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1 Executive Report Juni 2008 Regionalforum Logistik Mainz/Rheinhessen Zukunft Logistik Impulse für Innovation Produktivität Wachstum Dokumentation der Veranstaltung vom Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz

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3 Regionalforum Logistik Mainz/Rheinhessen Zukunft Logistik Impulse für Innovation Produktivität Wachstum Dokumentation der Veranstaltung vom Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz 1

4 Impressum Logistik RheinMain. Die Wissensinitiative / Supply Management Institute (SMI), Wiesbaden, 2008 Herausgeber: Redaktion: Logistik RheinMain. Die Wissensinitiative Supply Management Institute (SMI) European Business School (EBS) Rheingau-Palais, Söhnleinstraße 8 F, Wiesbaden Manuela Wehrle (verantwortlich) Christine Contreras Unter Mitarbeit von: Lutz Nink, Ulrike Andres, Dr. Heiko von der Gracht Gestaltung: Druck: Bildmaterial: Illustrationen: plaindesigns, Haifastraße 73, Bremen, W. Zertani, Druckerei und Verlag, Kirchweg , Bremen Barbara Kleine, European Business School (EBS) Copyright bei Dietz & Partner Trier/Köln Alle Rechte, auch für die Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Supply Management Institutes in irgendeiner Form, auch nicht zum Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. 2 2

5 Grußwort Ein starker Mittelstand, eine leistungsfähige Industrie und ein wachsender Dienstleistungssektor zeichnen die Wirtschaftsstruktur unseres Landes aus. Motor dieser positiven Entwicklung ist die Logistik, die sich inzwischen zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige entwickelt hat. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Exportquote des Landes sowie vor dem Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung stehen die Zeichen für die Logistik in Rheinland-Pfalz weiter auf Wachstum. Hier wollen wir ansetzen und die logistische Kompetenz in Rheinland-Pfalz ausbauen, um Investitionen anzustoßen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beizutragen. Dabei setzen wir intensiv auf eine enge Zusammenarbeit der Logistikakteure auf der regionalen Ebene. Dass dieser Weg der richtige ist, konnte man im Rahmen des regionalen Logistikforums Mainz/Rheinhessen/Rhein-Main am 11. Juni 2008 in der Mainzer IBM Niederlassung live erleben. Gemeinsam mit unseren Partnern, der IHK Rheinhessen sowie der Initiative Logistik RheinMain, konnten wir über 80 Teilnehmern aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet einen Rahmen bieten, um über die Zukunft der Logistik in der Region vom Hahn bis nach Aschaffenburg, von Frankfurt bis nach Worms zu diskutieren. Mein besonderer Dank gilt der IBM Deutschland GmbH, die mit dem System Storage Executive Briefing Center exzellent ausgestattete Tagungsräumlichkeiten für das Forum zur Verfügung gestellt hat. Darüber hinaus danken wir Andrea Wensch, Geschäftsführerin der IHK Rheinhessen, die als engagierte Moderatorin durch das Regionalforum geführt hat, sowie allen beteiligten Referenten und Moderatoren für ihre aktiven Beiträge. Ich wünsche mir, dass die Ergebnisse und Handlungsansätze, die in leidenschaftlichen Diskussionen im Rahmen des Logistikforums erarbeitet wurden und in der vorliegenden Broschüre dokumentiert sind, von den Beteiligten zeitnah aufgegriffen und weitergeführt werden. Hendrik Hering Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz Hintergrund Das Land Rheinland-Pfalz hat Ende 2007 mit dem Standortkonzept Logistik seine Visionen und konkreten Maßnahmen zu einer zukunftsorientierten Entwicklung des Landes Rheinland-Pfalz vorgelegt. Die Umsetzung des Standortkonzeptes soll durch private und öffentliche Akteure befördert und begleitet werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung der Logistikwirtschaft auf regionaler Ebene, auch über die Landesgrenzen hinaus. Der Impuls für die Vernetzung soll von regionalen Logistikforen ausgehen, die in den Bezirken der Industrie- und Handelskammern in Rheinland- Pfalz mit weiteren regionalen Partnern durchgeführt werden sollen. Ziel der Foren ist es, eine auf Dauer ausgerichtete Kooperations- und Kommunikationsplattform für die Beteiligten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu schaffen. Am 11. Juni 2008 fand erstmals das Regionalforum Logistik Mainz/Rheinhessen statt. Logistik RheinMain. Die Wissensinitiative organisierte das Forum im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau (MWVLW) Rheinland-Pfalz. Die Veranstaltung fand im System Storage Executive Briefing Center der IBM Deutschland GmbH in Mainz-Weisenau statt. 3

6 Inhalt Standortkonzept Logistik Rheinland-Pfalz 5 Bedeutung der Logistik für Mainz und die Region 6 Das Regionalforum als Vernetzungsplattform für Logistikakteure 7 Die Zukunft der Logistik Konzept und Themen der Workshops 10 Workshop 1 Netzwerke für mittelständische Unternehmen 11 Workshop 2 Personalentwicklung und -rekrutierung 12 Workshop 3 Innovation und Produktivität 13 Workshop 4 Verkehrsinfrastruktur und Mobilität 14 Workshop 5 Intermodale Verkehrsknoten 15 Workshop 6 Umwelt und Nachhaltigkeit 16 Workshop 7 Flächen und Immobilien 17 Workshop 8 Wissensintensive Dienstleistungen 18 Workshop 9 Kooperation mit Schulen 19 Workshop 10 Wissensinfrastruktur 20 Abschließende Podiumsdiskussion 21 Kurzinformation zu den Veranstaltern und Ansprechpartner 24 4

7 Standortkonzept Logistik Rheinland-Pfalz Das Standortkonzept soll den praxisorientierten Handlungsrahmen zur zukunftsorientierten Weiterentwicklung des Logistikstandortes Rheinland-Pfalz liefern. Auf der Basis dieses Konzeptes sollen Wertschöpfung und Beschäftigung im Land gesteigert werden. Grundlage des Konzeptes bildet eine Marktanalyse im Hinblick auf Markt- und Verkehrsentwicklungen sowie Standortbedingungen. Darauf basierend wurde eine SWOT-Analyse erstellt, in der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Logistikstandorts Rheinland-Pfalz dargestellt werden. Daraus wurden Handlungsempfehlungen für die Bereiche Infrastruktur, Services für die Logistikwirtschaft, Qualifikation und Image abgeleitet. Die vorgeschlagenen 18 Maßnahmen sollen im Nachgang verdichtet und zu umsetzbaren Projekten konkretisiert werden. Die vier Schwerpunkte der Handlungsempfehlungen 1 Infrastruktur 1. Logistikachsen ausbauen 2. Ausbau intermodaler Verkehrsknoten 3. Ausbau Flughafen Hahn 4. Transitströme (unter-)brechen Services für die Logistikwirtschaft 1. Mobilisierung Kapazitätsreserven Straße 2. Verbesserung Parkplatzsituation 3. Vermarktung Logistikflächen 4. Logistikportal 5. Vernetzung / Logistik-Koordinator 6. Vernetzung auf regionaler Ebene 7. Pilotprojekt Logistik-Cluster Qualifikation & Beschäftigung 1. Schüler interessieren 2. Zusätzliche Ausbildungsplätze 3. Kompetenzzentrum Log-Ausbildung 4. Dualer Studiengang Logistik 5. Transparenz Ausbildung / Studienangebote 6. Qualifizierung spezifischer Zielgruppen Kommunikation & Image 1. Imagekampagne (Querschnittsaufgabe) 5

8 Bedeutung der Logistik für Mainz und die Region Franz Ringhoffer Alle bedeutenden Wirtschaftsräume haben über Jahrhunderte hinweg, in Mainz gar über zwei Jahrtausende hinweg, logistische Kompetenz entwickelt. Diese Entwicklung begann in Mainz mit den römischen Handelsstraßen, eine verlief beispielsweise von Mainz über Budenheim und Heidesheim nach Bingen. Mit Sicherheit war der Bau dieser Straße mit den damals vorhandenen Mitteln eine ebenso große technische Leistung wie der heutige Ausbau der A 60 geboren aus der gleichen Notwendigkeit, Waren sicher und schnell zu transportieren. Insbesondere zu beachten ist die Bedeutung der Wasserstraßen Rhein und Main. Massengüter wie Getreide, Baumaterialien, Brennstoffe und Öl wurden schon in römischen Zeiten auf den Wasserwegen transportiert. Deshalb legten bereits um die Zeitenwende die Römer im Bereich der heutigen Mainzer Altstadt einen Hafen für ihre Kriegsflotte an und bauten am Dimesser Ort einen Handelshafen. Den mittelalterlichen Wohlstand verdankte Mainz dem 1317 verliehenen Markt- und Stapelrecht. Dank dieses Privilegs mussten sämtliche Waren, die auf dem Wasserweg Mainz passierten, drei Tage lang feilgeboten werden. Nur die nicht verkaufte Ware durfte dann weiterbefördert werden. Heute ist der Mainzer Zoll- und Binnenhafen mit einem jährlichen Güterumschlag von knapp drei Millionen Tonnen nach Duisburg einer der wichtigsten Containerumschlagplätze und rangiert auf Platz zwei der umsatzstärksten Häfen in Rheinland-Pfalz. Um die Zukunftsfähigkeit des Hafens zu sichern, verabschiedeten die städtischen Gremien im Jahr 2003 einen Masterplan und 2005 einen Rahmenplan zur Hafenentwicklung. Rund Arbeitsplätze sind im Rheinbereich vorhanden, im Zoll- und Binnenhafen 350, in der Ingelheimer Aue 1.700, im und um den Industriehafen weitere Darunter sind Unternehmen wie WEPA, Frankenbach, Rhenus, Thelen, Werner & Mertz, KMW, Schott, Valentin und viele andere. Weitere namhafte Logistikunternehmen wie z.b. G. L. Kayser, jetzt teilweise Kühne + Nagel, oder JF Hillebrand haben sich im Gewerbegebiet Hechtsheim angesiedelt, mit 160 ha Flächen eines der größten reinen Gewerbeansiedlungen im Umkreis Arbeitsplätze wurden hier insgesamt geschaffen. Die Lagegunst der Stadt Mainz als westliches Tor zum Rhein-Main-Gebiet ist hervorragend, die Anbindung an die Flughäfen Frankfurt und zum Hahn muss im Rahmen dieses Forums wohl kaum erwähnt werden. Die dynamische Entwicklung der Stadt wurde mit einem Investitionsschub von 3,2 Milliarden Euro unterstützt, im Verkehrsbereich beispielsweise für den Ausbau des Mainzer Rings, die umfassende Modernisierung des Hauptbahnhofs, den Umbau des Bahnhofs Römisches Theater und den Wirtschaftspark Mainz Rhein/Main mit 7-Tage- und 24-Stunden-Logistikbetrieb. Ich setze mich dafür ein, dass Mainz und die Region auch in Zukunft ein logistisches Zentrum bleiben und sich weiterentwickeln. Die Chancen zu sehen, ist die eine Seite diese habe ich Ihnen dargestellt. Lassen Sie uns jetzt gemeinsam die erkannten Chancen auch nutzen. Franz Ringhoffer Wirtschaftsdezernent der Stadt Mainz 6

9 Das Regionalforum als Vernetzungsplattform für Logistikakteure Dr. Carsten Kühl Die Logistikbranche hat sich inzwischen zu einem der bedeutenden Wirtschaftszweige in Deutschland entwickelt. Für Rheinland-Pfalz gilt dies in besonderem Maße. Die Landesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, den Logistikstandort Rheinland-Pfalz weiterzuentwickeln und voranzubringen. Dazu haben wir in 2007 ein Standortkonzept Logistik Rheinland- Pfalz vorgelegt. Das Konzept beinhaltet ein Bündel von Maßnahmen und Empfehlungen, die seit Anfang dieses Jahres konsequent umgesetzt werden. Auf regionaler Ebene wollen wir eine strukturierte intensive Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen und privaten Logistikakteuren anstoßen. Der Impuls für die angestrebte Vernetzung der Logistikwirtschaft soll dabei von sogenannten regionalen Logistikforen ausgehen. Heute geht es um die Region Mainz / Rheinhessen und Rhein-Main vom Hahn bis Aschaffenburg, von Frankfurt bis Worms, das heißt: Ländergrenzen spielen für uns keine Rolle! Gemeinsam mit unseren Partnern, der IHK Rheinhessen und der Initiative Logistik Rhein-Main, wollen wir mit dem Forum eine Kooperations- und Kommunikationsplattform bieten, auf der regional spezifische Themen kommuniziert und diskutiert werden. Wenn ich an das Problem Fahrermangel denke, weiß ich, dass viele Akteure versuchen, mit einzelnen Maßnahmen, Veranstaltungen, Kampagnen etc. auf das Problem aufmerksam zu machen und entsprechend gegenzusteuern. Es gibt hier viele gute Ansätze, die allerdings durch bessere Koordination und Kommunikation untereinander in ihrer Wirkung wesentlich erhöht werden könnten. Ein weiteres aktuelles Thema ist Ausbildung: Ausbildung und Qualifizierung bilden sich insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung immer mehr zum entscheidenden Standortfaktor aus. Wir wollen in Rheinland- Pfalz das Modell des dualen Studiums, bei dem Berufsausbildung und Studium parallel verlaufen, möglichst zeitnah auch auf den Bereich der Logistik ausdehnen. Voraussetzung ist hier, dass seitens der Wirtschaft ausreichend Ausbildungsplätze dafür zur Verfügung gestellt werden. Und auch für die Wahl des Hochschulstandortes, an dem geeigneter Weise ein dualer Studiengang Logistik eingerichtet werden kann, wird es letztendlich eine entscheidende Rolle spielen, in welchen Regionen die entsprechenden Potenziale angeboten werden. Damit die heutige Veranstaltung nicht an Ihrem Bedarf vorbeigeht, haben wir vorab Ihre Interessen abgefragt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo der Schuh drückt und wo die Themenschwerpunkte liegen, die Sie interessieren. Ganz oben auf der Agenda stehen natürlich Themen, wie ich sie bereits angesprochen habe, nämlich Fahrermangel und der sich abzeichnende Fachkräftemangel in der Logistikbranche. Und wie zu erwarten, spielt auch die Entwicklung der Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Auf den weiteren Ausbau multimodaler Verkehrsknoten oder auch die Parkplatzsituation an unseren Autobahnen wurde hier unter anderem verwiesen. Aus diesen und anderen Themen, die Sie uns genannt haben, haben wir das umfangreiche Workshopprogramm zusammengestellt. Wir wollen nach dem Forum Ihre Vorschläge aufgreifen und Handlungsvorschläge umsetzen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, hier und heute den Grundstein für ein erfolgreiches Logistiknetzwerk für die Region zu legen. Dr. Carsten Kühl Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz 7

10 Die Zukunft der Logistik 2025 Prof. Dr. Stefan Walter Zukunftsraum 2 Zukunftsraum Zukunftsforschung ist ein Gebiet, das immer noch vielen Menschen fremdartig erscheint, Skepsis hervorruft und Assoziationen mit dem Blick in die Glaskugel erweckt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Feld der Zukunftsforschung jedoch systematisch weiterentwickelt worden, sodass heutige Forscher und Unternehmensstrategen bereits auf zahlreiche Konzepte, Theorien, Grundsätze und Methoden zurückgreifen können. Dennoch handelt es sich bei der Zukunftsforschung um eine vergleichbar junge Disziplin. Die Logistik hat die Zukunftsforschung und ihre Möglichkeiten für sich noch nicht entdeckt. Die Logistik-Dienstleistungsbranche liegt im Bereich der Zukunftsforschung deutlich hinter der Pharma-, Automobil- und Telekommunikationsbranche, die die langfristige Zukunft ihrer Branchen schon seit vielen Jahren sehr systematisch analysieren, um Veränderungen zu antizipieren und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Warum sollte dies nicht auch in der Logistik möglich sein? Das Planen mit Zukunftsszenarien kann gerade in unserem heutigen turbulenten Unternehmensumfeld einen signifikan- Szenario 1 Szenario 2 ten Beitrag leisten, indem es hilft, mit Unsicherheit im Entscheidungsprozess umzugehen. Es scheint nahe liegend, dass auch die Logistikbranche von der sogenannten Szenariotechnik, dem mächtigsten Instrument der Zukunftsforschung, profitieren kann. Die Branche verzeichnet bereits seit Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten. Gleichzeitig steht sie jedoch vor großen Herausforderungen: u.a. schwindende Erdölreserven und damit verbundene steigende Kosten; die absehbare, deutliche Verschärfung von Umweltschutzbestimmungen zur Eindämmung des Klimawandels; die steigende Komplexität der Logistiksysteme, die Durchbrüche in der eingesetzten Informationstechnologie verlangt. Umso mehr erstaunt es, dass Logistiker der Szenarioplanung bislang wenig Beachtung zu schenken scheinen. Aus diesem Anlass haben das Supply Management Institute (SMI) und die FutureManagementGroup AG eine Szenariostudie durchgeführt, die kürzlich von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) unter dem Titel Zukunft der Logistik- Dienstleistungsbranche in Deutschland 2025 herausgegeben wurde. Basis der Zukunftsstudie ist eine Delphi-Befragung mit 30 Experten aus Unternehmensführung und -entwicklung führender Anbieterunternehmen (Top 50 nach Umsatz) der Logistik-Dienstleistungsbranche gewesen. Die Experten bewerteten in einer zweiphasigen Befragung Projektionen zu zukünftigen Entwicklungen nach ihrer Erwartungswahrscheinlichkeit des Eintritts, dem Einfluss auf die Branche und der Wünschbarkeit des Eintritts der Entwicklungen. Szenario 3 Szenario 4 Störereignis Entscheidungspunkt Entwicklungslinie eines Szenarios Zeit heute Zukunftshorizont 8

11 Die in der Studie adressierten Themen sind breit gefächert und reichen von der globalen Energiewende über Ressourcenknappheit und Urbanisierung bis hin zu Fachkräftemangel, Corporate Social Responsibility und der zukünftigen Rolle von Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Rahmen einer Szenarioanalyse wurden zahlreiche zukünftige Chancen für Logistikdienstleister diskutiert wie beispielsweise Megacity-Logistik, Urban Mining, Energielogistik, Wasserlogistik, Seniorenlogistik und digitale Dokumentenlogistik. Insbesondere die Experteneinschätzungen der Zukunftsthesen zu globalen Netzwerken und Clustern sprechen eine deutliche Sprache: 1. Globale Netzwerke werden 2025 eine entscheidende Wettbewerbsdeterminante sein. 2. Die Produktivität von Wirtschafts- und Kompetenzzentren (Cluster) ist im globalen Wettbewerb zu dem zentralen Erfolgsfaktor geworden. 8 Extremszenarien der Zukunft der Logistik Arbeit = Kostenfaktor Nr. 1 Rohstoffe = Kostenfaktor Nr. 1 Rohstofevs.Arbeit 8 Problem Energieversorgung Nicht gelöst gelöst Abstand zwischen Entwicklungs- u. Schwellenländern und Industrienationen hat sich vergrößert Entwicklungs- und Schwellenländer haben stark aufgeholt 1] Standortfaktor Mensch Zugang zu qualifiziertem Personal ist der einzige nachhaltige Wettbewerbsfaktor in einer immer mobileren Welt Humankapital = knapper "Rohstoff" der Wissensgesellschaft Wissenszentren in Entwicklungs- und Schwellenländern 2] Fabrik-Cities und Fusionsreaktoren Kernfusion als Lösung des Energieproblems Aufbau von Planstädten durch Industrieunternehmen zur Anwerbung qualifizierter Arbeitskräfte 3] Das Zeitalter der Energiekriege und des Urban Mining Große Ölkonsumierende Nationen konkurrieren mit allen Mitteln um die schwindenden fossilen Rohstoffe Entsorgungsunternehmen werden zu Rohstoffproduzenten (Gewinnung von Wertstoffen aus Abfällen und Reststoffen) 7 4] Kampf um Metallrohstoffe Erschöpfung vieler Metallvorkommen Explosion von Metallrohstoffpreisen Buntmetalldiebstahl/ organisierte Kriminalität Zugang zu Metallrohstoffen = Wettbewerbsfaktor Nummer 1 5] Die 2-Klassen Welt Demographischer Wandel + Wissensintensivierung Akuter Fachkräftemangel in Industrienationen 100 Metropolen weltweit > 5 Mio. Einwohner Städte des Elends 6] Energiewende erfolgreich, Viren auf dem Vormarsch Elektrischer Strom zu 80% aus sauberen, erneuerbaren Energien Große Teile der Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern mit HI-Virus infiziert Globale Wirtschaftskoalitionen zur Bekämpfung von HIV/AIDS 7] Space Logistics Zukünftige Kernfusion mit Helium-3 Lunare Förderung; Interplanetares SCM 2. Wettlauf zum Mond 8] Die globale Energie- und Wasserkrise Ölfördermaximum $200/Barrel Scheitern der Kernfusion Hälfte der Länder auf der Welt leidet unter ernsthafter Wasserknappheit Zahl der Umweltflüchtlinge x4 Die Logistik profitiert noch viel stärker als andere Branchen von der Szenarioplanung, weil sie stärker als andere von Trendbrüchen geschädigt werden kann: Wenn die Vogelgrippe oder eine andere Pandemie ausbricht, wenn daraufhin die Regierungen der Welt die Netzwerke lahmlegen, wenn Terroranschläge zum Beispiel den Hafen von Singapur oder die Straße von Malakka blockieren welche Logistikunternehmen überleben dann am ehesten und besten? Wer konnte vor dem 11. September schon mit den drastischen Sicherheitsverschärfungen auf Flughäfen rechnen? Jene, die dieses Szenario bereits vor Jahren durchgespielt hatten. Während andere noch klagten, liefen bereits ihre ausgetüftelten Eventualpläne an. Das ist der springende Punkt, der über die Zukunft eines Unternehmens entscheidet: Wer in Szenarien vorausdenkt, ist den anderen voraus. Prof. Dr. Stefan Walter Wissenschaftlicher Leiter Logistik RheinMain, Research Director am Supply Management Institute (SMI) der European Business School (EBS) 9

12 Konzept und Themen der Workshops Coffee Worlds Statt in vorstrukturierten Workshops oder parallelen Sequenzen diskutieren 8-10 Teilnehmer mithilfe eines Moderators, der die Rolle eines Facilitators oder Kommunikationslotsen einnimmt. Er sichert Dynamik und Methodik der offenen Diskussion und sorgt dafür, dass vorhandene Erfahrungs- und Wissensressourcen genutzt werden. Die Inhalte aber überlässt er ganz den Teilnehmern. Jeder Workshop bzw. Tisch gibt eines von zehn Diskussionsthemen vor, welche in einer Befragung im Vorfeld der Veranstaltung von den Teilnehmern als besonders relevant für die Zukunft der Logistik in Mainz/Rheinhessen genannt wurden. Die Teilnehmer an den Tischen schreiben ihre individuellen Beiträge mit einem Stift direkt auf die Tischdecken. Durch die Möglichkeit zum unkomplizierten Wechseln der Tische kann jeder Teilnehmer seine Meinung zu mehreren Themen preisgeben und somit die Diskussion am Tisch beeinflussen. Die Inhalte werden anschließend von einem am Tisch bestimmten Sprecher zusammengefasst und im Abschlussplenum bekannt gegeben. Das an den Tischen geltende Gesetz der zwei Füße ist ein Ausdruck der Selbstverantwortung: Der Teilnehmer bleibt nur so lange in einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet, also so lange, wie er etwas lernen und/oder beitragen kann. Das Konzept der Coffee Worlds kommt aus dem Umkreis der Open Space Technology, einer Methode zur Strukturierung von Besprechungen und Konferenzen. Charakteristisch ist die inhaltliche und formale Offenheit. Open Space kann in kurzer Zeit eine große Vielfalt von konkreten Maßnahmen produzieren. Für die anschließende Umsetzung der erarbeiteten Ideen im heutigen Regionalforum sorgt das Forenmanagement, das sich aus MWVLW, Logistik RheinMain und IHK Rheinhessen zusammensetzt. Folgende Workshops fanden auf dem Regionalforum Logistik statt: 1. Netzwerke für mittelständische Unternehmen 2. Personalentwicklung und -rekrutierung 3. Innovation und Produktivität 4. Verkehrsinfrastruktur und Mobilität 5. Intermodale Verkehrsknoten 6. Umwelt und Nachhaltigkeit 7. Flächen und Immobilien 8. Wissensintensive Dienstleistungen 9. Kooperation mit Schulen 10. Wissensinfrastruktur Die Ergebnisse der Workshops werden auf den folgenden Seiten dargestellt. 10

13 Workshop 1 Netzwerke für mittelständische Unternehmen Moderation: Thorsten Hölser Speditions- und Logistikverband Hessen/Rheinland-Pfalz e.v. Es existiert eine Vielfalt von Netzwerken für Unternehmen in der Region: Branchenverbände, Clusterinitiativen, Kammernetzwerke und weitere. Unternehmen, die sich in Netzwerken engagieren, erhoffen sich dadurch zunächst einmal neue Kunden- kontakte und neue Geschäftspartner. Darüber hinaus bestehen gegenüber Netzwerken weitere Erwartungen und Wünsche. Folgende Überlegungen wurden dazu schwerpunktmäßig im Workshop angestellt. Veranstaltungen und Förderberatung Unternehmensnetzwerke erfüllen verschiedene Aufgaben. Als Basis für die Netzwerktätigkeit wird die gemeinsame Identifizierung relevanter Themen und Ziele durch die Netzwerkmitglieder gesehen. Eine originäre Aufgabe von Netzwerken besteht daneben in der Organisation von Veranstaltungen. Diese sollen insbesondere Gelegenheit zu Information, Erfahrungsaustausch und Vernetzung bieten. Es wurde hohes Interesse an Folgeveranstaltungen nach dem Regionalforum Logistik Mainz/Rheinhessen geäußert. Eine weitere wichtige Aufgabe von Netzwerken für Unternehmen wird in der Beratung zu Förderprogrammen gesehen. Das Wissen über Programminhalte und Förderprozesse ist oftmals gering und die Unternehmen haben Schwierigkeiten, relevante Informationen zu finden. Eine erste Orientierung bietet beispielsweise die Förderberatung der Industrie- und Handelskammern. Benchmarking Unternehmensnetzwerke sollten für Benchmarkingprozesse genutzt werden: Dabei können Unternehmen eines Netzwerkes sich untereinander im Hinblick auf ausgewählte und relevante Aspekte vergleichen, um vom anderen zu lernen, z.b. bei den Themen Personalentwicklung und -rekrutierung oder Positionierung am Markt. Hierfür muss das Netzwerk allerdings etabliert und eine Vertrauensbasis zwischen den Netzwerkmitgliedern vorhanden sein. Anlaufstelle für Netzwerke Die Workshopteilnehmer erörterten die Idee, eine gemeinsame Anlaufstelle für alle logistikbezogenen Netzwerke der Region einzurichten. Dies kann ein bestimmtes Netzwerk oder eine bestimmte Person sein. Funktion dieser Anlaufstelle wäre, Themen zu sammeln und zu kanalisieren und die Bearbeitung bestimmter Themen durch bestimmte Netzwerke zu koordinieren. Zugleich wird Bedarf an einem Logistikportal im Internet gesehen, das als virtuelle Kontakt- und Informationsstelle dient. Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, einen Fonds für kleinere Maßnahmen (eine Art Puffertopf ) einzurichten. Hintergrund für diesen Vorschlag ist die Erfahrung, dass oftmals ein Anschub für die Umsetzung guter Ideen fehlt, die beispielsweise auf Veranstaltungen geboren werden. Auf diese Weise könnten interessierte Partner für ein Engagement motiviert werden. 11

14 Workshop 2 Personalentwicklung und -rekrutierung Moderation: Lutz Nink Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz In der Logistik wird seit geraumer Zeit ein Mangel an Fachkräften beklagt. Dieser Mangel besteht in allen Berufsgruppen: in einfachen Berufen, in Ausbildungsberufen sowie in akademischen Berufen. Beispielhaft sei die Gruppe der Berufskraftfahrer genannt. Die Probleme bei der Gewinnung von Personal resultieren nicht zuletzt aus dem Imagedefizit, das bei vielen Logistikberufen sowie in der Logistik generell herrscht. Zugleich berichten Unternehmen immer wieder von nicht bedarfsgerecht qualifizierten Bewerbern. Um dieser Situation entgegenzutreten, wurde im Workshop eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen. Tag der Logistik Im Jahr 2008 fand erstmals der von der Bundesvereinigung für Logistik (BVL) koordinierte bundesweite Tag der Logistik statt. Mit zahlreichen Aktionen wurde dabei die Öffentlichkeit auf die Logistik in Deutschland aufmerksam gemacht. Auf Vermittlung von Logistik RheinMain. Die Wissensinitiative und Aktion Tagwerk e.v. arbeiteten Schülerinnen und Schüler an diesem Tag in Logistikunternehmen in der Rhein-Main-Region und spendeten ihren Arbeitslohn für ein wohltätiges Projekt. Die Workshopteilnehmer begrüßten diese Aktion ausdrücklich. Am Tag der Logistik 2009 sollen zahlreiche weitere, über diese Aktion hinausgehende Maßnahmen durchgeführt werden, eine Möglichkeit wäre eine Ausbildungsmesse. Die Teilnehmer des Workshops zeigten hohes Interesse, sich bei den Planungen hierfür aktiv einzubringen und sich beispielsweise in einem Arbeitskreis zur Vorbereitung entsprechender Aktionen zu engagieren. Fachmesse für Logistikberufe Es wurden Werbemaßnahmen zur Verbesserung des Images der Logistik im Allgemeinen sowie zur Steigerung des Bewusstseins für Berufe in der Logistik im Speziellen gefordert. Dabei soll insbesondere dargestellt werden, welche Chancen die Berufsbilder in der Logistik bieten und welche Aufstiegsmöglichkeiten es gibt. In diesem Zusammenhang wurde vorgeschlagen, eine Fachmesse für Logistikberufe zu organisieren. Auf dieser Messe könnte zum einen allgemein über Berufe in der Logistik informiert werden. Zum anderen könnten Unternehmen die Gelegenheit nutzen und sich selbst sowie Einsatzmöglichkeiten für Tätigkeiten in der Logistik vorstellen. Die Arbeitsagenturen sollten als Partner mit einbezogen werden. Bedarfsorientierung der akademischen Ausbildung Die Workshopteilnehmer stellten fest, dass die logistikbezogene Ausbildung an Fachhochschulen und Universitäten teilweise an den Bedarfen der Wirtschaft vorbeigeht. Eine Alternative kann der geplante Duale Studiengang in Rheinland- Pfalz bieten. Darüber hinaus wurde die Idee zur Einrichtung eines speziellen Gremiums besprochen, in dem sich Vertreter der Wirtschaft engagieren und Input zur bedarfsgerechten Gestaltung von logistikbezogenen Studiengängen geben. 12

15 Workshop 3 Innovation und Produktivität Moderation: Falk Raschke Logistik RheinMain. Die Wissensinitiative In diesem Workshop ging es um die Frage, wie in der Logistik die Produktivität gesteigert und mehr Innovationen generiert werden können. Als wesentliche Voraussetzung hierfür wurde ein gemeinsames Handeln aller Akteure herausgestellt. Allerdings ist es oft problematisch, alle beteiligten Akteure insbesondere Problemsteller und Problemlöser zusam- menzubringen. Zudem sind Plattformen zur Verbreitung innovativer Ideen gefragt. Die Teilnehmer des Workshops äußerten den Wunsch, diese Art des interaktiven Workshops in der Zukunft zu wiederholen, da sie umfangreichen Input für ihre eigene Arbeit bekommen haben. Clusterinitiative Ein geeignetes Instrument, um relevante Akteure zusammenzubringen und Kooperationen zu fördern, sind Netzwerkund Clusterinitiativen. Solche Initiativen schaffen ein Forum für Wissenstransfer und interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaftlern und Praktikern. Bei letzteren geht es sowohl um technologieorientierte als auch um wissensbasierte Unternehmen. Clusterinitiativen können zwischen verschiedenen Akteuren sowie zwischen ähnlichen Interessen und Problemstellungen vermitteln und damit eine Bündelungs- und Mediatorfunktion übernehmen. Dabei sollte der Nutzen von solchen Initiativen für die Beteiligten erkennbar und die Finanzierung gesichert sein. Schwarzes Brett für Problemstellungen und Lösungsangebote Die Workshopteilnehmer schlugen vor, eine Art Schwarzes Brett oder Zettelkasten bereitzustellen, in dem sowohl existierende Problemstellungen als auch mögliche Problemlösungen oder innovative Ideen gesammelt und veröffentlicht werden können, bei Bedarf auch anonym. Hierfür würde sich eine virtuelle Plattform anbieten. Zugleich könnte so eine Plattform für die Entwicklung neuer Projekte, vor allem Innovationsvorhaben, und für die Identifizierung von Projektpartnern genutzt werden. Förderung von Unternehmensgründungen Eine Möglichkeit, Innovationen zu realisieren, besteht in der Gründung neuer Unternehmen. Zwar gibt es ein umfangreiches Förderinstrumentarium für Unternehmensgründer, allerdings sind unterstützende Maßnahmen über finanzielle Förderungen hinaus gefragt. So besteht eine Schwierigkeit neuer Unternehmen darin, ihre Geschäftsidee bei der relevanten Zielgruppe bekannt zu machen. Dies funktioniert vor allem über die persönliche Ebene sehr gut. Im Workshop wurde die Geschäftsidee des derzeit in Gründung befindlichen Unternehmens MyCargo24, einer neuen Frachtenbörse im Internet, diskutiert. Das Unternehmen möchte zur Verbesserung der Transparenz und zur Steigerung der Effizienz von Logistikprozessen beitragen. Veranstaltungen wie das Regionalforum Logistik Mainz/Rheinhessen könnten zukünftig noch stärker als Plattform für logistikbezogene Neugründungen dienen. 13

16 Workshop 4 Verkehrsinfrastruktur und Mobilität Moderation: Jörg Schaub Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain e.v. Die Mobilitätsbedürfnisse der Rhein-Main- Region inklusive Mainz/Rheinhessen steigen. Dies hängt vor allem mit den hohen Pendlerströmen zusammen. Allerdings ist die Störanfälligkeit des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region teilweise sehr hoch. Treten Störungen auf, übertragen diese sich oftmals schnell und intensiv weiter und haben somit Auswirkungen auf den gesamten regionalen ÖPNV. Generell werden die Potenziale der verschiedenen Verkehrsträger sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr noch nicht optimal ausgeschöpft. Stärkere Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger Die Stärken der einzelnen Verkehrsträger sollten viel intensiver genutzt und miteinander vernetzt werden. Die bereits angedeutete Störanfälligkeit des ÖPNV-Systems muss verringert werden. Mögliche Maßnahmen wären beispielsweise die Schaffung von mehr Ausweichmöglichkeiten, auf die die Passagiere im Störfall umsteigen können, und eine Verbesserung der Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern. Eine stärkere Vernetzung der Verkehrsträger ist nicht nur sinnvoll für den Personen-, sondern auch für den Güterverkehr. Bei der Modellierung von Transportketten sollten mehr multimodale Pakete geschnürt und die Stärken der einzelnen Verkehrsträger besser ausgenutzt werden. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere die dezentrale Bündelung von Verkehren, intelligentes Logistikmanagement und die Entwicklung gemeinsamer Angebote der verschiedenen Verkehrsträger diskutiert. 14 Maßnahmen im Bereich Schifffahrt und Häfen Ein Schwerpunkt der Diskussion bezog sich auf das Thema Schifffahrt und Häfen. Zunächst einmal wurde festgestellt, dass die Kapazität der Seehäfen und der Hinterlandverkehrsterminals von Seehäfen fast erschöpft ist. Binnenhäfen in verkehrsgünstiger Lage könnten als Ausweichmöglichkeit für Containerverkehre genutzt werden. Allerdings müssten hierfür auch in vielen Binnenhäfen Kapazitäts- und Infrastrukturdefizite ausgeglichen werden. Es wurde empfohlen, die Häfen der Region stärker zu Multimodalports weiterzuentwickeln, sodass alle über Straßen- und Schienenanschluss verfügen. Generell wird eine intensivere Abstimmung zwischen den Häfen der Rhein-Main-Region und in diesem Zusammenhang die Entwicklung einer regionalen Hafenstrategie angeregt. Masterplan Güterverkehr und Logistik für das Rhein-Main-Gebiet Als Fazit der im Workshop besprochenen Themen schlugen die Teilnehmer vor, nicht nur den Masterplan Güterverkehr und Logistik des Bundes auf die Rhein- Main-Region herunterzubrechen, sondern nach dessen Vorbild auch einen eigenen Masterplan Güterverkehr und Logistik für die Region zu erstellen. Dieser soll als regionaler grenzübergreifender Handlungsplan eine gemeinsame Vision und Logistik- und Mobilitätsstrategie FrankfurtRheinMain sowie konkrete Maßnahmen und realistische Zeiträume enthalten. Der Plan sollte insbesondere länderübergreifende Aspekte berücksichtigen, speziell vor allem die Synchronisierung der Infrastrukturplanungen und Abstimmungen zu Planungsprämissen, z.b. gemeinsame Problemlösungen zum Thema Lkw-Parkplätze oder Baustellenmanagement.

17 Workshop 5 Intermodale Verkehrsknoten Moderation: Jörg Lunkenheimer Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH Schwerpunkt der Diskussion in diesem Workshop war die Infrastruktur für Binnenschifffahrt, insbesondere Güterverkehrszentren in Verbindung mit Binnenhäfen. Die Teilnehmer stellten fest, dass die Häfen der Region z.t. über keine Schienenanbindung verfügen und dass diejenigen mit Schienenanbindung ausgelastet sind. Vor dem Hintergrund des stetig zunehmenden Verkehrs auf den Wasserstraßen wird das Fehlen nötiger Umschlaganlagen immer deutlicher. Zudem wurden der auch in anderen Workshops angesprochene Mangel an Fachkräften und der Bedarf nach einer Stärkung des Bewusstseins für Logistik in Öffentlichkeit und Politik thematisiert. Verkehrsverlagerung: Vom Wunsch zur Umsetzung Für die Zukunft sind Strategien gefragt, um Güterverteilung und -transporte aufgrund erwarteter steigender Aufkommen noch effizienter zu gestalten und die diversen Anforderungen unterschiedlicher Güter an die Logistik zu erfüllen. Dazu sollte neben einer Gleichberechtigung der verschiedenen Verkehrsträger unbedingt die Stärkung trimodaler Anbindungen zählen. Allerdings reicht es seitens der Politik nicht aus, die Verteilung der Güterverkehre auf verschiedene Modi zu fordern. Hierfür muss auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Dementsprechend sollten beispielsweise KV-Terminals stärker ausgebaut werden. Potenziale werden auch in der Förderung von Innovationen gesehen, problematisch sind hierbei aber die Nutzungsdauer von Anlagen und die begrenzten Möglichkeiten vor allem kleiner Häfen. Verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit Die Workshopteilnehmer bewerten die Zusammenarbeit zwischen den in die Rhein-Main-Region eingebundenen Ländern als ausbaufähig. Zudem ist die länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema Fördermittel noch nicht optimal: Fördermittel für länderübergreifende Infrastrukturen und Verkehrswege sind in vielen Fällen an Ländergrenzen gebunden und können somit oft nicht effektiv genutzt werden. Lösungen für die Fördermittelproblematik gesucht Nach Ansicht der Workshopteilnehmer besteht ein Fördermittelproblem insbesondere für kleine (Hafen-)Umschlagsstandorte: Diese konkurrieren mit oftmals umfangreich geförderten Großprojekten, sodass die Verteilung der Fördermittel, z.b. im Rahmen der Förderrichtlinie für den kombinierten Verkehr, optimiert werden sollte. Die Gewichtung der Verkehrsträger bei der Förderung ist verbesserungswürdig. Problematisch sind darüber hinaus fehlende Kenntnisse um Fördermöglichkeiten, die zu hohe Komplexität der existierenden Förderprogramme und die daraus resultierende geringe tatsächliche Förderquote. Idealerweise läuft der Förderprozess wie folgt ab: 1. Schritt: Idee 2. Schritt: Projektentwicklung 3. Schritt: Ansprechpartner 4. Schritt: Projektrealisierung 15

18 Workshop 6 Umwelt und Nachhaltigkeit Moderation: Uwe Hiltmann Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.v. Das Verkehrsaufkommen hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht. Alle Prognosen sprechen für rapide steigende Zuwachsraten, insbesondere im Güterund Transportverkehr. Die Schadstoffemissionen werden folglich zunehmen und diese verursachen zunehmend Probleme, wie die Beispiele bodennahes Ozon, Lärm oder Feinstaub zeigen. Aus dem erhöhten Verkehrsaufkommen und zugleich steigenden Kraftstoffpreisen müssen dementsprechend Konsequenzen gezogen werden. Grüne Logistik ist nötig und muss vermittelt werden Unter dem Begriff der grünen Logistik wurden Vorschläge zusammengefasst, die zu einer verbesserten logistischen Ökobilanz beitragen können. Angetrieben vom zunehmenden Kostendruck durch steigende Energiepreise setzen heute viele Transport- und Logistikunternehmen auf Energieeffizienz und sparsamen Ressourceneinsatz. Einigkeit herrschte auch in der Feststellung, dass umweltgerechte Logistik sich zu einem Faktor im internationalen Wettbewerb und zum Treiber für Zusammenarbeit in Netzwerken entwickelt. Beim Wachstum des Logistiksektors muss die Öffentlichkeit mitgenommen werden, die hohe Bedeutung der Logistik muss bewusst gemacht werden. Zugleich ist es sehr schwer, den Verbrauchern eine grüne Logistik zu vermitteln. Beispielsweise kann man Produkten im Laden nicht ansehen, unter welchen Logistikaspekten sie dorthin gekommen sind (z.b. biologisch angebautes Gemüse aus weit entfernten Ländern, das über Tausende Kilometer transportiert wurde). Deshalb müssen Logistikaspekte bei der Darstellung von Produkten viel stärker berücksichtigt werden. Verbindung von Logistik und Nachhaltigkeit Beispiel Schienenverkehr Es wurde festgestellt, dass zwischen den Grundkonzeptionen von Nachhaltigkeit und Logistik etliche Parallelitäten bzw. Anknüpfungspunkte bestehen: Beiden ist der Ressourcenbezug, die Fließorientierung und der Kooperationsgedanke gemeinsam. Im Hinblick auf den rationalen Umgang mit knappen Ressourcen bietet eine moderne Logistik die Basis für eine nachhaltige Politik, die Entscheidungen über die Prozesse der Beschaffung, Distribution, Pflege usw. aller Ressourcen trifft. Probleme im Schienenverkehr umfassen beispielsweise neben der Überalterung der Wagen den Faktor Lärm. Stärkerer Lärmschutz ist deshalb nötig, vor allem im Interesse der Bürger. Ein möglicher und ordnungspolitisch gebotener Ansatz könnte die Einbeziehung des Geräuschfaktors bei der Bestimmung der Trassenpreise auf der Schiene sein (lärmemissionsabhängige Trassenpreise). Verstärkte Forschung für umweltfreundliche Logistiklösungen In enger Vernetzung zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung, Verwaltung und Politik müssen vorhandene Umweltkompetenzen nachhaltig ausgebaut sowie neue generiert werden. Emissionsminderungstechnologien müssen weiterentwickelt werden, wie z.b. Diesel-Rußfilter, Erdgasfahrzeuge oder wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen. Zudem sind technische und organisatorische Lösungen zur weiteren Emissionsminderung für den Bereich Verkehr und Logistik gefragt. Insgesamt muss deshalb die Forschung in diesen Bereichen gestärkt werden. 16

19 Workshop 7 Flächen und Immobilien Moderation: Olaf Berger ProLogis Germany Management GmbH Die Situation im Hinblick auf Logistikflächen in der Region wird von den Workshopteilnehmern folgendermaßen eingeschätzt: Es gibt zu wenig Flächen für Logistik im Rhein-Main-Gebiet, vor allem in der näheren Umgebung des Flughafens Frankfurt. Der Mangel bezieht sich insbesondere auf großflächige Objekte. Ab 50 Kilometer Entfernung vom Flughafen sind Flächen verfügbar. Logistikimmobilien, die besonders umweltschonend sind, sind zwar attraktiv, aber aufgrund der damit verbundenen höheren Kosten schwerer zu vermitteln. Eine schnellere Erschließung von Flächen mithilfe des Faktors Umweltfreundlichkeit scheint noch nicht möglich zu sein. Eine intelligente Bestandsführung (Lager) wird wieder wichtiger aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens und daraus resultierender unzuverlässigerer Anliefe- rungszeiten. Die Auswahl des richtigen Standorts ist somit entscheidend, z.b. im Hinblick auf zeitkritische Prozesse oder den Faktor Trimodalität. Trimodalität spielt bei Logistikflächen eine große Rolle; Flächen mit trimodalen Anschlüssen sind stark gefragt. Das Thema Logistikimmobilien wird bislang zu wenig bei der Hochschulausbildung berücksichtigt. Kooperative Ansätze bei der Logistikflächenentwicklung Die Entwicklung neuer Flächen ist zeitaufwendig und teuer. Ein Ansatz für die Neuerschließung von Flächen sind Public- Private-Partnership-Projekte, bei denen sowohl Klein- als auch Großkommunen gemeinsam mit privaten Investoren agieren, z.b. in Form privater Vorfinanzierung, da öffentliche Budgets oft nicht ausreichend vorhanden sind. Darüber hinaus wird eine bessere Koordination zwischen den Bürgermeistern und der Aufsichtsbehörde gefordert, z.b. in Bezug auf die Gewerbesteuer. Weniger Zersiedelung und keine Parks in Industriegebieten Als Konsequenz der Planungshoheit wird empfohlen, zur Gewinnung neuer Flächen bestehende Industriegebiete zu erweitern und nicht immer wieder neue Flächen auszuweisen und damit die Zersiedelung in Nachbargemeinden zu fördern. Außerdem sollte zur Schaffung von mehr Flächen eine Begrünung bzw. Anlage von Parks in Industriegebieten nicht mehr verpflichtend sein. Strategisches Landbanking Eine Möglichkeit für die zukünftige Entwicklung von Logistikflächen wird in Deutschland im strategischen Landbanking gesehen. Landbanking umfasst den Erwerb, die Entwicklung und die Verwertung strategisch günstig gelegener und nicht erschlossener Grundstücke mit Wachstumspotenzial. Hier besteht für die Zukunft hohes Potenzial für ein Engagement von Investoren. 17

20 Workshop 8 Wissensintensive Dienstleistungen Moderation: Gernot Kaiser Supply Management Institute (SMI) der European Business School (EBS) Die Leitfragen der Diskussion im Workshop waren: Welche Mehrwertdienste sind in der Logistik in der Zukunft gefragt und für welche Dienste besteht die Bereitschaft zu zahlen? Inwiefern müssen die Inhalte von Ausbildungsberufen in wissensintensiven Dienstleistungen an die Dynamik der Absatzmärkte und insbesondere an die fortschreitende Globalisierung angepasst werden? Welche Anpassungen sind in der Weiterbildung vorzunehmen? Es wurden konkrete Themen und Ansätze für weitere gemeinsame Maßnahmen diskutiert. Die Workshopteilnehmer planen, weitere gemeinsame Arbeitstreffen durchzuführen. Zukünftigen Informationsbedarf von Unternehmen klären Es besteht Interesse an einer Studie über den Informationsbedarf von Unternehmen in den kommenden Jahren, auch im Logistikbereich. Auf folgende Fragen müssen Antworten gefunden werden: Was muss eine Software in der Zukunft alles können? Welche Informationen sind aus Unternehmenssicht wichtig? Was werden die Unternehmen wissen wollen? Software ist heutzutage in der Lage, jede mögliche Art von Informationen zu sammeln. Es ist jedoch nicht klar, ob alle gesammelten Informationen tatsächlich gewünscht sind oder genutzt werden. Unklar ist auch, inwieweit Kunden bereit sind, für bestimmte / ausgewählte Informationen zu bezahlen bzw. wie hoch der Wert bestimmter Informationen oder Dienstleistungen eigentlich ist. Nachholbedarf im Bereich Sicherheitsdienstleistungen Im Bereich der Sicherheitsdienstleistungen besteht Nachholbedarf bei Aus- und Weiterbildung. Beispielsweise werden die Themen Sicherheitsberatung und IT- Sicherheitsdienstleistungen bislang noch nicht oder nur unzulänglich berücksichtigt, insbesondere bei der Ausbildung von Sicherheitskaufleuten; diese Leistungen werden jedoch verstärkt von Unternehmen nachgefragt. Es besteht Interesse an einem Workshop zum Thema Aus- und Weiterbildung im Sicherheitsbereich. 18

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