Nr. 17 Dezember 2005 GUT ODER BÖSE, RICHTIG ODER FALSCH? DAS MORAL-HEFT

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1 Nr. 17 Dezember 2005 GUT ODER BÖSE, RICHTIG ODER FALSCH? DAS MORAL-HEFT

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3 EDITORIAL / INHALT Editorial Die Welt ist alles, was der Fall ist, gut.allein: was tue ich in dem Fall? Was soll ich tun? Auf den Höhen des Unumstrittenen ist Moral wohlfeil, eine feste Burg in der Ferne. Die von dort abgesandten Parolen klingen oft hohl. An den Rändern der Ordnungen aber wartet das Dilemma. Die Fragen werden offener, die Situationen fragwürdiger. Und auf einmal wird der gelassene moralische Pragmatismus der alltäglichen Routinen zum opportunistischen Furor, der alle zu ergreifen droht. Wer oder was bewahrt uns davor, zu Folterknechten, zu Gesetzesbrechern zu werden? Wann schlägt Ehrgeiz in gemeine korrupte Gier um? Wie begegnen wir dem Terror islamistischer Fundamentalisten und ihren moralischen Legitimationsfiguren? Was ist im Krieg gegen den Terror erlaubt? Ab wann beginnt die Würde des Menschen, z.b. angesichts der biotechnologischen Verheißungen? Laut Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ist sie unantastbar.was heißt das? Wo sind die Grenzen? Wer zieht sie? Wann gilt Was? Können wir s nicht einfach sein lassen? Moralische Fragen sind keine, die aus der sicheren Entfernung einfache Antworten abrufen.wir geraten hier in den Nahbereich unserer Gesellschaften, der wirklichen Wirklichkeit von uns selbst. Hehre Ansprüche, verkündet von den jeweils verfügbaren Kanzeln (immer herab), sind das eine. Unsere Handlungsweisen sind das konkrete Andere. Entscheidend ist, wie wir uns entscheiden im Fall der Fälle. Thorsten Schilling 4 Wertsachen: Max Frisch und sein Fragebogen eine Auswahl. 6 Treuepunkte: Wie es ist, immer wieder fremdzugehen. 8 Tatendrang: Stanley Milgram und Philip Zimbardo bewiesen: Der Mensch ist zu allem fähig. 10 Zulassungsbeschränkung: Dr. Jörg Kinzig vom Freiburger Max-Planck- Institut für ausländisches und internationales Strafrecht zur Frage: Darf man foltern? 12 Vergangenheitsbewältigung: Woher nehmen wir unsere Arbeitsmoral? Dazu: Interview mit Eberhard Straub. 15 Lebenslauf: Johanna war ungewollt schwanger.was tun? 16 Buchwesen: Moral in Märchen überholt oder aktuell? 18 Respektsperson: Die Ärzte gaben Alexandras Tochter keine Chance. Sie irrten sich. 20 Grundeinstellung: Der Tübinger Philosophieprofessor Otfried Höffe hat einige grundlegende Antworten. 24 Regelkunde: Geschichte der Moralphilosophie. 26 Einzelzelle: Boris Greber forscht mit embryonalen Stammzellen. 29 Hausaufgaben: Lisi Wasmer lernt die US-Highschool kennen. 30 Reinigungskraft: Ian Buruma über die wahren Ziele islamischer Terroristen und die Sicht auf den unmoralischen Westen. 36 Hochzeitsgeschenk: Scheinehen sind illegal Bernd schloss dennoch eine mit Fatima. 38 Waschsalon: Deutschlands bekanntester Korruptionsfahnder über das, was Geschäftsleute hinter den Kulissen tun. Dazu: Simon Gächter im Interview. 42 Gewerbegebiet: Der Bordellbesitzer Bert Wollersheim im Interview. 44 Ehrenwort: Plädoyer für die Lüge. 46 Strafanzeige: Warum Moral in der Werbung so schlecht funktioniert. 47 Impressum 48 Sachwerte: Max Frischs Fragebogen ein paar Antworten. 50 Antikensammlung: Gewinnspiel. Fotos: Christian Lesemann Titelfoto: Stefanie Füssenich Bisher betrachtete unsere Autorin Meredith Haaf, 22, die Fragen der Welt eher aus geisteswissenschaftlicher Sicht sie studiert Geschichte. Seit ihrem Besuch im Max-Planck-Institut für Molekulargenetik in Berlin und einem Blick durchs Mikroskop auf embryonale Stammzellen weiß sie, dass man das alles auch anders sehen kann: naturwissenschaftlich nämlich. >> Seite 26 Christian Lesemann, 32, begann 1999 im Paparazzo- Stil zu fotografieren. Heute stellt er am liebsten so genannte gestohlene Fotos nach, Fotos also, bei denen die Fotografierten erst im Nachhinein um Erlaubnis gefragt werden. Er selbst lässt sich nicht gerne fotografieren, gestohlene Bilder von sich fände er aber schön. Zu diesem fluter hat er mehrere Bilder beigesteuert. 3

4 WERTSACHEN GUTE FRAGE In seinem Fragebogen hat der Schweizer Schriftsteller Max Frisch Fragen zu den wichtigsten Themen des Lebens gestellt und unbeantwortet gelassen. Hier eine Auswahl, einige Antwortversuche auf Seite WENN SIE JEMAND IN EINER UNHEILBAREN KRANKHEIT WISSEN: MACHEN SIE IHM DANN HOFFNUNGEN, DIE SIE SELBER ALS TRUG ERKENNEN? 5. 4

5 WOVOR HABEN SIE MEHR ANGST: DASS SIE AUF DEM TOTENBETT JEMAND BESCHIMPFEN KÖNN- TEN, DER ES NICHT VERDIENT, ODER DASS SIE ALLEN VERZEIHEN, DIE ES NICHT VERDIENEN? HALTEN SIE S FÜR HUMOR: O WENN WIR ÜBER DRITTE LACHEN? O WENN SIE ÜBER SICH SELBST LACHEN? O WENN SIE JEMAND DAZU BRINGEN, DASS ER, OHNE SICH ZU SCHÄMEN, ÜBER SICH SELBST LACHEN KANN? Fragen aus dem Fragebogen von Max Frisch, erschienen im Suhrkamp Verlag, 1988 HALTEN SIE DIE DAUER EINER FREUNDSCHAFT FÜR EIN WERTMASS DER FREUNDSCHAFT? 12. WENN SIE JEMAND DAZU BRINGEN, DASS ER DEN HUMOR VERLIERT (Z.B. WEIL SIE SEINE SCHAM VERLETZT HABEN), UND WENN SIE DANN FESTSTELLEN, DER BETROFFENE MENSCH HABE KEINEN HUMOR: FINDEN SIE, DASS SIE DESWEGEN HUMOR HABEN, WEIL SIE JETZT ÜBER IHN LACHEN? GESETZT DEN FALL, SIE SIND BEDÜRFTIG UND HABEN EINEN REICHEN FREUND, DER IHNEN HELFEN WILL, UND ER GIBT IHNEN EINE BETRÄCHTLICHE SUMME (ZUM BEISPIEL DAMIT SIE STUDIEREN KÖNNEN) UND GELE- GENTLICH AUCH ANZÜGE VON SICH, DIE NOCH SOLID SIND: WAS NEHMEN SIE UNBEFANGENER AN? WENN SIE JEMAND LIEBEN: WARUM MÖCHTEN SIE NICHT DER ÜBERLEBENDE TEIL SEIN, SONDERN DAS LEID DEM ANDEREN ÜBERLASSEN? 5

6 TREUEPUNKTE

7 ERSTMAL FÜR IMMER Wenn es klappt, ist es einfach und schön: Eine Frau lernt einen Mann kennen, sie leben zusammen, es ist der Mann ihres Lebens. Nicht mehr so einfach und schön ist es, wenn das der gleichen Frau öfter passiert. So wie unserer Autorin. Text: Lena Dreyer Fotos: Christian Lesemann Ich bin 27 Jahre alt und habe in den letzten acht Jahren drei Beziehungen geführt. Mein Freund ist die wichtigste Bezugsperson in meinem Leben, der Mensch, dem ich am meisten vertraue. Ob man mit anderen Typen knutschen, wie weit man bei einem Flirt gehen darf oder ob gar One-Night-Stands okay sind oder nicht diese Fragen stellen sich für mich nicht. Dasselbe erwarte ich von meinem Freund dem Mann meines Lebens. Meine Beziehungen liefen immer super. Das dachte ich jedenfalls, bis es plötzlich wieder Wumms machte, ich einen neuen Mann kennen lernte, mich verliebte, eine Affäre begann und monatelang meinen Freund betrog bis ich mich trennte und eine neue Beziehung anfing. Dreimal. Wie damals, in einer durchzechten Nacht im Januar vor knapp vier Jahren, als ich meinen heutigen Ex-Freund kennen lernte.wir begegneten uns in der Arbeit und liefen uns danach immer wieder über den Weg.Auf Konzerten, bei einem Geburtstag, auf einer Faschingsparty. Nach wenigen Treffen spürte ich dieses eindeutige Prickeln, das man so schwer beschreiben kann. Dieses innere Zerren, einen anderen Menschen unbedingt sehen zu müssen. Ich dachte mir fadenscheinige Gründe aus, um ihn treffen zu können. Er lud mich zum Kaffeetrinken in sein neues Büro ein. Gleichzeitig sagte ich mir, da sei nichts, und beruhigte mein Gewissen: Ich mache doch gar nichts, ich gehe nur Kaffee trinken. In Wirklichkeit, was ich mir bis heute nicht immer eingestehen will, sah dieses Ich mache doch nichts so aus: Flirten. So charmant sein, wie es nur geht. Mehr flirten. An einem Frühsommertag lag ich im Park und versuchte, Texte für mein Uni-Seminar zu lesen.er rief an;ich schlug ihm vor,in den Park zu kommen. Eine Stunde danach lagen wir knutschend auf dem Rasen, zwei weitere Stunden und eine SMS später, in der ich meinen Freund anlog, ich hätte Freundinnen getroffen und wir würden noch etwas trinken gehen, lag ich mit ihm in seinem Bett. Statt nach diesem ersten Mal sofort mit meinem Freund zu reden und zu überlegen, warum es passiert ist, verstricke ich mich immer tiefer in ein Gefühls- und Gedankenchaos. Warum fühle ich mich dem Neuen so nahe, mein Freund ist doch der Mann meines Lebens? Alles Neue ist am Anfang interessant. Kein Alltag, keine nervenden Eigenschaften. Aber wird das bei dem Neuen nicht auch wieder so werden? Meinen Freund und mich verbindet eine lange gemeinsame Zeit, das kann ich nicht aufgeben. Ich kann ihn nicht verlassen. Aber ich will den anderen unbedingt sehen. Ich halte es nicht mehr aus. Ich rufe jetzt an, obwohl wir gerade beschlossen haben, uns nicht mehr zu sehen. Von alldem bekommt mein Freund nichts mit.er weiß nicht,was in mir vorgeht,und ich distanziere mich dadurch immer mehr von ihm. Das Merkwürdige ist: Ich habe anfangs nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Und das, obwohl ich gerade den wichtigsten Menschen in meinem Leben anlüge,den Menschen, dem ich vertraue. Ich erfinde ständig neue Ausreden, behaupte, ich wolle noch Freunde treffen oder sei müde, stehle permanent irgendwo Zeit und bringe es sogar fertig, von einem Date mit dem anderen direkt zu einem Treffen mit meinem Freund zu fahren. Es liegt, glaube ich, an dieser seltsamen Gleichzeitigkeit. Ich schlafe zwar wochenlang mit einem anderen und führe mit diesem Mann die Gespräche, die ich eigentlich mit meinem Freund führen sollte, aber gleichzeitig fühlt es sich nach wie vor so richtig an, wenn ich mit meinem Freund zusammen bin. So,als könnte es nie anders sein.dadurch verdränge ich den Betrug und ermögliche ihn überhaupt erst. Irgendwann stürzt die Fassade dann ein. Etwa nachdem ich mich endlich getraut habe, einer Freundin von meiner Affäre zu erzählen, und sie mir immer wieder deutlich sagt, was ich gerade tue: lügen, hintergehen und meinem Freund keine Chance zur Reaktion geben. Ein grauenhafter Moment, in dem nicht nur mein Selbstbild zerbricht, sondern auch das, woran ich drei Jahre lang geglaubt habe: meine Beziehung. Diesmal war es im April so weit.wir hatten uns im Herbst kennen gelernt, im Winter miteinander geschlafen und mein fester Vorsatz lautete wieder: Ich will meine Beziehung retten.wir verstanden uns doch gerade so gut und sprachen sogar von Zusammenziehen. Dennoch seit Monaten tat ich genau das Gegenteil. Ich zerstörte sie, indem ich zu einem Date nach dem anderen marschierte, mich immer wieder bei dem Neuen meldete und gegenüber meinem Freund schwieg. Das erste Mal sprach ich im April mit ihm über mein Gefühlschaos als ich ihn verließ. Seitdem bin ich mit meinem neuen Freund zusammen und sehr glücklich. Ich glaube, er ist der Mann meines Lebens. 7

8 TATENDRANG Ganz oben: Szene aus dem Standford-Prison-Experiment. Oben: Szenen aus dem Milgram-Experiment. Oben rechts: Versuchsanordnung von Milgram, Stanley Milgram. Rechts: Inserat für das Stanford-Prison-Experiment, Szene aus dem Experiment.

9 DIE WAHL DER QUAL In Ausnahmesituationen sind Menschen zu allem fähig. Text: Heiko Zwirner Bilder: Liebender Vater, fürsorglicher Ehemann, in jeder Hinsicht normal. Zu diesem Ergebnis kommt ein psychologisches Gutachten, das den Geisteszustand des US-Soldaten Ivan Chip Frederick einschätzen soll. Frederick hat drei Monate lang als Wärter in Abu Ghraib gearbeitet, dem Gefängnis im Westen von Bagdad, in dem Saddam Hussein politische Gefangene foltern ließ und in dem amerikanische Geheimdienste seit der Invasion im Irak Terrorverdächtige festhalten. Ein Jahr später steht er vor Gericht. Ich bin kein Sadist, sagt Frederick während der Vorverhandlung. Und doch hat er Gefangene misshandelt und gedemütigt, hat sie gezwungen, vor den Augen der Mitgefangenen zu masturbieren, Oralsex zu simulieren, sich nackt übereinander zu legen und eine Pyramide zu bilden. Wie kann es sein, dass ein unauffälliger, normaler Mensch dazu fähig ist? Der Sozialpsychologe Philip Zimbardo, der Frederick interviewte und das Gerichtsgutachten erstellte, behauptet, dass nicht die persönlichen Eigenschaften der Täter die Hauptursache für die Eskalation von Gewaltakten und Erniedrigungen waren, sondern die anarchischen Zustände in Abu Ghraib. Die Verwahrlosung. Der Dreck. Die Langeweile. Die Angst vor einem Aufstand. Die Abwesenheit von Regeln und Kontrolle. In einem Essigfass kann man keine süße Gurke sein, sagt Zimbardo. Man verwandele sich automatisch in eine saure Gurke. Der inzwischen emeritierte Stanford-Professor hat sich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, warum Menschen unmoralisch handeln. Die Psychologie des Bösen nennt er sein Forschungsgebiet. Um das menschliche Verhalten unter den Bedingungen von Gefangenschaft zu untersuchen, führte er bereits 1971 das Stanford Prison Experiment durch und zeigte, wie einfach es ist, Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, von denen sie behaupten, dass sie sie niemals tun würden. Im Keller der psychologischen Fakultät seiner Uni simulierte Zimbardos Team ein Gefängnis. 24 Testpersonen, alles Studenten aus Palo Alto, darunter erklärte Bürgerrechtler und Pazifisten, wurden willkürlich in Häftlinge und Aufseher unterteilt. Die Wärter bekamen Schlagstöcke und Sonnenbrillen, die Gefangenen mussten Fußketten und Kittel ohne Unterwäsche tragen. Ihre Köpfe wurden kahl rasiert und anstelle ihres Namens bekamen sie eine Nummer verpasst. Ohne weitere Vorschriften wurden die beiden Gruppen sich selbst überlassen. Nach 36 Stunden hatte der erste Häftling einen Nervenzusammenbruch, weil der Stress zu groß wurde. Nach zwei Tagen brach ein Aufstand aus. Nach sechs Tagen war das Experiment völlig außer Kontrolle geraten und musste abgebrochen werden. Die Wärter hatten angefangen, die Häftlinge sexuell zu erniedrigen und zu quälen. Parallelen zwischen den Ereignissen im Keller der Stanford-Universität und Vorfällen in Abu Ghraib sind auffällig: In beiden Situationen nahmen die Wärter die Gefangenen nicht mehr als Individuen, sondern als anonyme Objekte wahr. Sie waren nicht darauf trainiert, eine so schwierige Aufgabe zu bewältigen. Sie wurden kaum überwacht und mussten für ihr Verhalten keine Rechenschaft ablegen. Unter solchen Voraussetzungen sind Exzesse programmiert. Für jemanden, der sich noch nie etwas hat zu Schulden kommen lassen, ist es komfortabel zu glauben, dass nur die anderen zu Grausamkeiten fähig sind, sagt Zimbardo. Doch dieses Gefühl der moralischen Überlegenheit ist eine Illusion. So gut wie jeder, der mit derart extremen Umständen konfrontiert wird, würde sich ähnlich verhalten. Folgt man Zimbardos Ergebnissen, ist das Handeln eines Menschen nicht von seinen moralischen Prinzipien abhängig, sondern von der Situation, in der er sich befindet. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung war der Sozialpsychologe Stanley Milgram bereits Anfang der sechziger Jahre an der Yale University in New Haven gekommen. Bei dem nach ihm benannten Experiment wird den Testpersonen erklärt, dass es darum gehe, den Zusammenhang von Lernerfolg und Bestrafung zu untersuchen. Das Los bestimmt einen Lehrer und einen Schüler. Unter Aufsicht eines Wissenschaftlers verpasst der Lehrer dem Schüler einen Stromschlag zwischen 15 und 450 Volt, wenn dieser seine Aufgabe nicht lösen kann. Bei jedem Fehler soll der Lehrer die Spannung um 15 Volt erhöhen.tatsächlich handelt es sich beim Schüler jedoch um einen Schauspieler, der bald beginnt, Schmerzen zu simulieren. Wahres Ziel des Experiments ist es zu testen, wie hoch die Bereitschaft von Menschen ist, Anweisungen zu folgen und einen Unbekannten zu quälen, auch wenn das Gewissen dagegen rebelliert. Zögert der Lehrer, die Spannung zu erhöhen, wird er vom Versuchsleiter zum Weitermachen aufgefordert er habe keine andere Wahl. Im Gegensatz zum Stanford Prison Experiment führt beim Milgram Experiment nicht das Fehlen von Kontrolle zu unmoralischen Handlungen, sondern der Druck einer Autorität. Der Versuch wird in etwa vierzig Ländern wiederholt. Die Ergebnisse sind überall die gleichen: Unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht bringen zwei Drittel aller Versuchspersonen den Versuch zu Ende und verpassen dem Schüler tödliche Stromschläge auch wenn dieser um den Abbruch des Versuches bettelt, vor Schmerzen schreit oder gar nicht mehr auf Fragen reagiert. Den Lehrern reicht die Begründung, sie handelten im Dienste der Wissenschaft und jemand anderes übernehme die Verantwortung. Früher habe ich mich gefragt, ob man in den ganzen USA genug moralische Dummköpfe finden könnte, um den Personalbedarf für ein nationales System an Konzentrationslagern zu decken,wie es dies in Deutschland gegeben hat,schrieb Milgram nach Abschluss der ersten Versuchsreihe. Jetzt glaube ich langsam, dass die ganze Belegschaft in New Haven allein rekrutiert werden könnte. 9

10 ZULASSUNGSBESCHRÄNKUNG ALLES, WAS RECHT IST Dr. Jörg Kinzig vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg über Folter, Nothilfe und Daumenschrauben im Keller. Interview: Dirk Schönlebe Herr Kinzig, darf man in Deutschland foltern? Aus meiner Sicht: nein. Das verbietet Artikel 104 Grundgesetz, in dem es heißt: Festgehaltene Personen dürfen weder seelisch noch körperlich misshandelt werden. Und speziell für den Strafprozess gibt es auch eine Vorschrift Paragraf 136a StPO, der Folter im Strafverfahren verbietet. Ist es woanders erlaubt? Die internationale Völkergemeinschaft ist sich inzwischen einig, dass Folter verboten sein sollte, und hat das festgelegt. Zum Beispiel in Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, in Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention, in Artikel 1 des UN-Übereinkommens gegen Folter von Das Folterverbot war auch Bestandteil des Entwurfs für eine europäische Verfassung. In den internationalen Bestimmungen ist neben Folter meistens von grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe die Rede. Wo Folter beginnt und wo sie aufhört, kann man nicht immer sagen. Sicher ist:wenn ich jemandem körperliche Schmerzen zufüge, zum Beispiel um von ihm eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen,dann ist das Folter. Der stellvertretende Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner hat im September 2002 dem damals mutmaßlichen Entführer des Bankierssohns Jakob von Metzler Folter androhen lassen, um zu erfahren, wo Jakob versteckt war.war das auch schon Folter? Meiner Ansicht nach schon. Und wenn es nicht Folter ist, dann ist es zumindest eine unmenschliche Behandlung und damit auch verboten. Gibt es in den angesprochenen Konventionen oder im Grundgesetz irgendwelche Lücken oder Unklarheiten, die im Fall der Folter vielleicht einen Handlungsspielraum lassen? Nein. Nach Artikel 15 der Europäischen Menschenrechtskonvention ist das Folterverbot sogar notstandsfest. Das heißt, davon darf in keinem Fall abgewichen werden. Dort Bilder: 10

11 Linke Seite, von links: Szene aus dem Standford-Prison-Experiment, Foltermethode Zwangsjacke, Frauen am Pranger, Ivan Chip Frederick in Abu Gharib Oben, von rechts: Foltermethode Beruhigungsmittel, Szene aus dem Standford-Prison-Experiment steht explizit: Selbst wenn das Leben einer Nation durch Krieg oder einen anderen öffentlichen Notstand bedroht wird, ist Folter ausgeschlossen. In der Folterdebatte wird oft das ticking bomb scenario angeführt: Eine Bombe ist versteckt, man hat einen Terroristen und nur er weiß, wo sie explodieren wird. Wenn man ihn nicht foltert, um die Bombe zu finden wird dann nicht das Recht des Täters über das Recht der potenziellen Opfer auf Leben gestellt? Diese Argumentation ist schon im Ansatz problematisch. Sie sprechen vom Recht des Täters. In diesen Fällen handelt es sich aber um Verdächtige. Ich würde schon bestreiten, dass man sicher sein kann, wer der Täter ist. Das ist wie die Argumentation bei der Todesstrafe,da sagt man auch:wir wissen ganz sicher, dass er der Täter ist. Aber Beispiele aus den USA zeigen, dass es eine Vielzahl von Leuten gab, die unschuldig hingerichtet wurden. Als potenziellem Anschlagsopfer hilft mir das nicht weiter. Ich hätte da lieber, dass alles unternommen wird, um die Bombe zu finden. Das ist eine so genannte tragic choice situation : eine Situation, in der man Schuld auf sich lädt, möglicherweise Unrecht tut, ganz egal, wie man handelt. Das ist einfach eine schwierige Situation, die man nicht so einfach rechtlich auflösen kann. Aber den Rettungsschuss gibt es doch auch, da wird das Opfer auch geschützt. Beim finalen Rettungsschuss sehe ich im Idealfall den Bankräuber, der die Pistole hat und an den Kopf der Geisel hält.aber gerade die vorhin besprochenen ticking bomb - Szenarien oder auch der Daschner-Fall sind dadurch gekennzeichnet, dass die Gefahr nicht präsent ist. Ich kann die Gefahr nicht sofort sehen und mit der Folter beseitigen, sondern bin immer auf die Mitwirkung des Gefolterten angewiesen.wenn man das einmal durchdenkt, wie die Folter rechtlich auszugestalten wäre,dann kommt man ohnehin in große Schwierigkeiten. Nämlich? Dann müsste man rechtlich regeln:wie soll gefoltert werden? Ganz langsam oder doch schnell? Nur ein bisschen oder dann auch bis zum Tod? Sind Ärzte dabei? Wie sicher muss man sein, um foltern zu dürfen? Im Frankfurter Fall hatten sie zunächst auch einen anderen Tatverdächtigen genügt denn eigentlich schon eine überwiegende Sicherheit für die Folter? Oder muss es eine große Wahrscheinlichkeit sein? Der Staat darf also nicht foltern. Darf der Privatmann foltern, in Notwehr vielleicht? Notwehrrechte habe ich.wenn ich bedroht werde, kann ich dem anderen auf die Nase hauen.wenn mein Kind verschleppt ist und ich kriege den Entführer, dann stehen mir so genannte Nothilferechte zu. Und da wird s sehr schwierig, da gibt es keine eindeutigen Antworten. Bei der Nothilfediskussion gibt es eine Einschränkung: Die Abwehr muss geboten sein.und da würde ich sagen,aber das ist meine private Ansicht: Geboten wäre, dass ich die Polizei anrufe, wenn ich den Entführer habe. Ich darf nicht selbst anfangen, dem Verdächtigen im Keller die Daumenschrauben anzulegen. Als Privatmann: Könnten Sie einen Vater verstehen, der den mutmaßlichen Entführer seines Sohnes gefoltert sehen will, um das Versteck zu erfahren? Ich kann mich da nicht hinstellen und sagen, ich hätte dafür nicht irgendwie Verständnis. Aber darauf können wir nicht unsere Rechtsordnung aufbauen. Auf sagt eigentlich unser Grundgesetz über Moral? Politische Philosophen geben Antworten. 11

12 VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG

13 ICH ARBEITE, ALSO BIN ICH Früher galt:wer arbeitet, ist wenig wert. Gute alte Zeiten? Text: Sebastian Wehlings Fotos: Christian Lesemann Im letzten Wahlkampf war es das Zauberwort: Arbeit. Eine Partei verkündete: Sozial ist, was Arbeit schafft, eine andere: Arbeit muss sich wieder lohnen, die nächste: Arbeit soll das Land regieren. Die Zustimmung der Wähler hatten all diese Parolen sicher. Einer Umfrage zufolge fürchten sich die Deutschen mehr vor dem Verlust des Arbeitsplatzes als vor einer schweren Krankheit. Den rund viereinhalb Millionen Arbeitslosen stehen über 1,4 Milliarden bezahlte Überstunden gegenüber. Arbeit ist anstrengend,aber man kann nicht genug von ihr bekommen. Wir sind,was wir tun. So sehr ist dieser Glaubenssatz verinnerlicht, dass viele Menschen jene Momente gar nicht mehr genießen können, in denen sie einfach mal nichts tun. Für faul will niemand gehalten werden. Aber warum hat Arbeit in unserer Gesellschaft diesen hohen Wert? In der griechischen Polis oder im antiken Rom hätten Parolen wie die oben genannten Entsetzen ausgelöst. Jede Form von körperlicher und kommerzieller Erwerbstätigkeit galt als erniedrigend. Wer konnte, überließ das Arbeiten den Sklaven. Der freie Bürger war arbeitslos, aber nicht untätig. Er hatte Zeit, sich mit den wirklich wichtigen Dingen zu beschäftigen: mit den Künsten, dem Philosophieren und der Politik. Im jüdisch-christlichen Kulturkreis wurde Arbeit bis ins Mittelalter hinein als Fluch begriffen.arbeit war so steht es im Alten Testament die Strafe, die Gott über Adam und Eva und all ihre Nachfahren für die Ursünde verhängt hatte. Erst im jenseitigen Paradies wartete der natürliche Urzustand: eine Existenz in ungetrübter Freude von Arbeit befreit.wer es dorthin schaffen wollte, durfte auf Erden allerdings nicht zu viel schuften. Denn wer Reichtümer anhäufte oder sich keine Zeit zur inneren Einkehr ließ, galt als ungläubig: Er zeigte sich fern von Gott. Erste Ansätze, Arbeit spirituell aufzuwerten, gab es im Mittelalter. Ora et labora, hieß der Leitspruch des 529 gegründeten Benediktinerordens. In den Klöstern lebten die Mönche und Nonnen als Knechte Gottes in einer strikt durchorganisierten Ordnung aus geistigen Pflichten und weltlicher Arbeit. Durch die einsetzende Geldwirtschaft und das sich entwickelnde Staatswesen wurde die Erwerbstätigkeit seit dem 13. Jahrhundert auch zu einem immer wichtigeren gesellschaftlichen Faktor. Staatliche Moralwächter bemühten sich deshalb darum, Arbeit als besonders tugendhaft darzustellen. An der allgemeinen Mentalität änderte dies allerdings zunächst nur wenig. Die meisten Menschen arbeiteten nur so viel, wie sie zum Leben brauchten. Und die Eliten sahen in der Arbeit nach wie vor den Feind des freien Geistes. Ihre entscheidende Aufwertung erfuhr Arbeit durch die Reformation und den Protes-tantismus calvinistischer Prägung im 16. Jahrhundert. Nach der Lehre des in Genf wirkenden Reformators Johannes Calvin ( ) gibt es zwei Gruppen von Menschen: die von Gott Auserwählten und diejenigen, die dazu verdammt sind, die Ewigkeit in der Hölle zu verbringen. Ein Mensch gehört zu den Auserwählten wenn er bereit ist, hart zu arbeiten und Verzicht zu üben. Fleiß, Disziplin und Askese gelten den Calvinisten als höchste Tugenden. Maximale Profite zu erzielen war fortan nicht nur geduldet, sondern Pflicht eines Gläubigen, irdischer Erfolg war Beleg für die Gnade Gottes. Nach Meinung des Ökonomen und Soziologen Max Weber ( ) schuf die auf dieser Sicht fußende protestantische Ethik die Basis für den modernen Kapitalismus und führte letztlich zur Industrialisierung. Der neue, strenge Wertekatalog ermöglichte es den Manufaktur- und Fabrikbesitzern, die Menschen zu disziplinieren und in das industrielle System zu fügen. Bis zum 19. Jahrhundert hatte das kapitalistische System die protestantische Ethik zu seinen Zwecken säkularisiert und in ein wirkungsvolles Arbeitsethos ge- 13

14 VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG NEUE SOLIDARITÄT? Der Historiker Eberhard Straub über die Aufgaben der Politik und die Kraft der Muße. Herr Straub, Sie sagen, die Politik muss angesichts der anhaltenden Massenarbeitslosigkeit umdenken. Wie? Die Menschen werden heute nur für die berufliche Praxis gedrillt.wenn sie arbeitslos werden, stehen sie mit leeren Händen da. Der Staat muss seine Bürger wieder im altmodischen Sinne zu Menschen bilden. Dazu gehört eine literarische, musikalische und ästhetische Erziehung. Die Menschen müssen wieder ihre Sinne entwickeln, nur dann werden sie in der Lage sein, Zeit mit sich selbst zu verbringen. Arbeitslosen wird es nicht besser gehen, weil sie Schillers Glocke kennen. Natürlich nicht. Der Arbeitslose hat ja nicht nur das Problem,dass er nichts mit sich anzufangen weiß. Er wird auch aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Das muss aufhören.wir müssen den Menschen, die keine Arbeit finden, das Gefühl geben, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind. Sonst droht diese Gesellschaft auseinander zu brechen. Was können wir dagegen tun? Die Politiker, aber auch soziale und kirchliche Einrichtungen müssen die Menschen daran erinnern, dass sie ihre Würde nicht von der Arbeit allein ableiten.wir müssen lernen, die Muße wieder als etwas Positives zu betrachten, die uns die Möglichkeit gibt, uns zu entwickeln und zu entfalten. Wir vergessen das gern, aber der Mensch ist zur Freiheit berufen, nicht zur Arbeit. Viele Menschen hätten wohl nichts gegen Muße ihnen fehlt das Geld. Darum sollte die Politik darüber nachdenken, ein Bürgergehalt einzuführen: Jeder Bürger, erwerbstätig oder nicht, bekommt ein Grundgehalt, das ihm ein würdevolles Leben ermöglicht. Der Betrag sollte über dem derzeitigen Arbeitslosengeld II liegen, um die 1400 Euro. Das gesellschaftliche Klima würde sich deutlich verbessern. Und wie soll man das finanzieren? So wie unser jetziges System auch: durch Steuern. Es spricht viel für die Einführung eines Bürgergehalts: Der soziale Druck auf Arbeitslose würde entfallen.wer keine Arbeit hat und doch finanziell abgesichert ist, könnte seine Zeit nutzen, anderen zu helfen, in der Gartenarbeit, beim Babysitten, überall, wo Menschen aufeinander angewiesen sind.es könnte sich eine ganz neue Solidarität entwickeln. Arbeitslose sind doppelt bestraft. gossen: Erwerbstätigkeit wurde zur sozialen Pflicht, zu einer gesellschaftlichen Norm, zum Selbstzweck. Immer mehr Menschen strömten vom Land in die Stadt und in die Fabriken. Der Arbeitsplatz wurde zum Lebensmittelpunkt, die durchschnittliche Arbeitszeit betrug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts um die 15 Stunden täglich. Die Arbeitszeit wurde später auf ein menschenverträgliches Maß gekürzt, aber die von der Industrialisierung eingeleitete Entwicklung war unumkehrbar: Aus der Gesellschaft, in der Menschen arbeiteten, um zu leben, war die Arbeitsgesellschaft geworden. Heute geht dieser Arbeitsgesellschaft immer mehr die Arbeit aus. Menschen, die auf Arbeit programmiert sind, empfinden eine solche Situation als schwere Krise das von ihnen wie von den arbeitenden Mitmenschen verinnerlichte Arbeitsethos erweist sich als Problem. Denn unsere Gesellschaft neigt dazu, Arbeitslose unter Generalverdacht zu stellen: Sind das nicht Faulenzer,die sich in der Hängematte des Sozialstaats ausruhen wollen? Durch diese Haltung werden die Betroffenen doppelt bestraft: Sie müssen mit den finanziellen Folgen der Erwerbslosigkeit kämpfen und werden sozial ausgegrenzt. Eine Gesellschaft, die für immer weniger Menschen bezahlte Arbeit hat, Arbeit aber weiterhin zum höchsten Gut erhebt, wird auf Dauer immer mehr unglückliche Bürger produzieren. In jüngster Zeit gibt es deshalb verstärkt Stimmen, die ein Umdenken fordern. Unter ihnen sind der amerikanische Philosophieprofessor Frithjof Bergmann und der deutsche Historiker und ehemalige FAZ- und Welt- Redakteur Eberhard Straub. Bergmann wirbt für ein neues Verständnis von Arbeit. Er meint, unsere Gesellschaft würde besser funktionieren, wenn die Menschen weniger arbeiten würden und mehr Zeit hätten, sich selbst zu verwirklichen und Dinge für den eigenen Bedarf zu produzieren. Zu Straubs Forderungen gehört, sich von der Idee der Vollbeschäftigung zu verabschieden und die Erwerbslosigkeit als neue, weit verbreitete Lebensform zu akzeptieren (siehe Interview). Wir müssen den Menschen, die keine Arbeit finden, das Gefühl geben, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind, sagt Straub. Sonst droht diese Gesellschaft auseinander zu brechen. 14

15 LEBENSLAUF EINSAME ENTSCHEIDUNG Johanna war 21 Jahre alt, als sie ungewollt schwanger wurde.wegen einer Blasenentzündung nahm sie Antibiotika das vertrug sich nicht mit der Pille. Sollte sie das Kind bekommen? Protokoll: Franziska Storz Ich wollte nur sagen: Es tut mir Leid. Deshalb bin ich eine Woche nach dem Eingriff auf einen Friedhof gegangen. Ich bin nicht religiös.trotzdem wollte ich mich innerlich von dem Kind verabschieden,dessen Leben ich verhindert habe und von dem ich mir seitdem immer wieder vorgestellt habe, wie es ausgesehen hätte. Die Entscheidung für eine Abtreibung damals war richtig. Mir war immer klar, dass ich kein Kind ohne den dazu gehörenden Vater großziehen möchte. Und als ich mit dem positiven Schwangerschaftstest vor meinem damaligen Freund stand, hat der mir sehr deutlich gesagt, dass er zu diesem Zeitpunkt kein Kind will. Er hat studiert, ich war mitten in meiner Ausbildung zur Werbekauffrau. Wir hatten beide kein Geld und einen Alltag, der hauptsächlich durch die Partys strukturiert wurde, die wir auf jeden Fall mitnehmen wollten. Ich wusste, dass ich das mit dem Kind ohne meinen Freund nicht gepackt hätte und keine gute Mutter gewesen wäre.man muss da an das Kind denken und darf nichts verkorksen. Meine Kindheit hat mich sehr geprägt: Ich bin ohne Vater aufgewachsen, mit einer überforderten, schlecht gelaunten Mutter. Das wollte ich meinem Kind nicht antun. Außerdem war ich noch viel zu sehr mit mir beschäftigt, ich musste meine Essstörung in den Griff kriegen und wollte unbedingt noch das Abitur nachmachen. Trotzdem fiel mir die Entscheidung nicht leicht. Mein Körper hat sich schon in den ersten Schwangerschaftswochen sehr verändert, da konnte ich nicht einfach ignorieren, dass in mir etwas wuchs. Einen Schwangerschaftsabbruch mit Mord gleichzusetzen halte ich für Quatsch, aber ein Fötus ist auch mehr als nur ein Haufen Zellen. Der Beratungstermin bei Pro Familia hat keine zehn Minuten gedauert. Ich bin da hingegangen, als mein Entschluss feststand, und dort versuchten sie gar nicht erst mich umzustimmen. Meinem Freund habe ich erst mal nicht gesagt, dass ich mich gegen das Kind entschieden habe. Seine Reaktion hatte mich zu sehr verletzt und ich habe mir nur gedacht: Scheißmänner, ihr macht es euch auch ein bisschen einfach! Ich bin allein zum Arzt gegangen. Der Eingriff war ambulant, mit lokaler Betäubung. Der Fötus wird mit einer Maschine abgesaugt. Das Geräusch ist mir heute noch manchmal in den Ohren. Der Arzt war Raucher, es stank in der Praxis und die Schmerzen hinterher waren so stark,dass ich dann doch meinen Freund angerufen habe.er kam, um mich abzuholen, und war ziemlich aufgelöst. Zwei Dinge haben mir geholfen, die Abtreibung zu verarbeiten. Zum einen waren da die stillen zehn Minuten auf dem Friedhof. Und ich habe mir Leslie gekauft. Einen zehn Monate alten Jagdhund. Da war ein kleines Wesen, um das ich mich kümmern konnte und mit dem ich Spaß hatte. Das hat mir gut getan. Vier Jahre später wurde ich zum zweiten Mal schwanger.aber diesmal vom richtigen Partner.Es war keine Frage,dass wir das Kind bekommen. Sophie ist inzwischen 17 Monate alt klein, blond, laut, manchmal anstrengend, aber immer wundervoll. Im Verlauf der zweiten Schwangerschaft habe ich wohl erst richtig begriffen, was eine Abtreibung bedeutet bei jedem Blick auf ein neues Ultraschallbild. Ich würde es nie wieder tun.trotzdem war es die richtige Entscheidung damals. 15

16 BUCHWESEN Es war einmal? Märchen sind nicht nur eine Einschlafshilfe, wir sollen auch was fürs Leben lernen: die Moral von der Geschicht.Allerdings stammen die Märchen der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen aus einer anderen Epoche. Höchste Zeit zu überprüfen, ob die Moral der alten Geschichten heute noch anwendbar ist. Text:Tobias Moorstedt, Heinrich Geiselberger Illustrationen: Frank Weichselgartner Die Bremer Stadtmusikanten Was tun, wenn man an seinem Arbeitsplatz nicht mehr gebraucht wird? Die Hauptfiguren der Bremer Stadtmusikanten, Esel, Hund,Katze und Hahn sind alt,schwach und können keine Leistung mehr bringen. Ihre Besitzer wollen die treuen Tiere deshalb schlachten, totschlagen und ersäufen. Die Tiere fliehen gemeinsam nach Bremen um dort Musikanten zu werden.auf der Reise dorthin entdecken sie ein Haus, das von einer Räuberbande bewohnt wird. Mit einer List verjagen sie die Gangster und besetzen das Haus: Indem sich die Tiere aufeinander stellen, bilden sie einen Furcht erregenden Super-Körper. Die Räuber haben Angst vor dem Zusammenhalt der Tiere und denken, sie hätten es mit Monstern zu tun. Die Lehre lautet also: Solidarität macht stark, allein ist man nicht klein. Die Tiere haben sich nicht mit ihrem Schicksal abgefunden. Und weil sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten für das gemeinsame Wohl einsetzen, erkämpfen sich die Tier-Rentner den Traum aller Arbeitnehmer: ein Häuschen im Grünen. Das tapfere Schneiderlein Eine typische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte, Hollywood-Material aus dem 19. Jahrhundert. Beim Frühstück erschlägt ein armer Schneider sieben Mücken und setzt sich selbst mit einem bestickten Gürtel ein Denkmal. Sieben auf einen Streich. Ein guter Slogan. Damit zieht er in die Welt. Bald trifft er einen Riesen, der sehr beeindruckt ist, weil er denkt, er habe es mit einem siebenfachen Mörder zu tun.trotzdem schlägt er einen Wettkampf vor. Den Steineweitwurf gewinnt der körperlich unterlegene Schneider, indem er einen Vogel wirft, der scheinbar gar nicht mehr zu Boden kommt. Kreativität und sein positives Image als unbesiegbarer Kämpfer sind die großen Stärken des Schneiders.Am Ende sitzt er gar auf dem Thron. Wir lernen: Frechheit siegt. Und man bekommt nie eine zweite Chance, um einen guten ersten Eindruck zu machen. Wer es am Anfang des Semesters schafft, den Professor zu beeindrucken, kann sich zurücklehnen: Noch die letzten Banalitäten werden einem als Geistesblitze angerechnet. Die Sterntaler Erst sterben die Eltern, dann wird das kleine Mädchen obdachlos und steht mitten im Winter allein auf der Straße.Dort trifft es arme Leute,denen es sein letztes Stück Brot,die Mütze und auch sein letztes Hemd schenkt. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter blanke Taler. Gesetzt den Fall, die Gebrüder Grimm schildern nicht die Halluzinationen eines erfrierenden Mädchens, ist die Geschichte wunderschön: Wer möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Armut und Kälte von warmen Herzen weggeschmolzen werden und das noch belohnt wird? Natürlich können sich auch im echten Leben gute Taten lohnen: Man schlägt sich Abende um die Ohren, um einem Freund bei der Abschlussarbeit zu helfen, später verschafft er einem einen guten Job.Wer aber garantiert, dass das so läuft? Dass man nicht an diesen Abenden seine Traumfrau kennen gelernt hätte, wäre man nicht am Schreibtisch gesessen? Und wenn es so wäre: Gleichen das dann auch die Sterne aus? 16

17 Des Kaisers neue Kleider Ein eitler König bekommt eines Tages Besuch von zwei freischaffenden Stilberatern, die ihm ein Wunderwams versprechen. Das Kleidungsstück soll eine magische Fähigkeit besitzen: Für inkompetente Mitarbeiter ist es unsichtbar. Die Modeschöpfer weben gar keinen Stoff, weil aber keine der Hofschranzen als Idiot dastehen will, traut sich niemand, die Wahrheit zu sagen. Nur ein kleines Kind, das die Regeln des Spiels noch nicht kennt, sagt, was alle sehen: Er hat ja gar nichts an. Der König ist blamiert, tut aber so, als habe er nichts gehört, und bleibt so an der Macht. Einen jeden plagen manchmal Zweifel an der gesellschaftlichen Ordnung: Ist Michael Ballack wirklich nicht zu ersetzen? Leben wir in der besten aller Welten? Dann sagt man sich: Wird schon was dran sein, wenn alle das sagen. Aber man sollte solche Zweifel ernst nehmen. Es haben schon ganze Länder an die absurdesten Dinge geglaubt. Ob sich aber etwas ändert, wenn man es an- und ausspricht das ist eine andere Geschichte. Von dem Fischer un syner Frau Im Märchen Von dem Fischer un syner Fru fängt ein armer Fischer eines Tages einen großen Fisch, der ihm als Gegenleistung für seine Freiheit verspricht, alle Wünsche zu erfüllen. Auf Druck seiner Frau wünscht sich der Fischer vom Buttje in der See ein schönes Haus, später ein Schloss. Die Frau aber ist immer noch nicht zufrieden, sie möchte Königin, am Ende gar Gott werden. Im nächsten Moment sitzen die beiden wieder in ihrer alten schäbigen Hütte. Das Märchen kritisiert nicht den Reichtum an sich, sondern die Habgier, die durch diesen erzeugt wird.wer immer mehr will, verliert irgendwann alles. Die Geschichte vom Fischer un syner Fru ist aber auch die ideale Erzählung für die unterprivilegierte Klasse, um sich ihrer moralischen Überlegenheit zu versichern:wer reich ist, ist unzufrieden und damit im Grunde genommen arm. Buch: Wilhelm Solms: Die Moral von Grimms Märchen. Darmstadt

18 RESPEKTSPERSON Das Wunschkind Zuerst war Alexandras Tochter eigentlich zu schwach, um auf die Welt zu kommen. Dann angeblich zu krank zum Überleben. Jetzt lebt sie einfach. Text: Bastian Obermayer Foto: Stefanie Füssenich Alexandra ignoriert alle Prognosen und Diagnosen und all die Menschen, die sie nicht verstehen wollen. Das ist lebensunwertes Leben, hörte sie kürzlich von einer Ärztin. Was willst du Kleine denn hier? Du hast doch gar keine Chance, dachte sich Alexandra Mayereder, als sie ihre Tochter zum ersten Mal sah.vor ihr, auf der Säuglingsstation des Ulmer Krankenhauses, lagen 1700 Gramm Mensch, viel zu wenig eigentlich, und hörten einfach nicht auf zu leben.alexandras Baby hatte eine Lebenserwartung von null Jahren, null Monaten und null Tagen. Die Diagnose: Hydroencephalitis. Daraus resultiert, was der Volksmund Wasserkopf nennt. Ein Blutpropfen hatte die Entwicklung des Großhirns verhindert. Im sechsten Schwangerschaftsmonat hatten Augsburger Ärzte Alexandra gesagt, dass ihr Mädchen höchstwahrscheinlich außerhalb des Mutterleibes nicht lebensfähig sein werde, dass der Geburtstag des Kindes auch sein Todestag werden würde. Sie rieten zu einem Schwangerschaftsabbruch und schlugen vor, das Ungeborene mit einer Kaliumspritze durch die Nabelschnur zu töten. Kalium lähmt die Muskeln, auch die des Herzens. Alexandra war verwirrt:wieso töten, wenn ihr Kleines doch sowieso sterben würde? Und was hieß eigentlich wahrscheinlich? Nein, sagte sie sich, so nicht, und den Ärzten sagte sie, dass ihre Tochter selbst entscheiden solle, ob sie leben will. Das winzige Mädchen kam also auf die Welt und atmete.die Ärzte sagten,ihr Herz werde höchstens noch ein paar Tage schlagen. Ein Arzt riet,das Kind erfrieren zu lassen,das sei der leichtere Tod. Alexandra hörte ihnen nicht mehr zu. Sie hatte ihre Entscheidung längst getroffen. Sie nannte ihr Mädchen Quirina: die Kriegerische, die Kämpferin. Dann nahm sie Rinchen mit nach Hause. Wir beide haben nicht aufgegeben, gell?, sagt Alexandra mit leiser Stimme und küsst ihre Tochter auf die Stirn. Die zierliche, heute 24-jährige Mutter sitzt in einem Zimmer der Wiege, eines Heims für behinderte Kinder in Odelzhausen bei München. Dort werden sie am 17. Dezember Rinchens zweiten Geburtstag feiern. Das Mädchen ist schwerstbehindert, ein nicht sichtbarer Schlauch transportiert Wasser aus ihrem Kopf in den Bauch. Ein anderer Schlauch führt durch die Nase in den Magen,weil Rinchen nicht genügend trinken kann. Der Schlauch ist mit einem Pflaster in Herzform an der Backe festgeklebt. Manchmal ist es ein Wolkenpflaster, das sieht auch süß aus, sagt Alexandra, sie lächelt dabei, während Rinchens kleine Hände nach ihren Daumen greifen. Rinchen wird nie sitzen, stehen, reden oder bewusst handeln können.aber sie freut sich, wenn sie gestreichelt wird, sie lacht, wenn man sie kitzelt,und sie schreit,wenn sie Hunger hat. Rinchen lebt, das ist die Leistung. Die Kleine hat jetzt schon mehr geschafft als ich, sagt Alexandra. Dann wischt sie sich die Finger an der Hose trocken. Sie hat das Wasser verschüttet, das für Rinchen bestimmt war. Guck, war die Mama wieder ungeschickt, flüstert sie ihr ins Ohr. Anfangs hatte Alexandra ihr Kind bei sich. Sie packte es warm ein, weil es seine Temperatur nicht halten konnte. Sie fütterte es jede Stunde, weil Rinchen nur vier bis fünf Milliliter auf einmal schaffte. Sie stritt mit der Krankenkasse um Therapieleistungen für das Baby, sie brachte es zu Ärzten, in Tagesstätten, zur Physiotherapie oder ins Krankenhaus, wenn es wieder operiert werden musste. Alexandra war völlig überfordert. Aber ich habe jeden Tag gesehen, wie meine Kleine kämpft, das hat mir Kraft gegeben. Die Kraft,die all die anderen ihr nicht geben wollten: der Vater, der die Vaterschaft bestritt und seiner Tochter, die er nur einmal sah, derzeit rund 3000 Euro Alimente schuldet, und Alexandras Eltern, die ihr erstes Enkelkind, das doch sowieso bald tot sein würde, zunächst nicht lieb haben konnten. Trotzdem war klar, dass die junge Mutter diese Anstrengungen irgendwann nicht mehr bewältigen könnte. Nicht allein und nicht, ohne ihre eigene Zukunft vollkommen zu opfern. Die Alternative war die Wiege. Dort bekommt Rinchen Ergo- und Physiotherapie gegen ihre Spastiken, dort sind rund um die Uhr Krankenschwestern vor Ort und dort kommt jede Woche ein Arzt zur Visite vorbei. Anfangs wollte Alexandra ihr Mädchen nur für kurze Zeit in die Wiege geben,aber als sie sah,dass es Rinchen dort besser ging und die Spastiken weniger wurden, entschied sie, dass die Wiege ein guter Ort sei, um den Kampf fortzusetzen: Für uns ist es kein Heim, sondern ein Zuhause. Seither hat Alexandra auch Zeit für anderes, für sich, für ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und für ihren Freund, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist. Den hätte Alexandra fast wieder weggeschickt, weil sie dachte, neben Rinchen habe niemand mehr Platz in ihrem Herzen. So eingeschworen war das Kämpferpaar schon. Alexandra hat sich einen Tunnelblick antrainiert, mit dem sie durchs Leben geht. Sie ignoriert alle Prognosen und Diagnosen und all die Menschen, die sie nicht verstehen wollen. Eine Mutter gibt ihr Kind nicht ins Heim, hörte sie von einer Sozialpädagogin; das ist lebensunwertes Leben, kürzlich von einer Ärztin. Bei solchen Sprüchen höre ich weg, sagt Alexandra und lächelt. Sie verschleudert ihre Kraft nicht sinnlos. Sie braucht jedes bisschen davon. 18

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20 GRUNDEINSTELLUNG

21 MORAL KANN MAN LERNEN Der Tübinger Philosophieprofessor Otfried Höffe weiß auch, wie das geht. Interview: Julia Decker Foto: Magnum Photos / Agentur Focus Herr Höffe, wir hätten von Ihnen gern einen Schnellkurs Moral für Nicht- Philosophen.Was ist Moral? Ein Fremdwort. Es kommt von dem lateinischen Wort mores und heißt übersetzt Sitten und Gebräuche. Die Moral beschäftigt sich mit Grundannahmen im Verhalten der Menschen zu Mitmenschen und zur Natur und ist keinesfalls auf Fragen der Sexualität beschränkt. In dem so genannten kritischen Sinn beschreibt der Begriff Moral, wie etwas vernünftigerweise gilt oder gelten soll. Der positive Begriff Moral dagegen beschreibt, welche Sitten ein einzelner Mensch oder eine Gesellschaft befolgt. Erleichtert die Moral das Leben? In vielen Fällen schon. Der antike Moralphilosoph Platon hat im Gespräch mit seinem Freund Sokrates gesagt: Dem Gerechten also dem rechtschaffenen oder, wie wir heute sagen: dem moralischen Menschen geht es viel besser als dem Ungerechten.Weil er von den Menschen geachtet wird, an denen ihm etwas liegt, eben weil er sich selber achten kann. Kann man Moral lernen? Sicherlich. Und zwar jeder Mensch. Zum Beispiel kann man Rechtschaffenheit oder Rücksichtnahme lernen. Aristoteles, neben Kant einer der größten Moralphilosophen, legt sehr viel Wert darauf, dass man Moral lernen kann und lernen muss. Und wie genau lernt man Moral? Durch Einüben, Gewöhnung. Indem man für die Dinge,die man richtig tut,gelobt und für die falschen getadelt wird. Und vielleicht empfindet man sogar Reue für die falschen. Aristoteles sagt: Gerecht wird man durch gerechtes Handeln, tapfer durch tapferes Handeln. Das heißt: Eine moralische Einstellung bekommt man durchs Einüben. Der Mensch ist also nicht von Geburt an moralisch? Kinder sind ziemlich früh und ziemlich sicher moralisch. In der Pubertät beginnen sie dann, manche Moral in Frage zu stellen. Und als Erwachsene denken sich die Menschen schließlich Entschuldigungen aus, warum sie unter den gegebenen Umständen einmal nicht moralisch handeln.aber angeboren ist die Moral nicht. Moral hat etwas mit Intelligenz zu tun. Schließt Dummheit dann moralisches Handeln aus? Dummheit ist vieldeutig. Jemand kann grundehrlich sein und manchmal wird man sagen: Das war aber dumm, wie ehrlich der war.wenn man aber mit Dummheit meint, dass jemandem jede Art von kognitiven Fähigkeiten abgeht, also wenn jemand intellektuell schwerstbehindert ist, dann wird es schwierig, von Moral zu sprechen. Hat Moral mit Bildung zu tun? Wenn Bildung heißt, historische Daten und naturwissenschaftliche Gesetze zu kennen, dann nicht.wenn Bildung aber heißt, sich in der Welt zurechtzufinden und Beurteilungsgesichtspunkte für ein gutes Leben zu haben, dann schon. Bildung schließt die Möglichkeit ein, sich selbst zu ändern. Das ist eine gute Voraussetzung, um moralisch zu handeln. Das klingt, als ob Lebenserfahrung moralischer macht? Ja und nein. Lebenserfahrung verleitet dazu, dass man glaubt, gute Gründe zu haben, um sein unmoralisches Handeln zu entschuldigen. Die Lebenserfahrung kann aber auch zeigen, dass es sich mit einem schlechten Gewissen und der Missachtung der Mitmenschen nicht gut lebt. Gleichzeitig erfährt man im Laufe des Lebens,dass man selbst genau wie jeder andere Mensch auch schwache Momente hat. Deshalb wird man ein bisschen nachsichtiger, mit anderen und sich selbst. Wird man weniger streng mit sich? Einerseits weniger streng, andererseits noch strenger. Man schwächt nicht die Forderungen ab, die man an sich stellt, denn Moral lässt sich nicht abschwächen.aber man weiß mit der Zeit, dass man fehlbar und verführbar ist. Darüber sollte man Scham empfinden, einen neuen Anlauf unternehmen und sagen: Das nächste Mal mache ich es besser. Wer ist in einer Gesellschaft für die Moral zuständig? In unserer demokratischen Gesellschaft: jeder mündige Bürger. Es gibt niemanden, der ein Privileg hat, für die Moral zuständig zu sein. Natürlich gibt es Institutionen wie die Kirche, die öfters nach der Moral gefragt werden, weil sie durch ihre Tradition eine gewisse Kompetenz mitbringen. Auch von 21

22 GRUNDEINSTELLUNG Schulen und Eltern erwartet man, dass sie für die Moral zuständig sind. Die Eltern müssen gar nicht besonders viel von Moral verstehen, ohnehin sind sie genauso gut, schlecht und fehlbar wie andere auch.aber wer Menschen in die Welt setzt, hilfsbedürftige und zunächst völlig unsichere Wesen, trägt dafür Verantwortung, dass diese Kinder nach und nach das lernen, was ein Mensch lernen soll. Und das wäre? Sein Leben eigenverantwortlich zu führen. Muss man auf Grund von gesellschaftlichen Entwicklungen alle paar Jahrzehnte neu über Moral reden? Man muss dauernd über Moral reden. Weil sich ständig etwas ändert, oder? Einen Grund habe ich schon genannt: Der Mensch findet immer wieder Ausflüchte, nicht moralisch zu handeln. Daran ist auch die Intelligenz schuld. Den Grundgedanken von Moral kann man vereinfacht als goldene Regel formulieren:was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Diesen Gedanken finden wir in allen Kulturen seit vielen Jahrtausenden. Man braucht keine neue Moral, nur weil sich die Anwendungsbedingungen ändern. Welches Problem für die Moral bringt die Globalisierung mit sich? Da fallen einem erst einmal wirtschaftliche Fragen ein. Aber wirtschaftliche Fragen hat man sich schon immer gestellt. Es kann zum Beispiel sein, dass mein Nachbar bettelarm ist und ich weiß das. Seine Mutter liegt im Sterben, die Kinder haben nichts zum Anziehen und bekommen keine gute Schulausbildung. Durch die Globalisierung stellt sich genau dieses Problem dar, nur in einer ganz anderen Größenordnung. Es klingt zwar ganz gut zu sagen, im Zeitalter der Globalisierung brauchen wir eine neue Moral.Aber ich als Philosoph erlaube mir zu sagen:wir brauchen die gleiche alte Moral in ihrer ganzen Strenge und Anerkennung. Und wie sieht das konkret aus? Der Philosoph tut sich da leicht: Er beruft sich nur auf die allgemeine menschliche Vernunft, nicht auf eine besondere Tradition oder Religion.Wenn man heute im Zusammenhang mit Globalisierung über Moral spricht, braucht man Werte, die von allen Menschen aller Kulturen anerkannt werden. Keine Kultur darf sich einbilden, sie wisse etwas besser als die anderen und müsse die anderen Kulturen belehren. Erlaubt Armut unmoralisches Handeln? Ein Kölner Kardinal hat den hungernden Menschen nach dem Krieg erlaubt, Kohle, Kartoffeln und Wasser zu nehmen, auch wenn es ihnen nicht gehört.das ist eine extreme Situation. Kurz vor dem Verhungern sein das ist nicht das,was wir heute in den westlichen Ländern unter Armut verstehen. Armut bedeutet hier, dass jemand beträchtlich weniger als der Durchschnitt hat. Dieses Weniger- Haben reicht als Argument nicht aus, um unmoralisches Handeln zu erlauben. Die Moral verlangt vielmehr, dass sich diejenigen um diese Armen kümmern, denen es besser geht. Kann man aus Mitleid moralisch handeln? Ohne Zweifel. Mitleid ist eine der wichtigsten Antriebskräfte, moralisch zu handeln. Denken Sie an die Geschichte vom barmherzigen Samariter: Der Samariter trifft auf einen Menschen, dem es, von Räubern ausgeplündert, schlecht geht. Der Samariter denkt: Das ist auch ein Mensch, dem muss Jeder darf versuchen, Karriere zu machen oder reich zu werden. Aber eben nicht mit unmoralischen Mitteln. ich helfen. Er bringt ihn in die nächste Herberge und gibt dem Wirt Geld, damit er sich um den Kranken kümmert. Interessant ist dabei, dass er nicht all seine Geschäfte unterbricht und Krankenpfleger wird. Er hat die Hilfe auf den Weg gebracht und das ist das Wichtigste. Welche Antriebskräfte für moralisches Handeln gibt es noch? Zu den stärksten gehört sicher die Nächstenliebe. Lassen Sie mich kurz etwas erklären: Es gibt zwei Gebiete der Moral. Einmal die Rechtsmoral. Dazu gehört: dass man nicht stiehlt, dass man niemanden umbringt, dass man davon ausgeht, dass alle Menschen gleich sind. Und dass man unvoreingenommen auf den anderen zugeht. Das zweite Gebiet der Moral geht über das Geschuldete hinaus. Sie heißt Tugendmoral oder verdienstliche Moral. Mitleid gehört zur verdienstlichen Moral. Der Unterschied wird klar, wenn man sich über die Folgen eines Verstoßes Gedanken macht:verstößt jemand gegen die verdienstliche Moral, ist man enttäuscht, verstößt jemand gegen die Rechtsmoral, ist man empört. Handle ich moralisch, wenn ich nur meine eigenen Interessen verfolge? Die Moral verlangt, seine Interessen nicht mit allen Mitteln und Wegen zu verfolgen, oder die eigenen Interessen rücksichtslos durchzusetzen. Jeder darf versuchen, Karriere zu machen oder reich zu werden, aber eben nicht mit unmoralischen Mitteln. Nur das sagt erst mal die Moral. Aber wenn man sie genauer betrachtet, ist es natürlich noch ein bisschen schwieriger: Platon und Aristoteles haben das glückliche Leben als Ziel des menschlichen Handelns bezeichnet. Sie meinen damit ein gelungenes Leben. Das schließt zum Beispiel Freigebigkeit ein. Oder Besonnenheit. Oder Zivilcourage. Und vor allem Gerechtigkeit. Schließen sich Individualität und Moral dann aus? Keineswegs. Empirische Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen, die in einem hohen Maß Wert auf Eigenheiten und Individualität legen, besonders moralisch und hilfsbereit sind. Ein gutes Beispiel sind Gründer von kulturellen und sozialen Stiftungen.Vielleicht leben sie nach dem Sprichwort: Wer reich stirbt, stirbt unehrenhaft. Jedenfalls haben sie oft durch das Verfolgen eigener Ziele viel Geld verdient, stiften es dann aber dem Gemeinwohl. Ist Moral tolerant? Toleranz gehört zu den wichtigsten Forderungen der Moral. Einerseits. Andererseits: Wenn die Moral als Moral gefordert ist und zum Beispiel sagt: Man darf nicht töten, und trotzdem getötet wird, darf sie nicht tolerant sein. Der amerikanische Präsident George W. Bush sieht sich selber auf der guten Seite und meint, gegen das Böse kämpfen zu müssen. Er betont, moralisch zu handeln. Politiker verwenden gern die Worte Moral und Gerechtigkeit, weil es Worte sind, in deren Namen man Leidenschaften anstacheln und Zustimmung erheischen kann. Politiker sollten sich vor der Gefahr der Selbstgerechtigkeit hüten.amerika wurde wegen der Religionsfreiheit und im Namen der damals herrschenden Aufklärung gegründet. Dazu gehörte ein gut geschultes Rechtsbewusstsein. Unter das Niveau von damals sollte man nicht zurückfallen. Wenn man sich auf die Moral beruft und Handlungen unterlässt, nur um ja nicht unmoralisch zu handeln kann 22

23 Foto: Christian Lehsten / argum man es sich gemütlich machen und trotzdem moralisch sein? Moral und Gemütlichkeit im Sinne von einem Glas Rotwein und einem guten Fernsehprogramm passen nicht zusammen. Zur Moral gehören Gebote und Verbote.Wegschauen zum Beispiel ist unmoralisch und entlastet nicht.trotzdem muss man nicht einschreiten, wenn man beobachtet, wie eine alte Dame von einem Dutzend Jugendlicher verprügelt wird, weil es sein könnte, dass man selber verprügelt wird auch wenn man damit rechnen muss, dass der Dame nicht geholfen wird. Sinnvoller ist es, nachzudenken und gegebenenfalls angemessene Hilfe zu holen. Dort, wo man durch ein hohes Maß an Rechtschaffenheit zu Recht ein moralisch gutes Gewissen hat, trifft das Sprichwort zu: Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Zu diesem Zweck muss man aber viel an sich arbeiten. Ist man ohne Moral, wenn man unmoralisch denkt? Wir sind alle verführbar, deshalb lässt es sich gar nicht ausschließen, dass wir auf falsche Gedanken kommen.wer aber unmoralische Gedanken mit Fleiß hegt und pflegt, fängt an, unmoralisch zu werden.wer aber einfach mal voller Wut denkt: Ich will den am liebsten umbringen, so ungerecht fühle ich mich behandelt, der ist von tatsächlichem unmoralischem Handeln noch meilenweit entfernt. Moral hilft also auf dem Weg zu einem zufriedenen und guten Leben. Welche Frage nach dem richtigen Leben kann die Moral nicht beantworten? Als Philosoph kann ich über Begriffe und Grundsätze reden. Was heißt ein richtiges oder gutes Leben? Was heißt Sinn des Lebens? Auch: Nach welchen Grundsätzen führt man ein gutes oder sinnvolles Leben? Für ein individuelles Leben muss sich aber jeder Mensch selber entscheiden und es auch selber führen. Ein Gespräch mit guten Freunden kann bei der Suche nach dem richtigen Leben helfen - ein Philosoph kann einem die Entscheidung für das eine oder das andere nicht abnehmen. Was wird sich in Jahrzehnten als moralisch erweisen, was heute noch als unmoralisch empfunden wird? Ich kann nur meine Hoffnung aussprechen, dass vor allem in altorientalisch geprägten Kulturen die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingeführt wird, ferner eine Toleranz gegenüber anderen Kulturen und die Anerkennung anders denkender Menschen selbst wenn man meint, deren Lebensweise mache nicht so glücklich wie die eigene. Macht moralisches Handeln glücklich? Es kommt darauf an, wie wir Glück verstehen. Moral macht weder reicher noch gesünder. Sie schafft vielleicht manchmal Anerkennung bei anderen, muss es aber nicht. In der Regel sorgt sie für Anerkennung vor sich selbst. Insofern ist die Moral für ein glückliches Leben notwendig aber nur fast. Denn es gibt auch Schufte und Bösewichte, die glücklich sind. Ist das die gleiche Qualität von Glück? Wenn man unter Glück nicht nur das Sichwohl-Fühlen versteht, sondern auch die Achtung durch andere, kann man sagen: Diese Qualität von Glück erreicht der Schuft nicht. Aber vielleicht stört ihn das nicht. Otfried Höffe, 62, ist Professor für Philosophie an der Universität Tübingen. Zum Weiterlesen empfiehlt er seine Bücher Lexikon der Ethik und Lesebuch zur Ethik. Auf Können wir Moral lernen,teil 2. Professor Georg Lind im Interview. 23

24 REGELKUNDE ALLES GOTT ODER WAS? Lügen und entscheiden, töten und verraten ein bisschen Moralphilosophie. Text: Susanne Klingner Was ist ein gutes Leben? Wie schafft man es, ein gutes Leben zu führen? In der Antike begannen Philosophen darüber nachzudenken, wie das Leben in einer Gemeinschaft mehr sein könnte als nur ein funktionierendes Miteinander. Sie fragten sich, ob es dazu moralische Regeln geben müsse und, wenn ja, wer diese Regeln aufstellen sollte. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus entwickelten sie zwei verschiedene Vorstellungen: Moral ist objektiv, also für alle Menschen und alle Umstände gültig oder Moral ist subjektiv, sie gilt nur in einigen Kulturen und Situationen. Beide Ansätze fanden im Laufe der Jahrhunderte Anhänger, sie stehen sich in der Moralphilosophie noch heute gegenüber. Objektive Moral Sokrates, Platon und Aristoteles, die zwischen 469 und 322 v. Chr. lebten Aristoteles war Platons Schüler, dessen Lehrer wiederum SOKRATES ARISTOTELES Sokrates war, vertraten die Position, den Unterschied zwischen Gut und Böse könnten nicht die Menschen festlegen. Um das Wahre erkennen zu können, sollten sie ihren Verstand benutzen, der durch Wissen geschärft wird für Sokrates ist Wissen der Schlüssel zum moralisch guten Leben. Er sagte: Der Mensch handelt schlecht, wenn er das Gute nicht weiß. Auch die Stoiker waren der Auffassung, es müsse eine universale Wahrheit und so eine objektive Moral geben, also eine Regel wie Du sollst nicht lügen, die uneingeschränkt gilt.aufgabe des menschlichen Verstandes sei es, das Gute und Richtige zu erkennen. Ein im stoischen Sinne moralisch guter Mensch ist, wer sein Schicksal akzeptiert und erträgt. Einer der wichtigsten Vertreter der späten Stoa war Epiktet ( n. Chr.). Seine Schrift Handbüchlein der Moral, in dem er über Sittlichkeit und Religiosität als moralische Tugenden schreibt, hatte großen Einfluss auf das spätere Christentum. Vor allem im Mittelalter wurde Moral als etwas durch Gott Bestimmtes gesehen, Moralvorstellungen wurden in erster Linie durch die Religion vermittelt. Thomas von Aquin ( ), Anhänger der aristotelischen Philosophie, verfocht dessen Theorie, ein Mensch verhalte sich dann moralisch gut, wenn er eine Vernunftordnung einhält. Diese Vernunftordnung ist durch einen göttlichen Willen bestimmt, der einfach existiert und nicht ausgehandelt werden kann. Diese Unverhandelbarkeit vertritt im 18. Jahrhundert auch Immanuel Kant ( ), der bekannteste Moralphilosoph der Moderne. Er vertrat eine radikale Vernunftethik und formulierte den kategorischen Imperativ, der vereinfacht lautet: Handle immer so,wie du willst,dass es ein allgemeines Gesetz wird. Kant erklärt diese Forderung am Beispiel der Lüge, die er grundsätzlich ablehnt. In seinem Beispiel versteckt sich jemand bei einem Freund, auf der Flucht vor seinem Mörder. Wenn der Mörder den THOMAS VON AQUIN Abbildungen: Interfoto (6), Suhrkamp (1) Illustrationen: Katrin Bohlinger 24

25 IMMANUEL KANT Freund fragt,ob er wisse,wo der Gejagte sei, muss der Freund die Wahrheit sagen.kant begründet diese drastische Handlung damit, dass es keine Ausnahme von der Moral geben dürfe. Denn: Fängt einer an zu lügen, kann sich bald niemand mehr darauf verlassen, dass irgendjemand die Wahrheit sagt. Das müsse der vernunftbegabte Mensch erkennen. Subjektive Moral Im Gegensatz zu den Stoikern vertrat in der Antike Epikur ( v. Chr.) die Position, es sei moralisch, lustbetont zu leben. Damit meinte er ein Leben im Einklang mit sich und der Natur für ihn die höchste Lebensform. Da jeder selbst entdecken muss, wie er mit sich in Einklang kommt, ist Moral seiner Meinung nach subjektiv. THOMAS HOBBES Auch die Sophisten, zum Beispiel Protagoras ( v. Chr.), betrachteten Moral als individuell gestaltbar. Für sie ist eine Handlung gut,wenn man sie gut begründen kann. Die Sophisten waren im alten Griechenland Lehrer, die gegen Geld Rhetorik, Denken und Auftreten lehrten. Philosophen wie Platon, die nicht akzeptieren wollten, dass ein gutes Leben lehrbar, also nicht von Gott gegeben sein sollte, beschimpften die Sophisten als Relativisten und Wahrheitsverbieger. Die Idee einer subjektiven Moral wurde im Lauf der Jahrhunderte von vielen Philosophen aufgegriffen und weiterentwickelt. Während die Erkenntnistheoretiker Moral auf eine höhere Instanz zurückführen, suchen die Subjektivisten nach Begründungen, warum sich Menschen moralische Regeln auferlegen sollten. Thomas Hobbes ( ) begründete das Entstehen von Moralstandards mit dem Wunsch der Menschen, in einer Gemeinschaft glücklich zusammenzuleben. Im Naturzustand, in dem der Mensch dem Menschen ein Wolf sei, gebe es keinerlei Moral. Damit nicht jeder jeden beraubt und mordet, schließen sich Menschen zu Staaten zusammen und schaffen moralische Regeln, die für alle Bürger dieses Staates gelten. Diese Idee nennt die Moralphilosophie Kontraktualismus. Ein Kontrakt kann ein tatsächlicher Vertrag sein für alle Bürger gilt: Du darfst nicht lügen, sonst wirst du bestraft. Es kann aber auch ein Vertrag im Sinne des common sense sein man ist sich einig, dass man nicht lügen sollte. Mitleidsethiker wie Arthur Schopenhauer ( ) und Adam Smith ( ) sehen im Mitleid den Ursprung für moralisches Verhalten. Adam Smith glaubte, weil die Menschen Empathie empfinden können, würden sie zum Beispiel nicht stehlen. Sie wären sich bewusst, wie schrecklich der Diebstahl für den Bestohlenen sein kann. Das Problem einer Mitleidsethik ist allerdings, dass die Menschen den Willen haben müssen, sich in andere hineinzuversetzen. ARTHUR SCHOPENHAUER Die Utilitaristen gingen noch einen Schritt weiter: Für sie ist eine Handlung moralisch gut,deren Folgen am meisten Gutes und am wenigsten Schlechtes bewirkt.jeremy Bentham ( ) brachte die Idee einer moralischen Kosten-Nutzen-Rechnung auf, der Ökonom John Stuart Mill ( ) entwickelte sie weiter. Bei solch einer Rechnung gewinnen die Umstände einer Situation an Gewicht daher beziehen sie zu Kants Lügen-Beispiel ganz klar die Position, dass eine Lüge gerechtfertigt sei, weil der Gejagte ansonsten sterben würde. Daran knüpfen auch die Pragmatisten seit Ende des 19. Jahrhunderts an. Für sie sind Moralvorstellungen immer durch den common sense geprägt, der je nach Kultur ganz unterschiedlich sein kann und auch nur so lange gilt, bis sich eine Gemeinschaft auf neue, bessere moralische Standards einigt. Der amerikanische Philosoph Richard Rorty (*1931), wichtigster Vertreter des Neo-Pragmatismus der Gegenwart, ergänzt Immanuel Kant im Sinne des Pragmatismus daher so: Handle stets so, dass die Maximen deines Handelns ein allgemeines Gesetz werden können, aber finde dich ohne Groll damit ab, wenn daraus nichts wird. RICHARD RORTY 25

26 EINZELZELLE REINE NERVENSACHE Damit Boris Greber seiner Arbeit nachgehen kann, müssen wenige Tage alte Embryos getötet werden. Für Boris ist das kein Problem. Texte: Meredith Haaf Fotos: Chrisian Lesemann Boris Greber zu überzeugen ist nicht einfach. Das kann mir keiner erzählen, ist einer seiner Lieblingssätze. Bisher hat niemand geschafft, mir das zu erklären, ein anderer. Argumente ohne Beweise lässt der 29-Jährige nicht gelten. Boris arbeitet am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Der britische Molekularbiologe James Adjaye ist sein Chef und leitet das Team Molekulare Embryologie, eine von nur 13 Gruppen in Deutschland,die mit embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) von Menschen arbeiten dürfen. Die geringe Anzahl hängt mit der Gesetzeslage in Deutschland zusammen. Zur Herstellung von ES-Zellen müssen Embryonen im Frühstadium getötet werden. Nach Ansicht des Gesetzgebers verletzt das die Würde des Menschen, ist somit verfassungswidrig und verboten. ES-Zellen enthalten voll entwicklungsfähiges Erbgut, das macht sie für medizinische Erkenntnisse auf dem Gebiet von Erb- und Gewebekrankheiten wichtig. Um derartige Forschung in Deutschand nicht ganz unmöglich zu machen, ist der ES-Zellen-Import unter strengen Auflagen erlaubt. Die Zellen, die Boris seit ein paar Wochen sorgsam kultiviert, kommen aus den USA. Ich versuche herauszufinden, unter welchen Bedingungen es ihnen am besten geht, erklärt er und sein sonst eher lakonischer Tonfall wird fast zärtlich.was für den ungeübten Betrachter selbst unter dem Mikroskop nach hellbraunen Flecken in Flüssigkeit aussieht, dazu hat Boris einen persönlichen Bezug. Da steckt schon viel Gefühl mit drin, meint er. Über dieses Gefühl ist er zu seinem Job gekommen, als er an seiner Doktorarbeit mit ES-Zellen von Mäusen arbeitete. Wenn du viele Stunden damit verbringst, solche Embryonen unter dem Mikroskop zu beobachte, packt es dich irgendwann einfach. Allerdings bleibe eine Zelle eine Zelle. Ob die von einer Pflanze, einer Maus oder einem Menschen kommt, ist mir völlig egal. Ich bin da eher leidenschaftslos, sagt Boris. Ganz im Gegensatz zu den Menschen,die das ablehnen, was er macht. In seinem persönlichen Umfeld habe ihn zwar noch niemand kritisiert. Meine Mutter war anfangs nicht gerade erfreut darüber, dass ich Mäuse getötet habe. Ansonsten reagieren die Leute grundsätzlich positiv auf das, was ich mache. Andererseits bekommt sein Team immer wieder vorwurfsvolle Post von Gegnern der embryonalen Stammzellenforschung. Boris kann deren Haltung nicht nachvollziehen. Viele dieser Urteile basieren auf Unwissenheit. Wenn ich den Leuten mal so eine Blastozyste zeigen könnte, also einen etwa fünf Tage alten Embryo, kann mir keiner erzählen, er glaube immer noch, das sei schon ein Mensch mit einer Seele. Diese Frage steht im Zentrum der Debatte, die seit Jahren den Bundestag, den Nationalen Ethikrat, Forscher und Feuilletonisten beschäftigt. Für die katholische Kirche lautet die Antwort: Das Leben und damit der Mensch beginnt mit der Befruchtung. Boris sagt: Das hat sich doch jemand einfach ausgedacht. Für ihn und den Großteil seiner Kollegen ist die Antwort: Ein Embryo gilt für sie als Mensch ab dem Zeitpunkt,an dem sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet, ab dann entwickelt der Fötus Nervenzellen. Das sind menschliche Merkmale, darüber muss man nicht diskutieren. Keiner kann mir erklären, dass eine befruchtete Eizelle ein vollwertiger Mensch sei. Das eine ist für Boris eben ein Beweis, das andere eine Interpretation. Die Diskussion werde in Deutschland einerseits von religiösen Dogmen und andererseits zu stark von den Alten dominiert, darin sieht er ein Problem für seine Wissenschaft und den Fortschritt im Allgemeinen. Der Nationale Ethikrat ist fast ausschließlich mit Menschen über fünfzig Jahren besetzt und hat eine Theologenquote warum gibt es keine Quote junger Menschen? Das sind doch diejenigen, deren Zukunft dort entschieden wird. Für ihn sind es die Möglichkeiten, die seiner Generation als Wissenschaftler und als Menschen versagt werden, die ihn ärgern. So schwankt er zwischen Frustration und Begeisterung, wenn er von einem Forschungsaufenthalt am Roslin- Institut bei Edinburgh erzählt, Heimat des berühmten Klonschafs Dolly. Da sind es Dutzende, die mit ES-Zellen forschen, erzählt er. Mehrere Gruppen an einem Institut, mit denen man permanent zusammenarbeiten und sich austauschen kann. Hier sind wir am gesamten Institut zu dritt. Mit humanen ES-Zellen arbeiten in Deutschland etwa hundert Wissenschaftler. Die können mit der Regelung meist besser leben als Boris. Stammzellen-Koryphäe Hans Schöler von der Uni Münster betont immer wieder, dass sich mit dem rechtlichen Rahmen gut arbeiten lasse. Einzig die so genannte Stichtagsregelung, nach der importierte Stammzellen von Embryonen abstammen müssen, die vor dem 1. Januar 2002 gezeugt wurden, steht ernsthaft in der Kritik. Boris reicht das nicht. Diese ganzen Beschränkungen sind doch Wahnsinn. Die müssen weg. Wenn die Gesetze nicht gehen, wird er es tun. Ich hätte kein Problem damit, in ein hippes Labor in Großbritannien, Skandinavien oder den USA zu gehen. So wie es immer mehr seiner Kollegen machen. In anderen Ländern werde weniger herumgeredet. Ich finde es in Ordnung, dass über diese Dinge diskutiert wird. So ein Gespräch ist ja immer interessant. Aber sobald so eine Debatte den Fortschritt und die Forschung behindert, ist sie meiner Meinung nach überflüssig. Wer Boris vom Gegenteil überzeugen will, wird es ihm beweisen müssen. 26

27 Links: Boris Greber bei der Entnahme von eingefrorenen Zellen aus einem Flüssigstickstofftank. Rechts: Roboter aus der Hochdurchsatzabteilung. STAMMZELLEN STAND DER DINGE Stammzellen sind die Vorläufer aller Körperzellen. Zwei Fähigkeiten machen sie für die Forschung wichtig: Sie bilden durch Teilung spezialisierte Zellen, das heißt, aus ihnen lässt sich organisches Gewebe züchten. Sie erneuern sich im Gegensatz zu normalen Körperzellen immer wieder selbst. Forscher hoffen, aus ihnen Ersatzzellen für Menschen mit Krankheiten wie Parkinson, Diabetes oder Herzschwäche gewinnen zu können. Jeder Körper enthält Stammzellen, für die Forschung besonders attraktiv sind allerdings die embryonalen Stammzellen (ES-Zellen). Sie lassen sich auch in vitro, also in der Kulturschale, vielfältiger und unbegrenzt weiter vermehren wurden erstmals ES-Zellen schottischer Mäuse isoliert. Die ersten menschlichen ES-Zellen gewann James Thomson 1998 an der Universität Wisconsin. Das Verfahren dafür ist höchst umstritten, da der Embryo nach fünf bis sechs Tagen zerstört und anschließend entkernt wird, um an die ES-Zellen zu gelangen. Rechtslage in Deutschland Seit 1991 gilt das Embryonenschutzgesetz (EschG). Ein Embryo darf in Deutschland ausschließlich zum Zweck einer Schwangerschaft gezeugt und eingesetzt werden. Auch die Manipulation des menschlichen Erbguts ist verboten, genau wie das Klonen von Menschen zu reproduktiven oder therapeutischen Zwecken. Das Stammzellgesetz (StZG) von 2002 versucht den Schutz des Embryos mit der Forschungsfreiheit zu vereinen. Es erlaubt den Import menschlicher ES- Zellen, sofern diese vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.verwendet werden dürfen sie nur für hochrangige Forschungsziele in der Grundlagenforschung und der Medizin, die Herkunft der Zellen unterliegt strengen Auflagen. Deutsche Forscher benötigen eine Genehmigung vom Robert-Koch-Institut, um mit ES-Zellen arbeiten zu dürfen. Die Zentrale Ethik-Kommission für Stammzellenforschung überprüft alle Anträge und spricht daraufhin eine Empfehlung aus. Derzeit dürfen 13 Gruppen in Deutschland mit embryonalen Stammzellen arbeiten. Sowohl Befürworter als auch Gegner der Forschung mit ES-Zellen halten das StZG für einen ungenügenden Kompromiss. Im Zentrum ihrer Debatte steht die Frage nach der Schutzwürdigkeit des Embryos. Setzt man den Zeitpunkt der Menschwerdung mit der Befruchtung gleich, ist die Erzeugung und vorsätzliche Tötung eines Embryos zu Forschungszwecken moralisch unzulässig, da man ihn seines Rechts auf freie Entwicklung beraubt. Für Befürworter der Stammzellenforschung setzt die Schutzwürdig-

28 Links: Kultur mit embryonalen Stammzellen, hundertfach vergrößert. Die großen Objekte sind Kolonien der embryonalen Stammzellen, jede Kolonie besteht aus mehreren Hundert Zellen. Rechts: Kulturschale mit embryonalen Stammzellen keit des Embryos als Mensch frühestens ab dem 12.Tag nach der Befruchtung ein. Sie halten Stammzellenforschung für geboten um Menschen zu heilen oder am Leben zu erhalten. Sollte die Gesetzeslage dies nicht ermöglichen, geht die Zentrale Ethik-Kommission in ihrem letzten Bericht davon aus, dass erneuter wissenschaftlicher und ethisch-rechtlicher Diskussionsbedarf entstehen und eine Gesetzesänderung unter Umständen notwendig werden könnte. Rechtslage international Es gibt kein international verbindliches Regelwerk zur Forschung an embryonalen Stammzellen. Die Generalkonferenz der UNESCO veröffentlichte 1997 die Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und die Menschenrechte. Diese befasst sich mit Eigenschaften und Schutz des menschlichen Genmaterials. Ausdrücklich verboten wird nur das reproduktive Klonen von Menschen. Jeder Staat hat die Aufgabe, Rahmenbedingungen für die freie Ausübung der Forschung am menschlichen Genom zu schaffen und zu kontrollieren, dass dabei ethische und rechtliche Grundsätze eingehalten werden.auch im ersten Übereinkommen über Menschenrechte und Biomedizin des Europarats von 1997 werden keine Regeln für die Stammzellforschung festgeschrieben. Nur die Erzeugung menschlicher Embryonen zu reinen Forschungszwecken ist verboten. In der Europäischen Union wird derzeit vor allem diskutiert, ob verbrauchende Embryonenforschung mit öffentlichen Mitteln gefördert werden soll. Einige Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, lehnen dies ab, da die Forschung nicht im gesamten EU-Gebiet erlaubt ist. Was woanders passiert Tiermediziner Woo Suk Hwang aus Südkorea klonte 2004 als Erster einen menschlichen Embryo, um daraus Stammzellen zu gewinnen. Vor kurzem gelang es ihm, ES-Zellen zu produzieren, denen das Erbgut von schwerkranken Patienten eingesetzt worden war. Im Oktober 2005 eröffnete er die erste Stammzellenbank der Welt, die World Stem Cell Foundation. Deutsche Forscher dürfen deren Angebote nicht nutzen. Ende November musste er von allen öffentlichen Ämtern zurücktreten, weil er zugeben musste, Eizellenspenden von Mitarbeiterinnen angenommen zu haben. In England haben es Wissenschaftler 2005 geschafft, unreife Spermien aus ES-Zellen zu züchten. Sie hoffen, bald auch künstliche Eizellen herstellen zu können. So könnte es in zehn Jahren möglich werden, dass beispielsweise zwei Männer ein gemeinsames Kind bekommen, ohne dass die Eizelle einer Spenderin benötigt wird. Im belgischen Reproduktionszentrum Brüssel sind 2005 durch künstliche Befruchtung erstmals Babys mit ausgewähltem Genmaterial zur Welt gekommen. Auf beginnt das Leben? Ist Sterbehilfe richtig? Der Nationale Ethikrat versucht,antworten zu finden. 28

29 Lisi Wasmer, 17, derzeit in den USA HAUSAUFGABEN: WAHRHEIT UND EHRE An einer amerikanischen Highschool können ganz andere Regeln gelten als an einer deutschen Schule. Zumindest unter der Woche. Text: Lisi Wasmer Ich verbringe die elfte Klasse in der Portsmouth Abbey School, Rhode Island, einem katholischen Internat. Hier kann man schön leben solange man anständig bleibt. Das macht einem die Schulverwaltung schnell klar. Nachdem ich mich beworben hatte, kam gleich zusammen mit der Zusage das Students Handbook mit einer Notiz: Es sei sehr wichtig, das zu lesen und den Inhalt auch im Gedächtnis zu behalten. Der Inhalt: Schulregeln. Zuerst die Kleiderordnung, allgemeine Regeln wie Lernzeiten, dann zehn Seiten über Wahrheit und Ehre. Manche hier hätten das Handbuch vielleicht genauer lesen sollen.wie Simon, der acht Strafstunden in der Cafeteria abzuarbeiten hat, weil er sich beim Rauchen auf dem schuleigenen Tennisplatz hat erwischen lassen. Alle seine Freunde werden ihn auslachen oder zumindest einen schlechten Witz reißen, wenn sie ihn sehen. Oder Leah. Sie hat Campusarrest und muss Sozialstunden machen, weil sie einen Pullover gestohlen hat. Natürlich gab es schon Schlimmeres:Vor vier Jahren hat jemand zwei Schüler beim Sex unter der Treppe im Schulhaus gefilmt und das Video ins Internet gestellt. Schulverweis, klar. Die Lehrer sagen, es war skandalös. Die Schüler finden es lächerlich. Schüler, die gegen Schulregeln verstoßen, sind allerdings nicht gerade beliebt. Als ich einmal Ärger mit der Schulverwaltung hatte, weil ich meine Matheklasse geschwänzt hatte, habe ich von meinen Mitschülern manch bösen Blick zugeworfen bekommen. Ganz schlimm erwischt es diejenigen, die abschreiben. Nicht nur, dass auf jedem Test eine kleine Zeile für die Ehrenunterschrift steht, mit der man verspricht, den Test ganz allein und ohne jegliche Form von Betrug bestritten zu haben; wer abschreibt, wird verpetzt und meistens von der Schule geworfen. Für solche Fälle hat die Schule ihren hauseigenen Zerberus, der über die Schulordnung und deren Einhaltung wacht: ein Riese,Trainer der Männer-Basketballauswahlmannschaft. Man kann nur hoffen, dass man nicht eines Tages in sein Büro gebeten wird. Von außen wirkt die Abbey wie das Musterbeispiel einer akademischen Einrichtung, besucht von jungen, aufstrebenden, frommen, keuschen Schülern. In der Tat zahlen einige Eltern viel Geld, um ihre ungehorsamen Kinder, bisweilen gegen deren Willen, für ein Jahr oder länger hierher zu schicken, weil sie glauben, dass ihnen hier Disziplin und Respekt vermitteln werden. Meine Zimmernachbarin ist hier, weil sie zweimal von zu Hause weggelaufen ist. Und im Footballteam ist ein Junge, der Probleme mit Drogen hatte. Die einzige Regel, die sich die Schüler selbst gesetzt haben, lautet: Nicht erwischen lassen. Außerdem weiß jeder, dass die Wochenenden die beste Möglichkeit für Zigaretten,Alkohol und Sex bieten.wer will, kann sich also nach Lust und Laune vom braven Alltag erholen, um einen Tag später wieder den artigen Schüler zu mimen, respektvoll, diszipliniert, den Kopf ständig in den Büchern und in Gedanken vielleicht schon wieder beim nächsten Wochenende. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlecht, dass ich hier zum Anstand gezwungen werde, dann hätte mich die Schule doch tatsächlich was für das Leben gelehrt. Aber die Lehrer in meiner Schule in Deutschland muss ich in einem enttäuschen:wenn mich jemand in einer Klausur um Rat fragen wird oder ich jemanden spicken sehe, werde ich ihn sicher nicht verpetzen.

30 REINIGUNGSKRAFT DER WESTEN IST NICHT DAS ZIEL New York, Bali, Djerba, London westliche Ziele oder Touristen sind häufiges Ziel islamistisch motivierter Terroranschläge.Warum eigentlich? Ian Buruma, Historiker und Kulturanalytiker, hat ein paar Antworten. Interview: Dirk Schönlebe Fotos: Christian Lesemann

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33 Wir haben in den Augen der Terroristen keine Seele. Herr Buruma, islamische Terroristen rechtfertigen Anschläge gegen westliche Ziele auch damit, dass der Westen unmoralisch und verkommen sei.was werfen sie dem Westen konkret vor? Für die Terroristen ist der Westen ein Hort der Sünde, gottlos, seelenlos, materialistisch, sexuell zügellos.warum? Weil wir im Westen nicht ein Leben reinen Glaubens leben.wir leben deren Ansicht nach für materielle Dinge, wie Maschinen.Wir sind korrupt, wir sind Barbaren.Wir leben, um reich zu werden, um ein angenehmes Leben zu haben. Ein angenehmes Leben führen zu wollen ist also ein moralisches Problem? Für jemanden, der für den Glauben lebt, für die Unterwerfung unter Allah und für die Anbetung von Allah, ist das ein Problem. Der Hauptvorwurf islamischer Extremisten ist unsere religiöse Ignoranz. Sie nennen das Jahiliyya. Jahiliyya bezeichnete ursprünglich die Zeit in der arabischen Welt vor der Ankunft des Propheten Mohammed, als die Menschen noch verschiedene Götter und Götzen anbeteten. Sie lebten in Unwissenheit, weil der Prophet noch nicht geboren war. Heute wird es noch schärfer gebraucht, denn es gibt ja keine Entschuldigung für Ignoranz mehr, der Prophet wurde ja schon vor Jahrhunderten geboren. Menschen die heute nicht nach dem puren Islam leben, sind also nicht nur ignorant, sie sind barbarisch.wir haben in den Augen der Extremisten keine Seele. Wäre es in Ordnung, wir würden strikt nach christlich-religiösen Grundsätzen leben, zum Beispiel nach der katholischen Morallehre? Nein.Wir haben es mit einer revolutionären Bewegung zu tun, die ein Ziel hat: reine islamische Staaten, vor allem im Nahen Osten. Es ist also ziemlich irrelevant, ob die Menschen im Westen wieder zu gläubigen Christen werden. Solange die Extremisten nicht ihre rein islamischen Staaten haben, wird die Revolution weitergehen. Und wie lange? Das erste Ziel sind rein islamische Staaten im Nahen Osten. Am Ende vielleicht der Islam auf der ganzen Welt. Aber es ist wichtig, eines zu verstehen: Der Westen ist eigentlich gar nicht das Ziel dieser Moralkritik. Sondern? Die Vorwürfe der Extremisten richten sich gegen die säkularen Regime des Nahen Ostens. Sie halten den Westen vor allem deshalb für barbarisch, weil der Westen die korrupten säkularen Regime des Nahen Ostens unterstützt, die korrupten Eliten dort. Der Hauptkonflikt spielt sich im Inneren der islamischen Welt ab. Zwischen denen, die den Islam mit mehr oder weniger säkularen demokratischen Institutionen vereinen möchten, und denen, die einfach einen rein islamischen Staat wollen. Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York richteten sich gar nicht gegen den Westen? Noch mal: Wir haben es mit einer revolutionären Bewegung zu tun.wie jede revolutionäre Bewegung braucht auch diese Propaganda, um Anhänger zu gewinnen. Die Anschläge waren Propaganda. Grausam, aber großartig für ihre Zwecke. Es waren symbolische Ziele, wie der Westen symbolisches Ziel und Stellvertreter in einem Kampf ist, der im Inneren des Islam stattfindet. Warum ist der Moralvorwurf an den Westen so populär? Die meisten Regierungen in arabischen Ländern sind keine islamischen Regierungen, es sind säkulare Regierungen; Monarchien, Polizeistaaten unterstützt vom Westen. Junge Leute, die sich in diesen Polizeistaaten unterdrückt fühlen, haben keine Möglichkeit, ihre Frustration politisch zum Ausdruck zu bringen.also suchen sie sich ein anderes Feld zur Rebellion die Religion. Besonders gut 33

34 Die Idee einer Gesellschaft, die auf dem reinen Islam basiert, ist eine Utopie. wirkt die Propaganda seit der amerikanischen Invasion des Irak. Denn jetzt sieht es für viele Menschen in der islamischen Welt so aus, als ob der Westen sich im Krieg mit dem Islam befindet. Und das ist genau das, was Al-Qaida will, dass die Menschen glauben. Aber gerade die jungen Leute benutzen doch westliche Technologien, bewundern westliche Filmstars. Ja, natürlich.aber es ist eine religiöse Rebellion und diejenigen, die rebellieren, verdammen all das. Zum Teil gespeist aus politischer Unterdrückung, zum Teil aus Frustration: Sie hätten gern mehr von diesen Dingen.Aber es hat etwas von einer Doppelmoral. In was für einer Gesellschaft wollen die Extremisten leben? In einer liberalen Demokratie ist die Idee von Gesellschaft:Wir leben in einem Staat zusammen, der Staat besteht aus Individuen, jeder hat Rechte, jeder kann hart arbeiten für sein eigenes Fortkommen, es ist einfach eine Gesellschaft von Individuen. Da gibt es immer Interessenkonflikte, die friedlich ausgefochten und dann geregelt werden, durch politische Debatten zum Beispiel. Die Extremisten haben eine andere Vorstellung von Gesellschaft, die näher an der klassischen deutschen romantischen Idee einer Gemeinschaft ist Gemeinschaft statt Gesellschaft. Dort gibt es einen gemeinsamen Willen, alle glauben an das Gleiche, es herrscht Harmonie, weil es ja keinen Konflikt gibt,wenn alle an die gleiche Idee glauben, alle sind vereint in der Verehrung eines Gottes oder eines Führers. Woher kommt diese Vorstellung? Es ist ein Phänomen der menschlichen Geschichte, dass man Gemeinschaften hat, Menschen, die an Reinheit glauben, und Menschen, die vermeintlich unrein sind, korrupt, seelenlos. Die Reinheit kann Reinheit des Glaubens sein, Reinheit der Rasse, was auch immer. Das gab es schon bei den Griechen: Die hielten jeden, der außerhalb ihrer griechischen Welt lebte, für einen Barbaren. Die Vorstellung ist also nicht exklusiv im Islam angelegt? Nein, das ist in keiner Kultur speziell angelegt. Wie kann der Westen sein unmoralisches Image verbessern? Der Westen sollte sich deutlicher von den säkularen Diktaturen des Nahen Ostens distanzieren und nicht einfach fortfahren, mit ihnen Geschäfte zu machen. Denn genau das hinterlässt im Nahen Osten den Eindruck, der Westen habe eine Doppelmoral: Einerseits reden wir über Demokratie und Freiheit, andererseits machen wir Geschäfte mit Diktatoren. Das Problem ist, dass es da in Wahrheit nicht sehr viel Spielraum gibt für den Westen, weil der Westen zugleich nicht zu sehr in die Politik dieser Länder eingreifen sollte. Das andere: Eine Hauptrekrutierungsquelle des Extremismus ist in den westlichen Ländern selbst zu finden die schlechte Situation der zweiten und dritten Einwanderergeneration. Da kann vor allem in Europa noch viel getan werden, um zum Beispiel Kindern von Immigranten zu verstehen zu geben, dass sie als vollwertige Bürger angesehen werden, und man ihnen nicht das Gefühl gibt, sie seien Außenseiter. Das würde es weniger wahrscheinlich machen, dass sich diese Leute dem radikalen Islam anschließen. Wer wird den Konflikt innerhalb des Islam für sich entscheiden können? Auf lange Sicht wohl die Säkularen. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Mehrheit der Muslime nach den Standards der reinen Lehre leben möchte. Die Idee einer Gesellschaft, die auf dem reinen Islam basiert,ist eine Utopie.Auf kurze Sicht können die Extremisten aber eine Menge Schaden anrichten. Buch: Ian Buruma, Avishai Margalit: Okzidentalismus. Der Westen in den Augen seiner Feinde. München,

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36 HOCHZEITSGESCHENK DEUTSCH FÜR AUSLÄNDER Wer jemanden wegen einer Aufenthaltsgenehmigung heiratet, macht sich strafbar. So wie Bernd. Textcollage: Max Scharnigg Foto: Christian Lesemann EINE LIEBESBEZIEHUNG WAR NIEMALS EIN THEMA. Ich habe Fatima über ihren Bruder kennen gelernt. Mit ihren Verwandten war ich schon länger in Kontakt; die wussten auch, dass ich prinzipiell zur Schutzheirat bereit bin.wir haben dann länger darüber gesprochen und die Vorteile lagen auf der Hand: Fatima war noch im Asylverfahren, in erster Instanz abgelehnt, mit der vagen Möglichkeit, vor Gericht noch einen Status zu bekommen. Das war aber sehr unsicher, es hätte ewig dauern können.fatima war zu der Zeit psychisch sehr angeschlagen, musste in einem ziemlich beschissenen Wohnheim wohnen, durfte erst gar nicht arbeiten und dann nur nach der so genannten Bevorrechtigungsregelung, wo man allenfalls die beschissensten Jobs bekommt. Die Heirat war für sie der einzige Lichtblick. Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Antirassismus und bekomme auch immer wieder mit, wie Leute abgeschoben oder ausgewiesen werden. Schutzheirat war deshalb immer eine notwendige und berechtigte Option für mich.ich sehe darin auch eine Möglichkeit, Privilegien, die ich mit meinem deutschen Pass habe, weiterzugeben beziehungsweise sinnvoll zu nutzen.weil wir uns über ihren Bruder kannten, hatte sie Vertrauen, dass ich mich fair verhalte.abhängig war sie natürlich, aber die Situation war doch sehr geklärt und irgendwie auch kontrolliert, auch weil wir mit verschiedenen Freunden und Freundinnen darüber geredet haben. Die Frage der Abhängigkeit ist damit aber nicht ganz beantwortet. Eindeutig ist die Person mit deutschem Pass immer in der Lage,durch einen Scheidungsantrag den Aufenthalt und damit oft ja die ganze Existenz der/des anderen platzen zu lassen. Wir hatten uns auf die Heirat gut vorbereitet, eine Menge Informationen gesammelt und mit Leuten gesprochen, die schon Erfahrungen hatten. So wussten wir, dass wir zunächst den Anfangsverdacht zerstreuen müssen, indem wir immer zusammen und möglichst selbstbewusst im Standesamt und bei der Ausländerbehörde auftreten, ganz selbstverständlich als verliebtes Paar. Finanziell gab s auch keine großen Schwierigkeiten. Ich hatte eine feste Arbeit und es war so verabredet, dass meine Frau auch sofort Arbeit suchen musste. Denn entweder arbeiten beide oder beide leben von Sozialhilfe, die gegenseitige Unterhaltspflicht macht ansonsten Probleme.Wir haben auch gleich einen Ehevertrag abgeschlossen, um Fragen wegen Gütertrennung und Rentenansprüchen so abzuklären, dass keinerlei Verpflichtungen füreinander bestehen. Alle zusätzlich anfallenden Kosten, das war auch verabredet, musste Fatima tragen ich konnte mir finanzielle Nachteile durch die Heirat nicht leisten. Für die Hochzeit hatten wir Ringe ausgeliehen, ein paar Freunde und Freundinnen eingeladen und eben ein bisschen Theater gespielt. Das hat sogar Spaß gemacht.als Zweites war wesentlich, eine gemeinsame Meldeadresse anzugeben. Getrennte Wohnsitze machen die Ausländerbehörde misstrauisch. Das war bei uns kein Problem, meine Wohnung war gerade noch groß genug und der Vermieter hat keine dummen Fragen gestellt. Wir haben auch bezüglich der Nachbarn darauf geachtet, dass sie uns ab und an als Ehepaar mitbekommen. Eine Liebesbeziehung war bei uns aber nie ein Thema, wir hatten sogar darüber geredet, dass das eher von Nachteil wäre, wenn es dann mit der Beziehung schief geht und Eifersucht ins Spiel kommt. Das klingt theoretisch, aber wir hatten wirklich keine näheren Gefühle füreinander. Fatima ist regelmäßig zu Besuch gekommen, gewohnt hat sie bei einer Freundin, natürlich ohne Registrierung. Sie hat öfter samstags die Flurtreppe geputzt, um im Haus aufzufallen. Einmal war jemand von der Ausländerbehörde da und hat eine Nachbarin befragt, was die uns später auch erzählt hat. Das war aber alles, wir hatten die ganzen Jahre, bis Fatima einen eigenen unbefristeten Aufenthaltsstatus bekommen hat,keine Probleme. Wir sind mit zwei weiteren Ehepaaren befreundet und haben uns mit denen oft ausgetauscht. Bei dem einen Paar, wo die Frau den deutschen Pass hatte und der Mann außerdem jünger war, lief es gleich viel schärfer, da ließ sich der Generalverdacht nicht ausräumen. Die hatten mehrfach Hausbesuche, zuerst unangekündigt. Da war die Frau allein zu Hause und hat abgelehnt, den Behördenmensch hereinzulassen. Die wollen dann ja nachsehen, ob Kleider des Ehepartners da sind, die berühmte Zahnbürste, ob eben ein gemeinsamer Haushalt geführt wird. Effizient finde ich Schutzheiraten auf jeden Fall, denn es wird ja jedes Mal das konkrete Bleiberecht für einen Menschen durchgesetzt. Es sind bestimmt nicht wenige, die damit Erfolg haben. Das Protokoll ist mit Material aus SCHUTZ- EHE ein Interview mit einem so genannten Scheinehepaar erstellt, das unter www. schutzehe.de zu finden ist. Die Identität der GesprächspartnerInnen sind der Herausgeberin von nicht bekannt. 36

37 Scheinehe Eine Scheinehe ist eine formal gültige Ehe, die nur geschlossen wird, um einem oder beiden Partnern einen Vorteil zu verschaffen, der oft in Verbindung mit dem deutschen Ausländerrecht steht. Heiratet ein Partner ohne deutschen Pass eine/n Deutsche/n, hat er zunächst das Recht auf eine Aufenthaltserlaubnis. Besteht die Ehe zwei Jahre und gerät der eingewanderte Partner nicht mit dem Gesetz in Konflikt, erhält er ein eigenständiges Aufenthaltsrecht. Nach drei Jahren Ehe kann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis beantragt werden das Ziel vieler Scheinehen. Wer eine Scheinehe eingeht, verstößt gegen geltende Gesetzte. Er macht sich des Einschleusens von Ausländern schuldig auch, wenn für die Vermittlung des Scheinehepartners kein Geld gezahlt wurde. Laut Strafgesetzbuch kann das mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet werden. Meist kommt es mindestens zu einer Verurteilung wegen Falschbeurkundung oder falscher uneidlicher Aussage. Beim deutschen Partner kann die Staatsanwaltschaft zudem Unterstützung illegalen Aufenthalts beklagen wurden in Deutschland 2965 Scheinehen strafrechtlich erfasst, knapp fünf Prozent der binationalen Ehen mit deutschen Partnern. 37

38 WASCHSALON

39 AN DEN WEISSEN KRAGEN Es ist eine der wenigen Wachstumsbranchen des Landes und Wolfgang Schaupensteiner geht dagegen vor. Ein Besuch bei Deutschlands erfolgreichstem Korruptionsfahnder. Text: Johannes Nitschmann Fotos: Christian Lesemann Der Oberstaatsanwalt überfällt den Besucher gleich mit einem Überraschungsangriff. Haben Sie noch nie jemanden bestochen?, fragt Wolfgang Schaupensteiner. Deutschlands gefürchtetster Korruptionsjäger kennt die Versuchungen. Aus dem Fenster seines Büros in einer Nebenstraße der geschäftigen Frankfurter Zeil guckt der 57-jährige Oberstaatsanwalt beinahe täglich in die Kochtöpfe der Luxusköche eines noblen Vier-Sterne-Hotels. Sie laden mich zum Essen ein und ich erzähle ihnen ein bisschen mehr, als ich dies sonst täte, lockt Schaupensteiner den Journalisten. Eine pure Provokation. Der drahtige Fahnder mit der schlohweißen Föhnfrisur ist ganz und gar unbestechlich. Er jagt Beamte und Banker, Professoren und Prominente, bei denen eine Hand die andere wäscht.vor wenigen Wochen verhaftete Schaupensteiner den ARD-Sportjournalisten Jürgen Emig. Unter dem Tisch soll Emig dafür kassiert haben, dass er Sportveranstaltungen und deren Sponsoren ins Fernsehen brachte. Ein typischer Fall von Korruption. Seit 1987 ist Schaupensteiner mit einem vierköpfigen Spezialtrupp Korruptionsfällen auf der Spur, sein Menschenbild hat durch die Fahndungsarbeit gelitten. Der Mensch ist geldgierig und rachsüchtig. Als Beleg zitiert er eine Forsa-Umfrage: 65 Prozent der Bundesdeutschen würden bestechen, wenn es ihrem eigenen Vorteil diente. Jeder hat seinen Preis, sagt Schaupensteiner. Wo investiert wird, wird geschmiert, wo viel investiert wird, wird viel geschmiert. Im Laufe der Jahre hat Schaupensteiner vieles erlebt. Da war der als tüchtig geschätzte Leiter des städtischen Frankfurter Gartenamtes, den sie wegen seiner herrischen Art Don Alfonso nannten. Systematisch hatte der Beamte über 22 Jahre seine Stellung als Amtsträger missbraucht und bei Handwerksfirmen, die mit der Stadt ins Geschäft kommen wollten, kräftig abkassiert. Don Alfonso nahm nicht nur Bares.Von den um städtische Aufträge buhlenden Handwerkern ließ er sich den Zaun seiner privaten Ranch errichten und regelmäßig die Heuernte einfahren. Auch reinrassige schottische Hochlandrinder wurden ihm spendiert. Sogar ein 2796 Mark teures Blumenarrangement zur Beerdigung seiner Mutter lief bei Don Alfonso über das Bakschischkonto. Korruption hat was mit Macht und Machtmissbrauch zu tun, lautet Schaupensteiners Diagnose des Homo corruptus. Bei seinen Ermittlungen sei er immer wieder auf Unternehmer gestoßen, die sich für irgendwelche Amtsträger zum Lakaien gemacht haben. Ein Firmenboss habe sich sogar auf den Partys eines Stadtbeamten als Kellner angedient. Die Realität übertrifft alles, zischt der Oberstaatsanwalt mit leisem Ekel in der Stimme. Über die skurrilsten Anekdoten seiner Ermittlungsarbeit hat Schaupensteiner jüngst ein Buch geschrieben. Vieles darin klingt nach Abu Dhabi oder Sizilien.Aber auf den 227 Seiten geht es um weit verzweigte Beziehungsgeflechte in deutschen Amtsstuben, die über Jahrzehnte gewachsen sind unbemerkt von Justiz und Öffentlichkeit. Korruption ist effektiv, attraktiv und lukrativ, provoziert Schaupensteiner. Die Geschäfte in dieser Wachstumsbranche liefen heimlich, still und leise. In mindestens 95 von 100 Fällen, schätzt er, bleiben Bestechender und Bestochener unentdeckt. Der volkswirtschaftliche Schaden der Korruption beläuft sich bundesweit auf etwa sechs Milliarden Euro. Dennoch ist der Frankfurter Oberstaatsanwalt von der Wirkung seiner Sisyphusarbeit überzeugt. Wir haben ein tolles Gesellschaftssystem, es gibt nur zu viele, die es gefährden. Mit Verve kämpft Schaupensteiner gegen die ethisch-moralische Verschlampung unserer Gesellschaft. In Rathäusern und Banktürmen, in feinen Villen und vornehmen VIP-Etagen. Weniger luxuriös residiert Schaupensteiner in seinem Büro, das zwischen einem Möbelhaus und einem Musikverlag in der Frankfurter Innenstadt liegt. Die hellbraun furnierten Aktenschränke stammen aus der Gefängnisschreinerei. Die Bilder und Grafiken, die an den Wänden hängen, sind eigene Handarbeit. Schaupensteiner ist kein Asket. Er geht gern gut essen und fährt einen flotten Alfa Spider.Aber er hat Prinzipien. Zuverlässigkeit, Loyalität, Ehrlichkeit, das habe ihm sein preußisches Elternhaus anerzogen. Wenn der begeisterte Hobbymaler ein Sittengemälde dieser Republik entwirft, greift er zu düsteren Farben. Er klagt über den Rückzug ins Private, verbunden mit der Verweigerung, Verantwortung zu übernehmen. Er konstatiert eine zunehmende soziale Skrupellosigkeit. Er bedauert die Flucht, insbesondere 39

40 FAIR PLAY Wirtschaftspsychologen wie der mehrfach ausgezeichnete Österreicher Simon Gächter, Professor für Psychology of Economic Decision Making an der Universität Nottingham, haben in den vergangenen Jahren Experimente entwickelt, um menschliche Entscheidungen im Wirtschaftsleben zu erforschen. Gächter behauptet, der Mensch strebe nicht nach Eigennutz, sondern nach Fairness. Herr Gächter, wenn der Mensch nach Fairness strebt, fehlt dann vielen Managern ein Fairness-Gen? Ich glaube nicht, dass man es an den Genen festmachen kann. Wie haben Sie nachgewiesen, dass der Mensch nicht allein von Eigeninteressen gelenkt wird? Wir entwerfen Spiele, bei denen klar ist, was Eigeninteresse wäre und welches Verhalten Fairness bedeuten würde. Beim Diktator-Spiel bekommt man zehn Euro und muss entscheiden, ob man das Geld komplett für sich behält oder ob ein anonymer anderer etwas abbekommt.wer eigennützig orientiert ist, würde ganz einfach sagen: Super, ich bekomme zehn Euro! und nach Hause gehen.aber wer bereit ist zu teilen, wird sagen: Okay, ich hab jetzt Glück gehabt. Ich gebe was ab. Und es gibt Leute, die etwas abgeben? Mehr als die Hälfte gibt etwas ab.meist drei bis vier Euro. Frauen etwas mehr als Männer. Warum, wissen wir nicht. Fest steht: Wenn man das Geld behält, ist das eigennützig motiviert.wenn man etwas abgibt, heißt das:ich bin bereit zu teilen.das zeigt: Das menschliche Verhalten kann nicht nur eigennützig motiviert sein. Müssen wir unsere Schulbücher umschreiben? Von Thomas Hobbes bis Adam Smith steht doch der Egoismus im Vordergrund. Inzwischen wissen wir: Dass Menschen immer egoistisch sind, ist zum Glück eine falsche Annahme. Es gibt Fairnessvorstellungen und auf das Wohl der anderen wird Rücksicht genommen. Wie können Sie die Bereitschaft zu Korruption und Steuerhinterziehung erklären? Ein Spiel, bei dem die Teilnehmer Geld in einen gemeinsamen Topf legen können, lässt Rückschlüsse auf die Steuermoral zu. Die Leute sind bereit einzuzahlen,wenn sie glauben, dass auch die anderen mitmachen. Je mehr sie glauben,die anderen tun was in den Topf,desto stärker sind sie bereit,selbst etwas in den Topf zu legen. Das bedeutet, wenn die anderen Steuern hinterziehen, korrupt sind oder den Sozialstaat ausnutzen,führt das dazu, dass viele Leute denken: Ja, wenn die das tun,mache ich das auch ich bin ja nicht der Dumme.Diese Art von Psychologie kann man mit dem Spiel studieren und feststellen, dass Fairness eine wichtige Motivation ist. Trotzdem hat man den Eindruck, dass jemand, der Ellbogen einsetzt, im Leben weiter kommt als jemand, der nach moralischen Maßstäben entscheidet. Das glaube ich nicht.wenn sich heute jemand zu offen als Ellbogenmensch darstellt, versuchen die Leute, nichts mit ihm zu tun zu haben. Das ist auch der Grund, warum sich die Leute über Ackermann und Esser aufregen. Es gibt eine Vorstellung von Fairness, und wenn Leute das Gefühl haben, andere kassieren ab,während sie selbst von Entlassung bedroht sind,finden das die Leute extrem unfair. Ich glaube nicht, dass der Ellbogenmensch auf lange Sicht einen Vorteil hat. Interview: Marco von Eisenack

41 der Jugend, in eine oberflächliche Zerstreuungskultur und Spaßgesellschaft. Dieser moralische Werteverfall begünstige einen egoistischen Materialismus den Resonanzboden für die Korruption. Bisweilen mutiert der Fahnder zum Moralapostel. Zehn Gebote der Korruptionsbekämpfung hat Schaupensteiner aufgestellt, um gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Korrupte Firmen sollen künftig auf schwarze Listen ( Korruptionsregister ) kommen und mindestens fünf Jahre von allen öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Ich will, dass es fair zugeht, sagt Schaupensteiner. Mit jedem Korruptionsfall werden doch ehrliche Anbieter verdrängt. Langsam zeigt die Arbeit der Korruptionsaufklärer Wirkung. Fast jede größere deutsche Staatsanwaltschaft beschäftigt inzwischen Spezialfahnder wie Schaupensteiner. Im internationalen Antikorruptionsindex ist Deutschland zuletzt um zwei Plätze auf Rang 15 nach oben gerutscht, liegt aber immer noch deutlich hinter Ländern wie Neuseeland und Singapur. Die Ausbreitung der Korruption könne nur eingedämmt werden, wenn wieder ethisch-moralische Maßstäbe unser Verhalten bestimmen und nicht die berechnende Abwägung eines Vorteils durch eine Normverletzung, doziert Schaupensteiner an dem quaderförmigen Glastisch in seinem Fahndungsbüro. Im Gegensatz zur Straßenkriminalität trete Korruption nicht offen zu Tage. Diese Form der Kriminalität verberge sich hinter den Masken undemokratischer Amigoverhältnisse, hinter Seilschaften,Vetternwirtschaft und Ämterpatronage. Das sind die Türsteher der Korruption, sagt Schaupensteiner. Korruption ist ein modernes Gesellschaftsspiel. Vom kleinen Buchhalter bis zum Vorstandsvorsitzenden reicht Schaupensteiners Täterklientel.Wirkliches Unrechtsbewusstsein habe von den Ertappten kaum einer. Sie praktizieren nur, was üblich ist. Dabei kann Korruption im Einzelfall nach dem Strafgesetzbuch genauso hart sanktioniert werden wie der Totschlag: mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Doch in elitären Wirtschaftskreisen sei die Korruption durchaus gesellschaftsfähig, sagt Schaupensteiner. Er zieht einen Zeitungsartikel hervor. Darin bricht der Leitartikler eine Lanze für Bakschischzahlungen: Korruption ermöglicht WER ZU SPÄT KOMMT, DEN BESTRAFT DIE JUSTIZ. Investitionen und Innovationen. Außerdem, so heißt es in dem Artikel weiter, bringe speed money, wie Bestechungsgeld im yuppiehaften Branchenjargon verharmlost wird, die Bürokraten auf Trab und wirkt oft wie eine leistungsgerechte Entlohnung. Für den Oberstaatsanwalt ist das einfach moralischer Werteverfall. Schaupensteiners Fahndungspraktiken sind nicht unumstritten. Meist rücke der Frankfurter bei seinen Hausdurchsuchungen gleich mit einem Haftbefehl an, um von den Beschuldigten mit der Drohung der Gefängniszelle ein Geständnis abzupressen, kritisieren Strafverteidiger. Einflussreiche Wirtschaftsfunktionäre beklagen, Korruptionsfahnder durchsuchten mit Vorliebe die Schlafzimmer von Bankenvorständen, statt sich um die Fahrraddiebe und Dealer im Bahnhofsviertel der Mainmetropole zu kümmern. Ob Schaupensteiner nicht zu viel wolle, wenn er das Strafrecht als Therapie zur moralischen Gesundung von Gesellschaft und Bürgern anwendet, sorgte sich kürzlich die Zeit. Der couragierte Korruptionsfahnder ist kein Utopist. Die moralische Ausstattung der Gesellschaft zu fördern kann nicht einfach par ordre de mufti angeordnet werden. Aber Schaupensteiner ist ein Verfechter der Volkspädagogik. Er ist Jäger und Heger zugleich. An den Frankfurter Korruptionsaffären will er die sozial schädlichen Praktiken der Schattenwirtschaft exemplarisch ans Licht der Öffentlichkeit zerren, um ein Bewusstein für dieses flächendeckende Kriminalitätsphänomen zu schaffen, das die Grundfesten staatlicher Autorität und das Prinzip des freien Wettbewerbs erschüttert. Im Sommer 2001 hatte Schaupensteiner über 200 Beschuldigte im Frankfurter Hochbauamt in seinem Visier. Er stellte ihnen öffentlich ein Ultimatum.Wer sich selbst offenbare, dürfe mit Strafrabatt rechnen, kündigte er über die Medien an. Lediglich 18 bestochene Amtsträger meldeten sich.von den 65 verdächtigten Firmen ging kein einziger Mitarbeiter freiwillig zur Staatsanwaltschaft. Nach Ablauf der Frist trat Schaupensteiner vor die Presse und verkündete den ersten Haftbefehl gegen einen prominenten Unternehmer. Wer zu spät kommt, den bestraft die Justiz. Frankfurter Rechtsanwälte empörten sich über diese Wildwestmethoden. Schaupensteiner lässt solche Kritik kalt. Gern würde er noch energischer ermitteln, um den Korruptionssumpf in und um Frankfurt trockenzulegen. Doch es fehlt an Fahndern und es mangelt den Ermittlungsbehörden an moderner Bürotechnik, um zumindest Waffengleichheit mit den Kriminellen im weißen Kragen herzustellen. Schaupensteiner hebt seine rechte Hand. Fünf Finger können kräftig zupacken, sagt er. Aber in ihrer Personalnot müsse die Staatsanwaltschaft bei Wirtschaftskriminellen häufig mit zwei Fingern zulangen. Für Schaupensteiner steckt dahinter System. Alle haben Angst,in die Blase zu stechen, weil sie nicht wissen, wie groß der Eiter ist, der herauskommen wird. Buch: Britta Bannenberg,Wolfgang Schaupensteiner: Korruption in Deutschland. München

42 GEWERBEGEBIET ICH BIN EIN GESCHÄFTSMANN Bert Wollersheim betreibt drei Bordelle in Düsseldorf, in denen etwa fünfzig Frauen arbeiten. Seine eigene Tochter möchte er dort allerdings auf keinen Fall sehen. Interview:Tanja Stelzer Foto: Uwe Weber Herr Wollersheim, Sie haben in einem Interview gesagt, Sie seien mit Ehrlichkeit durch die Unterwelt gekommen. Kann sich ein Bordellbesitzer Moral leisten? Ich habe mich den Gesetzen des Rotlichtmilieus widersetzt: Ich habe mich nie an Menschenhandel beteiligt, ich habe niemals eine Frau zum Sex gezwungen, ich war nicht so brutal wie andere. Das war nicht einfach, aber ich fühle mich dadurch eher stark als schwach. Was war schwierig daran? Wenn es ein Problem gibt,ist es in der Branche üblich,dass man sich an die Männer wendet. Mit Männern meinen Sie Zuhälter. Ja, und die habe ich irgendwann außen vor gelassen.wenn die Männer am Ende der Woche das Geld für die Frauen abholen wollten, habe ich gesagt: Ich arbeite mit der Frau und nicht mit dir. Das hat immer funktioniert? Manche Männer sind weggeblieben. Da ist mir ein Geschäft durch die Lappen gegangen.aber das ist nicht so schlimm. Ich lebe gut von meinem Beruf. Sie waren einmal im Gefängnis, wegen erpresserischen Menschenraubs. Im Knast hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, für mich war das eine Zeit der Läuterung. Ich habe danach keine Mädchen mehr für mich arbeiten lassen, als Zuhälter, wie Sie sagen. Zuhälter, Bordellbetreiber macht das einen Unterschied? 42

43 Zuhälterei findet in normalen Beziehungen statt, das finde ich schlimm. Es gibt brutale Typen und auch solche, die den Frauen vorgaukeln, dass sie sie lieben. Das ist heuchlerisch.als Bordellbetreiber biete ich nur die Basis dafür, dass die Mädchen arbeiten können, und zwar freiwillig. Die Mädchen geben die Hälfte von dem ab, was sie verdienen. Ich bin ein Geschäftsmann. Was ist für Sie Moral? Ich muss noch dahinterkommen, was exakt damit gemeint ist. Darf ich mal im Duden nachgucken? Da steht: Sittlichkeit, Sitte, sittliche Haltung, sittliche Betrachtung. Ich glaube, das ist Auslegungssache. Ist Prostitution unmoralisch? Gar nicht.es gibt in der Sexualität Gesetze,an die sich die Menschen halten müssen:verletze niemanden, tue niemandem etwas an, das er nicht ertragen kann. Habe Achtung vor dem anderen.wenn zwei Menschen ob sie sich nun lieben oder in einem Bordell Sex machen sich einig sind, können sie tun, was sie wollen. Wie gehen Sie mit Leuten um, die Ihre Branche für unmoralisch halten? Ich bin offen zu meinen Kritikern. Meine Schwester zum Beispiel gibt mir oft Anregungen, wie ich manches verbessern kann. Es war ihre Idee, einen Tag der offenen Tür im Puff zu machen, damit sich die Ehefrauen unserer Kunden das angucken können. Haben Sie einmal mit einem Pfarrer über Ihren Beruf gesprochen? Ich hatte mal bei Bärbel Schäfer eine Diskussion mit einem Priester. Es gab auch gegenseitige Besuche: Die Kirche kam in den Puff und wir sind in die Kirche gefahren, fürs Fernsehen. Hat der Priester versucht, Sie zu bekehren? Gar nicht, ich bekam sogar seinen Segen dafür, wie ich meine Arbeit mache. Für Bärbel Schäfer war es sehr enttäuschend, weil wir uns gar nicht gefetzt haben. Die Sängerin Edith Piaf sagte: Moral ist, wenn man so lebt, dass es gar keinen Spaß macht, so zu leben. Hat es einen besonderen Reiz, gegen geltende Moralvorstellungen zu verstoßen? Ich erinnere mich an eine seriöse Geschäftsfrau, die mal bei mir in den Club gekommen ist. Die hielt sich eigentlich für eine anständige Frau. Dann hat sie auf dem Tisch getanzt und es hat ihr Spaß gemacht. Ein bisschen unmoralisch zu sein ist manchmal wichtig. Keine Affären mit Angestellten das ist eine Ihrer Regeln. Welche Anstandsregeln gibt es noch im Puff? Ich versuche, den Frauen die Chance zu geben, dass sie das Intimste nicht hergeben. Sie sollen keinen Sex ohne Schutz haben.auch von Zungenküssen rate ich ab, schon aus hygienischen Gründen. Was ist unanständig an Küssen? Die Frauen sollen doch das Gefühl haben, sie machen einen Job und keine Sauerei. Zungenküsse sind gefährlich, weil Empfindungen rüberwachsen können. Es muss klar sein, dass die Hure eine Illusion verkauft, es darf nicht an die Seele gehen. Ich weiß von FKK-Clubs, in denen müssen die Frauen für 15 Euro ohne Schutz arbeiten und Zungenküsse geben, da verschlägt es mir die Sprache. Die sollten lieber putzen gehen, da bleiben sie Mensch. Ist Sex mit Minderjährigen unmoralisch? Ja. Ist es unmoralisch, mehrere Partner zu haben? Nicht, wenn man nicht in einer festen Beziehung ist. Das hatte ich auch schon mal. Zurzeit leben Sie allein.wenn Sie eine Partnerschaft hatten, haben Sie einander Treue geschworen? Ich bin ein altmodischer Mensch. Ohne Treue brauche ich keine Partnerschaft, geschweige denn eine Ehe.Wofür sonst geht man eine Beziehung ein? Welche Moralvorstellungen gaben Ihnen Ihre Eltern mit? Meine Mutter hat mich Ehrlichkeit gelehrt, Achtung vor den Menschen und für andere da zu sein. Ihr Sohn ist dreieinhalb, Ihre Tochter 23 Jahre alt. Kinder können schrecklich moralisch sein, vor allem in der Pubertät. Hat Ihre Tochter Sie für Ihren Beruf kritisiert? Sie hat mich nie verurteilt. Wie haben Sie auf den ersten Freund Ihrer Tochter reagiert? Er musste sich bei mir vorstellen. Da bin ich ein alter Mafioso, ich will wissen, wo dieser Mensch wohnt. Haben Sie Ihrer Tochter gesagt: Hebe dir deine Jungfräulichkeit auf für einen, der dir wirklich wichtig ist? Im Gegenteil. Ich habe mal ein Gespräch zwischen ihr und ihrer Freundin mitbekommen. Die beiden fanden die Vorstellung spannend, Sex mit zwei Frauen und einem Mann zu haben. Ich habe ihnen gesagt: Wir bestellen einen Berufslover, dann ist das nicht so kompliziert. Das wollten sie dann doch nicht. Ich wollte ihnen die Idee nehmen; es hat geklappt. Was macht Ihre Tochter beruflich? Sie jobbt in der Kinderbetreuung. Sie hat einen Freund und eigentlich möchte sie nur eins: Frau und Mutter sein. Hätten Sie etwas dagegen, wenn Ihre Tochter als Prostituierte arbeitet? Ich habe ihr von vornherein klar gemacht, dass ich das nicht hinnehmen würde. Ich habe ihr die Chance gegeben, etwas anderes zu machen. Diese Chance hatten viele Frauen, die bei mir landen, nicht. Prostitution in Deutschland In Deutschland arbeiten etwa berufsmäßige Prostituierte, die Schätzungen zufolge einen Jahresumsatz von etwa 14 Milliarden Euro erzielen. Die deutsche Prostituierten-Interessenvertretung Hydra schätzt, dass darunter bis Ausländerinnen sind. Ihre Dienste werden täglich bis zu 1,5 Millionen Mal in Anspruch genommen.seit dem 1.Januar 2002 ist das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten in Kraft, mit dem die rechtliche und soziale Situation von Prostituierten verbessert werden soll. Das Gesetz ermöglicht Prostituierten die Absicherung in einer Sozialversicherung. Sie können sich in wirksame Beschäftigungsverhältnisse mit Bordellbetreibern begeben, das heißt: Arbeitsverträge abschließen. So können sie in gesetzliche Krankenkassen, in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung aufgenommen werden. Das Gesetz ermöglicht es Prostituierten, Lohn einzuklagen. Zuvor wurde Prostitution als sittenwidrige Tätigkeit angesehen. Das ermöglichte es Freiern, sich vor der Bezahlung zu drücken ein sittenwidriges Rechtsgeschäft gilt als nichtig. Geändert wurde auch Paragraf 180a des Strafgesetzbuches, der jetzt Ausbeutung von Prostituierten unter Strafe stellt, zuvor war es Förderung. Als Ausbeuter gilt,wer Frauen in persönliche und wirtschaftliche Abhängigkeit bringt für Hydra eine zu ungenaue Formulierung. Strafbar ist, unter 18-Jährige in einem Bordell arbeiten zu lassen oder jemanden zur Prostitution zu überreden.verboten ist Prostituierten,Werbung zu betreiben daher die Fotomodell - und Massage -Anzeigen in Zeitungen. 43

44 EHRENWORT

45 DANKE, PINOCCHIO! Plädoyer für eine unterschätzte Gesprächsform. Text: Kristina Maroldt Foto: Stefanie Füssenich Es ist schon ungerecht:alle hacken auf ihr rum. Dabei gibt sie sich solche Mühe. Zum Beispiel damals, im schlimmsten Liebeskummer, als ich auf Wie geht s? einfach Danke, prima murmeln durfte.oder an so manchem Morgen,als sie mir mit ihrem Die S-Bahn war schuld! den Ärger fürs Zuspätkommen ersparte. Am Wochenende hebt sie durch ein Schmeckt super, ehrlich! die Stimmung am elterlichen Mittagstisch. Abends werde ich durch ein beiläufiges Letztens beim Weggehen hab ich ja die Sängerin von Mia getroffen doch noch zum Mittelpunkt der Party. Kurz: Ich bin ihr dankbar, der Lüge. Das sollten wir alle sein. Sie leistet ganze Arbeit als resolute Beschützerin sensibler Seelchen, parkettsichere Diplomatin, loyale Promoterin missachteter Egos. Und wir? Würdigen es nicht. Bei Umfragen geben wir in drei von vier Fällen an, dass es uns verletzen würde, wenn wir herausfänden, dass uns jemand angelogen hat. Wir erfinden diskriminierende Sprichwörter wie Lügen haben kurze Beine oder tragische Figuren wie Pinocchio. Und verdammen, wie Immanuel Kant, die Neigung zum Flunkern gar als der eigentlich faule Fleck in der menschlichen Natur. Kurz:Auf der moralischen Werteskala sitzt die Lüge ganz weit unten. Dabei wäre die Welt ohne sie eine dröge Veranstaltung. Nicht nur, weil wir dann nie über die Listen des Odysseus lachen könnten, uns mit Felix Krull durch die höhere Gesellschaft schummeln oder über die Geschichten des Barons von Münchhausen lachen könnten. Sondern auch, weil wir ohne sie als intellektuell eher dumpfe Kreaturen unser Dasein fristen würden. Lügen macht nämlich schlauer das glauben zumindest viele Evolutionsbiologen. Schließlich ist es eine anspruchsvolle Aufgabe herauszufinden, was das Gegenüber von einem erwartet, darauf ein sattelfestes Lügengerüst zu errichten und nebenbei verräterische Mimik oder Gestik zu unterdrücken. Dazu waren nur die intelligentesten Urzeitmenschen fähig und erflunkerten sich so die beste Nahrung und die attraktivsten Sexualpartner. Heute erkennt man die geistige Höchstleistung beim Lügen am besten daran,dass wir sie noch nicht von Geburt an beherrschen.erst ab acht können Kinder schummeln. Moralisch rechtfertigt das die Lüge freilich noch lange nicht. Doch es kommt auf die Dosierung an.wer den anderen bewusst täuscht, um ihm zu schaden, ist einfach eine miese Type und was für Soziologen fast wichtiger ist eine Gefahr für die soziale Gemeinschaft. Natürlich ist es auch strategisch unklug, mit Unwahrheiten inflationär umzugehen weil einen dann nämlich bald keiner mehr ernst nimmt und man sich all die Lügen selbst auch merken muss, um sich nicht zu verraten. Doch in vielen Situationen ist Lügen einfach die bessere Variante. Und manchmal sogar rechtlich abgesichert.wie neulich, als ich in einem Bewerbungsgespräch gefragt wurde, ob ich demnächst gern Kinder hätte. Nein, habe ich da gesagt. Und das ehrlichere Vielleicht nur gedacht.weil ich wusste, dass es ein Einstellungshindernis sein könnte.weshalb solche Fragen in Vorstellungsgesprächen auch nicht als feine Art und Lügen als erlaubt gelten.auch meinem Kumpel Olli verschweige ich seit Jahren eisern, dass seine Frisur wie ein angesengter Wischmob aussieht. Es würde ihn schüchterner machen, als er ohnehin schon ist. Und ich werde mich auch an diesem Weihnachtsabend bei meiner Oma mit Küsschen bedanken für die Vase, die ich nicht brauchen kann, oder den Schal, der mir nicht gefällt.weil sie es doch gut meinte und die Wahrheit ihr nur das Fest verderben würde. Die meisten unserer Alltagslügen sind überlebenswichtiger Sozialkitt, davon ist der amerikanische Philosoph David Nyberg überzeugt. Sie entkomplizieren das Miteinander, schweißen zusammen. Ohne sie wären wir einsam, frustriert, aggressiv. Mit jemandem, der notorisch die Wahrheit sagt, könnte niemand leben, hat Mark Twain einmal gesagt. Aber zum Glück muss das ja auch keiner. Stimmt. Denn wir lügen wie die Weltmeister. Mindestens einmal flunkern die meisten während eines zehnminütigen Gesprächs, ergab eine Studie der University of Massachusetts Amherst. Frauen vor allem, um nicht zu verletzen. Männer eher, um sich gut darzustellen. Man kann sich also ausrechnen, welcher Berg an Fantastereien sich im Laufe der Zeit über uns auftürmt und jederzeit als solcher entlarvt werden könnte. Fast könnte einen das beunruhigen, vielleicht sogar davon abhalten, das Leben weiterhin mit Lug und Trug zu würzen. Doch zum Glück kennen versierte Schummler ein besseres Gegenmittel: Selbsttäuschung. Funktioniert fast immer. Ehrlich. 45

46 STRAFANZEIGE WER DEN SPOT HAT Die Werbung versucht, moralisch anständiges Verhalten genauso anzupreisen wie neue Autos oder Kleidung.Wir kaufen es ihr aber nicht ab. Text: Christoph Koch Die Kinobeleuchtung ist noch nicht ganz abgedimmt, ein paar Schatten drängeln sich durch die Reihen, Gummibärchentüten werden aufgerissen.auf der Leinwand sieht man einen Breakdance- Battle, Jugendliche stehen um einen Ghettoblaster herum und beobachten die Tänzer. Geile Kiste. Cooler Sound.Auch angemeldet?, fragt plötzlich einer der Breaker den Boombox-Besitzer. Alter, das Ding ist noch nicht mal gekauft!, blafft der nur verächtlich. Der neugierige Frager öffnet daraufhin lässig seine Jacke, darunter kommt eine glänzende HipHop-Kette zum Vorschein mit der Aufschrift GEZ. Das ganze Kino stöhnt auf.alles ertappte Schwarzseher, die ihr Gewissen zwickt? Nein, wir stöhnen mit, obwohl wir seit Jahr und Tag Rundfunkgebühren bezahlen. Uns also darüber freuen könnten, wie uns von der Leinwand auf die Schulter geklopft wird.trotzdem macht Werbung, die unser Moralgefüge anspricht, fast immer schlechte Laune warum eigentlich? Das erste Problem ist der Humor. Bei Werbespots oder Anzeigen, die zu moralisch korrektem Handeln anregen sollen, scheint es eine Art Pointenpflicht zu geben. Ob die Supermarktkassiererin Rita, wat kosten die Kondome? durch den Laden brüllt oder Raubkopierer sich auf einer Weide unter einem Kuhkostüm verstecken und am Ende von einem Bullen bestiegen werden Moral ist scheinbar, wenn man trotzdem lacht. Comic Relief nennen Experten den Moment, in dem die Anspannung einer dramatischen Szene von uns abfällt, die Komödie Einzug hält und ein befreiendes Lachen über uns hinwegrauscht. Das funktioniert in Fernsehserien und manchmal auch im echten Leben, wenn man eine heikle Situation mit einem Scherz entschärfen kann.wenn aber einerseits die Ernsthaftigkeit einer Problematik (Aids, Raubkopien etc.) betont werden soll, gleichzeitig jedoch auf den vermeintlichen Schlusslacher nicht verzichtet werden kann, muss sich niemand wundern, wenn die eigentliche Botschaft nicht ankommt. Das zweite Problem ist der Ton, in dem die oft jugendliche Zielgruppe angesprochen wird. Nicht nur ist es eine Unverschämtheit, dass sich beispielsweise der Münchner Verkehrsverbund in seiner neuen Kampagne ausschließlich an junge Schwarzfahrer wendet gerade so, als würde man mit 25 automatisch ein integrer Mensch, der stets ein gestempeltes Ticket bei sich trägt und auch sonst alles im Leben richtig macht. Auf den Plakaten stehen dann auch noch vermeintlich hippe Slogans wie Schwarzfahren? Nein d:-)nke!, Zopfmädchen strecken frech ihre Zunge heraus, Jungs mit schräg aufgesetzter Kappe sagen mit der Abgeklärtheit der Straße: Mir wegen so was die Zukunft verbauen? Ich bin doch nicht blöd. Als vor sechs Jahren die Werbekampagne gegen das Brennen von Musik- CDs unter dem Titel Copy Kills Music startete, freute sich der Bundesverband der phonographischen Wirtschaft, wie nah man mit dem unkonventionellen Slogan an den Kids dran sei: falsches Englisch mit richtiger Botschaft: knackig, eingängig und irgendwie international. Feico Derschow, der über fünfzig Auszeichnungen als Art Director und Creative Director für Werbeagenturen wie Saatchi & Saatchi gewonnen hat und inzwischen als Leiter der Masterclass Art Direction junge Werber ausbildet, zweifelt daran, dass Werbung überhaupt jemanden vom Schwarzfahren abhalten kann: Moralische Fragen sind doch eigentlich Fragen der Erziehung, sagt der gebürtige Niederländer mit über 35 Jahren Werbeerfahrung. Das muss als gesellschaftliches Verhalten vorgelebt werden, draußen oder in der Familie. Mo- Illustration: Paso

47 IMPRESSUM fluter Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, Ausgabe 17, Dezember 2005 Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Adenauerallee 86, Bonn, Tel / Redaktion: Thorsten Schilling (verantwortlich), Bundeszentrale für politische Bildung Dirk Schönlebe (Koordination), Heiko Zwirner (Chef vom Dienst), Thomas Kartsolis (Art Direction), Alexandra Rusitschka (Grafik) Texte und Mitarbeit: Julia Decker, Lena Dreyer, Marco von Eisnack, Heinrich Geiselberger, Meredith Haaf, Anne Haeming, Susanne Klingner, Christoph Koch, Barbara Lich, Kristina Maroldt, Tobias Moorstedt, Johannes Nitschmann, Basti Obermayer, Max Scharnigg, Dirk Schönlebe, Tanja Stelzer, Lisi Wasmer, Sebastian Wehlings, Heiko Zwirner Fotos und Illustrationen: Katrin Bohlinger, Stefanie Füssenich, Christian Lesemann, Frank Weichselgartner Schlussredaktion: Isolde Durchholz mentan wird moralisches Handeln auf demselben Weg beworben wie ein Prepaid-Handy ehrlich gesagt, finde ich das krank. Das dritte Problem moralischer Werbung ist die starke Fixierung auf Schuldgefühle egal ob diese angebracht sind oder nicht. Derschow spricht von einer Vorverurteilung, der österreichische Medienforscher Wolfgang Pauser bringt es noch präziser auf den Punkt: Wer mit Moral werben will, kommt an der Anschuldigung des Konsumenten nicht vorbei, schreibt er in seinem Essay Wie moralisch ist die Vermarktung der Moral?. Philipp Keller, bei der Agentur Zum Goldenen Hirschen verantwortlicher Text-Kreativchef für die provokante Kampagne Raubkopierer sind Verbrecher, erklärt: Die Vorgängerkampagne Copy Kills Music war auf Verständnis ausgelegt weil sie erklärte, dass kein Geld mehr für die Förderung kleiner Bands da ist, wenn alle sich die CDs brennen. Aber das hat die meisten leider nicht interessiert. Daher, so der 30-jährige Kölner, sei bei der Kampagne gegen Filmraubkopien die Strategie geändert worden. Statt auf Einsicht werde nun auf Abschreckung gesetzt und die Gefängnisstrafe betont, die Raubkopierern droht: Argumente wirken leider nur bedingt, die Leute sind mehrheitlich zu egoistisch.wenn ab morgen Autodiebstahl straffrei wäre, würde ja kein Auto mehr stehen bleiben obwohl alle wissen, dass es falsch ist zu stehlen. Die Kampagne, die auch mit Gefängniszellen über deutsche Marktplätze reiste und RAF-artige Fahndungsplakate mit (falschen) Raubkopierer-Visagen nutzte, sorgte trotzdem dafür, dass sich viele pauschal und zu Unrecht kriminalisiert fühlten. Das vierte Problem ist die Art und Weise, wie Werbung für moralisches Handeln in die Privatsphäre eindringt. Schwarzfahren? Wir wollen uns ja auch nicht via Werbefilm sagen lassen, wie wir Nein D:)nke! um Verstorbene zu trauern haben oder wie wir mit unserem Partner Schluss machen sollen. Ebenso unangenehm berührt es uns, wenn ein Werbespot für Zivilcourage unser Verhalten bei einer U-Bahn-Pöbelei hinterfragt oder unsere Entscheidung für oder gegen den Besuch eines Wasserzoos plötzlich eine öffentliche Angelegenheit wird. Eine Werbung, die auf intelligente Weise an das Gewissen potenzieller Kunden appelliert, wird derzeit in den USA plakatiert: Wir sollen Ihnen einen schönen Gruß von Ihrem Mitbewohner aus dem Studium ausrichten, steht da, und Sie daran erinnern, wie glücklich Sie damals waren, als Sie noch kein Geld hatten. Es ist die Anzeige einer Bank. Redaktionsanschrift / Leserbriefe: fluter Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. sv corporate media GmbH, Emmy-Noether-Straße 2 / E, München, Tel. 089 / ; Fax 089 / ; Satz+Repro: IMPULS GmbH, Taubesgarten Bechtolsheim Druck: Bonifatius GmbH Druck Buch Verlag Paderborn Abo verlängern & abbestellen: Tel / (24 Std.) Fax / Abo bestellen & Service Tel / Fax / Bonifatius GmbH Stichwort: fluter Postfach Paderborn Nachbestellungen von fluter werden ab 1 kg bis 15 kg mit 4,60 Euro kostenpflichtig Papier: Dieses Magazin wurde auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. ISSN Bundeszentrale für politische Bildung Online-Bestelladresse: 47

48 SACHWERTE GUTE ANTWORT In seinem Fragebogen hat der Schweizer Schriftsteller Max Frisch Fragen zu den wichtigsten Themen des Lebens gestellt und unbeantwortet gelassen. Hier ein paar Antworten die Fragen gibt s auf Seite DIE LIEBE EINER FRAU ZU GEWINNEN HEISST FÜR MICH, IHRE BEREITSCHAFT ZU GE- WINNEN, MIT MIR DAS LEBEN IN GUTEN WIE IN SCHWIERI- GEN TAGEN ZU TEILEN. IST MIR DAS GLAUBWÜRDIG GELUNGEN, SO VERDIENT ES KEINEN (LEICHTFERTIGEN) ZWEIFEL. WENN SIE JEMAND IN EINER UNHEILBAREN KRANKHEIT WISSEN: MACHEN SIE IHM DANN HOFFNUNGEN, DIE SIE SELBER ALS TRUG ERKENNEN? OTFRIED HÖFFE, INTERVIEW AB SEITE 20 MIR EIN SCHLECHTES GEWISSEN EINHANDELN. 48 WOLFGANG SCHAUPENSTEINER, PORTRÄT AUF SEITE 38

49 8. ICH HABE MEHR ANGST DAVOR, JEMAN- DEN AUF DEM TOTENBETT ZU BESCHIMP- FEN, DER ES VERDIENT, ALS JEMANDEN ZU BESCHIMPFEN, DER ES NICHT VER- DIENT. MAN SOLLTE IN DER LAGE SEIN, ÜBER DIE FEHLER ANDERER HINWEGZU- SEHEN. ES BIRGT KEINE GEFAHREN FÜR EINEN MENSCHEN, JEMANDEM ZU VER- WOVOR HABEN SIE MEHR ANGST: DASS SIE AUF DEM TOTENBETT JEMAND BESCHIMPFEN KÖNN- TEN, DER ES NICHT VERDIENT, ODER DASS SIE ALLEN VERZEIHEN, DIE ES NICHT VERDIENEN? ZEIHEN, IM GEGENTEIL, IST MAN DANN NICHT EIN BESSERER MENSCH, WENN MAN VERZEIHT UND VERGISST? IST ES NICHT AUCH FÜR EINEN SELBST EINE ER- LEICHTERUNG, DEN GROLL GEGEN EINEN MITMENSCHEN WEGZU WISCHEN, ZU LÄCHELN UND ZU SAGEN : NA UND? ABER ES LIEGT WAHRSCHEIN- LICH IN DER MENSCHLICHEN NATUR, DASS MAN MANCHE DINGE NICHT LOS- LASSEN KANN UND SOGAR BIS IN DEN TOD HINEIN HASS, VERACHTUNG UND WUT SPÜRT. UND DAVOR HABE ICH PERSÖNLICH MEHR ANGST: NICHT VER- ZEIHEN ZU KÖNNEN. NICHT GEHEN LAS- SEN ZU KÖNNEN UND ZU WISSEN, DASS ICH RECHT HABE, WEIL DIE BESCHIMP- FUNG GERECHTFERTIGT IST. ALEXANDRA MAYEREDER, SIEHE SEITE 18 HALTEN SIE S FÜR HUMOR: O WENN WIR ÜBER DRITTE LACHEN? O WENN SIE ÜBER SICH SELBST LACHEN? O WENN SIE JEMAND DAZU BRINGEN, DASS ER, OHNE SICH ZU SCHÄMEN, ÜBER SICH SELBST LACHEN KANN? Fragen aus dem Fragebogen von Max Frisch, erschienen im Suhrkamp Verlag, 1988 HALTEN SIE DIE DAUER EINER FREUNDSCHAFT FÜR EIN WERTMASS DER FREUNDSCHAFT? WEIL ES MICH GLÜCKLICH MACHT. IN UNSERER FAMILIE SCHENKEN WIR UNS SCHON SEIT LANGEM NICHTS MEHR ZU WEIHNACHTEN ODER ZUM GEBURTSTAG. ABER WENN ICH IRGENDWO ETWAS SEHE, WOVON ICH WEISS, DASS ES EINEM ANDEREN EINE FREUDE BEREITEN WÜRDE UND WENN ICH DIESE SACHE BEZAHLEN KANN, DANN KAUFE ICH SIE. BERT WOLLERSHEIM, INTERVIEW AB SEITE WENN SIE JEMAND DAZU BRINGEN, DASS ER DEN HUMOR VERLIERT (Z.B. WEIL SIE SEINE SCHAM VERLETZT HABEN), UND WENN SIE DANN FESTSTELLEN, DER BETROFFENE MENSCH HABE KEINEN HUMOR: FINDEN SIE, DASS SIE DESWEGEN HUMOR HABEN, WEIL SIE JETZT ÜBER IHN LACHEN? Was wir sind, das verdanken wir nicht nur anderen, wir sind es auch nur geworden, weil wir ihnen einiges schuldig blieben. Insofern kann sich keiner für einen immer gleichen guten Freund halten, weil er dann nicht mit seinen Launen und Stimmungen, Unaufmerksamkeiten rechnet, die Verstimmungen oder Verwunderung auslösen können. Freundschaft ist ein Ziel, das Nämliche zu wollen und das Nämliche nicht zu wollen. Dies Ziel immer im Auge zu GESETZT DEN FALL, SIE SIND BEDÜRFTIG UND HABEN EINEN REICHEN FREUND, DER IHNEN HELFEN WILL, UND ER GIBT IHNEN EINE BETRÄCHTLICHE SUMME (ZUM BEISPIEL DAMIT SIE STUDIEREN KÖNNEN) UND GELE- GENTLICH AUCH ANZÜGE VON SICH, DIE NOCH SOLID SIND: WAS NEHMEN SIE UNBEFANGENER AN? behalten, um sich ihm allmählich anzunähern, ist ja schon Freundschaft. EBERHARD STRAUB, INTERVIEW AUF SEITE 14 WENN SIE JEMAND LIEBEN: WARUM MÖCHTEN SIE NICHT DER ÜBERLEBENDE TEIL SEIN, SONDERN DAS LEID DEM ANDEREN ÜBERLASSEN? 49

50 ANTIKENSAMMLUNG RICHTIG ODER FALSCH? Das ist auch hier die Frage. Unser Gewinnspiel zur Moralphilosophie. Welches Comicpaar verdankt seinen Namen einem Reformator und einem Philosophen? e) Tim & Struppi f) Batman & Robin g) Asterix & Obelix h) Calvin & Hobbes Der Vater von Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira hatte ein Faible für alte griechische Namen.Wie hießen die Brüder des brasilianischen Mittelfeldspielers? a) Epikuro und Epikteto b) Sóstenes und Sófocles c) Arestophaneao und Aristotelao d) Demokrites und Diogneses Womit finanzierte sich Immanuel Kant unter anderem sein Studium? t) Billard r) Dart s) Kegeln q) Fechten Welche Frage gehört nicht zu den vier Fragen der Philosophie laut Kant? k) Was kann ich wissen? l) Was soll ich tun? m) Was darf ich hoffen? n) Wie komme ich hier raus? Notiere die vier Buchstaben der richtigen Antworten.Vier weitere Fragen gibt es in Teil zwei des Rätsels unter Dort erfährst du auch, was es zu gewinnen gibt. Das gesuchte, acht Buchstaben lange Lösungswort hat mit Sünden zu tun und damit, wie sie manche wieder ins Reine bringen. Schicke die Lösung bis zum 31. Januar 2006 an: fluter.de oder an: Redaktion und Alltag Stichwort: fluter-rätsel Pasteurstraße 8 / Berlin 50

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