Was passiert mit den Freiflächen? Doppelte Innenentwicklung!

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1 Was passiert mit den Freiflächen? Doppelte Innenentwicklung!?! (Foto: Böhm, 2014).

2 Ausgangssituation Nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2002: täglicher Flächenverbrauch soll bis zum Jahr 2020 bei max. 30 ha liegen (30-ha-Ziel) Forderung nach quantitativer und qualitativer Steuerung der Flächeninanspruchnahme, ökonomische Anreizsysteme zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme, verstärkte Nutzung rechtlicher Instrumente Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung! Stärkung von Flächenrecycling und Baulandmobilisierung im Innenbereich

3 Aktuelle Situation Eine Fortsetzung der durchschnittlichen jährlichen Entwicklung der letzten Jahre würde jedoch weiterhin nicht genügen, um das vorgegebene Reduktionsziel bis 2020 zu erreichen. (Bundesregierung: Nationale Nachhaltigkeitsstrategie, Fortschrittsbericht 2012) (Quelle: Statistisches Bundesamt: Indikatorenbericht 2012)

4 Strategien zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme verstärkte Innenentwicklung (Verdichtung, Baulückenschließung, Flächenrecycling) Aufbereitung und Nutzung von Brachflächen Stärkung und Weiterentwicklung der Instrumentarien der Landes- und Regionalplanung, der Bauleitplanung Ökonomische Anreize (pos./neg. wirkend, u.a. Abbau nicht zielführender Subventionen, Förderprogramme, kommunaler Finanzausgleich, Abgabe für Bauland-Neuausweisungen, handelbare Flächenausweisungsrechte)

5 Das Ziel Innenentwicklung vor Außenentwicklung wird vom Naturschutz grundsätzlich unterstützt. aber: innerstädtische Grünflächen haben vielfältige Funktionen, die es zu erhalten gilt.

6 Soziale Funktionen Freizeit- und Erholungsnutzung Naturerfahrungsräume (Umweltbildung) Positive Effekte auf menschliche Gesundheit Sozialer Austausch, Kommunikation Begegnung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen (Verständigung, Integration) (Bildautoren: links: Horntrich (2011), rechts: Böhm (2014))

7 Ökonomische Funktionen Einnahmen durch Nutzung (z.b. Eintrittsgelder in Parks, Gartenschauen) Wertsteigerung von Grundstücken und Immobilien durch vorhandene Freiräume weicher Standortfaktor (Einfluss auf die Wohnortentscheidung und auf die Standortsuche für Firmenansiedlungen) Erbringung von sog. Ökosystemleistungen (z.b. Klimaregulierung, Hochwasserschutz, Nahrung,..)

8 Ökologische Funktionen Nicht versiegelte Böden städtischer Freiräume Pufferung und Filterung von Schadstoffen Versickerung von Niederschlagswasser Verzögerung des Oberflächenabflusses, Entlastung der Kanalisation Urbane Oberflächengewässer Lebensraum für Flora und Fauna Verbesserung des Stadtklimas (Abkühlungseffekte, Veränderung der Luftfeuchte) Erholung und Freizeitnutzung Senkung der Hochwassergefährdung Grundwasser-Neubildung Lebensgrundlage für Pflanzen und Tiere

9 Klima/Luft Arten und Lebensgemeinschaften klimatischer Ausgleich Verbesserung der Luftqualität (Filterung Feinstaub, CO 2 - Absorption) Bremsung Luftbewegungen Milderung Temperaturextreme (kleinklimatische) Entlastung: Abkühlung durch Verdunstung, Oaseneffekt besonderer Artenreichtum aufgrund der Heterogenität der Standorte und hohem Anteil von gebietsfremdem Arten extreme Standortbedingungen und Sonderstandorte sind geeignet für spezialisierte, häufig seltene/gefährdete Arten Lineare Grünflächen, die von der Stadt ins Umland führen, können als Ventilationsbahnen dienen Lärmreduzierung (Foto: Horntrich, 2013)

10 Landschaftsbild und (Historische) Kulturlandschaften Gliederung der bebauten Flächen Strukturierung der Stadt zu einer typischen Stadtgestalt (Identifikations- und Orientierungsmöglichkeiten) Zeugnis historischer Nutzungen, (z.b. Industriebrachen) Zeugnis der Kultur- und Gartengeschichte der jeweiligen Epoche (Foto: Böhm, 2014)

11 Forschungsvorhaben: Entwicklung von naturschutzfachlichen Zielen und Orientierungswerten für die planerische Umsetzung der Doppelten Innenentwicklung sowie als Grundlage für ein entsprechendes Flächenmanagement Auftraggeber: Bundesamt für Naturschutz, aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) Projektpartner: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Institut für Landschaftsarchitektur Deutsches Institut für Urbanistik (difu) Laufzeit:

12 Lösung? Doppelte Innenentwicklung! (Foto: Das Prinzip der Doppelten Innenentwicklung (Wilke 2010))

13 Was ist Doppelte Innenentwicklung? Qualifizierung des Leitbilds "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" Ziel: Flächenreserven baulich sinnvoll nutzen, gleichzeitig aber auch die Freiraumversorgung und - nutzbarkeit erhalten und die innerstädtischen Freiflächen entwickeln, miteinander vernetzen und qualitativ verbessern sowohl quantitative als auch qualitative Ziele hinsichtlich der Freiräume besonderes Augenmerk: naturschutzfachliche Ziele

14 Naturschutzfachliche Ziele und ökologische Handlungsfelder für das urbane Grün Freiräume im besiedelten und siedlungsnahen Bereich einschließlich ihrer Bestandteile, wie Parkanlagen, großflächige Grünanlagen und Grünzüge, Wälder und Waldränder, Bäume und Gehölzstrukturen, Fluss- und Bachläufe mit ihren Uferzonen und Auenbereichen, stehende Gewässer, Naturerfahrungsräume sowie gartenbau- und landwirtschaftlich genutzte Flächen, sind zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, neu zu schaffen. ( 1 (6) BNatSchG)

15 (Grafik: Böhm (2014))

16 Ökologisches Handlungsfeld Ziele Arten- und Biotopschutz Erhalt und Entwicklung von Qualität und Funktion als Lebensraum (Flächengrößen, Vernetzung, strukturelle Ausstattung) Sicherung und Entwicklung von Arten insbesondere wertgebender und seltener Arten Handlungsfeld -übergreifend: Erhalt der natürlichen dynamischen Prozesse Urbanes Grün Bodenschutz Klimaschutz Gewässerschutz Erhalt der Bodenfunktionen (geringer Versiegelungsanteil, natürliche Bodenstrukturen, geringe Bodenverdichtung) Erhalt als Standort für Arten und Lebensgemeinschaften Erhalt und Entwicklung der klimatische Ausgleichsfunktionen (Flächengröße, Lage, Vernetzung, Vegetationsstrukturen, Pflanzenzusammensetzung) Erhalt oberirdischer Gewässer einschließlich Sicherung und Entwicklung der Gewässerqualität Sicherung von Qualität, Menge sowie räumlicher Verteilung des Grundwassers Landschaftsschutz Erhalt und Sicherung von Grünflächen als Grundlage für eine Erholung in Natur und Landschaft sowie als kulturlandschaftliches Zeugnis

17 Ziele des Forschungsvorhabens Entwicklung von Kriterien und konkreten Handlungsempfehlungen für die Kommunen, wie die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftsplanung in die Strategien und Konzepte für die Innenentwicklung eingebunden werden sollten.

18 Inhalte der Handlungsempfehlungen quantitative Kriterien (z.b. aktuelle Richtwertdebatte) qualitative Kriterien Ausschlussgründe für die Nach- oder Umnutzung von Freiflächen für andere Funktionen bzw. Nutzungen (z.b. aus ökologischen/artenschutzrechtlichen Gründen) Empfehlungen zur Identifikation von Entscheidungs- oder Vorbehaltsflächen Flächen, die quantitative und/oder qualitative Ausgleichsfunktionen übernehmen könnten

19 Arbeitsschritte 1. Analyse aktueller Strategien zur Doppelten Innenentwicklung 2. Entwicklung von Kriterien und Verfahren zur qualifizierten Einbindung naturschutzfachlicher und landschaftsplanerischer Ziele bei der Innenentwicklung 3. Überprüfung und Vertiefung der Ergebnisse anhand von Fallstudien 4. Handlungsempfehlungen 5. + Projektbegleitung durch interdisziplinär zusammen gesetzte Arbeitsgruppe/Expertenrunde

20 Derzeitiger Stand Arbeitsschritt 1: Analyse aktueller Strategien zur Doppelten Innenentwicklung Literatur- und Internetrecherche Befragung der bundesdeutschen Großstädte Auswertung ausgewählter Konzepte zur Doppelten Innenentwicklung/Good-Practice-Beispiele

21 Abschluss der Befragung der 80 bundesdeutschen Großstädte mit mehr als Einwohnern, z.zt. laufende Auswertung Rücklauf: 50% Doppelte Innenentwicklung ist ein Thema, allerdings nicht überall und umfassend umgesetzt Erste Good-Practice-Beispiele zeichnen sich ab: Leipzig, München, Hamburg im Juli Expertenrunde (Foto: München (Böhm 2014))

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