Städtische Fachschule für Bautechnik Meisterschule für das Bauhandwerk

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1 Städtische Fachschule für Bautechnik Meisterschule für das Bauhandwerk Dokumentation Europaprojekt Bestandserhaltung Kirchenburg Mardisch 2010/11 Projektnummer : DE/10/LLP-LdV/PLM/282217

2 Inhaltsverzeichnis Titelseite 1 Inhalt 2 Das Projekt Bestandserhaltung Kirchenburg Mardisch, Vorgeschichte, 3 Zustandekommen des Projektes, Projektantrag Die Kirchenburg in Mardisch 4 Die Rahmenbedingungen - Wohnort Martinsdorf 5 - Wohnen und Schlafen 6 - Essen und Trinken Die am Projekt beteiligten - Leitstelle Kirchenburgen - Fachschule für Bautechnik - Heimatortsgemeinschaft Mardisch e. V. 1. Arbeitseinsatz 1. bis 22. Juni 2010 Das Team Die Eröffnungsfeier Die Maßnahmen - Dokumentation - Maurer (Sockel, Gewölbe, Strebepfeiler) - Zimmerer (Binderbalken, verfaulte Hölzer, Dach) - Sonstiges Erkundigungen der Umgebung - Hermannstadt - Deutsch-Weißkirch und Holzmengen Die Abschlussfeier 2. Arbeitseinsatz 25. April bis 15. Mai 2011 Das Team Die Eröffnungsfeier Die Maßnahmen - Maurer (Burgmauer, Fenstersturz, Strebepfeiler) - Zimmerer Schwelle und Binderbalken, Streben, - Straßenbauer (Pflasterung, Vermessungsarbeiten) - Sonstiges (Einglasen der Kirchenfenster) - Einheimische Helfer - Bushäuschen in Martinsdorf Erkundigungen der Umgebung - Wurmloch, Birthälm, Schäßburg und Probstdorf - Hermannstadt Die zweite Abschlussfeier , 28, 29, 30 31, Aus der Sicht beteiligter Schüler Statistik 42 Bilder, die wir nicht vergessen werden 43 Impressum 44 Rückseite 45

3 Das Projekt Bestandserhaltung Kirchenburg Mardisch Auf einen Vorschlag des Schülers Johannes Thussbas, kam der Stellv. Schulleiter der FS Bautechnik im Februar 2009 nach Siebenbürgen. Während einer Rundreise wurden verschiedene Ortschaften und deren Kirchenburgen besichtigt. Außerdem entstand der Kontakt zur Leitstelle Kirchenburgen sowie zum Architekten Jan Hülsemann. Schon während der Rundfahrt und bei den Gesprächen mit Ioana Deac von der Leitstelle entstand die Idee, über ein Europaprojekt den Schülerinnen und Schülern der FS Bautechnik die Möglichkeit zu bieten, Bauerfahrung im Ausland an einem denkmalgeschützten Gebäude zu sammeln und damit auch einzelne Kirchenburgen erhalten zu können. Im November 2009 wurden auf einer von der Leitstelle organisierten Rundfahrt die Kirchenburgen in Hundertbücheln, Rothberg und Mardisch als mögliche Renovierungsobjekte besichtigt. Die von der Fachschule beteiligten Kollegen Hans Gröbmayr und Daniel Wiedenhöfer wählten die Kirche in Mardisch, die am baufälligsten war, als Projektkirche aus. Die Auswahl erfolgte nicht zuletzt auch deshalb, weil der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Mardisch e.v., Fritz Roth, den Eindruck vermittelte, bei der Logistik eines möglichen Projektaufenthaltes tatkräftig mitzuhelfen. In den folgenden Monaten bis Februar 2010 wurde von Hans Gröbmayr der Projektantrag für die Förderung des Projektes als europäisches Mobilitätsprojekt Leonardo da Vinci bei der Nationalen Agentur in Bonn gestellt. Dieser Antrag wurde Anfang Mai genehmigt. Die Förderung der EU betraf nur Reise- und Aufenthaltskosten. Parallel zum Antrag wurde deshalb versucht, weitere Fördermittel für Baumaterialien und sonstige Kosten zu erhalten. Dies gelang durch die Förderzusagen der Bayerischen Staatsregierung, dem Berufsförderungswerk des bayerischen Baugewerbes e.v. sowie der Stiftung des bayer. Holzbaugewerbes, Donat Müller. Die Ausreise zum 1. Projektaufenthalt sollte bereits zum 1. Juni erfolgen. Aus diesem Grund musste trotz der Unsicherheit, ob das Projekt überhaupt genehmigt wird, mit voller Kraft an der Vorbereitung des ersten Projektaufenthaltes gearbeitet werden. Dazu war es notwendig, vor Ort Partner zur Zusammenzuarbeit zu finden. Diese mussten Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden haben. Jan Hülsemann als Architekt und Henriette Lemnitz als Restauratorin waren uns bei der Beschreibung und Vorplanung der durchzuführenden Baumaßnahmen und der Materialbestellung, sowie bei den Arbeiten an der Kirche eine große Hilfe. Die Leitstelle Kirchenburgen war für die Genehmigung der geplanten Maßnahmen verantwortlich. Fritz Roth und die HOG Mardisch waren verantwortlich für die Organisation der Logistik vor Ort, für das leibliche Wohl, die Schlafmöglichkeiten und mögliche einheimische Helfer vor Ort. In wöchentlichen Projektsitzungen wurde der Projektaufenthalt vorbereitet. Schüler wurden über das Projekt informiert und auf die sprachlichen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort vorbereitet. Fahrzeuge wurden organisiert, Maßnahmenbeschreibungen ausgearbeitet, Materiallisten erstellt, Versicherungen abgeschlossen, sowie Werkzeug- und Maschinenlisten erstellt. Groß war dann die Freude, als die Genehmigung des Projektes Anfang Mai in München einging. Nun wurden Werkzeuge, Maschinen und die persönlichen Gegenstände gepackt. Die große Reise konnte beginnen. Vor dem zweiten Projektaufenthalt waren die gleichen Vorbereitungsarbeiten nötig. Zwar konnte auf den Erfahrungsschatz des ersten Aufenthaltes zurückgegriffen werden. Aber diesmal waren wir fast 50 Personen, deren Aufenthalt in Mardisch und Martinsdorf organisiert werden musste. 3

4 Die Kirchenburg in Mardisch Nur sehr wenige der Projektteilnehmer haben in der Vergangenheit schon etwas von Siebenbürgen gehört. Der dreiwöchige Aufenthalt hat nun dazu geführt, dass einige der Schüler und Lehrer fast zu Siebenbürgenexperten geworden sind, sicher aber alle zu Liebhabern dieser märchenhaft schönen Landschaft mit ihren verschlafenen Kleindörfern. In Siebenbürgen haben sich deutsche Siedler, vor allem aus dem Rhein- und Moselgebiet, beginnend mit der zweiten Hälfte des 12.Jahrhunderts niedergelassen. Sie folgten dem Ruf der ungarischen Könige, die die südöstlichen Reichsgrenzen vor den vielfältigen, oft überraschenden Angriffen zahlreicher Wandervölker sichern mussten. Hier erhielten die deutschen Kolonisten zum Dank wichtige Privilegien, die sie auf dem sogenannten "Königsboden" zu freien Menschen machten, die sich die eigenen politischen und religiösen Führer selbst wählen konnten. In den Urkunden der königlichen Hofkanzlei wurden sie "Saxones" (Deutsche) genannt, so dass sich die Siedler später selbst als Siebenbürger Sachsen bezeichneten. Über 800 Jahre haben die Sachsen in Siebenbürgen gelebt, über die Jahrhunderte mal zu Ungarn, dann zum Habsburger Reich bzw. Österreich-Ungarn, ab 1918 schließlich zu Rumänien gehört. Hier haben sie das Wirtschaftsleben angekurbelt, die Kultur zum Blühen gebracht und zusammen mit Ungarn, Rumänen und Zigeunern eine gut durchmischte Gesellschaft begründet. Die am besten sichtbaren Zeugnisse der Siebenbürger Sachsen sind die zahlreichen Kirchen und Kirchenburgen, die einen in jedem Ort majestätisch begrüßen. Durch die fast vollständige Auswanderung der Sachsen nach der Wende werden diese Kirchen oft nicht mehr genutzt, die geschrumpften evangelischen Kirchengemeinden können sie aus eigener Kraft kaum noch erhalten. Eines dieser Paradebeispiele steht in Mardisch. Auf halbem Wege von Hermannstadt (rum. Sibiu) nach Mediasch biegt man in Martschelken (rum. Şeica Mare) nach rechts ins Kaltbachtal ein. Die Straße wird von einer wunderschönen Hügellandschaft umgeben, einzelne Bauern sieht man die Felder bestellen, mit Geräten die wahrscheinlich schon vor hundert Jahren genau so benutzt wurden. Die Abgelegenheit dieser Dörfer hat ihre Authentizität bewahrt, der Reisende hat hier die Möglichkeit eine noch unentdeckte Dorflandschaft vorzufinden. Nochmals muss die Hauptstraße, diesmal nach links, verlassen werden. In einem kleinen Seitental des Kaltbachs erwartet den dankbaren Touristen Mardisch. Aus der Ferne grüßt die Kirchenburg. Auf der rechten Seite, auch auf einem Hügel, im Schatten einer großen, alten Linde liegt der Friedhof. Seine Gräber sind Zeugen einer alten, nun aber untergegangenen, sächsischen Gemeinschaft. Urkundlich wird Mardisch 1373 zum ersten Mal erwähnt, das Dorf scheint aber noch älter zu sein. Die ersten Bewohner bauten sich auf dem zentral gelegenen Hügel als erstes eine kleine Kirche, die später ausgebaut und dem heiligen Nikolaus geweiht wurde. Am Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhielt sie das heutige Aussehen. Später kam eine Ringmauer mit Wehrturm dazu. Die gotische Saalkirche wird im Osten von einem Chor mit Kreuzrippengewölbe abgeschlossen. Der alte Glocken- bzw. Stundturm, im Westen der Kirche vorgelagert, ist 1880 eingestürzt und konnte nicht mehr neu aufgebaut werden. Über drei Seiten der Kirche erstreckt sich eine Holzempore. Außergewöhnliche Bauplastiken schmücken den Chor. Zum Gesamtensemble der Kirche gehört die alte Schule im Süden bzw. das Pfarrhaus im Nordosten der Kirche. 4

5 Die Rahmenbedingen Wohnort Martinsdorf Die Kirche in Mardisch gehört zum Bezirk Mediasch und liegt sowohl in der geografischen Mitte von Siebenbürgen als auch von Rumänien. Da in Mardisch und in einem Umkreis von 30 km keine geeigneten Quartiere zu finden waren, haben wir uns im seit 20 Jahren leer stehenden Pfarrhaus und der Schule von Martinsdorf einquartiert. Martinsdorf liegt 5 km von Mardisch entfernt. Die Orte liegen beide im wunderschönen Kaltbachtal. Das Flüsschen Calva mäandert zwischen teilweise bewaldeten, charakteristisch geformten Hügeln, auf den immer wieder Schafherden weiden. Jeff Schmalz, MODIS Rapid Response Team, NASA/GSFC Stiefel - South East Europe - All Rights Reserved Moardas = Mardisch, Baustelle Kirchenburg, Metis = Martinsdorf, Wohnort Infrastruktur im mitteleuropäischen Sinn ist in diesem Landstrich nicht vorhanden. Zusammen mit Helfern der HOG haben wir Duschcontainer im Pfarrgarten von Martinsdorf aufgestellt. Zur Verrichtung der notwendigsten Bedürfnisse haben wir jedes Jahr mehrere Klohäuschen gebaut. Größere Mengen von Lebensmitteln, wie wir sie benötigen, werden in Hermannstadt oder Mediasch gekauft. Wenn möglich, lassen wir Brot beim Bauern backen, kaufen auch Schmalz, Marmelade und Honig von unseren Nachbarn in der Umgebung. Zwei Köchinnen, Amalia und Milli, versorgen uns mit Frühstück und einem hervorragenden und üppigen Abendessen. Eine Brotzeit für Mittag bereiten Sie ebenfalls vor, die Brote schmieren wir aber selbst. So verläuft die Versorgung reibungslos. Den Einkauf tätigt Fritz Roth, der jeden Tag eine lange Strecke zurücklegt. Der Festsaal von Martinsdorf wurde zum Arbeits- und Essensraum umfunktioniert. Wichtig! Bereits im ersten Jahr haben wir es geschafft, die Fußball-WM über Schüssel empfangen. Im Laufe des zweiten Projektaufenthaltes konnten wir über W-LAN ins Internet. Handyempfang gibt es in Martinsdorf, nicht an der Kirche selbst und in Mardisch auch nur an wenigen Stellen. 5

6 Wohnen und Schlafen, Essen und Trinken Das Bild zeigt den Multifunktionsraum im alten Pfarrhaus in Martinsdorf. Auf den Feldbetten wird geschlafen, aber auch für die Nachbereitung der Projektmaßnahmen sowie für die Schule gearbeitet. Außerdem gibt es in diesem Zimmer auch einen W-LAN-Anschluss. Der Festsaal des Gemeindehauses hat seit dem Weggang der Siebenbürger Sachsen lange keine Feste mehr erlebt. Nun wird er für jeweils drei Wochen im Jahr wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. 6

7 Die am Projekt beteiligten Städtische Fachschule für Bautechnik, Meisterschule für das Bauhandwerk Die Fachschule für Bautechnik, Meisterschule für das Bauhandwerk wurde im Jahr 1910 gegründet und 1911 eingerichtet. Als Meisterschule für das Bauhandwerk ist sie die älteste Meisterschule der Stadt München. Seit 1963 besteht sie im Verbund mit der Fachschule für Bautechnik. In der zweijährigen Ausbildung mit fünf ersten und fünf zweiten Klassen können sich die Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildungsschwerpunkte im 2. Schuljahr selbst auswählen. Alle Schülerinnen und Schüler der Fachschule haben eine dreijährige Lehrzeit in einem Bauberuf absolviert und, im Durchschnitt vier Jahre, am Bau gearbeitet. Aufgabe der Fachschule ist eine vertiefte Weiterbildung, die Schülerinnen und Schüler zur Prüfung zum/zur Staatlich geprüften Bautechniker/in führt. Darüber hinaus kann die Meisterprüfung im Maurerund Betonbauerhandwerk, im Zimmererhandwerk und im Straßenbauerhandwerk abgelegt werden. Damit sind die Absolventen berechtigt, Lehrlinge auszubilden. Circa 95% der Ausbilderinnen und Ausbilder legen mit der Technikerprüfung gleichzeitig die Meisterprüfung ab und nutzen damit die durch diese Doppelqualifikation wesentlich breitere Palette von beruflichen Möglichkeiten. Um eine möglichst praxisnahe Ausbildung sowie die Planung und Umsetzung neuer Unterrichtsformen zu gewährleisten, ist der enge Kontakt mit der Bauwirtschaft, den Kammern, Verbänden, Innungen und anderen relevanten Institutionen ein wichtiger Bestandteil im Schulbetrieb. Eine Kooperation mit der Hochschule München hilft vielen SchülerInnen beim Einstieg in ein Studium nach der Schulzeit. Seit 2008 ist die Schule nach DIN ISO 9001:2008 für den Geltungsbereich Entwicklung und Durchführung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im Baubereich zertifiziert sowie zugelassener Träger für die Förderung der beruflichen Weiterbildung nach dem Recht der Arbeitsförderung (AZWV). Die Schule engagiert sich sehr stark in europäischen Projekten. Unter der Projektleitung der Fachschule wurde von 2002 bis 2005 mit 27 Partnern aus sechs Ländern die Weiterbildung Energieeffizientes Bauen und Sanieren erarbeitet wurde die Schule dafür mit dem Deutschen Innovationspreis für Weiterbildungen ausgezeichnet. Ausschnitt aus dem Leitbild der Fachschule: "Die Zusammenarbeit mit Partnern bei Europaprojekten ermöglicht es uns, die eigene Entwicklung in einem größeren Zusammenhang zu sehen, uns aktiv am Zusammenwachsen der beruflichen Weiterbildung zu beteiligen und diese mitzugestalten. Durch Schüleraustausch auf europäischer Ebene bereiten wir unsere Absolventen auf den europäischen Arbeitsmarkt vor". Am Projekt Bestandserhaltung Kirchenburg Mardisch beteiligten sich fünf Kollegen der Fachschule. Antragsteller, Projektleiter und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit ist der stellv. Schulleiter Hans Gröbmayr. Christian Conrad und Daniel Wiedenhöfer sind als Architekten für die fachliche Unterstützung von Jan Hülsemann und Henriette Lemnitz sowie für die Schülerbetreuung zuständig. Bernd Drumm als Bautechniker und Zimmermeister sowie Robert Klier als Bautechniker und Maurermeister tragen Verantwortung für ihren jeweiligen Fachbereich und die hierfür tätigen Schüler. Der für eine erfolgreiche Projektabwicklung notwendige Einsatz der Kollegen, erfordert ein hohes Maß an Einsatz- und Verantwortungsbereitschaft weit über das normale Engagement hinaus. Dieses Projekt bietet eine ideale Plattform, die im Leitbild formulierten Ziele an einem konkreten Objekt umzusetzen. Ein Bauprojektes in dieser Größenordnung in 1500 km Entfernung zu leiten, fordert die Schule sowohl in Projektmanagement, -organisation und Umsetzung heraus und sorgt dafür, dass die Organisation Schule Kompetenz beweisen und ggf. auf neue Erkenntnisse reagieren kann. Arbeiten im Denkmalschutz sind wichtiger Bestandteil des Unterrichtsfaches Bauen im Bestand. Die Zusammenarbeit mit im Denkmalschutz erfahrenen Fachleuten unter Aufsicht einer sehr strengen rumänischen Denkmalschutzbehörde, bieten optimale Lernmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, wie auch für die Institution Schule. 7

8 Leitstelle Kirchenburgen Die Leitstelle Kirchenburgen wurde im Mai 2007 als Projektbüro beim Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien eingerichtet und in der Startphase durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und durch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH gefördert. Mit dem Aufbau der Leitstelle Kirchenburgen unternahm die Evangelische Kirche einen wichtigen Schritt zum Erhalt dieses in Europa einzigartigen kulturhistorischen und architektonischen Erbes. Die Leistelle beschäftigt konstant 4 Experten (Architektur, Planung baulicher Programme, Management und Öffentlichkeitsarbeit sowie Sekretariat).Das Büro hat 3 Arbeitsschwerpunkte: - die Vernetzung der verschiedenen Initiativen und Projekte rund um das Thema Kirchenburgen, - - ein Sicherungsprogramm für Kirchenburgen, hauptsächlich zur Planung und Umsetzung von Reparaturmaßnahmen an Dächern (Dächerprogramm) sowie - - Fördermittel für die Umsetzung der baulichen Maßnahmen einzuwerben. Im Vordergrund der Arbeit stehen die Maßnahmen zur Sicherung gegen einen weiteren Verfall, denn mit der Durchführung zügiger und denkmalgerechter Reparaturmaßnahmen werden erst die Voraussetzungen geschaffen, um überhaupt mittel- bis langfristige Nutzungsplanungen zu ermöglichen. Aufgaben: Zur Vernetzung der unterschiedlichen Projekte und Initiativen unternimmt die Leitstelle Kirchenburgen folgende konkrete Schritte und Maßnahmen: - Aufbau einer Datenbank bezüglich des baulichen Zustands und der Nutzung aller Kirchenburgen - Durchführung von Workshops zur Information und Beteiligung von Fachleuten sowie am Thema interessierter Bürger - Erarbeitung von Leitfäden, technischen und informativen Materialien, um aus fachlicher und denkmalgerechter Sicht ein einheitliches Vorgehen der verschiedenen Akteure zu erreichen - Aufbau eines Fachfreundeskreises aus dem In- und Ausland für die Einbringung von denkmalpflegerischem Wissen. Bezüglich der baulichen Sicherung nimmt die Leitstelle Kirchenburgen folgende Aufgaben wahr: - Planung und Umsetzung eines Programms zur Instandsetzung von Dächern und Dachentwässerungen in fünf Kirchenbezirken. Im Falle von vorhandenen Schäden an der Gebäudefassade werden auch hier gezielt Maßnahmen für Schadensbehebungen eingeplant. - Beratung bei eingehenden Anfragen aus den Kirchenbezirken, Gemeinden und HOGs bei der Planung und Umsetzung von Baumaßnahmen an Kirchenburgen. Die Leitstelle Kirchenburgen bemüht sich um die Einwerbung externer Finanzmittel für die unterschiedlichen Aktivitäten. Im Vordergrund der Finanzierung steht dabei das bauliche Sicherungsprogramm. Außerdem wurden EU-Fördermittel zur baulichen Sicherung bzw. zur Aufwertung der touristischen Infrastruktur beantragt. Bisherige Ergebnisse: - Erstellung und Genehmigung eines Antrags auf EU-Förderung für 18 Kirchenburgen - Aufnahme der gesamten Kirchenburgenlandschaft Süd-Siebenbürgens auf die Liste des World Monuments Fund der weltweit meist gefährdeten Denkmäler - Durchführung eines Dachsicherungsprogramms an 15 Kirchenburgen in den fünf Kirchenbezirken - Veröffentlichungen in einschlägigen Zeitungen, sowie durch verschiedene Vorträge und dem eigenen Internetauftritt (www.projekt-kirchenburgen.ro) Das Bild rechts zeigt den Erstkontakt zwischen der Leitstelle Kirchenburgen und der Fachschule Bautechnik. In der Bildmitte ist die ehemalige Mitarbeiterin der Leitstelle, Ioana Deac, rechts der Schüler Johannes Thussbas zu sehen, auf dessen Einladung der Kontakt zustande kam. Foto: Hans Gröbmayr Derzeit begleiten seitens der Leitstelle Kirchenburgen der Architekt Emil Crisan, Herr Dahinten sowie Philipp Harfmann das Projekt. 8

9 Heimatortsgemeinde Mardisch (HOG) Die politische Wende von 1989/90 hat in Siebenbürgen große Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, vor allem in den von Sachsen bewohnten Orten, gebracht. Nach Jahrzehnten der politischen Unterdrückung entschieden sich die meisten sächsischen Familien zur Auswanderung. Innerhalb weniger Monate verließen sie, nach vielen Jahren der Not Ungewissheit, die alte Heimat, um in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Viele Dörfer entvölkerten sich, zahlreiche Kirchen und Kirchenburgen blieben verlassen. Die Pflege dieser alten Kulturdenkmäler wurde unter diesen Bedingungen vernachlässigt, die finanziellen und menschlichen Ressourcen waren nun gering. Bilder des Verfalls wurden in vielen Gemeinden sesshafte Gäste. In jenen Jahren entstand in Deutschland die Heimatortsgemeinschaft Mardisch e.v. (HOG), ein Zusammenschluss aller in Deutschland lebenden Mardischer. Natürlich machten sich diese ernsthafte Sorgen um den Weiterbestand der siebenbürgischen Hinterlassenschaft. Die meiste Energie wurde aber für den Aufbau einer neuen Existenz benötigt. Der Mardischer Verein hat zur Zeit über 300 Mitglieder, jung und alt. Durch die Vermittlung der Leitstelle Kirchenburgen in Hermannstadt entstand 2009 eine glückliche Zusammenarbeit mit der Fachschule Bautechnik in München. Der stellvertretende Schulleiter Hans Gröbmayr, sowie der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Mardisch e.v., Fritz Roth, haben versucht, dieser Zusammenarbeit eine solide Grundlage zu geben. Davon profitieren nun die Kirche und Kirchenburg in Mardisch. Dank der sich über mehrere Jahre erstreckenden gemeinsamen Arbeit an diesen Kulturdenkmälern, wird die Kirche in Mardisch zu einem Identitätszeichen aller daran Beteiligten Mardischer und Schülerjahrgänge. Sie wird zu unserer aller Kirche. 9

10 Projektteilnehmer 1. Juni bis 22. Juni 2010 Das erste Team: Die Lehrer der Fachschule und fachliche Begleitung: Christian Conrad, Bernd Drumm, Robert Klier, Daniel Wiedenhöfer, Hans Gröbmayr, Henriette Lemnitz, Jan Hülsemann Die Schüler der Fachschule für Bautechnik Mathias Albrecht, Jochen Baumgärtner, Andreas Böhmer., Vitalij Dörfler, Bastian Fritsche, Christian Hack, Stefan Hafenmair, Markus Huber, Maximilian Konstanzer, Johannes Koreis, Martin Müller, Andreas Lorenz, Oliver Post, Josef Reichl, Matthias Schmitt, Benjamin Schnitzlein, Stephan Seitz, Martin Vaas, Matthias Weinmüller Die Helfer von der Heimatortsgemeinschaft Mardisch e. V. Fritz Roth, Fam. Fritz Zink, Christian Roth, Martin Albrich jun. und sen, Udo Albrich Die Einheimischen, Nachbarn, Romas, Rumänen Mihai, Adi, Karol, Siegfried, Arno, Elvis-Constantin Freiwillige Helfer Anais Wiedenhöfer, Valeria Weissbrodt, Johannes Klein, Johannes Moser, Renate und Jonas Glaser und die Schüler des Bruckenthal-Gymnasiums in Hermannstadt 10

11 Die Eröffnungsfeier Am Donnerstag, den 3. Juni 2010 um 10 Uhr wurde von Pfarrer Guib in der Kirche in Mardisch das Projekt offiziell eröffnet. Unter den ca. 80 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Ehrengäste. Aber auch viele jetzige und ehemalige Bewohner von Mardisch und Martinsdorf waren mit dabei. In den Festreden betonten Fritz Roth von der HOG und Hans Gröbmayr für die Fachschule die Bedeutung des Projektes für Mardisch und für die Schüler. Ein herzlicher Dank ging an die Projektförderer Europa, die Bayer. Staatsregierung, das Berufsförderungswerk des Bayer. Baugewerbes sowie die Stiftung des bayer. Holzbaugewerbes für die zugesagte Finanzierung des Projektes. Die Beteiligten betonten in besonderer Weise, dass alle Anwesenden mithelfen können, die Kirchensanierung nachhaltig wirken zu lassen. Der Abschluss der Arbeiten darf keineswegs das Ende dieser Anstrengungen sein. Im Anschluss an die Eröffnung wurde der Bagger angeliefert. Oliver Post als Baggerfahrer und Robert Klier machten mit dem Aushub der Baugrube den ersten Baggerstich. 11

12 Durchgeführte Maßnahmen Dokumentationsarbeiten Sowohl bei den Zimmerern wie auch bei den Maurern begann die Arbeit auf der Baustelle mit einer sehr umfangreichen Schadensdokumentation. Bevor an Baudenkmälern die Schäden behoben werden dürfen, müssen diese detailliert und nach einem vorgegebenen Schema aufgenommen werden. Die Handskizzen werden im Anschluss digitalisiert und bilden die fachliche Basis für die Behebung der Schäden. 12

13 Ausbesserungsarbeiten im Sockelbereich Nach dem Freilegen zeigten sich im gesamten Sockelbereich der Kirche erhebliche Schäden. Auch das Mauerinnere bestand nur aus aufgeschüttetem Bruchstein. Diese Schadstellen konnten nur in kleinen Abschnitten bis max. 1m Länge ausgebessert werden. Großflächigeres Arbeiten hätte eine erhebliche Einsturzgefahr der Kirche zur Folge gehabt. Als erstes wurden lose Steine und Pflanzen entfernt, Fugen ausgekratzt und der Bereich mit Wasser sauber gereinigt. Materialgetreu wurden dann die Fehlstellen mit Naturstein aus der Region und Kalkmörtel ausgebessert und vollständig ergänzt. 13

14 Gewölbereparatur im Hauptschiff Ein größeres Teilstück des böhmischen Gewölbes über dem Hauptschiff war eigebrochen. Der Schaden war eindeutig auf eindringende Feuchtigkeit zurückzuführen. Nach dem Einrüsten der Schadensstelle wurde das gesamte Gewölbe mit Stahlrohrstützen gesichert. Danach wurden weitere lose Teile vorsichtig entfernt. Als erste Sicherungsmaßnahme wurde dann der Wandbogen ergänzt und wieder voll funktionsfähig gemacht. Im nächsten Schritt wurde das Fischgrätmuster des Gewölbes mit handgefertigten Ziegeln neu ausgemauert. Auch für diese Arbeiten bewährte sich der trocken gelöschte Kalkspatzenmörtel in hervorragender Weise. Die kleineren Risse am Gewölbe wurden mit Kalkmörtel 0-2 mm mit einer modifizierten Silikonspritze verpresst. Der selbst hergestellte Verpressmörtel hatte ein Mischungsverhältnis von 1:1. Zusätzlich wurde das Gewölbe auf der Oberseite mit einer Bockhaut (Mörtelschicht) gesichert. Zuletzt wurde das ausgebesserte Stück noch verputzt und mit Kalkfarbe gestrichen. 14

15 Renovierung mehrerer Strebepfeiler Durch fehlende Fallrohre der Dachrinnen aber auch durch den Verschleiß im Laufe vieler Jahre, an denen keine Renovierungsarbeiten an der Kirche stattgefunden haben, waren viele Strebepfeiler derart geschädigt, dass die Standsicherheit der Kirche nicht mehr gewährleistet war. Hier wurden Bewuchs und loses Mauerwerk entfernt, neu aufgemauert und ausgefugt, die Abdeckung mit einer Biberschwanzdeckung völlig erneuert. Das Mauerwerk wurde mit einem Schlämmputz gesichert. 15

16 Binderbalken über dem Chor Der Dachstuhl über dem Chorbereich wies erhebliche Schäden auf. Vor allem der alle Lasten tragende Binderbalken war an beiden Enden verfault und musste unbedingt ausgewechselt und ersetzt werden. Keine leichte Aufgabe, den 8,20 m langen und 22/22 cm dicken Balken nach oben zu bringen und wieder fachgerecht einzusetzen. Um die defekten Teile ersetzen zu können, musste das komplette Dach über dem Chor abgenommen werden. 16

17 Auswechseln weiterer verfaulter Hölzer Verschiedene Sparren, Schifter und Aufschieblinge waren ebenfalls verfault. Fehlende Teile wurden ersetzt, teilweise verfaulte angestückelt und ergänzt. Alle Arbeiten wurden in Eichenholz und zum großen Teil in Handarbeit ausgeführt. Grundsätzlich kamen historische Verbindungen wie Klauenschiften und Gratwechselzapfen zur Anwendung. Die Holzverbindungen wurden mit Holznägeln gesichert. 17

18 Dacharbeiten Das abgedeckte Dach musste bis zur Abreise wieder geschlossen werden. Es wurde neu eingelattet, an den Graten mussten viele Biberschwänze eingeschnitten und schließlich die Firstreiter an den Graten aufgemörtelt werden. 18

19 Sonstige Tätigkeiten Eine detaillierte Beschreibung aller Tätigkeiten würde den Rahmen dieses Berichtes überschreiten. Als Beispiel für weitere Tätigkeiten sollen die Bilder der Arbeit der Steinmetze sowie das Schließen der Öffnung auf der Westseite der Giebelmauer dienen. 19

20 Ausflüge in die Umgebung Sonntag 6. Juni 2010, Ausflug nach Hermannstadt Wir genießen eine Führung durch die herrliche Altstadt, besichtigen das Dorfmuseum, sitzen ein bisschen in der Sonne und feiern mit zigtausend Besuchern am Abend auf dem Großen Ring bei einem Rockkonzert einer einheimischen Band. 20

21 Sonntag 13. Juni 2010, Ausflug nach Deutsch-Weißkirch und Holzmengen In Deutsch-Weißkirch treffen wir Caroline Fernolend, eine der bekanntesten Frauen Siebenbürgens. Sie hat in ihrem Dorf Vorbildliches geschafft. Es gibt ein Miteinander der verbliebenen Deutschen mit Rumänen und Romas. Und es gibt viele Projekte, die Arbeit ins Dorf bringen und den Bürgern einen Lebensunterhalt bieten. Viele Häuser im Dorf sind fachgerecht restauriert, alles sieht einladend und gepflegt aus. Wir besichtigen die Kirchenburg, eine Ziegelei, den Laden mit heimischen Produkten und vieles mehr. 21

22 Die Abschlussfeier Am Freitag, 18. Juni 2010 wurde in einer Andacht der erste Projektabschnitt abgeschlossen. Dankbar blickten wir auf eine arbeitsreiche Zeit zurück, von der alle Teilnehmer nachhaltige Erinnerungen behalten werden. Noch in der Nacht vorher hatten unsere Schüler Poster von unseren Tätigkeiten gemacht. Die Leistungen der letzten 3 Wochen konnten so von allen Besuchern gut nachvollzogen werden. Der Pfarrer von Birthälm, Ulf Ziegler dankte in seiner Andacht für die unfallfreie Arbeitszeit. In verschiedenen Ansprachen wurde Fleiß und Können unserer Schüler auf das Höchste gelobt. Nach einer Gesangseinlage gab Zimmermeister Bernd Drumm einen Hebspruch zum Besten. Anschließend wurden von den zahlreichen Gästen die Arbeiten besichtigt. Zurück in Martinsdorf wurde ausgiebig gefeiert. Amalia und Milli hatten ein hervorragendes Mal bereitet und die Stimmung war gut bis spät in die Nacht. 22

23 Projektteilnehmer 25. April bis 15. Mai 2011 Das zweite Team: Die Lehrer der Fachschule und fachliche Begleitung: Christian Conrad, Bernd Drumm, Robert Klier, Daniel Wiedenhöfer, Hans Gröbmayr, Inge Bloos-Walzer, Wolfgang Weigl, Henriette Lemnitz, Jan Hülsemann Die Schüler der Fachschule für Bautechnik Cornelia Giglberger, Christian Hoppe, Kukas Leis, Cornelia Graf, Gerhard Reithmayr, Jan Berger, Uli Ampenberger, Tobias Bader, Martin Bierling, Wolfgang Denke, Hubert Eiband, Tobias Fuchs, Konstantin Glück, Johannes Märtl, Phillip Probst, Ferdinand Reiter, Edgar Zeidler, Johann Eßel, Tobias Forster, Alois Krammer, Bernhard Pfaffinger, Georg Rieder, Franz Schwaiger, Johannes Thussbas, Die Lehrlinge von der Bauinnung München Julio Micheli, Felix Heinrich, Martin Bichler, Simon Schmid, Florian Haberl, Sebastian Muschawek, Josef Köllner, Kilian Weber, Christian Klee, Thomas Hinterseer, Markus Klein, Marcel Sydow, Karli Gomboc, Stefan Erhard, Sebastian Veith Die Helfer von der Heimatortsgemeinde Mardisch Fritz Roth, Fam. Fritz Zink, Christian Roth, Georg Baumann, Willi Fronius Die Einheimischen, Nachbarn, Romas, Rumänen Arno, Eugen Stanilo, Vitan, Bidi, Leb Nicolae, Bueur Ariton Dute Vasile Stefan, Corbonescu Hudrei, Lasen Aurel, Stanilo Alexandru, Amalia, Mili, Joni Stonilo und die Schüler des Bruckenthal-Gymnasiums in Hermannstadt Popa Razvam, Pitko Tudor, Stoina Vlad, Beier Elias, Taflam Alin, Luca Leonhard Julius 23

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