Betriebswirtschaftliche Blätter FACHZEITSCHRIFT

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1 Prüfung der Gesamtbanksteuerung Interne Revision braucht externe Profis von Peter Bollmann, Oliver Hansen Die Ansprüche der Bankenaufsicht an Vorstände, ihre Risiken aufzudecken und zu managen, wachsen. Deshalb scheint es erforderlich, für die Prüfung der Gesamtbanksteuerung die Interne Revision durch externe Fachleute zu unterstützen. Qualitative und wirtschaftliche Aspekte gehen dabei Hand in Hand. In vielen Sparkassen wird diskutiert, ob es gut ist, bestimmte Aufgaben der Internen Revision an externe Berater auszulagern. (Peter Himsel) Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) sind in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen der Finanzkrise von der Bankenaufsicht laufend weiterentwickelt und verfeinert worden. Seit der dritten Novellierung stehen erweiterte Anforderungen an Stresstests, das Liquiditätsmanagement, Risikokonzentrationen und Diversifikationen sowie an die Geschäfts- und Risikostrategie im Fokus der Aufsicht. Kreditinstitute müssen nun auch inverse Stresstests durchführen und Inter-Risikokonzentrationen managen, die risikoartenübergreifend wie das Adressen- und Marktpreisrisiko wirken. Das hat zwangsläufig Konsequenzen für Revision und ihre Prüfungen. Die Umsetzung der zahlreichen qualitativen Änderungen stellen viele Kreditinstitute und damit auch manche Sparkasse vor große Herausforderungen. Doch liegt es in der Verantwortung des Vorstands und ist Teil seiner Pflicht für eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation zu sorgen und die Aufsichtsanforderungen angemessen zu erfüllen. In diesem Zusammenhang gehört es zum Selbstverständnis einer modernen Internen Revision, ihre Funktion als Instrument des Vorstandes wahrzunehmen. Zudem hat sie den Anspruch an sich selbst, bei externen Prüfungen ihre Leistungsfähigkeit bestätigen zu lassen. Dazu muss die Interne Revision in den existenziell wichtigen Veränderungsprozess, der durch neue oder geänderte aufsichtsrechtliche Anforderungen ausgelöst wird, frühzeitig eingebunden sein und durch regelmäßige Prüfungshandlungen die nachhaltige Einhaltung der auf Seite 1

2 sichtsrechtlichen Anforderungen unterstützen. Dies fordern auch die MaRisk. Das Thema Prüfung der Gesamtbanksteuerung als Bestandteil des Risikomanagements stellt angesichts der Komplexität der eingesetzten Steuerungssysteme und der bestehenden Wechselwirkungen der verschiedenen Risikoarten ein besonders anspruchsvolles Prüfungsfeld für die Interne Revision dar. Revisionsaufgaben Für die Begutachtung der Gesamtbanksteuerung bietet sich im ersten Schritt eine Systemprüfung an. Sie dient der Beurteilung der Prozesse im Hinblick auf ihre Zweckmäßigkeit, Ordnungsmäßigkeit und Angemessenheit. Ziel dieser Prüfung ist eine Aufstellung und Priorisierung von Prüfungsfeldern auf Detailebene als Grundlage für weitergehende Aufbauprüfungen (Prüfungsplanung). Als Themen für die initiierende Systemprüfung haben sich die folgenden Prüfungsfelder bewährt, die im Wesentlichen die Strategien sowie die Steuerung der Risiken und des Vertriebs im Fokus haben: übergreifende Prozesse Risikosteuerungssysteme Vertriebs- und Produktivitätssteuerung. Die übergreifenden Prozesse umfassen in einem Kreditinstitut: Strategien Risikotragfähigkeit Stresstests Risikohandbuch Risiko-Monitoring. Bei den Risikosteuerungssysteme stehen im Vordergrund das Management von: Adressenrisiken (Kredit-Portfolio, risikoadjustierte Preisgestaltung, Risikoklassifizierungsverfahren, Beteiligungen etc.) Marktpreisrisiken (barwertige Zinsbuchsteuerung, Zinsspannenrisiko, Depot A etc.) Liquiditätsrisiken (Liquiditätsliste, Zahlungsstrombilanz etc.) operationellen Risiken (Risikoinventur bzw. -landkarte, Schadensfalldatenbank etc.). Die Vertriebs- und Produktivitätssteuerung wiederum umfasst: Planungsprozesse (mittelfristige Unternehmens planung, Prognose- und Finanzplanung etc.) Vertriebs-Controlling und -steuerung Kostenmanagement Personal(risiko)management. Seite 2

3 Als Prüfungsschwerpunkt steht die Konsistenz der Systeme und Strategien genauso im Mittelpunkt wie die angemessene Berücksichtigung gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Vorgaben. Die Prüfungshandlungen sollten daneben aber auch noch weitere Aspekte berücksichtigen wie: institutsindividuelle Vorgaben internes Kontrollsystem (IKS) Datenermittlung und -bereitstellung Berichterstattung diverse Parameter alle Anwendungen Mitarbeiterqualifikationen Dokumentation externe und interne Kommunikation. Eine solche umfassende Prüfung der Gesamtbanksteuerung verschafft einem Institut viele Vorteile. Vorstand und Fachbereich erhalten beispielsweise regel mäßig Hinweise zur Optimierung der Strategieentwicklung, Konsistenz der Methoden untereinander und zur Bewertung der Inter- und Intra-Risikokonzentrationen. Auf Grundlage der durchgeführten Priorisierung der Prüfungsfelder werden die Themen risikoorientiert im Rahmen von Aufbauprüfungen detaillierter untersucht. Beispiel Zinsänderungsrisiko Exemplarisch werden im Folgenden für die Prüfung des Zinsänderungsrisikos das Prüfungsziel und die typischen Prüfungsschwerpunkte dargestellt. Prüfungsziel sollte die Beurteilung der Zweckmäßigkeit, Ordnungsmäßigkeit und Angemessenheit der Messung und Steuerung des Zinsänderungsrisikos sein. Typische Prüfungsschwerpunkte sind dabei grundlegend: Zuständigkeiten bzw. Verantwortlichkeiten fachliches Know-how Organisationsrichtlinien und Risikohandbuch technische Aspekte. Ein weiterer Schwerpunkt ist die strategische Ausrichtung eines Instituts, vor allem die Konsistenz der Risikostrategie mit der Geschäftsstrategie und der Risikotragfähigkeit. Geprüft werden dabei: Rahmenbedingungen Verfahren der Risikomessung Konditionenparameter (Mischungsverhältnisse Gleitender Durchschnitte etc.) Zins- und Strukturszenarien Limitsystem einschließlich Benchmarks. Seite 3

4 Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Prüfungsschwerpunkt der Datenaufbereitung und -auswertung bzw. der Risikoquantifizierung. Dazu bedarf es vor allem der Beurteilung des Internen Kontrollsystems und der Dokumentation sowie deren Nachvollziehbarkeit. Schließlich steht im Brennpunkt der Prüfung auch die Risikosteuerung in Gestalt von: Reporting-Prozessen Zinsrisikokoeffizienten Information des Verwaltungsrats. Diese Skizze zeigt, dass es sich nicht nur um ein anspruchsvolles, sondern auch um ein umfangreiches Themengebiet handelt, das regelmäßig von der Internen Revision untersucht werden muss. Die Notwendigkeit jährlicher Prüfungen der Gesamtbanksteuerung wird allein dadurch deutlich, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen bei Fehlsteuerungen durch fehlerhafte bzw. unvollständige Bewertungen oder Interpretationen für ein Kreditinstitut existenzbedrohend sein können. Anforderungen an Revisoren Externe Partner sollen künftig nachhaltig für die Prüfung der Gesamtbanksteuerung eingebunden werden. (berwis / pixelio) Die MaRisk fordern ein wirksames Risikomanagement, das vom Kapitalplanungsprozess bis zur Risikotragfähigkeit und von Szenarioanalysen bis zu den Sicherungsinstrumenten reichen muss. Die Revison muss zu diesen Themen eine unabhängige, qualifizierte Bewertung abgeben, Schwachstellen aufzeigen und Optimierungsvorschläge unterbreiten können. Um einer solchen Anforderung gerecht werden zu können, ist es wichtig, dass die Prüfer auf Augenhöhe mit dem Fachbereich agieren. Ein Revisor im Bereich Gesamtbanksteuerung sollte daher sowohl fachlich als auch persönlich ein qualifiziertes Anforderungsprofil aufweisen. Neben der Kenntnis aufsichtsrechtlicher Anforderungen und betriebswirtschaftlicher Wirkungszusammenhänge muss er auch finanzmathematische Darstellungen nachvollziehen und zumindest einer Plausibilitätsbetrachtung unterziehen können. Seite 4

5 Da die Ermittlung der Risikokennzahlen in der Regel nur noch über entsprechende IT-Anwendungen des Rechenzentrums möglich ist, muss der Revisor auch über grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Informationstechnologie verfügen, vor allem über die Programmeinsatzverfahren, die vergebenen Benutzerberechtigungen zur Einhaltung der Funktionstrennung und über die Einbindung der Anwendungen in die Notfallplanung. Die zentrale Verantwortung für die Gesamtbanksteuerung obliegt nach AT 3 der MaRisk dem Vorstand. Der Fachbereich steht im ständigen Austausch mit dem Vorstand und genießt erfahrungsgemäß ein hohes Ansehen. Daher ist es erforderlich, dass der Revisor nicht nur fachlich versiert ist, sondern auch als Persönlichkeit das notwendige Vertrauen des Vorstands findet. Wenn der Revisor fachliche Qualifikation und Persönlichkeit mitbringt, finden seine Hinweise zu Schwachstellen und Optimierungsvorschläge auch die entsprechende Akzeptanz. Das notwendige Wissen kann naturgemäß nicht von heute auf morgen erworben werden. Externe Unterstützung Für das komplexe Prüfungsfeld der Gesamtbanksteuerung greifen Vorstand und Revision von immer mehr Instituten mittlerweile auf die Zusammenarbeit mit externen, darauf spezialisierten Prüfern zurück. Ein externer Prüfer hat mit seinen Fachkenntnissen eine unverklärte Außensicht und kann daher Systemauffälligkeiten, Schnittstellenprobleme und strategisch konträre Verhaltensweisen unvoreingenommen aufspüren. Die Vorgehensweise eines externen Prüfers orientiert sich zudem stärker als die eines Unternehmensberaters an der Methodik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Rahmen der Prüfungen nach 44 Kreditwesengesetz (KWG). Auf diese Weise wird eine höhere Prüfungsfestigkeit gegenüber der Aufsicht erreicht. Eine Rolle spielt dabei auch, dass der Internen Revision natürgemäß Genzen gesetzt sind, einen institutsübergreifenden Vergleich zu ziehen. Natürlich hat auch eine Zusammenarbeit mit externen Prüfern auch Grenzen. Ein Externer kann eine Sparkasse nie so gut kennenlernen wie ein interner Revisor. Daher bleibt eine solche Erweiterung der Mitarbeiterkapazitäten immer nur eine Ergänzung zur Internen Revision. Unabhängig davon muss der Einsatz externer Prüfer gerade im Bereich der Prüfung der Gesamtbanksteuerung strategisch ausgerichtet sein. Eine Revisionsgesellschaft wie die s-consit GmbH kann Instituten bei der Qualifzierung ihrer Mitarbeiter durch Coaching und Prüfungsbegleitung unterstützen sowie durch einen thematisch variierenden Einsatz die Außensicht und den institutsübergreifenden Vergleich gewährleisten. Über die Prüfungsplanung ist eine solche Einbindung problemlos darstellbar. Außerdem wirkt sich eine derartige Zusammenarbeit auch risikomindernd aus, da die Interne Revision im Vertretungs- und Fluktuationsfall mit dem externen Partner über eine Backup-Lösung für Prüfungsfelder verfügt, die über die Gesamtbanksteuerung hinausgehen. Fazit Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Kreditinstitute werden auch künftig steigen. Dabei wird das Management der Risiken wie bisher einen hohen Stellenwert einnehmen. Für die Interne Revision ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit diesen Themen. Dafür sprechen nicht nur die Anforderungen der BaFin, sondern auch die Risiken der Bankgeschäfte selbst. Zur systematischen Erschließung dieses Prüfungsfeldes bieten sich Basis- und darauf aufbauend Aufbauprüfungen an. Dafür bietet es sich nicht nur an, einen externer Partner nachhaltig für die Prüfung der Gesamtbanksteuerung einzubin Seite 5

6 den, sondern erscheint aus Sicht der Autoren häufig unverzichtbar. Dafür sprechen die ständig wachsenden Anforderungen an die Interne Revision und die zunehmenden Probleme, Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation bzw. Potenzial am Arbeitsmarkt zu finden und langfristig in der Sparkasse zu halten. Autoren Peter Bollmann ist Geschäftsführender Gesellschafter der s-consit GmbH in Bad Oldesloe. Oliver Hansen ist Bereichsleiter Revision und Prokurist. Seite 6

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