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1 Seite 1 Sehr geehrte Frau Smentek, sehr geehrte Frau von der Bey, sehr geehrte Frau Ahlers, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich hier in den Räumen der Weiberwirtschaft! An einem Ort, wo Frauen auf ihre Art wirtschaften und Wirtschaft gestalten: mit ihren eigenen Ideen zu ihren eigenen Bedingungen und mit ihren besonderen Stärken und Qualifikationen Ich freue mich, dass in den letzten Jahren zahlreiche Frauengewerbe- und Gründerinnenzentren in Deutschland entstanden sind. Das heute vorgestellte Handbuch für die erfolgreiche Konzeption und Realisierung von Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentren bringt diese Entwicklung voran und gibt ihr zugleich auch neue Impulse: Es erfüllt eine bedeutende Funktion, weil es Frauen als wirtschaftliche Akteurinnen sichtbar macht, weil es Kompetenzen bündelt und praxisorientierte Beratung und Anleitung für den Aufbau und die Arbeit von Frauengewerbezentren bietet. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Entwicklung dieses Handbuches gefördert mit dem Ziel, die strukturelle Benachteiligung von Gründerinnen im Vergleich zu Gründern zu mindern.

2 Seite 2 Außerdem ist dieser Austausch, die Bündelung von Erfahrungen von Frauen für Frauen, die beste Unterstützung, die sich Unternehmerinnen gegenseitig geben können. Unternehmensgründungen sind heute ganz entscheidend für die Vitalität und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Deshalb liegt es auf der Hand, dass wir die Rahmenbedingungen verbessern müssen, damit sich mehr Frauen mit ihren Geschäftsideen und ihrem Potenzial aktiv in das Wirtschaftsleben einbringen. Die Stärkung des Mittelstandes als ein wesentliches Ziel der Agenda 2010, muss sich auch positiv auf die Situation von Existenzgründerinnen auswirken. Mit der Offensive pro mittelstand haben wir klare genderspezifische Aspekte und Zielsetzungen verbunden: Hierzu gehören eine intensivere Nutzung von Netzwerken, eine bessere Verknüpfung von Beratung und Qualifizierung sowie nicht zuletzt der verbesserte Zugang zu Kapital für Gründerinnen. Ich kenne aus meinem Wahlkreis das Problem von Gründerinnen, Kleinkredite bewilligt zu bekommen! Die Banken gewähren Männern lieber Millionenbeträge weil sie scheinbar als Mann schon eine Garantie an sich sind statt solide Konzepte von Frauen mit einem Kreditbedarf von zu unterstützen. Wohin das Verhältnis Bank Mann führen kann, haben wir z. B. bei Herrn Schneider in Leipzig erlebt!

3 Seite 3 Die große Stabilität der Unternehmen, die in Gründerinnenzentren entstanden sind, zeigt eben ganz deutlich: Frauen wirtschaften anders als Männer: sie fangen häufig kleiner an, mit gut durchdachten Konzepten, übernehmen sich nicht so schnell, bauen ihr Unternehmen langsamer auf und haben in der Regel sehr großen Erfolg mit dieser Strategie. In den vergangenen zehn Jahren haben Frauen in punkto Selbständigkeit aufgeholt: allein in den Neuen Bundesländern hat sich ihre Zahl seit 1991 verdoppelt. Dennoch muss man sagen, dass dies insgesamt auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau geschehen ist. Die vorhandenen Ressourcen sind also bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Nach wie vor ist der Anteil der Selbstständigen unter den erwerbstätigen Frauen mit 6% nur halb so hoch wie bei den Männern. Und das, obwohl Frauen mit rund 45% heute immerhin fast die Hälfte der Erwerbstätigen stellen. Um hier einen positiven Trend anzustoßen und Frauen den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern, fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung den Aufbau und die Arbeit einer bundesweiten Gründerinnenagentur (bga) ich kann auch sagen: ein Netzwerk der Ministerien für ein Netzwerk der Gründerinnen! Unternehmerinnen und zukünftige Gründerinnen können sich über ein eigenes Gründerinnenportal bei der Agentur

4 Seite 4 gezielt über Maßnahmen, Aktivitäten und Qualifizierungsangebote informieren. Ziel ist es, diese Agentur bundesweit zu einer Dienstleistungseinrichtung auszubauen, die Frauen in allen Branchen und allen Phasen der Gründung berät und unterstützt. Dazu gehört auch die Vernetzung aller am Gründungsgeschehen beteiligten Stellen: sie sollen durch mehr Austausch und mehr Transparenz Frauen den Weg in die berufliche Selbständigkeit erleichtern. Zahlreiche Studien belegen, dass der Erfolg eines Unternehmens in erster Linie von einer guten Beratung abhängt. Das zeigen auch die Erfahrungen des Mentoring- Projektes der Käte-Ahlmann-Stiftung: versierte Unternehmerinnen unterstützen in diesem Programm junge Frauen, die mit ihrem Unternehmen wachsen wollen und erst maximal drei Jahre selbständig sind. Unser Haus fördert derzeit die Ausweitung dieses Projektes auf das gesamte Bundesgebiet, damit auf der Basis der gesammelten Erfahrungen neue Kooperationen mit Wirtschaftsfördereinrichtungen, Kammern und Verbänden entstehen. Startnachteile von Gründerinnen zeigen sich insbesondere in den enormen Hürden beim Kapitalzugang für Frauen mit Familienpflichten. Das kann nicht hingenommen werden! Ausgerechnet die Frauen, die Doppeltes leisten: in ihrem geplanten Unternehmen und im Unternehmen Familie, brauchen die Unterstützung von Politik und Gesellschaft! Das Grundgesetz schreibt das in Artikel 3 und Artikel 6 eindeutig fest. Das Problem ist vor allem

5 Seite 5 auch ein gesellschaftliches oder noch deutlicher: Frauen, die Existenzgründerinnen werden wollen und Kinder haben, stellen Männer besonders in Frage, sie stellen damit die Machtfrage. Damit diese Machtfrage anders beantwortet wird, haben wir für Gründungswillige ein umfangreiches Förderinstrumentarium geschaffen: Im Jahr 2003 wurden durch den Bund insgesamt 5 Mrd. für zinsgünstige Kredite zur Verfügung gestellt, die durch die Eigenprogramme der KfW- Bankengruppe um zusätzliche 10 Mrd. aufgestockt wurden. Die Kreditprogramme Startgeld und Mikrodarlehen, die auf kleinbetriebliche Gründungen hin ausgelegt sind, weisen im Vergleich zu anderen Kreditprogrammen mit 27 % und 30 % einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil auf. Für viele ist die Existenzgründung die gangbare Alternative zur Arbeitslosigkeit. Das zeigen die von den lokalen Agenturen für Arbeit ausgezahlten Finanzmittel von 1,4 Mrd. Euro Überbrückungsgeld und ca. 270 Mio. Euro für Existenzgründungszuschüsse besser bekannt als Ich-AGs. Angesichts der Veränderungen des Gründungsgeschehens in Deutschland ist es das Ziel der Bundesregierung, die Gründungsförderung und den

6 Seite 6 Kapitalzugang für kleinbetriebliche Gründungen den strukturellen Veränderungen anzupassen. Die UNO hat das Jahr 2005 zum Jahr des Mikrokredits ausgerufen. Vor diesem Hintergrund hat sich Bundesministerin Renate Schmidt an Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gewandt, damit auch Frauen einen besseren Zugang zu Kapital erhalten. Denn mit der veränderten Geldverteilung geht es auch hier wiederum neu um Machtverteilung. In den letzen 15 Jahren sind in Deutschland viele Frauengewerbe- und Gründerinnenzentren entstanden. Diese Zentren sind in ihrer Verschiedenheit Ausdruck für die Kreativität, den Mut und die Entschlossenheit, mit der Frauen sich für ihre Geschäftsideen aber auch für ökologische und soziale Vorstellungen engagieren. Das heute vorgestellte Handbuch ist mit den praxisorientierten Modulen ein wertvoller Leitfaden für den Aufbau solcher Zentren. Es stellt wichtige Fragen, auf die es konkrete Antworten und Hilfestellungen bietet. Aber: es versteht sich auch als Einladung an Entscheidungsträgerinnen- und träger in Kommunen, Verbänden, Kammern und Wirtschaftsfördereinrichtungen: ihnen bietet es die Chance, neue Wege bei der Erschließung regionaler Wirtschaftspotenziale zu gehen. Das Netzwerk der Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentren ist dabei für alle Akteurinnen und Akteure der Wirtschaftspolitik zentrale Anlaufstelle. In ihm sind Mitarbeiterinnen aus kommunalen

7 Seite 7 Wirtschaftsfördereinrichtungen aber auch solche aus privatwirtschaftlich finanzierten Zentren vertreten. Gerade diese Vielfalt macht die Stärke dieses Netzwerkes aus. Ich hoffe, dass bei der heutigen Veranstaltung Vertreterinnen und vor allem Vertreter aus allen diesen Bereichen dabei sind. Vor allem auch aus den Kammern denn dort sind Frauen so gut wie nicht sichtbar, wie ich immer wieder bei der IHK und der Handwerkskammer in meinem Wahlkreis erleben muss. Das heute vorgestellte Handbuch zeigt, dass Frauengewerbe- und Gründerinnenzentren insbesondere durch die Vernetzung und den damit verbundenen Wissenstransfer einen wichtigen Beitrag für die Aktivierung von gründungswilligen Frauen leisten. Die Idee, dass Frauen sich gegenseitig bei ihrer Gründung unterstützen, erweist sich also in jeder Beziehung als eine Erfolgsgeschichte: dies gilt für das von uns geförderte Mentoring-Programm genauso wie für die Arbeit der Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentren. Natürlich kommt das auch der wirtschaftlichen Entwicklung von Städten und Regionen zugute. Deshalb hoffe ich, dass in Zukunft noch mehr Frauen diesen positiven Vorbildern folgen werden.

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