Gehört der Pkw wirklich in das gewillkürte Betriebsvermögen einer Arztpraxis?

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1 BETRIEBSVERMÖGEN Gehört der Pkw wirklich in das gewillkürte Betriebsvermögen einer Arztpraxis? von StB Claudia Himmelsbach, Villingen-Schwenningen Ein häufiger Diskussionspunkt zwischen Berater und Arzt ist das Auto. Hartnäckig hält sich bei den Mandanten das Gerücht, die Pkw-Kosten seien steuerlich am besten geltend zu machen, wenn der Pkw im Betriebsvermögen gehalten wird. Denn schließlich macht es der Kollege ja genauso. Es ist aber die Aufgabe des Steuerberaters zu prüfen, in welchen Fällen sich die Zuordnung zum Praxisvermögen wirklich lohnt. In diesem Beitrag soll ein einfaches Rechenmodell dazu vorgestellt werden. IHR PLUS IM NETZ Excel-Tool 1. Grundsätzliches Für die Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum Betriebsvermögen gelten folgende Grundsätze (siehe zu den folgenden Ausführungen Michels/Baldner, PFB 11, 35): Notwendiges Betriebsvermögen (BV): Betriebliche Fahrten machen mehr als 50 % der gesamten Kilometerleistung aus; Wahlrecht, ob gewillkürtes BV oder Privatvermögen (PV): Betriebliche Nutzung mindestens 10 % bis zu 50 %; Notwendiges PV: Private Nutzung von mehr als 90 %. Befindet sich das Fahrzeug im BV (notwendig oder gewillkürt), sind der Verkauf oder die Entnahme in das PV steuerpflichtige Vorgänge. Der Verkauf eines Pkw im PV ist jedoch nicht zu erfassen. Die Ausnahme bildet ein Verkauf innerhalb von einem Jahr nach der Anschaffung, sofern das Fahrzeug bis zum (Verkündung des JStG 2010) erworben wurde. Die private Nutzung für den zu mehr als 50 % betrieblich genutzten Pkw kann mit den auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen angesetzt werden, wenn die gesamten Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis Privatfahrten/betriebliche Fahrten mittels Fahrtenbuch nachgewiesen werden. Für die Ermittlung des betrieblichen Nutzungsanteils bei der 1-Prozent-Regelung reichen Aufzeichnungen über einen repräsentativen Zeitraum von mindestens drei Monaten. Ist ein Nutzungsanteil ermittelt, kann er auch für die Folgejahre angewendet werden, solange sich keine wesentlichen Veränderungen in Art und Umfang der Tätigkeit ergeben. Dies gilt auch dann, wenn das Fahrzeug ausgetauscht wird, solange dabei nicht die Fahrzeugklasse wechselt. Allerdings behält sich die Finanzverwaltung vor, im Rahmen einer Betriebsprüfung gewonnene Erkenntnisse zu abweichenden Nutzungsanteilen auch auf die Jahre vor und nach der Prüfung anzuwenden. Steuerpflichtige Veräußerung aus dem Betriebsvermögen Fahrtenbuch 1-Prozent-Regelung 32

2 PRAXISHINWEIS Wer für sein Fahrzeug Vorsteuerabzug und AfA geltend macht, den trifft die objektive Beweislast für dessen betriebliche Nutzung (FG Hamburg , 6 K 83/10, rechtskräftig). 2. Privatvermögen oder Betriebsvermögen? Für so manchen Arzt stellt sich diese Frage BV oder PV vielleicht aber auch gar nicht, denn der Arzt hat meist verhältnismäßig wenige betriebliche Fahrten (z.b. Hausbesuche, Bank, Steuerberater, Fortbildungen) außer den Fahrten zur Praxis. Wird das Fahrzeug allerdings (fast) ausschließlich zu Fahrten zur Praxis verwendet, liegt eine (fast) 100-prozentige betriebliche Nutzung vor, weil für die Frage der Zuordnung Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in voller Höhe zu den betrieblichen Fahrten zählen. Im Folgenden seien daher zwei Fälle unterschieden mit ihrer jeweils typischen Fragestellung: 10-Prozent-Hürde für gewillkürtes Betriebsvermögen ist u.u. ein Problem Fall 1: Das Fahrzeug zählt zum (notwendigen) Betriebsvermögen: Hier interessiert, ob es günstiger ist, den Privatanteil mit der 1-Prozent-Regelung zu ermitteln oder ein Fahrtenbuch zu führen. Fall 2: Das Fahrzeug könnte als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden. Hier interessiert, ob die Einlage in das Betriebsvermögen wirklich vorteilhaft ist. In beiden Fällen kommt es auf folgende Parameter an: Kaufpreis (für die Berechnung der AfA) Bruttolistenpreis (für die 1-Prozent-Regelung) Geplante Nutzungsdauer, die der Arzt das Auto fahren will (für die Betrachtung nachdem das Kfz abgeschrieben ist) Entfernungskilometer zur Arbeitsstätte Fahrleistung nach der betrieblichen/privaten Nutzung Fahrzeugkosten (laufende Kosten (z.b. Benzin), Finanzierung, Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer, Reparaturen, Inspektionen) Wichtige Parameter für den Vergleich Synopse zur grundlegenden steuerlichen Behandlung Betriebsvermögen Anschaffungskosten Einlagewert kein Ansatz Betriebsausgabenabzug Berücksichtigung der Privatnutzung alle Kosten des Autos, die mit dem Halten und Betreiben verbunden sind (s. Checkliste in diesem Beitrag) Privatnutzung wird zugerechnet durch: Nachweis im Fahrtenbuch oder pauschal (1-Prozent-Regelung) Veräußerungsgewinn steuerpflichtig steuerfrei Privatvermögen nur für die betrieblich gefahrenen Kilometer Nachweis durch pauschalen Ansatz 30 Cent/km oder Kostenermittlung/km 33

3 2.1 Ermittlung der Gesamtaufwendungen Zu den gesamten Aufwendungen gehören Kosten, die unmittelbar dem Halten und dem Betrieb des Kfz dienen und die im Zusammenhang mit seiner Nutzung zwangsläufig anfallen (BFH , VI R 37/03, BStBl II 06, 72). Dies gilt für Fahrtenbuchmethode und 1-Prozent-Regelung gleichermaßen. Kosten für das Halten und den Betrieb des Kfz PRAXISHINWEIS Das Urteil (BFH , a.a.o.), das eigentlich die Überlassung eines betrieblichen Pkw an den Arbeitnehmer betrifft, ist auch anzuwenden, wenn es darum geht, den privaten Nutzungsanteil nach 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 und 3 EStG zu ermitteln. Die folgende Übersicht enthält eine Aufstellung der von der Finanzverwaltung akzeptierten Aufwendungen: Checkliste: Pkw-Gesamtkosten Abschreibungen (i.d.r. 6 Jahre) Schuldzinsen Leasingkosten Kfz-Haftpflichtversicherung Kfz-Kaskoversicherung Kfz-Rechtsschutzversicherung Kfz-Schutzbrief Beitrag zu einem Automobilclub Benzin, Diesel, Öl Inspektion, Wartung Reparaturen Ersatzteile, Zubehör, Wagenpflege Reifen Garagenmiete Sonstiges (z.b. TÜV) Diese Aufwendungen lassen sich zwar nicht einzelnen Fahrten unmittelbar zuordnen. Es ist jedoch möglich, sie kilometerbezogen auf private und betriebliche Fahrten aufzuteilen. 2.2 Das Fahrzeug zählt zum notwendigen Betriebsvermögen Zählt das Fahrzeug zum notwendigen Betriebsvermögen, ist der Aufwand für Privatfahrten zu neutralisieren. Dies kann mit Hilfe eines Fahrtenbuchs oder mit der 1-Prozent-Regelung geschehen. Beide Verfahren kommen zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Privater Nutzungsanteil: Fahrtenbuch oder 1-Prozent- Regelung Beispiel 1: Betriebliche Nutzung > 50 % Ein Arzt hat einen Neuwagen zum Preis von EUR erworben (Bruttolistenpreis EUR). Er nutzt das Fahrzeug für betriebliche ( km) und für private Fahrten ( km). Von den betrieblichen Fahrten entfallen km auf Fahrten zwischen Wohnung und Praxis (15 Entfernungskilometer, 240 Arbeitstage). 34

4 Ermittlung des betrieblichen Nutzungsanteils km km % Betriebliche Fahrten lt. Fahrtenbuch (km) ,95% davon Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte davon sonstige betriebliche Fahrten Privatfahrten ,05% Summe Fahrleistung (km) ,00% Kfz-Kosten (p.a.) Jahr ab 7. Jahr laufende Kosten (z.b. Benzin) 1.200, ,00 Finanzierung 2.500, ,00 Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer 800,00 800,00 Reparaturen, Inspektionen 500,00 500,00 Abschreibungen (6 Jahre) 9.000,00 0 Summe Kfz-Kosten (p.a.) , ,00 durchschnittliche Kosten EUR/km 0,63 0,23 Fahrten zw. Wohnung und Arbeitsstätte Entfernungskilometer (einfach) 15 Fahrten an Tagen im Jahr 240 Pauschale/km (EUR) 0,30 Entfernungspauschale (EUR) 1.080,00 1. Private Nutzung nach der 1-Prozent-Regelung Jahr ab 7. Jahr private Nutzung/Eigenverbrauch 1% 7.800, ,00 Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte 0,03% 3.510,00./. Entfernungspauschale 1.080,00 nicht abzugsfähige Betriebsausgabe 2.430, ,00 Zurechnung (gewinnerhöhend) , ,00 Summe Kfz-Kosten (p.a.) , ,00 Ansatz der (verbleibenden) Betriebsausgaben (Kostendeckelung) 3.770, ,00 2. Ermittlung anhand des Fahrtenbuchs Jahr ab 7. Jahr Entfernungspauschale 1.080, ,00 sonstige betriebliche Fahren 3.153, ,13 Ansatz der Betriebsausgaben 4.233, ,13 Vorteil Fahrtenbuch 463, ,13 Ab dem 7. Jahr tritt die Kostendeckelung ein, da die Eigenverbrauchshinzurechnung die Gesamtkosten übersteigt (7.800 EUR EUR > EUR). Nach Tz. 20 von BMF ( , IV C 6 - S 2177/07/10004) soll dem Stpfl. mindestens die Entfernungspauschale verbleiben. Ergebnis: Mit einem Fahrtenbuch wird insgesamt der größtmögliche Betriebsausgabenabzug bewirkt. 35

5 FAZIT Mit der Fahrtenbuchmethode wird in der Regel über die gesamte Laufzeit der höchstmögliche Betriebsausgabenabzug geltend gemacht werden können. Der Vorteil des Fahrtenbuchs gegenüber der 1-Prozent-Regelung steigt tendenziell, je höher der Bruttolistenpreis über den Anschaffungskosten liegt. 2.2 Das Fahrzeug qualifiziert sich für das gewillkürte Betriebsvermögen Liegt die betriebliche Nutzung nicht über 50 % (aber bei mindestens 10 %), dann könnte das Fahrzeug als gewillkürtes Betriebsvermögen eingebracht werden. Ob das vorteilhaft ist, lässt sich a priori nicht entscheiden. Es kommt ganz wesentlich auf die Höhe des Veräußerungsgewinns am Ende der Haltedauer des Fahrzeugs an, denn der ist bei einem Fahrzeug im Betriebsvermögen steuerpflichtig. Die 1-Prozent-Regelung ist in diesem Fall nicht anwendbar Ob PV oder BV lässt sich a priori oft nicht sagen Beispiel 2: Betriebliche Nutzung bei mindestens 10 % und nicht mehr als 50 % Die Voraussetzungen entsprechen denen in Beispiel 1. Allerdings belaufen sich die Fahrten zwischen Wohnung und Praxis nur auf km. Die betriebliche Fahrleistung sinkt damit auf km. Dadurch sinkt der Anteil der betrieblichen Fahrten unter 50 %. Ermittlung des betrieblichen Nutzungsanteils km km % Betriebliche Fahrten lt. Fahrtenbuch (km) ,53% davon Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte (5 km x 2 x 240 Tage) davon sonstige betriebliche Fahrten Privatfahrten % Summe Fahrleistung (km) ,00% Kfz-Kosten (p.a.) Jahr 7. und 8. Jahr ab 9. Jahr laufende Kosten (z.b. Benzin) 1.200, , ,00 Finanzierung 2.500, , ,00 Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer 800,00 800,00 800,00 Reparaturen, Inspektionen 500,00 500,00 500,00 Abschreibungen BV (6 Jahre) 9.000, Abschreibungen PV (8 Jahre) BV: Summe Kfz-Kosten (p.a.) , , ,00 BV: durchschnittliche Kosten EUR/km 0,80 0,29 0,29 PV: Summe Kfz-Kosten (p.a.) , , ,00 PV: durchschnittliche Kosten EUR/km 0,68 0,68 0,29 Entfernungspauschale (EUR) 360,00 (1.200 km x 0,30 EUR) Hinweis: Die Finanzverwaltung akzeptiert bei einem Pkw im PV erfahrungsgemäß eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von acht und nicht von sechs Jahren (BFH , VI R 82/89). 36

6 A. Zuordnung des Pkw zum Betriebsvermögen Jahr 7. und 8. Jahr ab 9. Jahr 1. 1-Prozent-Regelung (nicht zulässig) Ermittlung anhand des Fahrtenbuchs 4.382, , ,78 sonstige betriebliche Fahrten 4.022, , ,78 + Entfernungspauschale 360,00 360,00 360,00 B. Zuordnung des Pkw zum Privatvermögen Jahr 7. und 8. Jahr ab 9. Jahr 1. Ansatz der pauschalen Kosten 1.860, , ,00 Fahrten Wohnung- Arbeitsstätte (EntfPausch) 360,00 360,00 360,00 sonstige betriebliche Fahrten 1.500, , ,00 2. Ansatz laut Kostenaufstellung 3.736, , ,78 Fahrten Wohnung- Arbeitsstätte (EntfPausch) 360,00 360,00 360,00 sonstige betriebliche Fahrten 3.376, , ,78 Bereits an dieser Stelle wird deutlich: Wer bei Zuordnung zum PV nur die Pauschalen ansetzt, verschenkt Geld. Der Vorteil, den Pkw im Praxisvermögen zu halten, stammt daher, dass das Fahrzeug im BV schneller abgeschrieben wird als im PV (sechs statt acht Jahre). Für den endgültigen Vorteilsvergleich kommt es wesentlich auf den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn an. Gerade bei Fahrzeugen der Oberklasse ist ein Wertverlust von etwa 50 % nach drei Jahren nicht unüblich. Annahmegemäß soll der Veräußerungspreis dem Restwertverlauf folgen. Wert des Pkw nach... Jahren in x % der Anschaffungskosten 85% 70% 55% 40% 30% 15% 10% in EUR , , , , , , ,00 Restbuchwert am Ende von Jahr (6 Jahre) , , , , ,00 0,00 0,00 Entnahme/ Veräußerungsgewinn 900, , , , , , ,00 Betriebsausgaben BV 4.382, , , , , , ,78 Betriebsausgaben PV 3.736, , , , , , ,44 Vorteil (+) / Nachteil (-) des BV ggü. PV (Kostenaufstellung) 646,55 646,55 646,55 646,55 646,55 646, ,66 FAZIT Den Pkw in das Betriebsvermögen zu nehmen, ist kein allgemeingültiges Steuersparmodell. Je wertbeständiger das Fahrzeug ist, desto höher ist auch sein Restwert und umso größer die Gefahr, dass ein Entnahme-/Veräußerungsgewinn zu berücksichtigen sein wird, der den Vorteil aufzehrt. WEITERFÜHRENDE HINWEISE Der Arzt und sein Auto (Michels/Baldner, PFB 11, 35) Neues Anwendungsschreiben zur Privatnutzung von betrieblichen Kfz (Kreft, PFB 10, 128) 37

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