Exkurs: Neuere Rechnungslegungsvorschriften und theoretische Bilanz

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1 Exkurs: Neuere Rechnungslegungsvorschriften und theoretische Bilanz USamerikanische Generally Accepted Accounting Principles (USGAAP) bzw. IFRS (International Financial Reporting Standards) Zweck: Bereitstellung von Informationen im Jahresabschluss, die für den Aktionär bzw. den Gläubiger entscheidungserheblich sind ( decision usefulness ) hier: Bewertung des Goodwills Der (derivative) Goodwill ist der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis P für die Eigentumsrechte des Unternehmens und der Summe der einzelnen Werte der ermögensgegenstände des Unternehmens abzüglich der übernommenen Schulden. Beispiel: Unternehmen erwirbt Unternehmen P = 4.000; Buchwert ermögensgegenstände 5.000; Schulden (erbindlichkeiten).700; Buchwert Eigenkapital.300; Unternehmen zahlt =.700 mehr als den Buchwert des Eigenkapitals für die Eigentumsrechte und übernimmt die Schulden in Höhe von.700. Der bezahlte Goodwill ist folglich.700!

2 Dieser Goodwill muss gemäß USGAAP vom erwerbenden Unternehmen aktiviert werden. Er gilt als selbständig bewertbarer ermögensgegenstand. Damit wird der gesamte gezahlte Kaufpreis P = aktiviert (Erstbewertung). Wie erfolgt die Bewertung des Goodwills in den Folgeperioden (Folgebewertung)? Der Financial Accounting Standard Board (FASB) argumentiert, dass ein Goodwill künftige erwartete Nettoeinzahlungen (benefits) reflektiert: Nur deshalb zahlt der Aufkäufer mit P = mehr als den Buchwert des Eigenkapitals (.300). Folglich darf der Goodwill nur dann niedriger bewertet werden, wenn sein Wert wegen niedrigerer benefits gefallen ist. Spätere Wertsteigerungen des Goodwill dürfen nicht erfasst werden. Die niedrigere Bewertung von Goodwill erfolgt formal über Abschreibungen auf den Goodwill: Abt(GW) = max{ 0,GWt GWt}. Beispiel: Die Eigentümer des kaufenden Unternehmens schätzen die Nettoeinzahlungen des Unternehmens so ein:

3 () () (3) (4) (5) (6) (7) Umsatzerlöse Betriebliche Aufwendungen Abschreibungen Zinsaufwendungen Reinvestitionen Tilgungen Ausschüttungen (7)=()()(4)(5)(6) ff F =.700; i = 0,08 0 v Alternativrendite der Eigentümer = 0,; BKW 0 (EK) = E 0 = 4.74 gezahlter Preis P 0 = = = ; GW0 =.700 Der Goodwill im Zeitpunkt 0 ist.700. Wie hoch ist Goodwill am Ende der Periode? Ist eine Abschreibung auf den Goodwill in Periode vorzunehmen? ) = Ab + I = = F =.700 (beachte:tilgung in t = ist Null) E = 4.74(,) 544 = 4.30,9 GW = E ( F ) = 4.30,9 ( ) =.730,9 EK = = Buchwert des ermögens in t = ; = Buchwert des ermögens in t = 0. Beide Angaben ohne Goodwill! ) 0 3

4 GW > GW 0 keine Abschreibung! Wertansatz ist unverändert, da Zuschreibung nicht zulässig ist! Bilanzvermögen am Ende der Periode 0 0 F GW E 0 a).300 b) Der Wert des Unternehmens für den Käufer wird nicht vollständig ausgewiesen, weil Käufer nur für die Eigentumsrechte bezahlt, er aber maximal 4.74 hätte bezahlen können. 4

5 Bilanzvermögen am Ende der Periode : GW F E Beachte: E = 4.00 < E = 4.30,9 ; der Wert des Unternehmens wird auch in t= nicht vollständig ausgewiesen. Die Abweichung entsteht, weil Zuschreibung zum Goodwill nicht zulässig ist. Wie hoch ist Goodwill am Ende der Periode? Ist eine Abschreibung auf den Goodwill vorzunehmen? = Ab + I = = 5.70 F =.700 (es erfolgt auch in t = keine Tilgung) E = 4.30,9 (,) 55 = 4.074,6 ( ) GW = E F = 4.074,6 ( ) =.604,6. GW p GW EK =.470 Jetzt ist eine Abschreibung notwendig Die Abschreibung beträgt Ab (GW) = ,6=95,4. 5

6 Das Bilanzvermögen sieht nach Abschreibung so aus: GW 5.70,0.604,6 F E.700, , , ,6 Jetzt weist die Bilanz den korrekten investitionstheoretischen Wert des Eigenkapitals E aus. Die Bilanzsumme signalisiert immer dann den Wert des Unternehmens bei Fortführung, wenn der Buchwert des Goodwills durch eine Abschreibung korrigiert worden ist. Ungenau ausgewiesen wird, wenn der Käufer weniger als den maximalen Grenzpreis bezahlt, E t beim Goodwill Zuschreibungen erfolgen müssten (die nicht zulässig sind) bzw. kein Goodwill vorliegt bzw. der Goodwill bereits voll abgeschrieben ist und weitere Minderungen des Wertes des Eigenkapitals deshalb nicht kenntlich gemacht werden können. 6

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