Die Soziale Pflegeversicherung SGB XI. Grundlagen zu Einstufungen und Leistungen

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1 Die Soziale Pflegeversicherung SGB XI Grundlagen zu Einstufungen und Leistungen

2 Die Soziale Pflegeversicherung Ihre Intention: Absicherung des sozialen Risikos von Pflegebedürftigkeit Ihre Einführung: 1994 für den häuslichen Bereich, 1995 für den stationären Pflegebereich. Ihre Akzeptanz: Gemischt: ein Segen versus eine Mogelpackung!

3 Grundlagen zu Einstufungen und Leistungen der sozialen Pflegeversicherung Voraussetzungen: 1. Es besteht eine Versicherung allgemeine Versicherungspflicht. 2. Es liegt Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes - je nach Intensität- in einer Pflegestufe vor. (Prüfung durch den MDK) 3. Die Leistungen der Pflegeversicherung werden vom Pflegebedürftigem (oder seinem Betreuer) gewählt und beantragt eine ärztliche Verordnung ist dafür nicht erforderlich.

4 Gliederung des Seminars 1. Begriff der Pflegebedürftigkeit 2. Der Weg zu den Leistungen 3. Begutachtungsverfahren 4. Leistungen der Pflegeversicherung 5. Aufgaben der Pflegekassen

5 Pflegebedürftigkeit ( 14 SGB XI) Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens, auf Dauer, voraussichtlich auf 6 Monate, in erheblichem oder höheren Maße der Hilfe bedürfen.

6 Krankheiten und Behinderungen 1. Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- oder Bewegungsapparat. 2. Funktionsstörungen der inneren Organe oder Sinnesorgane. 3. Störungen des ZNS wie Antriebs-,und Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

7 Regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen Körperpflege: - Waschen, Duschen, Baden, - Zahn- und Mundpflege, - Kämmen, - Rasieren, - Darm- und Blasenentleerung.

8 Regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen Mobilität: - Aufstehen und zu Bett gehen, - An- und Auskleiden, - Gehen, Stehen, Treppen steigen, Transfers, - Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.

9 Regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen Ernährung: - mundgerechte Zubereitung der bereits fertig hergerichteten Mahlzeit, - Aufnahme der Nahrung, - Sondenkost.

10 Regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen Hauswirtschaftliche Versorgung: - Einkaufen, - Kochen (Spülen), - Reinigung der Wohnung, - Wechseln und Waschen der Wäsche und Bekleidung, - Beheizen der Wohnung.

11 Formen der Hilfe - Übernahme, Teilübernahme der Verrichtungen, - Unterstützung der Verrichtungen, - Anleitung und Beaufsichtigung der Verrichtungen.

12 Der Weg zu den Leistungen der Pflegeversicherung 1. Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung bei der Pflegekasse stellen (bei der Krankenkasse). 2. Pflegekassen vergeben Auftrag zur Begutachtung an den MDK (Medicproof für die private Pflegeversicherung). 3. Begutachtung zu Hause oder im Heim. 4. Gutachten geht nur an die Pflegekassen. 5. Pflegekassen erteilen Bescheid über das Ergebnis der Begutachtung.

13 Pflegekasse bei der Krankenkasse

14 Der Weg zu den Leistungen der Pflegeversicherung Der MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen

15 Der Weg zu den Leistungen der Pflegeversicherung Gutachter sind: Mitarbeiter des MDK (für die gesetzlich Pflegeversicherten). Mitarbeiter von Medicproof (für die privat Pflegeversicherten). Nicht die behandelnden Ärzte

16 Rolle des behandelnden Arztes - Er ist in das Begutachtungsverfahren nicht eingebunden, - Er wird gebeten, ärztliche Unterlagen für die Begutachtung zur Verfügung zu stellen, - Er wird über das Ergebnis der Begutachtung nicht informiert.

17 Begutachtung Besuch zu Hause oder im Heim: - Ermitteln von Krankheit/Behinderung und der damit verbundenen Fähigkeitsstörungen sowie die erforderlichen Formen der Hilfe. Empfehlungen zu: - Sicherstellung der Pflege, - Erforderlichkeit von Hilfsmitteln, - Erforderlichkeit von entlastenden Maßnahmen für Pflegepersonen, - Erforderlichkeit von Rehamaßnahmen u.a.m.. Formulargutachten an die Pflegekasse nicht an den Hausarzt! Pflegekasse erteilt Bescheid über das Ergebnis.

18 Faktoren, die die Begutachtung beeinflussen können - Unterlagen -Zeit - Angehörige - Informationsstand - Leidensdruck - Erwartungshaltung - Dissimulierung - Aggravation - Kooperation - Schwierige häusliche Bedingungen - Mangelhafte Compliance

19 Krankheit / Behinderung - Diagnose? - Grad der Schwerbeschädigung? - Allgemeine Betreuungs- und Beaufsichtigungspflicht? - Fähigkeitsstörungen? (Blindheit, Lähmung, Demenz, Schwerbehinderung)

20 Erfordernis der Hilfe -auf Dauer, - mindestens für 6 Monate. - Was ist mit einem vorrübergehenden Hilfebedarf? - Was ist, wenn die Lebenserwartung kürzer als 6 Monate beträgt? - Was bedeutet ein erheblicher Bedarf? - (90 Minuten täglich, darunter bis zu 44 Minuten Hauswirtschaft)

21 Ermittlung des Hilfebedarfes - Liegt eine Krankheit / Behinderung vor? - Wie sehen die damit verbundenen Fähigkeitsstörungen aus? - Liegen sie auf Dauer vor? - Begründen sie Erschwernisse oder Erleichterungen für die Formen der Hilfe? - Wie oft sind Hilfen über 24 Stunden erforderlich?

22 Richtzeiten - Zeitkorridore Die Zeit für Hilfestellungen bei den immer wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens ist bei jeder einzelnen Hilfestellung individuell zu ermitteln; die Zeit für diese Hilfestellungen ist als Richtzeit vorgegeben und kann dann je nach Befund angepasst werden (Zeitkorridor).

23 Richtzeiten - Zeitkorridore Körperpflege Ganzkörperwäsche Minuten Teilwäsche Oberkörper 8-10 Minuten Teilwäsche Unterkörper Minuten Teilwäsche Hände/Gesicht 1-2 Minuten Duschen Minuten Baden Minuten

24 Die Pflegestufe 1. Die Anzahl der Hilfeleistungen - unter Berücksichtigung der Formen der Hilfe - innerhalb von 24 Stunden und die damit verbundene Zeit bestimmen die Pflegestufe. 2. Maßgebend dabei ist allein der individuelle Bedarf des Pflegebedürftigen und nicht die individuelle Pflegezeit, die Pflegefähigkeit oder Pflegeleistung der Pflegeperson; diese wird durch die Richtzeiten relativiert. 3. Die Ermittlung der Pflegestufe bildet die Pflegerealität aus Sicht der Pflegepersonen nicht ab.

25 Leistungen der Pflegeversicherung - Geldleistung (die Pflege wird durch die Familie erbracht), - Sachleistung (die Pflege wird durch einen zugelassenen Pflegedienst erbracht), - Kombinationsleistung.

26 Ergänzende Leistungen - Verhinderungspflege, - Pflegehilfsmittel (GKV/PV), - Tages-, und Nachtpflege, - Kurzzeitpflege, - Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegeperson (Beiträge zu Renten- und Unfallversicherung),

27 Ergänzende Leistungen - Pflegekurse für Angehörige (allgemein oder individuell in der Häuslichkeit), - Zuschüsse für Baumaßnahmen Verbesserung des Wohnumfeldes, - zusätzliche Leistungen für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (niedrigschwellige Pflegeangebote).

28 Ergänzende Leistungen - Pflegezeit (bis 6 Monate Freistellung) - 10 Tage im akuten Pflegefall - Einrichtung von Beratungszentren - jeder hat ein Recht auf Beratung

29 Personen mit eingeschränkter Voraussetzungen: Alltagskompetenz - Vorliegen einer dauerhaften, schwerwiegenden, seelischen oder einer nachgewiesenen dementiellen Erkrankung, Leistungen: - vermehrte fachliche Beratung durch zugelassene Dienste, - niedrigschwellige Betreuungsleistungen, - Betreuungsbetrag (abgestuft)

30 Stufen der Pflegebedürftigkeit ( 15 SGB XI) Stufe I Stufe II Stufe III 90 Minuten (davon 44 Min. Hauswirtschaft) 120 Minuten (dazu 60 Min. Hauswirtschaft) 240 Minuten (dazu 60 Min. Hauswirtschaft) Härtefall - 7 Stunden Pflege sehr selten

31 Anmerkung zum Verständnis der Einstufungsmodalitäten der Pflegeversicherung Nicht Art und Schwere der Erkrankung sowie das Ausmaß der vermeintlichen Betreuungs- und Beaufsichtigungspflicht, auch nicht die individuelle Leistungsfähigkeit der Pflegepersonen sind auslösend für Leistungen aus der Pflegeversicherung, sondern allein das Vorliegen einer dauerhaften Krankheit oder Behinderung mit den entsprechenden Fähigkeitsstörungen, die ihrerseits einen erheblichen Hilfebedarf bei den beschriebenen Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens begründen müssen.

32 Ein Blick: - in das Schlafzimmer, - in das Badezimmer, - in die Wohnung, - in den Eisschrank. - auf die Situation des Pflegebedürftigen und seiner Pflegepersonen.

33 Die Pflege, der wertvolle Partner des Arztes

34 Pflegekassen Neben den dargestellten Leistungen haben sie eine Verpflichtung zur Information und Beratung der Versicherten. Sie haben Sorge für die Sicherstellung der Pflege zu tragen, sowohl in der Häuslichkeit als auch in stationären Pflegeeinrichtungen. Beratungsbesuche, Qualitätsprüfungen

35 Was hat die Reform zum ergeben? - Verbesserung der finanziellen Grundlage durch Beitragserhöhung, - Anpassung der finanziellen Ausgestaltung für Pflegeleistungen, - Verbesserung der Leistungen für dementiell Erkrankte, - verbesserte Beratungsmöglichkeiten (Stützpunkte), - Entwicklung eines umfassenderen Begriffes von Pflegebedürftigkeit (leider noch nicht erfolgt), - Anspruch auf geriatrische Rehabilitation, - Anspruch auf individuelle Beratung

36 Es ist noch längst nicht alles perfekt, aber die bisherigen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung erlauben es, die Pflege individueller zu gestalten als bisher, auch wenn die Leistungen nicht kostendeckend sind. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!

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