Mehr Durchlässigkeit wagen Berufsbildung, Hochschule, Weiterbildung

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1 Prof. Dr. Andrä Wolter Mehr Durchlässigkeit wagen Berufsbildung, Hochschule, Weiterbildung Beitrag zur Tagung Hochschule öffne Dich! Wie decken wir den Fachkräftebedarf der Zukunft? Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Berlin, 16. Juni 2010

2 Erste These: Durchlässigkeit zur Hochschule beinhaltet mehr als das Verhältnis von Berufsbildung, Hochschule und Weiterbildung! Der zukünftige Fachkräftebedarf erfordert eine Öffnung der Hochschule auf verschiedenen Wegen und für verschiedene Gruppen unter Einschluss der beruflichen (Weiter-) Bildung. 2

3 Zweite These: Für das Ziel höheres Absolventenangebot bzw. mehr hochqualifizierte Fachkräfte gibt es grundsätzlich vier Wege. Erweiterung des Studienberechtigtenpotenzials (Zahl/Anteil der Personen mit Studienberechtigung) Höhere Ausschöpfung des Studienberechtigtenpotenzials für eine Studienaufnahme Höhere Studienerfolgsquote, Verringerung der Drop-out-Quote Stärkere Attraktion von Studierenden aus dem Ausland ( Bildungsausländer/innen ) bei veränderter Migrationspolitik 3

4 Dritte These: Aktivierungspotenziale für ein Studium ( Begabungsreserven ) liegen insbesondere in folgenden Gruppen: Jugendliche, die keine Studienberechtigung erwerben, obgleich sie von ihren kognitiven Kompetenzen dazu in der Lage wären Jugendliche aus bildungsfernen Familien Jugendliche aus Familien mit (best.) Migrationshintergrund Studienberechtigte, die keinen Hochschulabschluss erwerben ( Frauen; Studienberechtigte aus bildungsfernen Herkunftsfamilien; Abbrecher ) Nicht-traditionelle Studierende (mit berufl. Qualifikation, aber ohne schulische Studienberechtigung 3. Bildungsweg ) Weiterbildungsstudierende 4

5 Vierte These: Lösungsansätze dafür liegen nicht allein in hochschulpolitischen Maßnahmen (Zugang, Studienverlauf, Studienfinanzierung), sondern mehr noch im Bereich der Schul- und Berufsbildungspolitik. Insbesondere die bildungshistorische Erbschaft, institutionell strikt zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung zu unterscheiden (Baethge: Bildungsschisma ), muss überwunden werden. 5

6 Fünfte These: Im Blick auf das Verhältnis von Berufsbildung, Hochschule und Weiterbildung sind folgende Maßnahmen wichtig: Noch stärkere Öffnung des Hochschulzugangs für qualifizierte Berufstätige durch flexible Zulassungsverfahren Flexible Anrechnungs- und Anerkennungsverfahren für vorakademische primär, aber keineswegs allein berufliche Kompetenzen ( recognition of prior learning ) Ausbau flexibler Studienangebote an den Hochschulen (Teilzeitstudium, Fernstudium, web-basiertes Studium) Stärkeres Engagement der Hochschulen in der Weiterbildung und Öffnung weiterbildender Angebote für Interessenten ohne ersten Hochschulabschluss 6

7 Relative Chancen des Sekundarschulbesuchs in Abhängigkeit von der Sozialschichtzugehörigkeit (Verhältnisse der Beteiligungschancen, odds ratios)* Sozialschicht der Bezugsperson (EGP-Klassen) 1) Bildungsgang (Referenz: RS; Referenz für die SO: HS) Hauptschule Gymnasium Integrierte Gesamtschule Sonderschule Modell 2) Modell 2) Modell 2) Modell 2) I II III I II III I II III I (I) Obere Dienstklasse (III) Routinedienstleistungen.49 ns.55 ns.71 ns (II) Untere Dienstklasse (IV) Selbstständige.46 ns.54 ns.62 ns ns ns (V, VI) Facharbeiter Referenzklasse (odds=1) (VII) An- und ungelernte Arbeiter ns ns ns ns * Nur statistisch signifikante Befunde ausgew iesen. 1) Angabe des Vaters, w enn diese fehlt, für die Mutter/ deren Ersatzperson; fehlende Angaben für 3,1% der Familien imputiert. 2) Modell I: Ohne Kontrolle von Kovariaten; Modell II: Kontrolle von kognitiven Grundfähigkeiten; Modell III: Kontrolle von kognitiven Grundfähigkeiten und Lesekompetenz. Quelle: Deutsches PISA-Konsortium (2001), "PISA

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12 Entwicklung des Frauenanteils der einzelnen Fächergruppen von , in Deutschland (in %) Quelle: Jahn/Lenz/Wolter

13 Entwicklung der Fächerstrukturquoten von , in Deutschland* (in %) Quelle: Jahn/Lenz/Wolter

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15 Studierende mit beruflicher Ausbildung, nach Hochschulart *, in % Quelle: DSW/HIS 18. Sozialerhebung; * ab 2006 inkl. Bildungsinländer/-innen 15

16 Anteil der Hochschulen am Weiterbildungsmarkt in Deutschland, (Teilnahmefälle in %) Quelle: BSW

17 Beteiligung von (Fach-) Hochschulabsolventen an Hochschulweiterbildung, (Teilnahmefälle, in %) Quelle: BSW

18 Häufigste Institutionen, an denen sich (Fach-) Hochschulabsolventen weiterbilden, (Teilnahmefälle in %) Quelle: BSW

19 19

20 Berufsbegleitendes Studieren: Erforderliche Differenzierungen I (1) Berufsbegleitende Studiengänge in der akademischen Erstausbildung (2) Teilzeitstudium: de facto-studierverhalten oder organisiertes Angebot (3) Berufsbegleitendes Studium in der akademischen Weiterbildung 20

21 Berufsbegleitendes Studieren: Erforderliche Differenzierungen II (4) Doppelte Bedeutung von berufsbegleitend : bloße Parallelität oder inhaltliche Abstimmung von Erwerbstätigkeit und Studium (5) Duale Studienangebote Berufsausbildung und Studium (2 Lernorte) (6) Sonstige flexible Studienangebote (Fernstudium, mixed-mode, virtuelle Hochschulen) 21

22 Erststudium und weiterbildendes Studium Grenzen verschwimmen! - I (1) Traditionelles Verständnis von akadem. Weiterbildung an Hochschulen als postgraduale Weiterbildung (2) Konsequenz: Erststudium Weiterbildung (3) Traditioneller linearer Verlaufstyp: Schule/Gymnasium (Erst-) Studium akademische Berufstätigkeit Weiterbildung (4) Nicht neu, aber immer noch zu wenig beachtet: Diversifizierung biographischer Verläufe, die diesem Typ immer weniger entsprechen (5) Veränderter Biographietyp: Erststudium als Weiterbildung (bei vorangegangener beruflicher Qualifizierung) 22

23 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 23

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