Hamburger Kreditbarometer

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1 Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer Konjunkturumfrage, 2. Quartal 2010 Der Aufschwung in der Hamburger Wirtschaft hat im 2. Quartal 2010 nochmals an Fahrt gewonnen. Sowohl bei den Geschäftserwartungen als auch bei den Investitions- und Personalplanungen überwiegen die positiven Einschätzungen. Dies gilt zudem für die Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage nach fünf Quartalen antworteten erstmals wieder mehr Unternehmen mit gut als mit schlecht. Bereits seit einem Jahr sind auch die Exporterwartungen der Hamburger Wirtschaft per Saldo positiv. Vor dem Hintergrund des konjunkturellen Aufschwungs stellt sich weiter die Frage, inwieweit die Kreditversorgung der Hamburger Wirtschaft gewährleistet ist. Um dies festzustellen, hat unsere Handelskammer in einem kontinuierlichen Monitoring im Rahmen der vierteljährlichen Konjunkturumfrage nun bereits zum sechsten Mal in Folge eine Sonderbefragung zum Thema Kreditversorgung durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach dem generellen Zugang der Unternehmen zu Fremdkapital (I.), nach der Entwicklung der Finanzierungskonditionen aus Sicht der Betriebe (II.) und schließlich nach der Entwicklung des Umfangs der Kreditvergabe aus Sicht der Kreditinstitute (III.). Inhalt: I. Aktueller Zugang der Unternehmen zu Fremdkapital...2 Mehrheit der Unternehmen sieht Zugang zu Fremdkapital entspannt... 2 Deutliche Unterschiede in der Einschätzung je nach Branche... 2 Zugang zu Fremdkapital für kleine Unternehmen schwieriger... 3 II. Entwicklung der Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr...4 Positiver Trend bei Finanzierungskonditionen hält an... 4 Finanzierungsbedingungen je nach Branche unterschiedlich... 5 Leichte Entspannung bei Konditionen für kleine und mittlere Unternehmen... 6 Steigende Anforderungen an Dokumentationspflichten... 7 Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierung weiter kritisch... 8 III. Entwicklung der Kreditvergabe aus Sicht der Kreditinstitute...9 Betriebsmittelfinanzierung rückläufig... 9 Investitionskredite weitgehend konstant...10 Hinweise zur Systematik...10 Die aktuellen Ergebnisse des Hamburger Kreditbarometers und die Resultate der vorangegangenen Erhebungen stehen unter Dok. Nr als Download bereit. Zusätzliche Information zur Entwicklung der Hamburger Konjunktur finden Sie unter Herausgeber: Handelskammer Hamburg Adolphsplatz Hamburg Tel. 040 / Bearbeitung: Dr. Gabriele Rose und Dr. Torsten König

2 I. Aktueller Zugang der Unternehmen zu Fremdkapital Mehrheit der Unternehmen sieht Zugang zu Fremdkapital entspannt Zum ersten Mal hat unsere Handelskammer die Hamburger Unternehmen im aktuellen Kreditbarometer gefragt, wie sie generell die Möglichkeiten einschätzen, Fremdkapital zu erhalten. Zwar sehen 19,2 Prozent der Unternehmen die Lage negativ und beurteilen die gegenwärtigen Fremdfinanzierungs-Möglichkeiten als schlecht ein. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57,8 Prozent) schätzt die Lage aber als normal ein. Fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer (22,9 Prozent) bewertet den Zugang zu Fremdkapital derzeit sogar als gut. Insgesamt haben also vier von fünf der befragten Hamburger Unternehmen somit momentan keine besonderen Schwierigkeiten, Fremdkapitalquellen zu erschließen. Dies zeigt auch der positive Saldo aus der Unternehmensantworten gut minus schlecht in Höhe von +3,7 über alle Branchen hinweg (vgl. Grafik 1). Grafik 1: * Unternehmensantworten < 30 (24) Deutliche Unterschiede in der Einschätzung je nach Branche Überwiegend positive Stimmen kommen auch aus dem Verarbeitenden Gewerbe (Saldo: +6,4) und aus dem Handel (Saldo: 10,8). Anders sieht es dagegen im Gastgewerbe aus: zwar bewerten gut zwei Drittel der branchenzugehörigen Betriebe den Zugang zu Fremdkapital als normal. Als gut schätzen aber nur relativ wenige Unternehmen (12,5 Prozent) die Möglichkeiten ein, Fremdkapital zu erhalten. Mit 21,1 Prozent Schlecht -Meldungen ergibt sich so ein eindeutig negativer Saldo von -8,6. Negativ ist auch die Gesamtschau beim Verkehrsgewebe (Saldo: -10,9) sowie bei der Medien- und IT-Branche (Saldo: - 10,5). Deutlich mehr als ein Viertel der Unternehmen dieser beiden Branchen beklagt schlechte Möglichkeiten, Fremdkapital zu erhalten. HK Hamburg 2

3 Zugang zu Fremdkapital für kleine Unternehmen schwieriger Je nach Größe gestalten sich die Zugangsmöglichkeiten der Unternehmen zu Fremdkapital recht unterschiedlich: Mittlere und große Unternehmen mit 50 Beschäftigten und darüber bewerten die gegenwärtigen Bedingungen Fremdkapital zu erhalten, mehrheitlich als positiv. Nur ein kleiner Teil der Befragten beider Beschäftigtengrößenklassen bewertet die Finanzierungskonditionen im 2. Quartal 2010 als schlecht (große Unternehmen 14,4 Prozent / Mittlere Unternehmen 12,7 Prozent). Bei den kleinen Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten ergeben die Antworten der Befragten ein anderes Bild: Jedes vierte der kleinen Unternehmen (25,3 Prozent) bewertet die Finanzierungssituation im 2. Quartal 2010 als schlecht also merklich mehr als der Durchschnitt der befragten Hamburger Unternehmen (19,2). Der Saldo von -4,9 aus der Gegenüberstellung der Gut - und Schlecht -Anworten verdeutlicht dies. Grafik 2: Die aktuelle Finanzierungssituation scheint insbesondere für größere Unternehmen ab 300 Beschäftigten eher unbedenklich zu sein (Saldo +13,8). Und auch mittelgroße Unternehmen liegen mit einem Saldo von +11,4 deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Hamburger Wirtschaft (Saldo +3,7). HK Hamburg 3

4 II. Entwicklung der Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr Positiver Trend bei Finanzierungskonditionen hält an Insgesamt sehen die befragten Hamburger Unternehmen die Finanzierungskonditionen günstiger als im Vorjahr. Aus Sicht jedes zehnten Unternehmens haben sich die Bedingungen im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Wie auch in den letzten Umfragen sieht sich die große Mehrheit der Befragten, nämlich fast drei von vier Unternehmen (72,3 Prozent) keinen beachtlichen Veränderungen ausgesetzt für sie blieben die Finanzierungskonditionen auch im 2. Quartal 2010 unverändert. Die Zahl der befragten Unternehmen, die über verschlechterte Finanzierungskonditionen klagen, nimmt wie bereits im Vorquartal weiter ab. Der Anteil fällt mit 15,5 Prozent wesentlich geringer aus als noch vor einem dreiviertel Jahr (33,0 Prozent). Insgesamt scheint der Zugang zu Krediten für die Mehrheit in der aktuellen Umfrage nach wie vor unproblematisch. Mit 2,3 Prozent von 602 befragten Unternehmen liegen die Negativmeldungen im 2. Quartal 2010 relativ niedrig. Grafik 3: Der Saldo aus einer Gegenüberstellung der positiven ( verbessert ) und negativen Erfahrungen ( verschlechtert und nicht verlängert/abgelehnt ) fällt zwar immer noch negativ aus, innerhalb von nur 9 Monaten deutlich verbessert: von -27,5 im 3.Quartal 2009 auf aktuell -7,9. HK Hamburg 4

5 Finanzierungsbedingungen je nach Branche unterschiedlich Die Betroffenheit einzelner Branchen von schlechteren Finanzierungsbedingungen im Vergleich zum Vorjahr divergiert wie schon in den letzen Quartalen stark. So hat sich die Finanzierungssituation im Verkehrsgewerbe nach Auskunft der befragten Unternehmen seit Beginn der Finanzmarktkrise zwar günstiger entwickelt: über schlechtere Bedingungen klagen im 2. Quartal ,2 Prozent, im 4. Quartal 2009 waren es noch 36,6 Prozent. Mit einem Saldo von -21,0 ist das Verkehrsgewerbe aber nach wie vor Spitzenreiter der Negativmeldungen. Ähnlich sieht es bei Medien und IT aus. In dieser Branche sind die Klagen über schlechtere Finanzierungsbedingungen besonders hoch. Auch wenn sich für 80,0 Prozent scheinbar nichts verändert hat, klagen derzeit 20 Prozent der Unternehmen über schlechtere Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist auch, dass keinerlei Verbessert -Meldungen aus dem Gastgewerbe, der Medien/IT-Branche o- der aus dem Verkehrsgewerbe zu verzeichnen sind. Gleichzeitig gab es aber auch keine Klagen über abgelehnte bzw. nicht verlängerte Kredite. Grafik 4: * * Unternehmensantworten < 30 (23) Dagegen äußerte sich der Handel überwiegend positiv. Zwar ist in dieser Branche der Anteil an nicht verlängerten oder abgelehnten Finanzierungen mit 5,0 Prozent überdurchschnittlich hoch. Zugleich berichten aber vier von fünf Handelsunternehmen von verbesserten (17 Prozent) oder normalen (64,5 Prozent) Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr. HK Hamburg 5

6 Leichte Entspannung bei Konditionen für kleine und mittlere Unternehmen Nach wie vor klagen besonders viele kleinere Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten über schlechtere Finanzierungskonditionen als im Vorjahr. Zwar blieben die Finanzierungskonditionen für die Mehrheit der Befragten dieser Größenklasse (70,4 Prozent) unverändert, und 7,0 Prozent geben sogar eine Verbesserung an. Dennoch ist der Anteil der kleinen Unternehmen, die von verschlechterten Finanzierungskonditionen berichten, mit 19,1 Prozent höher als bei mittleren oder großen Unternehmen. 3,5 Prozent der kleineren Betriebe beklagen zudem die Ablehnung bzw. Nicht-Verlängerung von Krediten. Anders stellt sich die Finanzierungslage bei den großen Unternehmen ab 300 Beschäftigten dar: Während Ende 2009 noch 3,7 Prozent der Großunternehmen angaben, Kredite seien nicht zustande gekommen bzw. nicht verlängert worden, liegt der Wert wie bereits im ersten Quartal 2010 auch in der aktuellen Umfrage bei Null. Drei von vier der großen Unternehmen (76,8 Prozent) berichten von gleich bleibenden Bedingungen, für 12,3 Prozent hat sich die Finanzierungssituation sogar noch verbessert. Lediglich 10,8 Prozent der Befragten geben an, die Finanzierungskonditionen haben sich verschlechtert. Grafik 5: Auch mittelgroße Unternehmen ( Beschäftigte) verzeichnen insgesamt bessere Finanzierungsbedingungen. Der Saldo zwischen positiven ( verbessert ) und negativen Antworten ( verschlechtert und abgelehnt/nicht verlängert ) erholt sich deutlich von -20,4 im 4. Quartal 2009 auf - 1,9 in der aktuellen Umfrage (1. Quartal 2010: -12,2). Bei großen Unternehmen liegt der Saldo sogar erstmals seit der Finanzmarktkrise mit +1,5 im positiven Bereich. HK Hamburg 6

7 Steigende Anforderungen an Dokumentationspflichten Höhere Zinsen (63,9 Prozent) und strengere Anforderungen an Sicherheiten (58,8 Prozent) bilden bei den Unternehmensantworten nach wie vor Hauptkritikpunkte, wenn es um die Frage geht, in welchen Bereichen sich die Finanzierungskonditionen verschlechtert haben. Steigende Anforderungen an Dokumentationspflichten geben mehr als 45,9 Prozent der Befragten an mehr als in allen Befragungszeiträumen zuvor. Allein der Vergleich zur Befragung im 1. Quartal 2010 (37,7 Prozent) zeigt einen spürbaren Anstieg um 8,2 Prozentpunkte. Auffällig ist, dass die Unternehmen auch die Bearbeitungszeiten zunehmend kritisch sehen. 29,4 Prozent der Befragten sehen hier aktuell schlechtere Bedingungen, im 1. Quartal 2010 waren es noch 20,8 Prozent. Grafik 6: Der eigene Finanzierungsanteil spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Mit 43,4 Prozent nimmt der Eigenbeitrag der Unternehmen den vierten Rang unter den kritischen Punkten bei den Finanzierungskonditionen ein. Abgenommen haben dagegen im Vergleich zum 1. Quartal Klagen über Kreditversicherungen (21,1 Prozent) und Laufzeiten (15,5 Prozent). HK Hamburg 7

8 Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierung weiter kritisch Bei zwei von drei Unternehmen (67,7 Prozent), die in der Umfrage verschlechterte Finanzierungskonditionen angaben, ist besonders die Finanzierung von Betriebsmitteln betroffen. Auch bei den Investitionskrediten ist der Wert in der aktuellen Umfrage erneut um 2,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal auf 46,4 Prozent gestiegen. Auffällig sind ebenfalls Klagen im Bereich des Leasing (15,1 Prozent). Mit einem Anstieg um 4,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorquartal ist dies ein deutlich negatives Signal für diese Form der Unternehmensfinanzierung. Grafik 7: Die Finanzierung von Innovationen rückt mit 6,8 Prozent weiter aus dem Fokus. Deutlich zurück gegangen sind um mehr als 7,8 Prozentpunkte auch Klagen über die Exportfinanzierung. Im Vorquartal lag diese noch an dritter Stelle der Negativmeldungen hinter den Betriebsmittel- und Investitionskrediten. Rückläufig ist auch der Anteil der Unternehmen, die Factoring als Themenfeld erschwerter Finanzierungskonditionen angeben. Mit 2,3 Prozent liegt dieser Wert im Vergleich zum Vorquartal deutlich niedriger. HK Hamburg 8

9 III. Entwicklung der Kreditvergabe aus Sicht der Kreditinstitute Betriebsmittelfinanzierung rückläufig Im Rahmen der Konjunkturumfrage wurden insbesondere auch Kreditinstitute nach dem Umfang ihrer Kreditvergabe für Betriebsmittel (Grafik 8) und Investitionen (Grafik 9) im Vergleich zum Vorquartal befragt. Während sich der Umfang der Betriebsmittelfinanzierung in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 deutlich erhöhte (Saldo 4. Quartal 2009: -10,5 / 1. Quartal 2010: +12,7), liegt der aktuelle Saldo mit -7,8 bei der aktuellen Umfrage erneut im negativen Bereich. Grafik 10: Zwar ist der Umfang der Kreditvergabe bei über der Hälfte der in Hamburg befragten Kreditinstitute im 2. Quartal 2010 gleich geblieben (59,4 Prozent). Die Rückmeldungen der Institute, die mehr Kredite für Betriebsmittel im Vergleich zum Vorquartal vergeben haben, ist jedoch rückläufig: aktuell sind es 16,4 Prozent, also 16,7 Prozentpunkte weniger als im 1. Quartal 2010 (33,1 Prozent). Eine sinkende Kreditvergabe gegenüber dem Vorquartal verzeichnet derzeit fast jedes vierte Kreditinstitut. HK Hamburg 9

10 Investitionskredite weitgehend konstant Im Bereich der Investitionskredite ist die Vergabe laut Auskunft der meisten befragten Kreditinstitute (62,8 Prozent) im Vergleich zum Vorquartal in etwa gleich geblieben. Während im Vorquartal noch 38,7 Prozent der Kreditinstitute einen Anstieg der Investitionskredite meldeten, liegt der Anteil im 2. Quartal 2010 immerhin noch bei 24,2 Prozent. 13,0 Prozent der Befragten geben an, die Kreditvergabe für Investitionen sei gefallen. Insgesamt ergibt sich somit ein Saldo, der mit +11,2 auch in der aktuellen Umfrage deutlich positiver ausfällt als noch im 4. Quartal 2009 (-29,1) Grafik 11: Hinweise zur Systematik Von den 743 Teilnehmern an der Konjunkturumfrage unserer Handelskammer ( Hamburger Konjunkturbarometer ) im 2. Quartal 2010 haben sich 602 Unternehmen (81 Prozent) im Rahmen der Sonderbefragung auch zu Finanzierungskonditionen geäußert. Das dargestellte Gesamtbild der Finanzierungskonditionen für die Hamburger Wirtschaft ergibt sich aus den nach Unternehmensgrößen gewichteten Stimmen der von unserer Handelskammer befragten Unternehmen der Real- und der Kreditwirtschaft. Die Fragen zu den Finanzierungskonditionen werden bundesweit einheitlich von den deutschen Industrie- und Handelskammern gestellt, abgestimmt über den Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. Die Unternehmen werden dazu befragt, welche Erfahrungen sie mit ihren Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gemacht haben. Die Kreditinstitute werden zur Entwicklung der Kreditvergabe gegenüber dem Vorquartal befragt. Ergebnisse für das Hamburger Kreditbarometer liegen bislang für die Befragungszeiträume 3. und 4. Quartal 2008, 3. und 4. Quartal 2009, 1. Quartal 2010 und aktuell für das 2. Quartal 2010 vor. HK Hamburg 10

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