Masterplan. Chefsache

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1 Nr. 3 März 2010 Euro 5,99 Das KMU + Magazin: Service + Trends + Netzwerk Unternimm was! Wie KMU jetzt neuen Mut finden Buzz Aldrin Der Pilot der Apollo 11 im Interview Seite 12 Othmar Hill Das Networking des Personalberatungsgurus Seite 44 P. b. b. Verlagspostamt 1050 Wien, Zul.-Nr. GZ 02Z M Postnummer 2

2 Mit den PayLife Business Karten den Schutzengel immer mit dabei. Vertrauen Sie auf maßgeschneiderte Versicherungsleistungen. PayLife, Österreichs führendes Kreditkartenunternehmen, bietet allen Berufsgruppen und Unternehmen, vom Freiberufler bis zum Großunternehmen, maßgeschneiderte Vorteile bei den Business Produkten. Darauf können Sie bei jeder PayLife Business Karte zählen: Der beste Überblick für Karteninhaber: mit Meine Online Services auf Der beste Überblick für Ihr Unternehmen: umfangreiches Online Reporting und Ausgabenanalyse auf Maximale Sicherheit bei Online-Einkäufen: mit Verified by VISA/MasterCard SecureCode SMS-Saldoabfrage: Fragen Sie jederzeit den Saldo Ihrer offenen Umsätze per SMS ab. Auf Wunsch genießen Sie auch privat alle Vorteile mit Ihrer kostenlosen Privatkarte. Rund um die Uhr für Sie da: der PayLife 24 Stunden Service für Kartensperre, Autorisierungen etc. und vieles mehr. Für alle beruflichen Ansprüche die perfekte Karte. Unterschiedliche Berufe bringen unterschiedliche Bedürfnisse mit sich. Darum bietet PayLife mit allen drei PayLife Business Produkten ein umfassendes Service, das auf Ihre individuellen beruflichen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die wichtigsten Leistungen der drei PayLife Business Karten auf einen Blick: PayLife Business Classic Karte: Das klassische Zahlungsmittel für alle geschäftlichen Ausgaben. - Wahlweise als VISA oder MasterCard - Jahresentgelt EUR 29, - Verfügungsrahmen EUR 2.200, - PayLife Business Classic Einkaufsschutz PayLife Business Gold Karte: Die PayLife Business Gold Karte bietet Ihnen volle Unterstützung im beruflichen Umfeld. - Wahlweise als VISA oder MasterCard - Jahresentgelt EUR 59,20 - Verfügungsrahmen EUR 5.000, - PayLife 3-facher Reiseschutz - Versicherungsschutz für Berufsgepäck - Ersatz der Reisekosten eines Stellvertreters PayLife Business & More MasterCard: Die PayLife Business Karte mit Meilenbonus und Flugstornoschutz. - Als MasterCard erhältlich - Jahresentgelt EUR 120, - Verfügungsrahmen EUR 5.000, - PayLife 3-facher Reiseschutz - Versicherungsschutz für Berufsgepäck - Ersatz der Reisekosten eines Stellvertreters - Flugstornoschutz bis EUR 1.000, - Miles & More: 1 EUR Umsatz = 1 Meile Flugmeilen Welcome-Bonus So kommen Sie zu den PayLife Business Karten: Einfach Kartenantrag auf downloaden oder wenden Sie sich direkt an Ihr kontoführendes Geldinstitut. Ihre Fragen beantworten wir gerne in einem persönlichen Gespräch. Terminvereinbarungen unter Tel Weitere Informationen auf PayLife. Bringt Leben in Ihre Karte. *Bei erstmaliger Beantragung einer PayLife Business Gold Karte.

3 Editorial Stefan Böck, Chefredakteur Mangelware Innovation Ob Elektroautos oder Marsmissionen: Geld ist ihr Treibstoff. Sechs Wochen. Solange hat es gedauert, bis Martin Eberhard das Geld für die Gründung seiner Autofirma Tesla-Motors beisammen hatte. Der smarte Silicon-Valley-Ingenieur löste mit dieser Aussage während eines Round-Table-Gesprächs am Wiener Kongress Comsult betretenes Schweigen aus. Den Gesprächspartnern, unter ihnen WK-Wien Präsidentin Brigitte Jank und IV-Präsident Veit Sorger, kam kurz die Gesichtsfarbe abhanden, und das lag nicht am Jägerball des Vorabends. Sie erblassten vor Neid, weil es ihr Bestreben ist, genau solche Verhältnisse für Gründer zu schaffen, sie aber davon nur träumen können. Sechs Wochen um eine Autofirma durchzufinanzieren, die noch dazu einen elektrischen Sportwagen auf den Markt bringen will, das macht den Amis so schnell keiner nach. Martin Eberhard, seines Zeichens Einwanderer der 2. Generation, legte noch nach, indem er sagte, dass junge Menschen in Kalifornien ihre Unis mit einem Ziel verlassen: der Gründung eines Unternehmens. Und dafür würden sie reichlich mit Venturecapital ausgestattet, denn Geld, so der umweltbewegte Ingenieur, ist der Treibstoff des Silicon Valley. Das saß. Geld für Gründer, Universitäten mit Unternehmergeist und erfolgreiche Integrationspolitik, da kann man sich im Land der begrenzten Möglichkeiten noch ein klein wenig was abschauen. Das Interview mit Martin Eberhard finden Sie in unserer Coverstory, die sich diesmal auf die Suche nach dem Unternehmergeist begibt. Dabei sind wir unter anderem auf Buzz Aldrin gestoßen, der als Veteran der ersten Mondlandung nicht müde wird, die Welt von der Wichtigkeit der Raumfahrt und den jeweiligen US- Präsidenten von der Notwendigkeit ihrer Finanzierung zu überzeugen. John F. Kennedy hatte praktisch unbegrenzte Mittel, als er 1961 die Mondlandung den USA als nationales Ziel verordnete. Es galt den kalten Krieg zu gewinnen, dessen Nebenschauplatz der Weltraum inzwischen geworden war. Heute könnten Staaten in der positivistischen Denkweise von Star- Trek-Autor Gene Roddenberry ihre Motivation finden: Mit der Erkundung des Universums legt die Menschheit den Grundstein für technologischen Fortschritt und die Überwindung ihrer Konflikte. Mangelware Unternehmergeist Selbständige brauchen ideale Rahmenbedingungen. Peter Hajek ist Markt- und Meinungsforscher und Unternehmer Beigestellt Unternehmer sind eine seltene Spezies in Österreich. Gerade einmal acht Prozent der Bevölkerung dürfen sich zu dieser Berufsgruppe zählen, rechnet man die Landwirte nicht hinzu. Den Löwenanteil machen Angestellte oder öffentlich Bedienstete aus. Die Arbeiter sind eine schrumpfende Gruppe, haben aber speziell für die SPÖ eine hohe Symbolkraft. Bleibt noch ein Viertel der Bevölkerung, das sich bereits in den Ruhestand zurückgezogen hat. Im Jahr 2030 soll diese Gruppe bereits ein Drittel aller Österreicher ausmachen. Und genau hier schließt sich der Kreis. Abgesehen davon, dass die Anzahl der Werktätigen gesteigert werden sollte, um das Pensionssystem zu finanzieren, wäre es von Vorteil, wenn mehr Menschen in diesem Land den Weg in die Selbständigkeit fänden, denn so entstehen wieder neue Arbeitsplätze. Warum aber mangelt es in Österreich möglicherweise an Unternehmergeist? Oft wird in Umfragen die Sorge angesprochen, aus dem sozialen Netz zu fallen. Unternehmer sein bedeutet natürlich auch, Risiko zu nehmen. Nicht, dass es in Österreich für Selbständige nicht auch ein soziales Netz geben würde, aber es ist doch deutlich weiter gestrickt. Sehr schön lässt sich dies im soeben abgelaufenen Wirtschaftskammer-Wahlkampf nachvollziehen. Da werden alle Selbständigen vor der Wahl mit Foldern und Mails zugeschüttet. Fünf Jahre lang hat man von den politischen Bewerbern kaum etwas gehört. Interessant dabei ist, dass besonders das Thema soziale Absicherung und Förderungen angesprochen werden. Dabei werden ganz andere Dinge benötigt. Ein einfaches und transparentes Steuersystem oder eine Senkung der Lohnnebenkosten. Der Staat gibt sich treusorgend um seine Unternehmer anstatt die idealen Rahmenbedingungen für gutes Wirtschaften bereitzustellen. So fördert man alles, nur keinen Unternehmergeist. die wirtschaft Nr. 3 März 10

4 Inhalt Standpunkt Unternimm was! 6 Wie KMU jetzt neuen Mut fassen Wir müssen nach draußen! 12 Rocket Hero Buzz Aldrin im Interview Masterplan Je bunter, desto schöner 16 Diversity Management: Wie KMU von der Vielfalt profitieren können Buzz Aldrin: Wenn man kein Risiko eingeht, erreicht man das Ziel nicht. 12 Chefsache Her mit der Marie! 24 Wie die Banken den Zugang zur Finanzierung erleichtern wollen Erfolgsfaktor Gesundheit 29 Wie betriebliche Gesundheitsvorsorge Krankenstände reduziert Pensionsvorsorge später ist es zu spät 30 Wie Unternehmer die Pensionslücke schließen können Kombis im Vergleich 34 Womit die aktuellen Modelle punkten Innovation nach Plan 37 Wie man innovative Ideen produziert Finanzierung: die aktuellen Angebote der Banken für den Mittelstand 24 Marktforschung 4 die wirtschaft Nr. 3 März 10 Kopfgeld 40 Headhunter im Vergleich Schlagfertig 42 Mit dem richtigen Equipment einlochen Auf ins Grün! 43 Vier Golfplätze im Check Othmar Hill: pflegt seine Netzwerke beim Usbeken am Rochusmarkt 44

5 Inhalt Netzwerk Die Joblotterie 44 Personalberatungsguru Othmar Hill über das Networking am Arbeitsmarkt und die fatalen Folgen Menschen der Wirtschaft 47 Fünf Personen von Bedeutung Treffpunkte 48 Networking im Internet Orchestriertes Lobbying 49 Warum es ohne Partner und Netzwerke nicht geht Netzwerkzeug 50 Tools & Toys für Manager Leserclub 51 Exklusive Angebote IMPRESSUM Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH Wiedner Hauptstraße , 1051 Wien T (+43 1) , F (+43 1) Geschäftsführer: Thomas Zembacher DVR-NR.: Chefredakteur: Stefan Böck T (01) E Chef vom Dienst: Stephan Strzyzowski T (01) E Redaktion: Martina Bachler, T (01) E Redaktionelle Mitarbeit: Klaus Lorbeer, Klaus Eck, Gudrun Haigermoser Fachredaktion Recht: Helmut Ofner, Rolf Gleißner Fachredaktion Steuern: Rudolf Siart Fotos: Richard Tanzer, Hans Ringhofer Anzeigenleitung: Alfred Vrej Minassian T (01) E Anzeigenverkauf: Erhard Witty T (01) E Grafisches Konzept: Alois Schwaighofer Grafik Design: Antonia Stanek Hersteller: Oberndorfer Druckerei GmbH Mittergöming 12, 5110 Oberndorf/Sbg. Aboservice: Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag T +43/1/ F +43/1/ E Cover: Henry Obasi Unit CMA Aus Gründen der Textökonomie müssen wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichten. A U S D E R R E D A K T I O N Liebe Leserin, lieber Leser! Stephan Strzyzowski, Chef vom Dienst Menschen von seinem Schlag trifft man bestimmt nicht alle Tage. Kein Wunder große Abenteuer wie ein Flug zum Mond stehen halt auch nicht gerade auf der Tagesordnung von Otto Normalverbraucher. Umso spannender, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit einem der ganz großen Pioniere auf Tuchfühlung zu gehen. Für Chefredakteur Stefan Böck hat sich kürzlich so eine Gelegenheit geboten. Buzz Aldrin, Rocket Hero, Raumfahrtlegende, Visionär und Held einer ganzen Generation sprach auf dem Wiener Kongress Comsult vor einem brechend vollen Saal über seine Erfahrungen im All und darüber, wie man Grenzen und Ängste überwindet. Im Gespräch mit Stefan Böck hat er dem Publikum Einblicke in sein Leben gewährt, aus denen sich auch für den Unternehmeralltag viel Nützliches und Lehrreiches ableiten lässt. Im Top-Interview erklärt der Moonwalker, warum wir neue Ziele brauchen und welche das sein sollten - und er spricht auch über den Unternehmergeist hinter solchen Leistungen. Diesem zentralen Thema haben wir in dieser Ausgabe auch die Coverstory gewidmet. Wir sind der Frage nachgegangen, wie es um die Gemütslage der heimischen KMU steht und wie wichtig jetzt ein positiver Spirit ist, um aus der Deckung zu kommen und wieder neue Impulse zu setzen. Man darf dabei natürlich nicht übersehen, dass die Lage des Mittelstandes alles andere als einheitlich ist. Während sich manche in gebeutelten Branchen befinden, ist bei anderen nach wie vor ungebremstes Wachstum angesagt. So mancher, der sich nicht zu den Glücklichen zählen kann, stellt sich jetzt die Frage, ob es angesichts ungewisser und negativer Zukunftsaussichten überhaupt noch Sinn macht, Unternehmer zu sein. Experten geben Anlass zum Mut. Denn: Die Krise birgt auch positives Potenzial. Wer sich auf die zentralen Unternehmertugenden mit denen KMU reich gesegnet sind besinnt und Veränderungen zulässt, kann unter Umständen sogar langfristig profitieren. So unterschiedlich die Geschichten, Motivationen und Schicksale der Unternehmer auch sind: Was sie eint, ist die Kraft, jetzt das Ruder rumzureißen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls durchaus gut, wie sich gezeigt hat. die wirtschaft Nr. 3 März 10 5

6 Standpunkt Unternehmergeist Text Stephan Strzyzowski Illustration Henry Obasi die wirtschaft Nr. 3 März 10

7 Standpunkt Unternehmergeist Unternimm was! Kein Wunder, wenn jetzt mancher seine Berufung als Unternehmer infrage stellt. Während Banken und ganze Branchen Rettungspakete benötigen, soll der Mittelstand angesichts unsicherer Prognosen stabile Arbeitsplätze schaffen, nachhaltig wirtschaften und ordentlich Geld in die Staatskassen schaufeln. Macht es da noch Spaß Unternehmer zu sein? Unter Umständen. Vor allem haben KMU tatsächlich das Zeug jetzt das Ruder rumzureißen. Doch dafür müssen sie sich auf ihre Stärken besinnen. Schlechte Stimmung und Verärgerung werden rasch laut, wenn Unternehmer auf die aktuelle Lage angesprochen werden und vor allem dann, wenn es ums Geld geht. Das Geld, das von den Banken nicht zu bekommen ist, wie viele leidvoll beklagen. Doch es ist nicht nur die vielzitierte Kreditklemme, die den Berufsstand der Unternehmer momentan erschüttert und selbst gestandenen Gründern den Spaß an der Arbeit verdirbt. So hat sich die Politik, die sich als nobler Retter in Szene setzt, wenn Wählerstimmen zu gewinnen sind, auf der Unmutsskala souverän auf den ersten Platz gehievt. Viele Unternehmer haben mittlerweile den Eindruck, dass für sie zu wenig getan wird. Zudem, und das stößt ganz besonders übel auf, wurden aus dem ganzen Dilemma keinerlei echte Konsequenzen gezogen. Ein paar Staaten sind zwar ins Trudeln geraten, die Arbeitslosenraten sind ein Fiasko und der Rattenschwanz an Insolvenzen ist noch gar nicht absehbar aber egal, es geht fröhlich zurück zur Tagesordnung! Wenn man sich umhört, wird die Liste dessen, was so manchem KMU auf den Magen schlägt, immer länger. Sie ärgern sich über das Hickhack zwischen Bund und Ländern, über Bankenskandale und Unmengen an kleinen und großen bürokratischen Hürden, die ihren Alltag erschweren. Wenn dann auch noch über die Refinanzierung der Schulden nachgedacht wird und sie auf einmal wieder ins Visier rücken, reicht es manchem endgültig. Ungewisse Aussichten Fast ebenso schlimm wie die Unfähigkeit der Politik werden die Folgen der Krise und die Unvorhersagbarkeit, mit der sie in vielen Bereichen der Wirtschaft detoniert ist, wahrgenommen. Viele Unternehmer sind massiv in ihrer Existenz bedroht und das vielfach ohne eigenes Verschulden. Das traurige Ergebnis sind unzählige Insolvenzen. Wenn innerhalb kürzester Zeit ein so furioser Teufelskreis startet, kann von der Vernachlässigung der unternehmerischen Sorgfaltspflicht kaum die Rede sein, zumindest nicht in den Reihen der heimischen KMU. Was folgt, ist ein tiefes schwarzes Loch, in das viele Unternehmer fallen. Wie soll man auch darauf reagieren, wenn ganze Märkte innerhalb von Wochen in Umbruch geraten und man nichts dagegen tun kann, es erst recht nicht vorhersehen konnte? Die Antwort: Mit dem, was Unternehmer ausmacht dem Unternehmergeist. Und viele stellen sich dabei gar nicht so schlecht an. Back to the roots Professor Nikolaus Franke vom Institut für Entrepreneurship und Innovationsmanagement ist fest davon überzeugt, dass die heimischen KMU das Zeug haben um auch jetzt durchzustarten. Man braucht Mut, Entschlossenheit und die Fähigkeit unternehmerische Gelegenheiten rechzeitig oder früher als andere zu sehen oder kreativ zu schaffen. Wichtig sind auch Führungsfähigkeiten und Teamorientierung. Es braucht auch Stehvermögen und die Fähigkeit, Widerstände auszuhalten, beschreibt der Wissenschafter einige der klassischen Unternehmertugenden, die sich problemlos bei vielen heimischen KMU finden lassen. Davon, sich an solchen Adjektiven selbst zu messen, würde Marcus Ambrosch, der dem Thema Unternehmergeist ein Buch gewidmet hat, aber lieber abraten. Wenn man die Typologie des Unternehmers untersucht, kommt nämlich eine so lange Liste an positiven Eigenschaften heraus, dass er rasch zur eierlegenden Wollmilchsau stilisiert wird. Doch was ist es, das die Unternehmer eint, was sie antreibt? die wirtschaft Nr. 3 März 10

8 Standpunkt Unternehmergeist Unternehmer werden ist nach wie vor sexy. Johannes Gutmann, Sonnentor Wenn alle warten, dass etwas passiert, passiert nichts. Nikolaus Franke, Institut für Entrepreneurship und Innovationsmanagement Auch wenn es vielleicht bei manchem bereits in Vergessenheit geraten ist: Mit der Gründung des Unternehmens ist beinahe immer auch die Erfüllung eines Herzenswunsches verbunden. An diesen Ursprung gilt es sich zu erinnern, wenn der Pioniergeist wieder aufleben soll. Die Motivationen sind dabei so unterschiedlich, wie die Gründer selbst. Während einer davon träumt, sein eigener Chef zu sein und selbständig zu entscheiden, will der Nächste eine spezielle Idee realisieren. Wieder anderen geht es darum, Verantwortung zu übernehmen oder etwas Bleibendes für die Nachwelt zu hinterlassen. Egal welchen Traum man hegt: Unbestritten wichtig ist jetzt die Fähigkeit, auch unter widrigen Umständen zu bestehen und aktiv zu bleiben. Aktiv bleiben Dafür finden sich gute Beispiele. Eines bietet der Waldviertler Vorzeigeunternehmer Johannes Gutmann mit seinem Kräuterhandel namens Sonnentor. Bei dem Unternehmer, dessen Markenzeichen Lederhose und knallrote Brille sind, ist von Krise keine Rede. Sein Unternehmergeist ist ungebrochen. Wir sind hervorragend aufgestellt, weil wir nie mit schnellen Aktionen unser Geschäft in Gefahr gebracht haben. Wir sind immer organisch gewachsen und haben neue und innovative Ideen auf den Markt gebracht, erklärt er. Doch der Weg war manchmal auch steinig und dem unternehmerischen Risiko müssen auch Vorzüge gegenüberstehen. Im Falle des Kräutergurus war die pure Freiheit das Ziel der Begierde, das bis heute für positiven Spirit sorgt. Deswegen bin ich Unternehmer geworden. Ihm geht es nach wie vor um die Freude an der eigenen Entscheidung und darum, vielleicht sogar ein Vorbild zu sein, wenn es anderen rundherum schlecht geht. Ich kann beweisen, dass es geht, ist sich der Waldviertler sicher. Man darf halt nicht mit den Wölfen heulen und nur darüber jammern, warum es nicht geht. Chancen erkennen Ohne den nötigen Biss und eine gehörige Portion unerschütterlichen Optimismus geht es jetzt also nicht. Das kann auch Marcus Ambrosch bestätigen. Für ihn steht vor allem die Konzentration auf Märkte und Produkte für die Zukunft im Vordergrund. Zum Unternehmergeist gehören ganz zentral das Tun und das Handeln, meint er. Damit das klappt, muss man darüber hinaus auch an die Wirksamkeit dessen glauben, was man tut und sich auf das konzentrieren, was einem wirklich am Herzen liegt. Wer sich dazu nicht aufraffen kann, läuft Gefahr, der Marktbereinigung zum Opfer zu fallen. Dieses Schicksal treffe aber nicht immer die Richtigen, meint Nikolaus Franke. Es gibt ja auch einzelne Branchen, die besonders stark betroffen sind. Eine Krise biete aber aus seiner Sicht immer auch Chancen, sich zu verbessern. Und: Sie belohne diejenigen, die ihre unternehmerischen Fähigkeiten besser einsetzen. Die in der Lage sind, neue Dinge zu denken und aktiv in Innovation investieren. Dem Unternehmergeist entsprechend gilt es also aus der gegebenen Situation das jeweils Beste zu machen. Nikolaus Franke hat eine Metapher parat: Man kann über das Wetter jammern oder sich gut anziehen. So ist es auch in Unternehmen. Zudem bietet sich dann vielleicht auch wieder einmal die Gelegenheit über verkrustete Strukturen und Abläufe im Unternehmen nachzudenken. Man kann also auch positive Änderungen herbeiführen, indem man sich fragt, was Wert stiftet und sinnvoll ist im Unternehmen und jene Dinge wegstreicht, die nichts bringen. Wirtschaftsriese KMU Wie wichtig jetzt positive Veränderungen und eine Belebung des Unternehmergeistes im Mittelstand sind, zeigen auch die Zahlen, die Peter Voithofer von der KMU-Forschung Austria liefert: Stol- die wirtschaft Nr. 3 März 10

9 Standpunkt Unternehmergeist ze 99,6 Prozent aller heimischen Unternehmen haben weniger als 250 Beschäftigte und können somit als KMU definiert werden. 87,5 Prozent aller Unternehmen haben sogar weniger als zehn Beschäftigte. Die österreichische Wirtschaft ist also eindeutig kleinbetrieblich strukturiert. Zudem erwirtschaften KMU in Österreich rund 60 Prozent der Umsatzerlöse und tragen zu 58 Prozent der Bruttowertschöpfung bei. Ein ähnliches Bild ergibt sich auf Seiten des Arbeitsmarktes - sind doch knapp zwei Drittel aller unselbständig Beschäftigten in Österreich in KMU tätig. Das Zahlenspiel macht es deutlich: Der erhoffte Turnaround liegt klar in den Händen des Mittelstandes. Die wenigen großen heimischen Konzerne können nicht im Alleingang für Aufschwung sorgen. Das sieht auch Franke so, der darüber hinaus von größeren Interventionen der öffentlichen Hand nicht allzu viel hält: Der Staat sollte nicht hektisch werden. Woran man aber langfristig und unabhängig von der Krise arbeiten sollte, ist die Stärkung des Unternehmergeistes. Wir müssen der Leistung des Unternehmers einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einräumen. Das hat mit Wertschätzung zu tun, aber nicht nur. Unternehmertum, Eigenverantwortung, Innovation und Kreativität müssten auch im Bildungssystem stärker verankert werden. Das sei langfristig die beste Medizin. Auch der Marketingexperte Ambrosch rät, sich lieber nicht auf Politik und Interessenverbände zu verlassen. Es ist bestimmt sinnvoll sich den eigenen Markt genau anzusehen und dann mit Ideen in die eigenen Netzwerke zu gehen. Wer bin ich, was kann ich, wen kenne ich, mit wem kann ich etwas machen? So lauten die Fragen, die zu einer Wiederbelebung des Unternehmergeistes führen sollen. Wenn du glaubst, es geht nicht mehr Ein maßgeblicher Hebel, um das Ruder herumzureißen, ergibt sich aus der ureigenen Eigenschaft der KMU ihrer geringen Größe, die sie schnell macht. So wie ein Boot wendiger ist als ein Tanker, kann auch ein kleines Unternehmen schneller reagieren, verdeutlicht Franke das Prinzip. Der Einfluss des Unternehmers auf das Unternehmensgeschehen ist bei KMU sehr groß. Festgemacht an der Person des Unternehmers können auch radikale Änderungen rasch erfolgen und zeitnah umgesetzt werden. Große Unternehmen brauchen dafür länger. Wer dieses Potenzial gut nutzen kann, wird normalerweise besser durch die Krise kommen, zeigt sich der Wissenschafter überzeugt. Abwarten erweist sich dagegen in der aktuellen Situation nicht als geeignete Strategie. Wenn alle warten, dass etwas passiert, passiert nichts, meint Franke. Aus unternehmerischer Sicht sei das ganz falsch. Pioniere können beinahe immer von Vorteilen profitieren, insbesondere dann, wenn es um Innovationen geht. Der Appell an die Unternehmen geht also in eine eindeutige Richtung: Sie müssen sich permanent neu erfinden! Die traurige Wahrheit dahinter: Ein Unternehmen, das heute auf der Stelle tritt, fällt zurück und ist innerhalb weniger Jahre weg vom Markt. Der Erneuerungsdruck durch neue Produkte, Prozesse und Märkte ist so groß, dass man eigentlich permanent unternehmerisch agieren muss, also M e i n U n G e n Warum es trotz Krise Spaß macht, Unternehmer zu sein: Unternehmersein bedeutet für mich, meine Vision umsetzen zu wollen und mich dazu befähigen, es auch zu können. Mir die Techniken beizubringen, die helfen, die Vision selbständig zu erfüllen. Johannes Leitner, formingruen Ich wollte eigentlich immer schon mein eigener Chef sein und habe deshalb sehr früh damit begonnen, mir Dinge beizubringen, die ich im Ernstfall auch alleine können muss. Unternehmer zu sein bedeutet für mich auch, ein Verhältnis zwischen Projekten zu finden, mit denen man genügend verdient, um andere Dinge umsetzen zu können, mit denen sich die Welt ein bisschen verändern lässt. Christopher Clay, euphoria GmbH Es macht nach wie vor großen Spaß Unternehmer zu sein, unser Motto lautet: Mit Freude Geld verdienen. Ich würde jederzeit wieder Unternehmer sein wollen! Viktor Wagner, Reiwag Mein alter Arbeitgeber hat gesagt, dass er mich rauswirft, weil er sich das, was ich verdient habe, auch selber nehmen kann. Daraufhin habe ich mir gedacht, was ich für dich machen kann, kann ich auch für mich selbst tun. Johannes Gutmann, Sonnentor die wirtschaft Nr. 3 März 10

10 Standpunkt Unternehmergeist innovativ sein muss, bringt Franke eine zentrale Komponente des Unternehmergeistes auf den Punkt. Veränderungen zulassen Anlässe bieten sich dafür aus seiner Sicht genug. Jede Veränderung bringt auch Chancen. Der amerikanische Ökonom Peter Drucker sagt: Die Quelle unternehmerischer Gelegenheiten ist die Veränderung. Und es gab nie so viele Veränderungen wie jetzt, gerade in der Krise. Dementsprechend gab es auch noch nie so viele unternehmerische Chancen wie jetzt. Das kann auch Gutmann bestätigen, sieht er doch bei seinem eigenen Unternehmen kraft innovativer Ideen so rosige Aussichten, dass er mittlerweile sogar auf Partnersuche geht: Es ist immer noch attraktiv Unternehmer zu sein, das sehen wir auch in unserem Franchisebereich. Unternehmer zu werden ist nach wie vor sexy. Aber es hängt stark von der persönlichen Einstellung und Konstitution ab. Das Rezept, das dahinter steckt, klingt auch stark nach typischer KMU-Philosophie: Auf die Leute und auf die Umwelt achten und niemanden über den Tisch ziehen. An neue Märkte andocken Wer abseits einzelner Erfolgsstories konkret an Erfolg versprechende Märkte denken will, wird zum Beispiel im Bereich der Kreativindustrie aber auch im Umweltbereich starkes Wachstumspotenzial finden. Doch wie anhand der dot.com-blase zu sehen war: Märkte sind etwas, das entsteht, einen Boom erlebt, aufblüht und dann von etwas Besserem verdrängt wird. Daneben gibt es aber auch Riesenbranchen wie die Mobiltelefonie, die vor 20 Jahren nicht existiert hat und nach wie vor wächst. Auch jetzt sind eine Reihe spannender Technologien am Start, die sich beispielsweise im Bereich Elektromobilität, aber auch im Energiesektor finden. Während also einige neue Märkte entstehen, stagnieren manche, wieder andere werden komplett verschwinden. Dieser Wandel liegt im Wesen der Innovation. Alles, was uns an Produkten und Dienstleistungen umgibt, war irgendwann einmal Innovation, meint Nikolaus Franke. Veränderung bestimmt also einen gewichtigen Teil des Unternehmensalltages. Für viele ein harter Knochen, vor allem dann, wenn das Geschäft vielleicht auch ohne permanente Umstrukturierungen lange Zeit erfolgreich war. Einen Vorwurf kann man niemandem daraus machen. Der Mensch ist von Natur aus ziemlich konservativ und träge, bestätigt auch Nikolaus Franke. Aber wie erfrischend ist Veränderung! Diese optimistische Haltung sollten wir verstärken. Abgesehen davon ist es keine Frage, ob man Veränderung will: Sie ergibt sich ohnedies aus den Forderungen der Märkte und des Wettbewerbs und gehört damit zum Unternehmer, genau wie der Geist, der ihn antreibt. i n T e R V i e W Von 0 auf 100 in 4 Sekunden Die WiRTSCHAFT traf am Wiener Kongress Comsult Martin eberhard, Gründer von Tesla Motors in San Carlos, Kalifornien. Chefredakteur Stefan Böck sprach mit ihm über Unternehmergeist. Was hat Sie auf die idee gebracht eine Autofirma zu gründen? Dazu muss man mit Sicherheit ein bisschen verrückt sein. Es ist aber an der Zeit, etwas gegen die Abhängigkeit vom Öl zu tun, die sich sowohl auf die Umwelt, als auch auf die Sicherheit negativ auswirkt. Meine Berechnungen brachten mich zu dem Ergebnis, dass Elektroautos die beste Möglichkeit sind, um vom Öl loszukommen und gleichzeitig die größte Menge an CO 2 einzusparen. Aber warum bauen Sie ausgerechnet einen Sportwagen? Ein Dollar Sportwagen ist nicht gerade ein Auto für jedermann. Wir wollten aber damit der ganzen Industrie und allen Autofahrern zeigen, dass Elektromobilität cool ist. Was macht den Unternehmergeist des Silicon Valley aus? Alle sind bereit, ein hohes Risiko einzugehen. Meine ersten Mitarbeiter mussten zuerst Aktien kaufen, um überhaupt einen Job zu haben. Außerdem ist es dort keine Schande, wenn ein Start-up scheitert. Unternehmergeist wird konstant mit Geld versorgt. Das ist der Treibstoff des Silicon Valley. Gibt es beim Unternehmergeist einen Unterschied zwischen europa und den USA? In Europa spricht man immer von Risikokapital. Wir verwenden den Begriff Venturecapital. Ich denke, das bringt es auf den Punkt. Investments sind etwas Positives. Man braucht aber nicht nur Geld, sondern auch Leute, die bereit sind ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Und man braucht Unis, deren Absolventen Unternehmen gründen wollen. Berkeley und Stanford produzieren eine hohe Rate an Gründern. Die Absolventen wollen lieber the next big thing selber machen als in einem Unternehmen auf einem Job hocken. Wie sind Sie an Geld für Tesla Motors gekommen? Ich habe zuerst ein Jahr lang einen Businessplan ausgearbeitet und danach sechs Wochen gebraucht um die Investoren zu finden. Wie bitte? nur sechs Wochen? Ja. Sechs Wochen nachdem ich begonnen habe, mich um Investoren umzusehen, war das Geld am Konto, um die Firma zu finanzieren. Was kann der Staat tun, um technologische entwicklung und Unternehmergeist zu fördern? Ein Staat sollte nicht einzelne Technologien fördern sondern Ergebnisse verlangen. Er sollte einen Emissionswert vorschreiben und es den Unternehmen und Ingenieuren überlassen, wie sie das Ziel erreichen. So fördert man Innovation. Wenn der Staat Unternehmergeist fördern will, muss ihm klar sein, dass ein scheiterndes Unternehmen nicht mit dem Scheitern einer Person zusammenhängt, einer Person, die bereit ist ein Risiko einzugehen um Jobs zu schaffen. Comsult Der Geist des Silicon Valley: Martin eberhard 10 die wirtschaft Nr. 3 März 10

11 ENERGIE FÜRS LEBEN Es macht einen Unterschied, wo die Energie dafür her kommt. Gerade Österreichs Klein- und Mittelbetriebe, zum Beispiel aus dem produzierenden Gewerbe, benötigen maßgeschneiderte Konzepte und effiziente Services um ihren Energieverbrauch zu optimieren und Kosten zu minimieren. Als führender Energiedienstleister mit mehr als 3,2 Mio. Kundenanlagen im In- und Ausland bietet die EAA-EnergieAllianz Austria mit branchenspezifischen Produkten und Dienstleistungen einen echten Mehrwert. Denn von der persönlichen Beratung zum effizienten Energieeinsatz bis zu individuellen Preismodellen je nach Verbrauchsverhalten unterstützt die EAA ihre Kunden bei der Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Energie hat also doch ein Mascherl : Denn es ist eben nicht egal, von welchem Anbieter man Strom und Erdgas bezieht die Energie fürs Leben. Info unter: 01/ oder

12 Standpunkt Unternehmergeist Interview Stefan Böck Fotos Nasa, Comsult Wir müssen nach draußen! Erforschen, entdecken, ins Unbekannte aufbrechen: Das Unternehmen Apollo 11 gilt als das größte Abenteuer der Menschheit. Pilot und Moonwalker Buzz Aldrin erklärt im Gespräch mit der WIRTSCHAFT, warum wir neue Ziele brauchen und welche das sein sollen. Unternehmergeist hat viel mit Risiken und Ängsten zu tun. Was haben Sie darüber auf Ihren Raumflügen gelernt? Gut vorbereitet zu sein. Mit dem Vertrauen darauf ist man gut unterwegs. Die Apollo 11 Mission war wohl die am besten vorbereitete Unternehmung überhaupt. Jede Phase wurde wieder und wieder simuliert und alle nur erdenklichen Probleme und Risiken wurden durchgekaut. So komplett wurde das niemals vorher oder nachher gemacht. Wie hat sich der Start der Saturn V, der stärksten je gebauten Maschine, angefühlt, am Rücken liegend über Tonnen von Raketentreibstoff? Ich habe tief durchgeatmet, aufmerksam zugehört, meine Instrumente beobachtet und es einfach geschehen lassen. Wenn man da drinnen sitzt und vor Angst schlottert, ist man im falschen Beruf, dann müssen Sie Versicherungen verkaufen. Wenn man seine Gedanken mit Sorgen über mögliche Dinge, die passieren könnten vernebelt, ist man nicht in der Lage mit einem klaren Kopf zu reagieren. Angst vernebelt die Gedanken. Dennoch gab es auch bei Apollo 11 kritische Momente. Es gibt immer wieder Manöver, bei denen vieles schiefgehen kann. Aber nicht nur das: Bei der Beinahe-Katastrophe von Apollo 13 befand man sich gerade in einer völlig routinierten Phase des Fluges als plötzlich der Tank explodierte. Wenn es drauf ankommt, sofort und richtig zu reagieren, dann ist die Frage, was man tun soll, möglicherweise mit Angst verbunden. Man muss das Problem rasch erfassen und zunächst dafür sorgen, dass sich die Situation nicht weiter verschlimmert. Präsident Kennedy hat 1961 in seiner berühmten Rede angekündigt, einen Mann zum Mond und sicher wieder nach Hause zu bringen. Fehlt der Gesellschaft heute ein solches Ziel? Nun, er hat noch dazu den Zeitraum festgelegt, indem er gesagt hat bis zum Ende der Dekade. Dabei wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise, wie wir das anstellen sollten. Kennedy hat damit enorme technologische Innovationen angestoßen. Die ganze Nation zog an einem Strang. Dieser Geist ermöglichte die erfolgreiche Mondlandung. Ist die Begeisterungsfähigkeit bei jungen Leuten noch intakt? Die heutige Generation muss Geduld lernen. Alle paar Monate kommt ein neues Telefon auf den Markt, das noch toller ist. Wir können das in der Raumfahrt nicht bieten. Geduld wird leider von der heutigen Entertainmentkultur nicht gerade gefördert. Das erzeugt das Gefühl, dass alles schnell gehen muss. Inmitten einer Wirtschaftskrise fragen sich viele Menschen, warum man für Raumfahrtprogramme überhaupt Geld ausgeben soll? Wenn wir es nicht machen, wird es jemand anderer tun und die Frage ist, ob wir das wollen. Es geht um einen effizienten Einsatz der Mittel. Wir können es uns einfach nicht leisten, zu viele Ziele auf einmal zu verfolgen. Die Chance für die Zukunft ist, den Kurs klar festzulegen. Den Trieb Neues zu entdecken kann die Menschheit nicht unterdrücken, da würden wir glatt aufhören zu existieren. Wir müssen nach draußen! Aber haben wir auf der Erde nicht genug Probleme? Die Menschheit braucht Ziele, die möglicherweise von Träumen kommen, vom Wunsch den Horizont zu erweitern. Ziele, die über das hinausgehen, was wir hier auf der Erde tun. Die Neugier des Menschen lässt ihn fragen, woher komme ich, wie hat alles angefangen, wie weit geht das Universum, wie sieht es dort aus und wer ist noch da draußen? Manchmal bewertet die Bevölkerung einige der Entwicklungsschritte der Menschheit als nicht so wichtig in Bezug auf aktuelle Probleme. Wir haben aber die Verantwortung, der Frage nachzugehen, was der Mensch erreichen kann. Dadurch haben wir uns insgesamt gewaltig weiterentwickelt. 12 die wirtschaft Nr. 3 März 10

13 Standpunkt Unternehmergeist Der Visor-Shot : Eines der berühmtesten Fotos überhaupt zeigt Buzz Aldrin am Mond und im Spiegel seines Helmvisiers Neil Armstrong sowie die Landefähre Eagle. Was sollten die nächsten Ziele sein? Wir haben drei Möglichkeiten: Menschen zum Mond, zum Mars oder in den niedrigen Erdorbit zu schicken. Ich bin überzeugt, dass wir konsequent an einem Ziel arbeiten sollten und das lautet: Landung am Mars. Das wäre das fortschrittlichste Projekt und wir sollten das in einem klugen, sachlichen und zielorientierten Prozess in Angriff nehmen. Wenn andere Nationen andere Programme verfolgen, sollten wir sie dabei unterstützen. Also nicht zurück zum Mond, wie das in jüngster Vergangenheit überlegt wurde? 2004 glaubten wir, mit dem Ziel einer Rückkehr zum Mond eine geeignete Antwort auf den verheerenden Absturz der Columbia zu haben. Viele Menschen, die mit dem Thema Raumfahrt beschäftigt sind, sind sich heute aber darüber einig, dass der Mars das nächste Ziel sein muss. Aber warum muss man unbedingt Menschen dorthin schicken? Ein Roboter kann nur eine sehr zurückhaltend geplante Mission durchführen, die ihn möglichst nicht in Schwierigkeiten bringt. Der Projektmanager der beiden Mars Rover hat mir erklärt, dass, wenn Astronauten in einer Marsumlaufbahn von einem Raumschiff aus die Rover-Manöver steuern hätten können, die Arbeit von fünf Jahren in nur einer Woche erledigt gewesen wäre. Von einer sicheren Position in unmittelbarer Nähe des Mars aus zu operieren ist ein interessanter Plan. Es bräuchte auch weitaus weniger Energie, von dort zur Erde zurückzukehren. Der Marsmond Phobos wäre ideal. Wenn man kein Risiko eingeht, erreicht man das Ziel nicht. Der Board Computer von Apollo 11 verfügte über 74 bit Speicher und war mit 2 MHz getaktet. Was damit erreicht wurde ist enorm. Im Vergleich dazu müssten wir mit heutiger Technologie längst am Mars sein. Wenn man Technologie vergleicht muss man die Ingenieure erwähnen, die es fertigbrachten mit diesen Mitteln solche Ergebnisse zu erzielen. Es ist nicht der Entwicklungsgrad der Technologie allein, der uns zum Mars bringt. Es kommt auf die Ziele an und auf die Ingenieure, die die Dinge umsetzen. Sie haben auf dem Mond Kommunion gefeiert, warum? Ich habe etwas gesucht was der Größe des Ereignisses in einer spirituellen Wei- die wirtschaft Nr. 3 März 10 13

14 Standpunkt Unternehmergeist Ungebrochene Faszination: Buzz Aldrin beim Wiener Kongress Comsult. se gerecht wird und ich wollte auf eine feierliche Art und Weise Dank sagen. Ich bin Presbyterianer und mein Pfarrer in der Gemeinde hat mir empfohlen Kommunion zu feiern. Ich habe das aber nicht öffentlich gemacht, sondern in einem Moment nach der Landung, da wir wenige Minuten mit Houston keinen Funkverkehr hatten. Möglicherweise würde ich heute ein anderes Mittel für passender empfinden, denn wir haben ja gesagt in Frieden im Namen der gesamten Menschheit zu kommen. Werden wir eines Tages Leben da draußen entdecken? Vielleicht? Ich weiß es nicht. Wir haben auf der Erde Leben an den tiefsten Stellen der Ozeane gefunden. Es gibt Himmelskörper mit Ozeanen und Vulkanen, also mit Wärme und Wasser. Das sind Voraussetzungen für Leben. Es wäre dennoch eine große Überraschung. Möglicherweise finden wir Hinweise oder Spuren früherer Lebensformen in Eis- oder Gesteinsschichten. Menschen könnten so etwas jedenfalls besser entdecken als Roboter und auch das spricht für die bemannte Raumfahrt. Und was ist mit intelligenten Lebensformen weit draußen im Weltraum? Wir senden ja Nachrichten ins All und horchen hinaus. Vielleicht entdecken wir eines Tages einen Hinweis, dass da jemand etwas mit Radiowellen anfangen kann. Ich mag die Umschreibung des Unbekannten von Astronom Carl Sagan als das noch zu Entdeckende. Mit den Aliens ist das so: Außerordentliche Behauptungen bedürfen außerordentlicher Nachweise, mehr als bloß Hinweise und Fragmente. Es braucht Beweise anstatt Mutmaßungen etwa über Area 51, wo wir lediglich ein geheimes Spionageflugzeug entwickeln. Wir halten dort keine Aliens. Also glauben Sie nicht daran, solange es keine genaueren Hinweise gibt? Ich bin offen für neue Erkenntnisse. Menschen können Fehler machen. Es ist grundsätzlich möglich, dass wir irgendwann in der Vergangenheit bereits besucht wurden und das bis heute nicht herausgefunden haben. Würden Sie selbst gerne noch einmal auf den Mond fliegen? Nein. Da war ich schon. Noch dazu in einem sehr historischen Moment. Der Mond ist kein sehr komfortabler Ort. Ich habe am Mond selbst die Worte Magnificent Desolation verwendet und das beschreibt es vielleicht am besten: Die Menschheit hatte soeben etwas Großartiges vollbracht, aber in demselben Moment sahen wir den trostlosesten, einsamsten Ort, den man sich vorstellen kann. Sie haben vor kurzem Ihren 80. Geburtstag gefeiert. Vor 40 Jahren waren Sie auf dem Mond. Welche Wünsche haben Sie? Ich habe die 40 Jahre danach sehr genossen. Sie haben aber teilweise weit größere persönliche Herausforderungen für mich gebracht als die Mondlandung. Ich musste mit Entmutigung und Depression fertig werden und hatte das leider zunächst mit Alkohol versucht. Das hat mir große Probleme bereitet. Ich habe den Kampf gegen die Alkoholsucht gewonnen und bin seit über 30 Jahren trocken. Ich schaue weit in die Zukunft und nutze meine verbleibende Zeit um möglichst viel dazu beizutragen, zukünftige Missionen auf den Weg zu bringen und diese Arbeit ist noch lange nicht erledigt. Z u r P e r S o N Buzz Aldrin, der am 20. Jänner seinen 80. Geburtstag feierte, war Pilot der Mondlandefähre eagle im rahmen der Apollo 11 Mission. Zuvor war er bereits mit Gemini 12 im Weltraum und führte Außenaktivitäten am raumschiff durch. Der ehemalige Kampfpilot im Koreakrieg studierte zunächst raumfahrttechnologie am MIT (Massachusetts Institute of Technology), ehe die NASA auf ihn aufmerksam wurde. Seine wissenschaftlichen Arbeiten über rendezvoustechniken im All wurden im Geminiprogramm erprobt und waren ein wesentlicher Schritt in richtung des Apollo- Programms. Gemeinsam mit Neil Armstrong erreichte er am 20. Juli 1969 den Mond. Die berühmtesten Farbfotos von den Außenaktivitäten am Mond zeigen vorwiegend Aldrin, fotografiert von einer am raumanzug Armstrongs montierten Hasselblad. Nach der rückkehr geriet Buzz Aldrin zunehmend in private Turbulenzen und hatte einige Zeit mit Depression und Alkoholsucht zu kämpfen. er beschreibt diese lange reise zurück in seiner Autobiographie Magnificent Desolation. er lebt heute mit seiner dritten ehefrau Lois in Los Angeles. Am 26. Jänner wurde Buzz Aldrin am Wiener Kongress Comsult mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet die wirtschaft Nr. 3 März 10

15 Photographer: Oliver Gast Digital Imaging:

16 Masterplan Diversity Management Text Martina Bachler Fotos Richard Tanzer Je bunter, desto schöner Immer mehr Unternehmen haben Diversity Management in ihren Unternehmensgrundsätzen verankert. Evelin Mayr, Personaldirektorin von HP, Konrad Fankhauser vom Beratungs- und Schulungsanbieter die Berater und der Diversity-Berater Manfred Wondrak diskutieren darüber, wie man das Bekenntnis zur Vielfalt überhaupt ins Unternehmen integriert, es ökonomisch nützt und mit welchen Schwierigkeiten dabei zu rechnen ist. Wo Diversity gelebt wird, sind die Leute stolz, in diesem Unternehmen zu arbeiten. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Vielfältigkeit für die Kreativität eines Teams essenziell ist. Firmen, die bereits jetzt Diversity Management nutzen, werden am Arbeitsmarkt der Zukunft im Vorteil sein. Manfred Wondrak, Diversity- Beratung Pauser & Wondrak Evelin Mayr, Personaldirektorin HP Konrad Fankhauser, die Berater 16 die wirtschaft Nr. 3 März 10

17 Masterplan Diversity Management Jeder kennt das: Je unterschiedlicher die Standpunkte, desto hitziger die Diskussion am Esstisch. Nicht auszuhalten, wenn alle immer derselben Meinung wären, wenn alle die gleichen Probleme und die gleichen Lösungen dafür hätten. Genau das ist aber, wonach viele Unternehmen oft suchen. Nach einer homogenen Masse von Mitarbeitern mit möglichst gleicher Ausbildung, die sich mühelos in das Unternehmen einfügen lassen. Standardmitarbeiter für Standardlösungen. Vor allem westliche Unternehmen rittern aber längst nicht mehr nur um die niedrigsten Kosten, sondern vor allem um die besten Ideen. Und spätestens seitdem sich die Konjunktur zu erholen beginnt, geht der Wettlauf um die kreativsten Köpfe in die nächste Runde. Mit Einzelleistungen ist es dabei nicht getan. Wenn es um Kreativität gehe, komme es auf das richtige Team an, heißt es aus den Personalabteilungen. Ein guter Mix aus frischen Denkansätzen werde gesucht, um mit einer sich massiv verändernden Arbeitswelt umgehen und davon profitieren zu können. Der gesellschaftliche und demografische Wandel bleibt für die Unternehmensführung nicht ohne Konsequenzen. Ob es um Arbeitszeitmodelle für Mütter geht, um Anreize für Menschen mit Migrationshintergrund oder darum, wie man ältere Mitarbeiter motiviert, die den Ehrgeiz der Jugend hinter sich gelassen haben neue Fragen werden zum Führungsalltag der Zukunft zählen. Geht es nach dem Ansatz des Diversity Managements, sollte man jede Veränderung in Richtung Vielfalt dankbar annehmen. Je bunter das Team, desto kreativer die Lösungen. Was sich einfach anhört, erfordert aber ein großes Bekenntnis, eine strategische Herangehensweise und dann die Ausdauer, den eingeschlagenen Weg auch durchzuhalten. Noch sind jene Unternehmen, die sich ganz auf Vielfältigkeit einlassen, rar gesät. Warum das so ist, aber nicht so bleiben wird und worum es genau bei diesem neuen Schlagwort geht, haben die Experten diskutiert. Was wirklich unter Diversity Management zu verstehen ist Wondrak: Wenn man die Wörter Diversity und Management betrachtet und auseinandernimmt, dann bedeutet Diversity zunächst einmal Vielfalt. Schreibt man das Wort groß, beschreibt es alle Unterschiede, die uns Menschen kennzeichnen, und ist eindeutig positiv besetzt. Unter Diversity Management verstehe ich ein strategisches Managementkonzept, das Unternehmen hilft, diese personelle Vielfalt zu erkennen, zu nützen, wertzuschätzen und zu steuern. Mayr: Auch wenn Diversity Management wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt, muss klar sein, dass sich dieses Steuerungsmittel einem Unternehmen nicht einfach aufoktroyieren lässt. Bei Hewlett Packard (HP) zum Beispiel hat das sehr viel mit Werten und der Unternehmenskultur an sich zu tun. Gegründet 1939, wurde der Respekt füreinander und der Wunsch, Vielfältigkeit im Unternehmen repräsentiert zu haben, bereits 1957 in den Unternehmensgrundsätzen festgeschrieben. Diversität wird hier aus dem Unternehmen selbst hervorgebracht. Sie zu nutzen fängt bei der Zusammensetzung von Teams an. Wondrak: Die Vielfalt fängt also beim einzelnen Menschen an, von dem es genau genommen acht Milliarden verschiedene Varianten gibt. Um das ein wenig zu strukturieren unterscheidet die Literatur sechs große Gruppen der Diversität, die übrigens auch die Basis des Gleichbehandlungsgesetzes bilden: Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung, ethnische Zugehörigkeit und Religion. Diese Dimensionen sollten bei Unternehmen, die sich proaktiv zu Diversity Management bekennen, berücksichtigt werden. Warum es für jedes Unternehmen gut ist, dass wir so verschieden sind Mayr: Mittlerweile gibt es genügend Studien, die belegen, dass diese Vielfältigkeit für die Kreativität eines Teams essenziell ist, was gerade einem IT-Unternehmen in einem innovationsgetriebenen Konkurrenzkampf sehr zugute kommt. Diversity Management versteht das Anderssein nicht mehr als Defizit, sondern als Wert. Wondrak: International agierende Unternehmen kommen um Diversity Management ganz einfach nicht mehr herum. Grundsätzlich ist es aber immer sinnvoll, zu diversifizieren, um Kreativität und Innovationsfähigkeit zu fördern. Es ist ja ganz klar: Gibt man fünf österreichischen Männern die Aufgabe, einen Tisch zu entwickeln, wird dabei etwas anderes Vorhersehbares herauskommen, als würde man dieselbe Aufgabe einem gemischten Team aus Männern und Frauen, In- und Ausländern, Behinderten und Nicht-Behinderten stellen. Und selbst als Einzelunternehmer kann ich von Vielfältigkeit profitieren, indem ich meine Aufträge an die unterschiedlichsten Gruppen vergebe, wie es bei IBM oder HP längst Usus ist. Das kostet natürlich Ressourcen, erlaubt es mir jedoch, neues Know-how zu bekommen und darüber neue Zielgruppen zu erschließen. Mayr: Die eigentliche Frage ist aber nicht jene nach den Kosten, sondern: Was habe ich davon? Diversität bringt schließlich neue, kreative Lösungen hervor. Wären bei der Entwicklung der ersten Spracherkennungstelefone zum Beispiel auch Frauen involviert gewesen, hätten die wirtschaft Nr. 3 März 10 17

18 Masterplan Diversity Management sie nicht nur Männerstimmen erkannt. Es führt also zu besseren Produkten, hilft aber auch, sich neuen Zielgruppen zu nähern. Vor allem, wenn man wie im Fall der Frauen weiß, dass sie den Großteil der Kaufentscheidungen im Hintergrund beeinflussen. Wondrak: Ein anderer wichtiger Faktor ist die Bindung ans Unternehmen. Wo Diversity gelebt wird, sind die Leute stolz, in diesem Unternehmen zu arbeiten. Es hält Talente und erleichtert, neue anzuziehen. Hier herrscht ein unglaublicher Aufholbedarf in Österreich. Mayr: Dabei darf man nicht vergessen, dass ein engagierter Mitarbeiter im Schnitt zwanzig Prozent mehr Leistung bringt und sein Engagement stark von der Arbeitsumgebung abhängt. Gut integrierte Mitarbeiter bleiben zu 87 Prozent bei der Unternehmung, das heißt, die Fluktuation und damit auch die Kosten bleiben niedrig. Fankhauser: Ein Teil der Kosten ist ohnehin schon in den Kosten für Führungsarbeit beinhaltet, denn um das Thema kommen Führungskräfte gar nicht herum, wenn sie differenziert und effizient führen wollen. Auch diese Punkte sind gut erforscht und selbst in Österreich ist die Sensibilität in den Führungsebenen dafür hoch: Nur leider hapert es an der Umsetzung. Warum Diversity Management vor allem Einstellungssache ist Wondrak: Diversity Management versteht das Anderssein nicht mehr als Defizit, sondern als Wert. Gerade weil jemand anders ist, möchten wir ihn im Unternehmen haben, weil er ein besonderes Potenzial an sich hat. Mayr: Auch hier spielt die Unternehmenskultur eine wesentliche Rolle. Jeder Mitarbeiter muss wissen, dass er seinen speziellen Hintergrund, seine Persönlichkeit auch tatsächlich einbringen darf und kann, dass er nichts verstecken oder außen vor lassen muss, sondern sich entwickeln und entfalten darf. Fankhauser: Dabei geht es aber nicht um das Abstempeln einzelner Gruppen, was sich mitunter sehr kontraproduktiv auswirken kann. Vorsicht, Einfühlungsvermögen und klare Entscheidungen sind hier gefragt. Man weiß zum Beispiel, dass ältere Mitarbeiter bei bester Motivation schwächer sind, wenn das Licht schlecht ist, es zu heiß ist oder sie lange stehen müssen. Man weiß auch, dass jüngere Mitarbeiter eine Herausforderung brauchen, um motiviert zu sein, ältere jedoch eher bei ihrer Erfahrung abgeholt werden wollen. Diese Dinge muss man als Führungskraft berücksichtigen. Mayr: Mir gefällt das Bild eines bunten Blumenstraußes: Je bunter, desto schöner und einmal braucht man mehr von dem, einmal mehr von dem anderen. Für HP in Österreich ist das Thema Frauen in der Technik ganz wichtig. Wenn ich mich als Arbeitgeber so positioniere, dass ich auch Frauen egal welchen Alters anspreche, besteht die Chance, dass diese Arbeitnehmerinnen tatsächlich und gerne zu mir kommen. Und bleiben. Dafür muss es aber ein glaubwürdiges Package mit den richtigen Rahmenbedingungen sein. Wie es gelingt, einen bunten Menschenmix hinzubekommen Mayr: Man muss ganz gezielt danach suchen. Um Frauen einen Zugang zur Technik und mit IT verwandten Berufsbildern zu geben, arbeiten wir zum Beispiel bereits mit Schulen zusammen, dann natürlich mit FHs und Unis. Auch über Facebook und Twitter wollen wir unser Unternehmen mit Gesichtern, mit Personen erlebbar machen. Außer Frage steht aber, dass ich grundsätzlich die beste Person für diesen Job suche, die alle 18 die wirtschaft Nr. 3 März 10

19 Masterplan Diversity Management Qualifikationen dafür mitbringt und ins Team passt. Ich sorge aber dafür, dass sich überhaupt erst genügend Frauen bewerben. Wondrak: Dabei spielen auch Sponsoring und Werbung in bestimmten Communities eine wichtige Rolle, weil man damit Wertschätzung und Interesse zeigt. Fankhauser: Selbst KMU mit kleinen Budgets und starker regionaler Verankerung können ganz einfach ihre Offenheit für Vielfalt signalisieren. Es hängt vom Bewusstsein des Geschäftsführers ab, zu sagen, es ist mir wichtig, dass mein Bild in der Öffentlichkeit Aufgeschlossenheit kommuniziert. Wondrak: Oft geht es auch darum, das vorhandene Potenzial richtig auszuschöpfen. Hat ein Installateur zum Beispiel einen serbischen Mitarbeiter, kann er diese Sprachkompetenz als Extraleistung gleich auf seiner Homepage auspreisen. Eine Win-Win-Situation. Fankhauser: Fängt man erst an, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist ein Training für die Führungskräfte ein großer Gewinn, weil es hilft, genau solche Chancen zu erkennen. Wichtig ist es aber, diese Offenheit für Vielfalt glaubwürdig zu vertreten nach außen genauso wie nach innen. Wie sich Unternehmen glaubwürdig engagieren und ihr Image stärken Mayr: Glaubwürdigkeit entsteht nur über die Zeit. Wir können bereits Vorbilder aufzeigen, hatten mit Carly Fiorina eine der ersten weiblichen CEOs weltweit und haben in Österreich drei Frauen im fünfköpfigen Vorstand. Auch mit einem Frauenanteil von 30 Prozent ist es nicht getan, um zukunftsfähig zu sein. Wir müssen uns immer wieder überlegen, was wir unserer Zielgruppe bieten können, und setzen dabei auf verschiedene Arbeitsmodelle statt auf Quote. Fankhauser: Bei uns stellt sich das Thema Gender praktisch andersherum. Bei einem Frauenanteil von Prozent, was im Schulungsbereich normal ist, waren wir früh gezwungen, uns sehr flexible Arbeitszeit-Lösungen einzufallen, die ankommen. Wondrak: Die Glaubwürdigkeit fängt bei KMU eben bei der Person des Einzelunternehmers an. So wie er sich positioniert, wird er als Arbeitgeber wahrgenommen. Davon hängt ab, welche Lehrlinge, welche Mitarbeiter er anzieht. Das kann ein Kleinunternehmen wunderbar kommunizieren. Fankhauser: Und anderes ist auch einfach nicht mehr zeitgemäß. Wenn ich ein Publikum mit Liebe Kollegen anspreche, wovon jedoch 80 Prozent Frauen sind, kann ich heute inhaltlich gar nicht mehr ernst genommen werden. Was Unternehmen dennoch an der Umsetzung hindert Fankhauser: Es braucht einen Anlass. Bei uns war er zum Beispiel durch die hohe Frauenquote und auch durch die Anforderungen der Ausschreibungspolitik schon früh gegeben. Wir haben uns damit beschäftigt, wie sich Altersspezifika auf den Arbeitsalltag und das Lernen auswirken. In Trainings versuchen wir, Führungskräfte dafür zu sensibilisieren. Noch ist der demografische Druck aber zu wenig spürbar. Wenn wir aber erstmals mehr ältere als junge Menschen am Arbeitsmarkt haben, werden wir sehen, was das für die Arbeitsgestaltung bedeutet. Wondrak: Diesen Druck sehe ich auch, und nicht nur beim Alter. Momentan ist Diversity Management für 80 Prozent der Unternehmen etwas, das erst in Zukunft wichtig wird. Dabei werden zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund eine große Rolle spielen, über den in Wien schon 30 Prozent der Bevölkerung verfügen. Spätestens seit der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft ist auch die sexuelle Orientierung ein Thema. Der Druck, sich damit zu beschäftigen, entsteht automatisch. Fankhauser: Noch ist das Thema aber schwierig zu vermitteln. Es gibt hier immer wieder Widerstand, man fragt sich, was soll das. Viele fühlen sich am Schlipps getreten, wenn man zum Beispiel über das Binnen-I diskutiert. Wondrak: Wenn man nur eine oder zwei Dimensionen von Diversity betrachtet, dann kommt man in die Gefahr, sich dabei zu verzetteln. Besser ist es, immer mit mehreren Dimensionen zu arbeiten, um Vielfalt wirklich zu leben und auch einen unternehmerischen Nutzen daraus zu ziehen. D o s U n D D o n T s Erkennen, zulassen, nutzen Diversity Management bedeutet das Erkennen, Zulassen und Nutzen von Unterschieden. Erkennen heißt seinen Blick zu differenzieren. Zulassen heißt den Wert von Unterschieden zu erkennen und darin nicht Mängel zu sehen. Erst dann kann Vielfalt genutzt werden. Wenn schon, denn schon Je mehr diversifiziert wird, desto besser. Es sollte sich nicht nur auf zwei Dimensionen wie Geschlecht und Alter beschränken, auch wenn man damit natürlich beginnen kann. Richtig suchen Die Religionszugehörigkeit und die sexuelle Orientierung eines zukünftigen Mitarbeiters geht das Unternehmen per Gesetz nichts an. Um dennoch auch hier einen Mix herzustellen, lohnt es sich, über zielgruppenorientierte Medien oder Sponsoring nach Bewerbern zu suchen. Natürlich mit Sujets, die suggerieren, dass genau diese Vielfalt willkommen ist. Glaubwürdigkeit erarbeiten Werte wie Diversity müssen gelebt, und nicht bloß an die Wand geschrieben werden. In KMU steht vor allen anderen der Unternehmer selbst dafür ein, damit es nicht beim Lippenbekenntnis bleibt. Dranbleiben Wichtig ist es, ein Ziel vor Augen zu haben und dann die richtigen Schritte zu setzen. Weil es die einzig richtige Lösung nicht gibt, heißt es dranbleiben und immer wieder schauen, ob die Teams stimmig sind und in ihrer Vielfältigkeit funktionieren. Minimalstandards einhalten Wer sich nicht zu einem nachhaltigen Engagement hinreißen lassen kann, sollte zumindest das Gleichbehandlungsgesetz einhalten. Das heißt zum Beispiel, Jobs geschlechtsneutral auszuschreiben. die wirtschaft Nr. 3 März 10 19

20 Chefsache Steuern Text Rudolf Siart Kontakt Siart + Team Treuhand, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, Der Aktenberg ruft Wer einen Betrieb führen will, steht automatisch in der Pflicht diverse Aufzeichnungen zu führen. Wenn man sich nicht daran hält, wird man einerseits für die Prüfer der Finanz ein gefundenes Fressen, andererseits besteht die Gefahr, mittelfristig im eigenen Chaos zu versinken. Wer ein paar Grundregeln beachtet, kann beides vermeiden. Photos.com Jeder Abgabenpflichtige hat und ein Unternehmer ist ein solcher nach Maßgabe diverser gesetzlicher Bestimmungen Aufzeichnungen zu führen, an Hand derer die abzuführenden Steuern berechnet werden. Diese Aufzeichnungen müssen in ihrer Form den Vorgaben entsprechen, andernfalls kann die Finanzbehörde von der formalen Fehlerhaftigkeit leicht auf eine inhaltliche Fehlerhaftigkeit schließen. Dabei gilt es ein paar Regeln zu beachten. So müssen die Aufzeichnungen vollständig (lückenlos), richtig (der Wirklichkeit entsprechend) und zeitgerecht vorgenommen werden. Einmal gemachte Eintragungen dürfen zudem nicht unkenntlich gemacht werden. Es darf also nicht radiert werden, auch nicht elektronisch. Die inhaltsgleiche, vollständige und geordnete Wiedergabe muss bis zum Ablauf der Aufbewahrungspflicht gewährleistet sein dies gilt auch für Datenträger. Tipp: Eine gute Organisation ist Trumpf und hilft Steuern und Steuerberaterhonorar sparen. Das Kassabuch Zentraler Punkt ist die ordnungsgemäße Kassabuchführung. Im Kassabuch sind alle Bareingänge und Barausgänge einzeln, detailliert und täglich zu erfassen. Das bedeutet, dass Datum, Belegnummer, eine Textbeschreibung sowie der Betrag gegebenenfalls auch die Umsatzsteuer erfasst werden. Wird das Kassabuch händisch geführt, sollte ein gebundenes Kassabuch mit durchnummerierten Seitenzahlen verwendet werden. Bei elektronischen Kassabüchern muss sichergestellt sein, dass keine nachträglichen Manipulationen möglich sind. Dementsprechend erfüllen Aufzeichnungen mittels MS Excel in aller Regel nicht die strengen Ansprüche der Finanzämter. Das Wareneingangsbuch Gemäß 127f BAO müssen alle gewerblichen Unternehmer, die Waren weiterverkaufen, ein Wareneingangsbuch für steuerliche Zwecke führen, sofern keine doppelte Buchhaltung existiert. Im Wareneingangsbuch sind alle Waren einschließlich der Rohstoffe, Halberzeugnisse, Hilfsstoffe und Zutaten einzutragen, die für die gewerbliche Weiterveräußerung oder Verarbeitung erworben werden. Aber auch Waren, die letztlich für betriebsfremde Zwecke verwendet werden, müssen erfasst werden. Im Wareneingangsbuch muss bei fortlaufender Nummer die jeweilige Ware mit ihrer branchenüblichen Bezeichnung eingetragen werden. Ebenso muss der Tag des Wareneingangs oder der Rechnungsausstellung, Name und Anschrift des Lieferanten, der Preis und ein Hinweis auf den jeweiligen Beleg festgehalten werden. Es sind am Monats- und am Jahresende Summen zu bilden. Freiberufler müssen kein Wareneingangsbuch führen. Bankbelege, Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen Die Bankbelege (Kontoauszüge und dazugehörige Belege wie Erlagscheine) müssen genauso wie Eingangs- und Ausgangsrechnungen geordnet, nummeriert und vollständig aufbewahrt werden. Kontoauszüge sind in aller Regel durchnummeriert, bei Eingangsrechnungen muss hingegen eine Eingangsnummer hinzugefügt werden. Aufbewahrungspflicht Alle Bücher, Aufzeichnungen und die dazugehörigen Belege auch Kassastreifen und Schmierzettel müssen zumindest sieben Jahre, in bestimmten Fällen bis zu 19 Jahre, aufbewahrt werden. Tipp: Es geht nicht nur darum, Zahlscheine für das Finanzamt zu erzeugen. Je besser die Organisation der Aufzeichnungen, desto klarer ist der unternehmerische Kurs. Und wenn man schon vor dem Besuch beim Steuerberater weiß, was ungefähr am Jahresende herauskommt, ist man unterm Strich besser beraten. In der nächsten Ausgabe berichten wir über die Aufzeichnungspflichten bei der Gewinnermittlung und die Organisation des Kontenplans. 20 die wirtschaft Nr. 3 März 10

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