Die UN-Behindertenrechtskonvention

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1 Kongress Die UN-Behindertenrechtskonvention zwischen gesellschaftlicher Vision und Alltag 10. September 2015 Referat Workshop: Inklusion in der Arbeitswelt Eva Meroni & Bruno Schnellmann Stiftung Profil Arbeit & Handicap Die Unterlagen finden Sie auch unter:

2

3 Inklusion in der Arbeitswelt 1 Ziele des Workshops Der Artikel 27 Die Situation in Europa, der USA und der Schweiz Aktuelle Rahmenbedingungen der beruflichen Eingliederung Was bedeutet «Inklusion in der Arbeitswelt» für Florian Eugster, Selbstvertreter Diskussionsrunde 2 1

4 Art. 27 UN BRK Artikel 27 Arbeit und Beschäftigung (1) Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird. Die Vertragsstaaten sichern und fördern die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit, einschließlich für Menschen, die während der Beschäftigung eine Behinderung erwerben, durch geeignete Schritte, einschließlich des Erlasses von Rechtsvorschriften, um unter anderem a) Diskriminierung aufgrund von Behinderung in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer Beschäftigung gleich welcher Art, einschließlich der Auswahl-, Einstellungs und Beschäftigungsbedingungen, der Weiterbeschäftigung, des beruflichen Aufstiegs sowie sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen, zu verbieten; b) das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf gerechte und günstige Arbeitsbedingungen, einschließlich Chancengleichheit und gleichen Entgelts für gleichwertige Arbeit, auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, einschließlich Schutz vor Belästigungen, und auf Abhilfe bei Missständen zu schützen; c) zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen ihre Arbeitnehmer und Gewerkschaftsrechte gleichberechtigt mit anderen ausüben können; d) Menschen mit Behinderungen wirksamen Zugang zu allgemeinen fachlichen und beruflichen Beratungsprogrammen, Stellenvermittlung sowie Berufsausbildung und Weiterbildung zu ermöglichen; 3 Art. 27 UN BRK e. für Menschen mit Behinderungen Beschäftigungsmöglichkeiten und beruflichen Aufstieg auf dem Arbeitsmarkt sowie die Unterstützung bei der Arbeitssuche, beim Erhalt und der Beibehaltung eines Arbeitsplatzes und beim beruflichen Wiedereinstieg zu fördern; f. Möglichkeiten für Selbständigkeit, Unternehmertum, die Bildung von Genossenschaften und die Gründung eines eigenen Geschäfts zu fördern; g. Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Sektor zu beschäftigen; h. die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen im privaten Sektor durch geeignete Strategien und Maßnahmen zu fördern, wozu auch Programme für positive Maßnahmen, Anreize und andere Maßnahmen gehören können; i. sicherzustellen, dass am Arbeitsplatz angemessene Vorkehrungen für Menschen mit Behinderungen getroffen werden; j. das Sammeln von Arbeitserfahrung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch Menschen mit Behinderungen zu fördern; k. Programme für die berufliche Rehabilitation, den Erhalt des Arbeitsplatzes und den beruflichen Wiedereinstieg von Menschen mit Behinderungen zu fördern. (2) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden und dass sie gleichberechtigt mit anderen vor Zwangs oder Pflichtarbeit geschützt werden. 4 2

5 Zusammenfassung In Artikel 27 der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird «das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit» festgehalten. Dieses Recht soll die Möglichkeit einräumen durch Arbeit den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Arbeit soll in einem offenen inklusiven für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld stattfinden. Ebenso soll die Arbeit frei gewählt oder angenommen werden. 5 Anzahl Menschen mit Behinderungen in der CH 2012 Total Mit starker Beeinträchtigung Private Haushalte Erwachsene (ab 16 J.) Kinder (0-14 Jahre) Kollektivhaushalte Institutionen für Menschen mit Behinderungen Alters- und Pflegeheime Weitere Kollektivhaushalte unbekannt unbekannt (Studentenheime, Strafanstalten usw. ) Total BFS, diverse Quellen,

6 Einschränkung im Alltag und Arbeitsleben 7 Arbeitsmarktstatus Schweiz 8 4

7 Arbeitsmarktstatus 9 Arbeitsmarktbeteiligung nach Behinderungsstatus CH 10 5

8 Einschränkungen bei der Erwerbstätigkeit CH 11 Rechtsgrundlagen in der Schweiz Im Vergleich zu anderen Bereichen (Bau, Verkehr ) ist das Behindertengleichstellungsrecht im Erwerbsleben schwach ausgestattet. Auf Bundesebene, kantonaler und kommunaler Ebene gilt das verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot. Bei privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen gilt weder das Diskriminierungsverbot noch das Behindertengleichstellungsgesetz. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in der Schweiz keine rechtlichen Verpflichtungen zur Ergreifung spezifischer Fördermassnahmen (Quoten, Beratungsstellen ). Mit der Ratifizierung der UN BRK verpflichtet sich die Schweiz zur Umsetzung von Massnahmen um dem Ziel der UN BRK entsprechen zu können. Kontrolle durch den Fachausschuss erfolgt im

9 Wie weit ist die Inklusion in die Arbeitswelt anderswo? Deutschland: 2009 Ratifizierung der UN BRK Beschäftigungsquote von Menschen m.b. von 5% Die Mehrheit der Menschen m.b. werden auch heute noch in WfbM beschäftigt. Einführung verschiedener Projekte: Schaffung Integrationsfachdienste Integrationsfirmen (Zuverdienst- und Massnahmenfirmen) Supported Employment JobBudget (die Zahlung von Sozialversicherungs-beiträgen sind an den Mensch m.b. und nicht an die Institution gekoppelt!) 13 CAP Lebensmittelmarkt 1999 Gegründet Heute: über 100 Lebensmittelmärkte in Deutschland Anstellung von rund 700 Menschen m. B. Philosophie: Unser Grundgedanke ist die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation und die Erweiterung der Möglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Durch die Eröffnung von zentrumsnahen Lebensmittelmärkten unter dem Namen "CAP... der Lebensmittelpunkt" erschließen wir eine neue Chance, geeignete Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen und diese auch nachhaltig zu sichern. Für behinderte Menschen stellt CAP tatsächlich einen Lebens- Mittelpunkt dar. 14 7

10 Wie weit ist die Umsetzung anderswo? USA: 1986 waren Menschen m.b. auf dem 1. AM 2009 waren es bereits Supported Employment, mobile Arbeitsgruppen, unterstützte Selbständigkeit sind Modelle, die die Werkstätten ablösen. USA ist führend bei der Inklusion: mit dem «Americans with Disabilities Act» aus dem 1990 konnte schon früh auf Forderungen von Menschen m.b. eingegangen werden. 15 Inklusion bei Profil Profil beschränkt sich auf die Vermittlung von Stellen im ersten Arbeitsmarkt nach Supported Employment. Profil bietet mit Supported Education die Möglichkeit von Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt an. Profil arbeitet mit gewissen Kantonen konkret auf eine Inklusive Arbeitswelt hin. Profil unterstützt Unternehmen, Inklusion im Sinne von Diversity umzusetzen. Profil unterstützt alle Menschen mit einer Behinderung, wenn der Wunsch nach einer Anstellung im ersten Arbeitsmarkt besteht. 16 8

11 Inklusion operativ Rahmenbedingungen für Unterstützungsangebote IV - Eingliederung vor Rente Föderalistische Strukturen Zentrale Frage der Finanzierung Zielgruppenorientierung Viele Ansprechpartner Schnittstellen Konflikte im Rollenverständnis Holperige Übergänge vom zweiten in den ersten Arbeitsmarkt 17 Was bedeutet die Umsetzung der UN BRK für die CH? Deinstitutionalisierung? Wahlfreiheit für Menschen mit einer Behinderung? Quoten für Arbeitgeber? Budget für Arbeit? Grundeinkommen? Welche Rolle spielt dabei die IV? Politische und gesetzliche Grundlagen? 18 9

12 Fazit Inklusion in der Arbeitswelt zu fördern bedeutet: Vereinfachung des (Wieder-)Einstiegs in den Arbeitsmarkt Abbau negativer Arbeitsanreize Förderung hochwertiger Arbeitsplätze und Verhinderung von Erwerbsarmut Förderung von Unterstützungsangeboten, die helfen den Arbeitsplatz zu erhalten und berufliche Fortschritte zu machen 19 Blind Foundation - Inklusion

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