Die Erfindung der Humboldtschen Universität

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1 Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg SYLVIA PALETSCHEK Die Erfindung der Humboldtschen Universität Die Konstruktion der deutschen Universitätsidee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Originalbeitrag erschienen in: Historische Anthropologie 10 (2002), S. [183] - 205

2 Die Erfindung der Humboldtschen Universität Die Konstruktion der deutschen Universitätsidee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Sylvia Paletschek Bis heute ist das Schlagwort der Humboldtschen Universität für das deutsche Universitätssystem und die in ihm Forschenden und Lehrenden identitätsstiftend schlechthin.' Humboldtsche Universität steht dabei als Synonym für die moderne deutsche Universität und die Weltgeltung deutscher Wissenschaft im 19. Jahrhundert. Zentral ist hierbei die Vorstellung, daß die moderne deutsche Universität ihren Ausgang mit der Gründung der Berliner Universität 1810 nahm, an der Wilhelm. von Humboldt während seiner kurzen Amtszeit als preußischer Kultusminster federführend beteiligt war. 2 Als Fundament der Berliner Universitätsgründung wird die um 1800 entstandene neuhumanistische Universitätsidee angesehen, wie sie aus den Schriften Schleiermachers, Fichtes und Wilhelm von Humboldts herausdestilliert wird. Als Kennzeichen der neuhumanistischen Universitätsidee und der mit 1 Siehe dazu auch Gent Schubring/Erika Hültenschmidt, Vorwort, in: Gert Schubring (Hg.),,Einsamkeit und Freiheit' neu besichtigt. Universitätsreformen und Disziplinenbildung in Preußen als Modell für Wissenschaftspolitik im Europa des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1991, So die gängige Vorstellung in Handbüchern und allgemeinen Darstellungen zur Universitätsgeschichte. Siehe etwa Rüdiger vom Bruch, Humboldt-Universität zu Berlin (vormals Friedrich-Wilhelms-Universität), in: Laetitia Böhm/Rainer A. Müller (Hg.), Universitäten und Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Universitätsgeschichte in Einzeldarstellungen, Düsseldorf 1983, 52; Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte Bürgerwelt und starker Staat, München 1983, 471; Ernst Anrich, Die Idee der deutschen Universität. Die fünf Grundschriften aus der Zeit ihrer Neubegründung durch klassischen Humanismus und romantischen Idealismus, Darmstadt 1956; Laetitia Böhm, Die Universitäts-Idee in der Geschichte. Belastendes Erbe oder Postulat (1962), in: Gert Melville/Rainer A. Müller/Winfried Müller (Hg.), Geschichtsdenken Bildungsgeschichte Wissenschaftsorganisation. Ausgewählte Aufsätze von Laetitia Böhm anläßlich ihres 65. Geburtstages, Berlin 1996, ; Helmut Schelsky, Einsamkeit und Freiheit. Idee und Gestalt der deutschen Universität und ihrer Reformen, Reinbek 1963; Günther Hödl, Über den Zustand der Universität zum Besseren zu reformieren. Aus acht Jahrhunderten Universitätsgeschichte, Wien Die Neuerungsfunktion Berlins wird weniger stark betont bei Roy Steven Turner, Universitäten, in: Karl-Ernst Jeismann/Peter Lundgreen (Hg.), Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Bd. 3, , München 1987, ; ebenso bei Wehler, der auf die Vorbildfunktion der Universität Göttingen bei der Berliner Neugründung verweist und vom tiefverwurzelten Mythos" der institutionellen Neuschöpfung der Humboldtschen Universität spricht. Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. I: , München 1987, ; Bd. II: /49, München 1987, zit Auch Walter Ruegg relativierte Humboldts Anteil an der Berliner Universitätsgründung und der preußischen Universitätsreform und betont zu Recht den großen Anteil Schleiermachers. Walter Riiegg, Der Mythos der Humboldtschen Universität, in: Universitas in theologia theologia in universitate. Festschrift für Hans Heinrich Schmid zum 60. Geburtstag, Zürich 1997,

3 184 Sylvia Paletschek dieser gleichgesetzten Humboldtschen Universität gelten: 1. die Einheit von Forschung und Lehre; 2. die Freiheit von Forschung und Lehre; 3. die Vorstellung, daß die Universität zweckfrei der reinen" Idee der Wissenschaft dient und nicht die akademische Berufsbildung, sondern das wissenschaftliche Studium primäres Ziel sei; 4. die Annahme, daß Wissenschaft bildet und wahrhaft sittliche Führungspersönlichkeiten heranzieht; 5. die Einheit aller Wissenschaften an der Universität, die durch die Disziplinen der philosophischen Fakultät zusammengehalten werden. Dieses Humboldtsche Universitätsideal sei zwar nur kurz im frühen 19. Jahrhundert an der Berliner Universität verwirklicht worden, so bislang der Tenor der Forschung, habe aber durch die Spannung zwischen Ideal und Realität fruchtbar gewirkt und dem Realtypus der deutschen Universität im 19. Jahrhundert den Stempel aufgedrückt. 3 Dieser Topos der Humboldtschen Universität ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Die Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts kannten ihn nicht, und sie sahen auch in der Gründung der Universität Berlin keine Zäsur in der Universitätsentwicklung. Untersucht man die Darstellungen in Lexikonartikeln, Staatsrechtshandbüchern und Universitätsreformschriften aus dem 19. Jahrhundert zu Funktion und Entwicklung der Universität, so werden die Schriften Wilhelm von Humboldts nicht zitiert. Die 1810 neugegründete Universität Berlin wird nicht als Vorbildmodell gehandelt. 4 Statt dessen setzten die Zeitgenossen des 19. Jahrhundert die Entstehung der modernen Universität im 18. Jahrhundert mit dem Siegeszug des Rationalismus an den Reformuniversitäten Göttingen und Halle an. Auch wurde keine überzeitliche Idee der modernen deutschen Universität postuliert. Als Eigentümlichkeit der deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert hielten die Zeitgenossen eine dreifache Aufgabenbestimmung fest: Wissenschaftliche Berufsausbildung (insbesondere für den Staatsdienst), die Fortentwicklung der Wissenschaften sowie die Vermittlung von Allgemeinbildung. Als besonderes Kennzeichen und Erfolgsrezept der deutschen Universität galt die Lehr- und Lernfreiheit, die an keiner anderen europäischen Universität so ausgeprägt sei. Diese Freiheit der Lehre und Forschung wurde als eine spezifisch deutsche historische Tradition aus der früheren korporativen Eigenständigkeit der Universitäten und aus der Durchsetzung von Aufklärung und Rationalismus abgeleitet. Erst nach 1900 verbreitete sich allmählich die Sichtweise, mit der Berliner Universität die moderne klassische deutsche Universität beginnen zu lassen. Erst in den 1910er/20er Jahren wurde eine als überzeitlich beschworene Idee der deutschen Universität aus den Schriften Humboldts, Schleiermachers, Fichtes und Steffens 3 Rüdiger vom Bruch, Abschied von Humboldt? Die deutsche Universität vor dem Ersten Weltkrieg, in: Karl Strobel (Hg.), Die deutsche Universität im 20. Jahrhundert. Die Entwicklung einer Institution zwischen Tradition, Autonomie, historischen und sozialen Rahmenbedingungen, Vierow 1994, 17-29, bes Vgl. ausführlicher zu diesem Phänomen Sylvia Paletschek, Verbreitete sich ein Humboldtsches Modell' an den deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert? In: Rainer Christoph Schwinges (Hg.), Humboldt International. Der Export des deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert, Basel 2001,

4 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 185 konstruiert. Zwischen entfalteten hochschulpolitisch aktive Geisteswissenschaftler und Gelehrtenpolitiker, wie etwa Eduard Spranger, Carl Heinrich Bekker, Ren8 König und Helmut Schelsky, aus einer Textexegese der neuhumanistischen Universitätsschriften das Wesen der deutschen Universität". 5 Sie formulierten dabei über den historischen Rückgriff ihre jeweiligen Universitätsideale. Diese historiographischen Arbeiten, die in einem konkreten hochschulpolitischen Verwendungszweck entstanden, initiierten und tradierten den Topos der Humboldtschen Universität. Sie wurden bisher weniger als Quellen für die jeweilige zeitgenössische Universitätsdiskussion gelesen, sondern als historiographische Standardwerke. zitiert. Sie lieferten und liefern teilweise immer noch die großen Interpretationslinien für Darstellungen zur Universitätsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Obwohl zahlreiche sozialhistorische Einzeluntersuchungen belegen 6, daß die Universität im 19. Jahrhundert wenig mit der neuhumanistischen Universitätsidee gemein hatte, überlebte das Interpretament des Humboldtschen Universitätsmodells, dem die Weltgeltung deutscher Wissenschaft um die Jahrhundertwende zugeschrieben wurde, bislang relativ unangefochten. Der Topos der Humboldtschen Universität konnte im 20. Jahrhundert nur deshalb so mentalitätsprägend für das deutschen Universitätswesen werden, weil diese Tradition immer wieder neu belebt und neu konstruiert wurde. Die als überzeitlich postulierte Idee der deutschen Universität legitimierte in unterschiedlichsten. Interpretationsformen sowohl Universitätskritik, Universitätsreformen wie die Verteidigung bestehender Einrichtungen. Durch die Ablagerungen der verschiedenen Rezeptionsphasen erlangte diese Traditionskonstruktion eine große Tiefenwirkung. Diese Erfindung von Humboldt" durchlief im 20. Jahrhundert verschiedene Stufen, mit denen ich mich im folgenden beschäftigen möchte. 7 5 Besonders einflußreich waren hier Eduard Spranger und Helmut Schelsky. Eduard Spranger, Über das Wesen der Universität, Leipzig 1910; Ders., Das Wesen der deutschen Universität, in: Michael Doeberl u.a. (Hg.), Das akademische Deutschland, Bd. III, Berlin 1930, 1-38; Schelsky, Einsamkeit und Freiheit; Ren/ König, Vom Wesen der deutschen Universität, Berlin 1935; Carl Heinrich Becker, Gedanken zur Hochschulreform, Leipzig Ders., Vom Wesen der deutschen Universität, in: Reinhold Schairer/Conrad Hofman (Hg.), Die Universitätsideale der Kulturvölker, Leipzig 1925, 1-30; Karl Jaspers, Die Idee der Universität, Berlin Siehe vor allem die Arbeiten von Riese, Bock, Cobb, Schubring, Turner, Moraw, Baumgarten, Paletschek, vgl. dazu auch Paletschek, Verbreitete sich ein Humboldtsches Modell, 103. Siehe neuerdings auch Markus Huttner, Humboldt in Leipzig? Die,Alma Mater Lipsiensis` und das Modell der preußischen Reformuniversität im frühen 19. Jahrhundert, in: Manfred Hettling/Uwe Schirmer/Susanne Schötz (Hg.), Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag, München 2002, In neueren Arbeiten etwa von Mitchell Ash und Rüdiger vom Bruch wird von einem Mythos Humboldt" gesprochen, der um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden sei. Hier wird das Phänomen der Konjunktur Humboldts um die Jahrhundertwende aufgegriffen ein Faktum, das auch Ausgangspunkt dieses Beitrags ist; und insofern weisen diese Arbeiten in eine ähnliche Richtung. Allerdings wird immer noch davon ausgegangen, daß es im 19. Jahrhundert ein vorbildliches Berliner Modell gab und eine Humboltsche Universität im Kern zumindest für kurze Zeit realisiert war (ca in Berlin). Der um 1900 einsetzende Mythos habe diese Vorreiterfunktion Berlins überhöht und zur Legende gemacht zu einem Zeitpunkt, als die Universität mit dem Übergang zum Großbetrieb eine neue Struktur erhalten und letztlich Abschied von Humboldt genommen habe. Vgl. etwa Mitchell G. Ash, Mythos Humboldt gestern und heute

5 186 Sylvia Paletschek Eine erste Stufe umfaßt die Inthronisierung der überzeitlichen deutschen Universitätsidee in den Jahren zwischen ca und Eine zweite Stufe stellt die Konsolidierung und Verbreitung der deutschen Universitätsidee in den 1920er Jahren dar. Eine dritte Stufe bildet die Entwicklung im Nationalsozialismus. Die zeitweilig von den Nationalsozialisten unterstützten Universitätsideen sollten das neuhumanistische Universitätsideal überwinden. Eine vierte Stufe markiert die Zeit zwischen 1945 und ca Der Rekurs auf Humboldt wurde in der BRD wie in der DDR als eine dezidierte Abkehr vom Nationalsozialismus verstanden. Weitere Stufen folgten seit den 1960er Jahren. Auf diese will ich im folgenden nicht mehr eingehen, sondern mich auf die Konstruktion der deutschen Universitätsidee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentrieren. Phase I: Inthronisierung der neuhumanistischen Universitätsidee ca Legitimierung von Grundlagenforschung, Ausfluß des neoidealistischen Zeitgeists und Glorifizierung preußischer Bildungspolitik im Namen der Nation Erst nach 1900 kommt allmählich die Vorstellung auf, daß die neuhumanistische Universitätsidee und die Gründung der Universität Berlin 1810 eine entscheidende Zäsur in der deutschen Universitätsentwicklung darstellen. Noch Friedrich Paulsen, der einflußreiche Arbeiten zur deutschen Bildungsgeschichte verfaßte, sieht in seiner 1902 erschienenen deutschen Universitätsgeschichte die Berliner Universitätsgründung nicht als Zäsur an, sondern läßt die moderne deutsche Universität mit den Reformuniversitäten Halle und Göttingen beginnen. 8 Erst um 1900 beginnt die Rezeption von Wilhelm von Humboldts berühmter Denkschrift über die äußere und innere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin". 9 Dieser Text, ein kurzes, unvollendetes und undatiertes Manuskript von etwa zehn Druckseiten, wurde im 20. Jahrhundert perhaps the Zur Einführung, in: Ders. (Hg.), Mythos Humboldt. Vergangenheit und Zukunft der deutschen. Universitäten, Wien 1999, 10. Siehe auch Rüdiger vom Bruch, Langsamer Abschied von Humboldt? Etappen deutscher Universitätsgeschichte , in: Ash, Mythos Humboldt, Ich bevorzuge den Begriff der Erfindung von Humboldt, um, und das ist ein feiner, aber gewichtiger Unterschied, zu betonen, daß diese Vorstellung der Vorreiterfunktion jetzt erst geschaffen wurde und im gesamten 19. Jahrhundert weder die Humboldtschen Universitätsschriften eine Rolle spielten noch von einer Humboldtschen Universität die Rede war. Auch für das Ausland kann im 19. Jahrhundert nicht, wie oft behauptet, von einer Übernahme des Humboldtschen oder Berliner Modells gesprochen werden. Einzelne Facetten, so vor allem die seminaristische Unterrichtsform und die Einrichtung von Seminaren und Instituten, wurden etwa in der amerikanischen oder französischen Universitätsreform vom deutschen Modell übernommen und ins einheimische System eingepaßt. Die neuhumanistische Universitätsidee und Wilhelm von Humboldts Schriften spielten aber keine Rolle. Vgl. jetzt Rainer Christoph Schwinges (Hg.), Humboldt International. Der Export des deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert, Basel Friedrich Paulsen, Die deutschen Universitäten und das Universitätsstudium, Berlin 1902, Wilhelm von Humboldt, Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin (1909/1910), in: Andreas Flitner/Klaus Giel (Hg.), Wilhelm von Humboldt. Schriften zur Politik und zum Bildungswesen, Bd. IV, Darmstadt 1982,

6 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 187 most discussed document in the modern history of universities".i Die Denkschrift wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Biographen Humboldts, Bruno Gebhardt, im Archiv entdeckt und erstmals in Auszügen publiziert." Sie gilt als Zentralstück der Humboldtschen Universitätsidee, zumal Wilhelm von Humboldt, durchforstet man seine Schriften zur Bildungspolitik, nur recht wenig über Universitäten geschrieben hat wurde der Text vollständig publiziert und einem größeren Publikum zugänglich. 12 Das 19. Jahrhundert kannte diese Schrift nicht. Aus ihr stammen die heute vielfach zitierten Wendungen, etwa daß Wissenschaft als etwas noch nicht ganz Gefundenes und nie ganz Aufzufindendes zu betrachten" sei; daß Einsamkeit und Freiheit" die in wissenschaftlichen Anstalten vorwaltenden Prinzipien sein sollten oder daß Wissenschaft in Deutschland weit mehr durch Gelehrte an den Universitäten als an den Akademien vorangetrieben worden sei. 13 Es war zunächst der protestantische Kirchenhistoriker und einflußreiche Wissenschaftsorganisator Adolf von Harnack, der die Humboldtsche Denkschrift durch seine Geschichte der Berliner Akademie", die 1900 erschien, popularisierte. 14 Er bezeichnete Humboldts Schrift als epochemachend", weil sie aus den besonderen deutschen Verhältnissen folgere, daß die Universitäten die eigentliche Stätte der fortschreitenden Wissenschaft" seien: Der Zustand, wie er sich zum Heile der Wissenschaft in Preußen in diesem Jahrhundert entwickelt hat, ist bereits vollkommen in Humboldt's Denkschrift vorgebildet. Er sieht richtig, dass Akademien nur im Auslande wo man die Wohlthat deutscher Universitäten noch jetzt entbehrt und kaum nur anerkennt', und in Deutschland an Orten ohne Universitäten in Zeiten,,wo es diesen noch an einem liberalen und vielseitigeren Geiste fehlte', geblüht haben In der weiteren Popularisierung der Vorstellung, daß Wilhelm von Humboldt maßgeblich die moderne deutsche Universität geprägt hätte, spielte der Philosoph, Kulturpädagoge und Bildungspolitiker Eduard Spranger eine große Rolle. Eduard Spranger ( ) war Schüler Diltheys und Paulsens, Vertreter eines erneuerten Humanismus und Idealismus in den Geisteswissenschaften. Er war in den 1920er Jahren und nach 1945 ein einflußreicher Bildungspolitiker. Spranger gab als Berliner Privatdozent der Philosophie 1910, anläßlich des 100jährigen Jubiläums der Universität Berlin, die zentralen Schriften von Fichte, Schleiermacher und Steffens, die zwischen anläßlich der Gründung der Universität Berlin ent- 10 Björn Wittrock, The Modern University: the Three Transformations, in: Sheldon Rothblatt/ Björn Wittrock (Hg.), The European and American University since 1800, Cambridge 1993, Humboldt schrieb die Denkschrift wohl um 1809/10. Das etwa zehnseitige Essay wurde zunächst in Auszügen 1896 in Bruno Gebhardts Biographie Wilhelm von Humboldts veröffentlicht. Zur späten Entdeckung des Textes vgl. auch Schubring, Einsamkeit und Freiheit; vom Bruch, Langsamer Abschied, Vollständig veröffentlich wurde der Text 1903 in Bruno Gebhardt (Hg.), Wilhelm von Humboldts Politische Denkschriften, 2 Bde., Berlin 1903, Humboldt, Denkschrift, 255, 257, Adolf von Harnack, Geschichte der Königlich preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Bd.1, Berlin 1900, Ebd., 594.

7 188 Sylvia Paletschek standen, neu heraus. 16 Er beförderte damit die Rezeption der um 1800 entwickelten neuhumanistischen Universitätsidee. In seiner Einleitung zur Neuausgabe dieser Schriften hielt Spranger fest, daß trotz des Einflusses von Fichte und Schleiermacher es letztlich erst Wilhelm von Humboldt war, der die neuhumanistische Universität geschaffen und in der Berliner Universität idealtypisch verwirklicht habe. 17 Die blühende Entwicklung der Berliner Universität erkläre sich daraus, daß ihr ein Prinzip zugrunde gelegen habe, nämlich die Idee der Wissenschaft in derjenigen Organisationsform, die sie sich im Zusammenhang des modernen Staatswesens schaffen mußte und konnte". 18 Kern dieses neuen Wissenschaftsbegriffs sei einmal der Grundsatz der unbeschränkten, zweckfreien Selbsttätigkeit des Forschens, zum zweiten die organische Einheit allen wissenschaftlichen Tuns. Die Idee der Einheit der Wissenschaften setze notwendig voraus, daß an der Universität alle Wissenschaften vertreten seien. Die Philosophie als oberste Diszplin verbinde diese, da alle Wissenschaften letztlich durch Deduktion von einem ursprünglichen Wissenspunkt abgeleitet werden könnten. Neu an der uni 1800 entstandenen neuhumanistischen Idee sei, daß erst die postulierte Vorherrschaft der Philosophie aus dem Nebeneinander der Wissenschaften eine organische Einheit habe entstehen lassen. Die neuhumanistische Universitäts- und Wissenschaftsidee habe sich aber nicht quasi automatisch entwickelt. Sie konnte nur verwirklicht werden, so Spranger, weil gerade zu dieser Zeit der preußische Staat und die gesellschaftlichen Verhältnisse eine tiefgreifende Umbildung erfuhren. Ohne den politischen Liberalismus, die preußischen Reformen und die Nation hätte die Idee der Wissenschaft keine Gestalt empfangen". 19 Die große Leistung Humboldts sei die Verzahnung von freier, in organischer Einheit verbundener Wissenschaft und Staat gewesen. Die Berliner Universitätsgründung sei deshalb ein Werk genialen Schaffens, ein Vorbild und eine lebendige Macht von fortzeugender Wirkung". 20 Dieses enthusiastische Lob des Privatdozenten Spranger auf seine Universität" und das Humboldtsche Universitätsmodell entsprang seiner idealistischen Wissenschaftsauffassung. Es reihte sich zudem nahtlos in die affirmative Universitätsrhetorik von Jubiläumsfeiern ein. Die damit sich anbahnende Konjunktur Wilhelm von 16 Eduard Spranger (Hg.), Fichte, Schleiermacher und Steffens über das Wesen der Universität, Leipzig Spranger hatte zudem über Wilhelm von Humboldt gearbeitet. Siehe Eduard Spranger, Wilhelm von Humboldt und die Humanitätsidee, Berlin Fichtes Konzeptionen hätten die strenge, antiindividualistische preußische Universität in Uniform geschaffen; Schleiermacher wollte eine deutsche Universität, Steffens eine kirchlichuniversale. Nur Humboldt habe diese engen Vorstellungen hinter sich gelassen und eine Kulturuniversität überhaupt" geschaffen, soweit sie in den Grenzen einer Nation und eines Staates verwirklicht werden kann" (Ebd., XXIII). Humboldt habe allerdings denselben philosophischen Wissenschaftsbegriff wie Fichte, Schleiermacher, Schelling und Steffens: Die Wissenschaft ist ein organisches Ganzes; wer wahres Wissen erstrebt, darf nicht bloße Fachausbildung suchen, sondern muß sich mit dem Geist des Ganzen erfüllen... Die Universität aber ist der Idee nach die Wissenschaftsuniversität: jedes Einzelne ist nicht Fertiges, sondern etwas immer Werdendes, nie ganz Aufgefundenes. Sie wird erzeugt allein durch innere Selbsttätigkeit, die die volle Freiheit des geistigen Gestaltens voraussetzt." 18 Eduard Spranger, Einleitung, in: Ders., Fichte, Schleiermacher und Steffens, VII. 19 Ebd., XIX. 20 Ebd., XLI.

8 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 189 Humboldts und der Vorstellung eines besonderen Berliner Universitätsmodells ist deshalb umso erstaunlicher, als etwa gleichzeitig mit ihr das dickleibige vierbändige Werk von Max Lenz zur Geschichte der Berliner Universität erschien, das ein anderes Bild zeichnete. Anders als Spranger und seine Adepten in den 1920er Jahren sieht der Historiker Max Lenz in der Berliner Gründung keine einschneidende Zäsur. Er kommt zu dem Ergebnis, daß die Berliner Universität, sowohl in ihren Statuten wie in den in den Schleiermacherschen Grundzügen veröffentlichten Positionen, durchaus den überlieferten Formen der deutschen Universitäten nachgebildet" worden war. 21 Es gab vier Fakultäten in der herkömmlichen Rangfolge, d.h. Theologische, Juristische, Medizinische und als letzte die Philosophische Fakultät, und, wie überall, Ordinarien, Extraordinarien und Privatdozenten. Auch die universitäre Selbstverwaltung, das Prüfungsreglement und die Universitätsstatuten waren den anderen deutschen Universitäten nachgebildet: Dies alles geschah im Anschluß an die Gewohnheiten des deutschen Universitätslebens." 22 Es fehlte zwar in der Gründungsphase nicht an wohlklingenden Namen", so Lenz, doch hatte man diese meist schon in Besitz, als Mitglieder der gelehrten Berliner Institute, oder, wie Wolf, Schleiermacher, Fichte u. a. als altpreußische Professoren, die man aus dem Zusammenbruch des Staates für die neue Universität gerettet hatte." 23 Von auswärtigen, d. h. nichtpreußischen, Universitäten hatten lediglich zehn Dozenten zugesagt, wobei zwei zuvor nicht an Universitäten lehrten. Die bekannten, auf die Humboldt in erster Linie rechnete, sagten ab, darunter alle fünf Göttinger Professoren. Insgesamt waren es mit wenigen Ausnahmen lauter Norddeutsche, die in Berlin lehrten, und alle, bis auf einen, waren protestantisch. Doch ersetzten die neuberufenen Professoren, so Lenz, durch jugendliche Kraft, was ihnen an Ansehen abging. Dies war ein wichtiges Moment in der weiteren Entwicklung, jedoch, so Lenz, ein zufälliges, das später nicht als besonderes vorausgeplantes Merkmal gefeiert werden könnte. Lenz betonte mehrfach, daß die Berliner Universität in der Tradition der deutschen Universitäten stand und daß es, seine Universitätsgeschichte endet in den 1860er Jahren, dem preußischen Staat mit deren Gründung auch nicht gelang, sich an die Spitze der deutschen Universitäten zu schieben, sondern die Berliner Universität nur primus inter pares war. Wie erklärt sich nun der nach der Jahrhundertwende einsetzende Rückgriff auf die um 1800 entstandenen neuhumanistischen Universitätsschriften und die Implementierung der Vorstellung vom vorbildlichen Berliner bzw. Humboldtschen Modell? Mehrere Faktoren spielten zusammen: vor allem die Humboldtsche Denkschrift, ein kurzer, offener und unabgeschlossener Text, zu dessen Gegenstand sich der Autor später nicht mehr äußerte, schien in zentralen Teilen das Universitäts- und Wissenschaftsverständnis der Zeit um die Jahrhundertwende zu beschreiben. Der Text legitimierte ebenso wie die zeit- 21 Max Lenz, Geschichte der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, 4 Bde., Halle ; zit. Bd. I, Ebd., Ebd., Zum folgenden auch Paletschek, Verbreitete sich ein Humboldtsches Modell,

9 190 Sylvia Paletschek genössische Interpretation der Universitätsschriften Fichtes, Schleiermachers und Steffens die Vorstellung der Universität als Forschungsuniversität. Er legitimierte zweckfreie Grundlagenforschung und damit ein Selbstverständnis und eine institutionelle Ausformung, die sich nicht etwa schon um 1810, sondern erst seit den 1880er Jahren verstärkt vollzogen hatte. 25 Durch den Rückgriff auf die neuhumanistische Universitätsidee wurde dieser fundamentale Wandel verdeckt. Die Humboldtsche Denkschrift" schien mit dem in ihr entwickelten Wissenschaftsbegriff diese Wandlung der Universität zur Forschungsinstitution durch eine nun vermeintlich entdeckte lange historische Tradition zu bestätigen. Daß die Denkschrift" primär den Forschungsimpetus legitimierte, zeigte sich auch daran, daß sie erstmals von Harnack gerade im Rahmen des Akademiejubiläums und später auch im Kontext der Gründung außeruniversitärer Wissenschaftsorganisationen zitiert wurde. Der Text war also äußerst flexibel einsetzbar und legitimierte universitäre wie außeruniversitäre Grundlagenforschung Eine geistesgeschichtliche und preußenzentrierte Geschichtsbetrachtung beförderte die Vorstellung, daß die neuhumanistische Universitätsidee, die preußische Universitätsreform und die Berliner Universitätsgründung die moderne deutsche Universität hervorgebracht hätten. Die Vorstellung, daß Ideen und große Männer treibende Kräfte der Geschichtsentwicklung seien, verband sich mit der preußenzentrierten Perspektive der deutschen Geschichtswissenschaft, wonach Preußen die Vollendung der nationalen deutschen Entwicklung zukommt. Demnach trat die neuhumanistische Idee der Universität, die als fortan prägend ftir das deutsche Universitätswesen betrachtet wird, mit der Gründung der Universität Berlin durch den preußischen Staat ins Leben, der darin seine nationale Mission erfüllte und die wahrhaft deutsche Universität schuf. 3. Das Vordringen neoidealistischer Denkströmungen seit der Jahrhundertwende beförderte diese Sichtweise. Dies ging einher mit einer Aufwertung der Geisteswissenschaften, vor allem der neuen", nationale Identität stiftenden Geisteswissenschaften, so der Germanistik oder Volkskunde. Die deutsche Universitätsidee und der Neuhumanismus wirkten dem Prestigeverlust der geisteswissenschaftlichen 25 Der Übergang zur Forschungsuniversität seit den 1880er Jahren war ein internationaler Prozeß, vgl. dazu Wittrock, Modern University, Verstärkte Forschungsorientierung der Universität zeigte sich konkret beispielsweise in der nun die meisten Disziplinen erfassenden Einrichtung von Seminaren und Instituten, dem Vordringen forschenden Lernens im Universitätsunterricht, in der Ausdifferenzierung der Disziplinen, den erhöhten Anforderungen und der Formalisierung wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten (z. B. der Habilitationen). Zur deutschen Entwicklung am Beispiel einer Universität vgl. Sylvia Paletschek, Die permanente Erfindung einer Tradition. Die Universität Tübingen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Stuttgart 2001, So zitiert beispielsweise Kaiser Wilhelm II anläßlich der Gründung der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft aus der Denkschrift. Er legitimiert die Gründung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, indem er auf Humboldts Äußerung verweist, daß zu den höheren wissenschaftlichen Anstalten neben Universitäten und Akademien auch sogenannte Hilfsinstitute gehören, die in loser Verbindung mit den erstgenannten Institutionen stünden. Wilhelm II stellt damit die Gründung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in die Tradition der neuhumanistischen Universitätsidee und die Gründung der Universität Berlin.

10 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 191 Mandarine entgegen, den diese durch das Aufkommen neuer Eliten und die Wertschätzung von Technik und Naturwissenschaften erfahren hatten. 4. Eine Rolle spielte auch das groß begangene 100jährige Universitätsjubiläum der Universität Berlin, das in Festreden und Gelegenheitsschriften zur affirmativen Kontruktion einer Erfolgsgeschichte führte. 5. Die Berliner Universität hatte besonders von der Reichsgründung profitiert und war seit den 1870er Jahren vom preußischen Staat auf Kosten der anderen preußischen Universitäten bevorzugt ausgebaut worden. Gerade die Berliner Universität und die preußische Hochschulverwaltung der Jahrhundertwende, das sogenannte System Althoff, benannt nach dem geschickten und einflußreichen preußi- Schen Wissenschaftsorganisator Friedrich Althoff, standen stellvertretend für die von den Zeitgenossenen beschworene Weltgeltung deutscher Wissenschaft. Mit dem Rekurs auf die neuhumanistischen Universitätsschriften wurde nun der Erfolg deutscher Wissenschaft aus einer als überzeitlich verstandenen Universitätsidee und dem Wirken einzelner großer Männer abgeleitet. Die institutionellen, finanziellen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen des deutschen Universitätssystems, die zur Weltgeltung deutscher Wissenschaft geführt hatten, traten dagegen in den Hintergrund. Phase II: Konsolidierung in den 1920er Jahren Die überzeitliche neuhumanistische Universitätsidee als Weg aus der Krise und Rückkehr zu einer ganzheitlichen Wissenschaftsauffassung In den 1920er Jahren wurde dieser Rückgriff auf die neuhumanistische Universitätsidee in der nun einsetzenden Diskussion um Universitätsreformen konsolidiert. Gleichzeitig wurde von dieser jetzt als überzeitlich vorgestellten Idee ein Weg aus der Krise und die Rückkehr zu einer ganzheitlichen, synthetischen Wissenschaft erhofft. Die Gründung der Berliner Universität 1810 und die preußischen Bildungsreformen erhalten nun paradigmatischen Charakter, weil die Situation Deutschlands nach dem Verlust des Ersten Weltkriegs mit der Preußens nach der Niederlage gegen Napoleon parallelisiert wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine Reform des Hochschullebens gefordert, da die militärische Niederlage auch auf Mängel im Erziehungssystem zurückgeführt wurde. Die Reformvorschläge antworteten teilweise auf Probleme, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg diskutiert wurden. Schon damals wurde geklagt, daß die Studierenden durch die Lehrfreiheit und die Masse des Spezialwissens überfordert seien, daß das Studium zu unstrukturiert und praxisfern sei und daß die Professoren zu viel forschten und sich wenig um die Lehre kümmerten. Kurz nach dem. Krieg wurde von einer Erneuerung der Universitäten auch die Erneuerung des Volkes erwartet. Der neue demokratische Staat und die Gesellschaft standen den Universitäten zunächst wohlwollend gegenüber. Bis Ende der 1920er Jahre hatte sich dies geändert, nicht zuletzt auch wegen der Unfähigkeit der Hochschullehrer und der Hochschulen, auf überkommene Privilegien zu verzichten und sich einer demokratisierenden Gesellschaft verständlich zu machen.

11 192 Sylvia Paletschek Für die Mehrheit der Professorenschaft bedeutete die Niederlage von 1918 eine einschneidende Zäsur. Wie andere Teile des Bildungsbürgertums trauerten sie der konstitutionellen Monarchie nach. Der Großteil vor allem der geisteswissenschaftlichen Professoren stand der Weimarer Republik feindlich oder skeptisch gegenüber. Sie vertraten häufig eine im Idealismus wurzelnde universalistische Weltsicht und verstanden sich als nationale Kulturträger, die über den Parteien und den Interessen standen. Daneben gab es aber eine kleinere, jedoch nicht unbeträchtliche Gruppe von Professoren, häufiger Naturwissenschaftler, die sich als wissenschaftliche Experten betrachteten und eher pragmatisch-positivistisch an spezialisierten Problemstellungen arbeiteten. 27 In den 1920er Jahren erreichte das rapide Wachstum der Studentenzahlen einen neuen Höhepunkt gab es etwa doppelt so viele Universitätsstudenten wie Mit diesem Anstieg war eine verstärkte soziale Öffnung einhergegangen, die sich bereits im Kaiserreich abgezeichnet hatte. Um 1930 kamen ca. 70% aus den mittleren sozialen Schichten, und die Studentinnen machten ca. 20% der Studierenden aus. Seit Ende der 1920er Jahre wurde in der Öffentlichkeit die akademische Überfüllungskrise diskutiert, das Horrorszenario einer Generation arbeitsloser Akademiker entworfen. Ab 1930 wurden beim Blick auf die Universität verstärkt Krisenphänomene wahrgenommen: Vermassung, Verweiblichung und ein befürchteter Verlust des geistigen Antlitzes verschmolzen zu einem düsteren Bild. 28 Von den in den 1920er Jahren diskutierten Reformvorschlägen wurde kaum etwas umgesetzt. In der Diskussion über die Universität zeichneten sich in den 1920er Jahren zwei Positionen ab: Eine Fraktion wollte an der bestehenden Gestalt der Universität festhalten, eine andere wollte die Universitäten radikal verändern. Zu den radikalen Kritikern, die sich in den 1920er Jahren nicht durchsetzen konnten, zählte etwa Max Scheler. Er war der Ansicht, daß die verschiedenen gesellschaftlichen Funktionen der Universität, Berufsbildung, Persönlichkeitsbildung und Forschung, in einer Organisation nicht mehr zu vereinigen seien. Dieser funktionale Universalismus" entstamme dem Mittelalter. Die neuhumanistische Universitätsidee habe als neue Aufgabe lediglich die Menschenbildung hinzugefügt. Diese Idee sei in einer Zeit entwickelt worden, die weder moderne Forschung noch spezialisierte wissenschaftliche Fachbildung kannte. Scheler plädierte für eine Funk- 27 Vgl. zur politischen Haltung der Professoren Fritz K. Ringer, The Decline of the German Mandarins. The German Academic Community, , Cambrigde 1969; Christian Jansen, Professoren und Politik. Politisches Denken und Handeln der Heidelberger Hochschullehrer , Göttingen 1992; Barbara Vogel, Anpassung und Widerstand. Das Verhältnis Hamburger Hochschullehrer zum Staat 1919 bis 1945, in: Eckhart Krause/Ludwig Huber/Holger Fischer (Hg.), Hochschulalltag im Dritten Reich". Die Hamburger Universität , Bd. I, Hamburg 1991, 3-84; Jonathan Harwood, Mandarine" oder Außenseiter? Selbstverständnis deutscher Naturwissenschaftler ( ), in: Jürgen Schriewer u. a. (Hg.), Sozialer Raum und akademische Kulturen. Studien zur europäischen Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt 1993, Hartmut Titze, Der Akademikerzyklus. Historische Untersuchungen über die Wiederkehr von Überfüllung und Mangel in akademischen Karrieren, Göttingen 1990; Paletschek, Permanente Erfindung,

12 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 193 tionstrennung in verschiedene Institutionen und die Umbildung der Universitäten zu wissenschaftlichen Berufsfachschulen. 29 Im Gegensatz zu dieser Position wollte das andere Lager an der Aufgabenbündelung der Universität Menschenbildung, wissenschaftliche Berufsbildung, Forschung festhalten. Führende Vertreter dieser Position waren der preußische Kultusminister und frühere Orientalistikprofessor Carl Heinrich Becker ( ) 3 sowie der Pädagogikprofessor Eduard Spranger ( ), deren Schriften zur Universität weite Verbreitung fanden. Sie popularisierten die Vorstellung einer überzeitlichen deutschen Universitätsidee, die um 1800 entstanden sei. Mit ihrem Rückgriff auf die neuhumanistisch-idealistische Universitätsidee verteidigten sie die bestehenden Universitätsverhältnisse gegen radikale Neuerungen. Sie erwarteten aber von der Neuübersetzung der Humboldtschen Ideale auch die Lösung der gegenwärtigen Universitätsprobleme. In ihre Vorstellungen von Aufgaben und We-- sen der Universität floß ihr akademisches Selbstverständnis als Geisteswissenschaftler und Vertreter einer spezifischen akademischen Fachkultur ein. Ob und wie sich Vertreter der Brotfächer", d. h. Juristen und Mediziner oder Naturwissenschaftler, an der Diskussion über das Wesen der Universität" beteiligten, müßte noch aufgearbeitet werden. Es scheint aber, als ob die zentral rezipierten Schriften von Philosophen, Pädagogen, Theologen und Soziologen verfaßt wurden. Für Spranger und Becker war ein religiös überhöhtes, neoidealistisch geprägtes, überzeitliches Universitätsideal typisch. So schrieb Carl Heinrich Becker 1924: Vom Wesen der deutschen Universität kann man nur mit ehrfürchtiger Scheu sprechen... Wenn wir von Universität sprechen... steht klar und deutlich ein Idealbild vor der Seele, eine Art von Gralsburg der reinen Wissenschaft. Ihre Ritter vollziehen einen heiligen Dienst". Die deutsche Universität habe nichts mit Nützlichkeitserwägungen oder Berufsbildung zu tun. Sie verfolge ein selbstloses und zweckloses Suchen", das letztlich im deutschen Wesen" wurzle. 31 Becker plädierte für die Wiederherstellung des idealistischen Wissenschaftsbegriffs und eine ganzheitliche Betrachtungsweise als Antwort auf die gegenwärtigen Probleme der Universität. Der Positivismus, die rationalistische Denkweise und das naturwissenschaftlich-technische Zeitalter hätten in Deutschland seit den 1830er Jahren den Idealismus verdrängt. Dies habe nach 1830 zum Niedergang der Universität und zu den heutigen Problemen, zu Spezialismus, Egoismus und Materialismus gefiihrt. 32 Außerdem habe die Wissenschaft das Verhältnis zum Leben" und zur Gegenwart verloren. Die Jungen jeden Lebensalters" würden deshalb ei- 29 Max Scheler, Die Wissensformen und die Gesellschaft, Leipzig 1926, Zu Becker siehe Guido Müller, Weltpolitische Bedeutung und akademische Reform. Carl Heinrich Beckers Wissenschafts- und Hochschulpolitik , Köln Becker war 1921 und von preußischer Kultusminister. 31 Carl Heinrich Becker, Gedanken zur Hochschulreform, Leipzig 1919; Ders., Vom Wesen der deutschen Universität, in: Reinhold Schairer, Conrad Hofman (Hg.), Die Universitätsideale der Kulturvölker, Leipzig 1925,1-30, zit Aus dieser Perspektive geht der Niedergang der Universität mit dem Aufstieg der Naturwissenschaften einher. Der tatsächliche Übergang zur Forschungsuniversität mit Seminar- und Institutsausbau und die Zeit der Weltgeltung deutscher Wissenschaft fallen damit ebenfalls in die Phase des postulierten Niedergangs der Universität.

13 194 Sylvia Paletschek nen erweiterten Wissenschaftsbegriff fordern, der auch antirationalistische Momente und die Sehnsucht nach Bindung und zusammenfassendem Denken aufnehme. 33 In einer neuen, ganzheitlichen Bildungsauffassung erblickte Becker die zeitgemäße Übersetzung der um 1800 geprägten Universitätsidee. An konkreten Reform.- maßnahmen plädierte er für die Einrichtung neuer, das synthetische Denken fördernder Disziplinen wie der Soziologie, für eine bessere Hochschulpädagogik und für mehr Mitbestimmung der Nichtordinarien und Studenten, damit neue Ideen schneller umgesetzt werden könnten. 34 In den Grundzügen ähnlich, aber mit anderen Reformforderungen, argumentierte der Pädagogikprofessor Spranger. Alles Einzelwissen solle in eine spekulativ erfaßte organische Totalität" eingebunden werden. Die Universitätskrise ging seiner Meinung nach auf das beschleunigte Tempo der Gesamtentwicklung im industriell-technischen Zeitalter" sowie auf die Demokratisierung der Bildung und die damit unvermeidlich verbundene Niveausenkung" zurück. 35 Als Problemlösung empfahl er die Eindämmung der Studentenzahlen und das Festhalten am Erfolgsrezept der neuhumanistischen Universitätsidee, d. h. an der Verbindung von Wissenschaft und Berufsausbildung, von Wissenschaft und Bildung. Seiner Meinung nach bereitete eine wissenschaftlich-theoretische Ausbildung besser auf den Beruf vor als eine praktisch-wissenschaftliche. Die zweckfreie Wissenschaft sei auch die nützlichste, da sie für unvorhergesehene Bedarfsfälle Lösungen bereithalte, die eine auf Praxis und Verwertbarkeit ausgerichtete Wissenschaft nie geahnt hätte. 36 Wenn die Wissenschaft vom Positivismus wieder zu einem spekulativ-idealistischen Verständnis zurückkehre, erfülle sie auch das Bildungs- und Weltanschauungsbedürfnis. Mit dem humanistischen Universitätsideal verteidigten Spranger und Becker die bisherige Aufgabenbestimmung der Universität und bestätigten ein elitäres Selbstbewußtsein der Professorenschaft. Der Rekurs auf das Humboldtsche Ideal legitimierte aber auch Reformen: die dem positivistischen Wissenschaftsbegriff und damit auch dem Siegeszug von Naturwissenschaft und Spezialisierung zugeschriebenen Defizite sollten durch eine synthetische idealistische Wissenschaftskonzeption aufgefangen werden. Das ganzheitliche Bildungsideal des Neuhumanismus sollte zeitgemäß realisiert werden, indem sich die Universität der Gegenwart und dem Zeitgeist öffnete. Der Rückgriff auf die überzeitliche humanistische Universitätsidee diente bei beiden dazu, die geisteswissenschaftlichen Disziplinen der Philosophischen Fakultät aufzuwerten. Ihr Universitätsideal wurde ganz aus der Perspektive der zweckfreien Geisteswissenschaften entworfen. Es bestätigte das Selbstverständnis einer Universität, die sich primär als Forschungsinstitution begriff und die davon ausging, über die Vermittlung wissenschaftlicher Methoden gleichzeitig ihre anderen Aufgaben zu erfüllen. Daß seit der Jahrhundertwende in den Naturwissenschaften zunehmend außeruniversitäre Forschungseinrichtungen institutionalisiert wur- 33 Becker, Vom Wesen der deutschen Universität, 22, Müller, Weltpolitische Bedeutung und akademische Reform, Eduard Spranger, Das Wesen der deutschen Universität, in: Michael Doeberl u. a. (Hg.), Das akademische Deutschland, Bd. III, Berlin 1930,1-38, zit. 33, Ebd., 13.

14 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 195 den, die auf die Grenzen der Wissensproduktion innerhalb der Universität verwiesen, wurde ausgeblendet oder als Abweichung vom Humboldtschen Ideal kritisiert. Die Entwürfe Beckers und Sprangers reagierten auf die zeitgenössische Sehnsucht nach einer ganzheitlichen, rationale und irrationale Momente einschließenden Weltsicht. Dieser Zeitgeist war stark in der Studentenschaft, aber auch in weiteren gesellschaftlichen Kreisen vertreten. Er kennzeichnete nicht nur national-völkische Kreise, sondern reichte weit ins liberale, weimartreue Lager hinein. Dies zeigte sich etwa an der Argumentation Beckers, der ein weimartreuer Liberaler war. Daß das Suchen nach einer neuen Ganzheitlichkeit nicht nur ein deutsches Phänomen war, legt die von Studierenden aus 28 Staaten verabschiedete Resolution der Internationlen Studentenkonferenz der Europäischen Studentenhilfe des christlichen Studentenweltbundes von 1924 nahe. Die Internationale Studentenkonferenz zeigte sich im tiefsten beunruhigt und unbefriedigt von der Entwickelung der Universität zu Fachschulen und von einer rein intellektuellen und weltabgewandten Schul- und Hochschulerziehung der Wissenschaft." 37 Sie forderte eine über das Spezialstudium hinausgehende, gegenwartslebendige und wirklichkeitsnahe Erziehung des jungen Menschen zur sittlich verantwortungsbewußten Persönlichkeit, zu seiner Ein- und Unterordnung in die Idee einer allumfassenden Humanitas übernationaler Ewigkeitswerte." Die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Weltanschauung kann als Reaktion auf eine sich rapide verändernde und sozial umstrukturierende Gesellschaft, als Antwort auf die Kosten des Modernisierungsprozesses gelesen werden. Diese Modernisierungskrise ging für die traditionellen akademischen Eliten mit einem Prestigeund Machtverlust einher. Die Niederlage von 1918 verschärfte diese Krise und verstärkte die Distanz zu Positivismus, Pluralismus und Parlamentarismus, d. h. einem westlichen, mit den Siegermächten assoziierten Denk- und Politikstil. Phase III: Überwindung" der neuhumanistischen Universitätsidee im Nationalsozialismus Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die Universitäten in einer Mischung aus Gleichschaltung und Selbstgleichschaltung in den neuen Staat eingefügt. Nur einige wenige Universitätsmitglieder leisteten Widerstand, 37 Bericht der ersten Kommission der Internationalen Studentenkonferenz der Europäischen Studentenhilfe des Christlichen Studentenweltbundes, Elmau , in: Schairer/Hoffmann, Universitätsideale der Kulturvölker, 124. Ähnlich auch die Leitsätze des Deutschen Studenten-- tags in Innsbruck 1924: Es gibt zur Zeit kein einheitliches Bildungsideal mehr. Dieses ist zersetzt a.) durch Skeptizismus, b.) durch Materialismus c.) durch Spezialistentum." (Leitsätze, beschlossen vom Deutschen Studientag des Deutschen Studententages in Innsbruck, in: Ebd., , zit. 118.) Die gegenwärtige Hochschule sei vornehmlich Forschungsinstitut und Berufsschule. Sie müsse reformiert werden, um ihrem Bildungsauftrag nachzukommen, so daß ihre eigentliche Aufgabe, Persönlichkeiten zu erziehen, mehr hervortritt." Dies könnte erreicht werden, indem die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden wieder hergestellt würde im Sinne des antiken Ideals der Akademie.

15 196 Sylvia Paletschek die Universität als Institution jedoch nicht wurde die kollegiale Selbstverwaltung der Universität aufgehoben und durch das Führerprinzip ersetzt. Hochschullehrer jüdischer Herkunft, politisch Andersdenkende und Parteimitglieder der linken Parteien, insgesamt schätzungsweise 15% des Lehrkörpers, wurden entlassen. 39 Mit dem Machtantritt erließen die Nationalsozialisten Studienbeschränkungen, die vor dem Hintergrund der seit 1930 gefürchteten akademischen Überfüllungskrise mit Zustimmung rechnen konnten. Vor allem im ersten Jahr nach der Machtübernahme griffen die Nationalsozialisten in Berufungsangelegenheiten ein und versuchten, parteitreue Professoren zu ernennen. 4 Die diversen Versuche, den wissenschaftlichen Nachwuchs über Dozentenlager zu nationalsozialistisch gesinnten Professoren zu erziehen, mißlangen. 41 Nach den ersten massiven Eingriffen gelang es den Universitäten wieder zunehmend, in Besetzungsfragen ihre Fachstandards zur Geltung zu bringen. Eine gewisse Konsolidierung und Gewöhnung trat ein, der Arbeitsalltag in Lehre und Forschung normalisierte sich brach der Krieg aus, der an der Universität teilweise auch Förderungsmöglichkeiten und Freiräume eröffnen konnte. Der Großteil der im Amt verbliebenen Professoren erhoffte sich mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten die Erneuerung der Nation. Die Nationalsozialisten erreichten mit dieser Parole die rückwärtsgewandten Vergangenheitssucher" unter den Professoren, die in der Weimarer Zeit dem Kaiserreich und dem Ideal eines über den Parteien stehenden Staates nachtrauerten.42 Sie erreichten aber auch die antidemokratischen Erneuerer", zu denen vor allem jüngere Dozenten zählten, die die Erstarrung der Universität kritisierten. Obwohl sich nicht wenige Hochschullehrer dem neuen Regime andienten, blieben die Nationalsozialisten jedoch vielfach skeptisch gegenüber dem lebens- und wirklichkeitsfremden Professorentum" und den Vertretern einer verpönten liberalen Wissenschaft". 43 Nach dem derzeitigen Forschungsstand wurde von den Nationalsozialisten kein 38 Siehe hierzu etwa Hellmut Seier, Universität und Hochschulpolitik im nationalsozialistischen Staat, in: Klaus Malettke (Hg.), Der Nationalsozialismus an der Macht. Aspekte nationalsozialistischer Politik und Herrschaft, Göttingen 1984, ; Dieter Langewiesche, Die Universität Tübingen in der Zeit des Nationalsozialismus: Formen der Selbstgleichschaltung und Selbstbehauptung, in: GG 23 (1997), , Mitchell G. Ash, Wissenschaftswandel in Zeiten politischer Umwälzungen: Entwicklungen., Verwicklungen, Abwicklungen, in: Internationale Zeitschrift für Geschichte und Ethik der Naturwissenschaften, Technik und Medizin 3 (1995), 1-21, Uwe Dietrich Adam, Hochschule und Nationalsozialismus. Die Universität Tübingen im Dritten Reich, Tübingen 1977, 210f.; Hellmut Seier, Die Hochschullehrerschaft im Dritten Reich, in: Klaus Schwabe (Hg.), Deutsche Hochschullehrer als Elite , Boppard 1983, , Volker Losemann, Zur Konzeption der NS-Dozentenlager, in: Manfred Heinemann (Hg.), Erziehung und Schulung im Dritten Reich. Teil 2: Hochschule, Erwachsenenbildung, Stuttgart 1980, , Diese Typologie nach Dieter Langewiesche, Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen in der Weimarer Republik. Krisenerfahrungen und Distanz zur Demokratie an deutschen Universitäten, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 51 (1992), , bes Aharon E Kleinberger, Gab es eine nationalsozialistische Hochschulpolitik? In: Heinemann, 9-30, 10.

16 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 197 systematischer Neubau des Hochschulsystems unternornrnen. 44 Ihr konsequentester und folgenreichster Eingriff war letztlich die Entlassung der jüdischen und linken Hochschullehrer. Daß eine Neuordung des Hochschulwesens trotz der Eingriffe der Nationalsozialisten in die universitäre Selbstverwaltung nicht durchgeführt wurde, lag an einer fehlenden Konzeption, an der Kürze der Vorkriegszeit und der Polykratie der vielen, für den Hochschulbereich zuständigen Stellen, die sich ständig Konkurrenz machten. Die nationalsozialistische Weltanschauung bot kaum Anhaltspunkte für die Behandlung von Wissenschaft und Universität. 45 Lediglich die Rassenlehre und der völkische Gedanke konnten als Postulate übernommen, werden. Die Ansätze zu einer systematischen nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik findet man eher in neugegründeten außeruniversitären Forschungseinrichtungen als an den Universitäten so z. B. im Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland" oder in Himmlers SS-Forschungs- und Lehrgemeinschaft Ahnenerbe" 46 Gleichschaltung der Universitäten und eine ausbleibende Fundamentalreform standen nebeneinander. Eine mehrjährige Reformdebatte verlief ohne praktisches Ergebnis. In ihr zeichneten sich verschiedene Positionen ab. 47 Ansätze zu einer originär nationalsozialistischen Hochschulkonzeption ließen sich in dem Projekt der Hohen Schule" erkennen, das seit 1937 von Alfred Rosenberg, dem Weltanschauungsbeauftragten der Partei, verfolgt wurde. Dessen geplante Alternativuniversität" sollte Forschung betreiben und den Führungsnachwuchs für Partei und Staat ausbilden. Rosenberg verfügte aber über kein ausgereiftes Konzept und keine starke Stellung innerhalb der Partei, so daß dieses Projekt, nicht zuletzt auch wegen der Kürze der Zeit, nur partiell angegangen und nicht breiter diskutiert wurde Nach wie vor fehlt es an einer synthestischen Zusammenschau und auf breiter Quellenbasis angelegten Studien zur nationalsozialistischen Hochschulpolitik, obwohl in den letzten zehn Jahren einige fundierte Untersuchungen zur Geschichte einzelner Universitäten in der Zeit des Nationalsozialismus erschienen sind. Siehe auch Peter Chroust, Deutsche Universitäten und Nationalsozialismus, in: Schriewer, , Siehe auch Notker Hammerstein, Die deutsche Forschungsgemeinschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Wissenschaftspolitik in Republik und Diktatur, München 1999, Breit erforscht wird momentan auch die Geschichte bereits bestehender außeruniversitärer Forschungseinrichtungen im NS. 47 Ausführlicher zur Universitätsreformdiskussion im NS siehe Sylvia Paletschek, The Invention of Humboldt and the Impact of National Socialism, in: Margit Szöllösi-Janze (Hg.), Science in the Third Reich, Oxford 2001, 37-58, bes Die für die Zeit nach dem Krieg geplante Hohe Schule" sollte nicht die Universitäten ersetzen, sondern als oberste Stätte für nationalsozialistische Forschung, Lehre und Erziehung" über diesen stehen und ihnen, so Rosenberg 1940, konkret gestellte Aufgaben... im Sinn unserer Weltanschauung zuführen." In den von der Hohen Schule" ausgehenden Forschungen sollten nationalsozialistische Weltanschauung und Wissenschaft zusammengeführt werden. Aufgrund der dort gewonnenen Ergebnisse einer nationalsozialistischen Forschung könnte dann, so Rosenberg, eine nationalsozialistische Hochschulreform geplant werden. Seit 1940 wurden in Verbindung mit einzelnen Universitäten einige geisteswissenschaftliche Institute sowie ein Institut für Biologie und Rasseforschung als Außenstellen der Hohen Schule" gegründet. Siehe hierzu Reinhard Bollmus, Zum Projekt einer nationalsozialistischen Alternativ-Universität: Alfred Rosenbergs Hohe Schule", in: Heinemann, , 125; Hammerstein, Die deutsche Forschungsgemeinschaft, 319.

17 198 Sylvia Paletschek Breitere Resonanz als Rosenbergs geplante Hohe Schule" fanden zwei andere Konzepte, die bereits vor 1933 formuliert worden und aus der Universitätsdiskussion der Weimarer Zeit erwachsen waren. Auf diese griffen die Nationalsozialisten in Ermangelung eigener Ideen zurück. Das Konzept der politischen Universität", das der Historiker Adolf Rein propagierte, der ein entschiedener Gegner von Demokratie und Parlamentarismus war, stellte eine radikalisierte Version der Universitätsvorstellungen der national-konservativen Professoren dar. 49 Es wurde von weiten Teilen der Professoren und Studentenschaft unterstützt, die darin ein Mittel zur Wiedererlangung des schwindenden Prestiges der Universität erblickten. Das andere, radikalere Konzept stammte von dem in den 1920er und 1930er Jahren einflußreichen Pädagogen Ernst Krieck, der bereits 1932 der NSDAP beigetreten war." Er forderte eine antibürgerliche und antipositivistische Universität und kann als antidemokratischer Erneuerer" beschrieben werden. Beide Professoren machten durch den Nationalsozialismus Karriere, erhielten Ordinariate und wurden Rektoren. Sie versuchten, an ihren Universitäten in Hamburg und Heidelberg Reformvorstellungen umzusetzen, diese Ansätze versandeten jedoch. Indem die Nationalsozialisten diese beiden Konzepte aufgriffen, bedienten sie unterschiedliche Reformerwartungen. Sowohl die konservativen Vergangenheitssucher" als auch die antidemokratischen Erneuerer" fanden sich vertreten. Gemeinsam ist den Vorstellungen von Krieck und Rein, daß sie eine Überwindung der neuhumanistischen Universitätsidee anstrebten. Sie plädierten für eine letzte Bindung der Wissenschaft, gegen ihre absolute Unabhängigkeit und Zweckfreiheit. Gleichzeitig wollten sie aber innerhalb dieser Bindung wissenschaftliche Freiheit zulassen und sprachen sich gegen eine vom direkten Verwertungsinteresse gesteuerte Wissenschaft aus. Sie hielten an der idealistischen Vorstellung der Bildung durch Wissenschaft fest, d. h. sie übernahmen Teile der neuhumanistischen Universitätsidee, die in den 1920er Jahren essentiell für das universitäre Selbstverständnis geworden war. Rein und Krieck gingen ebenso wie Spranger und Becker von einer Fehlentwicklung der deutschen Universität aus, die nach etwa 1830 mit der Verdrängung des Idealismus durch Positivismus und Naturwissenschaften eingesetzt habe. Der nationalkonservative Historiker Adolf Rein kritisierte, daß damit die Einheit der Wissenschaften verloren gegangen sei und Warenhäuser spezialisierter Wissenschaften" entstanden seien. 51 Rein knüpfte an Max Webers Ausführungen an, daß die Wissenschaft auf letzte Fragen keine Antworten geben könne, sondern nur begründete Entscheidungshilfen bereitstelle. Für Rein mußte sich deshalb jeder Wissenschaftler entscheiden, von welchem letzten Wert aus er handelte, ob von der Religion, einem philosophischen System oder der Politik her. Das letzte Prinzip könne in der gegenwärtigen Zeit aber nur die Politik sein. Damit sei die politische 49 Adolf Rein, Die Idee der politischen Universität, Hamburg Ernst Krieck, Nationalpolitische Erziehung, Leipzig Zu Krieck siehe Gerhard Müller, Ernst Krieck und die nationalsozialistische Wissenschaftsreform. Motive und Tendenzen einer Wissenschaftslehre und Hochschulreform im Dritten Reich, Weinheim Rein, politische Universität, 20.

18 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 199 Universität, d. h. die auf den Staat ausgerichtete Universität, das Gebot der Stunde. Diese politische Universität dürfe jedoch nicht nur der Berufsausbildung dienen und staatlichen Interessen sklavisch ergeben sein. Sie sollte kritisch-wissenschaftlich und frei arbeiten, ihre letzte Grundlage aber im Bekenntnis zum Staat finden. Das Zentrum der politischen Universität stellte in Reins Konzeption die politische Fakultät dar, in der gesellschafts- und geisteswissenschaftliche Fächer zusammengeführt werden sollten. Diese Fächer müßten stark auf die Gegenwart bezogen werden. Rein hielt an der herkömmlichen Aufgabenbestimmung der Universität als Anstalt für Forschung, wissenschaftliche Berufsbildung und Allgemeinbildung fest. Er knüpfte an die in den 1920er Jahren verbreitete national-konservative Ausrichtung der Professorenschaft an und radikalisierte diese zu einer offengelegten Bindung von Wissenschaft und Universität an Staat und Nation. Die Vorstellung einer weltanschaulich neutralen Wissenschaft hielt Rein für eine Fiktion des liberalen und naturwissenschaftlichen Zeitalters. Auch die neuhumanistische Universität sei in der historischen Realität nie allein nur der Vernunft verpflichtet gewesen. Sie sei, obwohl sie dies leugne, religiös, politisch und soziologisch gebunden gewesen nämlich an den Protestantismus, den liberal-konstitutionellen Nationalstaat und das Bürgertum. 52 Im Gegensatz zu Rein kritisierte Ernst Krieck die bürgerlichen Bildungsprivilegien, die durch ein hierarchisches Bildungssystem und eine elitäre Bildungsideologie abgesichert seien. 53 Die heutigen Universitäten seien ohne Zusammenhang mit dem wirklichen Leben. Die Wissenschaft sei, so Krieck, für niemand und nichts nütze, ohne Sinn, ohne bildenden Zweck, ohne Ethos, lebend von einem traditionell weitergeschleppten Vorurteil." 54 Seit die Wissenschaft mit dem Niedergang des Idealismus ihre synthetische Kraft verloren habe, besitze sie keinen Bildungswert mehr und beschränke sich auf technische Verwendbarkeit. Nur durch eine äußere Bindung, möglichst an eine völkisch-politische Weltanschauung", würde die Wissenschaft wieder bildende Kraft entfalten und dem liberalistischen Wahn, der Willkür, der sinn- und zusammenhanglosen Vielheit" ein Ende bereitet werden. 55 Anders als Rein plädierte Krieck für die Auflösung der bestehenden Universitäten in einzelne Berufshochschulen mit den diesen zugeordneten Wissenschaftszweigen, da kein einigendes Band zwischen den Disziplinen mehr bestehe. Jede Sonderwissenschaft sollte ihre spezielle Perspektive verfolgen, aber immer als letzte verbindende Idee die Nation im Auge haben, so daß damit wieder eine Bildungseinheit erreicht werde. Die Universitätsprofessoren sollten sich wieder mehr auf die Lehre konzentrieren und in ihr nicht nur ein Anhängsel der Forschung sehen. Die Hochschulen sollten in erster Linie wissenschaftliche Berufsbildung vermitteln. Für die Forschung seien die Akademien der Wissenschaften stärker auszubauen. Die Konzeptionen von Rein und Krieck waren aus der Universitätsdiskussion der 1920er Jahre hervorgegangen. Sie verstanden sich als Abkehr von der neuhumani- 52 Rein, politische Universität, Müller, Ernst Krieck, Krieck, Nationalpolitische Erziehung, bes zur Hochschule, zit Ebd., 164.

19 200 Sylvia Paletschek stischen Universität, hielten letztlich aber an deren Idee der Bildung durch Wissenschaft fest, die sie neu realisieren wollten. Sie forderten eine explizite Bindung der Wissenschaft an Staat und Nation, die von den Nationalsozialisten zur Durchsetzung ihrer politischen Vorstellungen instrumentalisiert werden konnte. Das Fehlen einer verbindlichen und ausformulierten nationalsozialistischen Universitätsidee und die vagen Vorgaben der rassistischen und völkisch-nationalen Gebundenheit ließen einen beträchtlichen Interpretationsspielraum für die überzeugten Nationalsozialisten und die Anpassungswilligen unter den Professoren. Sie konnten mit großer Findigkeit nach individuellen Rationalisierungen suchen, mit denen sie nationalsozialistische Weltanschauung und Wissenschaft zur Deckung brachten. Dabei bot sich jenen, die Rektoren waren, durch das Führerprinzip ein gewisser Experimentierfreiraum, neue Ideen in die Praxis umzusetzen. Eine Modernisierung der Universitäten fand im NS jedoch nicht statt. Die Nationalsozialisten verfügten bei ihrem Machtantritt über kein Hochschulreformkonzept. Ihre verschwommenen Vorgaben waren breit ausdeutbar und scheinen daher unterschiedliche Erwartungshaltungen in der Professorenschaft flexibel bedient zu haben. Die Universitätsreformdiskussion im Nationalsozialismus darf nicht als erratischer Block im deutschen Universitätsdiskurs des 20. Jahrhunderts gesehen werden. Denn die Nationalsozialisten griffen Konzepte auf, die in der Diskussion der 1920er Jahre entstanden und aus ihr erwachsen waren. Ebenso wurden die Universitätsreformvorstellungen nach 1945 letztlich in negativer Abgrenzung von der nationalsozialistischen Entwicklung formuliert. Dies führte wie in den 1920er Jahren zu einem erneuten Rückgriff auf die nun wieder als überzeitlich postulierte neuhumanistische Universitätsidee und die Humboldtschen Ideale. Diese ideologische Verkleisterung befestigte die restaurativen Universitätsverhältnisse in Deutschland bis in die 1960er Jahre und darüber hinaus. Phase IV: 1945 und Nachkriegszeit restaurativer Rückgriff auf die Diskussion der 1920er Jahre und den Neuhumanismus Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes wurde in der Diskussion um die Hochschule und in der Legitimation von Hochschulreformen wieder auf das Humboldtsche Ideal zurückgegriffen und zwar sowohl in der DDR wie in der BRD. In der sowjetisch besetzten Zone und der späteren DDR wurde die Hochschulpolitik als eine Anküpfung und Vollendung der Humboldtschen Tradition dargestellt. 56 In seiner Eröffnungsrede 1946 betonte der Berliner Rektor Johannes Stroux: Auch heute ist das Programm, das Wilhelm von Humboldt entworfen hat, eine Quelle der Kraft und eine Wegleitung in unsere Zukunft... Unsere Zeit wird eine Zeit freier deutscher Geistesarbeit sein... Die erneuerte Universität wird in ei- 56 John Connelly, Humboldt im Staatsdienst. Ostdeutsche Universitäten , in: Ash, Mythos Humboldt,

20 Die Erfindung der Humboldtschen Universität 201 nem hohen und wahren Sinne des Wortes Volksuniversität sein". 57 Symbolischer Ausdruck dieser Kontinuität war 1948 die Umbenennung der Berliner Universität in Humboldt-Universität", in Anerkennung des bis dahin im Kampf um die demokratische Universität Erreichten und als Verpflichtung für die Zukunft". 58 Aus der neuhumanistischen Tradition wurde jetzt ein demokratisches Erbe abgeleitet. Der Rekurs auf Humboldt legitimierte die politischen Vorgaben der sowjetischen Hochschulpolitik, die Beseitigung von Faschismus und Militarismus und die Vermittlung demokratischer Grundsätze, wie auch das Aufbrechen des bürgerlichen Bildungsprivilegs. Der sich latent abzeichnende Traditionsbruch mit der Forschungsuniversität, da nun entsprechend dem sowjetischen Hochschul- und Wissenschaftsmodell allmählich eine tendenzielle Verlagerung der Forschung von den Universitäten weg, hin zu den Akademien der Wissenschaften stattfand, wurde verdeckt und übergangen. Der Rückgriff auf die idealistische Universitätsidee verlief in der BRD noch weit emphatischer und prägte dort die Hochschuldiskussion bis heute sehr viel stärker. 59 Das Humboldtsche Ideal, Neuhumanismus und Klassik wurden als Rückversicherung gegen den Nationalsozialismus begriffen, der mit dieser Kulturtradition gebrochen habe. Es wurde auf die Positionen in der Universitätsdiskussion der 1920er Jahre zurückgegriffen. Damit zeigte sich die restaurative Tendenz in der Nachkriegszeit auch in der Hochschuldiskussion. Das Unheil, so Karl Jaspers 1945, habe damit begonnen, daß die Einheit des Wissenschaften seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Positivismus und Spezialisierung auseinanderbrach und die Bildungsfunktion der Universität verloren ging. 60 Nur wenn der umfassende Kosmos der Wissenschaften wiederhergestellt würde, seien Wissenschaftlichkeit und Humanität garantiert. Nur so könne verhindert werden, daß es nicht mehr wie im Nationalsozialismus zu einer Vernichtung lebensunwerten Lebens" komme, was letztlich auf die Denkungsart einer gottlosen positivistischen Welt" zurückginge. Die Universität müsse daher wieder ein alles umfassendes Ganzes" werden und dürfe nicht in ein Aggregat von Fachschu- 57 Eröffnungsrede von Rektor Prof. Dr. Johannes Stroux am , in: Die Humboldt-Universität, Gestern Heute Morgen. Zum einhundertfünfzigjährigen Bestehen der Humboldt- Universität zu Berlin und zum zweihundertfünfzigjährigen Bestehen der Charit8, Berlin 1960, S Zur Überhöhung Humboldts als Universitätsgründer siehe ebd., 18 sowie , wo die Entwicklung der Berliner Universität in den Jahren zwischen unter der Überschrift Neubeginn im Geiste Humboldts" abgehandelt wird. 58 Ebd., S Die Universität wurde nach dem Bruderpaar Wilhelm und Alexander Humboldt benannt, damit waren symbolisch Geistes- und Naturwissenschaften vertreten. 59 Konrad H. Jarausch, Das Humboldt-Syndrom: Die westdeutschen Universitäten Ein akademischer Sonderweg?, in: Ash, Mythos Humboldt, ; Konrad H. Jarausch, Gebrochene Traditionen: Wandlungen des Selbstverständnisses der Berliner Universität, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 2 (1999), Karl Jaspers, Die Erneuerung der Universität (Rektoratsrede 1945), in: Ders., Erneuerung der Universität. Reden und Schriften 1945/46, Heidelberg 1986, 103. Jaspers knüpfte damit an seine Ausführungen zur Universität in den 1920er Jahren an: Ders., Die Idee der Universität, Berlin 1923; Ders., Die Idee der Universität, Berlin Reprint Berlin 1980.

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