Voice over IP als Telekommunikationsdienst

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1 Voice over IP als Telekommunikationsdienst Dr. Cara Schwarz-Schilling Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post 5. Symposium Datenschutz Bonn, 4. November 2004 Folie 1

2 Agenda Architektur von IP Netzen: Was ist neu an Voice over IP? Einfluss von Voice over IP auf die Marktstruktur Geschäftsmodelle Ziele und Aktivitäten der RegTP zu Voice over IP Anhörung der RegTP zu Voice over IP Notrufbereitstellung Nummerierung Entbündelung: DSL-Anschluss und Telefonanschluss Folie 2

3 VoIP: Sprache über IP-basierte Netze I Alte Welt : Getrennte Infrastrukturen für Sprache und Daten - Sprache über leitungsvermittelte Netze - Daten über paketvermittelte Netze Neue Welt : Sprache und Daten werden gemeinsam über paketvermittelte Netze transportiert ( Konvergenz) - Effizientere Ressourcennutzung erlaubt Kostenersparnisse - Transport über das Internet: Best effort Qualität - Transport über verwaltete IP-Netze: Einfluss auf Qualitätsparameter möglich Folie 3

4 VoIP: Sprache über IP-basierte Netze II Kostenstruktur in IP-Netzen: Fixkostenanteil steigt weiter, Grenzkosten sinken weiter Trend zu Preismodellen mit Flatrates Interdependenz zwischen Breitbandpenetration und VoIP VoIP erste Killeranwendung des Breitbandinternet? (Dave Dorman, CEO von AT&T) Folie 4

5 VoIP: Sprache über IP-basierte Netze III Was ist anders an Voice over IP? Intelligenz kann in IP-Netzen stärker dezentral verteilt werden, teilweise bis in die Endgeräte Architektur erlaubt einen stärkeren Grad der Arbeitsteilung - Auf den funktionalen Ebenen Zugang, Transport, Kontrolle und Dienst können unterschiedliche Anbieter Wertschöpfung realisieren Standort- und Netzunabhängigkeit von VoIP Diensten - Anbieter des VoIP-Dienstes kann der Breitbandanschlussanbieter, der ISP oder ein unabhängiger Diensteanbieter sein - Ort der Dienstebereitstellung (Service Creation Point) flexibel, z.b. im Ausland - Nomadische Nutzung auf der Nachfrageseite Folie 5

6 VoIP: Sprache über IP-basierte Netze IV Welchen Einfluss hat die Architektur von IP-Netzen auf die Marktstruktur? Gebündeltes Angebot aus Anschluss und Diensten: - vertikal integrierter Anbieter - Triple Play aus Sprache, Daten und TV - One-Stop-Shopping Separierung des Angebots von Breitbandanschluss und unterschiedlichen Diensten: - Spezialisierungsvorteile auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen - Mix and match Folie 6

7 VoIP Geschäftsmodelle I Netzbetreiberinterne Verwendung (privater TK-Dienst): - Netzbetreiber stellen ihre Netze auf paketvermittelte Infrastruktur um - effizientere Nutzung der Infrastruktur VoIP als Diensteangebot an Endnutzer: - Verwendung für geschlossene Nutzergruppen, z.b. als Teil eines umfassenden VPN-Angebots (privater TK-Dienst, daher unreguliert) - als VoIP Dienst für Privat- und Geschäftskunden (öffentlicher TK-Dienst) Folie 7

8 VoIP Geschäftsmodelle II Existierende VoIP-Geschäftsmodelle sehr heterogen: Nutzung online / offline möglich Endgeräte: Kopfhörer, IP-Telefon, PSTN-Telefon mit Adapter Anrufe ins / aus PSTN E-164 Rufnummer Angebot (un)abhängig vom ISP Als Zusatzangebot bzw. Substitut Standortunabhängige ( nomadische ) Nutzungsmöglichkeit Möglichkeit von Qualitätsgarantien Folie 8

9 Regulierungsziele bei VoIP Schaffung von Rahmenbedingungen, um die Chancen und Potentiale von VoIP nutzen zu können Ziel ist nicht die umfassende Regulierung von VoIP Frühzeitig Planungssicherheit für den Markt schaffen Positionierung in der internationalen Debatte Folie 9

10 Bisherige RegTP Aktivitäten zu VoIP Anhörung 12/2003 zu Nationalen Teilnehmerrufnummern Anhörung zu VoIP im April 2004 gestartet Transparentes Verfahren mit detailliertem Fragebogen 64 Stellungnahmen (u.a. von Netzbetreibern, Diensteanbietern, Zulieferern, Verbänden, Behörden) Ende Juli Veröffentlichung der Stellungnahmen ohne Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Forum der RegTP zum Thema Voice over IP - Evolution oder Revolution am 18. Oktober 2004 mit ersten Auswertungsergebnissen Folie 10

11 Wesentliche Themen der Anhörung Wettbewerbsentwicklung von VoIP unter rechtlichen, ökonomischen und technischen Aspekten - Geschäftsmodelle - Rechtliche Einordnung von VoIP Geschäftsmodellen - Nummerierungsfragen - Zugang / Zusammenschaltung - Marktzutrittsschranken - Marktdefinition / Marktabgrenzung Verbraucherschutz und öffentliches Interesse - Universaldienstleistung / TKV-Pflichten - Fernmeldegeheimnis - Datenschutz - Notruf - Technische Schutzmaßnahmen - Überwachung - Auskunftsverfahren Folie 11

12 Notrufbereitstellung I Sorge tragen, dass die Vision VoIP nicht mit einer Verschlechterung der Notrufversorgung einhergeht Notrufanforderung nicht so hoch stellen, dass sie den Erfolg von VoIP gefährdet Bereitstellung der Notruffunktionalität konstruktiv technologisch lösen Routing des Rufs zur lokalen Notrufabfragestelle Lokalisierung des Anruferstandortes Verpflichtung für Anbieter von öffentlich zugänglichem Telefondienst nach 108 TKG Notrufverordnung: Ausgestaltung der Notrufmerkmale Technische Richtlinie: Weitere Konkretisierung Folie 12

13 Notrufbereitstellung II Notrufbereitstellung an festem Standort Lenkung des Notrufs zur örtlich zuständigen Notrufabfragestelle grundsätzlich mit einem gewissen zusätzlichen Aufwand möglich Standortlokalisierung über Datenbank mit Kundendaten Läuft bislang nur über das PSTN Anhörung hat ergeben, dass eine Reihe von Unternehmen planen, dies zu realisieren Notrufbereitstellung bei nomadischer Nutzung stellt eine noch nicht gelöste Herausforderung dar Richtiges Routing Lokalisierung des Anruferstandortes Folie 13

14 Nummerierung I Rufnummern haben eine Schlüsselfunktion für VoIP Anhörung hat Bedarf an geographischen und nicht-geographischen Rufnummern gezeigt Nationale Teilnehmerrufnummern in der Gasse (0) Veröffentlichung der Zuteilungsregeln im Amtsblatt Januar 2005 Start der Zuteilungen Realisierung der Nummern und Festlegung der Zusammenschaltungsbedingungen erfolgt in einem Industriegremium (AKNN) Folie 14

15 Nummerierung II Geographische Rufnummern Ortsbezug wird beibehalten Nomadische Nutzung zulässig RegTP beabsichtigt Anpassung der Ortsnetzregeln Neben dem Anschlussbezug auch Wohnortbezug bzw. Firmensitz bei der Vergabe zulassen (dies wird bis zur endgültigen Entscheidung geduldet) Antragsberechtigung für Diensteanbieter Mittelfristig ggf. Herabsetzung der Blockgröße auf 100er Blöcke, bis dahin Kooperationsmodelle Anhörung zu den geplanten Änderungen Folie 15

16 Entbündelung: DSL-Anschluss / Telefonanschluss Forderung von Endkunden und Marktteilnehmern Konsumenten wollen Voice over IP über DSL nutzen, ohne weiterhin einen PSTN-Anschluss zu bezahlen Stand-alone DSL heute nur auf Basis der entbündelten Teilnehmeranschlussleitung bzw. durch Eigenrealisierung möglich Wäre ggf. weiterhin auf der Vorleistungsebene im Rahmen einer Regulierungsverfügung des Marktes Nr. 12 (Breitbandzugang für Großkunden bzw. Bitstromzugang) anzuordnen Kosten des Teilnehmeranschlusses müssen jedoch in jedem Fall vollständig gedeckt sein Folie 16

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