Burkhard Schnepel, Felix Girke, Eva-Maria Knoll (Hg.) Kultur all inclusive Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus

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1 Aus: Burkhard Schnepel, Felix Girke, Eva-Maria Knoll (Hg.) Kultur all inclusive Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus August 2013, 350 Seiten, kart., zahlr. Abb., 29,90, ISBN Wie ist es um das Verhältnis zwischen modernem Massentourismus und den unterschiedlichen Spielarten von»kulturerbe«bestellt? Wo Einheimische und Touristen aufeinandertreffen, verändern materielles wie immaterielles Kulturerbe ja oft sogar Ethnizität und sozio-kulturelle Identität ihre Ausdrucksformen und Bedeutungsinhalte. Vielfach entsteht Kulturerbe oder das, was als solches verstanden und (an-)erkannt wird in der touristischen Arena erst neu. Das Hauptinteresse des Buchs gilt dieser generativen Dynamik, in der Kulturerbe selektiert, präsentiert, produziert und kommodifiziert wird. Burkhard Schnepel ist Professor für Ethnologie und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Regionalstudien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Felix Girke ist Ethnologe und arbeitet als Forschungskoordinator am Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Eva-Maria Knoll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Weitere Informationen und Bestellung unter: transcript Verlag, Bielefeld

2 Inhalt Drohung und Verheißung. Vorwort zum Wechselspiel von Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus Felix Girke und Eva-Maria Knoll 7 Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus. Eine programmatische Einführung Burkhard Schnepel 21 Dynamiken der In-Wertsetzung von Kultur(erbe). Akteure und Kontexte im Lauf eines Jahrhunderts Regina Bendix 45 Die ganze Welt auf einer Insel. Tourismus und die Inszenierung moderner Zeitlichkeit auf der Insel La Réunion David Picard 75 Homogenisierung und Differenzierung. Zur Ambivalenz touristischer Chronotopie-Konstruktion Hasso Spode 93 Die Governanz des Outstanding Universal Value. Zur globalen Verhandlung der UNESCO-Welterbeliste Thomas Schmitt 117 Tourismuslandschaften Sehenswürdigkeiten Menschen Ingrid Thurner 151 Wa(h)re Kultur. Das»Kalam-Kulturfestival«im nördlichen Hochland von Papua-Neuguinea Joachim Görlich 183

3 Die Tourist Bubble des San-Projekts»Treesleeper Camp«in Tsintsabis, Namibia Anna Hüncke 217 Sharing and Protecting. Der Umgang mit Chancen und Risiken des Tourismus in nordamerikanischen Indianerreservationen Markus H. Lindner 245 Die Leute hinter den Masken. Kleinunternehmer und die Kommodifizierung von Kultur im senegalesischen Tourismus Georg Materna 275 Der Shop als Spiegel des Museums. Ausstellungsobjekte, Souvenirs und Identitätspraktiken im Jüdischen Museum Berlin und im Yad Vashem, Jerusalem Anja Peleikis und Jackie Feldman 309 Kurzbiographien der Autoren 343

4 Drohung und Verheißung Vorwort zum Wechselspiel von Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL Das Zeitalter des Massentourismus enthält eine Drohung und eine Verheißung. Heute scheint die ganze Welt ins Visier der Touristenströme steuernden Unternehmen und Institutionen geraten zu sein: auch wenn dort oder da vielleicht noch keine völlige Durchdringung gegeben ist, so gehen wir doch davon aus, dass das touristische Potential jedes Landes und der meisten kleineren Struktureinheiten erwogen und registriert ist. Gegenwärtiger Tourismus setzt sich grundsätzlich über Grenzen hinweg, sei es durch die Vorhut der»unabhängigen«globalen Backpacker oder durch größere politische Interventionen, die Wege schaffen, wo vorher keine waren. Ungeachtet dessen, ob diese grenzüberschreitenden Wege nun als bedrohlicher Ausverkauf oder aber als Chance auf Partizipation verstanden, erachtet und erlebt werden oder als beides zugleich, werfen Touristen ihre Schatten weit voraus. Schon lange vor ihrer tatsächlich»massenhaften«ankunft werden sie von Individuen und Institutionen imaginiert, teils akkurat, teils als Zerrbilder. Verstärkt durch die zunehmende Lust und Möglichkeit der Mittel- und Oberschichten asiatischer und afrikanischer Länder, es ihren europäischen und amerikanischen Vorläufern gleichzutun und ohne wirtschaftliche oder existentielle Notwendigkeit zu reisen, lässt uns diese Entwicklung von einem wahren Zeitalter des Massentourismus sprechen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es nur noch Massentourismus gäbe also jenes Phänomen, das in der Regel entweder kritisch als das massen-

5 8 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL hafte Auftreten von Touristen an einzelnen Orten verstanden wird, oder unter demokratischeren Gesichtspunkten gesehen, als die generelle Zugänglichkeit touristischer Reisen für breitere Bevölkerungssegmente. In unserem Verständnis ist das Zeitalter des Massentourismus vielmehr geprägt von einem globalen Bewusstsein touristischer Praxis und dem sicheren Wissen, dass Touristen überall anzutreffen oder überall hinzulocken sind und mit relativ kurzer Vorlaufzeit sich entsprechend der gängigen Szenarien auch lokalitätsprägend ballen können. Die normative Beurteilung dieser Sachlage, oft impulsiv geäußert und naturgemäß von hohem öffentlichen Interesse, bleibt hier außen vor: stattdessen befassen sich die Beiträge in diesem Band mit der breiten Palette gelebter Praxis, die sich zwischen den beiden eingangs erwähnten Facetten von Kultur im Zeitalter des Massentourismus aufspannt, der Drohung und der Verheißung, und den Aktionen wie Reaktionen von Menschen angesichts des touristischen Schattens. Die Haltung jener Menschen, die in Destinationen leben oder wirtschaftlich in sie investiert haben, muss zumindest teilweise als imaginativ und antizipativ verstanden werden: auch wo noch keine Touristen sind, denkt man an sie; wo sie bereits angekommen sind, hofft man, ihre Verheißung ausschöpfen und ihre Drohung eindämmen zu können; man überlegt, wie man sie locken und verführen, begeistern und meistern kann, um sie gleich einem nicht völlig fügigen wilden Tier dahin zu dirigieren, wo ihr Platz sein soll. Die sich hier abzeichnende Ambivalenz zieht sich als roter Faden durch dieses Buch. Die im touristischen Schatten stattfindende Imagination und Antizipation ist aber keinesfalls nur projektiv; sie wirkt zugleich transformativ nach innen. Jenseits der Reproduzier- und Wiedererkennbarkeit Augé scher Nichtorte (1992; vgl. Schnepel und Spode in diesem Band) müssen sich Destinationen unterscheiden, um überhaupt beworben werden zu können, sie müssen vorerst eine spezifische Identität erhalten, und diese charakteristische Identität muss langfristig bewahrt werden. Der Königsweg hierzu sind heute»kultur«und artverwandte Begriffe, welche die Eigenart und Einzigartigkeit von Populationen behaupten und zugleich illustrieren. Die stets auch politische Steuerung von Kultur, Tradition und Geschichte wird heute gemeinhin als»heritage«oder (Kultur-)Erbe bezeichnet. Unter anderem stimulieren weltweit zu beobachtende Oszillationen zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung, Experimente in Föderalismus und eine starke Bewegung für die Rechte der indigenen Minderheiten in-

6 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 9 nerhalb von Nationalstaaten die heritage-dynamik: Distinktion ist die logische und oft auch formal-rechtliche Grundlage für (kollektive) Identität, und somit kommt keine Identitätspolitik darum herum, sich eben damit zu befassen. Die heute oft gewählte Antwort auf die Frage, was die eine Gruppe, die eine Destination von den anderen unterscheidet, lautet»kultur«und spezieller noch Kulturerbe, ein in vieler Hinsicht affektiv stärkerer Begriff als das eher anämische und betont neutrale»geschichtemy heritage can beat up your history«, wie Alan Lew (2007) es formuliert hat. Mehr noch als Geschichte behauptet»erbe«gemäß der gängigen deutschsprachigen Bedeutung einer Rechte- und/oder Güterüberlassung eines Verstorbenen meist auf einen biologischen Nachkommen (das Erbe, das der Erbe ererbt) ein proprietäres Verhältnis, welches als quasi natürliches Recht schwer zu hinterfragen und nahezu unmöglich zu leugnen ist. Kulturerbe legitimiert Ansprüche, es generiert und stabilisiert soziale Zusammenhänge und naturalisiert eine Gegenwart durch Bezugnahme auf eine Vergangenheit. 1 Es ist die Bewegung von»geschichte«zu»unser Erbe«die es überhaupt erst erlaubt, im großen Maßstab Artefakte und immaterielle Kultur (wie Performanzen, Wissen und Erlebnisse) zu kommodifizieren damit etwas vermarktet und veräußert werden kann, muss es schließlich zunächst besessen werden, und sei es durch bloße Behauptung. So wird Kulturerbe zum naheliegenden Wegbegleiter und -bereiter des kommerzialisierten Reisens; beide bedingen und bestärken einander, indem zum einen der Tourismus die mehr oder weniger interessierten, aber vor allem zahlenden Zuschauer für die identitätspolitisch motivierten Selbstdarstellungen von oft marginalisierten und lokal gebundenen Menschen liefert, und zugleich diese kulturellen Performanzen den Akt des Reisens mit empfundener Authentizität und Relevanz aufladen. Wenn das Verständnis des Selbst zunehmend essentialisierend an Bräuche oder Bauwerke geknüpft ist, an Traditionen, Orte und Objekte, ist es von fundamentaler Wichtigkeit, sowohl diese im/materiellen Marker vor 1 Es ist kein weiter Schritt von der Diagnose dieser vereinnahmenden (auch: nostrifizierenden) Haltung und einem impliziten Schutzgedanken hin zu Überlegungen über deren weitere Ausprägungen im Zusammenspiel mit Nationalstaaten und anderen Institutionen wie etwa der UNESCO (vgl. dazu den kürzlich erschienen Sammelband Heritage Regimes and the State von Bendix/Eggert/Peselmann 2012).

7 10 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL physischer Transformation (konkret: Vergessen, Verfall und Zerstörung) zu schützen als auch die diskursive Deutungshoheit über sie zu bewahren Erbe verpflichtet auch! Hier möchte eine Vielzahl von Akteuren mitreden, mitgestalten und monetär partizipieren, die nicht leicht und nicht eindeutig in Insider und Outsider unterteilt werden können: Niemals sind die Träger von Kulturerbe derart homogen, dass sich keine Fragen nach Repräsentation, Profit und anderen Partikularinteressen aufdrängen würden. Die Etablierung und Propagierung von Kulturerbe birgt dadurch stets auch und vor allem im transformativen Zeitalter des Massentourismus ein gewisses Konflikt- und auch Kooperationspotential. Der vorliegende Band diskutiert entlang dieser umrissenen Konstellation konkrete Fallbeispiele, die Einblicke erlauben in die vielgestaltigen Wechselwirkungen zwischen globalem Tourismus und Identitätspolitiken, die sich auf Kultur und Erbe beziehen. Wie dargestellt geht es dabei nicht um»massentourismus«, nicht um das konkrete Auftreten der Golden Hordes (Turner/Ash 1975) an sich, sondern um die Potentialitäten des»zeitalters des Massentourismus«, um Drohungen und Verheißungen, um das teils vorauseilende, teils hinterher hinkende Anpassen lokaler Strukturen an erahnte und erfahrene touristische Ansprüche. Das Resultat ist durchgängig ambivalent. Unser Titel Kultur all inclusive ist daher gewissermaßen als Parole aller Beteiligten zu verstehen, seien es Touristen, Unternehmer oder die Bewohner der Destinationen, die ein Interesse daran haben, dem wachsenden Bedürfnis nach»kultur(-erbe)«konstruktiv zu begegnen. Das hierbei ambivalente Haltungen zu beobachten sind, kann auch nicht überraschen, stellen die potentiellen oder tatsächlichen Touristenströme wie oben angedeutet neben der Verheißung doch immer auch eine gewisse Bedrohung dar, und sei es allein dadurch, weil sie Wandel ankündigen und sichtbar machen. Geographisch erstrecken sich die im vorliegenden Band diskutierten Beispiele von Europa (Deutschland, Schweiz) über den Nahen Osten (Israel, Jordanien), Afrika (Marokko, Namibia, Senegal), Ozeanien (Papua-Neuguinea), Nordamerika und die Inselwelt des Indischen Ozeans (La Réunion) bis hinein in die weltweit stattfindenden Sitzungen der UNESCO-Welterbekommission. Das Ziel ist somit nicht der Versuch, die Thematik für eine Region erschöpfend zu behandeln, sondern die Öffnung eines weiten Vergleichsrahmens in thematischer und regionaler Hinsicht.

8 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 11 DIE BEITRÄGE Aufgrund des Entstehungskontextes dieses Bandes, aber auch aufgrund der fachlichen Fokussierung, der methodischen Vorgehensweise und der spezifischen Disziplingeschichte liegt es nahe, dass dieser Band zur Problematik der scheinbar unauflösbaren Komplexität von Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus vor allem sozialanthropologische/ethnologische Beiträge umfasst. Eine»dichte Beschreibung«(Geertz 2003) und Reflexion der vielfältigen Verschränkungen von Tourismus und der In-Wertsetzung und Kommerzialisierung von Kultur liegt für ein Fach nahe, das sozio-kulturelle Interaktionen in den Blick nimmt und sich dabei der teilnehmenden Beobachtung vor Ort verschrieben hat. Neben Vertretern der Europäischen Ethnologie, der Geschichtswissenschaft und der Kulturgeographie wurden daher überwiegend Beiträge jenes Faches aufgenommen,»das englisch, französisch, spanisch, portugiesisch und in den meisten skandinavischen Sprachen seit langem Sozial- und Kulturanthropologie genannt wird (und ebenso zunehmend in der Schweiz und in Österreich), während in deutscher Sprache ansonsten die altmodischeren Bezeichnungen Ethnologie oder gar Völkerkunde vorläufig noch überwiegen«(gingrich/knoll/kreff 2011: 17f). Abhängig von der Herkunft und akademischen Sozialisierung finden sich diese unterschiedlichen Bezeichnungen für ein und dieselbe Disziplin im vorliegenden Band. Dementsprechend vielfältig sind auch die anzutreffenden Methoden, da die vorgestellten Daten teils in Archiven oder online, teils in aktuellen Feldforschungen erhoben wurden. Thematisch spannt dieses Buch den Bogen von mikrolokaler Kommodifizierung von Kultur durch marginale Kleinunternehmern, die einige wenige Masken an Touristen zu verkaufen hoffen, bis hin zur In-Wertsetzung von Kultur im Rahmen des Weltkulturerbe-Regimes der UNESCO. Während dieses Vorwort die generellen Grundanliegen dieses Bandes und der beiden zugrundeliegenden Workshops 2 artikuliert, wird durch das 2 Kultur all inclusive geht auf zwei Veranstaltungen zurück: den von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Workshop»Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus«, veranstaltet vom und am Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien (ZIRS) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, unter der Leitung von Burkhard Schnepel und Felix Girke, sowie das Panel 2» Kultur all inclu-

9 12 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL einleitende Kapitel von Burkhard Schnepel mit Verweis auf die relevante Literatur ein theoretischer Bezugsrahmen hergestellt, der die wichtigsten Problematiken, die in den unterschiedlichen Disziplinen verwendeten Grundbegriffe und die aktuellen Streitfragen aufgreift und systematisch darlegt. Regina Bendix zeigt in ihrem Beitrag Herausforderungen und Stolpersteine in der Erforschung kultureller In-Wertsetzungen auf (etwa das Spannungsverhältnis von Allmende und Eigentums- sowie Nutzungsrechte) und leistet grundlegende Begriffsarbeit in diesem Band: Der Ausdruck»Patrimonialisierung«betont das Prozesshafte einer In-Wertsetzung, nämlich die Verbindung von Bewahren und Kommerzialisieren. Kultur mit einem ökonomischen Wert versehen ist aber nur eine von möglichen In-Wertsetzungen von Kultur, betont Bendix. Daher ist die Kommodifizierung, die im Sinne Polanyis mit der Entfremdung von kulturellen Werten negativ assoziiert wird, von einer solchen vieldimensionalen In-Wertsetzung abzugrenzen. Denn In-Wertsetzungsprozesse von Kultur zeichnen sich gerade durch ein Ineinandergreifen von ideellen, sozialen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Be- und Aufwertungen aus, was anhand dreier Beispiele aus der Schweiz (einem Neujahrsbrauch und zweier Theaterprojekte) verdeutlicht wird. Daher ruft Bendix zur Auflösung der vielzitieren Differenzierung in kulturelle und metakulturelle Produktionen von Barbara Kirshenblatt- Gimblett (1995) auf, da diese darüber hinaus auch zur Annahme verleiten kann, dass im Kulturerbe-Regime wenige, oft auch von außen kommende Akteure auf der Meta-Ebene agierten, während die eigentlichen Kulturträger von ihrem Kulturgut entfremdet würden. Erst die Überwindung der sive. Konsum und Vermarktung kultureller Aspekte im Tourismus«der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde/DGV in Wien unter der Leitung von Burkhard Schnepel und Eva-Maria Knoll. Für zahlreiche Einsichten und die lebendige Diskussion danken wir den Teilnehmern und den Referenten. Neben den hier versammelten Beitragenden trugen in Wien ebenfalls Petra Martin (Dresden), Juliane Müller (München) und Jennifer Scheffler (Bayreuth) vor sowie in Halle Sandra Petermann (Mainz), Tomasz Przerwa (Wroclaw), Markus Tauschek (Kiel) und Carsten Wergin (Halle). Weiterhin danken die Herausgeber ganz besonders Hanne Schönig (Halle) für ihre intensive Hilfe und die umfangreiche Korrekturarbeit an diesem Band.

10 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 13 Trennung zwischen Handlungsebene und das Handeln lenkender Meta- Ebene lässt die Vielfalt der Bezugs- und Handlungsspielräume unterschiedlicher Akteure und das Spektrum von Leidenschaft bis Kalkül erkennen, das im Prozess einer In-Wertsetzung entfaltet werden kann. David Picard nimmt den Slogan»die ganze Welt auf einer Insel«unter die Lupe, mit der die Insel La Réunion des westlichen Indischen Ozeans beworben wird. Bei dieser Vermarktungsstrategie macht er eine voranschreitende Entwicklung als zugrunde liegende Logik und ein Verständnis von Geschichte als progressiven Entfremdungsprozess von einem natürlichen Urzustand aus. Diese Vorstellung moderner Zeitlichkeit korrespondiert mit einer entsprechenden Raumorganisation auf La Réunion: Die Bergbauern im»wilden«inneren der Insel werden als ursprünglich (einst im Widerstreit und nun im Einklang mit der Natur lebend) dargestellt, während die Küstenbevölkerung mit der Thematik der Kreolität verbunden wird, die nicht nur auf eine schmerzvolle koloniale Vergangenheit verweist, sondern auch als das universelle Modell der menschlichen Zukunft dargestellt wird. In der touristischen Raumpraxis der Vermarktung La Réunions wird die Reise durch den Inselraum somit auch zur moralisch aufgeladenen Zeitreise die morgens beim menschlichen Ursprung im Inselinneren beginnt und über die schmerzvolle Kolonialgeschichte hinweg abends beim friedlichen Zusammenleben der kreolischen Bevölkerung an der Küste endet. La Réunion wird somit zur Miniatur globaler menschlicher Zeitlichkeit. Natur und Alltagskultur der Insel werden touristisch vermarktet und dabei für Touristen wie auch Einheimische zum identitätsstiftenden Moment. Picard spricht von Imaginärwelten, die kollagenartig zusammengestellt die Raum- und Sozialstruktur der Insel und auch die Selbstwahrnehmung ihrer Bewohner neu definiert. Der Beitrag Picards zu La Réunion verdeutlicht Aneignungs- und Repräsentationsprozesse (auf) einer Insel. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass die (tropische) Insel nicht nur der Inbegriff touristischer Imagination und Vermarktung ist (sowohl als Fluchtpunkt als auch als Verdammungsort), sondern auch Laborcharakter hat, da hier Prozesse in überschaubaren Kontexten beobachtet und reflektiert werden können (z.b. Carlsen/Butler 2011: xii). Besonders in Bezug auf die Frage der Temporalität knüpft Hasso Spode an Picards Ansatz an. Er widmet sich ebenfalls räumlichen Konfigurationen

11 14 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL von Kultur und Tourismus. Anhand der Geschichte des Tourismus und der Tourismuskritik zeigt er zunächst auf, wie sich das schon immer gespannte Verhältnis von»kultur«und Reisen (vor allem den Reisen der Anderen) im postmodernen Diskurs einer globalisierenden Welt etwas lockert: die Faktizität des Massentourismus wurde anerkannt, die stets kritische»zentralperspektive«ging verloren, und dies erlaubte nun auch Kulturwissenschaftlern, sich dem Phänomen offen zu nähern. Dabei rückte auch die Räumlichkeit nicht nur der Destinationen, sondern auch der Motivationen und Fantasien der Reisenden in den Mittelpunkt des Interesses. Hier zeigt sich, dass der romantische Impuls auch in der Gegenwart ein zentraler Aspekt des Tourismus geblieben ist. In Spodes an Foucault angelehnter Diktion wurden so aus»heterotopien«früherer Reisen, aus gesuchten Räumen der Andersheit»Chronotopien«, Räume, in denen das Vergangene, das Ursprüngliche noch gefunden werden kann. Diese zivilisationskritische Nachfrage prägt Destinationen, die sich in der Folge homogenisieren, um dem Reisenden hinreichend Vertrautes zu bieten, und gleichzeitig auch in der notwendigen Betonung einer jeweiligen Einzigartigkeit ausdifferenzieren. Doch hat sich die Forschung (anders als die feuilletonistische Kulturkritik) zu stark der Differenzierung gewidmet: die unbehagliche und doch oft lediglich konstatierte Angleichung von Räumen unter touristischem Einfluss ist zu wenig empirisch beforscht, um das Wesen des spätmodernen Touristen und seiner Welt balanciert erfassen zu können. Thomas Schmitt befasst sich mit einer konkreten Form der Auszeichnung von Räumen: dem UNESCO-Weltkulturerbe und dessen Governanzmustern, hier fokussiert im Begriff des»o.u.v.«, des outstanding universal value, der als Grundlage der Entscheidung über die Einschreibung einer Stätte dient. Dieses aufgeladene Konzept findet jedoch keine einfache Anwendung was sind die Kriterien, um einen universellen Denkmalwert zu bestimmen? Schmitt diskutiert zur Erhellung dieser Problematik nicht die Stätten materiellen Kultur- und Naturerbes als potentielle touristische Destinationen an sich, sondern untersucht die Dynamiken der Sitzungen der UNESCO-Gremien, in denen Akteure mit unterschiedlichen Interessenlagen auf Basis dieser vagen Vorgabe Entscheidungen auszuhandeln haben. Unter den nationalstaatlichen Vertretern, die über von den nationalen Komitees eingereichte Vorschläge beschließen sollen, sowie den Beratungsorganisationen können hier konfligierende intellektuelle Stile ausge-

12 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 15 macht werden. Schmidt konkretisiert diese Beobachtung anhand von fünf idealtypischen und nebeneinander bestehenden Sichtweisen auf den»o.u.v.«, der letztlich das stärkste Argument für oder gegen einen Nominierungsantrag darstellt, anhand der Frage nach der Vergleichbarkeit von nominierten Stätten und anhand der (unausgewogenen) geographischen Verteilung dieser Stätten. Denkmalwert zeigt sich als grundsätzlich konstruiert, zieht aber seine diskursive Stärke aus einer scheinbaren Evidenz. Schmitts Arbeit macht den prozessualen Charakter dieser Konstruktion nachvollziehbar, wirft Fragen nach der langfristigen Tragfähigkeit des Welterbe-Konzepts an sich auf und zeigt, wie andere Länder den klaren Wettbewerbsvorteilen der überausgestatteten Kulturbürokratien Europas begegnen können. Im Anschluss und komplementär zu Schmitts institutionsorientiertem Ansatz betrachtet Ingrid Thurner mit der Asteriskisierung, der Markierung von Stätten und Tourismuslandschaften mit Sternen in Reiseführern oder Prospekten, eine Art der Auszeichnung von innen. Die hier zugrunde liegende Frage ist, wie etwas überhaupt zu einer Sehenswürdigkeit wird und was getan werden muss, damit es eine solche bleibt. Thurners Analyseansatz stellt eine Variante der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) dar. Diese Methodik, die vorurteilsfrei menschliche wie nichtmenschliche Akteure und deren gegenseitige Beziehung und Beeinflussung abbildet, erlaubt ihr, den materiellen wie immateriellen, statischen wie mobilen Tourismusnetzwerken gerecht zu werden. Zentral im ANT-Vokabular sind»übersetzungen«, sprich kommunikative Prozesse, durch die überzeugende und handlungsleitende Beziehungen hergestellt werden, welche es erlauben, weitere Akteure in eigene Handlungsprogramme einzubinden; auch»sehenswürdigkeit«wird so erzeugt. Beispielhaft wird das am Fall Jordanien deutlich, wo der bekannte Lawrence of Arabia und dessen Aktivitäten im Unabhängigkeitskampf zwar heute politisch kritisch gesehen, aber touristisch verklärt intensiv genutzt werden. Andere Akteure können sich gegen derartige Rollenzuweisungen besser wehren und damit ganze Tourismusnetzwerke bedrohen; andere sind wiederum bemüht, solche Rebellionen einzudämmen. Der eingangs genannte Asterisk ist letztlich also einer unter zahlreichen Akteuren, welche Touristen dazu bewegen sollen, sich selbst Netzwerken anzuschließen und eben durch ihre Teilnahme die Stabilität der jeweiligen Netzwerke zu fördern.

13 16 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL Wie im Hochland von Papua-Neuguinea kulturelle Traditionen kreativ in touristische Kontexte eingebunden werden, zeigt Joachim Görlich. Im Zentrum dieses Beitrages steht ein traditionelles Nasenpiercing-Ritual, mit dem Acht- bis Vierzehnjährige den Statuswechsel vom Jungen zum Mann vollziehen. Görlich spürt den sozio-kulturellen Veränderungsprozessen der touristischen Verwertung dieses Übergangsrituals nach. Er fasst diese Veränderungen als materielle und symbolische Appropriation auf, als kreative Aneignung und Einbindung westlicher Kulturelemente in traditionelle soziale Arrangements, die sowohl über Kontinuitäten als auch über Brüche mit kulturellen Kontexten erfolgt. Das Initiationsritual wurde in doppelter Hinsicht zum Objekt zum Objekt der In-Wertsetzung und Vermarktung, aber auch zu jenem der Reflexion, die eine positive Neubewertung und Identifikation mit dem kulturellen Erbe erlaubt. Daher so Görlichs Einschätzung verändert sich die performative Wirksamkeit des Initiationsrituals zwar im touristischen Kommodifizierungsprozess, verringert diese aber nicht. Die heutige sozio-kosmologische Einbindung des Rituals ist durch Einflüsse von anglikanischer Kirche, Schule und Marktwirtschaft mitbestimmt und im Schnittfeld von Tourismusattraktion, Identitätsmarker, Entwicklungsprojekt und Cargo- Kult-Artigem angesiedelt. Anna Hüncke untersucht die Vermarktung und Organisation des touristischen Erlebens der San Kultur in einem community-basierten Tourismusprojekt in Namibia. Die Kommerzialisierung der San Kultur greift erwartungsgemäß auf die vielstrapazierten Gegensatzpaare Natur/Kultur und Tradition/Moderne zurück und präsentiert, inszeniert, vermarktet traditionelle Kleidung, Behausung, Kenntnisse und Fertigkeiten wie Tanz oder Feuermachen ebenso wie die gegenwärtigen Lebensrealitäten der San. Hüncke zeigt, wie im community-basierten Tourismus Anbieter und lokale San-Akteure (Guides, Tänzer) den Balanceakt der Vermarktung höchst ambivalenter touristischer Bilder versuchen zu meistern: die touristische Erwartungshaltung des San Kulturtourismus erstreckt sich vom kolonialzeitlich geprägten Bild vom Lederschurz-tragenden San, der»unverfälscht«und»authentischim Einklang mit der Natur«lebt und dabei zwar rückständig, aber auch der romantisierte edle Wilde ist bis hin zum T-Shirt-tragenden modernen San und oszilliert zwischen diesen Polen. Dem ambivalenten touristischen Verlangen wird in diesem Tourismusprojekt mit einer flexiblen touristischen bubble begegnet, deren Membran

14 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 17 einige Einblicke in den backstage-bereich erlaubt. Einiges an dieser Durchlässigkeit ist inszeniert, wodurch das Durchbrechen der tourist bubble selbst Teil der Vermarktung ist anderes hingegen»passiert«, wenn physisch-emotionale kulturelle Distanz und Nähe in spezifischen Kontaktzonen vermarktet werden. Markus Lindners Beitrag diskutiert die Chancen und Risiken historischer und gegenwärtiger Vermarktung indianischer Kulturen im sogenannten Indianer-Tourismus Nordamerikas. Wurden Indianerkulturen in der USamerikanischen Tourismusgeschichte vorerst nur als Beiwerk zur Landschaft als dem eigentlichen Reiseziel erachtet, so erhielten diese ab dem Ende des 19. Jahrhunderts eigenständigen Besucherwert. Mittlerweile vermarkten die Stämme überwiegend selbst ihre Kultur gemäß dem Grundsatz»sharing and protecting«. Touristen werden sowohl als Einnahmequelle als auch als lästiges Übel gesehen. Der Gedanke des sharing bezieht sich auf die Vermittlung indianischer Kultur, wie sie etwa in Besucherzentren und Museen erfolgt, und richtet sich dabei nicht nur an Touristen sondern auch an die eigenen nächsten Generationen. Indianische Kultur muss aber auch vor den negativen Einflüssen des Tourismus geschützt werden. Lindner resümiert, dass Verhaltensregeln, wie sie etwa in gängigen visitor etiquettes oder einschlägigen Gesetzen formuliert werden, wohl zum Schutz und Erhalt indianischer Kulturen notwendig sind; werden diese aber zu streng ausgelegt, können sie kulturelle Innovation und Entwicklung verhindern und bergen damit die Gefahr der Stereotypisierung und Musealisierung. Lindner zeigt, dass im Spannungsfeld»Tradition versus Innovation«der gesetzliche Schutz, welcher Produzenten und Konsumenten indianischen Kunsthandwerks vor Fälschungen bewahrt und welcher Authentizität hinsichtlich Produzenten, Materialien und Designs festschreibt, der Tatsache gegenübersteht, dass es in diesen Kulturen eine Geschichte der Anpassung der Handwerkskunst an den touristischen Geschmack gibt. Anknüpfend an Lindners Darlegungen könnte allerdings gefragt werden wenn wir den relativ rezenten Abschnitt einer kunsthandwerklichen Anpassung an touristische Bedürfnisse der historischen Tiefe indianischer Kulturen gegenüberstellen und mit jenen Zeitperioden reflektieren, in denen Motive- und Designs konstant blieben, ob einer Musealisierung von Kultur und dem Gedanken des Bewahrens UNESCO scher Prägung nicht doch auch ein positives, zeitliches Moment abgerungen werden kann, näm-

15 18 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL lich jenes einer Entschleunigung kulturellen Wandels in einer global vernetzten, sich rasant verändernden Welt. 3 Die Akteure in Georg Maternas Kapitel haben ebenfalls eine ambivalente Haltung gegenüber Touristen: Die von ihm untersuchten»informellen«kleinunternehmer im Senegal versuchen auf kreative Weise, mit Reisenden persönliche Beziehungen aufzubauen, und setzen dabei»ihre Kultur«als Argument und Lockstoff ein. Sie haben strukturell wenig Möglichkeiten, Zugang zu dem finanzmächtigen Sektor des»ethno-«oder»kulturtourismus«zu finden; als Ressource steht ihnen Kultur jedoch für ihre Teilnahme an einer»zugehörigkeitsindustrie«zur Verfügung. Die allgegenwärtige Präsenz dieser prekären Akteure wird von offizieller Seite aufgrund ihres eher schlechten Rufs als problematisch und dem Tourismus abträglich eingestuft: So sollen sie und ihre Geschäfte von der Straße vertrieben werden, während Hotelboutiquen letztlich die gleichen Waren feilbieten. Anders als einige ethnische Gruppen in Westafrika entsprechen die Kleinunternehmer keinem positiv besetzten westlichen Klischee und müssen sich daher stets»durchschlagen«. Wie diese Unsicherheit den Alltag der Kleinunternehmer prägt, wird anhand dreier Individuen und derer Biographien plastisch beschrieben, wobei zugleich die verschiedenen Parameter dieser Lebensweise angesprochen werden. Alle tragen hier Masken, zeigt Materna, traditionelle zum Verkauf und metaphorische bzw. performative im Wettbewerb um Touristen und Sponsoren. Das Kapitel problematisiert somit die Legitimität von Steuerungsversuchen im Tourismus und weist zugleich auf die Mehrbödigkeit der Kommerzialisierung von Kultur im Senegal hin. Anja Peleikis und Jackie Feldman untersuchen, wie sich die Problematik der Veräußerung von Kultur und kulturellem Erbe für die Museumsshops zweier Einrichtungen darstellt, in denen jüdische Identität präsentiert und repräsentiert wird: das Jüdische Museum Berlin (JMB) und das neue Yad Vashem Museum (NYV) in Jerusalem. Die Museen werden hier zunächst als Kontaktzonen dargestellt, in denen Kuratoren, Personal und Besucher sich begegnen und beeinflussen und die»bedeutungen«der Ausstellungen aushandeln. Zugleich endet jedoch das Museum nicht an der letzten Vitrine: Die Autoren zeichnen nicht nur die komplexen didaktischen Konzepte der beiden Museen nach, die trotz aller Ähnlichkeiten in der 3 Wir danken Andre Gingrich für diese Sichtweise.

16 DROHUNG UND VERHEISSUNG: VORWORT 19 Materie völlig unterschiedliche Botschaften vermitteln, sondern führen ihre Beobachtungen beim Besuch der Museumsshops (und anderer Unterhaltungsangebote) fort: Wie gestaltet man ein attraktives kommerzielles Angebot angesichts der intensiven Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte in der Hauptausstellung?»Shopping the Message«ist die Antwort die Verantwortlichen erweisen sich in beiden Fällen als reflektiert und bedacht, und die Angebote sind zur Vermeidung von kognitiver Dissonanz oder gar Empörung gezielt auf die Museumsdidaktik abgestimmt. Kulturerbe zeigt sich hier von einer recht komplexen Seite, da die Fallhöhe in der Aushandlung zwischen Angebot und Nachfrage von Souvenirs an einem jüdischen Museum hoch ist. Die Studie komplementiert somit die vorhergehenden Kapitel, indem sie zumindest eine fallspezifische Antwort auf die Frage bieten kann, wie (beim Beispiel des JMB) Kultur und Kommerz versöhnt werden können, und wie (in Yad Vashem) eine Möglichkeit gefunden wurde, trotz der gezielten Evokation schlimmster Gräuel und großer Trauer Menschen einen Weg zu vermitteln, diese frischen Empfindungen letztlich auch mit Konsum und Kommerz zu verbinden. Dieses abschließende Kapitel betont einmal mehr die eingangs eingeführte Ambivalenz der Diskurse und Interaktionsformen, die wir im Zeitalter des Massentourismus finden. Begriffliche und normative Dichotomien halten dem Kontakt mit der Empirie nicht stand, da die beteiligten Akteure selber zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Drohung und Verheißung agieren. Abschließend bleibt uns anzumerken, dass der Herausgeberin und den Herausgebern sowie den Autorinnen und Autoren dieses Bandes durchaus bewusst ist, dass eine geschlechtersensible Schreibweise mittlerweile zum formalen Standard wissenschaftlichen Arbeitens zählt. Da die konsequente Sichtbarmachung beider Geschlechter jedoch mit den Verlagsvorgaben schwer zu vereinen war, finden sich mit diesem Band nur die althergebrachten männlichen Formulierungen einhergehend mit der hiermit vollführten Apologie (anstelle der üblichen Fußnotenanmerkung), dass Frauen, Wissenschaftlerinnen, Touristinnen, Einwohnerinnen, Konsumentinnen und Leserinnen selbstverständlich mitgemeint sind.

17 20 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL BIBLIOGRAPHIE Augé, Marc (1992): Non-Lieux. Introduction à une Anthropologie de la Surmodernité, Paris: Éditions du Seuil. Bendix, Regina F./Eggert, Aditya/Peselmann, Arnika (Hg.) (2012): Heritage Regimes and the State. Göttingen Studies in Cultural Property 6, Göttingen: Universitätsverlag. Online verfügbar unter Carlsen, Jack/Butler, Richard (2011):»Preface«, in: Dies., Island Tourism. Sustainable Perspectives, Wallingford, Cambridge: CABI, S. xii. Geertz, Clifford 2003 [1983]: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main: Suhrkamp. Gingrich, Andre/Knoll, Eva-Maria/Kreff, Fernand (2011):»Einleitung«, in: Fernand Kreff/Eva-Maria Knoll/Andre Gingrich (Hg.), Lexikon der Globalisierung, Bielefeld: transcript Verlag, S Kirshenblatt-Gimblett, Barbara (1995):»Theorizing Heritage«, in: Ethnomusicology 39: Lew, Alan (2007): Defining Place Authenticity: My Heritage Can Beat Up Your History, (abgefragt am ). Turner, Louis/Ash, John (1975): The Golden Hordes. International Tourism and the Pleasure Periphery, London: Constable.

18 20 FELIX GIRKE UND EVA-MARIA KNOLL BIBLIOGRAPHIE Augé, Marc (1992): Non-Lieux. Introduction à une Anthropologie de la Surmodernité, Paris: Éditions du Seuil. Bendix, Regina F./Eggert, Aditya/Peselmann, Arnika (Hg.) (2012): Heritage Regimes and the State. Göttingen Studies in Cultural Property 6, Göttingen: Universitätsverlag. Online verfügbar unter Carlsen, Jack/Butler, Richard (2011):»Preface«, in: Dies., Island Tourism. Sustainable Perspectives, Wallingford, Cambridge: CABI, S. xii. Geertz, Clifford 2003 [1983]: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main: Suhrkamp. Gingrich, Andre/Knoll, Eva-Maria/Kreff, Fernand (2011):»Einleitung«, in: Fernand Kreff/Eva-Maria Knoll/Andre Gingrich (Hg.), Lexikon der Globalisierung, Bielefeld: transcript Verlag, S Kirshenblatt-Gimblett, Barbara (1995):»Theorizing Heritage«, in: Ethnomusicology 39: Lew, Alan (2007): Defining Place Authenticity: My Heritage Can Beat Up Your History, (abgefragt am ). Turner, Louis/Ash, John (1975): The Golden Hordes. International Tourism and the Pleasure Periphery, London: Constable.

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