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1 COPYRIGHT: COPYRIGHT Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Es darf ohne Genehmigung nicht verwertet werden. Insbesondere Dieses Manuskript darf es nicht ganz ist oder urheberrechtlich teilweise oder in Auszügen geschützt. abgeschrieben Es darf ohne oder in Genehmigung sonstiger Weise nicht vervielfältigt verwertet werden. werden. Für Rundfunkzwecke Insbesondere darf darf das es Manuskript nicht ganz nur mit oder Genehmigung teilweise von oder DeutschlandRadio in Auszügen / Funkhaus Berlin benutzt werden. abgeschrieben oder in sonstiger Weise vervielfältigt werden. Für Rundfunkzwecke darf das Manuskript nur mit Genehmigung von Deutschlandradio Kultur benutzt werden. Deutschlandradio Kultur Länderreport Das liebe Geld - Neues von den Landesbanken - Autoren Friederike Schulz Uschi Götz Michael Watzke Verena Herb (Beitrag 1 3'36'') (Beitrag 2 4'03'') (Beitrag 3 5'06'') (Beitrag 4 3'51'') Mod./Red. Julius Stucke Sendung (13 Uhr 07) -folgt Skript Sendung- 1

2 Skript Sendung MOD Die deutschen Landesbanken ihr ursprünglicher Auftrag ist: die Wirtschaft der Bundesländer zu fördern, deren Wirtschaftspolitik zu unterstützen, Kredite bereitzustellen. Im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise produzierten die Landesbanken allerdings so viele, so schlechte Schlagzeilen man konnte fast denken, die Aufgabe der Landesbanken wäre es uns mit Skandalen zu unterhalten: Auf milliardenschwere Zockereien folgten milliardenteure staatliche Rettungsaktionen, Gerichtsverhandlungen und Untersuchungsausschüsse. Vier der neun deutschen Landesbanken nehmen wir im Länderreport heute unter die Lupe, fragen nach dem aktuellen Stand der Dinge zuerst einmal geht es nach Nordrhein-Westfalen. Die West LB war die erste Landesbank, die das Angebot der Bundesregierung annahm Wertpapiere auszulagern. Die sogenannten toxischen Wertpapiere also solche, bei denen nicht mehr klar ist, ob sie das "Wert" im Namen verdienen. Auslagern das heißt in eine sogenannte Bad Bank abschieben. Die Bank schiebt risikoreiche Posten also beiseite, der Staat garantiert erst einmal, die Bilanz ist bereinigt. Die Frage bei der West LB könnte allerdings sein, ob man nicht die ganze Landesbank in so eine Bad Bank abschieben muss. Denn die West LB hat sich derart verspekuliert, dass sie keiner mehr haben will. Eigentlich muss sie aber verkauft werden das fordern die strengen Vorgaben der EU, die einer staatlichen Rettung eben nur unter Vorgaben zustimmte. Friederike Schulz berichtet Beitrag 1 West LB (Friederike Schulz) 2

3 Die Summe ist beachtlich: Wertpapiere in Höhe von 77 Milliarden Euro, die nichts mehr wert sind. Die WestLB hat sich verzockt und zwar gründlich. Die Landesbanken sind dafür da, die Sparkassen bei ihren Aktivitäten zu unterstützen und größere Kredite bereitzustellen. Doch das reichte den Managern offenbar nicht, und da sie bis 2005 quasi einen Freibrief für Geldgeschäfte aller Art hatten, machten sie diese auch, erklärt Professor Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Instituts für Bankenrecht an der Uni Köln. (Hartmann-Wendels) Das lag lange Zeit daran, dass die WestLB von der Gewährträgerhaftung profitieren konnte, das heißt, der Staat garantierte unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der WestLB. Das ermöglichte der WestLB, sehr günstig Kapital aufzunehmen, sie hat damit ihr Wachstum sehr stark beschleunigt. Im Zuge dieser Expansion hat die WestLB dann aber viele Wertpapiere gekauft und ist andere Aktivitäten eingegangen, die sehr verlustreich waren, weil sie weit außerhalb ihres Geschäftsbereiches lagen. Da fehlte dann die entsprechende Expertise. Unter diesen Fehlern der Vergangenheit leidet die WestLB noch heute. Einige Stationen des Niedergangs: Mitte der 90er-Jahre verlegt sich die WestLB aufs internationale Investmentbanking stürzt der russische Rubel ab die WestLB verliert eine Milliarde Euro. Ein paar Jahre später geht der britische Fernsehverleiher Boxclever pleite, der Schaden für die Bank aus Düsseldorf: 400 Millionen. Dann die Finanzkrise, in der sich die Spekulationen mit riskanten Schuldverschreibungen und Immobilienfonds rächen und keiner hat's gemerkt, wie Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassenund Giroverbandes und Aufsichtsratsmitglied der WestLB, freimütig zugibt: (Breuer) 3

4 Wenn man sagen muss "Ja, es sind Fehler gemacht worden", dann sind die ganz sicherlich, die Fehlentscheidungen, getroffen worden in dem Zeitraum, wo die Anstaltslast und die Gewährträgerhaftung wegfiel. Da hätte man, das muss man selbstkritisch einräumen, als Aufsichtsorgan aber auch als Eigentümer die Weichen anders stellen müssen. Ich hab' jetzt nicht vor, mit dem Finger jetzt auf diejenigen zu zeigen, die damals was falsch eingeschätzt haben, aber eine Wiederholung einer solchen Fehlentwicklung müssen wir unterbinden. Etwas anderes bleibt der WestLB auch gar nicht übrig, denn die EU- Kommission hat die staatlichen Milliardenhilfen nur unter strengen Auflagen gebilligt und auch das nur vorläufig: Brüssel hat Zweifel am tatsächlichen Wert der in die Bad Bank ausgelagerten Papiere und braucht mehr Zeit, um die Bilanzen zu prüfen. Das kann noch einige Monate dauern, doch auch wenn die Kommission zustimmt, kommen harte Zeiten auf die WestLB zu. Die EU-Wettbewerbshüter verlangen, dass die Bank ihr Geschäft halbiert und bis Ende 2011 verkauft wird. Das Problem: Es will sie keiner haben. Vor einem Monat hat der Bankenrettungsfonds den früheren Vorsitzenden der CDU- Bundestagsfraktion Friedrich Merz damit beauftragt, einen Käufer zu finden. Die neue NRW-Landesregierung wünscht sich dagegen eine andere Lösung. So heißt es im Koalitionsvertrag: ZITAT (Koalitionsvertrag) Wir verfolgen im Verlauf des Konsolidierungsprozesses das Ziel der Fusion der WestLB mit anderen Landesbanken. Dazu werden wir gemeinsam mit den weiteren Eigentümern der WestLB Gespräche mit den anderen Landesbanken und deren Eigentümern aufnehmen. Doch auch das wird alles andere als leicht, wer will schon mit einer Bank fusionieren, die auf einem riesigen Schuldenberg sitzt. 2007, als noch niemand von dem wahren Ausmaß der Fehlspekulationen wusste, hatte die Landesbank Baden-Württemberg Interesse angemeldet. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU war dagegen und 4

5 wehrte sich nach Kräften eine Entscheidung, die er sicher mehr als einmal bereut haben wird. -ENDE 1 MOD Die LBBW, die Landesbank Baden-Württemberg hat sich vermutlich nicht allzu lange über diese Entscheidung geärgert. Denn es dauerte nicht lange bis klar war: die größte deutsche Landesbank hat selber mehr als genug Sorgen, auch sie hatte sich massiv verspekuliert. Bis heute ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der schweren Untreue gegen amtierende und ehemalige Vorstandsmitglieder. Die LBBW versucht derweil wieder Boden unter den Füßen zu bekommen wie unsere Korrespondentin Uschi Götz berichtet Beitrag 2 LBBW (Uschi Götz) Die LBBW schrumpft sich zurzeit gesund. Von Arbeitsplätzen werden 2500 gestrichen. Gleichzeitig werden Vertretungen in Mailand, Paris und Barcelona geschlossen. Die Bank ist mit schwarzen Zahlen ins laufende Jahr gestartet. Im ersten Quartal 2010 fuhr sie unter dem Strich einen Gewinn von 136 Millionen Euro ein - das sind jedoch 42 Prozent weniger Gewinn als im vorangegangenen Quartal. Für das Gesamtjahr warnte Vorstandschef Hans-Jörg Vetter im Juni vor zu hohen Erwartungen. (Vetter) Dieses Quartalsergebnis kann keinesfalls auf das Jahresende hochgerechnet werden. Zum einen sehen wir, dass Teile dieses Ergebnisses Schwankungen der Märkte ausgesetzt sind und bitte nicht vergessen: außerdem profitiert das erste Quartal von einer niedrigen Risikovorsorge. 5

6 Das heißt, das dicke Ende zum Beispiel wenn Kredite nicht zurückgezahlt werden können kommt möglicher Weise noch. Es ist wahrscheinlich, dass die LBBW auch dieses Jahr mit einem Verlust abschließt. Grund für den Gewinnrückgang zum Jahresstart 2010 waren vor allem die Gebühren für den Risikoschirm der Eigner. Die Bank hatte sich in der Finanzkrise massiv verspekuliert. Die Eigner - Land, Sparkassen und Stadt Stuttgart - stützten das Institut mit rund fünf Milliarden Euro. Dieser finanziellen Unterstützung musste damals die EU- Kommission zustimmen. Und das tat sie nur unter bestimmten Auflagen: Bis 2013 muss die LBBW grundlegend umgebaut werden. Dieser Umbau bedrohe jedoch nicht die beiden in der LBBW integrierten Landesbanken, betonte LBBW Chef Vetter: (Vetter) Sowohl für die Rheinland- Pfalz Bank als auch für die Sachsen Bank gilt selbstverständlich, sie bleiben auch nach Abschluss der Restrukturierung integraler Bestandteil der LBBW. Rheinland Pfalz, Sachsen sowie die jeweils angrenzenden Wirtschaftsregionen zählen zum Kerngeschäftsgebiet der LLBW. Um das Kerngeschäft muss sich die Landesbank künftig ausschließlich kümmern. Gemeint ist das Kundengeschäft im Inland. So steht es in den Vorgaben der EU Kommission. Eine weitere Auflage: die bisherige Anstalt des öffentlichen Rechts in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. An die Stelle des Verwaltungsrats tritt somit ein Aufsichtsrat. Vergangene Woche beschloss der Stuttgarter Landtag eine entsprechende Änderung des Landesbankengesetzes. CDU Landesfinanzminister Willi Stächele: 6

7 (Stächele) Wir können nichts anderes tun, den Weg weiter zu gehen und wenn da der eine oder andere saure Apfel dabei sein möge - es bringt nichts. Wir müssen jetzt einfach ja sagen zu diesen Umstrukturierung, im Interesse der Landesbank Baden- Württemberg, im Interesse der Kreditversorgung für unsere mittelständische Wirtschaft. Die Landespolitik verliert mit dem Umbau an Einfluss bei der Bank. Doch der nun eingeschlagene Weg ist jedoch ohne Alternative. Die Grünen stimmten als einzige Partei gegen die Änderung im Landesbankengesetz, wenn auch aus anderen Gründen Eugen Schlachter, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, befürchtet, dass Gesetz bereite schleichend die Privatisierung der LBBW vor. Verdächtig sei, so Schlachter, eine Äußerung der FDP. Die Liberalen prophezeien - als positives Resultat der Gesetzesänderung - eine bessere Fungibilität der Bank. Der Grünen Politiker übersetze in der jüngsten Landtagsdebatte: (Schlachter) Fungibilität das ist so Juristenchinesisch und heißt nichts anderes die besser verkäuflich, leichter verkaufbar. Ich habe keinerlei Dementi gehört, weder vom Ministerpräsidenten noch vom Finanzminister... Diese Landesregierung will einfach Stück für Stück für eine Privatisierung zurechtbiegen. Zum Verkauf gehören beide, antwortete die FDP im Landtag. Einer der verkaufen wolle und einer der kaufe. Weit und breit gebe es keinen Käufer, so die Liberalen. Noch nicht. Doch das könnte sich in ein paar Jahren schlagartig ändern. Ist die Bank erst einmal verschlankt und hat sich neu geordnet finden sich schnell Interessenten. - ENDE 2-7

8 MOD Hypo Group Alpe Adria, kurz HGAA. Ein Begriff den einige Politiker und viele Landesbanker in Bayern wenn überhaupt nur noch mit spitzen Fingern anfassen. Mit spitzen Fingern hätte man wohl die HGAA damals besser anfassen sollen Das tat die BayernLB damals aber nicht - sie kaufte die HGAA - für fast 4 Milliarden Euro. Kaum 2 Jahre später dann wurde die HGAA wieder abgestoßen. Für einen symbolischen Euro. Ein katastrophales Geschäft mit Steuergeldern mit denen man sonst wohl so einiges Sinnvolles hätte anstellen können. Während derzeit ein Untersuchungsausschuss klären soll ob und wie viel Schuld an diesem schlechten Geschäft bayerische Landespolitiker hatten versucht die Bayern LB sich neu aufzustellen. Auch mit Hilfe griechischer Sagengestalten... Aus München berichtet Michael Watzke: Beitrag 3 Bayern LB (Michael Watzke) In der griechischen Sagenwelt muss Herkules den Stall des Augias ausmisten. Einen Stall mit 3000 Rindern, um den sich seit 30 Jahren niemand gekümmert hat. Und das alles an einem Tag. "Herkules" heißt auch das Restrukturierungsprogramm der Bayerischen Landesbank, erklärt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch: (Stefan Ermisch) Dieses Restrukturierungsprogramm Herkules ist auf einem guten Weg, und wir sind recht zuversichtlich, dass wir damit eine Grundlage gebildet haben, um diese Bank weiterzuführen. Der bayerische Herkules muss also die Bayerische Landesbank ausmisten. Indem er Personal reduziert, aus unsicheren Geldanlagen aussteigt und Tochterbanken verkauft. (Stefan Ermisch) Wir werden das ergänzen durch eine neue Etablierung unseres Mittelstandsgeschäftes. Sicherlich darf man das sagen, dass wir hier in der Vergangenheit vielleicht zu zögerlich unterwegs waren, in den 8

9 letzten zehn Jahren dieses Hauses. Wir haben das ja jetzt komplett neu aufgesetzt, also wir wollen ein klassischer Mittelstands-Unterstützer sein für Bayern und für Deutschland Den Mittelstand finanzieren das hören Politiker gern. Seit der Freistaat Bayern die BayernLB mit 10 Milliarden Euro Steuergeldern gerettet hat, ist er quasi Alleineigentümer. Trotzdem will Ministerpräsident Seehofer, Zitat: "die Bank Bank sein lassen." Sich also nicht einmischen. Hält er sich daran? Finanzvorstand Ermisch spricht von politischen Sensibilitäten: (Stefan Ermisch) Es ist gut, sie zu kennen, diese Sensibilitäten, um damit achtsam und sorgfältig umzugehen. Die Politiker müssen ihre Arbeit machen beim Wähler, und wir müssen unsere Arbeit machen beim Kunden und in unserem Job. Und am Ende ist die Schnittmenge so zu legen, wie sie ist, aber auch nicht weiter zu definieren. In dieser undefinierten Schnittmenge von Politik und Banking sieht der Münchner Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen das Kern-Problem der Landesbank. (Manuel Theisen) Gewählte Politiker mit einem Planungshorizont von vier Jahren sind eben nicht geborene Banker, weder auf Aufsichtsratsbänken noch auf Vorstandsrängen. Das heißt, es bleibt dem Freistaat Bayern nichts anderes übrig, als die Braut schön zu machen, wettbewerbsfähig zu machen, und dann als Objekt der Begierde dem privatwirtschaftlichen Wettbewerber anzubieten. Alles andere ist Wunschdenken. Politiker können vieles, aber sie können den Markt nicht so beeinflussen, dass eine faule Gurke plötzlich als schöne Braut erkannt wird. Also muss aus der faulen Gurke erst eine hübsche Braut werden. Der erste Schritt war, eine noch faulere Gurke abzustoßen: die marode 9

10 Kärntner Landesbank Hypo Group Alpe Adria, kurz HGAA. Die hatte die BayernLB erst für 3,7 Mrd. Euro gekauft und 2009, zwei Jahre später, für nur einen Euro verschenkt. Denn man fürchtete, die HGAA sei ein Fass ohne Boden. Ob bayerische Politiker für diesen Fehlkauf mitverantwortlich sind, durchleuchtet derzeit ein Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag Denn im Verwaltungsrat der Bank saßen hochrangige CSU-Politiker. Sepp Dürr, Ausschuss-Mitglied der Grünen, kritisiert die Strategie der BayernLB, deren Bilanzsumme ein Vielfaches des Bayerischen Staatshaushaltes beträgt: (Sepp Dürr) Man war der Meinung, es geht hier um die großen strategischen Entscheidungen, die Landesbank ist ein Global Player, und wir kriegen das schon. Wir sehen, dass diese Bank mit Problemen behaftet ist, aber wir kriegen das schon. Also Arroganz, die dann Ignoranz zur Folge hatte, dass man nicht so genau hingeschaut hat, nicht so recht wusste, was man tut. Bei der BayernLB spricht man nicht mehr gern über die Hypo Group Alpe Adria. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Ermisch schaut lieber in die Zukunft: (Stefan Ermisch) Ich weiß nur eins, dass wir mit über 10 Prozent Kernkapitalquote sehr gut dastehen, im deutschen Vergleich mit Sicherheit, und auch international uns sehr ordentlich schlagen. Sogar Gewinne macht die BayernLB schon wieder. Die derzeit laufenden Banken-Stresstests der EU betrachtet der Vorstand demonstrativ gelassen. Die BayernLB schnitt bei den Tests bisher gut ab. Denn die 10 Milliarden Euro Steuerzuschuss sind ein sicheres Polster. Außerdem scheint die Bank nur wenig Geld in jene Staaten investiert zu haben, deren Märkte viele Finanzexperten als unsicher 10

11 ansehen: die sogenannten PIIGS-Staaten, also Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Die BayernLB hat dort Anlagen von 1,2 Milliarden Euro. Wenig verglichen mit anderen Landesbanken, die ihre Investitionen dort gar nicht erst publizieren. Wahrscheinlich aus Angst vor der Reaktion der Märkte. Der Freistaat Bayern plant jedenfalls, die Bayerische Landesbank möglichst bald zu privatisieren, um seine 10 Milliarden Euro zurückzubekommen sind Landtagswahlen. Da würden sich 10 Milliarden mehr im Haushalt gut machen. Stefan Ermisch spricht aber lieber vom Zeitpunkt X. (Stefan Ermisch) Wenn der Freistaat Bayern sagt, in X Jahren, wann auch immer dieser Zeitpunkt sein wird, er möchte weitere Investoren einladen an der BayernLB, an diesem Zeitpunkt wird sich entscheiden, wie diese Kapitalerhöhung am Ende wieder zurückfließt. Aber anders als in der griechischen Sagenwelt kann Herkules in Bayern auch scheitern. Dann sieht es schlecht aus sagt Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen: (Manuel Theisen) Denn wenn der Markt keinen Preis für diese Bank zahlt, dann bleibt nichts anderes, als irgendwann zuzusperren. - ENDE 3 - MOD Zu guter letzt vom Süden in den Norden zur HSH Nordbank. Die beschreibt sich selber als "verlässlicher Partner der Wirtschaft in Norddeutschland" und verweist auf weltweite Spitzenposition in Sachen Schiffsfinanzierung. Regional verankert. Klingt gut scheint der Landesbank aber auch nicht gereicht zu haben das seriöse Geschäft. Eine kurze Geschichte der HSH Nordbank liefert unsere Hamburg- Korrespondentin Verena Herb. 11

12 Beitrag 4 HSH Nordbank (Verena Herb) Von einem Desaster spricht man inzwischen, wenn von der HSH Nordbank die Rede ist. Die Landesbank von Hamburg und Schleswig- Holstein, die auszog, "Global Player" zu werden: Und dabei scheiterte. Milliardenschwere Spekulationen mit hochriskanten Wertpapieren haben die HSH Nordbank an den Rand des Ruins gebracht. Der Rechtsanwalt Gerhard Strate beschäftigt sich seit knapp zwei Jahren mit der HSH Nordbank. Er meint, es sei unglaublich: (Strate) In welcher Weise hier mit Geldern umgegangen worden ist, für die letztlich im Rahmen der Gewährträgerhaftung auch der Hamburger und Schleswig-Holsteinische Steuerzahler einstehen muss. Anfang 2009: die HSH Nordbank muss von ihren Eigentümern, den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, vor der Pleite bewahrt werden. Mit drei Milliarden Euro Kapital und weiteren zehn Milliarden Euro an Garantien. Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtfertigt die Staatshilfe für die marode Landesbank (Merkel) Ich sage Ihnen, es gibt keine Alternative, dass diese Bank auch wieder auf die Beine kommt. Die ganzen Schiffsfinanzierungen, die ganzen Fragen der internationalen Projekte... Und da ist es richtig, dass der Staat eine Brücke baut, bis die Banken wieder Handlungsfähigkeit erreicht haben. Der damalige Finanzsenator Michael Freytag, CDU auch Mitglied im Aufsichtsrat der Bank, gerät schon zu Beginn des letzten Jahres massiv in die Kritik. Er habe schon vorab gewusst, in welch miserabler Lage die Bank steckt, das jedoch lange für sich behalten und die Öffentlichkeit nicht informiert. Freytag reagierte entrüstet: 12

13 (Freytag) Ich habe den Brand nicht gelegt, ich muss ihn löschen. Und es macht überhaupt keinen Sinn, jetzt den Feuerwehrmann bei der Arbeit zu erschießen. Es ist nicht allein die Finanzkrise, die die Bank ins Wanken bringt. Im Zuge der Untersuchungen stellt sich Anfang April 2009 heraus: Grund für die Schieflage waren auch umstrittene Transaktionen - unter anderem das sogenannte Omega 55-Geschäft. Die HSH Nordbank muss Ende 2007 Immobilienkredite in Milliardenhöhe loswerden. Das Problem: An sich sind die Kredite zwar solide, doch zu Beginn der Krise vollkommen unverkäuflich. Doch die Bank braucht Liquidität und muss ihre Bilanz bereinigen. Schließlich findet sie einen Käufer, die Großbank BNP Paribas. Die wiederum knüpft den Kauf an die Bedingung, dass die HSH Nordbank das Risiko für hochkomplexe Wertpapiere übernimmt, die das französische Institut loswerden will. Ein hochriskantes Geschäft, unter enormem Zeitdruck abgewickelt, das jetzt Konsequenzen nach sich zieht. Zwei Vorstandsmitglieder werden fristlos entlassen. Bei der Vorstellung der Nachfolger im Oktober 2009 tritt auch Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher vor die Presse. Zum Omega 55-Deal will er sich nicht äußern. (Nonnenmacher) Ich glaube, wir sollten die Vergangenheit die Vergangenheit sein lassen und den Blick nach vorne hier schauen. Wir haben jetzt zwei neue Vorstände und werden jetzt deutlich mehr Schwung in die strategische Neuausrichtung der Bank bekommen. Das solls von meiner Seite gewesen sein. Vielen Dank. Die strategische Neuausrichtung der Bank läuft: Weg mit dem internationalen Geschäft, Konzentration auf die Schifffinanzierung und den regionalen Markt. Doch das solls nicht gewesen sein: Denn Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt. Im Mai gibt es eine Razzia in der 13

14 HSH Nordbank. Wilhelm Möllers, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg: (Möllers) Hintergrund der Durchsuchung ist der Verdacht der gemeinschaftlichen schweren Untreue im Zusammenhang mit dem Omega 55 Engagement der Bank, sowie der Verdacht der unrichtigen Darstellung. Es gibt Hinweise auf Bilanzfälschungen. Und: Die Verluste durch Omega 55 belaufen sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Haben die Bankmanager damit gegen ihre Sorgfaltspflichten verstoßen? Das würde den Vorwurf der schweren Untreue begründen. Auch gegen Dirk Jens Nonnenmacher wird ermittelt: (Möllers) Herr Nonnenmacher wird bei der Staatsanwaltschaft nach wie vor als Beschuldigter geführt. Derzeit werden die Beweismittel ausgewertet, so Wilhelm Möllers gegenüber Deutschlandradio Kultur. Ein Abschluss des Verfahrens in welcher Art und Weise auch immer sei überhaupt nicht abzusehen. -ENDE SENDUNG - 14

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