe 5 des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement begrüßen. Was sich dahinter verbirgt, will ich kurz erläutern: Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) wurde 2002 vom Nationalen Beirat des Internationalen Jahres der Freiwilligen mit dem Ziel gegründet, bestmögliche rechtliche, institutionelle und organisatorische Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement zu schaffen. Das BBE ist eine Mitgliederorganisation. Die inhaltliche Arbeit des Bundesnetzwerkes erfolgt in zehn Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themenfeldern. Eine davon ist die Arbeitsgruppe Migration/Integration des BBE. Die AG 5 beschäftigt sich mit dem Engagement von Migrantinnen und Migranten und mit der Stärkung von Migrantenorganisationen. Sie ist für neue Mitglieder offen und wir freuen uns über jede Migrantenorganisation, die hier mitmachen möchte. Unsere Treffen finden 4x jährlich zumeist in Köln statt. Die Mitglieder der AG 5 verfolgen das Ziel, bürgerschaftliches Engagement von Migrantinnen und Migranten öffentlich sichtbarer zu machen und dessen Bedeutung hervorzuheben: einerseits für die gesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnen und Migranten andererseits für unsere Gesamtgesellschaft; weil von diesem Engagement vielfältige Entwicklungschancen ausgehen. Dabei gehen wir davon aus, dass gesellschaftliche Integrationsprozesse Menschen mit und ohne Migrationshintergrund betreffen. Es lag auf der Hand, unsere Ziele gemeinsam mit Migrantenorganisationen zu verfolgen. Viele kleine Migrantenorganisationen agieren ausschließlich ehrenamtlich und auf lokaler Ebene. Damit ihre Ressourcen, Erfahrungen und Anregungen für die gemeinsame Weiterentwicklung einer aktiven Zivilgesellschaft fruchtbar werden können, wurde die Idee entwickelt und umgesetzt, eine jährliche Plattform für Menschen und Organisationen, die mit den Querschnittsthemen Migration und Integration befasst sind, ins Leben zu rufen. Diese Tagungen, so belegen unsere Erfahrungen seit 2006, sind zu einem wichtigen Forum für die Vernetzung geworden. Durch die Bearbeitung und Weiterentwicklung der inhaltlichen Themen, die von den Migrantenorganisationen initiiert worden sind, wurden vielfältige fachliche Impulse auf den unterschiedlichen organisationalen, lokalen und überregionalen Ebenen angeregt. Der eintägige Workshop 2006 in Oberhausen wurde vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert, das auch die Folgeveranstaltungen finanzierte. Hier fand ein erster Austausch statt und es wurden die Weiterbildungsbedarfe von Migrantenorganisationen eruiert. Dieses erste Diskussionsforum von Elke Olbermann koordiniert war der Auftakt für weitere Diskussionsprozesse über die Rolle und Möglichkeiten von Migrantenorganisationen ging es in Kooperation mit dem Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern und dem Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit in Nürnberg um die Frage, wie die Weiterbildung der Heterogenität von Migrantenorganisationen gerecht werden und wie sie zu ihrem Empowerment beitragen kann. Deutlich wurde: Es gibt nicht einen Königsweg, sondern 8 BBE - Dokumentation

11 Naumann - Ziele der Tagung es bedarf passgenau zugeschnittener Lernarrangements, die auf die jeweiligen Herausforderungen der Gruppen abgestimmt sind. Darüber hinaus wurde diskutiert, welche förderpolitischen Konsequenzen der Nationale Integrationsplan mit sich bringt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Migrantenorganisationen in Ost- und Westdeutschland standen bei der letztjährigen Veranstaltung in Potsdam ebenso im Mittelpunkt, wie Überlegungen zu Förderkonzepten, die Migrantenorganisationen als selbstbewusste Akteure der Zivilgesellschaft akzentuieren. Dabei richtete sich das Augenmerk auch auf das bundesweite Integrationsprogramm. Das Programm zielt auf eine enge Kooperation mit Migrantenorganisationen auf der operativen Ebene im Bereich der Projektförderung, aber auch bei der Konzeptentwicklung. An diesen Punkt schließen wir heute mit dem Vortrag von Frau Bartels an. Sie ist Leiterin des Referats Grundsatzangelegenheiten der Integrationsförderung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und wird über den Stand der Entwicklung der neuen Förderkonzepte berichten. Der morgige Tag beginnt nach einer Zwischenbilanz von Birger Hartnuß mit einem Vortrag von Dr. Thomas Röbke, dem Geschäftsführer des Landesneztwerkes Bürgerschaftliches Engagement Bayern über Praxiskonzepte und Handlungsstrategien des Netzwerkens. Hier schließen die Arbeitsgruppen an, in denen Beispiel gelungener Praxis vorgestellt werden und ihre Erfahrungen gefragt sind, um Ressourcen und Hindernisse in den jeweiligen Arbeitsfeldern auszuloten. Bevor ich nun das Wort an Herrn Reich weiter gebe, möchte ich mich bei der Vorbereitungsgruppe dieser Tagung, insbesondere bei Mehdi Jafari Gorzini und Birger Hartnuss bedanken, und bei Lea Fenner für die Tagungsorganisation. Ich wünsche uns eine erfolgreiche und produktive Tagung. Womit ich Sie nun einladen möchte, den Blick auf unsere aktuelle Tagung zu richten. Sie findet in Kooperation mit der Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz statt. Tagungsthemen und Ziele basieren auf den Interessensbekundungen der Migrantenorganisationen bei den vorausgegangenen Veranstaltungen. Das Thema Netzwerkarbeit flackerte in den Diskussionen immer wieder schillernd und widersprüchlich auf. Einerseits birgt es Chancenpotentiale für lokale und überregionale Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe, andererseits ist eine produktive Netzwerkarbeit eben nicht vorraussetzungslos. Heute und morgen sollen Netzwerkstrategien aus unterschiedlichen Blickwinkeln ausgelotet und weiterentwickelt werden. Prof. Dr. Reich von der Universität Koblenz Landau wird im Anschluss die inhaltliche Diskussion eröffnen und die Ergebnisse eines Forschungsprojektes über das Sozialkapital und die Netzwerkbildung von Migrantenorganisationen vorstellen. Nach der Pause werden Sie von Nuran Yigit in unser World-Cafe eingeladen. An den Thementischen Interkulturelle Öffnung, politische Vertretung und öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen sind ihre Erfahrungen mit Chancen und Grenzen der Netzwerkarbeit gefragt. Nach einer Pause wird uns Maria Weber, die Landesbeauftragte für Migration und Integration, begrüßen. BBE - Dokumentation 9

12 Prof. Dr. Hans H. Reich, Universität Koblenz-Landau Vernetzung: Ein Beitrag zur Partizipation von Migrantenorganisationen? Sie haben die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz als Tagungsort gewählt. Das ist eine Ehre für mein Bundesland, und mithin ist es eine Ehre für mich, hier vor Ihnen sprechen zu dürfen. Zwar vertrete ich nicht das Bundesland, aber ich kann mich berufen auf eine Studie zur Partizipation von Migrantenorganisationen in Rheinland-Pfalz, die die Beauftragte der Landesregierung für Migration und Integration vor kurzem in Auftrag gegeben hat, und die ich zusammen mit zwei Mitarbeitern am Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung der Universität Koblenz-Landau ausgearbeitet habe. So kann ich den Bezug zur Region und den Bezug zum Thema zwanglos miteinander verbinden. Die Veranstalter haben ein Fragezeichen hinter das Thema meines Beitrags geschrieben. Das ist mir recht. Man muss nach den Bedingungen fragen, unter denen Vernetzung zu Partizipation führt. Und man muss fragen: Aus welcher Perspektive soll die Antwort gegeben werden? Aus der Perspektive der Migrantenorganisationen heraus, auf der Grundlage ihrer Ziele und ihrer Ressourcen? Oder aus der Perspektive derer, die als Netzwerkpartner in Betracht kommen der staatlichen Stellen, der Einrichtungen des Bildungswesens, der wirtschaftlichen Unternehmen, der Einrichtungen der Zivilgesellschaft (also: Nichtregierungsorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Stiftungen)? Deren Ziele und Interessen müssen ja weder untereinander noch mit den Zielen und Interessen der Migrantenorganisationen übereinstimmen. Oder kann man, soll man eine Perspektive einnehmen, die nicht bilateral ist, die nicht hier die Migranten und dort ihre möglichen Partner sieht, sondern nach der Gesellschaft insgesamt fragt, nach dem Status der Migrantenorganisationen im Gesamtgefüge dieser Gesellschaft und nach einer möglichen, einer möglicherweise wünschenswerten Veränderung dieses Status? Der Reihe nach: Migrantenorganisationen treten ein für die Interessen der zugewanderten Menschen und ihrer Familien. Das ist eine komplexe Zielsetzung, sie verlangt vielfältiges Engagement und erhebliche materielle und ideelle Ressourcen, die nicht immer und nicht überall im erforderlichen Maße zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu ähnlichen Organisationen von Nichtmigranten sind viele Migrantenorganisationen eher unterausgestattet. Das Engagement der Ehrenamtlichen wird in zu geringem Maße durch hauptamtliches Personal unterstützt, es fehlt an administrativer Expertise ebenso wie an Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit. Nicht selten fehlt es auch an geeigneten Räumen oder anderen infrastrukturellen Ressourcen. Die von den Migrantenorganisationen tatsächlich genutzten Spielräume sind daher alles in allem nach meiner Wahrnehmung enger, als es nötig wäre. Ihre Partizipationserwartungen richten sich also zuvörderst auf die Erhöhung ihrer Handlungsmöglichkeiten durch die Gewinnung von Expertise und durch Unterstützung aus der Gesellschaft heraus. Der Zusammenschluss gleichartiger Organisationen, die Gründung von Landes- und Bundesverbänden von Migrantenorganisationen, mag ein Weg sein, diesen Zielen näher zu kommen; er ist immerhin mit einem Plus an Einfluss und Sichtbarkeit verbunden. Ich möchte aber im Moment diese Form der Vernetzung nicht näher betrachten, und konzentriere mich auf die zugegebenermaßen schwierigere, sozial aber weiter reichende Netzwerkbildung unter ungleichen Partnern. Diese potenziellen Netzwerkpartner sind zunächst einmal nicht Interessenvertreter der Migranten. Als staatliche Stellen vertreten sie Ziele und Interessen der Verwaltung und der Politik, als Wirtschaftsunter- 10 BBE - Dokumentation

13 Reich - Vernetzung: Ein Beitrag zur Partizipation von Migrantenorganisationen nehmen oder -verbände vertreten sie ökonomische Interessen, als Einrichtungen der Zivilgesellschaft ergänzen oder erweitern sie die Spielräume staatlichen Handelns. Für sie sind Migranten als Empfänger von Hilfe Klienten, als Arbeitskräfte Mitarbeiter, als Bürger Adressaten des Verwaltungshandelns, als Lernende Schüler und Schülerinnen (wie andere auch); für sie sind die Migranten als Einzelne in das Handeln der Institutionen einbezogen. Dass es zwischen der Institution und den Einzelnen Organisationen (wie die Migrantenorganisationen) geben sollte, ist zunächst einmal nicht vorgesehen. Partizipationserwartungen entstehen erst dann, wenn erkannt wird, dass die institutionelle Aufgabe in Kooperation mit Migrantenorganisationen besser bewältigt werden kann als aus eigenen Kräften. Betrachtet man das Verhältnis von Migrantenorganisationen und ihren potenziellen Netzwerkpartnern unter gesellschaftlicher Perspektive, so zeigt sich das Bild eines Umbruchs, der sich vor unseren Augen vollzieht und noch nicht abgeschlossen ist, eine Gleichzeitigkeit von Altem und Neuem. Das Alte, die frühere Situation, war gekennzeichnet durch ein ziemlich beziehungsloses Nebeneinander, grob gesagt: durch das Fehlen von Netzwerken. Die Zeichen des Wandels sind aber unverkennbar: In den Migrantenorganisationen ist der Generationenwechsel vollzogen. Bei und nach den zahlreichen Neugründungen der 1990er Jahre hat eine zunehmende Neudefinition der Ziele weg von den Problemen in den Herkunftsstaaten hin zu den Lebensbedingungen und Zukunftschancen in Deutschland eingesetzt, die sich auch in konkreten Aktivitäten niederschlägt. Mit dem Entstehen einer Mittelschicht mit Migrationshintergrund in Deutschland haben auch ökonomische, administrative und publizistische Sachkenntnisse breiteren Eingang in die Migrantenorganisationen gefunden. Sie haben ihre Sache in die eigenen Hände genommen und lassen sich nicht mehr so leicht abspeisen wie in der Vergangenheit. Auf der anderen Seite bemühen sich zahlreiche größere und ältere Organisationen seit einigen Jahren schon um Kooperationen mit Migrantenorganisationen. Namentlich die Wohlfahrtsverbände sind an solchen Kooperationen interessiert, und die Politik unterstützt dieses Bestreben bei vielen Gelegenheiten; auch die heutige Veranstaltung ist ein Teil dieser politischen Unterstützung. Das alles zeigt, dass die Zeit reif dafür ist, die Migrantenorganisationen als Teilhaber an einem gemeinsamen Ganzen zu sehen, in das alle gleichermaßen involviert sind. Man kann von einer sich anbahnenden partizipatorischen Wende sprechen. In dem Entwurf zu einem Bundesweiten Integrationsprogramm, der dieses Jahr vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erarbeitet worden ist, finden sich interessante Aussagen dazu. Dort heißt es im Sinne einer Zielvorgabe: Der Stärkung von Migrantenorganisationen kommt aufgrund ihres partizipations- und integrationsfördernden Potenzials hohe Bedeutung zu. (S. 193) Und im Sinne einer kritischen Analyse des Ist-Zustands: Eine gleichberechtigte Einbeziehung, Nutzung und Anerkennung der Kompetenzen von Migrantenorganisationen bei der Gestaltung von Integrationsangeboten sowie eine systematische Stärkung als Akteure der Integrationsförderung findet bundesweit jedoch in unterschiedlichem Umfang und nicht auf allen Ebenen programmatisch umfassend statt. (S. 197) Diese Linie weist in die Zukunft, sie zeigt die Aufgaben, die zu lösen sind, und sie zeigt, in welchem Geiste sie zu lösen sind. (In Klammern gesagt: Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung lässt noch nichts von diesem Geist erkennen, er beruht noch auf einer anderen Philosophie.) In welchem Sinne kann Vernetzung zu einer solchen partizipatorischen Wende beitragen? Dazu möchte ich gerne einige Beispiele aus der eingangs erwähnten Studie in Rheinland-Pfalz bringen, bei der insbesondere die Partizipation im Bereich der kommunalen Politik und im Bereich der Bildung untersucht worden ist. Im Bereich der Bildung sind wir auf drei interessante Felder möglicher Partizipation und Vernetzung gestoßen die außerschulische Förderung, die interkulturelle Bildung und den islamischen Religionsunterricht. Außerschulische Förderung, vor allem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, wird inzwischen von zahlreichen Migrantenorganisationen, besonders auch solchen mit religiöser Zielsetzung, angeboten. Die religiös orientierten Organisationen ergänzen dieses Angebot auch durch Bildungsangebote in den Herkunftssprachen und durch religiöse Unterweisung. Man darf dies aber keineswegs dahingehend missverstehen, als ob die schulbezogenen Angebote bloße Einstiegsangebote für die identitäts- und herkunftsbezogenen Angebote wären. Im Gegenteil: Der Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen in Deutschland steht im Vordergrund dieser Bemühungen; diese orientieren sich konsequenterweise an den fachlichen Erwartungen der deutschen Schule. Das wäre eine gute Grundlage für Kooperation. Die in Rheinland- Pfalz kontaktierten Einrichtungen dieser Art geben BBE - Dokumentation 11

14 Reich - Vernetzung: Ein Beitrag zur Partizipation von Migrantenorganisationen aber durchweg zu Protokoll, dass das Interesse seitens der Schulen gering geblieben sei, obwohl man versucht habe, in näheren Kontakt zu kommen. Die hemmenden Faktoren für Vernetzung und Partizipation sind hier wahrscheinlich in der Arbeitssituation der Schulen zu suchen, die zu wenig Raum für solche Kontakte lässt oder sie zu wenig honoriert. Vielleicht aber auch in der oft noch instabilen personellen Situation, die die Angebote kaum über eine schlichte Nachhilfe hinaus gelangen lässt. Eine Entwicklungsperspektive könnte es sein, die Professionalisierung dieser pädagogischen Angebote von Migrantenorganisationen voranzutreiben und dazu Netzwerkpartner aus dem Bereich der Erwachsenenbildung und der Qualifizierung von Lehrkräften zu gewinnen. Etwas anders ist die Lage bei der interkulturellen Bildung. Diese ist als wichtige schulische Aufgabe durchgehend anerkannt. Systematisch bieten sich Kooperationsmöglichkeiten im Ergänzungsbereich der offenen Ganztagsschulen, bei deren Entwicklung das Bundesland Rheinland-Pfalz eine Vorreiterfunktion innehat: Interkulturelle Angebote im Rahmen der nachmittäglichen Aktivitäten. In einem von der Universität Mainz veröffentlichten Bericht über eine Tagung der Forschungsgruppe Ganztagsschulen heißt es: Um Schule als schülerorientierten Lebens- und Erfahrungsraum und auch als Stätte der Freizeit neu erleben zu lassen, ist es wichtig, etwas von der Vielfalt von sozialen Beziehungen und kulturellen Angeboten, die bisher im außerschulischen Feld ihren Platz hatten, nach Möglichkeit mit in das schulische Leben hineinzuholen. Hier bieten gerade die Angebote außerschulischer Partner besondere Chancen, die Schule mit Anliegen des Gemeinwesens in Verbindung zu bringen und so neue Möglichkeiten der sozialen und kulturellen Verankerung im regionalen Einzugsbereich der Schulen zu schaffen. Das ist eine nahezu ideale Basis für eine Partizipation an der Bildung der jungen Generation durch eine Vernetzung von Migrantenorganisationen und Schulen. Leider hat eine von uns durchgeführte Befragung der Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz ergeben, dass auch die Schulen, die interkulturelle Aktivitäten anbieten, nur selten mit Migrantenorganisationen kooperieren. Nur 10 % der außerschulischen Kooperationspartner sind als Migrantenorganisationen zu bezeichnen; dazu kommen dann noch mit 12 % die örtlichen Ausländerbeiräte. Als hemmende Faktoren nennen die Schulen vor allem eigenen Personalmangel, mangelndes Elterninteresse, finanzielle Probleme und zu hohen Aufwand. Betriebliche Gründe also, wenn man so sagen darf. Eine Entwicklungsperspektive könnte es sein, erfahrene Organisationen in bestehende Netze hineinzuholen oder als aktive Vernetzer zu engagieren, die mit Förderung aus öffentlichen Mitteln die Schulen und die Migrantenorganisationen darin unterstützen würden, Kooperationen im Bereich der interkulturellen Bildung auszubauen und inhaltlich zu gestalten. Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Rheinland-Pfalz ist ein Paradebeispiel erfolgreicher Netzwerkarbeit. Da war zunächst das Anliegen von türkischen Eltern in einem Stadtteil von Ludwigshafen, eine Möglichkeit für die religiöse Unterweisung ihrer Kinder zu schaffen. Zum Sprachrohr dieses Bedürfnisses wurde zum einen ein Zusammenschluss türkisch-muslimischer Frauen im Stadtteil, zum andern eine Stadtteilinitiative, deren Vertreter zugleich den Kontakt zum Christlich-Islamischen Gesprächskreis und damit zu einer stadtweiten Lobby herstellte. Gemeinsam sprachen sie den Leiter der Grundschule an, der sich bereit erklärte, mitzumachen unter der Voraussetzung, dass das Ministerium zustimmte. Dieses wollte sich begreiflicherweise vergewissern, ob wirklich ein dauerhafter Bedarf bestehe. Der Frauenverein startete eine Unterschriftensammlung unter den muslimischen Eltern im Stadtteil und der Rücklauf mit über 50% überzeugte auch das Ministerium, das den Islamischen Religionsunterricht als Schulversuch genehmigte. Inzwischen ist eine Schule in Mainz hinzugekommen, das Angebot wird auf die Sekundarstufe ausgeweitet, und es bleibt zu hoffen, dass an den neuen Standorten ebenso aktive Netzwerke entstehen. Abschließend ein Beispiel aus dem Bereich der politischen Partizipation: Wie andere Bundesländer auch hat Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit Probleme mit der Akzeptanz der Ausländerbeiräte gehabt, die sich in niedriger, z. T. sehr niedriger Wahlbeteiligung und geringer Partizipation der gewählten Beiräte am kommunalen Geschehen niederschlugen. In einer rheinland-pfälzischen Stadt, Bad Kreuznach, hat man diese Probleme ziemlich radikal analysiert. Dort hatte es vor den ersten Beiratswahlen in den 1980er Jahren schon eine Art von informellem Senat der Vereinsvorsitzenden gegeben, die durchweg der ersten Migrantengeneration angehörten. Ihre Aktivitäten haben im Nachhinein fast eine Art von Verklärung erfahren. Denn die offiziell gewählten Ausländerbeiräte in den 1990er Jahren und danach, eher junge Leute, satzungsgemäß ausschließlich Ausländer ohne deutschen Pass, hätten, wie es heißt, nicht annähernd so viel erreicht. Der früheren Arbeit der Alten war durch die offizielle Wahl in gewissem Sinne die Legitimation entzogen, und den Neugewählten fehlte es an Rückhalt scheiterten die örtlichen Beiratswahlen an 12 BBE - Dokumentation

15 Reich - Vernetzung: Ein Beitrag zur Partizipation von Migrantenorganisationen zu geringer Wahlbeteiligung, das damals gültige Quorum von 10% wurde nicht erreicht. Die Problemanalyse führte zu der Schlussfolgerung, dass Legitimation und Partizipation sich in diesem Falle zumindest gegenseitig im Weg gestanden hätten, und dass man meine Formulierung einen Weg zurück zur Partizipation durch Vernetzung finden müsse, ohne in die alten informellen (man könnte sagen patriarchalischen ) Strukturen zurückzufallen. In kommunalem Alleingang wurde beschlossen, einen Integrationsbeirat einzusetzen, dessen Mitglieder ohne Bindung an eine bestimmte Staatsbürgerschaft vom Stadtrat zu bestellen waren. Bestellt wurden Vertreter von Migrantenorganisationen, Vertreter des Stadtrats, engagierte Einzelpersonen sowie Fachleute der Wohlfahrtsverbände und anderer Institutionen insgesamt wurde also eine sehr breite Vernetzung angelegt, die man als Verankerung der Integrationsarbeit in der kommunalen Gesellschaft bezeichnen kann. So ist es etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, gelungen, auch Flüchtlinge und Asylbewerber für die politische Partizipation am Ort zu gewinnen, weil ein Vertreter der kirchlichen Flüchtlingsarbeit eingebunden war, der glaubhaft für die gemeinsamen Interessen von Kurden und Kosovo-Albanern eingetreten ist. Was das Beispiel lehrt, ist, dass in der Tat unter den aktuellen Umständen die Verbindungen mit und innerhalb der Kommune eine entscheidende Größe sind, wenn es um die politische Partizipation von Migrantenorganisationen geht. Inzwischen gilt in Rheinland-Pfalz neues Recht: Die Integrationsbeiräte werden gewählt, doch ist das passive Wahlrecht nicht mehr an den Ausländerstatus gebunden, und die gewählten Beiräte können durch Persönlichkeiten, die vom Stadtrat bestellt werden, erweitert werden. Damit ist eine gesetzliche Verbindung von Legitimation und Partizipation geschaffen, die für die politische Teilhabe von Migrantenorganisationen neue Perspektiven eröffnet. Die Wahlen nach dem neuen Recht haben kürzlich stattgefunden. Zwar haben sie den großen Durchbruch noch nicht gebracht; doch kann man festhalten, dass in den Städten, gerade auch in den kleineren Städten, die Wahlbeteiligung deutlich gestiegen ist. Das spricht für die eben aufgestellte These. Es wird jetzt darauf ankommen, die neue Grundlage zu nutzen, um die damit gegebenen Chancen zur Vernetzung auszubauen und im Sinne partizipatorischer Politik zu nutzen. der übergreifenden Zielsetzung einig sind, mögen sie auch sonst noch so verschieden voneinander sein. Sie kann diesen Beitrag leisten, wenn sie über den Zusammenschluss von Migrantenorganisationen hinausgeht und Netzwerkpartner einbezieht, die sozusagen die Kontakte und Verbindungen mitbringen, die in die übrige Gesellschaft hineinreichen. Dazu gehört nicht zwingend, aber doch in der großen Mehrzahl der Fälle die Bereitschaft der Regelsysteme (also der Verwaltung, der kommunalen Parlamente, der Einrichtungen des Bildungssystems), die Arbeit der Netzwerke zu stützen oder ihnen selbst beizutreten. Auch eine symbolische Anerkennung ist hier von hohem Wert. Die Vernetzung wird aber nur dann einigermaßen nachhaltig sein, wenn alle Partner auch für sich selbst einen Nutzen darin sehen. Man muss es wohl noch als Appell formulieren: Den Migrantenorganisationen ist zuzumuten, ihre Netzwerkpartner nicht nur als Gönner und Geldgeber zu betrachten, sondern sich auch mit deren eigennützigen Zielen und Interessen auseinanderzusetzen und ggf. zu arrangieren. Von den potenziellen Netzwerkpartnern ist zu verlangen, dass sie die Migrantenorganisationen nicht nur für sich als Türöffner zu den Migranten und deren Familien betrachten, sondern dass sie die eigenständigen Beiträge erkennen, welche die Organisationen in Fragen der kommunalen Entwicklung, der Bildung, der Ökologie, der Folgen demographischer Verschiebungen leisten können, und dass sie im Netzwerk, bei der Beantragung von Projekten, bei der Formulierung von Anträgen für die erforderliche personelle und materielle Ausstattung der Migrantenorganisationen eintreten. Integration auf Augenhöhe muss kein Schlagwort bleiben, sie kann durch die Vernetzung gleichberechtigter Partner Wirklichkeit werden. Was ist unser Fazit? Vernetzung kann einen Beitrag zur Partizipation leisten, wenn sie Partner zusammenführt, die sich in BBE - Dokumentation 13

16 Romy Bartels, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Zum Stand der Entwicklung neuer Förderkonzepte für Migrantenorganisationen im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms Sehr geehrte Damen und Herren, ich bedanke mich sehr für die Einladung zu dieser Fachtagung. Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Referatsleiterin im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und leite dort das Referat Grundsatzangelegenheiten der Integrationsförderung. In meinem Vortrag werde ich mich im wesentlichen von zwei Aspekten leiten lassen: Was wurde im bundesweiten Integrationsprogramm an Vorschlägen zur Förderung von Migrantenorganisationen entwickelt und was hat sich im BAMF im letzten Jahr getan mit einem spezifischen Blick auf die Projektförderung im Rahmen der Unterstützung von Migrantenorganisationen? I. Auftrag und Ziel des bundesweiten Integrationsprogramms Die Entwicklung des bundesweiten Integrationsprogramms ist ein Auftrag aus 45 AufenthG und als langfristiger Prozess der Qualitätsentwicklung der Integrationsförderung angelegt. Dieser Auftrag wurde dem BAMF vom Bundesministerium des Innern übertragen. Der Auftrag besteht darin, die bestehenden Integrationsangebote von Bund, Ländern, Kommunen und privaten Trägern festzustellen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung vorzulegen. U.a. sollen gemeinsame Ziele für die Integrationsförderung in verschiedenen Bereichen entwickelt werden. Im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms sollen ganz konkrete, praxisbezogene Vorschläge zur Verbesserung der Integration entwickelt werden. Was haben wir getan? Im Austausch mit Experten aus Politik, Verwaltung, Praxis der Integrationsförderung und Wissenschaft wurden unter der Federführung des BAMF die drängenden Handlungsbedarfe in den Handlungsfeldern sprachliche Integration, Bildung und Integration, berufliche Integration und gesellschaftliche Integration ermittelt und konkrete Empfehlungen und Strategien entwickelt. Als Ergebnis wurden praxisbezogene Vorschläge zu konkreten Fragestellungen erarbeitet, etwa zur Rolle der Jugendverbandsarbeit in der Integrationsförderung oder auch zur Stärkung von Migrantenorganisationen als Akteuren der Integrationsförderung. Die Empfehlungen betreffen nicht nur das BAMF, sondern richten sich an Bund, Länder, Kommunen, Verbände, freie Träger, Migrantenorganisationen, Forschungseinrichtungen und viele andere Akteure. Ein Schwerpunktthema im bundesweiten Integrationsprogramm im Handlungsfeld gesellschaftliche Integration ist die Stärkung von Migrantenorganisationen als Akteure der Integrationsförderung. Bei der Entwicklung der Empfehlungen wurden viele Vertreter der Migrantenorganisationen eingebunden und Erfahrungen einiger Länder und Kommunen einbezogen. Warum wurde dieses Thema ausgewählt? Migrantenorganisationen sind Foren der Selbstorganisationen und gesellschaftlichen Beteiligung. Sie können als Teil der Zivilgesellschaft einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. Migrantenorganisationen engagieren sich in vielfältiger Weise und zwar hauptsächlich ehrenamtlich für die Förderung der Integration: In Migrantenorganisationen werden Menschen mit Migrationshintergrund aktiv und können ihre Kompetenzen einbringen. Sie kennen die Bedarfe von Menschen mit Migrationshintergrund und schließen mit ihren Angeboten oft Lücken der Integrationsarbeit. Sie haben meist einen guten Zugang zu Gruppen, die von anderen Integrationsangeboten schlechter erreicht werden. Es hat sich ein Perspektivwechsel im Umgang mit Migrantenorganisationen vollzogen. Der Handlungs- 14 BBE - Dokumentation

17 Bartels - Stand der Entwicklung neuer Förderkonzepte ansatz in der Integrationsförderung richtet sich heute stärker auf die gesellschaftliche Teilhabe. Übergeordnetes Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe von Migranten und ihren Organisationen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Dem entsprechend wird die Rolle von Migrantenorganisationen heute anders wahrgenommen, nämlich stärker als Brückenbauer und unverzichtbare Akteure in der Integrationsarbeit vor Ort. Sie werden zunehmend als Experten für eine bedarfsgerechte Ausrichtung der Integrationspolitik und -förderung wahrgenommen und zunehmend mit einbezogen. Daneben können Migrantenorganisationen einen Beitrag zur interkulturellen Öffnung von Vereinen und Einrichtungen leisten: Eine partnerschaftliche und mitgestaltende Kooperation zwischen Migrantenorganisationen und öffentlichen und privaten Einrichtungen und Verbänden (z.b. Bildungsträger oder Wohlfahrtsverbände),, kann deren interkulturelle Öffnung nachhaltig stärken. Wichtig ist, dass der Dialog auf Augenhöhe stattfindet. In diesem Zusammenhang sind zwei Aspekte besonders wichtig: Erstens: Zum einen ist die Integration von Zuwanderern im Sinn der Schaffung gleicher Teilhabechancen an Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung eine Aufgabe des Staates und der Gesellschaft. Migrantenorganisationen können diese Aufgabe unterstützen, aber nicht übernehmen Zweitens: Migrantenorganisationen sind bei aller Vielfalt überwiegend ehrenamtlich organisiert. Integrationsförderndes bürgerschaftliches Engagement von Migrantenorganisationen und anderen Gruppen leistet einen wichtigen Beitrag für ein gelingendes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Es kann und soll aber professionelle Sozialarbeit nicht ersetzen. Vielmehr geht es um die Nutzung und Förderung komplementärer Strukturen und Kompetenzen. Die im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms entwickelten Empfehlungen richten sich an Organisationen, die überwiegend von Zugewanderten gegründet wurden, deren Mitglieder überwiegend Migranten sind und die sich nachweislich in der Integrationsarbeit engagieren und nach außen in die Gesellschaft wirken. II. Empfehlungen des bundesweiten Integrationsprogramms Derzeit gibt es keine systematische und gleichberechtigte Einbeziehung und Nutzung der vielfältigen Kompetenzen der Migrantenorganisationen in die Gestaltung der Integrationsarbeit. Eine systematische Förderung von Migrantenorganisationen als Akteure und insbesondere Träger der Integrationsförderung geschieht bisher nur punktuell. Einzelne Länder (bspw. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) haben Förderprogramme gezielt zur Unterstützung von Migrantenorganisationen und zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen etablierten Trägern (wie den Wohlfahrtsverbänden) und Migrantenorganisationen mit ersten guten Kooperationsbeispielen. Darauf muss jetzt aufgebaut werden. Da Migrantenorganisationen hauptsächlich ehrenamtlich Integrationsarbeit leisten, stoßen sie oft an ihre Grenzen, sie sind meist kaum über Netzwerke und Fördermöglichkeiten informiert. Die Empfehlungen des Integrationsprogramms sollen konkrete Vorschläge unterbreiten, wie dies verändert werden kann. Dabei hat sich unser Blick besonders auf folgende vier Bereiche gerichtet: Der Auf- und Ausbau tragfähiger Strukturen für die Integrationsarbeit von Migrantenorganisationen. Die Professionalisierung der Vereinsarbeit. Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagement in und durch Migrantenorganisationen. Positive Effekte der interkulturellen Öffnung der Gesellschaft für Migrantenorganisationen. In verschiedenen Gesprächen mit Vertretern von Migrantenorganisationen, Verbänden, Ländern, Kommunen, Einrichtungen und Forschung wurden die Ist-Situation, Handlungsbedarfe und Fördermodelle diskutiert. Es wurden umfangreiche Empfehlungen und praxisorientierte Umsetzungshinweise zusammengestellt. Dabei wurden konkrete Schritte vorgeschlagen, um die Arbeit der Migrantenorganisationen zu unterstützen, ihnen ein langfristiges Engagement in der Integrationsförderung zu ermöglichen und damit auch ihre Kompetenzen und Ressourcen gezielt zu nutzen. Einige der Ideen, die in den Empfehlungen ausgeführt werden: Strukturaufbau der Migrantenorganisationen Diskutiert wurden Möglichkeiten, um die Partizipation von Migrantenorganisationen an Förderstrukturen zu erleichtern. Dabei müssen die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe gesehen werden: Viele ehrenamtlich aufgestellte Migrantenorganisationen benötigen zuvörderst eine Grundausstattungsförderung (bspw. Geschäftsräume, technische Ausstattung wie PC, Schreibtisch). BBE - Dokumentation 15

18 Bartels - Stand der Entwicklung neuer Förderkonzepte Daneben benötigen Migrantenorganisationen auch eine infrastrukturelle Förderung (z.b. eine minimale Regelfinanzierung von Personal- und Sachkosten). Im Fokus war darüber hinaus die Frage, wie die Beteiligung von Migrantenorganisationen an der Projektförderung gestärkt werden kann. Diskutiert wurden dabei z.b. Lösungen für den vom Zuwendungsgeber meist geforderten Eigenmittelanteil: z.b. durch Anrechnung ehrenamtlicher Arbeit auf den finanziellen Eigenanteil der Migrantenorganisationen. Hinterfragt wurde beispielsweise auch, ob auf die von einigen Förderprogrammen geforderte bundesweite Tätigkeit des Antragstellers verzichtet werden kann, damit auch lokal agierende Migrantenorganisationen (bzw. grundsätzlich kleine lokale Organisationen) in den Genuss einer Förderung gelangen können. Ein weiteres wichtiges Thema war die Frage nach einem Ausbau der Weiterbildungsmaßnahmen für Migrantenorganisationen. Aus Sicht der beteiligten Experten sind folgende Aspekte in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Entwicklung von Professionalisierungs- und Weiterbildungsangeboten für Migrantenorganisationen. Das Beratungsangebot für Migrantenorganisationen sollte ausgedehnt werden. Informationsfluss über Fördermittel verbessern. Kooperationen zwischen etablierten Trägern der Integrationsförderung, z.b. Wohlfahrtsverbänden oder Einrichtungen der Engagementförderung, und Migrantenorganisationen zu unterstützen. Stärkere Vernetzung zwischen etablierten Trägern und Migrantenorganisationen. Einbeziehung von Migrantenorganisationen in die bestehenden Integrationsnetzwerke vor Ort und in die Entwicklung von Integrationskonzepten. Angesprochen wurden auch Möglichkeiten, die bereits bestehenden Aktivitäten zur interkulturellen Öffnung auf Seiten der Verwaltung, bei bestehenden Einrichtungen und Angebote zu stärken und eine engere Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen hierbei zu unterstützen. Die gesellschaftliche Teilhabe von Jugendlichen und die Notwendigkeit der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit ist ein weiteres wichtiges Kapitel, auf das ich aber hier wegen der begrenzten Zeit nicht näher eingehen kann. III. Aktivitäten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Das Bundesamt hat bereits viele der im Integrationsprogramm entwickelten und oben exemplarisch dargestellten Empfehlungen zur Stärkung von Migrantenorganisationen umgesetzt, insbesondere im Rahmen der eigenen Projektförderung, und damit den Anteil der Projekte, die von Migrantenorganisationen durchgeführt wurden, in größerem Umfang erhöht. Die Projektförderung hat ihre Förderkriterien stärker interkulturell geöffnet. Migrantenorganisationen werden zukünftig insbesondere durch folgende Ansätze stärker gefördert: Die neue Förderrichtlinie sieht eine umfassende Mitwirkung von Migrantenorganisationen an der Integrationsförderung vor. Das Bundesamt hat verstärkt Migrantenorganisationen mit der Durchführung gemeinwesenorientierter Projekte beauftragt; der Projektanteil wurde bei neuen Projekten verdreifacht. Zugleich wird vermehrt Beratung für Migrantenorganisationen zur Projektkonzeption und Antragstellung angeboten, z.b. über die Regionalkoordinatoren des Bundesamtes. Begleitung von Projekten mit Migrantenorganisationen durch Evaluation. Verstärkte Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen für Migrantenorganisationen wie etwa Multiplikatorenschulungen und inhaltliche und organisationenbezogene Qualifizierungsmaßnahmen. Im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens zur verstärkten Partizipation von Migrantenorganisationen im Rahmen der Projektförderung wurden vierzehn Modellprojekte zu verschiedenen Kooperationsformen vom Tandem- bis zum Mentoringprojekt ausgewählt. Die zweijährige Modellphase erfolgt mit fachlicher Begleitung durch zwei Experten und wird durch verschiedene Veranstaltungen und Workshops unterstützt. Am Ende soll eine Dokumentation die Erfahrungen und Handlungsempfehlungen aus diesen Kooperationsprojekten festhalten. Ausblick Die Empfehlungen des bundesweiten Integrationsprogramms werden gegenwärtig abgestimmt und im Anschluss veröffentlicht. Einzelne Themen werden dann weiter vertieft und Umsetzungsprozesse angestoßen, z.b. in Form von Modellprojekten. Das Integrationsprogramm zeigt sich damit als Prozess und nicht nur eine Publikation. Das Bundesamt wird seine Zusammenarbeit und Unterstützung von Migrantenorganisationen auch in 2010 weiter ausbauen. Im Jahr 2010 ist eine zweite Tagung mit Migrantenorganisationen im Bundesamt geplant. 16 BBE - Dokumentation

19 Dr. Thomas Röbke, Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis Im Mittelpunkt dieser vierten Tagung des BBE zur Strukturentwicklung von Migrantenorganisationen steht die Vernetzung von Kompetenzen, Ressourcen und Potenzialen. Dieses Interesse markiert eine historische Konstellation: Nach der Stärkung (zum Beispiel durch Bildung), aber auch nach sichtbar gewordenen Grenzen in der Selbstorganisation, die in den letzten Jahren diskutiert wurden, stellt sich nun die Frage, wie die eigene Initiative mit anderen kooperieren kann. Wie kann beispielsweise die prekäre Lage, in der sich viele Migrantenorganisationen personell und finanziell befinden, durch Bündelung der Kräfte entschärft werden? Wie schafft man es, sich gegenseitig zu stützen und neue Kräfte hinzu zu gewinnen? Aber es geht auch um eine politische Dimension, denn nur mit vereinten Kräften wird man sich öffentlich mehr Gehör verschaffen können. Oft genug weisen ja deutsche Politiker darauf hin, dass sie keine genügend legitimierten Ansprechpartner unter Migrantenorganisationen haben, wenn es um Integrationspolitik geht. Ich bin kein Fachmann für Fragen der Integration. Mein Hintergrund ist das bürgerschaftliche Engagement. Als Geschäftsführer des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement Bayern sind Probleme des Netzwerkmanagements mein tägliches Brot. Ich konnte dazu viele Erfahrungen sammeln. Aber erst nach Jahren der Netzwerkarbeit habe ich mich eingehend theoretisch mit den Chancen und Risiken der Netzwerkarbeit beschäftigt und mich gefragt, was ich da eigentlich tue. Ich glaube, da bin ich nicht alleine. Das Leben und Arbeiten in Netzwerken ist heute eine weit verbreitete Praxis geworden. Wenn man aber genauer hinsieht, dann geht es einem fast so, wie es einmal Augustinus über die Zeit gesagt hat. Wenn einen niemand danach fragt, was ein Netzwerk ist, glaubt man es zu wissen. Wenn man aber ausdrücklich darauf angesprochen wird, kommt man in Verlegenheit. Was also zeichnet Netzwerke aus? Was unterscheidet sie von anderen gesellschaftlichen Organisationsformen? Was sind die Vorteile ihrer Funktionsweise, wo liegen ihre Nachteile? Was kann man tun, um sie zu steuern? Die Anwendungsgebiete des Netzwerkbegriffs sind heute geradezu uferlos: Vom technischen Netzwerk bis zum Verbrechernetzwerk reicht die Spannbreite. Mir geht vor allem um soziale und politische Netzwerke der Zivilgesellschaft, die mit starken Potenzialen des bürgerschaftlichen Engagements ausgestattet sind, sich demokratische Spielregeln geben und um eine transparente Arbeitsweise bemühen. Sie sind insofern ein besonderer Typ, als sie die privaten Sphären der Lebenswelt mit der politischen Sphäre der Öffentlichkeit und der sozialen Sphäre der Solidarität verknüpfen. Ich möchte die Aufgabe, die mir gestellt wurde, in vier Schritten angehen. Erstens möchte ich nach den allgemeinen Eigenschaften von Netzwerke fragen, um mich dann zweitens den charakteristischen Eigenschaften zivilgesellschaftlicher Netzwerke zuzuwenden. Drittens werde ich auf einige Eigenschaften und Probleme der Netzwerkarchitektur eingehen, um mich schließlich, viertens, mit den Aufgaben des Netzwerkmanagements zu beschäftigen. Ich werde immer wieder Bezüge zum inhaltlichen Thema der Integrationsförderung herstellen. Es wird aber bei Andeutungen bleiben, von denen ich hoffe, dass sie in den folgenden Diskussionen dieser Tagung aufgegriffen werden. Was sind Netzwerke? Netzwerke sollten auf Vertrauen beruhen, sie verlangten nach einer Kommunikation auf Augenhöhe und benötigten ein Management. Man sollte daher erst einmal klein anfangen, bevor man sich überfor- BBE - Dokumentation 17

20 Röbke - Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis dert. Netzwerke könnten neue Möglichkeiten erschließen und Zugang zu Fördertöpfen eröffnen, die bisher verschlossen blieben. Gute Netzwerkarbeit, so resümierte eine Stimme aus der Praxis, bleibt ein Traum. Dennoch soll der Traum weitergeträumt werden. Die Erwartungen an Netzwerkarbeit sind hoch, klar ist aber auch, dass der Aufbau und die Pflege von Netzwerken eine anspruchsvolle und zeitraubende Aufgabe sein kann, bei der Überforderung droht. Netzwerkarbeit muss man sich leisten können. Netzwerke sind in den Augen des Philosophen Hartmut Böhme praktische Kompromisse zwischen Ordnung und Unordnung. Das halte ich für eine sehr treffende Definition. Sie ist etwas vage, wie es Netzwerke eben so an sich haben. Netzwerke sind nicht auf dem Reißbrett ausgedacht, sondern praktische Kompromisse, die in vielerlei Hinsicht eine größere Wirksamkeit und Arbeitsfähigkeit erzielen können als konstruierte Ordnungen, die oft steif und unbeweglich sind. Netzwerke sind aber nicht völlig chaotisch, ihre Elemente weisen schon geregelte Beziehungen zueinander auf, die sich allerdings verändern können. Die Elemente eines Netzwerks bleiben beweglich, sie können ihre Position wechseln und sind nicht sehr fest gefügt. Das unterscheidet sie zum Beispiel von einer öffentlichen Verwaltung, einer Kirche oder einem Großunternehmen. Während starre Organisationsformen dazu neigen, ihre Elemente gleichzuschalten und zu homogenisieren, leben Netzwerke geradezu vom Unterschied. Ihr Lebenselixier liegt in der Diversity, im kreativen Unterschied der Teilelemente. Der Hinweis auf Diversity soll in diesem Zusammenhang auch auf einen Paradigmenwechsel aufmerksam machen: Der Übergang von der Leitvorstellung der Integration zur Diversity läuft nicht zufällig parallel zum Wechsel der Ordnungsvorstellungen gesellschaftlicher Organisationskulturen hin zum Netzwerk. Das Netzwerk hat kein Zentrum, an dem sich alles auszurichten hat. Es besteht aus unterschiedlichen Teilen und vielfältigen Bezugspunkten, die sich ergänzen, aber auch gegenseitig blockieren können. Netzwerke kommen ohne die Vorstellung einer Leitkultur aus, an der sie sich auszurichten haben. Sie sind multifokal. Ihre Beziehungen sind offen, aber auch wenig verpflichtend. Denken sie an soziale Netzwerke im Internet wie Facebook oder StudiVZ. Da kann sich jederzeit jemand Freunde suchen, die er nicht einmal mehr persönlich kennt. Diese Form der Unverbindlichkeit mag extrem sein, aber die meisten sozialen Netzwerke (bei Verbrechensnetzwerken wie der Mafia ist das sicher anders) zeichnen sich durch schwache Bindungen aus. Der amerikanische Netzwerkforscher Marc Granovetter sieht darin geradezu den wichtigsten Vorteil von Netzwerken. Weil die Verknüpfungen so locker sind, können sie einen viel größeren Kreis von Menschen einbeziehen. Die Stadt etwa mit ihrem fluktuierenden menschlichen Beziehungsgeflecht war deshalb immer ein bevorzugter Ort der Integration im Vergleich zu ländlichen Gebieten, deren Dörfer über Jahrhunderte von denselben Familien geprägt waren. Schwache Bindungen sind anschlussfähiger als starke emotionale oder verwandtschaftliche Beziehungen. Netzwerke sind deshalb attraktiv und breiten sich so schnell aus, weil sie den modernen Lebensformen perfekt entsprechen. Sie organisieren Vielfalt, ohne diese allzu sehr zu beschneiden. Sie stellen lose Beziehungen her, die offen sind für Neuankömmlinge und leicht zu verlassen für Kündigungswillige. Sie leben von Kommunikationsprozessen auf Augenhöhe ohne starre Hierarchien und Regelwerke. Das macht sie geschmeidig, anpassungsfähig, flexibel. Ich werde noch auf die Kehrseite dieser Eigenschaften zu sprechen kommen. Zunächst möchte ich klären, welche besonderen Merkmale Netzwerke der Zivilgesellschaft auszeichnen. Zivilgesellschaftliche Netzwerke Drei Ausprägungen zivilgesellschaftlicher Netzwerke möchte ich unterscheiden. Sie haben in der einschlägigen Literatur schon Ordnungsnummern erhalten, was meine Darstellung vereinfacht: Man spricht von primären, sekundären und tertiären Netzwerken. Primäre Netzwerke bezeichnen Netzwerke der unmittelbaren Lebenswelt: In der Nachbarschaft, im Stadtteil, im Umfeld der Freunde und Verwandten. Diese Netzwerke stehen vielfach unter enormen Druck. Auch im Bereich der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte werden die Bindungen in den Familien und der Nachbarschaft lockerer. Darüber hinaus spielen besondere Milieus eine wichtige Rolle. Sie kennen die aufschlussreiche Sinus-Studie. Hier wird sehr anschaulich dargelegt, dass wir es heute schon längst mit einer Vielzahl von Milieuzugehörigkeiten zu tun haben. (s. Abb 1) Es gibt traditionelle Milieus, die stark religiös verwurzelt sind, aber auch Modernisierungsverlierer, die von Exklusion durch die Mehrheitsgesellschaft bedroht sind. Die schlecht integrierten Milieus 18 BBE - Dokumentation

21 Röbke - Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis Abb. 1: Die Migranten-Millieus in Deutschland 2008 hoch 1 mittel 2 niedrig 3 A 3 Religiösverwurzeltes Millieu AB 3 Traditionelles Arbeitermillieu 16 % AB 12 Statusorientiertes Millieu 12 % 7% B3 Entwurzeltes Millieu 9% B 12 Intellektuellkosmopolitisches Millieu 11 % B 23 Adaptivesbürgerliches Millieu 16 % BC 2 Multikulturelles Performermillieu 13 % BC 3 Hedonistischsubkulturelles Millieu 15% Soziale Lage Grundorientierung A I Vormorderne Tradition Konservativreligiös, strenge rigide Wertvorstellungen, kulturelle Enklave A II Ethnische Tradition Pflicht- und Akzeptanzwerte, materielle Sicherheit, traditionelle Moral B I Konsummaterialismus Status, Besitz, Konsum, Aufstiegsorientierung, soziale Akzeptanz und Anpassung B II Individualissierung Selbstverwirklichnung, Leistung, Genuss, bi-kulturelle Ambivalenz und Kulturkritik C Multioptionalität Postmodernes Werte- Patchwork, Sinnsuche, multikulturelle Identifikation Tradition Modernisierung Neuidentifikation Bürgerliche Migranten-Millieus Traditionsverwurzelte Migranten-Millieus Ambitionierte Migranten-Millieus Prekäre Migranten-Millieus Quelle: Sinus Sociovision scheinen allerdings in der Minderheit, obwohl das mediale Interesse hier oft am stärksten ist. Auf der anderen Seite gibt es etwa ein sogenanntes multikulturelles Performermilieu oder ein hedonistischsubkulturelles Milieu, das sich kaum mehr von modernen Lebensstilen junger Deutscher unterscheidet. Ich denke dabei an die Filme von Fatih Akin und ihre urbane höchst lebendige Mischung. Diese Heterogenität von Milieus kann zu einem spannenden Ausgangspunkt zivilgesellschaftlicher Aktivitäten werden. Projekte wie Stadtteilmütter oder Patenschaftsprojekte, in denen gut integrierte Migrantinnen und Migranten sich um den Bildungserfolg Jugendlicher kümmern, beruhen auch darauf, das Brücken zwischen diesen verschiedenen Subkulturen entstehen. Integrationsprozesse sind ja nicht nur ein Thema zwischen Deutschen und Menschen mit Miragtionshintergrund, sondern spielen sich auch zwischen den jeweiligen Communities ab. Bürgerschaftliche Projekte können wertvolle Verbindungen schaffen. Sekundäre Netzwerke stellen weitere Ressourcen für einen gelungenen Integrationsprozess zur Verfügung. Sie umfassen professionelle und zivilgesellschaftliche Infrastrukturen, die sich unmittelbar um die jeweiligen Lebenswelten gruppieren: Das Vereinsleben am Ort, die wohnortnahe Schule oder die Kindertagesstätte, das Büro für Gemeinwesenarbeit im Stadtteil etc. Diese sekundären Netzwerke sind wichtige Anknüpfungspunkte für zivilgesellschaftliche Aktivitäten. Sekundäre Netzwerke werden sozialpolitisch häufig dort gefördert und ausgebaut, wo sich sozial benachteiligte und bildungsferne Milieus in sozialräumlichen Segregationsprozessen verfestigen. In den letzten Jahren haben sich beispielsweise viele Kindergärten und Schulen zu Familienzentren oder Community Schools erweitert. Diese Öffnung bietet für die primären Netzwerke wichtige Anlaufstellen und sorgt für den Autausch im Stadtteil. Zudem entwickeln sich wohnartnahe professionelle Unterstützungsformen wie zum Beispiel Quartiersmanagement in Gebieten der Sozialen Stadt oder Gemeinwesenbüros, Com- BBE - Dokumentation 19

22 Röbke - Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis munity Organising-Initiativen usw. Alle diese Einrichtungen haben zum Ziel, die primären Netzwerke zu stärken, indem sie sie mit Projekten und Institutionen von sekundären Netzwerken verknüpfen, sie für neue gesellschaftliche Kontakte öffnen und ein Abschotten in Parallelwelten verhindern. Tertiäre Netzwerke spielen sich darüber hinaus vor allem zwischen professionellen Akteuren ab. Das BBE ist hierfür ein gutes Beispiel. In einer immer unübersichtlicher werdenden Landschaft von Modellprogrammen und Infrastrukturen sollen diese Netzwerke für Koordination und Kooperation sorgen, aber auch Doppelarbeit vermeiden. Im BBE sind vor allem die großen nationalen Akteure aus Zivilgesellschaft, Bund, Länder,, Kommunen und Unternehmen organisiert, die sich mit bürgerschaftlichem Engagement beschäftigen. Tertiäre Netzwerke können aber auch ganz alltagsnah sein, zum Beispiel Runde Tische, in denen sich alle Akteure treffen, die mit Bildung in einem Stadtteil zu tun haben, oder Bündnisse für Familien, in denen Beratungsstellen, das Jugendamt und Unternehmen der Region gemeinsame Handlungsstrategien entwickeln. Besonders charakteristisch für die Netzwerkarbeit im zivilgesellschaftlichen Kontext ist nun, auf welche Weise die drei verschiedenen Netzwerkarten zusammenspielen. Fachleute haben dafür den Begriff des Wohlfahrtsmixes geprägt. Was ist damit gemeint? Nehmen wir zum Beispiel ein Patenschaftsprojekt, in dem gut integrierte Menschen mit Zuwanderungsgeschichte Jugendliche auf ihrem Weg von der Schule in die Ausbildung unterstützen. Diese Paten müssen sich in der unmittelbaren Lebenswelt der Jugendlichen bewegen können. Sie sollen Brücken schlagen zwischen den verschiedenen Migrantenmilieus und zur sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Vor allem sollen sie gute Kontakte zu professionellen Stellen wie Schulen, dem örtlichen Jobcenter, Werkstätten des zweiten Arbeitsmarktes etc. haben. Das ist natürlich für ehrenamtliche Paten sehr viel verlangt. Deshalb müssen sie umgekehrt wieder durch sekundäre und tertiäre Netzwerke unterstützt werden, die ihnen Türen öffnen und Kontakte erleichtern. Zum Beispiel eine Freiwilligenagentur oder durch den lokalen Verband der türkischen Unternehmer. Erst diese Verschränkung der Ebenen macht das volle Potenzial zivilgesellschaftlicher Netzwerkarbeit sichtbar. Alle Netzwerke sollen untereinander offen und anschlussfähig sein. Wenn sich beipielsweise ein lebendiges primäres Netzwerk in einem Kiez bildet, dann ist es die Kunst der sozialpolitischen Steuerung, gerade dieses zu stärken und keine neuen Parallelstrukturen aufzubauen. Dass da viel schief gehen und auch Geld verschleudert werden kann, wenn man dies nicht beherzigt, habe ich in den letzten Jahren oft beobachten können. Da gab es besonders geschickte Träger, die durch ihre guten Kontakte in den professionellen, tertiären Netzwerken enorme Fördersummen erhalten haben. Die wurden dann dafür eingesetzt, neue Hilfestrukturen im Kiez aufzubauen, statt schon auf die bewährten Netzwerke zurückzugreifen. Eine wichtige Schlussfolgerung aus diesen Erfahrungen wäre es, wenn man schon bei der Auswahl der Träger von Projekten und Programmen zur Auflage macht, dass lebensweltnahe Akteure einbezogen sein müssen. Ich finde daher die auf dieser Tagung oft gehörte Forderung sehr gut, bei Förderungen im Migrationsbereich immer auch eine Migrantenorganisation als Tandempartner im Boot zu haben. Wir haben im Landesnetzwerk eine bewährte Projektpartnerschaft mit der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Bayern (AGABY). Das Projekt gemeinsam engagiert funktioniert deshalb gut, weil es die unterschiedlichen Sichtweisen und Zugänge der beiden Projektpartner mit einem gemeinsam definierten Ziel kombiniert. gemeinsam engagiert wird ja im Rahmen dieser Tagung vorgestellt, so muss ich hier nicht näher darauf eingehen. Eigenschaften und Probleme Derartige paritätische Trägerschaften sind die absolute Ausnahme. Die Erfahrung mit der Förderpolitik ist meist eine andere und zeigt, dass auch in Netzwerken nicht alles Gold ist, was glänzt. Oft geht es um Macht. Aus Netzwerken können Klüngel werden, die gerade jene ausschließen, die mit schwacher Stimme sprechen. Und hierzu gehören leider bisher die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Zu einer nachholenden Integrationspolitik muss es daher nicht nur gehören, den Professionalisierungsgrad der Migrantenorganisationen zu erhöhen, sondern ihnen auch den Eintritt in die wichtigen sekundären und tertiären Netzwerke zu ermöglichen. Netzwerke sind im Kontext der zivilgesellschaftlichen Entwicklung zu mehr Demokratie und Beteiligung nicht per se die gleichsam natürliche Organisationsform. Sie haben gute und schlechte Eigenschaften: Geschwindigkeit und Flexibilität Ob Netzwerke in ihren Wirkungen so erfolgreich sind, wie es ihre rasante Verbreitung nahe legt, ist nicht leicht abzuschätzen. Netzwerke haben einen hohen Abstimmungs- und Pflegebedarf, der mit der Zahl 20 BBE - Dokumentation

23 Röbke - Netzwerke: Konzepte und Handlungsstrategien für die Praxis der Akteure zunimmt. Zwar können sie Informationen schnell übermitteln, doch ihre multifokale Struktur mit flachen Hierarchien führt häufig zu einem enormen Diskussions- und Rückkopplungsaufwand, wenn es um Entscheidungen geht. Verbindungen Im Zentrum der Netzwerkarchitektur steht die Qualität der Verbindungen. Schwache Beziehungen erlauben es im Prinzip, in Kontakt zu einer viel größeren Menge von Partnern zu treten, als es enge, aber zeitraubende Verpflichtungen oder Freundschaften zulassen. Andererseits beruhen Netzwerke auf Vertrauen. Wie aber sollen wir jemandem Vertrauen schenken, den wir nur flüchtig kennen? Zugänge Netzwerke verbinden. Sie können aber auch trennen. Bürgerschaftliche Netzwerke bieten einerseits die Aussicht auf einen niedrigschwelligen Zugang zum gesellschaftlichen Leben. Diese Funktion wird umso wichtiger, je weiter sich unsere Gesellschaft individualisiert. Zugleich können starke Binnenbeziehungen in Netzwerken aber auch zum Ausschluss einzelner Gruppen und Milieus führen. Kopplungen Netzwerke leben als freiwillige Zusammenschlüsse von den Zielen, die sie sich setzen. Wenn es sich um professionelle Partner handelt, die, jeder für sich, ein strategisches Interesse am Netzwerk formulieren, ist dieses Spiel zwischen Sonderinteressen und Netzwerkzielen nicht unproblematisch. Immer wieder kommt es zu Vereinnahmungen von Interessen. Auf dieser tertiären Ebene des bürgerschaftlichen Engagements agieren beispielsweise Wohlfahrtsverbände oder Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Beratungsdienste. Ihnen ist ein professionelles Verständnis ihrer Arbeit selbstverständlich und sie können die Schnittstellen, die sie mit dem Netzwerk gemeinsam haben, genau definieren. Es kann dann aber auch geschehen, dass die professionelle Handlungslogik Netzwerke überformt und instrumentalisiert. Aufgaben des Netzwerkmanagements Damit sind schon viele Bruchstellen und Ambivalenzen benannt, die ein Netzwerkmanagement im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements zu bearbeiten hat. Es muss versuchen, Machtungleichgewichte auszugleichen. Ich glaube, das Netzwerkmanagement leicht gegen den Strom steuern muss, um gerade jene Augenhöhe herzustellen, die nicht selbstverständlich ist. Ein zweites Prinzip sehe ich in der Aufgabe, Vielfalt zu organisieren. Im Bereich der Integrationsarbeit gibt es den Begriff des Diversity- Managements. Wie kann es gelingen, eine Kooperation unterschiedlicher Kulturen zu erreichen, obwohl oder besser: gerade weil diese so unterschiedlich sind? Ich möchte die zugrunde liegende Steuerungsphilosophie als Suche nach Synergien bezeichnen. Obwohl dieses Wort schon ziemlich abgenutzt ist jede Firma, die eine andere schluckt, spricht von Synergie, ist die damit gemeinte Praxis eher selten anzutreffen. Aus den Unterschieden Funken schlagen, Spaß an der Vielfalt haben ist anstrengend, aber kann meines Erachtens zu Resultaten führen, die völlig überraschend, ja beglückend sein können. Netzwerkmanager sollten diese Aufgaben verfolgen, indem sie 1. die Selbstorganisationspotenziale der primären Netzwerke um Familie, Nachbarschaft und bürgerschaftliches Engagement stärken und dafür sorgen, dass sie im politischen Raum der Öffentlichkeit Gehör finden; 2. die Abschließung von Netzwerken aufbrechen und soziale Kreise für Prozesse der gesellschaftlichen Kooperation und Koproduktion begeistern; 3. den Eigensinn des bürgerschaftlichen Engagements gegenüber Versuchen professioneller Rationalisierung bewahren; 4. Netzwerke von professionellen Partnern auf eine behutsame Zusammenarbeit mit bürgerschaftlich organisierten Netzwerken vorbereiten; 5. bürgerschaftliche Netzwerke als Korrektiv der Pathologien professioneller Dienste und Organisationen zur Geltung bringen; 6. Plattformen der Begegnung zivilgesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Akteure schaffen; 7. sich um die Evaluation der Netzwerkarbeit kümmern und den Netzwerkpartnern die Chancen, die ihr Einsatz bietet, bewusst machen. Dies ist ein anspruchsvolles Aufgabenprofil. Netzwerkarbeit muss man sich leisten können. Ich denke, man sollte sich nicht entmutigen lassen und vielleicht erst einmal klein anfangen. Aber man steht auch nicht am Anfang. Diese Tagung zeigt, dass man auf dem Weg der Vernetzung schon ein gutes Stück vorangekommen ist. Es wird darauf ankommen, diese Ausgangsposition in den kommenden Jahren auszubauen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, seitdem auch große Institutionen wie das BAMF die Notwendigkeit der Förderung von Netzwerkarbeit erkannt haben. BBE - Dokumentation 21

24 World Café An die Plenumsvorträge schloss sich ein World-Cafe an. Dabei tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit den Chancen und Grenzen von Netzwerken aus. Protokolle der Thementische zur interkulturellen Öffnung mit MO Thementisch 1 Die Vernetzung von Migrantenorganisationen hat angefangen und ist nicht mehr zu stoppen. Obwohl solche Entwicklungen und Vernetzungen neue Chancen für MO eröffnen, haben sie auch mit Grenzen zu tun. Die Netzwerke sollen gepflegt werden, die Regeln sollen erstellt und eingehalten werden. Netzwerkarbeit braucht Zeit und Mühe. Zusammen etwas zu bewegen wirkt besser, beansprucht jedoch mehr Kraft und Zeit. Unter dem Aspekt Interkulturelle Öffnung mit MO wurde das Thema diskutiert und wir haben versucht gemeinsam unsere Anliegen zum Thema darzustellen. Welche Bedeutung / Welchen Stellenwert haben Netzwerke für MO? Zu dem Thema wurden folgende Punkte bei dem World-Cafe gesammelt: Ein gemeinsames Auftreten von MO wird zur Durchsetzung der politischen Rechten (führen). MO verfügen über Experten-Wissen, die im Netzwerk sichtbar werden können. MO fehlen in der Regel die Infrastrukturen und materiellen Ressourcen. Durch Netzwerke können sie diese erreichen. Das Engagement von MO, Bildung und ihre Ausdauer könnte in den Netzwerken trotz fehlender materieller Ressourcen der MO nützlich sein. Bei einer gelungenen Netzwerkarbeit mit MO sollte Rücksicht auf die spezifischen Bedürfnisse des Ehrenamts genommen werden, weil MO meistens durch ehrenamtliche Arbeit funktionieren. Die Themen Kooperationen und Erfahrungsaustausch wurden besonders intensiv diskutierten: Alle MO möchten Partnerschaften auf gleicher Augenhöhe, ernst genommen und nicht einfach ausgenutzt werden, dieses könnte durch Netzwerke erreicht werden. Erfahrungsaustausch kann zum Erfolg der anderen beitragen. Netzwerke von MO sind ein Knotenpunkt für die Vermittlung von Kooperationspartnern: Sie verfügen über Kontakte zu den Zielgruppen für die Durchführung von Projekten. Durch MO könnten die Partner zum Erfolg kommen Durch starke Partner können MO unterstützt werden, aber auch unterdrückt werden. Die gegenseitige Unterstützung bei den Kooperationen ist sehr wichtig. Trotz der positiven Wirkungen von Netzwerken von MO gibt es auch Schwierigkeiten oder Grenzen. Aus der Perspektive der MO wurden folgende Punkte zur Sprache gebracht: Verbände wollen mit MO zusammen arbeiten, jedoch sehen sie die Ausdauer der MO nicht. Vorurteile und Ängste bestehen auf allen Seiten MO haben Finanzknappheit. MO sehen eine Überforderung in Bezug auf zeitliche und persönliche Kompetenzen, weil sie in der Regel alles ehrenamtlich machen: Tagsüber Arbeit zum Überleben, am Abend oder an den Wochenenden ehrenamtliche Vereinsarbeit. Regeleinrich- 22 BBE - Dokumentation

25 World Café tungen sind dagegen in der Woche geöffnet. MO werden als Konkurrenten wahrgenommen. MO konkurrieren untereinander. Mangelnde Anerkennung von MO mit ihren Fähigkeiten. Ausnutzung von MO: Nach einer Kooperation werden die Mitglieder von den Etablierten genommen Informationsdefizite. Schulungsdefizite von Lehrerinnen hinsichtlich interkultureller Kompetenz. Fremdbestimmung. Vertretungsansprüche ( z.b. von den Personenkreisen und Einrichtungen, die nicht Sinti und Roma Gruppen angehören). Wissensdefizite über die Fördermöglichkeiten bei MO. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft dazu beitragen? Migrantenorganisationen brauchen auf jeden Fall für eine Netzwerkbildung finanzielle und zeitliche Ressourcen. Darüber hinaus sind folgende Aspekte von Bedeutung: Interkulturelle Öffnung bedeutet Dialog bzw. Toleranz (das Wort Toleranz wurde von den einigen Teilnehmerinnen kritisiert, ich toleriere dich?!!). Während einige Teilnehmerinnen ihre Beiträge nicht auf den Begriff Kultur reduzieren wollten, sind bei den anderen (z.b. einer Teilnehmerin aus China) solche Themen sehr wichtig. Sie möchten die kulturelle Vielfalt nicht versteckt halten, sondern präsentieren, um ihre alte Kultur den hier Lebenden nahe zu bringen. Damit wird verdeutlicht, dass auch andere Kulturen alte Traditionen haben. Bisher haben die unterschiedlichen Kulturen in der Nische gelebt, sie sollen künftig in der Hauptbühne ihren Platz bekommen. Ressourcen von MO sind zu würdigen und sollten anerkannt werden. Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass die interkulturelle Öffnung nicht nur im Felde der Kultur, sondern auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattfinden sollte. Der interkulturellen Öffnung der Verwaltung wurde besonderen Wert gelegt. Abschließend ist zu sagen, dass sich auch die MO im Prozess der Netzwerkbildung interkulturelle öffnen müssen. Obwohl einige Vereine bei der Öffnung soweit sind, fangen die anderen erst mit der Gründung der Rheinethnischen Organisationen an. Protokoll: Nilgün Kamalak, Interkulturelles Migrantinnenzentrum IMAZ e.v. BBE - Dokumentation 23

26 World Café Thementisch 2 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für Mo? Netzwerke können zu Tandemprojekte führen, dass wiederum wäre für eine kleinere Organisation sehr gut. MO können sich durch Netzwerke qualifizieren. Netzwerke sind wichtige Informationsplattformen & Türöffner. Netzwerke stärken die Positionen der Einzelmaßnahmen von MO und fördern Empowerment. Gemeinsame Projekte im Rahmen des Netzwerkes erhöhen die Chancen Fördermittel zu bekommen Netzwerke erhöhen die Chancen, dass sich MO als Akteure in der Kommune und sozialräumlich beteiligen können. Der Beteiligung von MO in Netzwerke kann für die Interkulturelle Öffnung in der Kommune sorgen Der Bekanntheitsgrad der MO könnte sich durch ein Netzwerk erhöhen. Kleinere MO könnten durch die Beteiligung an einen Netzwerk aktiviert werden und Migranten könnten dadurch zur aktiven gesellschaftlichen Partizipation ermutigt werden. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Fehlende Augenhöhe gegenüber MO. Missbrauch der MO für eigene Zwecke. Fehlende Kenntnisse und Politische Erfahrung der MO. Mangel an Toleranz gegenüber den MO. Gruppenspezifische Dynamik im Netzwerk bzw. in MO kann als hemmender Faktor oder Schwierigkeit bei Vernetzungsversuchen wirken. Mangelnde Zeit der Aktiven Akteure in MO. durch die Beteiligung an einen Netzwerk könnte die Einschränkung der Unabhängigkeit als negativer Nebeneffekt für die MO zustande kommen. Persönliche Kapazitäten der MO können begrenzt sein. Blockierung der Eigenverantwortlichkeiten/ Selbstengagement könnte durch die Beteiligung an einem Netzwerk zustande kommen. Die Größe der MO. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Die beiderseitigen Wunschpartner zu finden. Gemeinsame Interessenlagen heraus finden. Netzwerkmanagement ist eine wichtige Tool für Netzwerkbildung. Eigenengagement ist förderlich. Annerkennung der Leistungen von MO. Authentizität und Kontakte zur Communities. Transnationale Netzwerke unterstützen. Strukturelle und finanzielle Unterstützung. Gemeinsames Ziel: demokratischen Repräsentation der Betroffenen. Vielfalt von vorhandenen Erfahrungen und Wissen aus den Heimatländen der Akteure der MO. Protokoll: Philip Egbune, Integrationsbeirat Nordhausen und stellvertretender Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates Thementisch 3 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für MO? Zur Eingrenzung des weiten Themenspektrum Interkulturelle Öffnung haben die Teilnehmer/innen in der ersten Runde das Augenmerk auf den Bereich des Vereinswesens und seiner gesellschaftlichen Bedeutung gelegt. Ausgehend von der Frage nach der oder den Zielgruppe/n von interkulturellen Öffnungsprozessen, kamen die Teilnehmer/innen schnell auf das Vereinswesen zu sprechen. Einigkeit herrschte darin, dass Prozesse von ikö gemeinsam gestaltet werden müssen, das Nebeneinander von sog. deutschen Vereinen und Migranten-Organisationen sei nicht zielführend. Beispielhaft für die aktuelle Lage der Migranten-Organisationen wurde der Mitgliederschwund bzw. Mangel an Nachwuchs angeführt. Jedoch müssten umfassende Strategien entwickelt werden, diese Entwicklung umzukehren, bloße Mitgliederwerbung reiche hier nicht aus, es müssten auch entsprechende Angebote entwickelt werden. An diesem Punkt findet sich auch die Anknüpfung zur Kooperation mit den deutschen Vereinen, deren Erfahrung, Angebotsspektrum und Vernetzungsgrad sicherlich gewinnbringend auch für Migranten-Organisationen genutzt werden könnte. Allerdings, und dies war einhelliger Konsens, bestünden noch immer große Hürden in Bezug auf Kontakt und Zusammenarbeit mit deutschen Vereinen bzw. auf die optimale Nutzung der Strukturen und Ressourcen im Vereinswesen. Offene Fragen zum Ende dieser Runde waren: 24 BBE - Dokumentation

27 World Café Worin bestehen diese Hürden? Wie können gemeinsame Interessen gefunden und gefördert werden? Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Zentraler Aspekt bei der Benennung von Schwierigkeiten und Grenzen ist die in vielerlei Hinsicht eingeschränkte Möglichkeit, mit rein ehrenamtlichen Strukturen zunehmend professionelleren Ansprüchen genügen zu können. Die in der Arbeit von Migranten- Organisationen noch sehr geringen Anteile hauptamtlich Beschäftigter (im Vergleich zu deutschen Vereinen und ihren Verbänden) bedeuten noch immer längere Wege und Zeiten sowie geringere Chancen bei der Verteilung vorhandener Ressourcen. Dies ist insbesondere auch deshalb von großer Bedeutung, als Netzwerkarbeit immer einen zusätzlichen Aufwand personeller und anderer Ressourcen erfordert. Von Seiten der (ehrenamtlich organisierten) Migranten-Organisationen ist eine Hürde in der Kommunikation zu sehen, womit am Thementisch aber nicht unbedingt die Sprache gemeint war. Es sei vielmehr schwierig, den Zugang zu den entscheidenden Akteuren zu finden, mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren sowie die gemeinsamen Interessen und Anliegen finden zu können. Ungleich verteilte Ressourcen wie Macht und Geld stehen einer fairen Zusammenarbeit entgegen. Kooperation und Vernetzung setzen gelingende Kommunikation voraus. Nur so können tatsächlich Win-Win-Situationen hergestellt werden. Weitere Schwierigkeiten stellen auch die noch immer nicht ausreichende Qualifizierung vieler Migranten- Vereine sowie der generelle Mangel an Informationen (auf beiden Seiten) dar. Eine offene Frage blieb in dieser Runde, ob Vernetzung und Kooperation zwischen Migranten-Organisationen und deutschen Vereinen grundsätzlich als Beitrag zur Interkulturellen Öffnung zu verstehen sei, oder ob dafür weitere Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Der hohe Anspruch an Netzwerke und gute Kooperationen, vielleicht sogar als Bedingung für Prozesse der interkulturellen Öffnung, kann vielerorts noch gar nicht erfüllt werden, weil weitaus grundlegendere Voraussetzungen noch nicht bestehen. Am Thementisch wird diskutiert, wie wichtig es ist, überhaupt erst einmal Kontakte herzustellen, zu den deutschen Vereinen. Dies sei auch im Zusammenhang zu sehen mit einem (offenen) Abgleich der jeweiligen Interessen. Selbstkritisch wird angemerkt, dass auch Migranten- Organisationen und ihre Strukturen nicht immer einfach und für andere verständlich seien. Hier sei man gefragt, die eigenen Akteure ebenfalls sichtbar zu machen. Dies sei möglich durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, wie beispielsweise beim Jugendschachturnier in Saarbrücken, das vom Verein Russisches Haus in Kooperation mit anderen Vereinen durchgeführt wurde. Ein weiteres Beispiel wurde aus Nordhausen genannt. Dort wurde ein Rat für Migranten-Organisationen gebildet, um gemeinsame Interessen finden und artikulieren zu können, ihnen mehr Gewicht zu geben und auf einen gemeinsamen Nenner mit der Mehrheitsgesellschaft zu kommen. Aus Germersheim in der Pfalz kommt ein drittes Beispiel. Dort hat der Arbeitskreis türkischer Vereine damit begonnen, ganz konkrete und in der deutschen Gesellschaft traditionell verankerte Hilfe- und Serviceangebote zu machen, wie beispielsweise einen Tag zum Blutspendedienst zu organisieren und durchzuführen. Protokoll: Hans-Peter Wilka, AGARP Thementisch 4 Welche Bedeutung haben Netzwerke für Migrantenorganisationen? Die Diskussion drehte sich darum, dass MO Abschottungstendenzen aufweisen. Daher waren einige TN der Ansicht, die Vernetzung mit bzw. Öffnung zu anderen MO, kommunalen Einrichtungen sowie dt. Organisationen könnten zur Integration beitragen und diese fördern. MO weisen Abschottungstendenzen auf. MO sollten sich stärker untereinander vernetzen: 1. Stufe interkulturelle Vernetzung der MO untereinander; 2. Stufe interkulturelle Vernetzung mit Regelsystemen: Voraussetzung interkulturelle Öffnung der MO. Durch Netzwerke können MO sich anderen MO und dt. Organisationen öffnen. Das kann integrationsförderlich sein für Migrantinnen und Migranten aber auch für Deutsche, durch Annäherung, Begegnung, Informationsaustausch Entwicklung gemeinsamer Ideen und Visionen. Einbeziehung von MO in die Arbeit/Themenfelder der dt. Einrichtungen/ Vereine/Verbände, um deren BBE - Dokumentation 25

28 World Café Rat/Unterstützung/Interessenslagen und Bedürfnisse einzubeziehen. Hierfür könnten MO und kommunale Verwaltungen jährlich ein gemeinsames (Arbeits-) treffen für die kommunale Integrationsarbeit organisieren und durchführen, damit die Belange von MO und Migrant/innen Berücksichtigung finden. Partizipation an Informationen über Förderstrukturen / -kriterien und Aufbau eines Unterstützernetzwerkes. Darüber hinaus sind jedoch Netzwerke für MO überaus wichtig, um an Informationen über strukturelle, rechtliche, finanzielle Rahmenbedingungen zu gelangen zur Professionalisierung ihrer eigenen Arbeitspraxis und Stabilisierung ihrer Organisationsstrukturen (vgl. LJR NRW, Integration durch Partizipation Interkulturelle Öffnung von Jugendringen und Jugendverbänden in NRW - Bericht zum Zwischenstand im Projekt Ö). Zum anderen können MO bzw. Migrant/innen durch Vernetzung ihre Perspektive in Arbeits-/ Organisations- / Planungsprozesse der Regelsysteme, wie Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Non-Profit Organisationen u.a. einbringen und somit wesentlich zur Integration beitragen (Anmerkung Marissa Turaç). Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Der Wegfall von Netzwerken durch fehlende Nachhaltigkeit von Projekten, Wegfall von Brückenbauern / Netzwerkträgern. Fehlende hauptamtliche Ansprechpartner! Arbeit von MO beruht meist auf ehrenamtlicher Basis, das bedeutet fehlende personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen nicht nur auf lokaler Ebene. Netzwerkarbeit ist zeit-, personal- und finanzintensiv! Wechselnde / fehlende kontinuierliche Ansprechpartner auf Seiten der MO und der Regelsysteme. Die richtigen Netzwerkpartner finden, welche mit Einfluss und Entscheidungsbefugnis, um die eigenen Interessen und die Stärkung der Selbstorganisation voranzubringen (Zielsetzung, Priorität) und Zeitverlust durch falsche Netzwerkpartner (ohne Einfluss). Organisationen/Einrichtungen brauchen Zeit, um sich interkulturell zu öffnen und zu wandeln, daher sollten MO Geduld und Beharrlichkeit mitbringen/ haben. Divergierende Interessen müssen thematisiert werden, Hemmschwellen auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft müssen überwunden werden, genauso das Machtgefälle und die Funktionalisierung von MO bzw. Migrant/innen / Interessenskonflikte. MO brauchen finanzielle und personelle Ressourcen, um in Prozessen interkultureller Öffnung ihre Interessen einzubringen und nicht nur von Organisationen der Mehrheitsgesellschaft als Türöffner zu der Zielgruppe der Migrant/innen missbraucht zu werden (O- Ton eines Teilnehmers / einer Teilnehmerin). Was brauchen Migrantenorgnisationen für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? MO können Konferenzen / Tagungen für Netzwerkbildungen nutzen. Hauptamtliches Personal ist notwendig, um kontinuierliche Ansprechpartner zur Pflege von Kontakten, Aufbau einer breitenwirksamen Öffentlichkeitsarbeit zu stellen, dafür müssten finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Es bedarf einer Vergütung von Aufwandsentschädigungen z.b. Reise-, Übernachtungskosten. Die interkulturelle Öffnung der Regelsysteme, Abbau von Hemmschwellen, Beteiligung von MO, Kooperation mit MO auf gleicher Augenhöhe ist notwendig. Es gilt auch, eigene Interessen und Bedürfnisse einbringen, sich selbst interkulturell öffnen, auf Regelsysteme und MO unterschiedlicher Herkunft zu zugehen und kooperieren. Notwendig ist auch das Aufdecken unterschiedlicher Interessen in interkulturellen Öffnungsprozessen und Kooperationen, das Finden geeigneter Kooperationspartner, das Vermeiden von Konkurrenzen (Stichwort Mittelvergabe) und eine ehrliche Kooperationsarbeit (Stichworte: Alibifunktion - Verdacht des Missbrauchs als Türöffner). Dazu sollten die Bedingungen und der Nutzen klar formuliert werden, intensiv eigene, vorhandene Netzwerke genutzt werden und die MO brauchen fachlich kompetentes und gut ausgebildetes Personal. Aus Sicht eines deutschen Teilnehmers wurde die fehlende Übersicht über MO als Hürde bemängelt. Hier bedarf es einer Beratung über vorhandene Zugänge zu MO! Protokoll: Marissa Turaç, Projektleiterin im LJR NRW zur Interkulturellen Öffnung der verbandlichen Jugendarbeit 26 BBE - Dokumentation

29 World Café Thementisch 5 An diesem Thementisch stellte sich zunächst der Bedarf nach einer Begriffsbestimmung. So wurde die Frage Was impliziert eigentlich der Begriff interkulturelle Öffnung sehr lebhaft diskutiert. Summarisch wurden folgende Aussagen festgehalten: Der Begriff Interkulturelle Öffnung soll selbstverständlich sein. Durch den Begriff findet ein fortschreitender Wandel der Gesellschaft statt. Eine gleichzeitige Wahrnehmung und Akzeptanz von Zuwanderung und Migration ist unabdingbar für die interkulturelle Öffnung. Interkulturelle Öffnung muss als gemeinsamer Prozess verstanden werden. Ein Migrationshintergrund impliziert nicht automatisch interkulturelle Kompetenz und Öffnung. Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für MO? Gerade im Bezug auf die interkulturelle Öffnung der MO spielen Netzwerke eine sehr bedeutsame Rolle: Die Netzwerke sollen als eine Art Plattform für gegenseitigen Austausch von Wissen dienen. Durch die Kooperation mit anderen MO und Organisationen der Mehrheitsgesellschaft lassen sich neue Zugänge zur verschiedenen Zielgruppen erarbeiten. Mit Hilfe der Netzwerke lassen sich wichtige Netzwerkpartnerschaften aufbauen und neue Arbeitsinhalte weiterentwickeln. Die Öffentlichkeitsarbeit soll zur besseren Vernetzung dienen (MO führen in der Regel keine aktive Öffentlichkeitsarbeit durch). Die Netzwerkarbeit kann durch gemeinsame Veranstaltungen und Begegnungen besser gefördert werden ( lockerer Rahmen ). Die Netzwerkpartner (MO und Organisationen der Mehrheitsgesellschaft) sollen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen. Gute Netzwerke können und sollen eine Brückenfunktion erfüllen. Durch die Netzwerkarbeit entwickeln sich verschiedene Einwirkungsmöglichkeiten auf Entscheidungsträger z.b. in Politik und Verwaltung (Zugangswege zu den Entscheidungsträgern werden erleichtert). Durch Netzwerke können neue Ideen entstehen und auf die Beine gestellt werden (z.b. können neue Kooperationspartner für gemeinsame Projekte gefunden werden).. BBE - Dokumentation 27

30 World Café Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Umgang mit Konkurrenz (MO untereinander und gegenüber der Organisationen der Mehrheitsgesellschaft). Aufgrund überwiegend ehrenamtlicher Strukturen ist es oft schwierig dauerhafte Zusammenarbeit zu etablieren. Nachhaltigkeit über Einzelprojekte hinaus/ Nachhaltigkeit soll gewährleistet werden. MO werden oft nicht als gleichberechtigte Partner wahrgenommen bzw. akzeptiert. Für eine gelungene Vernetzung ist es unabdingbar gemeinsame Ziele und Interessen zu formulieren. Nutzen der Kooperation für Einheimische und MO aufzeigen. Es ist schwierig rein zu kommen die Bekanntmachung der Arbeit bzw. der Ziele sollte statt finden Gemeinsame Ziele und Interessen sind nicht formuliert. Dauerhafte Strukturen konnten nicht geschaffen werden, weil die MO mit den Organisationen der Mehrheitsgesellschaft nicht auf gleicher Augenhöhe stehen. Eine gelungene Netzwerkarbeit fördert auch gegenseitige Akzeptanz und Respekt. In einigen MO existieren immer noch große Hierarchien die nicht zuletzt die Vernetzung erschweren bzw. verhindern. Förderrichtlinien sind den MO nicht angepasst. Es fehlen Strukturen, die eine gute Netzwerkarbeit fördern könnten. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Fördermittel und finanzielle Ressourcen könnten zur guten und nachhaltigen Netzwerkbildung beitragen. Die MO müssten ihre eigenen Vorurteile abbauen und sich mehr öffnen. Wünschenswert wäre die Öffentlichkeit besser zu informieren indem die inhaltliche Arbeit, Ziele und Erfolge der MO transparenter werden (z.b. die Integrationsleistung durch MO). Mehr Hauptamt weniger Ehrenamt. Bekanntmachung der Fördermittel sowie der Richtlinien seitens der Stiftungen oder verschiedenen Bundesministerien. Eine umfassendere Mitwirkung von MO an der Integrationsförderung würde ihnen mehr Gewicht und damit bessere Vernetzung verschaffen. MO brauchen nur einen Dachverband der ihre Interessen vertritt. 28 BBE - Dokumentation

31 World Café Es fehlt an Informationen, wie man überhaupt ein Netzwerk bilden kann (relevantes Wissen zur Netzwerkbildung). Es gibt viele Informationen, die gefiltert werden müssen. Netzwerkpflege findet nicht per se statt. Für eine gelungene Netzwerkbildung müsste eine Koordination eingerichtet werden. Der Zugang zu Förderangeboten für Ehrenamtliche ist oft nur schwer erreichbar. Protokoll: Jadranka Dujanovic, Institut für Einheit in Vielfalt, Hanau Protokolle der Thementische zur politischen Vertretung durch MO Thementisch 1 Welche Bedeutung, welchen Stellenwert haben Netzwerke der politischen Vertretung für Migrantenorganisationen? Bevor die erste Frage beantwortet wurde, verständigte sich die Gruppe darüber, ob die Migrantenorganisationen eine politische Vertretung benötigen und wenn ja, wer diese Aufgabe übernehmen kann. Im nächsten Schritt ging es darum, ob eine Vernetzung der politischen Vertretern untereinander notwendig ist, bzw. wenn ja, was kann damit erreicht oder verhindert werden? Die Teilnehmenden schätzten die Bedeutung einer politischen Vertretung der Migrantenorganisationen als sehr wichtig ein. Politisches Engagement bedeutet für die Teilnehmenden an diesem Thementisch auch von den eignen Rechten Gebrauch zu machen, bzw. bei der gesellschaftlichen Entwicklung mit zu wirken sowie Verantwortung zu übernehmen. Es geht um Partizipation und Mitbestimmungsrechte. Der Gruppe geht es um die Mitwirkung bei der Gestaltung und Umsetzung von Integrationsplänen, kommunalen Jugendpartizipationsplänen usw. Während einige Diskussionsteilnehmer/innen der Meinung waren, dass diese politische Vertretung durch speziell für Migrant/innen eingerichtete Strukturen wie Migrationsbeirat /Integrationsbeirat oder Charta der Vielfalt geleistet werden kann, meinten andere, dass diese Aufgabe auch durch themenübergreifende Strukturen übernommen werden kann. Es geht darum, dass migrationsbezogene Themen als Querschnittsaufgabe überall, also in Gewerkschaften, in politischen Fraktionen und Parteien, in den Kammern usw. zur Sprache kommen. Die Bildung eines Netzwerkes untereinander wird mit folgenden Funktionen in Verbindung gebracht: Aus ökonomischen Gründen möchten die engagierten Diskussionsteilnehmer/innen ihre Zeit und Energie in der Zukunft effektiv einsetzen, um die best möglichen Ergebnisse zu erzielen. Von Netzwerkarbeit versprechen sie sich einen verbesserten Informationsfluss untereinander, Erfahrungsaustausch und Vermeidung von Wiederholungen. Nur so könnte man Anerkennung und Vertrauen gewinnen bzw. Erfolge erzielen. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie für die politische Vertretung von MO (aus der Perspektive von MO)? Den Diskussionsteilnehmenden ist es bewusst, dass sie als Pioniere der Migrationsarbeit keine Vorbilder besitzen, von denen sie sich etwas abgucken könnten. Ihre Aufgabe sehen sie als eine Herausforderung, Schritte in diesem Bereich einzugehen, die vorher keiner gegangen ist. Dies betrachten sie als die treibende Kraft. Doch ihnen sind die Schwierigkeiten und Grenzen ihrer Arbeit bewusst. Sie nennen einige Merkmale der anderen Seite der Vielfalts-Medaille. Der Umgang mit heterogenen Bedürfnissen und Meinungen macht das Diskutieren nicht unbedingt leichter. Im Gegenteil: während jeder politisch engagierte Mensch davon überzeugt ist, dass das Bündeln der unterschiedlichen Interessen eine gekonnte, kompetente Moderation benötigt, werden im Migrationsbereich die meisten ernsthaften Diskussionen häufig ohne Struktur und Moderation durchgeführt. Der Einsatz von Energie und Zeit wird selten mit zufriedenstellenden Ergebnissen belohnt. Dies zerrt an den Nerven, der ohnehin ehrenamtlich tätigen engagierten Menschen, so dass das meist eine politische Verdrossenheit und Resignation als Ergebnis zur Folge hat. Die früheren politischen Zugehörigkeiten beeinflussen häufig die gegenwärtige Akzeptanz, Vertrauensbildung und Zusammenarbeit. Vorhandene Vorbehalte und Misstrauen untereinander führen dazu, dass niemandem eine Federführung überlassen werden kann. Der mediale Einfluss bzgl. aktueller politischen Situation verstärkt häufig das Misstrauen untereinander. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft dazu beitragen? Bei dieser Frage ging die Diskussion eher in die Richtung, dass die Migrant/innen durchaus über Kom- BBE - Dokumentation 29

32 World Café petenzen verfügen, die sie befähigen sich über ihre Herkunft hinaus Ziele zu setzen, die sie verfolgen können. Als Teilnehmer/innen dieser Gesellschaft sind sie in verschiedenen Bereichen des Lebens Rolleninhaber. Sie können im politischen Rahmen sich partizipieren und sollen durch ihre Mitgliedschaft in politischen Parteien sich als Teilhaber/innen dieser Gesellschaft für ihre Rechte und Bedürfnisse einsetzen. Dass die politischen Parteien sich öffnen sollen, ist eine obligatorische Voraussetzung dieser Entwicklung. Die Parteien sollen die Potentiale der Migrant/ innen wahrnehmen und alles einsetzen, um sie zu gewinnen. Protokoll: Schahnaz Fathi, Zentrum für Migration und Bildung e.v. Thementisch 2 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke der politischen Vertretung für MO? Verständnis der Definition von politischer Vertretung ist notwendig. Netzwerke erzeugen Synergieeffekte. Netzwerke finden mehr Gehör als Einzelpersonen Durch Netzwerke wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt Gemeinsam sind wir stark. Die Bundesländer brauchen verlässliche Ansprechpartner in Form von Netzwerkstellen. Netzwerke erhöhen die Wahrnehmung durch bestehende politische Parteien. Als vernetzte Struktur der MO politische Präsenz zeigen (z.b. Kölner Moscheebau bräuchte ein Netzwerk der Unterstützer/innen des Projektes). Gemeinsames Eintreten verschiedener MO für das Recht auf freie Religionsausübung und öffentliche Präsenz. Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder soll kein Hindernis für die politische Partizipation der MO sein. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie für die politische Vertretung von MO (aus der Perspektive der MO)? Viele MO sind überfordert. Kleine Vereine werden bei der Förderung von Projekten übersehen. Probleme sind in Flächenlandkreisen dringlicher. Parteien sprechen MO seltener an mangelnde Kommunikation zu den Parteien. Mangelnde Kenntnis der Parteienstrukturen durch viele Migrant/innen. Es fehlen Vermittler/innen zwischen den MO und der Mehrheitsgesellschaft. Vorbehalte untereinander u.a. aufgrund der Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder. Was brauchen MSO für eine gelingende Netzwerkbildung (a) und was können sie aus eigener Kraft beitragen (b)? a) Erfahrungsaustausch untereinander: Schwächen und Stärken herausarbeiten. Neue Definition von Bürgerschaftlichem Engagement sind notwendig (Studien schließen oft das bürgerschaftliche Engagement von Migrant/innen aus). Unterstützung von politischen Parteien. Stärkung der existierenden politischen Vertretungen (Ausländerbeiräte, AK Islam). Eigenverantwortung beim öffentlichen Auftreten. Integrationsräte auf kommunaler Ebene mit politischen Rechten. Unterstützung von Außen (Finanzielle Förderung, Qualifizierung, Weiterbildung). Verbindliche Vereinbarungen mit der Kommune. Methoden herausfinden, wie man Parteien ansprechen kann ohne parteipolitisch gebunden zu sein. Verbindliche Vereinbarungen, Leistungsverträge,- bestehende Fördersysteme optimieren (es muss eine Umverteilung geben). Nachholende Strukturförderung für MO b) Viele Potentiale, informelle Netzwerke. Besserer Zugang zu den Zielgruppen. Erfahrungen und Kompetenzen, Wissen über Integrationsprozesse in eigenen Communities. Kenntnis der Methoden des Zugangs zur Zielgruppe und der Mobilisierung. Regelmäßige Gespräche mit Entscheidungsträgern in Kommunen. iinterkulturelle Vernetzung der MSO um sich Gehör zu verschaffen. Sicheres öffentliches Auftreten, Stärkung von Schlüsselpersonen. Protokoll: Dr. Karamba Diaby, Projektleiter Migration/Integration der Jugendwerkstatt Frohe Zukunft, Halle-Saalekreis e.v. und Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates Thementisch 3 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für MO? Netzwerke haben enorme Bedeutung für MO. MO verfügen sehr oft nicht über ausreichende Ressourcen 30 BBE - Dokumentation

33 World Café (Personal, Räume und Finanzen), um ihre Ziele zu erreichen. Ein entscheidendes Ziel der Migrantenorganisationen ist die politische Teilhabe. Besonders kleinere MO sind auf die Unterstützung anderer Organisationen, Verbände etc. angewiesen. Netzwerke sind erforderlich, um gemeinsame Projekte zu realisieren. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie für die politische Vertretung von MO (aus der Perspektive der MO)? MO werden in Fachkreisen wahrgenommen und geschätzt, jedoch in der breiten Öffentlichkeit meistens nicht wahrgenommen. Sind MO in der Lage, selbst als Träger Projekte zu beantragen und zu realisieren? Für Ehrenamtliche sind die bürokratischen Vorgaben oft eine zu große Hürde. Es ist deshalb empfehlenswert, Kooperationspartner zu suchen, zum Beispiel auch Wohlfahrtsverbände, Schulen, Kindertagesstätten, kommunale Beiräte und andere Organisationen mit denen ein Projekt oder Vorhaben gemeinsam realisiert werden kann. Örtliche Netzwerke und Initiativen können da sehr hilfreich und sinnvoll sein. Unterstützung kann auch von den BAMF - Regionalkoordinatoren erwartet werden, sie fördern Projekte und sind wichtige Ansprechpartner auch für MO vor Ort. Daneben sind auch andere Quellen zu ermitteln wie zum Beispiel die Projekte Soziale Stadt und andere Mikroprojekte. Wichtig ist auch eine Abstimmung, bzw. bundesweite Vernetzung mit Stiftungen, Landesverbänden und Dachorganisationen. Moderation: Vito Contento, Ausländerbeirat Koblenz Thementisch 4 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke der politischen Vertretung für MO? Ehrenamtliche Arbeit ist allein kaum möglich, frau/ man muss eine Organisation hinter sich haben (Verein o.ä.), da die Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit bei Behörden sehr groß ist. Migrant/innen haben viele Ideen, aber kaum Vertretung in den politischen Parteien. Migrant/innen sind politisch aktiv, vertreten als Individuum ihre politischen Meinungen, die Vertretung aber machen PolitikerInnen, die meistens keinen Migrationshintergrund haben. Die MO sollten sich zusammenschließen und Repräsentanten wählen, die ihre Interessen nach außen vertreten, dieses ist eine bürgergesellschaftliche Vertretung. Die Parteien benennen Personen, die von der Bevölkerung demokratisch gewählt werden, als Mandatsträger/innen, dieses ist eine staatliche Vertretung. Es ist wichtig Netzwerke zwischen MO und Mehrheitsgesellschaft zu schaffen, gemeinsame Ziele zu betonen und Unterschiede zu akzeptieren. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie für die politische Vertretung von MO (aus der Perspektive der MO)? In einigen Teilen der Gesellschaft werden MO leider immer noch als Ausdruck einer Parallelgesellschaft angesehen, tatsächlich aber sind MO ein wichtiger Ort für die Integration. Im Landtag von NRW, dem bevölkerungsreichste Bundesland mit dem höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, ist keine Person mit Migrationshintergrund vertreten. Was brauchen MSO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Die politischen Parteien haben eine besondere Verantwortung sich Menschen mit Migrationshintergrund zu öffnen und sie in ihrer Partizipation zu stärken. Darüber hinaus ist es grundsätzlich wichtig eine Quotenregelung für Menschen mit Migrationshintergrund einzuführen und zwar in Parteien, kommunalen Vertretungen, Landes- und Bundesparlament. Die Einbürgerung und die doppelte Staatsbürgerschaft sollten erleichtert werden. MO, die sich in der bundesdeutschen Politik engagieren, sollten sich in einem Dachverband zusammenschließen. Die Finanzierung der Netzwerkarbeit der MO muss gesichert werden, Ehrenamt braucht Hauptamt. Verstärkte Qualifizierung der MO in Hinblick auf: Stärkung der politischen Partizipation Organisationsstrukturen Fachkenntnisse, z.b. Buchführung, Verwaltung etc. Für viele Menschen mit Migrationshintergrund gibt es rechtliche Hürden, die die politische Partizipation be- bzw. verhindern. Dies trifft zu, z.b. auf Flüchtlinge mit ungesichertem Aufenthaltsstatus oder auf Jugendliche ohne deutschen Pass. In diesem Sinne spielt auch die Einführung des Kommunalen Wahlrechts für Drittstaatler/innen eine wichtige Rolle. Protokoll: Beshid Najafi, Agisra, e.v. Köln BBE - Dokumentation 31

34 World Café Protokolle der Thementische zur öffentlichen Präsenz von MO Thementisch 1 Bis weit in die achtziger Jahre fanden Migrantenselbstorganisationen in der Öffentlichkeit kaum eine nennenswerte Beachtung. Die Etablierung der Migrantenselbstorganisationen wurde sogar mit Skepsis betrachtet und als Gefährdung (Parallelgesellschaft!) angesehen, nicht als demokratische Form der Einbindung in die Zivilgesellschaft. In der öffentlichen Wahrnehmung hat sich erst in den letzten Jahren ein deutlich positiver Perspektivenwechsel zur Relevanz von Migrantenselbstorganisationen vollzogen. Die partizipative Integration kann nur durch die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung angemessener Strategien gelingen. Insbesondere für die erste Einwanderergeneration bilden diese sog. Heimatorientierten Selbstorganisationen einen geschützten sozialen Raum, in dem Gelegenheiten für soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten bereitgestellt werden. Dieser Phase folgten die sog. Aufnahmelandorientierten Selbstorganisationen. Hier organisierten sich insbesondere jüngere Migrantinnen und Migranten stärker, da die traditionellen Vereine ihrer Eltern für sie unattraktiv und unflexibel waren. Mittlerweile haben in Deutschland fast alle der hier lebenden Migrantengruppen ihre eigenen Migrantenvereine/- organisationen die in vielen unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Die Selbstorganisationen haben bislang nur selten Zugang in die Finanzierungsstrukturen gefunden haben. Der Mangel an Zugang zu finanzieller öffentlicher Förderung wird von den meisten Migrantenorganisationen als großes und die Arbeit erheblich einschränkendes Defizit wahrgenommen. Betrachtet man die Situation aus der Perspektive der Vereine von Migrant/innen, so muss festgestellt werden, dass Vereine von Migrant/innen nach wie vor in der Vereinslandschaft und öffentlichen Förderung unterrepräsentiert und in wichtigen Gremien kaum vertreten sind. Interkulturelle Öffnung der Verbandsstrukturen und Qualifikation von Migrantebselbstorganisationen sollte als aktive Förderung der Partizipations- und Integrationschancen der MigrantInnen verstanden werden. Sie sollten aber darin unterstützt werden, ihre Anliegen überzeugend und öffentlichkeitswirksam vorzutragen. Das könnte bedeuten, dass sie durch 32 BBE - Dokumentation

35 World Café Experten in Form von Multiplikatorenschulungen darauf professionell vorbereitet werden. Der interkulturelle Dialog bedarf starker Partner. Der interkulturelle Dialog muss initiiert, moderiert und verstetigt werden. Empowerment - Ansätze helfen, Selbstbewusstsein und Durchsetzungswillen zu entwickeln Protokoll: Berrin Alpbek, Förderation türkischer Elternvereine in Deutschland Thementisch 2 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für MO? Zur Einstimmung wurde die Frage geklärt: Was ist überhaupt öffentliche Präsenz? Die öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen ist immer noch an das negative Bild von Migranten in den Medien gekoppelt. Medien zeigen ein Bild das von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert, mitgeprägt und teilweise auch aus Vorurteilen und Unwissenheit gefordert wird. Die Thematisierung der Islamisierung und die durch die Medien suggerierte Angst prägen das negativ Bild von Menschen mit Migrationshintergrund und im speziellen auch Organisationsformen oder Glaubensgemeinschaften von Menschen mit Migrationshintergrund. Migranten und MO sehen sich auch in einer Opferrolle die geprägt ist von Unwissenheit über Umgang mit Medien und Öffentlichkeitsarbeit, diese heißt es zu überwinden Positive Wahrnehmung von MO erfolgt meist nur über Folklore - Veranstaltungen. Bedeutung gewinnt ein Netzwerk in Bezug auf Unterstützung und Stärkung der einzelnen Akteure, so können Menschen mit Migrationshintergrund als Medienvertreter in der Berichterstattung fungieren. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Integration wird immer noch nicht als Querschnittsaufgabe in der Gesellschaft wahrgenommen somit sind viele potentielle Akteure aus Netzwerken, gerade auf kommunaler Ebene, ausgeschlossen, somit bleiben Aktivitäten oder Probleme im geschlossenen Kreis des Netzwerkes und die öffentliche Präsenz findet nicht statt. Als Grenze für öffentliche Präsenz wird mangelnde Professionalität von MO und das fehlen von Strukturen bis hin zu nicht vorhandenen Rahmenbedingungen wie Räumlichkeiten genannt. Ein weiteres Problem stellt die stereotypische Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit dar und die daraus resultierenden Angst (Übergriffe, Sachbeschädigung usw.) auf der Seite der MO. Zu Bedenken ist auch der Aspekt der gewollten Vernetzung, es gibt Migrantenorganisationen die eine Vernetzung ablehnen. Fehlende themenbezogene Vernetzung wird als Schwierigkeit wahrgenommen, da gerade öffentliche Präsenz Handlungsfelder übergreifend ist und sich nicht zu ein Themenfeld bzw. Handlungsfeld separieren und beziehen lässt. Was brauchen MO für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Wahrnehmung der Integration als Querschnittsaufgabe in den gesellschaftlichen Bereichen. Eine interkulturelle Öffnung der Verwaltung und der Abbau bürokratischer Hindernisse können dazu führen, dass MO in der Öffentlichkeit präsenter werden. Dies impliziert eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Kommune. MO brauchen auf kommunaler Ebene Ansprechpartner, wie z.b. Integrationsbeauftragte. MO arbeiten meist auf ehrenamtlicher Basis, eine Verbesserung in der öffentlichen Präsenz könnten Weiterbildungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und Vereinsrecht führen. Durch eine Professionalisierung werden MO gestärkt und erfahren eine zunehmende Sicherheit im Umgang mit Medien. Die Bereitschaft zur Kooperation mit Kommunen oder etablierten Vereinen kann zur Abschöpfung von Ressourcen aus verschiedenen Bereichen z.b. Kreativität, Innovation und Know-how führen. Tandemprojekte zur Stärkung und Aktivierung von Potenzial als Ressource. Zusammenarbeit unterstützen und anbieten, auf beiden Seiten. Netzwerk als Sprachrohr erkennen und es als solches aktiv nutzen. Protokoll: Babett Gerlach, Koordinatorin des Netzwerkes für Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, Jugendsozialwerk Nordhausen e.v. Thementisch 3 Welche Bedeutung / welchen Stellenwert haben Netzwerke für Migrantenorganisationen? Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde die erste Austauschrunde eröffnet. Diese Thesen sind dabei BBE - Dokumentation 33

36 World Café diskutiert und durch zahlreiche praktische Beispiele veranschaulicht worden: Für die öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen ist die Netzwerkarbeit sehr wichtig Zwischen der Arbeit in Netzwerken und der Öffentlichen Präsenz gibt es zum Teil Widersprüche: Einerseits wird in der Öffentlichkeit die Kooperation mit Migrantenorganisationen gefordert, so dass man schlussfolgern könnte, die Lobby für Migrantenorganisationen sei groß; auf der anderen Seite klappt die Netzwerkarbeit aufgrund der schon genannten Gründe (Ressourcen, Ausstattung etc.) nicht Für Netzwerke brachen Migrantenorganisationen Ressourcen! Auf lokaler Ebene, in der Kommune funktioniert die Zusammenarbeit in Bezug auf die öffentliche Präsenz gut. Bei Netzwerken müssen die Fragen nach Konkurrenz, Ressourcenverteilung und Umverteilung angesprochen werden. Öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen könnte diesen Prozess voranbringen. Die öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen kann sich nicht nur nach außen richten; die Zielgruppe ist auch die eigene Community. Welche Schwierigkeiten oder Grenzen der Vernetzung kennen Sie aus der Perspektive von MO? Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und der Zusammenfassung der ersten Runde, wurde die zweite Austauschrunde eröffnet. Diese Thesen sind dabei diskutiert und durch zahlreiche praktische Beispiele veranschaulicht worden: Die Schwierigkeiten dabei bestehen bei der Ausbalancierung von externen und internen Bedürfnissen und Ressourcen: Öffentliche Präsenz erfordert Ressourcen, die Migrantenorganisationen fehlen, bzw. die dann auf Kosten der eigentlichen Arbeit erledigt werden müssen. Migrantenorganisationen müssen ihre Arbeit gut verpacken, sozusagen schmackhaft machen. Wichtig für Migrantenorganisationen wäre es unabhängig von Netzwerken für sich selbst eine Lobby zu schaffen. Für eine gelungene öffentliche Präsenz braucht es auch oft Vitamin B ; das kann dann in etablierten Netzwerken schwierig sein weil die benötigten Kontakte nicht vorhanden sind. Die Schwierigkeit besteht in einem hohen Ressourcenaufwand und z. T. schwierigen und nicht funktionierenden Abstimmungsprozessen. Was brauchen Migrantenorganisationen für eine gelingende Netzwerkbildung und was können sie aus eigener Kraft beitragen? Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und der Zusammenfassung der zweiten Runde, wurde die dritte Austauschrunde eröffnet. Diese Thesen sind dabei diskutiert und durch zahlreiche praktische Beispiele veranschaulicht worden: Migrantenorganisationen müssen bei ihrer öffentlichen Präsenz auf die Empfänger ihrer Öffentlichkeitsarbeit achten, d.h. Bedürfnisse feststellen und dementsprechend anpassen. Migrantenorganisationen müssen sich professionalisieren, um eine gute öffentliche Präsenz zu bekommen. Ebenso gehört zur Professionalität die Investition in eine gute öffentliche Präsenz. Die Schwierigkeit besteht darin, dass einerseits für eine gute öffentliche Präsenz Ressourcen benötigt werden auf der anderen Seite führt eine gute öffentliche Präsenz zu einer Vergrößerung der Ressourcen. Migrantenorganisationen müssten diese Ressourcen für die öffentliche Präsenz zunächst einmal aufbringen. Migrantenorganisationen können von Seiten der etablierten Organisationen Sichtbarkeit fordern und auch bekommen. Öffentlichkeitsarbeit und die Investierung in die öffentliche Präsenz ist ebenso wichtig wie die inhaltliche Arbeit! Netzwerkstrukturen sind nicht immer transparent. Hier sind beide Seiten gefordert, die etablierten Organisationen diese transparenter zu machen und die Migrantenorganisationen diese Transparenz auch zu fordern. Zusammenfassend kann festgehalten werden: Öffentliche Präsenz von Migrantenorganisationen ist ebenso wichtig und notwendig wie die inhaltliche Arbeit. Sie kann in Netzwerken vorangetrieben werden, was jedoch aufgrund der unterschiedlichen Ressourcenverteilung und Interessenslagen zum Teil schwierig umzusetzen ist. Hier ist die Unterstützung der etablierten Organisationen gefragt, ebenso wie die Bereitschaft von Migrantenorganisationen in diesen Bereich mehr zu investieren. Protokoll: Elizaveta Khan, Institut für Veranstaltungsund Projektmanagement Thementisch 4 In dem World-Cafe äußerten sich die Teilnehmer/innen rege über die allgemeine Problematik in Bezug 34 BBE - Dokumentation

37 World Café auf die öffentliche Präsenz der Migrantenorganisationen. Dabei sind einige Vorschläge zur Verbesserung der aktuellen Situation geäußert worden: Das Bild von Migranten in der Öffentlichkeit scheint irreal zu sein und muss verbessert werden. Es gibt eine enorme Anzahl von Vorurteilen gegenüber Migrantengruppen. Diese hindern die erfolgreiche Integrationsarbeit der Migrantenorganisationen gewaltig. Als Problemlösung stellten die Gesprächsteilnehmer/innen klare Transparenz der Migrantenorganisationen in den Vordergrund. Dadurch sollen die Inhalte der Arbeit von MO besser übermittelt und somit die Vorurteile gegenüber Migranten abgebaut werden. Diese Inhalte müssen nachweisen, dass die Migrantenorganisationen die hiesige Gesellschaft mit ihren kulturellen und wissenschaftlichen Fähigkeiten bereichern und die Zukunft von Deutschland fördern. Ganz wichtig dabei ist, das Bild von anderen Kulturen positiv und gut anschaulich dar zu stellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. In dem World-Cafe ist auch über positive Erfahrungen mit Print- und TV- Medien berichtet worden. Die Medien berichteten über sehr viele wichtige Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Arbeit von Migrantenorganisationen. Vorgeschlagen wurde auch, eine gemeinsame Internetplattform zu erschaffen, die Informationen und Kontaktdaten über alle Migrantengruppen darbietet und somit die Suche im Netz enorm erleichtert. Problematisch dabei sind die fehlenden finanziellen Mittel der Migrantenorganisationen, um die mit dem Plattform-Aufbau verbundenen Kosten zu decken. Es ist außerdem beinahe unmöglich, ehrenamtliche qualifizierte Informatiker und Grafik- Designer zu finden. Fazit: Alle Teilnehmer des Weltkaffees plädierten für eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit von Migrantenorganisationen. Dadurch würde sich Vieles verändern. Diese Öffentlichkeitsarbeit würde den Migranten und den Einheimischen zeigen, wie die Verfremdung abgeschafft und eine gemeinsame Sprache geschaffen werden könnte. Mit einer Stimme könnten dann alle in die Öffentlichkeit gehen und über die Erfolge ihrer bisherigen Arbeit berichten. Protokoll: Viktor Ostrowski, Kultur- und Integrationszentrum Phoenix-Köln e.v. BBE - Dokumentation 35

38 Arbeitsgruppen 1-9 Die Arbeitsgruppen waren so konzipiert, dass die Teilnehmenden nach einem kurzen inhaltlichen Input ihre Erfahrungen einbringen konnten. Bei den Diskussionen standen sich die Vertreter/innen der beteiligten MO als Experten zur Verfügung. AG 1: Chancen und Hürden für lokale Netzwerke mit Migrantenorganisationen Impuls: Das Konzept für die interkulturelle Arbeit in der Stadt Essen I ris Kaplan-Meys, RAA/Büro für interkulturelle Arbeit Oktay Sürücü, Essener Verbund der Immigrantenvereine Das Essener Konzept Mit dem einstimmigen Beschluss über das Konzept für die interkulturelle Arbeit in der Stadt Essen (IKK) im Jahr 1999 beauftragte der Rat der Stadt die Verwaltung mit der Prüfung von Maßnahmen in ausgewählten Handlungsfeldern und Querschnittsbereichen. Er erhob gleichzeitig den Ausbau der interkulturellen Orientierung zu einem Konzernziel. Seitdem werden mit Elementen der neuen Verwaltungssteuerung Handlungsansätze und Strategien in Praxisfeldern im Diskurs mit internen und externen Partnern entwickelt und auf der Grundlage von Beschlusslagen umgesetzt. Die Prozessbegleitung und das Controlling für obliegt der Steuerungseinheit RAA/Büro für interkulturelle Arbeit. Grundlage des Handlungsrahmens sind definierte Leitlinien (Essener Leitbild), welche die interkulturelle Orientierung und einen auf Dauer angelegten dialogorientierten Prozess auf gleicher Augenhöhe in Verantwortung aller Beteiligten unterstreichen. Zur Einbindung von Migrantenorganisationen in Essen Wichtige Voraussetzung für einen positiven Prozessverlauf ist die Akzeptanz eigenethnischer Strukturen, die Bereitschaft von Migrantenselbstorganisationen zur aktiven Mitwirkung und eine Engagementfördernde Stadtpolitik. Der gegenseitige Umgang auf gleicher Augenhöhe erfordert eine langfristige Dialogkultur und gemeinsame Zielfindungen. Der Auszug aus den Handlungsleitenden Grundsätzen von 1999 unterstreicht diese Bestrebungen in der Stadt Essen:... ein dauerhaft angelegter, dialogorientierter Prozess auf gleicher Augenhöhe in Verantwortung aller Beteiligten zum Austausch und zur Entwicklung neuer Gemeinsamkeiten unter Einbezug unterschiedlicher kultureller Zusammenhänge... die Anerkennung eigenethischer Strukturen Eine langjährige Netzarbeit (u.a. RAA Essen seit 1980, Integrationsbeirat mit Urwahl1987) und die gewachsene MO Kooperation (u.a. durch Personalunion von Vereinsvorständen und Beiratsmitgliedern und die Kooperation zwischen Beirat und Essener MO) sind die Grundlagen für die Entwicklung der Vernetzung der MO in Essen. Auf dieser Basis wurde im Jahr 2000 mit der Gründung eines Dachverbandes der Grundstein für ein formales MO Netzwerk gelegt. Gestützt auf eine strategische Ausrichtung zu mehr Anerkennung und Beteiligung von Migrantenselbstorganisationen, zu deren Qualifizierung und Professionalisierung und zur Übernahme von Eigenverantwortung für das Gemeinwohl wurden und werden Ressourcen in Form städtischer Finanzmittel, gemeinsamer Projekte und fachlicher Unterstützung von MO Aktivitäten eingesetzt. 36 BBE - Dokumentation

39 Arbeitsgruppen 1-9 Dabei haben im Verlauf Selbstorganisationen unterschiedliche Beteiligungsformen eingenommen: Als Interessenvertretung, als Dienstleister und als Kooperations- bzw. Vertragspartner. Das in 2007 mit Landesmitteln geförderte Essener Projekt MO Partner in der Kommune 1 hat insbesondere dazu beigetragen, Strategien im Sinne der strukturellen Partizipation und Vernetzung zu entwickeln. Projektansätze auf Essener Ebene tragen seitdem dazu bei, die MO als Kooperationspartner des Regelsystems zu etablieren. Dabei soll gleichzeitig die Vernetzung der MO untereinander und auch mit anderen sozialräumlichen oder gesamtstädtischen Netzwerken gefördert und ein eigenständiges Agieren der Vereine und des Dachverbands als Ansprechpartner forciert werden. Der Essener Verbund der Immigrantenvereine e.v. Der Verbund wurde auf Initiative des Essener Ausländerbeirates am 23. November 2000 gegründet. Verfolgt wird eine Professionalisierung der Verbundarbeit und Unterstützung der Migrantenselbstorganisationen zur nachhaltigen Verbesserung der strukturellen Partizipation und Vernetzung. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer und Projektmitarbeiter/innen stützen die Verbundarbeit. Sie finanziert sich auf der Basis eines Kooperationsvertrages mit der Stadt Essen mit einer institutionellen Förderung in Höhe von zurzeit und geworbenen Projektgeldern (aktuell BAMF, Agentur für Arbeit, IKK Mittel, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration NRW). Zu seinen Mitgliedern zählen Vereine, die in Essen eingetragen und gemeinnützig anerkannt sind. Die Anzahl der Mitgliedsvereine hat sich von zehn Gründungsmitgliedern auf 73 Vereine erhöht. Damit umfasst der Verbund fast alle gemeinnützigen Migrantenselbstorganisationen in Essen und steht für kulturelle und ethnische Vielfalt. Zu den Aktivitäten des Verbunds gehören Kooperationsprojekten in Zusammenarbeit mit Selbstorganisationen, Institutionen und Fachdienststellen, Info-Reihen und Veranstaltungen, eine eigene Homepage 2 für Mitglieder und Multiplikator/innen und die Verstetigung des Handlungsansatzes MO-Partner in der Kommune. Chancen und Risiken für lokale Netzwerke mit Migrantenorganisationen Die Essener Erfahrungen zeigen Chancen der Zusammenarbeit für alle am Prozess Beteiligten auf: Ein gezielter Informationsaustausch z.b. zwischen Mitarbeiter/innen von Fachverwaltungen und Akteuren aus MO trägt zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Vertrauensbildung bei. MO und Fachverwaltung lernen voneinander und es entstehen neue Kontakte. Damit steigt der Aktionsrahmen für Vereine als auch für Fachbereiche. Sie können sich eigenständige Wege und Zugänge neben den bekannten über Integrationsakteure (z.b. aus Integrationsrat, RAA, Migrationsdienste) erschließen. Die Zusamenarbeit trägt zur differenzierteren Wahrnehmung von MO und zu mehr Transparenz von Verwaltungshandeln bei. Es entstehen Impulse für die interkulturelle Öffnung der Verwaltung als auch für ein neues Selbstverständnis der Vereine. Gemeinsame Projekte werden initiiert und neue Synergien für den Integrationsprozess geschaffen. Es wäre jedoch vermessen, nicht auch die Hürden aufzuzeigen, die eine dauerhafte Netzwerkarbeit beeinflussen: Personelle Wechsel bzw. fehlende Hauptamtliche bei den Netzwerkpartnern können die dauerhafte Zusammenarbeit behindern. Profis und ehrenamtliche Akteure sind gefordert, Zeit und Umfang ihrer Zusammenarbeit immer wieder abzustimmen. In Essen ist festzustellen, dass die Erwartungshaltungen auf allen Seiten sehr groß sind. Hier ist eine Balance zwischen Qualitätsansprüchen und praktischer Umsetzung gefragt. Unterschiedliche Informationsstände über Strukturen, Verwaltungsabläufe, Sachfragen und Vereinsinteressen müssen aufgearbeitet werden, um eine strukturelle Partizipation zu ermöglichen. Im Integrationsgeschehen wird die Stärkung der Netzwerkarbeit mit MO und die angestrebte struktureller Partizipation langfristig zu Konkurrenzen (Wettbewerb) zwischen Regelsystemen, Sonderdiensten, etablierten Verbänden und den MO als neue Anbieter um Ressourcen führen, beispielsweise in der Jugendhilfe um die Teilhabe am Jugendhilfeförderplan. Die Abhängigkeit von der kommunalen Haushaltslage ist nicht zuletzt ein entscheidendes Risiko für eine langfristige Partnerschaft zwischen MO und Kommune. Es bleibt zusammenfassend eine Herausforderung, die Chancen für lokale Netzwerke mit MO im Dialog mit städtischen Akteuren und Entscheidungsträgern BBE - Dokumentation 37

40 Arbeitsgruppen 1-9 zu verdeutlichen, zu nutzen und auf der Grundlage gemeinsamer Zielsetzungen langfristig zu etablieren. Ergebnisse Kadri Akkaya, Stadt Köln Das Impulsreferat von Frau Kaplan-Meys und Herrn Oktay Sürücü über die kommunalen Rahmenbedingungen des gesamtstädtischen Integrationskonzeptes in Essen und die kommunaler Beteiligung der MO im Essener Verbund der Immigrantenvereine diente in der AG als Ausgangspunkt zur Diskussion. Dabei wurden folgende Hürden und Chancen für lokale Netzwerke mit MO erörtert, diskutiert und festgestellt. Hürden: Interessenkonflikte. Personelle Wechsel bzw. fehlende Hauptamtliche bei den MO behindern die dauerhafte Netzwerkarbeit. Hohe Erwartungshaltung. Wissensmangel über die Verwaltungsstruktur in der Kommune. Die unterschiedliche Messlatte. Die Abhängigkeit von der kommunalen Haushaltslage. Chancen: Informationsaustausch. Die Mitwirkung der MO steigt. Strukturelle Partizipation hilft beim Austausch auf gleicher Augenhöhe. Die Vielfalt der MO wird deutlich und bereichert die kommunale Gesellschaft. Das Fungieren als Projektträger gibt den MO Selbstbewusstsein und löst das langjährige Objektsein zum Subjektsein. Die Solidarität in der Kommune steigt. Es werden neue Synergien geschaffen. Gemeinsame These der AG 1: Die strukturelle Öffnung wird durch die Kooperation zwischen den Kommunen und den Migrantenorganisationen bereichert und schafft eine gleiche Augenhöhe. Offene Fragen als Empfehlung für die nächste Tagung: Eine Gesamtauswertung der bestehenden Netzwerke mit MO ist wünschenswert. Wie soll die gleiche Augenhöhe mit MO in der Netzwerkarbeit in den Kommunen eingerichtet, praktiziert und in der Zukunft gesichert werden? 38 BBE - Dokumentation

41 Arbeitsgruppen 1-9 AG 2: Netzwerkkonzepte zur Integrationsförderung auf Landesebene Impuls: Zwischenergebnisse des bayerischen Modellprojektes gemeinsam engagiert Marion Bradl, Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayerns und Torsten Groß, Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern Das Projekt Das Modellprojekt gemeinsam engagiert für eine gemeinsame Zukunft Bürgerschaftliches Engagement im Bereich Integration, seit Juni 2007 gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), steht in der paritätischen Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayerns (AGABY) und des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement Bayern (LBE). Es ist bundesweit das erste Kooperationsprojekt auf Landesebene, das von einer Migranten- und einer deutschen Organisation gemeinsam durchgeführt wird. Das Projektziel spiegelt die Schnittmenge der gemeinsamen Ziele der beiden Träger wider: Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von und mit Migrant/innen in Bayern durch: Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Migrantenorganisationen (Vereine, Beiräte). Austausch und Vernetzung unter Migrantenorganisationen und zwischen Migrantenorganisationen und deutschen Organisationen. Maßnahmen zur Sensibilisierung und Interkulturellen Öffnung von deutschen Einrichtungen der Freiwilligenarbeit. Zusammenführen der Strukturen des freiwilligen Engagements von Migrant/innen und Nicht-Migrant/innen. gemeinsam engagiert hat hierfür beispielhafte Einzelprojekte mit ausgewählten Kooperationspartnern entwickelt und führt diese auf lokaler, regionaler und Landesebene durch. Die Träger Beide Träger sind jeweils für sich bereits Netzwerke auf Landesebene: Die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayerns, AGABY, ist der Zusammenschluss der kommunalen Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns. Sie fördert den Austausch und die Vernetzung unter den Beiräten und vertritt ihre politischen Interessen auf Landesebene. Das höchste Organ der AGABY ist die Delegiertenversammlung, aus deren Reihen auch der Vorstand gewählt wird. Die Mitglieder des Vorstands arbeiten, genauso wie die Mitglieder der kommunalen Beiräte, rein ehrenamtlich. Im Unterschied zu den ehrenamtlichen Trägerstrukturen der AGABY verfügt das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern, LBE, über eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Personal. Deren Aufgabe ist es, Information, Beratung und Fortbildung für Vereine, Verbände und Einrichtungen des Bürgerschaftlichen Engagements sowie für Politik und Verwaltung anzubieten und neue und innovative Ansätze des Bürgerschaftlichen Engagements in unterschiedlichen Themen- und Lebensbereichen zu fördern. Zu den Mitgliedern des LBE zählen Einrichtungen der Freiwilligenarbeit auf Landesebene, wie die Freiwilligenagenturen Bayerns, die Mütter- und Familienzentren, Selbsthilfekontaktstellen, Seniorenbüros und die Bürgerstiftungen in Bayern. Sowohl AGABY als auch das LBE kooperieren mit zahlreichen Organisationen und Verbänden auf Landesebene und sind darüber hinaus auch auf Bundesebene vernetzt. Die Projektförderung ermöglichte die Einrichtung der beiden hauptamtlichen Stellen der Projektkoordinator/ innen der AGABY und des LBE und einer Mitarbeiter/ innenstelle mit einer gesamten Arbeitszeit von 72,5 Stunden pro Woche für die Laufzeit von drei Jahren. Motive für eine Netzwerkpartnerschaft Mangels institutioneller Förderung war der ehrenamtliche Vorstand der AGABY bereits seit längerem auf der Suche nach Fördermöglichkeiten, die eine bessere Sichtbarmachung, Unterstützung und Stärkung des ehrenamtlichen Engagements der Beiräte auf kommunaler und Landesebene auch unabhängig von einer Regelförderung ermöglichen sollten. Die Geschäftsstelle des LBE Bayern widerum verfolgte das Ziel, die Mittelschichtsorientierung der Einrichtungen der Freiwilligenarbeit aufzubrechen und insbesondere Migrant/innen verstärkt als neue Zielgruppe zu gewinnen. Beide Träger verband darüber hinaus der grundlegende (Projekt-)Ansatz, Integrationsprozesse nicht für, sondern mit Migrant/innen gemeinsam und auf gleicher Augenhöhe zu gestalten. Ziele der Netzwerkpartnerschaft Übergeordnetes inhaltliches Ziel der Kooperation von AGABY und LBE ist die konzeptionelle Entwicklung der breiten Schnittmenge der Themenfelder Bürgerschaftliches Engagement und Integration in Bayern und ihre Etablierung als eigenständiges und öffentlich anerkanntes Handlungsfeld. Unmittelbare Teilziele sind des- BBE - Dokumentation 39

42 Arbeitsgruppen 1-9 halb die (öffentliche) Förderung und Anerkennung des Bürgerschaftlichen Engagements insbesondere von Migrantenorganisationen in Bayern und gleichermaßen die Sensibilisierung und interkulturelle Öffnung von Einrichtungen und Organisationen vor allem der Mehrheitsgesellschaft. Strukturelles Ziel der Kooperation von AGABY und LBE ist das Zusammenführen der jeweiligen Netzwerke und ihre gemeinsame Weiterentwicklung. Bewertung der Netzwerkpartnerschaft Beide Träger bewerten die Netzwerkpartnerschaft positiv und wollen ihre Kooperation in einem dreijährigen Folgeprojekt fortführen. Zu den Erfolgen der Netzwerkpartnerschaft zählen für AGABY und LBE insbesondere Die Bereicherung der Perspektiven durch die gemeinsame Projektträgerschaft einer Migrantenund einer deutschen Organisation. Die Bereicherung der Themen durch die gemeinsame Projektträgerschaft einer (integrations-)politsch engagierten Migrantenorganisation und einer auf die Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements spezialisierten deutschen Organisation. Die erfolgreiche Erweiterung der jeweiligen Netzwerkstrukturen. Der erleicherte Zugang zu den Akteuren der jeweils anderen Seite. Die besseren Vernetzungsmöglichkeiten auch auf lokaler und regionaler Ebene. Die bessere Platzierung des Themenfeldes Bürgerschaftliches Engagement und Integration in Politik und Verwaltung. Die Hemmnisse und Schwierigkeiten des Kooperationsprojektes von AGABY und LBE lagen überwiegend in der Aufbauphase der Netzwerkpartnerschaft und sind allen voran der unterschiedlichen Aufstellung der Träger geschuldet: Insbesondere der extrem ungleichen Ressourcenlage der Träger (räumliche, materielle und personelle Ausstattung) und den ungleichen Arbeitsstrukturen eines ehren- und eines hauptamtlichen Trägers. Kontakt und Infos unter : Ergebnisse Birger Hartnuß, Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Leitstelle Bürgergesellschaft und Ehrenamt Den Ländern kommt in Fragen der Förderung bürgerschaftlichen Engagements und gesellschaftlicher Partizipation erhebliche Bedeutung zu. Als Ebene zwischen dem Bund und den Kommunen haben sie nicht nur weit reichende Handlungsspielräume, sondern tragen auch Verantwortung für die Gestaltung moderner Engagement- und Demokratiepolitik. Dieser Verantwortung haben sich die Länder in den vergangenen Jahren in zunehmendem Maße gestellt und neue Strukturen, Programme und Aktivitäten zu Engagement- und Partizipationsförderung auf den Weg gebracht. Dies gilt nicht zuletzt auch für Fragen der Förderung bürgerschaftlichen Engagements sowie der politischen Partizipation von Migrantinnen und Migranten. Eine zentrale Frage dabei ist, wie die bestehenden Migrantenselbstorganisationen in ihrer Arbeit unterstützt, in der öffentlichen Wahrnehmung aufgewertet und in ihrem politischen Beteiligungsmöglichkeiten gefördert werden können. Als eines der wirkungsvollsten Instrumente hierfür wird wie auch in anderen Bereichen des bürgerschaftlichen Engagements die Vernetzung und Netzwerkbildung angesehen. So wird auch in diesem Bereich die Gründung von Netzwerken zunehmend für die Lösung drängender gesellschaftlicher Herausforderungen herangezogen. Inzwischen haben eine Reihe von Ländern bereits Netzwerke ins Leben gerufen, die die gesellschaftliche Integration und politische Partizipation von Migrant/innen und Migranten und von Migrantenselbsorganisationen fördern wollen. Beispiele hierfür etwa sind Zusammenschlüsse von Migrantenorganisationen in den verschiedenen Länder-Arbeitsgemeinschaften von Ausländerbeiräten oder wie etwa in Rheinland- Pfalz Zusammenschlüsse der Beiräte für Migration und Integration. In den neuen Bundesländern wird mit dem Projekt EmPa die Arbeit von Migrantenorganisationen in verschiedenen Säulen gefördert. Hierzu zählen Fragen der Qualifizierung, des Empowerments, aber auch der verstärkten Kooperation und Vernetzung der Migrantenorganisationen untereinander. Ein besonders spannendes und erfolgreiches Netzwerk arbeitet seit einigen Jahren unter dem Titel Gemeinsam engagiert in Bayern. Dieses Vernetzungsprojekt wird von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayern (AGABY) und dem Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern getragen. In dieser besonderen Kooperation ist es gelungen, eine breite Palette von Aktivitäten und Schwerpunkten zu entwickeln und umzusetzen, die sowohl konkrete Projekte vor Ort, gegenseitigen Austausch und gemeinsames Lernen sowie die Stärkung politischer Partizipation von Migrantenorganisationen zum Ziel haben. 40 BBE - Dokumentation

43 Arbeitsgruppen 1-9 Marion Bradl (AGABY) und Torsten Groß (Landesnetzwerk BE Bayern) stellten im Workshop das Vernetzungsprojekt mit seinen besonderen Strukturen, konkreten Projekten und Angeboten sowie die bisherigen Erfahrungen in der Netzwerkarbeit vor. Ausgehend von dem Erfahrungsbericht aus Bayern wurde in der Arbeitsgruppe intensiv über Chancen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren der Netzwerkbildung von und mit Migrantenorganisationen diskutiert. Die wichtigsten Dispositionslinien hierbei lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Bestehende Netzwerke auf Landesebene unterscheiden sich in erheblichem Maße bezüglich der beteiligten Akteure (Wer macht mit?), der Entstehungsgeschichte (politische Initiative von oben oder Initiative von unten aus eigener Betroffenheit) aber auch bezüglich der mit der Netzwerkarbeit verbundenen Themen und Anliegen (konkrete Projekte wie zum Beispiel Qualifizierungsangebote oder Stärkung der politischen Beteiligungsmöglichkeiten von Migrantenorganisationen). Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Netzwerke in diesem Bereich ist die Erhöhung von Transparenz. Es ist entscheidend, dass allen Beteiligten klar ist, welche Akteure in dem Netzwerk mitwirken, welche konkreten, auch politischen Ziele unterschiedliche Akteure mit ihrer Mitwirkung im Netzwerk verbinden, und welches inhaltliche Profil das Netzwerk haben soll. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob Netzwerke sich auf die Unterstützung und Förderung konkreter Projekte im lokalen Raum konzentrieren, bestehende Migrantenorganisationen in einem Land besser vernetzen und in Austausch bringen sollen oder aber mit der Arbeit auch der Anspruch einer Stärkung politischer Partizipation und Interessenvertretung verbunden wird. Fundament jeglicher Netzwerkarbeit ist die Schaffung von Vertrauen. Hierfür bedarf es belastbarer Informations- und Kommunikationsstrukturen sowie die Entwicklung gemeinsamer Projekte und Vorhaben. Netzwerke sind kein Selbstzweck. Ihr Erfolg bemisst sich daran, inwiefern es gelingt, für alle Beteiligten erfahrbare Veränderungen und Erfolge zu erzielen. Hiermit verbindet sich nicht zuletzt die Frage der Steuerung und des Managements der Netzwerkarbeit. Letztlich benötigen effektive Netzwerke eine verlässliche Infrastruktur die dies sicherstellt. Hiermit wiederum sind Fragen der finanziellen und personellen Ausstattung der Netzwerke angesprochen. Hierfür müssen tragfähige Lösungen gefunden werden. Netzwerke von Migrantenorganisationen auf Landesebene stehen vor der Herausforderung, in ihrer Arbeit verstärkt auch den Kontakt und die Kooperation mit bestehenden Strukturen und Organisationen der Engagement- und Partizipationsförderung aufzubauen und zu nutzen. Dies gelingt in der Praxis nur selten. Wichtige Partner hierfür wären insbesondere Freiwilligenagenturen und Freiwilligenzentren, Seniorenbüros, Mütterzentren, Selbsthilfekontaktstellen etc. und ihre Zusammenschlüsse auf Landesebene. Netzwerke in diesem Bereich unterscheiden sich erheblich danach, ob sie sich als vertikale oder horizontale Vernetzungsstrukturen auf Landesebene verstehen. Insbesondere bei Netzwerken, die sich auf die verstärkte Kooperation von bestehenden Organisationen und Zusammenschlüssen auf Landesebene konzentrieren, stellt sich die Herausforderung, ihre Ergebnisse und ihre Arbeit rückzubinden an die Organisationen auf lokaler Ebene. Auch hierfür bedarf es eines klugen Netzwerk- und Schnittstellenmanagements. AG 3: Vernetzung durch Weiterbildung in den neuen Bundesländern: Das Projekt EMPA Impuls: Empowerment und Partizipationsförderung für Drittstaatenangehörige in den neuen Bundesländern Dr. Esra Erdem, Projektleiterin EMPA, RAA Brandenburg In diesem Beitrag soll anhand des Projektes EMPA beispielhaft dargestellt werden, wie Weiterbildungsangebote als Forum der Vernetzung von Migrant/ innenorganisationen dienen und somit zur Stärkung der selbstorganisierten Interessenvertretung auf regionaler Ebene beitragen können. Mit dem Projekt EMPA möchte die RAA Brandenburg das zivilgesellschaftliche Engagement von Migrant/ innen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen würdigen und fördern. Das Projekt wird in Kooperation mit den Integrations- bzw. Ausländerbeauftragten der ostdeutschen Bundesländer sowie dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) durchgeführt. Es hat eine Laufzeit von drei Jahren (Oktober 2008 bis September 2011) und wird durch den Europäischen Integrationsfond und das Land Brandenburg finanziert. BBE - Dokumentation 41

44 Arbeitsgruppen 1-9 Die drei Fortbildungsreihen, mit denen je unterschiedliche Aspekte des gesellschaftlichen Engagements von Migrant/innen angesprochen werden, bilden einen Kernteil von EMPA. In Einzelnen werden folgende thematische Schwerpunkte gesetzt: 2009: Professionalisierung der Arbeit von Migrant/ innenorganisationen. 2010: Empowerment und Partizipation durch Engagement in Religionsgemeinschaften von Migrant/ innen. 2011: Empowerment von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Im Folgenden möchte ich mich konkret auf Erfahrungen aus der EMPA-Fortbildungsreihe 2009 beziehen um darzustellen, wie im Rahmen des Projektes die Qualifizierung und Vernetzung von Migrant/innenorganisationen konzeptionell ineinander greifen: An den sieben Wochenendseminaren nahm eine Gruppe von insgesamt 24 Vertreter/innen der ostdeutschen Migrant/innenorganisationen teil, die sich zu Themen an der Schnittstelle von Migration und Organisationsentwicklung weiterbildeten. Diese Fortbildungen baten zugleich einen Rahmen der Vernetzung an. In ihrer Evaluation hoben die Teilnehmenden diese Möglichkeit eines überregionalen Austauschs mit Migrant/innen unterschiedlicher Herkunft als besonders wertvoll hervor. In den Lernerorientierten Seminaren, den praxisnahen Übungen in kleinen Arbeitsgruppen, aber auch in den informellen Pausengesprächen fanden die Teilnehmenden ausführlich Gelegenheit, sich über ihre Kompetenzen und Erfahrungen als Akteure der Migrationsarbeit auszutauschen. Um die Kommunikation unter den Teilnehmer/innen auch zwischen den Fortbildungsterminen zu ermöglichen, wurde ergänzend ein virtuelles Diskussionsforum in Form eines internen -Verteilers eingerichtet. Neben dem regelmäßigen Informationsaustausch erlaubte uns dieses Medium beispielsweise auch, gemeinsam in kürzester Zeit eine Stellungnahme zu verfassen, um unsere Solidarität mit einem EMPA-Teilnehmer zu bekunden, der im Rahmen seines politischen Engagements von Rechtsextremisten bedroht wurde. Eine weitere Plattform der elektronischen Vernetzung stellt die EMPA Homepage de dar. Auf der Unterseite Qualifizierung 2009 haben die Teilnehmenden kurze Informationen zu ihrer Person und ihrer Arbeit zusammengetragen. Dabei ist eine beeindruckende Vielfalt an regionalen Tätigkeitsprofilen zutage getreten, die der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden konnte. 42 BBE - Dokumentation

45 Arbeitsgruppen 1-9 Viertens, boten die sechs Regionalveranstaltungen, die EMPA-Teilnehmende im Rahmen der interkulturellen Wochen im September 2009 gemeinsam durchführten, eine Möglichkeit, die Anliegen von Migrant/innenorganisationen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und neue Erfahrungswerte in der Zusammenarbeit mit anderen Migrant/innenorganisationen zu sammeln. Zugleich stellten sie eine gute Gelegenheit zur engeren Vernetzung mit den EMPA- Kooperationspartnern und weiteren lokalen Akteuren der Integrationsarbeit dar. Fünftens, bietet die Kooperation zwischen dem BBE und EMPA ein besonderes Forum der Vernetzung für Migrant/innenorganisationen in Ost- und Westdeutschland. Durch die Teilnahme von EMPA an den Fachtagungen der AG Migration/Integration des BBE und die teilweise Verlegung der AG Sitzungen nach Ostdeutschland, sind neue Verbindungen geknüpft worden, die das Potential für eine Zusammenarbeit in der Zukunft (z.b. in Form von Ost-West Tandemprojekten) in sich bergen. Letztens ist noch die Vernetzung auf europäischer Ebene zu erwähnen. Im Rahmen der Studie Alternative Voices on Integration (durchgeführt vom Institute of Race Relations in Kooperation mit dem Network of European Foundations / European Programme for Integration and Migration) wurde EMPA als innovatives Projekt gewürdigt und durch einen eigenständigen Beitrag auf der Homepage des Forschungsprojektes der europäischen Fachöffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr 2010 wird EMPA das Konzept Qualifizierung und Vernetzung weiterverfolgen. Mit einer Fortbildungsreihe für Migrant/innen, die sich in Religionsgemeinschaften von Zugewanderten engagieren, wird der Rahmen für eine überregionale, interreligiöse Begegnung in Ostdeutschland geschaffen. Auch die Vernetzung der Migrantenorganisationen wird im Jahre 2010 fortgesetzt. Informationen zu den geplanten Regionalveranstaltungen können Sie im Laufe des Jahres der EMPA- Homepage entnehmen. Ergebnisse Dr. Karamba Diaby, Projektleiter Migration/Integration der Jugendwerkstatt Frohe Zukunft, Halle- Saalekreis e.v. und Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates An dieser AG beteiligten sich 8 Teilnehmer/innen. Nach einem einführenden Vortrag von Frau Dr. Esra Erdem (RAA Brandenburg und Leiterin des Projektes EmPa) erfolgte eine intensive Diskussion. Das Projekt steht für Empowerment und Partizipationsförderung für Drittstaatenangehörige in den neuen Bundesländern. Es wird von Oktober 2008 bis September 2011 durchgeführt mit folgenden Kooperationspartnern: Die Integrations- und Ausländerbeauftragten der ostdeutschen Bundesländer, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Teilhabe von Migrant/innen in Ostdeutschland zu fördern und die Stärkung der eigenständigen Interessenvertretung und der öffentlichen Präsenz von Migrant/innen zu unterstützen. Die Projektangebote sind die Qualifizierung und Vernetzung von Migrantenorganisationen. Für 2010 stehen Religionsgemeinschaften im Mittelpunkt und für 2011 wird besonderes Augenmerk auf Jugendliche mit Migrationshintergrund gelegt. Das Profil der Teilnehmenden zeigt, dass 59% Frauen sind und 41% Männer. Die Teilnehmerzahl pro Bundesland war sehr unterschiedlich. Während Sachsen mit 10 Teilnehmern/innen die größte Gruppe stellte sind lediglich 2 Teinehmer/innen aus Thüringen. Dies erklärt sich mit dem Engagement der Kooperationspartner in den Regionen bei der Werbung für das Projekt. Die Teilnehmer/innen stammen aus 14 verschiedenen Herkunftsländern. Themen der Fortbildungsmodule 2009 waren Antidiskriminierung, Zuwanderungsgesetz, Vereinsrecht & Finanzen, Projektmanagement, Kommunikation & Konfliktmanagement, Moderation & Präsentationstechniken, Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vernetzung von MO und Akteuren der Integrationsarbeit auf Regionalveranstaltungen u.a. in Halle und Leipzig. Die bundesweite Vernetzung erfolgte durch die Kooperation mit BBE / AG Migration und Integration. Die Vernetzung im europäischen Kontext ergab eine Würdigung des Projektes durch Institute of Race Relations, London als innovatives Projekt im Zusammenhang mit dem Forschungsprogramm Alternative Voices on Integration Der Moderator als ehemaliger Teilnehmer bei diesen Fortbildungen von EmPa berichtete über seine positiven Erfahrungen insbesondere, dass das Projekt zur Vernetzung der MO in den neuen Bundesländern stark beigetragen hat. In den Diskussionen kristallisierten sich folgende Fragen heraus: BBE - Dokumentation 43

46 Arbeitsgruppen 1-9 Wie können solche Projekte zur Qualifizierung finanziell gefördert werden? Wie sieht eine erfolgreiche Teilnehmergewinnung aus? Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmer/ innen erfüllen? Welche Rolle spielten die individuellen Zugangsvoraussetzungen der Teilnehmer/innen? Angeregt wird, flächendeckend solche Fortbildungen für alle Bundesländer anzubieten. Diese Anregungen wurden von Frau Bartels als Vertreterin vom BAMF wohlwollend registriert. AG 4: Bundesweite Netzwerke von MO Impuls: Netzwerkarbeit zur Partizipationsförderung von Migrant/innen Sidar Demirdöğen, Bundesverband der Migrant/innen e.v. Zum Verband Unser Migrant/innenverband wurde im Jahr 2005 auf einer bundesweiten Konferenz in Köln gegründet, an der über 250 Frauen teilnahmen. Nach intensiven Diskussionen über die Probleme von Frauen und Migrant/innen, haben wir uns entschlossen, einen bundesweit agierenden Zusammenschluss von Frauen zu gründen. Der Bundesverband der Migrant/innen in Deutschland e.v. ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Verbandstätigkeit stützt sich ausschließlich auf das ehrenamtliche Engagement von Frauen und Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund. Derzeit sind dem Verband über 23 Frauengruppen bundesweit angeschlossen. Zentral stand im Raum, das Migrant/innen in bestehenden Organisationsformen und Netzwerken, keinen angemessenen Raum für ihre Partizipation haben. Sie sind in Vorständen unterrepräsentiert, sind in Entscheidungsprozesse nicht ausreichend angemessen, bleiben in der Rolle des Zuhörers kleben. Die Erfahrungen aus der lokalen Arbeit im Vorfeld der Gründungskonferenz haben uns davon überzeugt, dass Frauen eigene Räume benötigen, um frei sprechen und sich frei bewegen zu können. Eine andere zentrale Frage war die Tatsache, dass schlichtweg keine bzw. nur eine Handvoll bundesweit agierende Migrant/innenorganisationen existieren und wir hier einen starken Bedarf sahen. Unser Verband ist ein Zusammenschluss von über 20 Frauengruppen bundesweit. Wir haben derzeit über 500 Mitglieder, darüber hinaus einen breiten Kreis von ca Sympathisantinnen. Die Verbandstätigkeit stützt sich ausschließlich auf das ehrenamtliche Engagement von Frauen. Ziel unserer Verbandsarbeit ist die Integrationsförderung von Migrant/innen. Darunter verstehen wir in erster Linie die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben. Unsere Grundlage bildet zum einen die Arbeit vor Ort, d.h. in den Städten, zum anderen die politische Interessensvertretung. MO und ihre Rolle in der Integration Migrantenorganisationen werden in der Integrationsund Migrationsforschung kontrovers diskutiert. Vereinfacht formuliert gibt es zwei gegensätzliche Standpunkte bzgl. der Frage nach der qualitativen Rolle von Netzwerkbildungen von Migranten im Kontext der Integration. Die Diskussion dreht sich vor allem um die Frage, ob die Eigenorganisationen von Migranten eine integrierende oder eine desintegrierende Rolle im Integrationsprozess einnehmen. Ich denke, dass Migrantenorganisation von Grund auf eine integrationsfördernde Rolle einnehmen. Es wäre falsch und fatal, davon auszugehen, dass Eigenorganisationen von Migrant/innen und Migranten, automatisch eine positive Rolle einnehmen, nur weil sie eben Migrantenorganisationen sind. Entscheidend sind dabei das Grundverständnis und die politische Positionierung. So darf nicht davon abgesehen werden, dass auch innerhalb der sogenannten Migrantencommunity nationalistische Strömungen einen starken Einfluss haben. Unser Verband grenzt sich ganz klar von derartigen Verständnissen ab. Wir verstehen uns als eine demokratische, überparteiliche Organisation, die sich gegen jegliche Form von Grenzziehungen wehrt. Dies gilt auch im innerethnischen Kontext. Ziele und Aktivitäten Ziel und Zweck des Verbandes ist die Förderung und Stärkung der Integration von Frauen und Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund in allen Lebensbereichen: Bildung, Ausbildung, Arbeit und Beruf, Soziales, Kultur, Recht und Politik. Dazu führt der Verband zahlreiche Veranstaltungen zur Information, Sensibilisierung und Aufklärung durch. Der Ausbau des interkulturellen Dialogs und Austauschs steht dabei im Mittelpunkt aller Bemühungen. 44 BBE - Dokumentation

47 Arbeitsgruppen 1-9 Der Migrant/innenverband versteht sich weiter nicht als ein geschlossener Ort, der sich von der autochthonen Gesellschaft isoliert. Vielmehr nutzt er die Verbandsstrukturen dafür, Migrant/innen zunächst aus der Isolation vom sozio-kulturellen Leben herauszuholen, um damit ihre Teilhabe am Alltag zu stärken. Dies geschieht zum einen innerhalb des Verbandes, zum anderen durch regen Kontakt und Zusammenarbeit mit deutschen und migrantischen Einrichtungen, Vereinen und Organisationen. Der Verband versteht sich als eine Form der Organisation, die die konkreten Lebensbedingungen von Migrant/innen berücksichtigt und hieraus Strukturen der geschlechtsspezifischen Partizipation von Frauen mit Migrationshintergrund entwirft. Die Bereitstellung von niedrigschwelligen Angeboten ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Verbandstätigkeit. Zentrale Bedeutung hat der Aspekt der Bewusstseinsbildung hinsichtlich geschlechtsspezifischer und sozial-politischer Probleme. Wichtig ist nicht nur die Möglichkeit der Aussprache über Probleme, sondern auch die gemeinsame Bemühung, hierfür Lösungen formulieren zu können. Neben niedrigschwelligen Angeboten im Stadtteil zur Förderung der sozialen, kulturellen und politischen Information und Partizipation engagiert sich der Migrant/ innenverband gegen rassistische Ressentiments und gegen die öffentlich-mediale Konstruktion von Stereotypen, deren Gegenstand zumeist Frauen sind. Unser Verband versucht die Potenziale von Migrant/ innen sichtbar zu machen. Dafür benötigt es aber Räume. Räume, um sprechen zu können und um aktiv teilhaben zu können. Denn Partizipation heißt, sich bewegen und vor allem sich auch hinausbewegen zu können eben auch aus Strukturen und Denkweisen, die nur wenig Freiraum für eine aktive Teilhabe ermöglichen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Frauen auch ein enormes Potenzial in sich tragen, wenn es darum geht, Barrieren oder festgeschriebene Geschlechterrollen in den eigenen Kreisen aufzubrechen, die ihre gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindern. Frauen, die beispielsweise mit 16 oder 17 Jahren verheiratet und somit ihr Leben lang auf ihre Rolle als Schwiegertochter, Ehefrau und Mutter reduziert wurden, setzen sich dafür ein, dass besonders ihre Töchter in der Bildung und im Beruf erfolgreich sind. In Theaterkursen lernen sie nicht nur Rollenspiele, sondern verbinden sie mit dem Versuch, hierdurch auch die deutsche Sprache zu erlernen. Sie organisieren in ihren Wohnvierteln Computerkurse um nicht nur sich weiterzubilden, sondern auch um in der Erziehung ihrer Kinder, wichtige Kompetenzen im Umgang mit Medien aneignen zu können. Wir mischen mit, wenn es darum geht, den Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit auf Seiten der Migrant/ innen und Migranten zu bestärken und konkret umzusetzen. Wir rütteln an festgeschriebenen Rollen und Denkweisen, die uns und unsere Potenziale verbergen wollen. Mitgliederprofil Im Migrant/innenverband können nur Frauen Mitglied werden. Obgleich aus dem Verbandsnamen nicht sofort ersichtlich, gehören türkeistämmige Frauen zur Hautgruppe der Mitglieder. Sie stellen zugleich die Zielgruppe dar. Die Gruppe der Migrant/innen und Migranten aus der Türkei stellt keine homogene kulturelle Gruppe dar, kennzeichnend ist vielmehr die ethnisch-kulturelle Heterogenität ihrer Mitglieder. Dies spiegelt sich im Profil der Mitglieder wider: Ethnisch können Türkinnen, Kurdinnen (überwiegend aus der Türkei), Lazinnen und Frauen aus dem türkischen Teil Thrakiens ausgemacht werden, hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften stellen Sunnitinnen und Alevitinnen die größten Gruppen dar. Netzwerkarbeit Zur Bedeutung der Netzwerkarbeit ist von unserer Seite klar zu sagen: Unser Verband ist ein Ergebnis der Netzwerkarbeit von Frauen und lebt von den sozialen Netzwerken unserer Mitglieder. Unsere Arbeit orientiert sich an die konkreten Bedarfe der Frauen und versucht ihre Partizipation durch die Möglichkeit zur Abdeckung dieser Bedarfe zu bestärken. Wir arbeiten stark in Stadtteilen und sprechen Frauen persönlich an. Unsere Erfahrungen zeigen, dass soziale Kontakte innerhalb eines Stadtteils stärker ausgeprägt sind, als darüber hinaus. D.h. stadtteilübergreifende Kontakte sind schwächer ausgeprägt und sind schwieriger zu zusammen zu bringen. Ein weiterer Aspekt ist, dass gerade Frauen wichtige Träger sozialer Netzwerke sind. Sie sind es, die soziale Kontakte zwischen Familienmitgliedern, Arbeitskolleginnen, Nachbarn, Bekannten und Freunden halten. Wir versuchen auf dieses Potenzial zurückzugreifen, weil wir gerade hier einen wichtigen Punkt sehen. BBE - Dokumentation 45

48 Arbeitsgruppen 1-9 Dies hängt vor allem durch die Lebensverhältnisse und den damit verbundenen Möglichkeiten unter anderem zusammen. Zum anderen dadurch, dass Familienmitglieder oder Bekannte in unmittelbarer Nähe sich befinden. Unser Verband berücksichtigt diese Situation und sieht hierin auch seine Möglichkeiten der breiten Ansprache. Frauen haben ihre eigenen Netzwerke entwickelt, die eher in privaten Räumen stehen, sie sind nicht öffentlich sichtbar bzw. werden zu gering geschätzt. Wir versuchen daher, die Nähe zu Frauen sehr eng zu halten. Weil ihre Partizipation zunächst in privaten Räumen erfolgt, orientiert sich unsere Verbandstätigkeit eben an diesen, d.h. stadtteilorientiert und persönliche Ansprache. Wir suchen die Nähe zu den Frauen und versuchen durch persönliche Gespräche bestehende Probleme oder Wünsche so zu sammeln. Die Weitergabe von Informationen zu unseren Aktivitäten erfolgt über die sozialen Netzwerke der Mitglieder. Familienangehörige, Bekannte, Arbeitskolleginnen oder Nachbarn werden über die individuellen Kontakte und Beziehungen unserer Frauen angesprochen. Netzwerke nach außen Unser Verband versteht Integration als eine Querschnittsaufgabe. So gesehen, ist die Zusammenarbeit mit einheimischen Verbänden, politischen Ebenen oder Organisationen für uns von großer Wichtigkeit. Die Netzwerkarbeit nach außen beginnt in den Stadtteilen, wenn es darum geht, gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen. So bspw. mit dem Caritasverband, mit dem Internationalen Bund, der Arbeiterwohlfahrt oder Stadtteilinitiativen. In Niederrad bspw. führen 1 x Monat ein internationales Frauenfrühstück durch, an den Frauen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen. Unser Verband ist Mitglied beim Deutschen Frauenrat, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, kooperiert mit dem DOSB und arbeitet eng mit anderen regionalen und überregionalen Vereinen/ Verbänden. Hindernisse Probleme bestehen insbesondere darin, dass Vernetzung zwar erfolgt, aber keine Ausweitung der inhaltlichen Arbeit. D.h. es fehlt unsererseits die notwendige Ausstattung zur effektiven Nutzung der Netzwerkarbeit. Auf der anderen Seite stehen wir professionellen Verbänden gegenüber, die eine hohe Erwartungshaltung haben und im Grunde kein Gespür für ehrenamtliche Arbeit besitzen. Bei Förderung stoßen wir auf kommunaler Ebene insbesondere auf ein folgendes kurioses Problem. Die Kommunen sind zum Teil auf unser Profil nicht vorbereitet. So streiten wir uns Frankfurt bspw. darüber, wer jetzt nun die Zuständigkeiten hat. Das Frauenreferat oder das Amt für multikulturelle Angelegenheiten. AG 5: Netzwerke in der Jugendverbandsarbeit Impuls: Bundesweite Perspektive Daniel Grein, Geschäftsführer des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) Der DBJR ist die Arbeitsgemeinschaft aller bundeszentralen Jugendverbände in Deutschland. D.h. in unserem Netzwerk schließen sich neben allen Landesjugendringen 25 Bundesverbände von katholischer und evangelischer Jugend über die Pfadfinderverbände bis zu Feuerwehrjugend, die Chorjugend oder die Naturschutzjugend zusammen. Wir vertreten damit über 5,5 Millionen ehrenamtlich engagierte Kinder und Jugendliche. Unsere Aufgabe ist es die Zusammenarbeit der Verbände zu stärken, die Rahmenbedingen für ihre Arbeit zu sichern, politische Interessensvertretung für die Verbände und ganz generell für Kinder und Jugendliche zu machen und auch die Kontakte der Jugend in Deutschland mit anderen Ländern zu halten und auszubauen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt und eine sehr oberflächliche Darstellung unserer Arbeit. Selbstverständlich haben wir deshalb sowohl mit dem Thema junge Menschen mit Migrationshintergrund als auch mit VJMs intensiv zu tun. Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind seit ca. 10 Jahren immer stärker in das Blickfeld der Jugendverbände geraten. Jugendverbände haben unter dem Begriff Interkultureller Öffnung Chancen erkannt, aber sind auch an viele Grenzen gestoßen. Neben diesem langjährigen Engagement setzten sich Zusammenschlüsse der Jugendverbände sowie die Jugendringe in den letzten Jahren immer stärker für die Integration von Selbstorganisationen junger Migrant/innen und VJMs in die Strukturen der verbandlichen Netzwerke ein. Der DBJR begrüßt das Engagement von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Verbänden ganz grundsätzlich, egal ob es sich um MJO/VJM oder andere Verbände handelt. Das Partizipieren an Selbstorganisationen junger Menschen und damit das Mitgestalten von Lebenswelt und Zivilgesellschaft ist ein 46 BBE - Dokumentation

49 Arbeitsgruppen 1-9 großer Beitrag auch zur Integration und zum Zusammenwachsen unserer Gesellschaft. Aus Sicht des DBJR sind deshalb junge Menschen mit Migrationshintergrund in erster Linie junge Menschen und ihre Verbände, wie VJMs, sind in erster Linie Jugendverbände. Der DBJR verfolgt deshalb aus dieser Sichtweise heraus gleichzeitig sowohl die interkulturelle Öffnung der Jugendverbände, als auch die strukturelle Einbindung von Verbänden junger Migrant/innen in die Netzwerke der verbandlichen Arbeit. Funktionierende MJO bieten die Möglichkeit der politischen Teilhabe von Personengruppen mit Zuwanderungsgeschichte durch die Einbindung in gesellschaftliche Kommunikations- und politische Entscheidungs- bzw. Interessenvermittlungsprozesse. Funktionierende MJO leisten Beiträge zur non-formalen Bildung und sind Orte der Gesellung und somit Ort der sozialen Integration und der Alltagsbewältigung. Sie erfüllen wertvolle individuelle Integrationsleistungen für ihre Mitglieder, die gleichzeitig Nutzer/ innen und Produzent/innen ihrer Angebote sind. Aus unserer Sicht hat die Selbstorganisation junger Menschen einen Wert an sich. Das gilt mindestens im gleichen Maße auch für Selbstorganisationen junger Migrant/innen. Auf Bundesebene werden v.a. der Bund der Alevitischen Jugend in Deutschland und die Mitgliedsorganisationen der djo (z.b. Assyrischer Jugendverband Mitteleuropa e.v., Kurdischer Kinder- und Jugendverband KOMCIWAN e.v., Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland e.v. JunOst, Jugendund Studentenring der Deutschen aus Russland, Deutschbaltischer Jugend- und Studentenring e.v., Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland -SJD) wahrgenommen. Sie sind im DBJR selbst oder über die djo angeschlossen. Daneben gibt es einige weitere bundeszentrale VJMs wie DIDF oder die MJD (Muslimische Jugend in Deutschland e.v.). Der DBJR ist sich im Klaren darüber, dass es sehr viele VJMs gibt, die nicht die Größe oder Verbreitung haben um auf Bundesebene wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die Debatte um die strukturelle Integration von VJMs auf allen Ebenen der Jugendringarbeit geführt wird. Viele Landesjugendringe und einige Verbände setzen sich intensiv mit großen Projekten damit auseinander und gleichzeitig gibt es große Anstrengungen auf der kommunalen Ebene. Es besteht also eine Gleichzeitigkeit im Agieren, Modelle ausprobieren sowie dem Diskurs auf allen Ebenen. Diese Gleichzeitigkeit zeigt zwar, dass das Thema sehr hoch gehängt wird und großer Gestaltungswille da ist, man muss aber auch darauf achten, dass Entwicklungen nicht einem Aktionismus geschuldet sind, sondern gute und nachhaltige Strukturen schaffen. Es macht wenig Sinn, dies abgekoppelt auf einer politischen Ebene zu tun. Auf allen Jugendringebenen gibt es Gemeinsamkeiten und Erfahrungen, aber natürlich gibt es Zugänge zum Thema und einzelne Themen, die auf den Ebenen sehr unterschiedliche sind. Es geht also keineswegs um bloße Übertragungen von Ansätzen und Methoden. Der DBJR sucht den intensiven Austausch v.a. mit den Landesjugendringen. Zusammen mit dem BAMF und dem BMFSFJ hat der DBJR außerdem versucht, Akteure aller Jugendringebenen und MJSO in einer Veranstaltung zu vernetzen und so Erkenntnisse zu bündeln. Im Folgenden werden Thesen, Herausforderungen und Probleme zur strukturellen Integration von VJMs dargestellt. Diese beziehen sich dabei nicht im Speziellen auf die Bundesebene, sondern sind übergreifend zu verstehen. Einbindung in Strukturen der Jugend(verbands)arbeit bedeutet für VJM: Teilhabe an Wissen und Information, Teilhabe an Mitsprache und Kommunikation, Teilhabe an Mitbestimmungsstrukturen in den Jugendhilfestrukturen, Wertschätzung und Anerkennung. Gleichzeitig bietet diese Einbindung Chancen wie z.b. Strukturierung und Stabilisierung der eigenständigen Arbeit im VJM, Implementieren struktureller Anregungen von außen in die eigene Arbeit zwecks Weiterentwicklung der eigenen Arbeitsgrundlagen, Qualifizierung und Horizonterweiterung durch Zugang zu Jugendleiterschulungen, Aneignen von methodischem Handwerk, Austausch mit anderen Gruppen und Verbänden, Beteiligen an Jugendhilfe relevanten Projekten, Vertreter/innen von VJM in Jugendhilfestrukturen erfahren Wertschätzung und Anerkennung für sich und ihre Organisation und sie begreifen sich und VJM als gleichwertigen Teil der Gesellschaft. Trotz der offenkundigen Vorteile in der Arbeit mit VJMs wird aber klar, dass die Einbindung und Strukturintegration nicht problemfrei funktioniert. Ein BBE - Dokumentation 47

50 Arbeitsgruppen 1-9 zentrales Problem scheint v.a. die Überlastung, fehlende Kontinuität und die ungenügende Wissensbasis zu sein. Die rein ehrenamtlich von einigen Engagierten getragenen VJMs geraten oft und schnell an ihre Grenzen, können Arbeitskontakte nicht halten oder z.t. auch zu hohe Erwartungen von tradierten Strukturen nicht erfüllen. Es ist daher notwendig, entsprechende förder- und ressourcentechnisch unterstützende Strukturen zu etablieren, um eine gute Einbindung in die Jugendstrukturen der jeweiligen Ebene zu ermöglichen. Eine bestimmte Strukturgröße, auf alle Fälle die Arbeit auf Bundesebene, setzt zur Konsolidierung hauptamtliche Unterstützung und (damit) Förderung der Infrastruktur voraus. Gleichzeitig gibt es aber auch hier kontroverse Sichtweisen. In wie weit z.b. eine Sonderförderung von VJMs im Sinne einer positiven Diskriminierung sinnvoll ist. Einige VJMs signalisieren dem DBJR auch, dass sie nicht immer unter dem Migrations- Label laufen wollen. Sie streben eine Gleichsetzung mit anderen Jugendverbänden an. Dies bedeutet aber auch, dass bei der jetzigen strukturellen Verfasstheit Förderung oft kein Thema sein kann. Gerade im Bereich der Förderung gibt es also Fragen und Kontroversen. Gleichzeitig fehlt es VJMs oft an Wissen über die Strukturen der Jugendhilfe, Zuständigkeiten und Möglichkeiten. Es ist daher auch an den Jugendringen, im Sinne einer Geh-Struktur, in den Dialog zu treten und damit Wissen aufzubauen und Missverständnisse zu minimieren. Dies ist die Basis für strukturelle Integration. Gleichzeitig ist es für die Jugendringe schwer, diese Arbeit neben anderen Aufgaben zusätzlich zu stemmen. Einige Landesjugendringe und kommunale Jugendringe machen hier aber in eigenen Projektstrukturen gute Erfahrungen. Ziel muss es sein Selbstorganisationen junger Migrant/innen in die plurale Struktur der Jugendverbandsarbeit zu integrieren, sei es als formales Mitglied, über Dachstrukturen (wie z.b. in der djo) oder über Kooperationslösungen. Erste Schritte dahin können natürlich Tandemmodelle von VJMs und tradierten Organisationen sein. Sie helfen VJMs beim Strukturaufbau sowie Erfahrungs- und Wissenszugewinn. Die Debatte über die Strukturintegration von VJMs in die Netzwerke der Jugendverbandsarbeit ist also im vollen Gang. Wann die Diskussion allerdings abgeschlossen sein wird, und die Integration von VJMs in Jugendringe keine größere Herausforderung mehr darstellt, ist noch offen. Impuls: Erfahrungen aus der Netzwerkarbeit Daniel Mouratidis, Vorstand des Kreisjugendring Rems-Murr Ich bin Daniel Mouratidis, 32 Jahre, Vorstand des Kreisjugendring Rems-Murr und ich habe seit 2002 die interkulturelle Öffnung der verbandlichen Jugendarbeit vorangetrieben. Zudem war ich von Projektleiter der Integrationsoffensive in der Kinder- und Jugendarbeit Baden-Württemberg und bin Mitglied des NiJaF Nun zum Kreisjugendring Rems-Murr. Der rund Einwohner zählenden Landkreis befindet sich nordöstlich von Stuttgart und ist geprägt von Mittelstädten wie Waiblingen, Backnang oder Winnenden, beeinhaltet aber auch sehr ländliche Gebiete des Schwäbisch-Fränkischen Waldes. Was hat der KJR Rems-Murr gemacht? Der KJR Rems-Murr hat seit 2004 erstens herausgearbeitet, welche internen strukturellen Änderungen vorgenommen werden müssen, um eine interkulturelle Öffnung erreichen zu können. Das zweite Projektelement im Rems-Murr-Kreis war der Aufbau von lokalen Integrationsnetzwerken. Der KJR hat eine eigene Form entwickelt, wie man Netzwerkarbeit in den Gemeinden initiieren kann. Die interkulturelle Öffnung des KJR Rems-Murr lässt sich vereinfachend in drei Phasen gliedern. In Phase I: Der KJR hat das Selbstverständnis, die Vertretung der Jugendverbände und der Jugendlichen im Landkreis Rems-Murr zu sein. Nach einer selbstkritischen Betrachtung hat sich aber gezeigt, dass dies nur die klassisch deutschen Vereine einschließt. Hier geht die Vielfalt von den Segelfliegern, über die Freiwillige Feuerwehr zu den Sport- und Musikvereinen. Aber wo sind die Migrantenvereine? Wie die Zahlen für den Rems-Murr-Kreis zeigen, haben mindestens ein Drittel aller Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Ein großer Teil dieser Jugendlichen sind auch in Vereinen organisiert. Nur findet man sie kaum in den deutschen Vereinen, sondern eher in Migrantenselbstorganisationen (MO). Darüber hinaus waren die Jugendliche mit Migrationshintergrund hauptsächlich in einzelnen Sportarten anzutreffen. 48 BBE - Dokumentation

51 Arbeitsgruppen 1-9 So beschloss 2004 der Vorstand des KJR Rems- Murr, im KJR ein aktiver Prozess der interkulturellen Öffnung zu starten. Nach dem Vorstandsbeschluss war klar, dass das Thema im KJR nur eine Chance hat, wenn auch die Mitgliedsverbände den Vorstoß unterstützen. In einer Mitgliederversammlung wurde das Thema interkulturelle Öffnung ausgiebig diskutiert. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Einbindung von neuen Vereinen immer auch eine Neuverteilung von Ressourcen bedeutet. Die Mitgliedsverbände haben sich dem Thema gegenüber sehr offen gezeigt und der interkulturellen Öffnung des KJR zugestimmt. Der nächste Schritt war für den KJR ein interkultureller Selbstcheck. Durch einen solchen Test kann bestimmt werden, wie weit fortgeschritten die interkulturelle Öffnung eines Vereins bzw. einer Organisation bereits ist. Die wichtigsten Fragen für den KJR Rems-Murr waren: Gibt es im Vorstand Menschen mit Migrationshintergrund? Gibt es MO als Mitgliedsverbände? Gibt es in der Geschäftsstelle Menschen mit Migrationshintergrund? Sind in den Mitgliedsverbänden Menschen mit Migrationshintergrund als Mitglieder? Nehmen interkulturelle Themen/Projekte Raum in der täglichen Arbeit der KJR Geschäftsstelle ein? Gibt es in der Satzung strukturelle Hemmnisse, die die Mitgliedschaft von Migrantenselbstorganisationen erschweren? Das Ergebnis des Selbstchecks war ernüchternd: Lediglich ein Vorstand hatte einen Migrationshintergrund und die Satzung zeigte keine großen strukturellen Hemmnisse auf. In der Phase II entwickelte der KJR direkte Projekte wie das Tur-Key Camp, ein gesellschaftlich-politisches Seminar in Kooperation mit türkischstämmigen Vereinen als auch die die Einbindung von Vereinen und Organisationen in die vorhandenen Strukturen. Wichtig war dabei eine umfassende und zeitintensive Netzwerkarbeit. Zudem hatte der KJR ein glückliches Händchen bei der Akquise von Fördergeldern, und so konnte die interkulturelle Öffnung u.a. mit Hilfe des Programmes Vielfalt tut gut massiv vorangetrieben werden. Über interkulturelle Foren brachte man in verschiedenen Städten des Landkreises Multiplikatoren an einen Tisch und es wurden lokale Integrationspläne in diesen Kommunen erarbeitet. In Phase III sind wir momentan dabei, mit Hilfe eines neuen Projektes den Aufbau von qualifizierter verbandlichen Jugendarbeit in türkischstämmigen MO zu forcieren. Wichtige Partner sind dabei die Ditib Vereine. In einem erneuten Selbstcheck kamen wir zum Ergebnis, dass interkulturelles Denken nun Querschnittsthema beim KJR geworden ist und ein Einstieg war in das weite Feld Diversity. Nun weisen immerhin zwei Vorstände des KJR einen Migrationshintergrund auf und wir beschäftigen einige Migrant/innen. Mit dem griechischen Tanzverein und der Ditib wurden zwei Mitgliedsverbände gewonnen. Zudem vermittelten wir Kontakte zu Stadtjugendringen, wo nun auch teilweise MOs dort Mitglied geworden sind. Durch unsere intensive Arbeit sind wir Ansprechpartner für das Thema Interkultur geworden und entwickelten beispielsweise den Integrationsplan der Stadt Murrhardt mit. Zum Schluss will ich noch auf ein paar Hürden, die wir nehmen mussten, hinweisen. Ohne die zusätzlichen Gelder und Personal wäre dieser Prozess nicht denkbar gewesen. Gerade bei der Ansprache an Jugendliche muss man immer bedenken, dass sich die bisherige Arbeit der Jugendverbände hauptsächlich an Gymnasiast/innen richtet. Da dort leider immer noch Jugendliche mit Migrationsgeschichte sehr selten anzutreffen sind, müssen die Vereine die Formen und Wege der Ansprache ändern. Wir sehen das als Chance: So kommen generell Jugendliche in den Fokus, welche in der Vergangenheit von den Verbänden eher übersehen wurden. Schließlich ist nicht jede Kooperation frei von ideologischen Verwicklungen: So musste die Kooperation mit einem Verein, welcher der Förderation der der türkisch-demokratischen Idealistenvereine in Deutschland, einem latent faschistischen Dachverband, angehörte, eingestellt werden. Letztendlich sind das aber Vorgänge, wie wir sie aus der Verbandsarbeit beispielsweise von manchen freikirchlichen Gruppierungen auch kennen. Ergebnisse Birgit Jagusch (IDA e. V.) Die Arbeitsgruppe widmete sich einem spezifischen Bereich der Netzwerkarbeit: Wie kann im BBE - Dokumentation 49

52 Arbeitsgruppen 1-9 Bereich der Jugendverbandsarbeit dazu beigetragen werden, dass Vereinen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM) ein Zugang zu den Strukturen der Jugendverbandsarbeit ermöglicht wird? Welche Formen der Zusammenarbeit sind zwischen etablierten Jugendverbänden und VJM denkbar und in der Praxis anwendbar? Dabei standen nicht Netzwerke zwischen VJM im Vordergrund, sondern vielmehr Netzwerke zwischen VJM und etablierten Jugendverbänden bzw. interessenspolitischen Vertretungen der Jugendverbände (wie den Jugendringen). Um den Teilnehmenden einen Überblick über die verschiedenen Maßnahmen und Aktivitäten der Jugendverbände zu geben, erläuterten die Referenten zunächst in einem kurzen Input die Bedeutung und den Stellenwert von Netzwerken in der Jugendverbandsarbeit. Daniel Mouratidis schilderte am Beispiel der Entwicklungen des Kreisjugendrings Rems-Murr, wie innerhalb der letzten 7 Jahre sukzessive Kontakte und Zusammenarbeit zwischen etablierten Jugendvereinen und VJM aufgebaut werden konnten. Daniel Grein gab einen Überblick über die Perspektiven des Deutschen Bundesjugendrings und aktuelle jugendpolitische Herausforderungen im Kontext der Zusammenarbeit von und mit VJM. Durch die Inputs und die anschließende Diskussion kristallisierten sich folgende Punkte heraus, die aus Sicht der Anwesenden für gelungene und nachhaltige Netzwerke zwischen VJM und anderen Akteuren der Jugendverbandsarbeit notwendig sind: In den vergangenen Jahren sind auf den verschiedenen Ebenen (Kommune, Bundesländer und Bundesebene) bereits verschiedene erfolgreiche Partnerschaften entstanden, die es in Zukunft weiter auszubauen und zu stabilisieren gilt. Diese reichen von Beratungstätigkeiten über anlassbezogene Kooperationen bis hin zu Aufnahme von VJM als Mitglieder. Für den Aufbau von Netzwerken ist ein intensiver und vertrauensvoller Dialog unabdingbar. Essentiell ist es, zu Beginn die gegenseitigen Erwartungen zu klären. Für alle Seiten ist Ausdauer und ein langer Atem notwendig. Notwendig ist ein nachhaltiger Wissenstransfer über die Strukturen und Aufbau der Jugendverbandsarbeit, über Chancen und Grenzen von Jugendringen, Ansprechpartner/innen und über die Landschaft der VJM. 50 BBE - Dokumentation

53 Arbeitsgruppen 1-9 AG 6: Netzwerkarbeit als Interessenvertretung Impuls: Dachverbände von MO Berivan Aymaz (Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände e.v. Ergebnisse Berrin Alpbek (Föderation türkischer Elternvereine in Deutschland e.v) Eine (stark vereinfachte) Betrachtung der Vereinsentwicklung der größeren Migrantenpopulationen in Deutschland zeigt die folgende Entwicklung: In der ersten Phase der Selbstorganisation erfolgte die Gründung von: Heimatorientierten politischen und kulturelle Vereinigungen Sportvereinen und religiösen Vereinen. In der zweiten Phase wurden verstärkt Bildungsvereine, Elternvereinen (spanische Elternvereine) Berufsvereine (z.b. Akademiker-, Lehrer/innen/ Erzieher/innen-, Mediziner-, Unternehmervereine, usw.) politisch orientierte Vereine/Initiativen, die sich an den politischen Parteien in Deutschland orientieren,und Dachverbände (BAGIV, TGD, FÖ- TED u.ä) gegründet. Die Zusammenarbeit, im Sinne von einem Netzwerk, mit politischen Entscheidungsträgern, Regierungsund Nichtregierungsorganisationen sowie die Nähe zu Bürger/innen sind unverzichtbare Bestandteile der Arbeit von MO. Die Erwartungshaltung der Politik und Gesellschaft an die Migrantenorganisationen wächst. Die Forderung einen größeren Beitrag an die Integration zu leisten wird immer größer. Wenn jedoch ehrenamtlich Tätige, nicht in wachsendem Maße durch hauptamtliches Personal und eine solide finanzielle Basis unterstützt werden können, ist dem langfristigen Erfolg dieser Art der Tätigkeit enge Grenzen gesetzt! In der Konsequenz bedeutet dies: Die etablierten Organisationen müssen den begonnenen Weg der interkulturellen Öffnung konsequent weitergehen. Sie müssen sich aktiv an die MO wenden. MO müssen eigene Anstrengungen der Weiterentwicklung, Öffnung unternehmen und mit o. g Organisationen kooperieren. Diese Kooperationen sollten verbindlich und mit langfristigen Zielen verbunden sein. Durch gezielte Programme und verbesserte Fortbildungsmöglichkeiten sollten die Empowermentansätze bei den MO unterstützt werden. Stärkere Beteiligung der Migrantenvertreter/innen in verschiedenen Gremien (Beiräte, Vorstände etc.) ist notwendig. Die MO müssen zu Beginn der Prozessentwicklung eingebunden werden. Das bedeutet: Eine langfristig angelegte Netzwerk kann nur funktionieren, wenn sich die Voraussetzungen der potentiellen Partner annähern! AG 7: Tandemprojekte als Strategien der Vernetzung Impuls: Projekt Legal Leben Semih Kneip, Gangway e.v. Ergebnisse Dr. Elke Olbermann, Technische Universität Dortmund Sind Tandemmodelle geeignete Strategien der Vernetzung von MO und etablierten Projektträgern? In der diesbezüglichen Diskussion berichteten die AG- Teilnehmenden von positiven Erfahrungen, aber auch von Schwierigkeiten in der Umsetzung von Tandemprojekten. Demnach wird die Zusammenarbeit vor allem dann für alle Beteiligten als gewinnbringend erlebt, wenn beide Tandempartner ein großes Interesse und hohes Engagement für die inhaltliche Projektarbeit mitbringen. Positive Erfahrungen gibt es zudem damit, dass beide Projektpartner Zuwendungsempfänger sind. Die Finanzierung einer hauptamtlichen Kraft in den beteiligten MO von Tandemprojekten erweise sich als ein wesentlicher Schritt zur Professionalisierung und Aufwertung der MO. Schwierigkeiten in der Umsetzung von Tandemprojekten werden u.a. auf unzureichende (Selbst-) Einschätzungen der Potenziale der Projektpartner zurückgeführt. Eine gleichberechtigte Verantwortlichkeit der Projektbeteiligten sei nicht per se gewährleistet, sondern müsse konkret ausgehandelt und gestaltet werden. Enge zeitliche Fristen von Förderprogrammen und der damit einhergehende BBE - Dokumentation 51

54 Arbeitsgruppen 1-9 Zeitdruck bei der Projektbeantragung erschweren eine gemeinsame Konzeptentwicklung und damit die Schaffung einer tragfähigen Grundlage für eine kooperative Projektarbeit. Zu berücksichtigen sei generell die Gefahr der Instrumentalisierung der MO in Tandemprojekten. Fazit der Diskussion war, dass eine erfolgreiche Arbeit von Tandemprojekten durch folgende Rahmenbedingungen gefördert werden kann: gemeinsame Projektentwicklung von Anfang an Transparenz gewährleisten verbindliche Absprachen und Vereinbarungen Formen der Zusammenarbeit festlegen kontinuierliche Abstimmung gleichberechtigte gemeinsame Mittelverwaltung externe Prozessbegleitung längerfristige Ausschreibungen von Förderprogrammen Qualifizierung von MO zu Projektentwicklung. AG 8: Netzwerke in der Flüchtlingsarbeit Impuls: Selbstorganisation junger Flüchtlinge Mohammed Youni, Jugendliche ohne Grenzen Tobias Klaus, Flüchtloingsrat Bayern No Vote but a Voice Selbstorganisation statt Paternalismus: Die Jugendlichen Ohne Grenzen Die wichtigste Fachtagung für Flüchtlingsorganisationen sind die Hohenheimer Tage. Bei der Tagung 2010 ließ die CDU/CUS, über ihren parlamentarischen Geschäftsführer Peter Altmaier, erstmals Chancen auf eine dauerhafte Bleiberechtsregelung durchblicken. Verkürzt gesagt: Flüchtlinge ohne Aufenthaltserlaubnis sollen nicht mehr geduldete werden, bis ihre Abschiebung möglich wird, sondern können nach einer gewissen Zeit bleiben wenn sie als integriert gelten. Altmaier erklärte dies vor allem mit den jungen Leuten, die alle gut Deutsch sprechen, welche er bei den Jugendlichen Ohne Grenzen getroffen hätte. Jugendliche Ohne Grenzen ist eine Jugendinitiative, in der Flüchtlinge, die von der Abschiebung bedroht sind, für ihre Rechte eintreten. Dass einer der zentralen Akteure deutscher Abschiebepolitik wie Dr. Peter Altmaier sich so positiv auf Menschen bezieht, die nach aktueller Rechtslage nicht in Deutschland bleiben sollen, zeigt, dass sich etwas bewegt hat. Und es zeigt vor allem: Die Selbstorganisation von Flüchtlingen ist ein gewichtiger politischer Faktor. Schon 2006 hatten die Proteste von jungen Flüchtlingen mächtig Druck erzeugt. Zwei Begnadigungsregelungen für Langzeitgeduldete wurden in den Jahren 2006 und 2007 erlassen, die so genannten Altfallregelungen Menschen, die abgeschoben werden sollten, werden wohl bleiben können. Viele Akteure von Pro Asyl und Kirchen über antirassistische Gruppen bis hin zu den unzähligen lokalen Initiativen, die sich gegen die Abschiebung ihrer Mitschüler/innen und Nachbarn einsetzten, haben diesen Erfolg gemeinsam erkämpft. Ein Akteur hätte jedoch mit absoluter Sicherheit nicht fehlen dürfen: die Jugendlichen Ohne Grenzen. Das dies so ist, ist relativ leicht zu verstehen. Rede ich als Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrates mit Politikern und Pressevertretern, ist es für viele ein Leichtes, auf Durchzug zu schalten und den Weltverbesserer mal träumen zu lassen. Erzählt ein Jugendlicher, der seit 10 Jahren in Deutschland lebt, dass er trotz aller Bemühungen (Schulabschluss, Sprachkenntnisse etc.) abgeschoben werden soll, ist das ein Skandal. Hier funktioniert der dominante Ausländerdiskurs nicht mehr, der zwischen guten und schlechten Ausländern differenziert. Die gängigen Kriterien (Sprachkenntnisse, Straftaten, Arbeit, Ausbildung und Aussehen) greifen nicht mehr, da junge Menschen auftauchen, die der Öffentlichkeit mitteilen: Ich spreche Deutsch, ich kleide mich wie ihr, ich mache meine Ausbildung und ihr wollt mich abschieben? Hier wird auf einmal die Differenz zwischen dem rechtlichem Status geduldeter Menschen und den Kriterien des Ausländerdiskurses im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar. Würde ich als Vertreter des Bayerischen Flüchtlingsrats versuchen, das Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen, würde ich scheitern. Meine politische Meinung interessiert die Öffentlichkeit wenig, empörende persönliche Schicksale und der Konflikt zwischen Betroffenen und Entscheidungsträgern aber schon. Als Kommunikationswissenschaftler könnte ich auch schlicht feststellen: Der Nachrichtenwert ist höher, da Personalisierung, Konflikt, Authentizität und Betroffenheit bei Selbstorganisationen höher sind. Schaut man sich den Erfolg von Jugendliche Ohne Grenzen an, könnte man meinen, dass PR-Strategen der großen Flüchtlingslobbyorganisationen das Ganze am Reißbrett entworfen und mit viel Geld umgesetzt hätten, so gut funktioniert die Beeinflussung medialer Diskurse und das Lobbying bei Entscheidungsträgern durch die Jugendlichen. Wenn JOG auftritt, berichtet nicht die Lokalzeitung über engagierte Jugendliche, sondern die Tagesschau und der 52 BBE - Dokumentation

55 Arbeitsgruppen 1-9 Politikteil der Zeit wie im November 2009 bei der letzten Jugendliche Ohne Grenzen Konferenz in Bremen. Doch die großen Organisationen unterstützen JOG nur minimal, Euro kann jährlich insgesamt aufgetrieben werden davon wird unter anderem ein viertägiges Protestprogramm mit 80 Jugendlichen finanziert, inklusive der Fahrt- und Unterbringungskosten. Die Vorbereitung übernehmen die Jugendlichen, ein kleiner Haufen von Aktivist/innen, die ihre Freizeit opfern, und einzelne Leute aus Beratungsstellen. PR- Strategen großer Organisationen sucht man vergeblich, stattdessen findet man Menschen, die ein Ideal teilen: Es soll nicht für Flüchtlinge geredet werden, sondern sie selber sollen ihre Stimme erheben. Dies sind die Ideale anarchistischer Antira-Gruppen und nicht die Ideale großer Lobbyorganisationen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Selbstorganisation nicht nur aus idealistischer Perspektive nur die Betroffenen können wissen, was sie wollen, sondern auch aus strategischer Perspektive einer der wichtigsten Faktoren für politische Veränderung ist und sein wird. Doch jeder, der in diesem Bereich tätig ist, stößt auf diverse Probleme. Vorne und hinten fehlt es an Geld und Unterstützung. Mir persönlich ist es unverständlich, warum bisher viele Organisationen, die jeden Tag sehen, wie die derzeitige Asylpolitik Flüchtlinge psychisch kaputt macht, abschiebt und in Perspektivlosigkeit und Armut gefangen hält, die Selbstorganisation von Flüchtlingen als politisches Instrument so wenig beachten. Hier braucht es mehr Beratungsstellen wie das BBZ in Berlin, welches den Jugendlichen von JOG Infrastruktur zur Verfügung stellt, junge Flüchtlinge motiviert aktiv zu werden und gemeinsame Fahrten zu JOG-Aktionen organisiert. Es braucht materielle Hilfe, z.b. Laptops mit Internetanschluss für die JOG- Aktivist/innen, die in den Lagern leben. Es braucht eine dauerhafte Finanzierung, die den Jugendlichen auch auf Landesebene ermöglicht sich regelmäßig zu treffen. Organisationen wie Flüchtlingsräte, Migrantenorganisationen und Wohlfahrtsverbände sollten junge Flüchtlinge, die zu ihnen kommen, dabei unterstützen selbst aktiv zu werden und mit ihnen an JOG-Aktionen teilnehmen. Der erste Schritt ist dabei, Flüchtlinge nicht nur als wehrlose Opfer zu sehen, sondern als mündige Menschen, die in der Lage sind für ihre Interessen einzutreten. Das kostet natürlich Kraft und Geld beides ist jedoch gut investiert, wenn wir uns die Erfolge der Jugendlichen Ohne Grenzen anschauen. BBE - Dokumentation 53

56 Arbeitsgruppen 1-9 Ergebnisse Peter Mansaray, Rat afrikanischer Christen Berlin und Brandenburg e.v. Die Arbeitsgruppe widmete sich der Thematik Netzwerkkonzepte, Beispiele einer gelungenen Praxis. Die zu bearbeitenden Fragen waren: Wo sehen die Akteure Ressourcen und Potenziale, an welchen Punkten zeichnen sich Hindernisse ab? In der AG 8 haben sowohl Vertreter/innen von MO als auch Vertreter/innen der Mehrheitsgesellschaft aktiv mitgewirkt. Nach einer Vorstellungsrunde habe ich als Moderator eine Einführung in die Thematik gemacht. Das Thema Netzwerke in der Flüchtlingsarbeit wurde kontrovers und intensiv diskutiert. Im Folgenden finden sich Beiträge der Teilnehmer: Der Flüchtlingsarbeit in Deutschland fehlt es an Lobbyarbeit und sie wird immer noch als Randthema behandelt. Die Lebenssituation der Asylsuchenden in Deutschland ist aufgrund der desolaten Zustände in den Heimen und der Isolation der Asylsbewerber als sehr schwierig anzusehen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Flüchtlinge sind nach wie vor menschenunwürdig. Zum Beispiel werden die Rechte auf Freizügigkeit von Flüchtlingen in Deutschland durch das Asylbewerbergesetz bzw. das Ortseinschränkungsgesetzt begrenzt. Flüchtlinge werden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Es wurde bemängelt, dass die Integration dieser Menschen nicht wirklich gewollt sei. Ein Rückgang der Zahl der anerkannter Flüchtlinge ist signifikant zu verzeichnen und die Förderung ihrer Integration nicht gegeben. Die Integration von Flüchtlingen ist durch die fehlende Kenntnisse der deutschen Sprache erschwert. Die meisten Flüchtlinge haben keine Perspektive in Deutschland und sind nicht motiviert sich zu organisieren oder mit anderen MO zu vernetzen MO haben einen besseren Zugang zu Flüchtlingen und können daher bessere Flüchtlingsarbeit leisten. Es ist dringend notwendig, dass die MO gefördert werden um ihre Arbeit zu professionalisieren Die Vernetzung von Flüchtlingsorganisation stellt ein großes Problem dar und ist als schwierig zu bezeichnen. Es gibt kaum Flüchtlingsselbstorganisation, die sich um die Belange der Flüchtlinge kümmern. Tobias Klaus, vom Flüchtlingsrat Bayern stellte die Arbeit seiner Organisation vor. Die Situation der Asylbewerber in Bayern wurde erörtert und als menschenunwürdig dargestellt. Der Integrationsplan schließt kategorisch Flüchtlinge aus. Wegen der schlechten institutionellen Rahmenbedingung ist die Selbstorganisation von Flüchtlingen nahezu unmöglich. Auch wenn sie organisiert sind, fehlt es sehr oft an ausreichenden Sprachkenntnissen sowie Wissen in Gesellschaftskunde, um hierzulande in Netzwerken effektiv mitzuarbeiten. Die Dominanz der großen Wohlfahrtsorganisationen in der Flüchtlingsarbeit wurde angesprochen. Bei diesen herrscht ein gewisses parternalistisches Denken. Sie meinen nicht gemeinsam mit Flüchtlingen etwas zu realisieren, sondern wollen nur etwas für sie tun. Dieses Verhalten ist falsch und kontraproduktiv für die Vernetzung der Flüchtlingsorganisationen. Es herrscht ein Kampf um die Fördermittel zwischen MO und den Wohlfahrtsorganisationen. Da die Wohlfahrtsorganisationen besser vernetzt sind und über das entsprechende Personal verfügen, werden sie eher gefördert als die MO. Dagegen muss etwas getan werden. Finanzierung und Qualifizierung von MO sind notwendig und von großer Bedeutung in der Flüchtlingsarbeit. Mohammed Youni, von Jungendliche ohne Grenzen stellte seine Organisation und deren Entstehungsgeschichte vor. Jungendliche ohne Grenzen steht für ein gelungenes Beispiel einer Flüchtlingsselbstorganisation, welche es geschafft hat für sich selbst und ihre Belange aktiv zu werden und sich gut zu vernetzen. Die Organisation wurde als ein bundesweiter Zusammenschluss von jugendlichen Flüchtlingen im Jahre 2005 gegründet mit dem Ziel, ein Bleiberecht für geduldete Flüchtlinge zu erreichen. Die Organisation hat folgende Ziele: Ein großzügiges Bleiberecht für Alle. Die vorbehaltlose Umsetzung der UNO-Kinderrechte. Die Gleichberechtigung von Flüchtlingen mit den Einheimischen. Die Legalisierung von Menschen ohne Papiere (sog. Illegale). Die Chancengleichheit vor allem in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt. Das Rückkehrrecht für unsere abgeschobenen Freundinnen und Freunde! Die Organisation arbeitet überregional und organisiert große Campagnen, Demonstrationen und Konferenzen zu gesellschaftlich flüchtlingsrelevanten Ereignissen. Abgeschlossene und geplante Aktionen wurden diskutiert. 54 BBE - Dokumentation

57 Arbeitsgruppen 1-9 Fazit Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Flüchtlinge sollen verbessert werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Flüchtlinge müssen entsprechend der allgemeinen Menschenrechte angeglichen werden. Das Leistungsgesetzt für Flüchtlinge soll an das für alle geltende Leistungsgesetz angepasst werden. Asylbewerber sollen das Recht auf Deutschkurse und Bildung haben. Nur dadurch kann ihre Integration gewährleistet werden und nur so können sie eine Perspektive entwickeln. Eine interkulturelle Öffnung der Flüchtlingsinstitutionen und der Wohlfahrtverbände soll auch umgesetzt werden und nicht nur als Absichtserklärung dienen. Die Lobby-Arbeit für die Flüchtlingsarbeit soll verstärkt werden. Es muss Synergien zwischen MO und den großen Wohlfahrtsorganisationen in der Flüchtlingsarbeit geben. Es muss mit Flüchtlingen und nicht für Flüchtlinge gearbeitet werden. AG 9: Interkulturelle Netzwerke zur besseren Partizipation am Arbeitsmarkt Impuls: Beschäftigungsprojekt Willkommen und aktiv Migrantinnen und Migranten als Brückenbauer Andrea Adam, Saarländische Initiative Migration und Arbeitwelt SIMA und Faruk Şahin, Türkischer Kulturkreis Alevitische Gemeinde Saarland e.v. Zum Hintergrund: SIMA arbeitet als Transferprojekt des Kompetenzzentrums InBeZ im bundesweiten Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert das Netzwerk IQ seit 2005 vor dem Hintergrund der Selbstverpflichtungen im Nationalen Integrationsplan. Der Auftrag des Netzwerkes: Neue Strategien zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen von Migrant/ innen und Migranten entwickeln und erfolgreiche Ansätze in den Transfer bringen. Die Idee von SIMA ist es, alle Akteure in einen fachlichen Austausch einzubinden, die Vernetzung der Akteure zu stärken, Initiativen voranzubringen und den Transfer gelungener Arbeitsansätze zu fördern. Entstehungsgeschichte des Brückenbauerprojektes Die ARGE Saarbrücken ist auf SIMA mit der Idee zugekommen, ihre Initiative zur Arbeitsmarktintegration von Migrant/innen durch Maßnahmen der gesellschaftlichen Integration zu begleiten. SIMA hat die Idee aufgenommen, ein Konzept entwickelt und die Koordination übernommen. Seit Ende 2008 arbeiten 10 ehemals arbeitssuchende Migrant/innen mit akademischen Hintergrund bei Migrantenorganisationen (MO), interkulturellen Vereinen und öffentlichen Institutionen (z.b. kurdische Gemeinde, alevitische Gemeinde, Staatstheater, Russisches Haus, VHS). Dort sind sie im Rahmen von AGH-Maßnahmen (Entgeltvariante) als interkulturelle Brückenbauer/innen tätig. Neben der Finanzierung durch die ARGE wird das Projekt durch Sachmittel vom saarländischen Arbeitsministerium und der Arbeit und Kultur ggmbh unterstützt. Ihre Aufgabe ist es, Eingewanderte insbesondere im Rahmen von Gruppenangeboten an gesellschaftliche und kulturelle Institutionen heranzuführen, über Strukturen und Hintergründe zu informieren, Kontakte herzustellen und Vermittlungstätigkeiten zu übernehmen. Hierzu gehören beispielsweise (mehrsprachige) Stadtrundgänge, Führungen in Museen und Bibliotheken, Erkundungen von Stadtteilen und die Heranführung an die kulturellen Angebote von Staatstheater und anderen Institutionen. Gleichzeitig sollen die Brückenbauer/innen die Träger in ihrer konzeptionellen Weiterentwicklung sowie der Bekanntmachung und Optimierung ihrer Angebote im Sinne einer interkulturellen Öffnung unterstützen. Vier gute Gründe für das Projekt 1. Migrant/innen sind überdurchschnittlich häufig KundInnen der ARGE. Für ihre Vermittlung auf den Arbeitsmarkt sind Zwischenschritte erforderlich, die den Aufbau eines persönlichen Netzwerks im beruflichen Kontext und Bewährungschancen am Arbeitsplatz eröffnen. 2. Die Heranführung an Strukturen der Gesellschaft, das Kennenlernen von Institutionen und soziokulturellen Angeboten sind wichtige Elemente, um Beschäftigungsfähigkeit zu fördern. Soziokulturelle Integration kann eine wichtige Grundlage für die strukturelle Integration (Arbeit, Sprache, Bildung etc.) der Menschen werden. 3. Migrant/innen formulieren ein Interesse an der Teilnahme und Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben, kennen die Angebote aber oft nicht oder zu wenig. Öffentliche und kulturelle Einrichtungen bieten eine Vielzahl von Angeboten, erreiche die Zielgruppe jedoch oft nicht in erwünschtem Maße. 4. Viele MO, Vereine und Einrichtungen engagieren sich im Integrationsbereich. Oft fehlen ihnen jedoch BBE - Dokumentation 55

58 Arbeitsgruppen 1-9 Ressourcen, um dies in gewünschter Intensität zu tun. Mit Beschäftigungsmodellen (SGB II und III) können die Vereine sich als Träger erproben und ihre Vereinsarbeit weiterentwickeln. Nutzenerwartungen: Brücken bauen 1. Zusammenwirken beruflicher und gesellschaftlicher Integration. 2. Zugänge zu MO für öffentlichen Einrichtungen, insbesondere die ARGE. 3. Brücke der gegenseitigen Zugänge für Kultureinrichtungen, öffentlichen Institutionen und MO. 4. Beschäftigungsförderung für Brückenbauer/innen (Kompetenzen sichtbar machen, neue Kontakte, Orientierungswissen). Erfahrungen am Beispiel der Alevitischen Gemeinde Saarland Die Brückenbauer/innen vermitteln zwischen Institutionen und Organisationen und den Vereinsmitgliedern. In der Alevitischen Gemeinde ist der Brückenbauer zu einem zentralen Ansprechpartner geworden. Er ist Anlaufstelle, wenn es um Themen geht wie Informationen über die Stadt Saarbrücken, Diskussionen über Kultur, Religion und Integration, Beratung über das deutsche Schulsystem, Unterstützung bei Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen oder der Organisation von Veranstaltungen. Außerdem konnten Kontakte zu saarländischen politischen Parteien aufgebaut werden und die Politik für die Belange von Migrant/innen sensibilisiert werden. Das hat eine positive Nebenwirkung für die Mitglieder der Vereine: Sie haben das Gefühl, am politischen Leben teilnehmen zu dürfen und für wichtig gehalten zu werden. Zwischen den beteiligten MO und Einrichtungen finden viele Kooperationen statt: So hat z.b. die Kinder- Tanzgruppe des russischen Vereins den alevitischen Verein bei einem seiner Veranstaltungen mit Auftritten unterstützt. Die Veranstaltung wurde von zahlreichen Menschen mit russischem, türkischem und kurdischem Hintergrund besucht. An dieser Veranstaltung beteiligte sich auch der Verein Geographie ohne Grenzen mit einer Fotoausstellung über das alte Saarbrücken. Zusätzlich war die alevitische Gemeinde Gastgeber für viele weitere Organisationen wie z.b. für den interreligiösen Dialog. Für die Brückenbauer/innen ist es wertvoll, in einem vielfältigen Team und mit unterschiedlichen Institutionen zu arbeiten. Im Projekt finden immer wieder Fortbildungsveranstaltungen statt, die die Arbeit qualifizieren. Die Zusammenarbeit unter den MO und den (städtischen) Institutionen soll noch intensiviert werden. In der Zusammenarbeit mit Migrant/innen und Ämtern sowie Einrichtungen können viele Vorschläge für eine verbesserte gesellschaftliche und berufliche Integration entwickelt werden. Für die Vereine und die Brückenbauer/innen selbst ist das Projekt eine Chance, um Arbeitsplätze in den Organisationen zu sichern und damit ihr Engagement in der Integrationsarbeit zu qualifizieren. Perspektiven Die ARGE Saarbrücken unterstützt das Projekt 2010 weiter, die Brückenbauer/innen sollen dann über 16e beschäftigt werden. Mittel für die Kofianzierung werden gerade akquiriert. Das Konzept ist überall einsetzbar, wir freuen uns über Ihr Interesse! Ergebnisse Dipl.-Ing. Cemalettin Özer, MOZAIK ggmbh, Bielefeld Nach der Begrüßung wurde eine Vorstellungsrunde mit Erwartungen der Teilnehmer/innen durchgeführt. Die Einführung in das Thema wurde durch Herrn Cemalettin Özer, Projektleiter des IQ-Transferprojektes Migrantenselbstorganisationen mit Bewerbungscenter gemacht. MOZAIK gemeinnützige Gesellschaft für interkulturelle Bildungs- und Beratungsangebote mbh arbeitet seit Jahren im Rahmen von Projekten an einer Empowermentstrategie zur verbindlichen Einbindung von Migrantenorganisationen beim Thema Arbeitsmarktintegration von Migrant/innen und hat hierfür im Jahre 2008 den Weiterbildungsinnovationspreis der Bundesinstituts für Berufsbildung gewonnen. Nach der Einführung wurde ein erfolgreiches Praxisprojekt vorgestellt. Diskussion Die Teilnehmenden der AG schätzen das Projekt positiv ein: Es ist einerseits eine Chance, die gesellschaftliche und berufliche Integration von Migrant/ innen zu fördern. Gleichzeitig können MO mit solch einem Konzept strukturell unterstützt werden (Schaffung von Hauptamtlichkeit) und ihre Vernetzung mit anderen Einrichtungen ausbauen. In der Diskussion der AG wird gemeinsam herausgearbeitet, wie MO in ihren Regionen vorgehen können, wenn sie ein ähnliches Projekt realisieren wollen: 56 BBE - Dokumentation

59 Arbeitsgruppen 1-9 In einem ersten Schritt sollten sich MO und Vereine absprechen und eine erste Konzeptidee entwickeln. Da die Brückenbauer/innen bei unterschiedlichen Trägern angesiedelt sind, braucht das Projekt einen Rahmen und eine Struktur, die es erlauben, ein erkennbares Gesamtkonzept umzusetzen. Weiterhin sind MO in der Regel unerfahren als Arbeitgeber und Maßnahmeträger. Für die Koordination und die weitere Unterstützung ist es hilfreich, weitere starke Partner vor Ort mit einzubeziehen, die in der Zwischenfinanzierung, Personalverwaltung etc. unterstützen und als Fürsprecher auftreten. Unterstützung können die Projekte innerhalb des bundesweiten Netzwerkes IQ sein (www.intqua.de), die meist über Erfahrungen und Kontakte in diesem Feld verfügen. Mit der konkreten Idee gilt es dann die ARGE vor Ort anzusprechen und das Konzept vorzustellen. Ergänzend sollten Zuschüsse für Sachmittel (Fortbildungen, Sachkosten, Exkursionen, gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen etc.) akquiriert werden, z.b. Landesministerien, Förderprogramme Mit einem solchen Konzept können interkulturelle Netzwerke zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration aufzubauen genau darin liegt die Chance: Unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und neue Wege der Ansprache und neue Zugänge eröffnen. Andrea Adam Faruk Sahin und Cemalettin Özer mozaik.de) stehen gerne als weitere Ansprechpartner/innen zur Verfügung. Anmerkungen 1 vergl. Dokumentation MO-Partner in der Kommune und CD Tipps für Vereine, Stadt Essen siehe: 3 Im Einzelnen wurden die Themen Antidiskriminierung, Zuwanderungsrecht, Vereinrecht und Finanzen, Projektmanagement, Kommunikation und Konfliktmanagement, Moderation und Präsentationstechniken, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising behandelt. 4 siehe 5 Detaillierte Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie unter 6 siehe BBE - Dokumentation 57

60 Talkrunde: Netzwerke in der Integrationsförderung als Zukunftsaufgabe? Moderation: Dr. Ansgar Klein, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) Podium: Margit Gottstein, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Behshid Najafi, Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen Dr. Gerhard Timm, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Miguel Vicente, Geschäftsführer des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates und der Ausländerbeiräte des Landes Rheinland-Pfalz Die Podiumsteilnehmenden hatten zunächst die Gelegenheit, ihre Positionen in kurzen Impulsreferaten auszuführen: Margit Gottstein: Die Beteiligung von Migrantenorganisationen war in der vergangenen Legislaturperiode für die Bundesregierung ein wesentlicher Baustein der Integrationspolitik. Insbesondere bei der Formulierung und Umsetzung des Nationalen Integrationsplans spielte der Dialog mit Migrantenorganisationen eine zentrale Rolle. Dieser soll auch in der angelaufenen Legislaturperiode fortgesetzt werden. Der Koalitionsvertrag benennt zur Ausgestaltung der Integrationspolitik folgende zentralen Vorhaben: 1. Der Nationale Integrationsplan soll zu einem Nationalen Aktionsplan Integration weiterentwickelt werden. Mit einem Aktionsplan sollen die im Integrationsplan angelegten Ziele genauer festgelegt und ihnen passgenaue Maßnahmen zugeordnet werden. Angestrebt werden Zielgrößen, die überprüfbar sind. Um den Grad der Zielerreichung messen zu können, sollen ihnen Indikatoren zugeordnet werden. Wesentliche Themenfelder werden voraussichtlich die frühkindliche Förderung, Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt sowie Sprachförderung und Gesundheit sein. Im gesamten Prozess werden im Rahmen der Beteiligung der Zivilgesellschaft wieder Migrantenorganisation einbezogen. 2. Mit der Einrichtung eines Bundesbeirats für Integration hat der Koalitionsvertrag ein Anliegen der Migrantenorganisationen aufgegriffen. Der Bundesbeirat soll die Integrationsbeauftragte bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen und sie beraten. Bei der Auswahl der Mitglieder wird daher großer Wert auf ein inhaltlich breites und ausgewogenes Spektrum gelegt, in dem Wissenschaft und Praxis sowie Migrantenorganisationen vertreten sein sollen. 3. Mit Integrationsverträgen soll Integration verbindlicher gemacht und erreicht werden, dass Integrationsmaßnahmen zum frühestmöglichen Zeitpunkt beginnen. Daher soll sich der Integrationsvertrag zunächst an Neuzuwanderer richten, die dauerhaft in Deutschland leben möchten. Saisonarbeiter und Studenten zählen beispielsweise nicht dazu. Ausgenommen werden sollen auch Hochqualifizierte und EU-Bürger, da für letztere die Freizügigkeit innerhalb der EU gilt. Inhaltliche Schwerpunkte sollen insbesondere Sprache, Bildung und Ausbildung sein. Zu diesen und anderen Bereichen sollten die Voraussetzungen erfasst werden, mit denen Neuzuwanderer in unser Land kommen. Es geht nicht um ein allgemeines Bekenntnis, sondern um konkrete Schritte und Maßnahmen zur Integration. 4. In Kooperation mit Ländern und Kommunen sollen Integrationspartnerschaften in Modellregionen geschaffen werden. Angestrebt wird eine strategische Ausrichtung der Integrationspolitik, die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und Dienste, die sozialräumliche Ausrichtung der kommunalen Integrationspolitik sowie die Überprüfung der Wirkung von Integrationsmaßnahmen durch ein Monitoring. 58 BBE - Dokumentation

61 Talkrunde Behshid Najafi: Ich bin Mitarbeiterin von agisra, Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen in Köln. agisra ist Mitglied im Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen (FdM), das im Mai 2007 von mehr als 110 MO im Paritätischen gegründet wurde. Es gibt einen Beirat, der aus 7 Personen besteht, und einen Sprecherkreis aus 3 Personen. Beirat und Sprecherkreis sind zu 50% mit Frauen besetzt. Ich bin eine der drei Personen im FdM- Sprecherkreis. Zu den Mitgliedern des FdM gehören Netzwerke (z.b. BAGIV) bis hin zu kleineren Organisationen, die ehrenamtlich arbeiten. FdM hat das Projekt Integration durch Partizipation Förderung des interkulturellen Dialogs gestartet, das vom BAMF und vom Europäischen Integrationsfond gefördert wird. Das Projekt hat die Qualifizierung von MO zum Ziel. Wir als agisra haben gemeinsam mit anderen Frauenorganisationen im Jahr 1993 eine bundesweite Kampagne zur Veränderung des damaligen 19 AuslG, der das eigenständige Aufenthaltsrecht der Ehegatten regelt, gestartet. Nach der damaligen Rechtslage bekam eine Frau ein von der Ehe unabhängiges Aufenthaltsrecht erst nach vier Jahren Eheleben. Das Gesetz wurde im Jahr 2000 geändert, so dass ein von der Ehe unabhängiger Aufenthalt bereits nach zwei Jahren möglich wurde. Zwar war und ist unser Ziel ein sofortiges und unabhängiges Aufenthaltsrecht bei Eheschließung, aber immerhin war diese Fristverkürzung von vier auf zwei Jahre ein Erfolg. Dies ist ein Beispiel für gelungene Netzwerkarbeit und politische Einflussnahme. Für die Erreichung unserer Ziele sind Netzwerkbildungen unabdingbar. Zu unseren aktuellen Zielen gehören zum Beispiel: Kommunales Wahlrecht für Drittstaatler Abschaffung des Optionsmodells für in Deutschland geborene Kinder Abschaffung der Residenzpflicht Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes Bleiberecht für Menschen, die über einen längeren Zeitraum in Deutschland leben, auch für Kranke, Ältere und für allein Erziehende, die ihren Lebensunterhalt nicht eigenständig sichern können Damit die MO Netzwerke aufbauen können, sind bestimmte Rahmenbedingungen notwendig. Vor allem Räumlichkeiten, Infrastruktur, Personal sind erforderlich. Dafür brauchen die MO eine feste Finanzierung, die hauptsächlich durch strukturelle Förderung gesichert werden muss. BBE - Dokumentation 59

62 Talkrunde Für MO ist es sehr wichtig, Netzwerke aufzubauen, um gemeinsame Ziele zu formulieren und an Politik und Gesellschaft Forderungen zu stellen. Wünschenswert wäre es, jährlich ein mehrtägiges Treffen aller MO durchzuführen. Hier wird ein Raum für Austausch, Zielformulierung und Stellungnahmen gegeben, aber auch die Möglichkeit eröffnet, sich näher zu kommen. Dabei gilt es, gemeinsame Ziele zu betonen und Unterschiede zu akzeptieren. Die Finanzierung, Koordination und Organisation für solch ein Netzwerktreffen muss gesichert werden. Auf staatlicher Seite ist im Koalitionsvertrag die Rede vom Aufbau eines Bundesbeirats für Integration. Wir begrüßen die Schaffung dieses Netzwerks auf höchster staatlicher Ebene. Allerdings ist für uns die Frage, welche Kompetenzen dieser Beirat hat und wer dort vertreten ist. Selbstverständlich müssen auch Repräsentantinnen und Repräsentanten von MO dort ausreichend vertreten sein. Dr. Gerhard Timm: Integration bedarf der politischen Grundentscheidung, die kulturelle Heterogenität unserer Gesellschaft anzuerkennen. Die Tatsache, dass wir Einwanderungsgesellschaft sind, muss durch die interkulturelle Öffnung aller Dienste und gesellschaftlichen Institutionen, insbesondere der Schulen, auch institutionell sichtbar werden. In diesem Anpassungsprozess, den Einrichtungen und Institutionen zu vollziehen haben, gilt es, Migranten und Migrantinnen mit ihren individuellen und kulturellen Bedürfnissen wahrzunehmen und sie gleichzeitig als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger, Klienten, Nutzer und Kunden zu akzeptieren. Dieser Prozess umfasst alle Ebenen der Arbeit der Institutionen: eine veränderte Struktur und Differenzierung der Angebote genauso wie die Änderung von Leitbildern, Konzeptionen, Selbstverständnis und Reflexion der Praxis im gegebenen Rahmen. Ohne eine gezielte Entwicklung interkultureller Kompetenz in Aus- und Weiterbildung, eine veränderte Personalund Einstellungspolitik und eine zielgenauere Informations- und Öffentlichkeitsarbeit wird man der sich verändernden Klientel kaum gerecht werden können. Formelle und informelle Hürden, die Migranten und Migrantinnen den Zugang zum tertiären Sektor und zum öffentlichen Dienst erschweren, müssen abgebaut werden. Integration ist weder ausschließlich Privatsache, noch eine allein vom Staat zu bewältigende Aufgabe. Gelingen kann sie nur als zivilgesellschaftliches Projekt, in das sich alle Inländer, gleich welcher Nationalität, eingebunden fühlen. Integrationspolitik als dauerhafte gesellschaftspolitische Aufgabe muss somit auf die Kräfte der Zivilgesellschaft rekurrieren. Die Umsetzung von konkreten Integrationsangeboten ist auf zivilgesellschaftliches Engagement und auf die Institutionen der Zivilgesellschaft angewiesen. Maßgebliche Potentiale liegen hier bei den Wohlfahrtsverbänden selbst und den Selbsthilfeorganisationen, insbesondere auch bei den Migrantenorganisationen (MO). Die Existenz von Migrantenorganisationen weist auf einen deutlichen Bedarf von MigrantInnen hin, sich im eigenen Umfeld zu organisieren, und auf ihr Interesse und Engagement, auf der jeweiligen Ebene (Stadtteil, Kommune, Land, Bund) und für bestimmte Ziele (z.b. Elternvereine, Sportvereine) aktiv zu werden. Sie erleben die Begrenzung auf die eigene Ethnie einerseits als Schutzraum, aber auch als Begrenzung ihrer eigenen Handlungsoptionen und ihrer Wirksamkeit. Indem MO in der Regel dazu beitragen, Kompetenzen, Ressourcen und Potenziale ihrer Mitglieder zu fördern, leisten sie schon immer auch einen wichtigen Beitrag zur Integration im Sinn der Förderung von Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Teilhabe etc. MO sind daher zunächst nicht Ausdruck von Segregation, sie leisten vielmehr einen wichtigen Beitrag zur Selbstorganisation in einer demokratischen Zivilgesellschaft. Gleichzeitig weist die Existenz von MO auf einen bestehenden Mangel bei anderen gesellschaftlichen Organisationen hin: Hier fühlen sich bzw. sind MigrantInnen eher nicht zu Hause. MO sind damit auch Ausdruck bzw. Reaktion auf erlebte Ausgrenzung und mangelnde Einbeziehung. Gesellschaftliches Ziel muss es sein, MO einerseits in ihrer (auf demokratische Ziele ausgerichteten) Handlungskompetenz zu fördern, andererseits einer Ethnisierung bürgerschaftlichen Engagements entgegenzuwirken: Insbesondere die BAGFW versteht sich in der Gestaltung von Ehrenamt, Freiwilligendiensten und Engagementangeboten sowie ihrer sozialen Dienste als Anbieter für alle in Deutschland lebenden Menschen. Dazu gehört auch die offene und auf Augenhöhe betriebene Kooperation mit MO ohne das geht es nicht! Dazu gehört auch: von MO lernen. Und: Hilfe zur Selbsthilfe. Netzwerke der Integrationsfördrung (so der Titel der Podiumsdiskussion) sind daher auch alle Kooperationsformen von Organisationen unterschiedlicher Zielsetzung und Kultur, die (zivil-)gesellschaftliche Prozesse voran bringen, auch wenn Integration nicht ausdrücklich Thema oder Ziel ist. Es geht vielmehr um Mitgestal- 60 BBE - Dokumentation

63 Talkrunde tung, Wahrnehmen von Verantwortung, Förderung von Kompetenzen der unterschiedlichsten Art etc.: Integration (Inklusion) ist nicht eine Aufgabe unter vielen, sondern Wirkungsprinzip und Ergebnis aller auf Teilhabe, Partizipation, Chancengleichheit etc. gerichteter Prozesse in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen (siehe Nationaler Integrationsplan). Ein (altmodischer) Schlüsselbegriff könnte auch sein: Emanzipation. Die Wohlfahrtsverbände unterstützen grundsätzlich und auch ganz praktisch die stärkere Einbeziehung von MO in die Integrationspolitik. Eine stärkere Beteiligung von MO ist sinnvoll und Ziel führend. Miguel Vicente: Das Leben in der Migration ist in Deutschland, wie in anderen Einwanderungsländern, stets auch Anlass zur Selbstorganisation der Zugewanderten. Migrantenorganisationen sind somit aus einem natürlichen Prozess erwachsen und stellen einen wichtigen Teil unserer Zivilgesellschaft dar. In Deutschland wurde die Bedeutung von Migrantenorganisationen für die Gestaltung integrativer Prozesse lange Zeit von Politik und Gesellschaft übersehen. Ehemals als ausländische Vereine bezeichnet, in denen Zuwanderer sich scheinbar abschotteten, wurde ihnen eher eine die Integration gefährdende Wirkung zugeschrieben. Unter diesen Umständen ist es umso eindrucksvoller, mit wie viel Engagement und Leidenschaft die ausländischen Vereine über all die Jahrzehnte ihre Funktionsfähigkeit aufrechterhalten und weiterentwickeln konnten. Mittlerweile setzt sich doch verstärkt die Erkenntnis durch, dass Migrantenorganisationen seit Jahrzehnten eine wichtige soziale und gesellschaftliche Funktion ausfüllen und dass sie bedeutsame Partner für eine zukünftige Integrationsarbeit sein können. So übernehmen sie wichtige Mittler- und Brückenfunktionen und tragen zur Identitätsstärkung ihrer Mitglieder bei. Das Engagement vieler Migrantenorganisationen hilft Einwanderern, sich in die neue Gesellschaft einzuleben und soziale Netzwerke aufzubauen. Sie wirken durch ihre Aktivitäten und Dienstleistungen in die deutsche Mehrheitsgesellschaft, zum Beispiel durch Vermittlung von wichtigem Alltagswissen, wie Hilfen bei der schulischen Integration. Sie sind auch für die politische Meinungs- und Willensbildung sowie für die soziale Orientierung der Zuwanderer maßgeblich und unterscheiden sich dadurch von vielen anderen Vereinen, weil sie stärker in den Lebensalltag wirken. Zu diesem Sinneswandel hat insbesondere eine Umkehr in der bisherigen Integrationspolitik beigetragen. Wurde in der Vergangenheit ausschließlich auf die Kompensation von tatsächlichen oder vermeintlichen Defiziten von Migranten gesetzt, so liegt der Fokus nunmehr auf dem Erkennen und Stärken von vorhandenen Potenzialen der zugewanderten Bevölkerung. Dieses Prinzip findet mehr und mehr Eingang in den meisten nationalen und europäischen Programmen, die einen ressourcenorientierten Ansatz verfolgen und Migration als Potenzial für die Aufnahmegesellschaft verstehen. Die meisten Migrantenorganisationen haben längst ihre Bereitschaft signalisiert, mehr Verantwortung im Integrationsprozess zu übernehmen. Befragungen und Untersuchungen zeigen allerdings, dass Migrantenorganisationen unter erschwerten Rahmenbedingungen wirken und sich mit besonderen Problemen konfrontiert sehen. So geben Aktive an, dass die vorhandenen, knappen finanziellen Ressourcen eine aktivere Rolle verhindern. Sie bemängeln, dass es ihnen an Unterstützung und Anerkennung seitens der Institutionen und der Politik fehlt, und benennen einen hohen Bedarf an fachlichen Unterstützung und Weiterbildungsangeboten. Um Migrantenorganisationen als Akteure in Integrationsprozesse einzubinden, muss genau an dieser Stelle angesetzt werden. Sie brauchen Unterstützung in Form von Qualifizierung und Weiterbildung sowie eine Politik der Anerkennung und Wertschätzung. Ein Weg zur Unterstützung von Handlungskompetenzen, gleichberechtigter Mitgestaltung und Teilhabe ist die fachliche Begleitung hin zu professionellerer Verbands- und Vereinsarbeit, der Aufbau und Ausbau tragfähiger Organisationsstrukturen sowie gleichberechtigte Kooperations- und Netzwerkarbeit. Die kommunalen Integrations- und Ausländerbeiräte fördern seit vielen Jahren diese Entwicklung der Migrantenorganisationen. Insbesondere die Landesverbände sowie der Bundesverband haben zahlreiche Programme aufgelegt, die dieses Ziel verfolgen. So wurden beispielsweise in Bayern, Brandenburg oder in Rheinland-Pfalz Qualifizierungsangebote entwickelt, die die Bedürfnisse der Migrantenorganisationen aufgreifen. Dazu gehört auch die Förderung der Netzwerkarbeit, als wichtigen Bestandteil der Verbandsarbeit. Die Zusammenarbeit in Netzwerken ist deshalb von Bedeutung, weil vorhandene Kompetenzen und Ressourcen der einzelnen Beteiligten gebündelt werden können und dadurch effizienter und zielgerichteter an gemeinsamen Zielen gearbeitet werden kann. Dies BBE - Dokumentation 61

64 Talkrunde eröffnet Migrantenorganisationen, als aktive Dialogund Aktionspartner zu wirken. Netzwerke sind in der Regel informelle Sozialformen, in den sich die unterschiedlichsten Gruppen, Einrichtungen und Personen zueinander in Beziehung setzen können, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit aufgeben zu müssen. Sie sind daher besonders geeignet für Formen der Zusammenarbeit, die über traditionelle, bürokratische, politische oder kulturelle Grenzen hinausgehen. Sie beruhen auf der Bereitschaft ihrer Mitglieder, sich bei Bedarf die jeweiligen Fähigkeiten und Kenntnisse gegenseitig zur Verfügung zu stellen, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Netzwerkarbeit in lokalen Bezügen ist gerade auch für kleinere, meist ehrenamtlich arbeitende Migrantenorganisationen, von Bedeutung, weil dadurch Kooperationen unter Partnern mit unterschiedlichem Grad an hauptamtlichen Strukturen möglich werden. Die Vernetzung von Migrantenorganisationen untereinander und mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren findet auf vielen Ebenen statt. Auf Bundes- und Landeseben, aber auch in den Kommunen gibt es bereits vielfältige Strukturen des politischen und zivilgesellschaftlichen Engagements, in denen Migrantenorganisationen als aktive Partner beteiligt sind. Diese gilt es mit dem Ziel weiterzuentwickeln, Migrantenorganisationen als elementaren Bestandteil von Kooperationsstrukturen zu etablieren, in denen es nicht nur um die Analyse von Bedarfen geht, sondern um die Erarbeitung von gemeinsamen Handlungs- und Lösungsstrategien. So kann eine Politik gelingen, die Migrantenorganisationen partnerschaftlich in eine gemeinsam verantwortete Integrationsarbeit einbindet. Beiträge aus dem Plenum: Cemalettin Özer (MOZAIK ggmbh): Herrn Özer geht es um die Frage, was MO tun müssen, um politisch besser Gehör zu finden. Ein Grund für den bislang nur mäßigen Erfolg liege seines Erachtens im Fehlen internationaler, d.h. über ethnische Grenzen hinweg stattfindender MO-Bewegungen. Er sieht eine besondere Herausforderung in der Ausformulierung schriftlicher Handlungsempfehlungen zur Steigerung ihrer politischen Durchsetzungskraft, die dann auch von MO verschiedener ethnischer Herkunft unterschrieben werden müssen. Philip Egbune (Integrationsbeirat Nordhausen): Herr Egbune spricht das Thema des Bleiberechts von Flüchtlingen an und bemängelt, dass die laufenden bundesweiten Projekte wenn auch mit gut gemeinter Absicht initiiert zu spät gestartet seien. Eine erschwerende Grundlage seien die problematischen Formulierungen in politischen Absichtserklärungen der Bundesregierung wie dem Koalitionsvertrag,. Sein zweites Anliegen betrifft den Integrationsplan: Dessen Ausformulierung erachtet Herr Egbune auch auf kommunaler Ebene als unbedingt notwendig, während auf Bundesebene eine übergreifende politische Partizipationsstrategie erarbeitet werden müsse. Herr Egbune spricht sich für eine Fortsetzung der Tagungsreihe des BBE in einem ostdeutschen Bundesland aus. Tobias Klaus (Flüchtlingsrat Bayern): Herr Klaus berichtet kurz von seiner Tätigkeit im Flüchtlingsrat, insbesondere von Protestaktionen mit jungen Flüchtlingen. Er plädiert ausdrücklich dafür, die Flüchtlingsarbeit in die Arbeit des BBE mit einzubeziehen. Grundsätzlich hält er die kritische Reflexion einer paternalistischen Helferposition, die sich um die Belange der Flüchtlinge kümmert, für dringend notwendig. Antworten aus dem Podium: Behshid Najafi: Frau Najafi eröffnet die Antwortrunde. Sie konstatiert, dass sich die Rahmenbedingungen für migrationspolitische Belange in den letzten Jahren kaum verbessert haben. Dadurch gestalte sich die Arbeit im lokalen Rahmen besonders schwierig. Hierzu gehöre unter anderem die Abschaffung der Residenzpflicht, die bisher nicht vorangeschritten sei. Die Arbeit der früheren Migrantennetzwerke, die sich zunächst in erster Linie als religiöse Netzwerke verstanden haben, war wenig effektiv. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sich eine vielfältigere Struktur der MO entwickelt. Für die Zukunft betont Frau Najafi die Notwendigkeit eines Bürgernetzwerkes von MO, in dem die verschiedenen Akzente und Anliegen der einzelnen ethnischen Gruppen akzeptiert werden, die jedoch alle zusammen gemeinsame Ziele vertreten und anvisieren müssen. Dr. Gerhard Timm: Herr Timm reagiert zunächst auf den Kommentar von Herrn Klaus mit dem Hinweis, dass Hilfe für Betroffene jenseits des Paternalismus weiterhin wichtig bleibe und auch wertgeschätzt werden sollte. Er sieht die dringlichste Aufgabe darin, Bedingungen zu schaffen, die die betreffenden Migranten davor bewahren, in eine entsprechende prekäre Lage zu geraten. Er nennt folgende Kriterien, die seines Erachtens entscheidend 62 BBE - Dokumentation

65 Talkrunde für eine erfolgreiche Einflussnahme von MO sind: 1) zeitnahe Reaktionen, 2) konkrete Forderungen und 3) eine hohe Einstimmigkeit der einzelnen Organisationsmitglieder. Wichtig sei es daher, innerhalb eines relativ kurzfristigen Zeitraumes, etwa der nächsten zwei Monate, festzulegen, für was der von der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag vorgesehene Integrationsvertrag gut sein könne und welche Aspekte dieser beinhalten solle. Die Ergebnisse dieser Überlegungen müsse man schriftlich formulieren. Margit Gottstein: Frau Gottstein spricht zunächst die positive Entwicklung der Wahrnehmung von MO innerhalb der letzten Jahre an: Lag das Augenmerk im Rahmen der Migrationsarbeit bis vor wenigen Jahren noch hauptsächlich auf der Arbeit der Wohlfahrtsverbände, können die MO mittlerweile in ihrer Arbeit möglicherweise sogar einen Wahrnehmungsvorsprung verzeichnen. Dissens bestünde immer noch vor allem bei der Vorstellungen zu erforderlichen Rahmenbedingungen für NGOs. Frau Gottstein stimmt zu, dass Forderungen von MO dann stärker wahrgenommen werden, wenn mehr MO hinter diesen stehen. Die Politik müsse wissen, wen sie ansprechen kann und muss. Frau Gottstein weist darauf hin, dass die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Maria Böhmer, am einen integrationspolitischen Dialog mit MO plane. Für Ende 2010 sei der 4. Integrationsgipfel geplant, in dessen Zentrum sich die Fortentwicklung des Integrationsplanes befindet. groß, müsse allerdings auch entsprechend genutzt werden. Eine Hürde sieht er im Problembewusstsein der MO, welches sich von dem der Vertreter aus der deutschen Trägerlandschaft unterscheide. Einen grundsätzlichen Verbesserungsbedarf sieht er in den Bereichen Steuerung, Moderation und Netzwerkbildung auf kommunaler Ebene. Dr. Ansgar Klein: Dr. Ansgar Klein macht deutlich, dass das BBE weiterhin seine im erfreulichem Maße von den MO angenommene Rolle als Plattform zur Vernetzung zu migrationspolitischen Belangen zur Verfügung stellen werde. Er verweist auf die Arbeitsgruppe 5 Engagement von Migrantinnen und Migranten und die Stärkung von Migrantenorganisationen des BBE und bittet die Tagungsteilnehmer um Kontaktierung der Ansprechpartner bei Interesse. Abschließend gibt er einen kurzen Überblick über das geplante organisatorische Vorgehen des Nationalen Forums für Engagement und Partizipation im Jahr Im Rahmen der einzelnen Dialogforen spricht er sich ausdrücklich für die Teilnahme von MO aus. Im Vorfeld sollte untereinander vereinbart werden, welche MO an welchem thematischen Forum je nach inhaltlicher Ausrichtung teilnimmt. Zuletzt verweist er auf das Thema der nachhaltigen Infrastrukturförderung, welches im Forum von besonderer Bedeutung ist. Dr. Ansgar Klein: Herr Dr. Klein fragt nach, ob grundsätzlich Ressourcen auf Bundesebene bestünden, um ein Bundesnetzwerk für MO zu entwickeln. Margit Gottstein: Frau Gottstein versichert, dass die Bereitschaft und das Interesse einer derartigen Entwicklung durchaus bestehen. Allerdings könne von Seiten der Integrationsbeauftragten nur eine projektbezogene, keine institutionelle Förderung erfolgen. Miguel Vicente: Herr Vicente gibt zu verstehen, dass viele MO immer noch auf lokaler Ebene exstieren und dass dort auch ein bedeutendes Wirkungsfeld für sie bestehe. Ein großes Problem sei die Strukturentwicklung der MO: Zwar gibt es zahlreiche Akteure, Gelder stehen allerdings bisher nur auf der Projektebene zu Verfügung. Ein großes Problem sieht er auch in der Vielzahl von nicht evaluierten, nicht abgestimmten und nicht koordinierten Aktionen. Die Chance von MO, sich politisches Gehör zu verschaffen, ist enorm BBE - Dokumentation 63

66 Arbeitsgruppe Migration/Integration des BBE 1. Selbstverständnis und Anliegen der Arbeitsgruppe Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von und mit Migrantinnen und Migranten muss als eine Querschnittsaufgabe sowohl der Engagementpolitik als auch der Arbeit des Bundesnetzwerks verstanden werden. Insofern findet das Thema Berücksichtigung in allen Arbeitsgruppen des Netzwerks. Es hat sich aber dennoch gezeigt, dass die Verankerung des Themas Migration/ Integration als Querschnittthema im Sinne eines interkulturellen Mainstreaming in Politik und Praxis noch nicht weit fortgeschritten ist und daher eine eigenständige Arbeitsgruppe, die das Themengebiet bürgerschaftliches Engagement in der Einwanderungsgesellschaft behandelt, weiterhin nötig ist, um die unterschiedlichen Facetten des Themenbereichs zu bündeln und gezielt Handlungs- und Förderstrategien zu entwickeln. 2. Zentrale (Teil)Themen Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von und mit Migrantinnen und Migranten in Migrantenselbstorganisationen, Nichtregierungsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Infrastruktureinrichtungen des Freiwilligensektors, sowohl in formellen wie in informellen und nicht-organisierten Gruppen oder Communities Förderung der Wahrnehmung und Anerkennung des Engagements von Migrantinnen und Migranten, sowohl im Bereich der Migrantenselbstorganisationen als auch im traditionellen Freiwilligensektor Erweiterung des Verständnisses und der Wissensbasis von bürgerschaftlichem Engagement unter Berücksichtigung der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten Interkulturelle Öffnung der Freiwilligendienste Weiterbildung, Qualifizierung und Unterstützung von Migrantenselbstorganisationen Förderung der Vernetzung von Migrantenselbstorganisationen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren vor allem auf kommunaler Ebene Verzahnung der Arbeitsgruppenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen des BBE 3. Arbeitsweise und Struktur der Arbeitsgruppe Die Arbeitsgruppe Migration/Integration nahm im Mai 2003 ihre Arbeit auf und tagt seitdem viermal im Jahr. Sie ist sehr heterogen zusammengesetzt. Ihre Mitglieder vertreten Wohlfahrts-, Kultur- und Jugendverbände, Migrantenorganisationen, Stiftungen, Kommunen und Bundesländer, Vereine und Verbände in der praktischen Arbeit für/mit Migrantinnen und Migranten und wissenschaftliche Institute. Darüber hinaus nehmen je eine Vertreterin der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge an der Arbeitsgruppe teil. Dadurch werden die unterschiedlichsten Perspektiven in die Arbeitsgruppe eingebracht. Die Arbeitsgruppe zählt derzeit 25 aktive Mitglieder und einen Verteiler von weiteren 20 Interessierten. Ansprechpartner: Sprecherin: Susanne Huth Stellvertretende Sprecherin: Prof. Dr. Siglinde Naumann Stellvertretender Sprecher: Sebastian Beck 64 BBE - Dokumentation

67 Weitere Materialien zum Thema Integrationsförderung durch Migrantenorganisationen: Kompetenzen Ressourcen Potentiale und Förderkonzepte in Ost und West Dokumentation einer Fachtagung am 11. und 12. Oktober 2008 Die dritte Fachtagung des BBE behandelte die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und Ausgangslagen von MO in West- und Ostdeutschland und die sich daran anschließenden Bereiche für die Förderung. Migrantenorganisationen als Akteure der Zivilgesellschaft: Integrationsförderung durch Weiterbildung Dokumentation einer Fachtagung am 14. und 15. Dezember 2007 in Nürnberg Für das bürgerschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten sind Migrantenorganisationen (MO) von erheblicher Bedeutung. Wie können MO besser in die Lage versetzt werden, dieses Engagement zu entwickeln und zu fördern? Die Dokumentation einer Fachtagung des BBE zusammen mit Partnerorganisationen gibt Auskünfte. Qualifizierungs- und Weiterbildungsbedarfe von Migrantenselbstorganisationen Dokumentation eines Fachworkshop am 2. Dezember 2006 in Oberhausen Wie können die Weiterbildungsbedarfe von Migrantenorganisationen (MO) gelöst werden, um ihre Rolle als Trägerstrukturen für das bürgerschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten zu stärken? Die Dokumentation der BBE-Fachveranstaltung führt in die Diskussion ein und gibt Handlungsempfehlungen. Die Materialien können als PDF-Datei im Internet unter abgerufen werden. Als Printversion sind die Materialien, solange der Vorrat reicht, auch über die Geschäftsstelle des BBE erhältlich: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, Michaelkirchstr. 17/ Berlin

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