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1 QM & RP P roduction PPS ERP Zeitschrift für industrielle Informationstechnologie PLM WISSEN PLM KOMPAKT 2006/2007 CAPP CAD/ CAM STEP Methoden und Werkzeuge Marktübersicht Lösungen und Strategien SCM IPPM Controlling EDM/ PDM CRM Hersteller und Produkte In Kooperation mit:

2 Nicht nur Geschmackssache. cool, schnell & anders CoCreate OneSpace Designer

3 PLM WISSEN KOMPAKT 2006/2007 P Strategie für Qualität der Unternehmensprozesse Inhalt Das Produkt ist in den Fokus der Entscheidungsträger in Fertigungsunternehmen gerückt. Die Zeitspanne von der Idee bis zur Markteinführung ist für ein Fertigungsunternehmen wettbewerbsrelevant: Je kürzer sie ausfällt, je optimaler die Fertigungsprozesse ausgerichtet und je früher Fehlerpotenziale unschädlich gemacht wurden, desto erfolgreicher agiert das Unternehmen am Markt. Unternehmensweit operierende Systeme wie Produktdatenmanagement PDM, Enterprise Resource Planning ERP, Supply Chain Management SCM oder Customer Relationship Management CRM generieren und nutzen Daten, die mit Hilfe einer strategisch konzipierten IT-Infrastruktur verwaltet werden diese Rolle spielt das Product Lifecycle Management (PLM)-System. Es stellt den Anwendungen, die den Lebenszyklus eines Produkts begleiten, eine einheitliche Datenbasis nach definierten Regeln zur Verfügung. IT-Lösungen für das Management des Produktlebenszyklus sind also keine fertig vorliegenden Systeme. Je komplexer die zu integrierenden Produkte und Prozesse eines Anwenders sind, desto individueller fallen die Lösungsansätze von seiten der Systemanbieter und Dienstleister aus. Große Firmen haben die strategische Bedeutung von PLM erkannt und in IT-Lösungen investiert. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen heute vor der Herausforderung, als Entwicklungspartner oder Zulieferer ihre eigenen Prozesse integrationsfähig zu gestalten. Lebensphasen eines Produkts S.04 Fertigungsprozesse & Produktentwicklung integriert S.08 Marktübersicht S.14 Mit System zum Erfolg S.18 Wirtschaftlichkeitsrechnung S.20 Wieviel PLM braucht der Mittelstand? S.22 Methodische Vorbereitung einer PDMS-Einführung S.24 Von der Produktidee zur Produktbegleitung S.26 Firmenportraits ab S.29 Impressum S.46 Abonnement S.47 Viel Spaß beim Lesen wünscht Stefanie Philipp Redaktion IT&Production 3

4 PLM-Wissen: IT&Production Lebensphasen eines Produkts Von der Strategie zur Technologie Dass der Lebenszyklus eines Produkts bei der Idee beginnt, ist der gängige Ansatz der meisten Begriffsklärungen. Doch hört er nicht beim Vertrieb auf und hier scheiden sich die Geister. Auch Service und Recycling gehören heute als integrale Bestandteile zum Lebenslauf eines industriellen Produkts. Gesetzliche Regelungen verpflichten die Hersteller, Sorge für die Altgeräte-Entsorgung zu tragen, und staatlich regulierte Gewährleistungsverpflichtungen gegenüber dem Kunden sprechen ebenso für die weitläufige Auslegung. Räumlich und zeitlich verteilte Teams sind heute das typische Bild in der Produktion. Um ihnen eine Zusammenarbeit in Echtzeit zu ermöglichen, schafft eine IT-Lösung für das Produkt-Lebenszyklus-Management eine Methodik ebenso wie eine Informationsstruktur, die den geregelten Zugriff der Anwender auf relevante Daten und Anwendungen ermöglicht. Die heterogene Anwendungs- und Systemlandschaft im Unternehmen wird durch offen gestaltete Schnittstellen zu einer Basis für effektive Entscheidungsprozesse in der gesamten Lebensphase eines Produkts integriert. Dabei spielt auch die konsequente Verwendung von Standards eine bedeutende Rolle, denn hierdurch kann der Transformationsaufwand für unterschiedliche Datenformate vermieden werden. Von der Entwicklung bis zum serienreifen Produkt sind in der industriellen Produktion unterschiedliche Anwendungen am Lebenszyklus des Produkts beteiligt: Planung (PPS/ERP), Konstruktion (CAD), Fertigung (CAM), Controlling, Vertrieb und Service, aber auch die Lagerhaltung zählen zu den Unternehmensbereichen, die relevante Daten erzeugen und verwenden. Diese Daten zentral zu organisieren und den Zugriff und die Kommunikation der heterogenen Systemlandschaft zu regulieren, ist Aufgabe eines PLM-Systems. Ein erheblicher Teil der zu verwaltenden Daten und Prozesse generiert sich aus unternehmensweit operierenden Systemen zum Produktdatenmanagement (PDM) und dem Enterprise Resource Planning (ERP). Weitere Bestandteile liefern das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) und das Supply Chain Management (SCM). Folglich muss eine erhebliche Menge an Daten, die im Idealfall auf einer zentralen Plattform zusammentreffen, strukturiert werden 4

5 P und nach bestimmten Regeln an verschiedenen Stellen im Unternehmen zur Verfügung stehen. Ein PLM-System übernimmt genau diese regulierende Funktion, ist also ein Konstrukt aus integrierten Anwendungen, Datenbanksystemen und Software-Produkten, die den Entstehungsprozess eines Produkts umfassend technologisch begleiten. Wer profitiert von PLM? Die Geschäftsführung, die den Weg einer konzeptionellen Gesamtsicht auf die technologische Unterstützung des Produktlebenszyklus wählt, wird feststellen, dass nach der Umsetzung eines PLM-Projekts im Unternehmen die Kosten im Bereich der Produktentwicklung gestiegen sind. Dagegen steht allerdings eine signifkante Kostenreduzierung in der Fertigung. Die Produktentwicklung selbst profitiert von einer erheblichen Verbesserung, was die Transparenz sowie Verfügbarkeit von Informationen anbelangt. Auch qualitätsrelevante Prozesse im Unternehmen können durch den vereinfachten Zugriff auf Unterlagen und durch kontrollierte Freigabeverfahren optimiert werden. Die Unternehmensbereiche Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Service (Kundendienst und Recycling) erfahren im operativen Arbeitsbereich eine Entlastung. Die Organisation betrieblicher Abläufe wird durch die einheitliche Datenbasis, die eine PLM-Lösung mit sich bringt, effizienter plan- und steuerbar. Insbesondere Prozesse, die das Produkt von der Entwicklung bis zur Entsorgung flankieren, können durch eine strukturierte Informationslandschaft integrierter und systematisierter funktionieren. 5

6 PLM-Wissen: IT&Production Kompetenzfeld Dienstleistung Das IT-gestützte Management des Produktlebenszyklus ist ein individuelles Konzept für den jeweiligen Anwender. Ein entscheidender Faktor für die Umsetzung der integrierten Produktentwicklung ist die Unterstützung durch einen spezialisierten Dienstleister bei der Erstellung eines individuellen Fahrplans für Strategie, Prozessoptimierung und letztlich die Implementierung selbst. Die Zergliederung der industriellen Produktion von der zentralen zu einer dezentralen Fertigung macht die Abstimmung des Datenaustauschs umso notwendiger. Kopplung und Synchronisation sind heute nicht mehr mit Standard-Software zu bewältigen, da heterogene Systemlandschaften und Eigenentwicklungen den Markt beherrschen. Auch Dienstleister, die unter anderem die Individualisierung von Lösungen übernehmen, engagieren sich aus diesem Grund verstärkt bei den derzeitigen Bemühungen zur Standardisierung von Datenformaten und Schnittstellen. Lösung für KMU Integrierte Zuliefernetzwerke fordern heute auch von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Bewältigung dynamischer Unternehmenskooperationen. Die hohen Aufwendungen für ein umfassendes technologisches PLM- Konzept haben bei Entscheidern viel Skepsis verbreitet. Das Product Lifecycle Management ist in diesem Bereich nicht akzeptiert. Eine Initiative zwischen Forschungseinrichtungen der TU München und dem Fachinformationszentrum (FIZ) in Karlsruhe sowie Beteiligten aus der industriellen Praxis, Beratern und Systemhäusern hat aus diesem Grund ein Vorgehensmodell entwickelt, das auf die spezifischen Anforderungen zugeschnitten ist und eine langfristige Steigerung der Wirtschaftlichkeit erzielt. Träger des 2004 abgeschlossenen Projekts war die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/ VDE-IT) in Berlin. Product Lifecycle Management beherrschen Springer-Verlag 306 Seiten EUR 59,95 ISBN Die Beherrschung der IT ist im Produktentstehungsprozess zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Basierend auf existierenden Standards entwickelt dieses Anwenderhandbuch ein ganzheitliches Vorgehensmodell, das kleine und mittlere Unternehmen Schritt für Schritt zum Lifecycle Management führt. Der Anwender kann das Vorgehensmodell, das von der Konzeption über die Einführung, Pflege und Wartung bis hin zur kontinuierlichen Weiterentwicklung führt, stufenweise umsetzen. 6

7 Ich liebe meine IT-Projekte besonders mit Branchen-Experten, die meine Sprache sprechen. Mit den Infor Branchenlösungen werden Ihre Prozesse spürbar schlanker und effizienter. Ob im Supply Chain Management oder im Enterprise Resource Planning, ob im Product-Lifecycle-Management oder im Bereich Business Intelligence. Überzeugen Sie sich selbst unter Infor bietet maßgeschneiderte Branchen-Lösungen Automotive Diskrete Fertigung Großhandel Prozessindustrie Tel:

8 PLM-Wissen: ARC Advisory Group Fertigungsprozesse & Produktentwicklung integriert Produktionsingenieure können Fertigungsstätten entwerfen, synchronisieren und validieren, noch bevor die realen Ausrüstungsteile für die Produktion gekauft werden. Möglich macht es eine integrierte Software-Suite neuer PLM-Tools für die Entwicklung von Fertigungsprozessen in 3D-Simulationsumgebungen. Die Fertigung in zahlreichen Industriebereichen muss eine Reihe neuer Anforderungen erfüllen. Die drastische Reduzierung der Zeitspanne im Bereich Time-to-Market und eine hohe Produktvariabilität sind nur zwei Beispiele. Kombiniert mit dem Zwang zu ständiger Innovation führen die Anforderungen dazu, dass sich die Hersteller auf die Senkung der Produktionskosten, die Verbesserung der Produktqualität und die Verkürzung der Lieferzeiten konzentrieren. Die Reduzierung der Zeit bis zur Markteinführung eines Produkts und die gleichzeitige Optimierung der Fertigungsprozesse wird immer wichtiger. Das liegt daran, dass sich die Produktlebenszyklen kontinuierlich verkürzen, die Anzahl der Produktmodelle und -varianten sprunghaft ansteigt, die Marktpreise sinken und immer mehr Bereiche dem Outsourcing zum Opfer fallen. Zur Bewältigung dieser Aufgaben nutzen führende Hersteller digitale Fertigungslösungen. Die so genannten PLM-Tools bilden eine integrierte Software-Suite zur Entwicklung von Fertigungs- prozessen, der Konstruktion von Werkzeugen und Vorrichtungen, der Gestaltung von Fabrik- und Produktionssystemen sowie zur Visualisierung, Automatisierung und Validierung innerhalb einer leistungsstarken 3D-Simulationsumgebung. Produktionsingenieure können mit den Werkzeugen Fertigungslinien, Roboterstationen, Bearbeitungszentren, Fertigungsmaschinen und Steuerungssysteme entwerfen, synchronisieren und validieren, bevor auch nur ein einziges reales Ausrüstungsteil für die Produktion gekauft wird. Der Hersteller erreicht durch den Einsatz der Technologien eine signifikante Reduzierung der Zeitspanne bis zur Markteinführung neuer Produkte. Ebenso können hohe Kosteneinsparungen bei der Validierung und Inbetriebnahme der zugehörigen Produktionssysteme erzielt werden. Ein Schlüsselmerkmal digitaler Fertigungslösungen ist, dass die Fertigungs- und Steuerungsingenieure perfekt aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten. In virtuell erstellten Fertigungslinien verschmelzen so Arbeitsstationen, Roboter und andere Produk- 8

9 P Pharma und Kosmetik 16,3% Andere Chemie 17,9% 15,9% Medizintechnik 7,9% Telekom Andere 4,6% 8,2% Luft- und Raumfahrt 17,6% 17,7% Genuss- und Nahrungsmittel 32,3% Konsumgüter Fabrication & Assembly 20,4% Elektronik 17,8% Automobil 23,4% Links: 2005 wurden in der Fabrikautomatisierung 6,1 Mrd. US-Dollar für PLM Software & Services ausgegeben. Rechts: In der Prozessautomatisierung hatte der Markt für PLM Software & Services 2005 ein Volumen von 776 Mio. US-Dollar. tionseinrichtungen mit Automatisierungs- und Steuerungslösungen. Der Prozess ermöglicht den Steuerungsingenieuren, den tatsächlichen Steuerungscode aus der virtuellen Simulation der Produktionssysteme zu extrahieren. Der gesamte Funktionsumfang der Steuerung sowie sämtliche Systemschnittstellen können auf diese Weise kostensparend validiert werden. Zusammenarbeit von Entwicklung und Fertigung Die vollständige Integration der Fertigungsprozesse und der Produktentwicklung ist ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung der PLM-Technologie. Die digitale Fertigung (Digital Manufacturing) wird zu einem neuen und bedeutsamen Funktionsbereich. Das beginnt mit der Entwicklung der Fertigungsprozesse und findet seine Fortsetzung in der Nutzung der entsprechenden Prozessinformationen. Diese bilden die Grundlage der konkreten Umsetzungsphase im Produktlebenszyklus. Darüber hinaus ermöglichen die Anwendungen und Lösungen durch die gemeinsame Nutzung von digitalen Produktdefinitionen eine effektive Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungs- und Fertigungsbereichen. Heutzutage wird die digitale Fertigung mithilfe integrierter Tool-Suites führender PLM- Anbieter implementiert. Sie verwenden leistungsstarke Simulations-, Visualisierungs- und andere Zusatzanwendungen, um eine virtuelle Welt aus Fertigungslinien, Arbeitsstationen, Maschinen, Werkzeugen und anderen Einrichtungen zu erstellen. In diese virtuelle Umgebung werden dann digitale Produktdesigns integriert, um einen kooperativen und zeitlich parallelen Produktentwicklungs- und Produktfertigungsprozess zu 9

10 PLM-Wissen: ARC Advisory Group ermöglichen. Das Konzept der zeitlich parallelen Entwicklung von Produkt und Fertigungsprozess kam erstmals im Zusammenhang mit dem Concurrent Engineering, der verteilten zeitgleichen Produktentwicklung, auf. Beim Entwurf eines Teils standen dabei nicht nur Fragen der Passung, Form und Funktionalität im Vordergrund, auch die Erfüllung von Fertigungsvorgaben spielte eine wichtige Rolle. Im Zentrum dieses Ansatzes stand eine Entwicklungsumgebung, die bereits frühzeitig im Entwicklungsprozess die Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs- und Fertigungsingenieuren unterstützte. Doch während das Konzept bei der Entwicklung von Teilen, Baugruppen und sogar Anlagen gut funktionierte, gab es grundlegende Abstimmungsprobleme zwischen dem Entwicklungsprozess und den komplexen Fertigungsprozessen. Die Entwicklung (Design) und die konkrete Umsetzung (Build) sind typische Verantwortungsbereiche zweier getrennter und dennoch zusammenhängender Prozesse. Das Konzept- und Produkt-Engineering befasst sich hauptsächlich mit der Entwicklung des Produkts. Das Manufacturing Engineering kümmert sich im Schwerpunkt um die Ausarbeitung der Prozesse, die für die Fertigung benötigt werden. Vom Software-Standpunkt aus wird durch CAD/ CAE-Tools festgelegt, was gebaut werden soll. Tools zur Entwicklung von Fertigungsprozessen kommen für das Wie zum Einsatz. Die digitale Fertigung bildet eine ganzheitliche Sichtweise auf die Produkt- und Prozessentwicklung und erkennt beide Bereiche als wesentliche Bestandteile des gesamten Produktlebenszyklus an. Die ständige Interaktion mit den Fertigungsingenieuren sensibilisiert die Produktentwickler für Prozessbeschränkungen und -möglichkeiten und führt zu einer vollständigen Integration ihrer Arbeit mit den tatsächlichen Gegebenheiten der Fertigungsprozesse. Vom digitalen Modell zur virtuellen Fertigung Das Aufkommen der digitalen Fertigung hängt direkt mit der Entwicklung von PLM und der digitalen Definition von Produkten und Prozessen zusammen. Hersteller wagten den Sprung von technischen Zeichnungen in Papierform hin zu zwei- und dreidimensionalen Draht- und Körpermodellen. Am Ende dieser Dynamik standen vollständig digitalisierte Modelle des fertigen Produkts. Parallel hierzu entwickelten sich in ihrem Umfang, ihren Möglichkeiten und ihrem Entwicklungstand stetig die Verfahren und Tools weiter, die all dies ermöglicht haben. Neben den virtuellen Modellen von Maschinen, Robotern etc. ist es möglich, die Fabrikumgebung des Produktionsprozesses mitsamt Gebäuden, Fertigungslinien, Transportmitteln, Workflows und überhaupt allem, woraus die vollständige physische Produktionsumgebung besteht, als Modell darzustellen. So wie Produktentwickler digitale Modellentwicklungstools für die Schaffung virtueller Modelle des Endprodukts verwenden, können Fertigungsingenieure digitale Fertigungs- 10

11 P Oben links: Der Part Planner von UGS Tecnomatix liefert Mitarbeitern Detailinformationen zu Fertigungsteilen und minimiert damit den Recherche- und Abstimmungsaufwand im Planungsprozess. Unten rechts: Auch Fertigungsprozesse und Fabrikgestaltungen werden heute zunächst einmal digital simuliert, da virtuelle Testläufe dabei helfen, Kosten einzusparen. tools zur Visualisierung der Produktionsprozesse einsetzen. Mithilfe digitaler Modellentwicklungswerkzeuge können Produktentwickler das Zusammenfügen von Teilen und Baugruppen simulieren und Entwicklungsfehler vermeiden. Gleichzeitig werden Produktverbesserungen realisiert. Zeit-, Geld- und Arbeitsaufwand werden durch den Wegfall der unzähligen Prototypen, die für die Validierung des Produktdesigns normalerweise benötigt werden, bedeutend reduziert. Das Konzept der Validierung mit Unterstützung durch digitale Simulationen kann heute auf Fertigungsprozesse und Fabrikgestaltungen angewendet werden. Die digitale Fertigung erweitert die Visualisierung und die Erstellung virtueller Modelle über das Produkt hinaus bis in den Bereich der Produktionsprozesse und der Systeme zur Fertigungsautomatisierung. Virtuelle Automatisierung In der virtuellen dreidimensionalen Welt entsteht das letzte Bindeglied zur tatsächlichen Fertigungsumgebung durch die Einbindung der Steuerungssysteme der Maschinen. Erschaffen wird diese mit den bekannten PLM-Technologien wie Produkt- Authoring mit Körpermodellen, digitalen Modellen und der Simulation von Fertigungsprozessen. 11

12 PLM-Wissen: ARC Advisory Group Die Simulation von Werkzeugmaschinen, Förderbändern, Roboterstationen, SPS-Steuerungen, Einspannvorrichtungen, Antrieben sowie Pneumatik- und Hydrauliksystemen ist nur der Anfang. Viel schwieriger ist die Bereitstellung präziser Informationen, mit denen die Steuerungssysteme all dieser Produktionseinrichtungen betrieben werden. Genau zu dieser Verschmelzung von digitaler Fertigung und Automatisierung führen Tools wie die Roboter- und Automatisierungslösungen von UGS (ehemals Tecnomatix) oder die Delmia V5 Automatisierungsplattform von Dassault Systèmes. Sie stellen das ultimative Bindeglied zur Produktionsstätte dar. Heutzutage werden die für diesen Prozess unerlässlichen Automatisierungssysteme und Controller, z.b. Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), über zeitaufwändige zweidimensionale grafische Darstellungen programmiert, die auf einer der nach IEC festgelegten Programmiersprachen basieren. Weiterhin kommen die jeweils spezifischen Control-Mapping- Systeme der einzelnen Automatisierungsanbieter zum Einsatz. Wenn die Steuerungslogik für ein automatisiertes Produktionssystem dann programmiert ist, muss der Steuerungsfachmann die Steuerungslogik physikalisch innerhalb des implementierten Automatisierungssystems validieren. Bei der Automatisierungssimulation wird dieser Prozess in die 3D-Umgebung integriert. Die Fertigungs- und Steuerungsingenieure können so ihr SPS-Programm zusammen mit dem Logikund Steuerungssystem des automatisierten Systems in einer vollständig virtuellen Umgebung entwickeln und validieren. Die Plattformen zur Automatisierungssimulation ermöglichen die Reduzierung von Fehlern, die Validierung des Steuerungssystems und die Abmilderung von Risiken in einer virtuellen Umgebung. Lange bevor reale Maschinen und Einrichtungen zum Einsatz kommen, sind diese Maßnahmen abgeschlossen. Dies ist eine tatsächliche Verschmelzung der dreidimensionalen, virtuellen Simulationsumgebung mit der realen Welt der Automatisierung mit ihrer Steuerungslogik und den Steuerungsplattformen. Dieser Beitrag wurde erstmals im automatisierungs-atlas 2006/07 veröffentlicht. Autor David W. Humphrey ist Senior Analyst bei der ARC Advisory Group Deutschland und zuständig für ARC s Manufacturing Advisory Services in Europa. In seiner 19-jährigen Berufskarriere arbeitete er u.a. für Rockwell Automation und die Raytheon Company. Humphrey ist Elektroingenieur und studierte am Stevens Institute of Technology in den USA. Außerdem ist er Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien und der University of South Carolina, wo er den International MBA erwarb. 12

13 Das Jahrbuch des Maschinen- und Anlagenbaus im Abo! Sie sparen 20,- Jahr für Jahr immer pünktliche Zustellung umfassende, aktuelle Marktübersichten und Trends zur Unterstützung Ihrer Arbeit keine Versandkosten 79,-.(inkl. MwSt. und Versand). (inkl. MwSt. und Versand) Weitere Informationen zur Bestellung erhalten Sie per Telefon: oder im Internet unter TeDo-Verlag GmbH SPS-MAGAZIN Postfach 2140 D Marburg Tel.: Fax:

14 PLM-Marktübersicht Anbieter Internet-Adresse Produktname Produktstrukturverwaltung 3D Baugruppen Verwaltung Acatec Software GmbH Acatec Software GmbH Agile Software Ascad GmbH BCT Technology AG BCT Technology AG Cadenas GmbH Cenit AG Systemhaus Cenit AG Systemhaus CoCreate Compass systems Contact Software GmbH Delmia GmbH DSC Software AG ECS GmbH egssoft GmbH IBM Deutschland GmbH IBS AG IFS Deutschland GmbH & Co. KG InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG ISD SOftware und Systeme GmbH Mapics GmbH MatrixOne Procad PSIPenta Software Systems GmbH PTC SAP Deutschland AG & Co. KG Siemens A&D SofTech GmbH SSA Global GmbH SteinhilberSchwehr AG think3 GmbH/Marketing Transcat PLM GmbH & CO. KG UGS VSG Software & Service GmbH VSG Software & Service GmbH VSG Software & Service GmbH POWER CONFIGURATOR POWER CAD-PILOT Agile PLM Solutions ASCAD Solution Map SAP BCT PDM PLM-easy PARTsolutions SAP\'s PLM Integration für CATIA EnterpriseConnector OneSpace.net COMPASS CIM DATABASE Digital Factory PLM++ ecenter 5.1 Captaris Alchemy CATIA Version 5 CAQ=QSYS IFS Applications ShiftXpert HELiOS next und HiCAD next MAPICS PLM Matrix10 PRO.FILE PSIpenta.com PLM Pro/ENGINEER Wildfire und Windchill mysap PLM Simatic IT Interspec ProductCenter PLM SSA PLM PDM/PLM thinkdesign PLM Teamcenter NX Unigraphics Teamcenter Mastercam 14

15 Allgemeine Funktionen/ PDM Prozess- und Produktion Projektmanagement Produktkonfiguration Stücklistenmanagement Versionenmanagement Variantenmanagement Bauteileklassifikation Druckmanagement Kostenmanagement Langzeitarchivierung Zugriffsverwaltung Collaboration Tools Workflowmanagement Dokumentenverwaltung Projektmanagement Unterstützung von EAI Geschäftsprozessmanagement (BPM-Tools) Fabrikplanung Produktionssteuerung Simulation und Modellierung 15

16 PLM-Dienstleister Anbieter Internet-Adresse Vertriebspartner für... Agile Software Ascad GmbH Atec advanced technologies GmbH Atos Origin GmbH Card PLM GmbH Cenit AG Systemhaus ci-base Software GmbH Cimpa GmbH DSC Software AG ECS GmbH gedas Life Cycle Engineers GmbH MDTVision GmbH Prostep AG T-Systems Enterprise Services GmbH Techsoft Datenverarbeitung GmbH usb GmbH Agile, MatrixOne, PTC, SAP, UGS CoCreate, HP, UGS PTC SAP k.a. Dassault Systèmes, SAP, MSC Software Velocity, Solid Edge, Teamcenter, Femap unabhängig k.a. UGS, SAP MatrixOne, MentorGraphics unabhängig k.a. k.a. IBM, Dassault Systèmes, SAP, UGS, PTC,MatrixOne PTC, CoCreate, Missler, A+B Systems Agile PDM-Marktübersicht Anbieter Internet-Adresse Produktname Bestandsdatenübernahme Ascad GmbH B.I.M.-Consulting mbh CoCreate Contact Software GmbH Csocom Computer GmbH DLoG Manufacturing Solutions GmbH EVO Informationssysteme GmbH hybris InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG IQuadrat AG ISD SOftware und Systeme GmbH Parkstreet GmbH proalpha Software AG Procad PSIPenta Software Systems GmbH Schema GmbH Siemens A&D Steeb Anwendungssysteme GmbH think3 GmbH UGS UGS Teamcenter PDV Model Manager CIM DATABASE FactoryDIRECTOR prorm CAMback enterprise hybris PIM Plattform SCALARVIS PHOENIX EDM HELiOS next P4 Enterprise proalpha PRO.FILE PSIpenta.com EDM/PDM SCHEMA ST4 SIMATIC IT mysap PLM thinkteam Teamcenter 16

17 Servicepartner für... Managementkonzepte für Prozess-Optimierung Business Case Berechnung Produktoptimierung Anwenderschulung Trainings-Center virtuelle/interaktive Trainingsformate 24/24 7/7 Support Systempflege (Updates) Datenaustausch/ Datenreparatur Agile, MatrixOne, PTC, SAP, UGS CoCreate, HP, UGS, SAP PTC SAP, PTC mysap PLM Dassault Systèmes, IBM, SAP Teamcenter Engineering, UG NX unabhängig SAP UGS, SAP, PTC, ematrix MatrixOne, SAP, PTC, MentorGraphics, IBM, Dassault Systèmes unabhängig IBM Global Sercvices k.a. IBM, Dassault Systèmes, SAP, UGS, PTC, MatrixOne PTC, CoCreate, Missler, A+B Systems Agile Produktstrukturverwaltung 3D-Baugruppen Verwaltung Produktkonfiguration Stücklistenmanagement Konfigurations-/ Versionenmanagement Variantenmanagement Bauteileklassifikation/ Sachmerkmalleisten Output Management Publishing-Komponente Terminplanung Kostenmanagement Zugriffsverwaltung Workflowmanagement Projektmanagement Collaboration Sicherheitskonzept 2D-Viewing-Komponente 3D-Viewing-Komponente Langzeitarchivierung Compliance Management Middleware Visualisierungsfunktionen/ Integrierter Viewer Unterstützung externer Viewer 17

18 PLM-Wissen: RWTH Aachen Mit System zum Erfolg Die Produktivität von Innovationsprozessen wird aufgrund sinkender Innovationszyklen im Markt, kürzerer Amortisationsdauern und einer höheren Angebotsvielfalt für den Erfolg deutscher Unternehmen immer wichtiger. Gleichzeitig müssen Unternehmen der zunehmenden Komplexität von Innovationsaufgaben begegnen. Product Lifecycle Management (PLM) ist die ganzheitliche Steuerung und Verwaltung der produktbezogenen Daten über den Verlauf des Produktlebenszyklus. PLM erstreckt sich dabei von der Strategie zur Steuerung des Produktprogramms über die eigentlichen Entwicklungsprozesse bis hin zu den unterstützenden IT- Systemen. Erfolgreiche Unternehmen definieren in ihrer PLM-Strategie alle Entscheidungen, die durch ein PLM-System unterstützt werden sollen. Dabei legen sie fest, wie Informationen eingesetzt werden sollen, um aus ihnen den optimalen Nutzwert zu erzielen. Das Product Lifecycle Management als organisatorisches Konzept muss stets auf die individuellen Belange eines Unternehmens zugeschnitten werden. Die IT-Systeme allen voran das Produktdatenmanagement (PDM) stellen einen wesentlichen Baustein für die Umsetzung eines PLM-Konzepts dar. Analyse bestehender PLM-Lösungen Um die etwa 55 auf dem deutschen Markt verfügbaren Lösungen umfassend zu bewerten, wurde das Aachener PLM-Modell entwickelt, das 13 Hauptfunktionen des Product Lifecycle Managements unterscheidet und Lösungen anhand von ca. 300 Kriterien bewertet. Neben der Funktionserfüllung wurden folgende Entwicklungstrends festgestellt. An Bedeutung gewinnen: Funktionen am Anfang des Lebenszyklus Anforderungsmanagement Produktplanung Funktionen am Ende des Lebenszyklus Dienstleistung Wartung Instandsetzung 18

19 P Projektmanagement Materialstammverwaltung Klassifizierung Stücklistenverwaltung Variantenmanagement Dokumentenmanagement Visualisierung Änderungs- und Konfigurationsmanagement Kollaboration Systemintegration und -management Darstellung der durchschnittlichen Erfüllungsgrade bei ausgewählten Funktions- und Untergruppen bestehender PLM-Lösungen. Alle Systeme zeichnen sich durch hohe Integrationsfähigkeit aus. Ein weiterer Trend ist, dass die Variantenbildung und das Konfigurationsmanagement über den Lebenszyklus unterstützt werden. Bei modernen Lösungen wird außerdem die Integration zwischen virtueller und realer Produktentstehung (PDM und ERP) durchgängiger gestaltet und die Kollaboration immer stärker durch Funktionen wie Workflows, Wissensdatenbanken und Austauschfunktionen unterstützt. Autor Dipl.-Ing. Dirk Assmus ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Laboratorium für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre (WZL) an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und leitet dort die Gruppe Entwicklungsmanagement. Seine Themenschwerpunkte sind das Product Lifecycle Management, Lean Innovation, Gestaltung von Entwicklungsprozessen und Effizienzmessung in der F&E. 19

20 PLM-Wissen: Universität Magdeburg Wirtschaftlichkeitsrechnung Der Unternehmenserfolg hängt heute, insbesondere im produzierenden Sektor, stärker denn je von einem effektiven Prozess- und Projektmanagement ab. Die Durchlaufzeit verkürzen, Kosten reduzieren, die Produktqualität erhöhen, das Prozessrisiko abschätzen und vorhandene Ressourcen minimieren das sind nur einige Ziele, die es zu erreichen gilt. Projektleiter und Unternehmensführung müssen entscheiden, welche Investitionen für den Einsatz neuer Werkzeuge, Methoden und Technologien bei gleichzeitiger Sicherung der Liquidität des Unternehmens getätigt werden sollen, um auch in Zukunft am Markt zu bestehen. Die Produktentwicklung kann als signifikante Informations- und Innovationsquelle eines Unternehmens betrachtet werden. Allerdings sind Prozesse in der Produktentwicklung üblicherweise sehr komplex und dynamisch, nicht nur, weil Innovationen und Kreativität nicht einem strikt vorgegebenen Weg folgen, sondern auch, weil an den Prozessen viele Mitarbeiter mit wachsenden Aufgabenspektren und unterschiedlicher Qualifikation beteiligt sind. Außerdem nutzen Produktentwickler unterschiedliche Technologien und Werkzeuge in den Prozessen, z.b. CAx-Systeme, EDM/PDM-Systeme, Internet- und Office-Anwendungen, ohne dabei die vorhandene Leistungsfähigkeit voll auszunutzen. Die Abkürzung CAx steht für Computer Aided x und bezeichnet alle Varianten computergestützter Anwendungen. Darunter fallen: CAE Computer Aided Engineering CAD Computer Aided Design CAI Computer Aided Innovation CAM Computer Aided Manufacturing CASE Computer Aided Software Engineering CAP Computer Aided Planning DMU Digital Mock Up FEM Finite Elemente Methode RP Rapid Prototyping VR Virtual Reality Oft ist es nicht leicht, das jeweils am besten geeignete System und die dazugehörenden Dokumente, Daten oder Informationen zur richtigen Zeit, im richtigen Umfang und in der entsprechenden Güte zu finden. Aufgrund unklarer Abläufe und Informationsflüsse ist es schwierig, den Projektfortschritt zu erfassen. Die Verbesserung der genannten Beispiele können Bestandteile einer PLM-Einführung sein. Zuerst müssen die Prozesse unter organisatorischen, methodischen und technologischen Aspekten analysiert werden. Daraus lassen sich für die Wirtschaftlichkeitsrechnung einer PLM-Einführung Kosten und Nutzen ableiten. Diese betreffen die Erhöhung des Qualifikationsbedarfs der Mitarbeiter, die Optimierung der Prozessabläufe sowie den verbesserten Einsatz von Methoden und eventuell neu zu beschaffende Technologien. Die Kosten einer PLM-Einführung lassen sich einfach bestimmen. Jedoch ist es in Bezug auf deren Wirtschaftlichkeit für Führungskräfte unumgänglich, auch die Nutzen 20

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