Bundeskoordinatorentag 2014

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1 Bundeskoordinatorentag 2014 Rekordabbruch in Leverkusen von 122 m auf 0 m in innovativer Rückbautechnik Höchster bisher durchgeführter Hochhausrückbau in Deutschland Best practice: Zusammenarbeit Bauherr - Koordinator - Baufirma SiFa Dipl.-Ing. Carsten Kuschel (Mplus GmbH, Sankt Augustin) und Dipl.-Ing. Frank Sieker (Ingenieurbüro Sieker, Langenfeld)

2 Inhalt 1. Hintergrund/Bauwerksbeschreibung/Ortslage 2. Hochhausrückbau/Abbruchverfahren 3. Besonders gefährliche Arbeiten und relevante Gefährdungen 4. Planung der Ausführung/Berücksichtigung 4 ArbSchG/RAB Schutzmaßnahmen und Mindestanforderungen 6. Planung der Ausführung nach Beauftragung des Abbruchunternehmers 7. Auswahl von Abbruchverfahren und Schutzeinrichtungen 8. Praktische Umsetzung/Demontagetechnologie

3 Bayer Hochhaus W1 Bauzeit: 07/ /1962 Einzug 1963, zum 100jährigen Bestehen der Farbenfabriken Bayer AG Vermessungsarbeiten in 120 m Höhe

4 Bauwerk W1 - Statistik bis 1972 höchstes Hochhaus in Deutschland Höhe: 122 m 32 Obergeschosse 3 Untergeschosse Grundriss: 66 x 20 m umbauter Raum: m³ Stahlskelettbauwerk 25 Fertigteildecken 7 Ortbetondecken

5 Lage und Umgebungsbedingungen Direkte Nachbarschaft zur Bayer AG Konzernzentrale W11 Kaiser-Wilhelm-Alle Kaiser-Wilhelm-Allee als Hauptzugang und -zufahrt u.a. zum Chempark, Casino und zu den Vorstandsgebäuden Gefahrenbereich DGUV Information jeweilige Höhe h erforderl. Radius erforderl. Mindestder baul. Anlage (m) anhängig von h radius in m h bis 100 h/5 12,50 h > 100 bis 150 h/6 20,00 h > 150 bis 200 h/7 25,00 h > 200 h/8 30,00

6 Hochhausrückbau von 1954 bis heute* * Stand: 2011, Recherche Fa. Harzheim

7 Auszug aus der DIN Eignung und Auswirkung von Abbruchverfahren

8 Besonders gefährliche Arbeiten Absturzgefahr aus einer Höhe > 120 m Abbau von Massivbauelementen mit bis zu 70 t Einzelgewicht

9 Gewerkeübergreifende Gefährdungen Gegenseitige Gefährdungen - durch fehlende bzw. weggenommene Absturzsicherungen - herabfallende Gegenstände - Trennschweißen - Lärmeinwirkungen Gefährdungen durch Dritte - weitere betriebliche Nutzung der Untergeschosse durch den Bauherr (Technik für Nachbargebäude) - Verkehr im Umfeld der Baustelle

10 Anwendung 4 des Arbeitsschutzgesetzes Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird. Bei den Maßnahmen sind der Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig zu anderen Maßnahmen

11 RAB 33: Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung gering gehalten wird! Räumliche und technische Vorgaben zur Gestaltung der Bauaufgabe in den Leistungsverzeichnissen. Beachtung von VOB Teil C, ATV DIN und Standardleistungsbuch (StLB) Räumliche und zeitliche Zuordnung der Arbeitsabläufe. Vorgabe ausreichend bemessener Ausführungsfristen (Jahreszeiten, Arbeitsbedingungen und etwaige besondere Schwierigkeiten sind zu berücksichtigen) und Bauablaufplanung. Vorgaben für eine geeignete Baustellenorganisation, z. B. durch eine Baustellenordnung.

12 RAB 33: Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung gering gehalten wird! Auswahl und Beauftragung geeigneter (fachkundiger, leistungsfähiger und zuverlässiger) Unternehmen für Planung und Ausführung. Vorgeben, dass die Arbeitgeber und Unternehmer ohne Beschäftigte die Hinweise des Bauherrn und des Koordinators verstehen können, z. B. durch Vorbemerkungen in der Ausschreibung.

13 Leistungen des Koordinators in der Planungsphase Beratung des Bauherrn bei der Erstellung der Ausschreibung hinsichtlich Anforderungen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz - Lastenheft Beratung bei der Planung der Baustelleneinrichtung Erstellung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans (Mindestanforderungen) Erstellung einer Baustellenordnung Regelmäßige Teilnahme an Planungsbesprechungen

14 Schutzmaßnahmen und Mindestanforderungen I Beschreibung der Mindestanforderungen in der Abbruchausschreibung, u.a. Ausschluss von Sprengverfahren aufgrund massiver Stahlbaukonstruktion und Nachbarbebauung Hinweis auf Schutzmaßnahmen im definierten Gefahrenbereich (Schutztunnel, Absperrungen, Warnposten, Kennzeichnung) Hinweis auf Koordinationsverpflichtung des Verkehrs im Gefahrenbereich Hinweis auf vorhandene und nutzbare Seilsicherungssysteme für Arbeiten im Randbereich der Etagen (Unterlage für spätere Arbeiten) Beschreibung der Schutzmaßnahmen/Verkehrssicherungspflichten für das Baustellenumfeld (Schutz von Dritten)

15 Schutzmaßnahmen und Mindestanforderungen II Beschreibung der Mindestanforderungen in der Abbruchausschreibung, u.a. Anforderungen bzgl. Maßnahmen zur Vermeidung von Staub und Lärm (Schallschutzgutachten, Arbeitszeiten) Anforderungen an den Schutz vor Lärm, Staub und Absturz bei der Gestaltung des Schutzgerüstes (Wahl des Bieters) allerdings detallierte Beschreibung durch Abbruchkonzept bei Abgabe des Angebotes! Anforderung an vorzulegende Arbeitsschutzdoku (Abbruchanweisung, Höhenrettungskonzept, Arbeitssicherheitsorganisation) Hinweis auf regelmäßig durchzuführende Rettungsübungen mit der Werkfeuerwehr

16 Schutzmaßnahmen und Mindestanforderungen III Leistungspositionen in der Abbruchausschreibung, z.b. - Schutzdach für die Tiefgarageneinfahrt des Nachbargebäudes

17 6 Monate Planung Koordination nach Beauftragung des Abbruchunternehmens Planung der Ausführung des Unternehmers unter Beachtung des 4 ArbSchG Vorstellung von Konzepten und Abbruchmethoden durch den AN regelmäßiger Austausch und Abstimmung von Konzepten innerhalb des Planungskreises Abstimmung mit Werkfeuerwehr und BG Bau 9 Monate Bauausführung Bauherr BÜ Prüfstatiker Koordinator Werk-FW Baufirma PL/BL Statiker SiFa BG Bau

18 Planung der Ausführung nach Beauftragung des Abbruchunternehmers Auswahl von Abbruchverfahren und Schutzeinrichtungen Praktische Umsetzung / Demontagetechnologie

19 Planung der Ausführung/ Kernleistungen Abbruchunternehmen Fa. Harzheim Projektmanagement des Gesamtprojektes als Generalplaner und Generalunternehmer Entwicklung und Anwendung von neuen Abbruch-Technologien zur Lösungen der technischen Herausforderungen und Kundenanforderungen Auswahl und Steuerung sämtlicher Gewerke inklusive Qualitätssicherung und Begleitung von projektnotwendigen Arbeitsmodifikationen der Nachunternehmer Schutzmaßnamen zur Emissionsminimierung für hochwertige Verwaltungsbauten in geringem Abstand (20 m) mit Nutzung durch Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder

20 Planung der Ausführung / Schutzeinhausung Mögliche Ausführungen der Schutzeinhausung wurden mit dem Bauherrn, dem Koordinator und den zuständigen Behörden besprochen. Zur Diskussion standen: Mastkletterbühnen Komplette Einrüstung des Gebäudes Kranbare Einheiten aus Gerüstelementen Hydraulisch kletternde Schutzeinhausung

21 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung Konstruktion einer bauwerksspezifischen kranunabhängig verfahrbaren Schutzeinhausung der Arbeitsbereiche zur Minimierung der Risiken aus Arbeitshöhe, Wetter und Emissionen durch die Fa. Harzheim Bestehend aus 17 Einzelelementen Herausforderung u.a. Montage (durch Windempfindlichkeit der Einzelelemente) und komplexe Bedienung gemäß Arbeitsabläufen

22 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Montage Montage der 17 Elemente der Schutzeinhausung in 120 Meter Höhe

23 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Funktion Befestigung der Schutzeinhausung an das Gebäude

24 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Versetzen Verfahren der einzelnen Elemente der Schutzeinhausung

25 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Funktion Kombination mehrerer Sicherungssysteme (Integration von bestehenden Einrichtungen) Vorhandene Einrichtungen: Meshgewebe Stahlseile Seilsicherungssystem Neue Einrichtungen: Schutzeinhausung Netze

26 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Funktion Kombination mehrerer Sicherungssysteme Meshgewebe Schutzeinhausung

27 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Funktion Kombination mehrerer Sicherungssysteme Stahlseile mit Netzen Seilsicherungssystem Schutzeinhausung Stahlseile mit Netzen Meshgewebe

28 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Abbrucharbeiten Optimale Arbeitsbedingungen und Sicherheit sowie Emissionsminimierung durch die Schutzeinhausung

29 Demontage-Technologie / Schutzeinhausung / Abbrucharbeiten Von Etage 32 bis Etage 1 immer identische Sicherungssysteme und damit die gleichen sicheren Arbeitsbedingungen

30 Demontage-Technologie / herabfallende Gegenstände Sicherung von Werkzeugen

31 Demontage-Technologie / herabfallende Gegenstände Personentunnel zum Schutz vor herabfallenden Gegenständen Blick auf den Schutztunnel

32 Demontage-Technologie / Rettungsübung Simulation eines Sturzes und Bergung des Verunglückten

33 Demontage-Technologie / Rettungsübung Rettungsübung in Zusammenarbeit mit der Werksfeuerwehr

34 Demontage-Technologie / Schulungen der Mitarbeiter Durch die hohe Wiederholungsrate von ca. 700 Einzelelementen bestand die Gefahr, das subjektive Sicherheitsniveau falsch einzuschätzen. Hier wurde durch regelmäßige Schulungen und Besprechungen gegengesteuert.

35 Demontage-Technologie / Motivation der Mitarbeiter Benennung von Projektverantwortlichen Schildverfahren Abbruch innenliegender Treppenhäuser Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit Säge- und Pressarbeiten Brennschneidearbeiten Stahlbauarbeiten Krantransporte Koordination auf der BE-Fläche usw.

36 Demontage-Technologie / Motivation der Mitarbeiter Bildung von Projektteams Absturzsicherungen innerhalb des Gebäudes Sauberkeit und Ordnung Absicherung der BE - Fläche

37 Demontage-Technologie / Motivation der Mitarbeiter Gemeinsam feiern Halbzeitfest Rückbau Bayer Hochhaus

38 Demontage-Technologie / Schlussbetrachtung neuer Stand der Technik optimaler Schutz gegen - Absturzgefährdungen/herabfallende Gegenstände - Witterungseinflüsse/Lärmemissionen Berücksichtigung des Arbeitsschutzes in der Planungsphase => präzise Planung der Ausführung termingerechte Ausführung zufriedene Auftraggeber Null meldepflichtige Unfälle!

39 Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung bei diesem Vortrag!

40 Vie lend ankfü rihre Aufm erksa mke it!

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