Auf dem Weg zu Basel IV ist weniger mehr?

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1 Auf dem Weg zu Basel IV ist weniger mehr? meridan Consulting GmbH Helene-Mössinger-Str Dreieich

2 Ist Basel IV ein Schreckgespenst? FC Porto - FC Basel 4:0, Champions League, Saison Ready or Not, Here Comes Basel IV American Banker ( ) 4-Sterne Hotels in Basel Hotels.com Basel IV: No time for banks to take foot off the peddle Finextra ( ) "Basel IV" wird heimische Banken weitere Milliarden kosten Wirtschaftsblatt ( ) Basel IV: Das nächste Erdbeben für die Kreditbranche steht vor der Tür Börse Express ( ) Europe s next banking headache: Basel IV Reuters ( ) 4 bis 4.5 Zimmer Wohnung mieten in Basel - Comparis.ch Zittern vor Basel IV Wiener Zeitung ( ) Europas Banken bereiten sich auf Basel IV vor Handelsblatt ( ) 'Basel IV kommt' - Europas Banken bereiten sich auf Kosten vor Die Welt ( ) 2

3 Basel IV Novellierung von Basel III? Basel IV ist keine offizielle Bezeichnung....aber der Baseler Ausschuss hat eine Reihe neuer Empfehlungen, Konsultationspapieren und Diskussionspapiere entwickelt, die in Summe eher einer Novellierung nahekommen als von kleineren Anpassungen und Korrekturen zu sprechen Von vielen Seiten (Aufsichtsbehörden, Instituten und Analysten) gibt es Bedenken hinsichtlich der Komplexität und Vergleichbarkeit der Regelungen nach Basel III im Rahmen der nationalen Umsetzung Basel IV wird versuchen, ein besseres Gleichgewicht zwischen Risikosensitivität, Einfachheit der Standards und Vergleichbarkeit der bereitgestellten Informationen zu erreichen Ein endgültiger Stand zu den diversen Themen wird in 2016 zu erwarten sein. 3

4 Basel IV Überblick Eine Vielzahl von Diskussionspapieren, Empfehlungen und Konsultationspapieren stellen das Rahmenwerk Basel IV dar. Neuer Kreditrisikostandardansatz mit detaillierteren Risikogewichten Einhaltung einer höheren Leverage Ratio (strengere Liquiditätsstandards) Neue Standardmethode für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) Einführung neuer Capital Floors Überarbeitung der Großkreditvorschriften (Neudefinition der Kreditobergrenze und Berechnung der Bemessungsgrundlage) Erweiterte Offenlegungsvorschriften Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften (Fundamental Trading Book Review) Überarbeitung des Ansatzes zur Messung des operationalen Risikos Vorgaben für IT-Prozesse im Risikobereich mit BCBS

5 Basel IV Neuer Kreditrisikostandardansatz Ein neuer Kreditrisikostandardansatz verfolgt das Ziel, Schwachstellen im aktuellen Standardansatz zu beheben. Abkehr von der Abhängigkeit von externen Ratings Höhere Bandbreite der Risikogewichte für Bank- und Unternehmensforderungen Verbesserung der Granularität und der Risikosensitivität Stärkung der Vergleichbarkeit durch Reduzierung nationaler Wahlrechte Stärkung der Vergleichbarkeit mit dem IRBA (Vereinheitlichung von Definitionen u. Systematiken) Reduzierung der Komplexität bei den Kreditrisikominderungstechniken 5

6 Basel IV Neuer Kreditrisikostandardansatz Die neuen Vorschläge stellen eine substantielle Überarbeitung des aktuellen KSA dar. Die Ermittlung der Risikogewichte soll künftig nicht mehr mit Hilfe von externen Ratings, sondern auf Basis von sogenannten Risikotreibern erfolgen. Für Bankforderungen sind diese Risikotreiber die harte Kernkapitalquote und eine Asset Quality Kennziffer, mit deren Hilfe eine Einschätzung über die Qualität der Aktiva vorgenommen werden soll. Für Unternehmensforderungen sind ausschlaggebende Risikotreiber der Umsatz (revenue) und der Verschuldungsgrad (leverage). Überarbeitung der Forderungsklassen - Bestimmten Forderungsklassen sind bisher pauschalierte Risikogewichte zugeordnet und es stehen zu wenig Risikostufen zur Verfügung, um zwischen den tatsächlichen Risikoprofilen angemessen zu unterscheiden. Die Risikogewichte sollen unter anderem für Wohnimmobilienkredite risikosensibler werden. Gewerbliche Immobilienkredite und ihre künftige Behandlung sind dagegen noch offen (zwei alternative Ansätze). Die Anzahl zur Verfügung stehenden Kreditrisikominderungstechniken wird reduziert und die Nutzung bankeigener Schätzungen (z.b. haircuts, VaR) ist nicht mehr erlaubt. 6

7 Basel IV Neuer Kreditrisikostandardansatz Banken (Änderung der Risikotreiber) Externes Rating harte Kernkapitalquote + Asset Quality Kennziffer Risikogewicht RW nach ext. Rating (20%- 150%) 30%-300% Unternehmen 1) (Änderung der Risikotreiber) 1) Forderungsklasse SME entfällt! Externes Rating Umsatz + Verschuldungsgrad Risikogewicht RW nach ext. Rating 20%- 150%, Default 100% 60%-300% Retail (neue Granularitätsanforderung/ Limit bei Portfolioanteil) keine besonderen Kriterien privilegiert: Portfolio-Anteil <0,2% nicht privilegiert Risikogewicht pauschal 75% 100%(Ausnahme: privil.75%) Spezialfinanzierung (neue Forderungsklasse mit 5 Forderungstypen/-gruppen) privilegiert: 4 Gruppen nicht privilegiert: 1 Gruppe aber Floor: RW d. Kreditnehmers Risikogewicht zu 1.: 120% oder Floor zu 2.: 150% oder Floor Wohnimmobilien (Umstellung auf Risikotreiber) 1. Beleihungsquote + 2. Schuldendienstquote (priv.) Risikogewicht pauschal 35 % 1. 25%-100% 2. 25% -80% (priv.) Gewerbeimmobilien (Umstellung auf Risikotreiber) 1.wie unbes. Ford. a/unternehmen 2. Beleihungsquote Risikogewicht pauschal 50 % (national) 1.: 60%-300% 2.: 75%-120% Restliche Forderungsklassen Bisher keine Vorschläge zu Zentralstaaten, Zentralbanken regionale Gebietskörperschaften sonst. öffentliche Stellen/ intern. Organisationen alt neu 7

8 Basel IV Leverage Ratio Höhere Leverage Ratio als Untergrenze im Rahmen der verbindlichen Eigenkapitalanforderungen nach Säule I? Ein wesentlicher Bestandteil des Basel-III-Rahmenwerkes und dessen Umsetzung in der EU ist die Einführung einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio). Diese setzt aktuell das aufsichtliche Kernkapital einer Bank (Zähler) in Beziehung zu ihrem Gesamtengagement (Nenner). Die Leverage Ratio ist zunächst als Instrument, das nach Ermessen der Aufsichtsbehörden auf einzelne Institute angewandt werden kann, eingeführt worden (Säule 2). Im Gegensatz zu den risikobasierten Eigenkapitalanforderungen werden die einzelnen Positionen im Rahmen der Leverage Ratio nicht mit einem individuellen Risikogewicht versehen, sondern ungewichtet im Kennziffernwert berücksichtigt. Damit ergänzt die Leverage Ratio derzeit die Eigenkapitalstandards nach Säule 1. 8

9 Basel IV Leverage Ratio = extrem vereinfachter Standardansatz?? Ist eine einfach zu ermittelnde und nachvollziehbare Kennziffern ein besserer Indikator als komplizierte risikogewichtete Alternativen und führt dies zu der geforderten Verringerung der Komplexität!? Der Basler Ausschuss wird die Auswirkungen dieser Offenlegungsanforderungen weiterhin beobachten. Die endgültige Kalibrierung und eventuelle weitere Anpassungen der Definition sollen bis 2017 abgeschlossen werden, damit die Höchstverschuldungsquote per 1. Januar 2018 in Säule 1 (Mindestkapitalanforderungen) integriert werden kann (s.a. BCBS 270). Leverage Ratio bekäme ein größeres Gewicht innerhalb der regulatorischen Kapitalquoten -> vom Back-Stop zum Front-Stop -Instrument für die Berechnung von Kapitalanforderungen Eine nichtrisikogewichtete Kapitalquote als Kapitalkennziffer in Säule 1 steht dem bisherigen Verständnis einer riskoadäquateren Eigenmittelunterlegung entgegen. 9

10 Basel IV Neuer Standardansatz für Kontrahentenrisiken (SA-CRR) Mit Basel III wurden die Regelungen zum Kontrahentenrisiko bereits überarbeitet. Weiterer Handlungsbedarf wurde für den Bereich des Derivatehandels erkannt. Ein neuer Standardansatz zur Berechnung des Forderungswertes für Kontrahentenrisiken aus Derivaten ersetzt den bestehenden Standardansatz und die Marktbewertungsmethode. Die Berechnung des Exposure ermittelt sich aus der Summe des Wiedereindeckungsaufwandes (Replacement Cost) und einem Aufschlag (Add-On) um künftige Marktschwankungen zu berücksichigten: Neuer Skalierungsfaktor α = 1,4 RC: Replacement Cost EaD= α * (RP+PFE) Potential Future Exposure - Berechnung eines add-on für potenzielle zukünftige Marktschwankungen (abhängig von Asset-Klassen, Minderung des add-ons bei Übersicherung und negativen Marktwerten, Einbezug von Nettingeffekten) Als Teil des Kreditrisikos auch für den Capital Floor zu berücksichtigen. SA-CCR Standardized Approach for measuring Counterparty Credit Risk exposure 10

11 Basel IV Handelsbuchvorschriften Mit dem Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) ist der Themenkomplex Marktrisiko stärker in den regulatorischen Fokus gerückt. Strengere Regeln zur Abgrenzung des Handelsbuchs Die Handelsabsicht bleibt als grundlegendes Kriterium erhalten. Nachweis der Zuordnung erfolgt durch objektive Kriterien (aktives Risikomanagement, Bewertung zum Fair Value) Umwidmung nur in Ausnahmefällen und vorheriger Genehmigung der Aufsicht Handelstische und Interne Modelle Handelstische sind auf Vorschlag durch die jeweilige Bank, von der Aufsicht zu genehmigen Zulassung interner Modelle für einzelne Handelstische Bei der Risikomessung von Marktpreisrisiken soll der Standard VaR, der bei internen Modellen Anwendung findet, zugunsten eines neuen Expected Shortfall Ansatz aufgegeben werden. Anforderungen an Interne Modelle beinhalten noch weitere Vorgaben (Einsatz von unterschiedlichen Liquiditätshorizonten respektive Haltedauern in Abhängigkeit vom Risikofaktor, Erweiterte Anforderungen an die Durchführung von Stresstests und Validierungen) 11

12 Basel IV Handelsbuchvorschriften Überarbeitung Standardansatz Einführung eines auf Sensitivitäten basierenden Standardansatzes ( sensitivity based approach SBA) Emittentenspezifische Risiken werden zum einen in Ausfall- und Kreditspreadrisiken und zum anderen nach Produkten ( normale Anleihen und Verbriefungen) differenziert. In Abhängigkeit von den relevanten Risikoklassen sind faktorspezifische Sensitivitäten zu berechnen. Für Optionen und Instrumente mit Optionsbestandteilen sind zusätzliche Eigenmittelanforderungen zu berücksichtigen. Floor für Interne Modelle SBA ist von allen Instituten zu rechnen Ergebnisse sind auf Handelstischebene offenzulegen 12

13 Basel IV Capital Floors Der Capital Floor wurden eingeführt um Instituten, die interne Modelle anwenden, keine sofortige Kapitalentlastungen zu gewähren. Eine Kalibrierung der Capital Floors soll im Rahmen einer QIS, die insgesamt die angedachten Veränderung der Standardansätze für Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken berücksichtigt, erfolgen. Entsprechend müssen alle Institute den Capital Floor auf Basis der neuen Standartabsätze berechnen. Der neue SA-CCR ist von allen Instituten umzusetzen. Institute, die interne Modelle Methode nutzen, müssen den SA-CCR insbesondere für den Capital Floor und die verpflichtende Nutzung für die Meldung zur Leverage Ratio und die Großkreditmeldung umsetzen. Die neuen Vorschriften zum Capital Floor werden auch als Ergänzung der Leverage Ratio gesehen. Beide Regelungen adressiert unterschiedliche Themen (gewichtete vs. ungewichteter Risikobetrachtung) und ergänzt die Schwächen der anderen. Des Weiteren ist eine detaillierte Offenlegung der Berechnung der Eigenkapitalanforderungen nach den Standardansätzen vorgesehen. 13

14 Basel IV Erkenntnisse und Fazit Vereinfachung der bestehenden Berechnungsregeln, Transparenz und mehr Standard ist weniger mehr? Es ist absehbar, dass durch Basel IV voraussichtlich mit deutlich höheren Eigenkapitalanforderungen zu rechnen ist: Neuer Kreditrisikostandardansatz (siehe z.b. Forderungsklasse Banken), Zusammenspiel von Capital Floor und Neuregelung der Standardansätze usw. Eine nicht risikosensitive Leverage Ratio in der Säule I als Front-Stop -Instrument widerspricht dem bisherigen Verständnis der Eigenmittelunterlegung. Darüber hinaus beschränkt eine Quote von über 3% die maximale Verschuldungsquote. Die Einschränkung und Begrenzung von internen Modellen widerspricht der Idee, ein besseres Risikomanagement durch erleichtere Kapitalanforderungen zu belohnen. Erweiterte Offenlegungspflichten gehen u.u. zu Lasten der Transparenz und Lesbarkeit der Offenlegungsberichte. BCBS 239 sowie die Erfordernisse eines weiter verbesserten Kapitalmanagements bedingen eine leistungsstarke IT-Architektur und effiziente Prozesse im Risiko- und Finanzbereich. => Signifikante Implementierungsaufwände und zusätzliche Datenanforderungen für alle Institute. 14

15 Basel IV Ausblick Nach Basel IV kommt Basel V Es existieren zahlreiche weitere Themen, die die Institute in den kommenden Jahren beschäftigen und voraussichtlich auch weiter belasten werden: Trennbankensystem Bankenunion Schattenbanken OTC-Derivate Verbriefung usw. Die Intensität der Änderungsdynamik wird weiterhin Bestand haben. Die Implementierung neuer oder veränderter regulatorischen Vorgaben wird auch in der Zukunft ein Thema für die Institute bleiben. 15

16 Kontakt Markus Röhn Geschäftsführer Mobil 0163/ Copyright meridan Consulting GmbH, Dreieich, 2015 Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieses Dokuments unterliegt dem Urheberrecht. Veränderungen, Kürzungen, Erweiterungen und Ergänzungen bedürfen der vorherigen schriftlichen Einwilligung durch die meridan Consulting GmbH, Dreieich. Jede Vervielfältigung ist nur zum persönlichen Gebrauch gestattet und nur unter der Bedingung, dass dieser Urheberrechtsvermerk beim Vervielfältigen auf dem Dokument selbst erhalten bleibt. Jede Veröffentlichung, Weitergabe oder jede Übersetzung bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung durch die meridan Consulting GmbH GmbH, Dreieich. Gewerbliche Nutzung oder Nutzung zu Schulungszwecken durch Dritte bedarf ebenfalls der vorherigen schriftlichen Einwilligung durch die meridan Consulting GmbH GmbH, Dreieich. 16

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