Mikrodatenbasierte Analyse von Finanzmarktstabilität Problem, Anwendungen, Möglichkeiten Wien, 19. Mai 2014

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1 Mikrodatenbasierte Analyse von Finanzmarktstabilität Problem, Anwendungen, Möglichkeiten Wien, 19. Mai 2014 Pirmin Fessler Abteilung für volkswirtschaftliche Analyse Oesterreichische Nationalbank

2 WAS IST DAS PROBLEM? - 2 -

3 Finanzmarktstabilität Ziel: Finanzsystem soll effiziente Allokation von Ressourcen sicherstellen sichere Spareinlagen Auszahlung vereinbarter Zinsen bei Anleihen kein Verlust des Eigenkapitals keine Rettung durch Steuergeld funktionierende Transmissionskanäle für Geldpolitik Risikomonitoring Regulierung und Aufsicht sollen exzessive Risiken verhindern Einzelbanken kontrollieren systemische Risiken im Bankensektor überwachen Entwicklungen bei Haushalten (Fokus der Präsentation) und Firmen überwachen, um Rückwirkungen auf Finanzsektor einschätzen zu können Moral Hazard und Too Big to Fail Probleme berücksichtigen Unsicherheit ist unvermeidbar Kosten und Nutzen zusätzlicher Risiken ( übersetzte Unsicherheit) Kosten und Nutzen von Regulierung Aufteilung der Belastungen im Krisenfall - 3 -

4 Warum wir Mikrodaten brauchen (Banken) Beispiel: Bank A: 5 % Eigenkapital Bank B: 15 % Eigenkapital Bilanzsummen gleich Schock 2: Wir beobachten nun 8 % Eigenkapitalquote im Aggregat. Was ist passiert? Vieles möglich Im Aggregat 10 % Eigenkapital Schock 1: gleichverteilte Wertberichtigung im Ausmaß von 5 % Bei Aggregatsbetrachtung kein Problem sichtbar. 5 % Eigenkapitalquote übrig. Selbstverständlich werden Risiken bei Banken auf Basis von Einzelbankdaten beurteilt. Tatsächlich: eine Bank Pleite, die andere 10 % Eigenkapitalquote - 4 -

5 Warum wir Mikrodaten brauchen (Haushalte) Beispiel: Haushalt A: 20 % Eigenkapital bei Hauskauf Haushalt B: 80 % Eigenkapital bei Hauskauf Wert der Häuser gleich Im Aggregat Loan-to-Value-Ratio von 0,5 Schock 1: gleichverteilter Hauspreisverfall im Ausmaß von 40 % Bei Aggregatsbetrachtung kein Problem (für Banken) sichtbar. Loan-to-Value- Ratio von rund 0,8. Schulden Wert des Hauses LTV Haushalt A ,8 Haushalt B ,2 Aggregat ,5 Schock Haushalt A ,3 Haushalt B ,3 Aggregat ,8 Bisher leider kaum mikrodatenbasierte Indikatoren, die Risikoanalyse ermöglichen würden. Tatsächlich: Ein Kredit under water. Bei default des Haushalts bleibt Kreditverlust im Ausmaß von 20 % des ursprünglichen Hauswerts. Der andere Haushalt hat nun LTV von 0,3. Vor allem weil kaum Daten zur Verfügung standen/stehen. Aber: rasch wachsendes Feld

6 Fragen Aggregate zur Einschätzung langfristiger Trends (z. B.: BIP, Arbeitslosigkeit, oder Capital-Income- Ratio bei Piketty) langfristige strukturelle Zusammenhänge verstehen kurzfristig Aggregate informiert fortschreiben (Prognose) Ergebnisse von Mikroanalysen als Input für Makromodelle Mikrodaten zu Banken, Unternehmen und Haushalten zur Risikoanalyse und Policy-Evaluation bzw. Policy-Impact-Assessment Regulierung und Aufsicht sollen exzessive Risiken verhindern systemisches Risiko analysieren (Netzwerke der Agenten) Wie sind die Ausfallswahrscheinlichkeiten? Wer trägt welches Risiko? Wer trägt letztlich das Risiko? Wer trägt die Kosten in bestimmten Szenarien? Wie beeinflussen Policy-Maßnahmen das Risiko und was für andere Auswirkungen haben sie? (Link zu Aggregaten) - 6 -

7 WAS WISSEN WIR? - 7 -

8 - 8 -

9 - 9 -

10 - 10 -

11 - 11 -

12 - 12 -

13 - 13 -

14 - 14 -

15 WAS KÖNNEN WIR TUN?

16 Warum wir bessere Daten brauchen Wirtschaft muss dokumentiert werden, um analysiert werden zu können. Über zentrale Größen gibt es nach wie vor wenig Information (Verschuldung, Wert der Besicherung, etc.). Es gibt immer Gewinner und Verlierer: Welcher/m Firma/Bank/Haushalt nützt eine bestimmte Policy, wem nicht? Es gibt immer Trade-offs: Schadet eine bestimmte Policy dem Wachstum? Verringert sie vielleicht aber Volatilität der Wachstumsrate?

17 Danke und Auf Geht s! Finanzmarktstabilität erforschen! Bachelorarbeit? Diplomarbeit? Dissertation?

18 OeNB zum Thema Albacete, N., J. Eidenberger, G. Krenn, P. Lindner und M. Sigmund (2014). Risk Bearing Capacity of Households Linking Microlevel Data to the Macroprudential Toolkit. In: Financial Stability Report 27, Oesterreichische Nationalbank (OeNB). (forthcoming) Fessler, Pirmin und N. Albacete Stress Testing Austrian Households. Financial Stability Report 19, Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Fessler, Pirmin, M. Schürz und N. Albacete Risk Buffer Profiles of Foreign Currency Mortgage Holders. Financial Stability Report 23. Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Lindner, P. und N. Albacete Household Vulnerability in Austria A Microeconomic Analysis Based on the Household Finance and Consumption Survey. Financial Stability Report 25. Oesterreichische Nationalbank (OeNB)

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