Die Medienindustrie. Auswirkungen von Basel II auf Finanzierung, Kapitalmarkt und Wettbewerb der Branche

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1 1 Die Medienindustrie Auswirkungen von Basel II auf Finanzierung, Kapitalmarkt und Wettbewerb der Branche Harald Heider Gruppenleiter Research für Medien und Telekommunikationswerte, DZ-BANK Frankfurt

2 2 Definition - Medienunternehmen Medienunternehmen produzieren und/oder distribuieren immaterielle Wirtschaftsgüter. Insbesondere die Produktion der Mastercopy ist regelmäßig mit hohen sprungfixen Kosten verbunden, während die Vervielfältigung und Distribution eher geringe variable Kosten verursacht. Dementsprechend ist die Produktion mit einer hohen Kapitalbindung verbunden, die durch die Verwertung über die Auswertungskette recouped werden muß. Vor diesem Hintergrund sind audiovisuelle Produktionsunternehmen insbesondere in Wachstumsphasen regelmäßig Cash-Flow-Negativ.

3 3 Struktur der Medienindustrie - Umsatz in % 1,6 1,2 0,8 25,5 70,8 unter 0,5 Mio Euro 0,5 bis 5 Mio Euro 5 bis 12,5 Mio Euro 12,5 bis 25 Mio Euro Größer 25 Mio Euro Quelle: Umsatzsteuerstatistik

4 4 Die Business-Modelle in der Medienindustrie Grundsätzlich sind im Rahmen des Wertschöpfungsprozesses sehr viele verschiedene Business-Modelle insbesondere bezüglich der Produktionsfinanzierung von audiovisuellen Inhalten vorstellbar. Das Kontinuum der Finanzierungsformen reicht von der reinen Auftragsproduktion für Dritte über das Modell der Pre-Sales an Distributoren oder die Einbindung von Fondsmitteln bis zur Produktion auf eigenes Risiko. Fakt ist, dass auch im Bereich der Filmproduktion grundsätzlich der ökonomische Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko gilt. Dem entsprechend sollte unter normalen Umständen dem Träger des finanziellen Risikos auch der Auswertungserfolg des Produktes zustehen. Audiovisuelle Inhalte tragen regelmäßig ein hohes modisches Risiko, während die Produktionskosten zum Zeitpunkt des Greenlight weitgehend festgelegt werden.

5 5 Kapitalbindung in der audiovisuellen Wertschöpfung Kapitalbindung; Höhe Vorfinanzierung der Produktion Werbung Entwicklung Produktion Kino Video Pay-TV Free-TV Distribution Kapitalbindung; Dauer

6 6 Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstandes Eigenkapitalquote ist ein wesentlicher Bonitätsfaktor Mit durchschnittlich 18 % im Vergleich zu anderen Ländern zu gering Ursachen: Ausgangslage nach dem Krieg Steuerliche Rahmenbedingungen hohe Thesaurierungsbelastung steuerliche Abzugsfähigkeit von Kreditzinsen steuerliche Belastung bei Auflösung stiller Reserven Günstige langfristige Kredite durch Banken Probleme: Evtl. steigende Kreditkosten je nach Zinsentwicklung und Bonität Höhere Insolvenzgefährdung, evtl. keine weitere Kreditvergabe

7 7 Konsequenzen aus der Branchenstruktur Viele Produktionsunternehmen bewegen sich in nicht wettbewerbsfähigen Betriebsgrößenklassen (450 Kinofilmproduzenten in Deutschland) Die Unternehmen sind nicht in der Lage Portfoliodiversifikation zu betreiben, dementsprechend können nur wenige Unternehmen Inhalte auf eigenes Risiko produzieren und finanzieren. Insbesondere im TV-Bereich herrscht eine oligopolistische Nachfragestruktur mit einer hohen Abhängigkeit der Lieferanten. Dementsprechend sind die Finanzierungskosten für die Grenzanbieter von audiovisuellen Inhalten von hoher betriebswirtschaftlicher Bedeutung für die Ertragskalkulation. Die Finanzierungsalternativen sind für viele kleinere Unternehmen begrenzt. Basel II sollte nicht als Ursache für die fehlenden Finanzierungsresourcen verantwortlich gemacht werden. Basel II wird selektiv auf die Wettbewerbssituation wirken.

8 8 Zinssubvention des Wettbewerbs Kundenkreditzins Kunden mit schlechtem Rating werden von Kunden mit gutem Rating subventioniert ausfallrisikoadjustierter Kundenzins Nicht bonitätsangepasster Kundenzins Kunden mit gutem Rating subventionieren schlechte Kunden Rating des Kunden gut durchschnittlich schlecht

9 9 Finanzierungsalternativen des Mittelstandes Geplanter Börsengang 19,5 Unternehmensanleihen 14,3 Stille Beteiligungen 32,5 Risikokapital 14,3 "Mezzanine- Finanzierung" 16,9 Sonstige 19, Mehrfachnennungen waren möglich Quelle: Private Universität Witten/Herdecke, Befragung Ende 2001, KMU (Umsatz <125 Mio. )

10 10 Handlungsempfehlungen Exakte Formulierung der strategischen Ziele und des Business- Modelles Optimierung der Unternehmensgröße und der Wettbewerbsposition Implementierung einer effizienten Unternehmenssteuerung und eines Controllingsystems, dass insbesondere die Auswirkungen aus den Veränderungen der ökonomischen Rahmenbedingungen und der Wettbewerbsituation zeitnah reportet. Rechtzeitige Erschließung und Sicherung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten zur Bewältigung von Engpässen. Konsequente Überwachung der Cash-Flow-Planung auf Projekt und Unternehmensebene.

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