Wie Futures kann der Kauf oder Verkauf von Optionen aus verschiedenen Absichten geschehen.

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1 56 6. Optionsstrategien Nachdem im vorangehenden Kapitel ein vollständiges Bild über die Einflussfaktoren und ü ber die Optionskennzahlen vermittelt wurde, wendet sich dieses Kapitel der praktischen Anwendung von Optionen zu. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, dass es sich nur um eine selektive Auswahl von Optionsstrategien handelt. Auf Grund der Einfachheit und der Übersichtlichkeit, werden für alle Diagramme folgende Annahmen getroffen: Die Optionspositionen werden jeweils bis zum Verfall gehalten Das Bezugsverhältnis ist 1 : 1 Zinsen und Transaktionskosten werden nicht berücksichtigt Die verschiedenen Transaktionen ziehen keine Steuerfolgen nach sich Es handelt sich ausschliesslich um Aktienpositionen Strikepreis und Einstandpreis sind identisch (atthemoney) Wie Futures kann der Kauf oder Verkauf von Optionen aus verschiedenen Absichten geschehen. Es sind dies: Arbitrage Hedge Spekulation Diese Arbeit wird sich ausschliesslich mit einigen ausgewählten Hedge und Spekulationsstrategien befassen. Auf die Darstellung von Arbitragegeschäften wird verzichtet, da sie sich für Privatanleger nur in Ausnahmesituationen eignen Optionstyp Unterteilt man Optionen nach dem erhaltenen Recht, so kann man zwischen zwei Typen unterscheiden: Call Put Da man sowohl Calls als auch Puts kaufen und verkaufen kann, ergeben sich vier verschiedene Geschäftsarten, die sich wesentlich voneinander differenzieren: Long Call Short Call Long Put Short Put

2 57 Die Abb. 61 stellt einen Überblick über die verschiedenen Geschäftsarten dar und zeigt auf, was für Rechte und Pflichten dabei eingegangen werden. Option Kaufoption = Call Verkaufsoption = Put CallInhaber (Käufer eines Calls) CallSchreiber (Verkäufer eines Calls PutInhaber (Käufer eines Puts) PutSchreiber (Verkäufer eines Puts) hat das Recht, nicht aber die Verpflichtung zum Kauf hat auf Verlangen des Inhabers die Pflicht zum Verkauf hat das Recht, nicht aber die Verpflichtung zum Verkauf hat auf Verlangen des Inhabers die Pflicht zum Kauf Long Call Short Call Long Put Short Put Abb. 61: Grundpositionen und Grundgeschäftsarten einer Option 1 Diese vier Geschäftsarten stellen die Basis für sämtliche Optionsstrategien dar Das Hedging Durch Hedgen versucht der Anleger, sich vor Preisänderungen am Kassamarkt zu schützen. Dies kann erreicht werden, indem er eine entgegengesetzte Position zur bestehenden eingeht. Das Hedging kann sowohl bei steigenden als auch bei sinkenden Märkten eingesetzt werden. Abb. 62 zeigt die Ausgangslage bevor eine Hedgeposition eingegangen wird. Grundposition Basistitel Aktie Long Aktie Short Abb. 62: Grundposition Basistitel 1 Vgl. Ernst MüllerMöhl, Optionen und Futures, 3. Auflage, Zürich 1995, S. 50

3 58 Der Anleger sollte über die Zeitdauer, in welcher er seine Aktie versichern will, eine eindeutige Vorstellung haben Hedging mit Optionsstrategien In der Fachliteratur wird gewöhnlich zwischen drei Absicherungsstrategien unterschieden: Protective Put Strategie Long Call Hedge Covered Call Writing Da Absicherungen über einen bestimmen Zeitraum erfolgen, ist es von Vorteil, wenn man europäische Optionen erwirbt, da diese normalerweise günstiger sind 1. Für die Berechnung der Anzahl zu kaufender bzw. zu verkaufender Optionen wird auf das vorhergehende Kapitel 2 verwiesen ProtectivePutStrategie Der ProtectivePut ist für Anleger, die einen sinkenden Basiswert erwarten, ein wahrer Segen. Auf diese Weise kann ihm eine bestimmte Rendite auf seinem Portefeuille garantiert werden. Die Konstruktion ist sehr einfach. Zu einem bestehenden Kassatitel, in unserem Fall eine Aktie, wird ein Long Put erworben. Aus dem Profil in Abb. 63 ist der Versicherungsgedanke klar ersichtlich. ProtectivePutStrategie Aktie Long Put Wert Basistitel Abb. 63: ProtectivePutStrategie 1 Vgl. Ernst MüllerMöhl, Optionen und Futures, 3. Auflage, Zürich 1995, S Vgl. Abschnitt 5.5 Optionskennzahlen

4 59 Notiert die Aktie beim Verfall des Puts unter dem Ausübungspreis, so wird der Besitzer des Puts sein Recht wahrnehmen und die Aktie zum vereinbarten Preis an den Schreiber des Puts verkaufen. Notiert die Aktie bei Verfall über dem Ausübungspreis, wird der Besitzer des Puts seine Option verfallen lassen, da sie wertlos ist. Der maximale Verlust, den der Anleger erleiden kann, ist auf die Optionsprämie beschränkt, nämlich dann, wenn seine Erwartung eintritt und der Aktienkurs fällt. Erfüllt sich seine Markterwartung jedoch nicht, partizipiert er trotzdem am steigenden Kurs, jeweils um die Optionsprämie reduziert. Beispiel Einstandspreis 226 Basispreis Prämie 3 11 maximaler Verlust Break Even Das obige Beispiel soll darstellen, wie sich der Break Even und der Verlust je nach Wahl des Basispreises verändert. Will man sich nur gegen grosse Kursrückschläge versichern, so erwirbt man eine Put Option, die weit outofthemoney ist (disaster insurance). Will man sich jedoch auch gegen kleine Kursrückschläge versichern, wählt man eine Option, die atthemoney ist. Die ProtectivePutStrategie ist die einzige wirkliche Absicherungsstrategie gegen fallende Kurse. Sie ist sehr einfach verständlich, äusserst effizient und kostengünstig Long Call Hedge Diese Strategie eignet sich vorzüglich, wenn man im entsprechenden Basistitel eine Short Position eingegangen ist. Betrachtet man das Profil in Abb. 64, stellt man fest, dass es sich exakt um das Spiegelbild der ProtectivePutStrategie handelt. Demzufolge treffen die beim ProtectivePut gemachten Aussagen auch für den Long Call Hedge zu. Jedoch mit umgekehrten Vorzeichen.

5 60 Long Call Hedge Aktie Short Long Call Abbildung 64: Long Call Hedge Covered Call Writing Der Besitzer des Basistitels tritt bei dieser Strategie als Stillhalter auf, d.h. die in seinem Besitze befindlichen Aktien werden nach dem Verkauf des Calls auf einem Sperrkonto hinterlegt. Durch den Verkauf des Calls verpflichtet er sich, auf Verlangen des Optionskäufers, den Basiswert zu einem voraus vereinbarten Preis zu liefern. Liegt der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Verfalls über dem Ausübungspreis, wird die Option vom Käufer ausgeübt. Der Stillhalter übergibt dem Käufer der Option den Basiswert zu den dazumal vereinbarten Bedingungen. Dem Stillhalter entgeht somit ein Gewinn, nämlich die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und dem vereinbarten Preis des Basiswertes, abzüglich der Prämie, die er für die Option erhalten hat. Liegt der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Verfalls jedoch unter dem Ausübungspreis, wird der Käufer die Option verfallen lassen. Da der Schreiber des Calls die Aktie während der Laufzeit der Option nicht verkaufen darf, geht er das Risiko ein, dass der Kurs des Basiswertes bei Verfall erheblich unter dem Ausübungspreis liegt. Somit kann der Verlust ein Mehrfaches des Optionspreises ausmachen, im Maximum aber nur bis zum eingesetzten Betrag auf den Basiswert, abzüglich der erhaltenen Optionsprämie. Der maximale Gewinn, den der Stillhalter einer Option erzielen kann, ist auf die Höhe der Prämie beschränkt. Diese Strategie wird in der Praxis selbst von Anlagespezialisten als Absicherungsstrategie bezeichnet. Dies entspricht in keiner Weise dem tatsächlichen Sachverhalt. Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass das Schreiben einer Option nichts anderes als eine Spekulation auf sinkende Volatilität oder auf gleich bleibende Kurse des Basistitels

6 61 ist. Dabei profitiert der Verkäufer davon, dass die Option an Zeitwert verliert. Obwohl es sich nicht um eine Absicherungsstrategie handelt, wird das Covered Call Writing in diesem Abschnitt behandelt, nämlich darum, weil diese in der Literatur mehrheitlich als Hedgestrategie verkauft wird. Covered Call Writing Gewinn / Verlust Aktie Short Call Abbildung 65: Covered Call Writing Das Schreiben einer Option stellt in zweierlei Hinsicht ein Risiko dar: Liegt der Kurs des Basistitel über dem Strikepreis bzw. unter bei einem Put, entgeht dem Stillhalter ein Gewinn, weil die Option durch den Optionskäufer ausgeübt wird. Liegt der Kurs des Basistitels wesentlich unter dem Strikepreis bzw. über bei einem Put, so kann der Verlust ein Vielfaches der erhaltenen Optionsprämie sein. Obwohl es grundsätzlich nicht zum Thema dieser Arbeit gehört, soll auf ein nicht unwesentliches Detail hingewiesen werden. Gemäss der Absicht der Verordnung des Bundesrates sollten Gelder der zweiten Säule mit möglichst geringem Risiko angelegt werden. Dass es gemäss diesem Grundsatz trotzdem erlaubt ist, Optionen zu schreiben, lässt am Sachverstand derer zweifeln, die solche Verordnungen erlassen. Zusammenfassend kann beurteilt werden, dass die zwei einzigen wirklichen Absicherungsstrategien die Protective Put Strategie und der Long Call Hedge, bei gleichzeitigem Halten der Kassaposition, sind. Das Schreiben von Optionen kann auch beim Halten der Gegenposition nicht als wirklicher Hedge bezeichnet werden. Dem Eingehen solcher Positionen mit der Absicht der Absicherung sollte mit äusserster Vorsicht entgegengetreten werden Hedging mit Futurestrategien Wie bereits im 4. Kapitel erwähnt, werden Futures in verschiedener Absicht eingesetzt:

7 62 Arbitrage Hedging Spekulation Der Einsatz von Futures für Privatanleger mit der Absicht, Spekulations oder Arbitragegeschäfte zu tätigen, wird abgelehnt 1. Somit konzentrieren sich die Futurestrategien ausschliesslich auf Hedgestrategien. Für die nachfolgenden Diagramme wurden folgende Annahmen getroffen: Zinsen und Transaktionskosten werden nicht berücksichtigt Die verschiedenen Transaktionen ziehen keine Steuerfolgen nach sich Die Basis ist Null Die Short Hedge Strategie Die Idee hinter dieser Strategie liegt in der Absicherung einer bestehenden Kassaposition gegen einen Kursrückgang 2. Die Konstruktion ist sehr einfach. Zu einer bestehenden Kassaposition wird ein Futures verkauft. Abb. 66 zeigt das Profil der gesamten Position. Short Hedge Strategie Gewinn / Verlust Basis Short Future Kurs Basiswert Abbildung 66: Die Short Hedge Strategie Das Diagramm zeigt, dass der Gewinn aus der Futuresposition addiert mit dem Verlust aus der Kassaposition immer Null ist. Im Abschnitt wurde das Problem des Betafaktors erläutert. Durch gezielten Einsatz des Betafaktors hat der Anleger bei der Short Hedge Strate 1 Vgl. Abschnitt 4.5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung 2 Vgl. Abschnitt Der Short Hedge

8 63 gie die Möglichkeit, durch eine beabsichtigte Über oder Unterversicherung zusätzliche Gewinne oder Verluste zu erzielen Die Long Hedge Strategie Der Gedanke dieser Strategie liegt in der Absicherung gegen einen künftigen Kursanstieg des Basistitels 1. Vergleicht man das Diagramm der Long Hedge Strategie (Abb. 67) mit dem Diagramm der Short Hedge Strategie (Abb. 66), stellt man fest, dass es sich exakt um das Spiegelbild handelt. Auch bei der Long Hedge Strategie hat der Anleger die Möglichkeit, durch eine gezielte Ü ber oder Unterversicherung zusätzliche Gewinne oder Verluste zu erzielen. Long Hedge Strategie Gewinn / Verlust Long Future Basis Kurs Basiswert Abbildung 67: Die Long Hedge Strategie In der praktischen Anwendung darf bei beiden Strategien nicht vergessen werden, dass noch Transaktions und Zinskosten anfallen, die den Gesamtverlauf der Position negativ beeinflussen. Auch kann der Preis der Basis 2 durch den Einfluss folgender Faktoren verzerrt werden: Die differenzierte Risikoneigung der diversen Anleger Unterschiedliche Gewichtung der Informationen Differenzierte Erwartungen der Marktteilnehmer Marktliquidität 6.3. Das Trading Der Trader, häufig auch Spekulant genannt, ist das eigentliche Gegenstück zum Hedger, und vielfach auch die Gegenpartei. Der Spekulant übernimmt sehr bewusst Risiken, die ein Hedger nicht bereit oder nicht fähig wäre zu übernehmen. 1 Vgl. Abschnitt Der Long Hedge 2 Vgl. Abschnitt 4.4. Die Bewertung von Futures

9 64 Es gibt zwei Gründe, weshalb Optionen vom Spekulanten nackt gehalten werden 1 : Der Anleger möchte den Leverage der Option ausnützen. Dies kann bspw. auf Grund einer charttechnischer Situation geschehen. Am Basistitel selbst ist er grundsätzlich nicht interessiert. Der Anleger tätigt das Optionsgeschäft in der Absicht der Aktiensubstitution, weil der Kapitaleinsatz wesentlich geringer ist als bei einem Direktengagement, oder weil von seiner Markterwartung nicht vollends überzeugt ist und sich deshalb absichern möchte. So kauft er bspw. einen Call, obwohl er in Erwartung sinkender Kurse die entsprechende Aktie verkauft hat. Das Risiko beschränkt sich somit auf die bezahlte Prämie Die vier Grundpositionen Die Ausgangslage jeder Optionsstrategie liegt in einer der vier Grundpositionen: Long Call Short Call Long Put Short Put Der Long Call Der Käufer eines Calls hat das Recht, nicht aber die Pflicht, einen bestimmten Basistitel zu einem im voraus bestimmten Preis an einem bestimmten 2 Zeitpunkt zu kaufen. Den Preis, den er dafür bezahlt, wird Prämie genannt. Sie stellt zugleich den maximalen Verlust dar, den der Optionskäufer erleiden kann, dann nämlich, wenn der aktuelle Kurs des Basistitels unter dem Strikepreis liegt. Der Gewinn ist theoretisch unendlich. Die kritischen Punkte sind in Abb. 68 und in nachfolgendem Beispiel ersichtlich. Beispiel Long Call Maximaler Verlust Basispreis 2'400 Break Even 2' Prämie Maximaler Gewinn unendlich 1 Vgl. Igor Uszczapowski, Optionen und Futures verstehen, 3., erweiterte Auflage, München 1995, S. 145 & ff. 2 Vgl. Abschnitt Optionsstyle

10 65 Long/Short Call Gewinn Verlust '300 2'340 2'380 2'420 2'460 2'500 2'540 2'580 Long Call Short Call Abbildung 68: Grundposition Long/Short Call Der Short Call Der Short Call stellt das Gegengeschäft zum Long Call dar. Der Verkäufer des Calls hat die Pflicht, auf Verlangen des Käufers einen bestimmten Basistitel zu einem im voraus bestimmten Preis an einem bestimmten 1 Zeitpunkt zu liefern. Den Betrag, den er für den Verkauf erhält, wird Optionsprämie genannt. Sie ist der maximale Gewinn, den der Optionsschreiber erwirtschaften kann. Das Risiko, das der Anleger bei diesem Geschäft eingeht, ist theoretisch unbegrenzt. Dies kommt in Abb. 68 und im nachfolgenden Beispiel deutlich zum Ausdruck. Beispiel Short Call Maximaler Gewinn Basispreis 2'400 Break Even 2' Prämie Maximaler Verlust unendlich Der Long Put Der Käufer eines Long Put erwirbt durch Bezahlung einer Prämie das Recht, einen bestimmten Basistitel zu einem im voraus bestimmten Preis an einem bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen. Der maximale Verlust, den der Käufer eines Puts erleiden kann, ist die bezahlte Prämie, nämlich dann, wenn sich der Preis des Basistitels bei Verfall über dem Strikepreis befindet. Der Gewinn kann theoretisch unendlich sein. Das in Abb. 69 dargestellte Profil und das nachfolgende Beispiel sollen dies aufzeigen. Beispiel Long Put Maximaler Verlust Basispreis 2' Break Even 2' Prämie Maximaler Gewinn Wert des Basistitels 1 Vgl. Abschnitt Optionsstyle

11 66 Long/Short Put Long Put Short Put Abbildung 69: Grundpositionen Long/Short Put Der Short Put Durch das Schreiben eines Puts verpflichtet sich der Verkäufer, auf Verlangen des Käufers einen bestimmten Basistitel zu einem im voraus bestimmten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen. Demzufolge stellt der Short Put das Gegenstück zum Long Put dar. Die Risikoverteilung ist ähnlich wie beim Short Call. Der maximale Gewinn eines Short Puts ist die erhaltene Prämie, nämlich dann, wenn der Kurs des Basistitels bei Verfall über dem Basispreis liegt. Der Verlust kann jedoch, wie Abb. 69 zeigt, ein Vielfaches des eingesetzten Betrages sein. Das nachfolgende Beispiel soll das Ganze noch verdeutlichen. Beispiel Short Put Maximaler Gewinn Basispreis 2'400 Break Even 2' Prämie Maximaler Verlust Wert des Basistitels Call Erwartung Kursanstieg der Aktie Kursrückgang der Aktie Recht Kauf der Aktie zum Basispreis Verkauf der Aktie zum Basispreis Käufer Pflicht Zahlung des Optionspreises Zahlung des Optionspreises Put Verkäufer Schreiber Stillhalter Risiko Erwartung Beschränkt auf die bezahlte Optionsprämie Stabiler oder leicht sinkender Aktienkurs Beschränkt auf die bezahlte Optionsprämie Stabiler oder leicht sinkender Aktienkurs Recht Erhalt der Optionsprämie Erhalt der Optionsprämie Pflicht Lieferung der Aktie zum vereinbarten Strikepreis, sofern vom Käufer verlangt Risiko Unbeschränkt unbeschränkt Übernahme der Aktie zum vereinbarten Strikepreis, sofern vom Käufer verlangt

12 Spekulationsstrategien Durch offene Positionen versuchen Trader am Optionsmarkt überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Wir können zwischen drei Strategien (Abb. 610) unterscheiden. Trading mit Optionen Spread Strategien Straddle Strategien Strangle Strategien Abbildung 610: Spekulationsstrategien Spread Strategien Spread Strategien stellen Kombinationen zwischen Kauf oder Verkaufsoptionen dar, die sich auf den gleichen Basiswert beziehen. Die verschiedenen Optionen haben unterschiedliche Verfalldaten oder Basiskurse. Jedoch sind bei allen die Gewinn und Verlustmöglichkeiten begrenzt 1. Durch den Einsatz von Spread Strategien bringt sich der Anleger in die komfortable Lage, seine individuelle Markteinschätzung durch den Einsatz von Optionen ideal umzusetzen, ohne dass er sich wie bei nackten Optionspositionen der Gefahr von grossen Verlusten aussetzt. Die Begrenzung der Verluste muss aber durch die Begrenzung der Gewinne gekauft werden. Wir unterscheiden zwischen folgenden Spread Strategien: Price Spread: Durch den Einsatz von geeigneten Optionen mit gleichem Basistitel und Verfall, aber unterschiedlichem Basispreis, versucht der Anleger einen Erfolg zu erzielen. Einige Price Spread Strategien werden nachfolgend detailliert beschrieben. Time Spread: Die Idee der Konstruktion liegt darin, dass man versucht, durch den Kauf und Verkauf der geeigneten Optionen Vorteile aus den unterschiedlichen Zeitwertverlusten zu ziehen. Man kauft bzw. verkauft Optionen auf den gleichen Basiswert mit dem gleichen Basispreis, aber unterschiedlichen Verfalldaten. Dabei wird bspw. vorteilhaft ein Call mit kurzer Laufzeit verkauft und ein solcher mit langer Laufzeit gekauft. 1 Vgl. Bernd Rudolph, Derivate Finanzinstrumente, Stuttgart 1995, S. 59

13 68 Diagonal Spread: Dieser versucht, sich die Vorteile beider vorhergehenden Strategien zu Nutzen zu machen. Alle diese Strategien weisen eine solche Vielfalt auf, dass eine umfassende Darstellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Je nachdem, ob man die Strategien aggressiv oder moderat einsetzten möchte, müssen andere Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Es ist aber in jedem Fall empfehlenswert, für sich ein Diagramm zu erstellen. Diese geben über Chancen und Risiken einen idealen Überblick Vertical Bull Spread Call/Put Wer verhalten optimistisch ist, nicht aber das Risiko eines nackten Long Call eingehen möchte, findet in dieser Strategie eine interessante Alternative. Die Position wird konstruiert, indem ein Call mit niedrigem Basispreis gekauft und einer mit höherem verkauft wird. Mit dem Verkauf wird ein Teil des Kaufs vom Call finanziert. In Abb. 611 wird der Vertical Bull Spread Call dargestellt. Je nach Wahl der Basispreise werden die Gewinn bzw. Verlustmöglichkeiten verändert. Vertical Bull Spread Call Long Call Short Call Abbildung 611: Vertical Bull Spread Call Ein Resultat mit ähnlichem Profil kann erreicht werden, indem ein Put mit höherem Basispreis verkauft und einer mit einem tieferen Basispreis gekauft wird Vertical Bear Spread Call/Put Im Gegensatz zum vorhin erwähnten Vertical Bull Spread Call/Put, erwartet der Anleger bei dieser Strategie eine leicht negative Marktentwicklung, ist aber nicht bereit, eine alleinstehende Long Put Position einzugehen. Die Konstruktion ist sehr einfach. Es werden einfach die Basispreise ausgetauscht, d.h. ein Call mit niedrigerem Basispreis wird verkauft und ein

14 69 solcher mit höherem gekauft. Wiederum finanziert die Prämie des verkauften Calls einen Teil des zu kaufenden. In Abb. 612 wird der Vertical Bear Spread Call graphisch dargestellt. Vertical Bull Spread Call Long Call Short Call Abbildung 612: Vertical Bear Spread Call Ein ähnliches Resultat wird mit dem Kauf von Puts erreicht, wenn ein Put mit tieferem Basispreis verkauft und ein solcher mit höherem Basispreis gekauft wird Butterfly Spread Kauf Der Butterfly Spread eignet sich für Anleger, die die kurzfristigen Kurse in einer engen Bandbreite erwarten, sich jedoch nicht dem Risiko des Verkaufs eines Calls aussetzen möchten. Das Resultat wird erreicht, indem zwei Long Call gekauft werden. Einer mit einem hohen und einer mit einem tieferen Basispreis. Im weiteren werden zwei Calls mit einem Basispreis, der zwischen jenen der zwei Long Calls liegt, verkauft. Wie Abb. 613 zeigt, sind auch hier sowohl Gewinn als auch Verlust begrenzt. Butterfly Spread mit Calls Long Call Long Call Short Call Short Call Abb. 613: Butterfly Spread Call Dasselbe Resultat kann auch mit dem Kauf und Verkauf von entsprechenden Puts erreicht werden.

15 70 Anleger die stark schwankende Märkte erwarten, sich jedoch über die Richtung der Preisentwicklung nicht schlüssig sind, finden mit dem Butterfly Spread Verkauf die ideale Strategie. Graphisch stellt diese genau das Spiegelbild des Butterfly Spread Kaufes dar. Die Konstruktion wird durch den Verkauf zweier Calls mit unterschiedlichem Basispreis und dem Kauf zweier Calls mit gleichem Basispreis, die zwischen den zwei Basispreisen der verkauften Calls liegen, erreicht. Wiederum kann das gleiche Resultat mit einer Put Konstruktion erreicht werden Straddle Strategien Straddle Strategien stellen den gleichzeitigen Kauf oder Verkauf einer Call und einer Put Option mit gleichem Basispreis, gleichem Verfall und gleichem Basiswert dar. Mit dem Eingehen einer Straddle Position versucht der Anleger an der Veränderung der Volatilität teilzuhaben. Wir unterscheiden zwischen einer Straddle Long und einer Straddle Short Position Der Long (Bottom) Straddle Diese Strategie eignet sich nach einer längeren Phase mit geringen Kursbewegungen und somit mit geringen Volatilitäten. Der Anleger erwartet bspw. auf Grund anstehender Konjunkturdaten eine starke Marktbewegung, kann sich aber für die Richtung dieser Bewegung nicht festlegen. Die Position wird mit einer Long Call und einer Long Put Option konstruiert. Basiswert, Basispreis und Verfall der beiden Optionen sind identisch. Vorzugsweise werden atthemoney Optionen gewählt. Long Straddle Long Call Long Put Abb. 614: Long (Bottom) Straddle In Abb. 614 wird deutlich ersichtlich, dass, wenn sich die Kurse entgegen der Erwartungen bis zum Verfall nur geringfügig bewegen, die Optionen wertlos verfallen werden und der An

16 71 leger somit die Prämien verlieren würde. Die eingesetzte Optionsprämie stellt somit den maximalen Verlust dar. Bei einer starken Marktbewegung in eine der beiden Richtungen sind dem Gewinn keine Grenzen gesetzt Der Short (Top) Straddle Der Short Straddle stellt das eigentliche Gegenstück zum Long Straddle dar. Für Anleger, die in naher Zukunft geringe oder überhaupt keine Kursbewegungen erwarten, ist der Short Straddle (Abb. 615) eine Anlagealternative. Tritt die Markterwartung ein, so wird der maximale Gewinn die Optionsprämie sein. Erfüllt sie sich jedoch nicht, kann der Verlust speziell beim Short Call theoretisch unbegrenzt sein. Short Straddle Short Call Short Put Abb. 615: Short (Top) Straddle Strangle Strategien Unterscheiden sich die Kauf bzw. Verkaufsoptionen lediglich im Basispreis, so entsteht aus den vorhin besprochenen Straddle ein Strangle.

17 72 Long Vertical Strangle Long Call Long Put Abbildung 616: Long Vertical Strangle Die Aussagen bezüglich Chancen und Risiken sind gleich wie bei den Straddle Strategien mit dem Unterschied, dass sich die Spannweiten für einen evtl. Gewinn oder Verlust erweitern. Short Vertical Strangle Short Call Short Put Abbildung 617: Short Vertical Strangle 6.4. Zusammenfassung Optionen können in verschiedenster Absicht eingesetzt werden. Durch ihren Versicherungscharakter sind sie vor allem dazu geeignet, Risiken von Kursrückschlägen zu vermindern oder ganz zu eliminieren. Die Protective Put Strategie eignet sich vorzüglich für den Schutz vor Kursrückgängen auf einzelne Aktienpositionen. Für die Absicherung von ganzen Aktienportefeuilles sollten wie unter Kapitel 4 besprochen Futures eingesetzt werden. Der Käufer einer Option bezahlt immer einen, zum Teil nicht zu unterschätzenden, Zeitwert. Futures hingegen haben keinen Zeitwert. Die gleiche Aussage gilt auch für den Einsatz von Long Call Hedge, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen.

18 73 Covered Call Writing kann im weitesten Sinne als Absicherung bezeichnet werden. Wegen dem sehr grossen Überwachungsaufwand und dem nicht zu unterschätzenden Risiko sollte diese Strategie nur sehr restriktiv angewandt werden. Hervorgegangen durch den Börsenboom der vergangenen Jahre, hat das Trading mit Optionen einen enormen Aufschwung erlebt. Ihren Teil dazu beigetragen haben auch Klein und Kleinstanleger. Ob diese bei veränderten Rahmenbedingungen dem Markt die Treue halten werden, ist zu bezweifeln. Gerade unter diesen Anlegerkreisen, die vielfach schlecht über Chancen und Risiken aufgeklärt sind und die weder das Verhalten des Basismarktes noch dasjenige des Optionsmarktes verstehen, wird es bei einem Rückgang der Aktienkurse zu massiven Verlusten kommen. Das heisst nicht, dass Optionen keine Anlagealternative für Kleinanleger sind, aber das Funktionieren der Märkte muss in gleicher Weise begriffen werden, wie wenn es um grössere Vermögen ginge. Welche Optionsstrategie ein Trader wählt, hängt letztendlich von seiner persönlichen Markteinschätzung und von seiner persönlichen Risikofähigkeit ab.

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