Leitfaden für Unternehmensgründungen in Südosteuropa. -Bosnien-Herzegowina-

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1 Leitfaden für Unternehmensgründungen in Südosteuropa -Bosnien-Herzegowina- Institut für Unternehmensführung und Entrepreneurship Graz, November 2013

2 Impressum Verfasser: Dieser Leitfaden wurde am Institut für Unternehmensführung und Entrepreneurship der Karl-Franzens-Universität Graz in Zusammenarbeit dem GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse erstellt. Projektleitung: Mentoren: Autorin: Univ.-Prof. MMag. Dr.rer.soc.oec. Alfred Gutschelhofer Mag. Bakk. BSc Lic. MBA PhD Matthias Ruhri Mag. Dagmar Eigner-Stengg Ilda Sabanovic Der Leitfaden ist am Institut für Unternehmensführung und Entrepreneurship sowie beim GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse erhältlich. Die Online-Version des Leitfadens finden Sie unter: unternehmensfuehrung.unigraz.at/. Im Interesse der besseren Lesbarkeit wurde auf die Unterscheidung der weiblichen und männlichen Form verzichtet. Es wird jedoch Wert auf die Feststellung gelegt, dass die Broschüre weiblichen und männlichen Benutzern gleichermaßen gewidmet ist. Alle Rechte vorbehalten. Trotz sorgfältiger Prüfung sämtlicher Angaben im Leitfaden sind Fehler nicht auszuschließen und die Richtigkeit des Inhalts ist daher ohne Gewähr. Eine Haftung des Autors ist ausgeschlossen. 1. Auflage, Graz 2013

3 Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis... II Einleitung... 4 Doing Business in Südosteuropa... 6 Bosnien- Herzegowina Auf einen Blick Wirtschaftsinformationen Aktuelle Wirtschaftslage und Perspektiven Der Arbeitsmarkt Der Außenhandel Die Beziehungen zu Österreich Warum Bosnien & Herzegowina - Chancen und Risiken des Standortes Überlegungen vor der Gründung Investment Möglichkeiten/ attraktive Branchen Rechtliche Rahmenbedingungen Gesellschaftsrecht Wahl der Rechtsform für Ihr Unternehmen Schritte zur Gründung einer GmbH Steuerrecht Sozialversicherungsrecht Arbeitsrecht Immobilienrecht Die Kapitalbeschaffung- Wie Sie Ihr Geschäftsvorhaben finanzieren Das Eigenkapital Möglichkeiten der Fremdfinanzierung Zusatzinformationen Sparkasse Bank d.d. und s Leasing d.o.o. Ihre professionellen Partner in Bosnien- Herzegowina Nützliche Kontakte Quellen I

4 Abkürzungsverzeichnis BAM Abkürzung für die Währung von Bosnien-Herzegowina nach ISO 4217 BiH Bosnien-Herzegowina (Bosnisch: Bosna i Hercegovina) FBiH Föderation Bosnien-Herzegowina (Bosnisch: Federacija Bosne i Hercegovine) ILO International Labour Organisation ISCED International Standard Classification of Education KM Konvertible Mark, Währung von Bosnien-Herzegowina RS Republika Srpska WEF World Economic Forum II

5 Der Langsamste, der sein Ziel nur nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel herumirrt. (Gotthold Ephraim Lessing) Einleitung Sehr geehrter Unternehmensgründer! Das heimische Wirtschaftswachstum wurde in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Teil von der Exportwirtschaft und somit auch den getätigten Investitionen in Südosteuropa getragen. Trotz der aktuell bescheidenen Konjunkturdaten für diese Region, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise begründet sind, ist das Interesse österreichischer Investoren am südosteuropäischen Markt ungebrochen und weist einen positiven Trend, insbesondere im Hinblick auf ihre mittel- und längerfristigen Expansionspläne, auf. Berücksichtigt man die verhältnismäßig hohen prognostizierten Wachstumsraten für die kommenden Jahre sowie das niedrige Lohnniveau, die geringeren Steuern und den enormen Nachholbedarf dieser Region, erscheinen die Investitionen nachvollziehbar und gerechtfertigt. Um diese Entwicklung zu unterstützen wurde dieser Leitfaden erstellt, der Gründern einerseits einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Fakten und Entwicklungen der Region geben soll, andererseits aber auch als Fahrplan dienen soll, um sich auf dem unbekannten Terrain, zum Teil komplexer, behördlicher und rechtlicher Vorschriften der einzelnen Länder, während des Gründungsprozesses und darüber hinaus, gut zu Recht zu finden. Um Ihnen hierbei einen möglichst detaillierten Einblick geben zu können, beschränken wir uns in der Länderbetrachtung auf Bosnien-Herzegowina (BiH), Kroatien, Serbien, Slowenien, Mazedonien und Montenegro, die sukzessive bearbeitet und veröffentlicht werden. Da die Grundlage für den erfolgreichen Aufbau jeder selbstständigen Existenz umfassende Information und sorgfältige Planung sind, wird in den einzelnen Kapiteln ein Überblick der Schritte einer Unternehmensgründung, unter Einbeziehung länderspezifischer Rahmenbedingungen und behördlicher Anforderungen, gegeben und begleitend in den einzelnen Etappen auf Ansprechpartner sowie auf weiterführende Informationen verwiesen. Seite 4

6 Durch eine breite Recherche primärer und sekundärer Quellen sollen Ihnen, die für Ihr Vorhaben relevanten Informationen, schnell und kompakt zugänglich gemacht werden und somit eine praktische Hilfe sein. Bitte beachten Sie, dass die Links bzw. rechtlichen Vorschriften eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Gründerleitfadens sind und die Informationen im Laufe der Zeit daher, unter Umständen, nicht mehr in der von uns recherchierten Form verfügbar sein werden. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Gründungsvorhaben. Seite 5

7 Doing Business in Südosteuropa In diesem Abschnitt wollen wir Ihnen zunächst einen allgemeinen Überblick zur Region und ihren Entwicklungen geben, um anschließend Bosnien-Herzegowina mit gründerrelevanten Informationen näher vorzustellen. Südosteuropa bildet keine wirtschaftlich einheitliche Ländergruppe, viel mehr bestehen in der Wirtschaftsstruktur, der Außenhandelsorientierung und im Wohlstandsniveau beträchtliche Unterschiede. Gemessen an der Wirtschaftsleistung und der Einwohnerzahl (ca. 20,2 Mio.) 1, handelt es sich hauptsächlich um kleine Volkswirtschaften, was Vor-, aber auch Nachteile mit sich bringt. Die Überschaubarkeit der Volkswirtschaften erhöht zum einen die Effizienz wirtschaftspolitischer Maßnahmen, andererseits fallen die Kosten zur Unterhaltung des Staatsapparats in Relation zur Wirtschaftskraft hoch aus. Alle Staaten haben nach den Turbulenzen der 90-er Jahre demokratische Strukturen fest verankert und sind entweder schon Teil oder bewegen sich politisch und wirtschaftlich auf die Europäische Gemeinschaft zu: Kroatien und Slowenien sind bereits EU-Mitglieder; Montenegro, Mazedonien und Serbien haben Kandidatenstatus, Bosnien-Herzegowina ist potentielles Kandidatenland. Das Geschäfts- und Investitionsklima in diesen Ländern hat sich seit 2008 dennoch verbessert: im Zeitraum konnten auf nationaler und lokaler Ebene einige bedeutende wirtschaftliche Reformen umgesetzt werden, die zur Optimierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beigetragen haben. Konkret konnten die Kosten für eine Unternehmensgründung um durchschnittlich 10% gesenkt werden und die Dauer eines Baubewilligungsverfahrens hat sich um gut einen Monat verkürzt. Ebenso die Wartezeit für die Registrierung von Grundeigentum. 1 Summierte angenäherte Einwohnerzahlen von BiH, Kroatien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Slowenien Seite 6

8 Bosnien- Herzegowina 1 Auf einen Blick Staatsform Demokratischer Bundesstaat Verwaltungsapparat zwei Entitäten: Föderation Bosnien-Herzegowina (Federacija BiH) und Republika Srpska, sowie Brčko-Distrikt Fläche km² Einwohnerzahl 3, 8 Mio.* Offizielle Sprachen Bosnisch, Kroatisch, Serbisch Währung 1 Konvertible Mark (BAM) = 100 Fening 1 = 1,95583 BAM (fix) Hauptstadt: Sarajevo Einwohner* Wirtschaftsstandorte: Banja Luka Einwohner* Tuzla Einwohner* Zenica Einwohner* Mostar Einwohner* Ethnische Gruppierungen* 49 % Bosniaken, 34 % Serben, 16 % Kroaten, 1 % Minderheiten (bosnisch-herzegowinische Roma, Juden u. a.) Religion* 40% Muslime, 31% Serbisch-Orthodoxe, 15% Katholiken, Atheisten und Gläubige sonstiger Religionen Wichtigste Sektoren Dienstleistungen (65,1%), Produktion (26,2%), Landwirtschaft (8,7%) Int. Vorwahl +387 Internet Domain.ba * Schätzung, offizielle Volkszählung soll nach 20 Jahren im Oktober 2013 erstmals wieder stattfinden Seite 7

9 Der aktuelle Staat Bosnien-Herzegowina (BiH) ging aus dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien und dem nachfolgenden Konflikt von 1992 hervor. Seit dem Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 besteht BiH aus zwei nahezu gleich großen politischen Entitäten: der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH) und der Republika Srpska (RS), sowie dem Sonderverwaltungsgebiet Brčko-Distrikt. Die Föderation ist weiter in 10 Kantone und 79 Gemeinden unterteilt, die RS nur in letztere (62 Gemeinden). Sowohl Gesetzgebung als auch Verwaltung sind in den drei Gebieten weitgehend selbständig, lediglich Außen- und Verteidigungspolitik, Geldpolitik sowie Außenwirtschaftsbeziehungen werden zentral in Sarajevo entschieden. Diese sehr komplexe Verwaltungsstruktur stellt eines der größten Problem des Staates dar, da ca. 47 % des BIPs für seine Erhaltung ausgegeben werden und die Umsetzung der gesamtstaatlichen oder teilstaatlichen Gesetze dadurch teilweise nicht effektiv sein kann, was aber für eine EU-Mitgliedschaft Voraussetzung ist. Auch der Korruption wird durch diese Strukturen weiterhin fruchtbarer Boden geboten. Seite 8

10 2 Wirtschaftsinformationen 2.1 Aktuelle Wirtschaftslage und Perspektiven Seit Ende des Krieges ist die Wirtschaft von BiH im Aufschwung. Obwohl im Krieg 80% der Industrieanlagen zerstört wurden und die Industrieproduktion noch immer Mühe hat das Vorkriegsniveau zu erreichen, konnte der Wiederaufbau, dank internationaler Unterstützung, gut vorangebracht werden. Nichtsdestotrotz gibt es noch immer hohen Entwicklungs- und Erneuerungsbedarf in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft, allen voran bei Infrastruktur und Energie ergeben sich in BiH zahlreiche Geschäftschancen. Bis 2008 verzeichnete das Land ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum mit wachsenden ausländischen Investitionen und steigendem Außenhandelsumsatz. In besagtem Jahr konnte noch ein reales Wirtschaftswachstum von 5,7% verbucht werden. Doch die darauf folgende globale Finanz- und Wirtschaftskrise verursachte in den Folgejahren starke Rückgänge, sodass sich die Erholung der bosnischherzegowinischen Wirtschaft von den Auswirkungen dieser Krise nur zögerlich fortsetzt (BIP Wachstum 2012: -0,5%). Diese durchwachsenen Zahlen sind hauptsächlich durch die schwache Inlandsnachfrage bedingt, auf die wiederum die hohe Arbeitslosigkeit, das geringe Einkommen sowie die gesunkenen Transferleistungen der Bosnier im Ausland Einfluss hatten. Außerdem ging die Industrieproduktion um 4,3% zurück. Mittlerweile werden aber wieder positive Impulse bei Investitionen identifiziert, die langsam anziehen. Trotz des krisenbedingten Rückgangs haben sich insgesamt die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln verbessert. So konnte das Verfahren zur Unternehmensregistrierung auf durchschnittlich 10 Tage verkürzt werden. Auch die Kommunikation der Ämter und Ministerien mit dem Handelsgericht wurde elektronisch vernetzt, sodass zum Teil doppelte Registrierungen entfallen. Es wurde ein landeseinheitliches Notariatswesen eingeführt und die Dauer der Erteilung einer Baubewilligung wurde von 296 auf 255 Tage verkürzt. Ebenfalls konnten Fortschritte beim Aufbau eines modernen Grundbuch- und Katasterwesens verzeichnet werden. Im World Bank Doing Business Report 2012 stieg BiH deshalb zwei Plätze auf. Auch die Finanz- und Währungsstabilität konnte aufrechterhalten werden und die Inflation ging zurück. Ein gutes Signal für Investoren war die Unterzeichnung des Seite 9

11 Stabilisierung- und Assoziierungsabkommens mit der EU. Damit wurde die Bindung zur EU aber auch die regionale Zusammenarbeit zwischen den Ländern gestärkt und neue finanzielle Hilfsprogramme initiiert. Schwerpunkte der lokalen Regierungen für die nächsten Jahre sind die Förderung von KMUs, die schnelle Privatisierung der verbliebenen Staatsbetriebe, Entbürokratisierung, Steuervereinfachungen, Erhöhung der in- und ausländischen Investitionen sowie die Annäherung an europäische Institutionen und Rahmenbedingungen. Für 2014 erwartet man, aufgrund des leichten Aufschwungs des Euro-Raumes, einen Anstieg der Exporte und der Inlandsnachfrage, sodass mit einem Wachstum von 2,0% zu rechnen ist. Eine größere Wachstumsdynamik, die an die Vorkrisenzeit langsam anknüpfen können wird, wird für 2015 (3,9%) prognostiziert. 2.2 Der Arbeitsmarkt Der Arbeitsmarkt bleibt ein besonderes Sorgenkind Bosnien-Herzegowinas, da bei einem insgesamt guten Ausbildungsniveau eine relativ hohe Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist, von der Ende März Personen betroffen waren bzw. 46,1% der erwerbsfähigen Bevölkerung (bzw. nach ILO Definition ca. 28% 2 ). Die meisten der Arbeitslosen sind Personen mit einer abgeschlossenen Berufsschule 3 (Facharbeiter) 34,8%, sowie nicht qualifizierte Arbeitnehmer, also Personen mit lediglich einem Grundschulabschluss bzw. Sekundärbildung Unterstufe mit 29,01%. 4 Die Löhne und die Kaufkraft sind im europäischen Vergleich relativ niedrig, so betrug im Januar 2013 das Netto-Durchschnittseinkommen in BiH 829 KM (423 ). In den Städten werden höhere Löhne gezahlt als in ländlichen Gebieten. Wer im öffentlichen Sektor (Energie, Telekommunikation, Banken) arbeitet, verdient mit ca KM (ca. 650 ) in der Regel überdurchschnittlich gut. Der monatliche Mindestlohn in der FBiH betrug im Mai KM (187 ). Im allgemeinen Kollektivvertrag der FBiH wurde 2 Die Diskrepanz der Messmethoden ist durch die stark präsente graue Wirtschaft zu erklären, da es eine große Zahl an Schwarzarbeitern gibt: schätzungsweise In BiH meistens 3-jährig nach Abschluss der 8-jährigen Grundschule, entspricht dem Bildungsniveau 3C nach ISCDE 4 Nach ISCED-Klassifizierung: 1 und 2A Seite 10

12 ein Brutto-Mindeststundensatz von 3,66 KM (1,87 ) festgelegt. Ähnliche Zahlen liegen auch für die RS vor. Entgegen der schlechten Aussichten am Arbeitsmarkt, verfügt BiH über gut ausgebildete Fachkräfte und ist bei den Lohnkosten gegenüber seinen Nachbarländern konkurrenzfähig. 2.3 Der Außenhandel Der Außenhandel hat in den letzten zehn Jahren einen starken Aufschwung erlebt und wurde nur zeitweise aufgrund der Wirtschaftskrise unterbrochen. Da sich der Außenhandel Bosnien-Herzegowinas stark auf die EU konzentriert, übertragen sich alle Entwicklungen der EU-Staaten unweigerlich auf BiH. Der Außenhandel ist deshalb seit ein paar Jahren defizitär, sodass die Handelsbilanz 2012 ein Minus von 4,9 Mrd. aufwies. Die wichtigsten Exportmärkte für BiH sind Kroatien, gefolgt von Deutschland, Italien und Serbien. Beim Export dominieren Metallprodukte, Maschinen, Mineralbrennstoffe, Holz und Möbel, Bekleidung und Schuhe. Importiert werden Kraftfahrzeuge, Treibstoff, Maschinen, Chemie- und Pharmaprodukte sowie Nahrungsmittel. Handelspartner im Export Handelspartner im Import 8% 33% 8% 15% 15% 12% 9% Deutschland Kroatien Italien Serbien Österreich Slowenien Sonstige 11% 42% 14% 5% 10% 9% 9% Deutschland Kroatien Italien Serbien Russland China Sonstige Quelle: BiH Statistikamt Quelle: BiH Statistikamt Die Handelsbeziehungen zu Österreich sind sehr gut. Österreich ist auch seit Jahren schon der größte Investor im Land. Exportseitig steht Österreich an fünfter Stelle, importseitig an achter. Seite 11

13 Österreich liefert hauptsächlich Eisen- und Stahlwaren, Waren aus unedlen Metallen, Zeitungsdruckpapier, PKWs, elektr. Maschinen, Spezialausrüstung sowie Kunststoffwaren oder Mess- und Prüfgeräte und Spielautomaten. Nach Österreich importiert werden Schuhe, Damenbekleidung, Baumaterialien aus Kunststoff, Aluminium, Holzwaren, Maschinenbauerzeugnisse, Rohstoffe (Brennholz, Holzkohle, Rinderleder) usw. Der Beitritt Kroatiens zur EU wird auch Auswirkungen auf den Außenhandel mit BiH haben, da das Nachbarland mit der EU-Mitgliedschaft die CEFTA-Freihandelszone verlässt und somit die Exporte bosnisch-herzegowinischer Unternehmen nach Kroatien wegen der höheren EU-Zölle erschwert werden. Die aktuellen Wirtschaftszahlen und weitere statistische Auswertungen finden Sie auf den Internetseiten der für die Entitäten zuständigen Statistikämter. Für die FBiH: und für die RS: Unter folgender Webadresse erreichen Sie das gesamtstaatliche Statistikamt: 2.4 Die Beziehungen zu Österreich Österreich ist mit einem Investitionsvermögen von ca. 1,2 Mrd. Top-Investor in BiH. Österreichische Firmen sind mit ca. 200 Firmenniederlassungen, von denen rund 1/3 Produktionsniederlassungen sind, Marktführer in vielen Branchen in BiH. Der Finanzsektor und die Baumaterialbranche sind in rot-weiß-roter Hand. Über 400 Firmen bearbeiten laufend den Markt. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass BiH das einzige Land der Region ist, welches mehr Waren nach Österreich exportiert als es aus Österreich importiert. Grund dafür ist die Lohnfertigung: Rohstoffe aus Österreich werden nach BiH importiert, in BiH verarbeitet und als Fertigprodukte nach Österreich zurück exportiert. Österreich genießt insgesamt einen sehr guten Ruf in BiH, bedingt auch durch die gemeinsame Geschichte und ist für knapp 20 % der gesamten ausländischen Direktinvestitionen seit 1994 verantwortlich. Seite 12

14 3 Warum Bosnien & Herzegowina - Chancen und Risiken des Standortes Als potenzieller Investor bzw. Unternehmer, der sein Geschäft in BiH ausweiten oder anfangen möchte, sollten Sie bei Ihrer Entscheidung über den Markteintritt das Stärken-Schwächen-Profil des Standorts und die damit verbundenen Chancen und Risiken berücksichtigen: Stärken Verfügbarkeit von Rohstoffen (Kohle, Erze, Holz etc.) Währungsstabilität: fester Wechselkurs Nähe zu EU- und CEFTA-Märkten Wachstumsmarkt niedrige Lohnkosten und Steuern (KöSt 10 %) ausgebildete und motivierte Fachkräfte stabiler Finanzsektor Chancen Notwendiger Ausbau der Infrastruktur/großer Aufholbedarf Mitgliedschaft in der CEFTA- Freihandelszone, Freihandelsabkommen auch mit Türkei Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU Hohe Förderungen durch internationale Institutionen Positives Image Österreichs Vielzahl an freistehenden Betriebsanlagen und Industriezonen Niedrige Ausführungskosten für IT- Projekte Schwächen Schwierige und instabile politische Verhältnisse Ineffiziente Verwaltung und Justiz, Überschneidung von Kompetenzen beschränkter Markt Schwache Infrastruktur Risiken Hohes Außenhandelsdefizit Stockender Reformprozess Schlechte Zahlungsmoral Korruption Niedrige Kaufkraft Der große Vorteil des Standorts BiH liegt in seiner zentralen Lage. Die Nähe zum europäischen Markt als auch den anderen regionalen Absatzmärkten bringt viele Möglichkeiten mit sich, u.a. können das Freihandelsabkommen CEFTA (Mitglieder sind: BiH, Albanien, Mazedonien, Moldawien, Kroatien, Montenegro, Serbien, Kosovo) sowie jenes mit der Türkei genutzt werden. Mit der EU gibt es ein Abkommen, durch das 90 % der Waren mit EU-Ursprung vom Zoll befreit sind. Mit einer großen Zahl Seite 13

15 anderer Länder gibt es zudem Exportpräferenz-Abkommen. Dadurch haben Waren, die in BiH hergestellt werden zollfreien Zugang zu potenziellen Märkten mit über einer Mrd. Kunden. Eine detaillierte Auflistung begünstigter Warengruppen im Rahmen des Interimsabkommens mit der EU finden Sie unter: Das sonst vergleichsweise hohe Wirtschaftswachstum, die stabile Währung, niedrige Inflation und das gute Finanzierungsangebot, aufgrund vieler österreichischer Banken vor Ort, stellen gute Investitionsbedingungen dar. Schwierigkeiten können hauptsächlich die komplizierten Verwaltungsstrukturen und unklar verteilten Kompetenzen zwischen Gesamtstaat, Entitäten und Kantonen hervorrufen. Deshalb können auch behördliche Entscheidungen viel Zeit in Anspruch nehmen und Firmengründungen langwierig und kompliziert werden. Seite 14

16 4 Überlegungen vor der Gründung Unternehmertum kann man sehr gut mit einem Schach-Spiel vergleichen. Es ist notwendig jeden Schritt sorgfältig zu planen- der wichtigste ist natürlich der erste Schritt, da auf diesem der spätere Verlauf des Spiels zu einem großen Teil beruht. Um gleich am Anfang ein solides Fundament für die weiteren Grundsatzentscheidungen zu schaffen, ist eine gute Idee bzw. ein gutes Unternehmenskonzept unabdingbar. Sofern Sie nicht schon eine konkrete Idee für Ihren Einstieg am bosnischherzegowinischen Markt haben, könnte Ihnen die Beobachtung attraktiver Branchen, Trends und Entwicklungen helfen, Änderungen bzw. Bedarfsmöglichkeiten zu erkennen und mit einer Geschäftsidee davon zu profitieren. 4.1 Investment Möglichkeiten/ attraktive Branchen Wie bereits erwähnt gibt es trotz der Fortschritte, die in den letzten Jahren gemacht wurden, noch immer eine große Lücke zwischen den realen Potentialen BiHs und den tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungen in den verschiedenen Sektoren. Der Hauptgrund, der eine effiziente und schnelle Aktivierung der reichlich vorhandenen Natur- und Humanressourcen, aber auch brachliegenden Vielzahl an Produktionsstätten verhindert, liegt im Kapitalmangel, was wiederum zahlreiche Möglichkeiten für ausländische Investoren eröffnet. Große Investitionsmöglichkeiten bietet auch der vorangehende Privatisierungsprozess. Betroffen sind insbesondere der Energiesektor und die Telekommunikationsbranche. Zu den Schwerpunkten der Investitionen in BiH werden in den nächsten Jahren vor allem der Ausbau der Infrastruktur (Verkehrswege: Autobahn paneuropäischer Verkehrskorridor) sowie des Energiesektors, aber auch der Ausbau der kommunalen Versorgungsinfrastruktur gehören. Einige Geschäftschancen werden sich beim Bau und Revitalisieren von bestehenden Wasser- und Wärmekraftwerken sowie bei alternativen Energiequellen (Kleinwasserkraft und Wind) bieten. Die Suche der bosnisch-herzegowinischen Wirtschaft nach Kapitalinvestitionen und neuen Technologien, um bestehende Ressourcen besser verwerten zu können, könnte durch strategische Partnerschaften (Public-Private-Partnerships, Konzessionen) und die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen erreicht Seite 15

17 werden. Insbesondere in den folgenden Bereichen ist das Land ressourcenreich und birgt große Potenziale: Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, Holz, Energie und Metallverarbeitung. Auch der Ausbau des Tourismusangebotes (Sommer- und Wintertourismus) ist im strategischen Interesse der Regierung. Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie BiH verfügt über mehr als 1,5 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche und ist sehr reich an natürlichen Ressourcen und optimalen klimatischen Bedingungen, die ein hervorragendes Umfeld für landwirtschaftliche Produktion und Investitionen in diesem Bereich bieten. Darüber hinaus hat BiH aufgrund großer Vorräte an sauberem Wasser, vieler brachliegender Anbauflächen und einer Vielzahl an kostengünstigen Fachkräften aus dem traditionsreichen Agrarbereich großes Potential für die Erzeugung von Bioprodukten. Leider werden alle diese Flächen derzeit nur unzureichend genutzt, ebenso wie viele Mühlen, Anlagen zur Fleischverarbeitung, zur Herstellung von Bier und anderen nichtalkoholischen Getränken sowie von Milchprodukten. Aufgrund der ungenutzten Anbauflächen und der meist veralteten und unausgelasteten Kapazitäten werden viele Nahrungsmittel und Getränke importiert. Im Anbau dominieren Obst (Pflaumen, Äpfel und Birnen), Gemüse (Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Paprika, Salat, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Gurken und Karotten), Getreide (Weizen und Mais), aber auch medizinische Kräuter, Wein und Tabak. In den letzten Jahren werden auch immer mehr Beerenfrüchte produziert. Neben der weitverbreiteten Viehzucht (Rinder und Geflügel) kommt auch der Fischzucht Bedeutung zu. Der Export bosnisch-herzegowinischer Produkte in die EU ist in der Regel zollfrei und unterliegt keinen Mengenbeschränkungen. Der Export von Wein, Zucker, Fisch und Fischprodukten in die EU ist durch Quoten begrenzt. Im expandierenden Einzelhandelssektor des Landes ergeben sich für österreichische Produzenten von Lebens- und Genussmitteln ebenfalls interessante Geschäftschancen. Seite 16

18 Holz- und Möbelindustrie bzw. holzverarbeitende Industrie Die Holz- und Forstwirtschaft zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Bosnien- Herzegowinas, was bei einer Waldfläche von rund 53% der Gesamtfläche des Landes (rund 2,7 Mio. ha) naheliegend ist. Über 60% der Produktion des bosnischherzegowinischen Holzsektors wird in Form von Rohholz, Halbfabrikaten und Fertigprodukten wie Möbeln exportiert, wobei der Möbelwirtschaft eine immer wichtigere Rolle zukommt. Derzeit befinden sich die größten Absatzmärkte in Westeuropa, den USA und dem Mittleren Osten, aber es besteht ein großes Potential auch in andere Regionen zu liefern. Trotz der guten Aussichten besteht immer noch eine große Lücke zwischen der derzeitigen Leistung des Sektors und seinen wahren Potentialen. Insbesondere bestehen Entwicklungschancen bei der Verbesserung des Designs, der Produktqualität sowie des Brandings und der Vermarktung der Möbel aus BiH. Konkrete geschäftliche Möglichkeiten tun sich bspw. bei der Herstellung von Paneelen und Parkett auf. Weiterer Bedarf bestünde an Zellstoff- und Papierfabriken, Furnierplatten, Hartholz Sperrholz, mitteldichten Faserplatten und Biomasse-basierter Beheizung (Brikett, Pellets). Da die Struktur dieses Sektors durch viele kleine und mittelgroße Privatunternehmen gekennzeichnet ist, bieten sich diese für Joint Ventures an. Insgesamt bietet der bosnisch-herzegowinische Holzsektor eine breite Palette an Möglichkeiten um die wachsende internationale Nachfrage nach halbfertigen und fertigen Produkten zu befriedigen, sofern bessere Technologien eingeführt werden, das Produktdesign modernisiert wird und die gut ausgebildeten, kostengünstigen Experten und Fachkräfte gewinnbringend eingesetzt werden. Metallverarbeitende Industrie Der Metallverarbeitende Sektor gehört Dank des Rohstoffreichtums des Landes (Eisen, Bauxit, Baryt, Magnesit, Gips, Kohle, Silber usw.) traditionell zu den bedeutendsten Sektoren und ist stark Export orientiert. Über die letzten Jahre konnte ein durchgehendes Produktionswachstum von über 10% verzeichnet werden, weshalb auch in der Wirtschaftsstrategie des Landes, die Metallindustrie als eine strategisch wichtige Industrie mit komparativen Vorteilen wie z.b. gut ausgebildeten und günstigen menschlichen Ressourcen (insbesondere aufgrund der auf diesen Sektor Seite 17

19 spezialisierten Universitäten), reichlich vorhandenen Rohstoffen, ungenutzten Produktionsstätten, definiert wurde. BiH verfügt über eine potente Stahl- und Aluminiumindustrie, die großteils in ausländischer Hand ist und viele Expansionspläne hat, sodass sich für potenzielle Investoren und Lieferanten in diesem und verwandten Sektoren gute Geschäftschancen bieten. Den Metallverarbeitungssektor als Ganzes kennzeichnen viele Klein- und Mittelständische Unternehmen, die zum Teil auf veralteten Anlagen mit 25-30% Auslastung arbeiten und nach Partner-Unternehmen Ausschau halten, mit deren Hilfe sie in Sachen neue Technologien oder höhere Spezialisierung den Durchbruch schaffen könnten. Das Land verfügt über sowohl technische als auch menschliche Kapazitäten für das Schneiden, Stanzen, Pressen, Umformen, Schweißen und die Verarbeitung von Metallen. Zu den wichtigsten Produkten aus der Metallerzeugung gehörten 2012 u. a. Betonstahl in Stäben, Stangen und Profile aus Aluminiumlegierungen, Primäraluminium, warmgewalzte Flacherzeugnisse aus nichtrostendem Stahl, nichtlegiertes Rohaluminium und Aluminiumoxid. Innerhalb der Metallverarbeitung gehörten verschweißte Gitter und Geflechte aus Eisen- oder Stahldraht zu den umsatzstärksten Erzeugnissen. Qualitativ hochwertiges Material oder Sondermaterial zur Werkzeugherstellung wird bei Bedarf oft aus dem Ausland beschafft. Energiewirtschaft Wie auch bei den anderen Sektoren, birgt BiH bei der Energieerzeugung ein großes ungenutztes natürliches Potenzial insbesondere bei Wasserkraft, Windkraft und Biomasse. Auch bei Sonnenenergie, Erdwärme und Abfall wurde Potenzial identifiziert. Kürzlich wurden sogar Erdölvorkommen entdeckt. Entwicklungsschwerpunkte bleiben vorerst aber die Nutzung der Kapazitäten von Wasser- und Windkraft sowie in geringerem Maß von Erdwärme, Solarenergie und Biomasse. Reichhaltigste Energiequelle in BiH ist die Wasserkraft, bei einem geschätzten Gesamt- Hydropotenzial von 8000 MW, wird bisher weniger als die Hälfte genutzt. Hinsichtlich Windenergie wurden in der FBiH zwölf Windstandorte definiert, an denen in den nächsten Jahren Kapazitäten für 120 MW Energie errichtet werden sollen. Gute Seite 18

20 Windbedingungen gibt es in der Gegend um Sarajevo und in der südwestlichen Herzegowina, wo bereits Deutschland einen ersten Windpark finanziell unterstützt. Möglichkeiten bieten sich auch bei Biomasse, die zwar immer häufiger zur Produktion von Holz-Pellets und Holz-Briketts und zur Beheizung von Haushalten genutzt wird, aber bisher nur sehr selten in der Industrie und Landwirtschaft oder zur Stromerzeugung eingesetzt wurde. Aufgrund der reichhaltigen Kohlevorkommen, gibt es im Land vier Wärmekraftwerke. Durch das Auffinden neuer Kohlereserven gibt es auch Pläne zum Ausbau dieser Energiequelle, aber auch Projekte zur Kapazitätserweiterung und Modernisierung bestehender Anlagen stehen in Aussicht. Die Energieministerien der beiden Entitäten haben angekündigt bis zum Jahr 2018 KM 18 Mrd. (ca. 9 Mrd. ) in den Energiesektor investieren zu wollen. Es sollen in der FBiH sechs Wärmekraftwerke, 14 Wasserkraftwerke, sechs Windparks und 25 kleine Wasserkraftwerke errichtet werden. Umwelttechnik Aufgrund der EU-Integrationsbestrebungen und der damit verbundenen Anpassung des Landes an die EU-Normen, werden Investitionen in die Umwelttechnik in den nächsten Jahren stetig wachsen. Dabei besteht großer Bedarf insbesondere an der Regulierung der Abfallsammlung und -entsorgung. Geregelte Müllabfuhrdienste werden nur von zwei Drittel der Bevölkerung genutzt, weshalb in vielen Gemeinden (meist mit Unterstützung aus EU-Fonds) Projekte zur Verbesserung der Abfallvermeidung (Verpackungsabfall) und der Abfallentsorgung im Gange sind. Auch an der Schaffung von regionalen Deponien, der Wasserver- und -entsorgung sowie dem Bau von Kläranlagen wird gearbeitet. Daraus wird sich auch eine höhere Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen ergeben. Weitere Marktchancen eröffnen sich, sei es aufgrund der natürlichen Ressourcen oder der langjährigen Tradition, bspw. im Bergbau, Tourismus, Automotive-Bereich, Informationstechnik und der Baubranche. Die World Tourism Organisation prognostiziert bspw., dass BiH die 3. größte Tourismus-Zuwachsrate der Welt zwischen 1995 and 2020 haben wird. Die Baubranche erzielte 2011 das größte nominale Wachstum im Vergleich zu anderen Sektoren und der Automotive-Bereich Seite 19

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