WIRTSCHAFTSUNIVERSITÄT WIEN SEMINARARBEIT

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1 WIRTSCHAFTSUNIVERSITÄT WIEN SEMINARARBEIT Titel der Seminararbeit: Englischer Titel der Seminararbeit: Verfasserin/Verfasser: Hamide SELCUK Matrikel-Nr.: Studienrichtung: BWL Kurs: Informationswirtschaft VK VI Textsprache: Deutsch ERP Systeme: Erfolge und Misserfolge ERP Systems: Successes and Failures 1

2 Deutsche Zusammenfassung ERP-Systeme sind eine von großen Entwicklungen in der Informationstechnologie in den letzten Jahren. Betriebswirtschaftliche Standardsoftware gewinnt immer mehr Bedeutung für Unternehmen. ERP Systeme sind integrierte Anwendungspakete, die alle Geschäftsbereiche eines Unternehmens abdecken. Die Anwendung des ERP bringt viele Vorteile. Als Vorteile kann man Verringerung von Produktionskosten, Steigerung von der Qualität, Optimierung von Kosten sagen. Deswegen geben ERP Systeme die Möglichkeiten zu der Betriebe deren Wettbewerbssituation zu verstärken. Wegen dieser Gründe wird das ERP System attraktiver für die Betriebe. Viele Großunternehmen haben bereits ein ERP-System eingesetzt. Der Markt für Unternehmen ist größtenteils gesättigt, aber für die meistens die kleinen und mittleren Unternehmen werden ERP-Systeme erst jetzt interessant. Einführung des ERP-Systems in Betriebe bringt Vorteile aber auch Probleme mit. Die Betriebe müssen viele Faktoren bei der Auswahl von der Standardsoftware berücksichtigen. Es gibt immer mehr Softwareanbieter am ERP- Markt und es macht den Auswahlprozess schwieriger für die Betriebe. Nach der Auswahl der Software stehen die anderen Probleme noch weiter. Schlüsselwörter: Enterprise Resource Planning, MRP, CIM, DRP, Lebenzyklus English abstract ERP systems are one of major developments in information technology in recent years. Business management software is becoming increasingly important for companies. ERP systems are integrated application packages, all divisions of a company to cover. The application of ERP brings many benefits. As the advantages could be said reduce production costs, increase quality and optimizing costs. Therefore, ERP systems provide the ability of plants to their competitive situation to be strengthened. Because of these reasons, the ERP system is more attractive for businesses. Many large companies already have an ERP system. The market for enterprise is largely saturated, but most small and medium-sized enterprises are only now interested in ERP systems. Using of the ERP system in enterprises has advantages but also problems. The companies must consider many factors in the selection of the Software. There are more and more software vendors in the ERP market, and it makes the selection process more difficult for businesses. The companies could have the other problems even further after selecting the software. Keywords: Enterprise Resource Planning, MRP, CIM, DRP, Life Cycle 2

3 Inhaltsverzeichnis 1.Definitionen von ERP Ziele und Aufgaben von ERP-Systemen Anwendungsgebiete von ERP -Systemen Entwicklung von Enterprise Resource Planning...13 a.material Requirements Planning (MRP)...14 b.closed-loop MRP...16 c.manufacturing Resource Planning (MRP II)...17 d.computer Integrated Manufacturing (CIM):...19 e.distribution Resource Planning (DRP):...19 f.enterprise Resource Planning (ERP) Lebenszyklus des ERP-Systems...21 a.einführungsentscheidung:...22 b.akquisition:...23 c.implementierung:...28 d.verwendung und Wartung:...29 e.evolution:...30 f.ablösung: ERP FALLSTUDIEN: (Erfolge und Misserfolge) OMB Oberdorfer Maschinenfabrik AG Unterwegs AG Das GARDENA-Business Hershey Literaturverzeichnis: Definitionen von ERP 3

4 Unter ERP (Enterprise Resource Planning) versteht man ein aus mehreren Komponenten bestehendes integriertes Anwendungspaket. Das alle wesentliche betrieblichen Funktionsbereichen abdeckt. 1 Nach Ritter versteht man unter Begriff Enterprise Resource Planning Zusammenfassung von unternehmensübergreifende Software-Lösungen für Optimierung von Geschäftsprozessen. Diese Geschäftsprozesse, dafür Softwarelösungen vollständig integriert wird, sind Fertigung, Finanzen, Logistik, Personal, Vertrieb u.a. 2 Im Wirtschaftsinformatiklexikon von Heinrich werden ERP-Systeme wie folgt definiert: Ein in Komponenten gegliedertes Software System für mehrere kommerzielle Anwendungsaufgaben, das auf Standards basiert, modular ist und über Schnittstellen zur Anbindung von Datenbanken und Softwareprodukten geeignet ist. (z. B. SAP R/3) 3 ERP ist ein strukturiertes Konzept zur Optimierung der internen Wertschöpfungskette (Value Chain) eines Unternehmens. 4 Gattiker/ Goodhue (2000) definieren den Begriff ERP-System wie folgt: An Enterprise Ressource Planning System is a large, integrated system handling business processes and data storage for a significant number of business units and business functions. 5 ERP Systemen sind Software-Tools für Verwaltung der Unternehmensdaten. ERP Systemen helfen zum Organisationen, die befassen sich mit Supply Chain, receiving, inventory management, customer order management, production planning, shipping, accounting, human resource management und der anderen Geschäftsprozessen. 6 Aus dem Begriff Ressource, der im Begriff Enterprise-Resource-Planning benutzt wird, versteht man natürliche oder gesellschaftliche Quellen der Grundlagen der Reproduktion. z. B Bodenschätze. Die andere Bedeutung von Ressource sind Kraft, Quelle, Hilfsmittel, und Hilfsquelle. Enterprise Resource Planning ist eine Entwicklung von Planungskonzept für Stücklistenauflösung, Material Requirement Planning, das dann zu Manufacturing Resource 1 Hansen 2005, S Vgl. Ritter 2005, S Krammer 2005, S Norris, Hurley, Hartley, Dunleavy, Balls 2002, 5 Mauterer 2002, S. 8 6 Summer 2005, S. 2 4

5 Planning erweitert wurde. Der Begriff ERP beinhaltet nicht nur Ressourcen aus der Fertigung. 7 ERP-Systeme sind die komplexesten betriebswirtschaftlichen Programme, die ein Unternehmen einsetzen kann. Diese Komplexität beruht auf der großen Anzahl der User eines solchen Systems, der Datenbankgröße, des Transaktionsvolumens, der Vielzahl der Aufgabenbereiche, in denen es eingesetzt wird, etc. 8 Der Begriff ERP wird seit circa 15 Jahren benutzt. 9 Die ERP-Systeme sind Standardsoftwareprodukte, die; - alle wesentlichen betriebswirtschaftlichen Einsatzgebiete umfassen, - prozessorientiert aufgebaut sind, - funktionsübergreifend die Geschäftsprozesse unterstützen, - auf einer Datenbank aufsetzen, die ein Gesamtmodell des Unternehmens abbildet, - allgemeingültige und nicht nur auf bestimmte Betriebe oder Branchen spezialisierte Funktionalität bieten, woraus folgt, dass der einzelne Anwender nur einen Bruchteil der verfügbaren Funktionalität nutzt und die Software an seine Anforderungen anpassen muss. - national und international einsetzbar sind, - über eine einheitliche graphische Benutzeroberfläche verfügen, - in einem bestimmten Ausmaß an unternehmensindividuelle Anforderungen anpassbar sind. 10 Die Standardsoftware unterscheidet sich in Anwendungs- und Systemsoftware. Die Systemsoftware unterstützt die Entwicklung oder den Betrieb von Anwendungen. Aber die Anwendungssoftware trägt direkt zur Erfüllung spezifischer Aufgaben des jeweiligen Anwenders bei. 11 Abbildung 1 und 2 stellt begriffliche Einordnung von ERP-Standardsoftware dar. 7 Vgl. Gronau 2004, S. 3 ff. 8 Borhina 2004, S Vgl. Forndron-Liebermann-Thurner-Widmayer 2004, S Borhina 2004, S Schwarz 2000, S. 24 5

6 Funktionsspezifisch BWL Anwendungs- Integriert Standard Technisch Software System-. ERP Individual. Abb. 1: Begriffliche Einordnung von ERP- Standardsoftware Quelle: Markus Schwarz 2000, S. 25 Software g Systemsoftware Individualentwicklun Anwendungssoftware Standardsoftware Mathematischtechnische Software Betriebswirtschaftlich-administrative Software Branchenneutral Branchenspezifisch Abb. 2: Einordnung von ERP-Standardsoftware Quelle: Heiko Mauterer 2002, S. 8 Für die Ausprägung der Standardsoftware wird der Begriff Enterprise-Ressource-Planning- Standardsoftware in der englischsprachigen Literatur verwendet. Dieser Begriff setzt sich auch im deutschen Sprachraum zunehmend gegen integrierte Standardsoftware oder Standardanwendungssysteme der Betriebswirtschaft durch. 12 Hauptbestandteil eines ERP Konzeptes sind CAM und PPS. Das PPS- System bildet das Herzstück eines jeden ERP- Programms. CAM Computer Aided Manufacturing - wird verantwortlicher Bereich für die Fertigung bezeichnet. 12 Vgl. Schwarz 2000, S. 24 6

7 PPS- Funktionen kann man wie unten bezeichnen: Stammdatenverwaltung Material-, Teile- und Erzeugnisdaten Stücklisten Arbeitspläne Mengenplanung / Materialwirtschaft Termin- und Kapazitätsplanung Langfristig Mittelfristig Kurzfristig Fertigungssteuerung und überwachung Betriebsdatenerfassung Erweiterungsfunktionen wie Einkauf, Verkauf usw Ziele und Aufgaben von ERP-Systemen ERP-Implementierungen bringen enormen Aufwendungen. Deswegen stellen sich viele Unternehmen die Frage: Welche Nutzen bringen Softwarepakete? Man kann den Nutzen von ERP-System wie folgt definieren: Ein ERP- System führt dann zu Nutzensteigerungen für ein Unternehmen, wenn es im Vergleich zum Vorgängersystem einen höheren Beitrag zur Erreichung von übergeordneten Unternehmenszielen leistet. Umgekehrt liegt im Fall eines geringen Beitrags zur Unternehmenszielerreichung eine Nutzeneinbuße vor Vgl. Ritter 2005, S Borhina 2004, S. 25 7

8 Der Nutzen von ERP-Systemen kann in einen monetär bewertbaren und einen nicht monetär bewertbaren (qualitativen Nutzen) aufgeteilt werden. Monetär messbar sind z. B. direkte Umsatzsteigerungen, Personalreduktionen, Reduzierung des gebundenen Kapitals oder Produktivitätsverbesserungen durch bescheunigte Prozesse. Zu dem qualitativen Nutzen zählen vor allem eine höhere Transparenz über betriebliche Abläufe im Unternehmen sowie die Bereichs- und unternehmensweise Informationsverknüpfung für ein verbessertes Berichtswesen. 15 Nach Ritter werden Ziele der Verwendung von ERP Systemen wie folgt gegliedert: Kostenziele: Personalkostenreduzierung, Lagerzinsreduzierung, Senkung der Stückkosten. Humane Ziele: Reduzierung der manuellen Rechentätigkeiten im Bereich der Fertigungsplanung und Steuerung, Schaffung ergonomischer Arbeitsplätze Organisatorische Ziele Optimierung der Materialwirtschaft und Kapazitätswirtschaft und Fertigungssteuerung, Reduzierung und Optimaler Einsatz des Fertigungspersonals, Einhaltung von Terminaufträgung. 16 Nach Frese und Werder ist eine gute Betrachtung von Nutzen durch die Ableitung der Effizienzkriterien aus den Unternehmenszielen möglich. Diese Effizienzkriterien sind: Prozesseffizienz Markteffizienz Ressourceneffizienz (Personen, Anlagen, Maschinen, Kapital usw.) Delegationseffizienz, Effizienz der Informationsgewinnung 15 Vgl. Jacob 2008, S Vgl. Ritter 2005, S. 28 8

9 Motivationseffizienz Der Einsatz eines ERP-Systems ist für Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor und bringt viele Möglichkeiten für Verbesserungen der betrieblichen Abläufe. 17 Abbildung 3(Systems Standpoint) und Abbildung 4 (Business Standpoint) stellt die Unterschiede zwischen vor- und nach Implementierung von ERP-System im einen Betrieb dar. Before ERP After ERP Information systems Stand- alone systems Integrated Systems Coordination Lack of coordination among Supports coordination across Databases Maintenance Interfaces Information business functions (e. g. manufacturing and sales) Non- integrated data; data have different meanings (e. g., customer); inconsistent data definitions Systems are maintained on a piecemeal basis; inconsistencies result, it is costly to maintain separate legacy systems Difficult to manage interfaces between systems Redundant, inconsistent information business functions Integrated data; data have the same meaning across multiple functions Uniform maintenance; changes affect multiple systems Common interfaces across systems Consistent real-time information (e.g., about customers, vendors) System architecture May not be state of the art Relies on a client-server model Processes Incompatible processes Consistent business processes Applications Disparate applications (e.g., many different purchasing systems) Abb. 3: Before and After ERP: Systems Standpoint which are based upon an information model Single applications (e.g., a common purchasing system) 17 Vgl. Borhina 2004, S. 26 9

10 Quelle: Mary Sumner (2005), S. 4 Before ERP With ERP Cycle time Costly bottlenecks Time and cost reduction of Transactions processing Financial Management Business Processes Productivity Multiple transactions use multiple data files Increased cost of excess inventory, cost of overdue accounts receivable Proliferation of fragmented processes with duplication of effort Lack of responsiveness to customers and suppliers business processes Faster transactions, using common data. Reduces the time and cost of multiple updates Improves operational performance (e.g., less excess inventory, reduction in accounts receivable) Re-engineering around a business model that conforms with best practices Improvements in financial management and customer service Supply Chain Management Lack of integration Linkages with suppliers and ebusiness Information Communications Web-based interfaces support isolated systems and their components Lack of tactical information for effective monitoring and control of organizational resources Lack of effective communications with customers and suppliers Abb. 4 Before and After ERP: Business Standpoint Quelle: Mary Sumner (2005), S. 5 customers Web-based interfaces are front-end to integrated systems Allows cross-functional access to the same data for planning and control. Provides widely available information. Facilitates organizational communications with customers and suppliers ERP- Systemen haben die Aufgabe, die Prozesse und Daten innerhalb eines Unternehmens zu organisieren, zu systematisieren und zu standardisieren. 10

11 Abbildung 5 stellt die Funktionen und Aufgaben von ERP-Systemen dar. Betriebliche Anwendungssoftware Aufgabenkategorien Einsatzbereiche Administration: Datenhaltung für Geschäftsvorfälle Disposition: Automatisierung von Routinevorgängen Information: Kennzahlenbildung Fertigung: - Bestandsführung - Materialbedarfsplanung - Einkauf Vertrieb: - Produktionsplanung - Auftragseingang - Rechnungsstellung - Verkaufsanalysen Rechnungswesen: - Forderungen und Verbindlichkeiten Analyse: Auswertungen, Zeitreihenmodelle - Buchführung - Anlagenbuchhaltung - Budgetplanung und -überwachung Finanzwesen: - Liquiditätsmanagement - Finanzplanung Abb. 5: Funktionen und Aufgaben von ERP-Systemen Quelle: Gronau, N.(2004) S. 3 Personalwesen: - Lohn- und Gehaltsabrechnung - Zuschläge und Prämien 11

12 Nach Sumner bringt Nutzen von ERP-Systemen konkrete Vorteile mit: Beschleunigte Informations- bzw. Reaktionszeit Vermehrte Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens Verbesserte Auftragsabwicklung und Durchlaufzeit Verkürzung der Begleichung von Lieferforderungen Verbesserte fristgerechte Lieferung Reduzierung der betrieblichen Einzelkosten Reduktion der Lagerstände Anwendungsgebiete von ERP -Systemen ERP- Systeme haben viele Anwendungsgebiete. In allen gängigen ERP-Systemen werden so genannte Module für die einzelnen Unternehmensbereiche gebildet. Manche häufigste klassische Module sind: Vertrieb Materialwirtschaft Produktionsplanung Buchhaltung Kostenrechnung Finanzplanung Kundenservice Instandhaltung 18 Vgl. Kölbl, Werner (2008), S

13 Personalwirtschaft Customer Relationship Management Supply Chain Management Data Warehouse Unternehmensportale E-Procurement E-Commerce usw Entwicklung von Enterprise Resource Planning In der traditionellen Bestandskontrolle kann man die Wurzel des ERP in den sechziger Jahren finden. Seit Anfang der 60er Jahre wird Computer zur Lösung der Geschäftsprobleme verwendet. 20 Im Zuge der kommerziellen Nutzung der Datenverarbeitung wurden die ersten Funktionen von PPS-Systemen entwickelt. 21 Die Abbildung 6 und Abbildung 7 stellt die historischen Entwicklungsschritte von ERP dar. 19 Vgl. Kölbl, Werner (2008), S Vgl. Yilmaz, Seyhan (2006), S Vgl. Merkel (1986), S

14 DRP MRP MRP II MRP II ERP CIM Abb. 6: Die historischen Entwicklungsschritte von ERP Quelle: Yilmaz, S. (2006) S.16 Abb. 7: Historische Entwicklung von ERP Quelle: %20Library/as-ht05-vorl06-2auf1.pdf a. Material Requirements Planning (MRP) 14

15 Am Anfang der 1960 er Jahre wurde MRP für die Planung des Material-Erwerbs und der Produktion in USA erstellt. In 1975 veröffentlichte Orlicky diese Technik. Diese Technik wurde vor dem zweiten Weltkrieg in mehreren Positionen in Europe manuell verwendet. Jedoch stellte Orlicky fest, dass ein Computer die ausführliche Anwendung der Technik ermöglichte, die es wirksam im Handhaben von Produktionswarenbeständen machen würde. 22 Material Requirements Planning (MRP) ist ein softwaregestütztes Verfahren zur Überwachung und Steuerung des Fertigungsprozesses, zum Beispiel für das Bestellwesen, die Lagerhaltung und das Verwalten von Terminplänen. Traditionell werden Logistikprozesse in Unternehmen über die Materialbedarfsplanung gesteuert. MRP erhält als Input den Bedarf, den Bestand, die Durchlaufzeiten, die Stücklisten sowie die offenen Bestellungen und liefert als Resultat die Pläne für die Produktion und die Bestellungen. Dabei wird aber ausschließlich die Verfügbarkeit des Materials berücksichtigt, nicht aber die benötigten Kapazitäten an Transportmitteln und Maschinen. 23 Hauptpunkt des MRP ist prognostizierte Nachfrage für das Endprodukt. Das Ziel ist es, die Menge aller Produkte festzustellen, die um eine prognostizierte Quantität von Endprodukte und Einzelteile innerhalb eines gegebenen geplanten Horizonts zu produzieren notwendig sind und um die Durchlaufterminierung für die zusammenpassenden Produktion und Beschaffung festzustellen. MRP stellt die folgenden Fragen nach Wallace und Kremzar: Was werden wir herstellen? Was wird gebraucht um das herzustellen? Was haben wir? Was sollen wir noch haben? MRP verwendet folgende Instrumente für Lösung dieser Fragen. Master Termin Planung (Was werden wir herstellen?) 22 Vgl. Yilmaz, S.(2006) S. 17 Vgl. Browne (1989) S

16 Stückliste (Was wird gebraucht um das herzustellen?) Lagerkartei (Was haben wir?) 24 b. Closed-Loop MRP Bei der MRP- Verwendung besteht immer die Gefahr von überlasteten Kapazitäten weil MRP keine Kapazitätsüberprüfungsmechanismen hat. Closed-Loop MRP ist die Erweiterung der klassischen MRP um Kapazitäts-, Produktions-, Einkaufsplanung und bringt zusätzlich Fertigungssteuerung und Rückmeldeschleifen. Abbildung 8 stellt Aufbau von Closed-Loop MRP dar. Abb. 8: Aufbau von Closed-Loop MRP Quelle: Wallace/Kremzar, S.9 Wichtige Eigenschaften von Closed-Loop MRP: 24 Vgl. Yilmaz, S. (2006) S.19 16

17 Während MRP nur Materialbedarfsplanung hat, hat Closed-Loop MRP viele Funktionen. Es stützt sowohl Planung als auch Durchführung und hat Instrumente um Priorität und die Kapazität zu adressieren. 25 c. Manufacturing Resource Planning (MRP II) MRP II Konzept wurde von Oliver Wight entwickelt. Es stellt der Produktionsprogrammplanung weitere Planungsebenen voran. Die Geschäftsplanung und die Absatzplanung setzen die langfristigen Strategien für die Produktion um. Dabei wird auf einer groben Ebene (Warengruppenebene, Monatsraster) das Produktsortiment prognostiziert und geplant und mit den groben Kapazitätsdaten (z.b. auf Maschinengruppenebene) abgeglichen. Diese Planungen werden rollierend immer wieder überarbeitet. 26 MRP II enthält zusätzlich 3 Elemente: Absatz- und Produktionsplanung: Dieses Instrument ausgleicht Angebot und Nachfrage am Volumenniveau. Finanzielle Schnittstelle: Es ermöglicht, den operativen Plan in finanzielle Terminologie zu übertragen. Simulation: Die Fähigkeit, die und wenn Fragen zu stellen und verklagbare Antworten sowie in Einheiten als auch in Dollars zu geben. 27 Die American Production and Inventory Control Society (APICS) definiert MRPII wie folgt: MRPII ist eine Methode um alle Ressourcen eines Produktionsunternehmens zu planen. Im Idealfall erfolgt die betriebliche Planung in Mengeneinheiten, die wertmäßige Planung in Dollar. Zur Beantwortung der Frage Was wäre wenn? verfügt sie über Simulationsfähigkeiten. MRPII besteht aus einer Anzahl miteinander verknüpfter Funktionen: Der Geschäftsplanung (Business Planning), Absatz- und Produktionsgrobplanung (sales and operations planning), Produktionsplanung (production planning ) und Fertigungsplanung für Material und Kapazität (execution support systems for capacity and material). Die Ergebnisse 25 Vgl. Yilmaz, S. (2006) S Vgl. Yilmaz, S. (2006) S

18 dieser Systeme sind eingebunden in den Geschäftsplan, Beschaffungsplan, den Transportkostenplan und die Bestandshochrechnungen, alles ausgedrückt in Dollar. MRP II ist eine direkte Erweiterung der um die Kapazitätsrechnung erweiterten MRP (MRP I)." Abbildung 9 stellt MRP II-Konzept dar. Abb. 9: Schematische Darstellung des MRP II-Konzeptes 18

19 Quelle: Gronau, N.(2004) S. 11 d. Computer Integrated Manufacturing (CIM): Der Begriff CIM wurde zuerst 1981 vom Beratungsunternehmen Arthur D. Little geprägt. Die Bestandteile von CIM sind: CAD (Computerunterstütztes Zeichnen, Entwurf) CAP (Rechnergestützte Arbeitsplanung) CNC (Fertigung) CAQ (Rechnergestützte Qualitätssicherung) PPS (Produktionsplanung und steuerung) BDE (Betriebdatenerfassung) CIM-System bringt viele Vorteile: Verringerung von Investitionen in Lagerbestand Verringerung der Gesamtdurchlaufzeit Verringerung des Designzykluszeit Bessere Ausnutzung von Fabriken, Anlagen und Arbeitskräfte Bessere Kontrolle des gesamten Produktionssystems 28 e. Distribution Resource Planning (DRP): Im Jahre 1975 wurde DRP erstmals im Abbott Labor in Kanada entwickelt. Distribution- Resource-Planning ist ein Computersystem, das Vertrieb und Herstellung integriert, indem es 28 Vgl. Yilmaz, Seyhan (2006) S

20 den Bedarf an fertigen Produkten ermittelt, einen Terminplan für den Lagerbestand erstellt und die Bewegung der Produkte am Lager innerhalb der Distribution abstimmt. 29 Die Distributionsplanung hat zwei Ziele: Bereitstellung eines genauen Bedarfsplans für die Produktionsplanung, genannt "Distributionsbedarfsplanung" (Distribution-Requirements- Planning) Die Distributionsbedarfsplanung kann im wesentlichen mit den in der SAP- Anwendungskomponente Materialbedarfsplanung (MRP) zur Verfügung stehenden Techniken durchgeführt werden. Die Planungsergebnisse berücksichtigen die Tatsache, daß Bedarfe aus mehreren Versorgungszentren befriedigt werden können. Außerdem schließen sie Umlagerungen (oder Umlagerungsbestellanforderungen) ein, anhand derer Sie den notwendigen Bestand im Distributionszentrum sicherstellen können. Optimierung der Verteilung des verfügbaren Bestands im Distributionsnetzwerk, genannt "Deployment" Das Deployment ermöglicht Ihnen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, wenn als Ergebnis von Distributionsbedarfsplanungsläufen in verschiedenen Zeitabständen eine Bedarfsunter- oder -überdeckung berechnet wird. Das Deployment verwendet Algorithmen zur "Fair-Share"-Aufteilung, wenn eine Bedarfsunterdeckung bzw. zur "Push"-Distribution, wenn eine Bedarfsüberdeckung festgestellt wird. 30 f. Enterprise Resource Planning (ERP) Am Anfang der 1990er Jahre werden ERP- Systeme als eine Fortführung der MRP- Begriffe bei hinzufügen des DRP- und CIM- Konzepts dazu entwickelt. 31 Abbildung 10 stellt funktionale Entwicklung des ERP System dar Vgl. Yilmaz, S. (2006) S

21 Abb. 10: Funktionale Entwicklung des ERP System. Quelle: Yilmaz, S.(2006) S Lebenszyklus des ERP-Systems In der aktuellen Literatur findet man viele Lebenszykluskonzepten, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei der Frage setzen, welche Phasen zum Lebenszyklus eines Informationssystems hinzugezählt werden sollen. 32 Nach Esteves und Pastor enthält der Lebenszyklus eines ERP-Systems sechs Phasen. Diese Phasen sind Einführungsentscheidung, Akquisition, Implementierung, Verwendung und Wartung (Betrieb und Wartung), Erweiterung (Evolution), Ablösung (Retirement). Einführungsentscheidung Akquisition Implementier ung Betrieb und Wartung Evolution Retirement 32 Vgl. Wahl, M. (2003), S.13 21

22 Abb. 11: ERP Lebenszyklusmodell Quelle: J. Esteves/Pastor (1999, S. 13) a. Einführungsentscheidung: In dieser Phase muss ein Unternehmen die Vorteilen und Nachteilen der Verwendung eines ERP- Systems berücksichtigen weil Verwendung eines ERP-Systems sehr hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand bringt. In dieser Phase trifft Unternehmen mit unterschiedlichen Problemen wie Konkurrenz am Markt, große Datenmengen, Notwendigkeit rascher Entscheidungsfindung, Inkompatibilität der vorhandenen Informationssysteme, also Probleme, deren Lösung ein integriertes System verlangen. Deswegen entsteht die Idee der Einführung einer ERP- Software. Die Entscheidungsphase enthält: Definition der Anforderungen Definition der Ziele Ermittlung der Risiken Ermittlung der Chancen Analyse der Auswirkungen einer ERP-Akquisition 33 Diese Phase des ERP-Lebenszyklus beschäftigt sich mit den Fragen Wie wirken sich ERP Systeme auf den jeweiligen Unternehmenserfolg aus? und Warum entscheidet ein Unternehmen zur Einführung des ERP-Systems?. Um die Motive und Erwartungen von Unternehmen, die sich für die Implementierung entschlossen haben, aufzuklären, ist es nötig, sich zunächst mit den allgemeinen Vorzügen und der Beschaffenheit eines ERP Systems zu beschäftigen. 33 Vgl. Borhina, A. (2004), S.23 22

23 b. Akquisition: Nach der Entscheidung von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware zu beschaffen kommt der Prozess der Auswahl einer Standardsoftware bzw. eines Informationssystem. In diesem Prozess werden Anforderungen definiert und wird ein geeignetes Produkt aus dem verfügbaren und bekannten Marktangebot ausgewählt. Neben Kenntnissen der bisherigen organisatorischen Abläufe insbesondere methodische Erfahrungen werden in der Identifikation und Beurteilung von Anbietern bzw. Produkten benötigt. Abbildung 12 stellt das Phasenmodell der Auswahl dar. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass von der Zieldefinition bis zur Unterschrift unter den Vertrag nahezu in allen Fällen mindestens vier Monate vergehen. 34 Abb.12: Phasenmodell der Auswahl Quelle: Gronau, N. (2004) S Vgl. Gronau, N. (2004) S

24 Um die Entscheidung zu objektivieren entwickeln die Unternehmen Bewertungskriterien. Damit werden die unterschiedliche Alternativen anhand gemeinsam aufgestellter Kriterien so sachlich wie möglich bewertet. Manche Bewertungskriterien sind: Kosten-Nutzen Rechnung: (Einmalige Kosten, Laufenden Kosten) Die Lizenz-, Wartungs- und Implementierungskosten (inkl. Customizing und Programmierung) sowie die Hardware- Kosten sind manche Beispiele von ERP Kosten. Für internationale Unternehmen ist der Kostenfaktor für den Roll-out jeder einzelnen Firma nicht zu unterschätzen, da oft das Know-how beziehungsweise die Ressourcen für das Customizing im Unternehmen nicht vorhanden sind und daher auf die teuren Berater zurückgegriffen werden muss. Bei der Kalkulation muss man die Betriebsführung, Datenpflege und den Releasewechsel berechnen. Bei den Verhandlungen werden die Folgekosten (man spricht von den Total-Costs-of- Ownership ) berücksichtigt, daher wie viel bezahlt man für zusätzliche Lizenzen bzw. Beratungsdienstleistungen bei Folgeprojekten. Dies kann zu einer Kostenfalle werden, denn oft holen sich die Beratungshäuser auf diesem Wege wieder Geld zurück welches sie bei den Verhandlungen nachgelassen haben. Anbieter bezogene Kriterien: - Stabilität des Anbieters - Erfahrungen des Anbieters - Vertragsgestaltung - nachträgliche Support durch den Anbieter - Standort des Anbieters oder eines Qualifizierten Betreuers 35 Vgl. Yilmaz, S. (2006) S

25 - Innovationsfähigkeit des Herstellers - Die Bereitschaft des Anbieters zu Kompromissen im Streitfall - Verlässlichkeit bei der Erfüllung nicht exakt spezifizierter Aufgaben. Hierfür ist die Marktsituation genau zu beobachten (Konkurrenz, finanzieller Background etc.) Die Tatsache ist nicht zu vernachlässigen, dass einige SW-Hersteller ergänzende Produkte von Drittanbietern zur Abdeckung aller Geschäftsprozesse in einem Unternehmen benötigten. Dies ist oft beim Rechnungswesen der Fall, da sich der SW-Hersteller lieber auf andere Kernprozesse spezialisiert. Man soll auf jeden Fall ein Augenmerk auf die Größe des Unternehmens werfen weil bei kleineren Firmen die Kunde bedeutend wichtiger als möglicherweise bei den Big Playern ist. Man soll auch den Blick auf die Referenzliste werfen, denn die Branchenerfahrung zeigt, ob die Berater überhaupt Kenntnisse ihres Geschäftes besitzen oder auf Ihre Kosten das Know-how überhaupt erlernen. Anwender Bezogene Kriterien: - Benutzungsfreundlichkeit - Dokumentation - Anpassungsfähigkeit Bei der Evaluierung einer Software ist einer der wichtigsten Punkte die Anwenderbewertung. Man muss diesem Punkt einen großen Augenmerk schenken, denn neben dem Projektmanagement steht und fällt eine SW-Einführung mit den Keyplayern im Projekt bzw. den zukünftigen Usern. 25

26 Technische Kriterien (Softwarebezogene Kriterien) : - Datenstruktur - Softwarearchitektur - Web-Integration und Unterstützung von neue Ansätze - Kompatibilität und Portabilität - Skalierbarkeit Im Mittelpunkt der Evaluierung eines neuen ERP-Systems steht die Software selber. MAn soll zur Beurteilung auf jeden Fall folgende Punkte berücksichtigen: Funktionale Kriterien (Muss/Soll/Kann) -vor allem die Abdeckung der spezifischen Firmen-Anforderungen - lassen sich vergleichsweise einfach abprüfen, da diese objektiv beurteilt werden können. Zu berücksichtigen ist auch der Reifegrad der Software und die Anzahl der Installationen. In der heutigen Zeit ist in vielen Fällen die Orientierung in Richtung E-Business und Supply Chain Management sehr wichtig, denn was nutzt einem eine einfach und gut funktionierende Software für die firmeninternen Prozesse, wenn man für jede Kunden- bzw. Lieferantenanbindung einen hohen Aufwand an personellen Ressourcen und Kosten zur Verfügung stellen muss. Projektmanagement: Eine erfolgreiche ERP-Auswahl muss vom Management getragen werden, ansonsten ist das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt. Die SW-Auswahl benötigt viel Erfahrung und Wissen über die SW-Produkte, Geschäftsprozesse, Projekt- und Changemanagement. SW-Implementierungspartner: 26

27 Bei großen ERP-Anbietern ist es oft der Fall, dass der Anbieter selber nicht die Implementierung der ERP-Lösung vornimmt. Dann kommen so genannte Implementierungshäuse ins Spiel. Für beide Varianten gilt folgendes: Man muss auf Termintreue und Zuverlässigkeit in allen Phasen der Evaluierung achten. Damit kann man lernen dass wie die Workshops, Fachgespräche, Referenzbesuche, Zwischengespräche und Vertragsverhandlungen vorbereitet werden. Die Kenntnisse der Mitarbeiter des Anbieters bzw. Implementierungspartner werden überprüft und wird die Glaubwürdigkeit verschiedener Aussagen kontrolliert. Schlüsselpersonen werden in einem Recruitingprozess - wie bei einem internen Mitarbeiter - ausgewählt. Man muss überprüfen, ob die der Berater für Sie eine wichtige Rolle spielt; dies gilt vor allem für mögliche Unterstützungen an unterschiedlichen Orten im Inland und vor allem im Ausland. Abbildung 13 stellt manche Auswahlfaktoren dar. Abb. 13: Auswahlfaktoren Quelle: 27

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