MS und Impfungen. DAS KLEINE IMPF-1x1. DAS KLEINE IMPF-1x1. Christian Lampl. Abteilung für Allgemeine Neurologie und Schmerzmedizin

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1 MS und Impfungen Christian Lampl Abteilung für Allgemeine Neurologie und Schmerzmedizin DAS KLEINE IMPF-1x1 Impfungen stellen sehr wirksame und wichtige präventivmedizinische Maßnahmen dar. Das unmittelbare Ziel einer Impfung ist es, den Geimpften vor einer bestimmten Krankheit zu schützen. Dadurch wird auch die Gesamtbevölkerung geschützt. Impfungen stellen also Maßnahmen dar, die zum einen vorbeugend wirken, zum anderen den Einzelnen und die Gesellschaft schützen. DAS KLEINE IMPF-1x1 Die Schutzimpfung ist definiert als die Erzeugung einer Immunität zur individuellen und kollektiven Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten. Immunität bedeutet dabei Unempfänglichkeit des Organismus für eine Infektion mit pathogenen (krankmachenden) Mikroorganismen (z. B. Grippeviren) oder bestimmten Stoffen, z. B. Giften oder Stoffwechselprodukten von Mikroorganismen.

2 DAS KLEINE IMPF-1x1 Ein Lebendimpfstoff aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime. Sie sind so abgeschwächt dass sie sich zwar noch vermehren, die Krankheit aber nicht mehr auslösen können. Totimpfstoffe enthalten inaktivierte oder abgetötete Viren oder Bakterien oder Bestandteile von Viren, Bakterien oder Giftstoffe. Diese können sich im Körper nicht mehr weitervermehren oder ihn vergiften, aber sie lösen ebenfalls eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) aus. IMPFUNGEN Lebendimpfstoffe Masern, Mumps, Röteln Polio (Sabin) Typhus (oral) Gelbfieber Tuberkulose (BCG) Cholera (oral) Totimpfstoffe/Toxoide Tetanus, Diphtherie Influenza, Polio (Salk) Hepatitis A und B Typhus (sc/im), Tollwut Haemophilus influenzae Pneumokokken Meningokokken Nach dem heutigen Erkenntnisstand stellt allein die Erkrankung Multiple Sklerose im Allgemeinen keine Kontraindikation für eine Impfung dar!

3 Als allgemeine Regel lässt sich auf Grund der gegenwärtigen Datenlage festhalten, dass Impfungen mit Totimpfstoffen und Toxoiden bei der MS bedenkenlos eingesetzt werden können, während Lebendimpfstoffe nur unter dringlicher Indikation und Situation verwendet werden sollten. EINSCHRÄNKUNGEN Im akuten Schub einer Multiplen Sklerose keine Impfung. Vorsicht sollte geboten sein bei einer immunsuppressiven Behandlung (Steroide/Cortison, Azathioprin, Methotrexat (MTX), Zyklophosphamid, Mitoxantron) und der Gabe von Lebendimpfstoffen (Masern, Mumps, Röteln, Polio. Gelbfieber, Varizellen, Tuberkulose, Typhus) EINSCHRÄNKUNGEN Als Alternative zur Impfung mit Lebendimpfstoffen bei immunsuppressiver Therapie bietet sich, z. B. bei einer Auslandsreise, möglicherweise eine passive Immunisierung an. Dabei werden dem Menschen fremde Antikörper injiziert. Die Seren stammen von Tieren und Menschen, die die Krankheit durchgemacht haben.

4 IMPFEN BEI THERAPIE MIT INTEREFRONEN UND GLATIRAMERAZETAT Nach heutigem Erkenntnisstand beeinträchtigen Impfungen die Wirksamkeit dieser Medikamente nicht. Diese Therapieformen haben keinen Einfluss auf den Impferfolg. KÖNNEN IMPFUNGEN EINEN MS-SCHUB SCHUB AUSLÖSEN? SEN? Eine aktive Impfung, also die klassische Schutzimpfung führt in gewisser Hinsicht zu einer Aktivierung des Immunsystems. Deshalb besteht das geringe Risiko, dass eine Impfung bei einer MS-Erkrankung zum Auslösen eines Schubes führen kann. Wägt man aber beispielsweise bei einer Grippeimpfung das geringe Risiko, einen Schub durch die Impfung auszulösen, gegen das höhere Risiko, an einer Grippe zu erkranken, und eine damit verbundene sichere Verschlechterung der MS-Symptomatik zu erleiden, ab, so überwiegen in der Regel die Vorteile der Impfung. KÖNNEN IMPFUNGEN EINEN MS-SCHUB SCHUB AUSLÖSEN? SEN? Aus diesem Grund wird heute auch und gerade bei MS-Patienten z. B. die Grippeimpfung empfohlen.

5 ZUSAMMENFASSUNG I Bei einer Erkrankung an Multipler Sklerose sollte prinzipiell genauso wie bei jedem anderen Menschen geimpft werden. Folgende Einschränkungen bzw. Besonderheiten sind jedoch zu beachten: Impfungen können einen Schub auslösen, das Risiko ist jedoch gering, zumeist überwiegen die Vorteile der Impfung. Keine Impfung während eines akuten Schubes. Keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z. B. bei Impfungen gegen Masern oder Gelbfieber) unter immunsuppressiver Therapie. Impferfolgskontrolle bei Impfungen unter immunsuppressiver Behandlung (auch bei Behandlung mit Immunglobulinen). ZUSAMMENFASSUNG II Bei anderen Therapieformen der Multiplen Sklerose, insbesondere mit immunmodulatorisch wirksamen Medikamenten, bestehen hinsichtlich Impfungen darüber hinaus keine Besonderheiten.

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