Wege in die Frühpension -

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1 Wege in die Frühpension - Der Übergang in den Ruhestand in Osterreich Zusammenfassung der Ergebnisse Eines der wichtigsten Ziele der österreichischen Sozialpolitik ist die langfristige Sicherung der Finanzierbarkeit der Pensionen. Dazu ist es unabdingbar, durch eine Anhebung des Pensionszugangsalters der demographischen Entwicklung, die das Verhältnis zwischen arbeitender und pensionierter Bevölkerung längerfristig stark reduzieren wird, entgegenzuwirken. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung waren die Pensionsreformen der Jahre 2000, 2003 und 2004 sowie das Stabilitätsgesetz Die dort implementierten Maßnahmen haben die Anreize und Möglichkeiten, in Pension zu gehen, für ältere beschäftigte Personen z.t. erheblich verändert und werden diese auch in den nächsten Jahren stark verändern. In diesem Projektbericht werden Wege in die Frühpension analysiert und die bisherigen und in Zukunft zu erwartenden Auswirkungen der Pensionsreformen untersucht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse der Dynamik des Pensionszugangsalters. Welche Auswirkungen hatten diese Reformen auf dieses Alter? Wie wird sich das Pensionszugangsalter bis 2020 entwickeln? Wie haben einzelne Maßnahmen der Pensionsreformen das Ruhestandsverhalten älterer Beschäftigter beeinflusst? Welche Auswirkungen sind von Maßnahmen zu erwarten, die im Stabilisierungsgesetz 2012 beschlossen wurden? Beschäftigung und Pensionszugangsalter In den Jahren 2000 bis 2010 nahm die Beschäftigungsquote der 55-64jährigen Frauen um mehr als 17 Prozentpunkte zu, während das Pensionszugangsalter mit etwa 57 Jahren nahezu unverändert blieb. Die Beschäftigungsquote der 55-64jährigen Männer konnte im gleichen Zeitraum um mehr als 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Jedoch befand sich in 2010 auch bei den Männern das Pensionszugangsalter mit 59.1 Jahren auf fast demselben Niveau wie in Wie können diese scheinbar widersprüchlichen Entwicklungen in Einklang gebracht werden? Eine detaillierte Analyse der Dynamik des Pensionszugangsalters in verschiedenen Altersgruppen zeigt, dass das durchschnittliche Pensionszugangsalter in der Altersgruppe der 50-65jährigen deutlich angestiegen ist. Bei den 50-65jährigen Frauen erhöhte sich das Pensionszugangsalter von 57.5 in

2 2000 auf 58.4 Jahre in Bei den Männern dieser Altersgruppe kam es im selben Zeitraum zu einem Anstieg von 59.1 Jahren auf 60.3 Jahre. Die erhöhte Beschäftigung der 55-64jährigen schlug sich damit in einem deutlich höheren Pensionszugangsalter in dieser Altersgruppe nieder. Dass das Pensionszugangsalter dennoch nicht zugenommen hat, ist auf vermehrte Pensionsantritte jüngerer Beschäftigter, also in der Altersgruppe der unter 50jährigen zurückzuführen. Im Jahre 2000 fielen 6 Prozent aller Pensionsneuzuerkennungen auf die Altersgruppe der unter 50jährigen. Bis zum Jahr 2010 stieg dieser Anteil bei den Frauen auf 8.5 Prozent und bei den Männern auf 8.4 Prozent. Dies ist auf Verhaltensänderungen in dieser Altersgruppe und nicht auf die demographische Entwicklung zurückzuführen. Die Pensions-Zugangsrate der unter 50jährigen d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass eine noch nicht 50jährige Person in Pension geht stieg bei den Frauen von 0.12 Prozent im Jahr 2000 auf 0.19 Prozent im Jahr 2010 und bei Männern von 0.14 Prozent auf 0.19 Prozent. Diese scheinbar geringe Zunahme schlägt sich aus zwei Gründen stark auf das Pensionszugangsalter nieder. Zum einen handelt es sich bei den jährigen um eine sehr große Altersgruppe, die absolute Zahl der Pensionsneuzuerkennung war also hoch. Zum anderen drückt das junge Alter von Pensionisten aus dieser Altersgruppe das durchschnittliche Pensionszugangsalter der gesamten Bevölkerung stark nach unten. Die positive Entwicklung bei der über 50jährigen Bevölkerung wurde also durch gegenläufige Entwicklungen bei den unter 50jährigen nahezu vollständig neutralisiert. Dadurch stagnierte das Pensionszugangsalter der gesamten Bevölkerung. Schließlich ist auch festzuhalten, dass sich eine Zunahme der Beschäftigungsquote nicht (oder nicht sofort) in einem höheren Pensionszugangsalter niederschlagen muss. Letzteres ist auch durch demographische Faktoren sowie durch die Dauer der Arbeitslosigkeit (oder anderer Zustände der Nichtbeschäftigung) vor dem Pensionsantritt bestimmt. Dies erklärt warum kurzfristig Pensionszugangsalter und Beschäftigungsquote entkoppelt sind oder sich sogar in entgegengesetzte Richtung bewegen können. Prognose des Pensionszugangsalters bis zum Jahr 2020 Dieser Projektbericht legt eine Prognose des Pensionszugangsalters bis zum Jahr 2020 vor. Eine solche Prognose stützt sich auf Annahmen über die Beschäftigungsentwicklung der 5064jährigen sowie auf die vorgegebene demographische Struktur der älteren Bevölkerung. Die Prognose bezieht

3 sich auf das Pensionszugangsalter der 50-65jährigen Bevölkerung (deren Ruhestandsverhalten in diesem Projektbericht im Zentrum steht). Bildet sich die Pensionsquote in dieser Altersgruppe im nächsten Jahrzehnt ebenso stark zurück wie in den Jahren 2000 bis 2010, so gehen wir bei den Männern im Alter Jahre von einer Zunahme des Pensionszugangsalters von derzeit 60.3 auf 61.9 in 2020 aus. Bei den Frauen im Alter Jahre wird das Pensionszugangsalter von derzeit 58.4 auf 59.8 Jahre in 2020 ansteigen. Diese Prognose ist ein optimistisches Szenario unter der Annahme sich die Pensionsquoten zwischen 2010 und 2020 ebenso stark zurückbilden, wie dies in den Jahren 2000 bis 2010 der Fall war. Anhebung des Mindestalters der vorzeitigen Alterspension Eine der wichtigsten Maßnahmen der Pensionsreformen 2000 und 2003 war die schrittweise Anhebung des Mindestalters für die vorzeitige Alterspension von 55 auf 60 Jahre für Frauen und 60 auf 65 Jahre für Männer bis zum Jahr. Welche Auswirkungen hatte diese Maßnahme auf die Beschäftigung bzw. die Arbeitslosigkeit in den betroffenen Altersgruppen? Der Projektbericht stellt diese Auswirkungen im Detail dar. Bei den Männern wurde durch diese Maßnahme das Frühpensionsalter schrittweise auf Alter 62 erhöht, da mit der Pensionsreform 2004 die Möglichkeit der Korridorpension eingeführt wurde, die eine vorzeitige Pensionierung im Alter 62 zulässt. Bei den Frauen kam es dagegen bis zum Jahr 2010 auf eine Anhebung des Frühpensionsalters auf 58,25 Jahre. Die Anhebung des Frühpensionsalters wirkt sich deutlich auf das Arbeitsmarktverhalten der betroffenen Altersgruppen aus. Steigt das Frühpensionsalter um 1 Jahr an, treten 17.0 Prozent der Männer in den betroffenen Altersgruppen und 20.4 Prozent der Frauen in den betroffenen Altersgruppen ihre Pension um 1 Jahr später an. Obwohl dieser Effekt robust und statistisch hoch signifikant ist, ist der doch deutlich geringer, als man prima facie vermuten würde. Dass dieser Anteil nicht 100 Prozent beträgt, hat drei Gründe. Erstens plant ein Teil der Beschäftigten ohnehin einen späteren Pensionsantritt. Dieser Personenkreis reagiert daher nicht auf die Anhebung des Mindestalters. Zweitens bezieht ein erheblicher Teil der unter 60jährigen bereits eine Invaliditätspension und ist damit von der Anhebung des Frühpensionsalters nicht betroffen. Drittens lassen die Hackler-und Schwerarbeiterregelung weiterhin einen Pensionsantritt im Alter 60 zu. Zusammengenommen bewirke diese Gründe eine abgeschwächte Wirkung der Anhebung des Mindestalters auf die Pensionsantritte.

4 Für jene Personen, die auf die Anhebung des Mindestalters für die vorzeitige Alterspension reagieren, bewirkt das Hinausschieben des Pensionsantritts um z.b. 1 Jahr, nicht unbedingt eine verlängerte Beschäftigung um 1 Jahr. Bei den Männern befinden sich von den 17.0 Prozent im Durchschnitt nur 7.5 Prozent ein Jahr länger in Beschäftigung. Die restlichen 9.5 Prozent verbringen dieses Jahr in Arbeitslosigkeit (oder einer anderen Form der Nichtbeschäftigung). Bei den Frauen teilen sich 20.4 Prozent verzögerte Pensionsantritte auf 11.7 Prozent verlängerte Beschäftigung und 8.6 Prozent Arbeitslosigkeit (oder einer anderen Form der Nichtbeschäftigung) auf. Die Effekte der Anhebung des Mindestalters der vorzeitigen Alterspension werden sich in Zukunft stärker in den betroffenen Altersjahren niederschlagen, je besser es gelingt, Personen bis zum Frühpensionsalter in Beschäftigung zu halten. Die geplante Einschränkung des Tätigkeitsschutzes durch ein schrittweises Anheben des Mindestalters ist potentiell ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Zeitigt diese Maßnahme eine Reduktion der Zugänge in die Invaliditätspension, wird sich dadurch die Erwerbsquote in den Altersjahren unmittelbar vor dem Mindestalter für die vorzeitige Alterspension erhöhen. Damit ist eine größere Anzahl von Personen von der Anhebung des Mindestalters betroffen, wodurch mittelfristig ein stärkerer Effekt durch diese Anhebung zu erwarten ist. Auswirkungen des Tätigkeitsschutzes Das Mindestalter des Tätigkeitsschutzes liegt derzeit bei 57 Jahren. Das Stabilitätsgesetz 2012 sieht eine schrittweise Anhebung dieses Mindestalters auf 60 Jahre vor. Welche Auswirkungen können von dieser Maßnahme erwartet werden? Eine Analyse der Situation im Jahr 2010 zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit des Bezuges einer Invaliditätspension ab Alter 57 sprunghaft ansteigt. Im Jahr 2010 bezogen 10.8 Prozent aller Männer im Alter 56 eine Invaliditätspension. Der Tätigkeitsschutz lässt diesen Wert im Alter 57 um 3.5 Prozentpunkte ansteigen. Der Anteil Invaliditätspensionsbezüge bei den Frauen steigt aufgrund des Tätigkeitsschutzes ausgehend von 9.5 Prozent im Alter 56 um 2.9 Prozentpunkte an. Die detaillierte Analyse zeigt, dass der erhöhte Bezug von Invaliditätspension ab Alter 57 sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor allem zu Lasten geringerer Beschäftigung geht. Es ist daher davon auszugehen, dass die im Stabilitätsgesetz 2012 vorgesehene schrittweise Anhebung des Mindestalters für den Tätigkeitsschutz mittelfristig zu Beschäftigungsgewinnen in den Altersjahren zwischen 57 und 60 führen werden und die Neuzugänge in Invaliditätspension vor Alter 60 erheblich reduzieren werden. Dies wird einen wichtigen Beitrag leisten, das Pensionszugangsalter mittelfristig zu erhöhen. Bei Männern (nicht jedoch bei Frauen) wird es auch kurzfristig zu einer Zunahme des Zugangsalters kommen, da zurückgestellte Antritte von Invaliditätspensionen Personen betreffen, deren Zugangsalter unter dem derzeitigen durchschnittlichen Pensionszugangsalter liegt.

5 Ausblick und Schlussfolgerungen Die Pensionsreformen der Jahre 2000, 2003, 2004 sowie das Stabilitätsgesetz 2012 haben das Arbeitsmarktverhalten und das Ruhestandsverhalten älterer Personen in Österreich erheblich beeinflusst und werden die Anreize und Möglichkeiten in Pension zu gehen auch in den nächsten Jahren stark verändern. Die Zunahme der Beschäftigungsquote der 55-64jährigen Bevölkerung in den vergangenen 10 Jahren kann zweifellos als Erfolg gewertet werden. Dennoch kann dieser positive Trend nicht darüber hinwegtäuschen, dass Beschäftigungsquote älterer Personen in Österreich noch immer um mehr als 10 Prozentpunkte unter dem OECD Durchschnitt liegt. Nimmt man die Beschäftigungsquote der 55-64jährigen Bevölkerung in der Schweiz oder in den skandinavischen Ländern als Maßstab, so ergibt sich eine Lücke von 25 Prozentpunkten. Das bedeutet, ein erheblicher Teil des Arbeitskräftepotenzials älterer Personen ist in Österreich nicht ausgeschöpft. Die Beschäftigungserhöhung der 55-65jährigen Bevölkerung hat dazu geführt, dass das Pensionszugangsalter der 55-65jährigen Bevölkerung in den vergangenen 10 Jahren um etwa ein Jahr angestiegen ist. Soll das Pensionszugangsalter bis zum Jahr 2020 um weitere 2 Jahre steigen, ist eine Zunahme der Beschäftigungsquote der 5564jährigen um weitere 20 Prozentpunkte erforderlich. Angesichts der großen Beschäftigungslücke in dieser Altersgruppe erscheint dies im Prinzip möglich. Dies erfordert jedoch, dass sich die Beschäftigung der 55-64jährigen noch dynamischer entwickeln muss, als dies in den letzten 10 Jahren der Fall war. Dieses Ziel ist nur durch Maßnahmen zu erreichen, die älteren Beschäftigten verstärkte Anreize zum Verbleib in Beschäftigung bieten. Gleichzeitig müssen auch Firmen verstärkt veranlasst werden, ältere Arbeitnehmer länger zu beschäftigen. Schliesslich ist dieses Ziel nur dann zu erreichen, wenn es gelingt (durch Massnahmen wie die Anhebung des Mindestalters für den Tätigkeitsschutz), die Neuzuerkennungen bei Invaliditätspensionen vor dem Alter 60 erheblich zu reduzieren. Die geplanten Maßnahmen des Stabilitätspakets 2012, insbesondere die Einschränkung des Tätigkeitsschutzes, werden mittelfristig zu einer weiteren Zunahme der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in Österreich führen. Die bereits in der Pensionsreform 2000 implementierte Anhebung des Mindestalters der vorzeitigen Alterspension sowie die im Stabilitätsgesetz 2012 vorgesehenen Einschränkungen der Voraussetzungen für die Korridorpension werden zu einer weiteren deutlichen Zunahme der Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer führen. Das Pensionszugangsalter aller Altersgruppen ist in den vergangenen 10 Jahren trotz der Beschäftigungserfolge bei den 55-64jährigen (und späteren Pensionsantritten in dieser Altersgruppe) nicht angestiegen. Das ist in erster Linie auf vermehrte Neuzuerkennungen von Invaliditätspensionen bei jüngeren (unter 50jährigen) Personen zurückzuführen. Diese haben die positive Entwicklung bei

6 den 55-64jährigen konterkariert und nahezu vollständig neutralisiert. Es besteht Einigkeit darüber, dass Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration gesundheitlich beeinträchtigter jüngerer Personen wichtig und verstärkte Maßnahmen zur deren Förderung notwendig sind. Können gesundheitliche beeinträchtigte jüngere Personen im Arbeitsmarkt gehalten und der Bezug von Invaliditätspensionen stark zurückgedrängt werden, so kann das Pensionszugangsalter deutlich gesteigert werden. (Nimmt man die unter 50jährigen Pensionsneuzuerkennungen aus der Berechnung des Pensionszugangsalters zur Gänze heraus, beträgt das Pensionszugangsalter in 2010 bei Männern 60.7 Jahre anstatt 59.1 Jahre, und bei Frauen 58.7 Jahre anstatt 57.1 Jahre.)

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