Beitrag: Ruin statt Zusatzrente- Mit verlockenden Angeboten getäuscht

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1 Manuskript Beitrag: Ruin statt Zusatzrente- Mit verlockenden Angeboten getäuscht Sendung vom 31. August 2010 Von Olaf Kumpfert Anmoderation: Wer in Rente geht, braucht Geld. Am liebsten einen Versicherungsvertrag ohne Einsatz, mit hohem Renditeversprechen. Klingt nach windigem Haustürgeschäft, aber: möchte man das nicht einfach glauben, wenn es der Versicherungsverkäufer scheinbar stimmig vorrechnet? Vielen ging es so, als sie um die Jahrtausendwende eine Rentenversicherung des britischen Unternehmens Clerical Medical unterschrieben. Nur ein Bankdarlehen brauchten sie dazu, der Rest mache sich dann ganz von alleine, hieß es. Den nötigen Kredit für das Traumgeschäft gaben vor allem deutsche Landesbanken. Doch statt sicherer Rente haben die Versicherten jetzt einen Haufen Schulden, berichtet Olaf Kumpfert. Text: Günter Blender war mehr als 30 Jahre lang Außendienst- Mitarbeiter einer Firma für Türen- und Fenstertechnik. Anfang der 90-er Jahre entschloss er sich seine Altersversorgung aufzubessern. Der Rentenberater versprach ihm: Eine Zusatzrente zu meiner gesetzlichen Rente in Höhe von 600 Euro. Das war damals die Zusage, die ich als verbindlich angenommen habe. Und Rente ist für mich etwas absolut Sicheres. Das Konzept überzeugte ihn. Er vertraute dem Spezialisten, der behauptete, das Finanzmodell sei ohne Risiko. Er unterschrieb. Heute ist das sein finanzieller Ruin. Der Stand der Dinge ist: Ich habe Euro Schulden bei der Bayern LB. Die Rente ist weg, die wird nie ausgezahlt. Und mir stellt sich die Frage: Wie soll ich als Erwerbsminderungsrentner jemals diesen Betrag zurück zahlen? Das geht nur, wenn er sein Haus verkauft, sein zweites Standbein für die Altersversorgung.

2 Günter Blender fiel auf ein verlockend klingendes Angebot herein. Dessen Grundlage waren außergewöhnlich hohe Renditen bei der britischen Versicherung Clerical Medical. Versprochen wurde eine Zusatzrente, zum Beispiel monatlich 600 Euro. Der Kunde zahlt gar nichts, nimmt dafür aber einen Kredit von Euro auf. Zinssatz: Fünf Prozent, umgerechnet 600 Euro pro Monat. Die eine Hälfte des Kredits geht an die Versicherung, die auf Dauer zehn Prozent Ertrag verspricht und damit die Zinsen decken soll. Die zweite Hälfte fließt in einen Fonds. Der soll so viel erwirtschaften, dass am Ende der Laufzeit der Kredit getilgt wird. Dann genießt der Kunde die Auszahlung der Versicherung als lebenslange Zusatzrente. Nur traten die versprochenen Renditen nicht ein. Der Kredit wurde eben nicht getilgt. Statt Rente zu beziehen, sitzen die Kunden auf ihren Kreditschulden. Ich bin wütend, weil ich von mir aus nichts machen kann. Ich stehe als kleiner Mann von der Straße da, ohne Geld, ohne Zusatzrente, die mir einmal zugesichert war. Betroffen sind mehr als Anleger. Viele von denen vertritt Rechtsanwalt Pielsticker. O-Ton Dietrich Pielsticker, Rechtsanwalt: Das Problem des Kunden ist, dass er fest auf eine bestimmte Rendite aus dem Versicherungsvertrag angewiesen ist, weil die Zinsen bezahlt werden müssen. In dem Moment, wo diese Rendite ausbleibt, läuft das ganze gegen die Wand und das schlimme ist, dass der Kunde das gar nicht frühzeitig erkennen kann. Ein Finanzexperte hält das ganze Konzept von vornherein für unseriös. Zehn Prozent oder mehr Rendite sind auf Dauer nicht zu erzielen. Es sei denn, die britische Königin würde das Geld spendieren. Wer derartiges dem Kunden verspricht, weiß, dass er eine arglistige Täuschung begeht. Wir bitten Clerical Medical um eine Stellungnahme. Schriftlich teilt uns das Unternehmen mit: Unsere Position zu kreditfinanzierten Renten oder den so genannten Hebelgeschäften ist, dass Clerical Medical zu

3 keinem Zeitpunkt Hebelgeschäfte entwickelt, angeboten, vertrieben oder beworben hat. Die Versicherung will von allem nichts gewusst haben, schiebt die Verantwortung auf Vermittler wie Jürgen Moosmüller. Für ihn aber steht fest: Clerical Medical wusste genau, was da dem Kunden verkauft wurde. O-Ton Jürgen Moosmüller, Ex-Versicherungsvermittler: Bei der CM wurde das dementsprechend ja in ihren Antrag schon vermerkt, dass ihre Police für einen Kredit abgetreten wurde an die Bank. Sie wusste auch den Namen der Bank. Und deshalb wusste sie auch, dass hier eine Finanzierung erfolgte. Und die Versicherung wusste früh, dass das Konzept nicht aufgehen konnte. In einem internen Rundschreiben, das Frontal21 vorliegt, teilt Clerical Medical schon im Juli 2002 ihrem Vertrieb mit: Aufgrund der aktuellen Situation der Märkte halten wir folgendes für mehr als bedenklich: Bei Verträgen mit kurzer Laufzeit und Auszahlungen (10 bis 15 Jahre) mit 8,5% zu rechnen... Ihr solltet dieses Verkaufsverhalten zum Aspekt `Beratungshaftung überdenken und bis zu einer Markterholung mindestens auf oben genannte Punkte verzichten. Die Rendite war nicht zu halten. Das wussten auch die beteiligten Banken. Während die großen Privatbanken sich zurückhielten, machten ausgerechnet die Landesbanken das fragwürdige Geschäft. Neben der Bayern LB die Landesbank Baden- Württemberg, die HSH Nordbank und die Hessische Landesbank, alles Banken im Eigentum von Sparkassen und Bundesländern. Und die wollten unbedingt weiter kassieren. So wurden zum Beispiel extrem hohe Kreditprovisionen gezahlt, um das Geschäft zu generieren und die Bilanzen damit künstlich aufzublasen. Über die Hessische Landesbank hatte sich der Arzt Ludwig Krüger aus Brandenburg einen Kredit besorgt für seine Zusatzrente. O-Ton Ludwig Krüger, Arzt: Die Bank hat geprüft, hat das Konzept für gut befunden. Die Experten die dort sind, haben ja mehr Ahnung als ich, und damit hatte ich praktisch keine Bedenken mehr.

4 Von seiner Bank wurde er nicht über das höhere Risiko informiert. Heute ist auch seine Rente weg. Dafür sitzt er auf einem Schuldenberg von Euro. Wir fragen nach bei den Banken. Die Hessische Landesbank antwortet gar nicht. HSH Nordbank und Baden-Württembergische Landesbank teilen die Meinung der Bayerischen Landesbank. Die von Ihnen aufgelisteten Fragen von Betroffenen wurden von uns mehrfach intensiv geprüft. Die Prüfung hat keine Anhaltspunkte für eine Verletzung von Aufklärungspflichten seitens der Bayern LB ergeben. Für Finanzexperten liegt sehr wohl eine Verletzung von Aufklärungspflichten vor. Es steht daher auch zu vermuten, dass erhebliche Sorgfaltspflichtverletzungen in Kauf genommen wurden hinsichtlich der ordnungsgemäßen Überprüfung der Kreditunterlagen nach den gesetzlichen Vorgaben. Das aber ist den Banken nach Jahren schwer nachzuweisen. Und so richten sich die Klagen der Opfer zunächst gegen den britischen Versicherer Clerical Medical. Der wurde vom Landgericht Bamberg zu Schadenersatz verurteilt. Und das Oberlandesgericht bestätigte dieses Urteil. Zutreffend ist, dass der Versicherer den vom Versicherungsagenten fehlerhaft beratenen und unvollständig aufgeklärten Versicherungsnehmer so stellen muss, wie er bei einer richtigen Beratung gestanden hätte. Das Urteil gilt nur für den Einzelfall. Die vielen Geschädigten müssen, wie Ludwig Krüger und Günter Blender, jeder für sich ihr Recht erstreiten. Abmoderation: Die Kombination macht s: Naivität bei Versicherten trifft auf Verkaufsgeschick von Versicherungsagenten. Das führt nicht selten gegen die Wand. Zur Beachtung: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Der vorliegende Abdruck ist nur zum privaten Gebrauch des Empfängers hergestellt. Jede andere Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Urheberberechtigten unzulässig und strafbar. Insbesondere darf er weder vervielfältigt, verarbeitet oder zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden. Die in den Beiträgen dargestellten Sachverhalte entsprechen dem Stand des jeweiligen Sendetermins.

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