KEYSTONE. DieMeereder Schweiz. Langjährigen Weggefährten im Topmanagement könnte dienähezu Ex-ChefVincenz zum Verhängnis werden.

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1 Frauen frieren Eizellen ein, weil der Partner fehlt, nicht wegen der Karriere Seite 37 GETTY IMAGES Ewig lockt die Mars-Mission Seite 16 KEYSTONE ILLUSTRATION: ANDREA CAPREZ Amerikaner sind offen und nett. Zurück in der Schweiz, erlebt man nur Missmut. Polemik eines Rückkehrers Seite Juli 2018 Nr. 29 NZZaS.ch Fr Schweiz - EU: Fast Verstösse gegen den Lohnschutz Ein Sündenregister zeigt, wie oft Firmen die flankierenden Massnahmen verletzen. Zu den Sanktionierten gehören auch bekannte Konzerne. Daniel Friedli Die Schweizer Behörden sanktionieren im Schnitt jeden Tag zehn Firmen wegen Verstössen gegen die flankierenden Massnahmen. Dies geht aus einer Liste hervor, auf welcher das Staatssekretariat für Wirtschaft all jene Betriebe aufführt, die in den vergangenen fünf Jahren wegen Verstössen gegen das Entsendegesetz geahndet, gebüsst oder sogar gesperrt wurden. Insgesamt umfasst die Liste über rechtskräftig entschiedene Fälle. Rund 1400 Firmen unterliegen zurzeit der schärfsten Sanktion, einer Dienstleistungssperre. In der Schweiz dürfen sie für eine bestimmte Zeit keine Aufträge annehmen. Unter den Sündern finden sich viele Klein- und Einmannbetriebe aus gut 30 Ländern. Mitunter erwischt es aber auch bekannte Konzerne. Sowurden Vertretungen von ABB, Lidl, Nokia, Bombardier oder der deutschen Bosch-Gruppe geahndet. Zudem finden sich auf der Liste auch deutsche Niederlassungen von prominenten Schweizer Firmen wie Swiss Post Solutions, die der Schweizerischen Post gehört. Was sich die Firmen im Detail zuschulden kommen liessen, geht aus den Angaben nicht hervor. Ganz allgemein dominieren aber Sanktionen im Zusammenhang mit den Meldevorschriften und der 8-Tage-Regel. Laut dieser müssen sich ausländische Firmen, die hierzulande tätig sein wollen, mindestens acht Tage im Voraus anmelden. Andere Sünder verweigerten Auskunftspflichten oder ignorierten Bussen. In etlichen Fällen geht es um die Missachtung der minimalen Löhne und Arbeitsbedingungen. Die Zahlen dürften in den Konsultationen zu reden geben, die Bundesrat Johann Schneider- Ammann in diesen Tagen mit den Sozialpartnern starten will. Die Gewerkschaften jedenfalls mahnen bereits, auch diese Liste zeige, wie wichtig ein griffiger Lohnschutz sei. Man müsse die flankierenden Massnahmen daher verstärken und nicht schwächen. Seite 9 Kommentar Seite 13 NICOLAS BRODARD DieMeereder Schweiz Blaue Becken, heisser Beton, gute Architektur: Badis sind die Meere für die Daheimgebliebenen. Eine Ode an die schönsten Schweizer Freibäder, wie hier das Gruebi-Bad von 1931 in Adelboden. «Stil»-Magazin Fremde Investoren in Alpen stossen auf Widerstand Jetzt gerät die Geschäftsleitung von Raiffeisen ins Visier Saas Fee liegt im Clinch mit seinem amerikanischen Investor und Crans Montana mit seinem tschechischen Geldgeber. Zu Beginn klang die Liaison mit einem ausländischen Investor in den beiden Walliser Skiorten wie ein Wintermärchen, inzwischen aber liegen die Nerven blank: In Crans Montana stellte der tschechische Immobilienmogul Radovan Vitek diesen April kurzerhand die Skilifte während zweier Tage ab, weil die Gemeinde Leistungen von Viteks Bergbahnen nicht gebührend abgegolten haben soll. In Saas Fee wollte der US-Hedge-Fund- Manager Edmond Offermann die Aktienmehrheit an der Bergbahngesellschaft übernehmen, lief aber vor kurzem bei den Aktionären auf. Der Clinch endete mit dem Rücktritt von Primin Zurbriggen als Präsident der Bahnen. Der einstige Skistar sagte danach: «Ich wehre mich gegen den drohenden Ausverkauf der Heimat.» Solche Stimmen mehren sich zumal ausländisches Kapital auch in grossem Stil in Luxushotels fliesst. Im Kanton Bern etwa sorgt sich das Parlament vor dem wachsenden Einfluss der Investoren im Oberland. (dli./aku.) Seite 7 Auf der einen Seite muss manhelfen, damit Menschen nicht ertrinken. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass jeder, der gerettet wird, nach Europa kommt. Wolfgang Schäuble, deutscher Bundespräsident, über die Debatte zur Flüchtlingspolitik. Seite 3 Langjährigen Weggefährten im Topmanagement könnte dienähezu Ex-ChefVincenz zum Verhängnis werden. Ueli Kneubühler Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hat diesen Mittwoch seinen Abgang per Ende Jahr bekanntgegeben. Der Schatten der Ära von Pierin Vincenz war zu gross. Gisel hat das System seines Vorgängers während 13 Jahren als Stellvertreter mitgetragen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung. «Ich erwarte nach der Wahl von Konzernchef und Präsident auch Veränderungen im Topmanagement», sagt Kurt Sidler, Sprecher der Raiffeisen-Verbände und Präsident von Raiffeisen Luzern. «In der Geschäftsleitung amtieren viele Mitglieder bereits seit zehn Jahren. Sie sind also Teil der Ära Vincenz.» Neben Gisel sind vier der übrigen sieben Mitglieder der Geschäftsleitung langjährige Weggefährten. Entscheidend ist, welche Schritte die Finanzmarktaufsicht (Finma) unternimmt. Die Behörde wartet die Resultate der internen Untersuchung der Kanzlei Homburger unter Führung von Bruno Gehrig ab. Der Bericht soll Ende Jahr vorliegen, inoffiziell wird der Termin der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 10. November angestrebt. «Auf Basis einer bankinternen Untersuchung wird die Finma allenfalls separate Verfahren gegen weitere Bankmitarbeiter von Raiffeisen eröffnen», sagt der auf Bankrecht spezialisierte Anwalt Jean-Marc Schaller. «Betroffen von solchen Verfahren könnten unter anderem die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung sein.» Seite 20

2 Aktuell NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 REINER PFISTERER DPA / KEYSTONE KHALIL ASHAWI / REUTERS Marchionne muss bei Fiat Chefposten aufgeben ISS-Astronaut Alexander Gerst, Band Kraftwerk. Hier kommt Astro-Alex: Live-Duett aus dem All Kosmische Überraschung in Stuttgart: Während eines Open-Air-Konzerts der Band Kraftwerk wurde der Astronaut Alexander Gerst live von der Internationalen Raumstation (ISS) zugeschaltet. Die ISS sei eine «Mensch- Maschine», sagte Gerst am Freitagabend den Musikfans. Er verwies damit auf das gleichnamige Album Prügelskandal belastet Frankreichs Regierung der legendären Band. Zudem spielte er mit dem Kraftwerker Ralf Hütter im Duett den Song «Spacelab». Dafür hatte Gerst eigens ein speziell programmiertes Tablet mit ins All genommen. Dort soll der 42-Jährige bis Dezember bleiben. Im Herbst übernimmt er als erster Deutscher das Kommando auf der ISS. (dpa) Innenminister Collomb. Der Skandal um Alexandre Benalla, einen Sicherheitsmitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron, weitet sich aus. Gestern Samstag wurden drei Polizisten festgenommen, die dem 26-Jährigen illegal Überwachungsvideos verschafft haben sollen. Schon am Mittwoch war bekannt geworden, dass Benalla an einer Kundgebung zum 1. Mai in Paris einen Mann verprügelt und sich als Polizist ausgegeben hatte. Innenminister Gérard Collomb soll davon gewusst, aber die Justiz nicht eingeschaltet haben. Er muss nun im Parlament Red und Antwort stehen. (vmt.) Amsterdam eröffnet Grachten-Metro Gut 15 Jahre nach Baubeginn ist in Amsterdam eine neue Metrolinie unter dem Weltkulturerbe der Grachtenstadt eröffnet worden. Die rund neun Kilometer lange «Noord- Zuid-Lijn» führt unter dem historischen Grachtengürtel und dem Ij-Gewässer hindurch und verbindet den Norden mit dem Zentrum und dem Süden der Metropole. «Dies ist ein grosser Schritt in die Zukunft der Stadt», sagte Stadtpräsidentin Femke Halsema am Samstag. Zum ersten Mal waren unter dem von der Unesco geschützten historischen Zentrum Tunnel gebohrt worden. Es war eines der umstrittensten Bauprojekte der Niederlande. Mit rund 3,6 Milliarden Franken kostete der Bau mehr als doppelt so viel wie geplant und dauerte gut sieben Jahre länger. (dpa) IMAGO JASPER JUINEN / EPA / KEYSTONE Rebellen aus Daraa werden in die Provinz Idlib deportiert. (Hama, 21.Juli 2018) Syrische Truppen rücken auf den Golan vor In Idlib sind nun fast alle Regime-Gegner konzentriert. Die Provinz soll das nächste Angriffsziel sein Inga Rogg, Istanbul Syrische Truppen und ihre russischen Unterstützer haben gestern Samstag mit Luft- und Artillerieangriffen ein Gebiet an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen unter Beschuss genommen. Das Gebiet im südwestlichsten Zipfel der Provinz Kuneitra wird vom lokalen Ableger der Extremisten des Islamischen Staats (IS) beherrscht. Gleichzeitig rückten syrische Truppen weiter nördlich in der Provinz in Dutzende von Ortschaften vor, die in den letzten Jahren von gemässigten Rebellen sowie in einigen Fällen von islamistischen Hardlinern kontrolliert wurden. Seit Beginn der Offensive vor gut einem Monat konzentrierten sich die syrischen und russischen Angriffe vor allem auf die gemässigten Rebellen in den beiden Nachbarprovinzen Daraa und Kuneitra. Nachdem ihre einstigen Unterstützer, die Amerikaner und Jordanier, klargemacht hatten, dass diese von ihnen keine Hilfe erwartenkönnen, gaben die Aufständischen in Daraa auf. Eingezwängt zwischen Israel im Westen und dem Regime im Osten, blieb den Rebellen in Kuneitra auch nichts anderes übrig, als zu kapitulieren. Am Donnerstag willigten die meisten in ein «Versöhnungsabkommen» ein. Ohne Unterstützung von aussen hatten die Aufständischen angesichts der schweren Luftund Artillerieangriffe nur die Wahl: entweder zu sterben oder sich zu beugen. Da die Russen wie die Syrer rücksichtslos jeden bombardierten, hätte dies nur noch mehr Leid unter der Zivilbevölkerung bedeutet, auf deren Unterstützung die Rebellen angewiesen sind. Wer sich nicht beugen will, muss sich dem Treck der Deportierten nach Idlib anschliessen. Bis zum Samstagnachmittag brachen Dutzende Busse mit Kämpfern und ihren Familien in Richtung Norden auf. Nach Angaben der in Grossbritannien ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verliessen mehr als 2800 Personen aus Kuneitra und Daraa die Region, unter ihnen mehr als 900 Kinder. Die Provinz Idlib im Nordwesten des Landes ist von einem kleinen, strategisch unbedeuten- Neue Kooperation Hilfe für Ost-Ghuta Frankreich und Russland haben am Samstag erstmals gemeinsam ein Flugzeug mit Hilfsgütern nach Syrien geschickt. Eine russische Militärmaschine brachte vom französischen Châteauroux 50 Tonnen Hilfsgüter für die Menschen in der früheren syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta zum Militärflughafen Hmeimim. (afp) den Gebiet an der irakischen Grenze abgesehen die letzte Rebellenhochburg. Der Rest, der sich nicht unter Regimekontrolle befindet, wird von Kurden kontrolliert. Idlib ist auch eine Bastion von Extremisten aller Couleur. In der perfiden Logik des Regimes macht es Sinn, Kämpfer dorthin ziehen lassen. Es konzentriert sämtliche Regimegegner auf einem Fleck. Aus dem Umfeld des Regimes heisst es: Idlib werde das nächste Ziel sein. Die Entscheidung wird am Ende Moskau treffen. Idlib ist Teil der zwischen Russland, der Türkei und Iran vereinbarten Deeskalationszone. Hunderte türkische Soldaten sind in der Region stationiert. Auch die IS-Extremisten in Kuneitra werden entweder sterben oder die Waffen strecken müssen. Am Freitag startete das Regime die Offensive. Durch einen Bombenangriff sollen laut der Beobachtungsstelle 26 Zivilisten getötet worden sein. Ein Korrespondent der «Jerusalem Post», der das Kampfgeschehen auf der israelischen Seite des Golan verfolgte, berichtete amsamstag von 30 Luft- und Artillerieangriffen innerhalb von drei Stunden. Israel reagierte auf das Vorrücken der Syrer bisher gelassen. Für Jerusalem zählt vor allem, dass es vom Golan keine Angriffe befürchten muss. Das soll der russische Präsident Wladimir Putin dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zugesichert haben. Der Chef von Autobauer Fiat-Chrysler ist schwer erkrankt. Die Firma sagt, er werde nicht mehr zurückkommen. Der legendäre Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne muss die Führung des Autobauers aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Nach einer Schulteroperation sei es zu unerwarteten Komplikationen gekommen, die sich in den vergangenen Stunden erheblich verschlechtert hätten, teilte der italienisch-amerikanische Autobauer am Samstag mit. Der 66-Jährige könne auch seine Arbeit als Präsident und Vorstandschef der Tochter Ferrari nicht wiederaufnehmen, hiess es in einer Ferrari-Mitteilung. Die Führung von Fiat Chrysler übernimmt nun Mike Manley, der seit vielen Jahren zum Top- Management des Autobauers gehört. Neuer Präsident von Ferrari wird John Elkann, Angehöriger der Familie Agnelli und Fiat-Präsident. Einzelheiten zu Marchionnes Zustand wurden nicht bekannt. Allerdings klangen die Kommentare Elkanns sehr ernst. «Ich bin zutiefst betrübt, von dem Gesundheitszustand von Sergio zu erfahren», schrieb er, und fügte hinzu: «Er lehrte uns, anders zu denken und den Mut zur Veränderung zu haben.» Marchionne wollte seinen Posten bei Fiat Chrysler eigentlich im Jahr 2019 aufgeben. Er war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte er die Übernahme des ebenfalls angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein. Seither stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent so stark wie bei keinem anderen Unternehmen der Branche. Als sein Vermächtnis gilt die Fokussierung auf Nischenmarken. Zuletzt erreichte er die Schuldenfreiheit des Konzerns. Vor seinem Fiat-Engagement hatte sich Marchionne in der Schweizer Wirtschaft einen Namen gemacht unter anderem als Sanierer der Genfer SGS und als Chef von Lonza. (dpa/maz.) BLOOMBERG Sergio Marchionne Stadtpräsidentin Femke Halsema. Steve Bannon will Europa erobern Die Galionsfigur der amerikanischen Rechten, Steve Bannon, will in Europa eine eigene Bewegung namens «The Movement» gründen. Dies berichtete das US-Nachrichtenportal «Daily Beast» am Freitag. Der 64-jährige Ex-Berater von Präsident Donald Trump plane eine «rechtspopulistische Supergruppe» im Europäischen Parlament. Dieser könnten nach der nächsten europäischen Wahl im Frühjahr 2019 bis zu einem Drittel der Abgeordneten angehören. Es wird erwartet, dass Bannon sein Hauptquartier in Brüssel aufschlägt. (dpa) Untersuchung gegen Spaniens Altkönig Spaniens Justiz ermittelt gegen den früheren König Juan Carlos dabeigeht es auch um einschweizer Konto. Matthias Knecht Die Monarchie in Spanien gerät nach Korruptionsvorwürfen gegen Altkönig Juan Carlos in die Defensive. Zu diesem Schluss sind am Samstag Kommentatoren der Medien in Madrid gekommen. Anlass waren die am Tag zuvor bekannt gewordenen Ermittlungen der Justiz gegen den 80-jährigen Monarchen. Er wird in einer durchgesickerten Tonaufnahme von seiner früheren Freundin Corinna zu Sayn-Wittgenstein verdächtiger Geschäfte beschuldigt. Unter anderem soll Juan Carlos 80 Millionen Euro Provision von Saudiarabien angenommen und auf ein Schweizer Konto überwiesen haben, das auf den Namen der Adligen lief. «Wir haben ja schon ein Mitglied des Königshauses im Gefängnis», schrieb dazu süffisant die Digitalzeitung «Cuarto Poder». Das Blatt spielte damit auf den im Juni wegen Geldwäsche und anderer Vergehen verurteilten Schwiegersohn Iñaki Urdangarin an. Auch Juan Carlos selbst empörte gegen Ende seiner fast 39-jährigen Regentschaft mit Eskapaden. Dazu gehörte eine Elefantensafari im Jahr 2012, während Spanien in einer Wirtschaftskrise steckte. Auch darum dankte der König 2014 ab, zugunsten seines Sohnes Felipe. Ob die Monarchie damit gerettet ist, wird sich zeigen. Denn zur Ermittlung der Justiz könnte bald auch noch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss kommen. Ein solcher wurde zwar bisher von der sozialistischen Regierung abgelehnt. Laut der Zeitung «El Mundo» überlegt man es sich aber inzwischen nochmals. Die meistgelesenen Artikel der Woche Outdoor-Firma Patagonia verklagt Trump und verdient viel Geld damit nzz.as/top1 P-26 oder die Mär von der Schweizer Geheimarmee nzz.as/top2 Mütter sollen nach der Scheidung an die Arbeit nzz.as/top3 Eritreas Regime ist vom Frieden bedroht nzz.as/top4 Wie sich Jugendliche mit Online-Spielen verschulden nzz.as/top5

3 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 International Europa 3 «Das westliche Modell ist unter Stress. Überall in Europa. In Amerika auch» Deutschlands früherer Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert die junge Generation auf: Kümmert euch! Sein Rat an sich selbst: Nicht auf Tweets von Donald Trump reagieren. Interview: Matthias Knecht, Berlin NZZ am Sonntag: Sie habenbei Ihrer Wahl zum Bundestagspräsidenten im Oktober angekündigt, auf mehr Anstand in der demokratischen Debatte zu achten. Ist das gelungen? Wolfgang Schäuble: Das ist ja meine Rolle. Ich glaube, dass das im Bundestag im Wesentlichen gelungen ist. In der öffentlichen Debatte ist es nicht immer so. Ich kann aber auf mehr Anstand hinwirken. Die Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alice Weidel,haben Sie für die Aussage «Kopftuchmädchen» gerügt. Wie im Fussball versuchen auch viele Kollegen im Bundestag an der Grenze zu operieren. Sie hat das getan, indem sie von «Kopftuchmädchen und anderen Taugenichtsen» sprach. Da habe ich reagiert und gesagt: «Sie haben damit alle Frauen, die Kopftuch tragen, zu Taugenichtsen erklärt.» Dann war da der andere Co-Vorsitzende Alexander Gauland. Er bezeichnete die Zeit des Nationalsozialismus als «Vogelschiss». Das war nicht im Parlament! Das hat Herr Gauland bei einer AfD-Veranstaltung Anfang Juni gesagt. Nun bin ich nicht der Zensor in der politischen Debatte. Ich habe mich aber auf Anfragen von Medien entschieden, dazu öffentlich Stellung zu nehmen. Denn der verantwortliche Umgang mit der schrecklichen Last des Holocaust gehört zum Grundkonsens der Bundesrepublik Deutschland. Es geht ja hier darum, was in einer Demokratie sagbar ist und was unsäglich ist. Können Sie das so einfach definieren? Was als Beleidigung ausserhalb des Parlaments strafbar wäre, das muss gerügt werden. Und was gegen die Würde des Hauses verstösst. Wenn Sie im Parlament sagen: Das ist Hetze, das ist Diebstahl oder das ist Verleumdung, werden Sie nicht gerügt. Wenn Sie aber sagen, eine bestimmte Person sei ein Dieb, Verleumder, Hetzer, muss ich es rügen. Das ist unsere Linie. Wenn etwa der bayrische Ministerpräsident Markus Söder von Asyltourismus spricht, überschreitet das auch die Grenze? Nein. Im Übrigen hat Herr Söder inzwischen gesagt, dass er den Begriff nicht mehr verwenden will. Der Gehalt der Debatte ist doch der: Die Genfer Konvention definiert einen Schutzanspruch für Verfolgte. Dieses Menschenrecht heisst aber nicht, dass jeder Mensch entscheiden kann, wo er Zuflucht findet. Deswegen gibt es die sicheren Herkunftsländer. Die entsprechende Änderung hatte ich, zunächst als Innenminister, dann als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Jahr 1993 durchgesetzt. Kommt der schrille Ton nicht auch daher, dass die Bürger wahrnehmen: Der Staat setzt seine Versprechen nicht richtig um? Etwa beim Asyl? Als Menschen müssen wir anderen Menschen, denen es schlechter geht, helfen. Wir können zwar nicht allen helfen. Das ist aber kein Argument, niemandem zu helfen. Und die Balance zu finden und zu halten, ist unglaublich schwierig. Es gibt dafür keine einfache Lösung. Also muss der Staat die Dinge so gut wie möglich lösen. Darüber hinaus muss man erklären, warum es in freiheitlichen Ordnungen die perfekte Lösung nicht gibt. Die riesige Aufgabe von Politik ist hier, Vertrauen zu vermitteln. Stattdessen herrscht Politikverdruss. Den akzeptiere ich nicht. Kein Politikverdruss? Doch, es gibt Anzeichen dafür. Die Wahlbeteiligung und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen sind schwächer geworden. Diese Woche haben mich Schüler gefragt: Was tun Sie, um die junge Generation für Politik zu interessieren? Da habe ich gesagt: Das ist eine merkwürdige Frage! Ich muss sagen: Kümmert euch! Hätten die jungen Menschen in Grossbritannien an der Brexit-Abstimmung teilgenommen, es hätte keinen Brexit gegeben. Und doch ist das Vertrauen in die Politik weg. Das westliche Modell ist unter Stress. Überall in Europa. In Amerika auch. Einst verhandelte er die deutsche Einheit, später rettete er den Euro: Wolfgang Schäuble. (Berlin, 19.Oktober 2017) Wolfgang Schäuble Diener zweier Kanzler Unter Kanzlerin Angela Merkel war Wolfgang Schäuble als Finanzminister eine zentrale Figur in der Euro-Krise. Unter Kanzler Helmut Kohl verhandelte Schäuble als Innenminister 1990 die Wiedervereinigung. Der CDU-Politiker ist der dienstälteste deutsche Parlamentarier: Er sitzt seit 1972 im Bundestag und ist seit Oktober dessen Präsident. Sie waren als Finanzminister unter Kanzlerin Angela Merkel einer der zentralen Akteure in der Euro-Krise. Wenn jetzt Griechenland aus der Obhut der Gläubiger entlassen wird können Sie sagen, dass die Krise so gut wie möglich gelöst wurde? Ich glaube, wir haben es in den acht Jahren, in denen ich Finanzminister war, so gut wie möglich gemacht. Das Grundproblem aber ist die Struktur dieser Währungsunion, das ist ein Konstruktionsmangel, und der ist nicht behoben. Dann hat Europa sein Grundproblem nicht gelöst? Es ist dringend notwendig, dafür müsste man aber Änderungen der Lissabonner Verträge durchsetzen, des europäischen Primärrechts, und das ist heute unrealistisch. Darum müssen wir pragmatisch und flexibel mit den Instrumenten, die wir haben, Europa effizienter machen. Europa kommt eben nur schrittweise voran. Heisst das, dass eseine gemeinsame Haftung der Euro-Länder braucht? Eine gemeinsame Währung erfordert eine gemeinsame Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die andere ungelöste Krise ist die der Flüchtlinge. Drei Jahre nach dem Höhepunkt des Ansturms gibt es plötzlich einen Streit zwischen den RegierungsparteienCDU und CSU. Das Grundproblem ist doch, dass die Grenzen nicht mehr die abschottende Wirkung haben wie früher, weder wirtschaftlich noch in der Informationsvermittlung. Wir wissen, was in Darfur oder in Jemen passiert. Damit müssen wir uns stärker auseinandersetzen und bessere Lösungen finden. Aber wir wissen auch, dass Menschen eine gewisse Ordnung brauchen, um nicht aus den Grundtugenden einer freiheitlich moderaten Demokratie zu fallen. Das ist die entscheidende Aufgabe in Zeiten der Globalisierung. Das ahnen die westlichen Gesellschaften. Mehr oder minder. In Amerika wollen sie eine Mauer zu Mexiko bauen. Naja. Und in Europa versucht man es mit unterschiedlichen Instrumenten. Auf ihrem letzten Gipfel hat die EU vereinbart, Flüchtlinge mithilfe von Anlandungsplattformen umzuverteilen. Ist das realistischer als der Mauerbau in den USA? Jetzt lassen wir mal die Details wie Anlandungsplattformen weg. Wir haben eine heftige Debatte in Deutschland über die Rolle der Hilfsschiffe zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen im Mittelmeer. Auf der einen Seite muss man helfen, damit Menschen nicht ertrinken. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass jeder, der gerettet wird, nach Europa kommt. Dieses Dilemma ist objektiv. Unser früherer Bundespräsident Joachim Gauck sagte: «Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.» Die CDU/CSU ist jetzt nun einmal in der Regierungsverantwortung, und mit all den Ereignissen der letzten Jahre kann dann über Kleinigkeiten ein Konflikt ausser Kontrolle geraten. Aber das haben wir eingefangen. Also ist die Regierungskrise beigelegt? Ja. Aber jetzt haben wir gerade Sommerpause. Immer dann, wenn wir glauben, wir hätten keine Krise, legen wir die Ursache dafür, dass die nächste gerade ausbricht. Zum Beispiel im westlichen Verteidigungsbündnis Nato. Können Sie nach den Auftritten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in den letzten Tagen sagen: Die transatlantische Partnerschaft existiert noch? Die existiert. Die ist ja nicht auf einzelne Personen bezogen. Und man kann ja schwer bestreiten, dass Trump mit seinem Vorwurf, die Europäer, insbesondere die Deutschen, täten für die Verteidigung ein bisschen weniger als andere, auch nicht ganz falsch liegt. Frau Merkel hat früher und klarer als andere formuliert, dass mit der russischen Besetzung der Krim 2014 ein Prinzip umgestossen wurde, von dem wir in Europa geglaubt haben, dass es hält, nämlich dass Grenzen nicht mehr einseitig verändert werden. Versetzen Sie sich mal in die Lage der baltischen Staaten. Da haben Sie das nächste Problem, und die Antwort ist auch nicht einfach. Das Grundproblem ist doch, dass die Grenzen nicht mehr die abschottende Wirkung haben wie früher. JENS GYARMATY / VISUM Es geht ja auch um den Stil der Debatte. Und da haben wir offenbar nicht nur im Bundestag, sondern auch international eine Herausforderung. Der amerikanische Präsident hat eine Kommunikation, die mir fremd ist. Mein Rat an mich selber ist, nicht so vermessen zu sein, auf einzelne Tweets des amerikanischen Präsidenten reagieren zu wollen. Es interessiert ihn sowieso nicht, was ich dazu sage, und morgen sagt er wieder das Gegenteil, und dann stelle ich fest, dass ich das irgendwie nicht richtig verstanden habe. Vielleicht hat er sich wirklich in Helsinki versprochen. Aber deswegen kann ich nicht sagen, die transatlantische Partnerschaft existiert nicht mehr. Wir brauchen die Amerikaner. Wir haben ein gemeinsames Grundverständnis von Freiheit, Demokratie und der Herrschaft des Rechts. Das Russland Putins ist mir in diesen Fragen ferner. Und China ebenfalls. Trump stellt gleichzeitig die Beistandspflicht der Nato infrage. Diese Woche etwa am Beispiel von Montenegro, dessen Verteidigung er nicht garantieren will. Naja, vielleicht wird er morgen sagen, er habe sich da versprochen. Möglicherweise. Aber das sät doch Zweifel am Verteidigungswillen. Ich verteidige seine Äusserungen nicht, aber ich muss nicht jede einzelne kommentieren. Die Frage war: Ist das transatlantische Bündnis noch vorhanden. Und die Antwort war ja. Es gibt Probleme. Aber das ist auch wieder korrigierbar. Sollte in dieser Korrektur Deutschland eine stärkere Rolle einnehmen? Ja klar, indem wir unsere Aufgaben besser machen. Wir Deutsche haben genügend Dinge, bei denen wir vor der eigenen Haustüre kehren müssen. In meiner Geburtsstadt Freiburg im Breisgau wurde oft Goethe zitiert: «Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür, und sauber ist das Stadtquartier.» Braucht es nicht mehr? Ein Deutschland, das das Führungsvakuum füllt? Europa muss eine stärkere Rolle spielen. Das ist unbestritten. Und dass in Europa Länder wie Frankreich oder Deutschland eine besondere Führungsverantwortung haben, ist auch unbestritten. Deswegen ist auch gut, dass Frankreich mit Präsident Emmanuel Macron wieder sehr viel dynamischer, aber auch europäischer auftritt. Auch selbstbewusster, nachdem sie gerade Fussballweltmeister geworden sind. Das ist nicht nur symbolisch. Es gibt einen neuen Aufbruch in Frankreich. Wird jetzt Frankreich die Führungsrolle übernehmen? Nein. Frankreich und Deutschland tragen gemeinsam Führungsverantwortung. Das heisst, Sie bleiben zuversichtlich mit Europa? Ich bleibe zuversichtlich. ANZEIGE Privatklinik amzürichsee Nur unglücklich oder schon depressiv? depression

4 4 International NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Die Mauer in den Köpfen CHARLES MCQUILLAN / GETTY IMAGES Katholiken und Protestanten leben trotz Friedensabkommen noch immer getrennt in Nordirland. Der Brexit schürt nun die schlummernden Spannungen Martin Alioth, Portadown Die Garvaghy Road ist an diesem Sonntag ziemlich menschenleer. Diskret flattern irische Trikoloren von den Laternenpfählen; sie signalisieren, dass hier die Katholiken von Portadown wohnen, jener nordirischen Stadt, wo vor über zweihundert Jahren der protestantische Oranier Orden gegründet wurde. Carmel Robinson, eine lokale Journalistin, weiss, wo die Einheimischen sind: «Die Nationalisten haben sich nach Donegal abgesetzt.» Portadowns Katholiken seien in die Republik Irland geflohen. «Während der Paradensaison sind die Kneipen hier leer», fügt sie hinzu, und meint natürlich nur jene Kneipen, die von Katholiken frequentiert werden. Boykott vonläden Es ist der Sonntag der alljährlichen Oranier Parade zur anmutigen Pfarrkirche von Drumcree. Polizeiinspektor Leslie Badger hat mit vier Kolleginnen eine symbolische Abschrankung auf der kleinen Strasse errichtet. Seit zwanzig Jahren werden die Oranier daran gehindert, durch die Garvaghy Road zu marschieren. Badger erklärt: «Weil die Parade durch einen nationalistischen Teil von Portadown führen würde und die Bewohner nicht einverstanden sind.» Mitglieder des Oranier-Ordens vor dem Start des umstrittenen Umzugs. (Portadown, 8. Juli 2018) Zollposten an der Grenze wären Zielscheiben für Splittergruppen der IRA. Die Oranier formulieren ihren Protest, dann beten sie kehlig das Vaterunser und singen «God Save The Queen», bevor sie rechtsumkehrt machen. Wie jedes Jahr. Der Meister des Distrikts Portadown, Darryl Hewitt, bestätigt, dass Katholiken und Protestanten hier immer noch getrennt lebten. «Drumcree ist ein Symbol dafür», sagt er. «Die Spannungen werden nicht nachlassen, bis diese Paradenfrage gelöst ist.» Robert Oliver, andessen oranger Schärpe eine Plakette stolz «Deputy County Grand Lecturer» verkündet, begründet das Verbot mit «der grösseren Gewaltandrohung». Der Garvaghy Anwohnerverein werde von «finsteren Elementen» gesteuert, meint er. Breandán Mac Cionnaith, seit Jahrzehnten der Sprecher jener Anwohner, erinnert daran, dass die konfessionellen Spannungen in Portadown bis ins 19. Jahrhundert zurückreichten sei ein Katholik während einer Parade von Protestanten erschossen worden, weiss er. Was er wohlweislich nicht erwähnt: Er selbst hatte in den achtziger Jahren eine sechsjährige Haftstrafe verbüsst, weil er im Namen der katholischen Terrorgruppe IRA das Stadtzentrum von Portadown bombardieren wollte. Dieses Stadtzentrum wird unverändert von protestantischen Geschäften dominiert. Die Journalistin Carmel Robinson erzählt, zahlreiche Katholiken mieden diese Geschäfte. Dieser Boykott war ursprünglich ein Protest gegen die Drumcree Paraden in der Mitte der neunziger Jahre. Sie spricht von «unsichtbaren Schranken» in Portadown, die von Katholiken nicht überquert würden. Ein grünes T-Shirt reicht Zwist und Bitterkeit sitzen tief. Auch zwanzig Jahre nach dem Friedensschluss teilen die beiden Konfessionsgruppen Nordirlands im Alltag wenig. Die meisten Sportarten werden getrennt betrieben, im geselligen Leben bleibt man unter sich. Und das wird sich so rasch nicht ändern: Nur 7 Prozent aller Kinder besuchen «integrierte» Schulen. Der bevorstehende Brexit schürt Spannungen. Nordirland stimmte mit 56 Prozent dagegen. Eine neuere Befragung ergibt gar 69 Prozent, die in der EU bleiben möchten, was weitgehend ein katholisches Anliegen ist. Selbst die irische Wiedervereinigung wird als Option nun erwogen. Und so scheint es sinnträchtig, dass die nordirische Grenze dereinst die einzige Landgrenze der EU mit dem britischen Staat in den letzten Tagen zum Brennpunkt der Brexitverhandlungen geworden ist. Die EU beharrt auf einer rechtsgültigen Garantie, dass diese Grenze wie heute unsichtbar bleibe. Theresa May ist einverstanden, doch ihre neue Patentlösung, die sie am Freitag in Belfast präsentierte, ist eine Mogelpackung, die von der EU abgelehnt wird. Die irische Regierung und die EU beharren darauf, dass es ohne eine solche Garantie kein Scheidungsabkommen und folglich keine Übergangsfrist geben könne. May lässt durchblicken, dass sie von ihrer eigenen Partei gestürzt werde, wenn sie weitere Zugeständnisse mache. Es droht der vertragslose Zustand ab Ende März Diese Aussicht weckt in Nordirland Ängste. Zollposten an der Grenze wären Zielscheiben für Splittergruppen der IRA. Diese lassen derzeit ihre Muskeln spielen. Sie werden beschuldigt, im Juli Krawalle in Derry angezettelt zu haben. Sie schikanierten die Bewohner des Fountain Estate, der letzten protestantischen Exklave auf dem westlichen Ufer des Flusses Foyle. Nun wird erwogen, die sieben Meter hohen Gitterzäune, die das Quartier und seine rund 350 Bewohner einfrieden, zu erhöhen. Spannungen und Ungewissheiten über die Zukunft führen in Nordirland letztlich immer zu Reibereien zwischen Katholiken und Protestanten. Sichtbare Beweise dieser unveränderten Segregation bilden die 106 «Friedensmauern», die in Belfast, Derry, Lurgan und Portadown noch immer Katholiken von Protestanten trennen. Die vergitterte Türe, die das Fountain Estate mit der historischen Altstadt von Derry verbindet, wird jeden Abend um 21 Uhr versperrt. Ein hässlicher Zwischenfall mag stellvertretend für das Konfliktpotenzial an der Basis stehen. Anfang Juli bauen «Loyalisten» das sind junge, oftmals handgreifliche Protestanten riesige Scheiterhaufen aus Holzpaletten. Diese werden in der Nacht auf den 12. Juli, dem alljährlichen Höhepunkt der Oranier Paraden, in Brand gesteckt. Auch in Portadown werden Scheiterhaufen errichtet. Dieses Jahr attackierten Loyalisten einen jungen Mann, der mit Frau und Kind seine Einkäufe besorgt hatte und an einer Ampel halten musste. Er wurde aus dem Auto gezerrt und spitalreif geprügelt. Inspektor Badger bestätigt, das Opfer habe ein Leibchen der irischen Rugby Mannschaft getragen. Obwohl Nordirland und die Republik im Rugby gemeinsam antreten, genügte die grüne Farbe des Trikots, um den Träger zum Katholiken zu machen. Distriktmeister Hewitt hatte sich über Sabotageakte gegen Scheiterhaufen bitter beklagt und von «Attacken auf die protestantische Kultur» gesprochen den verprügelten Katholiken jedoch erwähnte er nicht. Flüchtlinge kommen nun über Spanien DieMigrationsroute überdas westliche Mittelmeer erlebt derzeit einen neuen Boom. Der Hauptgrund ist Marokko. Beat Stauffer Einst führte die wichtigste Route für Flüchtlinge in Richtung Europa von Senegal der Atlantikküste entlang durch Mauretanien, die Westsahara und Marokko bis in die Gegend von Tanger. Dort, direkt an der Meerenge von Gibraltar, liegt Europa nur gerade 15 Kilometer entfernt. Doch Mitte der nuller Jahre vereinbarten Spanien und Marokko eine enge Zusammenarbeit in der Kontrolle der irregulären Einwanderung. Diese betraf sowohl Migranten aus Ländern südlich der Sahara wie auch junge Marokkaner, die nach Europa wollten. Diese Grenzsicherung funktionierte so gut, dass in den Jahren danach die westliche Route nach Europa an Bedeutung verlor. Gerettete Afrikaner treffen in Südspanien ein. (Tarifa, 29. Juni 2018) Doch in letzter Zeit herrscht dort wieder viel Betrieb. Waren im ersten Halbjahr 2017 noch 6500 Migranten an der spanischen Küste angekommen, so sind 2018 bis Mitte Juli laut der Internationalen Organisation für Migration über Menschen nach Spanien gelangt und weitere 3000 über die Exklaven Ceuta und Melilla. Das sind rund 3800 mehr, als im gleichen Zeitraum in Italien, dem bisherigen Hauptziel der Migranten, ankamen. Die Gründe für diesen starken Zuwachs sind vielfältig. Eine JAVIER FERGO / DPA PICTURE-ALLIANCE / AFP wichtige Rolle spielen die Gefahren, die Flüchtlingen in Libyen drohen. Viele werden in Lager steckt und gefoltert. Auch der Versuch der EU, Flüchtlinge in Niger an der Einreise nach Libyen zu hindern, dürfte eine gewisse Wirkung erzielt haben. Das Gros der Migranten, die nun wieder die alte Route entlang der Atlantikküste benutzen, dürfte diesen Entscheid aber schon im jeweiligen Herkunftsland getroffen haben und nicht von Schleppern in Niger instruiert worden sein. Wichtiger ist sicher zudem die immer härtere Migrationspolitik der italienischen Regierung, die damit die Zahl der Ankünfte in Italien senken konnte. Zuletzt hat der neue Innenminister Matteo Salvini privaten Rettungsschiffen das Anlegen verboten, und er will dieses Verbot auch auf Schiffe der EU-Mission «Sophia» ausdehnen. Viel einleuchtender als all das sind aber zwei Beobachtungen: Zum einen ist es für Angehörige vieler Staaten Westafrikas möglich, legal in Marokko einzureisen. Verglichen mit der Strecke quer durch die ganze Sahara nach Libyen ist diese Route geradezu komfortabel. Zum andern muss sich in Westafrika herumgesprochen haben, dass die Grenzen in Marokko seit kurzem wieder durchlässiger sind. Dies dürfte mit den Unruhen im Norden Marokkos zusammenhängen, die vor allem im letzten Jahr die lokalen Sicherheitskräfte stark gebunden haben. Ausserdem ist der Druck von den vielen afrikanischen Migranten, die sich im Norden des Landes aufhalten und unbedingt nach Europa weiterreisen wollen, erheblich. Es ist denkbar, dass die marokkanische Regierung diese Migranten loswerden möchte. Vor allem aber will Marokko Druck auf Spanien und die EU machen. Dafür gibt es starke Hinweise. Marokko öffne ab und zu bewusst die «Schleusen», um der spanischen Regierung seine unersetzliche Rolle in Sachen Grenzsicherung in Erinnerung zu rufen und nicht zuletzt auch auf Unterstützung im Konflikt um die Westsahara zu pochen, sagt der spanische Journalist und Experte Ignacio Cembrero. Doch alles weist darauf hin, dass Marokko eine doppelte Strategie fährt und weiterhin auch eng mit Spanien zusammenarbeitet. So haben marokkanische Sicherheitskräfte vor kurzem zwei wilde Flüchtlingslager in Fes und Casablanca aufgelöst und die zumeist jungen Westafrikaner mit Bussen zwangsweise in weit entfernte Landesgegenden verfrachtet. Gleichzeitig wurden laut der marokkanischen Menschenrechtsorganisation AMDH 130 minderjährige Marokkaner, die sich in der Nähe von Melilla aufhielten, aufgegriffen und zu ihren Familien zurückgeführt. Diese Aktion erfolgte ohne Zweifel auf Wunsch von Spanien.

5 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 International 5 Sind sie Trumps Schosshündchen? Die Republikaner sind entrüstet über den US-Präsidenten, doch sie lassen ihn gewähren Andreas Mink, New York Die Republikanische Partei wurde vor 164 Jahren gegründet. Darum nennen sich Amerikas Konservative stolz «Grand Old Party». Aber jetzt ist der Aussenseiter Donald Trump dabei, die Republikaner in seine Schosshündchen zu verwandeln. Mit diesem Vorwurf quittieren auch konservative Kommentatoren das Treffen Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki und die schwachen Reaktionen republikanischer Politiker darauf. Seite an Seite mit Putin hatte der US-Präsident seinen eigenen Geheimdiensten widersprochen und massive Interventionen Russlands im amerikanischen Wahlkampf 2016 abgestritten. Führende Republikaner im Kongress gingen entrüstet auf Distanz zu Trump. Doch diese kritischen Wortführer geben zum Jahresende ihre Mandate auf. Paul Ryan zum Beispiel, der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus. Und Senator John Mc- Cain, Trumps beharrlichster Gegenspieler, ringt mit einem unheilbaren Krebsleiden. Den harten Tönen werden keine Taten folgen. Die Spitzen der Republikanischen Partei unternehmen praktisch nichts. So wirft der konservative Kolumnist George Will den Republikanern im Kongress beschämende Feigheit vor. Dass Abgeordnete und Senatoren vor Trump zittern, weil die rechte Basis geschlossen hinter ihm steht, ist längst eine Binsenwahrheit in Washington. Bei den Zwischenwahlen im November sind die Parlamentarier besonders auf die Unterstützung von Trump angewiesen. Er hält Wahlversprechen Das Verhalten der Republikaner folgt einem vertrauten Muster. Seit seiner Kandidatur für die Präsidentschaft bricht Trump immer wieder auf spektakuläre Weise mit Grundwerten der Partei. Konservative Mandatsträger reagieren dann mit einem Aufschrei, und sogar rechte Medien wie Fox News schelten Trump. Solief das im Oktober 2016, als Trump in einem Video mit dem Begrabschen von Frauen prahlte. Im letzten August brachte er das konservative Establishment mit der Verharmlosung von rechts- ANDREW HARRER / BLOOMBERG radikaler Gewalt in Charlottesville, Virginia, auf. Ausserhalb von Washington sehen altgediente Republikaner die Lage heute deutlich gelassener. Selbst in Neuengland-Staaten wie Connecticut, traditionell Hochburgen eines moderaten Konservatismus, stehen einflussreiche Parteileute zu Trump. Auch Rowland Ballek betrachtet die gegenwärtige Aufregung in Washington bei einem Gespräch mit der «NZZ am Sonntag» primär als Medienspektakel. Ballek, heute 80 Jahre alt, von 1972 bis im letzten Jahr Ortsvorsitzender der Republikaner in Lyme, Präsident einer regionalen Bank und des Country Club, des gesellschaftlichen Mittelpunkts des idyllischen Küstenortes. Weithin respektiert für Sachverstand und Gemeinsinn, ist er zudem in Stiftungen aktiv und damit ein klassischer «Yankee Republican». Als solcher hat Ballek keine Illusio- nen über Trump: Dieser sei bis zu seiner Kandidatur 2015 nie ein Republikaner gewesen. Obendrein habe Trump die Präsidentschaft auch der Unterstützung verbitterter, weisser Demokraten zu verdanken. Trumps Auftritt inhelsinki bezeichnet Ballek als bizarr. Schliesslich hätten sich die Russen erwiesenermassen in die US- Wahlen eingemischt. Trump habe seine Aussagen dazu jedoch inzwischen korrigiert. Wichtiger sind Ballek die innenpolitischen Leistungen Trumps. Da habe er klassische Anliegen der Konservativen kräftig vorangebracht: «Mit den Steuersenkungen, der Deregulierung der Wirtschaft, vor allem aber der Einsetzung konservativer Richter verwirklicht Trump eindeutig republikanische Grundwerte.» Bei der Immigrationspolitik stünden sogar breite Kreise der Bevölkerung hinter dem Präsidenten, sagt Ballek. JANIS MINK Gute Miene zum bösen Spiel: Trump brüskiert die Republikaner immer wieder durch sein Verhalten. (Washington, 20.Dezember 2017) Bryan Bentz «Trump fordert ja einen humanen Umgang mit Einwanderern, die als Kinder hierhergekommen sind und keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung haben. Aber Amerika braucht auch stärkere Grenzen, wie der Präsident immer wieder betont.» Vierzig Kilometer weiter östlich argumentiert Bryan Bentz ebenfalls pragmatisch. Der Software-Ingenieur Ende fünfzig mit Abschluss am MIT ist seit Jahrzehnten in der Partei und der Gemeinde von Stonington aktiv, heute als Parteipräsident. Auch ihm liegen Trumps Eitelkeit und Streitsucht nicht. Doch er sieht in ihm dennoch eine positive Ausnahmeerscheinung: «Er hält damit Wahlversprechen. Das ist in unserer Politik völlig ungewöhnlich.» Trump sei bis zu diesem Zeitpunkt der konservativste Präsident, den die Republikaner je gehabt hätten. Skeptisch ist Bentz bei der Aussenpolitik des US-Präsidenten. Seine Qualitäten als Dealmaker habe er gegenüber Nordkorea oder bei Handelsverträgen bisher nicht bewiesen. Den wichtigsten Deal hat der US-Präsident wahrscheinlich mit der Republikanischen Partei selbst getroffen. Er erfüllt zentrale Ziele der Partei und diese hält ihm dafür den Rücken frei, indem sie ihm Eklats wie das Treffen in Helsinki nachsieht. Die Republikaner fühlen sich deshalb nicht als Schosshündchen, sondern als Handelspartner. Deshalb sind zumindest die beiden lokalen Republikaner Ballek und Bentz nicht in Sorge um die Zukunft ihrer Partei. Konflikte kommen noch Die Frage ist allerdings, wie weit die Partei Trump einschränken kann und will. Ballek glaubt, die Republikaner würden an Prinzipien wie dem Freihandel oder dem westlichen Bündnis festhalten und Trump dabei Paroli bieten. Bentz schätzt Trump jedoch, weil dieser «mit seiner direkten Art an Tabus unserer Politik rührt, die dringend einer grundsätzlichen Überprüfung bedürfen». Dazu gehörten der Abbau der Staatsschulden, aber auch Handelsverträge und Allianzen: «Die wurden für den Kalten Krieg geschlossen. Und der ist bekanntlich vor dreissig Jahren zu Ende gegangen.» Ein Kurswechsel bei derlei fundamentalen Fragen ist dank der verfassungsmässigen Gewaltenteilung in den USA jedoch nur schrittweise und längerfristig machbar. Dazu benötigt der Präsident die Unterstützung der Republikaner im Kongress. Deshalb dürften dem Dealmaker und seiner Partei die grössten Herausforderungen erst noch bevorstehen. Rowland Ballek Israel Nationalstaat, Feuerdrachen und schwule Väter Mögest du in interessanten Zeiten leben, sollen die alten Chinesen gesagt haben. Der Spruch ist als Fluch gemeint. Das versteht man in Israel auf Anhieb. Diese Sommerferienwoche illustriert das bestens. Fangen wir im Süden an. Dort standen also, nur eine gute Fahrstunde von Tel Aviv entfernt, die Felder und Haine weiter in Flammen. Seit Wochen schon werden sie täglich von aus Gaza losgeschickten Feuerdrachen und Ballonen in Brand gesetzt. Das ist eine neue Taktik der dort regierenden radikalislamischen Hamas. Sie will jetzt aber einlenken. Ihre jüngsten Angriffe auf Israel mehr als hundert Raketen an einem Tag sowie die Tötung eines israelischen Soldaten an der Grenze durch Scharfschützen hatten beide Seiten nahe an den Krieg gebracht. Also erst einmal kurz aufatmen. Unterdessen machen die Freiwilligen von «Road to recovery» täglich weiter. Insgesamt sind es 1400 Israeli, die dem Zeitgeist trotzen. Sie stehen morgens rechtzeitig vor der Arbeit auf und fahren zu einem Grenzposten oder Kontrollpunkt. Dort warten palästinensische Patienten aus Gaza und dem Westjordanland darauf, in ein israelisches Spital gebracht zu werden. Viele sind Kinder mit Krebs oder Herzleiden. Es gibt bis zu 60 Fahrten am Tag. Neuerdings rede sie weniger mit ihren Fahrgästen, sagt Tami Suchmann aus dem Kibbutz Be eri, von dem man die Felder brennen sieht. «Was gibt es zu sagen, ausser, dass wir uns einig sind, dass die Dinge nicht gut sind?» Blicken wir nach Norden. In Syrien, 200 Meter von der Grenze entfernt, winkten am Dienstag Dutzende Geflüchtete in Richtung Israel, einige liessen weisse Tücher flattern. Sie baten um Einlass. Dieser blieb ihnen aber verwehrt. Denn man will es Benjamin Netanyahu sich nicht verderben mit dem Nachbarn und Erzfeind Bashar al-assad, gerade jetzt, wo er im Begriff ist, die Kontrolle über sein gesamtes Staatsgebiet zurückzuerhalten so will es eine amerikanisch-russische Übereinkunft. Israel will dem MIKE SCHMIDT / IMAGO zustimmen, so wird gemunkelt, wenn Moskau dafür sorgt, dass die iranischen und schiitischen Milizen in Syrien mindestens 80 Kilometer weit von seiner Grenze ferngehalten werden. Und als gäbe es nicht schon genug Spannungen, verabschiedete die Knesset das Nationalstaatsgesetz. Dort steht nun festgeschrieben, dass «die Verwirklichung des Rechts auf nationale Selbstbestimmung» in Israel allein dem jüdischen Volk vorbehalten sei. Weil es im Vorfeld an Kritik nur so gehagelt hatte, beinhaltet das Gesetz nun Kompromissformeln. Also hat die arabische Sprache, die man als zweite Amtssprache verbannen wollte, jetzt immerhin einen «besonderen Status» bekommen. Auch sollen Städte und Gemeinden nicht darüber entscheiden dürfen, wer zu ihnen zieht. Statt dessen heisst es: «Der Staat sieht die Entwicklung jüdischer Ortschaften als nationalen Wert an und wird deren Entstehung fördern und unterstützen.» Schlimmeres ist verhindert worden. Aber der Geschmack von Diskriminierung bleibt. Regierungsmitglieder feierten den Sieg über sich selber mit einem Selfie. Staatspräsident und Opposition jedoch halten das Gesetz auch in der jetzigen Form bestenfalls für überflüssig, enthält doch die Unabhängigkeitserklärung von 1948 bereits die Selbstdefinition als jüdischer Staat. Zudem stösst es somit auch jene arabischen Staatsbürger vor den Kopf, die dazugehören wollen. Die arabische Minderheit macht knapp einen Fünftel der Bevölkerung aus. Das Gesetz ist Teil eines Kulturkampfes, der schon länger tobt. Schon hat die nächste Runde begonnen mit lauten Protesten gegen ein weiteres Gesetz. Demnach dürfen alleinstehende Frauen künftig eine Leihmutter in Israel in Anspruch nehmen. Bisher beschränkte sich das Recht auf verheiratete Paare. Weil es aber in kaum einem anderen Land so viele schwule Elternpaare gibt, hatten gerade Männer gehofft, auch von dieser Regelung zu profitieren. Sie müssten so nicht mehr bis nach Nepal reisen, um Nachwuchs in die Welt zu setzen. Auch sie fühlen sich diskriminiert und vor allem betrogen. Erst hatte sich Regierungschef Benjamin Netanyahu hinter sie gestellt, knickte dann aber ein aus Rücksicht auf die Religiösen in seiner Koalition. Das brachte viele Israeli auf die Barrikaden. Für den heutigen Sonntag haben Gewerkschaften, Universitäten und viele Unternehmen ihren Mitarbeitern freigestellt, zu streiken. Aus Solidarität mit der LGBT-Gemeinde, aber auch als Ausdruck wachsenden Zorns auf die Regierung. Wir leben in interessanten Zeiten. Gisela Dachs, Tel Aviv

6 6 Schweiz NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Mehr Westschweizer Mütter arbeiten Vollzeit Eine unveröffentlichte Statistik fördert frappante Unterschiede zwischen den Regionen zutage Andrea Kučera ANZEIGE In der Deutschschweiz ist sie eine Exotin: Deborah arbeitet 100 Prozent, so wie ihr Partner. Der zweijährige Sohn ist vier Tage die Woche in der Krippe, als einziger seiner Gruppe. Die anderen Kinder werden nur an zwei Tagen fremdbetreut. Dass ihr Familienmodell für Zürich unüblich ist, das bekommen die 35-jährige Westschweizerin und ihr Deutschschweizer Partner immer wieder zu spüren. «Möchtest du denn nicht mehr Zeit mit deinem Kind verbringen?», ist eine der häufig gehörten Reaktionen. Die meisten ihrer Deutschschweizer Freundinnen, sagt Deborah, arbeiteten 60 Prozent. Ihr Eindruck ist: «Die sozial akzeptierte Norm für Mütter in der Deutschschweiz liegt bei 60, allerhöchstens 80 Prozent.» Deborahs Eindruck täuscht nicht. Nur 15 Prozent der arbeitenden Mütter in der Deutschschweiz wählen ein Vollzeitpensum. In der Romandie sind es 30 Prozent, und die italienischsprachige Schweiz liegt mit 26 Prozent dazwischen. Diese Zahlen gehen aus einer unveröffentlichten Statistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor, die auf der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2017 beruht. Nun ist es nicht nur so, dass doppelt so viele Westschweizer Mütter Vollzeit arbeiten; in der Romandie ist auch die Mütter-Erwerbsquote minim höher, wie das BFS im Jahr 2016 festgestellt hat: Sie liegt bei rund 80 Prozent, in der Deutschschweiz bei 79 Prozent. Der Unterschied ist ausgeprägter (76,5 zu 72,5 Prozent), wenn man nur Mütter mit einem Kind unter 4 Jahren berücksichtigt. Am tiefsten ist die Quote mit 71 Prozent im Tessin. Das Bild der arbeitsamen Westschweizer Mutter wird durch eine Jetzt aktuell: Die Zeit, die Mütter mit Kindern verbringen, variiert nach Region. weitere Statistik bestätigt. Der Demograf Reto Schumacher, Co- Autor einer Studie zum Thema, untersuchte für jeden Kanton, wie viele Mütter von Kindern im Vorschulalter mehr als 50 Prozent Grill-Spezialitäten an Ihrer Fleischtheke. arbeiten. Und stellte fest: In den vier rein französischsprachigen Kantonen liegt der Anteil bei über 50 Prozent, in den Deutschschweizer Kantonen hingegen zwischen 12 Prozent (Uri) und JESSICA PETERSON/ PLAINPICTURE Sehr wenige Deutschschweizer Mütter arbeiten Vollzeit Prozentsatz der arbeitenden Mütter im Alter von 25 bis 54 Jahren mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren im Haushalt, die Vollzeit arbeiten 15,3% Deutschschweiz Tessin 25,9% 29,5% Westschweiz Quelle: Bundesamt für Statistik Schweizerische Arbeitskräfteerhebung Prozent (Basel-Stadt). Woher kommt dieser Mutterschafts- Röstigraben? Eine Rolle spielen dürfte, dass Krippenplätze in der Deutschschweiz und im Tessin grösstenteils von den Eltern finanziert werden, während sich in der Westschweiz der Staat stärker engagiert, wie der Verband Kinderbetreuung Schweiz schreibt. Dieser Befund deckt sich mit einem Bericht des Bundesrates von 2015, in dem die Stadt Zürich mit dem Kanton Waadt verglichen wurde: Während Eltern in Zürich 66 Prozent der Kosten eines Krippenplatzes berappen müssen, müssen sie in der Waadt nur 38 Prozent übernehmen. Höhere Krippenkosten mögen ein Faktor sein, es gibt aber auch kulturelle Unterschiede: Die Westschweiz steht unter dem Einfluss Frankreichs, wo Frauen traditionell weniger stark auf die Mutterrolle reduziert werden und es für Mütter üblich ist, zu arbeiten. Das französische Familienmodell propagiert gar, dass es dem Kind guttue, wenn es eine gewisse Distanz zur Mutter wahre und mit anderen Kindern sozialisiert werde. Im Gegensatz dazu steht die Mutter-Kind-Ideologie, wie sie im deutschsprachigen Raum verbreitet ist. Sie beruht auf der Auffassung: Je enger die Bindung zwischen Mutter und Kind ist, desto besser ist es für den Nachwuchs. Nicht alle Romandes leben dem französischen Modell nach, und nicht alle Deutschschweizer Mütter sehen es als ihre Aufgabe an, ständig bei ihren Kindern zu sein. Corina ist Deutschschweizerin, Mutter zweier Kleinkinder und arbeitet 100 Prozent. Sie lebt seit vier Jahren in Genf und sagt, auch dort sei sie eine Exotin. Was ihr aber auffällt: Deutschschweizer empfänden es als Abschieben von Verantwortung, wenn sie ihr Kind in die Krippe gäben. «In der Westschweiz sind die Mütter hingegen überzeugt, dass sie ihrem Kind einen Gefallen tun.» Ein Spiel, 20 Verfahren gegen Hooligans migros-metzgerei.ch Migros Fleischtheke Hier berät Sie Ihr Chefmetzger zu unserem Grillfleisch-Angebot: Vielfältige Fleischauswahl Marinaden nach Wunsch Grössen- und Mengenwahl Die Basler Staatsanwaltschaft hat 13 weitere Gewalttäter identifiziert, die an einer Strassenschlacht beteiligt waren. Sieben Schläger sind schon länger überführt. Andreas Schmid Das Fussballspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern vom 19.Mai beschäftigt die Justiz weiterhin. Dies, weil Zürcher Gewalttouristen nach dem Match, in den ihre Klubs FCZ und GC gar nicht involviert waren, Basel-Anhänger attackierten. Inzwischen hat die Basler Staatsanwaltschaft 20 Personen ausgemacht, die an den gewalttätigen Auseinandersetzungen mitwirkten, wie Medienchef Peter Gill sagt. 7 Hooligans waren am 22.Juni festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt worden. Im Juli hätten 13 weitere mutmassliche Täter aus dem Umfeld des FC Basel und des FC Zürich identifiziert werden können, gibt Gill bekannt. Sie seien jedoch nicht verhaftet worden. Dennoch drohen ihnen Strafen wegen Angriffen, Raufhandels und Körperverletzungen sowie Sachbeschädigungen. Dieser Taten werden die Fussballfans verdächtigt. Die 7 Beschuldigten, die vorübergehend in Untersuchungshaft sassen, wurden vorletzte Woche nach rund 20 Tagen entlassen. «Es lag kein Haftgrund mehr vor. Die Verfahren werden jedoch weitergeführt», betont Gill. Von den gesamthaft 20 Identifizierten seien drei Viertel FCZ- Anhänger, ein Viertel sei den FC- Basel-Fans zuzurechnen. Die Auseinandersetzung der rivalisierenden Fangruppen hatte sich am 19.Mai in einem Quartier in Stadionnähe zugetragen. Mehrere Personen wurden verletzt, und es kam zu Sachbeschädigungen. Einige Dutzend Hooligans aus dem Umfeld der Zürcher Klubs FCZ und GC waren mit Autos nach Basel gefahren, offensichtlich, um Streit mit Anhängern des FCB zu suchen. Bilder von Anwohnern zeigen, dass die Zürcher die Basler lange nach Ende des Fussballspiels angriffen. Die Angereisten waren teilweise in T-Shirts mit der Aufschrift ZKH gekleidet. Die Buchstaben stehen für «Zürichs kranke Horde», einen Zusammenschluss aus FCZ- und GC-Hooligans. Als die Basler zur Gegenattacke ansetzten sie hatten inzwischen Verstärkung von Mitstreitern erhalten, versuchten die Zürcher, zu ihren Autos zu gelangen und zu flüchten. Einige wurden auf dem Weg zu ihren Fahrzeugen niedergetreten. Mit Absperrgittern bewarfen die Basler die wegfahrenden Widersacher. Diese waren aus mehreren Kantonen angereist. So musste die Basler Staatsanwaltschaft Rechtshilfeersuchen an verschiedene Behörden stellen, um Tatverdächtige in anderen Kantonen festnehmen zu lassen. Am Samstag hat die neue Fussballsaison der Schweizer Super League begonnen. Doch die alte ist zumindest für die Justiz noch längst nicht abgearbeitet.

7 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Schweiz Tourismus 7 Fremde Dorfkönige in den Alpen In etlichen Ferienorten haben ausländische Investoren das Sagen. Die Tourismus-Verbände sind froh um deren Geld, doch die Skepsis am Ausverkauf der Alpen wächst. Von Daniel Friedli und Andrea Kučera Wenn Vitek will, steht alles still. Diese ungemütliche Erfahrung mussten die Einwohner von Crans-Montana am vergangenen 5. April machen. Da stellte Radovan Vitek, milliardenschwerer Grossinvestor im Walliser Ferienort, trotz Prachtwetter seine eigenen Bergbahnen ab. Es brauchte die Vermittlung von Staatsrat Christophe Darbellay, eine rasche Nachzahlung der Gemeinde und viel Frustrationstoleranz, bis die perplexen Skifahrer zwei Tage später wieder losbrettern konnten. Die Episode mag ein Kuriosum im Schweizer Tourismus sein, sie wirft aber ein Schlaglicht auf ein Phänomen, das sich mittlerweile in vielen Ferienorten beobachten lässt: Die Alpen gelten zwar als Wiege helvetischer Unabhängigkeit in der Praxis geben trotzdem häufig reiche Investoren aus dem Ausland den Ton an, von Vitek über Samih Sawiris bis zu Edmond Offermann (siehe unten). Sie besitzen Bergbahnen und/oder Luxushotels, wie etwa das neue Resort auf dem Bürgenstock. Mit dem Resultat, dass ein katarischer Staatsfonds bald zum zweitgrössten Arbeitgeber im Kanton Nidwalden wird. Und neuerdings kaufen sich ausländische Investoren vermehrt in 4-Sterne-Hotels ein. Ein jüngeres Beispiel für diesen Trend ist der saudische Investor Sami al-angari, der im Februar vier Hotels des Berner Ferienvereins erwarb. Gemeinden im Dilemma Erleben wir also den Ausverkauf der Alpen, wie die Kritiker dieser Entwicklung monieren? Von solchen Schlagworten will die Branche nichts wissen. Der Präsident des Tourismus-Verbandes, Nationalrat Dominique de Buman, sieht in den ausländischen Investoren mehr Chancen als Risiken. Und auch der oberste Hotelier, Andreas Züllig, steht dem Engagement ausländischer Geldgeber wohlwollend gegenüber. Sie trügen zum Erhalt manch eines traditionsreichen Hauses bei, sagt er. Und fragt rhetorisch: «Wer wäre denn sonst bereit, zu investieren?» Damit spricht Züllig das Dilemma an, vor dem viele URS FLUEELER / KEYSTONE Herr über Andermatt: Samih Sawiris, flankiert von Dominique Rinderknecht (r.) und Bernhard Russi (l.). (Oberalp, 15. Dezember 2016) Entweder man heisst die Geldgeber willkommen oder wird abgehängt. Berggemeinden stehen: Ein Grossteil ihrer Bahnen rentiert mehr schlecht als recht, und auch grössere Hotelrenovationen lassen sich nur selten aus dem Betriebsertrag finanzieren. Für Um- und Ausbauten braucht es also frisches Kapital, und dieses ist von Schweizer Investoren nur schwer zu bekommen. Entweder man heisst die ausländischen Geldgeber willkommen oder man wird abgehängt. Dass die Gemeinden lieber erstere Option wählen, ist für Thomas Egger, CVP-Nationalrat und Direktor der Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete, erstens logisch und zweitens nicht falsch. Er sagt, wichtig im Umgang mit ausländischen Investoren seien klare Spielregeln, der persönliche Kontakt und die Begleitung durch den Kanton. In einer solchen Konstellation könne sich, wie im Fall von Sawiris, eine Investition von aussen durchaus als der erhoffte Segen erweisen. Wenig Probleme gab es bisher auch dort, wo ausländische Branchenakteure die heimischen Bergbahnen übernommen haben, wie etwa in Savognin oder Samnaun. In Savognin jedenfalls gab fast am meisten zu reden, ob einer der Käufer ausgerechnet der Sohn des österreichischen Skiverbandspräsidenten sein müsse. Und doch sind solche Geschäfte ein Risiko, wie sich etwa in Grimentz oder Leukerbad zeigte. Dort blieben von luxemburgischen und kasachischen Projekten nur Bauruinen übrig. Schwierig ist es meistens dann, wenn unklar bleibt, was die Investoren antreibt: Streben sie eine hohe Rendite an? Sehen sie sich als Gönner und Liebhaber der Region? Oder suchen sie eine Möglichkeit, Geld zu parkieren? In Aminona bei Crans-Montana ist bis heute unsicher, ob die russischen Investoren ihre geplanten Luxus-Resorts je bauen werden. Womöglich sind auch die Einheimischen an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig: Zumindest sagte der langjährige Journalist Luzius Theler kürzlich, in Saas Fee oder Crans-Montana gebe es durchaus auch finanzstarke Einwohner. Nur wüssten diese zu gut, dass sich Investitionen in Bergbahnen nicht lohnten. Saas Fee brüskiert Mäzen Müssen wir demnach froh sein, machen wenigstens die Ausländer ihr Portemonnaie locker? Der Walliser CVP-Ständerat Beat Rieder sieht es mit gemischten Gefühlen, «dass ausländische Investoren die halbe touristische Schweiz kaufen und womöglich noch die öffentliche Hand als Bürgen nehmen». Lieber wäre ihm, die Schweizer selber würden wieder stärker an ihren Tourismus glauben und investieren. Dazu wünscht sich Rieder einen Staatsfonds, aus dem die Gelder föderalistisch auf die Regionen verteilt würden. In Bern will das Kantonsparlament derweil von der Regierung wissen, «welchen Einfluss die immer grössere Zahl von ausländischen Hoteleigentümern» auf die Ferienregion Oberland hat. Und auf lokaler Ebene hat das Stimmvolk von Wildhaus (SG) kürzlich einem 21-Millionen Projekt von österreichischen Investoren den Stecker gezogen, während die Eigner der Bahnen im Saastal ihren Grossinvestor Edmond Offermann brüskierten. Wie heikel die Balance zwischen Geld und Unabhängigkeit sein kann, musste dabei der Ex-Skistar Pirmin Zurbriggen erfahren. Als Präsident der Bahnen von Saas Fee suchte er händeringend nach Geld für nötige Investitionen. Offermann hat solches, wollte damit aber die Aktienmehrheit übernehmen, was Zurbriggen widerstrebte. Der Clinch endete in seinem Rücktritt. Danach sagte er: «Ich wehre mich gegen den drohenden Ausverkauf der Heimat.» Investoren aus dem Ausland ALEXANDRA WEY / KEYSTONE BERTRAND RINDOFF PETROFF / GETTY IMAGES URS FLUEELER / KEYSTONE KEYSTONE SamihSawiris Gebrüder Niarchos Yunfeng Gao Edmond Offermann Jean-Claude Mimran RadovanVitek Der 61-jährige Sawiris stammt aus einer ägyptischen Familie, die ihr Geld in der Telekommunikation gemacht hat. Ab 2009 baute er in Andermatt ein Ferienzentrum mit dem Luxushotel The Chedi, weiteren Hotels, Wohnungen, einem Golfplatz und eigenen Buslinien. Auch das Skigebiet hat Sawiris übernommen und modernisiert, es erstreckt sich nun via Oberalppass bis nach Sedrun. Insgesamt hat der Ägypter bis jetzt über 900 Millionen Franken investiert mit dem Ziel, Andermatt auf eine Stufe mit Zermatt und St. Moritz zu heben. (dli.) Philip und Spyros Niarchos sind die Söhne des Reeders Stavros Niarchos, der schon in den fünfziger Jahren in St. Moritz Bergbahnen baute. Seine Erben sind heute die grössten privaten Grundbesitzer im Engadin. Zu ihrem Reich gehören die Bahnen an Corvatsch, Diavolezza und Lagalb sowie der «Kronenhof» in Pontresina und das «Kulm» in St. Moritz, auf dessen Gelände die Bobbahn Cresta-Run steht. Die Brüder beschäftigen 1000 Mitarbeiter und sind damit einer der wichtigsten Arbeitgeber im Kanton. Sie wurden im März Ehrenbürger von St. Moritz. (dli.) Der Unternehmer aus Shenzhen wurde in China mit einer Firma für Lasergeräte reich. In der Schweiz ist der 51-Jährige seit 2011 aktiv, in dominanter Stellung auf der Melchsee-Frutt, wo er zwei 4-Sterne-Lodges und Gastrobetriebe besitzt. Zudem gehören ihm in Engelberg das alte Jugendstilhotel Europäischer Hof und in Luzern das 5-Sterne-Haus Palace. An beiden Orten warf er für die Sanierung dreistellige Millionenbeträge auf. Gao bezeichnet sich als Investor mit langfristigem Horizont und grosser Liebe zur Schweizer Landschaft. (dli.) Der «reiche Onkel aus Amerika» wurde Edmond Offermann in einem Porträt genannt. Er lebt seit 2008 in Saas Fee und stieg 2010 mit 15 Millionen Franken bei den Saastal Bergbahnen ein. Seither hat er sein Engagement laufend erhöht. Der 63-Jährige besitzt oder managt sieben Hotels im Ort. Der amerikanischniederländische Doppelbürger ist Kernphysiker und wurde mit Hedge-Funds reich. Er begründet sein Engagement damit, er habe sich in Saas Fee verliebt. Eng ist seine Bindung auch zu Sarajevo: Offermann sponserte die neueröffnete Stadt-Seilbahn. (aku.) Geld sei zum Ausgeben da, sagte der in Gstaad wohnhafte französische Zuckerfabrikant einst der Zeitschrift «Bilanz». Er leiste sich damit seine Spielsachen. Eines seiner Spielzeuge ist «Glacier 3000» im benachbarten Les Diablerets. Mimran kaufte das Gletscher-Skigebiet im Jahr 2005 zusammen mit dem lokalen Immobilienfürsten Marcel Bach und dem britischen Geschäftsmann Bernie Ecclestone. Der 73-Jährige ist zudem Hauptaktionär des Luxushotels The Alpina Gstaad, das 2012 eröffnet wurde. Es heisst, er besitze ausserdem 15 Autos. (aku.) Der 47-jährige Tscheche besitzt 87 Prozent der Aktien der Bergbahnen von Crans-Montana. Ihm gehören die meisten Pistenrestaurants, Sportgeschäfte, ein Klub, eine Höhenklinik und ein Fünfsternehotel. In Planung ist ein neues Luxusresort. Seit 2013 hat Vitek rund 100 Millionen Franken in die Walliser Feriendestination investiert. Sein Vermögen wird auf 3 Milliarden Franken geschätzt. Den Grundstein für sein Immobilienimperium legte er Anfang der neunziger Jahre, als die Tschechoslowakei nach der Wende den Staatsbesitz privatisierte. (aku.)

8 8 Schweiz NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Zuger Kantonsrat Hürlimann tritt ab Markus Hürlimann war in die sogenannte ZugerSex-Affäre involviert. Nuntritt erin den Kantonsratswahlen vom Oktober 2018 nicht mehr an. Francesco Benini Nach der Landammannfeier kam es im Dezember 2014 zu Intimitäten zwischen SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann und Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin von den Grünen. Sie äusserte danach den Verdacht, es seien K.-o.-Tropfen eingesetzt worden; er sprach von einvernehmlichen Annäherungen. Spiess-Hegglin trat bald aus dem Kantonsrat zurück; Hürlimann gab das Amt als Präsident der SVP des Kantons Zug auf, verblieb aber im Parlament. Jetzt hört er auch als Kantonsrat auf. Von den 19 Parlamentariern der SVP treten in den Zuger Wahlen vom 7. Oktober 2018 alle wieder an bis auf Hürlimann. Die Baarer Ortssektion der Partei nominierte im Frühling einen anderen Kandidaten, nachdem sie den Verzicht Hürlimanns zur Kenntnis genommen hatte. Auf Anfrage bestätigt Markus Hürlimann, dass er nicht mehr als Kantonsrat kandidieren werde; in der Kantonal- und Kommunalpartei werde er sich weiterhin engagieren, solange man seine Unterstützung brauche. Im März dieses Jahres einigten sich Spiess-Hegglin und Hürlimann auf einen Vergleich. Damit sollte laut den Strafverfolgungsbehörden ein Schlussstrich unter die Geschehnisse nach der Zuger Landammannfeier 2014 gezogen werden. Jolanda Spiess-Hegglin verpflichtete sich dazu, nicht mehr in einer Weise über die damaligen Vorgänge zu sprechen, dass der Eindruck entstehen könnte, sie sei Opfer einer strafbaren Handlung geworden. Markus Hürlimann zog seinerseits die Strafanträge bezüglich Verleumdung und übler Nachrede zurück. Markus Hürlimann (2015) ANTHONY ANEX / KEYSTONE Nach dem Konkurs beim Circus Royal sind Branchenkenner besorgt. Bei manchen Zirkussen ist das Geld knapp. (Affoltern am Albis, ) Drahtseilakt ohne Netz In der Schweizer Zirkusbranche wirtschaften zahlreiche Betriebe am Limit Laurina Waltersperger Das goldene Krönchen auf dem Zelt ragt an diesem Sommernachmittag schief in den blauen Himmel. Kurz vor der Vorstellung ist das Vorzelt des Circus Royal wie ausgestorben. Am Hotdog-Stand liegen ein paar schrumpelige Würstchen in einem Glasbehälter. Im Tunnel zu den Tribünenaufgängen riecht es modrig. Der Boden ist matschig, da und dort sind Holzpaletten ausgelegt. Im Chapiteau staut sich die Hitze. Die Zuschauerreihen sind praktisch leer, ein Handvoll Familien sitzen da und essen Popcorn. Den Glanz sucht man beim Circus Royal zurzeit vergeblich. Wie vor einigen Tagen bekannt wurde, befindet sich der Betrieb im Konkurs. Mit einer neuen Firma will der alte Mitinhaber Oliver Skreinig den Circus Royal weiterführen (siehe Kasten). Ob er das Steuer herumreissen kann, steht in den Sternen. Denn in der Schweizer Zirkuslandschaft stehen einige Betriebe unter Druck. Das Unterhaltungsangebot in der Freizeit hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Artistische Sensationen kann man heute auf Youtube in der Endlosschleife sehen. Wie Studien zeigen, gehen Jugendliche weniger ins Kino oder ins Theater. Für viele Erwachsene zählt der Zirkus nicht mehr zum gehobenen Kulturangebot. Ohne Kind am Arm wird man belächelt. Es bleiben dem Zirkus oft noch die Familien. Besorgt über Kostenanstieg Der Zeitgeist nagt am Zirkus. Gleichzeitig, so berichten zahlreiche Zirkusfamilien, hätten die Kosten für den Betrieb in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In der Manege lassen sich die Gastgeber nichts anmerken, der Frack sitzt, die Knöpfe glitzern. Doch «hinter dem Vorhang sind die meisten in Geldnot», sagt Zirkuspfarrer Adrian Bolzern. Das Geld sei die ewige Sorge der Branche. Die meisten kämpften gegen hohe Kosten. Diese seien in den vergangenen Jahren explodiert, berichten die Zirkusse. Ein paar Zahlen: Wie eine kurze Umfrage zeigt, kostet ein Spieltag heute zwischen und Franken. Die Platzmiete liegt pro Tag im Schnitt etwa bei 1000 Franken. Bauern, Gemeinden und städtische Betriebe wollen mehr Geld als früher. «Die Städte verlangt von uns allein für den Anschluss von Wasser und Strom im Jahr etwa Franken», sagt Royal-Chef Oliver Skreinig. Früher habe man die Hydranten auf dem Zirkusplatz noch selber angeschlossen. Gleichzeitig beschäftigen Zirkusse wie Monti, Nock, Royal oder Stey zwischen 60 und 100 Angestellte. Und auch die Infrastruktur wird teurer. Wie geht diese Rechnung auf? «Eben fast nicht», sagt Franziska Nock. Sie leitet mit ihrer Schwester in der siebten Generation den Familienzirkus Nock. Gleich wie zahlreiche Berufskollegen arbeiten die Nocks mit Sponsoren und Gala-Anlässen, um über die Runden zu kommen. Das Umfeld sei auch hier schwieriger geworden. Viele Firmen sparen bei ihren Ausgaben für Werbung und Veranstaltungen. Bei den meisten befragten Zirkussen klingt es ähnlich. «Wir schauen, dass wir viel selber machen», sagt Martin Stey, Direktor des Zirkus Stey. Er bestreitet die Pony-Nummer und mimt den Clown. Zudem bietet er Familientickets für 66 Franken. Der Zirkus Monti ist seit 2015 nur noch vier anstatt der üblichen acht Monate auf Tournee. Den Entscheid habe man nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen gefällt, sagt Direktor Johannes Muntwyler. Man spiele lieber länger an einem Ort, als zweimal in der Woche alles auf- und abzubauen. Muntwyler setzt zusätzlich stark auf das Vermietungsgeschäft. Der Zirkus hat 2015 eine Zeltvermietung gekauft und stattet damit Veranstaltungen wie das Paléo-Festival oder das Arosa Humorfestival aus. Der Bereich laufe gut. Die Investition habe sich gelohnt. Kein finanzielles Wagnis Die meisten versuchen zudem, mit Wintervariétés die Kasse aufzubessern. Das Angebot ist zahlreich, das Fazit bei den meisten eher überschaubar. Einzig der Circus Monti will dieses Angebot ausbauen. Nock, der bis jetzt im Winter noch nichts anbot, wird ein neues Konzept lancieren. Details sind noch geheim. Der Spagat zwischen Zirkustradition und modernen Formen sei schwierig, sagt Franziska Nock. Diesen Spagat scheuen viele. Zum einen, so scheint es, herrscht Ratlosigkeit. Der traditionelle Zir- WALTER BIERI / KEYSTONE Circus Royal Nach dem Absturz geht esweiter Ende Juni 2018 wird beim Circus Royal der Konkurs eröffnet. Auslöser ist ein Gläubiger, der ein Begehren eingereicht hatte. Es handle sich um eine Versicherung, sagt Oliver Skreinig, Mitinhaber des Royal. Der Zirkus habe seine Prämien nicht mehr bezahlt. Geschäftsführer Peter Gasser sei im Frühjahr stark erkrankt und habe den finanziellen Überblick verloren. Skreinig, Kompagnon und ehemaliger Lebenspartner von Gasser, will nichts davon gewusst haben. Er hat im Juni mit dem Namen «Circus Royal GmbH» eine neue Firma gegründet und führt die jetzige Tournee weiter. Will er sich so vor den Gläubigern aus dem Schneider machen? «Es ging primär darum, alle Arbeitsplätze im Zirkus zu sichern.» Zum gegenwärtigen Stand des Konkurses wisse er nichts, da er seit Januar 2018 «nicht mehr operativ bei der alten Royal-Firma tätig war». Im Handelsregister ist er bis zur Konkurseröffnung dort als Gesellschafter notiert. (wal.) kus hat Jahrzehntelang funktioniert. Zum anderen fehlt es an Mut zum Neuen. «Eine radikale Modernisierung wäre ein zu grossen Wagnis», sagt Martin Stey. Gleich wie viele andere könnte man den finanziellen Schaden nicht tragen, wenn das Konzept nicht funktionieren würde. Selbst beim Schweizer National-Circus Knie ist der Tenor nüchtern: «Mit der steigenden Unterhaltungsvielfalt ist es für den Zirkus heute schwieriger geworden», sagt Fredy Knie junior. Sein Zirkus komme aber «gut über die Runden». Die Zuschauerzahlen seien über Jahre stabil. Die Auslastung bei den Plätzen liege zwischen 75 und 85 Prozent. Davon können andere zurzeit nur träumen. Wenn nur 50 Leute im Zelt sässen, kratze das am Selbstvertrauen, sagt Zirkus-Seelsorger Adrian Bolzern. Ein «wunder Punkt». Seit Jahren sei es der gleiche «Chrampf» für viele nur bekämen sie immer weniger dafür. Seiner Meinung nach sollten sie sich mehr für Kooperationen öffnen. Obschon die Schweizer Zirkusse historisch eng miteinander verbunden sind, «ziehen sie nicht am gleichen Strick». Trump erkundet verkehrsberuhigte Zonen Classe politique Showdown Francesco Benini Im Sommer verlangsamt sich alles. Die Kantonsparlamente erlassen keine neuen Gesetze, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass sie keine Sitzungen abhalten. Ebenso stockt der Fluss neuer Verordnungen. In Zürich werden für die Dauer der Sommerferien keine Strassen abqualifiziert. An der Limmat kann es jeder stolzen Durchfahrtsachse passieren, dass sie über Nacht in eine Tempo-30-Zone umfunktioniert wird und dann schauen muss, wo sie bleibt. Als Autofahrer wundert man sich über die Kinder auf Dreirädern, die einen ständig überholen. Im Sommer ruht auf jeden Fall sogar die Verkehrsberuhigung. Die Kellner in den Restaurants gehen ihrer Arbeit noch gemächlicher nach als sonst. In der Schweiz gibt es Restaurantgäste, die so lange auf ihre bestellten Speisen warteten, dass man sie künstlich ernähren musste. Auch interessant ist der Fall eines Cafébesuchers, der in Schwierigkeiten geriet, weil er bezahlen wollte. «Könnte ich bitte bezahlen», sagte er zum Kellner, der gleichgültig auf seinem Smartphone herumdrückte. Als sich der Herr Ober dann dazu herabliess, dem Gast die Rechnung zu bringen, hatte sich der Franken um zehn Prozent aufgewertet. Es war unklar, wer für die Differenz aufkommen musste. Die Hitze des Sommers macht träge. Es ist lange her, seit Jacqueline Fehr über Twitter intelligente politische Vorschläge verbreitet hat. Man könnte zum Beispiel den Senioren die AHV aufbessern, wenn sie nicht an Wahlen und Abstimmungen teilnähmen. So erhielten die Stimmen der Jungen mehr Gewicht, obwohl sie ja im Allgemeinen zu träge oder zu blöd sind, um sich an der Politik zu beteiligen. Über ein solches Modell wird man wohl noch nachdenken dürfen. Es wäre gut, wenn Regierungsrätin Fehr den von ihr angeleierten Diskurs weiterspänne. Der Sommer ist warm, und es regnet wenig. Der Einzige, der für Betrieb sorgt, ist Donald Trump. Immer er. Der US-Präsident setzt sich auf Wladimir Putins Schoss, greift die Nato-Partner an, dann taucht ein Tonband auf, auf dem er offenbar über Zahlungen an eine ehemalige Geliebte spricht. Bei Trump ist jeden Tag Betrieb, unabhängig von der Jahreszeit. Wir raten ihm, dass er hierzulande in seiner Staatslimousine die verkehrsberuhigten Zonen erkundet. Da würde bald auch von ihm nicht mehr viel kommen. Susanne Leutenegger Oberholzer, Reiseführerin, nimmt uns mit. Die SP-Nationalrätin weilt dieser Tage im Tessin und lässt die Twitter-Gemeinde in Bild und Text an ihren Ferien teilhaben. Wenig erfreulich ist dies freilich für den Tessiner Tourismusdirektor. Denn Leutenegger bleibt auch im Urlaub ganz die angriffslustige Nörglerin, die wir aus dem Politbetrieb kennen: «Vergammelt», «kulturlos», «Wer verantwortet hier die Stadtplanung?», lauten die Kommentare aus Locarno und Ascona. Wir wünschen ihr weiterhin gute Entspannung und sehen uns in einer alten Weisheit bestätigt: Die Ferien dienen vor allem zur Vergewisserung, dass es zu Hause doch am schönsten ist. Susanne Leutenegger KEYSTONE Christoph Blocher Christoph Blocher, Wasserprediger, sitzt in der jüngsten Ausgabe von «Teleblocher» vor seinem gefüllten Swimmingpool. Die Fragen des Moderators zu Hitzesommer und Trockenheit scheinen ihn nicht zu tangieren. «Wir haben es gut mit dem Wasser hier», sagt der SVP-Übervater. Wer wie Blocher das werktätige Volk als Wasserträger hat, muss keine Dürre fürchten. KEYSTONE

9 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Schweiz 9 Strafen im Akkord Die Kantone haben in fünf Jahren fast Sanktionen wegen Verstössen gegen die flankierenden Massnahmen verhängt. Am meisten Sünder kommen aus Deutschland Daniel Friedli, Marco Metzler Der Schutz der Schweizer Löhne darf keinesfalls geschwächt werden. Seit Aussenminister Ignazio Cassis im vergangenen Juni laut über Anpassungen bei den flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit nachgedacht hat, vertreten Gewerkschaften, Arbeitgeber und Kantone dieses Mantra in seltener Einigkeit. Neue Zahlen machen nun etwas deutlicher, wieso: Allein in den letzten 5 Jahren haben die Kantone in über Fällen Firmen wegen Verstössen gegen ebendiese flankierenden Massnahmen sanktioniert. Dies geht aus einer Liste hervor, die das Staatssekretariat für Wirtschaft führt und auf Anfrage zugestellt hat. Auf der Liste stehen unzählige Einzelfirmen und Kleinbetriebe aus gut 30 Ländern, aber auch Firmen aus bekannten, grossen Häusern. Zum Beispiel wurde der deutsche Detailhändler Lidl sanktioniert, ebenso Vertretungen von Nokia, ABB, Bombardier Transportation oder Robert Bosch. Und auch bekannte Schweizer Sünder finden sich darauf, ja sogar solche in Staatsbesitz. So erhielt eine deutsche Niederlassung der Post Tochter Swiss Post Solutions 2015 wegen eines Gesetzesverstosses im Kanton Zürich eine Busse. Über 1400 Sperren Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet dort, wo die Kritik an den Schutzmassnahmen der Schweiz am lautesten ist, besonders viele Sünder herkommen: Über ein Drittel der sanktionierten Fälle stammt aus Deutschland, dahinter folgt mit gut 30 Prozent das Herkunftsland Italien (siehe Grafik). Mit über 1100 Sanktionen reihen sich aber auch Schweizer Arbeitgeber weit vorne in der Liste ein. Die meisten Sanktionen hat der Kanton Tessin verhängt, dessen Regierung sich erst kürzlich in einem Brief an den Bundesrat für möglichst wirkungsvolle Lohnschutzmassnahmen ausgesprochen hat. Dahinter folgen mit Zürich und Bern zwei grosse Kantone, in denen wohl auch verhältnismässig viele Aufträge vergeben werden. Ganz generell sind die Angaben zu Verstössen und Herkunftsländern immer insofern zu relativieren, als dafür auch entscheidend ist, Immer wieder werden Fälle von Lohndumping geahndet: Blick in eine Baustelle. wie viele Aufträge vergeben werden und wie häufig und spezifisch die Arbeitsmarktbehörden kontrollieren. Klar ist demgegenüber, dass die Verstösse für die fehlbaren Firmen Folgen haben. Sie müssen sich entweder an den Kosten der Kontrollen beteiligen, eine Busse von bis zu Franken bezahlen oder gar eine Sperre hinnehmen. Gemäss einer zweiten Liste des Bundes unterliegen gegenwärtig über 1400 Firmen einer sogenannten Dienstleistungssperre, das heisst, sie dürfen vorübergehend in der Schweiz keine Aufträge ausführen. Für die Gewerkschaften belegen diese Zahlen einmal mehr, wie wichtig ein griffiger Lohnschutz ist. «Daher müssen wir die flankierenden Massnahmen verbessern und nicht verschlechtern», sagt Matthias Preisser, Sprecher des Gewerkschaftsbundes. Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Schweiz auch in Zukunft eigenständig und ohne Zutun der EU über ihren Lohnschutz bestimmen könne. Damit weist der Gewerkschaftsbund bereits mitten ins grosse politische Thema dieses Sommers. Soll die Schweiz ihre Lohnschutzmassnahmen allenfalls etwas anpassen, um die Chancen für den Abschluss eines Rahmenabkommens mit der EU zu verbessern? Im Auftrag des Bundesrates wird nun Wirtschaftsminister Johann Schneider Ammann dazu innenpoliti Schweiz 6% Österreich 4% Polen 4% Frankreich 5% Übrige 13% Italien 31% Deutschland 37% GETTY IMAGES Tausende Verstösse gegen die flankierenden Massnahmen Aus diesen Ländern kommen die fehlbaren Firmen Quelle: Seco, NZZaS sche Konsultationen mit den Sozialpartnern aufnehmen. Eine erste Runde findet in diesen Tagen mit den Kantonen statt, von denen Schneider Ammann wohl wenig kreative Hilfe erwarten kann. Der Präsident der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren, der Basler Christoph Brutschin (sp.), sagt jedenfalls, die Kantone würden sich allfällige Ideen gerne anhören. Sie erachteten es aber nicht als ihre Aufgabe, selber solche vorzuschlagen. Diskussionsbereit hat sich auch der Arbeitgeberverband gezeigt, wohingegen die Gewerkschaften an den jetzigen Schutzmassnahmen kein bisschen rütteln wollen und die Übung auch schon als Affront bezeichnet haben. Einladung anbundesrat Diese Haltung spricht auch aus einem Brief, den Renzo Ambrosetti, Präsident der Tessiner Kontrollstelle für entsandte Arbeit, an Schneider Ammann geschickt hat. Die 8-Tage Regel zum Beispiel sei ein entscheidendes Element, um die Lohnkontrollen wirksam durchführen zu können, schreibt er darin. Und die Kontrollen vor Ort wiederum seien wichtig, da viele Entsandte in ihren Meldungen einen anständigen Lohn angäben, diesen aber in der Praxis nie erhielten. Ambrosetti lädt darum seinerseits Schneider Ammann ein, die Tessiner Kontrolleure einen halben Tag bei ihrer Arbeit zu begleiten, auf dass der Bundesrat persönlich «den Nutzen der 8-Tage Regel überprüfen könne» In diesen Kantonen wurden die Sanktionen verhängt Luzern 5% Basel- Stadt 5% Aargau 5% Übrige 21% Wallis 7% Bern 12% Tessin 27% Zürich 18% In Kürze Strompanne legt Zugverkehr lahm Ein zehnminütiger Stromausfall hat am Samstagvormittag Im Bahnhof Luzern den Bahnverkehr vorübergehend lahmgelegt. In der Folge kam es auch zu Verspätungen. Der Stromausfall in einem Unterwerk konnte nach 10 Uhr 30 behoben werden. Warum es dazu kam, ist unklar. (sda) Uni Luzern entlässt Theologieprofessor Per Ende Juli hat die Universität Luzern den Professor für Exegese des Alten Testaments freigestellt und ihm gekündigt. Wie die «Luzerner Zeitung» am Samstag berichtete, fehle das Vertrauensverhältnis für eine Weiterführung der Anstellung. Zu den Gründen für die Trennung äusserte sich die Uni nicht. Der 57-jährige Professor stammt aus Freiburg im Breisgau und war seit 2013 Professor in Luzern. Die Theologische Fakultät dort ist die älteste katholisch-theologische Lehranstalt in der Schweiz. (sda) Schweizer in Nepal festgenommen Wegen Verdachts auf Kindsmissbrauch ist ein 66-jähriger Schweizer in Nepal verhaftet worden. Der Leiter eines Ausbildungsprojekts soll einen Minderjährigen in einem Hotel sexuell missbraucht haben, wie der «Blick» am Samstag berichtete. Der Täter sei geständig. Das Aussendepartement hat Kenntnis von der Festnahme, wie es am Samstag bestätigte. Die örtliche Polizei habe die Schweizer Botschaft am Freitag informiert. (sda) Flugausfälle wegen Gewittern in Genf Heftige Gewitterstürme haben am Freitagabend am Genfer Flughafen Starts und Landungen vorübergehend verunmöglicht. Nach 18 Uhr war der Betrieb für eine halbe Stunde lahmgelegt. 16 Flüge mussten annulliert, 12 umgeleitet werden. Gestrandete Passagiere mussten in Genf übernachten. Im Verlauf des Samstags normalisierte sich der Betrieb wieder. Die Verzögerungen waren bis am Mittag grösstenteils abgebaut. (sda) Ein Formular schützt vor Zwangsheiraten Mit einer eidesstattlichen Erklärung können gefährdete Frauen eine unfreiwillige Vermählung abwenden. Rund 100 Betroffene haben diese Möglichkeit bereits genutzt. Andreas Schmid Oft sind es Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien, denen Zwangsheiraten drohen. Die betroffenen jungen Frauen stammen aus einer Vielzahl von Ländern. Sie würden für eine Vermählung in ihre frühere Heimat verschleppt, sagt Anu Sivaganesan, die Präsidentin der Fachstelle Zwangsheirat. Ihr Kompetenzzentrum hat zusammen mit der Stadtberner Fremdenpolizei eine Massnahme getroffen, um bedrohte Frauen zu schützen: Seit einem Jahr haben sie ein Formular im Internet aufgeschaltet. Damit können bedrängte Frauen eidesstattlich er Komplexes Problem: Erzwungene Hochzeiten im Herkunftsland. klären, dass sie sich nicht vermählen wollen, wenn sie in ihre frühere Heimat reisen, beziehungsweise, dass sie die Schweiz nicht oder nicht in Begleitung gewisser Personen verlassen wollen. Bis jetzt habe ihre Fachstelle Kenntnis von 92 abgegebenen Deklarationen, sagt Sivaganesan. In Bern hätten 6 junge Frauen das Dokument eingereicht, sagt Alexander Ott, der Vorsteher der ALIXANDRA FAZZINA / NOOR / KEYSTONE Fremdenpolizei. Weil die Formulare auch bei anderen Institutionen eingegeben werden können, dürfte die Zahl der eidesstattlichen Erklärungen deutlich über 100 liegen. Das Formular sei nur eine von mehreren Vorkehrungen gegen Heiratsverschleppungen, betont Sivaganesan. Wichtig sei auch die Vernetzung mit Organisationen in den Ländern, in denen sich das Problem stelle. Die Fachfrau erwähnt etwa Eritrea, Somalia, die Türkei, Kosovo, Mazedonien, Syrien, Afghanistan und den Irak. Aus den irakischen Kurdengebieten stammten die prekärsten Fälle, die der Fachstelle zugetragen würden. Auch deshalb, weil dort Kinderheiraten gang und gäbe seien, sagt Sivaganesan. «Wir berieten erst letzte Woche eine Betroffene, die im Alter von zwölf Jahren in ihrem Herkunftsland zwangsverheiratet wurde.» Es handelt sich dabei laut Sivaganesan meist um traditionelle Hochzeiten. Um die brachiale patriarchalische Gewalt gegenüber Kindern zu stoppen, müssten auch in der Schweiz zusätzlich Vorkehrungen getroffen werden, fordert die Expertin. Sie erwähnt etwa eine erhöhte Sensibilisierung von Behörden, Arbeitgebern und Schulen sowie einen besseren Schutz für Gefährdete. Seit 2016 registriert die Fachstelle mehr Kinderheiraten. Diese Entwicklung halte an, sagt Sivaganesan. Sie stellt fest: «Oft reisen Familien mit den Kindern in Nachbarstaaten ihrer früheren Heimat, um von dort ihr Herkunftsland zu erreichen und den Nachwuchs zu vermählen.» Sorgen bereiten Sivaganesan die derzeitigen politischen Bestrebungen von SVP-Parlamentariern, in der Schweiz den Primat der Ziviltrauung abzuschaffen. Vorstösse der Nationalräte Claudio Zanetti und Pierre André Page zielen darauf ab. «Sollten religiöse Vermählungen künftig auch ohne zivile Heirat zulässig werden, hätte dies fatale Folgen», sagt die Juristin warnend. Die Handhabe, um erzwungene Ehen zu erkennen und dagegen vorzugehen, würde laut Sivaganesan wesentlich beeinträchtigt. Zwangsheiraten bereiten den Behörden zusehends Sorgen, wie Alexander Ott von der Stadtberner Fremdenpolizei einräumt: «Solche illegalen Ehen werden zu einem sehr komplexen Problem.» Die Zusammenarbeit mit der Fachstelle Zwangsheirat bewähre sich, die eidesstattliche Erklärung sei ein weiterer Schritt zur Bekämpfung der unfreiwilligen Vermählungen. Weitere Städte und Kantone seien daran interessiert, das Formular bei ihren Behörden einzuführen. Alexander Ott hält fest, das Ziel sei ein schweizweit vernetztes System, um gegen Zwangsheiraten vorzugehen.

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11 NZZ am Sonntag 22. Juli Verstöpselt und zugedröhnt Ständig und überall hören wir Musik. Warum Ruhe der grösste Luxus unserer Zeit ist 13 Mission zum Mars Werden wir in 15 Jahren bereit sein für die Reise zum Roten Planeten? 16 WeshalbDonald Trumpmitallem davonkommt Wiederhates derus-präsident geschafft, diewelt unddas Establishment inamerikazu schockieren mit seiner Haltung zu Russland. Doch Trumphat Grösseres vor. Er ist drauf und dran, sein Land umzupflügen, schreibt GordanaMijuk Er war mitten im Präsidentschaftswahlkampf, als er den unerhörten Satz sagte: «Ich könnte auf der Fifth Avenue in New York stehen und jemanden erschiessen, und ich würde trotzdem keine Wähler verlieren.» Nun, fast zwei Jahre später, muss man einräumen: Es stimmt. Donald Trump kann machen, was er will. Nichts scheint an ihm klebenzubleiben, nichts seine Popularität zu trüben. Er kann frauenfeindliche Kommentare absondern, er kann Partei ergreifen für weisse Rassisten, er kann Familien, die illegal in die USA eingereist sind, auseinanderreissen. Er kann traditionelle Alliierte vor den Kopf stossen und sie behandeln wie die ärgsten Feinde. Auch wenn seine Kritiker immer wieder hoffen, jetzt, jetzt endlich sei er zu weit gegangen: Trump bleibt an der Macht. Diese Woche gab der US-Präsident erneut ein Exempel an Unverfrorenheit. Diesmal traf es keine Minderheiten, und es traf keine Ausländer, es traf Amerika im Herzen. Am Gipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki sagte Trump, er sehe keinen Grund, weshalb Russland sich in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt haben solle. Vor den Augen der Welt schenkte er damit den Worten des ehemaligen KGB- Agenten Putin mehr Vertrauen als seinen eigenen Geheimdiensten, die ebendiese Einmischung als Faktum ansehen. Wer hat recht, Amerika oder Russland? Trump sagt: Russland. Ungeheuerlich!, wetterte die Elite. Verrat!, rief darauf der frühere CIA-Chef John Brennan. Ein Raunen ging diesmal auch durch die Reihen der Republikaner. Sogar Trumps glühender Bewunderer, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich, räumte ein, Trump habe den grössten Fehler seiner Präsidentschaft begangen. Doch trotz der Entrüstung wird auch diesmal nichts an ihm haften bleiben. Die Kritik kommt einmal mehr nur von denjenigen Republikanern, die sich zu keiner Wahl mehr stellen müssen. Zudem behauptete Trump nach seiner Rückkehr aus Helsinki kurzerhand, er habe sich versprochen: Die Russen hätten sich doch in die Wahlen eingemischt. Das ist Trumps alter Trick, er produziert mit widersprüchlichen Aussagen ein Chaos ein Trumpsches Chaos. Ähnliches tat er vor einer Woche: Zuerst nahm er die Nato in den Schwitzkasten, nur um später zu behaupten, der Verteidigungspakt sei so stark wie nie zuvor. Einmal sagt er quasi, die Erde sei eine Kugel, nur um am nächsten Tag zu verkünden, sie sei eine Scheibe. So verwischt er die Grenze zwischen Freund und Feind, zwischen Fakten und Propaganda. Weshalb kommt Trump mit alledem davon? Weil dies seine Wähler gutheissen. Trumps Basis wendet sich nicht von ihm ab. Was wahr ist und was nicht, ist für sie keine Frage von Fakten, sondern eine der Identität. Trump gehört zu ihnen, er ist Anti-Establishment, antiintellektuell. Er setzt sich dafür ein, dass Nichtweisse den USA fernbleiben, mit Muslim-Verboten etwa und einer Null-Toleranz-Politik an der Grenze zu Mexiko. Sein Versuch, mittels Zöllen die einheimische Industrie zu schützen, signalisiert: «Ich kümmere mich um die weisse wütende Unterschicht.» Trumps Partei mag ihr Präsident zwar immer wieder etwas peinlich sein. Und in ihrer Willfährigkeit erscheinen die Republikaner auch zynisch. Doch er brachte ihnen den Erfolg. Kaum einer seiner Vorgänger setzt so konsequent konservative Anliegen um wie Trump. Seine grösste Leistung sind die Steuersenkungen für Unternehmen und Bessergestellte. Zudem nominiert Trump für das oberste Gericht konservative Richter. Damit hat er den Kern der Republikaner Das Land scheint bereit für die Trumpsche Revolution. Niemand vermag ihn aufzuhalten. Auch die Demokraten haben noch keine Antwort auf Trump gefunden und wirken machtlos. befriedigt. Über alles andere schweigen sie. Doch Trump geht noch einen Schritt weiter. Der 45. US-Präsident will die Grand Old Party selbst verändern. So richtet er die Aussenpolitik völlig neu aus. Weg von multilateralen Verträgen und Abkommen hin zu unilateraler Machtpolitik und Deals zwischen «starken Männern», zu denen er sich hingezogen fühlt. Damit bricht er mit der US-Politik der letzten 70 Jahre, er schreibt die Ideologie der Republikanischen Partei um. Laut dem «New York Times Magazine» bringt Trump seiner Basis derzeit bei, die Nato zu hassen und Putin zu mögen. Schon 51 Prozent der Republikaner finden laut einer Umfrage, dass die USA die Alliierten nicht verteidigen sollten, wenn diese ihre Rüstungsausgaben nicht erhöhten. Mit seinem Protektionismus rüttelt Trump an den liberalen Grundwerten der Partei. Auch nährt er täglich das Unbehagen der Bevölkerung gegenüber den Medien (mit Ausnahme der Trump-Medien natürlich) und den US-Geheimdiensten. Donald Trump kommt mit seinem Verhalten davon, weil es die Amerikaner so wollen. Das Land scheint bereit für die Trumpsche Revolution. Niemand vermag ihn aufzuhalten. Die Demokraten haben noch keine Antwort auf Trump gefunden und wirken machtlos. Sie sind fixiert auf ihn und lösen ihre eigenen Probleme nicht. Die Partei ist zerrissen in unterschiedliche Strömungen, und es fehlen ihr Köpfe, die das Volk mitreissen können. Geeint sind sie nur in ihrem Hass gegen Trump. Eine solche Opposition kann Trump nicht gefährlich werden im Gegenteil. Diese Woche twitterte er, seine Gegner litten am Trump Derangement Syndrom TDS. Der Begriff bezeichnet nicht etwa Trumps Irrsinn, sondern den mentalen Zustand einer Person, die durch ihren Hass gegen Trump verrückt geworden ist. Auch das ist Teil des Paradigmawechsels. Grosi, willst du ewig rocken? Inge Ginsberg, Überlebende des Holocaust, istinder TV-Sendung «Die grössten Schweizer Talente» bekannt geworden. Jetzt erobert das «Death-Metal-Grosi» die USA. VonCarole Koch Es gibt nicht viele Fernsehmomente in diesem Land, die um die halbe Welt gehen. Inge Ginsbergs Auftritt in «Die grössten Schweizer Talente» ist aber so ein Moment. Sie ist 93, als sie zum ersten Mal auf einer Showbühne steht und sagt: «Mein grösstes Talent ist nicht singen, sondern überleben.» Dann brettern die Gitarren los, Ginsberg krächzt ins Mikrofon, das Stück heisst «Trümmer», und es klingt tatsächlich, als würden Häuser einstürzen. In diesem Lärm verschwimmen Welten, die nicht füreinander vorgesehen sind: Death Metal und alte Damen. Heute, zwei Jahre später, ist Ginsbergs Auftritt auch in «Death Metal Grandma» zu sehen. So heisst der Dokumentarfilm der New Yorkerin Leah Galant, der diesen Sommer an amerikanischen Festivals gezeigt wird. Es ist ein Porträt von Inge Ginsberg, dieser besonderen Frau, die mit 96 immer noch zwischen Wohnsitzen in Zürich und New York pendelt, wild entschlossen, bei der amerikanischen Casting-Sendung «America s Got Talent» aufzutreten. Ginsberg hat ein Genre erfunden, das viel mehr ist als Death Metal für Alte. Ginsberg nennt es «gegen den Tod ansingen». Denn diese Dame will alles ausser sterben. «Das Alter ist ein einsames Land, wenn alle Verwandten tot sind, alle Freunde und man allen egal ist», sagt Ginsberg in «Death Metal Grandma», während sie sich mit zitternden Händen Rouge auf die Wangen pinselt. Ein bisschen zu viel, ein bisschen zu schrill wie so vieles an dieser Frau, die nichts mehr fürchtet, als nicht mehr gesehen zu werden in einer von Jugend besessenen Welt. Man müsse halt etwas tun, um glücklich zu sein, sagt sie. Manche würden trinken, sie schreibe Gedichte. Einen ganzen Band hat sie schon gefüllt, ein Gedicht auf jeder Seite. Gehört werden die aber nur, wenn Ginsberg mit ihrer Band Lärm daraus macht. BRUNO MUFF Ginsbergs Biografie bietet Romanstoff: Leben als Spionin, Leben in Hollywood, drei Ehen, viele Liebhaber. «Totenköpfchen» heisst das Stück, mit dem Ginsberg die Schweiz am Eurovision Song Contest vertreten wollte. Es ist auch eine Botschaft an alle, die sich und das Leben schon ein bisschen aufgegeben haben: «Vergiss den Wurm, vergiss den Sarg, trink und iss, sing und lach, dann fährt der Teufel zur Hölle ab.» An die Eurovision hat es Ginsberg nie geschafft. Jetzt will sie mit einem neuen Lied die USA erobern, statt Rollatoren durch die Welt zu schieben und sich mental irgendwo zwischen hier und da niederzulassen, dem Diesseits und dem Jenseits. Ginsberg hat schon früh gelernt, mit dem Leben davonzukommen. Die Tochter wohlhabender Juden ist in Wien aufgewachsen. Als die Nazifahnen auch in Österreich zu wehen begannen, wurde ihre Familie auseinandergerissen. Der Vater konnte dem Konzentrationslager Dachau nur knapp entkommen. Ginsberg floh mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrem Verlobten in die Schweiz, wo sie in einem Heim in Adliswil (ZH) landeten. «Albträume habe ich noch lange gehabt», sagt Ginsberg später einer Reporterin des Schweizer Fernsehens. «Das bleibt im Blut. Immer wieder davonlaufen und Angst haben.» Ginsbergs Biografie bietet noch mehr Romanstoff: Leben als Spionin, Leben in Hollywood, Israel und Ecuador, drei Ehen, viele Liebhaber, noch mehr Partys, Journalistin bei der «Weltwoche», Autorin von mehreren Büchern. In «Die Partisanenvilla» beschreibt Ginsberg die ersten Jahre in der Schweiz, in denen sie auch für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet hat. Als Haushälterin einer Villa in Lugano, von der aus Waffen an die Widerstandsgruppen in Norditalien geschmuggelt wurden. Später zog sie mit ihrem ersten Ehemann Otto Kollmann nach Hollywood. Er komponierte Lieder für die Musiklegende Nat King Cole, sie schrieb die Texte dazu. Und das macht Ginsberg bis heute. Aber nur noch für sich selbst. Es ist ihr egal, die skurrile Alte sein, für die sich die restlichen Familienmitglieder schämen. Vermutlich sogar ihre eigene Tochter, mit der sie kaum noch Kontakt hat. Inge Ginsberg ist inzwischen frei genug, um sich im Rollstuhl zu «America s Got Talent» schieben zu lassen und beim Vorsingen den Text zu vergessen, totales Blackout. Ginsberg nimmt es gelassen. «Das Alter ist ein schönes Land», sagt sie, «totale Freiheit.» Auch wenn die Liebesaffären rar seien und ihr nur noch der Wind über das Haar streiche. «Aber der Duft der Blumen und die Lieder der Vögel sind immer noch da.»

12 12 Meinungen NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Gastkolumne Medienkritik Wo Trump undobama derselben Ansichtsind ILLUSTRATION: GABI KOPP Ein Hoch auf die Normalbürger Ronnie Grob Die USA verfolgen wieder ihre alte, isolationistische Aussenpolitik. Europa sollte sich darauf endlich vorbereiten Paul Widmer Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte die Nato ihre Mission erfüllt. Der US-Präsident Donald Trump brüskiert seine Partner nach Lust und Laune. Jüngst waren Deutschland, Grossbritannien und die Nato an der Reihe. Mutwillig gefährdet er das transatlantische Bündnis. Das erkennt jeder. Aber lassen wir uns nicht täuschen. Der unflätige Trump ist nur Teil des Problems. Was sich hier abspielt, reicht weit über Trump hinaus. Wir haben es mit einer Zeitenwende zu tun. Diese hat verschiedene Verursacher: Europäer, die ihre Verteidigung seit langem nicht mehr ernst nehmen; Amerikaner, die die Zusatzbürde für die Europäer nicht mehr schultern wollen und eine aussenpolitische Strategie der beiden US- Präsidenten Barack Obama und Donald Trump, die eine neue Lastenverteilung erzwingen möchte. Obama und Trump im gleichen Boot? Ich höre schon den Aufschrei von Obamas Bewunderern. Unerhört, rufen sie, Obama habe doch in der Aussenpolitik das pure Gegenteil von Trump betrieben. Ja, das stimmt, aber nur auf einigen Feldern, etwa in der Klimapolitik oder im Umgang mit Iran. Kratzt man tiefer, kommen mehr Gemeinsamkeiten zum Vorschein, als einem lieb sein kann. Wo denn? Beide sind im Grunde Isolationisten, wollen die Verantwortung für den Weltfrieden abschütteln. Obama suchte die US-Truppen aus dem Irak und aus Afghanistan zurückzuziehen. Er weigerte sich, in Syrien einzumarschieren. Auch in Libyen begnügte er sich mit einer zweitrangigen Rolle. Er wollte bloss noch «von hinten her führen», mit eng begrenzten militärischen Einsätzen von aussen her, ohne Bodentruppen. Man nennt das eine Off-shore-Strategie. Von dieser Strategie, würde man meinen, hebt sich Trumps Schlachtruf «America first» radikal ab. Auf den ersten Blick gewiss. Wie eine Dampfwalze rollt Trump jeglichen Einspruch gegen seinen Führungsanspruch platt. Auf den zweiten Blick sieht es anders aus. Im Grunde besagt Trumps Slogan dasselbe wie Obamas Off-shore-Strategie: Solange die amerikanischen Interessen nicht direkt gefährdet sind, greifen die USA nicht massiv ins Weltgeschehen ein. Andere sollen einspringen. «America first» heisst: Washington kümmert sich zuerst um sich selbst und erst dann um den Rest der Welt. Wenn zwei derart ungleiche Präsidenten wie Obama und Trump aussenpolitisch am gleichen Strick ziehen, muss sich Europa warm anziehen. Alles spricht dafür, dass auch der nächste Präsident, egal, ob Republikaner oder Demokrat, die Obama-Trump- Strategie des aussenpolitischen Rückzugs fortsetzen wird. Selbst von einem Bernie Sanders wäre nichts anderes zu erwarten. Die USA sind zu ihrer traditionellen Aussenpolitik zurückgekehrt. Diese ist überwiegend isolationistisch. Die lange Phase nach dem Zweiten Weltkrieg war die grosse Ausnahme. Damit ist nun Schluss. Europa wollte die Zeichen des Wandels lange nicht erkennen. Die Nato ist eines der erfolgreichsten Bündnisse in der Geschichte. Aber mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte die Nato ihre Mission erfüllt und auch ihre Raison d être verwirkt. Doch das wollte man nicht wahrhaben. Ersatzaufgaben wie der Angriffskrieg auf Serbien und Einsätze im fernen Afghanistan können nicht darüber hinwegtäuschen und Schönwetter- Konstrukte wie die Partnerschaft für den Frieden, an der sich auch die Schweiz beteiligt, schon gar nicht. Auch glaubten die Europäer, die amerikanischen Bündnispartner würden nach dem Ende des Kalten Krieges weiterhin die militärische Hauptlast tragen, sie selber könnten die Verteidigungshaushalte zusammenstreichen und das Ersparte als Friedensdividenden in den Ausbau ihrer Wohlfahrtsstaaten stecken. Die USA sahen das nicht so. Jeder amerikanische Präsident seit Ronald Reagan kritisierte die geringen europäischen Verteidigungsausgaben, einmal in milderen, einmal in schärferen Tönen. Aber Trump ist der erste, der nicht nur zuredet, sondern mit der Faust auf den Tisch klopft. Was tun? Europa ist nicht mehr der privilegierte Partner der USA. Washington hört heute mehr auf das autoritative Wort aus Peking als auf das Pfeifkonzert aus Brüssel. Das sollte man endlich einsehen und die Konsequenzen daraus ziehen. Statt endlos zu regulieren, muss die Europäische Union schleunigst beweisen, dass sie noch die Kraft hat zu grossen Gemeinschaftsprojekten. Sie muss jene beiden Aufgaben meistern, ohne die es keine Souveränität gibt: die eigene Verteidigung und den Schutz der Aussengrenzen. Aber das anzupacken ist eben schwieriger, als über den unflätigen Trump zu jammern. Paul Widmer ist Alt-Botschafter und lehrt an der Universität St.Gallen. Am Mittwoch zeigte das SRF die erstefolge der zweiten Staffel von «Wir sind die Schweiz». Zusammen mit RTS, RSI und RTR hatte das SRF vier Arbeitnehmer einen Tag lang durch ihr Leben begleitet: einen Kondukteur aus Genf, ein Zimmermädchen aus Luzern, die Leiterin einer Volg-Filiale in Laax sowie einen Wirt, der im Tessiner Kantonsrat sitzt. Den Programmauftrag, den die Konzession dem Fernsehen vorgibt, nämlich, «das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen, Religionen und den gesellschaftlichen Gruppierungen» zu fördern, erfüllt das SRF damit sehr gut. Für einen sonnigen Sommerabend waren die Quoten nicht einmal schlecht sie bewegten sich im Rahmen des Sommerkrimis am Abend vorher. «Wir sind die Schweiz» erinnert daran, dass der Alltag von Leuten, die nicht Politiker, Professor oder Mediensprecher sind, in den Medien kaum vorkommt. Die Millionen von Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen, ihren Job gern und gut machen und so die Volkswirtschaft in Schwung halten, werden meistens sträflich ignoriert. Die Journalisten kümmern sich vor allem um die Ausreisser von der Normalität, um den vierfachen Mörder von Rupperswil etwa oder um den viele Betreuer beschäftigenden «Carlos». Dass einfache Arbeitnehmer in den Medien kaum zu Wort kommen, hat auch mit der Kontrollwut der immer mächtiger werdenden Medienstellen zu tun. Als der «Blick» etwa vor einiger Zeit ein Interview machen wollte mit einer Aargauer Lokführerin, auf deren Zug ein Kran gefallen war, lehnte es die SBB-Medienstelle ab, den Kontakt zu ihr herzustellen. Die Angst von Kommunikationsverantwortlichen, ein Mitarbeiter könne etwas nicht zu hundert Prozent Medientaugliches sagen, ist riesig. Der «Blick» fand den Kontakt dennoch. Das Interview war hervorragend. Ronnie Grob ist Redaktor beim «Schweizer Monat». 49 Prozent Familienferien auf dem Balkan Patrick Imhasly Beim Besteigen der Fähre in Ancona haben sich die Söhne noch lustig gemacht über die «Fake-Marken», die die Albaner ihrer Meinung nach häufig tragen. Während der Überfahrt nach Durrës waren sie schwer beeindruckt vom Gemeinsinn und der Fröhlichkeit der Albaner, die auf dem Weg in die Sommerferien in ihrer Heimat die halbe Nacht gefeiert haben. In Albanien angekommen, haben die beiden nur noch gestaunt, angesichts der weltweit wohl einmalig hohen Dichte an gebrauchten Mercedes- und BMW-Karossen sowie der Villen im Zuckerbäckerstil, mit der sich die Reichen hier gerne ein Denkmal setzen. Sei es eine mehrtägige Wanderung durch die Alpen, eine ausgedehnte Velotour durch die Schweiz oder wie in unserem Fall ein Roadtrip mit dem Auto durch den Balkan: Für mich gibt es keine intensivere und schönere Erfahrung im Verbund der Familie, als gemeinsam eine Reise zu unternehmen. Es fängt schon mit der Planung an: Während Monaten herrscht Vorfreude, und es darf darüber spekuliert werden, ob der Pool in der gebuchten Unterkunft wirklich so toll ist, wie er aussieht. Auf der Reise gilt es Abenteuer zu bestehen und familiäre Herausforderungen zu meistern, etwa den Koller, der aufkommen kann, wenn man während Wochen ständig auf kleinstem Raum zusammen ist. Zurück zu Hause lässt sich noch lange von den Erfahrungen zehren und in den gemeinsamen Erinnerungen schwelgen. Auf unserer grossen Reise durch den Balkan sind wir nach Albanien, Mazedonien, Montenegro und Kroatien inzwischen in Sarajevo angelangt; Belgrad steht uns noch bevor. In Albanien sind wir während eines heftigen Gewitters beinahe von der Strasse gespült worden, und in Gesprächen mussten wir den Schock überwinden, der uns traf, als wir später an einem Motorradunfall mit tödlichem Ausgang vorbeikamen. Nachdenklich wurde es, als unsere Söhne in der Warteschlange vor dem kroatischen Zoll vorschlugen, jeder müsse jetzt die herausragenden positiven und negativen Eigenschaften des andern auflisten. Zu meiner Person nur soviel: Papa verliere praktisch nie die Nerven aber wenn, dann richtig, befand der Ältere. Ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich diese Feststellung zu bewerten habe. Geradezu rührend war, was die beiden als Souvenir nach Hause nehmen wollten: eine klassische Balkanfrisur. Ermöglichen sollte diesen Wunsch ein Coiffeur im Pensionsalter, der sein Geschäft in einer Box am Strassenrand im Zentrum des mazedonischen Ohrid betrieb. Der Mann war zunächst etwas unsicher, weil er nach eigenem Bekunden sonst nie so junge Kunden hat. Schliesslich rasierte er den beiden mit der Maschine dann doch eine scharfe Stufe rund um den Kopf ins Haar und darunter bis auf den Schädel alles weg die Jungs waren glücklich, der Coiffeur ebenso. Und der Zufall wollte es, dass wir den Final der Fussball-WM ausgerechnet in Kroatien verfolgen durften, im Land des Aussenseiters im grossen Endspiel. Wie erlebten eine Nation im Freudentaumel Geradezu rührend war, was die beiden als Souvenir nach Hause nehmen wollten: eine klassische Balkanfrisur. und machten die erstaunliche Erfahrung, dass die Kroaten erst dann so richtig zu feiern begannen, als das Spiel verloren war. Wir Schweizer hätten uns wohl in der gleichen Situation in erster Linie ob der verpassten Chance gegrämt. In den Ländern des Balkans lahmt die Wirtschaft. Und auch die Narben der schrecklichen Bürgerkriege der neunziger Jahre sind nicht zu übersehen, zum Beispiel in den zerschossenen Gebäudefassaden in Mostar oder den Kriegsgräbern mitten in den Wohnquartieren von Sarajevo. Und doch hat man das Gefühl, die Region entwickle ein neues Selbstbewusstsein jenseits der alten Stigmata. Wir haben auf unserem Roadtrip durch diesen kulturell und historisch reichen und wunderschönen Teil Europas jedenfalls grosszügige und freundliche Menschen kennengelernt, ein Gespür für Geschichte entwickelt und unseren Teamgeist in der Familie geschärft. Die Erfahrung des Balkans ist eine Erfahrung fürs Leben. Patrick Imhasly ist Redaktor im Wissen der «NZZ am Sonntag».

13 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Meinungen 13 Chappatte im Sommer Flankierende Massnahmen Der Lohnschutz ist auch mit einer Vereinfachung möglich Die Europäische Union verlangt von der Schweiz eine Aufweichung der flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit. Dies ist für die EU Voraussetzung für den Abschluss eines Rahmenabkommens. Darum versucht Volkswirtschaftsminister Johann Schneider- Ammann in diesem Sommer, die Gewerkschaften von Anpassungen bei den flankierenden Massnahmen zu überzeugen. Die Daten, welche die «NZZ am Sonntag» heute publiziert, zeigen, dass die Instrumente gegen Lohndumping greifen. Fast Mal sind Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren wegen Missachtung der flankierenden Massnahmen sanktioniert worden. Gegen mehr als 1400 Firmen ist zurzeit sogar eine Sperre hängig. Auf diese Zahlen werden die Gewerkschaften verweisen in den Verhandlungen mit Bundesrat Schneider-Ammann. Es wäre aber töricht, wenn sie zu keinerlei Konzessionen bereit wären. Der Lohnschutz kann im Zeitalter der Digitalisierung mit weniger rigiden Massnahmen erreicht werden als mit der sogenannten Acht-Tage-Regel. Es liegt auch im Interesse der Gewerkschaften, dass sich die Schweiz in den Beziehungen zur EU Stabilität und Rechtssicherheit bewahrt. Wenn die Wirtschaft floriert, sichert das Arbeitsplätze und die Löhne der Arbeiter, für welche die Gewerkschaften eintreten, steigen. Francesco Benini Klimawandel Liebe Schweizer Wirtschaft, bitte etwas Mut! Der Bundesrat will beim Klimaschutz in der Schweiz vorwärtsmachen und ein Ziel für die Reduktion von CO2 im Inland festlegen. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse wehrt sich: Die Unternehmen sollen selber entscheiden, ob sie Klimamassnahmen besser im Inland oder im Ausland ergreifen. Diese Haltung ist verständlich. Als Politiker 2016 in Paris ein Abkommen für den Klimaschutz zustande brachten, fielen sie sich in die Arme. Doch was davon umgesetzt werden wird, ist offen. Warum also vorpreschen und Marktnachteile in Kauf nehmen? Dennoch ist die Haltung von Economiesuisse auch etwas mutlos. Wo ist der Glaube in die Innovationskraft unserer Wirtschaft beim Klimaschutz geblieben? «Wer hat s erfunden?» gilt der Spruch nur für Ricola? Schweizer Firmen entwickeln durchsichtige Solarzellen und Geräte, die CO2 aus der Luft abscheiden. Sogar das All wollen wir putzen, ein Laser made in Switzerland hilft bei der Entsorgung von Weltraumschrott. Unsere Unternehmen haben bis heute fast jedes Problem gelöst und sich damit auch Wettbewerbsvorteile erarbeitet, wie der Versicherungsverband sagt, der ein Inlandziel ebenfalls befürwortet. Darum darf die Wirtschaft mehr Mut im Klimaschutz zeigen. Jürg Meier Social Media Erst denken, dann posten Ein BDP-Politiker nimmt per Tweet Adolf Hitler in Schutz. Ein Oberstleutnant teilt nach dem WM-Sieg der Franzosen ein Bild auf Facebook, das einen Affen zeigt, der den Pokal hält. Viele Spieler der Equipe haben afrikanische Wurzeln. Diese Episoden zeigen einmal mehr, wie vernunftbegabte Menschen komplett austicken können, sobald sie ihre Finger am Smartphone haben. Twitter und Co. eignen sich nie dafür, den grossen Schlächtern der Menschheitsgeschichte gute Seiten abzugewinnen. Nie. Rassistische Anspielungen gehen immer in die Hose. Immer. Trotz der jungen Geschichte von Social Media haben sich schon erstaunlich viele ihrer Nutzer um Kopf und Kragen getwittert. Es ist nicht verboten, aus Fehlern anderer zu lernen. Markus Städeli Der externe Standpunkt Verstöpselt, berieselt, zugedröhnt: Stille wird zu einem raren Gut Ob aus dem Kopfhörer, in der Ladenpassage oder am Open Air: Klänge sollen uns synchronisieren und auf Konsum einstimmen. Ruhe ist der grösste Luxus unserer Zeit, meint Brigitta Hauser-Schäublin Von hinten betrachtet, sehen manche der vor mir im Tram Sitzenden aus, als trügen sie zwei leicht verschobene Scheuklappen: links und rechts je ein Riesending, das an einem den Kopf überspannenden Bügel seitlich befestigt ist. Bei anderen hängt ein kleines Kabel zu beiden Ohren heraus. Ein weiterer Fahrgast ein Tourist aus Asien scheint einen Ohrpflock zu tragen. Vielleicht ein Ethnoschmuck? Gelegentlich unterhält er sich mit seinen Mitreisenden, manchmal sinniert er vor sich hin. Als er den Pflock löst, kommt ein kleines Innenohrgewinde zum Vorschein: Es ist ebenfalls ein In-Ear-Kopfhörer, diesmal kabellos. Eines verbindet die verschiedenen Kopfhörertragenden miteinander: Gelegentlich wippen manche mit ihrem Körper, wie von einem unsichtbaren Choreografen dirigiert; andere verharren fast regungslos und horchen in sich hinein. Wirken sie nur wie ferngesteuert, oder sind sie es? Verkabelte Menschen ähneln Cyborgs, also jenen Wesen, die aus einer Verschmelzung von Mensch und Maschine beziehungsweise Elektronik bestehen. Neil Harbisson, ein in Spanien lebender Künstler und Cyborg-Aktivist, hat das alltäglich gewordene Musikhören auf die Spitze getrieben: Er hat sich eine Antenne in den Schädel einpflanzen lassen, über die er Telefonanrufe entgegennehmen, ganz profan Musik hören sowie Bilder empfangen kann, die in Klänge übersetzt werden. Musik war schon immer ein Medium der Kommunikation; sie ist in unserer Gesellschaft auch eines der Steuerung geworden. Im Unterschied zur Sprache appelliert Musik unwillkürlicher und direkter an Gefühle und kreiert Befindlichkeiten. Musik von sanften Klängen über durchrüttelnde Rhythmen bis zum buchstäblich ohrenbetäubenden Lärm ist zu einem ständigen, manchmal selbstgewählten, jedoch oft auch heimlichinvasiven oder sich herrisch aufdrängenden Begleiter des Alltags geworden. «Populäre Musik», wie sie Adorno genannt hat, dient trotz verschiedensten Konsumformen einem besonderen, für unsere Gesellschaft sehr typischen Zweck: dem Einstimmen auf Konsum durch Klänge, die das Wohlbefinden fördern; wenngleich die meisten Menschen, die ihre Ohren mit Schalltrichtern abdecken oder sie zustöpseln, nur das direkte Hörerlebnis zu geniessen glauben. Ob Cyborg- Aktivist oder flott ausgestattete Earphone- Träger: Jeder schafft sich, abgekoppelt von seiner direkten sozialen Umgebung, seine eigene akustische Welt; diese ist jedoch abhängig von dem, was irgendwo weit weg produziert worden ist und den Weg auf den Markt geschafft hat. Die Beeinflussung zum Konsum funktioniert jedoch keineswegs nur mit Kopfhörern. Fast unbewusst wahrgenommen wird die akustische Berieselung von Shopping-Malls, Boutiquen, Restaurants und manchmal wie etwa in Ascona von ganzen Strassenzügen. Die Musik ähnelt oft derjenigen, wie sie viele Kopfhörertragende wählen. Als mehr oder Brigitta Hauser-Schäublin Brigitta Hauser-Schäublin, 74, ist Publizistin und Ethnologin. Die Baslerin lehrte und forschte von 1992 bis 2016 als Professorin für Ethnologie an der Universität Göttingen und versah mehrere Gastprofessuren in den USA. Sie befasste sich mit der Ethnologie des Raums, mit Gender und kulturellem Erbe sowie mit kulturkritischen Fragen. weniger diskrete Hintergrundmusik jedoch kreiert sie ein Ambiente, das Angestellte und Kunden gleichschaltet. Die einen sollen zu mehr Produktivität, die anderen zu mehr Konsum angeregt werden. Die Berieselung lässt dem Publikum keine Wahl im Musikgenre; es kann sich der Invasion von Ambiente-Musik auch nicht entziehen. Man kann wegschauen, aber weghören kann man nicht. Wer eine Tour durch eine Stadt unternimmt und verschiedenste Lokalitäten betritt, wechselt von einer «Soundscape» einer akustischen Umgebung oder Landschaft in die nächste. In diesen Soundscapes (die oft ergänzt werden durch «Smellscapes», also versprühte Duftnoten) wird das gewünschte Image des Unternehmens vermittelt und die Besucher auf dessen Produkte eingestimmt. Andere Events allen voran Open-Air- Konzerte sind keine Anlässe der leisen Töne. Musik wird zur Beschallung, nuanciertes Hören ist nicht angesagt. Die Musik live, aber ähnlich im Stil wie Kopfhörerund Soundscape-Musik muss, wie ein Veranstalter erklärte, mit dem ganzen Körper gespürt werden, mitvibrieren soll er. Das Gehör wird zugedröhnt, das Publikum rhythmisch synchronisiert. Die Masslosigkeit elektronischer Verstärkungsmöglichkeiten versucht die eidgenössische Schall- und Laserschutzverordnung mit Schallobergrenzen und, ähnlich wie bei Wettschiessen, mit der Verpflichtung zur Abgabe von Gehörschutzstöpseln zu dämpfen. Was für Open-Air-Besucher Musik ist, weil sie freiwillig am Anlass sind, wird für Anwohner zum Lärm, weil sie zum Zuhören gezwungen werden. Stille ist zu einem raren Gut geworden. Man muss weit hinaus in die Bergwelt, um in die Stille zu gelangen. Und auch dort jodelt und brodelt es oft überlaut aus den Lautsprechern der Alpwirtschaft, um Gäste anzuziehen. Dabei wäre es gerade die Stille, die es erlauben würde, etwa über die alltäglichen Schallinvasionen und ihre Hintergründe nachzudenken.

14 ZuHausebeidenMe 14 Hintergrund Essay NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Was ist hier eigentlich los? Diese Frage stelle ich mir ständig, seit ich wieder in der Schweiz wohne. In den USA, wo ich zuvor lebte, lernte ich, was Offenheit und Toleranz bedeuten, und wurde zum besseren Menschen. Aber hierzulande sind alle nur unfreundlich und griesgrämig, schreibt Sacha Batthyany Ein halbes Jahr ist vergangen, seit ich zurück bin in der Schweiz. Freunde und Bekannte fragen mich jeweils, wie es sei, wieder hier zu sein, und ob mir etwas fehle, worauf ich antworte: «Nein, alles bestens.» Aber das ist gelogen. Ich war nicht lange genug in den USA, um zu vergessen, wie sich das Leben in der Schweiz abspielt und sich die Menschen begegnen, in Zügen, im Treppenhaus und auf Grillpartys. Aber ich war genug lange weg, um all die Dinge, die den helvetischen Alltag prägen, aus einer Distanz zu betrachten. Und so fühlte ich mich die vergangenen sechs Monate wie ein Ethnologe auf Feldforschung bei einem fremden Stamm, der sich Notizen macht und staunt. Nur ist es in meinem Fall so, dass ich mich mit einem Stamm befasse, den ich sehr gut kenne und zu dem ich selbst gehöre: dem Stamm der Deutschschweizer. Umso fassungsloser bin ich. Die Frage, die sich seit meiner Ankunft aus Washington DC gleich mehrmals täglich in meinem Kopf formt und die ich Tourette-artig laut vor mich hersage, während ich am Zürcher Bellevue stehe und den Menschen zusehe, die mit der flachen Hand auf die Tür schlagen, wenn das Tram vor ihrer Nase wegfährt, lautet: Was ist hier eigentlich los? Wie den meisten Heimkehr-Schweizern fiel auch mir sofort auf, dass das Lächeln fehlt; dass Rentner zusammenzucken, wenn sie Kinder im Umkreis von 15 Metern erspähen; dass Menschen eine eigenartige Angst haben, miteinander in Kontakt zu treten und die Strassenseite wechseln, um Bürokollegen aus dem Weg zu gehen; dass man Alltagssituationen in einer Stadt, wie das Schlangestehen für einen Becher Kaffee oder den kurzen Moment an der Ampel, bevor es grün wird, nicht nutzt für einen kurzen Schwatz, für ein Kompliment zu besonders gewagten Schuhen oder gar für einen Witz; dass man sich nichts schenkt, nicht mal einen kurzen Blick, um sich gegenseitig und sei es nur für Sekunden aus der Tristesse eines verregneten Montagmorgens zu hieven. Stattdessen laufen alle missmutig und seltsam geduckt durch die Gegend, wo die Menschen hierzulande doch alles haben. Was also ist los? Ich kann mich an meine ersten Tage in den USA erinnern. Das Haus stand noch leer, da es dauerte, bis die Möbel aus der Schweiz ankamen. Ich hatte eine Campingmatte, die ich in der einen Ecke des Zimmers aufrollte und auf die ich mich gerade hinlegen wollte, als es klingelte. Wer konnte das sein, um zehn Uhr abends? Sofort spielte ich verschiedene Möglichkeiten für den Grund dieses nächtlichen Besuches durch: Ich hatte wahrscheinlich das Mietauto falsch parkiert, dachte ich. Hatte vielleicht die Bierdosen in den Abfallkübel geschmissen, der für Papier vorgesehen ist. Ich fragte mich, ob ich vielleicht zu laut war, hatte ich mir doch am Morgen ein kleines Bücherregal zusammengebaut, wozu ein wenig Hämmern nötig war. Irgendetwas musste ich falsch gemacht haben, andere Gründe für den Besuch kamen mir nicht in den Sinn. Zögernd öffnete ich die Tür und blickte in ein lächelndes Gesicht eines alten Mannes, der mir seine Hand entgegenstreckte. Bradley sei sein Name, sagte er. Seine Freundlichkeit irritierte mich, noch hielt ich sie für eine Finte. Noch ging ich davon aus, dass er mir bald eine umso gnadenlosere Standpauke halten würde, wie man als Neuankömmling in den USA dies oder jenes zu tun habe. Zu diesem Zeitpunkt an der Türschwelle verstand ich noch nicht, wie degeneriert mein Sozialverhalten war, geprägt durch meine Kindheit in Zürich, durch Erfahrungen mit hiesigen Nachbarn, Buschauffeuren und Pendlern. Sonst hätte ich den wahren Grund für Bradleys Besuch längst erraten: Mein 93-jähriger Nachbar wollte mich nur willkommen heissen. Ich aber war es aus der Schweiz gewohnt, fremde Menschen als lästig zu betrachten, als etwas, wovor man sich hüten muss. Ich verstand noch nicht, dass ich aus einem Land kam, der Schweiz, in dem man sich grundsätzlich argwöhnisch begegnet und sich mit einem Mass an Unfreundlichkeit abgefunden hat; einem Land, in dem man nur klingelt, wenn man seinen Unmut kundtut und sich sonst aus dem Weg geht. Deshalb gilt auch der Smalltalk oder gar ein kurzer Flirt, den man anderswo zur Kunstform erkor, in der Schweiz als etwas Anstössiges. Doch woran liegt das? Warum zeigt sich hier niemand? Und vor allem: Wissen sie nicht, was ihnen entgeht? «Ich hoffe, dass du dich in unserer Strasse wohl fühlst», sagte Bradley, mein Nachbar. «Hier leben Amerikaner, Inder und Europäer. Machen wir das Beste draus», fügte er an und lud mich zum Essen ein. Es gibt eine Form der Herzlichkeit und Ermutigung in den USA, die den Schweizern fremd ist. Und die sich auf Zugezogene wie mich überträgt. Nach ein paar Monaten in Washington begann auch ich, Menschen im Lift anzusprechen, einer Frau zu ihrem extravaganten Hut zu gratulieren. Und es funktioniert. Es fühlt sich an, als würde man eine Mikrodosis eines Stimmungsaufhellers schlucken: Die Hemmungen sinken, der Alltag wird leichter, der Weg zur Arbeit vergnüglicher, weil man die Pendler beim Vornamen kennt. Es zeigt sich am Gang. Amerikaner gehen aufrechter, als wären sie alle selbstbewusster, während man hier zu Boden blickt. Wenn man schon auf engem Raum zusammenlebt, dann soll man freundlich miteinander umgehen, sagen sich die Menschen in amerikanischen Grossstädten. Es ist wie so vieles in den USA ein pragmatischer Ansatz. Es ist ein Lebenskonzept, das dazu führt, dass sich ein Kollektiv, sei es eine Nachbarschaft oder eine Bürogemeinschaft, ein wenig besser fühlt. Und so wurde ich in Amerika zum freundlicheren Menschen, zufriedener und höflicher, als ich es in der Schweiz je war, wo die Sauertöpfigkeit zu Hause ist. Von genau diesen sauertöpfischen Menschen höre ich seit meiner Rückkehr den Einwand, die Amerikaner seien oberflächlich und würden nur erzählen, wie gut es ihnen gehe. Doch die Vorwürfe zeigen nur, wie wenig Verständnis man in der Schweiz für den Sinn und Zweck sozialer Interaktion hat. Worüber will man denn mit seinen Nachbarn reden, wenn nicht übers Wetter oder Kuchenrezepte? Über Bach-Sonaten und den Tod des Vaters? Ich aber war es aus der Schweiz gewohnt, fremde Menschen als lästig zu betrachten, als etwas, wovor man sich hütenmuss. Es geht nicht um Oberflächlichkeit contra inhaltliche Tiefe, sondern darum, dass man den öffentlichen Raum in Städten, seien es Parks, Züge, auch Treppenhäuser, teilt und bespielt. Es geht um Toleranz und Offenheit, die in den USA manchmal aufgesetzt wirken, so, als wäre alles einstudiert, und dennoch werden sie täglich gelebt, während man hier über jede Veränderung die Nase rümpft. Das Neue gilt in den USA als Chance. In der Schweiz verursacht es Ängste. Die Gründe für die amerikanische Freundlichkeit, die dem Alltag die Schwere nimmt, und dieses genuine Interesse am Fremden erklärt man sich häufig mit kulturhistorischen Begebenheiten. Man sagt dann, dass es sich um ein junges Land handle, ein Einwandererland, gegründet von Europäern, die eine neue Welt erschaffen wollten. Viele flohen aus Armut und Hunger oder vor den Strafbehörden, um sich in Amerika neu zu erfinden. Doch wie steht es mit Erklärungsansätzen für die helvetische Eigenart? Wie soll man erklären, warum alle derart verschlossen sind und sich eine Grobheit im Umgang breitmachte, dass Neuankömmlinge unter sozialen Mangelerscheinungen leiden und sich fragen, wie Leben in der Schweiz möglich ist? Natürlich, es gibt Ausnahmen. Es gibt die redselige Gemüseverkäufer auf den Märkten. Es gibt liebenswürdige Nachbarn von Bern bis Chur, die die Pflanzen giessen. Und natürlich gibt es auch genügend Beispiele in der Geschichte Amerikas, die zeigen, dass Nachbarn nicht immer Höflichkeiten austauschen, sondern auch Blei und Schrot. Die Besiedelung des Westens, die so prägend war für die Identität des Landes, war im Grunde genommen ein einziger Genozid an den Indianern. Die Einwanderer auf ihren Planwagen, die die sogenannte Frontier Meile für Meile Richtung Westen schoben, raubten der Urbevölkerung erst das Land und pferchten sie später in kümmerliche Reservate. Und dennoch ist die Schweiz, was die Kunst des Zusammenlebens angeht, verglichen mit den USA ein Entwicklungsland. Daran ändert auch ein Präsident nichts, der seine südlichen Nachbarn als «Vergewaltiger» und «Kriminel-

15 15 nschenfeinden ILLUSTRATION: ANDREA CAPREZ Zürich oder Zug gelten unter Expats als wenig beliebte Destinationen, weil man hier eben nicht nur arbeiten, sondern auch lebenmuss. le» bezeichnet und sein Land für eine ganze Religionsgruppe sperren wollte. In der Schweiz ist der Umgang rauer. Wer das nicht glaubt, der muss sich nur die vielen Umfragen unter Expats zu Gemüte führen, die unserem Land unterirdische Noten bescheinigen. Regelmässig behaupten ausländische Fachkräfte, die Schweiz sei zwar ein sicheres Land, die Lebensqualität hervorragend und doch gelten Städte wie Zürich oder Zug als wenig beliebte Destinationen, weil man hier eben nicht nur arbeiten, sondern auch leben müsse. Sieben von zehn Expats behaupten, Schwierigkeiten zu haben, Freunde zu finden. Sie fühlen sich, heisst es, «wenig willkommen». Die Schweizer seien unnahbar bis unfreundlich, dazu komme der komplizierte Dialekt. Neulich las ich einen Bericht eines Franzosen, der in Zug lebt, in dem ich mich wiedererkannte. «Die Schweizer leben wie Geister», schrieb der Mann, der sich Nostalgie77 nennt, in einem Chat für Expats. «Sie beachten sich nicht. Sie schauen sich nicht an. Und mit der Zeit wurde auch ich so. Ich wurde in der Schweiz zum Geist.» Der stille Mensch, der sich jedem Fremden verweigert, wird auch in der Schweizer Literatur abgefeiert und mythisch überhöht in der Form des wortkargen, aber allwissenden Berglers, der im Winter den schwatzenden und frivolen Touristen aus dem Unterland den Bügellift reicht und für das Gute und das Authentische steht. Er wird verehrt, dieser knorrige Bergler, was man daran erkennt, dass ihn Städter auf ihren Wanderungen im Sommer ehrfürchtig grüssen, als würden sie Nelson Mandela begegnen. Und er mauserte sich auch in der Werbung zur nationalen Ikone: Während der laute Städter für Unheil steht, verkörpert der stumme Bergler die Unkorrumpierbarkeit. Kein Wunder, gibt er das Rezept für die Kräutersulz seines Appenzellerkäses nicht preis und schon gar nicht, wie in jenen berühmten Spots, einem Deutschen. Woher aber stammt dieser Mythos? Wie kam es zu dieser Deutung, dass schweigsame alte Männer in der Schweiz zu Nationalhelden hochgebauscht wurden? Es gäbe ja ganz andere Lesarten. Die wortkargen Bügelgeber am Skilift wollen vielleicht deshalb nicht reden, weil sie nichts zu sagen haben. Weil sie überfordert sind mit sich und der Welt und es nie gelernt haben, offen auf fremde Menschen zuzugehen. Auf einem der neuesten Werbeplakate für Appenzellerkäse sieht man einen kleinen Bauernbuben, der den Finger vor den Mund hält. Auch das Kind will das Rezept für Raclette lieber für sich behalten und schweigen. Aber was für ein Bild wird da vermittelt von der Schweiz? Warum eigentlich ist es derart erstrebenswert, gerade in einer zunehmend vernetzten Welt, alles für sich zu behalten, statt sein Wissen weiterzugeben. Es ist das Rumpelstilzchen-Syndrom, das in der Schweiz so hochgehalten wird, diese diabolische Freude also, etwas zu wissen, was andere nicht wissen dürfen und das sich auch in einem weiteren nationalen Heiligtum spiegelt: der Diskretion. Der Ruf, besonders diskret zu sein, ebnete die erfolgreiche Transformation des ehemaligen Bauernstaates zum Bankenland. Die Zurückhaltung wurde zum Erfolgsrezept, das Schweigen und Horten kulturell akzeptiert und die Zugeknöpftheit zur helvetischen Tugend. Die Schweiz habe zwar hervorragende Produkte, sagte die berühmte Performancekünstlerin Marina Abramovic neulich in einem Interview mit dieser Zeitung, «doch was ist mit dem Glück?» Der Geist könne sich nicht frei bewegen, «er ist in den Menschen gefangen». Man solle sich mal fragen, sagte Abramovic, die ihr eigenes Innenleben mehr auslotete als viele andere, warum hierzulande die Suizidrate so hoch sei und so viel Drogen konsumiert würden, obwohl es der Schweiz doch von aussen betrachtet so gutgehe: Was also ist hier los? Glücksexperten wie der Ökonom Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre in Olten, behaupten, es sei die protestantische Arbeitsethik, die die Mentalität und die Verhaltensweisen vieler Deutschschweizer bis heute präge. In seinem Buch «Tretmühlen des Glücks» beschreibt er, wie die Anhäufung von noch mehr Wohlstand nicht zwangsläufig zu mehr Glück führe, weil man seine Zeit eben nicht gesellig mit Freunden verbringe, sondern in Büros. Und tatsächlich fällt auch mir erst jetzt auf, nachdem ich wieder hier bin, wie hoch die Opferbereitschaft ist, alles den Berufspflichten unterzuordnen. «Zufriedenheit spüre ich dann», sagte mir neulich ein alter Bekannter, «wenn ich alles erledigt habe.» Er meinte damit nicht nur die Büroarbeiten, sondern auch den Kleinkram, der unseren Alltag bestimmt: Rechnungen, Steuererklärung, Keller aufräumen. Erst wenn er seine To-do-Liste abstreichen könne, fühle er sich richtig gut, sagte er mir beim Bier. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit etlichen Bekannten über die Frage unterhalten, was hier eigentlich los sei. Mit Einheimischen und Expats, jung wie alt, mit einem Pfarrer, einem Gastronomen, einem Architekten, einer Unternehmerin. Die Antworten lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die Schweizer sind zu satt. Man könne es sich eben leisten, unfreundlich zu sein, weil es allen gutgehe; weil sich niemand anstrengen müsse und sich jeder daran gewöhnt habe, dass alles wie geschmiert funktioniere. Zudem kommt, dass in der Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten eine Selektion stattgefunden habe. Die offeneren, risikofreudigeren Menschen hätten die Schweiz längst verlassen und seien ausgewandert. Übrig geblieben seien die Pessimisten. Die Unternehmerin, 44, sagte: «Der Wohlstand hat uns abgestumpft.» Sie wuchs in Luzern auf, lebte lange in Athen, wo sie während der Euro-Krise alles verlor. «Es klingt paradox, aber die Griechen sind in Momenten der grössten Verzweiflung zu mehr Glücksgefühlen fähig. Wer die Tiefen nicht kennt, ist auch nicht fähig, Höhen zu empfinden.» Die wortkargen Bügelgeber am Skilift wollen vielleicht deshalb nicht reden, weil sie nichts zu sagen haben. Weil sie überfordert sind. Der Expat, 61, sagte: «In Amerika geht man davon aus, dass der Nachbar oder der Fremde dich auch ein wenig weiterbringt. Sozial. Beruflich. Dein Nachbar könnte ein möglicher Kunde sein, jemand, der dir einen Job verschafft. Auch deshalb ist man freundlich aus purem Pragmatismus. In der Schweiz fehlt dieses Denken, weil alle alles haben. Das Resultat ist die totale soziale Verweigerung.» Der Gastronom, 37, sagte: «Wir sind ein arrogantes Volk, deshalb sind wir schlecht darin, Höflichkeiten auszutauschen und Komplimente anzunehmen. Man sieht das täglich in unseren Restaurants, nirgends sind die Kellner abgestumpfter. Das hat damit zu tun, dass wir das Servieren, nicht nur in der Gastronomie, sondern allen Dienstleistungsberufen, als etwas Niederwertiges ansehen. Darin zeigt sich unsere Arroganz, die wir kaschieren, indem wir uns so bescheiden geben.» Der Architekt, 48, sagte: «Die Schweiz verfügt über keine urbane Tradition.» Die Bevölkerung werde zwar zunehmend städtisch, aber die Mentalität sei ländlich geprägt. «Wir verhalten uns wie die Dorfeinwohner und Bauern von einst, die jeden Fremden als Eindringling wahrnahmen.» Nur so sei die Aggression zu verstehen, die viele, oft ältere Menschen überkomme, wenn es auf den Perrons oder im Tram ein wenig eng werde: «Sie sind überfordert.» Der Pfarrer des Zürcher Fraumünsters, Niklaus Peter, 62, sieht es ein wenig anders. Auch Peter, der in Princeton studierte, beobachtet eine «eigentümliche Ruppigkeit» in der Schweiz, die er aber für ein zeitlich relativ neues Phänomen hält und die mit dem Zusammenbruch der bürgerlichen Kultur zusammenhänge. «Die guten alten Manieren sind verschwunden», sagt Peter. Die 68er Bewegung habe die bürgerliche Höflichkeit verteufelt, mit dem Resultat, das man heute im Alltag beobachten könne: Die Schweiz hat sich in eine Ellenbogengesellschaft verwandelt. Welche Gründe es am Ende sein mögen. Tatsache ist, dass das halbe Jahr seit meiner Rückkehr ausreichte, um mich wieder in den wortkargen Menschenfeind zu verwandeln, der ich vor meiner USA-Ausreise war und der leicht geduckt durch die Strassen schleicht, in der Hoffnung, von niemandem angesprochen zu werden. Ich bin wieder daheim.

16 16 Hintergrund Raumfahrt NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 NATIONAL GEOGRAPHIC Eine kalte, trockene Ödnis aus rostrotem Stein und doch übt der Mars eine Anziehung auf den Menschen aus: Das Raumschiff «Daedalus» aus der Doku-Serie «Mars» von «National Geographic». (2016) NächsterAbflug2033 Derzeit stehen die Planeten ideal für eine Mars-Mission. Noch sind wir nicht bereit dafür. Werden wir es sein, wenn sich in 15 Jahren wieder ein Zeitfenster öffnet? Und was wollen wir dort überhaupt? Von Daniel Meier Von einer Landung zu sprechen, wäre falsch. Der Anflug missriet, der Bremsfallschirm klemmte, das unbemannte Raumschiff «Mars 2» zerschellte irgendwo zwischen rostroten Felsen und mit ihm ein putziger Schlitten, der die Umgebung hätte erkunden sollen. Immerhin ging die sowjetische Sonde in die Geschichte ein als erstes von Menschen gemachtes Objekt auf dem Mars. Das war am 27.November Natürlich hat man Fortschritte gemacht. Bis heute erreichten 14 irdische Geräte den roten Planten, darunter 1997 die Sonde «Pathfinder», deren ferngesteuertes Wägelchen etwa 100 Meter zurücklegte und prächtige Bilder nach Hause schickte. Doch Unfälle passieren immer wieder, etliche Versuche scheiterten schon unterwegs. Vor zwei Jahren erging es der bisher letzten Sonde, «Schiaparelli», gleich wie der ersten: Sie stürzte auf den Mars. Dieser Tage jährte sich Neil Armstrongs Besuch auf dem Mond zum 49.Mal, doch eine bemannte Mars-Mission scheint weiter unerreichbar. Warum? Weil es sehr weit ist, sehr gefährlich und sehr teuer. Und weil es wenig mit einer Reise zum Mond zu tun hat. Das zeigt sich schon daran, dass man nicht jederzeit losfliegen kann. Die Erde und der Mars müssen in einer günstigen Konstellation zueinander stehen. Der Abflug sollte so geplant werden, dass man genau dann auf den Mars trifft, wenn er uns auf seiner elliptischen Bahn am nächsten kommt. Dadurch verkürzt sich die Reisezeit von 125 auf unter 100 Tage nur für den Hinflug, versteht sich. Eine solche Konstellation tritt nur alle 15 Jahren auf. Kommenden Freitag wäre es wieder so weit. Der Mars nähert sich uns auf 58 Millionen Kilometer. Doch dieses Zeitfenster bleibt ungenutzt, weil keine Mission bereitsteht. Die Raumfahrer peilen nun die nächste Chance im Jahr 2033 an. Gefragt, ob das machbar sei, sagte Nasa-Direktor Jim Bridenstine kürzlich: «Leicht wird es sicher nicht. Aber es liegt nicht ausserhalb des Möglichen.» Noch nie ist ein Raumschiff gebaut worden, mit dem Menschen zum Mars und vor allem wieder zurückfliegen könnten. Die bis heute stärkste Rakete war die Saturn V für die Mondflüge Ende der sechziger Jahre, aber selbst die würde nicht reichen. Die Hoffnungen ruhen derzeit auf der Firma SpaceX des Tesla-Chefs Elon Musk. Sein neuestes Modell, «Big Falcon Rocket», soll Passagiere und grosse Lasten tragen können. Erster Testflug: frühestens Mit kleineren Raketen könnte es ebenfalls klappen, sofern man vom Mond statt von der Erde aus startet. Das bringt den Vorteil, dass nicht zuerst die Erdanziehungskraft überwunden werden muss, man kommt mit viel weniger Schubkraft und Treibstoff aus. Die Amerikaner begeistern sich derzeit für diese alte Idee. Allerdings müssten sie dafür nach langer Zeit auf den Mond zurückkehren, um dort ein Mars-Raumschiff zusammenzubauen. In 15 Jahren ist das kaum zu schaffen. Oder aber man schickt zunächst kleinere, unbemannte Frachter los, um all das Material über dem Mars abzuwerfen. Fest steht, dass es viel Material sein wird. Der Unterschied zur Mond-Mission von 1969 liegt nämlich darin, dass man auf dem Mars nicht einfach eine Fahne einstecken und wieder abfliegen kann. Armstrong verbrachte nur 21 Stunden auf dem Mond, zweieinhalb davon ausserhalb seiner Landefähre. Nach acht Tagen stand er bereits wieder auf der Erde. Beim Mars hingegen muss man sich darauf einstellen, über zwei Jahre unterwegs zu sein. Zwischen dem Hinund Rückflug von je drei Monaten gilt es, eineinhalb Jahre auf dem Mars auszuharren, bis die Himmelskonstellation wieder passt. Psychische Probleme Doch der Mensch hat keinerlei Erfahrung darin, lange in einer engen Rakete eingesperrt zu sein, geschweige denn auf einem unwirtlichen Planeten zu überleben. «In solchen Situationen geht es um psychologische und soziologische Aspekte. Plötzlich kann es eine Rolle spielen, welche Farbe die Wand in einer Raumkapsel hat», sagt der Schweizer Andreas Vogler. Als Mitglied der Weltraumarchitekten des American Institute of Aeronautics and Astronautics beschäftigt er sich mit der Frage, wie man auf einer Langzeitmission leben In der neuen Heimat gibt es viel zu tun: eine Höhle graben, Gemüse im Gewächshaus anbauen, gefrorenes Wasser aufspüren. Roter Nachbar: Der Mars-Durchmesser ist mit fast 6800 km etwa halb so gross wie der der Erde. könnte. Zwar habe man Teams für Experimente wochenlang in Versuchsanlagen liert, sagt Vogler. «Aber ein Astronaut isokönnte depressiv werden, oder jemand stirbt. Wie die Menschen unter Stress oder Angst wirklich reagieren, wissen wir erst, wenn sie sich tatsächlich auf eine solche Reise begeben.» Erreichen die Astronauten den Mars heil, geht es erst richtig los. Selbst wenn sie unterwegs fleissig trainieren, steigen sie wegen der Schwerelosig- Muskeln aus. Doch sie müskeit mit geschwächtenchten sen sich sofort daranmachen, Schutz zu suchen. Es ist kalt, die Temperatur schwankt extrem von minus 120 bis plus 20 Grad. Die Schwerkraft entspricht im Vergleich zur Erde etwa einem Drittel. Die Luft besteht vor allem aus Kohlenstoffdioxid. Häufig treten Staubstürme auf. Die kosmische Strahlung energiereiche Teilchen, die aus dem All geflogen kommen bleibt ein ernstes Problem. Marsianer müssen ein höheres Krebsrisiko in Kauf nehmen, die Gesundheitsschäden können zum Tod führen. Dennoch bezweifelt niemand, dass sich Kandidaten finden liessen. In der neuen Heimat gibt es viel zu tun: eine Höhle graben oder Wohnmodule bauen, möglichst aus Mars-Gestein, im Gewächshaus Früchte und Gemüse anbauen, gefrorenes Wasser aufspüren und in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten, um den Tank für den Rückflug zu füllen. All das wollte man übrigens schon lange in einer permanenten Mond- Station üben. Nur gemacht hat man es nie. Überhaupt kommen ausserirdische Vorhaben selten über Träumereien hinaus. Seit den fünfziger Jahren stellten verschiedene Länder mehr als 60 konkrete Pläne vor. Was ihnen gemein ist: Jedes Mal sollten in 10 bis 20 Jahren Menschen auf dem Mars landen. Keiner davon wurde je umgesetzt. Das liegt auch am Geld. Die Schätzungen beginnen bei 25 Milliarden Franken, andere rechnen mit 400 Milliarden. Gigantische Kosten und schier unlösbare technischen Probleme beides bedrohte einst auch die Apollo-Mission. Erst John F.Kennedy brachte den Durchbruch. Als der US-Präsident im Mai 1961 forderte, dass das Land sich vornimmt, noch in diesem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond und sicher zurück zu brin- gen, da wusste eigentlich niemand, wie das klappen sollte, selbst die Ingenieure der Na- sa nicht. Doch der Russe Juri Gagarin war kurz davor als erster Mensch durchs All geflogen, und der Sputnik-Schock von 1957 wirkte nach. Die Amerikaner waren in ihrem Stolz verletzt und setzten alles ein, was sie an Geld und Ideen hatten. Acht Jahre nach Kennedys Rede stand Armstrong auf dem Mond. Es war ein politisches Projekt, die Willensleistung einer Nation im Kalten Krieg. Ein Wettlauf wie damals würde die Motivation für eine Mars-Mission anhei- zen. Aber wer sollte antreten? Die USA wol- len, je nach Präsident, mal mehr, mal weniger. Die Russen scheinen kaum interessiert. Die Europäer schicken lieber Roboter statt Men- schen. Ob die Chinesen ihre grossen Pläne im All umsetzen können, muss sich erst zeigen. Sicher mischen Privatfirmen künftig mit, aber allein schafft das auch Milliardär Musk nicht. Der Traum von einer Kolonie Warum sollen Menschen überhaupt zum Mars reisen? «Das ist eine gute Frage», findet Kathrin Altwegg, Weltraumforscherin an der Universität Bern. «Aus Abenteuerlust? Profilierungssucht? Machtgier? Wirklich gute Gründe gibt es meiner Ansicht nach nicht.» Sie bleibt skeptisch, insbesondere was einen Start im nächsten Zeitfenster betrifft: «Eine bemannte Mars- Mission im 2033 müsste wahrscheinlich seit zehn Jahren in Entwicklung sein.» Die Gegner bemannter Flüge finden, auch ein Roboter könne Gesteinsproben nehmen. Doch beim Mars steht ohnehin oft nicht die Wissenschaft zuvorderst. Die Vision einer Kolonie schwingt stets mit. Falls es gelingt, eine Infrastruktur aufzubauen, in der Menschen eineinhalb Jahre überleben können, stellt sich tatsächlich die Frage, warum man diese Basis aufgeben und zurücklassen sollte. Leute wie Musk träumen von einer «Zwei- Planeten-Spezies». Und vom Terraforming. Dabei manipuliert man einen Planten so, dass er bewohnbar wird. Konkret müsste man die Atmosphäre verdichten, den Sauerstoffgehalt steigern, und die Oberfläche aufheizen was mittels Treibhauseffekt bekanntlich funktioniert. Beim Mars dürfte es etwa 600 Jahre dauern, bis er zur zweiten Erde wird. Wer weiss, vielleicht sind wir bis dann froh darum.

17 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Hintergrund 17 Nachruf PionierinderSexualerziehung Patricia Schiller, amerikanische Rechtsanwältin, die aus sozialem Engagement den Beruf der Sexualerzieherin erfand, ist 104-jährig gestorben. Von Thomas Isler Am Anfang stand ein konkretes Problem. Die Anwältin Patricia Schiller, die mit ihrer Familie in Washington lebte, arbeitete Ende der fünfziger Jahre als Freiwillige bei einer Rechtsberatungsstelle. Dort merkte sie plötzlich, dass die Lösung für viele Ehestreitigkeiten nicht die Scheidungsklage war, sondern eine Paarberatung zum Thema Sex. Die Juristin hatte das Thema ihres Lebens gefunden. Patricia Schiller, deren eigene Ehe 64 Jahre lang dauerte, hat viel über Sex nachgedacht, geredet und geforscht. Sex sei wichtig, sagte sie einmal der «Washington Post», aber es «muss nicht immer ein Gourmetdinner sein, manchmal reichen auch ein Sandwich und ein Coca-Cola.» Geboren wird Patricia Schiller als Pearl Silverman im Jahr 1913 in Brooklyn, New York. Sie ist das jüngste von vier Kindern, ihre Eltern sind jüdische Einwanderer aus einem russischen Dorf. Der Vater arbeitet als Apotheker, die Mutter ist Hausfrau, die Familie denkt sozialistisch. Die Tochter soll Lehrerin werden. In diesem Beruf, so glauben die Eltern, finde eine Frau immer Arbeit. Pearl, deren Vornamen im Laufe der Kindheit zu Patricia wird, entscheidet sich anders. Sie studiert Jus an der Brooklyn Law School und schliesst das Studium 1934 ab. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet sie in Washington als Anwältin bei der Arbeitsrechtsbehörde. Auf einer Party lernt sie ihren Mann kennen, Irving Schiller, einen Anwalt, der als Offizier in der US-Armee dient heiraten die beiden, sie haben einen Sohn und eine Tochter. Die Familie gehört zu einer reformjüdischen Gemeinde. Ihr Schlüsselerlebnis hat Patricia Schiller als Freiwillige bei einer Rechtsberatung für mittellose Leute, wo sie sich um scheidungsund trennungswillige Paare kümmert. Sie ist schockiert: «Die Menschen hatten oft keine Ahnung, was eine Ehe sein sollte und worum es dabei geht.» Um ihren Klienten wirksam zu helfen, so merkt sie bald, muss ihre Beratung über das rein Rechtliche hinausgehen. Schiller beschliesst, Psychologie zu studieren. Sie tut das am Abend, tagsüber arbeitet sie als Englischlehrerin an einer Highschool. Dort, an der Schule, trifft sie auf ein weiteres Phänomen, das eng verwandt ist mit dem Unwissen über Sexualität in amerikanischen Ehen: Es sind Teenagerschwangerschaften. Immer wieder werden Schülerinnen ungewollt schwanger, müssen die Schule verlassen und landen dann ohne Abschluss in schlechtbezahlten Jobs. Oder sie versuchen, illegal abzutreiben, und setzen dabei ihre Gesundheit aufs Spiel. Als sie ihren Abschluss in Psychologie hat, handelt Patricia Schiller. Sie lobbyiert unermüdlich, sie treibt Mittel auf und schafft es schliesslich: Sie gründet die Webster School, die erste Schule, die schwangere Mädchen aufnimmt und ihnen zu einem Highschool-Abschluss verhilft. Patricia Schiller wurde die erste Psychologin der Schule und zugleich Beraterin für Familienplanung und Sexualaufklärung. In ihre Aufklärungskurse das ist Schiller wichtig bindet sie auch die Teenagerväter ein. Eine fortschrittliche Schule allein ändert allerdings noch nichts. Das ist Schiller klar. Sie sucht Multiplikatoren für ihre Sexualaufklärung und kommt auf die Ausbildung von Gynäkologen. Bald unterrichtet sie diese an einer Universität. Sexualaufklärung müsse breit und unbefangen gelehrt werden, ist sie überzeugt. Redet Schiller über ihren Beruf, so erzählt sie einmal, «heisst es oft: Ha, ha, diese alte Frau, ein Sex-Maniac! Aber mir ist das egal. Ich habe Freude an meiner Tätigkeit.» Ende der sechziger Jahre nehmen die dummen Sprüche ab, die befreite Rede über Sexualität wird zum Mainstream. Und plötzlich sind die USA voller Sexualtherapeuten. «Das Problem war», erzählte Schiller, «man konnte viel Geld damit verdienen.» Es führt sie zu ihrem nächsten beruflichen Schritt gründet sie den amerikanischen Verband der Sexualerzieher und -berater, um Regeln und Standards für die Branche zu schaffen. «Das erste Büro war unser Schlafzimmer, was ja für eine Sexorganisation ganz passend war», witzelte «Ha, ha, diese alte Frau, ein Sex- Maniac!»: Patricia Schiller auf einer undatierten Aufnahme. sie. Daneben hält Schiller Vorträge auf der ganzen Welt und schreibt Artikel und Bücher mit Titeln wie «Kreativer Zugang zur Sexualerziehung». Sie betont den hohen Stellenwert der Sexualität, vertritt aber eine Haltung, die in befreiten Zeiten eher konservativ wirkt: «Wenn es nur noch um Sex geht, ist es Zeit, sich zu trennen. Wir sind keine sexuellen Akrobaten. Das Ziel ist es, wärmer und liebevoller zu werden.» 1990 zieht sie mit ihrem Mann nach Florida, um den Lebensabend zu verbringen. 2009, zwei Jahre nach Irvings Tod, schreibt Patricia Schiller, die fünf Enkel und vier Urenkel hat, mit 96 Jahren ihr letztes Buch: «Sexfragen, die Kinder stellen und die Antworten darauf». Dem Berufsverband, den sie einst gegründet hat, bleibt sie bis am Schluss verbunden. «Beim Sex», sagt die hochbetagte Frau in einem seiner Videos, «zählt nicht, was du machst, sondern wer du bist.» Olle Larsson, 89 Muttermilch als Geschäft? Eine Firma, die sich dem Stillen widmet? Das funktioniert. Olle Larsson, ein Ingenieur, Tüftler, Problemlöser und Geschäftsmann, hat es mit Medela gezeigt. Die Baarer Firma beschäftigt über 1700 Leute und setzt jährlich etwa 600 Millionen Franken um. Olle Larsson wurde 1928 in Südschweden geboren. Er machte eine Lehre als Radiotechniker und absolvierte ein Studium als Ingenieur. Die Firma Cryptotechnik sandte ihn nach Zug, wo er sich 1955 mit seiner Frau niederliess gründete er eine kleine Handelsfirma, mit der er skandinavische Güter importierte entstand die Firma Medela, deren Kernprodukt eine Pumpe ist, um Muttermilch für den späteren Gebrauch abzupumpen. Heute stellt Medela weitere medizinische und elektronische Produkte her. «Meine Firma wird nie an die Börse kommen, mir geht es um den Menschen, nicht um die Dividende», schrieb Larsson 2009 in seiner Autobiografie. Die beiden Söhne unterzeichneten einen Erbverzicht, die Firma Medela wurde in eine Stiftung eingebracht. Die Familie-Larsson-Rosenquist-Stiftung ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung, die 2013 gegründet wurde. Der Zweck: jedem Kind auf dieser Welt dank den Vorzügen von Muttermilch einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen. Olle Larsson ist am 13. Juli gestorben. (tis.) Adrian Cronauer, 79 Die Art, wie er als Radiomoderator seine Morgensendung zu eröffnen pflegte, gab einem Hollywoodfilm den Titel und dem Schauspieler Robin Williams, der ihn dort darstellte, einen grossen Auftritt: «Goood Morning Vietnam!» Cronauer wurde 1938 in Pittsburgh geboren. Als Kind hörte er viel Radio, als Student machte er Campusradio und auch später bei der Air Force in Vietnam in den Jahren 1965 und 1966 war sein Platz hinter dem Mikrofon. Seine Begrüssung war so populär, dass seine Nachfolger sie übernahmen. Zurück in den USA machte er Werbung und Vertonungen. Mit dem Honorar für den Film konnte er ein Jusstudium nachholen. Er wurde Berater für Veteranenangelegenheiten beim Verteidigungsdepartement. Cronauer ist am 18. Juli gestorben. (tis.) Das historische Bild Schweizerhalle, 1. November 1986 Um 3 Uhr 43 lösten die Behörden den Sirenenalarm aus. Lautsprecherwagen forderten die Leute in Muttenz und Basel auf, Fenster und Türen zu schliessen und Radio zu hören. In Schweizerhalle brannte eine Lagerhalle der Chemiefirma Sandoz. Eine stinkende Wolke breitete sich aus, das Löschwasser spülte 30 Tonnen Pflanzenschutzmittel in den Rhein und vergiftete ihn. Mitten in diesem Inferno gab es nur einen einzigen Fotografen: Silvio Mettler. Reich geworden ist er nicht damit. Das Fotografieren hat er längst aufgegeben. Heute betreibt er eine Schlosserei und züchtet Cannabis. «Fotojournalismus?», fragt er. «Es gibt elegantere Wege zu verhungern.» Mettler war 28 Jahre alt und Fotoreporter auf Pikett, als ihn der Portier der «Basler Zeitung» nach Mitternacht aufbot: Es brenne in Schweizerhalle. Mettler fuhr hin. Weil er viele der Feuerwehrmänner kannte, kam er auf das Firmengelände. Es war lange vor der Erfindung des Smartphones, und Mettler war der Einzige, der die Katastrophe in dieser Phase fotografierte. Sieben oder acht Filme, einen davon in Farbe, füllte er. Die «Basler Zeitung» machte ein Extrablatt damit. Dann «lief es saudumm», wie Mettler sagt. Anfänglich hatte kaum jemand Interesse an den Fotos, er bot sie zum Pauschalpreis einer Agentur an. Die griff zu und verbreitete sie. Ab da klingelte das Telefon bei Mettler pausenlos. Die halbe Welt interessierte sich für seine Bilder. Aber er hatte nichts mehr. Sein Einsatz in Schweizerhalle brachte ihm kein Vermögen. Nur ein Paar angeschmorte Schuhe. (tis.) SILVIO METTLER / KEYSTONE

18 Leserbriefe NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 «Ich vermisse die Akzeptanz» «Wir brauchen mehr Extreme» NZZ am Sonntag vom 15.Juli Was mir bei Brexit-, aber auch bei EU-Artikeln auffällt, ist das ewige Negativum: Es werde Grossbritannien schlechtgehen, sie hätten falsch gestimmt, sie wüssten nicht, was sie tun, und so weiter. Was ich vermisse, ist die Akzeptanz gegenüber den Ja-Stimmen zum Brexit und einen Blick in die Zukunft. Ein wake-up call wäre endlich wunderbar. Statt «Wir brauchen mehr Extreme» wäre es meines Erachtens an der Zeit, zu schreiben: «Wir brauchen eine Gegenkraft gegenüber dem autoritären EU-Gehabe, Wir brauchen das Erwachen der Efta, das Erwachen von Föderalismus, das Erwachen der Dynamik und somit das Ende der Knebelungen durch EU-Technokraten.» Ich bin sicher, dass die Jugend Europas genug hat von Angstmacherei und sicherlich gerne hören würde: «Brexit, that s it, jetzt lasst uns Europa zu einem besseren Ort machen, indem die Efta erwacht, indem wir die diktatorische Monopolstellung der EU verringern und wieder Wettbewerb innerhalb der politischen Systeme schaffen.» Eleonore Charrez, Genf EU-Befürworter fordern ein Referendum über den Brexit-Vertrag. «Lehrer lassen die Kinder im Stich» «Schulkinder suchen keinen Coach, sonderneinen Häuptling» NZZ am Sonntag vom 15.Juli Vielen Dank für den ausgezeichneten Artikel, der mir aus dem Herzen spricht. Es scheint ja, dass bei manchen Pädagogen das Bewusstsein für die Bedeutung der Erziehung und Anleitung völlig abhandengekommen ist, wenn Lehrer nur noch Coach und Begleiter der Schüler sein dürfen. Oder wie soll man sonst das folgende Beispiel aus der Praxis der Lernhilfe verstehen? Eine Schülerin bringt für eine Prüfung in Menschenkunde verschiedene von Schülern verfasste Blätter (mit vielen unkorrigierten Fehlern) als Unterlage zum Lernen mit. Die einen Texte sind klarer, die andern weniger. Offenbar müssen immer mehr die Schüler auch das Inhaltliche des Unterrichts übernehmen! Das Mädchen war sehr erleichtert, als es bei uns zum ersten Mal den Stoff gründlich erarbeiten und Fragen klären konnte. Wäre nicht dies die Aufgabe des Lehrers? Nämlich in Beziehung HENRY NICHOLLS / REUTERS zu den Schülern den jeweiligen Stoff stufengerecht zu erarbeiten, so dass diese vom Wissen und von der Erfahrung des Erwachsenen zehren und von seiner Begeisterung für ein bestimmtes Thema angesteckt werden? Die Lehrer lassen die Kinder im Stich, wenn sie ihnen den Schulbetrieb überlassen und sich selber zurücknehmen. Und die Pädagogische Hochschule lässt ihrerseits die angehenden Junglehrer im Stich, weil sie sie mit einer falschen Vorstellung vom Lernen um die Freuden des Lehrerseins betrügt. Ursula Richner, Zürich Mit klaren Worten zeigt Carl Bossard auf, dass das Führen, Fordern und Fördern im Klassenverband, aber auch eine angemessene Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden einen unersetzbaren Stellenwert an unserer Volksschule einnimmt. Nach wie vor sind das verlässliche Leitplanken, an denen sich junge Lehrerinnen und Lehrer auf ihrem schwierigen Weg des Unterrichtens von zunehmend heterogenen Klassen orientieren können. Doch für den gegenseitigen respektvollen Umgang im Schulzimmer braucht es noch mehr: Pädagogen, die ihre Schülerinnen und Schüler ernst nehmen wollen, können nur dann mit einer gesunden Portion Autorität verständnisvolle Führungsarbeit leisten, wenn sie als gefestigte Persönlichkeiten und glaubhafte Vorbilder auftreten. Werden sie aber gemäss Lehrplan 21 mehr oder weniger zu Lerncoaches degradiert, treten auch diese Werte in den Hintergrund und gerät damit eine achtsame Beziehungsarbeit in eine gefährliche Schieflage. Max Knöpfel, Zürich Eindrücklich, diese Ausführungen eines Fachmanns! Genau so ist es: An der Volksschule wollen die meisten Kinder den Grundstoff im Klassenverband zusammen erarbeiten unter Anleitung einer Lehrperson, zu welcher sie Vertrauen und ein persönliches Verhältnis haben. Sie sind noch nicht reif für «selbstorganisiertes Lernen» und eigenständige Beurteilung des Geschehens. Einen Coach nur am Rande wollen sie eben gerade nicht. Der neue Lehrplan 21, der solche Dinge hochjubelt, geht in eine völlig falsche Richtung und wird klar dazu beitragen, dass das Schulniveau sinkt. Manche Eltern haben das bereits festgestellt, aber bis es alle merken, dürfte es noch eine Weile dauern. Hans-Peter Köhli, Zürich So schreiben Sie uns Leserbriefe müssen bis Donnerstagmittag eintreffen und mit der vollständigen Postadresse des Absenders versehen sein. Sie sollten sich auf die letzte Ausgabe beziehen. Publiziert werden auch Reaktionen, die auf nzz.ch/ nzzas, Facebook und Twitter erschienen sind. Bearbeitungen sind vorbehalten. Schreiben Sie an: NZZ am Sonntag, Leserbriefe, Postfach, CH-8021 Zürich. Unser Newsletter Stimmt Sie schon am Freitag aufs Wochenende ein. Jetzt anmelden! nzz.as/newsletter Impressum Herausgeberin: Neue Zürcher Zeitung AG REDAKTION Chefredaktor: Luzi Bernet (lzb.) Assistentin: Sandra Cassani-Zeiler (sz.). Mitglieder der Chefredaktion: Nicole Althaus (na.) (Chefredaktorin Magazine), Francesco Benini (be.) (Stv.), Chanchal Biswas (bis.) (Stv./Digital), Alain Zucker (azu.) (Blattmacher). Projekte, Leitung Produktion, Geschäftsführung Magazine: Larissa Bieler (lab.). Ressortleiter: Gordana Mijuk (ami.) (International), Francesco Benini (be.) (Schweiz), Michael Furger (fur.) (Hintergrund), Elmar Wagner (wag.) und Remo Geisser (reg.) (Sport), Daniel Hug (dah.) (Wirtschaft), Christian Jungen (cj.) (Kultur), Andreas Hirstein (hir.) (Wissen), Christoph Zürcher (cz.) (Gesellschaft), Nicole Althaus (na.) (Stil/Magazin Z), Chanchal Biswas (bis.) (Digital),Jeroen van Rooijen (jvr.) (Bellevue). Produktion: Art Director: Björn Vondras, Infografik:Elisa Forster. Bildredaktion: Oswald Eggenschwiler (Leitung). VERLAG/Adresse: Falkenstrasse 11, Postfach, 8021 Zürich, Tel , Leserservice (Zustellung, Abonnemente): Tel , Inserate: NZZ-MEDIENGRUPPE Felix Graf, CEO. DRUCK DZZ Druckzentrum Zürich AG, Bubenbergstr. 1, 8045 Zürich Neue Zürcher Zeitung AG, alle Rechte vorbehalten. Einmalige Architektur und Akustik erleben HÖRERLEBNIS Die Elbphilharmonie in Hamburg Das«Tor zur Welt» wie die Hafenstadt auch genannt wird bietet ein einmaliges Erlebnis aus Geschichte, Kultur,Natur und Shopping. Der Höhepunkt Ihrer Reiseist ein Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters in der Elbphilharmonie Hamburg.Die renommierte Staatsoper Hamburg bildet mit ihrer bewegten Geschichte das Gegenstück zur modernen Elbphilharmonie. Termin: Preis: Fr (Einzelzimmerzuschlag Fr.665. ) Teilnehmer/innen: Min. 15, max. 60 Personen Tag 1:Schweiz Hamburg Direktflug mit Swiss von Zürich nach Hamburg. Stadtrundfahrt, auf der Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie den Fischmarkt, den Michel, die Reeperbahn sowie die zum Unesco-Welterbe zählende Speicherstadt kennenlernen. Abendessen auf dem Süllberg im Restaurant Deck 7mit fantastischer Aussicht auf die Elbe. Tag 2:Hafenrundfahrt und Staatsoper Hafenrundfahrt durch den zweitgrössten Seehafen in Europa. Mittagessen imrestaurant Rive, direkt ander Elbe gelegen. Der Nachmittag steht für eigene Entdeckungen zur freien Verfügung. Am Abend steht die Oper «Alcina» von Georg Friedrich Händel in der Staatsoper Hamburg auf dem Programm. Tag 3:Ausflug Lübeck Der heutige Ausflug führt Sie nach Lübeck. Mächtige Backsteinkirchen, geschichtsträchtige Bürgerhäuser und malerische Höfe prägen das Stadtbild. Auf einem geführten Rundgang schlendern Sie durch die engen Gassen der von Wasser umgebenen Altstadt und erfahren Interessantes über die Geschichte der «Stadt der sieben Türme». Den erlebnisreichen Tag lassen Sie bei einem Abendessen im Restaurant Clouds mit Ausblick über die Stadt Hamburg ausklingen. Tag 4:Auswanderermuseum und Elbphilharmonie Erleben Sie im Auswanderermuseum die Geschichten der über 5Millionen Auswanderer, die zwischen 1850 und 1939 von Hamburg aus ihre Reise in die Neue Welt antraten. Nachmittag zur freien Verfügung. Abends «Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg». Unter der Leitung des Stardirigenten Kent Nagano werden Werke von Charles Ives und Ludwig van Beethoven imjahrhundertbauwerk Elbphilharmonie gespielt. Tag 5:Kunsthalle Hamburg, Hamburg Schweiz Führung durch die Kunsthalle, eine der wichtigsten öffentlichen Kunstsammlungen Deutschlands. Danach Rückflug mit Swiss nach Zürich. Anmeldung und Informationen: NZZ-REISEN EXKLUSIV Einmalige Architektur und Akustik erleben Oper «Alcina» in der Staatsoper Hamburgund Konzertdes Philharmonischen StaatsorchestersHamburgunter Dirigent Kent Nagano in der Elbphilharmonie Unterkunft im neuen *****-HotelThe Fontenayvon Klaus Michael Kühne Besuch dermaritimen Hansestadt Lübeck Hafenrundfahrt Hamburg, Auswanderermuseum und Kunsthalle Gourmet-Abendessen in den Restaurants Deck 7und Clouds IHRE BEGLEITUNG ROLF WEINMANN Rolf Weinmann warlange Zeit Geschäftsführer von Air Canada in Zürich und begleitet seit vielen Jahren Gruppenreisen mit Leidenschaft. Er ist ein Musikliebhaber und kennt die Hansestadt Hamburg und die Elbphilharmonie von früheren Reisen. Er begleitet die Gruppe von/nach Zürich. Ab Ankunft in Hamburg wird ein lokaler Reiseleiter und profunder Kenner der Stadt die Reise zusätzlich begleiten. LEISTUNGEN Flug mit Swiss Zürich Hamburg und zurück in Economy-Klasse (inkl. Taxen) Transport im komfortablen Bus ab/bis Hamburg Unterkunft inkl. Frühstück im *****-Hotel The Fontenay Hamburg 1 Mittag- und 2 Abendessen gemäss Programm Ausflüge, Eintritte und Besichtigungen gemäss Programm «Alcina»:KarteKategorie 2(Aufschlag für Kategorie 1: Fr. 20. ) Elbphilharmonie: KarteKategorie 1 UNSER MUSIKPROGRAMM Staatsoper Hamburg, Uhr «Alcina» Oper von Georg Friedrich Händel Elbphilharmonie Hamburg, Uhr Philharmonisches Staatsorchester Hamburg Dirigent: Kent Nagano Charles Ives: Sinfonie Nr. 4 Ludwig van Beethoven: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 reisen.nzz.ch Organisierender Reiseveranstalter ist Twerenbold Reisen AG

19 NZZ am Sonntag 22. Juli Raiffeisen Bank-Chef Patrik Gisel verlässt das Institut Ende Jahr. Weitere Abgänge könnten folgen 20 Skurrile Jobs Stelleninserate strotzen vor kuriosen Bezeichnungen und Peinlichkeiten 21 ALEXANDRA WEY / KEYSTONE Wir leisten uns mehr Wohnfläche pro Kopf als andere Länder. Das benötigt mehr Energie für das Heizen der Gebäude. Immer mehr und immer schwerere Autos: Stau auf der A2 vor dem Gotthard-Nordportal in Wassen. (19. Mai 2018) Die Schweiz ist im Verkehr und bei Gebäuden eine Klimasünderin Der Bundesrat will ein Ziel für die Reduktion von CO2 im Inland. Economiesuisse lehnt diese Vorgabe ab, doch der Versicherungsverband schert aus. Von Jürg Meier Hitze und die Trockenheit haben die Schweiz im Griff. Die Waldbrandgefahr steigt, die Trinkwasserreservoire leeren sich. Angesichts der klimatischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte überrascht das nicht. Seit Messbeginn ist die globale Temperatur um 0,9 Grad gestiegen, in der Schweiz legte sie gar 2 Grad zu. Die Wetterrekorde befeuern auch die Diskussion um den Klimaschutz in der Schweiz. In der öffentlichen Wahrnehmung steht die Schweiz gut da sie ist ja weltweit berühmt für ihre Sauberkeit, ihre dicken Fenster, ihre Effizienz. Und tatsächlich: Der Ausstoss von Klimagasen pro Einwohner liegt bei uns massiv tiefer als etwa in Deutschland oder in Österreich (siehe Grafik). Mehr Wohnfläche, schwerere Autos Betrachtet man die Statistik genauer, erhält das Bild Risse. Wir haben es auch unseren Bergen zu verdanken, dass wir im Gegensatz zu Deutschland auf sauberen Strom aus Wasserkraft setzen können. Und im Gegensatz etwa zu Österreich stammt ein grosser Anteil der Energie aus der CO2-armen, aber auch umstrittenen Atomkraft. Unsere Industrie produziert im Vergleich zwar sehr sauber. Das liegt aber nicht nur an ihren langjährigen Effizienzanstrengungen. Sondern auch daran, dass besonders schmutzige Industrieunternehmen dem Land den Rücken gekehrt haben und wir die von ihnen produzierten Güter jetzt importieren. Vor allem aber: Blickt man auf die zwei Bereiche mit dem grössten CO2-Ausstoss, den Verkehr und die Gebäude, liegt die Schweiz deutlich hinter vielen anderen Ländern zurück. Ein Grund dafür ist unser Wohlstand. Wir leisten uns mehr Wohnfläche pro Kopf als andere Länder. Das benötigt mehr Energie für das Heizen der Gebäude. Weil wir noch immer stark auf Ölheizungen setzen, verschlechtert sich unsere Klimabilanz zusätzlich. Und wir kaufen uns immer schwerere und leistungsfähigere Autos. Diese verbrauchen mehr Treibstoff und stossen mehr CO2 aus. Im letzten Jahr stieg der durchschnittliche Verbrauch der neu zugelassenen Personenwagen gegenüber dem Vorjahr um 1%. Ein Grund dafür ist der grosse Erfolg von Allradautos. Grössere Wagen dieser Klasse werden gerne «Züriberg-Traktor» genannt. Allradautos machen inzwischen fast die Hälfte der verkauften Neufahrzeuge aus. Angesichts der fortschreitenden Erwärmung stellt sich die Frage, wie die Schweiz das Klima am besten schützen kann. Die Antwort darauf soll die Revision des CO2-Gesetzes geben, welche das Parlament derzeit diskutiert. Damit setzt die Schweiz das Pariser Klimaabkommen um, das die Erderwärmung auf weniger als 2 Grad beschränken will. Bei den Beratungen in der Umweltkommission des Nationalrats war eine Frage heftig umstritten: Ob die Schweiz auch im Hinblick auf ihre durchzogene Klimabilanz vorgeben solle, wie stark die CO2-Emissionen im Inland reduziert werden müssen. Dass sich diese Frage überhaupt stellt, hängt mit dem sogenannten Emissionshandel zusammen. Um das Klima zu schützen, setzt Im Verkehr und bei Gebäuden kein Musterknabe Pro-Kopf-Ausstoss von Treibhausgasen nach Sektoren im Jahr 2015 (in Tonnen CO2-Äquivalente) Verkehr* Schweden Schweiz Frankreich Italien Spanien UK EU28 Dänemark Oesterreich Finnland Norwegen Belgien Deutschland Niederlande Irland Gebäude Strom- und Heizkraftwerke Industrie Landwirtschaft Abfall die Schweiz nicht nur auf Massnahmen im Inland, etwa mit der Förderung einer besseren Gebäudeisolation. Sie kauft auch internationale Zertifikate. Ein anderes Land nutzt dieses Geld, um CO2 einzusparen, indem es zum Beispiel ein schmutziges altes Kohlekraftwerk stilllegt. Die erzielte Reduktion darf sich die * ohne internationale Flüge Quelle: Swisscleantech / European Environment Agency Schweiz dann an die eigene Klimabilanz anrechnen. Der Bundesrat will zwar weiterhin auf Reduktionen im In- und im Ausland setzen. Er schlägt aber auch vor, ein sogenanntes Inlandziel einzuführen: In der Periode von 1990 bis 2030 sollen drei Fünftel der Emissionen in der Schweiz kompensiert werden und zwei Fünftel im Ausland. Christian Zeyer, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech, hält ein Reduktionsziel im Inland für zentral. Das grösste Potenzial für die Reduktion von CO2- Emissionen bestehe im Gebäudesektor und im Verkehr. Ohne eine Vorgabe im Inland «fehlt der Druck, klare Ziele zu setzen und Massnahmen zu definieren, um diese Ziele umzusetzen». Das Inlandziel soll aus Sicht von Zeyer sogar höher liegen als jenes, das der Bundesrat vorgeschlagen hat. Laut Zeyer ist es wichtig, rasch zu handeln. Baut man heute eine Ölheizung ein, wird diese noch 20 Jahre laufen. Isoliert man heute einen Neubau ungenügend, wird er 40 Jahre lang Heizenergie verpuffen. «Die Gefahr ist, dass die Schweiz es versäumt, jetzt wichtige Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen.» Economiesuisse widerspricht Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse lehnt ein Inlandziel ab und bezeichnet es in einem Papier als «Wachstumsbremse». Klimaschutzmassnahmen im In- und Ausland sollten gleichgestellt werden. Unternehmen sollten selber bestimmen können, wo sie Massnahmen ergreifen. Laut Beat Ruff, dem Klimaverantwortlichen bei Economiesuisse, ist der Handel mit CO2-Zertifikaten grundsätzlich sinnvoll. «Damit kann man dafür sorgen, dass zuerst die Reduktionspotenziale umgesetzt werden, die am wenigsten kosten und am meisten Wirkung haben», erklärt er. In einem Entwicklungsland lässt sich für das gleiche Geld viel mehr CO2 einsparen als in der Schweiz. Der Nutzen der Zertifikate ist allerdings umstritten. «Viele der Auslandzertifikate haben die von ihnen ausgewiesene Emissionsminderung nicht erbracht», sagt Christian Zeyer von Swisscleantech. Beat Ruff räumt ein, dass der bisherige Zertifikatehandel Schwächen hatte. Doch er werde derzeit weiterentwickelt. «Ich bin überzeugt, dass diese Systeme in Zukunft qualitativ besser sein werden», sagt Ruff. Der Vorschlag von Economiesuisse habe nicht zum Ziel, dass die Schweiz ihre klimapolitischen Bemühungen ins Ausland verlagere, betont Ruff. Er geht davon aus, dass der Verzicht auf ein Inlandziel kaum für eine Verlagerung der Klimaschutzanstrengungen sorgen würde. Dem Wirtschaftsdachverband geht es vor allem um Flexibilität. Dies auch darum, weil viele Vorgaben der künftigen globalen Energiepolitik noch unklar sind. Allerdings sind die Meinungen in dieser Frage bei Economiesuisse nicht einhellig. Eine andere Haltung vertritt die gewichtige Versicherungsbranche. «Der Schweizerische Versicherungsverband SVV befürwortet ein Inlandziel», sagt Sprecherin Sabine Alder. Zwar wird es laut Alder auch mittelfristig kostengünstiger sein, Emissionen im Ausland zu reduzieren. «Gleichwohl ist es zentral, dass die Schweiz ihre Verantwortung wahrnimmt und sich zu Emissionsreduktionszielen im Inland verpflichtet», sagt Alder weiter. Eine Bremswirkung für die Wirtschaft befürchtet der Versicherungsverband nicht. «Wirtschaftliche Anstrengungen zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energien haben eine positive Wirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit», sagt Alder. Je früher sich Volkswirtschaften in diese Richtung international positionierten, «desto grösser sind die wirtschaftlichen Chancen». Die Schweiz verfüge aufgrund ihrer Innovationskraft und ihrer führenden Stellung in Technologie und Forschung international «über eine gute Ausgangslage».

20 20 Wirtschaft NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Aderlass bei Raiffeisen WALTER BIERI / KEYSTONE Findet die Bank bis Ende Jahr keinen Nachfolger für Chef Patrik Gisel, bleibt er länger. Weitere Geschäftsleitungsmitglieder könnten abtreten Ueli Kneubühler Krisen an der Firmenspitze folgen oft dem gleichen Muster: Die Chefs reden das Problem klein, spielen die eigene Rolle herunter, bemühen Durchhalteparolen, appellieren an die Einheit. Auch Raiffeisen-Chef Patrik Gisel spielte auf dieser Klaviatur. «Da muss ich jetzt halt durch», sagte er der «NZZ am Sonntag» noch Ende Mai im Interview, angesprochen auf die Kritik an seiner Person wegen seiner jahrelangen Nähe zum ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Kritische Stimmen kämen primär von ausserhalb der Bank. «Unsere Gruppe hat aber eine Stärke: Wenn es hart wird, hält sie zusammen.» Doch selbst bei Raiffeisen hat die Zusammengehörigkeit Grenzen. Diesen Mittwoch teilte Gisel mit, dass er Raiffeisen verlassen wird. Nicht sofort, wie das in solchen Fällen üblich ist, sondern erst per Ende Jahr. Neue bringenbewegung Der Schatten der Ära Vincenz war am Ende zu gross. Gisel hat dieses System 13 Jahre lang als Stellvertreter mitgetragen. Er mag selbst entschieden haben, den Chefsessel zu räumen. Doch der Verwaltungsrat hat ihn mehr oder weniger sanft dazu ermutigt, wie mehrere Quellen bestätigen. Keimzelle der Diskussionen um einen Abgang Gisels war dem Vernehmen nach das Nominationskomitee unter der Leitung des Freiburger Neo-Verwaltungsrates Thomas Rauber. Der Präsident der Raiffeisenbank Freiburg Ost vertritt im Aufsichtsgremium die Interessen der Verbände. Es war also die Basis, die aufbegehrte, und nicht etwa Stimmen von aussen. Und diese Basis goutierte nicht, dass an der Zent- rale mit anderen Ellen gemessen wird als in den Regionen. Konkret ging es um den im Juni publizierten Finma-Bericht. In dem prangert die Aufsichtsbehörde an, dass die Geschäftsleitung um Vincenz und Gisel der Raiffeisen-Beteiligung Leonteq eine hohe Kreditlinie sowie dem Gründer der Derivateboutique ein persönliches Darlehen gewährten. Damit habe die Geschäftsleitung ihre Kompetenzen überschritten. Ein Leiter einer Raiffeisenbank wäre bei einer solchen Verfehlung geschasst worden, schallte es aus den Regionen. An der Zentrale hingegen stärkte man Gisel vorerst den Rücken. Das brachte das berühmte Fass zum Überlaufen. Gisels Nachfolgerin oder Nachfolger muss nun quasi die Quadratur des Kreises vollführen: der Basis gerecht werden und das Universum Raiffeisen kennen; verstehen, wie die 255 Banken ticken und gleichzeitig die von der Finma verlangten Fähigkeiten mitbringen; also ein Banker oder eine Bankerin durch und durch sein. Und am wichtigsten: Sie oder er muss verstehen, dass der CEO im basisdemokratischen System Raiffeisen ein zentraler Dienstleister ist, nicht ein Chef im klassischen Sinn. «Der Rücktritt Gisels ermöglicht einen Neustart», sagt Kurt Sidler, Sprecher der Raiffeisen-Verbände und Präsident von Raiffeisen Luzern. «Dieser ist aber nur gewährleistet, wenn der neue CEO von aussen kommt, also ein Externer ist.» Bis Ende Jahr den Posten neu zu besetzen, ist sportlich. Ein neuer CEO dürfte sein Interesse auch davon abhängig machen, wer die Bankengruppe künftig präsidiert. Der Posten ist vakant und wird derzeit interimistisch von Vizepräsident Pascal Gantenbein ausgeführt. Die formale Wahl des Präsidenten und der weiteren Verwaltungsratsmitglieder findet allerdings erst an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 10. November statt. Aus dem Umfeld des Nominationskomitees ist zu hören, dass bis Mitte August klar sein soll, wer dem Raiffeisen-Verwaltungsrat und der Finma als Kandidat für das präsidiale Amt vorgeschlagen werden soll. Falls bis Ende Jahr keine Nachfolge gefunden werden kann, werde der VR eine Interimslösung bezeichnen, sagt Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp. «Patrik Gisel hat angeboten, gegebenenfalls seine Position auch noch über den 31. Dezember 2018 hinaus auszuüben, um Kontinuität zu wahren.» Langjährige Gefährten Ob Ende Jahr oder erst etwas später: Gisels Abgang dürfte Startschuss sein für eine Rundumerneuerung im Topmanagement. Denn hinter dem leidenschaftlichen Triathleten versammelt sich eine Geschäftsleitung, die zu grossen Teilen seit vielen Jahren gemeinsam agiert und das System Vincenz mitgetragen haben dürfte. Er erwarte nach der Wahl von CEO und Präsident deshalb Veränderungen im Topmanagement, sagt Sidler. «In der Geschäftsleitung amtieren viele Mitglieder seit zehn Jahren. Sie sind also Teil der Ära Vincenz.» Neben Gisel sind vier der übrigen sieben Geschäftsleitungsmitglieder langjährige Gefährten. Entscheidend ist auch, welche Schritte die Finma unternimmt. Das Enforcement-Verfahren ist abgeschlossen. Nun wartet die Aufsicht die Resultate der internen Untersuchung der Kanzlei Homburger unter Führung von Hat diese Woche seinen Abgang angekündigt: Patrik Gisel, Chef von Raiffeisen Schweiz. (Zürich, 2. März 2018) Bruno Gehrig ab. Der Bericht soll Ende Jahr vorliegen, inoffiziell wird der Termin der Delegiertenversammlung angestrebt. «Auf Basis einer bankinternen Untersuchung wird die Finma allenfalls separate Verfahren gegen weitere Bankmitarbeiter von Raiffeisen eröffnen», sagt der auf Bankrecht und Untersuchungen spezialisierte Anwalt Jean-Marc Schaller. «Betroffen von weiteren Verfahren könnten unter anderem die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung sein.» Ruhe wird damit auch nach Gisels angekündigtem Abgang nicht einkehren. Auch weil der Finma-Sonderbeauftragte er soll prüfen, wie die verlangten Massnahmen bei Raiffeisen umgesetzt werden und wirken seine Aufgabe noch nicht angetreten hat. Dies sei frühestens Ende Jahr der Fall, sagt Raiffeisen-Sprecherin Rupp. Die Genossenschaftsbank bleibt auch nach Gisels Bekanntgabe zuverlässiger Schlagzeilengarant. Alzheimer-Professor wird zugleich Firmenchef Der Uniprofessor Roger Nitsch halbiert sein Pensum, um eine Biotechfirma zu führen. Die Ämterkumulation hattezu redengegeben. Birgit Voigt Die Zürcher Biotechfirma Neurimmune ist ein hübsches Kind mit vielen klugen Vätern. Die beiden international renommierten Alzheimer-Forscher Roger Nitsch und Christoph Hock gründeten 2006 zusammen mit einem weiteren Kollegen und der Uni Zürich den Spin-off. 12 Jahre später steht Neurimmune mit ihren rund 30 Mitarbeitern vor einem Wachtumsschub. Die privat gehaltene Firma konnte Anrechte auf potenzielle Einkünfte aus einem möglichen Alzheimer-Medikament teuer verkaufen. Mit insgesamt 200 Mio. Fr. aus dem Deal will Neurimmune nun die Entwicklung eigener Medikamente vorantreiben. Roger Nitsch amtete bis anhin als Verwaltungsratspräsident bei Neurimmune, der Uni-Prorektor Hock als einfacher Verwaltungs- Vielarbeiter Roger Nitsch. rat. Dazu hielten sie in wechselnden Konstellationen eine Reihe von VR-Mandaten in Firmen, die rund um Neurimmune konzipiert wurden. Seit Jahresbeginn arbeitet sich Nitsch auch noch in die Aufgaben als operativer Chef ein. Wie die Universität Zürich der «NZZ am Sonntag» nach einer Anfrage nun mitteilt, werden Nitsch und Hock auf den 1.August ihre professoralen Pensen halbieren. Nitsch tritt nach eigenen Angaben auch als Direktor der Klinik für Alterspsychiatrie zurück. Nitsch sagt, er habe die Veränderungswünsche Ende 2017 der Universitätsleitung kommuniziert. «Mein Arbeitsvertrag als CEO der Neurimmune AG beginnt offiziell zeitgleich mit der Umsetzung der Pensumsreduktion.» Mit den jetzt in Kraft tretenden Anpassungen beweisen die Professoren ein Gespür für Timing. Auf der Neurimmune-Website präsentiert sich Nitsch schon seit längerem als CEO ohne dass diese neue Aufgabe allerdings bis Mitte letzter Woche im universitären Register der Nebentätigen aufgeführt wurde. Die Ämterliche Anwendung zu Recht inzwischen nach Kräften fördern. Schliesslich sind brillante Ideen ein Rohstoff, aus dem die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen. Die Universität Zürich hat deshalb explizit das Institut für regenerative Medizin (IREM), an dem Nitsch und Hock ihre Forschung betreiben, besonders durchlässig konzipiert. «Das IREM wurde an der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendungen positioniert. Bei Spinoffs, die aus dieser Forschung entstehen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Forschenden erwünscht», teilt die Universität leicht irritiert auf die Frage mit, wie sie die privatwirtschaftlichen Aktivitäten der Professoren beurteile. Doch die Frage ist nicht unanständig. Auch der Bund als Eigentümer der Technischen Hochschulen und als Geldgeber für viele universitäre Forschungsprojekte stellt sie immer wieder. In einer Untersuchung 2009 schätzte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK), dass jeder dritte Professor an einer grösseren Universität einer Nebentätigkeit nachgeht. Als wichtigste Motivation wurde der «zu erwartende Nebenverdienst» genannt. Die EFK kam zum Schluss, die Universitäten unterschätzten die Gefahren, die durch Interessenkonflikte entstehen können, und empfahl Verbesserungen. Die Finanzkontrolle wollte vor allem die Definition von Nebenbeschäftigungen und die Überprüfbarkeit schweizweit vereinheitlicht sehen. Nach langem Zuwarten sollen diese Empfehlungen nun bis 2019 umgesetzt werden. Eveline Hügli von der EFK ist Mandatsleiterin im Bereich Bildung. Sie hält fest: «Die Autonomie der Hochschulen ist sehr hoch. Der Wille, die nebenberuflichen Aktivitäten der Professoren zu kontrollieren, ist nicht ausgeprägt. Die Leitungen setzen vor allem auf Vertrauen und Freiwilligkeit.» Als Interessenvertretung der Hochschulen hat Swissuniversities inzwischen «Best-Practice- Regeln» ausgearbeitet und sich verpflichtet, die Umsetzung zu verfolgen. Ein jüngst erstellter Katalog listet für jede Hochschule kumulation gab in Wissenschaftskreisen zu reden. Wie ein solches Pensum zeitlich zu bewältigen sei und ob der Fokus noch auf der Arbeit als Professor liege? Mit diesen Abgrenzungsfragen müssen sich Hochschulen seit Jahren beschäftigen. Die Diskussionen werden häufiger, weil sie den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die tägdie geltenden Regelungen im Umgang mit Nebentätigkeiten auf. Ein klarer Trend zur Vereinheitlichung ist nicht erkennbar. Das zeigt sich auch im Umgang mit den erzielten Einkommen aus den Nebenjobs. Während die Unis Basel und Bern beispielsweise keinerlei Anteil an den Einnahmen fordern, verlangt Freiburg bei Einkünften über Fr. eine Abgabe von 10%. «Der Best- Practice-Ansatz ist sicher ein erster richtiger Schritt, der aber sehr unverbindlich ist. Die EFK würde verbindlichere, überprüfbare Vorgaben begrüssen», sagt deshalb Hügli. «Die Beurteilung, ab wann Nebentätigkeiten mit Erfüllung der Hauptaufgaben als Professor konkurrieren, ist eine Gratwanderung. Aber es kommt der Zeitpunkt, wo sich die Aufgaben nicht mehr vereinbaren lassen.» In Zürich haben die beiden Professoren Konsequenzen daraus gezogen, dass sie vermehrt privatwirtschaftlich tätig sind. Die Universität zeigt sich zufrieden. Die Forschung zur Entwicklung eines Medikamentes gegen Alzheimer sei «bisher ein grosser Erfolg».

21 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Wirtschaft 21 Werden Sie Tribe-Leader! Ob «Animal Welfare Officer», «Penetration Tester» oder «Brand Evangelist»: Stelleninserate von Schweizer Firmen sind randvoll mit kuriosen Anglizismen und Humbug, beklagt Storyteller Markus Städeli Was macht ein Penetration Tester wohl den lieben langen Tag? Bevor Sie voreilige Schlüsse ziehen, sollten Sie wissen, dass das entsprechende Stellenangebot von einer eher biederen IT-Firma stammt und nicht etwa von einem Porno-Produzenten. Beim Penetration Testerhandelt es sich um einen IT-Experten, der in Computersysteme einzudringen versucht, um Schwachstellen im Sicherheitsdispositiv zu finden. Und was ist eine Spezialistin Apache Kafka? Eher eine Expertin für nordamerikanische Indianerstämme oder eine Literaturwissenschafterin, die ihr Berufsleben dem Prager Schriftsteller widmet? Fehlanzeige! Bei Apache Kafka handelt es sich um eine Software, und beim Stellenanbieter um ein Unternehmen der Versicherungsbranche. Seit die Stelleninserate aus den Zeitungen verschwunden und in eine unüberblickbare Zahl von Unterrubriken auf den Jobportalen abgewandert sind, bekommt eine breitere Öffentlichkeit nicht mehr mit, wie rasch sich unsere Arbeitswelt ändert oder vermeintlich ändert. Bei technischen Berufen hat man noch Verständnis für exotische Namensgebungen auch wenn wir etwas irritiert feststellen, dass der gute alte IT-Supporter, der uns zu Hilfe eilt, wenn der PC wieder einmal nicht tut, in Stelleninseraten nun auch als Floorwalker bezeichnet wird. Eher peinlich berührt ist man, wenn Organisationen, die nun wirklich nicht Teil einer globalen Lieferkette sind, in ihre deutschen Stelleninserate generös englische Attribute einstreuen: So wird in der Stadt Zürich ein/e Sozialarbeiter/in Intake gesucht. Nach aufmerksamem Studium des Stellenbeschriebs haben wir die Vermutung, dass Intake in diesem Zusammenhang bedeutet, erste Anlaufstelle für Hilfesuchende zu sein. Da scheint etwas viel kindliche Begeisterung für das Englische im Spiel zu sein. Wer in der Sprache Shakespeares und Trumps nicht so beschlagen ist, sollte auf die Dienste einer guten Übersetzungsmaschine wie DeepL zurückgreifen. Einfach Die Zeiten der rekordtiefen Stromtarife sind vorbei. Das spüren auch kleinere Unternehmen wie etwa Pizzerien oder Bäckereien. Jürg Meier Vor gut zwei Jahren erreichten die an den europäischen Börsen bezahlten Strompreise immer neue Rekordtiefen. Die Schweizer Stromproduzenten wehklagten. Die Unternehmen dagegen rieben sich die Hände. Nun hat sich das Blatt gewendet. Laut René Baggenstos vom Energiedienstleister Enerprice hat sich der Börsenpreis von Strom innert der letzten eineinhalb Jahre verdoppelt. Grund sind vor allem steigende Notierungen für Öl, Kohle und Gas. Das treibt auch die Tarife in die Höhe, welche Unternehmen ihren Lieferanten für den Strom- Bei der Swisscom gibt es Tribes und Squads: Heuern Sie an und werden Sie Stammesführer! Der gute alte IT-Supporter wird nun auch als «Floorwalker» bezeichnet. nur, um sicherzugehen, ob man mit seinen zwanzig Jahren Berufserfahrung als Zoowärter wirklich in die Pharmabranche wechseln soll, um dort Animal Welfare Officer zu werden. Die UBS will einen Subject Matter Expert Records Management anwerben. Ein kaufmännisches Temporärbüro sucht einen Category Field Manager (Junior). Wir befragen also DeepL und stellen fest: Auch der Supercomputer, der hinter dem Übersetzerdienst steht, kommt noch nicht gänzlich mit den Anglizismen klar, wie sie Schweizer Firmen gerne verwenden. Welche potenziellen Mitarbeiter die Firma Canon ins Visier nimmt, wenn sie die Stelle eines Hunter Account Manager Professional Print ausschreibt, bleibt ebenfalls rätselhaft. Die Firma sucht für ihren Sitz in Wallisellen (ZH) wohl keine Jäger. Aber vielleicht motivierte Verkäufer. Wenn Sie auf ein Stelleninserat reagieren und tatsächlich eine Antwort erhalten, treffen Sie bei der Personalabteilung wahrscheinlich auf die Onboarding-Fachfrau. Verläuft das Anstellungsgespräch positiv, wird diese den Payroll-Spezialisten so instruieren, dass es auch wirklich klappt mit der Lohnzahlung. Dumm gelaufen, wenn vor Ablauf Ihrer Probezeit der Offboarding-Berater auf der Matte steht. Dann werden Sie wieder rausgeschmissen. Wer gerne Karl May liest und von einer Karriere als Stammeshäuptling träumt, sollte sich bei der Swisscom melden. Denn dort gibt es Tribes (Stämme) und Squads (Truppen) bitte nicht verwechseln mit Squaws. Natürlich steckt hinter diesen Begriffen eine ganze Philosophie, die beschreibt, wie Teams agile arbeiten und denken lernen können. Meist geht es wohl einfach darum, sie aus dem Würgegriff aufgeblasener, aber inkompetenter Linienvorgesetzter zu befreien aber das ist unsere Interpretation. Wir möchten an dieser Stelle lediglich eine Kurzerklärung bringen, welche uns die Swisscom-Medienstelle zur Verfügung stellte: «Ein Tribe umfasst mehrere Squads, die an ähnlichen Themen arbeiten zum Beispiel an einem Portfolio von Produkten für das gleiche Kundensegment. Der Tribe- Leader ist verantwortlich für die Leistungsfähigkeit des Tribes und sorgt für die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Squads innerhalb seines Tribes.» Wem das eine Spur zu folkloristisch daherkommt, kann bei der Telekomfirma aber einfach auch Lead Link nach Holacracy werden. Das zu erklären, sprengt jetzt aber wirklich den Rahmen. Es scheint, dass viele Arbeitgeber in Stelleninseraten zwanghaft auf ihre Innovationskraft aufmerksam machen wollen. Oder aber Leute suchen, die wirklich Zug haben und den digital herausgeforderten, trägen Kameraden in den Hintern treten. Deshalb macht man gerne auf Silicon Valley. Die Firma Frontify aus St.Gallen Wirtschaft leidet unter stark steigenden Strompreisen bezug bezahlen müssen. «Viele Unternehmen haben mit deutlich tieferen Stromkosten kalkuliert. Jetzt stehen ihre Einkäufer unter Druck», sagt Baggenstos. Ähnlich präsentiert sich die Situation in Deutschland. Dort seien viele Unternehmen angesichts der stetig sinkenden Strompreise träge geworden, schrieb kürzlich das «Handelsblatt». Jetzt sei die Ernüchterung gross. Laut Tomo von Felten vom Beratungsunternehmen Ompex haben viele Schweizer Unternehmen Stromlieferverträge abgeschlossen, die zwei bis drei Jahre lang laufen. Werden solche Verträge jetzt erneuert, geschehe dies zu einem viel höheren Preis, erklärt von Felten. Bei vielen Schweizer Unternehmen machen die Stromkosten zwar keinen allzu grossen Anteil an den Gesamtkosten aus. Trotzdem kann es rasch um Tausende von Franken gehen, wie Roland Odermatt vom unabhängigen Beratungsunternehmen Swenex erläutert. Eine Pizzeria oder eine Bäckerei muss im Vergleich zu den Zeiten mit den tiefsten Strompreisen im Jahr 2016 heute pro Jahr rund 6000 Fr. mehr bezahlen. Bei einem grösseren Hotel oder einem Warenhaus können schnell einmal Fr. oder mehr zusätzlich fällig werden. Dazu kommt laut Odermatt, dass in den letzten Jahren die Abgaben stiegen. So wurde die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) erhöht, mit der erneuerbare Energien gefördert werden. Vielerorts stiegen die Stromrechnungen auch, weil die Gemeinden höhere Abgaben von den Stromversorgern verlangen. Solche werden zum Beispiel für die Nutzung des Bodens für Stromleitungen fällig. Betroffen vom Anstieg der Strompreise sind auch viele der über 700 Stromversorger. Die meisten besitzen keine Kraftwerke, sondern kaufen den Strom auf dem Markt. Bisher war die Strombeschaffung für viele Versorger kein sehr wichtiges Thema, «da die Preise jedes Jahr etwas gesunken sind und das Budget kontinuierlich unterschritten werden konnte», erklärt Tomo von Felten von Ompex. Nun hat sich die Situation deutlich verändert. Die Versorger wollen nun wissen, «warum der Preis plötzlich so viel höher ist und wie solche Sprünge entstehen können», sagt Tomo von Felten. Angesichts des zunehmenden Auf und Ab an den Strommärkten treten viele Unternehmen die Strombeschaffung an spezialisierte Dienstleister ab. Gerade für kleinere Firmen ist der Markt zu kompliziert, die Risiken kaum Mitarbeiter eines Netzbetreibers: Die Preise für Strom steigen an. (Martigny, ) VALENTIN FLAURAUD / KEYSTONE GETTY IMAGES sucht etwa einen Growth Manager/Growth Hacker. Grundsätzlich ist keine Berufsbezeichnung aus der Bay Area zu lächerlich, um nicht mit kritikloser Begeisterung übernommen zu werden. Ja, es gibt ihn wirklich, den Chief Happiness Officer. Und es ist nicht der seltsam gewandete Mitarbeiter aus der Logistik, der firmenintern im Ruf steht, mit allen möglichen chemischen Stimmungsaufhellern zu handeln. Wer im Marketing oder in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist und etwas auf sich hält, bezeichnet sich heute allen Ernstes als Storyteller oder, wenn arriviert, als Chief Storyteller. Die deutsche Entsprechung Chefgeschichtenerzähler tönt irgendwie weniger sexy. Wir stellen zudem mit Bedauern fest, dass sich die von uns präferierte Bezeichnung CBO Chief Bullshit Officer einfach nicht durchsetzen will. Dafür ist es angesagt, dass sich der oberste Firmenbotschafter als Chief Evangelist bezeichnet. Haben auch Sie einen Erweckungsprediger wie Billy Graham in der Firma? Dann hat dieser wohl auch einmal ganz unten angefangen. Wahrscheinlich als Brand Evangelist. Wenn Sie diesen vielversprechenden Karrierepfad einschlagen wollen, finden Sie entsprechende Angebote unter jobs.ch. Wir haben es unterlassen, die Website BlaBlaMeter.de mit den Inhalten der Stelleninserate zu speisen. Diese entlarvt laut Eigenwerbung«schonungslos, wie viel heisse Luft sich in Texte eingeschlichen hat». Doch wir benötigen keine ausgeklügelten Algorithmen, um festzustellen, dass die heisse Luft längst die Ausmasse eines Tropensturms erreicht hat: Bei Stellenausschreibungen gibt es eine unkontrollierte Proliferation von Humbug, neben krebsartig wuchernden Anglizismen und groben Verstössen gegen alles, was dem Duden heilig ist. Wir sind uns zudem sicher, dass eine Beschleunigung dieses unseligen Trends feststellbar ist. Seit wann? Seit unsere Ansprechperson in der Personalabteilung sich Business Partner nennt. Und seit diese partout nicht mehr Personalabteilung heissen will, sondern Human Resources. noch seriös abschätzbar. Beratungsunternehmen entwickeln Beschaffungsstrategien, welche die Ausschläge bei den Strompreisen möglichst dämpfen. Dies, indem sie zum Beispiel einen Teil des 2020 oder 2021 benötigten Stroms schon heute einkaufen. Die Preise, die an der deutschen Strombörse für die Jahre 2020 und 2021 bezahlt werden, deuten derzeit zwar auf eine Entspannung der Situation hin. Mittelfristig sieht René Baggenstos von Enerprice trotzdem eher einen weiteren Anstieg der Strompreise. So klettert der Preis für CO2-Zertifikate stetig in die Höhe. Vor einem Jahr lag er noch bei 8 Franken, heute bei 16 Franken. Viele Beobachter erwarten einen weiteren Anstieg. «Das wird den Strom aus Kohlekraftwerken verteuern und den Strompreis insgesamt weiter steigen lassen», erklärt Baggenstos.

22 22 ANLAGEFONDS Quelle: Swiss Fund Data AG NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Reihenfolge Fondsinformationen: Fondsname, Rechnungswährung, Konditionen Ausgabe / Rücknahme, Kursbesonderheiten, Inventarwert, Ausgabepreis oder Börsenschlusskurs (Werte vom Freitag, , Abweichungen siehe Besonderheiten), Performance 2018 in %, Jahreshöchstwert und Datum ANZEIGE BANQUE CANTONALE DE GENÈVE Tel bcge.ch/funds Banque Cantonale de Genève Tel bcge.ch/funds BLACKROCK ASSET MANAGEMENT SCHWEIZ AG Tel CARMIGNAC SUISSE SA Tel , Vertreter in der Schweiz: CACEIS (Schweiz) SA FRANKFURTER BANKGESELLSCHAFT (SCHWEIZ) AG Tel FRANKLIN TEMPLETON SWITZERLAND LTD Tel Obligationenfonds Synchrony Swiss Government Bonds CHF 4/3 e Aktienfonds Synchrony All Caps CH A CHF 1/1 e Synchrony Emerging Equity A USD 4/3 f Synchrony Europe Equity A EUR 4/3 f Synchrony High Div.Swiss Stocks A CHF 1/1 e Synchrony Small &Mid Caps CH A CHF 1/1 e Synchrony Swiss Equity CHF 4/3 e Synchrony US Equity A USD 4/3 e Immobilienfonds Synchrony Swiss Real Est FoF A CHF 1/1 a Obligationenfonds BGF AsTigBd A2 USD USD 2/1 el BGF FixedIncGlbOpps A2 USD USD 3/1 el Aktienfonds BGF Asian Dragon AUSD USD 2/1 el BGF Asian Grwth Lead Fd A2 USD 1/1 e BGF China A2 USD USD 1/1 e BGF Glbl MA Income Fd A2 USD 1/1 e BSF EM Eq Strat A2 USD 1/1 e BSF EM Flexi Dynamic A2 USD 1/1 e BSF Glbl Event Dr A2 USD 1/1 a BSF MMAS A2 USD 1/1 e BSF Style Adv A2 USD 1/1 e Strategiefonds BGF GlobAll AUSD USD 2/1 e Geldmarktfonds Carmignac Capital Plus AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Sécurité AEUR Acc EUR 1/1 e Obligationenfonds Carmignac Unconstr.Glbl Bd AEUR AccEUR1/1 e Aktienfonds Carmignac Comm. AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Emerg.Disc. AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Emergents AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Euro-Entrepr AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Grande Eur.AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Invest. AEUR Acc EUR 1/1 e Strategiefonds Carmignac Emerg.Pat. AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac LS Europ. Eq. AEUR Acc EUR 1/1 e Carmignac Patrimoine ACHF Acc Hdg CHF 1/1 e Carmignac Patrimoine AEUR Acc EUR 1/1 e Strategiefonds FBG CHF Managed CHF 1/1 e FBG Global Bal. Strategy EUR 1/1 e FBG Global Managed CHF 1/1 e FBG Global Return Strategy 1 EUR 1/1 e Obligationenfonds Franklin European TR W(Acc) EUR 1/1 b Franklin GCC Bond W(Mdis) USD 1/1 e Templeton Glb Bond W(Acc) USD 1/1 e Templeton Glb Bond W(Acc) CHF-H1 CHF 1/1 e Templeton Global TR W(Acc) USD 1/1 e Templeton Global TR W(Acc) CHF-H1 CHF 1/1 e Aktienfonds Franklin India W(Acc) USD 1/1 e Franklin Lib QGESRI UCITS ETF USD 1/1 e Franklin Technology W(Acc) USD 1/1 e Templeton EM Smaller Co W(Acc) USD 1/1 e Andere Fonds Franklin Global Convert Sec W(Acc) USD 1/1 e Franklin K2 Alternative Strat W(Acc) USD 1/1 e JPMorgan Asset Management (CH) GmbH Tel Weitere Fonds unter: LLB SWISS INVESTMENT AG Tel PIMCO (SCHWEIZ) GMBH Tel PvB Pernet von Ballmoos AG Tel RESPONSABILITY INVESTMENTS AG Obligationenfonds JPM EM Corp Bond Aacc USD USD 2/2 e JPM Flexible Credit Fd AAcc USD USD 4/4 e JPM Income Opp A(Perf)acc CHF (h) CHF 3/1 e Aktienfonds JPM Asia Growth Aacc-USD USD 2/2 el JPM EM Opportunities Aacc USD USD 4/4 el JPM Euroland Dyn A(Perf)acc EUR EUR 4/4 e JPM Europe Dynamic Aacc-EUR EUR 2/2 el JPM Europe Eq Aacc-EUR EUR 2/2 el JPM Europe Eq Plus A(Perf)acc EUR EUR 2/2 el JPM Europe TecAacc-EUR EUR 2/2 el Strategiefonds JPM Global Income Adiv CHF (h) CHF 3/1 el JPM Global Macro Op AAcc CHF CHF 4/4 el Aktienfonds Swiss Opportunity Fund -P CHF 1/1 e Obligationenfonds Capital Securities Fd Inst acc CHF 2/2 e Diversified Income Inst Hdg CHF 1/1 e Emerging Local Bond Inst Unhdg CHF 1/1 e Euro Bond Inst Hdg CHF 1/1 e Global Bond Inst Hdg CHF 1/1 e Global Inv Grade Credit Inst Hdg CHF 1/1 e Income Fund Inst (Hdg) acc CHF 2/1 e Mortgage Opportunities Inst Hdg CHF 4/4 e Total Return Bd Inst Hdg CHF 1/1 e Aktienfonds MLP &Energy Infrastructure Inst acc USD 2/1 e PIMCO RAE Fdtl PLUS EM Inst acc USD 4/4 e PIMCO RAE Fdtl PLUS Gbl Dev Inst accusd 4/4 e PIMCO RAE Fdtl PLUS US Inst acc USD 4/4 e Strategiefonds Global Multi-Asset Inst acc USD 1/1 e Aktienfonds PvB Swiss Equity Futures Fund A CHF 1/1 b Immobilienfonds Synchrony Swiss Real Est FoF A CHF 1/1 a Synchrony Swiss Real Est FoF I CHF 1/1 a Alternative Investments PvB Andante -Emg Mkts K(CHF) CHF 2/1 bf PvB Andante -Emg Mkts K(USD) USD 2/1 bf PvB Andante -Global K(CHF) CHF 2/1 bf PvB Andante -Global K(USD) USD 2/1 bf Andere Fonds PvB Asset-Backed Securities Fund A USD 2/3 b PvB Asset-Backed Securities Fund I CHF 2/3 b PvB Asset-Backed Securities Fund I USD 2/3 b PvB Asset-Backed Securities Fund S USD 2/3 b Andere Fonds ra Fair Agriculture B1 CHF 2/2 b ra Fair Agriculture B2 EUR 2/2 b ra Micro and SME FF B USD 4/1 b ra Micro and SME FF HCHF CHF 4/1 b ra Micro and SME FF HEUR EUR 4/1 b SCHRODER INVESTMENT MANAGEMENT (SWITZERLAND) AG, LUX-SICAV Tel Obligationenfonds Em Mkts Dbt Ab Return AAcc USD 2/2 e EURO Corporate Bond AAcc EUR 2/2 e Gl Cred.Dur.Hgd AAcc EUR 2/2 e Global Corporate Bond AAcc USD 2/2 e Strategic Bond AAcc USD 2/2 e Aktienfonds Emerging Markets AAcc USD 2/2 e European Large Cap AAcc EUR 2/2 e European Value AAcc EUR 2/2 e Gl Climate Change Eq AAcc USD 2/2 e Global Energy AAcc USD 2/2 e Global Equity AAcc USD 2/2 e Middle East AAcc USD 1/1 e Swiss Equity Opp. AAcc CHF 2/2 e Swiss S&M Cap Equity AAcc CHF 2/2 e WYDLER ASSET MANAGEMENT AG Obligationenfonds Wydler Global Bond Fund CHF 1/1 e Aktienfonds Wydler Global Equity Fund CHF 3/3 a ANLAGEFONDS TRANSPARENTE UND BEWÄHRTE FINANZ- PRODUKTE. MEHR UNTER: Erklärung Indizes Konditionen bei der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen: Die erste Ziffer verweist auf die Konditionen bei der Ausgabe von Anteilen: 1. keine Ausgabekommission und/oder Gebühren zugunsten des Fonds (Ausgabe erfolgt zum Inventarwert) 2. Ausgabekommission zugunsten der Fondsleitung und/oder des Vertriebsträgers (kann bei gleichem Fonds je nach Vertriebskanal unterschiedlich sein) 3. Transaktionsgebühr zugunsten des Fonds (Beitrag zur Deckung der Spesen bei der Anlage neu zufliessender Mittel) 4. Kombination von 2) und 3) 5. Besondere Bedingungen bei der Ausgabe von Anteilen Die zweite, kursiv gedruckte Ziffer verweist auf die Konditionen bei der Rücknahme von Anteilen: 1. keine Rücknahmekommission und/oder Gebühren zugunsten des Fonds (Rücknahme erfolgt zum Inventarwert) 2. Rücknahmekommission zugunsten der Fondsleitung und/oder des Vertriebsträgers (kann bei gleichem Fonds je nach Vertriebskanal unterschiedlich sein) 3. Transaktionsgebühr zugunsten des Fonds (Beitrag zur Deckung der Spesen beim Verkauf von Anlagen) 4. Kombination von 2) und 3) 5. Besondere Bedingungen bei der Rücknahme von Anteilen Besonderheiten: a) wöchentliche Bewertung b) monatliche Bewertung c) quartalsweise Bewertung d) keine regelmässige Ausgabe und Rücknahme von Anteilen e) Vortagespreis f) frühere Bewertung g) Ausgabe von Anteilen vorübergehend eingestellt h) Ausg. und Rückn. von Anteilen vorübergehend eingestellt i) Preisindikation l) in Liquidation x) nach Ertrags- und/oder Kursgewinnausschüttung Wertangaben ohne Gewähr NAV/Issue Price exklusive Kommissionen SONDERBEILAGEN FINANZEN Mit der Placierung Ihrer Anzeige im Umfeld relevanter Berichterstattung erreichen Sie auf direktestem Weg hochkarätige und finanzmarktaffine Leserinnen und Leser. Sonderbeilage Erscheinungsdatum Titel Vermögensverwaltung 13. September «Neue Zürcher Zeitung» Anlageprodukte 30. September «NZZ am Sonntag» Anlegen & Vorsorgen 18. November «NZZ am Sonntag» Weitere Informationen über Mediadaten, Placierungsmöglichkeiten sowie Anzeigenpreise unter oder unter Telefon Änderungen vorbehalten.

23 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Wirtschaft Arbeitsmarkt 23 Mitarbeiter vergeblich gesucht Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum in Deutschland. Wären die offenen qualifizierten Stellen besetzt, läge die Wirtschaftsleistung um fast ein Prozent höher. Von Susanne Ziegert, Berlin Ungewöhnlich viel Sonnenschein und fast tropische Temperaturen versprechen auf der Nordseeinsel Neuwerk eine tolle Tourismussaison. Fast alle Betten auf der drei Quadratkilometer kleinen Insel an der deutschen Küste vor Cuxhaven sind in den Ferienmonaten ausgebucht. Eigentlich könnten die Hoteliers und Gastronomen zufrieden sein, wenn da nicht das Problem mit dem Personal wäre. Die Betreiber des einzigen Vier-Sterne- Hotels Nige hus mit dem angeschlossenen Restaurant Zum Anker haben sich nach vergeblicher Personalsuche zu einer drastischen Massnahme entschlossen. «Wir haben das Restaurant wegen des Personalmangels von 90 auf 50 Plätze verkleinert. Die freie Fläche haben wir zu einer Personalwohnung umgebaut», sagt Wirtin Svenja Griebel. 14 bis 16 Stunden am Tag arbeiten sie, ihr Mann und die Schwiegereltern, um den Betrieb am Laufen zu halten. Nur eine von vier freien Stellen konnte der Betrieb in dieser Saison besetzen. 1,2 Millionen offene Stellen Damit ist das Unternehmen kein Einzelfall. Fast überall hängen Suchanzeigen im Berliner Szenecafé wird im Schaufenster ebenso um Mitarbeiter geworben wie in der Münchner Luxusboutique. Sanitärinstallateure oder Elektriker kommen erst nach Wochen, da es an Kollegen mangelt. Noch nie war die Zahl der unbesetzten Stellen so hoch. Das Institut für Arbeit und Berufsforschung (IAB) verzeichnete Anfang 2018 knapp 1,2 Mio. offene Stellen und damit einen rapiden Anstieg. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe und in der Baubranche stiegen die Suchanzeigen stark an hatte die Zahl der freien Jobs bei gelegen. Mehr als die Hälfte der Vakanzen entfiel auf Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 2,2 Mio. gesunken. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 5%, vor allem im Süden herrscht Vollbeschäftigung. Nach einer Unternehmens- Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sehen 60% der Unternehmen im Fachkräftemangel ihr grösstes Geschäftsrisiko. Wegen des Wettbewerbs um Personal fürchten sie einen Anstieg der Arbeitskosten. Viele Firmenchefs haben Gehälter und Boni erhöht sowie die Arbeitszeiten flexibler gestaltet, um attraktiver zu werden. Doch vor allem kleine und mittlere Firmen können ihre Stellen nicht besetzen. Laut Umfrage fürchten sie, Aufträge ablehnen oder ihr Angebot einschränken zu müssen. Wegen des Personalmangels werden laut der Befragung Investitionen zurückgestellt, Kapazitäten sind überlastet. Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern entwickelt sich laut einer Studie des Instituts der Immer mehr Arbeit Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zur Wachstumsbremse qualifizierte Fachkräfte fehlen derzeit. Könnten die Unternehmen diesen Bedarf decken, läge das Bruttoinlandprodukt um 30 Mrd. höher, und die Wirtschaftsleistung stiege um 0,9%, so die IW-Studie. Am stärksten betroffen sind die Metall- und Elektroindustrie und die Gesundheitsbranche, analysiert Alexander Burstedde, Refe- Anzahl der Erwerbstätigen und unbesetzte Stellen seit 2011 Erwerbstätige 44,0 Mio. 43,5 43,0 42,5 42,0 41,5 41, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Destatis, Bundesagentur für Arbeit offene Stellen Die Baubranche sucht händeringend Mitarbeiter. 50 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ihr grösstes Risiko. HEIKO SPECHT / LAIF rent am Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des IW Köln. Kältetechniker, Altenpfleger und Mechatroniker sind die drei nachgefragtesten Berufe. «Früher gab es einen starken Mangel in den Ingenieurberufen, doch die Absolventenzahlen haben sich in den letzten Jahren verdreifacht. Derzeit fehlt es vor allem an qualifizierten Fachkräften mit Berufsausbildung», erklärt Alexander Burstedde. Dass viele Schulabgänger lieber studierten, als einen Ausbildungsberuf zu ergreifen, sei eine der Ursachen. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Studierendenzahlen verdoppelt Ausbildungsplätze blieben dagegen 2017 unbesetzt. Zudem sind einige der Mangelberufe schlicht nicht bekannt genug. Dabei bieten Unternehmen der Metall- und Elektrobranche mit 4000 brutto eine für deutsche Verhältnisse sehr gute Bezahlung bei 35-Stundenwoche und weit über 30 Ferientagen. «In vielen Ausbildungsberufen verdient man gut, sogar besser als mit einem Studienabschluss in Anglistik oder Kommunikationswissenschaften. Aber das ist bei den Schulabgängern kaum bekannt», sagt Burstedde, der Mittelständler bei der Fachkräftesicherung berät. Die Unternehmen müssen sich mittlerweile aktiv um Nachwuchs bemühen. So schicken sie einen Info-Truck mit einer Werkstatt zu den Schulen. Dort können Jugendliche eine Fräse programmieren und Werkstücke herstellen, zudem bieten Personalchefs gezielt Praktika an, um Nachwuchs zu sichern. In den nächsten 15 Jahren wird sich die Lage verschärfen, wenn die sogenannten Babyboomer in Rente gehen. Flüchtlinge anwerben In der Pflegebranche ist die Politik gefragt, denn der «Notstand» dürfte sich auch wegen der mageren Bruttogehälter entwickelt haben. Im Durchschnitt liegen diese bei 2612, in einzelnen östlichen Bundesländern sogar weit darunter. Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will eine Tarifpflicht einführen, um den Beruf durch eine bessere Bezahlung attraktiver zu machen. Der Personalmangel zieht sich mittlerweile quer durch alle Branchen. Im Baugewerbe sind über 80% der Unternehmer betroffen, fast drei Viertel aller Hoteliers und Gastronomen haben Probleme damit, Bedienungen und Küchenpersonal zu finden. Einen Weg sieht Burstedde in einem Zuwanderungsgesetz, dass eine aktive Anwerbung von Facharbeitern ermöglicht. Über Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren Flüchtlinge eingestellt, meist als Praktikanten. Nur ein Drittel hatte eine ausreichende Vorbildung, um als Fachkraft eingesetzt zu werden. «Das genügt nicht, um die Probleme zu bewältigen. Es ist wichtig, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu verbessern, um mehr Frauen zu gewinnen. Zudem sollten ältere Arbeitnehmer länger in den Unternehmen gehalten werden», erklärt Burstedde. Auf der Insel Neuwerk arbeiten schon alle Familienmitglieder im Restaurant und im Hotel. Da auf dem Arbeitsmarkt kein Koch zu finden war, steht der 72-jährige Senior weiterhin 16 Stunden in der Küche, die drei anderen Familienmitglieder servieren in Doppelschichten und kümmern sich um die Hotelzimmer. Bis Ende Oktober müssen sie noch durchhalten und auf mehr Glück in der nächsten Saison hoffen. Arbeitskräftemangel So ist die Situation in der Schweiz Wie ausgetrocknet ist der Arbeitsmarkt? Verschärft sich die Lage, weil auch in Europa die Konjunktur brummt und deswegen die Zuwanderung zurückgeht? «Wenn in der Europäischen Union die Wirtschaft floriert, wird die Rekrutierung von Arbeitskräften aus diesen Ländern für hiesige Unternehmen erheblich schwieriger», sagte Anfang Monat Roland Müller, der Direktor des Arbeitgeberverbandes. Er sprach an einer Medienkonferenz des Staatssekretariats für Wirtschaft. Müller machte auch auf das Phänomen der Rückwanderung aufmerksam. Gut die Hälfte der Arbeitskräfte, die 2009 im Rahmen des Freizügigkeitsabkommens zugewandert seien, habe die Schweiz fünf Kein Arbeitskräftemangel, aber Fachkräfte sind gesucht. PETER KLAUNZER / KEYSTONE Jahre später bereits wieder verlassen. Um die derzeitige Dynamik am Schweizer Arbeitsmarkt zu verstehen, muss man nahe heranzoomen. Denn die landesweite Arbeitslosenquote von 2,4% (Stand Juni) ist nur bedingt aussagekräftig. Die Einschätzung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürichs steht stellvertretend für die ganze Schweiz: Die Arbeitsmarktsituation habe sich im ersten Halbjahr stetig verbessert. Trotzdem herrsche im Moment kein akuter allgemeiner Arbeitskräftemangel, sagt man dort. «Die Lage am Zürcher Arbeitsmarkt ist bezüglich des Mangels an Arbeitskräften derzeit nicht vergleichbar mit anderen, insbesondere süddeutschen Regionen», so Thomas Bauer von der Fachstelle Volkswirtschaft. Allerdings bestehe ein Mangel an Fachkräften. Dies gelte insbesondere für Ärzte, Ingenieure, Fachkräfte aus der IT sowie Fachkräfte aus unternehmensbezogenen Dienstleistungen. «Dieser dürfte sich in den kommenden Monaten verstärken und kann die Zürcher Konjunktur im kommenden Jahr leicht bremsen.» Im Kanton Zürich waren im Juni Stellensuchende bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet. Die Stellensuchendenquote liege somit bei 3,9%. Das sei zwar etwas weniger als in den drei Vorjahren jeweils im Juni, sagt Bauer. «In den Jahren 2011 bis 2014 lag sie allerdings jeweils tiefer. Es gibt somit keinen Tiefststand bei der Stellensuchendenquote», so der Experte. Auch die Erwerbslosenquote, welche jeweils das Bundesamt für Statistik über eine telefonische Stichprobe erhebt, lag im Kanton Zürich im März 2018 mit 4,7% noch relativ hoch über dem Niveau vom März im Vorjahr. Diese Erwerbslosenquote sei die einzige Zahl, die sich für internationale Vergleiche eigne, sagt Bauer. Im Gesamtjahr 2017 lag sie im Kanton Zürich mit 4,4% deutlich höher als in den süddeutschen Regionen, von wo Quoten von 2 bis 3% gemeldet wurden. Es sind dies wohl die Nachwirkungen des Franken-Schocks, die sich bis heute am Schweizer Arbeitsmarkt zeigen. Markus Städeli

24 SOMMERANGEBOTE ZU POLITIK UND WIRTSCHAFT Mirjam Staub-Bisang Nachhaltige Anlagen für institutionelle Investoren Einführung und Überblick mit Fachbeiträgen und Praxisbeispielen Klimawandel, Umweltkatastrophen, Missachtung elementarer Rechte und schlechte Unternehmensführung diesen Themen stellen sich heute verantwortungsbewusste Investoren. 296 S., Fr. 29. statt Fr. 78. Peter Fanconi, Patrick Scheurle Small Money - Big Impact Mikrofinanz: Leben ohne Armut «Von hohem Wert dürfte das Buch für interessierte Investoren sein. Kaum ein Anlageberater wird ihnen die Welt der Mikrofinanz derart detailliert und verständlich darlegen können.» MICHAEL SCHÄFER, NZZ 296 S., 128 Abb., Fr. 19. statt Fr. 39. Harry Wiener, Ruedi Widmer Führungswelten Fünf unterhaltsame Geschichten nehmen den Leser mit auf eine Zeitreise durch das letzte Jahrhundert und erzählen vom Wandel der Unternehmenskultur. 184 S., Karikaturen, 16 Abb., Fr. 14. statt Fr. 28. Adriano Cavadini Businessplan Einfach, schnell, wirksam In neun Schritten wird gezeigt, wie man einen Businessplan erstellt. Das Informatikprogramm auf der beigelegten CD ermöglicht die Erfolgsrechnung und das Ausrechnen der Jahresbilanz und Liquidität. 156 S., 52 Abb. Fr. 14. statt Fr. 54. Martin Beglinger, Fridolin Walcher Von Glarus nach Belo Horizonte Wie Schweizer Familienbetriebe global mitspielen Anhand von vier Familienbetrieben geben die Autoren der gelebten Globalisierung aus dem traditionsreichen Industriekanton Glarus ein Gesicht. 264 S., 250 Abb., Fr. 19. statt Fr. 78. Beat Kappeler Leidenschaftlich nüchtern Für eine freie und vitale Gesellschaft Gegen die falschen Leidenschaften und Appelle von gestern setzt Beat Kappeler nüchterne Analysen und bringt 144 oft radikale Vorschläge. 288 S., Fr. 24. statt Fr. 44. Kaspar Villiger Eine Willensnation muss wollen Die politische Kultur der Schweiz: Zukunfts- oder Auslaufmodell? Wie kann die Schweiz in einem schwierigen globalen Umfeld Freiheit, Stabilität und Wohlstand sichern? Die Schweiz sollte den Mut zum Sonderfall aufbringen und auf den Beitritt zur EU verzichten. 368 S., Fr. 19. statt Fr. 44. Ulrich F. Zwygart (Ir-)Rationale Topmanager Zur Krise der Finanzwirtschaft und des Managements Der Autor, selber Topmanager, blickt sich und seinen Kollegen kritisch über die Schulter. Er hält ein Plädoyer für mehr Verantwortung und Demut in den Teppichetagen der Finanzinstitute. 216 S., 4 Abb., Fr. 19. statt Fr. 36. Georg Schild, Anton Schindling (Hrsg.) Politische Morde in der Geschichte Von der Antike bis zur Gegenwart Zwölf Fälle politischen Mordens werden in ihren historischen und gesellschaftlichen Rahmen eingeordnet, auch mit Blick auf die Wahrnehmung durch Zeitgenossen und Nachwelt. 260 S., 15 Abb., Fr. 14. statt Fr. 36. Gerald Braunberger Keynes für jedermann Die Renaissance des Krisenökonomen John Maynard Keynes war der bedeutendste und umstrittenste Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er erkannte schon früh die Bedeutung der Finanzmärkte für die Wirtschaft. 262 S., Fr. 19. statt Fr. 34. Ulrich Klöti u.a. Handbook of Swiss Politics Approaching Switzerland as a laboratory for democracy, this Handbook contributes to a refined understanding of the res publica. 860 S., Fr. 39. statt Fr. 88. Thomas Häberling Werte schaffen Gespräche mit Ulrich Bremi Unternehmer und Politiker Verantwortung ist eine Kompetenz zur Bewegung, als Aufforderung zum Handeln. Freiheiten die der Einzelne zu nutzen vermag, sind zentrale Elemente im Denken und Handeln von Ulrich Bremi. 264 S., 15 Abb., Fr. 20. statt Fr. 40. BESTELLSCHEIN Mirjam Staub-Bisang Nachhaltige Anlagen für institutionelle Investoren Fr. 29. / ISBN Peter Fanconi, Patrick Scheurle Small Money - Big Impact Fr. 19. / ISBN Harry Wiener, Ruedi Widmer Führungswelten Fr. 14. / ISBN Adriano Cavadini Businessplan Fr. 14. / ISBN Martin Beglinger, Fridolin Walcher Von Glarus nach Belo Horizonte Fr. 19. / ISBN Beat Kappeler Leidenschaftlich nüchtern Fr. 24. / ISBN Kaspar Villiger Eine Willensnation muss wollen Fr. 19. / ISBN Ulrich F. Zwygart (Ir-)Rationale Topmanager Fr. 19. / ISBN Georg Schild, Anton Schindling (Hrsg.) Politische Morde in der Geschichte Fr. 14. / ISBN Gerald Braunberger Keynes für jedermann Fr. 19. / ISBN Ulrich Klöti u.a. Handbook of Swiss Politics Fr. 39. / ISBN Thomas Häberling Werte schaffen Gespräche mit Ulrich Bremi Fr. 20. / ISBN NAME / VORNAME STRASSE / NR. PLZ / WOHNORT . DATUM / UNTERSCHRIFT NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung Postfach, CH-8021 Zürich Telefon , Erhältlich auch in jeder Buchhandlung * Unverbindliche Preisempfehlung, In der CH versandkostenfrei ab Bestellwert CHF 50.

25 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Wirtschaft 25 Mein Standpunkt Beat Kappeler Die Elite begeht grobe Fehler vor der Abstimmung über die Selbstbestimmungsinitiative der SVP Dreimal sind Kreise der Wirtschaft in riesige Fettnäpfe getreten, als diese Woche der Kampf um die Selbstbestimmungsinitiative der SVP eröffnet wurde. Im November soll das Volk entscheiden, dass internationale Verträge die Bundesverfassung nicht verletzen dürfen. Und die Kreise der Wirtschaft machen nun genau die gleichen Fehler wie bei der Masseneinwanderungsinitiative und beim EWR Economiesuisse beging den klassischen Fehler und beschwor an ihrem Mediengespräch am Mittwoch wieder einmal den Untergang des Vaterlandes herauf. 600 Verträge seien betroffen, viele müssten geändert werden, vielleicht jene mit der EU und China. Den zweiten Fehler lieferte Avenir Suisse, ein Think-Tank, ohne viel zu denken. Denn sein Chef Peter Grünenfelder breitete das Argument aus, das schon 1992 beim Volk nicht zog: Viele seiner Ansicht nach dringende Reformen im Inland stockten, so dass nur ein «geklärtes Verhältnis zur EU» Remedur schaffen könne. Und zum Dritten die Finma demonstrierte gleich, wie internationales Recht ins Portemonnaie der Bürger eingreift. Künftig sollen sie nur noch Franken bar bezahlen dürfen, sonst müssen sie hochnotpeinlich belegen, wer sie sind, woher das Geld kommt. Dieser dritte Fall ritzt zwar nicht einmal die Verfassung, denn die Schweiz hat die Rechte der Bürger nur in der Verordnung zur Geldwäscherei, ab Franken in bar, beschnitten. Die blassen Bürokraten der Finma glauben aber Befehle einer internationalen Konferenz ausführen zu müssen, jene der Financial Action Task Force (FATF). Obwohl also die SVP-Initiative dazu gar nichts sagt und obwohl kaum jemand mit Franken in bar herumlaufen will, bringen solche Regelimporte viele zur Weissglut. Es wäre leicht gewesen, an einer der Sitzungen der FATF den Vorbehalt der Schweiz anzumelden, und der Finanzplatz wäre nicht geschlossen geworden. Aber es hätte Mut der Diplomaten gebraucht, und weil sie diesen hier, oft in Brüssel und in Strassburg nicht aufbringen, scheint die Notbremse der SVP wohl vielen nötig. Das ganze Vorgehen umgeht überdies die Bürger, weil gegen den Ukas der Finma kein Referendum möglich ist. Die Banken aber werden von ihr an der Kandare gehalten. Nun zum Fehler, den nahen Untergang des Landes und der Wirtschaft an die Wand zu malen, wie Economiesuisse es tat. Diese ebenso massive Propaganda beim EWR und bei der Einwanderungsinitiative wischte das Volk unter den Tisch und nichts geschah. Das Land blühte weiter prächtig. Das Volk lernt aus solchen Platzpatronen. Der Fehler schliesslich, wie Avenir Suisse am Donnerstag in der NZZ der lesenden Elite den Weg aufzuzeigen, wie man doch noch ungeliebte Reformen hinkriegt, würde in einem Boulevardblatt ungeschminkt so lauten: Du dummes Volk, wir haben einen Trick, wie wir Reformen befehlen können, nämlich durch internationale Verträge, welche dann hart wie das Schicksal unsere Rechtsordnung zu ändern befehlen. Diesen Klartext können allerdings viele Stimmbürger auch selbst erkennen. Denn diese ungeliebte Regelübernahme aus internationalen Gremien ist nun vielfach ausgereizt, und Die von ein paar Völkerrechtlern als «dynamische Rechtsentwicklung» beschönigte Verwilderung ist zu bekämpfen. spontan kommt der Argwohn hoch. Was wäre also durch sogenannt staatstragende Kreise zu tun, wenn sie die Initiative verhindern wollen? Grundsätzlich wäre ein Gegenvorschlag angezeigt gewesen, weil der Rang verfassungsmässiger und internationaler Regeln unklar und nur durch Gerichte ausgedeutscht wurde. Diese Chance ist vergeben. Sodann müssen die Verwaltung und die Diplomatie beweisen, dass sie widerstehen können. Dass sie nicht allzu gerne den Umweg über internationale Gremien nehmen, um Ungeliebtes vorzuschreiben und Referenden zu verhindern. Auch das Bundesgericht muss zeigen, dass es nicht einfach Erfüllungsgehilfe des Strassburger und des Europäischen Gerichtshofes ist. Schliesslich hier schon öfter angeregt sollen die Schweiz und andere Länder immer Vorbehalte schriftlich anbringen, wenn nichtgewählte Funktionäre internationaler Gremien ihre Macht ausdehnen. Diese von ein paar Völkerrechtlern als «dynamische Rechtsentwicklung» beschönigte Verwilderung ist zu bekämpfen. Und wenn solche Gremien dem Nationalstaat ohne Vertragsänderung neue Ausgaben etwa im Sozialen oder bei Migration aufbürden, ist eine Grundregel der Demokratie verletzt. Sie wurde 1215 in der Magna Charta und 1776 in der US-Unabhängigkeit eingefordert: «No taxation without representation» keine neuen Lasten, wenn man dazu nichts zu sagen hatte. Doch die sogenannten Eliten verbarrikadieren sich hinter dem Vorwurf des Populismus. Oder sie machen die drei groben Fehler, wenn eine Abstimmung dazu ansteht. Ohne diese wären solche Initiativen chancenlos. Personenund Unternehmen Steven Mnuchin. Der US-Finanzminister richtet wegen der Schwäche des chinesischen Yuan eine neue Warnung an die Regierung in Peking. Die USA würden die Lage sehr genau auf Anzeichen für eine Manipulation der Währung beobachten, sagte Mnuchin am Freitag. Mit einer Währungsabschwächung könnten höhere Zölle teilweise abgefedert werden. (awp, sda, apa, reu) Volkswagen. Im Internet sind teilweise sehr heikle Daten von Autoherstellern aufgetaucht. Das Datenleck sei diesen Monat von einem Sicherheitsforscher entdeckt worden und habe Branchenschwergewichte wie Volkswagen, Toyota oder General Motors betroffen, schreibt die «New York Times» in ihrer Online- Ausgabe. Mitunter befinden sich darunter streng gehütete Geschäftsgeheimnisse zu Produktionsabläufen. (dpa.) Nassef Sawiris. Der Bruder von Andermatt-Investor Samih Sawiris steigt ins Fussballgeschäft ein. Nassef Sawiris und ein Partner beteiligen sich mit 55% am englischen Verein Aston Villa. Die beiden sollen dafür rund 30 Mio. bezahlt haben. Der Klub spielt in der zweithöchsten Spielklasse. Nassef hält auch rund 5% am Schweizer Zementkonzern Lafarge-Holcim. Bruder Samih engagiert sich ebenfalls im Fussball. Er ist Verwaltungsrat beim FC Luzern. (knu.) Ich handle wo und wann ich will. Mit E-Trading selbstständig und kostengünstig handeln. Jederzeit und überall. Mehr auf postfinance.ch/e-trading

26 Invest NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 BAZ RATNER / REUTERS Solide, aber nachlassend Wachstum der Unternehmensgewinne in den USA (jeweils im Vergleich zum Vorjahr) 24,6 Schätzung 6,9 6,4 8,3 13,2% 11,3 13,3 16,5 20,4 19,3 1.Q. 2. Q. 3.Q. 4.Q. 1.Q. 2.Q. 3.Q. 4.Q. 1.Q. 2.Q Quelle: Zacks Investment Research Paradiesische Zustände für Corporate America Das Umfeld für US-Firmen könnte kaum besser sein. Die Gewinne sprudeln. Nur, wie lange kann das so weitergehen? Von Jens Korte und Sophie Schimansky Google, Harley-Davidson, Boeing, Coca-Cola, McDonald s, Ford, General Motors, Facebook, Amazon, Intel, Starbucks, Chevron, Exxon Mobil oder Twitter vermelden in der kommenden Woche die Quartalszahlen. Analysten rechnen für die im S&P-500-Index notierten Unternehmen mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von rund 20%. Nach einem Anstieg um rund 24% im ersten Quartal würden die Firmen im zweiten Quartal das zweitbeste Wachstum seit sieben Jahren verbuchen. Den Investoren an der Wall Street sind diese Prognosen nicht verborgen geblieben, entsprechend ging es mit den Aktienkursen in den vergangenen Wochen nach oben. Der Online-Gigant Amazon erreichte im Wochenverlauf erstmals in der Geschichte eine Marktbewertung von über 900 Mrd. $. Seit Januar ist die Aktie um fast 60% gestiegen. Die Aktie von Netflix hat sich im bisherigen Jahresverlauf mehr als verdoppelt. Der Streaming-Dienst meldete am Montag seine Quartalszahlen, verfehlte bei den Abonnentenzahlen die Prognose der Wall Street, und die Aktie knickte ein. Vorbote Netflix? Netflix gab einen Vorgeschmack darauf, was passieren könnte, wenn sich bei den Quartalszahlen Schönheitsfehler einschleichen sollten. «Nur die Prognosen der Analysten zu erfüllen, ist keine Besonderheit», sagt Sam Stovall, Chefstratege bei CFRA. In den vergangenen zwei Quartalen haben rund 70% der Da die Ölpreise im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen sind, dürften Energiefirmen ein Gewinnplus von 142 Prozent erzielt haben. Unternehmen einen höheren Gewinn ausgewiesen als erwartet. Stovall geht davon aus, dass dieser Trend im jetzt abgelaufenen Quartal anhält. Er rechnet mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von mindestens 22%. Zu den grössten Wachstumstreibern dürften im zweiten Quartal Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffbereich gehören. Da die Ölpreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum massiv gestiegen sind, dürften die Energiekonzerne im Schnitt ein Gewinnwachstum von 142% erzielt haben. Mit geschätzten 24 sowie 20% folgen Technologieund Finanzwerte auf den nächsten Plätzen. Für den Technologiesektor wäre es das vierte Quartal in Folge mit einem Gewinnanstieg um mindestens 20%. Auf diesem Niveau wird es schwierig, den Wachstumskurs in den kommenden Quartalen aufrechtzuerhalten. Wie in ein Rettungsboot auf stürmischer See hätte es Investoren in den vergangenen Monaten vor allem in Technologieaktien ge- Auch Coca-Cola wird nächste Woche Quartalszahlen präsentieren. Arbeiter vor einer Fabrik des Getränkegiganten in Kenya. (Nairobi, 7. Juni 2018) zogen, so die Analysten von Morgan Stanley. Das starke Wachstum rechtfertige die gestiegenen Aktienkurse grundsätzlich auch. Doch, so das Analystenteam weiter, irgendwann habe das Rettungsboot zu viele Passagiere an Bord. Mit anderen Worten: Die Kurse von vielen Tech-Werten sind sehr hoch bewertet. Das Umfeld war in den vergangenen Monaten nahezu perfekt für Corporate America. Die Regierung Trump hat die Unternehmenssteuern zum Jahreswechsel von 35 auf 21% gesenkt. In einer Studie hat Zion Research errechnet, dass fast die Hälfte des Gewinnwachstums im ersten Quartal auf die Steuersenkung zurückzuführen ist. Der Dollar ist gegenüber dem Vorjahr leicht gefallen. Unternehmen fahren die grössten Aktienrückkaufprogramme der Geschichte. Und auch das organische Wachstum stimmt. Die Folgen des Handelsstreits Der Handelsstreit mit China, Mexiko, Kanada oder der EU hat bisher noch keine grossen Spuren hinterlassen. Einige Bereiche wie die Baubranche oder Industriekonzerne bekommen die höheren Einfuhrzölle etwa auf Baumaterialien aus Kanada oder Stahl- und Aluminiumimporte zu spüren. Die Unternehmen aus dem S&P 500 erzielen 43% des Umsatzes in Übersee. Doch laut Stovall sind bei weitem nicht alle Produkte von höheren Zöllen betroffen. Zudem ergreifen einige Firmen Gegenmassnahmen. Harley-Davidson etwa will die Produktion für den europäischen Markt ins Ausland verlagern. Entsprechend liessen sich, so Stovall, die Folgen des Handelsstreits auf die Quartalszahlen noch schwer abschätzen. Für die zweite Jahreshälfte bleiben die Analysten optimistisch. Für das dritte Quartal liegen die Gewinnerwartungen laut Zacks Investment bei rund 19% und für das vierte Quartal bei 16,5%. Ende 2017 hatten Analysten für dieses Jahr mit einem Wachstum von rund 11% gerechnet. Tatsächlich dürften die Gewinne auf Jahressicht im Schnitt über 21% zugelegt haben. Im kommenden Jahr wird der Effekt der Steuerreform verpuffen, weil sich die Steuersenkungen im Jahresvergleich nicht mehr abheben. Für das erste Quartal 2019 liegen die Gewinnerwartungen derzeit bei 6,4%. Das entspricht immer noch einem soliden Anstieg, aber es wäre nur ein Viertel des Wachstums im ersten Quartal 2018 und könnte die Euphorie an der Wall Street dämpfen. Aus der Logik von Angst und Gier aussteigen Geldspiegel Markus Städeli Wie geht es weiter an den Märkten? Auf diese Frage gibt es schlicht keine seriöse Antwort. Und doch werden dieser Tage Prognosen für die zweite Jahreshälfte gerne gelesen. Das ist verständlich: Am Schluss des Konjunkturzyklus kommt meist das dicke Ende. Man kann mit risikobehafteten Anlagen zwar noch viel Geld verdienen. Dann aber im richtigen Moment das Geld vom Tisch zu nehmen, ist so anspruchsvoll, dass es auch den Profis fast nie gelingt. Hin und her gerissen zu sein zwischen Angst und Gier, ist nervenaufreibend und führt kaum je zu guten Anlageresultaten. Darum schlagen wir Ihnen vor, gänzlich aus dieser Logik auszusteigen: Investieren Sie breit diversifiziert und immer nach dem gleichen System. Das hat auch den grossen Vorteil, dass Sie Rubriken wie diese hier nie mehr zu lesen brauchen. Wie sinnvoll dieser Ansatz ist, zeigen Langfristdaten, zum Beispiel die gerade wieder aktualisierten Zahlen der Firma J.P. Morgan Asset Management: Sie hat ein Portefeuille in zehn unterschiedliche Anlageklassen unterteilt. Und sie zeigt für jedes Jahr den Ertrag dieser einzelnen Komponenten und jenen des gesamten Portefeuilles. Über die letzten zehn Jahre hätte dieses Portefeuille in Euro jährlich 6,6% abgeworfen. Im Detail beigetragen haben Hochzinsanleihen 10,2%, Immobilienaktien (REIT) 9,9%, Schwellenländeranleihen 9,2%, Aktien aus Industrieländern 7,7%, Firmenbonds mit guter Qualität 6,3%, Staatsanleihen 4,7%, Schwellenländeraktien 4,1%, Hedge-Funds 1,6%, Barmittel 1,2% und Rohstoffe minus 5%. Nun werden Sie zu Recht einwerfen, dass ein solches Depot in Franken und nach Abzug von Gebühren weit weniger abgeworfen hätte. Das stimmt zwar. Doch wir glauben, dass bei einer sinnvollen Zusammensetzung des Portefeuilles (auch punkto Qualität und Kosten) jährlich ohne weiteres 5% Rendite in Franken drinliegen, nach Gebühren. Etwa, indem man Schweizer Aktien stärker berücksichtigt und Bond- Produkte wählt, die das Währungsrisiko absichern. Mit Fr. Anfangskapital und 5% jährlicher Rendite würden so bei tolerierbaren Kursausschlägen nach zehn Jahren Fr. zusammenkommen. Anstatt sich intensiv damit zu beschäftigen, was an der Börse gerade passiert, sollten Anleger ihre Energie darauf verwenden, zu überlegen, welche Anlageklassen am besten zu ihnen passen. So, dass sie einen für sie geeigneten Mix finden, an dem sie langfristig festhalten können. Auch dank kostengünstigen ETF kann heute jeder selber ein solches Portefeuille zusammenstellen und managen. Dazu gehört, einmal im Jahr dafür zu sorgen, dass alle Depotbausteine prozentual wieder so gross werden wie anfangs festgelegt. Investieren wird so zum blossen Verwaltungsakt ohne den Faktor Angst und Gier. Die schlechteste Woche hatte... Riet Cadonau, Dormakaba Der Kurssturz hatte sich angekündigt. Das wusste Dormakaba-Chef Riet Cadonau. Seit Oktober erodiert der Wert der Aktien des Schliesstechnikers Dormakaba. Trotzdem kam der Einbruch in dieser Grössenordnung überraschend. Die Titel gingen am Donnerstag 17% tiefer aus dem Handel. Eine Gewinnwarnung zerzauste das Ende Juni abgelaufene Geschäftsjahr. Organisches Wachstum und Gewinn- WALTER BIERI / KEYSTONE margen blieben hinter den Erwartungen zurück. Cadonau, Oberstleutnant im Generalstab, hatte kein taktisches Manöver bereit, das diese Entwicklung hätte stoppen können. So musste der Basler mit Bündner Wurzeln die mittelfristigen Ziele zwei Jahre nach hinten verschieben. Probleme hat der Konzern besonders in Deutschland und den USA. Dort sei das Geschäft stark von Integrationsprozessen geprägt gewesen. Für Cadonau kommt die Zusatzschicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern führt das verpönte Doppelmandat ein. Cadonau soll im Oktober auch das Amt des Verwaltungsratspräsidenten übernehmen. Es kommt viel Arbeit auf ihn zu. (knu.)

27 27 Unternehmen der Woche Erneuerungsprozess von Novartis läuft in hohem Tempo ab Ein Zuwachs im Aktienkurs von rund 13% in knapp drei Wochen ist keine schlechte Bilanz. Langjährige Novartis-Aktionäre atmen etwas auf. Nach der kurzfristigen Euphoriephase im Frühling beim Amtsantritt des neuen Novartis-Chefs Vas Narasimhan hatte es trübe ausgesehen. Die Idee des Vorgängers, den ehemaligen Trump-Anwalt Michael Cohen als Lobbyisten anzustellen, und der darauffolgende Abgang des eigenen Chefjuristen liessen die Investoren wieder einmal an der Integrität des Konzerns zweifeln. Es folgte eine flaue Phase, und der Kurs bröckelte von über 87 Fr. auf gegen 70 Fr. ab. Doch seit drei Wochen geht es wieder aufwärts. Was hat die Stimmungsaufhellung hervorgerufen? Grundsätzlich steht Novartis mit der positiven Entwicklung nicht allein da. Der Dow-Jones-US-Health-Care-Index hat sich in den letzten Monaten auch aufgefangen. Rivale Roche kann sich vom Schwächeanfall ebenfalls etwas erholen. Der Schub im Novartis-Kurs seit Ende Juni fällt aber mit zwei Nachrichten zusammen: einerseits mit dem Start eines Aktienrückkaufprogramms in Höhe von 5Mrd.$ und anderseits mit der Ankündigung, Alcon werde nun wie erwartet bis Mitte 2019 an die Börse gebracht für insgesamt 50 Mrd. $ gekauft, hat der texanische Augenheilkonzern die erhofften Wachstumsraten nie erreicht. Die Schätzungen zur Frage, was der Spin-off Novartis einbringen sollte, gehen weit auseinander. Zwischen 15 und 30 Mrd. $ liegt die Spanne. Wie viel Wert der damalige Deal vernichtet hat, lässt sich aufgrund zahlreicher Umbauarbeiten bei Alcon kaum noch ermitteln. Doch die Investoren sind einfach froh, dass dieses Abenteuer bald abgeschlossen ist. Den Erneuerungsprozess angestossen hat der fast schon vergessene Verkauf des Anteils am Gemeinschaftsunternehmen im Bereich «nichtrezeptpflichtige Medikamente» für schöne 13 Mrd. $, abgeschlossen Anfang Juni. Einen Teil des Geldes hat Novartis mit dem Kauf der US-Firma Avexis Novartis wieder gefragt Kursentwicklung in Franken seit einem Jahr 86 Franken J A S O N D J F M A M J J Quelle: Swissquote Blutproben eines Leukämiepatienten: Novartis kann die darin enthaltenen T-Zellen gentechnisch zu «Killerzellen» hochrüsten. (Seattle, 2017) für 8,7 Mrd.$ bereits wieder ausgegeben. Avexis verfügt über Technologien, die ganz individuelle Gentherapien für extrem seltene Krankheiten ermöglichen sollen. Schon im nächsten halben Jahr soll in den USA ein Zulassungsantrag für eine Therapie eingereicht werden. Novartis hat bereits eine derartige futuristisch anmutende Medizin im Arzneischränklein. Bei der sogenannten CAR-T-Zell-Therapie werden sterbenskranken Leukämiepatienten T-Zellen entnommen, genetisch verändert, vermehrt und dann wieder dem Patienten zugeführt. Ein grosser Teil der meist sehr jungen Patienten kann quasi vom Totenbett auferstehen und geheilt nach Hause gehen. Nur bei Erfolg stellt Novartis eine Rechnung, die dann aber hoch ausfällt $ kostet die Behandlung mit Kymriah. Derzeit arbeitet Novartis hier daran, den Ansatz für andere Blutkrebsarten zugelassen zu bekommen. Kymriah soll einmal Milliardenumsätze bringen, doch derzeit kämpft der Konzern mit Problemen im Produktionsprozess. Dann konnte der Konzern eine relevante Zulassung vermelden. Erstmals steht Patienten eine vorbeugende Therapie für die oft gravierenden Migräneattacken zur Verfügung. Finanzanalysten trauen dem Medikament einen Umsatz von über 1 Mrd.Fr. zu. Und endlich scheint Novartis auch mit seinem hochgelobten Herzmedikament Entresto in Fahrt zu kommen. Das Medikament hat den Umsatz im 2. Quartal 2018 mehr als verdoppelt. Umsatznachschub ist aber auch dringend nötig, denn Novartis muss sich wegen Ablaufs des Patentschutzes auf Umsatzeinbrüche beim wichtigen Krebsmittel Gleevec einstellen. Trotzdem hält der Konzern an seinem positiven Ausblick fürs ganze Jahr fest: Steigerung der Umsätze im niedrigen bis mittleren Bereich, Steigerung des Kerngewinns im mittleren bis hohen Bereich. Der Analyst der Bank Berenberg bleibt trotz guten Halbjahreszahlen eher kühl in seinem Urteil: Novartis habe ein paar vielversprechende Wachstumstreiber in Arbeit, doch angesichts einer Historie von Ausrutschern zügle er seine Begeisterung noch. Tatsächlich können sich Investoren an keine Phase erinnern, als alle Einheiten beim Pharmamulti rundliefen. Und auch jetzt gibt es ein Sorgenkind: Die Generika- Tochter Sandoz leidet unter dem enormen Preisdruck in den USA. Wenn man bei der Präsentation der letzten Quartalszahlen hört, wie stark sich die Novartis-Führung für innovative Medizin erwärmt, fragt man sich schon, wie lange wohl Sandoz mit den tieferen Margen noch ins Konzept der neuen Novartis passt. Birgit Voigt ELAINE THOMPSON / AP Fünf Fragen an Isabelle de Gavoty Seit 1998 arbeitet de Gavoty für Axa Investment Managers in Paris. Sie leitet das Team für kleinkapitalisierte Aktien. Der Handelskrieg beschäftigt die Märkte. Sind Small-Caps davon ausgenommen? 1Die bis heute tatsächlich beschlossenen Strafzölle gelten nur für eine sehr kleine Anzahl von Produkten. Aber das Thema betrifft Unternehmen unabhängig davon, wie gross sie sind, es kommt vielmehr auf ihre Ausrichtung an. Ein Handelskrieg und eine mögliche Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums würde vor allem Rohstofffirmen, Exporteuren und Firmen in zyklischen Sektoren schaden. Sind denn Small-Caps vor diesem Hintergrund nicht riskanter als Grossfirmen? 2Nein. Das ist eine weitverbreitete, aber trügerische Überzeugung. Die Wertschwankungen von Small-Caps sind in der Regel nicht grösser als die der anderen Aktien, die Performance war in der Vergangenheit aber besser als die von grossen Unternehmen. Es gilt jedoch, die Liquidität zu beachten. Wir wollen in der Lage sein, Aktien für unseren globalen Small-Cap-Fonds zu kaufen und zu verkaufen, ohne Druck auf die Preise auszuüben. Darum investieren wir nur in Aktien mit einem täglichen Handelsvolumen von mindestens einer Million Dollar oder Euro. Sind Aktien generell, und damit auch Small-Caps, nicht langsam überbewertet? 3Diese Frage muss man je nach Region anders beantworten. In Europa beispielsweise stellen wir fest, dass sich die Bewertungsprämie von Small-Caps gegenüber Large-Caps verringert hat. In den USA, vor allem im Bereich Technologie, sehen wir aber tatsächlich Bewertungen, die schwierig zu rechtfertigen sind. Sie versuchen, Firmen auszumachen, die von langfristigen Trends profitieren werden. Können Sie ein Beispiel machen? 4Small-Caps sind vielfach sehr innovative Unternehmen, die in Nischen stark sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma Callidus Software, die Verkaufsteams hilft, effizienter zu arbeiten. Sie wurde in diesem Januar vom Konzern SAP gekauft. Interessante Small-Caps werden häufig zu Übernahmezielen, ein weiteres gutes Argument für diese Anlageklasse. Wann verkaufen Sie eine Aktie? 5Wenn der Aktienkurs so weit steigt, dass man kein weiteres Potenzial mehr sieht. Das habe ich bei Jungheinrich gemacht. Das ist meines Erachtens eine ausgezeichnete deutsche Firma, die von der Entwicklung in der Logistik profitiert, aber sie sieht sich zunehmend mit steigenden Salären konfrontiert. Interview: Eugen Stamm Wall Street Viel Lärm um nichts Jens Korte, New York Dem Zuschauer ist in einer Komödie meist von Beginn an klar, dass es zum Happy End kommt. Wie bei William Shakespeares «Much Ado About Nothing» müssen die Protagonisten einige Wirrungen und Irrungen überstehen, bis sie sich glücklich in die Arme schliessen dürfen. Ob das bei Donald Trump und Xi Jinping in absehbarer Zeit ebenfalls passieren wird, scheint fraglich. «I m ready to go to 500», erklärte der US-Präsident in einem TV-Interview. Er sei also bereit, Zölle auf sämtliche chinesischen Importe zu erheben. Doch wenn Donald Trump der Meinung ist, China gingen die Argumente aus, dann irrt er. China importiert amerikanische Waren im Wert von 130 Mrd. $. Die USA haben also auf den ersten Blick einen Vorteil in Höhe von rund 370Mrd.$. Ein simples Mittel, um die potenziellen Zölle abzufedern, ist der Devisenkurs. Peking könnte schlicht und einfach den Yuan abwerten. So würden chinesische Waren billiger, und höhere Zölle könnten zumindest teilweise ausgeglichen werden. Unbegrenzt kann der Yuan allerdings nicht fallen, weil es sonst zu einer Kapitalflucht aus China kommen könnte. China könnte aber auch den Aufkauf von US-Staatsanleihen herunterfahren. Zudem könnte die Regierung die Bevölkerung dazu aufrufen, amerikanische Produkte zu boykottieren. Namen wie Franklin Pierce, Millard Fillmore, James Polk oder John Tyler sind den meisten Europäern vermutlich nicht geläufig. Diese vier Männer waren Mitte des 18. Jahrhunderts Präsidenten der Vereinigten Staaten. Zu dieser Zeit stammten rund 90% der Staatseinnahmen von Zöllen. Rund 150 Jahre später kommt nur etwa 1% der Staatsschatulle von Zöllen. Die Industrie versucht verstärkt, Donald Trump und seine Handelsberater umzustimmen. Doch bis jetzt scheinen die mahnenden Worte etwa aus dem Automobilsektor nicht durchzudringen. An der Wall Street scheint der Humor indes immer noch nicht abhandengekommen zu sein. Offenbar setzen Investoren immer noch auf eine Komödie und nicht auf eine Tragödie. Die Blue Chips verbuchten bereits die dritte positive Woche in Folge. Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Unternehmen wie Microsoft oder die Banken haben die Erwartungen der Analysten locker übertroffen. Microsoft feuerte auf allen Zylindern. Das Cloud-Geschäft verbuchte ein Umsatzwachstum von 23%. Der traditionelle Bereich mit dem Windows-Betriebssystem profitierte davon, dass der PC-Markt erstmals seit sechs Jahren wieder ein Wachstum verbuchen konnte. Die Aktie von Microsoft erreichte am Peking könnte den Yuan abwerten. So würden chinesische Waren billiger, höhere Zölle könnten ausgeglichen werden. Freitag den höchsten Stand der Unternehmensgeschichte. Laut einem Firmensprecher mache sich das Management über einen möglichen Handelskrieg Gedanken. Konkrete Auswirkungen gebe es bis jetzt aber noch nicht. Zu den wenigen Enttäuschungen der noch jungen Berichtssaison gehört Netflix. Der Streaming-Dienst hat im zweiten Quartal zwar die Gewinnerwartungen übertroffen. Zudem hat Netflix in den vergangenen drei Monaten über 5 Mio. neue Abonnenten gewonnen. Das sind grundsätzlich beeindruckende Zahlen. Allerdings wurden in den USA mit neuen Kunden nur etwa halb so viele Abonnenten hinzugewonnen wie erwartet. Auch global waren es rund Kunden weniger als von Analysten prognostiziert. Zu Konkurrenten wie Apple oder Amazon gesellt sich nun auch noch Walmart. Der Detailhandelsgigant plant ein eigenes Streaming-Angebot. Der Aktienkurs von Netflix wurde seit Jahresanfang verdoppelt. Nach den Geschäftszahlen brach er zeitweise um über 14% ein.

28 0 Vomskrupellosen Geschäftmit demhandel von Menschenaffen Gesellschaft So sperrtman Facebook aus. 6Tipps wie es funktioniert Seite56 1. April 2018 Nr. 13 NZZaS.ch Fr Roboter manipulieren dieflugpreise DieReisebranche setztauf raffinierte Programme und fiktivebuchungen, um die Konkurrenzauszuspähen. Das erhöht teilweise diepreise. Birgit Voigt Scheinbuchungenschädigen zunächst die Airline, weil ihre Plätze unter Umständen leer bleiben. Betroffen sind aber auch die Passagiere. Die starke Aktivität der Bots führt nämlich dazu, dass die Buchungssysteme irrtümlich voneinem hohen Interesse an be- Wie wär s? Die«NZZamSonntag» im neuen Design. Und im günstigenprobeabo. HatIhr Intellekt am Wochenende schonwas vor? Jetztnur CHF 30. für10ausgaben nzz.ch/sonntag29

29 COR VOS / FOTO-NET NZZ am Sonntag 22. Juli Froome und der Rivale Teamkollege Thomas fordert an der Tour den Chef heraus 30 Held oder Unfallopfer? Eine Ausstellung ruft Michael Schumacher als Sportler in Erinnerung 32 BENJAMIN SOLAND / BLICK / FRESHFOCUS In letzter Sekunde müssen sie das 2:1 hinnehmen: Enttäuschung bei Marek Suchy (l.) und Aldo Kalulu. VerlorenstattMutgefasst: BaselwirdvonSt.Gallen überrascht Seite 35

30 30 Sport NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Eskann nureinen geben Vor der Schlusswoche der Tour de France liegt Titelverteidiger Chris Froome mehr als eineinhalb Minuten hinter Geraint Thomas. Jetzt zeichnet sich ein dramatisches Duell ab: Nichts wirkt so vergiftend wie die Rivalität zweier Teamkollegen. Von Sebastian Bräuer, Mende Geraint Thomas, der von Fans und Kollegen einfach nur «G» genannt wird, verkaufte sich bis jetzt als lustiger Kerl, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt. In seiner Autobiografie beschreibt er seine Gedanken, wenn er vor einer neuen weiblichen Bekanntschaft erstmals seine enge Velohose anzieht: Er hat Angst, sie könnte ihn entweder für pervers halten oder für einen Imitator von Freddie Mercury. Im nächsten Moment geht es um ein Wettessen mit einem anderen Radfahrer bei einer Verlobungsparty. Der angeblich lustige G hat am Mittwoch und Donnerstag in den Alpen die Radsportwelt düpiert. Er gewann an der Tour de France die Bergankunft in La Rosière, zog sich das gelbe Trikot des Gesamtführenden über und triumphierte am folgenden Tag am Anstieg nach L Alpe d Huez erneut. Die legendären 21 Kehren zu dem Skidorf als Leader am schnellsten zu bezwingen, das gelang zuletzt 2004 Lance Armstrong, dem später alle Tour- Siege wegen Dopings aberkannt wurden. Thomas kommt mit seinen Parforceritten einem anderen Fahrer in die Quere, der sich vorgenommen hat, an dieser Tour de France Geschichte zu schreiben. Es handelt sich ausgerechnet um seinen Teamkollegen Chris Froome, der nicht nur seinen fünften Tour- Sieg feiern, sondern ausserdem als Erster seit 45 Jahren vier grosse Rundfahrten in Folge gewinnen könnte. Froome hat dieses Jahr bereits den Giro d Italia für sich entschieden und 2017 die Tour sowie die Vuelta. Dem Belgier Eddy Merckx gelang das Kunststück von vier Grand-Tour-Triumphen am Stück 1972 und Aber der historische Versuch steht auf der Kippe. Vor den entscheidenden Pyrenäenetappen liegt Froome nur auf dem zweiten Rang, 1:39 Minuten hinter Thomas. Wer dominiert am Ende? Geraint Thomas im gelben Trikot und Chris Froome gleich hinter ihm. (Alpe d Huez, 19.Juli 2018) Auch Froome schildert in seiner Autobiografie ein paar lustige Anekdoten, doch sie drehen sich nicht um Frauen und Partys, sondern stets um seinen immensen Ehrgeiz. Er erzählt zum Beispiel, wie er sich als Nachwuchsfahrer in seinem Geburtsland Kenya die Internet-Zugangsdaten eines Funktionärs erschlich und sich selbst zu den Junioren-Weltmeisterschaften in Österreich anmeldete. Dort erschien der junge Froome ohne Betreuer und fuhr in der ersten Kurve übermotiviert einem Polizisten in die Arme. Am Siegeswillen Froomes besteht seit Jahren kein Zweifel. Thomas dagegen wittert die Skys Kampf gegen Plasticmüll Noch schnell die Welt retten Es gibt eine positive Nachricht in Bezug auf den Auftritt der Mannschaft Sky an dieser Tour de France: Die Trikots der acht Fahrer sehen richtig gut aus. Auf den Rückenpartien von Chris Froome, Geraint Thomas und ihren Helfern sind schwarze Schwertwale zu sehen, die sich markant vom weissen Grundton der Trikots abheben. An der Pressekonferenz vor dem Start der Frankreichrundfahrt sagte Teamchef Sir David Brailsford: «Es soll aussehen, als würden Haie durchs Feld schwimmen.» Er sprach tatsächlich von Haien, nicht von Schwertwalen. Wer so viele Velostars betreut, kann mit zoologischen Details schon einmal durcheinanderkommen. Schwertwale, die sich das Wasser mit winzigen Fischchen teilen, vielleicht mit hilflosen Karpfen und Forellen: Wäre die Metapher ein Selbstzweck, alles wäre gut. Sie ist angesichts der sportlichen Dominanz durchaus treffend. Man könnte Sky zu einem gelungenen Design beglückwünschen. Die Trikotgestaltung ist aber kein Selbstzweck. Bisher hatte das Team Sky lediglich für sich in Anspruch genommen, den Radsport mit sportwissenschaftlichen Innovationen revolutioniert zu haben. Doch jetzt setzt es sich auch noch für die Rettung der Weltmeere ein. Das ist kein Witz. Ende Mai schloss sich das Radsportteam der Kampagne «Sky Ocean Rescue» des Mutterkonzerns an. Dieser verfolgt das Ziel, für den Plasticmüll im Meer zu sensibilisieren. Vor dem Start der Frankreichrundfahrt erhielten Journalisten eine Broschüre mit durchaus sinnvollen Tipps: Man solle «Sky Ocean Rescue»: Froome und Thomas haben eine Mission. BENOÏT TESSIER / REUTERS Strohhalme ablehnen, rezyklierbare Flaschen und Becher verwenden, Taschen mit langer Lebensdauer tragen und eine eigene Lunchbox mitbringen, statt Wegwerfgeschirr anzunehmen. Das klänge ehrenwert, gehörten Radfahrer nicht selbst zu den grössten Plastic-Sündern. Sie trinken während der Rennen literweise Wasser und Elektrolytgetränke. Sind die Bidons leer, werfen die Fahrer sie in aller Regel an den Strassenrand. Oft landen die Flaschen auf Wiesen und Feldern, manchmal auch in einem Fluss. Nur ein Bruchteil wird von den Teams wieder eingesammelt. In anderen Ausdauersportarten, beispielsweise im Triathlon, wäre das verboten: Dort muss Müll in bestimmten Zonen entsorgt werden, sonst droht die Disqualifikation. Bevor Froome im Mai während des Giro d Italia zu einer spektakulären Soloflucht ansetzte, postierte sein Team am Colle delle Finestre alle zwei Kilometer einen Helfer mit einem neuen Bidon. Froomes Etappensieg war historisch, der entstandene Müllberg ebenfalls. In diesem Jahr ändert das Team Sky nichts. Es formuliert nur eine Absichtserklärung, ab 2020 kein Einweg-Plastic mehr zu verwenden. Ein Versprechen für die Zukunft: Der Radsport hat nun sein Äquivalent zum Kyoto-Protokoll. Der öffentliche Einsatz gegen Plasticmüll wirkt, als engagiere sich eine Fluglinie für den Kampf gegen den Klimawandel. Oder als werbe eine Zigarettenfirma für einen gesunden Lebensstil. Sebastian Bräuer

31 31 JEFF PACHOUD / REUTERS Die anderen Gegner Für die Rivalen von Chris Froome und Geraint Thomas aus anderen Teams geriet die Tour bisher zu einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Zwei von ihnen sind bereits zu Hause. Der Australier Richie Porte brach sich auf der neunten Etappe das Schlüsselbein, der Italiener Vincenzo Nibali auf dem zwölften Teilstück einen Rückenwirbel. Der Kolumbianer Nairo Quintana Romain Bardet Chance seines Lebens. Weil nur einer in Paris ganz oben auf dem Podium stehen kann, steuert die Frankreichrundfahrt in den Pyrenäen auf ein Duell zu, das seine Brisanz durch den Umstand gewinnt, dass beide fürs gleiche Team fahren. Die Protagonisten müssen öffentlich den Eindruck erwecken, alles sei in bester Ordnung. Sie müssen lächeln, ihren Kontrahenten loben, die Einigkeit im Team beschwören. So haben es die PR-Strategen von Sky verfügt. Am Mittwochabend veröffentlichten sie auf Instagram ein Bild, auf dem sich Thomas und Froome begrüssen. Sie klatschen sich strahlend mit ausgestreckten Fäusten ab. Am Donnerstagabend prostete sich das Team johlend mit Champagner zu. Den Fans wird eine heile Welt vorgegaukelt. «Schlitterndes Reptil» Eine von oben verordnete Hierarchie gibt es nicht. Unter der Woche erklärte Teamchef Sir David Brailsford im Gespräch mit der «NZZ am Sonntag», das sei nicht notwendig, weil sich seine beiden besten Fahrer bekanntermassen bestens verstünden. «Geraint ist 32, Chris ist 33», sagte Brailsford. «Das sind keine Jungs mehr. Die wissen, was sie machen.» Thomas und Froome erleben in voller Härte die Schizophrenie des Radsports, in dem die Fahrer in Teams antreten und sich auf der Strecke unterstützen müssen, obwohl am Ende jeder individuell an seinem Ergebnis gemessen wird. Bis anhin spielen sie die Inszenierung in der Öffentlichkeit perfekt mit. «Froomey bleibt der Leader», sagte Thomas nach jedem seiner Tageserfolge. «Ich freue mich für G», sekundierte Froome. Seit 2012 dominiert das Team Sky die Tour de France. An einem besteht mittlerweile kein «Froomey bleibt der Leader», sagte Thomas nach jedem seiner Tageserfolge. «Ich freue mich für G», sekundierte Froome. Zweifel mehr: Der PR-Maschinerie der Briten ist nicht zu trauen. Dass sich Thomas und Froome uneigennützig den Sieg gönnen würden, ist ein romantisierendes Märchen. Die Wahrheit dürfte vielmehr lauten: Hinter verschlossenen Türen fliegen die Fetzen. Das sagt auch einer, der näher dran ist als die meisten. Bradley Wiggins gewann die Tour de France 2012 als Captain von Sky, es war der erste grosse Erfolg der neuen Equipe. Damals musste sich Wiggins gegen Angriffe seines Teamkollegen Froome wehren, der ihn unter anderem im Anstieg nach La Toussuire attackierte. Wiggins stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Er drohte, die Tour abzubrechen und nach Hause zu fahren, obwohl er bereits das gelbe Trikot trug. Wiggins und Froome werden in diesem Leben keine Freunde mehr, ihr teaminterner Streit wirkt bis heute nach. Erst Ende 2017 verunglimpfte Wiggins Ehefrau Catherine den einstigen Rivalen ihres Mannes auf Facebook in Anspielung auf dessen asketisches Aussehen als «schlitterndes Reptil». Umgekehrt giftet Froomes Gattin Michelle auf Twitter gegen Wiggins, sobald sie der Ansicht ist, dieser verhalte sich unanständig. Zum Beispiel, wenn er nach einem Sieg nicht gratuliert. Die Fehde zwischen Froome und Wiggins zeigt: Eine Rivalität im eigenen Lager wirkt besonders vergiftend. Die Wut kann jahrelang anhalten und sogar auf die Familien übergreifen. Wiggins beschrieb vor wenigen Tagen, was seiner Meinung nach derzeit im Team Sky passiert. David Brailsford agiere «spalterisch» und «egoistisch», sagte der Ex-Profi auf Eurosport als Gastgeber einer nach ihm benannten Sendung. «Dave wird beiden sagen, dass sie das Rennen gewinnen können, um sie zu motivieren und beide Karten noch spät im Rennen spielen zu können», so Wiggins. Dem Teamchef gehe es darum, dass einer aus der Equipe gewinne, egal wer. Die Individuen kümmerten ihn nicht. «Er wird den Fahrern ständig in den Ohren liegen, so wie immer.» Auf Wiggins Einschätzung angesprochen, sagt Brailsford: Es stimme, dass er stets das Beste für die Mannschaft wolle. Der Rest sei falsch. Doch wie er stattdessen kommuniziere, verrät er nicht. «Wir haben einen super Plan», sagt Brailsford diabolisch grinsend. Vieles spricht dafür, dass der Plan lautet, beide möglichst lange im Rennen zu halten, um am Ende doch noch einen zu opfern. In den Pyrenäen könnte es nötig sein, dass ein Fahrer seine persönlichen Ambitionen begraben muss. Zum Beispiel auf der nur 65 Kilometer langen 17.Etappe nach Saint-Lary-Soulan. Dort starten die Fahrer gemäss ihrer Platzierung in der Gesamtwertung. Das bedeutet, dass die Helfer von Anfang an zurückliegen. Es gibt in der Geschichte der Tour de France einzelne Beispiele von Doppelspitzen, die bis zum Schluss erfolgreich harmonierten. Das gelingt eher, wenn mehrere Lebensjahre zwischen den Fahrern liegen. Der Spanier Pedro Delgado hatte 1990 seinen Zenit überschritten, aber dennoch konnte sein Team Banesto den aufstrebenden Landsmann Miguel Indurain überzeugen, sich noch einmal in Delgados Dienste zu stellen. Im folgenden Jahr feierte Indurain, unterstützt von Delgado, den ersten seiner fünf Siege. Die Wachablösung zwischen dem Dänen Bjarne Riis und dem Deutschen Jan Ullrich im Team Telekom lief 1996 und 1997 ähnlich ab. Aber das waren Ausnahmen. Dass mannschaftsinterne Rivalitäten zerstörerisch wirken können, zeigte sich zum Beispiel am Giro d Italia Vor der 14. Etappe nach Sappada lagen die Teamkollegen Roberto Visentini aus Italien und Stephen Roche aus Irland auf den Plätzen 1 und 2. Als Roche auf dem schweren Teilstück attackierte, zog er auch Konkurrenten wie den Schweizer Tony Rominger mit, während Visentini Minute um Minute verlor. Roche gewann die Rundfahrt, aber aus kameradschaftlicher Perspektive zahlte er einen hohen Preis. Visentini erreichte nicht einmal das Ziel. Wie schwierig es für Radprofis in körperlichen Extremsituationen sein kann, sich der absoluten Unterstützung der Mannschaft nicht mehr sicher sein zu können, weiss kaum einer besser als Richie Porte. Der Australier war jahrelang der wichtigste Helfer von Froome bei Sky. Seit er bei BMC auf eigene Rechnung fährt, kämpft er mit den Nerven. Vieles spricht dafür, dass der Plan lautet, beide möglichst lange im Rennen zu halten, um am Ende doch noch einenzu opfern. Zuletzt musste Porte Misstöne seines Teamchefs Jim Ochowicz registrieren. Der Australier schied dieses Jahr, wie schon 2017, nach einem Sturz verletzt aus. Porte hat nicht vergessen, dass bei Sky kleine Zeitabstände auf der Strasse grosse Diskussionen im Teambus auslösen können. Im Ziel der sechsten Etappe nach Mûr-de-Bretagne, auf der Froome acht Sekunden Rückstand kassierte, sagte Porte, selbst noch ausser Atem: «Es wird interessant sein, ob Sky jetzt G oder Froomey unterstützt.» Leistungsexplosionen Auch Brailsford weiss nicht, ob Thomas drei Wochen auf höchstem Niveau durchhält. Die besten Resultate des 32-Jährigen an der Tour de France sind bisher zwei 15. Plätze in den Jahren 2015 und Damals hatte Thomas 31:39 Minuten und 28:31 Minuten Rückstand auf den Sieger Froome. Thomas Steigerung ist schon jetzt frappierend und wirft bei Experten Fragen auf. Aber Froomes Entwicklung zum Klassementfahrer verlief einst noch viel abrupter. Im Sommer 2011 versuchte Brailsford vergeblich, seinen damals glanzlosen Helfer an ein anderes Team zu verkaufen. Dann wurde Froome plötzlich wie aus dem Nichts Zweiter an der Spanienrundfahrt. Es folgte Sieg um Sieg. Eine überwundene Krankheit muss als Erklärung für die Leistungsexplosion herhalten. Neben Brailsford und Froome wissen nur wenige Menschen, ob das die ganze Wahrheit ist. Wie weit das Team in medizinische Graubereiche vordrang, ist eine offene Frage. Auch Thomas war damals schon dabei. Vielleicht ist auch das gemeinsame Wissen ein Grund, öffentlich zusammenzuhalten. Nairo Quintana verlor auf der ersten Etappe nach einem Defekt viel Zeit. Seine Mannschaft Movistar will das Team Sky mit einer Dreierspitze attackieren, aber bisher haben er, Mikel Landa und Alejandro Valverde stets Zeit verloren, sobald es ernst wurde. Der Franzose Romain Bardet hat eine schwer fassbare Zahl an Malheurs erlitten. Allein auf der neunten Etappe beklagte er fünf Platten. Drei seiner Teamkollegen sind nach Stürzen ausgeschieden. Am besten steht noch der Niederländer Tom Dumoulin da. Sein grösstes Pech war bisher ein Defekt auf der sechsten Etappe und eine Zeitstrafe von 20 Sekunden, weil er bei der anschliessenden Aufholjagd den Windschatten eines Teamfahrzeugs nutzte.

32 32 Sport NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 DieMachtderTragödie In einer neuen Ausstellung in Köln wird Michael Schumacher als grosser Rennfahrer gezeigt. Wie wird er in Erinnerung bleiben als Weltmeister oder als Patient? Von Samuel Tanner In der Ausstellungshalle im Norden von Köln winkt Michael Schumacher als Sieger vom Podest. Er hat gerade den Grand Prix der Formel 1 in Monza gewonnen. Unter ihm jubeln die Fans mit ihren Fahnen mehr Triumph kann ein Bild nicht zeigen. Der ganze erste Stock der sogenannten Motorworld ist dem erfolgreichsten Rennfahrer der Geschichte gewidmet. Im Eingang steht der Ferrari F2004, mit dem er zu seinem siebenten Weltmeistertitel fuhr. Es folgen Helme, Handschuhe, Overalls, alles aus privater Sammlung. In einem verdunkelten Raum können Fans an einen hohen Tisch stehen und sich fühlen, als stünden sie im Kommandostand am Streckenrand. Es liegen Kopfhörer da, und wenn man sie anzieht, setzt das ewige Dröhnen der Formel 1 ein. Irgendwann erscheint auf einem der Bildschirme der Rennfahrer Michael Schumacher in Lederjacke und sagt: «Geh ans Limit, geh darüber hinaus!» Die Ausstellung ist «eine der weltweit bedeutendsten im Motorsport», wie es heisst. Sie beginnt mit den Kartjahren in Kerpen, nicht weit von Köln, wo Schumacher zum Rennfahrer wurde. Und sie endet im Jahr 2012, mit den «späten Mercedes-Jahren», in der Formel 1. Es geht um Sport, Stärke und Erfolg nur einmal, in einem kleinen Video, klingt an, was mit Michael Schumacher passierte, nachdem er das Cockpit verlassen hatte. Jean Todt, der langjährige Teamchef von Ferrari, sagt: «Kämpfe weiter, Michael. Wir lieben dich.» Die Unfallfolgen Michael Schumacher, 49, verunglückte am 29.Dezember 2013 beim Skifahren in Méribel. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, lag sechs Monate im Koma bis heute gibt es keine positiven Nachrichten von ihm. Die Familie von Schumacher entschied sofort, die grosse Frage nicht immer neu zu beantworten: Wie geht es ihm? Seine Managerin Sabine Kehm sagt: «Michael hätte das nicht gewollt, er hielt sein Privatleben schon immer privat. Zudem brächte jede Antwort neue Fragen mit sich.» Die Medien berichten trotzdem. Schon im Spital in Grenoble versuchten Journalisten, sich als Priester oder als Vater auszugeben, um so in sein Zimmer zu gelangen. Ein Mitarbeiter der Rega soll mitgeholfen haben, Schumachers Krankenakte zu stehlen und an Medien zu verkaufen. Er erhängte sich in der Untersuchungshaft in Zürich. Die publizistische Bad-Taste-Party hörte nie auf. Ein Magazin namens «die Aktuelle» meldete auf seiner Titelseite: «Ein Insider sagt: Er ist nicht mehr unter uns!», die «Woche der Frau» titelte: «Schumi wieder gesund!» Im Dezember 2015 schrieb die «Bunte»: «Es ist mehr als ein Weihnachtswunder er kann wieder gehen.» Als Managerin Kehm die Meldung dementierte, hiess es mancherorts, damit sei eine andere Meldung bestätigt: «Schumacher kann nicht wieder gehen». Die «Bunte» musste am Ende eine Entschädigung von Euro bezahlen. Schumachers Anwalt hat unzählige Klagen gegen unzählige Medien eingereicht, aber es Der späte Schumacher 2006 Nach sieben Weltmeistertiteln (immer mit Ferrari), nach vielen Jahren der roten Hegemonie in der Formel 1, tritt Michael Schumacher zum Ende der Saison erstmals vom Rennsport zurück Für Mercedes kehrt er noch einmal in die Formel 1 zurück. Er kann nicht an die alten Erfolge anknüpfen und beendet seine Karriere als Rennfahrer beim Grand Prix in Brasilien endgültig Beim freien Skifahren in Meribél, Frankreich, stürzt Schumacher und prallt mit dem Kopf auf einen Felsen. Er liegt sechs Monate im Koma seither befindet er sich in Rehabilitation. DPA / KEYSTONE CLIVE MASON / ALLSPORT / GETTY IMAGES An diese Zeiten möchte die Ausstellung erinnern: Michael Schumacher 2001 in São Paulo. geht immer weiter. Michael Schumacher verkauft sich gut. Wenn Corinna Schumacher, seine Frau, mit einem Lachen im Gesicht gesehen wird, gibt es daraus irgendeine Schlagzeile: «Neue Hoffnung! Endlich kann sie wieder lachen.» Oder: «Unglaublich! Woher nimmt sie diese Kraft?» Oder: «Eine neue Liebe macht sie glücklich!» Alles ist möglich. Die Phantasien entstehen in einem seltsamen Vakuum zwischen der Gewissheit, dass Michael Schumacher schwer verletzt ist (und bleibt), und der Ungewissheit darüber, wie seine Situation genau ist. Das führt dazu, dass Google heute hinter dem Namen von Michael Schumacher zuerst den Zusatz «Unfall» vorschlägt. «Rennfahrer» und «Weltmeister» kommen in einer ersten Auswahl nicht vor. Was ist mächtiger, der Triumph oder die Tragödie? Michael Schumacher ist siebenfacher Weltmeister der Formel 1. Er war am Ende der neunziger Jahre der ehrgeizige und biedere und junge Deutsche, der auf das satte und glanzvolle und alte Ferrari traf. Es war die ganz grosse Kombination, Schumacher wurde ein Weltstar (was Ferrari schon war). Gleichzeitig war er ein «spröder Held», wie der «Spiegel» einmal schrieb, scheinbar eindimensional ausgerichtet auf den Sport. Es gab Niederlagen (gegen Mika Häkkinen, gegen eine Öffentlichkeit, die ihn «Schummel-Schumi» nannte), aber nur auf der Rennstrecke. Als er einmal mit 345 Kilometern pro Stunde unterwegs war und hinten links der Reifen platzte, der Wagen gegen die Leitplanken schoss und irgendwann stehenblieb, löste Schumacher einfach den Sicherheitsgurt und stieg aus dem Ferrari. Dann sagte er: «Es hat mich nur ein bisschen durchgeschüttelt.» Das Unglück von Méribel erweiterte diesen Sportler noch einmal um einige Dimensionen. Es ging jetzt nicht mehr um Automotorsport, sondern um den Tod. Dafür interessiert sich die ganze Welt. Täglich kommen Briefe Die Michael-Schumacher-Kollektion in der Motorworld ist der Versuch, die Aufmerksamkeit wieder zurück zu richten auf den Mann, der als «Schumi» bekannt war. Das grosse Unglück kommt hier nicht vor. Dafür gibt es einen Selfie-Automaten, wo man sich mit Schumi fotografieren lassen kann. Die Initiantin Sabine Kehm betont, dass es sich hier nicht um ein Museum handle, sondern um eine Ausstellung. Museum klingt, als gäbe es keine Hoffnung mehr. Noch immer kommen täglich Briefe, die Leute drücken Daumen, sie schreiben: «Irgendwann geht es vielleicht besser.» Aber Sabine Kehm sagt, sie stelle bei vielen Fans fest, dass sie nicht mehr allzu interessiert seien an der Gegenwart und wieder stärker an der Geschichte. Die grosse Frage wie geht Draussen erscheinen immer neue Geschichten. Triumphe sind immer nur für Fans interessant, Tragödien für alle. es ihm? wird von den Fans nicht mehr oft gestellt. Als Kehm in den vergangenen Tagen in der Motorworld in Köln war, sagten die Leute zu ihr: «Wir sind froh, dürfen wir uns wieder an die alten Zeiten erinnern.» An einer Glaswand in der Ausstellung steht, man wolle «Michaels einzigartige Karriere feiern». Aber die Vergangenheit kann nur feiern, wer sich an sie erinnert. Die Motorworld in Köln wirkt wie eine Kapsel für seine Fans sie schleichen um die alten Autos und warten, bis sie irgendwann im Kopf zurückkehren können in die alte Zeit. Es sind nicht viele Leute hier, es ist sehr still, wie in einer Gedenkstätte. Draussen erscheinen neue Geschichten. Triumphe sind immer nur für Fans interessant, Tragödien für alle. Es sei der Familie überhaupt nicht anzumerken, dass Michael Schumacher bis heute mit den Folgen seines Unfalls kämpfe, schreibt die «Bunte» in ihrer jetzigen Ausgabe und bezieht sich auf eine Freundin der Familie. Deutschland und die Formel 1 Motorsport verliert immer stärker an Bedeutung Immer seltener hat der Grand- Prix-Zirkus in der jüngeren Vergangenheit Station gemacht in Deutschland, nur noch alle zwei Jahre kein Vergleich zur Ära von Michael Schumacher, als über ein Jahrzehnt lang sogar zwei Rennen pro Saison auf deutschem Boden ausgetragen wurden. Der Grand Prix heute Sonntag könnte trotz erwarteten Zuschauern der letzte auf längere Zeit sein, weil der Hockenheimring künftig doppelt so viel Startgeld (25 Millionen Dollar) bezahlen soll. Das Risiko ist der Stadt zu hoch, für 2019 ist man raus aus dem WM-Kalender. Obwohl das Weltmeister- Team Mercedes seit Jahren aus Deutschland finanziert wird und Sebastian Vettel mit Ferrari ein chancenreicher Herausforderer Zukunftshoffnung mit grossem Namen: Mick Schumacher. HOCHZWEI / IMAGO ist, droht der Motorsport weiter an Bedeutung zu verlieren. Das hängt auch damit zusammen, dass mit Vettel und Nico Hülkenberg nur noch zwei deutsche Piloten am Start sind. So wenige waren es zuletzt 1996, als Michael Schumacher im Ferrari sassundheinz-harald Frentzen im Sauber. Nico Rosbergs Vertrag wäre zwar bis in die gegenwärtige Saison gelaufen, er fand nach seinem überraschenden WM-Titel 2016 aber keine Motivation mehr, um weiterzufahren. Inden Nachwuchsklassen sind deutsche Talente rar, obwohl Maximilian Günther in der Formel 2 sein erstes Rennen gewonnen hat. Ein Überflieger scheint der 21-Jährige nicht zu sein. Weitere Zukunftshoffnungen tragen einen bekannten Nachnamen: Mick Schumacher, 19, Sohn von Michael Schumacher, fährt in der zweiten Saison der europäischen Formel 3, nach vier Rennen ist er Neunter. In Hockenheim startet im Rahmenprogramm die Formel 4, dort geht David Schumacher als Rookie an den Start. Der 16-Jährige ist der Sohn von Ralf Schumacher, dem Bruder von Michael. Als «Schumi II» gewann er in der Formel 1 sechs Rennen. Sebastian Vettels Bruder Fabian, 19, sieht offenbar keine Karrierechancen in den offenen Einsitzern, er versucht sich in der Lamborghini-Serie. Dominiert werden die Nachwuchsklassen von Briten wie in der Zeit, bevor der deutsche Boom ausbrach. Elmar Brümmer

33 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Sport 33 «Eshatextrem wehgetan» Dass der FC Basel nicht Meister wurde, nagt immer noch an Marco Streller. Der Sportchef glaubt, dass unterschätzt wurde, wie tief der Umbruch im Klub ging. Interview: Christine Steffen, Samuel Burgener NZZ am Sonntag: Marco Streller, kann ein Sportchef im Sommer in die Ferien fahren? Marco Streller: Er kann. Aber richtige Ferien sind es nicht, ich hatte ständig das Telefon am Ohr, musste dreimal pro Tag den Handy-Akku laden. Im Liegestuhl am Telefon? Nicht im Liegestuhl, da täuscht meine Bräune. Es war für meine Familie kein einfacher Sommer. Letztes Jahr nach dem Double-Gewinn hatte ich erwartet, dass bei den Transfers die Hölle los sein wird, doch es lief kaum etwas. In diesem Jahr haben wir versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten dies ist uns nicht gelungen. Was passiert bei Ihnen im Moment, in dem Sie merken: Ich kann Michael Lang nicht halten? Es ist einfacher, mit diesen Dingen umzugehen, wenn man Meister ist. Aber wir haben uns schon lange mit dem Abgang von Michael auseinandergesetzt. Wir wussten, dass er vom Ausland träumte. Schlaflose Nächte hatte ich eher, weil ich befürchtete, dass der Transfer von Silvan Widmer nicht klappen könnte. Und ja: Das 0:5 im Testspiel gegen Feyenoord hat mich beunruhigt. Welche Fragen haben Sie sich gestellt nach dem Feyenoord-Spiel? Ich weiss, dass sich die Medien und auch die Fans fragen, ob wir genug Führungsspieler haben. Aber ich habe mir die Startformation angeschaut, es waren fünf, sechs Führungsspieler dabei. Ich habe sie gefragt: «Jungs, was ist los? Bitte! 5:0? Was soll das?» Gehen Führungsspieler, verliert man auch Sozialkompetenz. Wie können Sie auf die Hierarchien und das Teamgefüge einwirken? Es ist immer sehr komplex, ich kenne den Prozess aus meiner Zeit als Spieler und Captain. Wichtig ist, dass es im Team Leute gibt, die fähig sind zur Empathie. Wir haben sie. Valentin Stocker und Fabian Frei? Im Winter wurden wir kritisiert, weil wir Valentin und Fabian holten. Es gebe ein Durcheinander in der Hierarchie. Vielleicht haben wir das unterschätzt. Beide haben Zeit gebraucht. Heute sind sie auf einem anderen Niveau. Und wir haben eine Reihe weiterer Führungsspieler: Marek Suchy, Serey Die, Luca Zuffi, Taulant Xhaka. Valentin Stocker und Fabian Frei scheinen bei Ihnen einen Beschützerinstinkt zu wecken. Diesen Instinkt wecken auch Breel Embolo, Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka. Wir spielten zusammen. Ich war so etwas wie ihr väterlicher Freund. Sie waren Ziehsöhne von Benjamin Huggel, Alex Frei und mir. Als Sportchef müssen Sie abereine andere Beziehung zu ihnen haben. Es scheint immer noch sehr viel Nähe da zu sein. Das täuscht ein wenig. Ich weiss, dass ich mich zu 100 Prozent auf Valentin und Fabian verlassen kann. Wir haben sie zurückgeholt, weil wir überzeugt sind, dass wir eine erfahrene, starke Achse brauchen. Man holt Spieler aus dem Ausland auch zurück, weil die Gefahr klein ist, dass sie wieder gehen. War Ihnen bewusst, wie angreifbar Sie sich mit diesen Transfers machen? Klar. Ich setze mich der Kritik aus, die in Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht alles kann, und mir sagen, dass ich nichtsostreng sein darf zu mir. Basel heftiger ist als anderswo. Wir waren Zweiter in der Meisterschaft, im Cup-Halbfinal, im Achtelfinal der Champions League. Aber es gibt Leute, die sehen eine Krise. Der FCB wird an den Meistertiteln gemessen. Und an den eigenen Ansprüchen. Der Titel wurde im letzten Jahr als Ziel ausgegeben. Ehrlich: Ich kann und will mich nicht verstellen und Platz 3 als Ziel angeben. Lieber schlage ich mir den Kopf an, als meine Ansprüche anzupassen. Ich übernehme gerne Verantwortung und wenn ich kritisiert werde, kann sich das Team vielleicht besser auf die Arbeit konzentrieren. Sind Sie heute das Gesicht des Klubs? Bin ich das? Sagen Sie es mir. Sie müssen essein. Was ich hier mache, ist kein normaler Job. Ich will es unbedingt richtig machen. Egal in welcher Branche: Man muss Fehler machen dürfen, um ein guter Manager zu werden. Und was man unterschätzt: wie viel Arbeit es braucht, um Meister zu werden. Haben Sie diesen Umstand unterschätzt? Mir war bewusst, in welche Fussstapfen ich trete. Und es gibt in Basel Menschen, die warten auf den Misserfolg und schiessen aus dem Hinterhalt. So ein Mensch bin ich nicht. Mir geht es um den Verein, nicht um mich, niemals. Ich will, dass wir erfolgreich sind und die Leute Freude haben. Im letzten Jahr kam in vielen Momenten Freude auf im Stadion. Es gab auch Enttäuschung auf jeden Fall gab es Emotionen. Wir in Basel haben uns an den Erfolg gewöhnt und ein wenig die Demut verloren. In mir hat der verlorene Meistertitel etwas ausgelöst, es hat extrem weh getan. Ich konnte die Feierlichkeiten in Bern nicht anschauen. Und ganz ehrlich: Ich würde den Erfolg in der Champions League für den Meistertitel geben. Kämpfen Sie nicht mit einem Paradox? Einerseits hat man sich über Langeweile beklagt, als der FCB eine Erfolgsmaschine war, andererseits wollen Sie wieder so erfolgreich sein. Es ist schwierig. Wir haben in einem Testspiel neun Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eingesetzt. Das ist doch etwas, das die Leute wollten. Im Erfolg haben sie immer danach verlangt: nach Identifikation. Wirklich? Absolut. Aber schliesslich zählt der Erfolg. Ich hole keinen, nur weil er in Basel geboren wurde. Es gibt keine Garantie dafür, dass der «Was ich hier mache, ist kein normaler Job»: Marco Streller. (Basel, 19. Juli 2018) DANIEL WINKLER Marco Streller Schwieriger Start Der 37-Jährige ist seit gut einem Jahr Sportchef im FC Basel. Er ist auch im Verwaltungsrat des Vereins, der sich nach einem grossen Umbruch 2017 auf allen Ebenen neu formiert hat. Als Spieler wurde Streller achtmal Meister mit dem FCB. Unter der Führung des neuen Präsidenten Bernhard Burgener ist der Klub in der letzten Saison zum ersten Mal seit acht Jahren nicht Meister geworden, doch er erreichte den Achtelfinal in der Champions League. Weg, den die alte Führung gewählt hat, als sie Alex Frei, Benjamin Huggel und mich zurückholte, wieder aufgeht. Ist es denn noch zeitgemäss, dass man auf Identifikation und Lokalkolorit setzt? Darüber kann man diskutieren. Ich bin ein Nostalgiker. Ich finde es schön, wenn auf dem Rasen Leute sind, mit denen man sich identifizieren kann. Als ich im FC Aesch spielte, hatten wir alle den Traum, für den FCB zu spielen. Ich habe es geschafft und spielte immer auch für meine alten Kumpel. Wer im FCB ist, repräsentiert die Region. Mir gefällt das sehr, aber habe auch gelernt, dass es die Leute nicht mehr interessiert, wenn die guten Resultate fehlen. SpürenSie einen Effekt des «Basler Wegs»? Wir müssen den Jungs zeigen, was es bedeutet, für diesen Klub, für diese Region zu spielen. Das Trikot des FCB ist schwerer als das Trikot der anderen Schweizer Klubs. Mein Gefühl ist: Wenn wir mit diesem Weg Erfolg haben, sind die Leute sehr zufrieden. Was willst du erreichen in einem Verein, der alles erreicht hat? Wir können nicht die Champions League gewinnen. Wir müssen einen anderen Weg einschlagen. Das wird schwierig. Aber glauben Sie mir: Auch Bernhard Heusler und Georg Heitz mussten schwierige Zeiten durchmachen. Der Unterschied ist, dass sie am Ende den Titel hatten. Der FCB macht nicht den stabilen Eindruck von früher. Wie weit sind Sie in Ihrem Findungsprozess auf der Führungsebene? Vielleicht haben wir es unterschätzt: Heute glaube ich, dass es mindestens ein Jahr braucht, bis sich alles findet. Wir sind jetzt einen Riesenschritt weiter, man weiss, auf wen man sich verlassen kann. Das war eine grosse Stärke unserer Vorgänger: Es kam kein Blatt zwischen sie. Und sie müssen wissen: Es wird immer wieder versucht, einen Keil zwischen die Leute zu treiben. Von wo? Von überall. Von Leuten, die meinen Job wollten oder den des Präsidenten. Was ist mit Ihnen in diesem Jahr passiert? Ich habe sehr viel gelernt. Ich habe gemerkt, dass es Dinge gibt, die ich nicht allein lösen kann. Ich musste viel übernehmen, auch die Öffentlichkeitsarbeit. Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht alles kann, und mir sagen, dass ich nicht so streng sein darf zu mir. Der Klub bedeutet mir nach meiner Familie alles. Es ist nicht mein Ziel, einmal Sportdirektor zu sein bei Bayern München. Ich bin da, wo ich sein will. Ich mache Fehler, aber ich gebe alles. Das muss eine grosse Belastung sein. Ich schlafe gut. Aber es gibt Phasen, da komme ich heim, meine Kinder wollen mit mir spielen, und ich bin total abwesend kein gutes Gefühl. Meine Familie ist der Ort, wo ich meine Kraft tanke, die mich erdet, sie steht für mich an erster Stelle.

34 34 Sport NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 GelbeKarte Aufgefallen Zahl Verliererinnen Christian Constantin, Besitzer des FC Sion, verweigert Reportern der Zeitung «Le Nouvelliste» die Saison-Akkreditierung. Grund: Unliebsame Kommentare des Chefredaktors. REUTERS Tiger Woods, nahe dran Trotz einer hervorragenden dritten Runde von 66 Schlägen (5 unter Par) hat Woods am British Open im schottischen Carnoustie nur noch geringe Chancen auf den Sieg. Er liegt hinter Jordan Spieth, der schlaggleich mit Xander Schauffele und Kevin Kisner die Leaderposition einnimmt. Spieth ist Favorit vor den letzten 18 Löchern auf dem Par-71-Kurs. (sda) Schweizer So viele Saisonkarten verkauft Juventus Turin im Maximum sie sind nach dem Zuzug von Cristiano Ronaldo schon weg Zuschauer haben im Juve-Stadion Platz. Es wird also schwierig, Karten für Juve- Spiele zu bekommen. (ram.) U 19 Für die Schweizer U-19-Frauen wird der Halbfinaleinzug an der Heim-EM zur Herkulesaufgabe. Das Team von Nora Häuptle verlor das zweite Gruppenspiel gegen Spanien 0:2 und braucht am Dienstag gegen das bisher makellose Norwegen einen klaren Sieg. Norwegen hat nach dem 1:0 gegen Frankreich die Halbfinalqualifikation bereits auf sicher. (sda) KEYSTONE Schwingen Giger siegt auf dem Weissenstein Samuel Giger feierte auf dem Weissenstein ein perfektes Comeback. Nach fast zweimonatiger Pause gewann der Thurgauer das Bergkranzfest auf dem Solothurner Hausberg mit 59,50 Punkten souverän. Wegen der Lehrabschlussprüfung als Zimmermann und einer Schnittverletzung am Daumen hatte Giger seit Ende Mai keinen Wettkampf mehr bestritten. Bei der Rückkehr zeigte sich der erst 20-jährige Thurgauer wieder in Topform. Er räumte alle Konkurrenten aus dem Weg, im Schlussgang den Appenzeller Michael Bless. Mit dem ersten Zug (Kurz) warf Giger den Nordostschweizer zu Boden, drückte erfolgreich nach und stand nach nur 20 Sekunden als Festsieger fest. Mit dem zweiten Triumph in einem Bergfest nach der Schwägalp 2016 setzte Giger eine bemerkenswerte Serie fort. Giger war vor seinem Start auf dem Weissenstein nur zu drei Wettkämpfen angetreten. Schon am Thurgauer, am Zürcher und am St.Galler Kantonalen hatte das Supertalent obenaus geschwungen. Einen emotionalen Abschied vom Schwingsport erlebte Bruno Gisler, der zweifache Sieger auf dem Weissenstein (2003 und 2013). Dem besten Nordwestschweizer Schwinger der letzten Jahre blieb der perfekte Abgang jedoch verwehrt. Im sechsten Gang stellte der bald 35-jährige Landwirt und verpasste den 128.Kranz seiner Karriere. (sda) Formel 1 Qualifying GP von Deutschland Vettel und die grossen Gefühle 1. Vettel (GER) 1:11, Bottas (FIN) +0, Räikkönen (FIN) +0, Leclerc (MON) +1,505. Nach dem 2. Teil out: Ericsson (SWE). Der Samstag an einem Formel-1- Wochenende birgt häufig entscheidende Momente. Ein harter Arbeitstag, oft schon vorentscheidend für das Rennen. Selten aber der Tag für grosse Gefühle. Zu viel Ungewissheit liegt noch vor den Protagonisten. Doch die Qualifikation für den Grossen Preis von Deutschland zeigte, wie viele Emotionen tatsächlich im Motorsport schlummern. Das Ende eines völlig verregneten dritten Trainings sorgte zunächst für ein Gefühlshoch beim Rennstall von Sauber, nachdem Charles Leclerc und Marcus Ericsson die Zeitenliste toppten. Allerdings waren auch nur neun Fahrer auf der nassen Piste. Auf der trockenen Piste im richtigen Qualifying schlugen sich der Monegasse und der Schwede aber ebenfalls beachtlich. Ericsson war auf dem Sprung in die Top Ten, blieb dann auf Rang 13. Leclerc schaffte es mit einer weiteren starken Darbietung auf den neunten Startplatz. Am Ende des ersten Qualifikations-Abschnittes spielte sich ein Drama ab, das entscheidenden Einfluss auf die WM-Entscheidung haben könnte. Am Ende der Startgeraden geriet Lewis Hamilton ein Stück zu weit auf die Randsteine, Funken sprühten. STEVEN TEE / SUTTON / FRESHFOCUS «Manchmal spürt man, dass man etwas Besonderes in der Hand hat»: Sebastian Vettel. Die Qualifikation zeigte, wie viele Emotionen im Motorsport schlummern. Sofort danach kam der Aufruf vom Kommandostand: «Stopp das Auto. Stopp, Stopp, Stopp!» Die Hydraulik hatte versagt. Mithilfe der Streckenposten wollte der Weltmeister seinen Silberpfeil Richtung Garage schieben, doch die Verzweiflungstat scheiterte. Später kniete er an der Fahrzeugnase nieder, der Brite schien zu beten. Hamilton geht heute Sonn- tag von Startplatz 14 ins Rennen. Es ist das dritte Problemrennen in Folge für ihn: In Spielberg fiel sein Auto aus, in Silverstone musste er sich nach einem Startunfall von hinten nach vorn kämpfen. Der Verlust der WM-Führung war die Folge. Auch heute wird er wieder zu einem Comeback gezwungen. Sebastian Vettel nutzte die Chance und schob sich mit einer überragenden Schlussrunde auf die Pole-Position, seine 55. insgesamt, die fünfte der Saison. «Adrenaline» und «Grande emozione» brüllte der Deutsche ins Helmmikrofon, später bilanzierte er: «Manchmal spürt man während der fliegenden Runde, dass man etwas Besonderes in der Hand hat.» Elmar Brümmer, Hockenheim Beachvolleyball EM Betschart/Hüberli verlieren im Final Tennis Gstaad Cornet als Titelfavoritin Für Nina Betschart/Tanja Hüberli reichte es an der Beachvolleyball- EM in den Niederlanden nicht ganz nach oben. Das Schweizer Duo musste sich im Final den Niederländerinnen Sanne Keizer/ Madelein Meppelink 16:21, 24:26 geschlagen geben. Nina Betschart, die mehrfache Junioren-Welt- und -Europameisterin, zeigte sich nach ihrem ersten Final bei der Elite als faire Verliererin: «Es war keine Frage der Kraft. Die Niederlage rührte daher, weil die anderen besser waren. Wir konnten nicht ganz an die Leistungen der Vortage anknüpfen.» In den Spielen bis und mit den Halbfinals vom Samstagnachmittag hatten sich Betschart/Hüberli als regelrechte «Comeback- Queens» erwiesen. Inklusive Final verloren sie fünf Mal in Folge den Startsatz. Im Endspiel reichte die Leistung aber trotz zwei Satzbällen nicht mehr aus, um auch diese Partie noch zu drehen. Die ersten drei Matchbälle konnten die Innerschweizerinnen noch abwehren, beim vierten führte ein Netzroller zur Entscheidung. Betschart/Hüberli zeigten sich darum enttäuscht über «die verlorene Goldmedaille», weil sie das Potenzial zum ersten Schweizer EM-Titel seit 2004 (Simone Kuhn/Nicole Schnyder-Benoit) gehabt hätten. «Wir hatten als Nummer 5 die Ambition, ganz nach vorne zu kommen», sagte Blockerin Hüberli. Für die 24-jährige Schwyzerin war die Finalniederlage ein halbes Déjà-vu war sie mit Vergeblich gestreckt: Die Schweizerin Nina Betschart im EM-Final. BEAUTIFUL SPORTS / IMAGO ihrer damaligen Partnerin Tanja Goricanec als letztes Schweizer Duo ins EM-Endspiel vorgestossen. Sie verlor es gegen Meppelink und Marleen van Iersel. «Die beiden Turniere sind aber nicht vergleichbar», sagte Hüberli. «Damals waren wir krasse Aussenseiterinnen und gewannen Silber. Nun fühlen wir uns, als hätten wir Gold verloren.» Für die Schweizer Männer war in den Niederlanden spätestens im Viertelfinal Schluss. Mit Nico Beeler/Marco Krattiger schied das letzte Duo in der Runde der letzten acht gegen die spanischen Weltranglisten-Dritten Pablo Herrera/Adrian Gavira mit 19:21, 18:21 aus. Gleichwohl zeigte sich Philippe Saxer, der Direktor Beachvolleyball des Verbands, mit den Leistungen der Männer zufrieden: «Sie haben sich bei der EM sehr gut verkauft und gute Spiele gezeigt, auf die sie stolz sein können. Wir sind auf einem guten Weg, wir müssen weiter Geduld haben.» (sda) Die topgesetzte Französin Alizé Cornet (WTA 48) und die Luxemburgerin Mandy Minella (WTA 226) bestreiten heute Sonntag den Final des Gstaader Ladies Tennis Open. Cornet, einst die Nummer 11 der Welt, fand nach einer enttäuschenden Rasensaison mit nur einem Sieg in Gstaad zur Topform zurück. Im Viertelfinal besiegte sie Samantha Stosur, und im Halbfinal rang Cornet auch Eugenie Bouchard nieder. Die Kanadierin erspielte sich im ersten Satz leichte Vorteile, nützte aber acht Breakmöglichkeiten nicht und gab schliesslich zu Beginn des zweiten Satzes wegen Knöchelproblemen auf. Schon nach fünf Games im ersten Satz hatte sich Bouchard erstmals behandeln lassen. Die grosse Geschichte des Gstaader Frauenturniers ist aber das Comeback von Mandy Minella. Die 32-Jährige brachte im Oktober 2017 ihre Tochter zur Welt. Beim Comeback nach ihrer Baby-Pause läuft es Minella von Turnier zu Turnier besser. «Dieses Comeback fasziniert mich», sagte Finalgegnerin Alizé Cornet. «Seit der ersten Runde gratulierte ich Mandy Minella zu jedem ihrer Siege. Sie hat in den letzten Monaten schon zwei oder drei ITF-Turniere gewonnen. Der Final am Sonntag wird alles andere als einfach für mich.» Cornet kann im Saanenland zum sechsten Mal ein WTA-Turnier gewinnen, auf Sand gewann sie zuletzt vor fünf Jahren in Strassburg einen Titel. Minella steht zum ersten Mal überhaupt in einem WTA-Final. Sie musste sich den ersten Final erdauern. Die 19-jährige Marketa Vondrousova dominierte als Favoritin die Startphase. Vondrousova führte 6:4, 2:2 und 40:15 und gab bis zu diesem Zeitpunkt bei eigenem Aufschlag nie mehr als einen Punkt ab. Dann verlor die Tschechin aber den Faden. Sie verlor sechs Games hintereinander und sicherte sich bloss noch zwei der letzten zwölf Spiele. (sda)

35 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Sport Alle Ergebnisse im Internet unter nzz.ch/sport 35 Gewechselt KEYSTONE Djourou wechselt nach Italien Johan Djourou hat bei Ferrara einen Einjahresvertrag mit Option auf Verlängerung unterschrieben. Ferrara schaffte vorletzte Saison erstmals seit 49 Jahren den Aufstieg in die Serie A. Im Frühling sicherte sich der Klub mit dem 17. Rang knapp den Klassenerhalt. Djourou hat sich mit Antalyaspor auf eine Auflösung seines bis 2019 laufenden Vertrags geeinigt. (sda) Zitiert «Manchmal macht er seine Gegner lächerlich» Weltmeistertrainer Didier Deschamps kritisiert im «Le Parisien» Kylian Mbappé. Er als Spieler hätte Mbappé erwischt: «Das wäre dann nicht nur Gelb.» Vermählt Hingis heiratet Am Freitag gaben sie sich auf dem Zivilstandsamt in Zug das Ja- Wort, am Samstag stieg in Bad Ragaz die grosse Feier. Jetzt folgen für Martina Hingis und Harald Leemann die Flitterwochen. Der Tennisstar und der Sportarzt hatten sich 2016 kennengelernt, als Hingis für das Fed-Cup- Team spielte. Leemann war als Arzt für die Equipe im Einsatz. (cen.) Fussball Super League 0 Luzern 2 Xamax 14. Karlen. 75. Tréand. Nein, so hatte sich René Weiler das nicht vorgestellt. Der neue Chef des FC Luzern musste sich mit seinem Team gegen den ungemein effizienten Super- League-Rückkehrer aus Neuenburg zu Hause geschlagen geben. Gaëtan Karlen in der 14. Minute und Geoffrey Tréand bei Anbruch der Schlussviertelstunde erzielten die Tore für die Xamaxiens. Es waren dies die einzigen richtigen Torchancen der Gäste, die mit starken Testspiel-Resultaten schon angedeutet hatten, dass sie den Schwung aus der Aufstiegssaison mitgenommen haben die einzigen richtigen Torchancen, aber keineswegs Zufallsprodukte. Vor allem den ersten Treffer spielten sie wunderbar heraus. Janick Kamber leitete ihn mit einer präzisen Flanke zu Raphaël Nuzzolo ein, worauf der Topskorer der vergangenen Challenge-League-Saison per Kopf zu seinem Sturmpartner Karlen querlegte, der den Ball nur über die Linie drücken musste. «Xamax machte es gut, sehr clever. Das ist eine routinierte Mannschaft», anerkannte Weiler und mahnte zur Ruhe: «Das war das erste Spiel und nur eines. Wir müssen jetzt einfach gut weiterarbeiten. Manchmal fehlt das nötige Glück.» Es war in der Tat nicht alles schlecht, was die Luzerner den knapp 9000 Zuschauern boten. Sie waren spielbestimmend, und mit zunehmender Dauer glich das Spiel Einbahnfussball, zudem hatten die Luzerner einen Pfostenschuss zu beklagen. (sda) Rad Tour de France Bitteres Ende für Basel Basel Quintilla (Eigentor). 2 St.Gallen 57. Itten 94. Sierro. Man wusste, wie der Trainer Peter Zeidler seine Mannschaften spielen lässt. Trotzdem erstaunte es, wie viel Mühe der FC Basel bekundete mit dem solidarischen, vehementen Pressing und der offensiven Grundeinstellung der St.Galler vor allem in der Anfangsphase. Was im Vorfeld der Saison zu vernehmen war, sah man auf dem Platz. Die Basler suchen nach dem Titelverlust an YB und den Abgängen von drei Leistungsträgern ihren Stil, ihre Identität und die Mannschaftsteile ihre Bindung untereinander. Behäbig wirkte, was die Basler anfangs anstellten. Es fehlten Tempo und auch eine gewisse Zweikampfhärte. Will man es positiv formulieren: Die Basler begutachteten zuerst den Gegner und überlegten vielleicht, wie lange die St.Galler diese energiezehrende Art zu spielen durchhalten können. Zeidlers Team löste die Angriffe mit den zwei Verteidigern Vilotic und Hefti und dem zurückfallenden Sechser Quintilla aus. Mehr Offensive geht fast nicht. Das ist mutig im Stadion des stolzen FCB, der eigentlich im Sinn hat, im St.-Jakob-Park wieder eine Macht zu werden. Das ist schon einmal gründlich misslungen. Der FCB kam langsam in Fahrt, wie ein grosser Dampfer auf hoher See, und die Sticheleien ANDY MUELLER / FRESHFOCUS Ein Weitschuss mit Folgen: Cedric Itten erzielt das 1:0 für den FC St.Gallen. des Pressings des aufsässigen Gegners taten etwas weniger weh, je länger die Partie dauerte. Die Ostschweizer hatten aber nicht nur ein grosses Herz und viel Mut, sie besassen auch spielerische Klasse. Spieler wie Ashimeru und Kutesa überzeugten in Die nächsten Spiele Am Sonntag: YB - GC (SRF 2), Sitten - Lugano, FCZ - Thun (16 Uhr). Am Dienstag: Qualifikation Champions League: PAOK Saloniki - Basel. Am Donnerstag: Europa League: St.Gallen - Sarpsborg. einem starken Kollektiv, das bis zum Schluss an den Coup glaubte. St.Gallen ging nach knapp einer Stunde in Führung. Itten verschaffte sich mit einer Körpertäuschung Raum und traf mit dem linken Fuss wunderschön in die entferntere Ecke. Schon vor dem Rückstand hatte der FC Basel aber besser ins Spiel gefunden, der Dampfer hatte an Wucht gewonnen, die Torchancen häuften sich (Kalulu, Ajeti, Bua), und vielleicht war es kein grosser Zufall, dass der zunehmende Druck zu einem Eigentor der Ostschweizer führte. Quintilla missriet in der Defensive ein Kopfball. Viele hatten sich schon mit dem Remis abgefunden, als das Team von Zeidler nochmals letzte Energien mobilisierte und es tatsächlich praktisch mit dem Schlusspfiff nach 4 Minuten Nachspielzeit schaffte, sich für eine tolle Leistung gar mit drei Punkten zu belohnen. Einwechselspieler Aratore traf zum Siegestreffer. Für Basels Goalie war der Ball schwierig zu halten, weil er von Sierro noch abgefälscht war, sonst wehrte Omlin einige Male ausgezeichnet ab. Basels Trainer Wicky sprach vom «Bittersten», was passieren könne, in der letzten Sekunde noch so zu verlieren. Er war von der Leistung insgesamt angetan, einzig die vielen vergebenen Torchancen liessen ihn unzufrieden zurück. Die Hoffnung liegt jetzt bereits auf dem nächsten Spiel in Saloniki am nächsten Dienstag. Basel startet in die Champions- League-Qualifikationskampagne. Und der Ostschweizer Trainer Zeidler freute sich «an den tollen Emotionen, die wollen und brauchen wir». Auch der FC Basel hätte sie ganz gut gebrauchen können. Bernhard Brunner, Basel Sport im TV Omar Fraile triumphiert am Montée Laurent Jalabert Tennis 11.30SRF 2: WTA-Turnier Gstaad, Final. 1. Fraile (ESP) 4:41:57 2. Alaphilippe (FRA) +0:06 3. Stuyven (BEL) +0:06 Gesamtwertung: 1. Thomas (GBR) 58:10: Froome (GBR) +1: Dumoulin (NED) +1:50. Der Flughafen Mende-Brenoux ist von Mende aus nur über eine respekteinflössende Rampe zu erreichen, drei Kilometer lang und 10,2 Prozent steil. Schon mitten im Dorf beginnt das Strässchen unvermittelt, sich in Richtung Himmel zu winden. An der Tour de France 1995 triumphierte der Franzose Laurent Jalabert an dieser mutmasslich steilsten Flughafenzufahrt der Welt. Aus patriotischer Begeisterung wurde der Anstieg nach dem damaligen Etappensieger benannt. An der Tour de France 2018 nahm der Belgier Jasper Stuyven den Montée Laurent Jalabert als Erster in Angriff. Er hatte sich aus einer 32-köpfigen Ausreissergruppe gelöst und einige Kilometer als Solist absolviert. Stuyvens Hoffnungen, am belgischen Nationalfeiertag einen Etappensieg feiern zu können, erfüllten sich indes nicht. Er wurde noch vom Spanier Omar Fraile überholt, der sich den Tageserfolg sicherte. Auch der Franzose Julian Alaphilippe zog auf den letzten Metern des Anstiegs noch an Stuyven vorbei und wurde Zweiter. Der Slowake Peter Sagan bewies als Vierter, dass er nicht nur sprinten kann, sondern auch klettern, wenn es nötig ist. Falls ihn keine Stürze oder Pannen bremsen, ist dem dreifachen Weltmeister das grüne Trikot des besten Sprinters kaum noch zu nehmen. Der Ausreissergruppe gehörte auch der Schweizer Stefan Küng an. Er konnte amschlussanstieg nicht ganz mit der Spitze mithalten und landete mit 2:07 Minuten Rückstand auf Rang 17. Weil die Geflüchteten vor Etappenbeginn in der Gesamtwertung Omar Fraile feiert einen Solosieg. allesamt einen grossen Rückstand hatten, bemühten sich die Teams der Favoriten in keiner Phase des Rennens ernsthaft, sie wieder einzuholen. Im Gegenteil: Der Abstand zwischen Ausreissern und Hauptfeld betrug zeitweise 20 Minuten. Nach der stundenlangen, vergleichsweise gemütlichen Anfahrt lieferten sich auch die Klassementfahrer am Montée Laurent Jalabert einen kleinen Showdown. Auf den ersten steilen Metern forcierte der Schweizer Mathias Frank aus dem Team KIM LUDBROOK / EPA / KEYSTONE AG2R das Tempo, um seinem französischen Leader Romain Bardet eine Attacke zu ermöglichen. Der Einsatz war jedoch umsonst: Bardet erwischte einen schlechten Tag, verlor den Anschluss an die Spitze und am Ende 14 Sekunden auf den Gesamtführenden Geraint Thomas. Dafür gelang es dem Slowenen Primoz Roglic, einige Meter zwischen sich und seine Konkurrenten zu legen. Er rettete acht Sekunden Vorsprung auf Thomas ins Ziel. Roglic ist weiterhin Gesamtvierter. Der Brite Chris Froome und der Niederländer Tom Dumoulin waren gleich schnell wie Thomas. Somit blieben die Zeitabstände der ersten drei Fahrer des Gesamtklassements unverändert. Vor dem zweiten Ruhetag am Montag steht am Sonntag eine weitere Bergetappe an. Auf 181,5 Kilometern von Millau nach Carcassonne sind drei klassierte Anstiege zu bewältigen. Sebastian Bräuer, Mende Rad Eurosport: Tour de France, 15. Etappe ARD: Tour de France, 15. Etappe SRF info: Tour de France, 15. Etappe. Automobil SRF 2: Formel-1-WM, GP Deutschland SRF info: Formel-1-WM, GP Deutschland. Fussball SRF 2: Young Boys - GC SRF 2: Super League Goool Ski nordisch Eurosport: Skispringen, Sommer- Grand-Prix, Wisla. Fechten Eurosport: WM Wuxi. Allgemein SRF 2: sportpanorama SRF 2: sportflash.

36 Freizeitsport NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Was die Haut alles leistet und wie man sie richtig pflegt Sieistunsergrösstes Organ, kühltdenkörper, schützt und versorgt ihn. Aber Sonne, Wasser und Co. machen der Haut zu schaffen. Von Jrene Rolli Nach intensivem Ausdauertraining gönnen wir uns ausreichend Schlaf, beanspruchte Muskeln versorgen wir mit Proteinen, regelmässig dehnen wir und gelegentlich greifen wir zu Salben, Bädern oder weiteren regenerativen Massnahmen. Um unsere Haut, die während des Sports Unglaubliches ganz selbstverständlich leistet, kümmern wir uns beiläufig oder gar nicht. Am meisten beklagen sich sportliche Patienten in der Praxis des Dermatologen Christian Mnich über trockene Haut. Wer Sport treibt, duscht nicht selten mehrmals am Tag. Auf das Duschen zu verzichten, ist keine Lösung. Stattdessen rät Mnich, bei der Qualität der Produkte und der Wassertemperatur aufmerksam zu sein: «Zu heiss und zu lange duschen stört die natürliche Schutzfunktion der Haut. Gewisse Duschmittel, wieklassische Seifen, reizen sie zusätzlich. Daher empfehle ich Waschsyndets mit einem ph-wert von 5,5 oder Waschöle zu benutzen.» Auch nach dem Duschen sind die Inhaltsstoffe der Produkte entscheidend. «Eine pflegende Bodylotion ohne Emulgatoren; diese lösen die körpereigenen Hautfette heraus und trocknen die Haut dadurch zusätzlich aus», sagt Mnich. Gute Fusspflege Wird trockene Haut rissig, kann es sogar gefährlich werden, da diese Stellen perfekte Eintrittspforten für Krankheitserreger wie Pilze und Viren bilden. Paradebeispiel hierfür sind die Füsse und die oftmals rissigen Fersen. Eine gute Fusspflege bedeutet nicht nur, die Füsse mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen, sondern auch das Gegenteil: «Ein feuchtwarmes Klima in Schuhen bildet optimale Bedingungen für Pilze. Daher für frische Luft sorgen und nach dem Duschen die Zehenzwischenräume gut trocknen», rät der Experte. In öffentlichen Umkleiden und Bädern schützen Badelatschen zuverlässig vor Infektionen. In Bädern desinfiziert Chlor zwar das Wasser, die chemische Zusammensetzung reizt jedoch die Haut zusätzlich. Vorab eine schützende Crème oder Vaseline aufzutragen, sorgt für einen wasserabweisenden Film auf der Haut und stärkt die natürliche Schutzbarriere. Das vorherige Eincremen ersetzt nicht die anschliessende Pflege. Dasselbe gilt für Sonnenschutzprodukte, selbst wenn sie wasserfest sind. Vor der Angabe «wasserfest» warnen die Experten: Sie gaukelt den Konsumenten eine falsche Sicherheit vor. Die Labors testen die Produkte nicht in alltagsüblichen Situationen. Sonnenschutzmittel gelten als wasserfest, wenn sich nach 20 Minuten im Wasser Gut aussehen beim Sport DAVID MADISON / GETTY IMAGES Wird trockene Haut rissig, kann es gefährlich werden: Sie wird zur Eintrittspforte für Pilze und Viren. Grundsätzlich ist Sporttreiben die beste Pflege für eine schöne Haut: Denn die erhöhte Sauerstoffzufuhr versorgt die Zellen optimal, und der abgesonderte Schweiss stärkt die natürliche Schutzbarriere der Haut. Zudem strafft regelmässige Bewegung unser Bindegewebe. Forscher der McMaster University in Ontario wiesen sogar nach, dass Sport einen Anti Aging Effekt auf die Haut hat. Das gilt selbst dann, wenn jemand erst im Seniorenalter mit der körperlichen Betätigung beginnt. Eine ebenso natürliche Körperfunktion wie die Schweissproduktion ist bei intensiven sportlichen Aktivitäten der rote Kopf. Er ist die Folge von Gefässen, die sich aufgrund der Wärme erweitern und helfen, den Körper abzukühlen. Vielen Sporttreibenden ist das aber unangenehm etwa nach einem Workout über Mittag, wenn gleich danach die nächste wichtige Sitzung ansteht. Um einen hochroten Kopf nach dem Sport schnell wieder in Normalzustand zu bekommen, hilft Abkühlen. Am besten mit kaltem Wasser. «Oder man kann nach dem Sport ein Make up mit grünen Pigmenten verwenden», sagt Laura von Niederhäusern, mindestens 50 Prozent der ursprünglichen Schutzleistung auf der Haut befinden. Daher gilt während schweisstreibenden Sports und nach jedem Aufenthalt im Wasser: nachcremen. Und das am besten dick und mit dem höchsten verfügbaren Lichtschutzfaktor. Oft tragen wir im Alltag nur die Hälfte der Menge auf, die bei Labortests benutzt wird. Entsprechend empfiehlt sich wiederholtes Auftragen, um den maximalen Schutz aufrechtzuerhalten. Das Wichtigste bei der Wahl eines Sonnenschutzproduktes: dass wir es gerne auftragen und nicht zweimal überlegen, ob wir es tun oder nicht. Der Griff zum Sonnenschutzspray ist nicht ideal: Mehr als die Hälfte geht beim Sprayen an die Umgebung verloren, entsprechend landet oft nicht genügend auf der Haut. Zudem ist bei Aktivitäten draussen und im Wasser das Tragen von spezifischer Sonnenschutzkleidung mit dem UV-Standard 801 ratsam. Diese schützt besser vor UV-Strahlen, als dies Sonnenschutzprodukte tun. Sonnenschutzmittel sollten 15 bis 20 Minuten auf der Haut antrocknen, bevor es an die Sonne geht. Die Wirkung entfalten sie jedoch ab der ersten Minute. stellvertretende Geschäftsführerin von Kosmetik Bellezza. Von Make up während des Sporttreibens rät von Niederhäusern ab. Besonders von Produkten, die Paraffine und Silikone enthalten: «Diese bilden eine undurchdringliche Schicht, stören die normale Funktion der Schweissdrüsen, und es gibt einen Wärmestau unter der Haut.» Schön sieht das dann auch nicht mehr aus. Wer unbedingt auch für sportliche Aktivitäten Make up auftragen will, greift gemäss der Expertin am besten zu einem leichten Mineralpuder. Aber wie machen das all die durchtrainierten und perfekt gestylten Fitnessmodels, die ohne eine einzige Schweissperle von Plakatwänden lachen und in Magazinen posieren? «Diese Bilder entsprechen nicht der Realität», sagt Teresa Walter, Triathletin und selber als Fitnessmodel tätig. Sie bezeichnet sich als glücklich, mit Marken zusammenzuarbeiten, bei denen das authentische Bild eines Sportlers im Vordergrund steht und wo Schweiss und rote Backen dazugehören. Walter selbst trägt fürs Training nur Wimperntusche. Wasserfeste Tusche hält auch Schweiss stand. Jrene Rolli Die zur Sportart passende Kleidung schützt die Haut und unterstützt die Temperaturregulation des Körpers, für welche die Schweissdrüsen zuständig sind. Schwitzen ist überlebenswichtig, sonst überhitzt der Körper. Von aluminiumhaltigen Deodorants, welche diese natürliche Hautfunktion unterdrücken, raten Experten ab. Die Aluminiumsalze hemmen den Schweissfluss und schaden der Gesundheit langfristig. Umstellung braucht Geduld Oft vergessen geht unsere Kopfhaut, da die Haare meist mehr Aufmerksamkeit erhalten. Sonne und falsche Pflege schaden jedoch der Kopfhaut stärker als den Haaren. Eine Kopfbedeckung als Sonnenschutz und ein mildes Shampoo bilden eine gute Basis. Zudem sollte die Kopfhaut nur gewaschen und geföhnt werden, wenn es wirklich nötig ist. Eine optimale Pflege lässt sich gut in den Alltag einbauen. Einzig etwas Geduld ist gefragt: Wer auf neue Produkte umsteigt, spürt nicht ab der ersten Anwendung eine Besserung. Die Haut benötigt Tage oder Wochen, bis sich natürliche Rückfettung und Schweissproduktion normalisieren. Hilft gegen einen roten Kopf: Abkühlen. GETTY IMAGES Sportberatung Paolo Colombani Sind kalte Getränke wirklich ungesund? Tippt man bei Google «kalte Getränke» ein, erscheint als einer der ersten Vorschläge «kalte Getränke ungesund». Und man findet auch die Erklärung: Kalte Getränke müssen im Körper aufgewärmt werden, und dies sei nicht gut. Immer wieder wird auch im Sport geraten, keine kalten Getränke zu trinken. Aber gleichzeitig heisst es, man solle sich bei Wärme kühlen, um nicht zu überhitzen. Ein Widerspruch? Zum Glück hilft uns hier die Forschung. Bietet man Wasser zu verschiedenen Temperaturen an, ohne dass die Trinkmenge vorgeschrieben wird, wird kaltes Wasser in einer grösseren Menge getrunken als warmes Wasser. Wenn kalte Getränke so ungesund wären, müsste der Körper nicht einen Schutzmechanismus gegen das Trinken von kaltem Wasser entwickelt haben? Bei jeder Muskeltätigkeit wird Wärme freigesetzt. Und wenn diese nicht abgeführt wird, kann sie die Leistung beeinträchtigen oder zu Überhitzung führen. Der hierfür programmierte Weg ist das Schwitzen und die anschliessende Verdunstung des Schweisses. Die in den Muskeln freigesetzte Wärme gelangt an die Hautoberfläche und von dort in den Schweiss. Beim Verdunsten des Schweisses wird dann die Haut gekühlt, und die Leistungsfähigkeit bleibt erhalten. Das Trinken gekühlter oder kalter Getränke hat denselben Effekt: Es kühlt den Körper, nur von innen. Ob die Kühlung bei Muskeltätigkeit von innen oder von aussen erfolgt, ist dem Körper egal. Kühle Getränke führen entsprechend zu einer etwas besseren beziehungsweise längeren Leistungsfähigkeit während sportlicher Aktivitäten, insbesondere in der Hitze. Diese Erkenntnis liess die Frage aufkommen, ob bei hohen Temperaturen eine stärkere Kühlung als mit kalten Getränken zu einer noch besseren Leistungsfähigkeit führt. Anstatt gekühlter Getränke wurde Eis eingesetzt, in Form von Slushies, halb gefrorenen Getränken. In der Tat führten diese Eis Getränke manchmal, wenn auch nicht immer, zu einer effektiveren Kühlung während der sportlichen Belastung. Die Leistung war entweder gleich gut oder besser im Vergleich mit gekühlten oder kalten Getränken. Gekühlte Getränke oder Slushies sind also eine gute Wahl, insbesondere bei Hitze und grossen Schweissverlusten. Kalte Getränke können somit nicht prinzipiell als ungesund eingestuft werden. Wer darauf mit Zahnschmerzen reagiert oder einen kälteempfindlichen Magen hat, kann problemlos wärmere Getränkevarianten wählen. Dr. Paolo Colombani ist Ernährungswissenschafter. Nach fast 20 Jahren Forschung (ETH Zürich) ist erjetzt Chief Science Officer bei der Vegisan AG.

37 STEVE BAUERSCHMIDT / IMAGO NZZ am Sonntag 22. Juli Mähdrescher So funktionieren die Giganten der Felder eine Infografik 40 Heiss und trocken Das Sommerwetter 2018 nähert sich weltweit neuen Rekorden 39 COLOURBOX Die biologische Uhr wird ausgetrickst: Friert eine Frau im Alter von 32 ihre Eizellen ein und verwendet sie mit 42, dann hat sie etwa die Chance einer 32-Jährigen, schwanger zu werden. Aufdenrichtigen Mannkommtesan Viele Frauen lassen heute ihre Eizellen einfrieren, um auch später noch schwanger werden zu können. Firmen wie Google unterstützen dies, doch den Frauen geht es nicht um die Karriere. Von Theres Lüthi Frauen sind beruflich im Nachteil. Genau in den Jahren, in denen wichtige Karriereentscheidungen getroffen werden, müssen sie kürzertreten und Kinder auf die Welt bringen. Die Fruchtbarkeit einer Frau nimmt nämlich ab 35 dramatisch ab und liegt im Alter von 45 praktisch bei null. Seit einigen Jahren gibt es jedoch eine Möglichkeit, die altersbedingte Abnahme der Fruchtbarkeit zu überwinden. «Social Freezing» bezeichnet die Methode, bei der Frauen im gebärfähigen Alter ihre Eizellen einfrieren lassen, um sie zu gegebener Zeit, nachdem sie die Karriereleiter emporgeklettert sind, aufzutauen und daraus Kinder zu machen. «Friert eine Frau ihre Eizellen im Alter von 32 Jahren ein und verwendet sie im Alter von 42, dann hat sie etwa die Chance der 32-Jährigen, schwanger zu werden», sagt Bruno Imthurn, Leiter des Kinderwunschzentrums am Universitätsspital Zürich. Das Alter der Gebärmutter spielt eine untergeordnete Rolle. Firmen wie Apple und Facebook offerieren ihren Mitarbeiterinnen seit 2014 diesen Dienst. Sie bezahlen bis zu Dollar für Entnahme, Einfrieren und Aufbewahren der Eizellen, damit Frauen Karriere und Kinderkriegen besser koordinieren können. «Social Freezing» ist eine der am schnellsten wachsenden Dienstleistungen in Reproduktionskliniken. Machten in den USA im Jahre 2013 noch 5000 Frauen davon Gebrauch, werden es dieses Jahr schätzungsweise sein. Immer mehr Frauen entscheiden sich für die Möglichkeit, das Kinderkriegen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Nur: Sie tun es nicht ihrer Karriere zuliebe. Wie eine Studie zeigt, tun sie es aus einem viel näherliegenden Grund: weil sie keinen Partner haben. DieFruchtbarkeit einer Frau nimmt ab 35 dramatisch ab und liegt im Alter von 45 Jahren praktisch bei null. Marcia Inhorn, Anthropologin an der Yale University, interviewte 150 Frauen, die an verschiedenen IVF-Kliniken in den USA und in Israel ihre Eizellen einfrieren liessen. Sie waren 29 bis 42 Jahre alt, die meisten waren zwischen 35 und Prozent der Frauen waren zum Zeitpunkt der Eizellen-Entnahme alleinstehend. «Entweder waren sie schon lange single, oder sie kamen aus einer Scheidung heraus», sagt Inhorn. «Einige Frauen konnten ihre Ex-Männer sogar dazu bringen, im Rahmen der Scheidungsvereinbarung für das Einfrieren der Eizellen aufzukommen.» Die übrigen 15 Prozent der Befragten hatten zwar einen Partner. Dieser war aber entweder nicht bereit, Kinder zu haben, oder er führte mehrere Beziehungen. Für die Frauen war es in erster Linie die Unsicherheit, in nützlicher Frist noch einen Fortsetzung Seite 38

38 38 Wissen NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Auf den richtigen... Fortsetzung von Seite 37 geeigneten Partner zu finden, die sie zu dem Schritt bewog. Entgegen weitverbreiteten Vorstellungen stand die Karriere als Motiv auf dem hintersten Platz. «Die meisten Frauen hatten zum Zeitpunkt der Eizellen Entnahme ihre Karriereziele bereits erreicht», sagt Inhorn. «Was ihnen fehlte, war ein stabiler Partner, um ihre Reproduktionsziele zu erreichen.» Ähnlich sieht es in der Schweiz aus. Laut Imthurn legen am Universitätsspital Zürich derzeit etwa 40 bis 50 Frauen pro Jahr ihre Eizellen auf Eis, Tendenz klar steigend. «In meiner Erfahrung war die Karriereplanung noch nie der Grund.» Meist seien es Frauen, die in einer langjährigen Partnerschaft waren und sich bereits mit dem Thema Kinder befasst hatten. Dann sei die Beziehung aber in die Brüche gegangen. «Die Frau ist dann vielleicht 35 Jahre alt und weiss, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt», sagt Imthurn. Wo bleiben die Männer? Warum aber bekunden derart viele Frauen Mühe, einen geeigneten Partner zu finden? Eine Rolle spielt laut Inhorn die wachsende Bildungsschere. So verfügen heute in praktisch allen westlichen Ländern mehr junge Frauen als Männer über eine höhere Bildung. «Ist man an einer Partnerschaft interessiert mit ähnlichem Bildungshintergrund, dann ist es für Frauen heute schwieriger geworden», sagt Inhorn. Kommt hinzu, dass gerade im Alter zwischen 30 und 40 eine gewisse Asymmetrie zwischen Mann und Frau besteht. Während bei Frauen die Zeit drängt, haben Männer mehr Zeit. Viele Männer scheuen denn auch den Druck, sich sofort über das Kinderhaben entscheiden zu müssen. «Frauen, die dann ihre Eizellen einfrieren lassen, empfinden dies häufig als entlastend, zumal sie damit etwas Zeit gewinnen», sagt Andrea Büchler, Präsidentin der Nationalen Ethikkommission, die 2017 eine umfassende Stellungnahme zum Thema «Social Freezing» publiziert hat. Tatsächlich greift aber nur ein kleiner Bruchteil der Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, jemals auf diese zurück. Dies zeigt eine Studie aus Brüssel. Von 563 Frauen, die zwischen 2009 und 2017 ihre Eizellen auf Eis legten, kehrten nur 8 Prozent der Frauen zurück, um sie für eine Befruchtung zu verwenden. Die anderen Frauen dürften entweder auf natürlichem Weg schwanger geworden sein oder sich für ein Leben ohne Kinder entschieden haben. «Das Einfrieren der Eizellen ist eine Versicherung», sagt Büchler. «Man hofft, dass der Versicherungsfall nicht eintritt. Tritt er dennoch ein, hat man vorgesorgt.» Die Brüsseler Studie lieferte einen weiteren wichtigen Befund: Von den Frauen, die ihre Eizellen auftauten, wurde nur ein Drittel schwanger. Mitanderen Worten: Das «Social Die eingefrorenen Eizellen können aufgetaut und für eine In-vitro-Befruchtung verwendet werden. Versicherung für spätere Schwangerschaft Kosten belaufen sich auf etwa Franken Rasches Abkühlen verhindert Schäden. KEYSTONE Die Kryo-Konservierung von Eizellen wurde ursprünglich für Krebspatientinnen entwickelt, die durch eine Chemo- oder Strahlentherapie häufig unfruchtbar werden. Indem ihnen vorsorglich Eizellen entfernt und auf 196 C hinunterkühlt werden, können sie zu einem späteren Zeitpunkt auf diese Eizellen zurückgreifen und sie für eine In-vitro-Befruchtung verwenden. In jüngerer Zeit wird das Verfahren auch von gesunden Frauen angewendet, um zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden zu können. «Social Freezing» ist in der Schweiz erlaubt. Die hormonelle Stimulation und Entnahme der Eizellen kostet pro Zyklus etwa 4000 Fr. Oft sind jedoch mehrere Zyklen nötig, um eine ausreichende Zahl von Eizellen zu gewinnen. Hinzu kommen Lagergebühren von 400 Fr. pro Jahr. Zählt man die Kosten für das Auftauen und die In-vitro-Befruchtung hinzu, so belaufen sich die Kosten für eine Schwangerschaft nach «Social Freezing» schnell einmal auf Fr. (tlu.) COLOURBOX «Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, empfinden dies häufig als entlastend, zumal sie damit etwaszeit gewinnen.» Freezing» liefert keine Garantie auf Nachwuchs. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist das Alter der Frau bei der Entnahme. Je jünger die Frau ist, umso grösser sind ihre Chancen für eine Schwangerschaft. «Frauen sollten zum Zeitpunkt der Eizellenentnahme möglichst unter 35 Jahre alt sein», sagt Büchler. Doch hier setze das Schweizerische Fortpflanzungsmedizingesetz Fehlanreize. So dürften die Eizellen maximal 10 Jahre aufbewahrt werden. «Frauen verzichten dann möglicherweise auf eine frühe Konservierung der Eizellen, obwohl eine solche sinnvoll wäre, oder sie müssen später, kurz vor Ablauf der Frist, die Eizellen ins Ausland transferieren», sagt Büchler. Mit zunehmendem Alter müssen zudem mehr Eizellen entnommen werden. So sollten bei unter 35 jährigen Frauen 10 Eizellen, bei 37 jährigen 20 Eizellen und bei 42 jährigen gar 60 Eizellen gewonnen werden, um eine realistische Chance auf eine Schwangerschaft zu haben. «Es ist deshalb ganz wichtig, Frauen umfassend aufzuklären», sagt Andrea Büchler. Und zwar nicht nur über die Chancen, sondern auch über die Grenzen der Methode und die Belastungen und Risiken, die mit dem Eingriff einhergehen. «Der Aufwand ist gross, das Verfahren birgt nicht nur gewisse gesundheitliche Risiken, sondern ist auch finanziell belastend», sagt Büchler. Verantwortung übernehmen Sicher ist: Das Bild der egoistischen und karrierebesessenen Frau, die ihre Eizellen einfriert, um beruflich weiterzukommen, muss man revidieren. «Es ist komplizierter als das», sagt Büchler. «Heute haben junge Frauen andere Lebensläufe, sie absolvieren aufwendige Ausbildungsgänge, müssen mobil sein und warten mit der Familienplanung, bis sie den richtigen Partner gefunden haben, der auch wirklich Verantwortung übernehmen will.» Nicht Karriere, sondern Beziehungsprobleme sind die treibende Kraft beim «Social Freezing». «Die Möglichkeit, Eizellen einzufrieren, gibt Frauen Hoffnung, doch noch einen Partner zu finden, oder auch alleine Mutter zu werden mit Hilfe von Spendersamen», sagt Inhorn. Diese Option zumindest ist Frauen in der Schweiz nicht gegeben. Eizellen vorsorglich einfrieren darf zwar jede Frau. Die Eizellen dann für eine In vitro Befruchtung nutzen darf laut dem Fortpflanzungsmedizingesetz hingegen nur, wer heterosexuell und in einer stabilen Partnerschaft lebt. «Bei gleichgeschlechtlichen Paaren und bei alleinstehenden Frauen dürfen wir keine In vitro Befruchtung durchführen», sagt Bruno Imthurn. Neues aus der Wissenschaft Jupiter hat mehr Monde als gedacht Amerikanische Wissenschafter haben zwölf neue Jupitermonde entdeckt. Damit kommt Jupiter nun auf 79 Monde auf so viele wie kein anderer Planet unseres Sonnensystems. Die Forscher spürten die Himmelskörper bereits im Frühling 2017 auf, als sie in den Weiten des Sonnensystems nach Planet Neun Ausschau hielten. Dabei handelt es sich um einen noch nicht zweifelsfrei nachgewiesenen Planeten jenseits von Pluto. Es brauchte aber viele weitere Beobachtungen, bis die Astronomen tatsächlich bestätigen konnten, dass die neu entdeckten Himmelskörper den Jupiter umrunden. Die Monde benötigen dazu zwischen einem und zwei Jahren. (mna.) Elefanten meiden den Duft von Bienen Elefanten hassen es, von Bienen gestochen zu werden. Besonders im weichen Gewebe um ihre Augen und im Innern der Rüssel schmerzen die Stiche. Den Respekt der Elefanten vor den Insekten könnten Bauern in Asien und Afrika nutzen, um ihre Felder vor den Dickhäutern zu schützen. Das haben Forscher anhand von Experimenten im Kruger Nationalpark in Südafrika nachgewiesen («Current Biology», online). An verschiedenen Wasserlöchern stellten sie Präparate mit Pheromonen auf, die Bienen in gefährlichen Situationen verströmen. Nahmen Elefanten diese Duftmoleküle wahr, zeigten sie erhöhte Wachsamkeit und bewegten sich langsam von der Wasserstelle fort. Die Resultate ergänzen frühere Studien, die zeigten, dass auch Bienenstöcke Elefanten fernhalten. Im Gegensatz zu künstlich herstellbaren Pheromonen lassen sich diese aber nicht grossflächig einsetzen. (mna.) Schweiz könnte sich autark ernähren Die landwirtschaftlichen Flächen in der Schweiz würden theoretisch ausreichen, um die gesamte inländische Bevölkerung mit ausreichend Kalorien zu versorgen. Das hat eine Studie im Auftrag des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung ergeben. Jede Person könnte laut den Modellrechnungen täglich mit 2340 kcal versorgt werden. Das ist weniger als der heutige (zu hohe) Konsum, aber oberhalb der meisten Richtwerte von Ernährungsspezialisten. Der Speiseplan würde sich allerdings ändern: Schweineund Geflügelfleisch sowie Eier würden praktisch nicht mehr gegessen. Dafür gäbe es mehr Milch, mehr Kartoffeln und mehr Backwaren. Ein Teil der Naturwiesen müsste in Ackerland umgewandelt werden. In dem Szenario der Forscher durften lediglich Bruteier sowie Pflanzenschutzmittel und Dünger importiert werden. Exporte wurden gleichzeitig ausgeschlossen. (hir.) Auf weniger Religion folgt mehr Wohlstand Der Zusammenhang zwischen der Säkularisierung und des Wohlstands eines Staates ist gut dokumentiert: Arme Länder sind eher religiös, reiche Länder eher nicht. Seit langem besteht unter Fachleuten aber die Debatte, ob die Säkularisierung Wohlstand hervorruft oder umgekehrt: Verschwindet die Religiosität allmählich, wenn die wirtschaftliche Entwicklung unsere materiellen Bedürfnisse gestillt hat, oder kurbeln Veränderungen der Religiosität die wirtschaftliche Produktivität an? Nun haben Forscher analysiert, welche Bedeutung die Religion im 20.Jahrhundert in 109 Ländern gespielt hat («Science Advances», online). Die Resultate zeigen, dass die Säkularisierung dem wirtschaftlichen Wachstum vorausgeht. Das beweist zwar keine Kausalität, schliesst aber den umgekehrten Vorgang aus. Der positive Effekt trat allerdings nur ein, wenn ein Land individuelle Rechte wie Scheidung, Abreibung oder Homosexualität tolerierte. (mna.) Schluss-Strich von Nicolas Mahler

39 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Wissen 39 AufdemTrockenen Hohe Temperaturen, viel Sonne, aber zu wenig Regen so zeigen sich dieses Jahr der Schweizer Frühling und Sommer. Auch weltweit werden neue Wetterrekorde verzeichnet. Von Andreas Frey Langsam macht sich die grosse Trockenheit in weiten Teilen Europas auch in der Schweiz bemerkbar. Rasenflächen färben sich gelb, Seepegel sinken, Bauern jammern. Der Sommer 2018 entwickelt sich mehr und mehr zu einer grossen Dürrezeit. Feuerverbote im Freien oder zumindest im Wald gelten im Tessin und in grossen Teilen Graubündens. Generell ist die Waldbrandgefahr in der Schweiz derzeit hoch. In einigen Kantonen könnte dadurch das Feuerwerk zur Bundesfeier in diesem Jahr sogar ausfallen. Und schon wird eine Jahreszahl bemüht, die wie eine Chiffre für die schlimmste Dürre seit fünfhundert Jahren steht: So schlimm wie vor fünfzehn Jahren ist es glücklicherweise noch nicht. Im Dürrejahr 2003 fiel schon im Frühling viel zu wenig Regen, landesweit nur sechzig Prozent der üblichen Mengen. Und dann folgte der mit Abstand heisseste Juni seit Messbeginn, mit Temperaturen, wie sie sonst nur in Südspanien erreicht werden. Im Vergleich dazu war der diesjährige Juni fast schon angenehm lauwarm. Zum Abschluss brach auch der August alle Rekorde, insgesamt war der Sommer 2003 fast vier Grad wärmer als normal. In diesem Jahr liegt die Abweichung bis jetzt bei etwa zwei Grad. Dennoch ist die Lage angespannt: Am Alpennordhang fiel zu wenig Regen, am wenigsten in der Ostschweiz. Dort kam seit Anfang April teilweise nur ein Drittel des üblichen Niederschlags zusammen, Wetterexperten nennen so etwas eine veritable Dürre. In den übrigen Gebieten herrscht ebenfalls ein Regendefizit, kühles Nass fällt meist nur in Form von Schauern und Gewittern vom Himmel. Die bringen zwar ein wenig Abkühlung, lindern die Trockenheit aber nur punktuell. Zudem ist es seit April deutlich wärmer als im langjährigen Schnitt. Um zwei bis drei Grad lagen die Temperaturen über der Norm der Jahre von 1981 bis Am wärmsten war es dabei in der Nordostschweiz, wie Thomas Schlegel von Meteo Schweiz mitteilt. Von grosser Hitze blieb die Schweiz bisher zwar noch verschont. Trotzdem war der Juni hierzulande der drittwärmste seit Messbeginn im Jahr Luft aus Südenund Osten Grund für die aussergewöhnliche Trockenheit ist die konstante Wetterlage über Europa. Seit Februar dominieren mächtige Hochdruckgebiete über Grossbritannien und Skandinavien das Wetter, Regentiefs werden dadurch um den Kontinent geleitet. Die Schweiz hatte das grosse Glück, dass Ende Mai und Anfang Juni kleine Tiefs vom Mittelmeer immer wieder Schauer und Gewitter schickten. Doch die für Mitteleuropa typische Westlage bleibt seit Monaten aus, die Luft strömt seit dem Frühjahr hauptsächlich aus Süden und Osten heran. Regenwolken bleiben damit fern. Die Folgen sind schon jetzt dramatisch. In einem breiten Streifen von Irland über Norddeutschland bis Finnland liegen die Temperaturen drei bis sechs Grad über den normalen Werten, seit April ist dort viel zu wenig Regen gefallen. Viele Felder sind ausgedörrt, Flüsse führen kaum noch Wasser, Bäume lassen ihre Blätter fallen. Bauern rechnen mit dem Schlimmsten und sehen ihrem Getreide bei der Notreife zu: Die Ähreverkümmert, nimmt keine Nährstoffe mehr auf und wirft schliesslich das Korn ab. Zudem herrscht höchste Feuergefahr. Immer wieder brechen Flächenbrände aus, mancherorts sieht es aus wie in Kalifornien nach einem heissen Sommer. Verbreitet sprechen Meteorologen von extremer Dürre. Die Trockenheit ist nicht nur in Europa ein Problem, die gesamte Nordhalbkugel erlebt derzeit Extremwetter. In Nordamerika, Nordchina, Nordafrika und dem Nahen Osten leiden die Menschen unter Gluthitze, an zahlreichen Orten sind neue Hitzerekorde aufgestellt worden. Skandinavien steuert auf den wärmsten Sommer seit über hundert Jahren zu. Und selbst in Nordsibirien wurden mehr als fünf Tage lang Werte wie am Mittel IMAGO Bauern klagen über die Dürre. Vertrockneter Blumenkohl auf einem Feld im Norden Deutschlands. (Ronnenberg,9. Juli 2018) Warten auf Regen Niederschläge von April bis Juni 2018 im Verhältnis zur Norm ( ) % Genf Neuenburg Quelle: Meteo Schweiz Basel Bern Sitten meer gemessen, gleichzeitig warnten die Behörden vor Waldbränden, Hektaren Wald sollen bereits verbrannt sein. Ebenfalls ungewöhnlich schwülheiss ist es derzeit in der kanadischen Provinz Quebec, seit Ende Juni berichten die Behörden von Dutzenden Todesfällen wegen der anhaltenden Hitze mit mehr als dreissig Grad. Ob Montreal, Ottawa oder das amerikanische Burlington weltweit knackten in den vergangenen dreissig Tagen 28 Orte neue Wärmerekorde. Im hitzegeplagten Algerien hingegen wäre man über Sommerwerte wie in Kanada froh. In Ouargla, einer Oasenstadt in der Sahara, wurde am 5.Juni eine Maximaltemperatur von 51,3 Grad gemeldet. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die höchste Temperatur ist, die jemals verlässlich in Algerien aufgezeichnet wurde», schreibt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in einer Pressemitteilung. Zudem ist es wahrscheinlich, dass damit auch ein neuer Afrikarekord aufgestellt wurde. Als bisheriger Spitzenreiter gilt das tunesische Kebili mit 55 Grad im Juli Luzern Zürich Lugano Glarus St. Gallen Chur Die Korrektheit dieses Werts wird von verschiedenen Meteorologen allerdings stark angezweifelt. Temperaturen von über 50 Grad wurden diesen Sommer auch im kalifornischen Tal des Todes gemessen: Anfang Juli mass die Wetterstation dort exakt 52 Grad. Andernorts in Kalifornien ist die Situation mittlerweile ernst. Zahlreiche Buschbrände sind ungewöhnlich früh ausgebrochen, wegen der Hitze fiel in einigen Städten sogar der Strom aus. Zudem purzeln in diesem Sommer die Rekorde. In Chino, unweit von Los Angeles, gab es einen neuen Topwert mit 48,9 Grad, in Downtown L.A. erlebten DieKüstenstadt Kuriat erlebte die heisseste Nacht der Welt. Die tiefste Temperatur lag in der Nacht auf den 26. Juni bei 42,6 Grad. die Bewohner die wärmste Julinacht seit Aufzeichnungsbeginn mit 26,1 Grad, während auf der anderen Seite des Pazifiks ein Taifun halb Japan unter Wasser setzte. Hohe Nachttemperaturen werden in der Rekordhatz der Medien und Meteorologen aber meist unterschätzt oder vernachlässigt, dabei sind sie für den Organismus belastender als hohe Tageswerte, da der Körper sich in der Nacht zu erholen versucht. Insofern kann man nur hoffen, dass Ende Juni in Oman die Klimaanlagen funktionierten. Denn die Küstenstadt Kuriat erlebte die heisseste Nacht der Welt. Die tiefste Temperatur lag in jener Nacht auf den 26.Juni bei 42,6 Grad. Die extreme Hitze hielt insgesamt 51 Stunden an bei bis zu 49,8 Grad am Tag. Weltweit sind die Temperaturen ebenfalls weiterhin auf Rekordniveau. Der Juni war der zweitwärmste seit Messbeginn, wie das Europäische Zentrum für mittelfristige Vorhersage mitteilt. So langsam wird es ernst In Europa deutet derzeit wenig auf einen Wetterumschwung hin. Schaut man sich die Prognosen für den Monatswechsel an, wird sich die Wetterlage wohl nicht ändern. Das hartnäckige Hochdruckgebiet scheint sich erneut über Skandinavien ausbreiten zu wollen, eine Umstellung der Grosswetterlage ist weit und breit nicht in Sicht. Mit anderen Worten: So langsam wird es ernst. Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband bleibt vorsichtig optimistisch. Noch sei die Situation in der Schweiz gut zu bewältigen, Kartoffeln, Obst und Gemüse liessen sich gut bewässern. Unter der Trockenheit litten jetzt schon Weizen, Raps, Mais und Zuckerrüben, die Situation sei regional allerdings sehr unterschiedlich. Ein Problem hätten die Schweizer Bauern erst, wenn auch die Wasserstände so tief fallen, dass die Bewässerung nicht mehr gewährleistet werden könne. «Im Moment wollen wir den Teufel aber noch nicht an die Wand malen», sagt sie. Die Hoffnung liegt also in Schauern und Gewittern, die durchs Land ziehen. Am gestrigen Samstag kam bereits einiges vom Himmel, und auch heute Sonntag kann es weiteren Niederschlag geben. Alles hängt jetzt am August. Fällt er ähnlich heiss aus wie seinerzeit der historische August vor fünfzehn Jahren, könnte der Sommer am Ende ähnlich ausfallen wie Nicht ganz so heiss zwar, aber doch denkwürdig. Schweizer Rekord 41,5 C Die höchste Temperatur in der Schweiz wurde am 11.August 2003 in Grono (GR) gemessen. 41,8 c Die tiefste Temperatur wurde in La Brévine (NE) am 12.Januar 1987 registriert. 5,7 C So viel höher waren die Durchschnittstemperaturen im Juni 2003 gegenüber dem langjährigen Mittelwert.

40 40 Wissen Landwirtschaft NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Hiertrennensich Spreu undweizen Mähdrescher sind die Giganten der Felder. Sie haben die Getreideernte revolutioniert. Bis zu 100 Tonnen Körner können sie in einer Stunde dreschen. Von Andreas Hirstein (Text) und Daniel Röttele (Infografik) Früher war die Getreideernte schwerste körperliche Arbeit, die sich über viele Wochen hinzog immer mit dem Risiko von Verlusten durch schlechtes Wetter. Gedroschen wurde das Getreide erst im Winter mit dem Dreschflegel. Heute erledigt der Mähdrescher alle diese Arbeitsschritte schon auf dem Feld. Die modernsten Maschinen unterstützen den Bauern mit Satellitennavigation, und sie stellen sich automatisch auf die Qualität des Getreides und auf die Witterungsverhältnisse ein. Statt mit dem Dreschflegel 10 Kilogramm kann ein einzelner Bauer dank dem Mähdrescher heute pro Stunde Kilogramm Körner gewinnen eine Steigerung der Produktivität um den Faktor Und dabei erweisen sich die Giganten der Felder auch noch als ziemlich feinfühlig: Nur 0,5 bis 1 Prozent der Getreidekörner gehen bei der Ernte verloren. Vorreiter der Entwicklung waren die Amerikaner und die Australier. Sie kämpften mit einem Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft, und die günstigere Witterung machte das maschinelle Dreschen einfacher als im feuchteren europäischen Klima. Die ersten nach Europa importierten Maschinen konnten die Bauern daher nicht überzeugen. Das änderte sich erst ab Mitte der 1930er Jahre. Ein Pionier war damals die Firma Claas aus Ostwestfalen, die 1936 den Mäh- Dresch-Binder (MDB) vorstellte. Dieser Mähdrescher wurde von einem Traktor gezogen. Ab den fünfziger Jahren kamen selbstfahrende Mähdrescher auf den Markt. Die folgenden Jahrzehnte waren von einem kontinuierlichen Trend zu immer stärkeren Maschinen gekennzeichnet. Heute verfügen die grössten Maschinen über Arbeitsbreiten von 14 Metern. Angetrieben werden sie von Dieselmotoren mit bis zu 650 PS. Darin übertroffen werden sie nur von den Feldhäckslern, mit denen man zum Beispiel Maisfelder zur Herstellung von Futtersilage erntet. A DasInnenlebeneines modernen Mähdreschers A = Weg des Getreides durch die Maschine = gedroschenes Korn = Stroh/Strohteile und Spreu Vorsatzgerät Halmteiler (1) trennen den zu erntenden Bestand vom restlichen Getreide. Ährenheber (2) richten am Boden liegende Halme auf, damit deren Ähren aufgenommen werden können. Die Haspel (3) rotiert und verhindert so, dass geschnittene Pflanzen aus dem Schneidwerk herauskippen. Hebt liegende Pflanzen an, so dass auch sie geschnitten werden. Ein hin- und herschwingender Messerbalken (4) schneidet das Getreide. Es fällt auf den Schneidwerkstisch dahinter. Hinter dem Schneidwerkstisch befindet sich die parallel zum Messerbalken verlaufende Einzugsschnecke (5). Sie befördert das Erntegut horizontal von aussen in die Mitte. Die Einzugskette (6) (Förderband) transportiert das Material nach oben in den Mähdrescher. Am Ende des Einzugskanals werden Steine abgeschieden, sie fallen in die Steinfangmulde. 3 Haspel 2 Ährenheber 1 Halmteiler 6 Einzugskette 5 Einzugsschnecke 4 Messerbalken Meilensteine der Mäh- und Dreschtechnik 70 n. Chr. Gallischer Mähwagen. Die erste Mähmaschine der Welt wurde vermutlich von einem Ochsen oder Maultier geschoben Der Schotte Patrick Bell erfindet die Mähmaschine. Ab 1857 gibt es in den USA Mähbinder, die das geschnittene Getreide zu Garben binden Der Australier Hugh Victor McKay entwickelt den ersten Mähdrescher mit Verbrennungsmotor, den Sunshine Harvester Massey Harris No Maschinen des kanadischen Herstellers wurden im Krieg mit staatlicher Hilfe der USA gebaut. In den Jahren 1944 und 1945 brachten diese Mähdrescher die Weizenernte von Texas bis zur kanadischen Grenze ein Der Deutz Fahr Topliner 8 XL verfügte über 8 Schüttler zur Trennung von Korn und Stroh und über ein ausgeklügeltes System zum Hangausgleich. Kommerziell nicht erfolgreich Der Schotte Andrew Meikle erfindet eine stationäre Dreschmaschine mit rotierender Dreschtrommel in einem Dreschkorb, das bis heute übliche Prinzip Der erste selbstfahrend Mähdrescher, Berry Combine, wird von einer Dampfmaschine angetrieben. Zuvor wurden die ersten Mähdrescher von Pferdegespannen mit bis zu 20 Pferden gezogen Die Brüder Claas stellen den Mäh- Dresch-Binder (MDB) vor. Er wird von einem Traktor gezogen und von dessen Zapfwelle angetrieben Sperry New Holland TR 70. Der amerikanische Hersteller entwickelt einen Mähdrescher, der statt Schüttlern rotierende Trommeln besitzt, um Körner und Stroh durch Zentrifugalkraft zu trennen Claas Lexion und New Holland CR Die grössten Mähdrescher heute. Die Schnittbreite beträgt 13 Meter, die Dieselmotoren mit 16 Litern Hubraum liefern bis zu 650 PS.

41 41 F C B 20 Kornelevator F Kornbergung Die Körnerschnecke (19) transportiert Körner zum Kornelevator. Kornelevator (20): fördert Körner in den Körnertank. 19 Körnerschnecke D F E E E Strohverarbeitung Der Strohhäcksler (17) zerkleinert das Langstroh. Lässt sich abschalten, wenn das Stroh als Schwad abgelegt werden soll, um später in Ballen gepresst zu werden. Der Spreuverteiler (18) übernimmt die Nichtkornbestandteile aus dem Siebkasten und verteilt sie gleichmässig auf dem Feld. 18 Spreuverteiler 17 Strohhäcksler B Dreschwerk 7 Beschleunigertrommel 8 Dreschtrommel 10 Strohwendetrommel Beschleunigertrommel (7): Diese rotierende Trommel beschleunigt das Erntegut aus dem Einzugskanal auf rund 70 km/h in Richtung der Dreschtrommel (8). Schlagleisten auf dieser Trommel erhöhen die Reibung mit dem Dreschkorb (9) und inner- 9 Dreschkorb halb des Ernteguts, so dass die Körner aus den Ähren gelöst werden. 90 Prozent aller Körner werden hier abgetrennt und fallen zusammen mit Spreu und kleinen Strohteilchen durch den Korb nach unten. Die Strohwendetrommel (10) führt das Stroh der Restkornabscheidung zu. C Restkornabscheidung Mehrere parallele Schüttlerhorden (11) transportieren das Material durch elliptische Bewegungen weiter nach hinten und lockern das Erntegut auf. Durch die Schwerkraft fallen Körner (sowie Spreu und kleine Strohteilchen) nach unten auf den Rücklaufboden (12). 11 Schüttlerhorden 12 Rücklaufboden D Reinigung Vorbereitungsboden (13): Das im Dreschwerk und in der Restkornabscheidung gewonnene Material (Körner, Spreu, Kleinstroh) fällt auf den Vorbereitungsboden. Schüttelbewegungen transportieren das Material nach hinten zur 1. Fallstufe. Obersieb und Untersieb (14): Leichte Bestandteile im Erntegut werden beim Fall auf das Obersieb und das Untersieb von einem Gebläse (15) herausgeblasen. Nur Körner fallen nach unten durch das Untersieb. Nicht ausgedroschene Körner werden von der Überkehrschnecke (16) zurück ins Dresch-werk gefördert. 13 Vorbereitungsboden 15 Gebläse 16 Überkehrschnecke kg 14 Ober-/Untersieb WenigerErwerbstätige, mehr Leistung undproduktivität 14,1% 9,4% Immer weniger Beschäftigte in der Landwirtschaft Anteil Beschäftigte in der Landwirtschaft (nur Vollzeitbeschäftigte) an der Gesamtbevölkerung der Schweiz 4,7% 1,7% 0,8% Motorenleistung von Landmaschinen Motorleistung in kw Feldhäcksler Mähdrescher Feldhäcksler (z. B. für die Maisernte) sind die stärksten Landmaschinen der Welt (bis 1110 PS) Verdreifachung des Ertrags in 100 Jahren Ertrag bei Schweizer Winterweizen in kg pro Are Produktivität pro Kopf Im Jahr 1800 konnte eine Person pro Stunde 10 kg Körner ausdreschen. Mit einem Mähdrescher sind es heute bis zu 100 Tonnen kg Quellen: Dr. Klaus Herrmann, Daniel Erdin (SBV), Christian Schulte (Claas), Tomislav Novoselac (Claas), Prof Dr.-Ing Heinz-Dieter Kutzbach, Schweizerischer Bauernverband, Claas KGaA mbh, Matthias Mumme (DLV) kg heute

42 Bibliotheken Alles Wissen dieser Welt Warum Büchereien niemals sterben werden. Nr. 315 Oktober 2017 Kanton Kosovo Youtube Nr. 314 September 2017 Gute Nachrichten Ich bin ein Youtube-Star! Wie eine Videoplattform die Welt auf den Kopf stellt. Nr. 324 Juli 2018 Kosovo der jüngste Staat Europas Zehn Jahre unabhängig. Und enger denn je verbunden mit der Schweiz. Die Meinung Eisenbahn Nr. 323 Juni 2018 Nr. 320 März 2018 Wasser Nr. 319 Februar 2018 Ist Marihuana marktreif? Wie eine Droge den Alltag erobert Wo es aufwärtsgeht Armut, Gewalt, Demokratie: Alles wird besser. Reiner Luxus Dürren, Dreck und Kriege. Warum Wasser immer kostbarer wird. Nr. 313 August 2017 Nr. 312 Juli 2017 Cannabis Nr. 311 Juni 2017 Türkei Triumphieren oder verzweifeln? Männer und Frauen reden über ihr Leben nach dem Putschversuch in Istanbul. Ich habe recht! Was kümmern uns die Fakten? Hauptsache, wir haben eine Meinung. Das «NZZ Folio» geht Themen auf den Grund Das Monatsmagazin der NZZ greift bewegende und über den Tag hinaus aktuelle Themen aus verschiedenen Lebensbereichen auf. Neben einer fundierten Recherche bietet es neue Perspektiven und sorgt damit für ein inspirierendes Lesevergnügen. Einsteigen, bitte! Vom Salonwagen bis zum Überschallzug. ken! c e d t n Jetzt e Im Probeabo lesen: nzz.ch/folio18 Einzelausgabe bestellen: folio.nzz.ch/heftbestellung Nur solange Vorrat reicht

43 Mensch&Medizin 43 GAËTAN BALLY / KEYSTONE Versteckte Wahrheit Diagnose Andrea Six Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz 282 Organentnahmen durchgeführt, bei 137 davon handelte es sich um Lebendspenden. DasTraurigste und Schönste zugleich Transplantationen retten Leben. Doch wie fühlt es sich an, zum ersten Mal einer klinisch toten Frau Organe zu entnehmen? Von Alexander Slongo Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz 282Organentnahmen durchgeführt. Bei 137 davon handelte es sich um Lebendspenden, das heisst, die spendende Person ist gesund und verzichtet zugunsten eines Erkrankten auf eine Niere, Teile ihrer Leber oder anderes Gewebe. Bei den verbleibenden 145 handelte es sich jedoch um Organspenden von Verstorbenen, die beispielsweise bei einem Autounfall ums Leben kamen. Einer dieser Spender ist Frau S. Sie hat zu Lebzeiten «Ja» gesagt. Sie wollte, dass ihre Organe im Falle ihres Todes anderen Menschen ein Leben ermöglichen. Bei einem Eingriff kam es aufgrund von Komplikationen zu einer Hirnblutung mit irreversibler Hirnschädigung. Nun liegt sie vor mir. Ich bin dabei, als ihr Herz das letzte Mal in ihrer Brust schlägt. Ich habe mittlerweile einiges an Erfahrungen am Operationstisch gesammelt. Ich assistierte, als am offenen Gehirn operiert wurde, hatte während Bypass-Operationen ein schlagendes Herz in der Hand. Doch diese Operation beginnt für mich nicht wie jede andere. Ich weiss, dieser Mensch wird endgültig sterben. Natürlich ist die Patientin zu diesem Zeitpunkt seit geraumer Zeit hirntot, alle Hirnfunktionen sind vollständig ausgefallen, während die Körperfunktionen künstlich aufrechterhalten werden. Was Frau S. ausmachte, ihre Persönlichkeit, ihr Selbst ist nicht mehr da und wird nicht zurückkehren. Und doch ist es für mich ein spezielles Gefühl, diesen letzten Moment eines Menschen mitzuerleben, ja daran mitzuwirken, ebendieses Leben zu beenden. Ich weiss nicht, was ich in diesem Moment in Frau S. sehe: die Patientin oder bereits den Spender. Ist sie in diesem Zustand des Hirntodes nichts mehr weiter als ein Ersatzteillager für andere Menschen? Die Operation beginnt. Meine Aufgabe ist es, dem Operateur als Assistent zur Hand zu gehen. Wie bei jedem anderen Eingriff wird das Operationsfeld desinfiziert und steril abgedeckt. Hautschnitt. Bauchdecke und Brusthöhle werden eröffnet. Noch teilweise Der Weg zum Arzt SERIE Alexander Slongo studiert an der medizinischen Fakultät der Universität Bern im vierten Jahr. In einer vierteiligen Serie berichtet er von seinen ersten klinischen Erfahrungen. Im zweiten Teil schildert er einen Tag während seines Praktikums auf der Chirurgie. von Fett bedeckt, werden nun die inneren Organe sichtbar. Im Gegensatz zu anderen Eingriffen muss hier das umliegende Gewebe nicht geschont werden. Es wird schnell und konzentriert gearbeitet, das Ziel ist, die Organe möglichst rasch und heil zu entnehmen. Der Chirurg legt die zu entnehmenden Organe frei. Das Wichtigste und zugleich Schwierigste an dieser Stelle ist, die blutversorgenden Gefässe zu identifizieren und zu vermeiden, dass diese beschädigt werden. Denn sollte das passieren, wird eine Implantation in den Empfänger verkompliziert bis verunmöglicht. Vor mir liegt nun das schlagende Herz, flankiert von den sich rhythmisch füllenden und entleerenden Lungen. Die Bewegung gaukelt mir die Illusion von Leben vor. Zu diesem Zeitpunkt wird die Spenderin künstlich am Leben erhalten, allein hätte sie schon vor langer Zeit aufgehört zu atmen. Im Hintergrund wird Spülflüssigkeit und Eis vorbereitet. Verschiedene Teams von Spezialisten sind an dieser Entnahme beteiligt, alles ist perfekt koordiniert. Jeder Handgriff sitzt, wurde schon dutzendfach ausgeführt. Alltag für alle Beteiligten, nicht jedoch für mich. Nach Präparation der Organe werden die grossen Beckenarterien abgeklemmt. Dann geht alles sehr schnell. Die grosse Hohlvene, die Blut von Beinen und Rumpf zurück ins Herz transportiert, wird aufgeschnitten. Blut pulsiert in Strömen in die offene Körperhöhle. Alle am Tisch schaufeln Eis in den offen daliegenden Körper, um ihn abzukühlen. Ab jetzt wird das Blut in den Organen durch eine kalte Spülflüssigkeit ausgewaschen und ersetzt. Der eben noch warme Ich habe das Bedürfnis, mich vondieser Person zu verabschieden, die soeben fünf Menschen Hoffnung aufleben gegeben hat. Leib ist eiskalt. Das Herz schlägt nicht mehr. Einen Tag nachdem Frau S. aufgehört hat zu leben, ist nun auch ihr Körper gestorben. Was danach passiert, ist schnell erzählt. Die Organe werden der Reihe nach dem Leichnam entnommen. An mir vorbei ziehen zwei Nieren, eine Leber und ein Paar Lungen, allesamt fein säuberlich verpackt, verschnürt und abgekühlt. Bevor das Herz abgepackt wird, halte ich es in meiner Hand. Es ist nicht mehr wiederzuerkennen. Bis vor wenigen Minuten noch pochend, das Sinnbild für das Leben selbst. Nun liegt es leer in meiner Hand, nichts weiter als schlaffes Muskelgewebe. Die Arbeit meines Teams ist beendet. Es verlässt den Saal. Bevor die Gefässspezialisten kommen, um den letzten Teil der Entnahme durchzuführen, wird noch einige Zeit vergehen. Die Operationsassistentin ist die einzige Person ausser mir im Raum. Ich stehe allein am Tisch, neben mir der kalte Körper von Frau S. Eine Chance, die sich mir in dieser Weise nicht wieder bieten wird. Nirgendwo sonst kann man die Anatomie des Menschen so genau studieren. Ich beginne die Leibeshöhle auszutasten, versuche, mir die Bilder aus den Anatomielektionen in Erinnerung zu rufen, und vergleiche sie mit dem, was vor mir liegt. Ich weiss, dass ich in diesem Moment nichts Unrechtes tue, weiss, dass ich diesen Leichnam mit Respekt behandle, und doch empfinde ich meine Handlung während eines kurzen Augenblicks als frevelhaft. Nach einiger Zeit beende ich meine Studien, meine Neugier ist befriedigt. Ich fühle das Bedürfnis, mich von dieser Person zu verabschieden, die soeben fünf Menschen Hoffnung auf Leben gegeben hat. Es ist etwas vom Traurigsten und zugleich Schönstem, an dem ich bisher teilhaben durfte. Ich frage mich, ob dieses Gefühl während meines Arbeitslebens bleiben wird oder nur die romantisch verklärte Emotion eines unerfahrenen Studenten ist. Für einen kurzen Moment halte ich inne, atme tief durch und verlasse den Operationssaal. ALAMY STOCK PHOTO Mit dem stark angeschwollenen Auge stellt sich die 63-Jährige doch lieber beim Arzt vor. Seit drei Wochen wird der Zustand immer schlimmer. Die Beule am Auge pulsiert, und sie kann kaum etwas sehen. Der Arzt untersucht das Auge mit den entsprechenden Tests. Vermutlich leidet die Frau an einer Bindehautentzündung oder einer Erkrankung der Nasennebenhöhlen. Die Untersuchungen können dies allerdings nicht bestätigen mit dem Auge scheint alles in Ordnung zu sein. Verwundert befragt der Mediziner seine Patientin erneut nach ihren Beschwerden. Jetzt zählt die 63-Jährige auf, dass ihr schwindelig und übel sei und sie seit Wochen Gewicht verliere. Mit dem geschwollenen Auge hatte sie diese Vorkommnisse aber nicht in Zusammenhang gebracht. Der Arzt lässt nun Magnetresonanzaufnamen vom Kopf der 63-Jährigen anfertigen. Und auf den Bildern sieht er, dass sich hinter der Schwellung am Auge etwas ganz anderes verbirgt, als er vermutet hatte: Im Schädelknochen sind mehrere grössere Anhäufungen von Zellen zu erkennen, die hier normalerweise nicht hingehören. Eine Blutuntersuchung untermauert den düsteren Verdacht: Die Patientin leidet an einem Blutkrebs, dem multiplen Myelom. Die Schwellung am Auge wird demnach von einer der bösartigen Zellansammlungen hervorgerufen, die das Auge nach aussen gedrückt haben. Die 63-Jährige beginnt mit einer passenden Chemotherapie und Bestrahlungen. Immer wieder müssen die Medikamente gewechselt werden, bis sich nach zwei Monaten Erfolg einstellt: Die Blutwerte bessern sich, und auch die Schwellung am Auge ist verschwunden. Wie gut die Aussichten der 63-Jährigen auf eine langfristige Heilung sind, kann ihr der Arzt nicht mit Sicherheit sagen. Derzeit kann sie jedoch gesund nach Hause entlassen werden. Quelle: «Sage Open Medical Case Reports», 2018, Bd.6, S. 1. News Starke Zunahme vontödlichen Leberleiden in den USA Seit 2009 ist in den USA die Zahl der Todesfälle durch Leberkrankheiten stark angestiegen. Dies melden Forscher, die die Todesursache von Erwachsenen in den Jahren 1999 bis 2016 analysierten. Eine besonders starke Zunahme tödlicher Leberzirrhosen liess sich zwischen 2009 und 2016 bei Männern im Alter von 25 bis 34 feststellen («BMJ», online). Eine Leberzirrhose wird oft durch übermässigen Alkoholkonsum verursacht. Die Finanzkrise 2008 und die Rezession könnten dabei eine Rolle gespielt haben, vermuten die Autoren. (tlu.)

44 44 Cinema KINO Basel Capitol 1+2 kitag.com Hotel Transsilvanien 3 2 D Mamma Mia! Here WeGoAgain 2/5/8 E/d/f Jurassic World: Das gefallene... 5 E/d/f Solo: AStar Wars Story 8 E/d/f kult.kino atelier1 5 kultkino.ch The Bookshop 12 E/d/f Tully E/d/f Visages villages F/d The King Mit Elvis durch Amerika 1 E/d The Rider 2.10/8.50 E/d/f The Sense of an Ending 2.20/8.30 E/d Pope Francis AMan of his Word 2.30/6.30 Ov/d Searching for Ingmar Bergman 2.30/6.40 E/d Comme des garçons 3.15/9 F/d On Chesil Beach 4.20 E/d Je vais mieux 4.30/8.40 F/d Los Perros 4.30/8.30 Sp/d Candelaria 4.40 Sp/d/f Lola Pater 5.15 F/d Jane 6.30 E/d Le brio 6.30 F/d Looking for Oum Kulthum 7.10 E/d/f kult.kino camera 1+2 kultkino.ch Razzia 4/8.20 Arab/d Transit 4/8.15 D/d/f Ni juge, ni soumise 6.10 F/d Amori 6.20 I/d Neues Kino neueskinobasel.ch Silo-Open-Air bis 10. August Pathé Küchlin 1 8 pathe.ch Mamma Mia! Here WeGoAgain 10.40/1/3.30/6/8.30 D 11/1.30/4/6.30/9 E/d/f Die Farbe des Horizonts 10.50/1/3 D 7.20 E/d/f Luis und die Aliens D Hotel Transsilvanien 3 3D: 11.15/1.30/3.45/6.10 D 2D: 11.45/2/4.15 D 1.15/8.20 E/d/f Sicario /4.10/9.15 D 6.45 E/d/f Skyscraper 3D: 11.20/3.45/6 D 8.15 E/d/f 2D: 1.30 D Love, Simon 1.45 D Hereditary Das Vermächtnis 3.30/6.10 D 8.50 E/d/f The First Purge 5.10/9.30 D Ocean s D Jurassic World: Das... 3D 8.50 D Rex 1+2 kitag.com Mamma Mia! Here WeGoAgain 2.30/5.30/8.30 D Hotel Transsilvanien 3 3 E/d/f Die Farbe des Horizonts 6 E/d/f Ocean s 8 9 E/d/f Stadtkino stadtkinobasel.ch Sommerpause bis 22. August 2018 Bern Alhambra Skyscraper 6/8.30 E/d/f CineABC quinnie.ch Isle of Dogs 2 E/d/f Transit 4.15 D/f Le Brio Die brillante Mademoiselle F/d On Chesil Beach 8.40 E/d/f CineBubenberg quinnie.ch Hotel Transsilvanien 3 2D: 1.30 D 3D: 3.45 D Hereditary 6/8.45 E/d/f CineCamera quinnie.ch Jim Knopf und Lukas der D Pope Francis AMan of his Word 6 Ov/d Ocean s E/d/f CineClub quinnie.ch Mamma Mia! Here WeGoAgain 3/5.30/8 E/d/f Cinématte cinematte.ch Taxi Teheran 9 Ov/d/f CineMovie 1 3 quinnie.ch D Papst Franziskus Ein Mann Ov/d Mamma Mia! Here WeGoAgain E/d/f The Sense of an Ending 2.10 E/d Visages villages 2.15 F/d The Rider 3/8.15 F/d Looking for Oum Kulthum 4.15 Ov/d/f Comme des garçons 4.30/8.30 F/d The Bookshop 5.45 E/d/f Ni juge, ni soumise 6.15 F/d Amori che non sanno stare almondo 6.30 I/d/f Je vais mieux 8.30 F/d gotthard kitag.com Mamma Mia! Here WeGoAgain 2/5/8 E/d/f Jura 1 3 kitag.com Hotel Transsilvanien 3 2D: 2.30 D 3D: 2.30 D Mamma Mia! Here WeGoAgain 2.45/5.45/8.45 D Ocean s /8.30 E/d/f Skyscraper 3D 5.30 E/d/f Jurassic World: Das... 3D 8.30 E/d/f Kellerkino Sommerpause bis 29. August 2018 Kino in der Reitschule Keine Vorstellungen Lichtspiel The Sound of Jazz and Billie Holiday 8 kellerkino.ch kino.reitschule.ch lichtspiel.ch Ov Pathé Westside pathe.ch Jurassic World: Das... 3D 9.45/2.30/5.15/8 D Love, Simon 9.45/2.20 D Die Farbe des Horizonts 10/12.15/4.40/6.50/9 D Hotel Transsilvanien 3 3D/4DX: 10/3 D 3D: 10.45/1.15/3.30/6/8.45 D 2D: 11.30/2/4.15 D Mamma Mia! HereWeGoAgain 10/5.40/8.15 E/d/f 10.15/1/3.30/6/8.45 D Sicario 2 10/3.15/6/8.15 D Ocean s /1.40/4/6.20/8.45 D Skyscraper 3D: 11.15/1.30/3.45/6/8.30 D 3D/4DX: 12.30/5.30/8 D 2D: D The First Purge 12.10/4.45/7/9.15 D Liliane Susewind Ein tierisches D Luis und die Aliens D Every Day Letztendlich sind wir D Hereditary Das Vermächtnis 2.50/6.30/9.15 D Rex 1+2 rexbern.ch Janet Haufler 11 Ov/d The King Mit Elvis durch Amerika E/d Blue Note Records: Beyond the Notes E/d Jane 2 Ov/d Vertigo 2 E/d Searching for Ingmar Bergman 4/8 E/d Una questione privata 4.30 I/d/f Fauves 6 F/d Lola Pater 6.15 F/d Los Perros 8.15 Sp/d Splendid 1+2 kitag.com Hereditary Das Vermächtnis 3/9 D Sicario 2 3/6/9 E/d/f Hotel Transsilvanien 3 6 E/d/f luzern Bourbaki 1 4 kinoluzern.ch Dhadak 11 Hindi/e Das Leben vor dem Tod Dial/d/f Jane E/d Looking for Oum Kulthum Ov/d/f Mamma Mia! Here WeGoAgain 1.20/6/8.20 E/d/f Pope Francis AMan of his Word 1.30/6 Ov/d Comme des garçons 1.50 F/d Ni juge, ni soumise 1.50 F/d Ocean s E/d/f The Bookshop 3.40 E/d/f On Chesil Beach 4 E/d/f Sicario: Day of the Soldado 4/8.40 E/d/f Hereditary 6.20/8.20 E/d/f Je vais mieux 6.30 F/d The Rider 8.50 E/d/f Capitol kitag.com Hotel Transsilvanien 3 2D: 2/5.45 D 3D: 2 D Mamma Mia! Here WeGoAgain 2.30/5.30/8.30 D Die Farbe des Horizonts 2.45/8.45 D Jim Knopf und Lukas der D Ocean s /5.45 E/d/f 5/8 D Jurassic World: Das gefallene... 5/8 E/d/f Skyscraper 5.45/8.45 D The First Purge 8.45 D Maxx 1 8 kitag.com Jurassic World: Das gefallene... 3D2/8 D Mamma Mia! HereWeGoAgain 2/5/8 D Skyscraper 2D: 2/5 D 3D: 2.30/8.30 D Hereditary Das Vermächtnis 2.15/5.15/8.15 D Luis und die Aliens 2.15 D Sicario /5.30/8.30 D Hotel Transsilvanien 3 2D: 2.45 D 3D: 5 D Love, Simon 5.30 D Deadpool D The First Purge 5.45/8.45 D Ocean s 8 8 D Die Farbe des Horizonts 8.45 D Moderne kitag.com Mamma Mia! Here WeGoAgain 2.15/5.15/8.15 E/d/f stattkino stattkino.ch Anne Clark I ll walk out E/d Verkehrshaus Filmtheater filmtheater.ch Oceans 3D 11/3/5 D/f/i/e Rocky Mountain Express 12 D/f/i/e Wild Africa 3D 1 D/f/i/e Hurricane 2 D/f/i/e Wild America 4 D/f/i/e st. Gallen Cinedome 1 8 kitag.com Avengers: Infinity War 3D 2 D Mamma Mia! Here WeGoAgain 2/5/8.15 D Jurassic World: Das... 3D 2.15/8.15 D Peter Hase 2.15 D Hotel Transsilvanien 3 3D: 2.30/5.15 D 2D: 2.45 D Sicario /5.30/8.30 D Ocean s /8.45 D Hereditary Das Vermächtnis 5/8 D Skyscraper 2D: 5.15 D 3D: 8.30 D Solo: AStar Wars Story 3D 5.15 D Die Farbe des Horizonts 5.30 D The First Purge 5.45/8.45 D Deadpool 2 8 D am SONNtag Kinok kinok.ch Quando erocloclo I/d Ni juge, ni soumise F/d Una questione privata 2.10 I/d/f Pop Aye 3.45 Ov/d/f The Front Page 5.45 E/d Shadow Thieves 7.45 Ov/d Rex Studio 1 3 Betriebsferien bis 29. August 2018 kitag.com Scala 1 6 kitag.com Mamma Mia! Here WeGoAgain 2/5/8 E/d/f 2.30/5.30/8.30 D Hotel Transsilvanien 3 2D: 2.15 D 3D: 2.30 D Sicario /5.15/8.15 E/d/f Papst Franziskus Ein Mann /5.45/8.45 Ov/d Love, Simon 5.15 D Skyscraper 3D 5.30/8.30 D Ocean s D Winterthur Kiwi Center 1 11 kiwikinos.ch Liliane Susewind Ein tierisches... 2 D Solo: AStar Wars Story 2 D Die Biene Maja die Honigspiele 2.15 D Hotel Transsilvanien 3 3D: 2.15 D 2D: 2.45/5.30 D Jurassic World: Das... 3D 2.15/5.15/8.15 D Jim Knopf und Lukas der D Love, Simon 2.30/5.30/8 D Mamma Mia! HereWeGoAgain 2.30/5.15/8 D Ocean s /6/8.30 D Peter Hase 3 D Die Farbe des Horizonts 5.30/8 D Amori 5.45/8 I/d/f Skyscraper 3D 5.45/8.15 D Every Day Letztendlich sind wir... 6 D Papst Franziskus Ein Mann... 6 Ov/d Je vais mieux 6.15/8.30 F/d Hereditary Das Vermächtnis 8.15 D Sicario D The First Purge 8.45 D Kiwi Loge 1 3 Sommerpause bis 8. August 2018 kiwikinos.ch Maxx 1 6 kitag.com Mamma Mia! 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Here WeGoAgain 2.10/5/8.10 D 2.30/5.30/8.20 E/d/f Wendy 2 Freundschaft für immer2.20 D Ocean s /5.35/8.15 D 9 E/d/f Every Day Letztendlich sind D Love, Simon 3.40/6.20 D Hilfe, ich habe meine Eltern D Liliane Susewind Ein tierisches D Die Farbe des Horizonts 4/6.20/9 D Sicario 2 5/8 E/d/f 5.30/8.45 D Deadpool /8.30 D La ch tite famille Die Sch tis in D Der Sex Pakt 6.15/8.45 D Avengers: Infinity War 8 D Hereditary Das Vermächtnis 8.40 D Renegades Mission of Honor 8.45 D The First Purge 9 D Arthouse Alba arthouse.ch Clara Haskil Lemystèrede D/F/d Je vais mieux 4/6/8 F/d Arthouse Le Paris arthouse.ch Lunchkino Sommerpause bis 5. September 2018 Mamma Mia! 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Here WeGoAgain 2.30/5.30/8.30 E/d/f Solo: AStar Wars Story 2.30/8.30 E/d/f Jurassic World: Das gefallene... 5/8 E/d/f Skyscraper 5 E/d/f IFeel Pretty 5.30 E/d/f Avengers: Infinity War 8 E/d/f Corso 1 4 kitag.com Jurassic World: Das gefallene... 2/8 E/d/f Hotel Transsilvanien 3 3D: 2.15 D 2D: 5 E/d/f Sicario /5.15/8.15 E/d/f Mamma Mia! Here WeGoAgain 2.30/5.30/8.30 E/d/f Ocean s /8.15 E/d/f Filmpodium filmpodium.ch Rebecca 3.30 E/d Trespassing Bergman 6.15 Ov/e Death on the Nile (1978) 8.15 E/d/f FroschStudio 1+2 kitag.com Papst Franziskus Ein Mann... 3/5.30/8 Ov/d Die Farbe des Horizonts 3.30/6/8.30 E/d/f Houdini 1 5 kinohoudini.ch Ente gut! Mädchen allein zu Haus 1.50 D Di chli Häx 2 Dialekt Hunt for the Wilderpeople 2 D Mikro &Sprit 2.10 D Jim Knopf und Lukas der D Mamma Mia! Here WeGoAgain 4.10/6.40/9.10 E/d/f Ocean s /9.10 E/d/f Apfel und Vulkan 4.30 Dial/F/d Early Man 4.40 D Foxtrot 5 Ov/d/f In den Gängen 6.20 D The Bookshop 6.40 E/d/f Ni juge, ni soumise 7 F/d Shadow Thieves 7.30 Ov/d/f/e Le brio 9 F/d Hunt for the Wilderpeople 9.20 E/d Three Billboards Outside Ebbing E/d/f Kosmos 1 6 kosmos.ch Searching for Ingmar Bergman 1.30/4/7.45 E/d Vakuum 1.30 Dialekt The Sense of an Ending 1.35/6.15 E/d Candelaria 1.40/3.30/6.25 Sp/d/f Isle of Dogs 1.45/6.30/9 E/d/f Das schweigende Klassenzimmer 2.30 D Jim Knopf und Lukas der D Ocean s /6.15/8.45 E/d/f Pope Francis AMan of his Word 4.20 Ov/d Razzia 5/8.30 Arab/d/f In den Gängen 5.35 D 2001: ASpace Odyssey 8.15 E/d Lady Bird 8.45 E/d/f Symphony of Now 10 Dialog Metropol 1+2 kitag.com Sicario /5.15/8.15 E/d/f Skyscraper 3D 2.45/5.45/8.45 E/d/f Riffraff 1 4 riffraff.ch Dene wos guet geit 11 Dial/e Visages villages 11 F/d Dhadak Hindi/e Sweet Country 1 Ov/d/f Call Me by Your Name 1.50 Ov/d/f Hereditary 1.50/3.20/6.30/9.10 E/d/f Sicario: Day of the Soldado 3.40/6/8.30 E/d/f Fauves 4.30 F/d The Rider 4.30/8.30 E/d/f The King Mit Elvis durch Amerika 6.10 E/d Isle of Dogs 6.40 E/d/f Das Höllentor von Zürich 9 Sneaky Sunday Dial/e Stüssihof 1+2 stuessihof.ch Liliane Susewind Ein tierisches D Mein Freund, die Giraffe 2 D Eldorado 3.45 Ov/d The Death of Stalin 4 E/d/f Tully 6 E/d/f Emma 6.15 I/d/f Renegades Mission of Honor 8.30 E/d Deadpool 2 9 E/d/f Xenix xenix.ch Running on Empty 6.30 E/d/f Dogfight 8.45 E/d Ihr Kinoprogramm im Internet: Kunsthandel BORDEAUX WEINE GESUCHT Auch Italiener und Burgunder von ca bis ZAHLE HÖCHSTPREISE C.Hartmann lic. oec HSG T Hechtstr Teufen T weinankauf.ch BORDEAUX PRIMEURS 2017 Die grössten zu Profi Preise Bordeaux Sud-Ouest Languedoc-Roussillon Côtes-de-Provence Vallée du Rhône Bourgogne Alsace Loire Champagne Finanzmarkt Äusserst innovatives und nachhaltiges Tierschutz- und Tourismusprojekt mit Hengsten im Ausland sucht Geschäftspartner und Investoren: Weil Sie wissen, was wir tun. 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45 NZZ am Sonntag 22. Juli Messerscharfe Satire Der Komiker Sacha Baron Cohen verhöhnt US-Politiker 46 «Der Spiegel» darbt Das einstige Leitmedium fällt heute vor allem mit schrillen Titeln auf 48 NIKLAUS STAUSS / KEYSTONE Auf der Landiwiese werden die Zürcher neben Strassenkünstlern bald auch Predigern und Philosophen begegnen. (Zürich, 17.August2017) Satayspiessund Philosophen Matthias von Hartz, neuer künstlerischer Leiter des Zürcher Theaterspektakels, will in Zukunft mehr Diskurs, Sprechtheater, grosse Namen. Und er träumt von Eintrittskarten, die eher 10 als 100 Franken kosten. Von Christian Berzins Höflich sagt er: «Ich glaube, ich habe Ihre Frage noch nicht ganz beantwortet», um mit tenoraler Stimme auszuholen, von seinen Theaterwelten zu schwärmen und dann zu seinen Visionen abzuschweifen. Aber so schön Matthias von Hartz auch sprechen kann, ein Theaterträumer ist der 1970 in Augsburg geborene Deutsche nicht. Schon als er selbst inszenierte, hatte er immer das Gefühl und den Wunsch, er müsse etwas machen, das auch seine Freunde interessiere und nicht nur jene Theatergänger mit dem Mittwoch-Abo A. Und so fragte er sich: «Was erzähle ich von der Gegenwart?» Er wollte Stücke mit politischer und gesellschaftlicher Relevanz zeigen, die zu einer breiten Diskussion führen. «Beim Kuratieren ging es mir immer um soziale Bewegungen und politische Theorie und es kam immer Kunst heraus.» Von Hartz kommt nicht als Regisseur nach Zürich, sondern als neuer künstlerischer Leiter des Theaterspektakels und doch ist in diesen Ideen zu sehen, was in Zukunft in jener Zürcher Theaterinstitution passieren wird, die beliebter ist als das Schauspielhaus und mit 66 Prozent eine dreimal so hohe Eigenfinanzierung als der Dampfer aufweisen kann. 4,5 Millionen Franken beträgt das Budget, 1,5 Millionen bezahlt die Stadt Zürich, 1,5 die Sponsoren, und stolze 1,5 holen die Verantwortlichen durch die Karten dank der Auslastung von 85 Prozent herein. Das Theaterspektakel schafft das, obwohl die teuersten Karten nur 48 Franken kosten. Bei diesem «nur» verzieht von Hartz erstaunt das Gesicht, der Deutsche findet 48 Franken nämlich nicht billig. Und da sieht man, dass er noch neu ist in Zürich. «Der Eintritt für die gleiche Produktion kostet in Brüssel im Vergleich zu Zürich deutlich weniger», erklärt er und ergänzt: «Wir arbeiten in einem schlanken Team, haben gute Partner, und vieles ist knapp kalkuliert. Wir fördern Nachwuchs und zeigen auch viele junge Künstler, die nicht billiger sind, aber erst einmal kleinere, günstigere Produktionen machen.» Kartenpreise sind eintabu Hätte das Theaterspektakel 6 statt bloss 4,5 Millionen Franken Budget, würde von Hartz mehr eigene Produktionen ermöglichen, die für die Seebühne oder die Werft entstehen oder gar für den grossen Platz. Jetzt baut man für viel Geld jedes Jahr alles auf und muss dann erst noch schauen, ob die Gastproduktionen in diese Hallen und Zelte reinpassen. Und bisweilen kommt es zu eigenartigen Verbindungen, die die Auslastungszahl und die Gesamtbesucherzahl relativieren: Dieses Jahr etwa haben bei Mohammad Al Attars Stück «Aleppo» pro Vorstellung bloss 10 Leute Platz. Gezeigt wird es an einem Spielort, wo 190 Leute sitzen könnten. Wenn man von Hartz sagt, dass die Topproduktionen überbucht seien, es ein Leichtes wäre, die Preise dafür zu verdoppeln, spricht er gar von einem Tabu. «Wir haben uns im Leitungsteam des Festivals über Teilhabe und neue Zugänge Gedanken gemacht, da sollten wir keine Karten für 100 Franken verkaufen, sondern eher solche für 10. Zu meinem Selbstverständnis vom geförderten Kulturbetrieb gehört es, dass ich auch bei grossen Produktionen mit bekannten Namen die Zugänglichkeit für alle herstelle.» Dieses Denken gibt es an wenigen Zürcher Kulturinstituten ob Musik oder Schauspiel. Zudem betonen Zürcher Theatermacher dauernd, dass die Stadt ein hartes Theaterpflaster sei. Doch kaum geht die Saison müde zu Ende, naht die fünfte Jahreszeit, und alle buchen Karten, pilgern hinaus auf die schöne Wiese und schauen sich gebannt ein Stück über koreanischen Schamanismus an. Das Theaterspektakel ist das beste Beispiel dafür, dass es nicht reicht, «nur» edle Kunst zu präsentieren. Der Mensch sehnt sich nach mehr es darf auch ein Stück Leichtigkeit sein, auch einmal ein Stück, das nur 50 Minuten dauert. Der See und das Freilufterlebnis versprechen eine einzigartige Atmosphäre ein Thali mit Chapati sorgt für den Rest. Lassen wir die Theatermisere beiseite, zumal sich von Hartz als Festivalfreund Fortsetzung Seite 46

46 46 Kultur NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 GIAN MARCO CASTELBERG Vor ihm ist niemand sicher Matthias von Hartz sagt, dass Theater nicht immer weh tun müsse. (Zürich, 10. Juli 2018) Philosophen... Fortsetzung von Seite 45 outet, der jedes Jahr nach Avignon reist ein Ort, der unter Theaterspezialisten verpönt sei: «Schönes Wetter, beste Laune, tolle Kunst: Das sind gute Voraussetzungen. Theater muss nicht immer weh tun. Wenn der Rahmen stimmt, hilft das. Der Sommer hilft auch dem Theaterspektakel. Was auch Freiheit verschafft: Wir müssen nicht die theatrale Grundversorgung der Stadt gewährleisten. Das geht auch mit anderen Ansprüchen einher. Internationales Theater bei Festivals ist erstaunlicherweise immer noch für viele ein Sahnehäubchen des Theaterjahres, eine Art Extra zum normalen Betrieb. Das darf dann auch etwas extra sein.» Alles bleibt neu Die zehnjährige Arbeit von Vorgänger Sandro Lunin findet von Hartz so gut, dass er sie geradezu weiterführen müsse, und im ersten Rund- schrieb er prompt: «Alles bleibt neu.» Von Hartz sagt: «Das Festival funktioniert in der Stadt und in der Szene extrem gut, es gilt, diesen Erfolg fortzusetzen.» Doch dann kommt der entscheidende Zusatz: «Sandro Lunin und ich haben unterschiedliche Biografien, Interessen und Überzeugungen: Das schlägt sich in einer anderen Perspektive und anderen Facetten nieder.» Das Publikum wird Unterschiede ausmachen können: «Soziale Bewegungen und aktuelle politische Theorie werden direkter zur Sprache kommen, neben Afrika auch einmal Amerika ein Thema sein und ich komme vom Sprechtheater, das wird man merken.» Eine Gruppe wird nicht mit einem Stück, sondern mit ihrem Werk eingeladen, und auch Produktionen von wirklich grossen internationalen Künstlern, die kaum je in Zürich waren, sollen zu sehen sein. Das Interessante und Kuriose bleibt, dass es im Prinzip egal ist, ob etwas mehr gesprochen, weniger getanzt, mehr musiziert oder auf der Bühne mehr Politik gemacht wird. Das Theaterspektakel ist ein Selbstläufer, die Zürcher zeigen sich hier nicht als Körnchenpicker. Etwa Leute kaufen Karten, kommen jeweils aufs Gelände. «Die Zürcher sind bereit, etwas auszusuchen, das sie im Oktober im Schauspielhaus nicht ankucken», sagt von Hartz. Der künstlerische Leiter ist glücklich, dass es diesen Ort gibt, wo man Dinge zeigen kann, die sich einem nicht immer ganz erschliessen, da sie aus einem fremden kulturellen Kontext kommen. «Ich bin froh, wenn nicht gleich alle fragen: Was trommeln die denn da? Wenn da ein balinesisches Schattenspiel gezeigt wird, ich mich damit aber nicht auskenne, erkenne ich nicht den Unterschied zwischen dem, was ich in Bali im Hotel und hier auf der Bühne sehe. Diesen Kontext gilt es herzustellen.» Noch mehr als eine einzelne Produktion interessiert von Hartz vielleicht die Frage, was das Ganze soll sozusagen die Frage, ob es nächstes Jahr wieder ein Theaterspektakel gibt. «Ich frage mich: Warum gibt uns die Stadt diesen Raum und finanziert ihn mit? Das ist keine Verpflichtung, aber eine Verantwortung und es gilt, gesellschaftliche Fragen mit Kunst zu verhandeln. Das Theaterspektakel ist gleichzeitig keine Universität, kein Volksbildungsheim, sondern auch Teil der Unterhaltungsindustrie, um es zugespitzt zu formulieren.» Nur logisch, findet es Matthias von Hartz auch hochspannend, was man mit den 5000 Menschen macht, die sich allabendlich auf dem Gelände ohne eine Theaterkarte vergnügen. Von Hartz möchte, dass jeder, der da ohne eine Theaterkarte Satay-Spiesse isst, mit Kunst in Berührung kommt so viel missionarischen und aufklärerischen Eifer habe er dann doch. Und so fragt er sich: «Wie schaffen wir eine Durchlässigkeit von den Bühnen auf die Wiese? Wie kann man mehr Kunst aufs Gelände bringen? Die Kunstfigur Reverend Billy tritt auf, berühmte afrikanische Philosophen halten Vorträge, und an einem öffentlichen Stammtisch soll heftig diskutiert werden. Ob die Schweizer sich hinsetzen? «Ich will ja keinen ins Theater zwingen, will nicht 5000 Leute mit Kunst bespassen. Aber könnte man ihnen noch etwas anderes als Feuerspucken bieten?» Und augenzwinkernd fügt von Hartz an: «Ich möchte damit nicht zitiert werden.» 39. Theaterspektakel Zürich Den «kompletten» Shakespeare in 36Teilen Die Theaterwelt ist ab 16.August zu Gast in Zürich. Amerika ist mit der Performancegruppe Nature Theater of Oklahoma vertreten, Polen mit Marta Górnickas «Hymne an die Liebe» oder Syrien mit Mohammad Al Attars Stück «Aleppo». Erstmals wird eine Gruppe drei Wochen präsent sein, Forced Entertainment in dieser Zeit sämtliche Werke Shakespeares zeigen. Das Festspielgelände wird vermehrt mit Kunst bespielt (siehe Text). Teilhabe ist ein Thema: Wer will, kauft nicht nur sich, sondern auch einem Unbekannten eine Karte. (bez.) Theaterspektakel, Zürich: bis Der britische Komiker Sacha Baron Cohen entlarvt in seiner neuen Serie «Who Is America?» den Fanatismus von amerikanischen Politikern. Seine tödliche Methode: Er bringt sie dazu, sich blosszustellen. Von Denise Bucher RICHARD SHOTWELL / INVISION / AP / KEYSTONE Niemand macht so mutige Satire wie der Brite Sacha Baron Cohen, 46. Du hast mich erwischt, Sacha. Fühlst du dich jetzt besser?», fragte Sarah Palin auf Facebook. Die ehemalige Gouverneurin von Alaska beklagte sich: «Ich bin Opfer vom bösen, kranken Humor des britischen Komikers Sacha Baron Cohen» geworden.» Philip Van Cleave, Waffenlobbyist und Präsident der Virginia Citizens Defense League, bekannte ebenfalls auf Facebook, er sei verführt worden und werde wohl traurigerweise in einem verrückten Film im Stil von «Borat» vorkommen, blöd dastehen und sich in guter Gesellschaft befinden. Der Waffenfreund unterstellt Baron Cohen die Absicht, mit seiner Serie «Leben zu zerstören». Van Cleave und Palin sind zwei von mehreren öffentlichen Personen, die auf den englischen Komiker hereingefallen sind und ihm beziehungsweise einem seiner diesmal gleich vier Alter Egos für dessen neue Serie «Who Is America?» Interviews gegeben haben. Er wolle die amerikanische Seele ergründen, heisst es im Vorspann. Dabei verfährt Cohen nach derselben Methode wie schon in «Da Ali G Show» ( ) und «Borat» (2006): Er packt seine Interviewpartner bei ihrer Eitelkeit, indem er ihnen einen Auftritt im Fernsehen anbietet. Im Gespräch gibt er sich dumm und unterlegen und nutzt diese Haltung für Provokationen, auf die seine Gegenüber mit Aussagen reagieren, die sie einem ebenbürtigen Gesprächspartner niemals sagen würden. Cohens Methode funktionierte in der ersten Folge von «Who Is America?» nicht immer gleich gut. Die Begegnung zwischen dem fiktiven ultrarechten Journalisten Billy Wayne Ruddick und Bernie Sanders scheitert daran, dass der ehemalige Präsidentschaftskandidat sachlich bleibt und sich nicht auf den Fanatiker einlässt. Am Ende steht nicht Sanders als Idiot da, sondern der Interviewer, der die Website truthbrary.org betreibt, mit der er die US-Bürger mit Texten voller Rechtschreibfehler vor den Lügen der «Mainstream-Medien» beschützen will. Die Seite existiert tatsächlich, auch wenn sie nicht ernst gemeint ist. Mit ihren Verschwörungstheorien zu Barack Obama, Hillary Clinton oder 9/11 und den bizarren Newsmeldungen wirkt sie wie eine Parodie der realen ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart. Es folgt eine Sequenz mit einer Galeristin, die Baron Cohen als britischen Ex-Sträfling Rick Sherman kennenlernt. Das schmerzt schon mal ein wenig, weil der Komiker auf Fäkalhumor setzt, von dem er in «Borat» kaum genug bekommen konnte. Dann bringt Cohen als linksextremer Dr. Nira Cain-N Degeocello ein konservatives Ehepaar an seine Grenzen. Anders als es der Präsident täte, den die beiden verehren, hören sie Cain- N Degeocello höflich zu. Die zwanghafte Toleranz des Klischeelinken Cain-N Degeocello mag einem auf die Nerven gehen. Die Aussagen der Waffenfreunde im vierten und stärksten Teil sind erschreckend. Nicht, weil deren Ansichten und Wünsche so sehr überraschen würden, sondern weil sie es wagen, sie in eine Kamera hinein zu sagen. Kleinkinder sollen Waffen tragen Die Sequenz heisst «Kill or Be Killed». Darin trifft Cohen als Colonel Erran Morad, israelischer Waffennarr und Anti-Terror-Experte, Vertreter der US-Waffenlobby, und phantasiert mit ihnen darüber, ein «Kinderguardian-Programm» zu entwickeln. Dieses soll schon Kindergärtlern den Umgang mit Waffen beibringen, damit sie sich gegen

47 47 Colonel Erran Morad (Sacha Baron Cohen, r.) lässt Waffenlobbyist Philip Van Cleave kindergerecht erklären, wie man Bösewichte und Terroristen abknallt. Amokläufer und Terroristen verteidigen können. Philip Van Cleave hilft Morad dabei, ein Video zu drehen, in dem er mit Plüschtieren verzierte Waffen in die Kamera hält und in Babysprache vom Töten spricht. Danach schwärmt der Waffenlobbyist Larry Pratt von bewaffneten Vierjährigen, weil diese «rein und unbeeinflusst sind von Fake- News und Homosexualität und sich nicht fragen, ob es politisch korrekt ist, einen geistesgestörten Schützen umzulegen». Pratt steht offen zu seinem Hass auf Muslime und macht Witze darüber, dass eine Vergewaltigung in der Ehe zum Glück nicht als Vergewaltigung gelte. Joe Walsh schliesslich, ehemaliger Kongressabgeordneter von Illinois, Israelfreund und Leiter eines konservativen Radiosenders, lässt sich von Morad dazu verleiten, am Ende fröhlich «Happy shooting, kids!» in die Kamera zu sagen. Baron Cohen bringt es fertig, dass seine Interviewpartner sich selbst als rassistisch, sexistisch und homophob entlarven. Wie Palin und Van Cleave hatte auch Walsh in der Folge das Bedürfnis, sich in einem Interview mit CNN zu rechtfertigen: Cohens Team habe ihn mit dem Versprechen vor die Kamera gelockt, dass er von einem israelischen Fernsehsender einen Preis überreicht bekomme: «Ich musste von einem Teleprompter ablesen, was Israel alles für tolle Produkte entwickelt hat.» Dabei hätten sie ihn auch die Geschichte eines Vierjährigen vorlesen lassen, der an seiner Schule in Die Kunstfiguren von Sacha Baron Cohen Alistair Leslie Graham aka Ali G Die Rolle des Pseudo-Gangsta Ali G verhalf Baron Cohen 1998 zum Durchbruch. Ab 2000 hatte er seine eigene und kontrovers diskutierte Show, inder er Politiker, Prominente oder andere Gäste interviewte und mit rassistischen, sexistischen und anderweitig fragwürdigen Aussagen vor den Kopf stiess entstand aus der Show sein erster Kinofilm «Ali G in da House». Borat Sagdiyev Brüno Gehard Admiral General Aladeen Der Journalist aus Kasachstan bereist im Mockumentary «Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan» (2006) für seine TV-Station die «US and A», als ob es ein fremder Planet wäre. Borat ist ein antisemitischer und homophober Sexist und Rassist. Man wusste im Kino nicht, ob man über seine Witze lachen oder weinen sollte. Seine Erfahrungen als Model inspirierten Sacha Baron Cohen zum Alter Ego Brüno, einem schwulen Modejournalisten, der 2009 im gleichnamigen Mockumentary für den fiktiven Sender «Austrian Gay TV» Interviews in der Modewelt führt. Er spricht Englisch mit deutschem Akzent und beutet auf seine Weise das komische Potenzial von Vorurteilen gegen Homosexuelle aus. Der antiwestliche und antisemitische Despot aus der Komödie «The Dictator» (2012) verliebt sich bei einem USA-Besuch in die Amerikanerin Zoey. Seine Rede über die Vorzüge der Diktatur wirkt heute prophetisch: «Sie könnten mit Steuersenkungen Ihre reichen Freunde reicher machen. Sie könnten Wahlen manipulieren und die Gesundheitsvorsorge zerstören...» Sarah Palin Die 54-jährige Republikanerin ist eines der Opfer von Cohen. Sie wurde 2006 Gouverneurin von Alaska kandidierte sie als Vizepräsidentin von John McCain trat Palin nach einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs zurück. Israel einen Terroristen entwaffnet und diesen in Schach gehalten habe. «Ich dachte schon, das sei alles ziemlich verrückt, aber Israel ist stark. Darum habe ich weitergelesen.» Cohen erklärt seinen Auftritt bei CNN damit, dass er und Sarah Palin sich jetzt zu Wort melden müssten, um den Leuten die Wahrheit zu sagen. Aber die haben sie bereits gesagt, indem sie sich vom verkleideten Cohen aus Eitelkeit, Dummheit oder tatsächlicher Überzeugung zu Aussagen haben verleiten lassen, mit denen sie sich als Fanatiker zu erkennen geben. Dass der Komiker diesmal nicht auf normale Leute losgeht, sondern sich Politiker und Lobbyisten vornimmt, steigert seine brutal-satirischen Attacken zu Protestkunst: Indem er widerliche Figuren spielt, die das Gegenteil seiner selbst sind, bringt Baron Cohen es fertig, dass seine Interviewpartner sich selbst als rassistisch, sexistisch, homophob und xenophob entlarven. In einem Trailer zu einer noch nicht ausgestrahlten Folge der Serie sieht man George W. Bushs Vize Dick Cheney eine als Waterboarding-Set präsentierte Wasserflasche signieren. Waterboarding ist eine Foltermethode, bei der Opfer das Gefühl haben zu ertrinken. Protestsongs zumwohlfühlen Dass der Komiker seine Maskerade niemals auffliegen lässt, macht seine Kunst gefährlich und effektiver als jeden Protestsong und politisch motivierte Kunstperformance. Diese wirken oft mehr selbstgefällig als agitatorisch. Besonders, wenn sie von westlichen Künstlerinnen und Künstlern stammt, die vom System profitieren, das sie kritisieren, und von denen sich auch niemand vor Gefängnis oder noch Schlimmerem fürchten muss, weil sie ihr Land oder die Regierung kritisieren. Songs über Krieg und Rassismus wie «The Words That Maketh Murder» von PJ Harvey oder «We the People» von A Tribe Called Quest lassen einen zwar zustimmend nicken, aber sie lösen keine anderen Reaktionen aus ausser der Wonne des Zustimmens. Als Ai Weiwei eine 2000 Jahre alte Vase aus der Han-Dynastie fallen liess, zerstörte er damit den kulturellen Wert eines Objekts aus einer Zeit, deren Erbe er damit kritisiert. Aber noch mehr als seine Zuschauer dürften Sammler entsetzt gewesen sein, die den Wert dieses Objekts kennen. Wenn man «Kids with Guns» von «Gorillaz» hört, bleibt der einem vor allem als guter Song in Erinnerung, aber nicht mehr, obwohl er vom Gleichen handelt, wie die Waffenlobbyisten mit Colonel Erran Morad besprechen. Während es bei politischen Performances, Liedern und Filmen beim Appell an die Vernunft ihres Zielpublikums bleibt, greift Baron Cohens Satire mit gespielten Rollen echte Vorurteile an. Was er mit seinen boshaften Interviews bewirken kann, muss sich noch zeigen. Aber eines hat Sacha Baron Cohen jetzt schon erreicht: Politiker und Lobbyisten wissen, dass sie in Zukunft besser aufpassen müssen, was sie sagen, wenn ihnen jemand beim Interview gegenübersitzt und ihnen das Gefühl gibt, mit allem einverstanden zu sein. «Who Is America?» läuft auf Sky Atlantic.

48 48 Kultur NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Guter Rat in Büchern: Pfui Teufel! Zugabe Manfred Papst Enttäuschte Liebe Mit Lebenshilfe kann man mich jagen. Ich will zum Beispiel nicht positiv denken. Es denkt in mir, wann und wie es will und auf jede Gefahr hin. Das einzig Verlässliche sind meine Dämonen. Tag und Nacht suchen sie mich heim. Ich will mir auch nicht von irgendeinem hergelaufenen Lebenshelfer einreden lassen, dass ich eine sinnvollere Existenz führte, wenn ich eine Stunde früher aufstünde als bisher und die gewonnene Zeit zu heftiger, joghurtfrischer Daseinsbejahung nutzte, Paulo Coelho läse oder mich im Bogenschiessen übte. Es soll mir niemand in Buchform mitteilen, wie ich besser leben soll. Ich habe einfach schon zu viel kommen und gehen sehen. Die tödlichen Bananen. Die blähenden Kartoffeln. Den rohen Fisch, der beim Kopfrechnen hilft. Die krebserzeugenden Säuren in der Milch der frommen Denkungsart. Mir muss niemand erklären, in welcher Stellung ich mich ins Bett legen muss, damit Karma und Tao sich gute Nacht sagen wie Fuchs und Hase. Auch in Sachen Streit mit meiner Liebsten brauche ich keine Nachhilfe. Sie, da herrscht im Fall eine Streitkultur, da «litzt» es Ihnen die Ohren um! Was sind das für Leute, die sich Tag für Tag und Buch für Buch erdreisten, uns mit ihren Ratschlägen zu beglücken? Sie müssen ein sehr gesundes Selbstbewusstsein haben und eine sehr geringe Intelligenz. Erst wo diese beiden Eigenschaften zusammenkommen, wird das Hormon der zwanghaften Menschheitsbeglückung freigesetzt. Es ist ein Gift. Der Phänotyp des fotogenen Ratgebers, der mir weismacht, ich müsse mit Distelöl gurgeln, um meine Work-Life-Balance zu entdecken und meinen Chef von meinen (übrigens nicht vorhandenen) Geheimstrategien zu überzeugen, geht mir seit je auf den Wecker. Ich halte es mit den Zauderern und Zweiflern. Angebliche Nihilisten wie Nietzsche, Kafka, Cioran und Beckett haben mit ihren ratlosen Texten immer wieder eine höhere Heiterkeit in meine Welt gebracht. Dass sie meine Unsicherheit verstanden und teilten, hat mir in etlichen Krisen durchs Leben geholfen. Dass wir uns recht verstehen: Ich bin nicht beratungsresistent. Für hilfreiche Hinweise aus dem Familien- und Freundeskreis bin ich stets empfänglich. Aber da handelt es sich nicht um professionelle Berater, sondern um Leute, die es ohne alle kommerziellen Interessen gut mit mir meinen. «Professionell»: Woran erinnert uns das? Genau. Es gibt eine Lebenshilfe, die der Prostitution gleicht. Im Buchmarkt ist sie omnipräsent. Sie gehört so wenig verboten wie das horizontale Gewerbe an sich. Aber das Kind beim Namen nennen und meiden: Das darf man schon. Es funkte 1993, ich war im Gymnasium, und wir nahmen in der Geschichte den Zweiten Weltkrieg durch. Der Lehrer verteilte uns ein Dossier aus dem «Spiegel» zur Schlacht von Stalingrad. Rudolf Augstein, der das Magazin 1947 gegründet hatte, analysierte zum 50-Jahre-Jubiläum den Mythos: faktenreich, autoritär, einordnend. Mich hat seine Titelgeschichte gepackt, seither lese ich den «Spiegel» Woche für Woche. Viele Jahre lang war der Montag für mich der «Spiegel»-Tag, seit 2015 ist es der Samstag. Als Student verschlang ich die historischen Dossiers, vor allem jene zur katholischen Kirche und immer wieder zu Hitler. Mir gefiel die lebendige und verständliche Sprache, die Gliederung in viele Abschnitte und dass stets die wichtigsten Players im O-Ton vorkamen. Und im Kulturteil las ich mit Gewinn die tiefgründigen Interviews, das sogenannte «Spiegel»-Gespräch, mit Geistesgrössen wie Jürgen Habermas und Hans Magnus Enzensberger über die Lage Europas oder den Krieg im Balkan. Grosses intellektuelles Tennis boten jeweils die Debatten, welche der «Spiegel» lostrat, wie 1995, als Marcel Reich-Ranicki in der Titelgeschichte «Mein lieber Günter Grass...» dem Schriftsteller fadengerade erklärte, sein Roman «Ein weites Feld» sei «misslungen» und ganz allgemein zeuge seine Literatur von «mangelndem Selbstvertrauen». Vor allem aber beeindruckten mich die investigativen Recherchen, mit denen der «Spiegel», dieser Wachhund der Demokratie, die deutsche Nation erschütterte. Vorbild «Economist» Tempi passati. Schon seit Monaten langweilt mich das Magazin. Erst einmal, weil es kaum noch überrascht. Jedes Mal, wenn Donald Trump nach Europa kommt oder Merkel empfängt, gibt es ein Cover, das den US-Präsidenten zum Monster überzeichnet. Besonders geschmacklos war jenes mit Trump als Schlächter der Freiheitsstatue. Wo sind bloss die Geistesblitze und vor allem der Esprit früherer Ausgaben geblieben? Der «Spiegel» sollte sich am britischen «Economist» ein Beispiel nehmen, der die Dinge oft mit einem Augenzwinkern auf den Punkt bringt. Ätzend sind auch die ewigen Endspiel- Covers zu Merkel und zur deutschen Nation. Als die Bundeself mit einer Niederlage gegen Südkorea aus dem WM-Turnier flog, war ich mir ganz sicher: Jetzt bringt der «Spiegel» dann einen Abgesang auf die Nation. Und siehe da: «Es war einmal ein starkes Land» titelte er und bemühte auf zehn Seiten einen Vergleich zwischen Trainer Joachim Löw und Kanzlerin Merkel. Es war eine Coverstory ohne Tabellen und Infografiken. Kein Wunder, die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nie seit der Wiedervereinigung war Das Magazin «Der Spiegel» galt lange als Leuchtturm des deutschsprachigen Journalismus. Es begeisterte mit tiefgründigen Recherchen und Reportagen Millionen von Lesern. Doch seit einiger Zeit kompensiert es Tiefgang mit schrillen Titeln und heisser Luft, schreibt Christian Jungen die Arbeitslosenrate in Deutschland tiefer als heute, das durchschnittliche Einkommen ist fast zehnmal höher als 1950 und die Lebenserwartung steigt und steigt. Aber was soll man sich um Fakten scheren, wenn man eine steile These hat? Der Shitstorm auf Social Media folgte auf den Fuss. Damit war der Tiefpunkt des Jahres aber noch nicht erreicht: Eine Woche später zeigte der «Spiegel» auf dem Cover zwei junge Menschen, die sich küssen, darunter der Titel: «Für immer? Wie Liebe gelingt». Die Titelgeschichte drehte sich um ein Paar, das seit 62 Jahren glücklich zusammen ist, aber dem Blattmacher wohl zu unattraktiv schien für die Front. Sie war durchsetzt mit Binsenwahrheiten, Küchenpsychologie, heisser Luft und beliebigen Aufzählungen von Promipaaren, deren Ehe noch hält. Das Fazit lieferte eine Scheidungsanwältin, die erläuterte, dass es die perfekte Beziehung nicht gebe. Wenn man dieses «Geheimnis» akzeptiere, fahre man besser. Wer hätte das gedacht! Erschienen ist diese Schwachstrom- Gesellschafts-Story in der Kultur, deren Redaktoren sich kaum noch auf Werke und Künstler einlassen, sondern die ganze Berichterstattung vergesellschaften. Musik zum Beispiel ist vor allem dann interessant, wenn man sie mit der AfD oder Antisemitismus in Verbindung bringen kann. Was ist bloss los mit den Journalisten in Hamburg? Viele sind wohl absorbiert vom Konflikt zwischen Online und Print, deren Redaktionen nicht nur eine unterschiedliche Auffassung punkto Ausrichtung trennt, sondern auch unterschiedliche Löhne (Onliner verdienen weniger). Mag sein, dass geschwätzige Ratgeber-Texte über die Liebe einem Reichweitenmedium im Netz Klicks bescheren. Aber als treuer Fan des einstigen Leitmediums mag ich dafür nicht 7 Franken 50 bezahlen. Ich will mein auf Fakten bauendes Nachrichtenmagazin zurück! Verheerend wirkt sich weiter der Umbau der Redaktion aus: Beim «Spiegel» haben sich traditionell zwei Lager die Waage gehalten und sich gegenseitig zu Höchstleistungen angespornt: Auf der einen Seite die Reporter, die durch die Welt tingelten und gut erzählte Geschichten ins Blatt brachten. Und auf der anderen Seite die investigativen Rechercheure, die den Mächtigen auf die Finger schauten und Skandale aufdeckten. Dieses Lager wurde ausgedünnt, die Schönschreiber haben gewonnen. Heute reist ein Reporter Statt brisante Geschichten um Merkel aufzugreifen, liefert das Magazin lieber ein Psychogramm der Kanzlerin. Ausgabe vom Cover vom Ausgabe vom EDEL RODRIGUEZ / DER SPIEGEL / DPA DER SPIEGEL DER SPIEGEL mit Merkel nach Peking, Washington, Amman und Quebec. Statt brisante Geschichten aufzugreifen, die am Wege lagern, liefert er schliesslich ein spekulatives Psychogramm der Kanzlerin. Ganz anders agieren die einstigen «Spiegel»-Aushängeschilder: Holger Stark wechselte mit seinem Netzwerk in Politik und Geheimdiensten zur «Zeit», und der abservierte Chefredaktor Georg Mascolo baute bei der «Süddeutschen Zeitung» den Recherche- Desk auf. Heute ist dieses Blatt die erste Adresse für investigativen Journalismus, viele Whistleblower gehen nicht mehr zum «Spiegel», sondern vertrauen ihre Informationen dem Leitmedium in München an. Beim Mega-Thema #MeToo, wo der «Spiegel» mit einer für ihn idealen Mischung aus Gesellschaftsjournalismus und Recherche hätte brillieren können, war es die «Zeit», die mit Dieter Wedel den mutmasslich grössten Täter entlarvte. Und der «Spiegel»? Er sprach mit einer deutschen Schauspielerin, die von ihren unschönen Erlebnissen mit Harvey Weinstein berichtete anonym. Ein Armutszeugnis. Besinnteuch aufdaserbe! Wann hatte der «Spiegel» eigentlich das letzte Mal einen Scoop, der die Nation erschütterte? Da kommt einem die Recherche zum Abgas-Skandal bei VW in den Sinn, die aber schon bald drei Jahre zurückliegt. Die verkaufte Auflage ist im freien Fall. Betrug sie 2003 noch 1,13 Millionen Exemplare, so ist sie jetzt bei angelangt. Die «Zeit» hingegen hat ihre Auflage seit 1998 um über 9 Prozent auf Exemplare gesteigert. Zugegeben, es ist wegen des erodierenden Inserategeschäfts schwierig geworden, ein anspruchsvolles Magazin zu finanzieren. In den USA wurde «Newsweek» eingestellt, und in Italien ist der «Espresso» auch nur noch halb so dick und interessant wie vor 20 Jahren. Beim «Spiegel» kommt erschwerend die politische Grosswetterlage hinzu. Nach dem Motto «Keine Angst vor der Wahrheit» hat sich das Magazin an den Mächtigen abgearbeitet, vor allem an Helmut Kohl. Aber heute, wo die AfD die Agenda diktiert, steht die Redaktion bei allen drängenden Themen wie Flüchtlings-, EU- und Währungspolitik auf der Seite Merkels, kritisiert aber doch ihren Stil, was dem Profil nicht zuträglich ist. «Der Spiegel» hat das gleiche Problem wie der linksliberale «Tages-Anzeiger», der im rotgrünen Zürich vermehrt gegen die politischen Vertreter der eigenen Klientel schreibt. Vielleicht weicht der «Spiegel» deshalb aufs Terrain von «Stern» aus und frönt dem Gesellschafts-Journalismus. Ich wünschte mir, er würde sich auf sein Erbe und den Kern seiner Marke konzentrieren und wieder mit investigativen Recherchen und anregenden Debatten im Kulturteil auftrumpfen.

49 Tipps 49 Kino Kurz und knapp Mamma Mia 2 Teil zwei des Musicals erzählt davon, wie Donna (Lily James) damals die drei potenziellen Väter von Sophie kennenlernte. Der Plot ist so plump, dass es einen reut um jeden Abba- Song, der darin für kitschigen Klamauk herhalten muss. (dbc.) Vakuum Kurz vor ihrem 35.Hochzeitstag erfährt Meredith (Barbara Auer), dass sie HIV-positiv ist. Angesteckt wurde sie von ihrem Mann, der ins Puff geht. Spannendes Drama über die Unmöglichkeit eines gutbürgerlichen Paares, über ihre Wünsche zu sprechen. Etwas schwerfällig inszeniert. (cj.) Ausstellung Andro Wekua: Untitled, COURTESY OF THE ARTIST AND GLADSTONE GALLERY Es fehlt nur ein Drink Andro Wekua: All is Fair in Dreams and War. Kunsthalle Zürich, bis Katalog: JRP. Bühne Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde) zerreden ihre Gefühle, statt diesen nachzugeben. Sosind junge Menschen halt 303 Deutschland, 145 Min. Regie: Hans Weingartner. Mit Mala Emde, Anton Spieker. Ab Am Anfang steht das Zitat von Rilke: «Dieses ist das erste Vorgefühl des Ewigen: Zeit haben zur Liebe.» Regisseur Hans Weingartner nimmt sich dann so viel Zeit für seine Liebesgeschichte, dass einem der Film wie eine Ewigkeit vorkommt. Biologiestudentin Jule (Mala Emde) ist durch eine Prüfung geflogen, vielleicht, weil sie vor der Entscheidung steht, ob sie abtreiben soll oder nicht. Um ihrer Realität zu entfliehen und um ihrem Freund Alex zu sagen, was los ist, setzt Jule sich in ihr Gewalt, Sex und sanfte Töne Bregenzer Festspiele Berthold Goldschmidt: Beatrice Cenci. 22./30. Juli. Georges Bizet: Carmen. Bis 20. August. Es ist erstaunlich, was sich in der Pause von Berthold Goldschmidts Oper «Beatrice Cenci» im Bregenzer Festspielhaus abspielt: Die Menschen strömen hinaus, nehmen Platz auf der Seebühne, machen Selfies und können sich nicht sattsehen am monumentalen «Carmen»-Bühnenbild. Dabei haben sie doch soeben das erste Mal den Beginn von «Beatrice Cenci» gesehen! Eines 1950 vollendeten Werkes altes Wohnmobil und macht sich auf nach Portugal, wo dieser lebt. Parallel zu den elliptisch montierten Szenen aus Jules Leben stellt uns Weingartner Jan (Anton Spieker) vor. Der Politologiestudent will per Autostopp nach Spanien, um seinen Vater kennenzulernen. Jule lässt ihn mitfahren, schmeisst ihn nach einem Disput zum Thema Selbstmord wieder raus. Nachdem Jan sie aber vor einem aufdringlichen Lüstling gerettet hat er macht zufällig an derselben Raststätte halt wie Jule, reisen die beiden gemeinsam weiter. Sie diskutieren jetzt pausenlos, wie junge Menschen diskutieren, denen die Welt nicht egal ist. Sie beginnen mit Politik: «Was bringt die Menschheit voran, Kooperation oder Konkurrenz?» Je sympathischer sie einander finden, desto mehr Die Titelheldin Gal James kann sich in «Beatrice Cenci» erst im 3. Akt stimmlich entfalten. KARL FORSTER / BREGENZER FESTSPIELE verschiebt sich das Gespräch in Richtung Biologie, sie diskutieren das Paarungsverhalten des Tiers namens Mensch, die Nachteile der Monogamie, die Vorteile der Polyamorie. Die beiden betreiben Küchenpsychologie im Wohnwagen, und man schaut ihnen dabei zu, wie sie sich langsam ineinander verlieben. Das lässt einen aber kalt, weil die zwei immer alles zerreden, was sie möglicherweise fühlen. Ausserdem wirkt Emdes Spiel zeitweise gar hölzern, und der Zuschauer ahnt immer schon, was als Nächstes passiert. Am Ende fragt man sich, was die Botschaft von «303» sein soll. Das passt nicht zu Weingartner, der gesellschaftspolitisch relevante Filme realisiert hat wie «Das weisse Rauschen», «Free Rainer» und «Die fetten Jahre sind vorbei». Denise Bucher eines Komponisten, der 1933 Deutschland verlassen musste, da er dort als «entartet» galt. Aus den Augen, aus dem Sinn? Schade wäre es, denn diese Oper entwickelt im 3. Akt einen lyrischen Sog. Auch vor der Pause ist vieles gut: ideenreich und bilderstark die Inszenierung, in Ordnung die Sänger und erzählend, wenn auch nie packend die Musik. Der Mut, im Festspielhaus als Gegenpol zur Oper auf dem See eine Rarität zu zeigen, hat sich gelohnt. Die Grundstimmung des Werks über einen ausschweifend lebenden Grafen ist geprägt von Gewalt, Macht und (inzestuösem) Sex. Nur durch einen Mord ist dieser besessene Narzisst aus der Welt zu bringen. Doch den Hereditary Der Tod ihrer Mutter schlägt Annie (Toni Collette) und ihrer Familie auf den Magen. In ihrem Haus beginnt es zu spuken. Selten hat man einen so hochspannenden und doppelbödigen Horrorfilm gesehen, der das Publikum an die Sessel fesselt und zum Kreischen bringt. Toni Collette ist als entgeistert aus der Wäsche blickende Mutter eine Wucht. (cj.) Toni Collette als Annie. «Gerechten» wird übel mitgespielt. Trotz der Drastik ist für Regisseur Johannes Erath Ironie möglich, lässt er doch zu Beginn des 3. Aktes den Papst zu Klängen aus Puccinis «Tosca» Todesurteile unterschreiben. Nicht zufällig hat die Intendantin «Beatrice Cenci» eine Weiterentwicklung «Toscas» genannt. Doch wer mit diesem Gedanken nach Bregenz reist, sollte besser die Seeoper buchen: Bizets «Carmen» verspricht ein Spektakel. Insgesamt Menschen werden Bauklötze staunen, wenn Carmen aus schwindelerregender Höhe in den See hechtet und die Bühne in bunten Farben über dem Bodensee leuchtet. Christian Berzins Feen heissen im Märchen die Zauberwesen, die plötzlich auftauchen, die Menschen zu Handlungen veranlassen und längst wieder verschwunden sind, wenn es darum ginge, Verantwortung zu übernehmen. Die blaue Figur, die Andro Wekua zum Auftakt seiner Ausstellung in der Kunsthalle Zürich vor einer Aluminiumfläche schweben lässt, ist so eine. Ihre Füsse fehlen, ein Schleier umhüllt den Kopf, eine Hand hält eine Lilie, deren penetranten Geruch man in der Nase spüren glaubt. Diese Figur «Blue Hold» ist verletzlich und hart zugleich, so wie die glasierte Keramik, aus der sie gebrannt ist. Man denkt mit dem Ausstellungstitel im Kopf an den Spruch, mit dem die Hexen in Shakespeares «Macbeth» die Wendungen des Geschehens begleiten: «Fair is foul, and foul is fair». Nichts ist das, was es zu sein scheint, alles kann zur tödlichen Falle werden, der verlässlichste Vasall hat das Zeug zum Mörder. Die Figur ist wie die Hexen Botin in eine andere Welt, die nicht erkennen lässt, was durch den Spalt kommt, den sie markiert. Die Ausstellung, die sich dahinter entfaltet und auf der oberen Etage fortsetzt, breitet diese Unsicherheit aus. Wir Besucher bewegen uns zwischen Traum und Realität, zwischen Erinnerungen und Gegenwart. Motive tauchen auf und verschwinden wieder, ohne dass wir sicher sein können, was sie bedeuten. Ein riesiger Wolf schubst eine kleine Alu-Figur und kann ebenso Albtraum wie Beschützer sein. Weiter hinten schwebt ein junger Mann im Boss-T-Shirt in einer blauen Bildwelt. Eine Frau sitzt ihm auf einem Stuhl gegenüber. Zwischen Gemälde und Skulptur kommt einem der Raum fast abhanden. Der 1977 in Georgien geborene Künstler entwirft eine Welt voller Glanz und Trauer. Man bewegt sich in «traurigen Tropen», nur liegen diese nicht wie einst bei dem Ethnologen Claude Lévi-Strauss auf fernen Kontinenten, sondern mitten unter uns. Ihre Fragmente kommen aus Ost und West, sie enthalten Klischees voller Palmen und häuslicher Behaglichkeit. Der Künstler mischt Motive, collagiert sie, druckt sie auf Aluminium und malt Farbe darüber. Wiederholung und Variation betonen die Leere. Einsamkeit ist kein Begriff mehr, sondern Dauerzustand, bis hin zur Brunnenfigur eines Narziss im obersten Saal. Wenn die Kunsthalle uns danach einen Drink ausschenken würde, wäre die Ausstellung perfekt. Gerhard Mack Kurz und knapp Literatur Klassik-CD Jazz Sylvie Schenk: Eine gewöhnliche Familie. Roman. Hanser, München 2018, 160 Seiten, um Fr Mit dem Familienfrieden ist es oft schlagartig zu Ende, wenn es ans Erben geht. So auch hier: Onkel Simon und Tante Tamara, kinderlos, vermögend, alt und krank, sind im Abstand von bloss drei Stunden gestorben. Nun eilen die Neffen und Nichten, darunter vier Geschwister, herbei. Zunächst scheint die Lage klar: Onkel und Tante haben gleichlautende Testamente hinterlassen. Aber das Testament der Tante, die drei Stunden lang Universalerbin war, ist nicht rechtsgültig, weil es nur in Fotokopie vorliegt, und nach dem Gesetz würde das Vermögen nun der bösen Tante Kati zufallen. Die Stimmung ist geladen, und im Nu gibt es Krach mit verblüffendem Ausgang. Man glaubt, solche Geschichten oft gelesen zu haben. Doch bei der Französin Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und seit 1992 deutsch schreibt, gerät das Motiv zum intensiven, bisweilen beklemmenden, manchmal auch grotesken Kammerspiel. Wie schon im Roman «Schnell, dein Leben» schreibt Sylvie Schenk knapp, präzis, mit feinen Nuancen, und wieder dürfen wir annehmen, dass der Text autobiografisch grundiert ist. Das Leben zwischen den Sprachen, das immer wieder durchscheint, hat die Autorin sensibel gemacht für winzige Bedeutungsverschiebungen. Ihr Alter Ego im Roman ist denn auch Céline, die als Dolmetscherin in Deutschland lebt. (pap.) Duo Gazzana: Natascia Gazzana (Geige), Raffaella Gazzana (Klavier), ECM Weiss Maurice Ravel, wo er da hinwill? Zart ist die Melodie, wiederholt sich scheu, scheint schon zu sterben, ehe sie erblüht ist... Doch da versuchen es Geige und Klavier noch ein Mal, und siehe da, die Sonate in a-moll von 1897 nimmt dank Natascia Gazzana und Raffaella Gazzana ihren schwärmerischen Lauf. Das Duo Gazzana nimmt sich gerne der Aussenseiter an. Auf der wohldurchdachten ECM-CD reist man ins 20.Jahrhundert, träumt noch mit César Franck von der alten Klangwelt, entdeckt kurz das modern volkstümliche Ringen bei György Ligeti und durchlebt in Olivier Messiaens «Thème et Variations» (1932) ein Vergehen und Sehnen. (bez.) Das Duo Gazzana: Natascia Gazzana (Geige) und Raffaella Gazzana (Klavier). Open Land. Meeting John Abercrombie. Ein Film von Arno Oehri und Oliver Primus. 1DVD. 90 Min. ECM/Musikvertrieb. John Abercrombie ( ), US-amerikanischer Gitarrist mit schottischen Wurzeln, war ein bedeutender Musiker. Bevor er über Barney Kessel zum Jazz kam, schwärmte er, wie er in diesem stimmungsvollen Dokumentarfilm erzählt, für den Rock'n'Roll von Chuck Berry und Fats Domino. Auf dem Land in Connecticut aufgewachsen, durfte er an der Berklee School of Music in Boston studieren. John Coltrane erlebte er als den Botschafter eines anderen Planeten. Erst spielte er als Begleiter in zahlreichen Bands, dann wurde er zum unauffälligen und doch stilbildenden Leader. Offenheit, Neugier und Vertrauen in seine Mitmusiker waren seine Haupteigenschaften, wie Weggefährten sich im Film erinnern. Vollends zu seinem eigenen filigranen Stil fand er, als er auf das Plektrum verzichtete und stattdessen wie sein Vorbild Wes Montgomery die Saiten mit dem Daumen zupfte. Bald kam er zum Münchner Edel- Label ECM, wo er 1974 mit dem versonnenen Album «Timeless» seinen grössten kommerziellen Erfolg feierte. Bewegend die SzenenimFilm, wo seinefrau Lisa über ihn spricht. Im Winter 2002/2003 entkamen die beiden knapp einem Hausbrand, der ihre ganze Habe vernichtete. Herzstück des Films von Arno Oehri und Oliver Primus ist ein herrlicher Auftritt Abercrombies im Trio, 2014 ausgerechnet in Eschen, Liechtenstein! (pap.)

50 Wetter NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Wetterprognose Lausanne Genf Allgemeine Lage: Ein neues Hochdruckgebiet weitet sich vom Atlantik nach Westeuropa aus und sorgt in der neuen Woche für stabile Wetterverhältnisse. Wir erwarten ab Dienstag hochsommerliche Temperaturen und viel Sonnenschein. Basel La Chaux-de-Fonds Luzern Bern Freiburg Interlaken Gotthard Montreux Sitten Martigny Zürich Locarno Alpennordseite, Wallis, Nord- und Mittelbünden: Auf der Alpennordseite ist es im Osten oft bewölkt bei ein paar Auflockerungen und einzelnen Regengüssen. Im Westen scheint meist die Sonne bei nur harmlosen Quellwolken über den Bergen. Schaffhausen Glarus Chur Lugano St. Gallen St. Moritz 6 16 Alpensüdseite und Engadin: Im Tessin ist es bereits am Vor- mittag sonnig und warm bei nur wenigen Wolkenfeldern. Auch am Nachmittag bleibt es sonnig. Im Engadin hat es einige Quellwolken, lokale Schauer sind nicht auszuschliessen. Aussichten für kommende Woche Alpennordseite Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag Alpensüdseite Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag Sonne und Mond Sonne Aufgang: 5.51 Untergang: min weniger Sonne als vor einer Woche Mond Aufgang: Untergang: 1.57 Zunehmend Füllgrad: 76% Bergwetter Deutschschweiz Wind km/h C 3000 m N m NW m W Alpensüdseite Wind km/h C 3000 m N m N m NW Aussichten bis Sonntag: Am Montag ausgedehnte Restwolken und lokale Regenschauer. Gegen Abend von Westen her eintretende Wetterbesserung. Am Dienstag sonnig und heiss, am Nachmittag nur harmlose Quellwolken, welche sich bevorzugt über den Bergen bilden. Am Mittwoch weiterhin sonnig und heiss. Einzelne Hitzegewitter in den Bergen nicht auszuschliessen, meist aber trocken. Am Donnerstag Fortdauer der Hitzewelle. Nur harmlose Quellwolken. Lokale Gewitter in den Bergen dennoch nicht auszuschliessen. Am Freitag in der ganzen Schweiz sommerlich und heiss. Dazu trocken. Am Samstag und Sonntag ebenfalls sonnig mit nur harmlosen Quellwolken über den Bergen. Weiterhin heiss und trocken. Trend für übernächste Woche: Die Hitzeperiode wird auch in der nächsten Woche weiter anhalten. Die Temperaturen sind im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich zu hoch. Allgemeine Lage heute Sonntag um 13 Uhr Ausflugswetter 11 Reykjavik H 1010 T 24 Dublin 1015 n T 26 Lissabon 24 Edinburg 24 Brest 32 Madrid 29 Gibraltar 27 Barcelona 31 Palma 31 Algier 27 Nizza 33 Tunis 30 Rom Kopenhagen Amsterdam Berlin London 27 Brüssel Paris Prag Wien 24 München Bern 25 Bordeaux 32 Palermo T 16 Tromsö T 27 Helsinki Oslo Stockholm Budapest 30 Odessa Belgrad Bukarest 28 Dubrovnik 26 Warschau 35 Athen Isobaren Luftdruck in hpa 24 St. Petersburg 20 Moskau 27 Kiew 31 Istanbul 37 Antalya Hochdruckzentrum Tiefdruckzentrum T Kaltfront T 1005 Okklusion Nikosia H H Warmfront T Sonntag Montag Sonntag Montag Sonntag Montag Adelboden 16 fr 18 fr Evolène 16 f 19 f Pilatus 11 C fr 14 f Arosa 16 fr 17 fr Goms 20 f 20 fr Saignelégier 20 fr 22 f Braunwald 18 fr 18 fr Gstaad 20 fr 23 f Säntis 7 wr 9 fr Chasseral 15 w 17 f Hörnli 18 fr 20 fr Scuol 19 fr 20 fr Davos 16 fr 17 fr Jungfraujoch 2 S 3 fr Üetliberg 20 fr 23 fr Elm 19 fr 21 fr Moléson 13 fr 15 f Weissenstein 18 fr 20 f Engelberg 18 fr 21 fr Napf 16 fr 21 fr Zermatt 19 f 21 f b-bedeckt f-freundlich G-Gewitter n-neblig R-Regen Rs - Regenschauer s-sonnig S-Schneefall Ss - Schneeschauer w-bewölkt Wetter gestern / Extremwerte Zürich Basel Bern Genf Lugano Wetterlexikon: WMO Das Kürzel WMO steht für World Meteorological Organization. Es ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die am 23. März 1950 gegründet wurde und ihren Hauptsitz in Genf hat. Zu den Aufgaben der WMO Werte gestern Tagesmin. Tagesmax. Regen 6 Uhr 12 Uhr Regen Jahr Grad Jahr Grad Jahr mm 17,9 20,3 0,0 mm , , ,3 16,3 21,1 0,0 mm , , ,3 14,8 18,3 0,1 mm , , ,1 16,2 20,5 0,0 mm , , ,6 17,3 18,2 4,2 mm , , ,0 gehört es, die Einrichtung von Wetterstationen international zu koordinieren, den Austausch von meteorologischen Daten zu fördern sowie sicherzustellen, dass meteorologische Daten einheitlich erhoben, statistisch bewertet und veröffentlicht werden. Die WMO koordiniert auch die Durchführung von globalen Programmen zur Erforschung des Klimasystems veranstaltete die WMO in Genf die erste Klimakonferenz T 32 Tel Aviv MeteoNews AG Peter Wick meteonews.ch Das Schweizer Wetter Fernsehen: wetter.tv MeteoNews iphone App: iphone.meteonews.ch Ihre persönliche Wetterberatung: (CHF 2.80/Min. vom Schweizer Festnetz)

51 Der Schweizer Stellenmarkt für Kader und Fachspezialisten, 22. Juli Haben Sie Ihre Laufbahn von Anfang an genau vor sich gesehen? Der Beruf meines Vaters brachte unsere Familie durch die halbe Welt. Ich habe unser Leben in verschiedenen Ländern als spannend erlebt. Das hat mich zu einem neugierigen, offenen Menschen gemacht. Dass es mich in die Reisebranche ziehen würde, war also in jungen Jahren vorgegeben. Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit? Die Touristikbranche hat einen unvergleichlichen digitalen Wandel erfahren. Sie hat ihn früher als alle anderen Branchen angepackt und aus meiner Sicht gut gemeistert. Hier blieb kein Stein auf dem andern. Rückblickend würde ich sagen, dass in den Management-Weiterbildungen, die ich erlebte, diethemen Kundenorientierung und Teambuilding eher zu spät in den Fokus kamen. Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze? Um in jeder Funktion das unternehmerische Denken und Handeln zu fördern, gilt es,verantwortung zu übertragen und Vertrauen zu schenken. Damit Arbeit als sinnstiftend erlebt wird, müssen Manager den Blick aufs Ganze vermitteln, Teams partizipativ aufbauen. In einer Kultur der Wertschätzung und des ehrlichen Feedbacks arbeiten Teams am besten zusammen. Unser Unternehmen gehört zu den ältesten Reiseunternehmen der Schweiz ich behaupte, auch zu den innovativsten. Die Werte unseres 126 Jahre alten Familienunternehmens sind elementar für unsere Führungsverantwortlichen, der Fokus ist konsequent auf die Kunden gerichtet. Klar ist: Nur was innen gelebt wird, kann nach aussen abstrahlen. Stephan Frei schätzt Kritik sehr und wünscht sich sogar mehr davon. «Nur was innen gelebt wird, kann nach aussen abstrahlen» VERENA TEMPELMANN / NZZ Inhalt Zunehmende Akademisierung Seit 2002 beobachtet Rolf Sonderegger, Inhaber der Together AG, den Schweizer Arbeitsmarkt. Er stellt eine zunehmende Akademisierung der Gesellschaft fest und rät dem Berufsnachwuchs, die eigene Komfortzone vermehrt zu verlassen. 4 Anzeigenverkauf Tel , Fax inserate nzz.ch Stellenmarkt Impressum Chefredaktion: Eric Gujer. Redaktion: Walter Hagenbüchle Verlag: Neue Zürcher Zeitung AG,Postfach, 8021 Zürich. Telefon Ist kompetente Unternehmensführung erlernbar? Ein guter Bildungsrucksack ist die Basis.Weiterbildungen sind essenziell, denn Kunden gehen immer neue Wege zum Produkt. Ihre Bedürfnisse sind in stetigem Wandel. Wer ein Unterneh- 33 Fragen an Stephan Frei, Geschäftsführer Reisebüro Mittelthurgau Fortsetzung auf Seite 3 H O D E L & P ART NER s e arc h. f i n d.c o n n e c t Nürenbergstrasse5 CH-8037 Zürich+41 44/ Als spezialisiertes Beratungsunternehmen für Fach- und Führungskräfte der Informatik begleiten wir Stellensuchende seit über 30 Jahren bei ihrer beruflichen Neuorientierung. Profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung und der grossen Kontaktbasis zu attraktiven Arbeitgebern. Das Umfeld Unser Kunde hat sich als erfolgreiche FinTech-Unternehmensgruppe auf den wichtigsten Finanzplätzen in Europa und Asien etabliert. Die Firmengruppe vereint unter einem Dach mehrere Gruppengesellschaften, die unter einer gemeinsamen Führung und Firmenpolitik ihre Angebote für den Investment und Wealth Management Markt bündeln. Die Softwarelösungen und Dienstleistungen für das Investment- und Wealth Management geniessen einen hervorragenden Ruf bei Asset Managern, Vermögensverwaltungen, Fondsleitungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften, Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Family Offices. Ihre Aufgaben Als Geschäftsentwickler werden Sie die Firmengruppe als Ganzes präsentieren, Synergien plastisch darstellen, gerne Kundenbesuche machen, cross-selling Chancen erkennenundgruppenmitglieder in den Angebotsprozess einbinden,neue Geschäftsfelder ausloten, Kunden und Mitarbeitende begeistern, alle «assets»der Firmengruppe bündeln und den Geschäftserfolg aller Gruppengesellschaften als übergeordnetes Ziel optimieren. Wollen Sie mehr über diese neugeschaffene Stabsstelle als Business Development Manager erfahren? Wir informieren Sie gerne. Voraussetzungen Sie kennen sich auf mindestens einem der folgenden Finanzplätze recht gut aus: Zürich / Frankfurt a.m. / Luxemburg / Singapur Sie sind eine verkaufsorientierte Persönlichkeit mit entsprechendem Leistungsausweis Sie haben strategisches Talent, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln es fällt Ihnen leicht, immer wieder neue Kontakte herzustellen Sie verstehen es, Interesse zu wecken Sie fühlen sich als Botschafter, präsentieren gerne und können stufengerecht kommunizieren in Deutsch / Französisch und Englisch internationale Reisebereitschaft Arbeitsort: Raum Zürich und auf den genannten Finanzplätzen Falls Sie die Anforderungen vollständig erfüllen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Bitte beachten Sie, dass wir nur vollständige Unterlagen (inkl. Anschreiben, Lebenslauf sowie sämtliche Arbeitszeugnisse und Diplome) im Auswahlprozess berücksichtigen können. Senden Sie uns Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen per als PDF oder im Word-Format (max. 2 MB pro Datei). Wir garantieren für volle Vertraulichkeit. Weitere interessante Jobs finden Sie auf unserer Webpage. Bitte bewerben Sie sich hier: Als spezialisiertes Beratungsunternehmen für Fach- und Führungskräfte der Informatik begleiten wir Stellensuchende seit über 30 Jahren bei ihrer beruflichen Neuorientierung. Profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung und der grossen Kontaktbasis zu attraktiven Arbeitgebern. Die erfolgreiche FinTech-Unternehmensgruppe ist auf den wichtigsten Finanzplätzen in Europa und Asien präsent und bietet marktgerechte Lösungen und kompetente Beratung für ihre Kunden an. Im Rahmen der Weiterentwicklung der bewährten Produkte stehen die Softwareentwicklungsteams vor einer ausserordentlich spannenden Phase. Es geht darum, die System-Architektur für die nächsten Jahre neu zu definieren. Ihre künftigen Kollegen haben gerade eben damit begonnen, die ersten Komponenten des neuen Stacks zu entwickeln, um mit diesen eine erste Kundenapplikation zu implementieren. In dieses spannende Umfeld suchen wir zur Übernahme der technischen Leitung eine erfahrene, kompetente Persönlichkeit (m/w) als leitender Backend-Entwickler. Das Projekt ist sehr langfristig ausgelegt und bietet den Mitgliedern des Initialteams die sehr seltene Chance, ihre zukünftige Rolle in gewissem Masse selber definieren zu können. Da in Zukunft mehr und mehr Mitglieder in die «neue Welt» eingebunden werden müssen, besteht die Möglichkeit den Fokus der persönlichen Weiterentwicklung gezielt auf bestimmte Themen (Technik, Teamleitung, Coaching,...) zu legen. Voraussetzungen H O D E L & P ART NER s e arc h. f i n d.c o n n e c t Nürenbergstrasse5 CH-8037Zürich+4144/ sehr gute Java-Kenntnisse, Erfahrungen mit funktionalen Programmiersprachen von Vorteil langjährige Erfahrung in der Entwicklung und dem Betrieb von Webapplikationen fundierte Kenntnisse moderner Entwicklungsmethoden und -trends sehrgute Sprachkenntnisse Englisch, Deutsch ist von Vorteil Bereitschaft, Verantwortung für die Produktentwicklung zu übernehmen Arbeitsort: Raum Zürich Falls Sie die Anforderungen vollständig erfüllen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Bitte beachten Sie, dass wir nur vollständige Unterlagen (inkl. Anschreiben, Lebenslauf sowie sämtliche Arbeitszeugnisse und Diplome) im Auswahlprozess berücksichtigen können. Senden Sie uns Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen per als PDF oder im Word-Format (max. 2 MB pro Datei). Wir garantieren für volle Vertraulichkeit. Weitere interessante Jobs finden Sie auf unserer Webpage. Bitte bewerben Sie sich hier:

52 2 NZZ am Sonntag 22. Juli 2018 Als eine führendedienstleisterin für Energie, Gebäudetechnik und ITC in der Schweiz hat CKW dieerfahrung, das Wissen und den Mut, die Herausforderungen der neuen Energiewelt anzupacken. Der Bereich Gebäudetechnik ist ein tragender Teil undhat sich einen Namen in den Bereichen Elektro +Licht,Energietechnik, ITC undsecurity aufgebaut. In diesem Bereich beschäftigen wirderzeit über 750 Mitarbeitende an 40 Standorten, die sich für hochstehende Dienstleistungen und umsichtigen Service einsetzen. Für die weitere erfolgreiche Entwicklung der Geschäfte wird per sofort oder nach Vereinbarung folgende Vakanz vergeben: Leiter Technics (m/w) Mehr Informationen zu dieser Stelle erhalten Sie via QR-Code. Das Team des Competence Center Construction freut sich auf Ihre Bewerbung.Registrieren Sie sichbitte über das Kienbaum ExecutiveGateway oder senden Sie Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen (Anschreiben und ausführlicher Lebenslauf, Zeugniskopien) unter der Kennziffer an Kienbaum AG,Competence Center Construction Höschgasse Zürich Faculty of Science The Faculty of Science at the University of Zurich invites applications for an Assistant Professor Tenure Track in Social and Cultural Geography We seek innovative applicants with astrong and developing record in research to enrich our expertise in social and cultural geography.applicants with astrong interest in global socio-spatial inequalities, marginalization and exclusion are particularly encouraged to apply.the successful candidate will combine aproven track recordincritical social and cultural theories, experience in fieldwork and expertise in qualitative research methods. The successful applicant is expected to lead an independent research group, to build up an innovative research program and to actively develop teaching profile in human geography at the bachelor and master levels. Moreover,the successful applicant is expected to acquireexternal research funding. The University of Zurich provides generous research support, including dedicated funds for personnel, runningexpenses and competitive start-up packages. Zurich s scientific environment includes arichspectrum of research activities across the social sciences and humanities and provides extensive opportunities for collaboration with research groups at the University of Zurich and other leading Swiss research institutions. The employment conditions for this position follow the legal regulations of the University of Zurich (see which include part-time options. The University of Zurich is an equal opportunities employer and in particular strives to increase the percentage of women in leading positions. Therefore, qualified female researchers areparticularly encouraged to apply.the city of Zurich combines astimulating cultural scene in amodern European city with easy access to abeautiful natural landscape. Academics with the appropriate qualifications arekindly invited to submit their applications including: acurriculum vitae lists of publications and research funding, detailed outlines of concepts for teaching and research plans to develop the discipline further (major problems and possible solutions) names and contact details of three referees Please address your application to Prof. Roland Sigel, Dean of the Faculty of Science. Upload your application to by 17 September For further information, please contact Prof. Christian Berndt at Auf den 1. Oktober 2019 ist die Stelle der Direktorin/des Direktors des Schweizerischen Nationalparks infolge Pensionierung des Stelleninhabers neu zu besetzen. Diese Aufgabe umfasst die operative Leitung des Nationalparks, Arbeitsort ist Zernez GR. Weitere Informationen finden Sie unter flexibel.berufsbegleitend.digital. ffhs.ch/jobs Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) bietet berufsbegleitende Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge nach der «Blended Learning»-Methode an. Für unsere derzeit über 2000 Studierenden beschäftigen wir 95 Mitarbeitende sowie knapp 400 (Teilzeit-) Dozierende. Ob in Lehre, Forschung oder Verwaltung als verantwortungsvolle Arbeitgeberin zählen wir auf engagierte Mitarbeitende, die bereit sind, unsere Vision des zeit- und ortsunabhängigen Studierens mitzutragen. Das Departement E-Didaktik & Digital Education sucht für den im Frühling 2019 neu startenden CAS Media Design in Digital Learning per sofort eine/n Dozent/in für das Thema «Lernvideoproduktion» (ca. 15%) Dieser CAS (10 ECTS) ist Teil des neuen Weiterbildungsstudiengangs MAS Digital Education. Rund 90% des Lehrgangs finden im begleiteten Online- Studium statt, die restlichen 10% sind synchrone Präsenzen (virtuell/ physisch in Zürich). Inhalt des CAS ist die Konzeption und Produktion multimedialer Lernmaterialien (Lernvideos). Aufgaben: Sie entwickeln den CAS-Lehrgang (inkl. Moodle) und führen ihn im Frühling 2019 durch. Dabei begleiten und betreuen Sie die Studierenden proaktiv auf unserer E-Learning-Plattform Moodle. Profil: Neben mehrjährigen Erfahrungen in der eigenständigen Konzeption und Produktion von Lernvideos (auch in Unternehmen) verfügen Sie über solide Kompetenzen in der Entwicklung, Durchführung und Begleitung von digitalen Lernangeboten in der Erwachsenenbildung. Aufgrund steigender Studierendenzahlen im Departement Informatik suchen wir ab sofort in Zürich, Bern und evt. Basel (je 5 10%): Dozierende im Fachbereich Informationssicherheit Dozent/in Web Engineering Dozent/in Software Engineering Dozent/in Java Programmierung Aufgaben: Sie unterstützen die Studierenden beim Erreichen der Lernziele neben den Präsenzveranstaltungen (pro Modul ca. fünf Präsenzen) vor allem auch ausserhalb derer durch eine intensive Betreuung über unsere E-Learning-Plattform Moodle. Profil: Neben einemabgeschlossenen Informatik-Masterstudium bringen Sie mehrjährige, den Modulinhalten entsprechende, fundierte Berufserfahrung mit. Des Weiteren besitzen Sie einen Fähigkeitsnachweis in Methodik und Didaktik oder bringen die Bereitschaft mit, sich hier weiterzuentwickeln. Für Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und erwarten Ihre Bewerbung an: Weitere Informationen zu den vakanten Positionen finden Sie unter Bitte senden Sie Ihre Bewerbung bis am 25. August 2018 per Mail an Weitere Auskünfte erteilt der Präsident der Eidgenössischen Nationalparkkommission, Franz-Sepp Stulz: Zürich Basel Bern Brig Philosophische Fakultät An der Universität Zürich ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Assistenzprofessur mit Tenure Track für Romanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung der italienischen Sprachwissenschaft zu besetzen. Nach zwei Anstellungsperioden von jeweils drei Jahren erfolgt im Fall einer positiven Evaluation im Rahmen eines Tenure-Verfahrens die Beförderung auf eine entfristete Professur. Die Bewerberinnen und Bewerber sollen die italienische Sprachwissenschaft in ihrer ganzen Breite in der Lehrevertreten. Der zentrale Forschungsschwerpunkt der Professur liegt im Bereich der synchronen Systemlinguistik. Erwartet wirdein Forschungsausweis im Bereich der Kontakt- und Migrationslinguistik (etwa in Bezug auf andereromanische Sprachen). Vorausgesetzt wirdzudem die Bereitschaft zur fachübergreifenden Zusammenarbeit in Lehre und Forschung. Unterrichtssprache ist Italienisch, Verwaltungssprache ist Deutsch. Vorausgesetzt werden die Promotion sowie weitereexzellente wissenschaftliche Leistungen im relevanten Gebiet (z. B. im Rahmen eines Habilitationsprojekts). Die Universität Zürich strebt eine Erhöhung des Frauenanteils in Forschung und Lehresowie in leitenden akademischen Positionen an und bittet deshalb qualifizierte Wissenschaftlerinnen ausdrücklich um ihrebewerbung. Bewerbungen sind bis zum 2. September 2018 online einzureichen. Informationen zur Online-Bewerbung sind erhältlich unter Auskünfte erteilt Prof. Dr.Michele Auf der Suche nach einem GERANTEN odergerantenpaar für Hotel&Restaurant in der Gegend von Lugano. Anforderungen: Kantonaler Diplom-Operator oder Fähigkeitsausweis 1, beruflicheerfahrung, die durchreferenzen bewiesen wurden,die diebedürfnisse einer Kundschaft befriedigen können,die nach Einzigartigkeit und exzellentemservicesucht.grundkenntnisseinitalienisch,deutsch,französisch und Englisch (verpflichtend). Der Beginn der Aktivitätkann spätestens Anfang Herbst 2018 festgelegt werden.nur ernsthafte Interessenten schreiben an: Chiffre:I , Regiopress SA, Casella Postale 1590, 6501 Bellinzona In Myanmar (Burma) ernten Kleinbauern-Familien mehr Reis dank biologischem Landbau. Mit Mut und Ihrer Unterstützung. Danke, dass Sie per SMS 20 Franken spenden: Mut 20 an 488. PC «An manchen Tagen erscheint mir jede Treppe wie die Eiger-Nordwand» Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft unterstützt allemenschen, die von MS betroffen sind. Helfen auch Sie:

53 NZZ am Sonntag 22. Juli «...kannnach aussen abstrahlen» Fortsetzung von Seite 1 men führt, muss sich auch als Persönlichkeit weiterentwickeln. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion halte ich für wichtig.mitarbeitende wollen Vorgesetzte glaubwürdig und berechenbar erleben. Es ist mit der Unternehmensführung wie mit allem: Talent ist hilfreich. Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert? Die Wege zum Ziel haben sich deutlich verändert. DasTeam ist heute entscheidend, ausserdem eine stetige Entwicklung der Innovationskraft und der Kundenorientierung sowie eine systematische Qualitätssicherung und -sensibilisierung auf allen Ebenen. Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage? Wir sind im Outgoing-Geschäft tätig. Das heisst, unsere Kunden profitieren im Ausland vom günstigen Euro volumenseitig gibt uns das Rückenwind. Just in der Wirtschaftskrise haben wir stark in unsere eigene Schiffsflotte investiert. Diese antizyklische Entscheidung hat dazu beigetragen, dass wir gegenüber den Euro- Nachbarländern konkurrenzfähig bleiben konnten. Hat die globalearbeitsteilung positive Effekte gebracht? An mir selbst habe ich die positiven Effekte in jungen Jahren in Projekten im Ausland erlebt. In der Tourismusbranche ist die globale Arbeitsteilung der Standard. Das Reiseprodukt wird von Menschen verschiedener Nationen erbracht, was ich grundsätzlich für gut halte.tiefe bis sehr tiefe Löhne und eine unzureichendeausbildung in vielen Ländern sind die andere Seite der Medaille. In der Folge haben sich die Reiseprodukte in den letzten Jahrzehnten insgesamt kontinuierlich verbilligt. Oft vermisse ich den Fokus auf die Qualität. Wie sich die Lohnungleichheit zukünftig entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Können Sie sichalternativen zur Globalisierung vorstellen? Ein Gegentrend ist längst spürbar. Lokale Produkte und Dienstleistungen erfahren nicht nur hierzulande immer mehr Wertschätzung und verzeichnen eine immer grössere Nachfrage. Was geht Ihnen auf die Nerven? Wenn sich zwischen Sein und Schein ein allzu grosser Graben auftut. Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie? Ich sei fair, fordernd, fördernd, echt, wohlwollend. Wie reagieren Sie auf Kritik? Ich schätze sie sehr und wünschte mir mehr davon. Hat Sie Ihr Bauchgefühl schon einmal getäuscht? Seltener als rein faktenbasierte Entscheidungen. Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor? Da habe ich weder Präferenzen noch Tabus. Die Person muss für die Funktion und ins Team passen. Sind Frauenquoten notwendig? Im Tourismus gibt es glücklicherweise eine deutlich überdurchschnittliche Zahl hervorragender Frauen, auch in Managementpositionen. Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat? Beruflich wie privat bevorzuge ich den persönlichen Kontakt, den ich für inspirierender und wertvoller halte. Unsere Branche ist ein internationales «people s business» mit einem lebendigen Networking. Messen und einige Branchen- und Business-Anlässe sind für mich gut investierte Zeit. An digitales Networking glaube ich weniger. Ich habe ein Profil auf Xing und Linkedin, bin dort aber nicht aktiv. Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen? Ich habe das Glück, dass ich wie ein Murmeltier schlafe und mit wenig Schlaf am Morgen fit bin ich sehe keinen Grund, damit zu kokettieren oder anderen dasselbe Verhalten nahezulegen. Ich fühle mich nicht als Sklave meines Terminkalenders dafür macht mir meine Arbeit zu viel Freude. Klar ist aber: Damit ich meinen Job gut machen kann, muss es mir gut gehen. Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben? Wenn es eine erfüllende Aufgabe wäre, würde ich das nicht ausschliessen. Ich denke aber, dass es jeden Tag und überall Möglichkeiten für «humanitäre Einsätze» gibt, indem wir respektvoll, hilfsbereit und fair mit unseren Mitmenschen umgehen. Die Fähigkeit, eine humane Unternehmenskultur zu entwickeln, halte ich übrigens für eine Schlüsselqualifikation für Manager. Wann und wo können Sie abschalten? Je näher die Natur, desto leichter das Abschalten. Ich fühle mich in den Bergen sehr wohl. Ein feines Essen und guten Wein im Kreis von Freuden geniesse ich in vollen Zügen da ist die Arbeit weit weg.vor über zwanzig Jahren stand ich zum ersten Mal an der Reling eines Schiffes rundum nichts als das grosse Blau des Meeres. Es gibt kaum etwas, das mich so entspannt. Sind Vorbilder für Sie aktuell? Es waren gelebtewerte, bestimmte Fähigkeiten und Charakterzüge, die verschiedene Persönlichkeiten für mich zu Vorbildern machten. Sie haben mich beflügelt. Im Musikbusiness oder im Sport sind Vorbilder bedeutsam. In der Unternehmensführung wünschte ich mir mehr vorbildhafte Persönlichkeiten. In den letzten Jahren liessen es leider viele Protagonisten an verantwortungsvollem, integrem Verhalten mangeln. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs? Investiere in eine gute Allgemeinbildung und Ausbildung. Ergreife Chancen, um praktische Erfahrung zu sammeln. Scheue nicht davor zurück, auch eine Zeitlang Knochenjobs zu machen ZUR PERSON Stephan Frei, 50, ist seit 2002 CEO des Unternehmens Reisebüro Mittelthurgau in Weinfelden. Die Firma ist in der Schweiz der führende Reiseveranstalter für weltweite Kreuzfahrten auf Meer und Fluss und gehört zur Aargauer Twerenbold-Reisen- Gruppe. Das 126 Jahre alte Familienunternehmen ist eines der ältesten Reiseunternehmen des Landes und beschäftigt Mitarbeitende in 350 Vollzeitstellen. Rund Kunden reisen jährlich mit den vier Reiseveranstaltern der Gruppe. Teil der Twerenbold- Reisen-Gruppe ist die Basler Reederei Swiss Excellence River Cruise mit neun Flussschiffen, die in Europa kreuzen. Das Reisebüro Mittelthurgau betreut die gesamte Reiseproduktion sowie den Vertrieb und das Marketing der Reederei Excellence. in der Gastronomie, als Velokurier, auf einem Bauernhof oder in einer Fabrik. Höre auf deine innere Stimme und prüfe, ob dich die Aufgabe wirklich erfüllt. Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt? Ich denke, dass ich ihnen keine schlaflosen Nächte beschert habe. Ich war neugierig und habe gern gelernt. Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt? Ja. Ich bin überzeugt, dass ein breites Allgemeinwissen wichtig ist. Es hilft, die Welt zu verstehen, Zusammenhänge zu begreifen, vernetzt zu denken und nicht zuletzt immer weiter Fragen zu stellen. AllesWeitere kann man sich nach der Schule aneignen Fachwissen, praktische Erfahrungen, Sprachkenntnisse und mehr. Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal? Eher nein. Und doch gab es schon Ereignisse, da sich die Dinge so perfekt zusammenfügten, dass es schicksalshaft auf mich wirkte. Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken? Die Schweiz wieder als Land der Guten Dienste positionieren. Sich international stärker einbringen, Partnerschaften eingehen, die unseren Wohlstand sichern. Mehr Innovationsräume schaffen und den Bildungsstandort Schweiz weiter nach vorne bringen. Eine Ihrer Lebensweisheiten? Wer den Weg nicht kennt, auf dem er zum Meer gelangen kann, der sollte sich einen Fluss als Begleiter suchen. Interview: Walter Hagenbüchle Innosuisse -Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Innosuisse, die Förderagentur des Bundes für wissenschaftsbasierte Innovation, unterstützt Start-ups und KMU, die Chancen der Zukunft zu nutzen und international wettbewerbsfähig zu sein. Zur Sicherung einer einwandfreien Evaluation der uns unterbreiteten Fördervorhaben suchen wir rund zwanzig Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW umfasst neun Hochschulen mit rund Studierenden. An der Pädagogischen Hochschule mit über Studierenden sowie über Weiterbildungsteilnehmenden,Institut Primarstufe, ist per odernach Vereinbarung folgende Stelle mitarbeitsort Muttenz zu besetzen: Leiter/in Professur Didaktik des Sachunterrichts ( %) Es erwartet Sie eine herausfordernde Tätigkeit in einem dynamischen Umfeld, welches sich der Lehrpersonenbildung, der pädagogischen Fachpersonenbildung sowie der Schul- und Unterrichtsentwicklung verpflichtet. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung. Weitere Informationen finden Sie unter: nw.ch/offene-stellen. Nähere Auskünfte erteilt Ihnen gern Prof. Dr. Claudia Crotti, Institutsleiterin, nw.ch. nw.ch/ph Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter auch drei Expertinnen und Experten, die sich auf die Begleitung der Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER) konzentrieren werden. Zur Wahrnehmung dieses öffentlichen Mandats ist von einer grösstenteils flexiblen zeitlichen Beanspruchung von 10% bis 15% eines Vollzeitpensums auszugehen. Die Ausschreibungsbedingungen und die für die Bewerbung erforderlichen Unterlagen finden Sie auf unserer Webseite senden Sie Ihre vollständige Bewerbung bis am 10. August 2018 an: Leiter/inPublicAffairs Mitglied dererweiterten Geschäftsleitung Die Versicherungsbranche auf politischer Ebene vertreten und mitprägen. Unterschiedliche Interessen undparteienauf nationaler Stufe in Bundesbern vereinen. Mit Leidenschaft,Führungsstärke und entsprechendem Netzwerk. DerSchweizerischeVersicherungsverband (SVV)mit Sitz in derstadt Zürich istdie Dachorganisation der privaten Versicherungswirtschaft. DemVerband sindrund80 kleine undgrosse, national undinternational tätige ErstundRückversicherer angeschlossen. Mitdenrund60Mitarbeitendenist dersvv fürdie Interessenvertretungder Brancheauf nationaler undinternationaler Ebene zuständig. Er engagiertsichaktiv fürwirtschaftsverträgliche Rahmenbedingungenund vertritt dieinteressenseiner Mitglieder aufpolitischer Ebene. ZurErgänzungder erweitertengeschäftsleitung suchen wireineführungsstarke,sehrgut vernetzteund politikaffine Persönlichkeit als Leiter/in Bereich Public Affairs. AlsLeiterdes Fachbereichs Public Affairs verfolgen und analysierensie diepolitischeentwicklung inden relevantenthemengebietenund erkennen daraus resultierende, notwendige Massnahmen undschritte. DankIhrem ausgeprägtenbeziehungsnetzindie Bundesverwaltungund insbundesparlament sind Siedie zentrale Ansprechpersonder SchweizerVersicherungsbranche: Sie vertreten die Interessen dermitgliedgesellschaften unddes Verbandes gegenüberpolitik, Aufsicht,Verwaltung, Verbändenund weiterenanspruchsgruppen. Ihrbestehendes Netzwerk pflegensie aktivund baueneszurelevanten Personenaus Politik, Verwaltung,Wirtschaft,Wissenschaftsowie zu nationalen undkantonalenbehördenweiter aus. Zusammenmit Ihrem Team undden Fachgremien desverbandes erarbeitenund koordinieren Siedie Positionen zu den relevanten Themen undvertreten Ihren Fachbereichaktiv in dererweitertengeschäftsleitung. Für dieseanspruchsvolle Aufgabeim100%-Pensum setzen wireinen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss auf Masterstufesowie entsprechendeweiterbildungen voraus. Siesindmit dem politischen Milizsystembestens vertraut undhaben ein ausgeprägtesnetzwerkinpolitik undverwaltung. Dank Ihrer mehrjährigen Berufserfahrungim BereichPublic Affairs und/oder in derverwaltungsindsie konzeptionell undanalytischerprobt undleistungsstark. Ihr Team vondrei MitarbeitendenführenSie zielorientiert undagieren mit Leidenschaft in dieser Vorbildfunktion. DerArbeitsort ist primär in Bern,Sie habenjedochauch einenarbeitsplatz in Zürich.Zuhören,agieren,interagieren, kommunizieren,beziehungen pflegenund aufbauen, Konzepte undstrategien entwickeln,koalitionenschmieden dasliegt Ihnen undbegeistertsie.wennsie zudem über sehr gute Französisch-und gute Englischkenntnisse verfügenund ein ausgeprägtesinteresse fürdie Belange derthematisch breitgefächertenversicherungswirtschaft haben, sind Sie für diesespannende Position an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft undpolitik geschaffen. SprichtSie diese einzigartigeaufgabean? Dann freuen wir unsauf Ihreaussagekräftige elektronischebewerbung (PDF-Format). Kontakt: Remo Burkart Tobias Lienert JÖRG LIENERT AG ZÜRICH Limmatquai Zürich Telefon Luzern,Zug, Zürich,Basel,Bern

54 NZZ am Sonntag 22. Juli Ortstermin Die Digitalisierung macht Soft Skills relevant Zürich im Juni, frühmorgens am Bellevueplatz. Rolf Sonderegger, Mitbegründer und Inhaber der Together AG, nimmt sich Zeit für einen Kaffee, bevor es weiter zur ETH Hönggerberg geht. Der 40-jährige Ostschweizer ist häufig in der Limmatstadt unterwegs. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Adrian Fischer steht er einem Unternehmen vor, das jährlich mehr als zwanzig Karriereveranstaltungen in der gesamten Schweiz durchführt, oft in enger Zusammenarbeit mit den Fachhochschulen und Universitäten. Neue Lehrstellenkrise Seit 2002 beobachtet Sonderegger den hiesigen Arbeitsmarkt. Dabei stellt er eine zunehmende Akademisierung der Gesellschaft fest. Bereits heute besitzen über 40 Prozent der Bevölkerung einen Studienabschluss, bis 2045 werden es rund 60 Prozent sein. «Das hat Konsequenzen nach hinten.wenn immer mehr Leute eine Matura machen, hat man Schwierigkeiten, die anspruchsvollen Lehrstellen zu besetzen», sagt Sonderegger. Dies schade dem Wirtschaftsstandort Schweiz. Dennoch rät er nicht von einem Hochschulabschluss ab. «Ausschlaggebend ist, dass man ein Studium nicht in der Erwartung einer Karriere beginnt, sondern eine Fachrichtung wählt, für die man eine Leidenschaft empfindet.» Wenn man etwas gerne mache, sei man automatisch gut darin und werde Erfolg haben. Natürlich gebe es Abschlüsse, die in der Wirtschaft stärker gefragt seien als andere. Am häufigsten würden heute Informatiker gesucht, und zwar in allen Regionen und Branchen. Hier habe ein klarer Wandel stattgefunden. Während DANIEL STOLLE früher ein Ingenieur automatisch in die Industrie, ein Informatiker zu einer IT- Bude und ein Betriebswissenschafter zu einer Bank, einer Versicherung oder einem Wirtschaftsprüfer gegangen sei, seien die Karrierewege mittlerweile weniger klar vorgezeichnet. «Seit die Digitalisierung über alle Branchen hinwegfegt, ist die Nachfrage nach Informatikern überall enorm hoch, ein solches Studium hat eine Jobgarantie.» Vor allem Programmierer stünden hoch im Kurs, während Wirtschaftsinformatiker etwas weniger gesucht seien. Mehr Mühe auf dem klassischen Arbeitsmarkt haben laut Sonderegger Geistes- und Sozialwissenschafter. «Aber selbst hier gehen die Türen für jemanden auf, der gut auf seinem Gebiet ist. Wenn man eine Passion für diese Fachrichtungen hat, soll man diesen Weg unbedingt einschlagen, man wird auch so Karriere machen.» Es sei aber eine Tatsache, dass Mitläufer in diesen Fächern auf dem Arbeitsmarkt grössere Schwierigkeiten hätten als Mitläufer in einer gesuchten Studienrichtung. Früh die Weichen stellen Generell gelte es, sich früh zu überlegen, wohin der Hochschulabschluss führen solle. «Für mich ist es schockierend zu sehen, wie viele Studierende es vernachlässigen, ihren Berufseinstieg vorzubereiten», sagt Sonderegger.Aus seiner Sicht muss die Berufswahl bereits bei der Studienwahl beginnen. Es sei nicht notwendig, nach der Matura bereits ein konkretes Stellenprofil im Kopf zu haben, aber es sei wichtig, seine Leidenschaften und Fähigkeiten, seine Stärken und Schwächen zu kennen. «Diejenigen, die wissen, wohin ihr Weg gehen soll, richten ihr ganzes Studium danach aus. Sei dies mit entsprechenden Vertiefungsfächern, gezielten Praktika oder den Themen der Bachelor- oder der Masterarbeit.» Dadurch ergebe sich ein roter Faden, der den Berufseinstieg sehr einfach mache. «Erstens verfügt man schon über ein gewisses Netzwerk, und zweitens kann man den Unternehmen glaubhaft aufzeigen, dass man in genau diesen Bereich will.» Sonderegger empfiehlt, den Kontakt zur Wirtschaft gleich beim Hochschuleintritt zu suchen. Man könne sich so besser vorstellen, was hinter den Stellenprofilen stecke. Und man verfüge so über Kontakte, die Infos zu Praktika und Positionen böten, die nicht ausgeschrieben würden. Damit sei man im Vorteil gegenüber der Mehrheit der Kommilitonen. Wie findet man den Zugang zur Wirtschaft? Für Sonderegger ist Neugierde der entscheidende Faktor. «Man muss den Mut haben, die eigene Komfortzone zu verlassen, und proaktiv auf spannende Leute zugehen.» Oft hätten Personen, bei denen man eine grössere Hemmschwelle habe, besonders Freude, wenn sie angesprochen würden.von solchen Kontakten profitiere man ein Leben lang. Für den Aufbau eines Netzwerks seien nicht nur klassische Karriereveranstaltungen relevant, sondern auch Eltern, Professoren, private Anlässe wie Geburtstage oder Hochzeiten sowie Vorträge an der Hochschule. Gute Gelegenheiten ergäben sich fast täglich. Sonderegger rät Studierenden, nicht die ganze Energie darauf zu verwenden, reines Fachwissen zu erwerben. Die sogenannten Soft Skills würden im digitalen Zeitalter immer relevanter. Wer Führungsaufgaben übernehmen wolle, müsse über gute Sozialkompetenzen verfügen. «Den Umgang mit Menschen lernt man jedoch nicht im Vorlesungssaal», sagt Sonderegger. Lücken im Lebenslauf seien heute ebenfalls kein Thema mehr, sofern man sich während dieser Zeit persönlich weiterentwickelt habe beispielsweise mit Reisen oder Sprachkursen, die das Verständnis für andere Kulturen geschärft hätten. So suche die Wirtschaft vermehrt Professionals, also Personen, die bereits über eine gewisse Berufs- und Lebenserfahrung verfügten.auch zwischen dieser Generation und der Wirtschaft schlägt die Together AG Brücken. Sie bestmöglich zu nutzen, bleibt jedem Stellensuchenden selbst überlassen. Denise Weisflog Die Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft m.b.h. schreibt gemäß Stellenbesetzungsgesetz, BGBl. I Nr. 26/1998, die Position An der Technischen Universität Darmstadt ist 2019 die Position der Präsidentin oder des Präsidenten (Kenn-Nr. 286) zu besetzen. Die Technische Universität Darmstadt ist eine der führenden technischen Universitäten in Deutschland. Ihre Schwerpunkte in Forschung, Lehre und Transfer sind die Ingenieur- und Naturwissenschaften, die eng mit ausgewählten Geistes- und Sozialwissenschaften zusammenarbeiten. Die TU Darmstadt mit ihren etwa Studierenden ist die einzige Technische Universität in Hessen. Sie ist eingebunden in die wirtschaftsstarke Region Rhein/Main/Neckar und international stark vernetzt. Gesucht wird eine wissenschaftlich ausgewiesene Führungspersönlichkeit mit internationaler Erfahrung, die das Profil der TU Darmstadt unter Berücksichtigung der rechtlich festgeschriebenen Autonomie kreativ, engagiert und sachkompetent weiterentwickelt. Dabei sollen die besonderen Stärken der TU Darmstadt in der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Ingenieur-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften ausgebaut sowie insbesondere die Exzellenz- und Internationalisierungsstrategie aktiv gestaltet werden. Die TU Darmstadt lebt eine Kultur der offenen Kommunikation und erwartet von der Bewerberin bzw. dem Bewerber Integrations- und Kooperationsfähigkeit nach innen und außen. Die Präsidentin oder der Präsident wird gemäß den Anforderungen in 39 Hessisches Hochschulgesetz auf Vorschlag des Hochschulrates von der Universitätsversammlung gewählt. Die Vergütung wird mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verhandelt. Die TU Darmstadt begrüßt ausdrücklich die Bewerbungen von Frauen. Bewerberinnen und Bewerber mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 oder diesen Gleichgestellte werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. Bewerbungen sind mit aussagekräftigen Unterlagen als vertrauliche Personalsache an den Vorsitzenden der Findungskommission, Herrn Professor Ferdi Schüth, TU Darmstadt, Referat Qualitätsmanagement und Gremien (IB), Karolinenplatz 5, Darmstadt oder per an zu senden. Bewerbungsfrist: 1. September 2018 eines/einer Geschäftsführers/Geschäftsführerin Direktors/Direktorin der Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.h. aus. Gesellschafter der Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.h sind das Land Tirol und der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Die Gesellschaft führt den gesamten Betrieb der Tiroler Landesmuseen in fünf Häusern (Ferdinandeum, Zeughaus, Tiroler Volkskunstmuseum mit Hofkirche, Tirol Panorama mit Tiroler Kaiserjägermuseum, Sammlungs- und Forschungszentrum Hall) und betreut die ihr zugewiesenen Gegenstände samt dazugehörigen Sammlungen. Dem/der Geschäftsführer/in obliegt die alleinige Leitung des Betriebes und die Entscheidung in allen Angelegenheiten, die nicht nach dem Gesetz oder dem Gesellschaftsvertrag dem Aufsichtsrat oder der Generalversammlung vorbehalten oder durch die zwischen dem Land Tirol und dem Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum abgeschlossene Vereinbarungen über die wechselseitigen Rechte und Pflichten vorgegeben sind. Er/sie ist in dienstlicher und fachlicher Hinsicht Vorgesetzter/Vorgesetzte der Bediensteten der Gesellschaft. Die Stelle wird zum ehestmöglichen Antritt ausgeschrieben. 1. Zu den wesentlichen Aufgaben gehören: Im Allgemeinen: 1.1. Die Gestaltung eines hohe Ansprüche erfüllenden, innovativen und interdisziplinären Kulturprogramms (Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Präsentationen, Kulturdiskussionen usw.) unter besonderer Berücksichtigung der umfangreichen Sammlungsbestände sowie der multikulturellen und mehrsprachigen Aspekte der Europaregion Tirol Zielgerichtete Aktivitäten zur kontinuierlichen Betreuung des Publikums sowie Entwicklung von Strategien zur Gewinnung und verstärkten Einbindung neuer Besucherschichten Die Erhaltung und der Ausbau der Sammlungen nach systematischen wissenschaftlichen Kriterien unter besonderer Berücksichtigung der zentralen Sammlungsgebiete der zur Gesellschaft gehörenden Einrichtungen Die Obsorge für die wissenschaftliche Erschließung der Sammlungsbestände, Fortführung und Ausbau der Forschungsaktivitäten Erhöhung der Eigenwirtschaftlichkeit und Optimierung von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzmanagement und Sponsoring im Sinne eines zielorientierten Einsatzes der für Betrieb und Programme verfügbaren Mittel; Ausbau und Pflege der Kontakte zu öffentlichen und privaten Geldgebern Starke Positionierung der Tiroler Museen in der nationalen und internationalen Museumsgemeinschaft (ICOM, Museumsbund) und auf wissenschaftlichem Gebiet. Im Speziellen: 1.7. Erstellung klarer strategischer und operativer Zielsetzungen für die Gesellschaft Die Neuaufstellung des Ferdinandeums, insbesondere im Hinblick auf das 200-Jahr-Jubiläum im Jahr Die Positionierung des Ferdinandeums vorwiegend als Museum der Kunst, in dem auch interdisziplinäres Arbeiten und das Aufgreifen aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen möglich sind Die Weiterentwicklung eines möglichst unverwechselbaren Profils unter Wahrung der spezifischen Eigenprofile der der Gesellschaft anvertrauten Einrichtungen; in diesem Zusammenhang auch die Fortschreibung und Schärfung von inhaltlichen Leitbildern Die Optimierung von Aufbau- und Ablauforganisation, insbesondere für das Sammlungs- und Forschungszentrum Die Etablierung eines strategischen Personalmanagements, insbesondere die Personalentwicklung. 2. Erwartet werden: 2.1. Abgeschlossenes kulturwissenschaftliches Universitätsstudium oder Nachweis vergleichbarer Kenntnisse Internationale Erfahrung im Kulturbetriebsmanagement, insbesondere im Mehrspartenbereich, verbunden mit entsprechenden fachlichen Kenntnissen Erfahrung in der Führung von komplexen Betriebsstrukturen Nachgewiesene Fähigkeiten im Personalmanagement sowie hohe soziale und integrative Kompetenz Neben dem Beherrschen der deutschen Sprache, Verhandlungssicherheit in Englisch; Grundkenntnisse in Italienisch erwünscht Verhandlungsgeschick und ausgeprägte Fähigkeit zu verbaler und schriftlicher Kommunikation Teamorientierung und ein Verständnis von Kunst und Kultur als kritische, gesellschaftlich gestaltende Kraft kombiniert mit einem ausgeprägten wirtschaftlichen Denken. Der Geschäftsführervertrag wird auf die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen. Eine auch mehrmalige Verlängerung des Vertrages ist möglich. Das mit dem/der Geschäftsführer/in zu vereinbarende Entgelt deckt auch alle Mehrleistungen in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht ab. Bewerbungen unter Beifügung entsprechender Unterlagen (insbesondere Lebenslauf, beruflicher Werdegang, Interesse und Eignung, Vorstellungen bzw. Konzept über die Ausübung der Funktion als Geschäftsführerin/Geschäftsführer entsprechend den Erwartungen, Gehaltsvorstellungen) sind schriftlich auf welche technisch mögliche Weise auch immer, nachweislich bis spätestens unter Ausschreibung eines/einer Geschäftsführers/in der Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft m.b.h. an folgende Adresse zu richten: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Justiziariat z.h. Mag. a Simone Wallnöfer, Wilhelm-Greil-Straße 17, A-6020 Innsbruck, Fax , Bewerbungen werden vertraulich behandelt; mit einer Bewerbung verbundene Aufwendungen werden nicht ersetzt. Auskünfte zum Aufgabengebiet können eingeholt werden beim Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Kultur Dr. Benedikt Erhard, Telefon , Innsbruck, am