Unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz

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1 Unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz Herausforderungen und Perspektive Diplomarbeit in Betriebswirtschaftslehre am Institut für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich bei PROF. DR. HANS GEIGER Verfasser: STEFAN SCHMID Abgabedatum: 30. August 2007

2 Executive Summary 1 EXECUTIVE SUMMARY Problemstellung Die unabhängige Vermögensverwaltung in der Schweiz erlebte in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung ein Ende des Aufwärtstrends scheint dabei nicht in Sicht. Die relativ junge Branche floriert und ihr Marktanteil nimmt stetig zu. Die Zahl der Neugründungen scheint nicht abzunehmen. Das enorme Wachstum und sich ändernde Bedingungen führen aber auch zu neuen Problemen und Herausforderungen. Infolgedessen dürfte die Branche vor grossen Veränderungen stehen. Welche Perspektive sich für die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz ergibt, ist momentan weder bekannt noch erforscht. Zielsetzung der Arbeit Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die unabhängige Vermögensverwaltung in der Schweiz zu analysieren. Der Kontext zum gesamten Vermögensverwaltungsmarkt wird hergestellt, sowie künftige Entwicklungen beschrieben und eingeschätzt. Eine Umfrage unter Vertretern der Branche zeigt die aktuellen Probleme und Herausforderungen aus deren Perspektive auf. Aufgrund dieser Primärdaten wird die momentane Situation aufgezeigt und spezifische Soll-Werte erhoben. Mittels präziser Fragestellungen zur Entwicklung der unabhängigen Vermögensverwalter werden zudem künftige Problemstellungen und Trends erfasst und interpretiert. Wo sich die Möglichkeit bietet, werden Lösungsansätze konstruiert. Sämtliche Erkenntnisse werden schliesslich im Sinne einer Synthese zusammengeführt und Abhängigkeiten definiert. In einem letzten Schritt werden die Schlussfolgerungen aus der Umfrage mit theoretischen Erkenntnissen kombiniert und ein Fazit sowohl für die einzelnen Betriebe, als auch für die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter und die gesamte Vermögensverwaltung in der Schweiz formuliert. Vorgehensweise Strukturell wurde die Arbeit in drei Teile gegliedert.

3 Executive Summary 2 Im ersten Teil wird ein allgemeiner Überblick über das Vermögensverwaltungsgeschäft in der Schweiz erarbeitet. Anschliessend wird mit einem theoretisch-betriebswirtschaftlichen Fokus die unabhängige Vermögensverwaltung spezifiziert. Die für die unabhängigen Vermögensverwalter relevanten Märkte werden definiert und beschrieben, zudem wird aufgrund vorhandener historischer Daten eine Prognose über allfällige zukünftige Entwicklungen abgegeben. Vor diesem Hintergrund wird im zweiten Teil auf die Ergebnisse der durchgeführten Umfrage eingegangen. Die Auswertung der Fragebogen beginnt mit einer Charakterisierung des einzelnen unabhängigen Vermögensverwalters und der Branche. Danach richtet sich das Augenmerk auf die Kundenstruktur und das Kundenverhalten. Anschliessend wird der Markt der unabhängigen Vermögensverwalter sowie deren Umfeld analysiert und beschrieben. Am Ende des zweiten Kapitels wird das Thema der Regulierung der unabhängigen Vermögensverwalter aufgegriffen. Der dritte Teil enthält die Schlussfolgerungen, welche aus der Kombination des ersten und des zweiten Teils hergeleitet werden. Dabei wird ein Fazit aus Sicht der einzelnen Betriebe gezogen und ein Ausblick erarbeitet. Resultate Die Branche der unabhängigen Vermögensverwaltung konnte in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum vorweisen. Die Eintrittsbarrieren in das Geschäft sind weiterhin tief und so wurden in den vergangenen drei Jahren nochmals ungefähr 200 neue Unternehmen gegründet. Steigende Börsenkurse und ein allgemein erfreuliches wirtschaftliches Umfeld haben dazu beigetragen, dass die durch die unabhängigen Vermögensverwalter betreuten Vermögen einen Wachstumsschub erlebt haben. Zugleich scheint auch die Value Proposition der unabhängigen Vermögensverwalter langfristig gute Chancen im Markt zu haben, bzw. die Bedürfnisse einer grossen Klientel zu befriedigen. Dementsprechend geht die Branche von einer weiterhin steigenden Nachfrage nach ihren Dienstleistungen aus. Die mehrheitlich geringe Betriebsgrösse der unabhängigen Vermögensverwalter lässt in den meisten Fällen keine Expansionsstrategie ins Ausland zu. Somit bleiben den unabhängigen Vermögensverwaltern die Kunden, die in der Schweiz vor Ort zu betreuen sind. Zu ca. 90% bewegen sich die unabhängigen Vermögensverwalter dort im Privatkundensegment. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Märkte der privaten Kunden in der

4 Executive Summary 3 Schweiz ein eher moderates Wachstum aufweisen. So wuchs über die letzten vier Jahre das Geschäft mit den ausländischen in der Schweiz verwalteten Geldern um 6.5%, der Markt der inländischen Privaten wuchs um 7.5%. Vergleicht man dies mit dem Markt der institutionellen Anleger, welcher im gleichen Zeitraum bei den Inländern um 15.9% und bei den Ausländern um 24.2% gewachsen ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Neugeldfluss in die von den unabhängigen Vermögensverwaltern primär bearbeiteten Märkte eher klein ist. Die unabhängigen Vermögensverwalter hingegen stellen ihrerseits keine verlangsamten Wachstumstendenzen fest. Grundsätzlich gehen über drei Viertel davon aus, dass die inländische Nachfrage nach ihren Dienstleistungen zunehmen wird. Auch wird von Seiten der unabhängigen Vermögensverwalter festgestellt, dass die Klientel sich tendenziell verjüngt, was ebenfalls auf einen Wachstumsmarkt schliessen lässt. Zudem geht mehr als die Hälfe der Betriebe davon aus, in den nächsten drei Jahren weitere Stellenprozente zu schaffen. Speziell hoch sind die individuellen Wachstumsambitionen. Insgesamt 46% aller unabhängigen Vermögensverwalter gehen davon aus, dass ihr Wachstum der Assets under Management sich überdurchschnittlich zum Gesamtmarkt entwickeln wird. Gerade einmal 16% der UVV rechnen mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum. Vor allem grössere Betriebe sehen gute Wachstumschancen. Trotz dem oben beschriebenen, zu erwartenden Wachstum, prognostiziert die Branche, dass in den nächsten drei Jahren der relative Anteil ausländischer Gelder am Gesamtvermögen der unabhängigen Vermögensverwalter abnehmen wird. Es wird mit einem Rückgang um insgesamt 5.2% innerhalb der nächsten drei Jahre gerechnet. Möglicherweise kann diese Tendenz dadurch erklärt werden, dass angenommen wird, der Markt der inländischen Privatkunden wachse stärker als der Markt der ausländischen Privatkunden. Grosse Zuwächse auf kleinem Niveau hingegen werden im Geschäft mit den institutionellen Kunden erwartet. So wird davon ausgegangen, dass in den kommenden drei Jahren die Vermögen der Institutionellen in Relation zu den Privaten um 23% zulegen werden. Betrachtet man die einzelnen Betriebe, wird klar, dass sich die unabhängigen Vermögensverwalter ihrer Stärken bewusst sind. So zählen ca. drei Viertel die Kundenberatung zu ihren Kernkompetenzen. Die Fähigkeit, Kunden professionell zu beraten und deren Geld zu verwalten, wurde in den meisten Fällen bei einer Schweizer Bank, vielfach bei einer

5 Executive Summary 4 Schweizer Grossbank, erlernt. Häufig stammen die Kundenbeziehungen auch aus dieser Zeit. Grosse Probleme sehen die unabhängigen Vermögensverwalter in der zunehmenden Regulierung. Die Branche geht davon aus, dass eine regelrechte Regulierungsflut auf sie zukommen wird. Dies deckt sich auch mit der Feststellung, dass ein Grossteil der personellen Investitionen in die Administration fliessen wird und grundsätzlich von einer Verschlechterung der betrieblichen Effizienz ausgegangen wird. Unter anderem auch aufgrund dessen geht die Branche von einer Konsolidierung in den nächsten Jahren aus. So sind es vor allem die Grossen, die Firmenakquisitionen in Betracht ziehen. Doch mehrheitlich scheinen Akquisitionen kein Bestandteil der Wachstumsstrategie zu sein. Es gilt abzuwarten, ob vermehrt Unternehmen, die kein eigenes Vermögensverwaltungsgeschäft betreiben, in den Markt eingreifen werden und die Konsolidierung dadurch angetrieben wird. Die unabhängige Vermögensverwaltung in der Schweiz ist aus dem gesamten schweizerischen Vermögensverwaltungsgeschäft nicht mehr wegzudenken. Ein enormes Wachstum der durch die unabhängigen Vermögensverwalter betreuten Vermögen in den vergangenen Jahren und eine allgemein positive Nachfrageentwicklung haben für Aufwind gesorgt. So hat sich die unabhängige Vermögensverwaltung einen Namen gemacht und ihre Position gefestigt. Es kann davon ausgegangen werden, dass heute ungefähr jeder dritte in der Schweiz verwaltete Franken eines Private-Banking-Kunden von einem unabhängigen Vermögensverwalter betreut wird. Tendenziell dürften die unabhängigen Vermögensverwalter bei den inländischen Privatkunden einen etwas grösseren Marktanteil als bei den ausländischen privaten Anlagekunden haben. Im Markt der institutionellen Kunden lässt sich solch ein grosser Marktanteil nicht feststellen. Dort dürfte der Marktanteil zwischen zwei und drei Prozent liegen. Die Banken sind in diesem Segment also eindeutig vorherrschend. Die unabhängige Vermögensverwaltung verfolgt jedoch grosse Wachstumsambitionen, womit auch hier mit Marktanteilsgewinnen zu rechnen ist.

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