Lebensläufe/ Berufe ehemaliger Schüler und Schülerinnen des Kranich Gymnasiums

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1 Lebensläufe/ Berufe ehemaliger Schüler und Schülerinnen des Kranich Gymnasiums Am haben wir (Adelina und Krenare Preteni, Cansu Yildizbas, Burcu Dönmez und Ann-Katrin Wicke) uns im Rahmen des Projekts Berufe ehemaliger Kraniche mit dem Rektor der Grundschule am Ostertal Manfred Splittgerber zu einem Interview getroffen. Sein Abitur hat er im Jahr 1972 abgelegt, danach an der Pädogischen Hochschule in Hildesheim studiert, ist Realschullehrer geworden und seit 1986 Leiter der Grundschule am Ostertal in Salzgitter Lebenstedt. 1

2 Seine Schulzeit 1964 hat Manfred Splittgerber die Grundschulzeit beendet. Damals ist es üblich gewesen, sich für eine weiterführende Schule zu bewerben - das heißt, man musste dort eine Art Aufnahmeprüfung bestehen. Dass er auf das Kranich-Gymnasium ging, war nicht die Entscheidung der Eltern, sondern dies wurde von den Lehrern so entschieden. Auf dem Gymnasium wurde man zu dieser Zeit gemäß dem Beruf der Eltern behandelt und eingeschätzt. Herr Splittgerber selber sagt von sich: Ich war nie ein brillanter Schüler, teilweise war es ein harter Kampf. Manchmal hatte er nur 18 oder 19 Unterrichtsstunden in der Woche, weil großer Lehrermangel herrschte. Sein Lieblingsfach war Physik, das ihn stark motivierte. Auch wenn es einmal Fünfen gehagelt hatte, hat er es nie bereut, diesen Kampf auf sich genommen zu haben. Sein Französisch war nicht das Beste, doch er nahm 1970 trotzdem an einem Schüleraustausch mit dem Gymnasium in Coutance teil. Er spricht heute fließend Französisch, obwohl er es nur selten verwendet. Der damalige Kontakt nach Frankreich ist übrigens bis heute erhalten geblieben und hat sich zu einer echten Lebensfreundschaft weiterentwickelt und auf seine Kinder und die Kinder seines französischen Freundes übertragen. Zu Anfang waren in seiner Klasse m/f 47 Schüler, später in der Oberstufe waren es nur noch 27 Jungen und ein Mädchen. Die Schuljahre 1967/68 waren sogenannte Kurzschuljahre (Umstellung Schulbeginn von April auf August). Außerdem erinnert er sich noch an die Klassenfahrt nach Amsterdam. Das Abitur bestand er im Jahr 1972 mit den Fächern Physik, Mathematik und Deutsch. Damals war tote Hose Zu seiner Zeit gab es nämlich so etwas wie Abistreiche oder Abschlussball nicht. Man bekam sein Zeugnis und wurde entlassen kurz und schmerzlos. Heute sagt er zu seiner Schulzeit auf dem Kranich Gymnasium: Ich habe durchgehalten und es nie bereut. Die früher geforderten Leistungen waren seiner Meinung nach höher und nicht mit den heutigen zu vergleichen; es war hart für ihn, doch er hat es trotzdem geschafft. Er beurteilt seine Schulzeit einerseits als angenehm, andererseits als sehr arbeitsreich. 2

3 Studium und Lehrerberuf Da er keinen Wehrdienst ableisten musste und das Kranich Gymnasium auch keinen Abschlussball und keine offizielle Verabschiedung durchführte, fing er schon am 17.April 1972 mit dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Hildesheim an. Damals herrschte großer Lehrermangel und die Hochschule suchte dringend Lehramtsstudenten, das Abiturzeugnis, das er erst am 6.Juni ausgehändigt bekam, konnte nachgereicht werden. Das war damals kein großes Problem, es gab 330 Studenten, alles war ganz neu. Ich habe ein Semester abgeschlossen, ohne viel da gewesen zu sein. Warum er sich für den Lehrerberuf entschieden hat, begründete er damit, dass sein Großonkel auch Lehrer gewesen sei und ihm der Beruf selbst gut gefallen habe. Eine weitere Motivation sei auch gewesen, dass er sein Studium schnell abschließen wollte, um eigenes Geld verdienen zu können. Als Alternative habe er anfangs noch erwogen, Hüttenwesen zu studieren, da er technisch sehr interessiert sei und in den Schulferien schon bei der Salzgitter AG gearbeitet habe. Dieses Studium hätte aber wesentlich länger gedauert. Schon nach drei Jahren schloss er sein Lehramtsstudium in Hildesheim ab und wurde am an der Orientierungsstufe Schölke als Lehrer zur Anstellung eingestellt - bei vollem Gehalt. Nach der Ausbildungszeit und dem verkürzten Referendariat aufgrund der guten Noten in der ersten Lehrerprüfung war er dann im Dezember 1976 fertiger Grundund Hauptschullehrer. Anschließend wurde er an die Gottfried-Linke-Realschule versetzt und danach an die Orientierungsstufe Fredenberg. Diese Schulform habe er in Salzgitter als Fachkonferenzleiter/ Regionaler Fachleiter mit aufgebaut. Während dieser Zeit habe er noch ein dreijähriges Zusatzstudium in Physik an der Universität Braunschweig absolviert und sei damit Realschullehrer mit den Fächern Mathematik und Physik gewesen. 3

4 Der Grundschulrektor Auf die Frage, wie er Rektor der Grundschule am Ostertal geworden sei, äußerte sich Herr Splittgerber wie folgt: Die Ostertalschule wollte damals niemand als Rektor leiten, weil die Kollegen dort unzufrieden waren Und dann kam der Schulrat zu mir und fragte: Haben Sie Interesse daran? Als Realschullehrer war dies für mich zunächst finanziell und beruflich nicht attraktiv, aber die Aufgabe an sich reizte mich schon. Ich kannte die Schulform aus meiner eigenen Schülerzeit und das hat mich dann dazu bewogen, mich zu bewerben. Nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren, man musste Unterrichtsstunden vorführen, ein Qualifizierungsgespräch führen und auch hinterher noch Fortbildungen als Schulleiter absolvieren, wurde Herr Splittgerber am 21.März 1986 im Alter von 32 Jahren dann Rektor der Grundschule am Ostertal, also ein sehr junger Schulleiter. Heute ist er sehr dankbar, dass er diesen Schritt gemacht hat. Schule insgesamt habe sich in der Zwischenzeit sehr stark verändert, aber die Grundschule dabei am Wenigsten. Die Grundschulkinder und die Eltern seien damals wie heute sehr motiviert und es mache großen Spaß, dort zu unterrichten. Als wesentliche Voraussetzungen für einen Leiter einer Grundschule nennt er, man dürfe keine Angst vor der Verantwortung haben, man müsse menschlich verbindlich und den Menschen zugewandt sein, vor allem müsse man Kinder lieben. Außerdem müsse man viele Konflikte durchstehen, gute Rechtskenntnisse haben bzw. die Verwaltungsvorschriften beachten und dabei auch unbeliebte Vorgaben aus dem Kultusministerium durchsetzen. In der Ostertalschule habe er insgesamt 40 Mitarbeiter, Lehrer, pädagogische Mitarbeiter, Sekretärin und Hausmeister, Reinigungskräfte, die er alle als Schulleiter führen müsse und manchmal seien auch Maßnahmen dabei, die bei den Betroffenen umstritten und unbeliebt seien. Auch die Medien und der tägliche Papierkram beanspruchten viel mehr Zeit als früher. 4

5 Abschließend zieht Herr Splittgerber folgendes Fazit: Insgesamt habe ich in den 35 Jahren, in denen ich Lehrer bin, keine großartigen Problemfälle erlebt. Als Schulleiter muss man eine Ich-Identität haben und darf keine Angst vor Verantwortung haben, da man Menschen führen muss. Ich gehe sehr gerne jeden Morgen in die Schule, und wenn ich die Wahl hätte, würde ich wieder Lehrer werden. Persönlich gefällt mir an meinem Beruf besonders, dass ich in der zeitlichen Gestaltung viel Freiraum habe, und das ist Lebensqualität. Die Ferien sind für mich immer eine goldene Zeit. Ratschläge für heutige Schüler Am Ende unseres Interviews gab uns Herr Splittgerber noch einige Ratschläge für unsere Schulzeit und das weitere Leben: Man muss das Lernen lernen und versuchen, alles mitzunehmen, was man gelernt hat. Studieren ist nicht einfach, es heißt eigenständig lernen man ist dabei weitgehend auf sich allein gestellt. Man sollte über Salzgitter hinausschauen, denn zum Beispiel lernt man nirgendwo eine Fremdsprache besser und schneller als im entsprechenden Land. Außerdem sollte man sich möglichst früh über einen Beruf informieren und wissen, was man später machen möchte, denn nach dem Abitur ist man wissensmäßig auf dem höchsten Stand. 5

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