LVI Lehrerverhaltensinventar (Autorenbeschreibung) [PSYTKOM-Dok.-Nr. 0324]

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1 1/6 LVI Lehrerverhaltensinventar (Autorenbeschreibung) [PSYTKOM-Dok.-Nr. 0324] Lukesch, H., Haenisch, H., Kischkel, K.H. & Fend, H. (1982). Lehrerverhaltensinventar. LVI (Bericht Nr. 10) Regensburg: Institut für Psychologie. Copyright: Prof. Dr. Helmut Lukesch, Institut für Experimentelle Psychologie, Universität Regensburg, D Regensburg. Testkonzept Theoretischer Hintergrund Testaufbau Items Testkonstruktion Gütekriterien Objektivität Reliabilität Validität Normierung Durchführung Testformen Altersbereiche Durchführungszeit Material Instruktion Durchführungsvoraussetzungen Auswertung Auswertungsmodus Auswertungshilfen Auswertungszeit Anwendungsmöglichkeiten Bewertung Literatur Bearbeitung Testkonzept Theoretischer Hintergrund Das LVI ermöglicht es, Lehrerverhalten (affektive Bezüge und Unterrichtsqualität) über die Einschätzung durch die Schüler zu erfassen. Es wird mit dem Verfahren der Versuch unternommen, die wichtigsten Ergebnisse aus der Lehrereffektivitätsforschung in wenigen überschaubaren Dimensionen abzubilden. Das Verfahren ist im Rahmen der Konstanzer Untersuchungen zum Vergleich von Gesamtschule und gegliedertem Schulsystem entwickelt worden und erfüllte dabei den Zweck, den Variablenpool zur Erklärung von Schulleistungsunterschieden anzureichern. Testaufbau Die vier Subskalen zu je 10 Items sollen wichtige Aspekte des Lehrerverhaltens (aus der Schülerperspektive) erfassen. Als Antwortmodus zu den meist bipolar formulierten Items ist jeweils eine fünfstufige Likert-Skala (zum Ankreuzen) vorgegeben (Antwortmöglichkeiten: 1 = "Der Satz trifft genau zu" bis 5 = "Der Satz ist völlig falsch"). Es werden die folgenden Verhaltensdimensionen angesprochen:

2 Skala 1: Strukturiertheit vs. Unstrukturiertheit. Beispielitem: 22 Unser Lehrer/Unsere Lehrerin... fasst häufig noch einmal den Stoff zusammen, damit wir ihn uns gut merken können... fasst nur sehr selten den Stoff zusammen Skala 2: Strenge vs. Schülerorientierung. Beispielitem: 24 Unser Lehrer/Unsere Lehrerin... schimpft häufig mit uns, wenn wir falsche Antworten geben... schimpft nicht mit uns, wenn wir falsche Antworten geben Skala 3: hoher Überblick (Monitoring) vs. geringer Überblick über das Klassengeschehen. Beispielitem: 1 Unser Lehrer/Unsere Lehrerin... merkt sofort, wenn ein Schüler im Unterricht nicht aufpasst... merkt selten, wenn ein Schüler im Unterricht nicht aufpasst Skala 4: Zeitverschwendung vs. Zeitnutzung. Beispielitem: 35 Ich habe das Gefühl, dass wir im Unterricht häufig Zeit vertrödeln Items Unser Lehrer/Unsere Lehrerin 1... merkt sofort, wenn ein Schüler im Unterricht nicht aufpasst... merkt selten, wenn ein Schüler im Unterricht nicht aufpasst 2... sagt uns häufig, dass wir es nie schaffen werden... sagt uns häufig, dass wir es schon schaffen werden 3... sagt uns ausführlich, wie die Hausaufgaben zu machen sind... gibt die Hausaufgaben immer rasch am Schluss der Stunde 4... erklärt es uns zusätzlich noch einmal an der Tafel, wenn wir etwas nicht verstanden haben... geht meist mit dem Stoff weiter, auch wenn wir ihn noch nicht ganz verstanden haben 5... macht einzelne Schüler vor der Klasse lächerlich... macht nie jemanden lächerlich 6... unterbricht häufig sofort den Unterricht, wenn er/sie sieht, dass auf dem Boden Papier herumliegt... lässt sich nicht stören, wenn einmal auf dem Boden Papier herumliegt 7... wartet bei einer Frage, bis sich viele Schüler gemeldet haben... nimmt sofort einen Schüler dran, der sich meldet 8... nörgelt oft an uns herum... nörgelt nie an uns herum 9... geht im Stoff immer genau Schritt für Schritt vor... erklärt häufig alles auf einmal und erwartet, dass wir alles sofort können weiß immer genau, was in der Klasse vor sich geht... merkt nicht, was in der Klasse vor sich geht geht häufig sofort mit dem Unterricht weiter, ohne sich um Kinder zu kümmern, die sich gerade noch melden wollten... wartet so lange, bis keine Fragen mehr kommen führt angekündigte Maßnahmen stets konsequent durch... hält selten, was er/sie verspricht wiederholt einen Stoff, wenn wir ihn nicht verstanden haben... geht mit dem Stoff weiter, auch wenn wir ihn nicht verstanden haben drückt sich immer verständlich aus... drückt sich meist unverständlich aus 2/6

3 15... sagt immer, was in der nächsten Zeit im Unterricht gelernt wird... sagt nie, was als nächstes im Unterricht gelernt wird achtet sehr darauf, dass wir immer aufpassen... achtet kaum darauf, ob wir aufpassen lässt uns genügend Zeit bei den Aufgaben... lässt uns wenig Zeit bei den Aufgaben weiß genau, was er/sie will... weiß selbst nicht, was er/sie will merkt sofort, wenn ein Schüler im Unterricht nicht mitkommt... merkt selten, wenn ein Schüler im Unterricht Schwierigkeiten hat erklärt uns immer ganz genau, was wir tun müssen... erklärt uns selten genau, was wir tun müssen weiß sofort genau, bei welchen Aufgaben wir Schwierigkeiten haben... merkt erst später, bei welchen Aufgaben wir Schwierigkeiten haben fasst häufig noch einmal den Stoff zusammen, damit wir ihn uns gut merken können... fasst nur sehr selten den Stoff zusammen merkt sofort, wenn wir vergessen haben, etwas zu lernen... merkt selten, wenn wir vergessen haben, etwas zu lernen schimpft häufig mit uns, wenn wir falsche Antworten geben... schimpft nicht mit uns, wenn wir falsche Antworten geben wiederholt am Anfang der Stunde häufig noch einmal, was wir in der letzten Stunde durchgenommen haben... wiederholt selten den Stoff der letzten Stunde weist Schüler zurecht, ohne den Unterricht zu unterbrechen... unterbricht häufig den Unterricht, wenn er/sie einen Schüler zurechtweist gibt uns häufig zu schwere Aufgaben, die wir noch nicht durchgenommen haben und noch nicht können... weiß vorher genau, ob ein Stoff zu schwierig für uns ist verteilt viele Strafen... versucht es mit uns ohne große Strenge schreit häufig mit uns herum... schimpft nie mit uns droht uns häufig... droht uns nie Im folgenden findest Du eine Reihe von Sätzen, die sich auf die Einschätzung des gerade beurteilten Lehrers beziehen. Du sollst jeden Satz durchlesen und kurz überlegen, ob die Feststellung zutrifft oder ob sie nicht zutrifft. Dann sollst Du bei jedem Satz die danebenstehende Zahl ankreuzen, die Deiner eigenen Meinung am ehesten entspricht. Die Zahlen bedeuten: Der Satz trifft genau zu 1 Der Satz ist eher richtig als falsch 2 3/6

4 4/6 Ich bin unentschieden, bzw. ich weiß nicht 3 Der Satz ist eher falsch als richtig 4 Der Satz ist völlig falsch 5 31 Bei uns wird der Unterricht häufig durch Lärm und Unordnung gestört 32 Bei uns fehlt meistens bei irgendjemandem etwas, wenn wir anfangen sollen zu arbeiten 33 Es dauert bei uns meist sehr lange, bis alle Schüler zur Arbeit bereit sind 34 In den meisten Schulstunden schleppt sich der Unterricht langsam und mühsam dahin 35 Ich habe das Gefühl, dass wir im Unterricht häufig Zeit vertrödeln 36 Der Unterricht beginnt bei uns häufig unpünktlich 37 Bei uns arbeiten meist nur wenige Schüler im Unterricht mit 38 Bei uns reitet der Lehrer zu lange auf demselben Lehrstoff herum 39 Bei uns dauert es zu Beginn der Stunde lang, bis die Schüler ruhig werden und zu arbeiten beginnen 40 Bei uns wird von den Schülern oft Unsinn getrieben Bitte überprüfe noch einmal, ob Du alle Fragen beantwortet hast! Testkonstruktion Von ursprünglich 97 für viele empirische Befunde effektiven Lehrerverhaltens formulierten Items, die sich durch inhaltliche Vorstrukturierung neun Bereichen zuordnen ließen, wurden auf der Grundlage differentieller Itemanalysen zunächst sechs und dann vier Skalen mit insgesamt 40 Items herausgelöst. Im letzten Schritt wurden die Skalen "Erklärungen" und "demokratisches Verhalten" wegen der hohen Korreliertheit und damit Redundanz zur Skala "Strukturiertheit" eliminiert. Die Auswahl der Items erfolgte nach dem Prinzip, dass alle die Items ausgeschieden wurden, die hinsichtlich des inhaltlichen Bereiches nicht trennscharf waren, die hohe Trennschärfen zu mehreren inhaltlichen Bereichen aufwiesen und die zu Skalen gehörten, die sehr hoch mit den vier Skalen korreliert waren. Die Analyse- und Eichstichprobe (Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien in Nordrhein- Westfalen, Gesamtschulen in Hessen und Nordrhein-Westfalen) umfasste ca. N = 5000 Schüler des 6. und 9. Schuljahres aus insgesamt 168 Klassen. Analyseergebnisse (Mittelwerte, Standardabweichungen, standardisierte Mittelwerte, Trennschärfekoeffizienten) liegen für jedes der 40 I- tems getrennt für das 6. und 9. Schuljahr sowie getrennt für die Einschätzung von Mathematikund Englischlehrern vor. Für alle vier Skalen sind die Trennschärfekoeffizienten als sehr zufriedenstellend zu bezeichnen; je nach Skala liegen sie zwischen r it =.43 und.70 und sind dabei über die einzelnen Substichproben hinweg sehr konsistent. Skaleninterkorrelationen liegen getrennt für die beiden Schuljahre sowie untergliedert nach verschiedenen Schulformen vor. Gütekriterien Objektivität Durchführung und Auswertung des Verfahrens sind weitgehend standardisiert und ermöglichen eine objektive Anwendung des Fragebogens. Reliabilität Die Reliabilitäten der vier Skalen (nach Hoyt) sind über die verschiedenen Substichproben hinweg sehr konsistent. Mit Ausnahme der Skala "Monitoring" (rtt =.84 bis.80) bewegen sich die Koeffizienten zwischen rtt =.84 und.88. Validität Zum Bereich der empirischen Validität liegen zahlreiche Befunde vor, die eine gute Einordnung der Skalen ermöglichen. Hinsichtlich der Übereinstimmungsvalidität sind hier die Korrelationen mit den Skalen Unterstützung und Strenge von Heinrich (1974) zu nennen, die durchweg auf substantielle Zusammenhänge hinweisen (für die beiden korrespondierenden Strengeskalen ergibt sich

5 beispielsweise ein durchschnittlicher Zusammenhang von r =.50). Da die Skalen von Heinrich ausschließlich affektive Aspekte beinhalten, kann aufgrund der Zusammenhänge davon ausgegangen werden, dass affektive Aspekte sehr eng mit der didaktischen Qualität des Unterrichts verbunden sind. Als weitere Validitätsbelege sind zu nennen: - die Sensitivität des LVI in der Erfassung von Schulformunterschieden; - die Zusammenhänge mit affektiven Merkmalen der individuellen Schülersituation (Wohlfühlen beim Lehrer, Angebotsnutzung, Fachbeliebtheit, Fachschwierigkeit, kumulative Defizite, Angst bei mündlichen Prüfungen, Angst bei Klassenarbeiten), die sowohl mit der Analyseeinheit "Schüler" als auch mit der Analyseeinheit "Schulklasse" substantiell und plausibel sind. - die vielen signifikanten Zusammenhänge mit den Schulleistungen (Schulleistungstests und Noten in Englisch und Mathematik), die teilweise stark wechselnde, teilweise auch erstaunlich hohe Werte aufweisen (sowohl auf Schüler- als auch auf Klassenebene) und die damit darauf hindeuten, dass die zwischen Schülern und Schulklassen nachweisbaren Leistungsunterschiede auch durch den Faktor "Lehrer" determiniert sind. Normierung Itemspezifische Normierung: Für jedes der 40 Items sind für den 25. und 75. Prozentrang die Mittelwerte (bezogen auf die fünfstufige Skala) aufgeführt. Diese Einteilung ermöglicht es dem Lehrer, nach der itembezogenen Mittelung der Schülerangaben seiner Klasse abzuschätzen, bei welchen Items er von der normalen Bandbreite seiner Kollegen abweicht. Die Normierung wurde getrennt für das 6. und 9. Schuljahr vorgenommen (das 5. und 7. Schuljahr wird wie das 6., das 8. und 10. wie das 9. bewertet). Skalenspezifische Normierung: Für jede der vier Skalen liegen getrennt für das 6. und 9. Schuljahr (die Schuljahre 5, 7, 8 und 10 werden wie oben gehandhabt) Prozentrangnormen, T-Werte und Staninewerte vor. Die Eichung beruht auf den genannten Stichproben, deren Untersuchung 1978 erfolgte. Durchführung 5/6 Testformen Es liegt nur eine Testform vor, die im Gruppentest angewendet wird. Altersbereiche Das LVI kann in den Klassenstufen 5 bis 10 eingesetzt werden, aber auch über diese Schuljahre hinaus ist ein Einsatz denkbar. Durchführungszeit Als Durchführungszeit müssen etwa 20 Minuten veranschlagt werden. Material Neben den Testbögen sind keine besonderen Materialien erforderlich. Instruktion Im Hinblick auf die Durchführungsanweisungen, insbesondere was das Verhalten des Lehrers sowie die Instruktion betrifft, liegen detaillierte Hinweise vor, die möglichst genau eingehalten werden sollten. Außerdem werden an einem Übungsbeispiel den Schülern die Ankreuzmodalitäten erläutert. Durchführungsvoraussetzungen Das Verfahren kann vom Lehrer selbst durchgeführt werden. Eine intensive Einarbeitung ist nicht erforderlich.

6 6/6 Auswertung Auswertungsmodus Auf dem Auswertungsblatt werden für jedes Item die Schülerangaben für die einzelnen Itemkategorien abgestrichelt, damit Itemmittelwerte und Skalenrohwerte bestimmt werden können. Auswertungshilfen Ein Auswertungsbeispiel dient zur Veranschaulichung der vorzunehmenden Prozeduren. Außerdem wird anhand von vier ausführlich dargestellten Beispielen die Interpretation von LVI- Ergebnissen illustriert. Auswertungszeit Die Auswertung für einen Klassensatz (30 Schüler) beträgt etwa eine Stunde. Anwendungsmöglichkeiten Mit Hilfe des LVI kann der Lehrer von seinen Schülern Rückmeldungen zu seinem Unterrichtsverhalten bekommen und auf diese Weise Aufschluss über eventuell änderungsbedürftige Gewohnheiten, aber auch Bestätigungen für als richtig und erstrebenswert eingeschätzte Verhaltensweisen erhalten. Der Vorteil des LVI gegenüber Rückmeldungen anderer Art besteht in der objektiven Auswertung und im Vergleich der auf die eigene Person bezogenen Daten mit denen anderer Lehrer. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind bspw. angezeigt bei der Überprüfung von Trainingsprogrammen zur Schulung von Lehrern; Beratungsanlässen, um das Lehrerbild eines individuellen Schülers zu erfassen; Forschungsunternehmen zur Erfassung des Lehrerfaktors und der Unterrichtsqualität. Gegenüber dem Verfahren von Masendorf, Tücke, Kretschmann und Bartram (1976), das auf einen ähnlichen Anwendungsbereich zielt, hat das LVI den Vorteil, dass es außer den affektiven Bezügen bzw. den diesen zugrunde liegenden Bekräftigungssystemen, vor allem die unterrichtsmethodische Qualität des Lehrerverhaltens erfasst. Bewertung Die Normierung des Verfahrens könnte durch den expliziten Einbezug von weiteren Klassenstufen verbessert werden. Eine Überprüfung der Effektivität von Trainingskursen für Lehrer anhand des LVI steht noch aus. Literatur Haenisch, H., Lukesch, H., Klaghofer, R. & Krüger-Haenisch, E.M. (1979). Gesamtschule und dreigliedriges Schulsystem in Nordrhein-Westfalen - Schulleistunsvergleiche in Deutsch, Mathematik, Englisch und Physik. Paderborn: Schöningh. Heinrich, H.C. (1974). Skalen zur Erfassung von Formen der Bekräftigung in der Erziehung durch Lehrer. Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie, 21, Masendorf, F., Tücke, M., Kretschmann, R. & Bartram, M. (1976). Dortmunder Skala zum Lehrerverhalten. DSL. Braunschweig: Westermann. Bearbeitung Hans Haenisch/

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