Engagement und Indifferenz Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis

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1 Engagement und Indifferenz Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis Dekanatssynode Darmstadt Land Lazaruskirche in der Nieder Ramstädter Diakonie

2 Was erwartet Sie?` 1. Grundlagen der fünften Kirchenmitgliedschaftsstudie der EKD und erster Überblick 2. Indifferenz- Einstellungen zur Religion und Kirche - Ausdruck schwacher Bindungen und des Wertewandels nicht nur in der Jugend? 3. Verbundenheit und religiöse Sozialisation - Bedeutung der Familie und der personalen Beziehungen 4. Verbundenheit und personale Beziehungen mit Pfarrer_innen und kirchlichen Mitarbeitenden 5. Gesellschaftliche Trends als Herausforderung für eine Kirche im religiösen und gesellschaftlichen Pluralismus?

3 Grundlagen der fünften Kirchenmitgliedschaftsstudie der EKD und erster Überblick

4 1. Grundlagen und Design der Studie

5 2. Engagement und Indifferenz Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis? Die EKD Studie stellt generell eine Polarisierung in der Mitgliedschaft fest. Was das bedeuten kann, davon handelt die Präsentation. Die Kirchenmitglieder nicht nur nach Meinungen zu fragen, sondern wo und mit wem sie kirchlich unterwegs sind und mit wem sie über religiöse Themen reden, das nimmt der Begriff soziale Praxis auf. Deswegen wurde auch innovativ eine Netzwerkforschung in Auftrag gegeben. Engagement Beteiligung Engagement Vertrauen Kirchennähe Polarisierung Kirchenmitglieder in ihrer sozialen Praxis und sozialen Beziehungen Mit wem hat man Kontakt? Bei welchen Gelegenheiten? Mit wem spricht man Über religiöse Themen? > es geht um Bindungen und personale Beziehungen Indifferenz? Gleichgültigkeit? Spannungsverhältnis? Desinteresse? In-Between? Netzwerkforschung

6 Ein Blick in ein sehr dichtes Netzwerk mit mehreren Zentren Ein solches Netzwerk wurde in einer Kirchengemeinde erhoben. Es wurden also nicht nur über 1800 Gemeindemitglieder befragt, mit wem sie über religiöse Themen reden und mit wem sie in den Gottesdienst gehen, sondern die genannten wurden allerdings dann hoch verschlüsselt ebenso gefragt, mit wem und wo sie ihrerseits in der Gemeinde kommunizieren. So entsteht ein dichtes Beziehungsnetz mit entsprechen Knoten. Die Auswertung wird Ende des Jahres vorliegen. Eine Netzwerkstudie in dieser Größenordnung wurde bisher noch nicht erhoben. Die EKD Studie ist die erste.

7 3. Auf einen Blick: Die Verbundenheit in der Zeitreihe seit 1992 Seit 1992 wachsen die Pole, das Mittelfeld der Verbundenheit nimmt ab. Gleichzeitig vermindert sich die Bereitschaft zum Kirchenaustritt in den letzten 20 Jahren

8 Entwicklung von Mitgliederzahlen und Kasualien seit 1945 in der EKHN = Konfirmationen Kindertaufen Mitglieder Bestattungen Austritte

9

10 Einige Zahlen zur Verbundenheit Zahlen Verbundenheit: Sehr und ziemlich verbunden sind 43% = 10 Mio. Mitglieder von 23,6 Mio. Evangelischen Etwas Verbundene 25% = 6 Mio. Kaum und überhaupt nicht Verbundene 32%= 7,5 Mio. Hochverbundene und intensive Mitgliedschaftspraxis 13% = 3 Mio. Mitglieder Auf jedes achte Mitglied kommt ein Hochverbundener mit intensiver kirchlicher Praxis Auf jeden Hochverbunden kommen 27 Bürger Das ist ein großes Potenzial für die Kirche wie für die Gesellschaft für Integration und Zusammenhalt

11 Indifferenz- Einstellungen zur Religion und Kirche Ausdruck schwacher Bindungen und des Wertewandels?

12 Änderungen der Verbundenheit Zunahme der Dynamik? KMU V 20,2 10,1 6,3 63,4 KMU IV 21 7,5 3,7 67,1 KMU III 23,8 7,6 6,5 62,1 KMU II 30 12,8 57,2 KMU I 35,2 5,2 59 früher stärker früher schwächer hat mehrfach gewechselt* keine Veränderung

13 9. Religiöse Vielfalt? Mitglieder in Indifferenz: Ausdruck des zunehmenden religiösen Pluralismus? Ist damit nur die Haltung zur äußeren Vielfalt beschrieben oder auch der innneren?

14 40% 35% 30% 37% Jede Religion hat Stärken und Schwächen, man sollte sich das jeweils Beste daraus holen. : Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? 36% 31% 31% 32% 25% 20% 25% 20% 18% 24% 25% 25% 26% 18% 23% 21% 25% 22% 24% 22% 1: stimme völlig zu 2: stimme eher zu 3: lehne eher ab 15% 15% 4: lehne völlig ab 10% 5% 0% bis

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16 Welche der folgenden Aussagen kommt Ihren Überzeugungen am nächsten? 80% 75% 70% 66% 66% 60% 55% 50% bis 29 40% 40% % 31% 29% % 10% 20% 16% 21% 17% 11% 10% 14% 3% 11% 5% 5% 5% 1% 0% Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat. Ich glaube, dass es irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht gibt. Ich weiß nicht richtig, was ich glauben soll. Ich glaube nicht, dass es einen Gott, irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht gibt.

17 Wie gut passt die Kirche Ihrer Meinung nach eigentlich in unsere Zeit? 60% 51% 50% 48% 47% 43% 40% 30% 20% 31% bis % 18% 7% 6% 11% 9% 0% Down 3 Werte TOP 3 Werte

18

19 Verbundenheit und religiöse Sozialisation - Bedeutung der Familie und der personalen Beziehungen

20 Jugendperspektiven Generationslagen in Deutschland Bezeichnung Heutiges Lebensalter Geburtsjahre Zeit der Jugendphase Skeptische Generation 75 bis 90 Jahre 1925 bis bis er Generation 60 bis 75 Jahre 1940 bis bis 1970 Babyboomer 45 bis 60 Jahre 1955 Bis bis 1985 Generation X 30 bis 45 Jahre 1970 bis bis 2000 Generation Y 15 bis 30 Jahre 1985 bis bis 2015 Generation? 0 bis 15 Jahre 2000 bis 2015 Ab 2015 OKR Quelle: K.Hurrelmannn, Die heimlichen Revolutionäre. 2014

21 4. Der Abriss im Westen über die Alterskohorten Die Verbundenheit der Altersgruppen, die in den 80ger und 90ger Jahren in Westdeutschland geboren wurden, ist deutlich geringer. Die Verbundenheit der viel kleineren Altersgruppen in Ostdeutschland ist vermutlich durch die stärkere Bekenntnisprägung in einer bedrängten Kirche begründet.

22 70,0 60,0 Welchen Familienstand haben Sie? 60,8 50,0 40,0 30,0 25,0 20,0 10,0 0,0 Ledig Verheiratet / eingetragene Lebenspartnerschaft mit (Ehe )Partner/ (Ehe )Partnerin zusammen lebend 1,1 Verheiratet / eingetragene Lebenspartnerschaft getrennt lebend 4,4 Geschieden 8,6 Verwitwet

23 25,0 23,7 Wie viele Kinder leben bei Ihnen im Haushalt? 20,0 15,0 10,0 12,2 Prozent 5,0 0,0 2,3 2,7,4,

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25 Soziale Beziehungen in der Familie Wer bereits durch Eltern und Familie wenig religiöse Prägung erfahren hat, wird diese auch seinen Kindern weniger weitergeben. Die Familie hat nach wie vor die höchste Bedeutung bei der religiösen Sozialisation. Und es geht um Bindungen!!

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27 Die Familie, besonders die Mütter, prägen die Einstellungen zu Glaube, Religion und Kirche der Kinder. Der Nahraum, der unmittelbare Beziehungsraum hat selbst bei Konfessionslosen eine Rolle gespielt für die religiöse Prägung. Aber auch die Mitarbeitenden der Kirche, vermutlich besonders die Pfarrerinnen und Pfarrer spielen eine große Rolle Personale Beziehungen sind zentral für die Bindungen an Kirche und Religion

28 Der Sinn des Lebens als Metapher für religiöser Kommunikation: Gebunden an personale Kommunikation und mit hoher Intimität bezüglich der Gesprächspartner und Orte versehen.

29 Verbundenheit und personale Beziehungen mit Pfarrer_innen und kirchlichen Mitarbeitenden

30 6. Pfarrerinnen und Pfarrer aber ebenso kirchliche Mitarbeitende: Bindung durch personale Beziehungen Die personalen Beziehungen zu Pfarrer/innen aber dann auch zu Mitarbeitenden sind der stärkste Anker für die Kirchenbindung. Selbst eine Bild, eine namentliche Kenntnis oder eine Vorstellung bindet noch mehr. Persönliche und direkte Beziehungen zu Menschen sind in einer zunehmend virtuellen Welt ein knappes Gut. Sie sind ein besonderes Gut kirchlichen Handelns.

31 50% Kennen Sie die Pfarrerin bzw. den Pfarrer der Kirchengemeinde, in der Sie wohnen?l 47% 45% 40% 35% 38% 37% 40% 34% 34% 30% 28% bis 29 25% 20% 19% 19% 19% 21% 16% 16% 25% 22% 24% 23% % 16% 10% 12% 10% 5% 0% ja, habe schon mit ihr/ihm gesprochen ja, kenne ihn/sie vom Sehen, aber nicht persönlich ja, kenne ich, aber nur dem Namen nach nein, kenne ich nicht

32 Es gibt in der Kirche noch viele andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit welchen hatten Sie im letzten Jahr Kontakt? Altersgruppen bis Religionslehrer 32% 24% 17% 2% 2% Seelsorger/in (z.b. im Krankenhaus, im Gefängnis, beim Militär) 4% 6% 8% 6% 9% Erzieher/in in der Kindertagesstätte der Kirche 19% 21% 6% 3% 3% Mitarbeiter/in in der Jugend-, Familien-, Seniorenarbeit, kirchliche Sozialarbeiter 17% 16% 19% 20% 22% Kirchenmusiker/in, Kantor 10% 11% 19% 17% 15% Sekretär/in im Kirchen- oder Gemeindebüro 16% 19% 19% 20% 24% Küster / Küsterin, Mesner 9% 11% 16% 18% 16%

33 Kontakte zu Mitarbeitenden in Abhängigkeit des Kontakts zum/r Pfarrer/in

34 Religiöse Kommunikation, Was sind für die Mitglieder religiöse Themen? Haben sich die Bedeutungen von gesellschaftlichen auf existentielle Themen verschoben? Ist das ein Zeitspiegel?

35 Gesellschaftliche Trends als Herausforderung für eine Kirche im religiösen und gesellschaftlichen Pluralismus?

36 So verändert sich aktuell die Gesellschaft -10 Trends Prekäre Beschäftigungsverhältnisse Erosion der klassischen Familienstrukturen Biografische Brüche Wachsende Wohlstandspolarisierung Welche Folgen haben diese Prozesse? Digitalisierung Entsolidarisierung und Eigenverantwortung Risikobewusstsein Neue Wertesynthesen Entideologisierung

37 40,0 35,0 Wie hoch ist das monatliche Netto Einkommen Ihres Haushalts? Ich meine dabei die Summe, die nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge übrigbleibt. 37,8 34,6 30,0 25,0 20,0 15,0 13,6 10,0 8,6 5,0 1,1 2,9 1,5 0,0 unter 500 Euro 500 bis unter Euro bis unter Euro bis unter Euro bis unter Euro 4000 Euro bis unter 5000 Euro Mehr als 5000 Euro

38 Frage: Wie oft sind sie zwischen verschiedenen Wohnorten umgezogen? Baden 30% 25% 45% Bayern 32% 43% 24% Berlin Brandenburg schlesische Oberlausitz 39% 33% 26% Hannover 27% 39% 33% Hessen und Nassau 33% 34% 33% Kurhessen Waldeck 18% 35% 47% Ev. Luth. Kirche in Norddeutschland 34% 24% 41% Rheinland 22% 40% 37% Westfalen 30% 37% 32% Württemberg 33% 42% 24% Sachsen 36% 37% 28% Mitteldeutschland 25% 43% 31% 0 mal 1 2mal mehr als 3 mal

39 Jugendperspektiven Generationslagen in Deutschland Bezeichnung Heutiges Lebensalter Geburtsjahre Zeit der Jugendphase Skeptische Generation 75 bis 90 Jahre 1925 bis bis er Generation 60 bis 75 Jahre 1940 bis bis 1970 Babyboomer 45 bis 60 Jahre 1955 Bis bis 1985 Generation X 30 bis 45 Jahre 1970 bis bis 2000 Generation Y 15 bis 30 Jahre 1985 bis bis 2015 Generation? 0 bis 15 Jahre 2000 bis 2015 Ab 2015 OKR Quelle: K.Hurrelmannn, Die heimlichen Revolutionäre. 2014

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41 Mit 16 Prozent sind nur wenige aller Arbeitnehmer bereit, sich freiwillig für die Ziele ihrer Firma einzusetzen. 67 Prozent der Deutschen machen nur "Dienst nach Vorschrift". Und der Anteil der Arbeitnehmer, die "innerlich gekündigt" haben, liegt bei 17 Prozent. Quelle: Gallup-Institut, Engagement Index 2013

42 Jugendperspektiven OKR

43 Die neue Lust auf Familie Streiflichter aus aktuellen Forschungsprojekten: Familie wird zur verlässlichsten Lebensversicherung in Krisenzeiten 90% der Bundesbürger und 86% der Jungen halten Familie für das Wichtigste im Leben Konsum oder Kind ist keine echte Alternative mehr In Zeiten, wo alles offen und unsicher ist, verstärkt sich die Suche nach Halt, Heim und Heimat Herkunftsfamilie bietet Orientierung und Sicherheit Die Generation Y hat nicht mehr die Abgrenzungsprobleme zu den Eltern wie die 68er Generation Die Generation Y benötigt ihre Eltern als wichtigste Verbündete im Angesicht von ungewissen Zukunftschancen Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gefragt Worklife Balance! Quellen: Horst Opaschowski, Stiftung für Zukunftsfragen, diverse Forschungsprojekte 16. Shell- Jugendstudie 2010 /2012 Klaus Hurrelmnan, Die heimlichen Revolutionäre - Wie die Generation Y unsere Welt verändert

44 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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