Erfahrungsbericht. Erasmus-Auslandsjahr an der Norwegian School of Economics and Business Administration (NHH) Bergen, Norwegen. August 2007-Juni 2008

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1 Erfahrungsbericht Erasmus-Auslandsjahr an der Norwegian School of Economics and Business Administration (NHH) Bergen, Norwegen August 2007-Juni 2008 Fjord vor Bergen Blick aus dem Zimmerfenster Johannes M. Uhde Peterstraße Würzburg

2 1. Allgemeines Nach einem persönlich wie fachlich äußerst bereicherndem Jahr in Norwegen möchte ich mit einem kleinen Bericht über meine Erfahrungen im hohen Norden dazu beitragen, weitere Würzburger Nordlichter zu motivieren, die Klischees von Kälte, Regen und teuren Preisen nicht zu schrecken! Ein Studienjahr in Norwegen war für mich die absolut beste Entscheidung und neben einer großen Anzahl an Freunden in aller Welt wird die Zeit dort oben für mich in bester Erinnerung bleiben. 1.1 Norwegen Norwegen ist mit 4,8 Mio Einwohnern das bevölkerungsärmste der skandinavischen Länder Nordeuropas, ist jedoch mit einem Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt von über US-Dollar eines der reichsten Länder der Welt und in allen BIP-Statistiken in den Top 10 zu finden. Unter anderem aufgrund reicher Erdölvorkommen hat das Land einen steilen industriellen Aufstieg von einer landwirtschaftlichen Prägung zu einer Industrienation hinter sich. Mit dem steigenden Reichtum ging ein hoher Lebensstandard einher, so wurde das Land über lange Jahre hinweg bis zuletzt von der UN im HDI-Index (berücksichtigend Kaufkraft, Lebenserwartung und Bildungsstand) als das Land mit der weltweit besten Lebensqualität bezeichnet. Die Bevölkerung des Landes ist mit 75% städtischer und 25% ländlicher Bevölkerung sehr ungleich verteilt, so leben die meisten Norweger in den Ballungsgebieten Oslo Bergen Trondheim - Stavanger. Der Norden ist auch aufgrund geographischer Begebenheiten sehr dünn besiedelt. Entgegen dem allgemeinen Trend in Europa steigt die Einwohnerzahl in Norwegen um ca Menschen pro Jahr. Neben einer der höchsten Geburtenraten Europas ist auch der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte und deren Familien für diese Entwicklung verantwortlich, welche wiederum durch eine günstige Situation des Arbeitsmarktes, i.e. eines gravierenden Arbeitskräftemangels, und der Wirtschaft im Land begünstigt wird. Lovatnet bei Stryn, Sogn og Fjordane, Februar 2008

3 Die in weiten Teilen naturbelassenen Landschaften Norwegens sowie die klimatischen Bedingungen sind sehr vielfältig: von Fjorden durchzogene Hochgebirge im mittleren Westen, Berge und Schärenlandschaften der Küste im Süden, weitläufige Hochebenen mit endlosen Wäldern im Osten an der Schwedischen Grenze sowie wild-unberührte Fjordlandschaften im Norden laden besonders Naturliebhaber aus aller Welt ein. So ist der Tourismus in Norwegen stark ausgeprägt und in manchen Teilen des Landes der Hauptwirtschaftszweig. Trotzdem achten die naturbewussten Norweger stark auf Ihre Umwelt und so bleiben die norwegischen Nationalparks trotz des Touristenbooms erhalten. Norwegen war lange Zeit dänisch besetzt, weshalb das von 85% der Bevölkerung gesprochene Bokmål der dänischen und schwedischen Sprache stark ähnelt und sich die meisten Norweger, Dänen und Schweden problemlos untereinander verständigen können. Zweite offizielle Amtssprache in Norwegen ist das Nynorsk eine künstliche Sprache, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Dialekten der norwegischen Bezirke gebildet wurde, um sich auch sprachlich von der dänischen Okkupation befreien zu können. Diese Sprache wird an den Schulen für alle Norweger verbindlich gelehrt, obwohl gerade einmal 15% der Bevölkerung diese Sprache auch wirklich spricht. Bedingt durch einen hohen allgemeinen Bildungsstand sind die Norweger fremdsprachlich sehr vielseitig, was unter anderem auch durch das norwegische Fernsehprogramm begünstigt wird, welches ausschließlich Filme in Originalsprache sendet. So ist die Kommunikation mit Norwegern meist auch ohne Kenntnis der norwegischen Sprache selbst in ländlichen Gebieten völlig problemlos: In meinem Jahr dort oben habe ich keinen einzigen Norweger getroffen, der nicht mindestens fließendes Englisch beherrschte und obendrein noch auf Deutsch kommunizieren konnte. Spanisch und Französisch sind ebenso verbreitet. Norweger stehen im Ruf, etwas verschlossen und unterkühlt zu sein dieses Klischee kann ich in keinem Fall bestätigen. Zeigt man etwas Interesse und geht auf die Menschen zu, gewinnt man schnell Freunde, die sehr herzlich, aufgeschlossen, interessiert und gastfreundlich sind. 1.2 Bergen Die alte Hansestadt Bergen ist heute mit Einwohnern die zweitgrößte Stadt Norwegens. Im Mittelalter eine der bedeutendsten Handelsstädte Nordeuropas, ist Norwegens wichtigste Hafenstadt heute hauptsächlich von der Öl- sowie der Maschinenbau-, Stahlerzeugungs-, Textil- und elektrotechnischen Industrie geprägt. Obwohl die Stadt ein wichtiges Wirtschaftszentrum des Landes ist, ist die Industrie im Stadtbild kaum zu sehen. Alte Gebäude, besonders im alten Hanseviertel Bryggen am Fährhafen der Kreuzfahrer und Fischkutter gelegen, prägen hier das Bild.

4 Bryggen das alte Hanseviertel am Nasjonaldagen 17. Mai Die weitläufigen Vorstädte Βergens ähneln durch Bausünden und wenig ansprechende Plattenbauten manchen Ostdeutschen Städten. Davon sieht man allerdings nur sehr wenig, da die Landschaft sehr bergig ist und die betreffenden Industrieviertel in den Tälern des südlichen Teils Bergens versteckt sind. In der Altstadt dominieren herrschaftliche Gebäude, während die Architektur der Wohnviertel den typisch skandinavischen Stil der farbenfrohen Holzhäuser aufweist. Ein reichhaltiges Kulturangebot, und das von feierwütigen Norwegern geprägte tolle Nachtleben machen die Stadt besonders für Studenten attraktiv, von denen es in Bergen sehr viele gibt: Die Universität Bergen, die NHH, die Kunsthochschule sowie die Hochschule Bergens ziehen aus dem ganzen Land und zunehmend aus ganz Europa viele Studenten an, die von sich aus viel zum jungen Flair der Stadt beitragen.

5 Bergen Blick vom Stoltzekleiven Bergen ist aufgrund von ca mm Niederschlag an 248 Regentagen im Jahr (2005) die regenreichste Großstadt Europas und besonders im Herbst ist regenfeste Kleidung die obligatorische Grundausstattung. Ich wusste das aber vorher und hatte das eigentlich schlimmer erwartet... der Stadtrekord von 100 Tagen Dauerregen wurde in meinem Jahr um Längen verfehlt. Die längste Regenperiode war im Herbst eine Woche Regen. Ansonsten gab es höchstens mal ein paar heftige Schauer und die Sonne war wieder da. Im Herbst gelegentlich im Frühjahr häufig und im Frühsommer meines Studienjahres durchgehend für ganze zwei Monate - gibt es auch hier wolkenlose Sonnentage, an denen Bergen in meinen Augen eine der schönsten Großstädte Europas ist. Bergens umliegenden 7 Berge, die bis 650 Meter ü.nn reichen, laden Naturfreunde zu ausgiebigen Bergtouren ein im Sommer sind der Fjord vor Bergen und die unzähligen Bergseen beliebte Ziele der Studenten, die dort nachmittags vom harten Uni-Alltag ausspannen und mit Grill- und Schwimmeinlagen die durch die Nordlage extrem langen Tage ausklingen lassen. Die Stadt wird durch Ihre Lage auch als "Tor zu den Fjorden" bezeichnet - man findet im Umkreis von 80 km die vielleicht gewaltigsten Landschaften in Norwegen, die von Bergen aus sehr schnell und gut erreichbar sind und sich dadurch zu Tagestouren anbieten.

6 1.3 Die NHH Die Norwegian School of Economics and Business Administration oder Norges Handelshoyskole NHH ist eine von zwei Business Schools in Norwegen. Neben der privaten BI in Oslo wird sie in Norwegen als die beste öffentliche Wirtschaftsuniversität betrachtet, und pflegt durch eine sehr restriktive Aufnahmepolitik Ihren Ruf einer Eliteinstitution. Sämtliche Studenten der Wirtschaftswissenschaften in Norwegen bewerben sich an dieser Uni, um dort studieren zu können, und brauchen exzellente Noten, um aufgenommen zu werden. Die NHH Die Uni selbst ist auch aufgrund zahlreicher Kooperationen mit den größten Konzernen Norwegens und der Internationalen Wirtschaft fantastisch ausgestattet. Eine hohe Anzahl an Lehrkräften ist sehr serviceorientiert und ständig für die insgesamt ca Studenten da, was sich unter anderem im vollständigen Fehlen von Sprechstundenzeiten zeigt. Falls Fragen auftreten, können Studenten jederzeit die Büroräume aufsuchen und erhalten dort Hilfe. Der Umgang mit den Professoren ist viel weniger formal als in Deutschland, da sich in Norwegen alle Menschen gegenseitig mit Vornamen ansprechen und die Professoren einen sehr persönlichen Umgang mit den Studenten pflegen, was sich zum Teil in gemeinsamen Diners mit Kursteilnehmern etc. zeigt. Die Ausstattung der Universität ist sehr modern und besonders im Bereich IT auf dem absolut neuesten Stand. Eine große Anzahl an Study Rooms und Computerräumen sind für Studenten mit einer individuellen Codekarte 24 Stunden an sieben Tagen der Woche zugänglich, was besonders vor Prüfungen intensiv genutzt wird. Auch im Bereich Research ist die NHH sehr gut aufgestellt, was sich in einer großen Anzahl an internationalen Veröffentlichungen in renommierten Journals zeigt. PhD-Programme werden

7 auch finanziell stark unterstützt, weshalb viele internationale Studenten an der NHH promovieren und forschen. An der NHH studieren sehr viele ausländische Studenten, weshalb das Umfeld und auch das Studentenleben sehr international ist. Dazu trägt auch ein sehr großes Austauschnetz der NHH bei, das fast allen Studenten ein Auslandssemester ermöglicht. Im Gegenzug kommen jedes Semester daher sehr viele Austauschstudenten nach Bergen im Herbstsemester 2008/2009 haben ca 190 Austauschstudenten ihre Zeit in Bergen begonnen, was eine tolle Atmosphäre schafft. Im englischsprachigen IB-Kursprogramm sind dabei die meisten Internationals zu finden. Um die Internationals kümmert man sich ganz rührend, im International Office der NHH arbeiten mehrere Leute, die sich eigentlich nur um das Wohlergehen der Austauschstudenten kümmern - mich hat der Service, der da geboten wird, wirklich überrascht. Das ist man aus Deutschland nicht gewohnt - man kann mit wirklich allem, was einem Probleme bereitet, dort hingehen und die kümmern sich darum (u.a. Probleme mit Miete, Kursen & Anmeldungsfristen...) bzw. beraten ausführlich. Das International Committee ist daneben eine Gruppe aus norwegischen Studenten, die u.a. die "Welcome Week" (ganzwöchige Einführungs-Partywoche) und verschiedene andere Aktivitäten für die Internationals organisieren und dadurch stark zum Netzwerken unter den Studenten beitragen. Die zahlreichen Studentengruppen werden finanziell gut gefördert und haben eigene Räumlichkeiten im Zentrum für ausserstudientechnische Angelegenheiten dem Keller der NHH. Dort befinden sich zahlreiche Bars, Clubs etc., die jede Woche ein Zentrum für studentische Parties darstellen und gut besucht sind. Februar 2008 Bierstuben-Fest der Studentengruppe Direksjonsmusikken

8 Die Universität wird jede Woche von ca. zwei Großunternehmen besucht, die mit Präsentationen und anschließendem kostenlosem Dinner Studenten anwerben wollen. Wenn man sich für Praktika etc. interessiert, ergibt das hervorragende Gelegenheiten (am besten englischen Lebenslauf und Zeugnisse bereits vorbereiten und mitbringen), da man direkt mit den Personalern sprechen kann. Die NHH ist auf mehrere Gebäude verteilt, die aufgrund der Hanglage einige Höhenmeter trennen. Der Campus liegt ca. 5 Kilometer ausserhalb der Innenstadt und ist mit Bus, aber auch zu Fuß gut erreichbar. Der Fußweg in die Innenstadt beträgt ca. 40 Minuten. Bergen die Innenstadt. Fotografiert aus dem Küchenfenster, März 2008 Blick vom Sandviksfjellet auf die NHH und Hatleberg

9 2. Studieren an der NHH 2.1 Bewerbung Warum Bergen? Ich wollte für mein Auslandsstudium am liebsten irgendwo nach Skandinavien (Länder und Leute kannte ich schon ganz gut durch zahlreiche Urlaube etc und gefiel mir persönlich seit jeher sehr gut). Optionen waren dabei für mich in vorderster Linie Uppsala und Umea, was ich ernsthaft überlegt und worüber ich mich auch mit Herrn Fehr unterhalten hatte. Da ich Volkswirt bin, kamen leider nicht alle Unis in Frage, wobei mich persönlich besonders Bangkog sehr gereizt hätte. Zwei weitere Alternativen waren weiterhin im Gespräch die Uni in Barcelona und die NHH in Bergen. Letztere war dabei ein ganz neuer Kontakt und ich war der erste Würzburger, der letztendlich dort hingeschickt wurde. Diese Option schien mir nach einiger Überlegung die beste, ich habe mich dann mit den üblichen Erasmus-Unterlagen darauf beworben und bin völlig unkompliziert angenommen worden. Nach der offiziellen Nominierung durch Herrn Fehr hat die NHH mich akzeptiert und das Bergener International Office hat sich um alles Weitere gekümmert. Die Informationslage war leider ex ante etwas dürftig, da die offizielle Internetseite der NHH (www.nhh.no) sehr unübersichtlich ist und es sich als schwierig darstellt, genaue Informationen über Kurse etc zu erhalten. Diese Informationen erhielt ich dann Ende April. Den ersten Kontakt bzw. die erste Bestätigung, dass die NHH von mir wusste, erhielt ich in Form einer Riesenmail vom Bergener International Office. Dort gab es viele Informationen und einige Formulare, die man ausfüllen und zurückschicken sollte. Die Absenderin, Norunn J. Økland arbeitet für das International Office an der NHH und ist zuständig für alle ankommenden Exchanges. Bei dringenden Fragen sollte man Ihr eine hinschicken oder besser noch anrufen, weil sie bei ca. 190 Exchanges in jedem Semester viel zu tun hat. Infos, Telefonnummern und Adressen gibt es hier: Kurz später erhielt ich Informationsmaterial von der NHH. Darunter befinden sich ein arrival und survival guide, der die NHH, Bergen und Norwegen aus studentischer Sicht beschreibt und Informationen über das öffentliche Verkehrssystem, Kneipen, Restaurants, Supermärkte und Sportstätten liefert. Weiterhin ist eine Information über das Kursprogramm in den Unterlagen. Ein wichtiges Dokument, das man unbedingt bald zurückschicken sollte, ist die Vormerkung für ein Zimmer im universitätseigenen Studentenwohnheim Hatleberg. Bei fristgerechter Rücksendung ist ein Zimmer dort garantiert, wenn man Austauschstudent ist. Ein Formular war etwas missverständlich: Im Info-Package bekam ich ein Document, was mich aufforderte, "sufficient funds" für ein Auslandssemester nachzuweisen, i.e. ca Kronen auf ein Treuhandkonto des dortigen Studentenwerks SIB zu überweisen. Als

10 Deutscher/EU-Bürger brauchte ich das aber nicht zu tun, da diese Aufforderung nur für NichtEU-Länder gilt, weshalb ich das einfach ignorieren konnte. 2.2 Anreise Der Bergen Flesland International Airport ist ein kleinerer Flughafen, der Bergen aber problemlos von überall her erreichen lässt. Über Oslo oder Amsterdam fliegt SAS Skandinavian bzw. KLM den Bergener Flughafen an, die Billigfluglinie Norwegian Airlines bietet sehr günstige Direktflüge nach Berlin bzw. München an. Bei der Flugbuchung sollte man frühzeitig buchen und Preise vergleichen, da diese unter den Fluglinien doch relativ stark schwanken können. Mit einem Gepäcklimit von 20 kg und 8 kg Handgepäck ist man in Bergen stark unterversorgt, weshalb man weitere Koffer etc. auch per DHL schicken kann. Mit dem Auto lässt sich Norwegen über Dänemark per Expressfähre bzw. über Dänemark und Schweden per Brücke erreichen. Dies ist jedoch sehr viel zeitaufwändiger und kostenintensiver, da die Kraftstoffe in Skandinavien trotz der eigenen Ölreserven sehr viel teurer sind als in Deutschland. Vorteile dieser Anreise sind jedoch das sehr viel höhere Gepäckvolumen und eine deutlich höhere Mobilität in Bergen mit dem eigenen Auto lassen sich schnell Tagestrips in die Fjordgebiete oder Skiausflüge im Winter unternehmen.

11 2.3 Wohnen Etwa 150 Meter Luftlinie trennt das Studentenwohnheim Hatleberg von der NHH im Alltag sind das etwa 7 Minuten Hin- und 15 Minuten Rückweg, da etwa 50 Höhenmeter auf zahlreichen Treppen überwunden werden müssen. Das Wohnheim besteht aus sechs Blocks, sämtlich im Plattenbaustil der 70er Jahre gehalten und abhängig vom Block in unterschiedlicher Preisklasse und Zustand. Etwa die Hälfte der Zimmer und alle Gemeinschaftsküchen haben in fast allen Blocks einen wunderbaren Blick auf den Fjord, der spektakuläre Aussichten auf Sonnenauf- und Untergänge bietet. Hatleberg Blick aus dem Wohnheimszimmer, F-Block Hatleberg D/E-Block fotografiert von der Fjordseite

12 Im großen Gemeinschaftsbereich für alle Blocks befindet sich ein Fitnessraum, ein Fernsehraum mit Beamer und Surroundsound, eine Study Hall sowie ein Spielbereich mit Pokertable, Billard und Tischtennisplatte. Gegen eine geringe Jahresgebühr können im Büro der Tenants Union Sportgeräte, Brettspiele und DVD s ausgeliehen werden. SIB, das norwegische Studentenwerk, welches alle Wohnheime in Bergen unterhält, betreibt auch eine große Sporthalle mit Kletteranlage, Fitnesszentrum, Sauna, Squash-Plätzen direkt neben der NHH. Gegen eine Semestergebühr von ca. 100 Euro kann dieses genauso wie ein weiteres, größeres Zentrum mit Hallenbad im Zentrum Bergens unbegrenzt genutzt werden. In ganz Hatleberg ist ein Breitband-Internetzugang in der Miete enthalten. Der Zugang erfolgt über ein Netzwerkkabel innerhalb der Zimmer (am besten aus Deutschland mitbringen!) bzw. über ein WLAN-Netz in designierten Bereichen. Wohnheimszimmer in Hatleberg F-Block Der F-Block ist der neueste Block Hatlebergs mit moderneren und größeren Zimmern, allerdings teilen sich jeweils zwei Zimmernachbarn ein Badezimmer. In allen anderen Blocks hat jedes Zimmer ein eigenes Bad. 6 Personen teilen sich jeweils eine große Küche, in der man immer Gesellschaft hat und wo sehr viele große Parties abgehalten werden. Der Zusammenhalt unter den Nachbarn auf einem Flur ist in meinem Studienjahr sehr hoch gewesen und das Zusammenleben in Hatleberg war absolut fantastisch! Der Zustand des Wohnheims im Allgemeinen ist nicht besonders modern und teilweise auch etwas marode, allerdings werden einzelne Blocks momentan renoviert und auf den neuesten Stand gebracht. Falls man mit einem Platz im Wohnheim (Hatleberg: zufrieden ist, muss man sich um nichts kümmern - zusammen mit dem Info-Package, das ich per bekam, erhielt ich den Mietvertrag von

13 SIB, den ich ganz einfach unterschrieben und zurückgeschickt habe. Als Erasmus-Studenten hat man einen Wohnheimsplatz garantiert, was die Wohnungssuche völlig problemlos macht. Falls man allerdings etwas wie eine WG sucht (einige Leute haben das gemacht, da erstens die Mieten nicht viel teurer sind und man dadurch sehr viel mehr mit Norwegern in Kontakt kommt) muss man sich selbst drum kümmern, was sehr zeitaufwändig sein kann und etwas schwierig, wenn man selbst nicht in Bergen ist. Die offiziellen Hatleberg-Mieten auf der Website sind allerdings stark unterschiedlich, je nachdem in welchem Block man untergebracht ist. Der F-Block ist der teuerste und mit ca Kronen Miete im Monat (etwa 400 Euro) doch recht happig. Andere Blöcke werden zu ca 2700 Kronen im Monat und weniger vermietet. 2.4 Die ersten Tage - Welcome Week Die Welcome Week solltet Ihr auf keinen Fall verpassen. Sämtliche Austauschstudenten werden in Mentorgruppen eingeteilt ca. 10 Studenten werden dabei von 3-4 Mentoren betreut, die schon länger in Bergen studieren und dadurch mit Erfahrung, Rat und Tat bei allem Problemen zur Seite stehen können, aber auch eine gute Einführung in die Partybräuche der Studenten in Norwegen bieten. In meinem Fall bin ich einen Tag vor dem Start der WW angereist, bin aber im Nachhinein froh dass ich rechtzeitig da war - man lernt sehr viele Leute und fast alle anderen Austauschstudenten kennen und bekommt wertvolle Tips und Infos über das Studentenleben hier oben. Bei der zweiten Welcome Week im Frühlingssemester 2008 war ich dann Mentor und bei der Organisation beteiligt. Durch die Teilnahme spart man sich alle Behördengänge, da extra für die Welcome Week die einzelnen Behörden Vertreter an die NHH schicken, wo innerhalb des Tagesprogramms alle wichtigen Formalitäten erledigt werden können. Dafür würde ich ausserdem empfehlen, bereits in Deutschland Passbilder anfertigen zu lassen, die man da benötigt in Bergen selbst sind diese um einiges teurer als in Deutschland. Nicht zuletzt ist die gesamte Woche aber eine einzige Party! Eine gewisse Trinkfestigkeit ist da absolut zu empfehlen, da das Programm einer ganzen Woche doch sehr schlaucht. Die Woche schweißt alle Austauschstudenten zu einer großen Familie zusammen und die Atmosphäre ist fantastisch. Das Programm wird vom International Commitee in Zusammenarbeit mit dem International Office ausgerichtet und hat ein straff durchorganisiertes Tages- und Nachtprogramm mit zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Programmpunkten. Strapazierfähige Kleidung sowie Kleidung für offiziellere Anlässe sollten im Koffer für den gesamten Aufenthalt in Bergen nicht fehlen.

14 2.5 Studentenleben Das Studentenleben in Bergen zeigt sich äusserst vielseitig. Wohnen in Hatleberg ist ein besonderes Feeling alle Austauschstudenten wohnen auf einem Haufen und es ist immer was los! In der großen Community in Hatleberg wird viel zusammen unternommen unter der Woche und am Wochenende wurden regelmäßig die Clubs der Innenstadt unsicher gemacht, die für die unterschiedlichen Musikgeschmäcker einiges zu bieten haben. Preparties wurden dabei in unterschiedlichen Küchen ausgerichtet, wo nach dem Stadtgang auch in die frühen Morgenstunden weitergefeiert wurde. Ein weiterer Anlaufpunkt für alle feierwilligen Studenten war regelmäßig das Kellergeschoss der NHH, wo viele Norwegische Studenten extrem stark feiern. Trotz der gehobenen Alkoholpreise konsumieren die Norweger gewaltige Mengen davon, weshalb man selbst eine gewisse Trinkfestigkeit aufweisen sollte, wenn man mit ihnen feiert. In Hatleberg selbst wurden dann auch regelmäßig Geburtstage gefeiert und nationale Dinners ausgerichtet, jedes Ereignis mit einer großen Menge an Austauschstudenten, was den Zusammenhalt untereinander über das ganze Jahr hinweg immer enger werden ließ. Berührungspunkte mit Norwegern ergaben sich hauptsächlich in den Studentengruppen, in Hatleberg, beim UniSport sowie bei den häufigen Besuchen des Bergener Nachtlebens. Norweger lieben die Natur und sind meist sehr sportlich, so war ich oft mit einigen Norwegern zusammen in den Bergen unterwegs, was besonders im Sommer ein Erlebnis ist. Meist sind auch unter den Internationals naturbegeisterte Kollegen, weshalb man nie alleine unterwegs ist, wenn man die Natur um Bergen herum unsicher machen will. Bergen ist dafür wie geschaffen: Man läuft hier 10 Minuten und schon ist man mitten in den Bergen, wo man ohne Probleme große Touren unternehmen kann.

15 Blick von den Byfjellene den Stadtbergen Bergen selbst ist von der geographischen Lage in der Mitte Norwegens ideal, um auch mehrtägige Touren zu unternehmen. Da es unter den Internationals meistens immer Leute gibt, die da auch Interesse haben, haben wir tolle Touren gemacht... wir waren unter anderem mehrmals in Fjordnorwegen, beim Riverboarden (eine Extremsportart im Wildwasserfluss), in Stavanger auf dem Kjeragbolten und dem Preikestolen und im Norden Norwegens. Für diese Art Touren ist das Frühlingssemester ideal, da das Wetter im Allgemeinen viel besser ist als im Herbst. Im Frühsommer meines Auslandsjahres war während zwei durchgehenden Sonnenmonaten der Fjord und die Bergseen soweit aufgeheizt, dass man problemlos schwimmen konnte was die Community zu zahlreichen Grillabenden am Felsenstrand verführt hat. Die unglaublichen Schneemassen im verschneiten Gebirge Fjordnorwegens sind im Winter absolut sehenswert, allerdings sollte man da auf die Schneefestigkeit des Autos achten. Im Winter bieten sich ausserdem Touren nach Mittelnorwegen in die Skigebiete um Voss an, die unter den Internationals sehr beliebt waren.

16 Fjord bei Stryn Sogn og Fjordane, Februar 2008 Neben eigener Initiative für Touren kann man sich auch getrost an die zahlreichen organisierten Aktionen des International Comittee halten. Diese reichen von organisierten Parties über Wochenendtrips nach Cramboden der unieigenen Berghütte (und der damit verbundenen Wahnsinnsparty) über gecharterten Fjordkreuzfahrten bis zu Kooperationen mit anderen skandinavischen Universitäten, bei denen Reisen u.a. nach Finnland, Estland und Russland organisiert wurden. Für alle Arten von Touren ist es in jedem Fall empfehlenswert, neben regenfester Kleidung und festen Wanderschuhen einen Schlafsack nach Bergen mitzubringen! 2.6 Kurse Die Vorlesungen für Austauschstudenten sind Teil des von der NHH angebotenen, in englischer Sprache unterrichteten IB- Programms, zu dessen Abschluss ein Master verliehen wird. Den Stundenplan kann man nach Belieben zusammenstellen. Grundsätzlich können auch Kurse aus dem regulären Programm der NHH besucht werden, die Unterrichtssprache ist dann allerdings Norwegisch. Ich war in meinem Studienjahr der erste Austauschstudent aus Würzburg und war deshalb bezüglich Kursen und Anrechnung ein Pionier. Vor meiner Abfahrt nach Norwegen im

17 Sommer war ich in Würzburg bei vielen Lehrstühlen vorstellig geworden und hatte angefragt, ob verschiedene Scheine anerkannt werden können. Grundsätzlich ist zu sagen, dass es im International-Business-Profile (voll Englischsprachig), recht viele Kurse gibt, die allerdings etwas BWL-lastig sind. Daher hatte ich als Volkswirt nicht so wirklich viel Auswahl, allerdings sind die Kurse, die für VWLer interessant sind, ziemlich gut. Insgesamt würde sich die Kursübersicht wahrscheinlich eher für Betriebswirte (besonders mit PO/Marketing- Hintergrund, da es hier die meisten Kurse davon gibt) eignen, da die meisten VWL-Kurse auf Norwegisch gehalten werden. Ich habe im Herbstsemester folgende Kurse besucht: Competitive Strategy (anerkannt von Prof. Schulz als AVWL), Corporate Finance (anerkannt als AVWL I/F 2 von Prof. Wenger), Advanced Econometrics - Topics in Empirical Analysis (anerkannt von Prof. Kukuk im Schwerpunkt Ökonometrie als Finanzmarktökonometrie oder Methoden der Ökonometrie), Norwegisch 1, und Norwegisch Intermediate. Letztere Beiden sind dabei nicht anerkennbar. Ich hätte ausserdem noch International Organization and Management anwählen können (ging bei mir aus Überschneidungsgründen nicht), das wäre mir entweder als ABWL bei Prof. Meyer, als vierte Leistung im P/O Schwerpunkt oder als ABWL P/O angerechnet worden, das könnte man sich je nach eigenen Präferenzen wohl aussuchen. Im zweiten Frühlingssemester habe ich folgende Kurse angewählt: Time Series Analysis (Anrechnung von Prof. Kopf als SVWL Zeitreihenanalyse), Globalisation & Integration (Anrechnung von Prof. Bauer als SVWL IWB oder evtl. Prof. Berthold als AVWL Europäische Integration, noch in Verhandlung), Management Control (Anrechnung von Prof. Bogaschewski als ABWL Controlling), Norwegisch III (keine Anrechnung) und Economic History (keine Anrechnung). Es gibt auch besonders im Marketing-/P&O-/Finance-Bereich eine große Menge an weiteren Kursen, die mit Sicherheit nach Absprache in Würzburg anrechenbar wären. Insgesamt sind die Kurse in meinen Augen im Vergleich zu Würzburg unter dem Semester recht arbeitsintensiv (Viel Gruppenarbeit, Assignments, Case Studies und Präsentationen, abhänging vom angewählten Kurs), aber die meist vierstündigen Klausuren sind dann dadurch auch leichter zu bestehen. Da in den sehr langen Klausuren meist alles abgefragt wird, was an Stoff in der Vorlesung behandelt wurde, kann man sich darauf einstellen und das Bestehen ist demnach kein Problem (von A-F braucht man mindestens ein E ), zumindest ein D ist selbst bei geringem Lernaufwand schaffbar. Ein A zu erzielen ist trotzdem ziemlich schwer, da diese Note sehr selten vergeben wird. Ein Kollege, der ebenfalls ein Jahr in Bergen war, hat sich nebenbei auch noch den Master in International Business mitgenommen. Insgesamt 12 Scheine sind notwendig und eine Masterthesis, wovon vier Kurse Pflichtprogramm und der Rest Wahlprogramm darstellt. Sechs Scheine pro Semester sind mit ein bisschen Aufwand auch ohne Probleme zu schaffen. Wenn man ein Jahr hier war, wird man dann in der Regel auch ohne GEMAT-Test im MIB- Programm aufgenommen und kann sich alle Scheine anrechnen lassen, die man im Exchange- Jahr hier geschrieben hat. Hier ist eine Übersicht über alle Kurse aus dem IB-Profile:

18 (studieh%c3%a5ndboken)/studieh%c3%a5ndboken.aspx?emnekomb=1&studie=ib Die meisten Kurse werden in kleinerem Rahmen abgehalten. Kurse werden teilweise von weniger als 15 Studenten besucht, in VWL-Fächern bzw. Ökonometrie-Kursen waren wir zum Teil sogar nur drei Studenten. Vor diesem Hintergrund war die Betreuung und Arbeitsatmosphäre besonders in diesen Kursen fantastisch. Die meisten BWL-Vorlesungen sind sehr praxisorientiert, regelmäßig halten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft Gastvorlesungen. Zu jedem Kurs existiert ein umfangreicher Syllabus mit Kernliteratur, die vorausgesetzt wird. Da Bücher und Skriptsammlungen selbst im subventionierten Unieigenen Buchhandel studia sehr teuer sind, kursieren oft gebrauchte Materialien unter den Austauschstudenten, was sich bei Bücherpreisen von bis zu 80 Euro und mehr durchaus lohnen kann. Die Anmeldung zu den Kursen erfolgt über ein webbasiertes System und ist unverbindlich man kann sich von einem Kurs und der damit verbundenen Klausur jederzeit wieder abmelden. 2.7 Lebenshaltungskosten Nach Island ist Norwegen das teuerste Land der Welt. Vom allgemeinen Preisniveau hier war ich trotz Vorwarnung dann doch etwas geschockt, als ich hier ankam. Generell zahlt man hier für ziemlich alles und dann auch noch viel - man kann ohne Probleme sagen, dass die meisten Dinge hier 150 bis 200% so teuer sind wie bei uns. Der norwegische Staat greift sehr gern erzieherisch in die Konsumpräferenzen seiner Bürger ein und besteuert Lebensmittel und Genusswaren mit unterschiedlichen Sätzen. Als Ergebnis sind Süßigkeiten und Fleisch überproportional teuer - wenn es an Alkoholica geht, grenzt das Preisniveau dank eines zusätzlichen staatlichen Verkaufsmonopols an Wucher. Trotzdem gewöhnt man sich an ziemlich alles nach einer gewissen Zeit und dann kommt einem Deutschland im Vergleich sehr günstig vor. Ein paar Zahlen zum Vergleich: Studentenwohnheimszimmer Hatleberg 400 Euro (Blockabhängig ca Euro weniger). Für die Lebenshaltung rechnet man das Niveau aus Deutschland * 2, Party und Freizeit ist exorbitant teurer. Grundsätzlich zahlt man für ein Bier im Club um die 60 Kronen, was ca 7,50 Euro sind. Alles in allem also doch sehr teuer, da sollte man sich keine Illusionen machen. Selbst Essen in der Mensa ist sehr teuer weshalb die meisten norwegischen Studenten auch von daheim ihr Mittagessen mitnehmen. Die Studenten in Norwegen haben sich allgemein gut an die Preislage angepasst und so fällt der Preisunterschied nicht so ins Gewicht, wie er das normalerweise würde. Auch bedingt duch kurze Öffnungszeiten der Clubs (bis 3 Uhr geöffnet) finden ein Großteil des Nachtlebens auf den Pre- bzw. Afterparties statt, die dann um einiges weniger in die Brieftasche greifen. Touren durch verschiedene Supermärkte nutzen Preisunterschiede aus und lassen so ebenfalls Geld sparen. In meinem Jahr dort oben benötigte ich im Allgemeinen ca 750 Euro im Monat, ohne meinen Lebensstil im Vergleich zu Würzburg übermäßig umzustellen.

19 3. Fazit und Kontakt Von hohen Preisen und schlechtem Wetter würde ich mich aber von einem Studienjahr oder Semester in Norwegen absolut nicht abhalten lassen nach Bergen zu kommen war eine der besten Entscheidungen die ich je getroffen habe und mir hat das Jahr persönlich wie fachlich sehr viel bedeutet. Norwegen ist anders als die meisten typischen Studienländer und Land und Leute wachsen einem schnell ans Herz. Ich habe durch den engen Zusammenhalt der Internationals eine Menge neuer Freunde aus der ganzen Welt gewonnen und mit ihnen eine unglaubliche Zeit verbringen können. Ich kann jedem Würzburger Studenten nur empfehlen, einmal über den Tellerrand zu schauen und es zu wagen, einige Zeit im Ausland zu studieren die Erfahrung stellt eine enorme persönliche und fachliche Bereicherung dar. Bergen sollte in jedem Fall eine Überlegung wert sein, selbst wenn der spanische Strand ruft... es lohnt sich!! Bei Fragen aller Art stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Johannes M. Uhde Peterstraße Würzburg

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2. Anreise / Visum (Flug, Bahn) Persönliche Angaben Name, Vorname: Stöhr, Helen. Helen.stoehr@web.de Lund University Gastland: Gastuniversität: Persönliche Angaben Name, Vorname: Studiengang an der FAU: E-Mail: Gastuniversität: Stöhr, Helen Sozialökonomik Helen.stoehr@web.de Lund University Gastland: Schweden Studiengang an der Gastuniversität:

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