Mit Jugendlichen in die Zukunft

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1 Pädagogische Hochschule Karlsruhe Fakultät III: Institut für Alltagskultur und Gesundheit Forschungsschwerpunkte Essverhaltensforschung bei Jugendlichen Ernährungs- und Verbraucherbildung Modellprojekt Reform der EVB in Schulen 2003 bis 2005 Workshop Junge Oö Esskultur Linz, 24. Februar 2014 Mit Jugendlichen in die Zukunft Drei Thesen zur Jugendesskultur 1

2 Ernährungssituation Jugendliche in Österreich Ernährungssituation Trendanalysen auf Lebensmittelebene zu wenig pflanzliche Nahrung, v. a. Obst und Gemüse zu wenig (fettreduzierte) Milch u. Milchprodukte zu viel (rotes) Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren zu wenig ballaststoffreiche Getreideprodukte zu viel energiedichte, zuckergesüßte Getränke Einflussfaktoren Geschlecht Alter Sozioökonomischer Status DGE 2012/Elmadfa et al

3 Ernährungssituation Täglich weder Obst noch Gemüse 64 % Jungen, 50,9 % Mädchen Süßigkeiten/Softdrinks Mädchen passen sich Jungen an kontinuierliche Zunahme mit steigendem Alter, v. a. Jungen Regelmäßiger Verzehr von ausgewählten LM 2010; Alter: J. HBSC Factsheet Nr. 03/2012 Früchte/Gemüse: Süßigkeiten/süßen Limonaden: seit 2002 insgesamt leichter Anstieg seit 2002 insgesamt deutlicher Anstieg mit steigendem Alter weniger Alter/Geschlecht spielen Nebenrolle 2014 Prof /factsheetnr3_ernaehrung.pdf Dr. Silke Bartsch Jungen in jedem Alter weniger als Mädchen Übergewicht, Adipositas Untergewicht ist eher ein Problem der Mädchen Gewichtsstatus Schulkinder in Österreich Übergewicht: deutlicher Anstieg seit 2008 Adipositas eher ein Problem der Jungen Elmadfa I et al. Österreichischer Ernährungsbericht Auflage, Wien,

4 Jugend isst anders. Merkmale der Jugendesskultur Jugendesskultur Begriff Bild: Wolf Bartsch 2008; 2010;

5 Jugendesskultur zeithistorisch neues Phänomen Doppelrolle: Träger und Gestalter Entwicklungsaufgaben Ablösung vom Familientisch Körper bewohnen lernen Integration/Distinktion Bild: Wolf Lebensstilspezifische Ausgestaltung Jugend isst anders Freizeitorientierung hat großen Einfluss Außerhaus essen Jugendliche anders als in der Familie Bartsch 2008,

6 Häusliche Versorgung überwiegt (noch) Ganztagsschulen Heterogene Esskulturen in den Familien durch Jugendliche mit-bestimmt Bartsch 2008, 2012 Außerhaus mit den Peers Distinktion und Integration Dazugehören Sich inszenieren Essen ist eher nebensächlich Gemeinsame Erlebnisse 6

7 Mit Jugendlichen in die Zukunft Drei Thesen These Vorstellungen zu Mahlzeiten haben sich ausdifferenziert. Jugendliches Snacking ist dabei fester Bestandteil. 7

8 Unregelmäßiges Essen Was ist eine Mahlzeit? (Sitz-)Platz satt werden gemeinsames Essen Zeitfaktor Bartsch (unveröff.) Ess(t)räume. Ein Lehr-Forschungsprojekt im WiSe 2011/12. Häufigkeit von Hauptmahlzeiten* pro Woche 11- bis 15-jährigen Mädchen in Österreich 2010 (Angaben in %) Factsheet 2, HBSC-Studie 2010 * gemeint sind hier Frühstück, Mittagessen, Abendessen Snack statt Hauptmahlzeit Vertiefungsfolie 8

9 Snack als Hauptmahlzeit? Umfrage bei Studierenden in Karlsruhe 5 % 32 % 63 % Stichprobe N = 63 davon 34 Studentinnen 29 Studenten Unter der Woche ja nein keine Angabe Lehr-Forschungsprojekt Ess(t)räume. WiSe 2011/12 Gruppe Fruh/Friedrich/Kohler Entstrukturalisierung und Snacking Dr. Rainer Wild-Stiftung 2013 unter Rützler 2009; vgl. auch Schönberger 2014 Die Frage ist nicht ob, sondern was, wie, wo, wann, warum mit wem wird gesnackt. 9

10 Snacken. Was ist das? Formen: Naschen zwischendurch Zwischenmahlzeit Hauptmahlzeit Allem gemeinsam ist individuell, flexibel, wenig strukturiert, standardisiert oder habitualisiert, geprägt von Schnelligkeit, hoher Verfügbarkeit und Zufälligkeit Symbol für spontanes, selbstbestimmtes und ungezwungenes Essen Snacks sind Teil des Lebensstils und dessen Inszenierung Bartsch 2008, 2010, 2012; vgl. auch Schönberger 2014 Familienmahlzeiten Familienmahlzeiten gehören zum jugendlichen Alltag, bevorzugt abends und am Wochenende Beispiel: Abends essen mit ihren Kindern/zumindest einem der Kinder unter der Woche (fast) täglich 2-3 x pro Woche Insgesamt Mütter (TZ) Teilzeiterwerbstätigkeit Mütter (VZ) Vollzeiterwerbstätigkeit Mütter (Hausfrau) Väter 92 % 93 % 96 % 81 % veränderte Darstellung nach Nestléstudie

11 Funktionswandel Kommunikationsort Familientisch Selbstversorgung Bartsch 2008, 2012 Außerhäusliche Ernährungsversorgung Marthas Blog Food for thought Martha Payne: neverseconds.blogspot.co.uk/ 11

12 These (Nicht nur) bei Jugendlichen haben Kochen und Essen einen festen Platz in digitalen Medien. Digital Natives wachsen in einer Welt mit digitalen Technologien auf Digitale Medien sind Teil unseres Alltags und haben Einfluss auf Lebensgestaltung (fast) aller Menschen. 16. Shell-Jugendstudie

13 Digitale Realität Mediale und außermediale Welt amalgamiert zunehmend für die heranwachsenden Kinder und Jugendliche, d. h. online oder offline wird nicht scharf getrennt. BMFSFJ 2013, S. 43; JIM-Studie 2013 Beispiel: interaktives Angebot Everyday Food seit 2003 Rezepte der Hobbyköche 1. Internet 2. Freunde 3. Kochbuch Quelle: (2/2014) https://www.facebook.com/everydayfood 13

14 Beispiel: Alltägliches wird wichtig Beispiel: Social Event https://de-de.facebook.com/dinerenblanc.ka 14

15 Beispiel: Gesundheitsprävention Beispiel: mobile, ortsbezogene Spiele Karlsruher Mehlspur Jugendliche sind mobil, digital, vernetzt. 15

16 These Essen findet häufig nebenbei statt und steht somit dem alltäglichen Genuss im Wege. Genießen geht nicht nebenbei Genuss Voraussetzungen körperlich-sinnliche Erfahrung das rechte Maß emotional positiv Bedürfnisaufschub intensives Selbsterleben Kontrolle Moment des Innehaltens Besonderheit im Alltag reflexiven Umgang mit angenehmen Dingen Lust notwendig, nicht ausreichend bewusste körperlich-sinnliche Erfahrung Höhl 2009 Lust auf Essen ist nicht mit Essgenuss gleichzusetzen. 16

17 Genuss lernen Genussregel Genuss braucht Zeit Genuss zulassen Genuss braucht Erfahrung Genuss geht nicht nebenbei Vertiefungsfolie Folgerung Zeiträume schaffen Genussverbote aufheben Sinneserfahrungen ermöglichen und trainieren Störfaktoren abschalten bewusst und aufmerksam sein Genuss ist individuell Genuss ist alltäglich Genuss hängt nicht von der Menge ab wissen, was mir gut tut das Außerordentliche des Alltags wahrnehmen beschränken und bereichern verändert nach Höhl 2009; Methfessel 2012 Zusammenfassung Snacking ist Teil der Jugendesskultur. (Nicht nur) bei Jugendlichen haben Kochen und Essen einen festen Platz in digitalen Medien. Essen findet häufig nebenbei statt und steht somit dem alltäglichen Genuss im Wege. 17

18 Gerne beantworte ich Ihre Fragen Kontakt: Prof. Dr. Silke Bartsch Egopragmatischer Körperumgang Vertiefungsfolie Figurmodellierungstechniken geschlechtsdifferenter Umgang ergebnisorientiert einseitige Handlungsmuster Lebensstiländerung unerwünscht Widerspruch Anspruch und Realität Bartsch 2008,

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