Ergebnisse der fünften quantitativen Auswirkungsstudie zu Solvency II (QIS 5)

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1 Ergebnisse der fünften quantitativen Auswirkungsstudie zu Solvency II (QIS 5) Zusammenfassung der Auswertung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

2 Inhalt 1. Einführung Studienteilnahme und Datenqualität Methodische Kritik Rückstellungsbewertung Berechnung Risikomarge Latente Steuern Äquivalentes Szenario Katastrophenrisiko Kontrahenten-Ausfallrisiko Stornorisiko Risikomodul Kranken nach Art der Leben Abbildung Rückversicherung Expected profits included in future premiums Illiquiditätsprämie und Illiquiditätsprämienrisiko Spartenspezifische Analysen Lebensversicherung Krankenversicherung Schaden- und Unfallversicherung Interne Modelle Gruppen Abschließende Würdigung

3 1. Einführung In der fünften quantitativen Auswirkungsstudie zu Solvency II (QIS5) wurde die europäische Versicherungswirtschaft aufgefordert, die quantitativen Anforderungen des neuen Rahmenwerks in ihrer gegenwärtigen Ausgestaltung zu testen. Die BaFin hat im Rahmen dieses Testlaufs Rückmeldungen von 251 Versicherungsunternehmen und 26 Unternehmensgruppen, die unter Bundesaufsicht stehen, erhalten. Die Versicherungswirtschaft hat dabei nicht nur quantitative Abschätzungen zur Bilanzneubewertung, Solvenzkapital- und Eigenmittelbestimmung unter dem kommenden Regime gemeldet, sondern auch ausführliche inhaltliche Kommentierungen zur generellen Bewertung und insbesondere zur praktischen Durchführbarkeit von Solvency II eingereicht. Die Rückmeldung der deutschen Versicherungswirtschaft hat zusammen mit der aus 29 anderen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) Eingang in den EIOPA Report on the Fifth Quantitative Impact Study (QIS5) for Solvency II 1 gefunden. Das vorliegende Papier ergänzt diesen Bericht um die spezifisch deutsche Perspektive. Es fasst in weiten Teilen die Rückmeldung zusammen, die die BaFin an EIOPA zu den deutschen Studienergebnissen gegeben hat. Die QIS5 wurde nach einer technischen Anleitung durchgeführt, die weitgehend den Stand der Entwicklung der Durchführungsmaßnahmen zu Solvency II zur Mitte des Jahres 2010 widerspiegelte. 2 Eine wichtige Funktion der Studie war die Analyse von Design, Kalibrierung und Auswirkung dieser Durchführungsmaßnahmen, deren Ausgestaltung im Laufe des Jahres 2011 unter Einbeziehung der Ergebnisse von QIS5 weiter überarbeitet wird. Dem Testcharakter der Studie entsprechend wird dieser Bericht - nach einem kurzen Abriss zur Studienteilnahme und Datenqualität (Abschnitt 2) - schwerpunktmäßig auf Bereiche eingehen, die von der deutschen Versicherungswirtschaft im Rahmen ihrer Rückmeldung an die BaFin als überarbeitungsbedürftig genannt wurden, insbesondere im Hinblick auf die technische Handhabbarkeit der Solvency-II-Standardformel (Abschnitt 3). Viele dieser Punkte hat die BaFin bereits aktiv und erfolgreich in die europäische Diskussion eingebracht. Darüber hinaus werden in Abschnitt 4 einige allgemeine Trends zur Solvabilität der deutschen Versicherungswirtschaft unter Solvency II präsentiert, soweit sich diese aus den Studienergebnissen ableiten lassen. Abschließend folgt ein kurzer Überblick über die Rückmeldungen bezüglich interner Modelle (Abschnitt 5) und zu den Gruppenergebnissen (Abschnitt 6). 1 https://eiopa.europa.eu/fileadmin/tx_dam/files/publications/reports/qis5_report_final.pdf. 2 European Commission: QIS5 Technical Specifications (5. Juli 2010), https://eiopa.europa.eu/consultations/qis/quantitative-impact-study-5/technical-specifications/index.html. 2

4 2. Studienteilnahme und Datenqualität Mehr als 90 Prozent der unter Bundesaufsicht stehenden Lebens-, Schaden- und Unfall-, Kranken und Rückversicherer fallen unter die Solvency II-Richtlinie, im Jahr 2010 wären das etwa 375 Unternehmen gewesen. Insgesamt 251 dieser Unternehmen haben sich auf freiwilliger Basis an der QIS5 beteiligt. Die Teilnahmequote in Deutschland lag somit im europäischen Durchschnitt und oberhalb des von der Europäischen Kommission vorgegebenen Ziels von 60%. Abbildung 1 schlüsselt die Teilnehmer nach gewichteter Marktabdeckung in den Sparten, sowie nach Anzahl und Größe auf. Abbildung 1. Teilnahmequoten QIS5 3 Lebensversicherung Marktabdeckung 92% Anzahl 75 alle klein mittel groß Marktanteil Solvency II Anzahl Marktanteil Solvency II Anzahl Marktanteil Solvency II Anzahl Marktanteil Solvency II davon: Teil einer Gruppe 78 % 20 65% 37 82% 18 90% 89% Schaden-/Unfallvers. 83% % 53 49% 56 82% 15 79% 81% Krankenversicherung 93% 35 81% 16 76% 15 83% 4 100% 91% Rück, Captives, Holdings n.a. 17 n.a. 7 n.a. 4 n.a. 6 n.a. 76% gesamt n.a % 96 52% % 43 88% 85% Der Zeitrahmen zur Durchführung der Studie war sehr eng gesetzt. Entsprechend hat die Testanleitung die Teilnahme unter das sogenannte Best-Effort-Prinzip gestellt, das heißt um unter den Umständen bestmögliches Bemühen gebeten. Angesichts des großen Zeitdrucks, des Umfangs der Studie und der Komplexität der Testanforderungen verwundert es nicht, dass die BaFin von vielen Teilnehmern die Rückmeldung erhalten hat, dass die Vorgaben der Testanleitung nicht immer im vollen Umfang umgesetzt werden konnten und Vereinfachungen vorgenommen werden mussten. Ähnliche Rückmeldungen erreichten EIOPA aus fast allen EWR-Staaten. Die Auswertung nicht nur der deutschen Einreichungen hat gezeigt, dass bisweilen auch notwendige Elemente zur Bestimmung des Solvenzkapitalbedarfs ausgelassen wurden, insbesondere in Bereichen, in denen die Testanleitung unbestimmt war oder einen hohen Grad an Komplexität aufwies. So wurde beispielsweise die latente Steueranpassung in einem Fünftel der deutschen Einreichungen ausgelassen, oder aber ohne Prüfung der Realisierbarkeit vorgenommen. Vergleichbar oft wurde die Berechnung des 3 Größengewichtung nach EIOPA-Kriterien (Solvency I-Werte, Geschäftsjahr 2009): Größe Schaden/Unfall Leben, Kranken groß mehr als 1 Mrd. Bruttoprämien mehr als 10 Mrd. Bruttorückstellungen mittel 100 Mio. - 1 Mrd. Bruttoprämien 1 Mrd Mrd. Bruttorückstellungen Small weniger als 100 Mio. Bruttoprämien weniger als 1 Mrd. Bruttorückstellungen 3

5 Katastrophen- oder des Ausfallrisikos ausgelassen. Es ist davon auszugehen, dass solche Ungenauigkeiten das Ergebnis der Studie verzerren, wobei jedoch nicht leicht zu quantifizieren ist, in welche Richtung sich diese Verzerrung bewegt. Trotz dieser Erkenntnisse beruhen die folgenden Auswertungen ebenso wie die des europäischen Berichts - auf nur vorsichtig bereinigten Datensätzen. Nur 3% der Einreichungen wurden vollständig aus der Auswertung genommen, für die einzelnen Statistiken wurden die Daten jeweils punktuell bereinigt. Die im Folgenden präsentierten Ergebnisse sollten deswegen immer innerhalb einer angemessenen Bandbreite interpretiert werden. Bei der Lektüre muss stets der Testcharakter der Studie beachtet werden. Bei der QIS5-Auswertung handelt es sich nicht um eine Marktanalyse. Die Studie war ein Feldversuch der Kalibrierung und der quantitativen Ausgestaltung der Durchführungsmaßnahmen, für die noch kein offizieller Vorschlag der EU- Kommission vorliegt. Die Ergebnisse der Studie müssen nun analysiert und in die Durchführungsmaßnahmen eingebracht werden. An Solvency II wird also noch gearbeitet. Die BaFin macht es sich zur Aufgabe, die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse an die europäische Ebene zu adressieren, und setzt sich dafür ein, dass diese bei der Erarbeitung der Durchführungsmaßnahmen berücksichtigt werden. 3. Methodische Kritik Im Rahmen ihrer Rückmeldung an EIOPA hat die BaFin die methodische Kritik der deutschen Versicherungswirtschaft zusammengefasst und verifiziert, die diese im Rahmen des qualitativen Teils der Erhebung eingereicht hat. Der folgende Abschnitt führt die wichtigsten Punkte aus. Ein übergreifendes Thema ist dabei die Komplexität der QIS5-Standardformel. Viele kleine und mittlere Unternehmen berichteten im Rahmen der Studie über erhebliche Belastungen, die vor allem bei der Berechnung des Solvenzkapitalbedarfs entstehen. Mehrere Teilnehmer wiesen darauf hin, dass die Komplexität des Modells ein hohes Maß von Expertenwissen erfordere, und es aufgrund seiner Unübersichtlichkeit und Volatilität für Controlling-Zwecke ungeeignet sei. Von einigen wurde auch bemängelt, dass die Modellergebnisse schwer zu interpretieren und die eigentlichen Risikotreiber nicht immer zu identifizieren seien. Häufig wurden optionale Vereinfachungen aus der technischen Anleitung als unerlässlich angesehen. Allerdings wiesen einige Unternehmen darauf hin, dass solche optionalen Vereinfachungen die Vergleichbarkeit der mit dem Standardansatz ermittelten Ergebnisse gefährde und redeten einem grundsätzlich vereinfachten Ansatz das Wort. Das Thema Komplexität erschöpft sich jedoch nicht allein in methodischer Kritik an der Standardformel, es betrifft auch ihre Anforderungen an das Datenmanagement. Viele Standardformel-Module erfordern Input, der in Struktur oder Detaillierungsgrad derzeit nicht vorgehalten wird. Daher überrascht es 4

6 nicht, dass auf die Frage, welche Maßnahmen als prioritär für die Vorbereitung auf Solvency II angesehen werden, am häufigsten die Implementierung von Verfahren zur Bereitstellung von Daten für die Ermittlung der Bedeckungsquoten und für Berichtspflichten genannt wurde. Problematisch ist, dass zur Gestaltung dieser Verfahren detaillierte Informationen über die Anforderungen des neuen Aufsichtsregimes erforderlich sind. Diese liegen jedoch in ihrer endgültigen Ausgestaltung noch nicht vor. Obgleich sich die meisten Unternehmen bereits auf diese Aufgabe vorbereiten, können sie erst mit der finalen Umsetzung beginnen, wenn die endgültigen Spezifikationen zur Gestaltung der aufsichtsrechtlichen Berichtspflichten und der genauen Voraussetzungen zur Bestimmung des Solvenzkapitalbedarfs feststehen. Hieraus können unmittelbar Konsequenzen für die zukünftige Aufsichtspraxis gezogen werden. Insbesondere die Anforderungen an die zukünftige aufsichtsrechtliche Berichterstattung müssen eindeutig und rechtzeitig vor Inkrafttreten der Rahmenrichtlinie festgelegt werden, damit die Unternehmen entsprechende unternehmensinterne Abläufe und Systeme einrichten können. Die BaFin hält es für erforderlich, dass der Umfang dieser Anforderungen, ihr Detaillierungsgrad, sowie die Berichtshäufigkeit genau definiert und auf die zu aufsichtsrechtlichen Zwecken erforderlichen Angaben beschränkt werden, um unnötige Erschwernisse und Kosten sowohl für die Unternehmen als auch für die Aufsicht zu vermeiden. Sie hat diese Position an die europäische Ebene kommuniziert. 3.1 Rückstellungsbewertung In der Sparte Lebensversicherung berichteten viele Studienteilnehmer über technische Schwierigkeiten, die Rückstellungsbewertung auf Basis stochastischer Projektionen vorzunehmen. Insbesondere Unternehmen kleiner und mittlerer Größe haben deswegen einen deterministischen Ansatz gewählt. Dies hatte zur Folge, dass eine explizite Berücksichtigung von Management-Regeln nur sehr eingeschränkt möglich war. Ähnliche Schwierigkeiten traten bei der Bewertung von Optionen und Garantien auf, die oft nur über eine geschlossene Formel bewertet wurden. Darüber hinaus bereitete die von der QIS5-Testanleitung vorgegebene Segmentierung der versicherungstechnischen Rückstellungen Probleme, da sie eine Reallokation der auf Portfolio-Ebene ermittelten Überschussbeteiligung erforderlich macht. Die BaFin erkennt hier Optimierungspotential, und setzt sich auf europäischer Ebene für eine Reduzierung der Segmentierung der Leben-Versicherungszweige ein. Ein bedeutendes bilanztechnisches Problem ergibt sich in der Sparte Lebensversicherung aus der hohen Schwankungsanfälligkeit der Rückstellungsbewertung gegenüber kleinen Änderungen in der risikolosen Zinsstrukturkurve. Dieses Thema wird in Abschnitt 4.1 (Lebensversicherung) ausführlicher erläutert. Für die deutsche private Krankenversicherung ist bei der Rückstellungsbewertung die Beitragsanpassungsklausel zu berücksichtigen, die es dem Versicherer 5

7 insbesondere bei steigenden Versicherungsleistungen ermöglicht, die Prämien anzupassen. Die Modellierung dieses Anpassungsverfahrens ist relativ kompliziert. Deshalb hat die BaFin unter Beteiligung der Versicherungsbranche ein Verfahren zur Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen entwickelt. Die dem Verfahren zugrundeliegende Idee ist, die zukünftig steigenden Versicherungsleistungen nur implizit zu berücksichtigen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die zusätzlichen Zahlungsströme aufgrund Krankheitskosteninflation durch die zusätzlich eingehenden Zahlungsströme aufgrund von Beitragsanpassungen kompensiert werden. Das Verfahren wird deshalb auch inflationsneutrales Bewertungsverfahren genannt. Durch die von der BaFin zur Verfügung gestellte Anleitung und technische Umsetzung dieses Verfahrens wurden alle privaten Krankenversicherungsunternehmen in die Lage versetzt, die Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen durchzuführen. Bei der QIS5 haben 85% der teilnehmenden Krankenversicherer, die ihr Geschäft nach Art der Lebensversicherung betreiben, dieses Verfahren verwendet. Ohne das Verfahren wären die meisten dieser Unternehmen nicht in der Lage gewesen, die versicherungstechnischen Rückstellungen wie gefordert zu berechnen. Da sich das Bewertungsverfahren als angemessen erwiesen hat, setzt sich die BaFin dafür ein, das inflationsneutrale Bewertungsverfahren dauerhaft als Berechnungsmethode zu erhalten. In der Schaden- und Unfallversicherung traten insbesondere Schwierigkeiten bei der Bewertung der Rückversicherungsforderungen sowie der Prämienrückstellungen auf. Darüber hinaus wurde die Einordnung der deutschen Unfallversicherung in einen Kranken-Versicherungszweig als unangemessen beurteilt. Die BaFin schließt sich diesem Urteil an, und setzt sich auf europäischer Ebene für die Einordnung der Unfallversicherung als separaten Schaden- Versicherungszweig ein. Die Rückmeldung des deutschen Marktes zur Definition der Vertragsabgrenzung ( contract boundaries ) unterschied sich nicht wesentlich von der auf europäischer Ebene Sie wurde über alle Sparten hinweg als schwierig anzuwenden und stellenweise auch als unklar empfunden. Entsprechend, auch angesichts des engen Zeitplans der Studie, haben viele Studienteilnehmer Vertragslaufzeiten als Näherung eingesetzt. Die BaFin erkennt an, dass bezüglich der Vertragsabgrenzung weiterer Klarstellungsbedarf auf europäischer Ebene besteht. 3.2 Berechnung Risikomarge Die Berechnung der Risikomarge war für die meisten Studienteilnehmer nur unter Verwendung der in der technischen Anleitung zur QIS5 angebotenen Vereinfachungen möglich. Die BaFin setzt sich daher dafür ein, dass diese auch weiterhin zur Verfügung stehen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die 6

8 Berechnung der Risikomarge im Rahmen des allgemeinen Konzepts der Kapitalkostenberechnung bleibt. Studienteilnehmer berichten, dass die fünf Methoden aus der QIS5-Studienanleitung eine nicht unbeträchtliche Ergebnisvarianz aufweisen. Dies vermindert die Vergleichbarkeit der Solvenzbilanz. Die BaFin vertritt deswegen die Position, dass auf europäischer Ebene präzisere Vorgaben zur Ermittlung der Risikomarge erarbeitet werden sollten. Weiterhin war vielen Studienteilnehmer nicht klar, wie das unvermeidbare Marktrisiko in der Risikomarge abgebildet werden kann. Bezüglich der Einschätzung von dessen Materialität gingen die Meinungen auseinander. Auch hier erkennt die BaFin die Notwendigkeit, auf europäische Ebene Hilfestellungen zur Abbildung des unvermeidbaren Marktrisikos in der Risikomarge zu erarbeiten. 3.3 Latente Steuern Die technische Anleitung zur QIS5 ließ die Berechnung der Verlustabsorptionskapazität latenter Steuern methodisch offen. Entsprechend berichteten viele Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Bestimmung dieses Standardformelelements. Ein Fünftel der Teilnehmer nahm die Berechnung nicht vor. Bei den Teilnehmern, die sie durchgeführt haben, belief sich ihr Effekt auf eine Minderung des Solvenzkapitalbedarfs von durchschnittlich einem Viertel. Allerdings ist davon auszugehen, dass aufgrund mangelnder Anleitung die Prüfung der realen Steuerwirksamkeit der Anpassung oft nicht vorgenommen wurde. Die BaFin ist der Ansicht, dass die latente Steueranpassung in der Standardformel weiterer Ausarbeitung bedarf, und hat dieses Thema bereits in die europäische Diskussion eingebracht. 3.4 Äquivalentes Szenario In der QIS5 wurde das Äquivalente Szenario als Alternative zum modularen Standardformelansatz getestet. Die Rückmeldung der deutschen Wirtschaft unterschied sich kaum von der in anderen europäischen Ländern und war eindeutig. Die Methode wurde als unklar, komplex und sehr zeitaufwendig bewertet, ihr methodischer Nutzen nur von wenigen und ihr praktischer von keinem Teilnehmer gewürdigt. Darüber hinaus berichteten einzelne Teilnehmer von einer hohen Inputsensitivität des Ansatzes. Die BaFin hat diese Rückmeldung an EIOPA kommuniziert und setzt sich für die alleinige Beibehaltung des modularen Ansatzes in der Standardformel ein. 3.5 Katastrophenrisiko Die Ausgestaltung der Untermodule für das Katastrophenrisiko im Kranken- und Schadenversicherungsbereich führen die Liste der methodischen Kritik der europäischen Versicherungswirtschaft an der Standardformel an. Die deutsche 7

9 Wirtschaft macht da keine Ausnahme und beurteilt insbesondere die Module für die menschenverursachten Risiken ( man made CAT ) als unsystematisch gestaltet und technisch zu aufwendig. Hier wurden die Datenanforderungen, vor allem in Bezug auf die Daten zur Risikokonzentration, als zu hoch bewertet, die Szenarien als unrealistisch eingeschätzt und die aus ihnen abgeleiteten Ergebnisse als unplausibel angesehen (sowohl Über- als auch Unterbewertung wurden genannt). In diesem Zusammenhang sind insbesondere das Feuer/Terrorismus-Szenario, die Aufgliederung des Geschäfts im Haftpflicht- Szenario und das Konzentrationsrisiko in der Krankenversicherung zu nennen. Auch die Naturkatastrophenmodule wurden kritisiert. Hier zeigt die Standardformel technische Unklarheiten beim Aggregationsmechanismus über verschiedene Regionen und bei der Verwendung der Versicherungssumme per Versicherungszweig in den CRESTA-Zonen. Außerdem wurde die Kalibrierung oft als dem Risiko nicht angemessen und überarbeitungsbedürftig beurteilt. Rückversicherer merkten an, dass die Module sich für ihre Portfolios grundsätzlich nicht eignen. Die BaFin unterstützt die Überarbeitung der Katastrophenmodule auf europäischer Ebene. Sie sieht dabei einigen Spielraum für eine Reduzierung der Komplexität. So könnte die kleinteilige regionale Gliederung der CRESTA-Zonen überarbeitet werden. Auch die Anzahl der Katastrophenszenarien für menschengemachte Katastrophen sollte überprüft werden, insbesondere für Szenarien, die verschiedene Optionen eröffnen oder die Berechnung verschiedener Alternativen erfordern, wie es beispielsweise bei Feuer/Terrorismus oder Sturm der Fall ist. Speziell für die Krankenversicherung hat sich der Verfahrenswechsel beim Katastrophenrisiko von der QIS4 zur QIS5 weder in Bezug auf die Praktikabilität noch die Aussagekraft gelohnt. Die bei der QIS5 vorgegebenen Szenarien sind zu speziell, um für alle Kranken-Produkte zu passenden Kapitalanforderungen zu gelangen. Zudem werden für die Szenarien teilweise Informationen benötigt, die den Unternehmen gar nicht vorliegen. Deshalb spricht sich die BaFin dafür aus, für die Krankenversicherung auf den Ein-Szenario-Ansatz zur Bestimmung der Brutto-Kapitalanforderungen zurückzukehren. 3.6 Kontrahenten-Ausfallrisiko Die Rückmeldung zum Kontrahenten-Ausfallrisiko-Modul war umfangreich und eindeutig. Das Modul wurde als unverhältnismäßig komplex empfunden, insbesondere angesichts der Tatsache, dass es nur in geringem Maße zum SCR insgesamt beiträgt (Lebensversicherung, Krankenversicherung: 1%; Schadenund Unfallversicherung: 3%). Insbesondere die Berechnung der risikomindernden Effekte auf Einzelvertragebene sowie die Abhängigkeit dieser Berechnung von der in anderen Modulen wurde als sehr zeitaufwendig kritisiert. Einige Studienteilnehmer gaben darüber hinaus an, dass sie nicht in der Lage 8

10 seien, die Datenanforderungen für den Einzelvertragsansatz im Hinblick auf Rückversicherung und Forderungen von Vermittlern zu erfüllen. Auch der BaFin erscheint die Ausgestaltung dieses Moduls als übermäßig aufwendig für einen Standardansatz. Sie spricht sich jedoch klar für dessen Beibehaltung im Rahmen der Solvency-II-Standardformel aus, da die Kontrahenten-Exponierung einzelner Marktteilnehmer sehr hoch sein kann und im europäischen Durchschnitt 7% beträgt. Sie hat konkrete Vorschläge zur Vereinfachung des Ansatzes an die europäische Ebene adressiert und setzt sich dafür ein, dass zumindest die in der technischen Anleitung zur QIS5 angebotenen Vereinfachungen weiter beibehalten werden, und dass speziell die Einzelvertragsbetrachtung optional bleibt. 3.7 Stornorisiko Zahlreiche Unternehmen berichteten über Schwierigkeiten bei der Berechnung des Stornorisikos, da in der Regel auf Einzelvertragsebene kein Vergleich von Rückkaufwerten und Best-Estimate-Rückstellungen möglich ist. Auch der unsymmetrische Aufbau bei dem nur diejenigen Verträge betrachtet werden, die unter dem jeweiligen Stressszenario Schaden verursachen - wurde kritisiert, da hier von einem streng finanzrationalen Verhalten der Versicherungsnehmer ausgegangen wird. Diesbezüglich war die Rückmeldung insbesondere aus dem Krankenversicherungsbereich eindeutig. Schaden- und Unfallversicherer beurteilten das Massenstorno-Szenario als für ihr Geschäft unerheblich und seine Berechnung deswegen als unnötige Belastung. Auch die BaFin erkennt diese Schwierigkeiten an und setzt sich auf europäischer Ebene für Vereinfachungen ein und hat bereits entsprechende Vorschläge in die Diskussion eingebracht. 3.8 Risikomodul der Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung Die Kalkulation der Produkte der Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung unterscheidet sich von der Kalkulation von Lebensversicherungsprodukten. Technisch basiert das Geschäft nicht auf Invaliditäts- bzw. Erkrankungswahrscheinlichkeiten, sondern auf den erwarteten Versicherungsleistungen. Da Erkrankungs- und Genesungswahrscheinlichkeiten" bei der Kalkulation der Krankenversicherungsverträge keine Verwendung finden, können ihre Veränderungen in diesem Modul nicht sinnvoll angewendet werden. Darüber hinaus wurden die Schockraten für die Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung zum Schutz vor Verdienstausfall als zu hoch bemängelt. Bei der Berechnung des Versicherungsleistungsschocks für das Krankheitskostenrisiko in der Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung wird die Zu- und Abnahme der Kosten gestresst. Für die 9

11 Krankenversicherung mit Beitragsanpassungsmöglichkeit, ist dieser Ansatz auch erforderlich, um ein Risiko messen zu können: Der Zunahme der Versicherungsleistungen kann durch eine Beitragserhöhung begegnet werden. Da die Prämien mit Sicherheiten versehen werden müssen, kann dies dazu führen, dass der Anstieg der Versicherungsleistungen langfristig zu einem Gewinn führt. Bei der Berechnung des Versicherungsleistungsschocks in der Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung für den Schutz vor Verdienstausfall und beim Kostenrisiko wird jedoch nur die Zunahme gestresst. Im Ergebnis haben einige Versicherer in diesen Szenarien kein Risiko. Deshalb ist die BaFin der Ansicht, dass auch hier, analog zum Krankheitskostenrisiko, zusätzlich die Abnahme der Versicherungsleistungen und Kosten gestresst werden sollte. Die BaFin beurteilt die oben genannten Einwände als berechtigt und setzt sich deswegen auf europäischer Ebene für eine Umgestaltung des Moduls ein. 3.9 Abbildung von Rückversicherung Einige Studienteilnehmer merkten an, dass es ihnen nicht möglich war, ihre Rückversicherungsverträge vollumfänglich in der Standardformel abzubilden. Kritisiert wurde sowohl die Angemessenheit des Faktors zur Berücksichtigung der nicht-proportionalen Rückversicherung im Prämien- und Reserverisiko, als auch die fehlende Hilfestellung zur Abbildung von Rückversicherungseffekten in den Katastrophenrisiko-Modulen. Rückversicherer gaben an, dass der vorgeschlagene Formelansatz typische Rückversicherungsmuster und ihren wirtschaftlichen Effekt nur begrenzt abzubilden in der Lage sei. Gesonderte Anmerkungen richteten sich auf die Berücksichtigung der nichtproportionalen Rückversicherung im Prämienrisiko, wo dieser Effekt von einer Näherungsformel erfasst wird. Die Teilnehmer meinten, diese Formel führe zu einer Unterbewertung des realen Effekts. Außerdem wurde Kritik daran geäußert, dass die Begrenzung der abgetretenen Risiken keine Berücksichtigung erfahre. Die BaFin ist der Ansicht, dass in jedem Fall weitere Hilfestellungen zur Abbildung von Rückversicherung in der Standardformel erarbeitet werden sollten. Auch eine konzeptionelle Überarbeitung ist, insbesondere hinsichtlich der Berücksichtigung der nicht-proportionalen Rückversicherung, der Stopp-Loss-Rückversicherung und der Rückabtretung gegebenenfalls angeraten. Allerdings sollte dabei gewährleistet bleiben, dass Überarbeitungen nicht zu einer erhöhten Komplexität der Formel führen. Eine vollständige individuelle Berücksichtigung der risikomindernden Wirkung besonders der nicht-proportionalen Rückversicherung wird aufgrund der Vielfalt der möglichen Vertragsausgestaltungen innerhalb der Standardformel vermutlich nicht möglich sein. 10

12 3.10 Expected profits included in future premiums Der in der QIS5 vorgeschlagene Berechnungsansatz zur Bestimmung der Erwartungsgewinne aus zukünftigen Prämieneinnahmen (expected profits included in future premiums, EPIFP) hat bei deutschen wie auch bei europäischen Versicherungsunternehmen insgesamt viele Fragen und Probleme aufgeworfen. Da die Berechnung dieser Größe für die Bestimmung der Solvenzbilanz auch nicht zwingend erforderlich war, liegen Ergebnisse für nur etwa ein Drittel der Unternehmen vor. Auf Grundlage der verfügbaren Ergebnisse zeigt sich jedoch, dass die EPIFP einen großen Anteil der Eigenmittel, nämlich durchschnittlich 20% ausmachen. Die Resultate schwanken allerdings sehr stark, sowohl innerhalb als auch über die Sparten hinweg. Für einige Lebensversicherer lag der Anteil sogar deutlich über 50%. Die überwiegende Mehrheit der Studienteilnehmer fand den EPIFP- Bewertungsansatz unklar spezifiziert und schwierig zu implementieren, nicht zuletzt, da die künstliche Behandlung bestehender Verträge als voll eingezahlt in ihren Systemen nicht angemessen umgesetzt werden kann. Die Methode wurde allgemein lediglich als grobe Näherung und als dem Marktwertansatz von Solvency II nicht voll angemessen angesehen. Die BaFin stimmt zu, dass die vorgeschlagene Methode mühsam und schwierig in der Umsetzung ist. Zudem vertritt die BaFin die Position, dass die EPIFP als Element des ökonomischen Unternehmenswertes in die Rücklage zur Angleichung zwischen lokaler Bilanzierung und Solvency II (Reconciliation Reserve) einfließt, was einen separaten Ausweis überflüssig macht Illiquiditätsprämie und Illiquiditätsprämienrisiko Studienteilnehmer berichteten über verschiedene praktische Schwierigkeiten bei der Verwendung der Illiquiditätsprämie zur Diskontierung ihrer versicherungstechnischen Rückstellungen. Das betrifft zunächst die eingeschränkte Verwendbarkeit implementierter stochastischer Verfahren bei einem Mehr-Bucket-Ansatz. Infolge dieser Schwierigkeit haben viele Lebensversicherer pauschal mit dem 75%-Bucket gerechnet, obwohl sie durchaus Rentenprodukte im Portfolio haben, die sich für den 100%-Bucket qualifiziert hätten (siehe Abbildung 2). 4 Darüber hinaus wurde die inkonsistente Bewertung von Aktiv- und Passivseite der Solvenzbilanz sowie die nicht-adäquate Abbildung des entsprechenden Risikos in der Standardformel kritisiert. Bei neuen Marktteilnehmern im Krankenversicherungsbereich führt die Einführung der Illiquiditätsprämie zudem zu höheren versicherungstechnischen Rückstellungen, da die Cash-Flows bei Produkten in der Ansparphase in den ersten Jahren negativ sind. Die BaFin beurteilt diese Auswirkung als nicht zielführend. 4 Die meisten Krankenversicherer hingegen haben ihre Produkte gemäß der Empfehlung der BaFin in den 75%- Bucket eingeordnet. 11

13 Die BaFin bezweifelt, dass die Verwendung der Illiquiditätsprämie zur Diskontierung der versicherungstechnischen Rückstellungen unter normalen Marktbedingungen zu einer qualitativen Verbesserung der Messung der Solvenzposition führt. Sie setzt sich deswegen dafür ein, dass das Konzept nur in Ausnahmesituationen im Rahmen von durch EIOPA am Markt festgestellten Liquiditätskrisen Verwendung findet. Die Bafin vertritt die Ansicht, dass die Illiquitätsprämie unter normalen Marktbedingungen nicht zur Anwendung kommen und rein als antizyklisches Kriseninstrument genutzt werden sollte. Darüber hinaus sollte sichergestellt sein, dass das einzelne Versicherungsunternehmen bei Verwendung der Illiquiditätsprämie nachweisen kann, dass es langfristig über die Krise hinaus überlebensfähig ist. Weiterhin weist die BaFin darauf hin, dass die gegenwärtige Festlegung des Korrelationsparameters zwischen Illiquiditätsprämienrisiko und Spread im Marktrisikomodul insgesamt in einer analytisch nachweisbaren - Verminderung des Solvenzkapitalbedarfs resultiert. Abbildung 3 zeigt dies beispielhaft für das diversifikationsbereinigte Marktrisiko in der deutschen Lebensversicherung auf. Abbildung 2. Illiquiditätsprämie Verteilung auf die versicherungstechnischen Rückstellungen Abbildung 3. Marktrisiko (diversifikationsbereingt) in der Lebensversicherung 12

14 4. Spartenspezifische Analysen Vergleiche zwischen den QIS5-Ergebnissen und der Solvenzbewertung unter dem aktuellen Aussichtssystem sind nur begrenzt möglich. Mit dem Übergang von der aus HGB-Werten abgeleiteten Solvenzbilanz zu einer Marktwertbilanz ändern sich die den Solvabilitäts-Kennzahlen zugrunde liegenden Bewertungsprinzipien. Entsprechend schwierig ist es, Werte aus beiden Regimen gegenüberzustellen. Hinzu kommen die in Abschnitt 2 erläuterten Einschränkungen der Datenqualität sowie der Testcharakter der technischen Anleitung zur QIS5. Die im Folgenden präsentierten Kennzahlen eignen sich deswegen allenfalls zur Ableitung allgemeiner Trends, die den Übergang von Solvency I zu Solvency II kennzeichnen. Sie besitzen jedoch nicht den prognostischen Charakter einer nach wissenschaftlichen Standards durchgeführten Marktanalyse. 5 Im Unterschied zum gesamteuropäischen Durchschnitt, in dem die mittleren Solvenz-Bedeckungsquoten nach QIS5 deutlich gegenüber der nach Solvency I sinken, bleiben diese in Deutschland stabil. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Solvenzposition der einzelnen Marktteilnehmer unter Solvency II die gleiche Wertung erfährt wie unter Solvency I. An den durchweg niedrigen Korrelationen im Datensatz ist abzulesen, dass große Verschiebungen innerhalb der jeweiligen Sparten stattfinden. Bei den Bedeckungsquoten hat die Studie für den deutschen Markt keine überraschenden Trends zu Tage gefördert. Im europäischen Durchschnitt weisen 15% der QIS5-Teilnehmer Bedeckungsquoten von unter 100% aus. In Deutschland liegt diese Quote mit 10% deutlich niedriger. Die BaFin weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahl nicht den Anteil an beaufsichtigten Versicherungsunternehmen repräsentiert, für den Sie die Notwendigkeit von aufsichtsrechtlichen Maßnahmen mit der Einführung von Solvency II erwartet. Sie ist aus Perspektive der BaFin auch ein Indikator für möglichen Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Elementen der Solvency-II-Standardformel. Auf der anderen Seite sollten aber insbesondere die Unternehmen, die in der QIS5 unterdeckt waren, nicht alleine auf Anpassungen der Anforderungen vertrauen, sondern bereits über geeignete Maßnahmen nachdenken, die zu einer Verbesserung der Bedeckungsquote führen. Einige Themen, die im europäischen Bericht zur QIS5 breiten Raum einnehmen, werden im folgenden Abschnitt nicht aufgegriffen. Das betrifft vor allem die 5 Um die Vergleichbarkeit der Auswertung mit dem Europäischen Bericht zu gewährleisten, orientiert sich dieser Bericht in den folgenden Darstellungen methodisch an EIOPA. EIOPA hat für seine Analysen ein Gewichtungskonzept gewählt, bei dem einfache Summen über die betrachteten Datenpunkte gegeneinander gestellt werden. Das hat zur Folge, dass das relative Gewicht großer Marktteilnehmer in den Statistiken voll zu tragen kommt. Darüber hinaus lässt das Konzept keine Anpassung der Solvenzkapitalbestimmung um von einzelnen Teilnehmern ausgelassene Elemente zu, was tendentiell zu einer Unterschätzung derselben führt (hier sind bspw. die latente Steueranpassung oder die Katastrophenrisiko-Berechung zu nennen). Die präsentierten Auswertungen sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren. 13

15 QIS5-Bewertungsprinzipien sowie die Eigenmittelbestimmung. Zu diesen Themen sind nach Ansicht der BaFin für den deutschen Markt weder den QIS5-Daten noch der qualitativen Rückmeldung über die im Folgenden kurz skizzierten Feststellungen hinaus materielle Erkenntnisse zu entnehmen. Bezüglich der QIS5-Bewertungsprinzipien ist festzustellen, dass die Verwendung von IAS/IFRS als Orientierungshilfe zwar generell als praktikabel angesehen wurde, aber dennoch für viele kleine und mittlere Marktteilnehmer schwierig war. Hier wurden oft unter Verweis auf das Konzept der Materialität vereinfachte Bewertungsmethoden angewandt oder HGB-Werte verwendet. Bei der Eigenmittelbestimmung fällt auf, dass die deutsche Versicherungswirtschaft 97% ihrer Eigenmittel in Tier 1 einordnet. Entsprechend selten, nämlich nur bei 12 Teilnehmern, ist die Eigenmittelverwendung durch die Tier-Limits gedeckelt. Die BaFin ist von der Validität dieses Ergebnisses nicht überzeugt. 4.1 Lebensversicherung Auch wenn in der Lebensversicherung sowohl der Solvenzkapitalbedarf als auch die Bedeckungsquoten beim Übergang von Solvency I zu Solvency II im Mittel nahezu unverändert bleiben, so ist doch ein deutlicher Rückgang sowohl der anrechnungsfähigen als auch der freien Eigenmittel zu verzeichnen. Hieran hat die marktnahe Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld einen wesentlichen Anteil, diese werden nach Solvency II mit einer durch EIOPA vorgegebenen Zinsstrukturkurve ermittelt. Im Durchschnitt verlängern sich die Solvency-II-Rückstellungen um 7% gegenüber den in der QIS5 hypothetisch erfragten - Solvency-I-Rückstellungen. 6 Die Eigenmittelposition der deutschen Lebensversicherung reagiert aufgrund der Langfristigkeit des Geschäfts und der Übernahme von Zinsgarantien gegenüber kleinen Veränderungen in der Zinsstrukturkurve höchst sensitiv. Angesichts dieser Sensitivität hält es die BaFin für notwendig, dass der europäische Ansatz zur Bestimmung der Zinsstrukturkurve ausreichenden Stabilitätskriterien genügen sollte, um einer unnötigen Volatilität der Ergebnisse vorzubeugen. Für dieses Ziel setzt sich die BaFin derzeit aktiv auf europäischer Ebene ein. Abbildung 4 zeigt die Verteilung der Bedeckungsquoten in der Sparte Lebensversicherung. Auffällig ist die hohe Streuung der QIS5-Bedeckungsquote sowie die geringe Korrelation zwischen den Bedeckungsquoten nach Solvency I und QIS5, die sowohl auf die Volatilität des Ansatzes zur Bedeckungsbestimmung insgesamt, als auch auf die eingeschränkte Reliabilität der Studienergebnisse insgesamt hindeuten. 6 Diese Veränderung ist zum Einen auf die marktnahe Bewertung mit der QIS5-Zinsstrukturkurve sowie den gegenläufig wirkenden Wegfall von Sicherheiten aus der HGB-Bewertung, zum Anderen auf die Anrechnung von Teilen der künftigen Überschussbeteiligung in den Solvency-II-Rückstellungen zurückzuführen. 14

16 Abbildung 4. Bedeckungskennzahlen Lebensversicherung Medianwerte: Bedeckungsquote SI 174% St.abw: 1,08 Bedeckungsquote QIS5 158% St.abw: 2,31 Bedeckungsquoten QIS5/SI 86% Korr: 0,14 Solvenzkapitalbedarf QIS5/SI 103% Korr: 0,92 Eigenmittel QIS5/SI 84% Korr: 0,97 Freie Eigenmittel QIS5/SI 68% Korr: 0,58 Insgesamt 13 Teilnehmer (17%) zeigen Solvenzunterdeckungen nach der QIS5- Bewertung. Einige dieser Unternehmen zeichnen zur Zeit kein Neugeschäft oder sind nur in sehr geringem Umfang tätig. Bei diesen fallen die marktkonsistent bewerteten versicherungstechnischen Rückstellungen höher aus als unter der gegenwärtigen Rechnungslegung. Darüber hinaus verschlechtert sich insbesondere die Solvenzposition von Lebensversicherern, deren Portfolio einen relativ hohen Anteil an Rentenprodukten mit Garantien sowie einen hohen Anteil an festverzinslichen Anlagen aufweist, was vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes zu Belastungen in den markkonsistent bewerteten Rückstellungen führt. Der Schwerpunkt der Risikoexponierung der deutschen Lebensversicherung liegt mit mehr als 80% eindeutig im Marktrisikobereich, dieser wiederum wird zu 60% (diversifikationsbereinigt) von Zinsänderungsrisiko dominiert (Abbildung 6, Abbildung 7). Vor dem Hintergrund der Zinsabhängigkeit der versicherungstechnischen Verpflichtungen in dieser Sparte überrascht dieses Ergebnis nicht weiter, ähnliches hatte sich bereits in vorangegangenen Auswirkungsstudien gezeigt. Bei den versicherungstechnischen Risiken dominieren das Storno- sowie das Langlebigkeitsrisiko (Abbildung 8). Kein QIS5- Teilnehmer sah sein Geschäft einem Revisionsrisiko unterworfen. 15

17 Abbildung 5. Solvenzbilanz Lebensversicherung (marktaggregiert) 7 Abbildung 6. Zusammensetzung nbscr Lebensversicherung Abbildung 7. Zusammensetzung Marktrisiko Lebensversicherung Abbildung 8. Zusammensetzung vt. Risiko Lebensversicherung 7 Der signifikante Rückgang der Position Investmentfonds kann man auf ihre Entbündelung zurückführen. Entsprechend ist der hohe Anstieg der Positionen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen zu interpretieren.

18 4.2 Krankenversicherung In der Sparte Krankenversicherung ist nach QIS5-Bewertungsprinzipien im Mittel ein deutlicher Anstieg des Solvenzkapitalbedarfs zu verzeichnen, der jedoch durch einen vergleichbaren Anstieg der Eigenmittel aufgefangen werden kann. Ebenso wie in der Sparte Lebensversicherung sind die Positionen unter SolvencyI und der QIS5-Bewertung nahezu unkorreliert. Von 35 Unternehmen weisen zwei eine Solvenzkapital-Unterdeckung nach der QIS5-Bewertung auf. Beide Unternehmen werden jedoch nach Einschätzung der BaFin die Solvency-II- Bedeckung in Zukunft erreichen können. Abbildung 9. Bedeckungskennzahlen Krankenversicherung Medianwerte Bedeckungsquote SI 217% St.abw: 1,64 Bedeckungsquote QIS5 176% St.abw: 1,28 Bedeckungsquoten QIS5/SI 71% Korr: 0,14 Solvenzkapitalbedarf QIS5/SI 198% Korr: 0,72 Eigenmittel QIS5/SI 127% Korr: 0,70 Freie Eigenmittel QIS5/SI 106% Korr: 0,49 Die deutsche Krankenversicherung ist vergleichbar der Lebensversicherung vornehmlich im Marktrisiko exponiert, am meisten gegenüber Zinsänderung und Spread (Abbildung 12, Abbildung 13). Die starken Parallelen zwischen der Lebens- und der Krankenversicherung rühren daher, dass das Krankenversicherungsgeschäft nach Art der Lebensversicherung das nach Art der Schadenversicherung deutlich übersteigt (Abbildung 10). Bei den versicherungstechnischen Risiken dominiert das spartenspezifische Krankenkostenrisiko (Abbildung 14). An zweiter Stelle folgt der Stornorückgang, da die Krankenversicherungsunternehmen die fehlende Vererbung von Rückstellung finanzieren müssen. Im Langlebigkeitsrisiko zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen der Lebens- und der Krankenversicherung. Während dieses Risiko in der Lebensversicherung überwiegt und vor allem langfristig zu Verlusten führt, kann es in der Krankenversicherung fast vollständig durch Beitragsanpassungen ausgeschaltet werden. Kein QIS5-Teinehmer sah sein Geschäft einem Revisionsrisiko unterworfen. Abbildung 10. Zusammensetzung vt. Risiko Krankenversicherung

19 Abbildung 11. Solvenzbilanz Krankenversicherung (marktaggregiert) 8 Abbildung 12. Zusammensetzung nbscr Krankenversicherung Abbildung 13. Zusammensetzung Marktrisiko Krankenversicherung Abbildung 14. Zusammensetzung vt. Risiko Kranken nad. Leben 8 Siehe Fußnote 7.

20 4.3 Schaden- und Unfallversicherung Die QIS5-Werte in der Sparte Schaden- und Unfallversicherung zeigen eine stabile Solvenzsituation und im Mittel einen deutlichen Anstieg der Eigenmittel. Bilanztechnisch ist dieser auf die marktgerechte Neubewertung der Aktivseite (Verlängerung um 7%), vor allem aber auf eine Abnahme des Wertes der versicherungstechnischen Rückstellungen (Reduzierung um 30%) zurückzuführen. Fünf Prozent der an der Studie teilnehmenden Schaden- und Unfallversicherer wiesen nach QIS5-Bewertungsprinzipien nicht genügend Eigenmittel aus, um das SCR zu bedecken. Vornehmlich waren dies Marktteilnehmer, die aufgrund ihrer Größe oder ihres Geschäfts verhältnismäßig wenig diversifiziert sind und daher eine höhere Risikokapitalanforderung zu tragen haben. Die Bedeckungskennzahlen für die Sparte Schaden- und Unfallversicherung zeigen im Mittel gute Abdeckung der Solvenzmarge (Abbildung 15). Der deutliche Anstieg der freien Eigenmittel um 221% deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass die Sparte in der Lage ist, zusätzliches Risikokapital freizusetzen um die risikobasierten Eigenmittelanforderungen unter Solvency II zu bedecken. Allerdings ändert sich diese Einschätzung, wenn man die speziell in dieser Sparte beachtliche Verlängerung der Aktivseite in der QIS5-Bewertung in Betracht zieht. In Abbildung 16 wurde die Solvency-I-Eigenmittelposition um aktivische Bewertungsreserven adjustiert. Es zeigt sich, dass die marktwertbewerteten freien Eigenmittel im Median nur um 10% ansteigen. Abbildung 15. Bedeckungskennzahlen Schaden- und Unfallversicherung Medianwerte: Bedeckungsquote SI 218% St.abw: 3,65 Bedeckungsquote QIS5 225% St.abw: 1,71 Bedeckungsquoten QIS5/SI 94% Korr: 0,34 Solvenzmarge QIS5/SI 238% Korr: 0,91 Eigenmittel QIS5/SI 231% Korr: 0,93 Freie Eigenmittel QIS5/SI 221% Korr: 0,84 Abbildung 16. Bedeckungskennzahlen Schaden- und Unfallversicherung: um aktivische Bewertungsreserven adjustiert Medianwerte: Bedeckungsquote SI 233% St.abw: 5,13 Bedeckungsquote QIS5 225% St.abw: 1,71 Bedeckungsquoten QIS5/SI 79% Korr: 0,19 Solvenzmarge QIS5/SI 238% Korr: 0,91 Eigenmittel QIS5/SI 185% Korr: 0,90 Freie Eigenmittel QIS5/SI 110% Korr: 0,86 Anders als in der Lebens- oder Krankenversicherung ist die Schaden- und Unfallversicherung stärker im versicherungstechnischen Risiko als im Marktrisiko exponiert. Wichtigste Risikokategorien sind das Prämien- und Reserverisiko,

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