Berufsfeld: Dolmetscher/Übersetzer

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1 Universität Bielefeld Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaften Sommersemester 2005 Berufsperpektiven für B.A.-Studierende Dr. Michael Pätzold Berufsfeld: Dolmetscher/Übersetzer Gruppe TV 3 Angelika Isaak Heike Rische Henning Tepper Mark Morrison Tobias Wengert Rahel Wesner

2 Inhalt 1. Einleitung Dolmetscher/Übersetzer Was ist das? Interview mit Marco Erl Vergleich und Auswertung der Befragung und dem Interview Resümee 13 Anhang 2

3 1. Einleitung In dieser Ausarbeitung wird das Berufsfeld des Dolmetschers/Übersetzers vorgestellt und diskutiert. Ursprünglich hatten wir geplant dieses Berufsfeld im Bezug auf Medien bzw. Fernsehen zu untersuchen, doch da sich die Recherchearbeit und Kontaktaufnahme in diesem Berufsfeld als zunehmend schwierig gestaltet hat, beschränken wir uns in dieser Ausarbeitung auf die allgemeinen Tätigkeiten eines Dolmetschers/Übersetzers. Um die Vorraussetzungen und Tätigkeitsbereiche in diesem Berufsfeld kennen zu lernen, sind wir folgendermaßen vorgegangen: Zuerst haben wir durch Recherchearbeit im Internet allgemeine Information über den Beruf des Dolmetschers gesammelt, sodass wir uns ein vorläufiges Bild dieses Berufes anfertigen konnten. Damit wir uns aber ein möglichst praxisnahes und authentisches Bild eines Dolmetschers/Übersetzers verschaffen konnten, haben wir ein Interview mit dem Diplomübersetzer Marco Erl durchgeführt. Die Fragen, die wir ihm gestellt haben, wurden auch über an andere Dolmetscher und Übersetzter in Bielefeld und Umgebung zugeschickt, woraufhin wir von einem Dolmetscher/Übersetzer eine Antwort bekommen haben. Danach haben wir die Antworten von Marco Erl mit den Antworten des anderen Dolmetschers/Übersetzers verglichen und ausgewertet, um so ein möglichst objektives Bild über den Werdegang und die Berufschancen in diesem Berufsfeld zu bekommen. Der Hauptteil dieser Arbeit lässt sich in drei Teile untergliedern, die unsere Vorgehensweise reflektieren. Im ersten Teil präsentieren wir die allgemeinen Informationen über den Beruf des Dolmetschers/Übersetzers. Im zweiten Teil stellen wir dann die Ergebnisse des Interviews mit Marco Erl dar. Der dritte Teil der Arbeit bezieht sich auf die Ergebnisse der Befragung und deren 3

4 Vergleich mit den Antworten von Marco Erl. Die Arbeit endet mit einer persönlichen Stellungnahme zu diesem Berufsfeld und zu den Ergebnissen, die wir durch unsere Recherchearbeit und den Interviews herausarbeiten konnten. 2.1 Dolmetscher/Übersetzer Was ist was? Dolmetscher, Übersetzer. Damit es beim Leser nicht zu einem Missverständnis kommt, wollen wir zu Beginn unseres Berichts zunächst einmal diese beiden Berufe voneinander unterscheiden. Der Übersetzer übersetzt geschriebenen Text schriftlich von einer Sprache in eine andere und hat dabei folglich auch die Möglichkeit verschiedene Nachschlagewerke heranzuziehen. Der Dolmetscher hingegen, welchem wir uns in unserem Bericht ursprünglich ausschließlich widmen wollten, überträgt das gesprochene Wort sofort mündlich in eine andere Sprache. Im Folgenden möchten wir beide Berufsbilder etwas näher bestimmen. Dolmetscher Man kann folgende Arten des Dolmetschers unterscheiden: 1.Simultandolmetschen: Der Simultandolmetscher überträgt den gesprochenen Text während des Vortrags von der Originalsprache in die Zielsprache. Das sog. Flüsterdolmetschen bezeichnet eine spezielle Form des Simultandolmetschens. Die Anzahl jener Empfänger beläuft sich hierbei in der Regel auf 1-3, da hierbei nicht Gebrauch von Hilfsmitteln wie beispielsweise Dolmetscherkabinen oder Kopfhörern gemacht wird, die das Gedolmetschte 4

5 gegebenenfalls auch an eine größere Anzahl von Menschen vermitteln können. 2.Konsekutivdolmetschen: Die Übertragung erfolgt hier nicht zeitgleich (simultan), sondern erst nachdem bereits ein Teil des zu übersetzenden Textes gesprochen wurde. Der Konsekutivdolmetscher macht sich während des Vortrags Notizen um so eine Gedankenstütze bei der anschließenden Wiedergabe des Textes zu haben. Neben diesen zwei wesentlichen Arten des Dolmetschens wird gelegentlich noch das sog. Verhandlungsdolmetschen als dritte Art angegeben. Dabei handelt es sich um Dolmetschen in einem sehr kleinen Rahmen, wobei wie beim Konsekutivdolmetschen Gesprächsabschnitte in Nachhinein übersetzt werden, jedoch ohne die Zuhilfenahme von Notizen. Alle anderen Arten sind prinzipiell entweder Unterarten der bereits genannten, oder aber sie sind mit ihnen gleichzusetzen und wurden nur aufgrund des Hinzukommens besonderer Bedingungen anders bzw. genauer benannt. Ein Beispiel wäre das in Rundfunk und Fernsehen eingesetzte Mediendolmetschen. Hier wird ersichtlich, dass besondere Bedingungen auch spezielle Qualifikationen erfordern, wie in diesem Fall eine besonders geschulte Stimme des Dolmetschers oder die Fähigkeit zur Moderation o.ä. Voraussetzungen: Neben den benötigten grundsätzlichen sprachlichen Fähigkeiten ist es vorteilhaft über ein möglichst umfassendes Allgemeinwissen zu verfügen, da dieses bei der Vorbereitung auf fachspezifische Themen sehr hilfreich ist. 5

6 Das Simultandolmetschen erfordert insbesondere die Fähigkeit starke nervliche Belastungen auszuhalten und trotz geistiger Anspannung reaktionsschnell zu sein. Ausbildung: Die Ausbildung zum/zur Dolmetscher/in ist eine schulische Ausbildung, die an sog. Berufsfachschulen und Fachakademien absolviert werden kann. Seit einigen Jahren gibt es jedoch auch in einigen Städten den Studiengang Diplom-Dolmetscher. Die Dauer der Ausbildung variiert je nach Bildungsinstitution und ist ebenfalls abhängig von der/den Ausbildungssprache/n und der Art des Abschlusses. Ein Hochschulstudium (der Anglistik) ist also keinesfalls die Voraussetzung für den Dolmetscher-Beruf, es ist allenfalls eine Zusatzqualifikation, welche aber bei der Vorbereitung auf einen entsprechenden Themenkomplex, wie bereits erwähnt, sehr hilfreich sein kann. Jedoch gibt es auch Ausbildungsangebote speziell für Hochschulabsolventen. So bietet bspw. die Kommission der Europäischen Union für junge Hochschulabsolventen/Innen aller Fachrichtungen sechssemestrige Intensivkurse zur Ausbildung als Konferenzdolmetscher/Innen an. Beschäftigung: Beschäftigungsmöglichkeiten für Dolmetscher/Innen bieten sich unter anderem in Schreib- und Übersetzungsbüros, Fremdsprachenverlagen, verschiedenen Arten von Wirtschaftsunternehmen, insbesondere natürlich in international operierenden Konzernen/Organisationen. Behörden des Landes und des Bundes sind ebenfalls Arbeitgeber von Dolmetscher/Innen. Zum Beispiel werden beeidigte, meist staatlich geprüfte Dolmetscher/Innen im Gerichtswesen eingesetzt. Außerdem gibt es Stellen in diversen Institutionen der EU. Arbeitsmarktlage: 6

7 Leider konnten wir keine ausführlichen Informationen bezüglich der aktuellen Arbeitsmarktlage bekommen. Übersetzer In Hinsicht auf das Übersetzen muss man anmerken, dass es verschiedene genauere Bezeichnungen für den jeweiligen Beruf eines Übersetzers gibt, die sich oftmals nach der zu übersetzenden Textsorte richten. So befasst sich der Fachübersetzer zum Beispiel mit dem Übersetzen von Handbüchern und Betriebsanleitungen, während der literarische Übersetzer sich mit Literatur, Romanen, Gedichten, Zeitungsartikeln u. ä. befasst. So genannte Terminologen wiederum erstellen firmeninterne Verzeichnisse für Fachbegriffe und ermächtigte Übersetzer werden von deutschen Landgerichten beauftragt, beglaubigte Übersetzungen anzufertigen, d. h. sie erstellen Übersetzungen von Urkunden, Verträgen etc. Voraussetzungen: Dieser Teil ist praktisch identisch mit dem des Dolmetscher-Teils. Ein umfangreiches Allgemeinwissen bedeutet hier jedoch nicht einen derartigen Vorteil, da der Übersetzer stets die Möglichkeit hat, eventuelle Wissenslücken mittels entsprechender Literatur auszumerzen. Ausbildung: Dieser Teil ist praktisch identisch mit dem des Dolmetscher-Teils. Beschäftigung: 7

8 Übersetzer arbeiten entweder freiberuflich, erhalten ihre Aufträge von Agenturen, oder sie arbeiten in einem der zu Beginn genannten Berufe in entsprechenden Unternehmen. Arbeitsmarktlage: Leider konnten wir keine ausführlichen Informationen bezüglich der aktuellen Arbeitsmarktlage bekommen. Anmerkung: Oft wird vom Dolmetscher bzw. Übersetzer die Fähigkeit zur Ausübung der Tätigkeit des jeweils anderen Berufes erwartet, was aufgrund der ersichtlichen Überschneidungen in den Gebieten nicht verwunderlich ist. 2.2 Interview mit Marco Erl Die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent erfolgt auf speziellen Fachakademien, wie z.b. in Erlangen. Diese dreijährige Ausbildung erfolgt in einer Haupt- (z.b. Englisch) und einer Nebensprache (z.b. Spanisch). Bestandteil dieser Ausbildung sind u.a. Computerkurse im Bereich von Übersetzungsprogrammen, das Erlernen von Übersetzungstechniken, das rollenspielartige Üben des Verhandlungs- bzw. Konsekutivdolmetschens und die Urkundenübersetzung. Im Verlauf der Ausbildung erfolgt eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Übersetzungsfachgebiet, wie z.b. die Spezialisierung auf Technikübersetzungen, Übersetzungen im Bereich der Wirtschaft, der Geisteswissenschaften oder der Rechtssprechung. Zum Titel des staatlich geprüften Übersetzers ist ein abgeschlossener Diplomstudiengang notwendig, welcher zusätzlich noch einmal zwei 8

9 Jahre dauert, also in einem Zeitrahmen von vier Semestern abgeschlossen wird. Die Kosten belaufen sich auf ca. 950 pro Semester, wobei es eine Rückerstattung von 1/3 des Betrages im Falle des Bundeslandes Bayern gibt. Nach der abgeschlossenen Ausbildung ist der berufliche Werdegang optimalerweise gefolgt von einer Traineestelle, um eine firmenspezifische Ausbildung zu erhalten und dann später von demselben Unternehmen übernommen zu werden. Da hierfür jedoch ausgezeichnete Qualifikationen bzw. Abschlüsse benötigt werden, steht dieser berufliche Werdegang nur den wenigsten Absolventen offen. Der einzige Ausweg ist dann die Selbstständigkeit, wobei es hierbei ganz klar mehr auf die Erfahrung als auf ein Diplom ankommt. Somit ist der Weg in die Selbstständigkeit ebenfalls von einem schweren Berufseinstieg gekennzeichnet, da man beim Einstieg in das Berufsleben kaum Erfahrungen nachweisen kann. Auch der berufliche Einstieg für einen ausgebildeten Übersetzer im Ausland ist als schwierig zu bezeichnen, da ebenfalls Erfahrung vorausgesetzt wird und diese nur durch Praktika und eine anschließende Traineestelle gegeben werden kann. Zusatzqualifikationen sind nicht zwingend notwendig, können aber z.b. im Fall eines zusätzlich zur Übersetzerausbildung abgeschlossenen Jurastudiums hilfreich sein, insbesondere wenn man sich auf Übersetzungen im Gebiet der Rechtssprechung spezialisieren möchte. Das Akquirieren neuer Kunden geschieht durch Anzeigen in den Gelben Seiten oder im Internet, dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, und daher beziehen freiberuflich arbeitende Übersetzer ihre Aufträge größtenteils von Übersetzungsbüros, bei welchen sie und ihre berufliche Vergangenheit in einer zentralen Kartei registriert sind. Die Auftragserteilung durch Übersetzungsbüros ist jedoch auch mit Nachteilen für den Übersetzer verbunden, da er/sie aufgrund einer 9

10 Provisionsabtretung an das Übersetzungsbüro insgesamt einen geringeren Verdienst hat. Heutzutage herrscht ein sehr großer Auftrags- bzw. Zeitdruck. Zum einen aufgrund der starken Konkurrenzsituation auf dem Übersetzermarkt, insbesondere wegen der europäischen Osterweiterung und den daraus resultierenden Dumpingpreisen, zum anderen wegen der vorherrschenden Meinung seitens der Auftraggeber, dass Übersetzungen aufgrund der Errungenschaften des Computers, wie z.b. durch die Zuhilfenahme von Übersetzungsprogrammen, ein Kinderspiel seien und in extrem kurzer Zeit zu bewältigen wären. Eine Konsequenz dieser Einstellung vieler Auftragsgeber ist, dass die Qualität vieler Übersetzungen zu wünschen übrig lässt. Mit dieser Einstellung sind natürlich aber auch Risiken für die Auftragsgeber verbunden, wie z.b. das Eingehen des Risikos, dass die Übersetzungen den Ansprüchen nicht gerecht werden und somit unbrauchbar sind. Aus diesem Grund setzen große Unternehmen wie z.b. Siemens weiterhin auf ihre eigenen, festangestellten und qualifizierten Übersetzer. Die Bezahlung eines Übersetzers/ einer Übersetzerin erfolgt nach individuell ausgehandelten Zeilenpreisen bzw. Zeilensätzen mit dem Auftraggeber (ca. 1,15 pro Zeile). Das Einstiegsgehalt für festangestellte Übersetzer liegt bei ca im Monat und kann im Falle eines Projektleiters bis zu ca reichen. 10

11 Auf dieser Seite ist die Tabellenauswertung im Querformat einzufügen. 11

12 Der Vergleich unserer beiden Befragungspartner ist in den meisten Punkten klar und eindeutig. In der Regel sind die Antworten auf die gestellten Fragen identisch oder sehr ähnlich. Vier der zwölf Fragen stoßen jedoch stark ins Auge. Erstaunlich ist die klare Übereinstimmung auf die Frage, ob das Anglistik-Studium als ausreichend eingeschätzt wird. Beide Befragten antworten eindeutig mit nein und ergänzen, dass für professionelle Übersetzungsarbeiten eine spezielle Ausbildung notwendig ist. Meist erfolgt diese Ausbildung an privaten Akademien und ist kostenpflichtig. Diese Höhe der Kosten ist von der Akademie und der jeweiligen Region abhängig und variiert. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die zeitliche Entwicklung der Kosten, die sich in den Antworten der Befragten widerspiegelt. Es wird deutlich, dass die Ausbildung im Laufe der Jahre enorm kostengünstiger geworden ist. Während die Kosten 1984 noch betrugen, so betragen die heutigen Ausbildungskosten nur noch für drei Jahre. Die beruflichen Perspektiven der Branche werden von beiden Befragten völlig unterschiedlich eingeschätzt. Auf der einen Seite spricht der Freiberufler Marco Erl von schlechten Zukunftsperspektiven aufgrund von Dumpingpreisen im Zusammenhang mit der EU Osterweiterung. Des Weiteren wird das Berufsbild eines Übersetzers zunehmend unterschätzt, da viele Kunden die Fähigkeiten eines Übersetzungsprogramms mit denen eines Übersetzers gleichsetzen. Im Gegensatz dazu sieht der Leiter der LSM Group gute Perspektiven für die Branche und einen stetig wachsenden Bedarf an Übersetzern aufgrund der Intensivierung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Der Grund für diese kontroverse Einschätzung könnte die unterschiedliche Sichtweise sein. Marco Erl sieht vermutlich die Situation der Branche aus der Sicht des Freiberuflers, der sich auf dem Markt eigenständig behaupten muss. Der Leiter der LSM Group betrachtet vermutlich eher die Situation seiner Firma, die sich bereits sehr gut am Markt etablieren konnte und sich einen guten Namen 12

13 verschafft hat. Alle ihm bekannten bundesweit und im europäischen Ausland tätigen guten Übersetzer sind vollkommen ausgelastet. Ein weiterer hervorstechender Punkt der Befragung ist die verschiedene Art der Kunden-Akquise. Auf der einen Seite bezieht der Freiberufler seine Kunden über Werbung in den Gelben Seiten und im Internet und über große Übersetzungsbüros. Auf der anderen Seite setzen Unternehmen auf Mailings, Messen und Mund-zu-Mund- Propaganda. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse unserer Befragung, dass die grundlegenden Informationen über das Berufsfeld des Dolmetschers/Übersetzers identisch sind. Unterschiede lassen sich nur auf den Zeitpunkt der Ausbildung und auf die verschiedenen Sichtperspektiven auf den Markt zurückführen. 3. Resümee Im Laufe unserer Recherche bzw. Materialsichtung zum Berufsfeld des Dolmetschers/ Übersetzers stießen wir zunächst auf einige Probleme. Eines der Hauptprobleme war die Schwerpunktsetzung auf den Bereich des Fernsehens. Bereits im Anfangsstadium unserer Arbeit erwies es sich als äußerst schwer, ausreichende Materialien zu finden. Zum einen war es für uns schwierig Kontaktadressen im Bereich des Fernsehens ausfindig zu machen, zum anderen ist es an dieser Stelle erwähnenswert, dass die ausgeprägte Kontaktunfreudigkeit der angeschriebenen Quellen unseren zuvor ausgearbeiteten Ablauf der Gruppenarbeit erschwerte. Daher beschlossen wir früh genug und einvernehmlich, dass eine neue Schwerpunktsetzung notwendig war. Somit konzentrierten wir uns daraufhin aus den oben geschilderten Gründen auf das Berufsfeld des Übersetzers bzw. Dolmetschers im Allgemeinen. Es muss jedoch gesagt werden, dass wir durch die bereits 13

14 fortgeschrittene Recherche im Bereich des Berufsfeldes des Dolmetschers/Übersetzers im Fernsehen genügend weiterzuverwertendes Material für eine neue Schwerpunksetzung hatten. Nach der neuen Schwerpunktsetzung beschlossen wir den in gemeinsamer Arbeit erstellten Fragenkatalog nicht nur einem Interviewpartner zu stellen, sondern seine Antworten mit den Aussagen anderer Dolmetscher/Übersetzer zu vergleichen. Um diese Vergleichbarkeit zu gewährleisten, beschlossen wir, möglichst vielen Kontaktadressen eine von uns verfasste zukommen zu lassen und die somit kontaktierten Personen darum zu bitten, unseren Fragenkatalog zu beantworten. Doch auch diese Vorgehensweise und unsere damit verbundenen Erwartungen wurden zunächst durch eine erneut feststellbar hartnäckige Kontaktunfreudigkeit der angeschriebenen Personen gedämpft. Von 40 angeschriebenen Kontaktadressen erhielten wir nur von 2 Personen Antwort, wobei eine der beiden Personen den Fragenkatalog aus nicht weiter definierten Gründen unbeantwortet ließ. Trotz dieser vermeintlichen Rückschläge, die unsere Gruppe immer wieder aufs neue forderte, ist als positive Erfahrung an dieser Stelle jedoch erwähnenswert, dass sich unser Interviewpartner als äußerst nett, informativ und gesprächig erwies. Mit den auf diesem Wege gesammelten Informationen war es uns schließlich möglich, eine fundierte Abhandlung unseres Themen- bzw. Berufsfeldes zu verfassen. Aus den während unserer Gruppenarbeit gewonnenen Erfahrungen, Informationen und dem damit verbundenen tieferen Einblick in eben jenes Berufsfeld des Dolmetschers/Übersetzers wurde uns jedoch auch schnell deutlich, dass die Vergleichbarkeit zwischen dem von uns eingeschlagenen Weg des Anglistikstudiums und der Ausbildung zum Beruf des Dolmetschers/Übersetzers doch eher als schwierig zu bezeichnen ist. Zum einen, da der Beruf eine unabhängig vom 14

15 Anglistikstudium zu absolvierende Ausbildung voraussetzt, zum anderen da das Anglistikstudium keine zwingend erforderliche Grundqualifikation für diesen beruflichen Werdegang ist. Als abschließendes Fazit ist festzuhalten, dass alle Gruppenmitglieder aufgrund unseres gewonnenen Einblicks in das Berufsfeld des Dolmetschers/Übersetzers zu der Einsicht gekommen sind, dass dieser Beruf bei der zukünftigen Berufswahl nicht in Frage kommen wird. Zu dieser Einsicht sind wir zum einen durch die schlechten Perspektiven als Freiberufler, aber zum anderen auch durch den schweren Berufseinstieg gekommen. Zusammen sind es diese beiden ausschlaggebenden Faktoren, die diesen beruflichen Werdegang für uns insgesamt als eher wenig attraktiv erscheinen lassen. Ergänzend und vom Thema unabhängig muss hervorgehoben werden, dass der Gruppenzusammenhalt bzw. die Gruppenkommunikation und die damit verbundene Arbeitsteilung immer reibungslos funktioniert haben. Kurzfristig auftretende Probleme konnten aufgrund der eben erwähnten Gründe immer gut und effizient gelöst werden. Somit wurde die anfallende Arbeit von allen Gruppenmitgliedern oftmals nur als halb so schwer wahrgenommen. 15

16 A N H A N G 16

17 Quellenverzeichnis Internetquellen besucht am besucht am besucht am besucht am besucht am besucht am besucht am

18 Universität Bielefeld Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaften British and American Studies Veranstaltung: BA Berufsperspektiven Sommer Semester 2005 Tobias Wengert Marc Morisson Heike Rische Rahel Wesner Angelika Isaak Hennig Tepper Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind Studenten der Anglistik an der Universität Bielefeld. Derzeit untersuchen wir in Zusammenhang mit enem Seminar, Berufsperspektiven für Bachelor Studierende, den Beruf des Dolmetschers/Übersetzers. Um uns ein möglichst realitätsnahes Bild dieses Berufsfeldes zu verschaffen, haben wir einen Fragenkatalog entwickelt. Wir uns sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden, den Fragenkatalog zu beantworten. Über eine schnelle Rückmeldung von Ihnen würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank im Voraus. i.a. Tobias Wengert Fragenkatalog 12 Fragen beantwortet von 1. Welchen Beruf üben sie aus? Was ist Ihre genaue Berufsbezeichnung? Stehen Sie in einem Angestelltenverhältnis oder arbeiten Sie selbständig? Staatlich anerkannter Übersetzer der portugiesischen Sprache und Staatlich anerkannter Dolmetscher der portugiesischen Sprache. Beide Berufe übe ich auch auf unternehmerischer Ebene in einem Übersetzungsunternehmen mit 9 Angestellten aus. 2. Ist ein Anglistik-Studium ausreichend für den Einstieg in diesen Beruf? Grundsätzlich ist die Berufsbezeichnung nur sehr unzureichend geschützt. Jeder kann sich als Übersetzer selbstständig machen. Ob Metzger oder Schreiner. Aus professioneller Sicht lautet die Antwort allerdings nein, denn wer wirklich einen Übersetzer zur Anstellung sucht, wird auf der entsprechenden Ausbildung als Diplomübersetzer oder staatlich anerkannter Prüfung bestehen. 3. Welche Art von Problemen und Schwierigkeiten treten in dem Beruf auf? 18

19 19

20 Auf freiberuflicher Basis: Unkenntnis von Kunden erfordert immer wieder großen Klärungsaufwand. Futterneid unter Kollegen. Zeitdruck. Preiskampf. Vielfalt der Fachgebiete erfordert ständige Weiterbildung oder Spezialisierung. 4. Wie schätzen Sie die Perspektiven in diesem Beruf ein? Gut, denn die internationalen Wirtschaftsbeziehungen werden immer intensiver, d.h. der Bedarf an Übersetzungen wird immer größer. Wichtig ist die Sprachauswahl, auf die man sich festlegt. Trotz anhaltender Konjunkturschwäche sind alle wirklich guten Übersetzer, die ich bundesweit und im europäischen Ausland kenne, voll ausgelastet. 5. Wie bewerten Sie die Chancen für einen Quereinstieg? Grundsätzlich machbar. Entweder Zweitstudium oder staatliche Prüfung mit vorangehender Vorbereitung über eine Privatschule. 6. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Beruf zu erlernen und wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus? Welche Kosten sind dabei entstanden? Mein Zweisprachigkeit (portugiesische Herkunft) war sehr ausschlaggebend. Ich habe die Prüfungen abgelegt (damals noch vor der IHK) und als angestellter Dolmetscher im Jahr 1984 begonnen (Konsekutiv- und Simultandolmetschen) machte ich mich selbstständig. Aus Geldmangel habe ich mich damals selbst auf die Prüfungen vorbereitet und die Prüfungszulassung durch Zeugnisse und Tätigkeitsnachweise erreicht. Somit hatte ich nur die Prüfungsgebühren zu bezahlen, was damals ungefähr 400,- DM pro Prüfung ausmachte. Die Vorbereitung über eine Privatschule liegt bei etwa 350 bis 500 EUR / Monat, drei Jahre lang. 7. Reicht die Standard-Ausbildung für einen sicheren Berufseinstieg aus oder werden Zusatzqualifikationen benötigt? Wenn ja, welche? Eine Spezialisierung ist sehr hilfreich (eventuell Zweitstudium oder Ausbildung, aber auf jeden Fall praxisorientiert, d.h. möglichst nicht Philosophie o.ä.). Anfangs kann eine Spezialisierung eher erschwerend sein, weil keine breit gefächerte Nachfrage da ist. Aber sobald man seine Nische gefunden hat und sofern man gut ist, kann man eine sehr gute Auslastung erreichen. Sehr wichtig sind auch überdurchschnittliche gute EDV-Kenntnisse (allgemein) und ebenso gute Kenntnisse mir einschlägigen Übersetzungstools (Trados, Transit usw.) 20

21 8. In wieweit haben sich Ihre Erwartungen zu Beginn Ihrer Ausbildung später im Beruf bestätigt? Meine Erwartungen haben sich erst fünf Jahre nach meinem Schritt in die Selbstständigkeit erfüllt und zwar dahingehend, dass ich irgendwann auch nur noch das übersetzen musste, was mir auch Spaß machte. Ansonsten muss man damit rechnen, dass gerade das, was von der Thematik und dem Anspruch her nicht so hoch angesiedelt ist, genau das ausmacht, was den Umsatz bringt. 9. Was ist das Einstiegsgehalt bzw. was sind die branchenüblichen Gehälter? Als angestellter Übersetzer liegt das Anfangsgehalt im Übersetzungsgewerbe bei ca bis 2500 EUR. In der Wirtschaft eher bei 2500 bis 3000 EUR. 10. Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten in Ihrem Beruf? Im Angestelltenverhältnis kommt es darauf an wie groß der Arbeitgeber ist. Unternehmen wie Siemens z.b. haben hauseigene Übersetzungsunternehmen, in denen bis zur Leitung der gesamten Abteilung alles drin ist. Freiberuflich kann man sich natürlich auch ein eigenes Unternehmen aufbauen. 11. Wie gewinnen Sie Ihre Kunden? Zum einen über die herkömmlichen Wege, Mailings, Messen etc. (Zielgruppe anfangs eher Übersetzungsbüros, da dies schneller zum Erfolg führt, wenn auch zu reduzierten Tarifen), zum anderen ist die Mund-zu-Mund-Propaganda das wichtigste Instrument überhaupt. 12. Würden Sie Ihren beruflichen Werdegang wiederholen oder würden Sie etwas ändern? In meinem Fall würde ich heute von Anfang an ein Studium anstreben, da dieser Weg erheblich einfacher ist. Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Teilnahme :-) 21

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