Collax Bandbreitenmanagement

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1 Collax Bandbreitenmanagement Howto Dieses Howto beschreibt das Vorgehen zur Einrichtung des Bandbreitenmanagements auf dem Collax Server. Voraussetzungen Collax Security Gateway Collax Business Server oder Collax Platform Server inkl. Collax Modul Advanced Networking Einleitung Wenn mehrere Anwendungen aus Ihrem lokalen Netzwerk heraus Datenpakete über den Collax Server in ein anderes Netz etwa das Internet schicken, werden diese Pakete in der Reihenfolge, in der sie auf dem Collax Server eintreffen, über den externen Link gesendet. Dies ist in der Regel genau richtig, jedoch kann dabei eine einzelne Anwendung etwa bei einem Download die gesamte Bandbreite des externen Links verbrauchen, was dazu führt, dass die Daten der anderen Anwendungen beispielsweise einer Login-Shell langsamer versandt werden. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, in denen der Benutzer es vorziehen kann, bestimmte Pakete auszubremsen, um damit Platz zu schaffen für andere Anwendungen. Beispiele für solche interaktiven Anwendungen sind Internet- und Videotelefonie, Remote Desktop-Anwendungen usw. Alle Arten von Traffic Shaping basieren darauf, dass bestimmte Pakete in bestimmten Fällen langsamer versendet oder eine bestimmte Zeitlang auf dem Collax Server zurückgehalten werden. Dazu werden die Pakete in Klassen eingeteilt, die zugesicherte Eigenschaften besitzen, beispielsweise die verfügbare Bandbreite (Bandwidth) oder die maximale Zeitspanne, die sie zurückgehalten werden (Delay). Ein ausgehendes Paket wird zunächst durch eine äussere Queueing-Discipline - ein besonderer Algorithmus zur Einreihung von Paketen in Warteschlangen in eine Klasse eingeteilt und innerhalb der Klasse in eine Warteschlange, die sogenannte innere Queue, eingestellt. Dies geschieht wiederum durch eine Queueing-Discipline. Der Reihe nach holt der Linux-Kernel die Pakete wieder aus der Queue und versendet sie. Ungenutzte Bandbreite wird im Verhältnis der zugesicherten Bandbreiten unter den bedürftigen Klassen verteilt. Hinweis: Traffic Shaping funktioniert ausschließlich für ausgehenden Traffic, also wenn der Collax Server selbst Daten verschickt. In welcher Geschwindigkeit der Collax Server Daten empfängt, können Sie durch Traffic Shaping auf der empfangenden Seite nicht beeinflussen Collax GmbH Status: Final Version: 5.8 Datum:

2 Globale Konfigurationseinstellungen Die Konfiguration beginnt mit der Konfiguration des Queueing-Algorithmus und dem Detail-Level des verwendeten Algorithmus. Dieser Dialog befindet sich unter System Netzwerk Links Allgemein. Collax unterscheidet zwischen zwei äusseren Queueing-Disciplines (QDiscs), nämlich HTB und H-FSC, zwischen denen Sie nur global wählen können. Bemerkung: Wenn Sie sich nachträglich, nachdem Sie Ihre Traffic Shaping-Konfiguration vorgenommen haben, für die andere Discipline entscheiden, müssen Sie die Konfiguration für diese Discipline erneut vornehmen. Die Einstellungen, die Sie bei der anderen Discipline getätigt haben, bleiben gespeichert, werden jedoch erst wieder aktiviert, wenn Sie zu dieser Discipline zurückwechseln. Die beiden Disciplines unterscheiden sich in erster Linie durch ihren Queueing-Algorithmus. HTB lässt sich einfacher konfigurieren, bietet jedoch nicht den gleichen Funktionsumfang wie H-FSC bei HTB können Sie angeben, welche Bandbreite ein Dienst benutzen darf, bei H-FSC können Sie zusätzlich die maximale Verzögerungszeit bestimmen. Für jede der beiden Einstellungen können Sie auch noch zwischen normalem und hohem Detail-Level wählen. Der Level Hoch ergänzt die Einstellungsmöglichkeiten der Traffic-Klassen eines Links mit Bandbreiten-Management. Traffic-Policies Um Bandbreitenmanagement nutzen zu können, müssen Netzwerkpakete markiert werden. Für die Kennzeichnung werden hierzu Traffic-Policies benutzt. Sie bilden die Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Netzwerkverkehr, der in der Firewall- Matrix spezifiziert ist, und den Traffic-Klassen des Bandbreitenmanagement. Den Traffic-Klassen widmen wir uns später. Im folgende Beispiel legen wir eine Traffic-Policy für die spätere Priorisierung des Remote Desktop Protocols an, um RDP Verbindungen Bandbreite zu garantieren. Dieser Dialog befindet sich unter System Netzwerk Links Traffic-Policies. Bandbreitenmanagement Um Bandbreitenmanagement auf einem Link zu aktivieren, wechseln Sie zunächst zum Menüpunkt System Netzwerk Links Links. Bearbeiten Sie hier den Link, auf dem Bandbreitenmanagement aktiviert werden soll. Bemerkung: Wenn Sie Bandbreitenmanagement auf einem passiven Link, d. h. beispielsweise auf einer Route, einem IP- Tunnel oder auf einem VPN-Link, aktivieren möchten, müssen Sie dies zunächst für den darunterliegenden Link tun. Besteht beispielsweise ein Link des Typs Ethernet zu einem Netzwerk, in dem ein weiterer Router steht, und ein Link des Typs Route zu diesem Router, so müssen Sie zunächst für den Ethernet-Link das Bandbreitenmanagement einschalten: Collax Bandbreitenmanagement Howto 2/6

3 Im folgenden Beispiel aktivieren wir das Bandbreitenmanagement für den bestehenden DSL Internetlink und geben eine Bandbreite von 2 Mbit für den Upload an. Im Feld Bandbreite wird als Eingabe eine Dezimalzahl, optional mit Dezimalpunkt, optional gefolgt von Leerzeichen und abschließend einer Einheit erwartet. Folgende Einheiten sind möglich: k für Kilo, M für Mega und G für Giga. Abschließend wird die Einheit als bps für 8 bit/s oder bit für bit/s angegeben. Beispiele: 15.7 kbit, 100 Mbit und 1 Gbit. Traffic-Klassen Über die Traffic-Klassen können im Bandbreitenmanagement bestimmte Garantien bzw. Begrenzungen für einzelne Verbindungen gesetzt werden. Um Traffic-Klassen anzuzeigen und zu bearbeiten, wechseln Sie zunächst zum Menüpunkt System Netzwerk Links Links. Mittels Rechts-Klick auf dem Link, auf dem Bandbreitenmanagement aktiviert wurde und der Aktion Traffic-Klassen bearbeiten werden die vorhandenen Traffic-Klassen angezeigt und bearbeitet. Hier sehen Sie eine Übersicht der bisher angelegten Traffic-Klassen. Zunächst ist dies nur die Klasse default, die immer benötigt wird. Collax Bandbreitenmanagement Howto 3/6

4 Bei der default-klasse handelt es sich um eine sog. automatische Klasse, die folgende spezielle Eigenschaften besitzt: Bandbreite, die Sie nicht verteilt haben, wird der default-klasse zugeteilt. Traffic, den Sie nicht klassifiziert haben, wird der default Klasse zugeordnet. Die default-klasse kann nicht bearbeitet werden, ihre Einstellungen resultieren aus den bei anderen Traffic- Klassen vorgenommenen Einstellungen. Im Folgenden legen wir eine neue Klasse an und vergeben als Garantierte Rate 30% und als Maximale Rate 50% der Bandbreite. Garantierte Rate Hier wird bei HTB die garantierte Bandbreite der Klasse angegeben. Falls die Klasse nicht die gesamte verfügbare Bandbreite benötigt, kann die restliche Bandbreite von Verbindungen aus anderen Traffic-Klassen genutzt werden. Maximale Rate Hier wird bei HTB die maximale Bandbreite angegeben, die die Klasse benutzen darf. Traffic-Policies/Traffic-Policies (Antwort) Mit dieser Auswahl wird festgelegt, dass Paketen mit den angegebenen Markierungen Bandbreite aus dieser Klasse zugeteilt werden soll. Traffic-Markierungen können pro Link nur einer der verschiedenen Klassen zugeordnet werden. Die Zuordnung der gewünschten Bandbreite zum Dienst wird über die Firewallmatrix definiert. Bemerkung: Wenn Sie die garantierte oder die maximale Bandbreite in absoluten Zahlen angeben, darf dieser Wert nicht größer sein als die Bandbreite des zugrundeliegenden Mediums. Außerdem darf die Summe aller garantierten Bandbreiten aller Traffic-Klassen nicht größer sein als die Bandbreite des zugrundeliegenden Mediums. Collax Bandbreitenmanagement Howto 4/6

5 Firewallmatrix Die Zuordnung der gewünschten Bandbreite zum Dienst wird über die Firewallmatrix definiert. Hier kann die zuvor definierte Traffic-Markierung eingesetzt werden. Dieser Dialog befindet sich unter System Netzwerk Firewall Matrix. Um nun den Traffic für den Dienst rdp für Clients aus dem Localnet auf Rechner im Internet zu priorisieren, wird mit der Regel Erlauben zuerst der Verbindungsaufbau gestattet und zusätzlich die Traffic-Markierung gesetzt. Innere Queueing-Disziplin Wenn beim Queuing Algorithmus HTB der Detaillevel Hoch gewählt wurde, ergänzt dies die Einstellungsmöglichkeiten der Traffic-Klassen eines Links mit Bandbreiten-Management. Die Pakete, die in eine Traffic-Klasse einsortiert werden, werden innerhalb dieser Klasse in eine Queue gestellt, aus der heraus sie versandt werden. Der Mechanismus, mit dem diese Innere Queue gemanaged wird, lässt sich ebenfalls einstellen. FIFO Der einfachste dieser Mechanismen ist FIFO (First In, First Out). Der Algorithmus versendet dasjenige Paket zuerst, das die Queue zuerst erreicht hat. Dabei kann es z. B. geschehen, dass ein einzelner Arbeitsplatzrechner im LAN, der etwas langsamer angebunden ist als die übrigen Rechner, kaum zum Zug kommt, da die Pakete der anderen Rechner den Router stets schneller erreichen und die Queue füllen. SFQ Die Alternative heisst SFQ (Stochastic Fair Queueing) und sorgt dafür, dass die Bandbreite, die der Traffic-Klasse insgesamt zugewiesen wurde, zwischen den Nutzern der Bandbreite ausbalanciert wird daher auch die Bezeichnung fair. Mit SFQ können Sie die zugewiesene Bandbreite zwischen Quellen, Zielen und Verbindungen ausbalancieren lassen. per-source Die verfügbare Bandbreite wird auf die Quell-IP-Adressen der Anfragen gerecht verteilt, z. B. erhält jeder Arbeitsplatzrechner im LAN gleichviel Bandbreite per-destination Die verfügbare Bandbreite wird auf die Ziel-IP-Adressen der Anfragen gerecht verteilt, z. B. erhält jeder Web-Client, der auf den Webserver in der DMZ zugreift, gleichviel Bandbreite per-flow Die verfügbare Bandbreite wird auf die bestehenden Verbindungen gerecht verteilt, z. B. erhält jeder der VoIP- Clients im LAN, die alle mit unterschiedlichen Gegenstellen telefonieren, gleichviel Bandbreite Limit (Pakete) Das Limit gibt an, wieviele Pakete sich maximal in der Traffic-Klasse befinden dürfen. Pakete, die in die Klasse einsortiert werden müssten, aber keinen Platz mehr darin haben, werden verworfen. Als Faustregel für die Angabe in diesem Feld sollte für jede TCP-Verbindung (Client), die diese Queue stetig füllt, mindestens ein Platz freigehalten werden. Wird kein Wert angegeben, wird automatisch ein Wert verwendet, der sich an der garantierten Rate orientiert. Collax Bandbreitenmanagement Howto 5/6

6 Konfiguration einer Klasse mit H-FSC Wenn Sie als Queueing-Algorithmus H-FSC eingestellt haben und eine neue Traffic-Klasse anlegen, bemerken Sie einige Unterschiede zu einer HTB-Klasse. Anders als bei Traffic-Klassen mit HTB gibt es hier die vier Felder Maximale Einheit, Maximale Latenz, Garantierte Rate und Maximale Rate. Maximale Einheit Die Verzögerung, mit der ein Paket in der Queue diese wieder verlässt, bestimmt sich aus dem Quotient von Paketgröße (in Bit) durch Bandbreite (in Bit/s). Die Maximale Einheit ist die größte Einheit, für die die Maximale Latenz garantiert wird. Wenn Sie dieses Feld leer lassen, wird beim Speichern der Klasse die MTU des zugrundeliegenden Links eingetragen, bei Ethernet-Links die MTU plus die Größe des Ethernet-Headers. Normalerweise sollten Sie dieses Feld daher leer lassen, jedoch kann für spezielle Anwendungen wie z. B. bestimmte VoIP- Codecs ein kleinerer Wert und für Videostreams ein größerer Wert eingetragen werden. Für Pakete, die größer als der hier angegebene Wert sind, kann keine Garantie gegeben werden. Maximale Latenz Hier geben Sie an, wie lange ein Paket, das in diese Klasse sortiert wurde, maximal verzögert werden darf. Dies können Sie mit den Einheiten s, ms und us (μs) tun, oder einen relativen Wert mit % angeben. Die Garantie gilt nur für Datenströme, die nicht schneller als die garantierte Rate sind. Wenn Pakete schneller ankommen, als sie durch die Einstellungen in ihrer Klasse bestimmt versandt werden dürfen, werden die Pakete gequeued, und die Garantie wird nicht mehr eingehalten. Normalerweise können Sie dieses Feld leer lassen, dann wird beim Speichern der Klasse die maximale Verzögerung aus den übrigen Einstellungen errechnet. Die andere Art, mit HFSC-Traffic-Klassen die verfügbare Bandbreite zu managen, ist, eine Garantierte Rate und eine Maximale Rate anzugeben. Dies können Sie, wie auch bei HTB-Klassen, mit absoluten Zahlen mit den Einheiten kbit, mbit oder gbit tun, oder Sie können einen relativen Wert angeben, der mit der Einheit % abgeschlossen wird. Die Innere Queueing-Discipline können Sie bei diesem Mechanismus nicht verändern, jedoch wie auch bei HTB-Klassen das Limit. Bemerkung: Die Summe aller Garantierten Raten aller Traffic-Klassen eines Links darf 100 % oder die maximale Bandbreite des Link-Mediums nicht übersteigen Vom Collax Server selbst ausgehender Traffic, bspw. die HTTP- und FTP-Anfragen des Squid Proxys oder die SMTP- Pakete des Mailservers, werden der default-klasse zugeordnet Collax Bandbreitenmanagement Howto 6/6

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