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1 I N F O R M A T I O N zur Pressekonferenz mit Landesrat Rudi Anschober am 14. Oktober 2008 zum Thema "Durch Teuerungswelle und Finanzkrise steigt die Zahl von Menschen in Verschuldung und Armut massiv an Zahlen, Fakten, Gegenmaßnahmen"

2 LR Rudi Anschober Seite 2 Die aktuelle Teuerungswelle und nun die Finanzkrise verursachen immer mehr Armut und Verschuldung auch in Oberösterreich. Bereits registrieren Sozialinstitutionen und Schuldnerberatungen deutliche Zunahmen an Betroffenen. Konsument/innenschutz- Landesrat Anschober legt Vorschläge für Gegenmaßnahmen vor. Anschober: "Die Teuerungswelle hat bereits viele Opfer gefordert, durch die Finanzkrise droht eine weitere akute Erhöhung von Verschuldung und Armut. Viele Auswirkungen der Finanzkrise können noch viel dramatischer werden, als bisher angenommen." Schon jetzt verzeichnen Sozialeinrichtungen und Schuldner/innenberatungen deutlich mehr Anfragen. Bereits 2006 waren in Oberösterreich laut Statistik Austria Menschen (das sind 10,1 % der Bevölkerung in unserem Bundesland) armutsgefährdet, Oberösterreicher/innen sind trotz Arbeit als arm eingestuft. Auch die Zahl der Sozialhilfeempfänger/innen hat sich massiv erhöht: von 1997 bis 2007 von auf , somit beinahe verdoppelt. Durch die Teuerungswelle verzeichnen Sozialeinrichtungen und Schuldner/innenberatungen deutlich mehr Anfragen. So verzeichnet etwa die Caritas grundsätzlich jährlich einen Anstieg ihrer Klient/innen, heuer ist aber der Anstieg an Unterstützungsbedarf besonders auffällig. Beim Vergleich des ersten Halbjahres 2007 zum ersten Halbjahr 2008 stieg die Anzahl der Klient/innen in Oberösterreich von auf 2.218, die Anzahl von Vorsprachen von auf häufig werden die Probleme schwerwiegender. An erster Stelle bei den Vorsprachegründen standen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Wohnen, wobei generell auffällt, dass die Problemlagen der Menschen immer komplexer werden. Die Betroffenen haben meist mit einem Bündel an Problemen zu kämpfen, z.b. Arbeitslosigkeit, Schulden, psychische Erkrankungen, kein Geld

3 LR Rudi Anschober Seite 3 mehr für Strom, etc. In Folge dessen stieg der Unterstützungsbedarf (der Caritas bei der Soforthilfe) für Energie um 35 %, jener für Lebensmittel um 12 %! Auch bei der Schuldnerberatung zeigt sich eine Steigerung bei den Erstkontakten. Im ersten Halbjahr 2008 um + 4,5 %, im zweiten Halbjahr 2008 dürfte nach einer ersten Grobschätzung rd. + 7 oder + 8 % mehr an Erstkontakten erfolgen. Allerdings treffen die Schuldnerberatungen wirtschaftliche Probleme der betroffenen Personen zeitversetzt, da zumeist zuerst selbst versucht wird, mit finanziellen Problemen fertig zu werden. So dauert es erfahrungsgemäß ca. sechs Monate bis drei Jahre, bis professionelle Hilfe angenommen wird. Dies bedeutet, dass hier erst in den nächsten sechs Monaten mit einem dramatischen Anstieg der Beratungen gerechnet wird. So wird erwartet, dass dann um ca. 30 % mehr Klient/innen Beratungstätigkeiten der Schuldnerberatungen in Anspruch nehmen werden. Diese Entwicklung droht sich durch die Finanzkrise massiv zuzuspitzen. Viele Auswirkungen dieser weltweiten Krise lassen sich derzeit nur erahnen und werden erst in den nächsten Monaten direkt sichtbar. Starke Schwierigkeiten könnten am Arbeitsmarkt bei Leasingarbeitskräften oder bei jenem Personenkreisen auftreten, bei denen üblicherweise eine große Anzahl von Überstunden zu leisten sind, die nunmehr wegfallen könnten. Während früher ausschließlich das Einkommen unter der Armutsgrenze Ursache dafür war, die zur Überschuldung geführt hat, kommt es nunmehr zu einer schleichenden Verschiebung zu jenem Personenkreis hin, der schwankende Einkommen hat, da eben dieser oftmals nicht darauf eingestellt ist, in den einkommensstarken Zeiten zu sparen. Auswirkungen der prognostizierten Wirtschaftsschwäche nach der Finanzkrise Kommt nun nach der Finanzkrise eine Phase wirtschaftlicher Probleme, dann könnte dies auch zu deutlichen Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt führen. Dies wird von Wirtschaftsforscher/innen prognostiziert über das Ausmaß gibt es nur Spekulationen: Verschuldung durch Probleme mit Krediten, genereller Rückgang

4 LR Rudi Anschober Seite 4 bei Konsum und Export, Zunahme der Arbeitslosigkeit und damit steigende Armut könnte eine Dynamik sein, die von der Finanzkrise ausgelöst wird. Gefährdet sind vor allem Personen mit bereits vorhandener Verschuldung und geringem Einkommen, welche bereits durch die gestiegenen Energiepreise, Betriebskosten und Lebensmittelpreise in Schwierigkeiten sind. Oberösterreichs Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober fordert daher ein umfassendes Paket zum Gegensteuern, um eine massive Zunahme von Verschuldung und Armut zu verhindern. Anschober: "Noch wissen wir nicht, wie dramatisch die Finanzkrise und die folgende Konjunkturflaute wirklich werden. Besorgniserregende Folgen werden von den Expert/innen als sicher betrachtet, unklar ist nur das Ausmaß. Jetzt muss die Politik handeln und abfedern, wo immer es geht." Zwölf notwendige Punkte zum Gegensteuern: 1. Rasche Umsetzung der Steuerreform zur Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen um 3,5 Milliarden Euro, inklusive Einführung eines Gratiskindergartens und eines Halbpreistickets für den ÖV 2. Konjunkturpaket: Investitionen in die Energiewende, thermische Sanierungsoffensive und ein neues Ökostromgesetz, um mit den Investitionen in die Energiewende Entlastung bei den stark steigenden Energiepreisen und massive Impulse in den heimischen Arbeitsmarkt zu setzen 3. Schienenausbauoffensive: bedeutet für OÖ ein Vorziehen und Beschleunigen des Ausbaus der Summerauer- und Pyhrnbahn, der Westbahn, aber auch des Öffentlichen Verkehrs rund um Linz 4. Erhöhung der Wohnbeihilfe: dies ist in Oberösterreich bereits einstimmig beschlossen worden. Damit wird die Wohnbeihilfe für die Schwächsten deutlich erhöht (Eckpunkte der Erhöhung: von 3 auf 3,50 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche und Monat - flachere Einschleifregelung - jährliche Anpassung der Einkommensgrenzen für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte an den für die Wohnbeihilfe relevanten Ausgleichszulagen-Richtsatz.

5 LR Rudi Anschober Seite 5 Zudem kommt es zu einer Wertanpassung der zuletzt 2005 angehobenen Einkommensgrenzen für Mehrpersonenhaushalte um 108 Euro.) 5. Vermehrtes Angebot von günstigen Wohnungen, insbesondere für Familien, sowie Startwohnungen für Jugendliche. 6. Änderungen der Regelungen für Privatkonkurse: Ziel dieses Schuldenregulierungsverfahrens ist es, motivierten Schuldner/innen eine realistische Chance auf einen wirtschaftlichen Neubeginn zu geben. Voraussetzungen sind die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit, regelmäßiges Einkommen, die Verpflichtung, keine neuen Schulden zu machen sowie die nachweisbare Möglichkeit, monatlich einen bestimmten Betrag zurückzahlen zu können. Allerdings können derzeit jene, die nicht einmal 10 % ihrer Schulden in den nächsten sieben Jahren zurückzahlen können, nicht in Privatkonkurs gehen. Gerade die sozial Schwächsten schleppen damit ihre Schulden ewig mit. Die Abschaffung dieser Mindestquote wäre dringend notwendig, damit auch die Banken sich des Risikos noch bewusster sind und bei der Kreditvergabe noch sorgsamer umgehen. 7. Recht auf ein Girokonto: Mehr als Personen haben in Österreich keinen Zugang zu einem Girokonto und damit hohe Überweisungskosten, Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche und gegenüber Vermieter/innen und sind auch bei der Zahlung von Versorgungsleistungen wie Strom und Gas diskriminiert. Gerade Personen, die eine Schuldenregulierung begonnen haben und dabei sind, ihre Schulden in den Griff zu bekommen, sind ebenfalls betroffen. Das Recht auf ein Girokonto sollte eigentlich selbstverständlich sein. 8. Verstärkte Förderung der Sozialvereine und ihrer Soforthilfe: so sinkt in Zeiten, in denen es den Familien, aber auch den Einzelnen wirtschaftlicher schlechter ist, die Bereitschaft bzw. die finanzielle Möglichkeit, zu spenden. Gerade aber aus diesen Spenden wird z.b. der Soforthilfetopf der Caritas gespeist. Die Folge ist, dass diese Soforthilfe der Caritas geringer dotiert ist und damit weniger Menschen geholfen werden kann. Hier müssen Bund und Land unterstützend einspringen. 9. Verstärkte Beratung für Erwachsene, aber auch für Jugendliche

6 LR Rudi Anschober Seite Gezielte Förderung von bildungsbenachteiligten Schüler/innen: damit verbesserter Zugang zu Arbeitsmarkt, besser bezahlte Arbeitsplätzen und damit höheres Einkommen 11. Präventivmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen: Konsument/innen- Information und Schulderberatungen als fixer Bestandteil im Rahmen des Unterrichts in allen Schulstufen durch gezielte Jugendarbeit 12. Risikoabsicherung für bestehende Fremdwährungskredite, schrittweiser gesicherter Ausstieg aus Krediten mit Tilgungsträgern, keine neuen Fremdwährungskredite.

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