Gesundheit Institut für Ergotherapie

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1 Gesundheit Institut für Ergotherapie Können abgewiesene Personen, die Medizin studieren wollten für andere Gesundheitsberufe gewonnen werden? Swiss Congress for Health Professions Bern, Ursula Meidert & Julie Page

2 Ausgangslage Ausschreibung des Ressortforschungsprojekt «Gewinnung von Personen, welche aufgrund der Zulassungsbeschränkung keinen Studienplatz Medizin erhalten haben, für andere Gesundheitsberufe» des Bundesamt für Gesundheit (BAG). Das BAG ging von der Annahme aus, dass ein Teil dieser abgewiesenen Bewerber/innen Interesse an einer anderen Ausbildung im Gesundheitswesen hat und dass die abgewiesenen Personen dem Gesundheitswesen als Arbeitskräfte verloren gehen. Es sollte mit der Studie geprüft werden, ob diese Personen ausreichend Kenntnisse über Alternativen im Gesundheitswesen haben und allenfalls für andere Berufe im Gesundheitswesen gewonnen werden können. 2

3 Fragestellungen des Forschungsprojekts Welche Ausbildungen absolvieren Bewerber/innen, welche aufgrund der beschränkten Zulassung nicht Medizin studieren können? Wie ist die Auslastung der Ausbildungskapazitäten anderer Gesundheitsberufe auf Tertiärstufe aktuell? Besteht ein Informationsbedarf bei abgewiesenen Bewerber/innen? 3

4 Methoden Online-Befragung: - alle Personen, angemeldet für das Medizinstudium im Jahr Durchführung Januar - Februar Online-Tool SurveyMonkey - Versand durch die Schweizerische Rektorenkonferenz (CRUS) - Reminder nach 2 Wochen Telefonische Befragung: - leitende Personen von Bachelorstudiengängen im Bereich Gesundheit an den Schweizer Fachhochschulen - Leitfadeninterview telefonisch oder face-to-face - Durchführung Januar - April 2013 Auswertungen: mit SPSS 21 und Excel 4

5 Ausschöpfung 1148 Teilnehmende an der Online-Befragung der Bewerber/innen (32% Männer, 68% Frauen; 72% Deutsch, 28% Französisch). Das entspricht einer Rücklaufquote von 38%. (Bei den Frauen etwas höher als bei den Männern; im deutschsprachigen Raum etwas höher als in der französischsprachigen Schweiz) 21 Leitfaden-Interviews mit Leitenden von Bachelorstudiengängen im Bereich Gesundheit an den Schweizer Fachhochschulen: FH-Bern, FH-Ostschweiz, HES-SO, SUSPI, ZHAW. 5

6 Beantwortung der Forschungsfragen Welche Ausbildungen absolvieren Bewerber/innen, welche aufgrund des Numerus clausus nicht Medizin studieren können? 5% hält am Studienwunsch Medizin vorerst fest. 6

7 Alternative Ausbildungen Drei Viertel der Personen, welche abgewiesen wurden, verbleiben an der Universität oder ETH. Die Hälfte dieser Personen nehmen ein naturwissenschaftliches Studium auf. 80% 76.1% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 19.0% 10% 0% Studium an einer Universität/ETH Studium an einer Fachhochschule 3.7% Ausbildung auf Stufe Höhere Fachschule 1.2% Berufslehre n = 510 7

8 Alternative Ausbildungen Uni und FH 19% der Abgewiesenen studieren an einer Fachhochschule, knapp ein Viertel davon studieren im Bereich Gesundheit. 60% 40% 50.3% 20% 0% 14.3% 12.5% 9.4% 8.9% 4.6% n = % 35.1% 30% 20% 23.7% 17.5% n = 97 10% 0% Keine Angaben Gesundheit Pädagogik, Psychologie & Soziales 10.3% Chemie & Life Sciences 7.2% Künste/Musik 2.1% Wirtschaft & DL 2.1% 1.0% 1.0% Technik & IT Design Architektur, Bau & Planungsw. 8

9 Beantwortung der Forschungsfragen Wie ist die Auslastung der Ausbildungskapazitäten anderer Gesundheitsberufe auf Tertiärstufe aktuell? 9

10 Auslastung der FH-Studiengänge im Bereich Gesundheit Ergotherapie Ernährung & Diätetik Hebamme Medizinische Radiologie- Technik Pflege Physiotherapie FH Bern voll ausgelastet voll ausgelastet voll ausgelastet voll ausgelastet FH Ostschweiz HESAV Lausanne voll ausgelastet HEdS-GE Genf voll ausgelastet voll ausgelastet HES-SO VD Wallis HEdS-FR Freiburg HEdS Arc HEDS La Source Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung Keine Beschränkung voll ausgelastet voll ausgelastet voll ausgelastet SUSPI Manno voll ausgelastet Freie Plätze voll ausgelastet SUSPI Landquart voll ausgelastet ZHAW Winterthur voll ausgelastet voll ausgelastet Freie Plätze voll ausgelastet 10

11 Beantwortung der Forschungsfragen Wie ist die Auslastung der Ausbildungskapazitäten anderer Gesundheitsberufe auf Tertiärstufe aktuell? Die Studiengänge Ergotherapie, Ernährung und Diätetik, Hebamme und Physiotherapie sind voll ausgelastet (zum Teil um ein Vielfaches). Bewerber/innen müssen abgewiesen werden. Die Studiengänge Medizinische Radiologie-Technik (nur in der Romandie) und Pflege haben zur Zeit noch freie Kapazitäten. 11

12 Beantwortung der Forschungsfragen Besteht ein Informationsbedarf? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, denn: 21% der abgewiesenen und 16% zum Studium zugelassener Bewerber/- innen hätten sich mehr Informationen zu anderen Gesundheitsberufen gewünscht. 41% der Befragten hatten Kenntnis von den Studiengängen an den Fachhochschulen im Bereich Gesundheit. Nein 17% Zum Teil 42% Ja 41% 12

13 Beantwortung der Forschungsfragen Besteht ein Informations- oder Koordinationsbedarf? Der Prozess der Studienwahl beginnt für die meisten früh, Alternativen wurden von 39% gar nicht in Betracht gezogen. Die Fachhochschulen betreiben bereits viel Werbe- und Informationsaufwand. Nein 39% Ja 61% 13

14 Beantwortung der Forschungsfragen Besteht ein Informations- oder Koordinationsbedarf? Aus Sicht der Bewerber/innen besteht nur ein geringer Informationsbedarf. Aus Sicht der Studienleitung besteht sehr wohl ein Informationsbedarf. Denn man kann sich nicht für etwas interessieren, von dem man keine Kenntnis hat. JA 14

15 Weitere Resultate der Bewerber/-innen- Befragung Beim Grossteil der Bewerber/innen ist das Interesse an medizinisch-wissenschaftlichen Inhalten das Hauptmotiv für die Studienwahl, gefolgt von «etwas Sinnvolles tun wollen» und «Menschen helfen wollen». Intrinsische und soziale Motive werden als wichtig bewertet während Motive in Zusammenhang mit der Attraktivität des Berufes, Status Motive und Motive der sozialen Konformität eher als unwichtig bewertet werden. Intrinsische und soziale und Motive sind auch für Personen, die einen Gesundheitsberuf ergreifen zentral (Schache & Lau, 2011). 15

16 Motive zur Studienwahl Medizin.-wissensch. Inhalte Etwas Sinnvolles tun Menschen helfen wollen Kontakt zu Menschen Persönliche Entfaltung Anspruchsvolle Tätigkeit Persönliche Neigung / Begabung Chancen auf Arbeitsmarkt Flexibilität / Stelbständigkeit Karrierechancen Vereinbarkeit Familie & Beruf Gesellschaftliche Annerkennung Angehörige sind Mediziner Verdienstmöglichkeiten Bewunderung durch andere Erwartung Angehöriger Rat von Eltern / Freunden Rat von Berufsberatung 0% 20% 40% 60% 80% 100% sehr wichtig wichtig unwichtig sehr unwichtig 16

17 Weitere Resultate der Bewerber/innen- Befragung Der Studienwunsch ist bei den Meisten ein gut überlegter Entscheid, der seit längerem (3 Jahre und mehr) fest steht. Die Enttäuschung über einen negativen Entscheid ist bei vielen sehr hoch und lange anhaltend. Alternativen im Bereich Gesundheit erscheinen den Bewerber/innen oft als Sackgasse. 17

18 Weitere Resultate der Fachhochschul-Befragung Die Studiengangsleitenden äussern sich ambivalent bezüglich der Idee, abgewiesene Bewerber/innen für das Medizinstudium für andere Gesundheitsberufe zu motivieren. Negative Aspekte sind: - man möchte nicht mehr Bewerber/innen anziehen & mehr Personen absagen. - man möchte Personen, die sich für den Beruf interessieren und nicht Personen, die aus Mangel an Alternativen das Studium aufnehmen. Positive Aspekte sind: - Gymnasiast/innen gelten als sehr gute Bewerber/innen, man hätte gerne mehr - Die Auseinandersetzung mit anderen Gesundheitsberufen ist generell wünschenswert und hilfreich im späteren Berufsleben. 18

19 Weitere Resultate der Fachhochschul-Befragung Es bestehen Aufnahmebedingungen an den Fachhochschulen, die ein Studium im Bereich Gesundheit sind für Gymnasiast/innen unattraktiv machen (z.b. Zusatzmodule, Eignungsprüfungen, längere Praktika). 19

20 Schlussfolgerungen Viele angehende Medizinstudent/innen sind nicht verbreitet über Alternativen im Gesundheitsbereich informiert. Es sollen bereits Gymnasiasten/innen besser über Studien im Bereich Gesundheit (FH & Uni) informiert werden und auch über Karrieremöglichkeiten, da die Entscheidung für ein Medizinstudium bereits früh gefällt wird. Die Aufnahmebedingungen für ein FH-Studium im Bereich Gesundheit sind für Gymnasiast/innen unattraktiv (Zusatzmodule, längere Praktika). Die Aufnahmebedingungen sollten für die Gesundheitsberufe etwa gleich sein oder zumindest keine grösseren Hindernisse darstellen. 20

21 Fazit Mit verbesserter Information über die Ausbildungen sowie Karriere und Laufbahnmöglichkeiten in den Gesundheitsberufen könnten vermehrt Personen für diese gewonnen werden. Dazu braucht es jedoch genügend Studienplätze an den Fachhochschulen. 21

22 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 22

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