Projekt Medienintegration

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1 November 2007 Projekt Medienintegration - Endbericht zur Medienintegration in Schulen des Schulamtsbezirks Gießen/Vogelsberg aus Sicht von Schulleitungen und Lehrkräften - - Zusammenfassung der Ergebnisse -

2 Seite 2 Projektleitung: Christian Wiedwald Nicole Büsching Andreas Breiter Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH (ifib) Am Fallturm Bremen {wiedwald, nbuesching, ifib GmbH 2007

3 Seite 3 Ziel und Umfang der Umfrage Ziel des Projektes ist es, Medien- und Schulentwicklungsprozesse zu beschreiben, die mit der Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien in den vergangenen Jahren in der Stadt Gießen, dem Landkreis Gießen und dem Vogelsbergkreis erzielt wurden. Eine wesentliche Rolle bei der Analyse schulischer Medienarbeit in der Region spielt dabei die Fragestellung, welche organisatorischen Rahmenbedingungen innerhalb und außerhalb der Schule für die unterrichtliche Arbeit mit digitalen Medien förderlich bzw. hinderlich sind. Daraus ergeben sich Anforderungen an eine zentrale technische und pädagogische Unterstützungsstruktur, die durch das vor Ort in der Region Gießen/Vogelsberg angeboten wird. Um die Rahmenbedingungen und die Mediennutzung in den Schulen zu erheben, wurden Interviews mit Schulleitungen und Lehrkräften in ausgesuchten Schulen durchgeführt und mit einer Befragung aller Lehrkräfte durch einen Fragebogen kombiniert. Der Fragebogen wurde von (von insgesamt 3.840) Lehrkräften ausgefüllt. Das entspricht einem Rücklauf von 33 Prozent. Es haben im Verhältnis deutlich mehr Lehrkräfte aus den Grundschulen als aus Gymnasien oder Gesamtschulen an der Befragung teilgenommen. Im Folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse der Befragungen (Interviews und Fragebögen) zusammengefasst, wobei zunächst die Rahmenbedingungen der Mediennutzung (Ausstattung der Schulen, Unterstützungsangebote, Fortbildungen) und danach die unterrichtliche Mediennutzung an sich dargestellt werden. Rahmenbedingungen der Mediennutzung 92 Prozent der Lehrkräfte, die an der Befragung in Schulen der Region Gießen/Vogelsberg teilgenommen haben, nutzen digitale Medien im Unterricht. Ihren Kenntnisstand im Umgang mit dem Computer schätzen sie dabei überwiegend als gut ein. Voraussetzung für eine Nutzung der digitalen Medien ist der Zugang. Dieser unterscheidet sich je nach Schulform. Ein Zugang zu einem Computerraum ist für die meisten Lehrkräfte vorhanden, Computer in Klassenräumen sind dagegen insbesondere in Gymnasien, Gesamtschulen und Schulen der Sekundarstufe I seltener vorhanden. Die Aussatttung mit Notebooks ist durchgängig schlechter (elf Prozent der Lehrkräfte). Die technische und pädagogische Unterstützung für die unterrichtliche Medienarbeit der einzelnen Lehrkraft wird vor allem im Peer-to-Peer -Support durch Kolleginnen und Kollegen sowie aus dem Freundskreis geleistet. Externe Unterstützungseinrichtungen spielen demgegenüber eine geringe Rolle. Die Beurteilung der technischen und pädagogischen externen sowie der pädagogischen internen Unterstützung fällt insgesamt schlecht aus. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte hat in jüngster Zeit Fortbildungsangebote zu digitalen Medien wahrgenommen. Gewünscht werden zukünftig insbesondere Fortbildungen zum methodischdidaktischem Einsatz von Software im Unterricht. Weiterhin genannt werden Schulungen zu speziellen Softwareprogrammen und zur Erstellung von Arbeitsmaterialien. Gewünscht werden von Lehrkräften, die ihre Kenntnisse als gering einschätzen, vorwiegend schulinterne Fortbildungsangebote. Expertinnen und Experten wünschen sich dagegen stärker externe Angebote. Bezüglich der Qualität der IT-Ausstattung und der Softwareausstattung vergeben die Lehrkräfte überwiegend gute Beurteilungen. Auch die externen Fortbildungsangebote sowie die schulinterne technische Unterstützung und die Unterstützung durch die Schulleitung werden eher gut bis befriedigend beurteilt. Die Beurteilung des Umfangs der IT-Ausstattung schwankt im Vergleich der Schulträger von Mittelwerten mit einer noch guten Beurteilung (Vogelsbergkreis und Gießen Landkreis) bis hin zu einer befriedigenden Bewertung (Gießen Stadt). Hierbei wurden deutliche Wünsche nach mehr und aktuellerer Ausstattung artikuliert. Insbesondere artikulieren viele Lehrkräfte, dass es zudem an Beamern und Notebooks für den mobilen Einsatz fehlt.

4 Seite 4 Die abgefragten Items zur Bewertung der Rahmenbedingungen unterrichtlicher Medienarbeit wurden einer Faktorenanalyse unterzogen. Demnach ergeben sich drei Faktoren: Schulqualität/Schulklima, Schulische IT-Ausstattung sowie externe Unterstützungssysteme. Diese Faktoren werden jeweils von unterschiedlichen Akteuren maßgeblich beeinflusst. Der Faktor Schulqualität/Schulklima lässt sich im Rahmen innerschulischer Entwicklungsprozesse beeinflussen, wohingegen die Schulische IT-Ausstattung maßgeblich durch den Schulträger beeinflusst wird. Der Faktor Externe Unterstützungssysteme ist über die regionale IT- Steuerungsgruppe steuerbar und wird durch die Dienstleistungen des beeinflusst. Die genannten Verbesserungsvorschläge der Lehrkräfte zum Einsatz digitaler Medien in ihrem Unterricht konzentrieren sich zum einen auf Wünsche nach zusätzlichen frei verfügbaren Ressourcen (z.b. Notebooks für den flexiblen Einsatz im Unterricht) und zum anderen auf einen besseren Support, insbesondere auch pädagogische Beratung bei der Auswahl der Software und dem Einsatz im Unterricht. Eine Stärkung dieser Aufgaben könnte, in Verbindung mit einer Vorauswahl und Empfehlungsliste für Software, den Lehrkräften helfen, die für ihren Unterricht sinnvolle Software zu identifizieren und sich gezielt für ihren Einsatz beraten zu lassen. Wichtig ist zudem die Betreuung durch einen Ansprechpartner vor Ort. Mediennutzung in der Schule Wie die digitalen Medien im Unterricht genutzt werden unterscheidet sich zwar in Bezug auf die Schulformen, es lässt sich allerdings feststellen, dass sich unterschiedliche Muster der Medienarbeit herausgebildet haben, die sich in allen Schulformen wiederfinden. Dabei handelt es sich um die Einübung der grundlegenden Bedienung, die Verwendung von Lernprogrammen, die Nutzung der digitalen Medien zum Planen, Strukturieren und Archivieren und die Verwendung von Office- Programmen im Unterricht. Die Produktion audio-visueller Medien, unabhängig davon ob durch Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler, spielt aus Sicht der befragten Lehrkräfte in der Schule hingegen so gut wie keine Rolle. Zusätzlich gibt es je nach Schulform weitere Szenarien, wie die Vorführung oder der Vortrag durch die Lehrkraft mit digitalen Medien. Interessant ist, dass in allen Schulstufen die Erarbeitung grundlegender Kompetenzen durchgeführt wird, also bis hin zum Unterricht in den beruflichen Schulen. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass in der Primarstufe und Sekundarstufe I aktuell nicht sichergestellt wird, dass alle Schülerinnen und Schüler beim Übergang in den Beruf über die gleichen Kompetenzen im Bereich der Arbeit mit digitalen Medien verfügen. Fazit Ziel des Projektes war es die Rahmenbedingungen und Verbesserungsmöglichkeiten der unterrichlichen Arbeit mit digitalen Medien aus Sicht von Lehrkräften und Schulleitungen zu erheben und darzustellen, um dann Ansätze und Empfehlungen für die Weiterarbeit des Zentrums zu entwicklen. Fast alle Lehrkräfte, die an der Erhebung teilgenommen haben nutzen den Computer und das Internet für Unterrichtszwecke. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Antworten um eine positive Selbstauswahl derjenigen Lehrkräfte handelte, die digitalen Medien eher aufgeschlossen gegenüber stehen. Es lässt sich zusätzlich vermuten, dass die Integration der digitalen Medien in den Unterrichtsalltag der verbleibenden Lehrkräfte noch nicht sehr weit fortgeschritten ist und die Potentiale, die die Integration der digitalen Medien in den Unterricht mit sich bringen bei weitem nicht umfassend ausgeschöpft sind.

5 Seite 5 Umfang und Qualität der Ausstattung der IT-Ausstattung wird von den Lehrkräften gut bis befriedigend bewertet, auch wenn es deutliche Wünsche nach mehr Ausstattung gibt. Wie man den Bewertungen in Bezug auf die drei Schulträger entnehmen kann, bewerten insbesondere dort die Lehrkräfte die vorhandene Ausstattung als eher gut, wo durch einen Regionalen Medienentwicklungsplan seitens des Schulträgers transparente Rahmenbedingungen für die Schulen geschaffen wurden. Die Existenz einer technischen Infrastruktur ist nur eine notwendige nicht aber hinreichende Bedingung für den integrierten Medieneinsatz. Wir halten daher begleitende technische und pädagogische Unterstützungsangebote für sinnvoll, um den Lehrkräften ein Gefühl der Sicherheit und eine erste Anlaufstelle für technische Probleme und pädagogische Nachfragen zu geben. Aus den Interviews sowie den vorangegangenen Studien wissen wir, dass insbesondere Lehrkräfte, die erst langsam mit dem Medieneinsatz im Unterricht beginnen, derartige Unterstützungsangebote, insbesondere im Bereich der Softwareauswahl und -Beratung neben einer funktionierenden IT- Infrastruktur gerne nutzen würden. Die Lehrkräfte bewerten die vorhandenen Unterstützungsangebote eher befriedigend, wobei interne Angebote immer besser bewertet werden als externe. Bei den Verbesserungswünschen werden häufig mehr und besserer Support, insbesondere pädagogische Beratung bei der Auswahl der Software und dem Einsatz im Unterricht, gewünscht. Hier müssen die Schulträger auch gemeinsam entscheiden, wie sie insbesondere den technischen Support verbessern können. E- benso wichtig ist eine Standardisierung der Software und eine Softwareberatung, die den Lehrkräften helfen könnte, die für ihren Unterricht sinnvolle Software zu identifizieren und sich gezielt für ihren Einsatz beraten zu lassen. Hierbei ist insbesondere die Möglichkeit in Betracht zu ziehen diese Angebote vor Ort in die Schulen zu tragen damit sie bekannt und auch genutzt werden. Ungefähr 40 Prozent der Lehrkräfte haben in jüngster Zeit keine Fortbildungen zu digitalen Medien absolviert, obwohl ein hoher Bedarf an weiterführenden Schulungen artikuliert wird. Eine umfangreichere Unterstützung der Schulen bei der Organisation und Durchführung ihrer schulinternen Fortbildungsangebote und ein Anpassen der vom duchgeführten Fortbildungen auf die geäußerten Bedarfe der Lehrkräfte, wären weitere wichtige Schritte auf dem Weg hin zu einer umfassenden Integration der digitalen Medien in den (Fach-)Unterricht und den ihn umgebenden Schulalltag. Betrachtet man die Ergebnisse stellt man fest, dass die Mediennutzung von verschiedenen Faktoren abhängt: Flexible Zugangsmöglichkeiten zu digitalen Medien für den Unterrichtseinsatz (im Klassenraum, Computerraum, Medienecke, Bibliothek, im Nachmittagsbereich) Aktuelle Hardware und Software für den Unterrichtseinsatz Fortbildungen, die auf die Bedürfnisse der Lehrkräfte abgestimmt sind Technische und pädagogische Unterstützung und Beratung Diese Rahmenbedingungen gilt es zu verbessern und an den Bedarf der Lehrkräfte anzupassen. Zusammenfassend lässt sich aus den Ergebnissen der Interviews und der Auswertung der Fragenbögen sagen, dass die Mehrzahl der befragten Lehrkräfte bereits digitale Medien im Unterricht einsetzt. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen könnte auch bei den restlichen Lehrkräften die Hemmschwelle für den Einsatz digitaler Medien senken. Insbesondere sind hier neben der adäquaten Ausstattung der Schulen mit neuen (mobilen) Endgeräten zusätzlich zu spezifischen Computerräumen auch ein funktionierendes technischen und pädagogisches Unterstützungssystem sowie eine Anpassung der Fortbildungen auf den Bedarf der Lehrkräfte zu nennen. Die Schwerpunkte der Arbeit im Unterricht liegen nach wie vor bei der Nutzung des Computers als Werkzeug und bei der Aneignung von instrumentellen Grundkompetenzen. Eine Fach und Lebenswelt bezogene Integration des Computers als Medium wird zurzeit nur vom wenigen Lehr-

6 Seite 6 kräften durchgeführt. Die genannten Rahmenbedingungen der Mediennutzung, die die Ausgestaltung der zentralen technischen und pädagogischen Unterstützungssysteme betreffen, können in Verbindung mit der Entwicklung jeweils eines regionalen Medienentwicklungsplanes für die drei Schulträger helfen, Transparenz, Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Schulen zu schaffen. Diese Vorhaben sollten daher in jedem Fall weiter im Diskurs mit den Schulen verfolgt werden. Insbesondere sind die Fortbildungsangebote dem Bedarf weiter anzupassen und die Aufgaben des weiter auszubauen und bekannt zu machen.

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