Erfahrungen eines Automobilzulieferers und Dienstleisters in Russland

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1 Erfahrungen eines Automobilzulieferers und Dienstleisters in Russland Schnellecke Logistics AG & Co. KG Ralph Hoyer Leiter Planung / Prozessoptimierung ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig R. Hoyer - ACOD-Kongress Seite 1 am 17./18. FEBRUAR Leipzig 1

2 Vortragsgliederung 1. Schnellecke RUS Sankt Petersburg 2. Rekrutierung von Fach- und Führungskräften 3. Lohn- und Lohnnebenkosten 4. Arbeitsrecht Arbeitsverträge Kündigungen Abfindungen 5. Zusammenfassung der Erfahrungen 6. Fazit R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 2

3 Schnellecke RUS Sankt Petersburg Value Added Assembler (VAA) für GM St. Petersburg Aufgaben: Anlagen- u. Prozessentwicklung Montagen Qualitätsmanagement Sequenzierung Anlieferung R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 3

4 Schnellecke RUS Sankt Petersburg R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 4

5 Rekrutierung von Fach- und Führungskräften Die zunehmende Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen hat inzwischen auf dem russischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen! Der Bedarf an lokalen Fach- und Führungskräften wächst und kann insbesondere in den Wirtschaftszentren kaum noch gedeckt werden. Auswirkungen: Die Suche nach Fachkräften und deren Bindung an die Firma werden immer schwieriger. Das knappe Angebot lässt die Löhne und Gehälter jährlich real um mehr als 10% steigen. Teilweise hohe Fluktuation, begünstigt durch die arbeitnehmerfreundlichen Kündigungsfristen (14 Tage). Investitionen in die Mitarbeiterbindung sind erforderlich Teilweise müssen Stellen mit ausländischen Fachkräften besetzt werden - Hierbei ist eine Vielzahl von Regelungen zu beachten, die sich aus dem Sozialversicherungsrecht ergeben. - Eine Arbeitserlaubnis muss eingeholt werden (Zeitaufwand ca. 3 Monate) R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 5

6 Löhne und Gehälter Das Lohngefälle zwischen den Regionen in Russland ist stark ausgeprägt. R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 6

7 Lohnnebenkosten Sozialversicherungsbeiträge Die Sozialversicherungsbeiträge zahlt in Russland ausschließlich der Arbeitgeber. Sie werden über die so genannte Einheitliche Sozialsteuer (ESN) abgeführt, die insgesamt 26% vom Bruttogehalt beträgt, solange im Kalenderjahr nicht mehr als Rubel verdient wurden Zusatzleistungen Sozialpakete wie eine private Kranken- oder Unfallversicherung. Zuschüsse zur Kantine oder kostenlose Mahlzeiten An- und Abtransport der Mitarbeiter Ein Sommerfest oder eine Weihnachtsfeier für die Belegschaft sind in vielen Betrieben ebenfalls üblich. Anmerkungen: Russlands Wirtschaftszentren bieten derzeit mehr attraktive Stellen als Fachkräfte vorhanden sind. Häufig wechseln Arbeitnehmer daher schon wegen einhundert Rubel Gehaltsunterschied das Unternehmen. Spätestens nach drei Jahren sehnen sich vor allem junge, gut qualifizierte Angestellte nach einem neuen Job oder Entwicklungsperspektiven. Immer wichtiger ist es daher, durch Zusatzleistungen die Arbeitnehmer an die Firma zu binden. R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 7

8 Arbeitsrecht Gesetzliche Regelungen im Überblick Anmerkungen: Das russische Arbeitsrecht gilt generell als extrem formalistisch und ist in seiner Ausprägung nach wie vor sehr arbeitnehmerfreundlich. Auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen gerade durch ausländische Firmen wird in Russland sehr genau geachtet. Bereits die Wahl des falschen Stempels für ein Dokument kann dabei zum Problem werden. R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 8

9 Arbeitsverträge Spätestens drei Tage nach Arbeitsbeginn ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag abzuschließen. Die vorgeschriebenen Inhalte des Arbeitsvertrages sind durch das ArbGB recht genau festgehalten. Er muss unter anderem folgende Angaben und Informationen enthalten: Name und Adresse von Arbeitnehmer und Arbeitgeber Arbeitsstelle, inklusive Sitz des Arbeitgebers Datum der Arbeitsaufnahme Bezeichnung der Position im Unternehmen und der konkreten Arbeitsfunktion Rechte und Pflichten von Arbeitnehmer und Arbeitgeber Arbeitsbedingungen Art des Arbeitsvertrages (befristet / unbefristet) Arbeitsordnung Arbeits- und Erholungszeiten Entlohnungssystem im Unternehmen und vereinbartes Gehalt Arbeitsplatzabhängige Regelungen zur Sozialversicherung Anmerkung: Der Arbeitgeber ist nicht berechtigt, im Arbeitsalltag ohne Einwilligung des Arbeitnehmers die Funktion der betreffenden Stelle zu ändern. Arbeitnehmer, die mit anderen Aufgaben betraut werden als im Arbeitsvertrag beschrieben, haben grundsätzlich das Recht, die Arbeit zu verweigern. Sinnvoll ist hier die Beschreibungen von Arbeitsstelle und Position im Unternehmen nicht zu präzise zu fassen, um bezüglich der Personalplanung flexibler zu sein R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 9

10 Kündigung Generell ist für die Kündigung eines Mitarbeiters immer die Angabe eines Grundes erforderlich. Dazu zählen unter anderem: Grobe Pflichtverletzung durch den Arbeitnehmer (beispielsweise Nichterscheinen oder Trunkenheit bei der Arbeit, Zerstörung oder Entwendung von Firmeneigentum etc.) Liquidation des Unternehmens, Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit Personal- oder Stellenabbau Mangelnde Eignung des Mitarbeiters aus gesundheitlichen Gründen oder wegen mangelhafter Qualifikation Kündigungsfrist Das Gesetz enthält für die Kündigung durch den Arbeitgeber keine Kündigungsfrist. Ausnahmen: Kündigung wegen Personal- oder Stellenabbaus wegen Liquidation des Unternehmens Hier muss das Vertretungsorgan der Arbeitnehmer sowie die Arbeitnehmer spätestens 2 Monate vor Entlastung persönlich gegen Unterschrift von der Kündigung in Kenntnis gesetzt werden. Kündigungsverbote u.a. bei vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit oder im Urlaub schwangeren Frauen Frauen mit Kindern unter 3 Jahren alleinerziehenden Müttern mit einem Kind bis zu 14 Jahren R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 10

11 Abfindungen Die in vielen Ländern übliche Praxis, vor allem gegen betriebsbedingte Kündigungen Klagen zu erheben, um in den Genuss von Abfindungen zu kommen, ist in Russland nicht verbreitet. Alle Fälle, in denen der zu kündigende Arbeitnehmer einen Anspruch auf Abfindung hat, sind gesetzlich geregelt. Als Beispiel kann die Zahlung einer Abfindung angesehen werden, wenn dem Arbeitnehmer Stellen- bzw. Personalabbaus gekündigt wird (Art. 178 Pkte. 1 und 2 ArbGB). Abfindung bei Stellen- oder Personalabbau: 2 Monate bis 4 Monate (u.u. 5 Monate) Ausspruch der Kündigung Ende Arbeitsverhältnis (2 Monate regelmäßiges Gehalt) 1 Monatsgehalt Entlassungsgeld Fortzahlung von zwei (drei) Durchschnittsmonatsgehältern, wenn der Arbeitnehmer innerhalb von 2 Monaten keine neue Arbeit gefunden hat. (Das Entlassungsgeld wird dabei angerechnet) R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 11

12 Zusammenfassung der Erfahrungen Nie vergessen die russischen Verhaltensweisen und Denkmuster sind anders Im Gegensatz insbesondere zu Deutschen dominiert bei Russen die Personen- gegenüber der Sachorientierung Das Gruppendenken ist bei Russen generell stärker ausgeprägt als bei Deutschen Das russische Denken und Verhalten ist deutlich hierarchieausgeprägter als das deutsche Russen haben im Allgemeinen ein anderes Verhältnis zur Zeit als Deutsche Das russische Recht (Behörden) ist extrem formalistisch Unterstützung durch Fachleute (Berater, Buchhalter, Anwälte, Übersetzer) ist ratsam Eigene, schon vorher im Unternehmen beschäftigte, russische Mitarbeiter sind sehr hilfreich Auch kleine formale Verstöße gegen das Recht kosten Zeit und Geld Wichtig Bei ausländischen Mitarbeitern, die nach Russland entsandt werden, sollte eine intensive Vorbereitung auf ihre Tätigkeit und ein entsprechendes interkulturelles Training erfolgen, wenn der Aufenthalt im Land erfolgreich sein soll. R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 12

13 Fazit Der russische Markt:»Große Chance, aber großes Risiko, bei schlechter Vorbereitung!«R. Hoyer - ACOD-Kongress am 17./18. FEBRUAR Leipzig 13

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