Zukunft Prävention. Herausforderung Seelische Gesundheit. Auditorium Friedrichstraße, Berlin 28. September 2011, Uhr

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1 Zukunft Prävention Herausforderung Seelische Gesundheit Auditorium Friedrichstraße, Berlin 28. September 2011, Uhr

2 Es gibt keine Gesundheit ohne seelische Gesundheit (WHO) Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten und Störungen, wie Hyperaktivität, Depressionen oder allgemeine Gewaltbereitschaft. Bei rund 10 Prozent der Heranwachsenden besteht Beratungs- oder Therapiebedarf. Mehr als jeder zehnte Fehltag geht auf das Konto psychischer Erkrankungen. Fast jeder Dritte in Deutschland durchlebt in seinem Leben eine seelische Störung. Studien weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen werden. Es ist daher eine dringliche gesellschaftliche Aufgabe, tragfähige präventive Strategien und Konzepte zu entwickeln, um die seelische Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Menschen zu fördern. Wie können wir gesunde Lebenswelten schaffen und die gesundheitlichen Ressourcen des Einzelnen stärken? Wie lassen sich psychische Störungen früher erkennen und vermeiden oder besser bewältigen? Welcher präventiven Strategien und Handlungsansätze bedarf es? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen wir uns anlässlich unserer Tagung in Berlin. Wir befassen uns mit Risiko- und Schutzfaktoren seelischer Gesundheit, mit erfolgreichen Interventionsansätzen aus der Praxis ebenso wie mit aktuellen Forschungsprojekten. Namhafte Experten diskutieren, welcher Handlungsbedarf sich aus den aktuellen Daten ergibt: Braucht Deutschland eine Strategie zur Förderung seelischer Gesundheit? Wir laden Sie herzlich ein mit uns zu diskutieren! > Marion Caspers-Merk Präsidentin des Kneipp-Bund e.v. > Dr. Matthias Girke Vorstandsmitglied des DAMiD e.v. > Dr. Rolf-Ulrich Schlenker stv. Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK 2 3

3 Prof. Dr. med. Eva-Maria Bitzer, MPH Jahrgang 1965, studierte Humanmedizin in Frankfurt/Main und Wien. Anschließend absolvierte sie den Master-Studiengang Public Health an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort habilitierte sie 2009 zum Thema Versorgungsforschung aus Public Health Perspektive. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie viele Jahre am ISEG-Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung tätig, zuletzt als stellvertretende wissenschaftliche Geschäftsführerin. In 2009 nahm sie einen Ruf an die Pädagogische Hochschule Freiburg an. Sie vertritt dort das Fach Public Health & Health Education und leitet die Bachelor und Master Studiengänge Gesundheitspädagogik. Seit 1994 führte sie zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Versorgungsforschung, Health Technology Assessment, Qualitätsmanagement, Qualitätssicherung und Health Outcomes Assessment durch, die Themen aus der Prävention, Kuration und Rehabilitation fokussierten. Ihre Forschungsinteressen gelten dabei v.a der Stärkung der Patientenorientierung gesundheitlicher Versorgung. Frau Bitzer ist Autorin von mehr als 40 Originalarbeiten, ca. 40 Monographie und Buchbeiträgen. Psychiatrie Und dann? Ergebnisse aus dem BARMER GEK Report Krankenhaus Uhr / Forum B Zwischen 1990 und 2010 haben die Behandlungstage in Krankenhäusern aufgrund von psychischen Störungen um 58% von 167 auf 265 Tage je Versicherte zugenommen. Ursächlich dafür verantwortlich ist die sehr viel größere Anzahl an betroffenen Versicherten: Der Anteil der Versicherten, der innerhalb eines Kalenderjahres mindestens einen Tag unter der Diagnose einer psychischen Störung im Krankenhaus behandelt wurde, ist von 3,73 pro Versicherte im Jahr 1990 auf 8,53 pro Versicherte im Jahr 2010 gestiegen und hat sich damit in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt (+ 129%). Aufgrund der fallbezogen langen Behandlungsdauer von durchschnittlich jeweils über 30 Tagen pro Fall sind die affektiven Störungen (v.a. Depressionen) für die meisten Behandlungstage verantwortlich. Ein Drittel der Personen, die aufgrund von affektiven, Belastungs-, Anpassungs- oder somatoformen Störungen im Krankenhaus behandelt werden, wird innerhalb von zwei Jahren nach der Entlassung mindestens einmal erneut wegen der gleichen Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Berücksichtigt man weitere Krankenhausaufenthalte mit beliebigen psychischen Störungen erhöht sich der Anteil auf 39%. Bei einem verhältnismäßig hohen Anteil der Betroffenen kommt es relativ kurzfristig zu einer erneuten Krankenhausbehandlung: etwa ein Drittel aller in den 2 Jahren nach Entlassung beobachteten Wiederaufnahmen erfolgt bereits innerhalb der ersten 30 Tage, knapp die Hälfte in den ersten 3 Monaten. Die Erfahrungen von Patienten in der ambulanten Nachversorgung Berichtet werden die Ergebnisse einer Befragung von Patienten mit Depressionen, Angst-, Anpassungs- und somatoformen Störungen, ca. 1 Jahr nach Entlassung aus psychiatrischer Versorgung. Zur Auswertung lagen Antworten von Versicherten aus vollstationärer Behandlung (36% Rücklauf), darunter Personen mit Depression vor. Tendenziell haben sich Versicherte an der Befragung beteiligt, die nicht (mehr) so stark durch ihre psychische Störung beeinträchtigt sind. Nach Auskunft der befragten Patienten empfehlen die Krankenhäuser zur Weiterbehandlung der Patienten mit psychischen Störungen mehrheitlich eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung (47,5%), ein Fünftel der Patienten sollte nach Einschätzung des jeweiligen Krankenhauses entweder nur eine Psychotherapie (21,9%) oder nur eine medikamentöse Behandlung (19,3%) erhalten. Auch knapp ein Jahr nach dem Index-Aufenthalt ist die seelische Befindlichkeit der Befragten durch ihre psychische Erkrankung stark beeinträchtigt. Beispielsweise weist die Mehrheit (59,2%) der Personen mit der Diagnose Depression Anzeichen einer Majoren Depression auf, knapp die Hälfte der Patienten mit Angststörungen erfüllt die Kriterien für Panikstörungen. Trotzdem sagen unabhängig von der Hauptdiagnose etwa 70% der befragten Patienten, es gehe ihnen zumindest etwas besser als direkt nach der Entlassung aus dem stationären Krankenhausaufenthalt. Fazit Die zentralen Behandlungsziele bei Depression (vollständige Symptomremission und Rückfallprophylaxe) werden in der stationären psychiatrischen Versorgung derzeit nur bedingt erreicht. Daher gilt es, das sektorenübergreifende Versorgungsmanagement psychischer Störungen zu intensivieren und systemisch und politisch wirksam umzusetzen. 4 5

4 Lisa Braun Uhr / Moderation geb in Münster Fachjournalistin Gesundheitspolitik, Gründerin der Presseagentur Gesundheit Studium/Ausbildung Abitur 1982 Studium Germanistik und Geschichte an der RWTH Aachen Industriekauffrau Journalisten-Weiterbildung, Freie Universität Berlin Abschluss: Licentiata rerum publicarum Berufsstationen Zeitungsvolontariat Westfälische Nachrichten Redakteurin Kölner Stadt-Anzeiger und Kölner Express Freie Journalistin in London Freie Journalistin in Berlin/neue Länder u. a. für dpa, Welt, Stern Presse- und Öffentlichkeitsarbeit KV Berlin Freie Journalistin Redaktionsbüro Vollmer 2000 Gründung Presseagentur Gesundheit 2001 Seit 2003 Herausgeberin Infodienst OPG (Operation Gesundheitswesen) 6 7

5 Prof. Dr. Benno Brinkhaus Uhr / Moderation Forum B Kneipp-Stiftungsprofessor für Naturheilkunde an der Charité Universitätsmedizin Berlin seit 2010, Deutschland Facharzt für Innere Medizin, Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren und Akupunktur. Seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Lehrkoordinator des Instituts und stellv. Leitung des Bereichs Komplementärmedizin, seit 2006 in oberärztlicher Funktion. Leiter der universitären Charité Ambulanz für Präventive und Integrative Medizin (CHAMP). Studium der Humanmedizin in Wien und Düsseldorf Promotion Habilitation Von 1994 bis 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medizinischen Klinik I mit Poliklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, von dort Leiter der Abteilung für Naturheilverfahren und Komplementärmedizin. Initiierung von mehr als 20 klinische und epidemiologische Studien im Bereich der Komplementärmedizin, vor allem im Bereich Naturheilkunde (Schwerpunkt Phytotherapie und Chinesischer Medizin (Schwerpunkt Akupunktur). Aktuell Durchführung einer DFG-geförderten klinischen RCT Studie zur Wirksamkeit von Akupunktur bei Allergischer Rhinitis (ACUSAR Studie) und Co-Leitung des von der EU-geförderten internationalen Koordinationsprojekts CAMbrella mit dem Ziel der Bestandsaufnahme von Komplementärmedizin in Europa und der Entwicklung von Forschungsstrategien für zukünftige Forschungsprojekte. Mitglied von mehreren medizinischen Gesellschaften, Gutachter von renommierten internationalen medizinischen Zeitschriften. 8 9

6 Marion Caspers-Merk, Staatssekretärin a.d Uhr / Moderation Marion Caspers-Merk ist Präsidentin der größten nichtkommerziellen Gesundheitsorganisation Deutschlands, dem Kneipp-Bund e.v. Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention. Sie unterrichtet Health Care Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach und stellt ihr umfangreiches Wissen über Gesundheitspolitik europäischen und internationalen Organisationen als Consultant zur Verfügung. Sie war sieben Jahre lang Staatssekretärin im Gesundheitsministerium und steuerte zahlreiche politische und administrative Reformprozesse. Als Drogenbeauftragte erwarb sie sich einen Namen durch die Neuausrichtung der Drogen- und Suchtpolitik u.a. in der Nichtraucherschutz-Strategie. Sie vertrat Deutschland bei der EU und der WHO und verfügt über ein gutes Netzwerk an politischen Kontakten in der Gesundheitsszene. Als Abgeordnete vertrat sie ihren Wahlkreis in Südbaden fast 20 Jahre lang in Berlin und wurde dort dreimal direkt gewählt

7 Prof. Dr. Tobias Esch Prof. Esch ist Professor für Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg, wo er auch den gleichnamigen Studiengang aufbaute. Zusätzlich ist er u.a. assoziierter Wissenschaftler am Neuroscience Research Institute der State University von New York und Institutsleiter. Roter Faden seiner verschiedenen Tätigkeiten in Forschung, Lehre und Praxis ist das Aufdecken und Entwickeln von Potenzialen der Selbstheilung oder Autoregulation. Hierzu zählen auch molekulare Aspekte. Mit seiner Frau gründete er vor fünf Jahren das Institut für Mind-Body-Medizin in Potsdam, wo die genannten Aspekte einem breiteren Publikum in Unternehmen und Gesellschaft vorgestellt und vermittelt werden sollen. Auch werden hier in Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen moderne Strategien der Stressbewältigung und Mind-Body-Medizin konzipiert, umgesetzt und beforscht. Dabei fließen wesentliche Kenntnisse der amerikanischen Mind-Body-Medizin mit ein, wie sie Prof. Esch aus erster Hand vom Pionier der Mind-Body-Medizin erhielt, dem Harvard-Kardiologen und Begründer der Mind-Body-Medizin Prof. Herbert Benson. Bei ihm wurde Prof. Esch ausgebildet und arbeitete in einem Team internationaler Wissenschaftler. Aufgrund seiner umfangreichen Tätigkeiten als Wissenschaftsautor wurde Prof. Esch kürzlich zum stellvertretenden Herausgeber des internationalen Wissenschaftsmagazins Medical Science Monitor in New York ernannt. Im Herbst erscheint sein Buch Die Wissenschaft vom Glück wie Neurobiologie und Positive Psychologie die Medizin verändern im Thieme-Verlag. Körper-Geist-Seele: Neue Modelle der Interaktion Uhr / Forum B Seit über 100 Jahren wissen wir aus Forschungen z. B. zum Stressphänomen oder zu den Auswirkungen psychischer Phänomene auf das körperliche Erleben und umgekehrt, dass Geist, Seele und Körper sich auch naturwissenschaftlich nicht trennen lassen. Allerdings stammten diese Erkenntnisse zunächst aus der physiologisch-biologischen Grundlagenforschung und es hat, u.a. über den Umweg von Paradigmenwechseln in der modernen Psychologie, noch Jahrzehnte gedauert, bis die neuen Erkenntnisse auch Eingang in die Medizin gefunden haben. Dort führten sie lange ein Nischendasein und fanden bei uns v.a. in Diskussionen zum Plazeboeffekt und in der psychosomatischen Medizin ihren Niederschlag. Die Breite Medizin und hier gerade auch die Bereiche der präventiven Medizin und Gesundheitsförderung haben erst vor relativ kurzer Zeit begonnen, sich intensiver mit der Geist-Seele-Körper-Verbindung auch wissenschaftlich auseinanderzusetzen und die innewohnenden Potenziale nicht mehr als Ärgernis (wie z. B. beim Plazebophänomen im Kontext der klinischen Forschung) oder als pathologischen Hintergrund (wie z. B. bei psychosomatischen oder somatoformen Störungen) zu begreifen. Abermals kamen Anstöße dazu, wie auch schon im Zusammenhang mit der modernen Psychologie-Forschung (vgl. William James und Nachfolger), maßgeblich aus dem angloamerikanischen Raum. Ein Modell zur Beschreibung der genannten Verbindungen, das auch eine starke praktischtherapeutische Ausrichtung besitzt (und sich damit von anderen integrativen oder interdisziplinären Feldern, wie z. B. der Psychoneuroimmunoendokrinologie etc., unterscheidet), ist heute z. B. die sog. Mind-Body-Medizin. Sie beschreibt die positiven Potenziale, die für jeden Einzelnen im Rahmen einer Selbstfürsorge oder auch Selbstheilung bereit liegen und im medizinisch-therapeutischen Prozess genutzt werden können. Nicht alternativ, sondern allenfalls komplementär zum klassischen medizinischen Ansatz. Im Gegensatz zu den weiterhin wichtigen pathogenetischen bzw. am Risikofaktormodell orientierten Ansätzen, fragt die Mind-Body-Medizin nun radikal danach, was jeder Einzelne an Potenzialen besitzt, die mit in den Heilungsprozess eingebracht werden können (salutogenetischer Ansatz, Ressourcen-Modell). Insofern hat die Mind-Body-Medizin einen starken Psychologie- Anteil (vgl. Positive Psychologie), wie auch einen somatischen bzw. (neuro)biologischen (vgl. Autoregulation, Neurobiologie des Glücks etc.). Hieraus lassen sich schließlich relativ einfache und alltagspraktische Übungen und Empfehlungen ableiten, die mit gewissen Anpassungen für den Gesunden in der Prophylaxe (bzw. Integrative Gesundheitsförderung, Wellness ), aber auch zur unterstützenden Behandlung von manifesten Symptomen und Erkrankungen geeignet sind (Integrative Medizin, Mind-Body-Medizin, Positive Psychotherapie). Gerade die Beziehung zu Humor und Optimismus, aber auch zur klassischen Naturheilkunde, Seelsorge und gar Spiritualität, haben die Mind-Body-Medizin und ihre Ableitungen inzwischen auch bei uns populär gemacht. Einige der konkreten Praxisfelder werden wir vorstellen

8 Matthias Girke / Schlusswort Der Internist und Mitbegründer des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe, Klinik für Anthroposophische Medizin, wurde 1954 in Berlin geboren. Nach seinem Studium der Humanmedizin an der FU Berlin absolvierte er die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin. Von 1989 bis 1995 war Dr. Girke als niedergelassener Internist tätig und wirkte beim Aufbau des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe mit. Hier ist er seit 1995 Leitender Arzt der Allgemein-Internistischen Abteilung und stv. Ärztlicher Leiter. Seine medizinischen Schwerpunkte sind Krebs- und Schilddrüsenerkrankungen sowie Diabetes mellitus. Matthias Girke gehört zum Geschäftsführenden Vorstand der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) und ist Vorstandsmitglied im Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD)

9 Dr. med. Sebastian Haas Geb , wohnhaft in Zürich, verheiratet, 2 Kinder (*1999 und *2002), Facharzt mit Schwerpunkt Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie, seit 1/2010 Chefarzt Erwachsenenpsychiatrie / Sektorleiter Winterthur ipw Schulbildung Grundschulen in Cambridge (England), Basel und Zürich Gymnasium in Zürich mit Matura Typus B Berufsbildung und Nachdiplom-Ausbildungen Medizinstudium an der Universität Zürich mit Staatsexamen 11/1994 3/2003 Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 5/2004 Zertifikat Management für Führungsverantwortliche im Spital ZHAW Winterthur 2005 Weiterbildungsdiplom in Psychotherapie mit ökologisch-systemischem Schwerpunkt Nachdiplomstudium Master of Health Administration MHA, Universität Bern 11/2009 Weiterbildungsdiplom Management im Gesundheitswesen, Universität Bern 2010 Schwerpunkttitel in Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie Dissertation 8/1995 Universität Zürich, medizinische Fakultät, Referent: Prof. Dr. med. A. Borbély Einfluss niederenergetischer elektromagnetischer Felder auf das Schlaf-EEG und die subjektive Schlafqualität Weitere berufliche Qualifikationen (chronologisch) 5/1995 4/1998 Lehrananlyse (Daseinsanalytische Orientierung), M. von Castelberg, Zürich 8/1998 3/1999 Selbsterfahrung in Psychodrama, Jung-Institut Küsnacht 1998 Qualitätszirkel Psychopharmakologie Prof. B. Woggon 2/1998 3/1999 Lernbausteine Schweizer Gesellschaft für Verhaltenstherapie SGVT 2001 Zertifikat Psychologisches Debriefing Institut Psychotrauma Schweiz Ausbildung in Brief Eclectic Psychotherapy, Prof. B. Gersons, Amsterdam Zertifikat Nachdiplomkurs Management für ÄrztInnen und Führungsverantwortliche im Spital, Zürcher Hochschule Winterthur 10/2003 Intensivkurs Evidence Based Medicine, Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie WIG Zertifikat und Graduierung in systemisch-ökologischer Psychotherapie Institut für Ökologisch-systemische Therapie, Prof. J. Willi, Zürich Zertifikat in integrativer Sexualtherapie, Zentrum für interdisziplinäre Sexualberatung ZISS, Dr. med. P. Gehrig, Zürich 1/2006 Lehrbeauftragter an der Universität Zürich Nachdiplomstudium Master of Health Administration MHA Universität Bern, Lic. iur. C. Zenger 2010 Schwerpunktitel FMH in Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie Brauchen wir eine Strategie zur Förderung seelischer Gesundheit? Uhr Die Schweiz hat nicht nur eine sondern 26 Strategien, das hat Vor- und Nachteile! Ja, unbedingt! Leider fehlt jedoch auch in der Schweiz bis anhin eine umfassende nationale Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit. Warum? Das Thema Prävention und Gesundheitsförderung ist verfassungsrechtlich in kantonaler Hoheit, was es dem Bund erschwert auf nationaler Ebene z. B. bei der Suizidverhütung selber aktiv zu werden. Die Suchtprävention hat hingegen andere Finanzierungsquellen, weshalb hier eher nationale Kampagnen möglich sind. Ein nationales Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz ist aktuell in der parlamentarischen Beratung, wird aber frühestens 2014 umgesetzt. Bis dahin bleibt es den Kantonen überlassen in welchem Maß sie aktiv werden möchten oder können. Das Bundesamt für Gesundheit bietet den Kantonen aktuell folgende Supportleistungen: Lizenzen für das deutsche Bündnis gegen Depression, welche von den Kantonen bei Interesse und geeigneten Trägerstrukturen (inkl. Finanzierung) kostenlos zur Verfügung gestellt wird Eine koordinierende Netzwerkstelle für Psychische Gesundheit ist für 2012 geplant Mittlerweile haben 7 der 26 Kantone eine Bündniskampagne umgesetzt. In einigen Kantonen wurde eine Strategie gewählt, welche bewusst breiter angelegt ist als beim BgD auf den Fokus der Depression. Dies gilt auch für den Kanton Zürich: Im gerade fertiggestellten Rahmenkonzept zur Prävention psychischer Erkrankungen 1 wird hier im Gegensatz zu den eher induktiv (bottom up) angelegten Bündniskampagnen eher ein deduktiver Ansatz (top down) verfolgt. Das Konzept stellt in drei Dimensionen dar, wie (Interventionen), bei wem (Zielgruppen) und wo (Lebensbereiche) gesundheitsfördernde und präventive Aktivitäten erfolgen können. Die Dimensionen und ihre (Sub-)Kategorien werden erläutert und durch Beispiele veranschaulicht. Grafisch wird der gesamte Handlungsraum durch folgenden Kubus dargestellt: Sensibilisierung und Entstigmatisierung Zielgruppen Das Konzept verzichtet darauf, konkrete Maßnahmen vorzuschlagen, sondern formuliert Grundsätze Gesundheitsförderung und Regeln, denen Projekte und Programme genügen müssen, damit eine finanzielle Unterstützung durch den Kanton in Frage kommt. Neben bekannten Prävention Grundsätzen wie Empowerment, Partizipation, Vernetzung, Chancengleichheit und Nachhaltigkeit wird der Sensibilisierung und Entstigmatisierung großes Gewicht beigemessen. Psychische Krankheiten sollen dadurch zu normaleren, sozial akzeptierten Krankheiten werden. Das Konzept will namentlich Schwerpunktprogramme fördern, die sich durch eine gewisse thematische Breite auszeichnen. In der Regel zielen sie auf mehrere Zielgruppen und Lebensbereiche und umfassen mehrere Interventionsarten. Die Programme sollen geografisch umfassend sein und entweder den ganzen Kanton Zürich oder mehrere Regionen abdecken. Die Programme sollen sich zudem durch Nachhaltigkeit auszeichnen. Neben den Schwerpunktprogrammen sollen Einzelprojekte weiterhin Platz haben. Erste mögliche Schwerpunktprogramme sind den Themen Suizidprävention und Kinder psychisch kranker Eltern gewidmet. Interventionen Altersgruppen Menschen in psychosozialen Belastungssituationen soziodemografische Gruppen mit erhöhtem Risiko Sozialbereiche Wohn- und Lebensbereich Versorgungsund Informationsbereiche Lebensbereiche

10 Fr. Dr. Iris Hauth Fr. Dr. Iris Hauth

11 Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl Geburtsdatum: Position: Anschrift: Universitätsprofessor (W3), Klinikdirektor Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Leipzig AöR Semmelweisstraße 10, Leipzig Tel.: , Fax: Ausbildung: Medizinstudium in Erlangen und Rennes, Frankreich Wissenschaftlicher Werdegang: Stabsarzt in Bayreuth (Wehrpflicht) Wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Hochschulassistent der Psychiatrischen und Neurologischen Klinik und Poliklinik der Freien Universität Berlin Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Psychotherapie (Tiefenpsychologisch fundierte Gesprächspsychotherapie) an der Freien Universität Berlin Oberarzt der Berliner Lithiumkatamnese 1992 Habilitation im Fach Psychiatrie Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München 1998 C3-Professur für Psychiatrie an der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München seit 1999 Sprecher des bundesweiten Forschungsprojektes Kompetenznetz Depression, Suizidalität seit 2004 Leitung der European Alliance Against Depression (gefördert von der Europäischen Kommission) seit 2006 Direktor und Lehrstuhlinhaber der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig seit 2008 Leiter des Europäischen Forschungsprojektes Optimized suicide preventive programme and it s implementation in Europe (OSPI, 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission) seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe Auszeichnungen/Preise: 1998 Forschungspreis (3. Preis) des Fachbereichs Humanmedizin des Universitätsklinikums Benjamin Franklin 2003 Klinikförderpreis 2002 der Bayerischen Landesbank für das Projekt Nürnberger Bündnis gegen Depression 2003 Hermann-Simon-Preis für Sozialpsychiatrie für das Projekt Nürnberger Bündnis gegen Depression 2007 European Health Award (1. Preis) für das Projekt European Alliance against Depression 2011 Preis Ideenpark Gesundheitswirtschaft der Financial Times für das Deutsche Bündnis gegen Depression

12 Thomas Ilka Brauchen wir eine Strategie zur Förderung seelischer Gesundheit? Uhr Der hohe Anteil psychischer Erkrankungen am Diagnose- und Behandlungsspektrum in Deutschland stellt Politik und Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Über die Ursachen sind sich die Experten zwar noch nicht abschließend einig. Neben einer tatsächlichen Zunahme psychischer Erkrankungen sind aber sicherlich auch die heutzutage verbesserte ärztliche und psychotherapeutische Diagnostik und die gesellschaftliche Enttabuisierung Gründe dafür, dass Menschen mit psychischen Störungen immer häufiger in der Gesundheitsversorgung in Erscheinung treten. (geb. 1965), ist seit Juni 2011 Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit. Zuvor leitete er den Bereich Europa, Umwelt, Energie im Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und war Leiter der Vertretung des DIHK bei der Europäischen Union in Brüssel. Thomas Ilka koordinierte seit Oktober 2004 die Politikkontakte des DIHK in Berlin. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ging Thomas Ilka 1993 zur Bundestagsfraktion der FDP nach Bonn und arbeitete dort für den wirtschaftspolitischen Sprecher der Fraktion, Paul Friedhoff wechselte er zum DIHK und betreute zunächst das Referat Mittelstandspolitik und Existenzgründung. Von 2001 bis 2004 leitete er das Büro des Hauptgeschäftsführers des DIHK, Dr. Martin Wansleben. Die Antwort auf die Frage, wie wir dieser Entwicklung begegnen können, gibt der Titel dieses Kongresses: Zukunft Prävention. Um der Entstehung von psychischen Erkrankungen im Rahmen des Möglichen entgegen zu wirken, müssen wir die präventiven Potentiale ausschöpfen. Prävention muss früh, bereits in Kindertagesstätten und Schulen, beginnen. Ohne die klassischen Themen Ernährung und Bewegung zu vernachlässigen, muss die Förderung der seelischen Gesundheit hier zukünftig stärker in den Blick genommen werden. Eine wichtige Rolle kommt auch der Arbeitswelt zu. Viele Menschen verbringen hier den größten Teil ihrer Zeit; Arbeitsbedingungen, Arbeitsprozesse und Arbeitsorganisation haben Auswirkungen auf die Gesundheit positive wie negative und können auch das Gesundheitsverhalten beeinflussen. Für die meisten Menschen sind Arbeit und Beruf wichtige Felder der Persönlichkeitsentwicklung. Wesentliche Voraussetzung für eine wirkungsvolle Prävention psychischer Erkrankungen sind Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung. So können Vorurteile und Klischees abgebaut werden. Betroffenen wird es leichter gemacht, über Ihre Beschwerden zu reden und wenn notwendig frühzeitig medizinische und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den genannten Feldern gibt es bereits eine Vielzahl von Aktivitäten und Initiativen. Bund, Länder und Kommunen, die Krankenkassen, andere Sozialversicherungsträger sowie weitere staatliche oder nichtstaatliche Organisationen führen Präventions- und Antistigmaprogramme durch oder fördern solche Aktivitäten und deren Evaluation finanziell. Dies zeigt, eine Vielzahl von Maßnahmen zur Stärkung der seelischen Gesundheit werden diskutiert und erprobt. Was wir brauchen, ist eine möglichst breite Umsetzung der als wirksam evaluierten Maßnahmen durch die verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Akteure und eine Verstetigung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe

13 Dipl.-Psych. Lisa Lyssenko Neues aus der Resilienzforschung Uhr / Forum B geboren am in Karlsruhe Studium der Psychologie in Freiburg. Seit 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel. Aktuelles Projekt: Erstellung einer Expertise zu Resilienz und Schutzfaktoren im Erwachsenenalter im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Laufende Promotion zum Thema Resilienz und Posttraumatische Reifung in der onkologischen Rehabilitation. Seit Januar 2011 Ausbildung zur Psychotherapeutin beim Freiburger Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapie (FAVT). Die Resilienzforschung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen enormen Aufschwung erfahren. Der Begriff Resilienz bezeichnet im weitesten Sinne die Widerstandskraft von Individuen angesichts belastender Lebensereignisse. In der Forschung zu Resilienz bei Kindern und Jugendlichen wird Resilienz als positive und altersadäquate Entwicklung unter ungünstigen Lebensbedingungen verstanden, während im Erwachsenenalter die psychische Bewältigung potentiell traumatischer Lebensereignisse oder schwerer chronischer Belastungen gemeint ist. Hauptfragestellungen psychologischer Resilienzforschung sind zum einen die Identifikation von personalen und sozialen Schutzfaktoren, die zur Entwicklung von Resilienz beitragen und zum anderen die Untersuchung der Wirkmechanismen bzw. der komplexen und dynamischen Wechselwirkungen, über welche die einzelnen Faktoren ihre schützende Wirkung entfalten. Dabei wird zunehmend der Versuch unternommen, Mehrebenenmodelle zu entwickeln, in denen neben psychosozialen Merkmalen auch physiologische Prozesse und/oder Gen-Umwelt-Interaktionen berücksichtigt werden. Das anwendungsorientierte Ziel der Resilienzforschung liegt in der Entwicklung von Interventions- und Präventionsansätzen zur Resilienzstärkung. Die vorliegenden Forschungsergebnisse legen nahe, dass Resilienz ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren ist, die wiederum dynamisch, zeitlich variabel, situationsspezifisch und multidimensional sind: So entwickeln sich viele Faktoren prozesshaft im zeitlichen Verlauf und im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion. Personen, die sich gegenüber einem bestimmten Stressor (z.b. Verkehrsunfall) resilient zeigen, können angesichts anderer Stressoren (z.b. Tod des Ehepartners) größere Bewältigungsprobleme entwickeln (Situationsabhängigkeit) oder auf verschiedenen Anpassungs- bzw. Bewältigungsdimensionen unterschiedliche Ergebnisse zeigen (Multidimensionalität). Für den Bereich des Kindes- und Jugendalters liegen bereits Überblicksarbeiten zur empirischen Fundierung einzelner Schutzfaktoren vor, die zur Entwicklung von Interventions- und Präventionsansätze zur Resilienzstärkung genutzt werden können. Im Erwachsenenbereich gestaltet sich die Integration einzelner Forschungsergebnisse und damit die Bewertung der Wirksamkeit einzelner Faktoren komplexer. Nicht nur unterscheiden sich die untersuchten Stressoren stark voneinander (z.b. chronische Erkrankung vs. Terroranschlag), es werden auch verschiedenste Maße psychischer und physischer Gesundheit als Indikatoren für Resilienz herangezogen

14 Dipl.-Oec., Dr. med. Ursula Marschall Uhr / Moderation Forum A Dr. Ursula Marschall, geb. am in Münster/Westf., nahm 1989 nach erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums ihre ärztliche Berufstätigkeit im Klinikum Osnabrück auf. Hier erlangte sie die Facharztqualifikation für Anästhesie und erwarb die Zusatzbezeichnungen spezielle Schmerztherapie, Intensivmedizin und Rettungsmedizin. Als Oberärztin leitete sie die operative Intensivstation im Helios Klinikum Wuppertal, Lehrstuhl für Chirurgie I der Universität Witten-Herdecke übernahm sie eine ärztliche Managementfunktion bei Sanvartis, eines der größten Medical Service-Center in Deutschland. Hier trug sie neben der Personalführung als Abteilungsleitung auch Führungsverantwortung mit Schwerpunkten in der Konzeption und im Projektmanagement. Das Studium der Gesundheitsökonomie wurde erfolgreich abgeschlossen. Nach Wechsel im Jahr 2004 in eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Turnaroundund Change Management in Krankenhäusern, leitete sie anschließend als Geschäftsführerin eine von sechs Business Units der Vendus Sales and Communication Group in Düsseldorf. Seit April 2007 ist sie als ärztliche Leitung des Kompetenzzentrums Gesundheit der BAR- MER GEK in der Hauptabteilung Unternehmensstrategie tätig. Neben der medizinischen Begleitung bei Leistungs- und Vertragsentwicklungen gehört auch die Versorgungsforschung zu ihren Aufgaben

15 Heidrun Mayer geb Erzieherin, Dipl. Sozialpädagogin (FH), Berufserfahrung im Elementar- und Jugendhilfebereich. Lehrtätigkeit in der Ausbildung von Erzieherinnen und freiberufliche Referentin in der Erwachsenbildung. Weiterbildung als NLP-Master und Rhetoriktrainerin GANLP. Systemische Beraterin (DGSF). Ausbildung in Systemischer Organisationsentwicklung Projekt- und Studienleitung Papilio, beim gemeinnützigen beta Institut in Augsburg. Seit Juli 2011 geschäftsführende 1. Vorsitzende des Papilio e.v. Ausgewählt als Ashoka Fellow 2010, (Sozialunternehmerin). Papilio Ein Programm für Kindergärten zur Primärprävention von Verhaltensproblemen und zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenz Uhr / Forum A Anhaltende frühkindliche Verhaltensstörungen (aggressives Verhalten, soziales Rückzugsverhalten) zählen zu den besonders gut dokumentierten Risikofaktoren für Substanzmissbrauch, Delinquenz und gewalttätiges Verhalten im Jugendalter (Webster-Stratton & Taylor, 2001). Ebenso liegen aus Längsschnittstudien umfassende Erkenntnisse zu den diesen Verhaltensstörungen zugrunde liegenden Risikobedingungen vor (z.b. mangelnde soziale und emotionale Kompetenzen). Präventionen sollten möglichst früh, bereits im Vorschulalter, durchgeführt werden, um anhaltenden Verhaltensstörungen und einem negativen Entwicklungsverlauf effektiv vorzubeugen. Das entwicklungsorientierte Programm Papilio, das als pädagogisch-psychologisches Programm in den Kindergartenalltag integriert wird, umfasst Maßnahmen zur Verminderung bzw. Prävention von Verhaltensproblemen (aggressives Verhalten, soziales Rückzugsverhalten), zur Förderung prosozialen Verhaltens und zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen. Papilio setzt auf drei Ebenen an, bei den ErzieherInnen, die eine entsprechende Fortbildung durchlaufen haben, den Kindern und den Eltern. Die ErzieherInnen sind die zentralen MultiplikatorInnen des Programms. Sie führen die Maßnahmen dauerhaft wiederkehrend mit den Kindern durch und beziehen die Eltern mit ein. Die Wirksamkeit des Programms wurde im Rahmen einer randomisierten Index-Wartekontrollgruppen-Studie durchgeführt im Raum Augsburg an der über drei Messzeitpunkte ca. 700 Kinder und deren Erzieherinnen sowie Eltern teilnahmen, belegt. Seit 2005 wird das Programm nachhaltig in 11 Bundesländern in Kindergärten implementiert. Im Vortrag werden die Ziele und Maßnahmen des Programms, theoretische Grundlagen und die konkrete Umsetzung vorgestellt

16 Dr. Rüdiger Meierjürgen Uhr / Moderation Forum A geb Studium der Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Universität Bielefeld Abschluss Dipl. Volkswirt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Steuern, Finanzen und sozialpolitische Forschung an der Freien Universität Berlin (Lehrstuhl: Prof. W. Schmähl) 1988 Promotion zum Dr. rer. pol Tätigkeit als sozialpolitischer Referent bei einem Industrieverband seit 1989 BARMER ab 1992 zuständig für den Bereich Prävention Mitglied in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen zahlreiche Publikationen zur Sozialpolitik und Prävention

17 Dr. med. Nico Niedermeier Das Online-Forum Depression: Online diskutieren gemeinsam die Depression bewältigen! Uhr / Forum A Dargestellt wird das Diskussionsforum des Kompetenznetzes Depression, das mittlerweile in die Stiftung Deutsche Depressionshilfe integriert wurde. Das Diskussionsforum ist ein seit 1990 bestehendes und seitdem stetig anwachsendes Online-Selbsthilfeangebot für depressiv-erkrankte Menschen und deren Angehörige. Durch die Möglichkeit einer anonymen Nutzung zu jeder Tageszeit und von jedem Ort, bietet es eine optimale niederschwellige Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Das Forum, das von einer Soziologin und einem Facharzt moderiert wird, wurde mehrfach ausgezeichnet Studium der Humanmedizin an der LMU München Tätigkeit als Arzt im Praktikum in der 3. medizinischen Abteilung (Stoffwechsel und Endokrinologie) und dann Assistenzarzt in der 2. medizinischen Abteilung (Kardiologie) des städt. Krankenhauses München Neuperlach Tätigkeit als Assistenzarzt in der Psychosomatischen Klinik Windach am Ammersee bei Prof. Dr. med. Zaudig Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für klinische Neurophysiologie der Psychiatrischen Klinik der LMU München bei Prof. Dr. med. Hegerl und Prof. Dr. med. Möller (Ärztlicher Direktor der Klinik) seit 1998 seit 2000 seit 2006 Niedergelassener Facharzt für Psychotherapeutische Medizin Gründung und Moderation des Diskussionsforums für depressive Störungen im Rahmen des Kompetenznetzes Depression mit Förderung durch das BMBF sowie den VDAK, seit 2008 Alleinförderung durch die BarmerGEK Anerkennung als Supervisor und Lehrtherapeut durch die BLÄK, die DVT, die DGVT sowie die Ausbildungsinstitute VFKV, und IFT 2008 Gründungsmitglied des Münchner Depressionsnetzes 2009 Gründungsmitglied der Deutschen Depressionsliga und Benennung als Ehrenmitglied durch selbige

18 Bernd Ruf Geboren 1954 in Karlsruhe. Ausbildung für das Lehramt an Gymnasien in den Fachbereichen Germanistik und Geschichte an der Universität Mannheim und das Lehramt für Sonderschulen an der PH Reutlingen sowie zum Waldorfpädagogen an der Freien Hochschule Stuttgart. Mitbegründer und 20jährige Unterrichtstätigkeit an der Freien Waldorfschule Karlsruhe. Mitbegründer und seit 2003 Schulleiter des Parzival-Kompetenzzentrums für Bildung, Förderung und Beratung auf Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners bis 2007 Mitglied des Bundesvorstandes des Bundes der Freien Waldorfschulen in Deutschland bis heute Mitglied der Internationalen Konferenz der Waldorfschulen. Seit 1987 geschäftsführender Vorstand der Hilfsorganisation Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners mit Schwerpunkt internationale Freiwilligendienste. Seit 2006 Aufbau und Leitung notfallpädagogischer Kriseninterventionen in Kriegs- und Katastrophenregionen. Einsatzleitungen im Libanon, China, Gaza- Streifen, Indonesien, Haiti, Kirgisien und Japan. Leiter der Ambulanz für Notfallpädagogik am Parzival- Kompetenzzentrum in Karlsruhe. Seit 2007 Beiratsmitglied des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Internationale Vortrags- und Seminartätigkeit. Notfallpädagogik: Wie man Kindern bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse helfen kann Uhr / Forum A Das Unsagbare geschieht jeden Tag. Danach ist nichts mehr, wie es war. Täglich werden Kinder durch Gewalt, Misshandlung, Missbrauch, Krieg, Vertreibung, Unfälle, medizinische Eingriffe oder Naturkatastrophen traumatisiert. Der traumatische Schock wirkt dabei umso nachhaltiger, je jünger das Opfer ist, je länger und intensiver das traumatische Ereignis anhält und je näher die Beziehung des Trauma-Opfers zum Täter ist. Psychotraumata sind seelische Wunden, die bei mangelhafter Versorgung zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können. Wenn es Kindern und Jugendlichen nicht gelingt, ihre belastenden Ereignisse zu verarbeiten, können sich diverse Trauma-Folgestörungen einstellen, die bei einem schweren Chronifizierungsverlauf schließlich zu einem Biografie- Bruch führen können. Oft werden dann aus Opfern Täter. Waldorfpädagogik als Notfallpädagogik ist ein Teilaspekt einer traumapädagogischen Gesamtkonzeption, die sich an einem vierphasigen Trauma-Verlaufsmodell orientiert. Notfallpädagogik setzt innerhalb der ersten Wochen nach der erlebten Katastrophe ein, also in jener frühen Phase der Traumaentwicklung, in der es sich entscheidet, ob ausreichende Selbstheilungsressourcen des Kindes aktiviert werden können, um das Erlebte zu verarbeiten, oder ob es zu einer psychischen Erkrankung infolge der Traumatisierung kommen wird. Auch, wenn es zur eigentlichen Krankheitsphase kommen sollte, können notfallpädagogische Interventionen zur Stabilisierung therapiebegleitend fortgesetzt werden. Notfallpädagogische Kriseninterventionen als heilende Pädagogik zur bio-psycho-sozialen Stabilisierung von Trauma-Opfern orientieren sich an folgenden Leitlinien: Pädagogik des äußeren und inneren sicheren Ortes, Pädagogik der Ermutigung, Handlungsorientierung und Selbstwirksamkeitserfahrung, Pädagogik der Beziehungsgestaltung und Bindung. Rhythmuspflege, Ritualisierung, Bewegungsförderung, Angebote nonverbaler künstlerisch-kreativer Ausdrucksmöglichkeiten, Anregungen zum verarbeitenden Spiel u.v.m. stellen weitere Methoden notfallpädagogischer Intervention dar. Notfallpädagogik ist keine Trauma-Therapie. Sie ist der Versuch, traumatisierte Kinder und Jugendliche mittels pädagogischer Interventionen zu stabilisieren, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren und sie bei der Verarbeitung und biografischen Integration ihrer traumatischen Erlebnisse zu unterstützen

19 PD Dr. med. Christine Rummel-Kluge Das Online-Forum Depression: Online diskutieren gemeinsam die Depression bewältigen! Uhr / Forum A Dargestellt wird das Diskussionsforum des Kompetenznetzes Depression, das mittlerweile in die Stiftung Deutsche Depressionshilfe integriert wurde. Das Diskussionsforum ist ein seit 1990 bestehendes und seitdem stetig anwachsendes Online-Selbsthilfeangebot für depressiv-erkrankte Menschen und deren Angehörige. Durch die Möglichkeit einer anonymen Nutzung zu jeder Tageszeit und von jedem Ort, bietet es eine optimale niederschwellige Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Das Forum, das von einer Soziologin und einem Facharzt moderiert wird, wurde mehrfach ausgezeichnet. Frau PD Dr. med. Christine Rummel-Kluge absolvierte ihr Humanmedizinstudium zwischen 1993 und 2000 an der Technischen Universität München. Sie ist habilitierte Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (Habilitationsthema: Compliance-fördernde Maßnahmen in der Behandlung der Schizophrenie). Von 2000 bis 2010 arbeitete sie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München. Wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit Psychoedukation und der Entwicklung von Peer-to-peer-Strategien, zudem im Bereich der Evidenzbasierten Medizin mit der Erstellung von Cochrane Metaanalysen. Seit April 2010 ist sie Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die die Nachfolge des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität angetreten hat, in Leipzig und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig

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