Zeitenwende Vom demografischen Wandel mit Zertifikaten profitieren VISIONEN DEFENSIVE. Tiefe Barriere, geringes Risiko?

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1 AUS GA BE 01 / 12 Das Anlageberater- und Vermögensverwalter-Magazin der europäischen Zertifikate-Börse Frankfurt DEFENSIVE Tiefe Barriere, geringes Risiko? VISIONEN Erst Ziele machen eigene Fähigkeiten nutzbar Zeitenwende Vom demografischen Wandel mit Zertifikaten profitieren

2 Anzeige Auch bei Seitenwind geht es vorwärts: Mit den Aktienanleihen von HSBC Trinkaus. Es bedarf nicht immer Rückenwind oder hoher Wellen, um vom Börsengeschehen zu profitieren. Unsere Aktien anleihen ermöglichen überdurchschnittliche Renditen in seitwärts laufenden Märkten durch einen Zinssatz, der bei Emission oberhalb des Niveaus von vergleichbaren festverzinslichen Anleihen liegt. Sollte die entsprechende Aktie am Laufzeitende unterhalb des Basispreises der Aktienanleihe notieren, kommt es zur Aktienlieferung. Optimieren Sie Ihre Renditechancen in Seitwärtsmärkten mit Aktienanleihen von HSBC Trinkaus. Attraktive Renditen auch in seitwärts laufenden Märkten möglich Zinszahlung, unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswertes Aktienkursrisiko im Falle einer Aktienlieferung bis hin zum Totalverlust Die maximale Auszahlung ist auf den Nennbetrag begrenzt Die Einstufung von HSBC Trinkaus mit AA durch die Rating-Agentur Fitch Ratings Ltd. bedeutet, dass für lang fristige Verbind lich keiten ein sehr geringes Kreditrisiko besteht. Dennoch tragen die Wertpapier inhaber das Emittentenausfallrisiko von HSBC Trinkaus. Kostenfreie Infoline Hotline für Berater Die hierin enthaltenen Produktinformationen stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der darin besprochenen Wertpapiere seitens der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG dar und können eine individuelle Anlageberatung durch die Hausbank nicht ersetzen. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen werden zur kostenlosen Ausgabe bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Derivatives Public Distribution, Königsallee 21/23, Düsseldorf, bereitgehalten. Quellen: DIE WELT, Stand:

3 Editorial Wir stehen vor einer Zeitenwende Herr Reuss, im Herbst 2011 hat die Weltbevölkerung die Marke von sieben Milliarden überschritten. Welche Bedeutung hat das für die Finanzmärkte? Kennen Sie das Video vom Moonwalking Bear? Schauen sie es sich einmal auf YouTube an, wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben. Sie werden überrascht sein. Die Pointe will ich allerdings jetzt nicht verraten. Was das alles mit Demografie und Geldanlage zu tun hat? Gerade im Investmentbereich achten wir tagtäglich auf Meldungen, Daten oder Chartformationen all das ist unbestritten auch wichtig, aber oft verlieren wir dabei das Große und Ganze aus dem Blick. Die demografische Entwicklung zählt in den kommenden Jahren sicherlich zu den ganz wichtigen globalen Trends, auch im Anlagesegment. Die Menschheit wird weiter wachsen, wenn auch langsamer. Die Bevölkerungsstruktur wird sich ändern und das hat Konsequenzen. Wie könnte sich das äußern? Künftig wird es wahrscheinlich mehr Senioren auf unserem Planeten geben. Insgesamt altert die Bevölkerung, weil bei steigendem Wohlstand die Geburtenraten zurückgehen und zugleich die Lebenserwartung zunimmt. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Erwerbstätigen abnehmen. Das wirft Fragen auf. Um nur einige zu nennen: Wer sind die künftigen Sparer? Wo fließt Kapital hin? Welche Infrastruktur wird gebraucht? Investiert eine alternde Gesellschaft überhaupt noch in Infrastruktur? Was passiert mit den Gesundheits- und Sozialkosten? Christian Reuss CEO Scoach Welche Schlüsse können Anleger daraus ziehen? Es gibt einige Bereiche, die hinsichtlich der Entwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schon heute durchaus beachtenswert sind. Welche Entwicklungen zu erwarten sind, das können Sie ab Seite 8 in der aktuellen Titelgeschichte Zeitenwende erfahren. 3

4 Mehr Informationen online Mit festem Hebel dem DAX folgen Faktor-Zertifikate für trendstarke Marktphasen Faktor-Zertifikate Mit Faktor-Zertifikaten von db-x markets können Anleger mit einem konstanten Hebel an der Entwicklung des DAX teilnehmen. Die Zertifikate bilden die tägliche prozentuale Wertveränderung des DAX mit dem gewählten festen Hebel ab. Faktor-Zertifikate gibt es für steigende Kurse (Faktor Long) sowie für fallende Kurse (Faktor Short). Kontakt Deutsche Bank AG db-x markets Hotline: +49 (69) Wahl zwischen verschiedenen Hebeln, Long oder Short Kein Knock-out, kein Basispreis, keine Laufzeitbegrenzung In volatilen Seitwärtsphasen sind Kursverluste unabhängig vom Basispreis möglich Ein hoher Hebel kann zu großen Gewinnen führen, steigert aber auch das Verlustrisiko Produkt WKN Faktor Kurs Faktor 4x Long DAX Index-Zertifikat DE4LEV +4 33,70 Euro Faktor 2x Long DAX Index-Zertifikat DE2HEB +2 45,24 Euro Faktor 2x Short DAX Index-Zertifikat DE9SHT 2 27,53 Euro Faktor 4x Short DAX Index-Zertifikat DE9SRT 4 21,20 Euro Briefkurse vom Der maßgebliche Prospekt für die genannten Wertpapiere kann unter heruntergeladen oder bei der Deutsche Bank AG, db-x markets, Große Gallusstraße 10-14, Frankfurt, kostenfrei angefordert werden.

5 Inhalt Scoach 01/12 Insider 06 Service & Kommunikation. Scoach ist auch in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter zu Hause. Mit scoach.de/blog wird zudem ein neuer Informationsservice angeboten. 08 Die Erde wird immer voller: Das Bevölkerungswachstum findet vor allem in Entwicklungsländern wie Indien statt. Outlook 08 Zeitenwende. Mittlerweile gibt es sieben Milliarden Menschen auf der Erde und ihre Zahl wird weiter steigen. Wie Anleger mit Zertifikaten vom demografischen Wandel profitieren können. Kolumne 14 Gekauftes Glück? Im modernen Wirtschaftsleben dreht sich vieles um Geld, Profit und Wachstum. Doch wirklich glücklich macht uns das nicht. Was uns echtes Glück verschafft. Strukturiertes 16 Turbos. Kleiner Einsatz, große Wirkung wie Turboscheine funktionieren und welche Chancen und Risiken sie bergen. Product 18 Flott unterwegs. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Türkei vom Pleite kandidaten zum ökonomischen Wunderknaben entwickelt. Dennoch sind Investments in türkische Aktien nicht ohne Risiko. 18 Mit der Türkei geht es flott voran. In den ersten drei Quartalen 2011 wuchs die Wirtschaft des Landes um 9,6 Prozent. 22 Tiefe Barriere, geringes Risiko? Im Segment der Aktienanleihen mit Barriere sind aufgrund der Unsicherheit an den Finanzmärkten vermehrt defensive Strukturen gefragt. Was es zu beachten gilt. Trading 24 Traden nach Großwetterlage. Berufshändler Michael Voigt erklärt, warum es beim Trading zunächst immer um den übergeordneten Trend und erst dann um den Handelsstil gehen sollte. Coach 28 Ziel-Visionen. Ziele wecken die vorhandenen Fähigkeiten. Ohne ein Ziel mag noch so viel Begabung vorhanden sein, ein solche Person wird trotzdem nie wissen, wohin mit ihren Möglichkeiten. 28 Die Vision gibt eine Richtung vor und bildet damit den Ausgangspunkt für das Stecken von Zielen. Exit 32 Magazin. Finanzmetropolen: Tokio Scoach-Zahlen: Highlights 2011 Denkspiel: Die spinnen, die Römer Kuh-Aktien: Tierisch gute Rendite Teure Pflaster: Die hochpreisigsten Einkaufsmeilen der Welt Contact 34 Kontakttabelle & Impressum 5

6 INSIDER Green Community Gefällt mir Scoach Europa erweitert seine Zertifikate-Berichterstattung unter scoach.de und seine Social-Media-Aktivitäten. Web 2.0 die europäische Zertifikatebörse Scoach in Frankfurt wird im Bereich des sogenannten Social Networking immer aktiver. Auf dem Zertifikate-Portal scoach.de ist nun auch ein Blog (siehe unten) integriert. Zudem ist Scoach auf der Social-Media- Plattform Facebook und dem Kurznachrichtendienst Twitter vertreten (siehe gegenüberliegende Seite). Wer sich für das Thema Zertifikate interessiert, kann sich der Green Community von Scoach anschließen und wird so fortlaufend über Trends, Meldungen, Termine, Statistiken, Trading und Analysen informiert. Blog Die Welt der Zertifikate Unter scoach.de/blog können Zertifikate- Anleger regelmäßig Nachrichten, Analysen oder Trading-Tipps lesen und interaktiv sofort kommentieren. Wer über neue Nachrichten informiert werden möchte, braucht nur den kostenlosen Newsfeed abonnieren. 6

7 INSIDER Facebook Zertifikate- Pinnwand Facebook ist eine der größten Social-Media-Plattformen weltweit. Klar, dass dort auch Scoach präsent ist. Verfolgen Sie Analysen und Nachrichten, kommentieren Sie diese und teilen Sie Zertifikate- Neuigkeiten mit Freunden beziehungsweise anderen Zertifikate-Anlegern. Twitter Zertifikate- Als Follower sind sind Sie immer auf dem Laufenden, was Zertifikate-Analysen oder Nachrichten von Scoach in Frankfurt angeht. Einfach Folgen und automatisch die Updates auf den Computer oder via Twitter-App auf das Smartphone bekommen. 7

8 OutlOOk Zeitenwende Im vergangenen Herbst hat die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Marke überschritten. Die Zahl der Menschen wird weiter wachsen, wenn auch langsamer, und die Menschen werden älter werden. Das hat weitreichende Folgen. Express Heute leben gut 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Die erste Milliarde wurde 1804 erreicht. Bis 1900 waren es 1,6 Milliarden Menschen, 1927 zwei. Dann ging es rasch: 1974 waren es vier und bereits 1987 fünf Milliarden Menschen. kurz vor der Jahrtausendwende wurde die Sechs-Milliarden-Marke überschritten. In nur einem Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung somit rund vervierfacht. 1 Die Welt ist ein Dorf, heißt es oft. Was aber, wenn es wirklich so wäre? Ein Dorf, sagen wir, mit 100 Einwohnern, und der Kalender würde das Jahr 2011 zeigen? Dann zählte die Gemeinschaft 15 Afrikaner, 5 Nord- und 9 Lateinamerikaner, 11 Europäer sowie 60 Asiaten. Die Gemeinde hätte eine recht ausgeglichene Altersstruktur: Kinder unter 15 Jahren gäbe es 27 und lediglich 8 Menschen wären älter als 65. Die Einkommen wären dagegen nicht gleich verteilt. 48 Einwohner müssten von weniger als zwei Dollar am Tag leben. Wenn man dies positiv sehen möchte, könnte man argumentieren, dass es für diesen Teil der Dorfgemeinschaft noch ein gewaltiges finanzielles Nachholpotenzial gibt. Die Familienplanung im Dorf sähe so aus, dass jede Frau im Schnitt 2,5 Kinder bekäme. 1 Würde man dieses Dorf 39 Jahre später, also im Jahr 2050, erneut besuchen, dann hätte es einige Verschiebungen gegeben: Pro Jahr wäre ungefähr ein Bewohner hinzugekommen, sodass in der Gemeinschaft nun 137 Menschen leben würden. Sie würden sich aufteilen in 33 Afrikaner, 7 Nord- und 11 Lateinamerikaner, 10 Europäer und 76 Asiaten. 1 1) Alle Daten: Stiftung Weltbe völkerung, Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung Bis zum Jahr 2050 werden wohl gut zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. 8

9 Outlook 10 Milliarden Menschen Langsameres Wachstum der Weltbevölkerung Weltbevölkerung in Milliarden Durchschnittlicher jährlicher Zuwachs innerhalb von 10 Jahren Die Bevölkerungswachstumsrate erreichte im Jahr 1968 mit 2,1 Prozent ihren Höchststand. Seitdem sank sie aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen bis 2010 auf 1,1 Prozent. 2100: 10,12 Mrd. 2083: 10 Mrd. 2043: 9 Mrd. 2025: 8 Mrd. 2011: 7 Mrd. 1999: 6 Mrd. 1987: 5 Mrd. 1974: 4 Mrd. 1959: 3 Mrd Zuwachs in Millionen 1804: 1 Mrd. 1927: 2 Mrd Quelle: Stiftung Weltbevölkerung, Vereinte Nationen, World Population Prospects: The 2010 Revision, 2011 Das Beispiel zeigt: Die Bevölkerung auf unserem Planeten wandelt sich und wächst wahrscheinlich langsamer als in den vergangenen Jahrzehnten. Seit dem Erreichen des Höchststands der Bevölkerungswachstumsrate im Jahr 1968 mit 2,1 Prozent sank diese aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen bis 2010 auf 1,1 Prozent. 3 Laut UN-Prognose dürfte die Weltbevölkerung bis 2050 somit auf 9,3 Milliarden und bis 2100 auf mehr als 10 Milliarden ansteigen (siehe auch Grafik oben). 2 Menschheit im Wandel Zugleich findet ein Strukturwandel der Bevölkerung statt: Das Wachstum findet fast nur noch in den Entwicklungs- und in den Schwellenländern statt. Ansonsten altert die Menschheit auf unserem Planeten. Weltweit hat die Lebenserwartung seit 1950 um 4,6 Monate pro Jahr von 45,4 auf 68,2 Jahre zugenommen. In Asien stieg die Lebenserwartung sogar von 39,9 auf 69,6 Jahre (siehe Grafik Seite 10). 3 War früher der Lebensabend ein überschaubarer Abschnitt, hat sich dieser inzwischen zu einer echten Lebensphase entwickelt. Ein japanischer Pensionär hatte 1950 noch rund 11 Jahre Ruhestand vor sich. Heute beträgt diese Zeitspanne 22 Jahre. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte sie auf 24 Jahre ansteigen, ähnlich wie in der Schweiz oder Deutschland, wo sich Ruheständler dann auf 23,7 beziehungsweise 22 Jahre Rentnerdasein freuen dürfen. 3 Die Weltbevölkerung altert künftig zweifach: Zum einen nimmt die Lebenserwartung zu und zugleich sinkt die Zahl der Neugeborenen. Sie vergreist langsam. Das hat auch gravierende Wissen Fertilität In Zeiten wirtschaftlichen Wachstums und spürbarer Wohlstandsgewinne nimmt die Geburtenrate üblicherweise ab. Mortalität Sowohl in Industrie- und Schwellenländern als auch in den am wenigsten entwickelten Ländern hat die Lebenserwartung in den vergangen Jahrzehnten deutlich zugenommen. 2) Vereinte Nationen, World Population Prospects: The 2010 Revision, Stiftung Weltbevölkerung. 3) Allianz Global Investors, Investmentchance Demografie. 9

10 Outlook Vergreisung Immer mehr Ältere In Prozent der Weltbevölkerung unter 40 Der Anteil der Weltbevölkerung mit einer Lebenserwartung über 70 Jahren lag im Zeitraum von 1950 bis 1957 gerade einmal bei einem Prozent. Im Zeitraum 2010 bis 2015 wird dieser Anteil bei 57 Prozent liegen. Quelle: Vereinte Nationen, Department of conomic and Social Affairs, Population Division, World Mortality 2011 Auswirkungen auf die Zahl der Erwerbstätigen, welche die wesentlichen Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung sind. Die Zunahme der Erwerbstätigen war in der Vergangenheit eine wesentliche Stütze für das Wirtschaftswachstum, stellt die VP Bank im Oktober 2011 in der Studie Investieren in die Demografie fest. Und ohne Wirtschaftswachstum gibt es langfristig keine positiven Renditen. In den Industrieländern sei nun der demografische Wendepunkt erreicht, so die Liechtensteiner Vermögensverwalter. Der Anteil der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter steige in den Industrieländern nicht mehr, sondern falle von nun an. Für das Potenzialwachstum einer Volkswirtschaft ist das Bevölkerungswachstum eine entscheidende Größe. Bei einem konstanten Kapitalstock und stagnierendem technischen Fortschritt ergibt sich das Pro-Kopf-Einkommen aus dem Produkt der Arbeitsproduktivität und dem Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung. 4 Die Faustregel: Je weniger wirtschaftlich abhängige Personen (unter 15 Jahren und über 65 Jahren, die nur einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung leisten) von den Erwerbstätigen (15- bis 65-jährigen, die arbeiten und gleichzeitig sparen) versorgt werden müssen, desto höher fällt die sogenannte demografische Dividende aus. Doch die Zahl der Erwerbstätigen dürfte in Zukunft weniger werden. Allianz Global Investors hat deshalb errechnet, dass das Pro-Kopf-Einkommen in der Welt in den nächsten 40 Jahren um 4 Prozent sinken könnte. Die Umkehrung der demografischen Dividende: Während Steuereinnahmen aus Arbeitseinkommen sinken, könnten gleichzeitig die Sozial- und Gesundheitsausgaben mit dem wachsenden Heer von Senioren steigen. Alleine von heute (760 Millionen Senioren) bis zum Jahr 2020 (1030 Millionen Senioren) betrage das Wachstum der Altersgruppe der Senioren 36 Prozent, schreibt die VP Bank in ihrer Studie. Bis im Jahr 2050 könne diese Gruppe auf über 2000 Millionen Menschen ansteigen. Am stärksten davon profitieren dürfte der Gesundheitssektor (siehe auch Interview Seite 12). Finanzmärkte vor Veränderungen Wie werden die Kapitalmärkte auf den demografischen Wandel reagieren? Schwarzseher prophezeien schon einen Asset Meltdown. Ihre Erklärung: Gibt es immer mehr Pensionäre, werden auch immer mehr Ersparnisse aufgelöst, da diese zur Finanzierung des Ruhestands benötigt werden. Zugleich würden die Erwerbstätigen fehlen, die Einkommen erwirtschaften und Ersparnisse bilden. Somit müsste die Nachfrage nach Aktien und Anleihen spürbar zurückgehen. Der Babyboomer-Effekt der Jahrgänge 1946 bis 1965 würde sich ins Gegenteil wandeln. 5 4) Arnott, R. D. / Chaves D. B., 2011: Demographic Changes, Financial Markets, and the conomy, Research Affiliates, LLC. 5) Mankiw, N. G. / Weil D. N., 1989: The Baby Boom, the Baby Bust, and the Housing Market. 10

11 Anlage in Edelmetalle beständig und wertvoll RBS führender Anbieter von Edelmetall-Zertifikaten Vor rund zehn Jahren starteten Gold und Silber ihren Siegeszug. Mehr und mehr Investoren mischen seitdem Anlageprodukte auf Gold und Silber ihrem Depot als Inflationsschutz bei. Während bei Gold der monetäre Charakter als Kaufgrund dominiert, spricht für Silber darüber hinaus seine Rolle als Industriemetall. Profiteure steigender Edelmetallpreise sind mitunter auch die Minengesellschaften. Der NYSE Arca Gold Bugs Index und der RBS Silver Mining TR Index enthalten Minengesellschaften, die Gold und Silber fördern. Eine Auswahl aus unserem großen Angebot: Open End Zertifikate WKN NYSE Arca Gold Bugs Index Gold RBS Silver Mining TR Index AA0BT6 Silber Chancen, Risiken und mehr zu unseren Produkten erfahren Sie hier: Online rbs.de/markets Telefon +49 (0) Produktinformation Der allein verbindliche Prospekt ist bei der The Royal Bank of Scotland N.V. ( RBS N.V. ) Niederlassung Deutschland, Junghofstr. 22, Frankfurt am Main, kostenfrei erhältlich. Kein Vertrieb an US-Personen. Die Rechte an den genannten Indizes sind zugunsten der jeweiligen Inhaber geschützt. The Royal Bank of Scotland N.V. Alle Rechte vorbehalten.

12 Outlook Interview Vielfältige demografische Auswirkungen Bernhard Allgäuer, Investment-Stratege der VP Bank, sieht im Wachstum der Weltbevölkerung eine stetige Herausforderung. Außerdem ist ein Wandel der Bevölkerungsstruktur zu erwarten. 7 Milliarden Menschen leben heute auf der Erde. Eine Vervierfachung innerhalb von 100 Jahren. Wie geht es weiter? In diesem Jahr fällt weltweit erstmals der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Betroffen sind zunächst vor allem die Industrieländer und Russland, gefolgt in einigem Abstand von China und den anderen Schwellenländern. Die Auswirkungen sind vielfältig und betreffen Klima, natürliche Ressourcen, Geopolitik, Urbanisierung, Wirtschaftswachs tum, Inflation, Steuern und Anlagerenditen. Welche Bedeutung hat die Lebenserwartung und Geburtenrate für die Bevölkerungsentwicklung? Lebenserwartung und Geburtenrate sind die wichtigsten Treiber der demografischen Entwicklung. Aufgrund des steigenden Wohlstands zeigen beide deutliche Trends auf. Die Lebenserwartung steigt und die Geburtenrate sinkt. Das Ergebnis sind niedrigere Bevölkerungswachstumsraten in den Industrieländern im Vergleich zu den Schwellenländern. Die Zahl der erwerbstätigen Personen nimmt ab. Welche Folgen hat das? Die Zusammensetzung der Wirtschaftsleistung verändert sich. Ältere Menschen konsumieren aus ihrem Kapitalstock. In der Folge wird weniger Kapital für Inves- titionen bereitgestellt. Das Wachstum verlangsamt sich, was zu tieferen Realzinsen führt. Investitionen von westlichem Alterskapital werden zunehmend in Schwellenländern getätigt, weil die dortigen Investitionsprojekte höhere Renditen erwirtschaften. Das Ausscheiden erfahrener Mitarbeiter beeinträchtigt auch die Produktivität, weil Wissen verlorengeht. Welche Auswirkungen hat die Demografie auf die Bereiche Gesundheit und Ressourcen? Die Gesundheitskosten werden stark zunehmen. Die Anzahl der Senioren wird allein in den nächsten zehn Jahren von heute 760 auf 1030 Millionen ansteigen. In der Schweiz verursachen Rentner, die 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 43 Pro zent der gesamten Gesundheitskosten. Pro Kopf liegen die Gesundheitskosten jährlich mit 8100 Franken pro Rentner viermal höher als bei der übrigen Bevölkerung. Die Umsätze der betroffenen im Interview Bernhard Allgäuer Bernhard Allgäuer ist seit 2007 Senior Investment Strategist im Economics & Investment Office der VP Bank Gruppe. Er ist verantwortlich für das Research und die Markteinschätzungen der VP Bank. Unternehmen steigen dementsprechend mit. Die höhere Lebenserwartung führt dazu, dass die Weltbevölkerung und damit der Rohstoffkonsum stark ansteigen. Wie könnten sich Staatshaushalte und Sozialsysteme entwickeln? Das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Senioren (Dependency Ratio) wird deutliche Spuren in den Staatshaushalten hinterlassen. Weniger Steuereinnahmen aus Erwerbseinkommen stehen größeren Ausgaben bei Sozial- und Gesundheitskosten gegenüber. Derselbe Effekt trifft das Rentensystem. Eine Systemanpassung an die heutige Lebenserwartung ist daher längst im Gange. Welche Investmentthemen ergeben sich aus den demografischen Trends? Wir empfehlen Anlagen in natürliche Ressourcen und solche, die vom Wachstumsmarkt Senioren profitieren. Dies sind insbesondere Unternehmen, welche die Lebensqualität und die Gesundheit von Rentnern positiv beeinflussen. Beispiele sind: Hersteller von Hörgeräten oder von Produkten für die Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen, Pharmakonzerne mit Produkten zur Behandlung von altersbedingten Krankheiten sowie Anbieter von Konsumgütern für Senioren. 12

13 Outlook Mutlos Die Allianz-Experten wollen zumindest einen Effekt auf das Bewertungsniveau am Aktienmarkt ausgemacht haben (siehe auch Grafik Mutlos, rechts). Unterstellt wurde, dass jüngere Personen risikofreudiger sind als ältere. Erwerbstätige wurden dazu im Verhältnis zu den Ruheständlern betrachtet. Im Zeitraum 1960 bis 1981 sank dieses Ratio auf unter 1,7. Erst als die geburtenstarken Jahrgänge ins Arbeitsleben drängten, stieg das Verhältnis wieder an, und anscheinend nahm auch die Risikoneigung der Bevölkerung wieder zu bis etwa zur Jahrtausendwende. Inzwischen sinkt das Verhältnis wieder und die Risikoneigung, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, geht wieder zurück. Wird es also zur Alterskernschmelze an den Finanzmärkten kommen? Zumindest holpriger könnte es aufgrund gegenläufiger Trends werden. Mit einer sinkenden Zahl von Erwerbslosen könnte der Produktionsfaktor Arbeit gegenüber dem Kapital an Gewicht gewinnen und die Löhne könnten stärker steigen als die Kapitalrenditen. Andererseits ist in einer Gesellschaft, in der es immer weniger Erwerbstätige gibt, Kapital sehr wichtig, da es den Produktionsfaktor Arbeit ersetzen muss. Zugleich dürfte sich das Kapital globaler verteilen, was dessen Einsatz grundsätzlich effizienter machen sollte. Investmentchancen Fazit: Auf Branchenebene dürften Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, etwa Pharma- oder Biotech-Gesellschaften, von den demografischen Trends der Zukunft profitieren. Steigende Bevölkerungszahlen haben aber auch einen höheren Lebensmittelbedarf zur Folge. Dünger-, Saatgut- und Lebensmittelproduzenten könnten somit eine gewichtige Rolle Risikofreude abhängig vom Alter? KGV S&P 500 (linke Skala) Verhältnis Sparer/Entsparer in den USA (rechte Skala) 0 1, Je mehr Erwerbstätige es im Vergleich zu Rentnern in einer Gesellschaft gibt, desto größer ist anscheinend die Risikofreude. Seit der Jahrtausendwende sinkt das Verhältnis und mit ihm auch die Risikoneigung (Kurs-Gewinn-Verhältnis). spielen. Überhaupt werden Rohstoffe und Energie immer kostbarer. Ganz besonders steigt der Bedarf an Trinkwasser. In vielen Regionen kann dieses nur energieaufwendig durch Meerwasserentsalzungsanlagen zur Verfügung ge stellt werden. Auch der Infrastruktur-Sektor Stichwort Urbanisierung eröffnet aussichtsreiche Perspektiven. Auf regionaler Ebene sollten Anleger solche Länder im Blick behalten, deren Bevölkerung wächst und/oder die über große Vorkommen an Rohstoffen und/oder Energieträgern verfügen. Hier sind vor allem die sogenannten BRIC- Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zu nennen, aber auch einige südostasiatische und langfristig einzelne afrikanische Staaten sollten über gute Chancen verfügen. Für Anleger könnte es sich lohnen, sich schon jetzt auf die Zeitenwende vorzubereiten, unabhängig vom tagesaktuellen Geschehen. Mit Zertifikaten lässt sich zielgerichtet in einzelne Unternehmen, Branchen oder Regionen investieren. 2,3 2,2 2,1 2,0 1,9 1,8 1,7 1,6 Quelle: Allianz Global Investors 13

14 KOLUMNE Gekauftes Glück? Im modernen Wirtschaftsleben dreht sich vieles um Geld, Profit und Wachstum. Doch wirklich glücklich macht uns das nicht. Wie die Wissenschaft zeigt, sind es andere Dinge, die uns subjektives Wohlbefinden und damit echtes Glück verschaffen. Die Ergebnisse der interdisziplinären Glücksforschung sind gerade dabei, eine Epochenwende herbeizuführen: weg vom Denken in Kategorien des Wirtschaftswachstums, hin zum Denken in Kategorien eines besseren Lebens. Es geht nicht mehr um die Erhöhung des Einkommens, sondern um eine Steigerung der objektiven Lebensqualität und des subjektiven Wohlbefindens und beides sind zwei (ganz) verschiedene Dinge: Mehr Einkommen macht uns nicht glücklich(er). Die Glücksforschung beschäftigt sich mit Glück im Sinne des Glücklichseins, also mit dem subjektiven Wohlbefinden, nicht aber mit dem Glückhaben, also dem Zufallsglück, das zum Beispiel ein Lottogewinn verschafft ( Luck im Englischen). Subjektives Wohlbefinden wiederum kann als emotionales Wohlbefinden empfunden werden also dem Glücklichsein im Moment ( Happiness ) und/oder als kognitives Wohlbefinden, das sich auf den Grad der Zufriedenheit mit dem Leben bezieht ( Satisfaction ). Doch welche Faktoren sind es, die Menschen glücklich machen? Dazu gehören zwar auch Mittel zur Befriedigung der materiellen Grundbedürfnisse, doch wie die Mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, sodass daraus keine größere Zufriedenheit erwächst. Forschung zeigt, sind es in erster Linie Kriterien wie funktionierende soziale Beziehungen (beruflich und privat), physische und psychische Gesundheit, Engagement und Befriedigung bei der Arbeit, persönliche Freiheit und eine optimistische innere Haltung (also mit sich und der Welt im Reinen sein), die uns wirklich glücklich machen. Wissenschaftliche Umfragen, die seit den 1960er-Jahren im großen Stil weltweit betrieben wurden, haben gezeigt, dass es in den westlichen Industrieländern seither kaum mehr einen Zusammenhang zwischen einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und der Lebenszufriedenheit (kognitives Wohlbefinden) gibt. Sind die materiellen Grundbedürfnisse nämlich abgedeckt, so passen sich unsere Ansprüche und Ziele an die tatsächliche Entwicklung an, das heißt, mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, sodass daraus keine größere Zufriedenheit erwächst. Moderne Menschen sind wie Hamster im Rad. Die Glücksforscher nennen das die hedonistische Tretmühle. An einen einmal erreichten Standard gewöhnen wir uns schnell und streben nach noch mehr. Karlheinz Ruckriegel ist Professor für Makroökonomie (Schwerpunkt: Geld- und Währungspolitik) sowie Psychologische Ökonomie und interdisziplinäre Glücksforschung an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Auf dem Gebiet der Glücksforschung hat er zahlreiche Aufsätze und Artikel veröffentlicht (www.ruckriegel.org). 14

15 OptiOnsscheine Zertifikate anleihen fonds Wir entscheiden selbst! Und Sie? Citi Discount-Zertifikate. Auch Experten sind der Meinung: Citi gehört zu den besten drei Anbietern für Discount-Zertifikate. informieren sie sich jetzt unter oder kontaktieren sie unser team kostenfrei unter Citigroup Global Markets Limited. All rights reserved. Citi and Arc Design is a trademark and service mark of Citigroup Inc., used and registered throughout the world.

16 STRUKTURIERTES Turbos Kleiner Einsatz, große Wirkung Turboscheine zählen zur Kategorie der Hebelprodukte. Das heißt, sie vollziehen die Bewegungen eines Basiswerts überproportional nach. Basiswerte können Aktien oder Aktienindizes sein, aber auch Währungen und Rohstoffe. Die Hebelwirkung resultiert aus dem geringeren Kapitaleinsatz im Vergleich zu einem Direktinvestment. Ein Turbo-Bull (auch Turbo-Call) gewinnt bei steigenden Kursen des Basiswerts, ein Turbo-Bear (auch Turbo-Put) bei fallenden Notierungen. Turbopapiere ähneln in der Funktionsweise Mini-Futures. Ein Unterschied liegt in der befristeten Laufzeit von Turbos. Höhere Transparenz und größere Hebelkraft... Ein zentraler Vorteil von Turbos ist ihre hohe Transparenz. Während der Preis von klassischen Warrants stark von Veränderungen der impliziten Volatilität des Basiswerts beeinflusst wird, spielt dieser Faktor bei Turboscheinen kaum oder gar keine Rolle. Ein weiterer Vorzug: Da Turbos einen geringeren oder gar keinen Zeitwert aufweisen, sind sie günstiger als vergleichbar ausgestattete Optionsscheine und besitzen daher eine größere Hebelkraft.... aber auch höhere Risiken Im Gegensatz zu klassischen Optionsscheinen können Turbos vorzeitig verfallen, wenn der Kurs des Basiswerts eine bestimmte Schwelle (Knock-out-Barriere) unterschreitet (bei Turbo-Bulls) oder überschreitet (bei Turbo-Bears). Je nach Ausgestaltung des Produkts verfällt es dann sofort wertlos oder es wird ein bestimmter Restwert zurückgezahlt. Herkömmliche Optionsscheine können sich dagegen wieder in die gewünschte Richtung entwickeln. Der Preis für die höheren Chancen sind also höhere Risiken in Form eines Knock-out-Ereignisses. Nicht für Anfänger geeignet Turbopapiere werden aufgrund ihrer hohen Hebel vor allem zu Tradingzwecken eingesetzt, also zur kurzfristigen Spekulation auf Trends und Kursbewegungen. Sie eignen sich nur für erfahrene Anleger, die sich des Knock-out- Risikos bewusst sind. 16

17 STRUKTURIERTES Der innere Wert Der Käufer eines Turbo-Bulls muss nicht den gesamten Betrag zum Erwerb des Basiswerts aufbringen. Er steuert lediglich den Teil dazu bei, der über den Basispreis hinausgeht. Der Preis eines Turbo-Bulls lässt sich demnach relativ problemlos berechnen. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis (in der Regel entspricht der Basispreis der Knock-out-Barriere). Gegebenenfalls muss noch das Bezugsverhältnis berücksichtigt werden. Dazu ein Beispiel: Bei einem Aktienkurs von 47 Euro hätte ein Turbo-Bull mit einem Basispreis von 45 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1 : 1 einen Wert von 2 Euro. Diese Differenz wird auch als innerer Wert eines Turbo-Bulls bezeichnet. Formel: Turbo-Bull = (Kurs Basiswert Basispreis) Bezugsverhältnis Turbo-Bear = (Basispreis Kurs Basiswert) Bezugsverhältnis Ein kleiner Preiszuschlag: das Aufgeld In der Praxis werden Turbo-Bulls nicht zu ihrem inneren Wert gehandelt, sondern in der Regel zu einem etwas höheren Preis sie enthalten ein sogenanntes Aufgeld. Der Hintergrund ist, dass der Anleger bei einem Turbo-Bull nur einen Bruchteil des Werts des Basiswerts zahlt. Den Rest finanziert der Emittent. Für diese Bereitstellung von Kapital werden dem Anleger Zinskosten in Form eines Aufgelds (Agios) in Rechnung gestellt. Bei einem Turbo-Bear verhält es sich etwas anders. Hier verkauft der Emittent den Basiswert und erhält dafür Geld, welches er zinsbringend anlegen kann. Daher können Turbo-Bears gegebenenfalls mit einem Abgeld (Disagio) notieren. Hebelwirkung Der Reiz von Turbos liegt in ihrer Hebelwirkung. Der Hebel gibt an, um welchen Faktor sich ein Turbo stärker bewegt als der zugrunde liegende Basiswert. Bei einer Bewegung des Basiswerts um plus 1 Prozent verändert sich beispielsweise ein Turbo-Bull mit einem Hebelfaktor von 5 entsprechend um plus 5 Prozent. Der Hebel wirkt dabei in beide Richtungen, sowohl bei Kurssteigerungen wie auch bei Kursverlusten. Formel: Hebel Turbo-Bull = Kurs des Basiswerts Bezugsverhältnis Preis des Turbo-Bulls Es gilt folgende Faustregel: Je näher der Basispreis (und damit auch die Knock-out-Barriere) am aktuellen Kurs des Basiswerts liegt, desto geringer der Kapitaleinsatz und umso höher der Hebel umso größer aber auch die Gefahr eines Knock-outs. 17

18 Product Flott unterwegs Innerhalb weniger Jahre hat sich die Türkei vom Pleitekandidaten zum ökonomischen Wunderknaben entwickelt. Dennoch sind Investments in den türkischen Aktienmarkt nicht ohne Risiko. Express Europas Tiger Die türkische Wirtschaft wächst in rasantem Tempo. Das ist Chance und Risiko zugleich. Einen wunden Punkt stellen insbesondere die steigenden Leistungsbilanzdefizite dar. Die Türkei macht Fahrt. In den ersten neun Monaten 2011 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 9,6 Prozent. Kaum zu glauben, aber es ist gerade einmal zehn Jahre her, da waren im östlichen Mittelmeer die Rollen noch ganz anders verteilt. Auf der einen Seite das aufstrebende Griechenland, das soeben von der EU mit der Aufnahme in die Währungsunion geadelt wurde. Auf der anderen Seite die finanziell und ökonomisch am Boden liegende Türkei, deren Zahlungsfähigkeit nur durch milliardenschwere Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sichergestellt werden konnte. Heute ist die Si- tuation genau umgekehrt. Der Pleitekandidat ist Griechenland, die Türkei dagegen erlebt einen bemerkenswerten Wirtschaftsboom. Wie ist der 74 Millionen Einwohner zählenden Nation am Bosporus dieser beachtliche Sprung nach vorne gelungen? Blick zurück Kurz nach der Jahrtausendwende durchlebte die Türkei eine der schwersten Wirtschaftskrisen ihrer Geschichte: kriselnde Banken, panische Aktienmärkte, ängstliche Investoren, abwanderndes Kapital, Entwertung der türkischen Lira und galoppierende Inflation. Zahlreiche Türken vertrauten damals den eigenen Banken nicht mehr: Sie tauschten die weiche Lira gegen harte Dollar und D-Mark beziehungsweise Euro. Die Konsequenz: Der Internationale Währungsfonds musste in einer damals aufsehenerregenden Rettungsaktion mehrere Milliarden Dollar in das Land pumpen, um die Staatspleite zu verhindern. Türkisches Wirtschaftswunder Dann setzte das ein, was heute als türkisches Wirtschaftswunder bezeichnet wird. Und am Anfang standen wie so häufig in der Wirtschaftsgeschichte harte Reformen setzte der damalige Finanzminister Kemal Dervis, zuvor Vizepräsident der Weltbank, ein Umschuldungsprogramm in Gang. Die Banken 18

19 Product wurden strenger überwacht, die Zentralbank wurde unabhängiger, die Privatisierung staatlicher Unternehmen vorangetrieben, das Haushaltsdefizit reduziert. Als 2003 Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Ministerpräsident gewählt wurde, setzte seine Regierung das Reformprogramm fort. Wie aus dem Lehrbuch, schrieb das britische Wirtschaftsmagazin The Economist, habe die Türkei die schwere Krise gemeistert. Dank der Reformen wurde auch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 relativ rasch überwunden. Nachdem die türkische Wirtschaft 2009 noch um 4,7 Prozent schrumpfte, belief sich das Wirtschaftswachstum laut IWF ein Jahr später bereits wieder auf stattliche 8,9 Prozent. Damit war der Höhepunkt aber noch nicht erreicht. In den ersten neun Monaten 2011 erzielte die türkische Wirtschaft mit einem Plus von 9,6 Prozent sogar eine höhere BIP-Wachstumsrate als China. Wie aus der IWF-Datenbank ebenfalls hervorgeht, stieg das Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet 2900 Dollar im Jahr 2001 auf geschätzte Dollar im vergangenen Jahr. Rückläufige Schuldenquote Mit dem Aufschwung einher ging eine kontinuierliche Verringerung der Inflation. Lag die Teuerungsrate vor zehn Jahren noch bei mehr als 50 Prozent, sank sie im vergangenen Jahr zeitweise auf 4 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 41 Jahren. Die Schuldenquote, die im Jahr 2001 noch bei 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag, konnte 2010 auf 36 Prozent zurückgeführt werden auch dank der hohen Inflationsraten in der Vergangenheit. Zum Vergleich: In Griechenland lag die Schuldenquote zuletzt bei knapp 160 Prozent. Während der griechische Schuldenberg wuchs, nahm der türkische ab Anteil der Staatsschulden am Bruttoinlandsprodukt in Prozent ,47 Griechenland Türkei 70,25 92,27 98,84 100,29 63,63 54,65 45,57 106,11 105,41 38,54 110,72 32,24 32,82 127,10 38,52 142,76 35,95 153, e Die Türkei konnte die Staatsverschuldung auch dank hoher Inflationsraten auf ein im europäischen Vergleich sehr niedriges Niveau zurückfahren. Steigendes Leistungsbilanzdefizit Auch Investoren ist der Boom am Bosporus nicht entgangen. Der Leitindex der Aktienbörse in Istanbul, ISE 30, legte seit Anfang 2009 zeitweise um fast 165 Prozent zu. Allerdings sind die Kurse von ihren Höchstständen wieder deutlich zurückgekommen. Denn so beeindruckend der Aufschwung erscheinen mag, er birgt auch Überhitzungsgefahren. Vor allem das hohe Leistungsbilanzdefizit bereitet Sorgen. Der IWF schätzt, dass sich das Leistungsbilanzdefizit im vergangenen Jahr auf rund 78 Milliarden Dollar erhöht hat, was einer Quote am Bruttoinlandsprodukt von mehr als 10 Prozent entsprechen würde. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Zum einen haben der zunehmende Wohlstand und der steigende Konsum dazu geführt, dass die Türkei mehr Güter und Dienstleistungen importiert, als sie ans Ausland verkauft. Aber auch die Struktur der 33,85 Quelle: IWF, conomic Outlook, September 2011; e = erwartet 19

20 Product Gefährlich steigende Defizite Entwicklung der türkischen Leistungsbilanz in Milliarden Dollar 0 0, ,51 14,43 14, , , ,21 41, , , e türkischen Wirtschaft ist für das Defizit verantwortlich: Das Land ist auf Rohstoffimporte, vor allem von Öl, angewiesen, um die Produktion am Laufen zu halten. Ein weiterer Punkt ist die gestiegene Risikoaversion ausländischer Anleger. Waren diese an Istanbuls Börse vor gut einem Jahr noch für fast 80 Prozent des Marktvolumens verantwortlich, sank der Anteil gegen Ende 2011 auf 62 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit etwa sieben Jahren. Dieser Geldabfluss hat nicht nur die Börse unter Druck gesetzt, sondern auch der türkischen Lira zugesetzt. Gegenüber dem Euro hat sie im vergangenen Jahr rund 17 Prozent an Wert eingebüßt. Das könnte zwar dem Leistungsbilanzdefizit entgegenwirken, jedoch fließt auch weniger Kapital ins Land, um dieses zu finanzieren. Außerdem gefährdet die schwächelnde Lira über steigende Importpreise die Preisstabilität. Ursprünglich hat die türkische Zentralbank für 2011 ein Inflationsziel von 5,5 Prozent anvisiert. Im Dezember 2011 lag die Inflationsrate jedoch schon wieder über der 10-Prozent-Marke. Die Türkei sieht sich also mit der Herausforderung konfrontiert, die Fluktuationen am Devisenmarkt zu dämpfen, ohne gleichzeitig das Wachstum zu stark abzuwürgen. Quelle: IMF, conomic Outlook, September 2011; e = erwartet Türkei im Paket Anleger, die sich für den türkischen Aktienmarkt interessieren, sollten also nicht nur die Chancen sehen, sondern auch die Gefahren im Auge behalten. Analysten wie Yakin Cebeci von JP Morgan zeigen sich trotzdem optimistisch: Natürlich gibt es Risiken, lang- und mittelfristig ist die türkische Wirtschaft aber positiv zu bewerten. Als Argumente nennt er die junge Bevölkerung (Altersschnitt: 29,2 Jahre), die aufstrebende Mittelschicht sowie die zunehmende Bedeutung der Binnenkonjunktur. Mit strukturierten Produkten wie Indexoder Basket-Zertifikaten können Anleger eins zu eins an der Entwicklung des türkischen Aktienmarktes partizipieren (siehe Tabelle) und vom ökonomischen Aufwärtsdrang der Türkei profitieren. Beispiele: Partizipations-Zertifikate auf türkische Aktienindizes oder Aktienbaskets Basiswert ISIN Emittent Laufzeit DJ Titans Türkei 20 Index DE000GS7CJJ4 Goldman Sachs endlos ISE National 30 Index DE000DB0AMD2 Deutsche Bank endlos Türkei Basket DE000VT1TUR1 Vontobel Quelle: mittentenangaben 20

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