Aussiedler und Spätaussiedler im Rentenbestand Konsequenzen der Reformen der Alterssicherung für Fremdrentner

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1 Aussiedler und Spätaussiedler im Rentenbestand Konsequenzen der Reformen der Alterssicherung für Fremdrentner Tatjana Mika Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung FDZ-RV Herbsttagung 2007 des AK Migration Integration Migration der Deutschen Gesellschaft für Demographie Zuwanderung und Integration von Spätaussiedlern

2 Struktur des Vortrags 1.) Anzahl und Sozialstruktur der Aussiedler unter den heutigen Rentnerinnen und Rentnern (Rentenbestandsanalyse) 2.) Reform des Rentenrechts für Aussiedler- vom Privileg zur Rente auf Grundsicherungsniveau 3.) Derzeitige soziale Lage der Aussiedler/innen und Ausblick für kommende Rentenzugänge

3 1. Warum sind Aussiedler/innen in den Daten der Rentenversicherung identifizierbar? - Aussiedler bekommen eine spezielle Rentenberechnung nach dem Fremdrentengesetz (FRG) und sind daher mit den Daten der GRV auswertbar 2. Welche Höhe haben die Renten der Aussiedler/innen? - Das Rentenrecht wurde für diese Gruppe mehrfach stark reformiert, die Auswirkungen der Reformen finden sich in den Daten - Von ursprünglich durchschnittlichem Renteneinkommen (im Ehepaarkontext) ist die Rente inzwischen bei vielen auf das Niveau der Grundsicherung im Alter abgesunken (522,60 pro Person). - Es wird längere Zeit dauern, bis die Rentenhöhe der Aussiedler/innen wieder steigt.

4 Soziodemografische Informationen über Aussiedler/innen im Rentenbestand 2006 Wohnort Zuzugsjahr Alter bei Zuzug Dauer der Erwerbsbiografie im Herkunftsland und in Deutschland Kinderzahl

5 Wo leben die Aussiedler als Rentner? Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Hamburg Bremen Niedersachsen Berlin Brandenburg Sachsen-Anhalt Nordrhein-Westfalen Sachsen Thüringen <= 0,3 % <= 1 % <= 3 % <= 4 % <= 5 % <= 7 % <= 14,5 % Hessen Rheinland-Pfalz Saarland Baden-Württemberg Bayern Anmerkung: Anzahl der Aussiedler/innen in Deutschland unter allen Erwerbminderungs- und Altersrentnern 2006: Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten.

6 Zum Vergleich: Wo leben Ausländer als Rentner? Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Hamburg Bremen Niedersachsen Berlin Brandenburg Sachsen-Anhalt Nordrhein-Westfalen <= 0,3 % <= 1 % <= 2 % <= 3 % <= 5 % <= 7 % <= 14,5 % Hessen Thüringen Sachsen Anmerkung: Erwerbsminderungs- und Rheinland-Pfalz Altersrenter/innen mit Saarland ausländischer Baden-Württemberg Bayern Staatsangehörigkeit 2006: Davon im Inland lebend: (40%) Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten.

7 Siedlungsstruktur der Aussiedler/innen im Ruhestand Keine Ansiedlung in Ostdeutschland mit der Ausnahme Berlins. Umzug führte in den meisten Fällen zu einer Abwertung der Rente um ca. 12% Ansiedlung in mittelgroßen Städten und teilweise in ländlichen Räumen (v. a. in Niedersachsen) Keine starke Konzentration in Großstädten (Beispiel München: wenig Aussiedler) Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die Rentner/innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in den Ballungsräumen (München: über 14,5%). Konsequenz: mit der gleichen Rentenhöhe haben Aussiedler/innen möglicherweise eine höhere Kaufkraft, vermutlich aber auch geringere Ersparnisse 2006 gab es im Inland mehr Aussiedler/innen im Rentenbestand (EM- und Altersrenten) als Ausländer/innen. Dies liegt auch an der starken Rückwanderung ausländischer Versicherter.

8 Jahr der Zuzugs nach Deutschland Aussiedler/innen im Rentenbestand Jahr der Zuwanderung Männer Frauen und früher UdSSR-Nachfolgestaaten Männer Rumänien Männer UdSSR-Nachfolgestaaten Frauen Rumänien Frauen Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnung von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

9 Alter bei Zuzug nach Deutschland Aussiedler/innen im Rentenbestand Alter bis Männer Frauen UdSSR-Nachfolgestaaten Männer Rumänien Männer UdSSR-Nachfolgestaaten Frauen Rumänien Frauen Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnung von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

10 Ergebnis zur Altersstruktur der Aussiedler/innen beim Zuzug Es gab einen erheblichen Zuzug rentennaher Jahrgänge (55 Jahre alt und älter). Es gab auch einen Zuzug hochaltriger Personen über 80 Jahren. Je länger der Zuzug möglich war, umso ältere Personen finden sich aus einem Herkunftsland (Vergleich Rumänien zu den Nachfolgestaaten der UdSSR). Wegen des hohen Alters kamen viele sofort in den Rentenbezug. Der Rechtszustand im Zuzugsjahr war damit für diese Personen entscheidend, weshalb diejenigen, die im Rentenalter in den frühen 1990er Jahren kamen, eine relativ höhere Rente beziehen. Einmal bewilligte Renten werden nicht gekürzt, auch wenn sich das Recht ändert.

11 Länge der Erwerbsbiografie im Herkunftsland und in Deutschland Frauen Rumänien Ex-UdSSR Männer Frauen Männer Median Dauer Erwerbstätigkeit im Herkunftsland Median Länge Erwerbsleben in Deutschland Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnung von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

12 Kinderzahl von Aussiedlerinnen nach Herkunftsland 50% 45% 40% 43% 35% 30% 25% 25% 24% 23% 20% 15% 23% 16% 14% Rumänien ehemalige UdSSR 10% 5% 10% 5% 9% 7% 2% 0% kinderlos 1 Kind 2 Kinder 3 Kinder 4 Kinder 5 und mehr Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnug von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

13 Demografische Struktur der Aussiedler Die Kinderzahl der Frauen vor allem aus der ehemaligen UdSSR ist sehr hoch Der Anteil der kinderlosen Frauen ist sehr gering Die demografische Struktur der Aussiedler ist daher insgesamt jung, selbst wenn nicht alle Kinder mit zugewandert wären Das Alter bei Zuzug ist dennoch im Vergleich zu anderen Zuwanderern sehr hoch. Andere Migrantengruppen, namentlich die ehemaligen Gastarbeiter, kamen ausschließlich in sehr viel jüngerem Alter Deshalb hat die Bewertung der Zeiten der Erwerbstätigkeit vor dem Zuzug eine große Bedeutung. Nur sehr wenige können allein mit Zeiten aus Deutschland eine auskömmliche Rente erreichen. Generell gilt in der gesetzlichen Rentenversicherung: erst 30 Jahre Erwerbstätigkeit mit durchschnittlichem Verdienst erbringen 2006 eine Rente von 800 monatlich (38 Jahre durchschnittliches Einkommen erbringen ).

14 Das Fremdrentengesetz: Grundsatz und Rechtsentwicklung Grundsatz: Die rentenrechtlichen Zeiten, die in den Herkunftsländern zurückgelegt wurden, werden als Zeiten der Erwerbstätigkeit in die Konten der deutschen en Rentenversicherung aufgenommen. Dabei wird die berufliche Qualifikation, ikation, die Tätigkeit und inzwischen auch die Branche berücksichtigt. Rechtsentwicklung: Die Bewertung der Zeiten wurde durch mehrere Reformen nach unten korrigiert. Die Entgeltpunkte aus den Zeiten im Herkunftsland werden um 40% gekappt. Seit dem gibt es eine Beschränkung auf 25 EGPT für eine einzelne Person und 40 EGPT für ein Ehepaar.

15 Modellrechnung der Rente eines männlichen Aussiedlers, Zuzug nach 1996, Rentenwert 2006 West Rentenhöhe aus FRG Bewertung der Qualifikation und Branche Abwertung um 40% Aufwertung aus Rente nach Mindest- Einkommen Kappung auf 22 Entgelt- punkte Wirkung der gesetzlichen Regelung Annahme 42 Jahre durchgehende Erwerbstätigkeit als Facharbeiter in der Energie- und Brennstoffindustrie Gesetzlich angenommenes Jahresgehalt beispielsweise für das Jahr 2000: DM (bei Glaubhaftmachung der Zeiten). Dies entspricht in etwa dem westdeutschen Durchschnittsverdienst dieses Jahres ( DM). Zuschlag bei Rente aus Mindesteinkommen entspricht im Rentenbestand 2006 ermittelten statistischen Mittelwert bei männlichen Aussiedlern.

16 Aussiedler/innen im Rentenzugang seit 1992 Jahr darunter Rentenzugang mit Anwendung FRG Insgesamt darunter mit Absenkung der Entgeltpunkte Insgesamt darunter mit Anwendung 22b FRG Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil nur Altersrenten ,8% x x x x ,3% % x x ,3% % x x ,6% % x x ,1% % ,5% ,2% % ,7% ,2% % ,2% ,2% % ,4% ,5% % ,1% ,4% % ,6% ,8% % ,1% ,2% % ,5% ,1% % ,2% ,8% % ,7% ,5% % ,1% gesamt Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung - Rentenzugang, verschiedene Jahrgänge; teilweise Schätzungen; Zeitreihe 2006; gesamt ohne Berücksichtigung der Mortalität; keine Erwerbsminderungsrenten und Hinterbliebenenrenten.

17 Kappung auf das Niveau der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, 22 b FRG Bei Personen, die nach dem zugezogen sind, wird die Anzahl der möglichen Entgeltpunkte aus anerkannten Zeiten aus dem Herkunftsland auf 25 bzw. 20 Entgeltpunkte gekappt. Es können damit nicht mehr, sondern allenfalls weniger als 25 bzw. 20 EGPT berücksichtigt werden. 25 Entgeltpunkte entsprechen in Westdeutschland 653,25 (25*26,13 (Rentenwert West 2006) = 653,25 ); 20 Entgeltpunkte entsprechen in Westdeutschland 522,60. Dies liegt etwas unter dem Niveau der Grundsicherung im Alter. In Deutschland erworbene Anwartschaften werden hinzugezählt. Betroffen von der Kürzung sind 1% der Aussiedler/innen aus Rumänien und 26% der Männer und 29% der Frauen aus den Nachfolgestaaten der UdSSR im Rentenbestand 2006 Von den grundsätzlich von der Kappungsregelung erfassten Personen hatten 22% der Männer und 36% der Frauen bereits einen FRG- Anteil unter der Kappungsgrenze, waren also nur theoretisch von der Kappung betroffen.

18 Rentenzahlbetrag (Median) für männliche und weibliche Aussiedler nach Jahr des Zuzugs Durchschnittliches Renteneinkommen im 2-Personenhaushalt: 1642 (EVS 2003) Grundsicherung im Alter für 2-Personen-Haushalt: (Grundsicherungsstatistik 2004) Männer Frauen Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Zuzug bis 1988 Zuzug von 1989 bis 1991 Zuzug von 1992 bis 1995 Zuzug ab 1996 Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnug von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

19 Anzahl der Aussiedler aus Rumänien und den Nachfolgestaaten der UdSSR nach Jahr des Zuzugs im Rentenbestand Männer Frauen Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Rumänien ehemalige UdSSR Zuzug bis 1988 Zuzug von 1989 bis 1991 Zuzug von 1992 bis 1995 Zuzug ab 1996 Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung; Rentenbestand 2006, nur Alters- und Erwerbsminderungsrenten, keine Nullrenten. Nur Personen mit Anrechnug von Zeiten nach dem Fremdrentengesetz (Aussiedler).

20 Einkommenssituation älterer Aussiedler und Ausblick Derzeit haben die Mehrzahl der älteren Aussiedler/innen auskömmliche Renten über dem Grundsicherungsniveau (siehe Auswertungen des SOEP von Tucci in: Mika/Tucci, Alterseinkommen bei Zuwanderern) Diese durchschnittliche Betrachtung basiert aber auf Renten aus dem Rentenbestand, die auf der Grundlage verschiedener Rechtslagen berechnet wurden. Je später die Zuwanderung und je später der Rentenzugang, umso niedriger fällt die Rente von Aussiedlern aus. Auch die Hinterbliebenenrenten werden seit 1996 reduziert Daher ist für die nächsten Jahre mit einem stetigen Absinken der durchschnittlichen Renten von Aussiedlern zu rechnen Erst in ferner Zukunft ist mit wieder ansteigenden Renten zu rechnen, wenn der Anteil der Erwerbskarriere in Deutschland deutlich überwiegt und erfolgreich verlaufen ist

21 Die Daten sind bestellbar unter: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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