Nachhaltigkeit anders denken - Veränderungspotenziale durch Geschlechterperspektiven

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1 Nachhaltigkeit anders denken - Veränderungspotenziale durch Geschlechterperspektiven Dr. Christine Katz Leuphana-Universität Lüneburg Inst. für Nachhaltigkeitssteuerung artec-forschungscolloquium "KlimaWandel: Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit Universität Bremen,

2 Inhalt Worum geht es? Kritik und Einflussfaktoren Perspektivwechsel: Sozial-ökologische Nachhaltigkeitsforschung Geschlechterbezüge der Nachhaltigkeit Was bringt s? Fazit und was noch?? 2

3 I. Worum geht es? Nachhaltigkeit Geschlecht Geschlechterorientierte NH Geschlechterverhältnisse in der Analyse gesellschaftlicher Naturverhältnisse und bei ihrer nachhaltigkeitsorientierten (Um-)Gestaltung/ Regulierung mit zu berücksichtigen (auf struktureller und symbolischer Ebene, individuell, in Prozessen, inhaltlichen Zugängen, Problembetrachtung) Analyse Wissenschaft - Politik Vision 3

4 Nachhaltigkeit Natur zerstörung als Ausgangspunkt Von Erträgen einer Substanz leben Natur als Grenzbegriff Effizienz-, Konsistenz-, Suffizienz (Quantitäts-, Qualitätsaspekte) Internationaler Umweltdiskurs seit den 1970er Jahren Brundlandt-Bericht 1987: Geschlecht Gendertheorien Konzeptualisierungen von Geschlecht ( Natur des Geschlechts; Gender/ Sex; Material Turn ) Identitätslogische Konzeption Strukturkonzeption Prozesskonzeption Ablehnung v. Essentialismen Qualitäten statt Identitäten Gemachtsein/ -werden, Gewordensein statt Zustand 4

5 inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit UNCED-Konferenz 1992 Geschlechtergerechtigkeit Agenda 21, Kap. 24 5

6 Verschiebungen: Neue Perspektiven Natur/ Umwelt Nachhaltigkeit Umweltforschung Nachhaltigkeitsforschung Frauen/ Geschlecht Geschlechterverhältnissen Zustand Verhältnisbestimmungen (Feministische) Kritik Nachhaltigkeitskontext 6

7 II Kritik und Einflussfaktoren (N & G) Erfahrung von Naturzerstörung und ungleichen Folgen für Männer und Frauen sowie für Nord und Süd Emanzipatorische Bewegungen Internationale und nationale Umwelt-/ Friedens-/ Frauenbewegung Kritik am Leitbild Nachhaltige Entwicklung Wachstumsprinzip (Sustainable livelihood), Wirtschaftsmodell und Kulturverständnis Machtkritik (Ursache und Bewältigung) Naturbegriff (naturwiss., ökonomisch) Funktion und Bedeutung von Naturwissenschaft und Technik (Problemlösung?) 7

8 Problem: Rolle von Naturwissenschaft, Technik (Dominanz und Teil des Problems) Feministische (Natur-)Wissenschafts-/ Technikkritik Epistemologische Verfasstheit : Objektivität, Wertneutralität, Universalität Struktur, inhaltliche Ausrichtung und Deutungshoheit Wiss. Ausschluss, androzentrische Ausbildung Entkontextualisierung, Enthistorisierung (Stoffflüsse) Abstraktion, Schematisierung ( Organismenlosigkeit), destruktive Exploration 8

9 Problem: Wirtschaftsmodell und Ökonomik Feministische Kritik an Ökonomie/ Arbeitsbegriff Geschlechterhierarchische Arbeitsteilung Geschlechtersegregierte Berufswelt, Abwertung von reproduktiven Tätigkeiten/ Bereichen (Fürsorge, Pflege, Versorgung, ) im gesellschaftlichen und naturbezogenen Bereich 9

10 Problem: dualistische Konstruktion von Wirklichkeit Wissenschaftstheoretische (feministische) Dualismuskritik: Soziale Wirklichkeit konstituiert sich entlang von Gegensatzpaaren Natur - Kultur/ Gesellschaft Kultur - Technik Subjekt - Objekt privat - öffentlich emotional - rational Sozial - fachlich/ sachlich Passiv - aktiv heimliche Norm: männlich konnotiert hierarchische, geschlechterkodierte Matrix zur Erfassung und Strukturierung von Welt Trennungsparadigma! 10

11 Symbolische Geschlechterordnung (hierarchische Matrix, Trennungsparadigma) Einfluss auf Verständnisse und ihre gesellschaftliche Bewertung (Technik, Natur, Fach-/ Sozialkompetenz ) Einfluss auf Bewertung von Wissen (Fakten vs. Erfahrung ) Einfluss auf institutionelle und politische Strukturen Einfluss auf Prinzipien, Rationalitäten, Logiken Konzepte und Modelle zu Mensch-Natur 11

12 III Perspektivwechsel: Nachhaltigkeitsforschung Sozial-Ökologie Umweltwissenschaften: Globale Krise als Problem von Ökosystemen, Natur Bsp. Waldschadensforschung: Waldsterben als ökologisches Phänomen/Problem Waldsterben als sozial-ökologisches Problem der NH-Forschung: Problembeschreibung? Naturverständnis(se)? Wissensformen? Konzepte zum Naturumgang, Modelle des Wirtschaftens? Fokus auf Produktions-Nutzungs-System in einem sozial-ökol. räumlichen Kontext (Verursachungs-, Verbrauchsbedingungen, Interessen, Motive ) Fokus auf Zusammenhang zwischen Produktion/ Reproduktion Normative Rahmung 12

13 IV. Was bringt die Geschlechterperspektive? Normative Konturierung (Positionierung zu Ungleichheit und Perspektive der Marginalisierten ) Berücksichtigung sozialer Differenziertheit/ sozialer Vielfalt Kontextualisierung Daten, Ergebnisse auf strukturelle Verhältnisse, Nutzenperspektive, Alltagsbezug, Auseinandersetzung mit Rationalitäten, Prinzipien und Logiken (von Systemen, Modellen ) Sichtbar machen von Unterdrückungszusammenhängen, Dominanzstrukturen, Diskriminierungsmechanismen 13

14 V. Fazit: Warum braucht die Nachhaltigkeitsforschung die Genderperspektive Ethische Gründe (Gerechtigkeitspostulat: Betroffenheiten und Beteiligungen) Inhaltliche Angemessenheit Vielfalt berücksichtigen! (Personen, Lebensentwürfe, Erfahrungen, Orientierungen, Sozialisationen ) Kontextualisierung! (soziokulturelle Zusammenhänge und politische Verhältnisse, Lebensrealitäten, Situationen, Bedingungen, Strukturen ) Dominanzverhältnisse sichtbar machen! (Macht-/ Herrschaftsperspektive) u.a. in Rationalitäten und Logiken Eye-Opener 14

15 Folgen für Forschungszusammenhänge: Geschlechterverhältnisse sind mitzudenken bei Zielbestimmung Problembeschreibung Problembearbeitung Entwicklung von Bewältigungsstrategien Es geht um Betrachtung und Neugestaltung von Inhalten, Strukturen und Prozessen Reflexion und De-Konstruktion von Rationalitäten und Prinzipien in Konzepten, Modellen, Begriffen 15

16 Vielen Dank! 16

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